Landtag  von  1849/50.  653

barkeit  ausschloß,  ihre  Stimmen  zu  geben,  wodurch  verschiedene
Nachwahlen  nöthig  wurden,  so  überwog  anfangs  in  beiden
Kammern  die  conservative  Partei  um  einige  Stimmen,  so  daß
bei  der  Präsidentenwahl  die  Candidaten  der  letzteren,  Georgi  und
Appellationsgerichts-Präsident  Cuno,  siegten.  Von  den  Koryphäen
  des  letzten  Landtags  sah  man  diesmal  nur  wenige  auf
den  Bänken  der  Linken,  die  meisten  waren  flüchtig  oder  im  Ge—
fängniß,  und  die  erschienenen  ließen  erkennen,  daß  die  empfangene
furchtbare  Lehre  sie,  wenn  nicht  bekehrt,  doch  vorsichtiger  ge—
macht  habe.  Obgleich  daher  durch  die  Nachwahlen  der  Linken
noch  etliche  Stimmen  zuwuchsen  und  ihr  in  beiden  Kammern  die
Majorität  verschafften,  so  wehte  doch  aufangs  durch  dieselben
ein  gewisser  Geist  der  Mäßigung  und  des  Entgegenkommens,
der  sich  auch  durch  die  provisorische  Annahme  der  von  der  Regierung
  vorgelegten  Landtagsordnung  bethätigte,  welche  die  beim
vorigen  Landtage  eingeführte  Autonomie  der  Kammern  in  wesentlichen
  Punkten  beschränkte.

Allein  die  Hoffnung  auf  ein  friedliches  Zusammenwirken
dieser  zweiten  aus  dem  demokratischen  Wahlgesetz  von  1848
hervorgegangenen  Volksvertretung  und  der  durch  den  Maiaufstand
  ans  Ruder  gelangten  Regierung  war  von  kurzer  Daner.
Hatte  schon  der  strenge  und  strafende  Ton,  in  welchem  die
Thronrede  der  letzten  Vergangenheit  gedachte,  verstimmt,  so
erweiterte  sich  die  Kluft,  welche  Ministerium  und  Kammern
trennte,  mit  jedem  Tage  mehr.  Denn  wenn  auch  die  Mitnister
  v.  Friesen  und  Behr  eine  maßvolle  Haltung  beobachteten
  und  in  vielen  Dingen  liberalen  Anschauungen  huldigten,
so  trugen  dafür  Zschinsky  und  Rabenhorst  eine  desto  größere
Schroffheit  zur  Schau  und  selbst  Beusts  diplomatische  Glätte
täuschte  nicht  darüber,  daß  er  mit  den  letzteren  über  das  Ziel,
die  Zurückführung  der  vormärzlichen  Zustände,  ganz  einverstanden
sei.  Die  reactionäre  Partei  wollte  keine  Verständigung  mit
diesen  demokratischen  Kammern,  sie  drängte  auf  Beseitigung
derselben  hin,  welche  von  der  Freimüthigen  Sachsenzcitung  bereits
  mit  schadenfroher  Siegesgewißheit  verkündigt  wurde.  Auch
die  Linke  konnte  von  ihren  alten  Unarten,  dem  Clubwesen  und