Fürstencongreß  zu  Frankfurt.  753

brachen  sofort  die  alten  Eifersüchteleien  hervor  und  wenn  ihr
die  Beschämung  erspart  blieb  ganz  unverrichteter  Dinge,  in
heller  Zwietracht  auseinanderzugehen,  so  dankte  sie  dies  in  erster
Linie  dem  Könige  Johann  von  Sachsen.  Die  übrigen  fürstlichen
  Häupter  an  Geist  weit  überragend,  bot  dieser  nicht  nur
seinen  ganzen  Einfluß  auf  das  angefangene  Werk  vor  dem
Scheitern  zu  bewahren,  sondern  gieng  ihnen  auch  selbst  mit
dem  Beispiele  einer  Opferwilligkeit  voran,  die,  wenn  auch  noch
weit  entfernt  von  dem  Maße  der  nationalen  Forderungen,  doch
in  den  Augen  seiner  Mitkönige  das  Außerste  enthielt,  was
überhaupt  zugestanden  werden  könne.  Als  derjenige,  der  durch
Verwandtschaft  und  persönliche  Freundschaft  dem  Könige  von
Preußen  besonders  nahe  stand,  übernahm  er  es  sogar  diesem,
der  sich  in  Baden  befand,  von  Beust  begleitet  persönlich  eine
Collectiveinladung  des  Fürstencongresses  zu  überbringen.  Auch
dies  umsonst.  Nochmals  zum  Beitritt  zu  der  entworfenen
Reformacte  aufgefordert,  antwortete  der  König  von  Preußen
wiederum  ablehnend  1).

Es  war  ein  schwerer  Schlag  für  Osterreichs  Stellung  in
Deutschland,  für  das  Ansehen  aller  deutschen  Souveraine,  daß
sie  ihren  höchsten  Trumpf  vergeblich  ausgespielt  hatten;  darüber
konnte  auch  der  noch  so  aufrichtige  Jubel,  mit  der  den  heimkehrenden
  König  Johann  seine  Hauptstadt  empfing,  nicht  täuschen,
und  Beusts  Rath,  unverzüglich  sämtliche  deutsche  Kammern  zur
Annahme  oder  Verwerfung  des  Reformentwurfs  einzubernfen,
entsprang  eben  nur  der  herrschenden  Rathlosigkeit.  Die  ganze
Wirkung  des  frankfurter  Schauspiels  schrumpfte  dahin  zusammen,
  daß  die  großdeutsche  Partei,  in  Sachsen  unter  Schaffrath
  und  Wuttke,  sich  zu  etwas  lauterem  Eifer  angeregt  fühlte,
der  aber  gleich  darauf  in  der  Feier  des  funfzigjährigen  Jahrestags
  der  Schlacht  bei  Leipzig  mit  ihren  für  Sachsen  peinlichen
Reminiscenzen  ein  starkes  Gegengewicht  erhielt.  Die  zu  Nürnberg
  am  23.  October  zusammengetretene  Ministerialconferenz

1)  Die  Protokolle  des  Fürstencongresses:  Staatsarchiv  VIII,
Nr.  1759;  vgl.  Nr.  1763.
Flathe,  Neuere  Geschichte  Sachsens.  48