Die  schleswig-holsteinsche  Frage  1863.  763

Der  Ausfall  der  Abstimmung  vom  7.  December  erregte
durch  ganz  Deutschland  den  lautesten  Unwillen.  Auch  die
sächsische  zweite  Kammer  gab  demselben  Ausdruck  und  sprach
sich,  15.  December,  einstimmig  für  vollständige  Besetzung  der
Herzogthümer  durch  Bundestruppen  und  unverweilte  Anerkennung
des  Herzogs  Friedrich  aus.  Die  erste,  rücksichtsvoller  wie  immer,
wenn  auch  ebenfalls  bereit  die  von  der  Regierung  den  „sogenannten“
  Großmächten  gegenüber  bewahrte  selbständige  und  entschiedene
  Haltung  anzuerkennen,  hielt  es,  nachdem  der  Vertreter
der  Universität,  Professor  Ahrens,  die  Nichtigkeit  der  dänischen
Ansprüche  mit  allen  Gründen  des  Staatsrechts  ausführlich  nachgewiesen
  hatte,  für  ausreichend  den  Wunsch  auszusprechen,  daß
die  Entscheidung  über  die  Thronfolgeberechtigung  in  den  Herzogthümern
  nicht  länger  verzögert,  die  verfassungsmäßige  Zu—
sammengehörigkeit  derselben  gewahrt,  der  Einmischung  des  Auslandes
  von  seiten  des  Bundes  euntschieden  entgegengetreten,
schließlich  auch  die  Einberufung  der  Stände  in  den  Herzogthümern
  zur  Erklärung  über  die  Erbfolgefrage  erwirkt  werde.
Beust  seinerseits  verwahrte  sich  in  seiner  Antwort  auf  die
identischen  Noten  dagegen,  als  ob  auch  in  Fragen  des  Rechts
abweichende  Ansichten  einzelner  Bundesregierungen  der  Übereinstimmung
  Österreichs  und  Preußens  gegenüber  in  den  Hintergrund
  zu  treten  hätten,  da  in  einem  solchen  Falle  das  Ansehen
des  Bundes  nicht  durch  die  Überstimmung  dieser  beiden  sondern
nur  durch  die  schweigende  Unterwerfung  der  Übrigen  unter  ihren
vereinten  Willen  geschädigt  werden  würde  1).  Weiter  aber  als  zu
bittern  Worten  brachte  er  es  nicht.  Mußte  er  sich  doch  bei  seinen
Besprechungen  mit  dem  bairischen  und  würtembergischen  Minister
des  Auswärtigen  zu  München  und  Augsburg  selbst  überzeugen,
daß  die  Herbeiführung  einer  gemeinsamen  Haltung  der  Mittelstaaten
  in  der  schleswig-holsteinschen  Sache  in  den  Bereich  des
Ummöglichen  gehöre.  Sein  Vorschlag,  den  Triasgedanken  durch
sofortige  Einberufung  eines  Parlaments  der  Mittel=  und  Kleinstaaten
  zu  verwirklichen,  scheiterte  am  Widerspruch  v.  Schrenks,

1)  Vom  15.  December.  Staatsarchiv  VI,  Nr.  1278.