Die  Mairevolution  1849.  621

unterwegs,  dort  die  letzten  Anordnungen  für  den  auf  den
10.  Mai  angesetzten  Aufstand  zu  treffen,  als  der  vorzeitige
Ausbruch  in  Dresden  ihn  dorthin  zurückrief  und  seine  Berechnungen
  vereitelte.

Gegenüber  dieser  steigenden  Fluth  der  Revolution  war  die
Lage  der  Regierung  eine  höchst  mißliche.  Von  der  Armee,
ihrer  einzigen  Stütze,  deren  den  Anordnungen  des  Reichsministeriums
  entsprechende  Vermehrung  im  Ministerrath  abgeworfen
  worden  war,  stand  die  größere  Hälfte  in  Schleswig,
von  dem  wenig  über  4800  Mann  betragenden  Reste  befanden
sich  in  Dresden  nur  1880  Mann  mit  6  bespannten  und  9
unbespannten  Geschützen,  alles  Uebrige  stand  theils  in  Leipzig,
theils  im  Erzgebirge  und  Vogtlande,  wo  die  Regierung  eine
Schilderhebung  viel  eher  als  in  der  Hauptstadt  erwartet  hatte.
Sobald  sie  sich  aber  überzeugte,  daß  es  sich  hier  um  mehr  als
einen  bloßen  Straßencrawall  handele,  entschloß  sie  sich,  selbst
auf  die  Gefahr  hin,  das  übrige  Land  durch  Entblößung  von
Truppen  möglichenfalls  der  Revolution  preiszugeben,  alle  erreichbaren
  Streitkräfte  in  der  Hauptstadt  zu  concentrieren  um
wenigstens  diese  auf  alle  Fälle  zu  halten.  Während  also  Boten
nach  Leipzig  und  Chemnitz  eilten  um  die  dortigen  Garnisonen
so  schnell  wie  möglich  herbeizuziehen,  ließ  der  Gouverneur,
Generalmajor  v.  Schulz,  das  königliche  Schloß  durch  eine  starke
Infanterieabtheilung  unter  Oberst  v.  Friderici  besetzen,  die  Zeughausbesatzung
  durch  alle  in  der  Neustadt  disponible  Mannschaft
verstärken;  aus  Radeberg  rückte  eine  reitende  Batterie  ein.
Im  Uebrigen  verhielten  sich  die  Truppen  passiv,  in  ihren  Stellungen
  das  Eintreffen  der  Verstärkungen  erwartend.  Auf
diplomatischem  Wege  hatte  die  Regierung  für  den  äußersten
Fall  sich  preußischer  Hilfe  versichert,  aber,  um  dieselbe  nicht
ohne  Noth  ins  Land  zu  ziehen,  dem  in  Görlitz  commandierenden
Offizier  die  Weisung  geschickt,  nicht  vor  weiterer  Requisition  in
Sachsen  einzurücken.  Da  aber  die  Unzulänglichkeit  der  eigenen
Kräfte  immer  deutlicher  hervortrat,  sendete  sie  noch  am  Abend
des  3Zten  den  Oberleutenant  Funke  nach  Berlin  um  sich  der
fremden  Hilfe  direct  und  möglichst  rasch  zu  versichern.  Die