636  Sachsen  von  1848—1854.

Auch  in  mehreren  anderen  Städten,  wo  die  Behörden  entweder
  ohnmächtig  waren  oder  der  radicalen  Partei  angehörten,
waren  Unordnungen  vorgefallen.  Da  man  etliche  Tage  gar
nicht  wußte,  wo  König  und  Ministerium  sich  befänden,  so
ließ  selbst  mancher  ruhige  Mann  sich  zur  Unterstützung  der
provisorischen  Regierung  hinreißen,  die,  wie  man  allgemein
glaubte,  für  die  Reichsverfassung  kämpfte.  In  Zwickau  z.  B.
kam  der  Stadtrath  dem  Befehle  derselben,  die  Communalgarde
nach  Dresden  zu  schicken,  nach,  rief  sie  aber,  nachdem  sie  bis
Leipzig  gelangt  war,  auf  die  Nachricht,  daß  die  Regierung
des  Königs  bestehe,  wieder  zurück.  In  Chemnitz  und  Freiberg
wurde  die  Communalgarde  vom  Pöbel  zum  Abmarsch  nach
Dresden  gezwungen,  doch  gelang  es  ihr,  sich  unterwegs  von  den
sie  begleitenden  Scharen  frei  zu  machen  und  heimzukehren,
worauf  die  Ankunft  der  Truppen  dem  Terrorismus  des  Pöbels
bald  ein  Ende  machte.  In  Freiberg  wurden  die  daselbst  verbliebenen
  40  Rekruten  entwaffnet  und,  was  auch  in  Wurzen
geschah,  die  Kammervorräthe  der  Garnison  von  Freischärlern
geplündert.  Am  schlimmsten  stauden  die  Dinge  in  Leipzig,  das
die  Regierung  durch  die  nothgedrungene  Abberufung  der  Garnison
gezwungen.  hatte,  sich,  das  fremde  Meßgut  und  das  Staatsgut
allein  zu  schützen.  Dem  immer  stürmischer  auftretenden  Verlangen,
  die  Communalgarde  als  Zuzug  nach  Dresden  zu  senden,
wußte  der  Stadtrath  durch  kluges  Zögern  auszuweichen;  die
Erklärung  wegen  Anerkennung  der  provisorischen  Regierung
wurde  bis  zur  Rückkehr  einer  auf  Kundschaft  nach  Dresden
geschickten  Deputation  verschoben;  ein  anderer  Bevollmächtigter
eilte  nach  Frankfurt  um  die  Vermittelung  der  Centralgewalt
in  dem  Conflicte  zwischen  König  und  Land  nachzusuchen.  Am
6ten  faßten  der  Stadtrath  und  der  permanente  Ausschuß  der
Stadtverordneten  den  Beschluß,  die  Stadt  bis  zum  Austrag
des  Conflicts  zwischen  Krone  und  Volk  unter  den  Schutz  der
Centralgewalt  zu  stellen.  Trotzdem  machte  ein  Volkshaufe  den
Versuch  in  die  Pleißenburg  einzudringen  um  das  dort  stehende
4.  Bataillon  der  Communalgarde  zu  entwaffnen;  die  Verletzung
eines  Mannes  durch  einen  Gardisten  gab  das  Signal  zum