Die  Mairevolution  1849.  629

hob  die  Zuversicht  und  den  Muth  der  Truppen  mächtig,  desto
niederschlagender  wirkte  ihre  Erscheinung  auf  die  Insurgenten
als  der  Vorbote  noch  weiter  zu  erwartender  Verstärkungen  1).
An  einen  Sieg  war  für  diese  schon  jetzt  nicht  mehr  zu  denken.
Todt  entzog  sich  dem  Schauplatz  des  Kampfes,  indem  er  sich
am  folgenden  Morgen  nach  Frankfurt  versenden  ließ  um  von
der  Nationalversammlung  Reichstruppen  zur  Unterstützung  des
Aufstandes  zu  erbitten;  nach  seiner  Entfernung  war  Heubner
um  so  weniger  im  Stande,  dem  wachsenden  Terrorismus
Tzschirners  und  Bakunins  die  Wage  zu  halten.  Die  Lage  des
Stadtraths  war  seit  dem  Ausbruche  des  Kampfes  immer
schwieriger  geworden.  Zwar  hatte  die  Regierung  alle  Behörden
  angewiesen,  sobald  sie  in  der  Altstadt  in  ihrer  Wirksamkeit
  gehindert  würden,  sich  nach  der  Neustadt  zurückzusiehen;
dennoch  aber  und  obgleich  Heubner  ihnen  erklärte,  nicht  unstehen
zu  können,  daß  nicht  zuletzt  das  Rathhaus  gegen  das  Militär
vertheidigt  werden  würde,  beschlossen  die  noch  fungierenden  Mitglieder
  vesselben  einstimmig,  zur  Wahrung  der  communalen
Interessen  so  lange  wie  nur  irgend  möglich  auf  ihrem  Posten
auszuharren.  Hauptsächlich  war  ihre  Thätigkeit  darauf  gerichtet,
das  durch  Anhäufung  eines  großen  Pulvervorraths  im  höchsten
Grade  gefährdete  Rathhaus  mit  seinen  Documenten  und  Depositen
  zu  sichern  2)  und  den  Brandlegungen  „aus  strategischen

1)  „Von  preußischen  Truppen  aus  Berlin  und  Umgegend  nahmen  am
Kampfe  in  Dresden  Theil:  das  erste  und  das  Füsilier-Bataillon  Kaiser
Alexander,  das  Füsilierbataillon  des  24.  Infanterieregiments  und  ein
Pionierdetachement,  im  Ganzen  etwa  2200  Mann.  Die  größte  Stärke
der  in  Dresden  überhaupt  gleichzeitig  verwendeten  Truppen,  die  Reiterei
ungerechnet,  betrug  5000  Mann.“  v.  Waldersee,  S.  8.

2)  Im  Hofe  des  Rathhauses,  in  unmittelbarer  Nähe  von  20  Centnern
Pulver,  ließ  Röckel  Pech  sieden  und  Pechkränze  winden.  Diese  Anstalten
wurden  zwar  auf  die  Gegenvorstellungen  der  Stadträthe  eingestellt,  doch
erhielten  die  Barrikadencommandanten  die  zweideutige  Weisung,  „sie
hätten  in  Bezug  auf  den  Wunsch  der  Gemeindevertreter  die  Gebäude  mit
Inbrandsteckung  zu  verschonen  und  nach  möglichst  schonender  überlegung
zu  handeln,  jedoch  ohne  daß  ihnen  von  der  provisorischen  Regierung  eine
Beschränkung  auferlegt  werde“.  Auf  die  dringenden  Vorstellungen  des