734  Sachsen  unter  König  Johann.  Inneres.

Geburtstage,  1.  Juli  1846,  erfolgte  Stiftung  der  königlich  sächsischen
  Gesellschaft  der  Wissenschaften  eine  neue  Zierde  erhalten;
doch  gehörten  im  allgemeinen  das  vierte  und  fünfte  Jahrzehnt
unseres  Jahrhunderts  nicht  zu  ihren  Glanzperioden,  ja  die
Revolution,  mehr  noch  die  nachfolgende  Reaction  wirkten  so
nachtheilig  auf  sie  ein,  daß  ihre  Frequenz  im  Winter  1852/53
die  tiefste  Ebbe  (786  Studenten)  erreichte.  Aus  diesem  Banne
die  Universität  befreit  und  sie  nach  und  nach  auf  einen  Stand
gebracht  zu  haben,  auf  welchem  sie  nicht  bloß  ein  Stolz  Sachsens
  sondern  ein  über  ganz  Deutschland  hin  leuchtender  Stern
ist,  bleibt  das  unbestreitbare  Verdienst  des  Ministers  v.  Falkenstein.
  Bereits  1866  war  die  Frequenz  derselben  auf  eine  seit
Jahrzehnten  nicht  erlebte  Höhe  (1052)  gestiegen,  ohne  damit
auch  nur  entfernt  ihre  Culmination  erreicht  zu  haben.  Viel
geschah  für  die  Sammlungen  und  Anstalten.  Die  Bibliothek,
die  seit  E.  G.  Gersdorfs  Anstellung  als  Oberbibliothekar  1833
eine  völlige  Umgestaltung  erfahren  hatte,  wurde  u.  a.  1853
durch  Ankauf  der  Refai'schen  Sammlung  arabischer  Handschriften
  aus  Damascus,  1857  durch  den  der  Biblliothek  des
Orientalisten  Hammer-Purgstall,  das  Münzcabinet  durch  die
von  K.  F.  v.  Posern-Klett  1849  hinterlassene  Sammlung  bereichert.
  Im  Jahre  1843  wurde  durch  Professor  K.  W.  A.
Becker  (st.  1846)  das  archäologische  Museum  begründet;  die
naturwissenschaftlichen  Sammlungen  der  Professoren  Schwägrichen
  und  E.  Pöppig  kaufte  das  Ministerium  1834  an  und
1837  wurde  das  zoologische  Museum,  wesentlich  eine  Schöpfung
  Pöppigs,  dem  Publikum  geöffnet,  1852  ein  neues  Entbindungshaus,
  1861  eine  neue  Sternwarte  erbaut,  anderer
baulichen  Erweiterungen  zu  geschweigen.  Im  Jahre  1857
nahm  der  König,  ein  Gelehrter  unter  Gelehrten,  bei  einem
mehrtägigen  Aufenthalte  eingehende  Kenntniß  von  dem  ganzen
Zustande  der  Universität  1)  und  am  2.  December  1859  durfte

1)  [Bülausl,  Des  Königs  Johann  von  Sachsen  Besuch  der  Univerfität
  Leipzig  am  4.,  5.  und  6.  August  1857.  Nebst  einer  Darstellung
der  Anstalten  und  Sammlungen  der  Universität.  (1858.)