Zweiter  Wahlgesetzentwurf.  589

Die  Beibehaltung  einer  ersten  Kammer  und  eines  Census
für  dieselbe  versetzte  die  Radicalen  in  großen  Zorn.  Schnell
wurde,  um  einen  Druck  auf  die  widerstrebenden  Elemente  des
Ministeriums  auszuüben,  auf  den  3.  September  eine  Generalversammlung
  sämtlicher  Vaterlandsvereine  nach  Dresden  einberufen.
  Das  Wahl=  und  das  Preßgesetz,  das  ganze  Verhalten
des  Ministeriums  erfuhren  hier  die  schärfsten  Angriffe;  nach
stürmischen  Verhandlungen  setzte  es  die  äußerste  Linke  mit  einer
Stimme  Majorität  durch,  daß  die  Aufrechthaltung  der  constitutionellen
  Monarchie  für  Sachsen  aus  dem  Programm
des  Vereins  gestrichen  wurde.  Die  ferneren  Beschlüsse:  Einkammersystem
  ohne  Census,  Entlassung  des  Ministeriums  und
Bildung  eines  Ministeriums  Oberländer,  Auflösung  des  Landtags
  und  Berufung  einer  constituierenden  Versammlung  wurden
Tags  darauf  durch  die  Zustimmung  einer  großen  Volksversammlung
  bekräftigt.

So  hatte  die  republikanische  Partei  die  Maske  abgeworfen.
Die  nächste  Folge  war,  daß  die  überstimmte  Minderheit  austrat,
  ohne  daß  sie  jedoch  deshalb  aufhörte  mit  den  demokratischen
  Vaterlandsvereinen  in  allen  politischen  Hauptfragen  Hand
in  Hand  zu  gehen.  Auch  blieb  nach  außen  und  für  die  gemeinschaftlichen
  Bestrebungen  ein  gemeinschaftlicher  Central-=ausschuß
  bestehen.  Die  ganze  Demonstration  vom  3.  September
  aber  verfehlte  ihren  Zweck.  Oberländer  erklärte  der
Deputation,  welche  ihm  die  Beschlüsse  des  souverainen  Volkes
verkündete,  daß  er  sich  von  seinen  Collegen,  wenn  er  auch  mit
ihnen  nicht  ganz  auf  gleichem  Standpunkt  stehe,  nicht  trennen
werde;  die  Mehrheit  der  zweiten  Kammer  stand  fest  zum
Ministerium.  Um  zu  verhindern,  daß  die  Berichterstattung
über  das  Wahlgesetz  in  Teschirners  Hände  falle,  überwies  sie
dasselbe  einer  außerordentlichen  Deputation,  trotz  des  heftigsten
Protestes  der  Linken,  trotzdem  daß  Tzschirner  unter  dem  tobenden
  Beifalle  der  Galerieen  der  Majorität  drohte:  „wenn
sie  die  Linke  tyrannisieren  wolle,  so  werde  ein  anderer  Richter
über  sie  kommen,  nämlich  das  Volk!"“  Die  schreckliche  Mordscene
  in  Frankfurt,  ziemlich  ernsthafte  Excesse,  die,  wie  es  schien,