Landtag  1845/46.  Resultate  desselben.  555

So  gieng  also  der  Landtag  weniger  stürmisch  zu  Ende
(13.  Juni),  als  es  anfangs  den  Anschein  gehabt  hatte,  auch
nicht  ohne  manchen  nützlichen  Fortschritt  in  der  Gesetzgebung
zu  Stande  gebracht  zu  haben,  z.  B.  das  definitive  Gewerbund
  Personalsteuergesetz  (24.  December  1845),  das  Laudemialgesetz,
  das,  dem  Principe  der  einseitigen  Provocation  auf  Ablösung
  sich  zuwendend,  den  Schlußstein  des  großen  Werkes  von
1832  bildete,  und  das  über  den  Schluß  der  Landrentenbank
mit  dem  1.  April  1849,  beide  vom  21.  Juli  1846,  die
Gesetze  über  die  Bestellung  von  Friedensrichtern  (22.  Juni)  und
über  Erfüllung  der  Militärpflicht  (1.  August),  die  planmäßige
Feststellung  des  sächsischen  Eisenbahnsystems  und,  da  die  Anregungen
  des  leipziger  Handelsstandes  zu  einem  gemeinsamen
deutschen  Wechselrecht  vorläufig  ohne  Erfolg  geblieben  waren,
eine  Wechselordnung  u.  s.  w.  Allein  die  großen  politischen  und
kirchlichen  Anliegen  des  Volkes  waren  fast  sämtlich  unerledigt
geblieben,  zum  Theil  nicht  einmal  zur  Berathung  gelangt,
wovon  nicht  bloß  die  Ungeneigtheit  der  Regierung  sondern  auch
die  übermäßige  Breite  der  Verhandlungen  die  Schuld  trug.
Gerade  die  liberalen  Abgeordneten  vergeudeten  eine  kostbare
Zeit  mit  endlosen  Befürwortungen  jeder  einzelnen  Petition,
nur  um  dabei  politische  Reden  halten  zu  können;  allein  über
die  Frage  der  Öffentlichkeit  und  Mündlichkeit,  die  auf  dem
vorigen  Landtage  bereits  auf  das  Gründlichste  durchgesprochen
worden  war,  fühlten  sich  auch  diesmal  nicht  weniger  als  vierzig
Redner  gedrungen  einige  Worte  zu  sprechen.  Erklärlich  daher,
daß  eine  Übersättigung,  ein  Sinken  der  Theilnahme  an  der
Politik  im  Volke  eintrat;  selbst  der  Deutschkatholicismus,  durch
Zerwürfnisse  im  Innern  gespalten,  hatte  sich  schnell  abgenutzt
und  entsprach  nicht  mehr  den  anfangs  von  ihm  gehegten  hochgespannten
  Erwartungen;  wenn  ein  großer  Theil  der  Gemeinde
Gelenau  bei  Zschopau,  weil  ihr  Patron  ihr  einen  mißliebigen
Pfarrer  aufdrängen  wollte,  zu  ihm  übertrat,  so  war  das  ein
Zuwachs  von  zweifelhaftem  Werthe  1).  Die  große  Masse  der

1)  Im  Ganzen  brachte  er  es  in  Sachsen  auf  18  Gemeinden.