634  Sachsen  von  1848—1854.

über  die  durch  Heranziehung  verschiedener  Abtheilungen  verstärkten
  Cernierungstruppen  auf  dem  linken  Elbufer  übertragen
wurde.

Eine  Zeit  lang  suchte  noch  die  provisorische  Regierung  die
Hoffnungslosigkeit  ihrer  Lage  unter  dem  Schein  fester  Zuversicht
  zu  verbergen;  insgeheim  erwog  sie  jedoch  schon,  ob  sie
die  Intervention  der  englischen  und  französischen  Gesandtschaft
anr  ufen  oder  ihren  Sitz  in  eine  Provinzialstadt  verlegen  solle.
Früh  3  Uhr  des  9.  Mai,  fast  in  demselben  Augenblicke,  wo
die  Truppen  durch  einen  letzten  entscheidenden  Angriff  rechts  die
Barrrikade  an  der  wilsdruffer  Gasse,  die  Post  und  das  Polytechnikum
  nahmen,  von  links  auf  allen  Punkten  gegen  den  Altmarkt
  vordrangen,  trat  sie  nebst  Bakunin  unter  einer  von
Heinze's  Nachfolger,  einem  Schriftsetzer  Born  aus  Leipzig,  befehligten
  Escorte  von  Barrikadenkämpfern  den  Rückzug  auf  dem
einzig  noch  offen  gebliebenen  Wege  nach  Freiberg  an,  das  zum
vorläufigen  Sammelplatz  bestimmt  war.  Noch  beharrte  ein
Theil  der  Insurgenten,  ohne  Kenntniß  von  diesem  Abzug,  auf
ihren  Posten,  bis  um  8  Uhr  dreimal  drei  Glockenschläge  ihnen
das  Zeichen  zum  allgemeinen  Rückzug  gaben.  Sogleich  bedeckten
sich  alle  Häuser  mit  weißen  Fahnen;  unter  Trommelschlag  und
Hurrah  brachen  von  allen  Seiten  Sachsen  und  Preußen  auf
den  Altmarkt  hervor,  von  den  geängstigten  Einwohnern  als
Erretter  aus  Todesgefahr  begrüßt.  General  v.  Schirnding  ließ
sofort  alle  in  der  Neustadt  stehenden  Truppen  nach  der  Altstadt
  vorrücken  und  ordnete  die  Besetzung  aller  Schläge  und
Hauptplätze  sowie  die  schnellste  Wiederherstellung  der  Communication
  in  den  Straßen  an.  Die  Gefangenen  wurden  vorläufig
in  die  Frauenkirche  gesperrt,  die  Schließung  aller  politischen
Clubs  und  Vereine,  Auflösung  der  Communalgarde,  Ablieferung
aller  Waffen  binnen  24  Stunden  anbefohlen  und  ohne  die
mindeste  Widersetzlichkeit  vollzogen.  Generalleutnant  v.  Holleben,
  der  nachmittags  mit  den  ersten  drei  Bataillonen  seiner
Division  aus  Görlitz  eintraf,  übernahm  das  Commando  über
die  außerhalb  des  Kriegsrayons  stehenden  preußischen  und  sächsischen
  Truppen,  wogegen  v.  Schirnding  das  innerhalb  desselben