766  Sachsen  unter  König  Johann.  Dentsche  Verhältnisse.

Dispositionen  er  in  Ausführuug  dieses  Befehls  getroffen  habe.
v.  Hale  berief  sich  auf  seine  Eigenschaft  als  Bundesgeneral,
als  welcher  er  unter  den  Befehlen  des  Bundes  stehe,  willigte  aber
ein  seine  Aufstellung  so  zu  nehmen,  daß  der  Durchmarsch  der
Osterreicher  und  Preußen  nicht  behindert  werde;  zugleich  wendete
er  sich  beschwerend  an  den  Bund.  Die  Bundesversammlung
votierte  ihm  ihre  Anerkennung  und  die  beiden  Großmächte  gaben
eine  neue  beruhigende  Erklärung.

Welche  Mittel  standen  aber  den  bundestreuen  Regierungen
zu  Gebote  um  zu  verhindern,  daß  die  Großmächte  so  kurzweg
über  sie  hinwegschritten?  Wollten  sie  nicht  einen  Bürgerkrieg
heraufbeschwören,  so  blieb  ihnen  nichts  übrig,  als  sich  in  ihr
Schicksal  zu  fügen.  Vergebens  seufzte  Beust:  „Hätten  alle
Regierungen,  welche  in  der  Sitzung  vom  14.  Januar  die
Majorität  bildeten,  so  gestimmt  wie  die  sächsische,  so  würden
heute  unsere  Truppen  die  Avantgarde  unter  Bundesbefehl  in
Schleswig  bilden!“  selbst  seine  Redegewandtheit  reichte  nicht
aus  um  vor  der  Kammer  die  erlittene  Niederlage  ganz
zu  verdecken.  Zwar  die  öffentliche  Meinung,  aufgeregt  wie
seit  langem  nicht,  stellte  sich  sehr  entschieden  auf  Seite  des
Bundes  gegen  die  Großmächte,  so,  daß  das  Ministerium
sogar  seine  Aussöhnung  mit  derselben  durch  Bestätigung
von  Nationalvereinlern  zu  Stadträthen  bekräftigen  konnte;
beide  Kammern  ersuchten  die  Regierung  einstimmig,  das  Ansehen
  und  die  Autorität  des  Bundes  gegen  bundeswidrige
Unternehmungen  energisch  vertheidigen  zu  helfen,  für  sofortige
Anerkennung  des  Herzogs  Friedrich  einzutreten  und  sowohl  auf
eine  sofortige  Verstärkung  der  Bundestruppen  in  Holstein  als
auch  auf  die  Besetzung  Schleswigs  durch  Truppen  bundestreuer
  Regierungen  hinzuwirken;  bei  einem  Besuche  des  Königs
in  Leipzig,  11.  Januar,  fand  eine  imposante  Demonstration
statt,  um  ihm  den  Dank  der  Einwohnerschaft  für  seine  Haltung
in  der  schleswig-holsteinschen  Sache  darzubringen,  der  schleswigholsteinschen
  Landesdeputation  wurde  auf  ihrer  Rückreise  von
Frankfurt  in  Dresden  ein  begeisterter  Empfang  zu  Theil,  eine
dort  abgehaltene  Landesversammlung  erklärte  sich  für  energische