562.  Das  Jahr  1848.

Auftrag  übernommen  hatte,  öffnete  dem  Könige  durch  seinen
Bericht  die  Augen  über  den  wahren  Charakter  der  leipziger
Bewegung;  am  13.  März  erfolgte  der  Rücktritt  des  Ministeriums
  Könneritz  zugleich  mit  der  Zurückziehung  der  in  Leipzigs
Nähe  versammelten  Truppen  1).  Die  Unterhandlungen  wegen
Bildung  eines  neuen  Ministeriums  giengen  durch  v.  Zeschau's
Hand.  Auf  manche  Lippe  trat  der  Name  des  gefeierten  v.  Lindenau,
  der  zurückgezogen  auf  seinem  Gute  Polhof  lebte;  allein
dieser  lehnte  das  Ansinnen  sich  von  freien  Stücken  dem  Ohre
des  Königs  zu  nähern  bestimmt  ab;  wohl  aber  hatte  er  schon
unter  der  Hand  in  Dresden  den  Rath  ertheilt,  schleunigst  den
auch  von  der  öffentlichen  Meinung  als  den  Mann  der  Situation
bezeichneten  und  bei  allen  Parteien  hochgeachteten  Präsidenten
der  zweiten  Kammer  Braun  in  den  Rath  der  Krone  zu  berufen.
  Dieser  trat  auch  an  die  Spitze  des  neuen  am  16ten
gebildeten  Ministeriums;  sein  Freund  R.  Georgi,  auf  dem
letzten  Landtage  als  tüchtiger  Finanzmann  bewährt,  übernahm
die  Finanzen,  Oberst  Graf  v.  Holtzendorff  den  Krieg  2),  Professor
  v.  d.  Pfordten  das  Außere  und  Innere,  vertauschte  aber
letzteres  mit  dem  Departement  des  Cultus,  als  Martin  Oberländer,
  dessen  Ernennung  eine  schwer  durchgesetzte  Concession
an  die  Zeitströmung  war,  am  2osten  durch  seinen  Eintritt  das
Ministerium  vervollständigte.  Der  eigentlich  vom  Hofe  zu
Könneritz'  Nachfolger  bestimmte  Gesandte  in  London  v.  Beust
traf  erst  am  2östen  insgeheim  in  Dresden  ein;  ohne  sich
öffentlich  gezeigt  zu  haben  kehrte  er  auf  seinen  Posten  zurück.
Der  außerordentliche  Landtag  wurde  abgesagt.

Eine  laute  und  allgemeine  Freude  über  den  errungenen
Sieg  gieng  durch  das  ganze  Land.  Mehr  als  einer,  selbst
königliche  Behörden  hatten  sich  über  Nacht  zu  liberalen  Grund-1)

  v.  Wietersheim,  der  sich  seitdem  von  jeder  Politik  ganz  fern  hielt,
widmete  seine  Muse  größtentheils  geschichtlichen  Arbeiten  (Geschichte  der
Völkerwanderung,  4  Bände,  1859—1864);  er  starb  16.  April  1865.

2)  An  seine  Stelle  trat  bald  wieder  v.  Oppell  ein  und  als  dieser
wegen  Erkrankung  ausschied,  Generalmajor  v.  Buttlar.