Die  Mairevolution  1849.  625

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der  Messe  wegen  fast  sämtlich  beurlaubt;  eine  Alarmierung  bei
der  aufgeregten  Stimmung  der  Stadt  völlig  unthunlich,  ihr
Abmarsch  daher  vor  abends  7  Uhr  unausführbar.  Wie  bedenklich
  es  aber  auch  scheinen  mußte  während  der  Messe  und
bei  der  herrschenden  Gährung  die  Stadt  gänzlich  zu  entblößen,
so  hielt  sich  der  Commandant  democh  für  verpflichtet,  einem  so
bestimmt  gehaltenen  Befehle  unbedingt  zu  gehorchen.  Der
Commandant  der  Communalgarde,  Dr.  Neumeister,  verbürgte
sich  für  die  Aufrechthaltung  der  Ordnung.  Sobald  jedoch  die
bevorstehende  Abfahrt  der  Garnison  nach  Dresden  ruchbar
wurde,  rotteten  sich  dichte  Haufen  zusammen,  versperrten  den
Zugang  zum  Bahnhof,  rissen  die  Schienen  auf,  so  daß  die
Truppen  einen  weiten  Umweg  bis  Borsdorf  machen  mußten
um  die  Bahn  und  die  nöthigen  Transportmittel  zur  Fahrt
nach  Dresden  zu  erreichen,  wo  ihre  Ankunft  den  sinkenden  Muth
der  schwachen  Besatzung  nicht  wenig  belebte.

Sodann  langten  noch  vor  Abend  die  Minister  Rabenhorst
und  v.  Beust,  mit  unbediugter  Vollmacht  versehen,  im  Blockhause
  an,  während  Zschinsky  beim  Könige  blieb.  Mit  Rücksicht
auf  die  abgeschlossene  Convention  verschob  der  Kriegsminister
die  Ausführung  seiner  Absicht,  vor  allem  das  Zeughaus  durch
ausschließlich  militärische  Macht  sicherzustellen,  bis  zum  nächsten
Morgen.  Auf  die  Meldung,  daß  der  Sitz  der  Regierung  sich
wieder  im  Blockhause  befinde,  erschien  alsbald  dort  eine  Deputation
  des  Stadtrathes,  um  womöglich  der  Anwendung  von
Gewalt  vorzubeugen;  da  sie  aber  die  von  den  Ministern  gestellte
Bedingung,  daß  der  Stadtrath  die  dem  König  treu  gebliebenen
Einwohner  vereinige  um  den  Aufstand  zu  dämpfen,  als  unausführbar
  ablehnen  mußte,  nahm  sie  nur  den  Bescheid  mit
fort,  daß  unter  solchen  Umständen  die  eingeleiteten  Gewaltmaßregeln
  unbedingt  und  unverzüglich,  wenn  auch  mit  möglichster
Schonung  der  Stadt  zur  Ausführung  gebracht  werden  müßten.
Um  Mitternacht  trafen  zwei  Bataillone  vom  Leibregiment  ein,
dem  am  Morgen  das  dritte  aus  Schneeberg  folgte,  und  früh
um  4  Uhr  konate  Oberst  Dietrich  melden,  daß  auch  das  Zeughaus
  wieder  vertheidigungsfähig,  die  Besatzung,  der  verschie-Flatbe,

  Neuere  Geschichte  Sachsens.  40