Triaspolitik  der  Mittelstaaten.  748

zu  einer  unsteten,  hastigen  Geschäftigkeit  um  noch  in  Zeiten  das
drohende  Verhängniß  zu  beschwören.  Daher  die  bittere  Bekämpfung
  des  Nationalvereins,  dessen  Mitgliedschaft  allein  für
die  sächsische  Regierung  ausreichender  Grund  war,  die  ehrenwerthesten
  Männer  von  städtischen  Amtern  auszuschließen.  Sollte
jedoch  der  Wiederkehr  solcher  mit  der  Particularsouverainetät
so  wenig  verträglichen  Tendenzen  gründlich  vorgebeugt  werden,
so  mußten  die  Mittelstaaten  die  Sache  der  Bundesreform,  die
seit  den  dresdner  Conferenzen  mit  Ausnahme  einiger  erfolgloser
Anträge  Sachsens  und  Badens  auf  Einsetzung  eines  Bundesgerichts
  geruht  hatte,  selbst  in  die  Hand  nehmen,  dadurch  die
öffentliche  Meinung  für  sich  gewinnen  und  so  den  Andrang  der
nationalen  Bewegung  unschädlich  machen.  Dies  waren  die  Erwägungen,
  welche  im  September  1859  die  Minister  v.  d.  Pfordten,
v.  Beust,  v.  Hügel  und  v.  Schrenk  in  München  zusammenführten.
Was  aber  hatten  sie  der  Nation  zu  bieten?  Nichts  als  Stärkung
  der  Mittelstaaten  und  Verwandlung  der  Zweitheilung  in
eine  Dreitheilung.  Die  zu  beantragenden  Reformen  selbst  sollten
sich,  da  bei  der  Zwietracht  der  beiden  Großmächte  ein  Mehreres
nicht  zu  erreichen  stehe,  in  den  engsten  Grenzen  halten,  außerdem
traf  man  die  Abrede  zu  regelmäßig  wiederkehrenden  Conferenzen,
die  gewissermaßen  eine  Ergänzung  der  schwerfälligen  Geschäftsbehandlung
  am  Bunde  bilden  sollten.  Immerhin  war  es  ein
gewagtes  Experiment,  das  Vorhandensein  eines  nationalen  Nothstandes
  selbst  zu  proclamieren  und  zugleich  der  natürlichen
Richtung,  welche  die  nationale  Bewegung  eingeschlagen  hatte,
einen  Damm  ziehen  zu  wollen.  Mußte  nicht  ein  Mißlingen
dieses  Versuchs  auf  seine  eigenen  Urheber  zurückfallen?  Wenigstens
  der  Zeitpunkt  der  Uneinigkeit  zwischen  Wien  und  Berlin
schien  nicht  ungünstig  gewählt  um  sich  zwischen  den  Großmächten
zur  Geltung  zu  bringen.  Zu  groß  um  sich  wie  die  Kleinstaaten
ohne  weiteres  iu  eine  untergeordnete  Stellung  zu  fügen,  wollten
die  Mittelstaaaten  durch  ihre  Vereinigung  nicht  bloß  ihre  Selbständigkeit
  retten  sondern  sich  sogar  ein  Übergewicht  verschaffen.
Sie  sollten,  das  war  nach  Beusts  eigener  Darstellung  1)  die
1)  Landtag  1863,  Sitzung  der  zweiten  Kammer  15.  December.