536  Sachsen  von  1833—1848.

heit  gewichen,  mit  der  man  sich  beiderseits  beobachtete:  das
Ministerium  sah  in  jedem  Streben  nach  Fortschritt  Umsturztendenzen,
  die  liberale  Partei  wurde  durch  den  Widerstand  der
Regierungsgewalt  immer  weniger  wählerisch  in  ihren  Mitteln.
Zuerst  kam  die  Maßregelung  der  Presse.  Nicht  genng,  daß  die
dürftigen,  von  der  zweiten  Kammer  dem  Preßgesetz  erkämpften
Erleichterungen  in  der  Ausführung  illusorisch  gemacht  wurden,
daß  die  Regierung  sogar  auf  Verlangen  des  berliner  Cabinets
um  nach  in  Preußen  verbotenen  Büchern  zu  fahnden,  in  Leipzig
die  dorthin  gehenden  Bücherballen  öffnen  ließ,  Welkers  Schrift
über  den  Bundestag  verboten  wurde,  kein  sächsisches  Blatt  den
Jordan'schen  Prozeß  erwähnen  durfte,  ward  auch  die  Besprechung
innerer  Landesangelegenheiten  auf  das  geringste  Maß  eingeschränkt,
  selbst  die  öffentliche  Empfehlung  eines  Wahlcandidaten
  untersagt,  die  seit  kurzem  in  etwas  lebhafterem  Aufschwunge
  begriffene  Localpresse  unter  specielle  Aufsicht  und  Cenfur
genommen,  die  oppositionelle  durch  Bedrohung  gezügelt,  die
kecksten  dieser  Blätter,  Helds  Locomotive,  O.  Wigands  Vierteljahrschrift,
  Das  Echo  vom  Hochwald,  Die  Sonne,  unterdrückt;
  eine  Handhabung  der  Preßpolizei,  die  in  auffallendem
Gegensatze  stand  zu  der  Nachsicht,  ja  der  Begünstigung,  deren
die  Blätter  der  entgegengesetzten  Richtung,  wie  der  von  Krause,
später  von  Florencourt  redigierte  Verfassungsfreund,  genossen.
Ungehindert  predigten  das  Volksblatt  und  der  Bayard  mit
einer  in  Sachsen  noch  nicht  erhörten  Gemeinheit  der  Gesinnung
und  des  Ausdrucks  neben  der  politischen  zugleich  die  kirchliche
Reaction,  jenes  im  Sinne  des  hierarchischen  Lutherthums,  dieser
als  Vorkämpfer  des  Ultramontanismus.

Gerade  aber  die  Einmischung  kirchlicher  Fragen  rührte  an
eine  der  empfindlichsten  Seiten  des  sächsischen  Volkes.  Kein
Landtag  war  seit  1831  vorübergegangen,  auf  dem  sich  nicht
die  Befürchtungen  wegen  einer  über  Sachsen  hinschleichenden
römischen  Propaganda  erneuert  hätten.  Um  dem  Übelstande  abzuhelfen,
  daß  die  sächsischen  katholischen  Geistlichen  ihre  Bildung
im  Auslande,  dem  Priesterseminar  zu  Prag,  empfingen,  schlug
Krug  1836,  wiewohl  vergeblich,  die  Errichtung  einer  katholischen