Aufregung.  Landtag  1845/46.  547

Reformen  erfaßte  den  größten  Theil  des  Landes,  selbst  das
sehr  loyale  Freiberg  wurde  davon  ergriffen,  als  in  einer  zwischen
den  Offizieren  der  Garnison  und  den  Bergakademisten  entstandenen
  Reibung  die  Regierung  zum  nicht  geringen  Schaden
der  Stadt  sehr  augenfällig  für  die  ersteren  Partei  ergriff.
Nur  die  Lausitz  verharrte  zum  größten  Theil  in  politischer
Apathie.

Mit  welcher  Spannung  sah  man  daher  diesmal  dem  Landtage
  entgegen,  der  einzigen  Stelle,  wo  die  Klagen  und  Beschwerden
des  Landes  ungehindert  laut  werden  durften!  Eine  von  R.  Blum
und  1154  Genossen  zu  Leipzig  ausgehende  Petition,  welche  alle
Hauptbeschwerden,  und  zwar  bezeichnend  genug  nicht  bloß  die
gegen  sächsische  sondern  auch  gegen  allgemeine  deutsche  Verhältnisse
  gerichteten,  zusammenfaßte  1),  leitete,  geschickt  organisiert,
einen  allgemeinen  Petitions=  und  Beschwerdesturm  ein,  der
eine  stürmische  Session  voraussehen  ließ.  Die  Zusammensetzung
der  zweiten  Kammer  zeigte  sich  bei  Eröffnung  des  Landtags,
14.  September  1845,  nicht  unwesentlich  verändert;  zu  der
früheren  Opposition  war  in  Schaffrath,  Joseph,  Hensel-Bernstadt,
  dem  Deutschkatholiken  Rewitzer  aus  Chemnitz  u.  A.  ein
jüngerer,  „entschiedenerer“  Nachwuchs  gekommen,  der,  wennschon
  er  sich  noch  Todts  Führerschaft  unterordnete,  bald  die
Opposition  weiter  mit  sich  fortriß,  bald  auch  sich  als  äußerste
Linke  von  ihr  absonderte  und  die  Gemäßigteren  wie  Braun,
Georgi,  Brockhaus  mehr  in  die  Stellung  eines  linken  Centrums
drängte.  Der  Triumph  der  liberalen  Partei,  daß  sie  Braun  als
zweiten  und  nach  hartem  Kampfe  gegen  den  Führer  der  Rechten,
  v.  Thielau,  Todt  als  vierten  Candidaten  für  das  Direc-1)

  Erläuterung  von  §  89  der  Verfassung,  die  Bundesbeschlüsse  betreffend,
  die  wiener  Beschlüsse  von  1834,  Erfüllung  von  Art.  13  der
Bundesacte,  Aufrechthaltung  der  deutschen  Volksthümlichkeit  in  Schleswig-Holstein,
  Aufhebung  der  Censur,  Verbefsferung  der  Lage  der  Volksschullehrer,
  Herabsetzung  des  sächsischen  Contingents  und  dessen  Vereidigung
auf  die  Verfassung  2c.  —  Ammons  Landtagspredigt  über  Luc.  14,  1—9
hatte  zum  Thema:  „Die  hohe  Weisbeit,  mit  welcher  Christus  die  verstimmten
  und  aufgeregten  Gemüther  seiner  Zeit  beruhigt.“

357