Krisis  des  Zollvereins  von  1862.  757

der  von  1849.  Von  vornherein,  behauptete  das  Dresdner
Journal,  sei  es  Ansicht  der  sächsischen  Regierung  gewesen,  daß
der  Handelsvertrag  nur  in  dem  Falle  in  Kraft  treten  könne,
wem  der  ganze  Zollverein  denselben  annehme,  daß  sie  demselben
  aber  nie  auch  auf  die  Gefahr  einer  Zerreißung  des
Zollvereins  hin  beigestimmt  habe,  und  die  Vortheile  der  von
Osterreich  vorgeschlagenen  Zolleinigung  seien  speciell  für  Sachsen
so  groß,  daß  dieser  Vorschlag  nicht  unberücksichtigt  bleiben  könne.
Ja  auf  dem  deutschen  Handelstage  zu  München  erklärte  sich
der  Vertreter  des  leipziger  Handelsstandes  Poppe  zu  der  Versicherung
  für  ermächtigt,  daß  die  sächsische  Regierung  nicht  im
entferntesten  mehr  an  die  Aufrechthaltung  des  französischen  Vertrags
  denke.  Indes  die  Regierung  fühlte  den  Zwang,  unter
dem  sie  stand,  zu  deutlich  um  nicht  in  Zeiten  einzulenken.  Der
leipziger  Stadtrath  erhielt  auf  seine  nachdrückliche  Vorstellung
um  Festhalten  an  dem  Handelsvertrage  von  den  Ministern
v.  Beust  und  v.  Friesen  zwar  eine  sehr  scharfe  Abfertigung  1),
zugleich  aber  auch  das  gewünschte  Dementi  jener  Erklärung
Poppe's.  Auch  die  neu  ins  Leben  getretenen  Handelskammern
sprachen  sich  übereinstimmend  für  Erhaltung  des  Zollvereins
und  Zustimmung  zum  französischen  Handelsvertrage  unter
gleichzeitiger  Erweiterung  der  Verkehrsfreiheit  mit  Osterreich
aus.  Zu  des  letzteren  großem  Verdrusse  erklärte  daher  Sachsen
auf  der  von  Baiern  nach  München  eingeladenen  Generalconferenz
zwar  den  Verhandlungen  mit  Osterreich,  welche  es  nebst  Preußen
und  Baiern  führen  sollte,  sich  gern  zu  unterziehen,  an  Separatverhandlungen
  jedoch,  die  nur  unter  einem  Theil  der  Zollvereinsstaaten
  geführt  werden  sollten,  nicht  theilnehmen  zu
können.  Beust  verweilte  vom  15.—20.  Mai  1863  persönlich
in  Berlin  um  das  preußische  Cabinet  zu  einer  vermittelnden
Erklärung  zu  bewegen.  Dieses  lud  hierauf  die  Vereinsregierungen
  auf  Anfang  October  zu  einer  Conferenz  behufs  Erneuerung
  der  Zollverträge  ein;  alle  erklärten  der  Einladung
Folge  leisten  zu  wollen,  selbst  von  seiten  der  Süddeutschen  war

1)  Staatsarchiv  III,  Nr.  458.