768  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

in  Holstein,  Sachsen  und  Würtemberg  den  auf  Einberufung
der  holsteinschen  Stände  stellen.  Aber  nicht  einmal  dazu  kam
es  vollständig.  Würtemberg  und  Hessen-Darmstadt  wurden
wegen  des  zweiten  Antrags  bedenklich,  die  Großmächte  erklärten,
sie  würden  die  Ausführung  nicht  zulassen,  Sachsen  zog  darauf
seinen  früheren  Antrag  zurück,  Baiern  schwieg  in  der  Sitzung
vom  25.  Februar  ganz,  und  so  wurde  nur  der  auf  Einberufung
der  holsteinschen  Stände  eingebracht  und  darüber  Abstimmung
in  vierzehn  Tagen  beschlossen.  Österreich  und  Preußen  beantragten
  hierauf,  den  Oberbefehl  über  das  Executionscorps
dem  Oberbefehlshaber  ihrer  vereinigten  Streitkräfte  zu  übertragen
  und  die  Bestellung  zweier  weiteren  Civilcommissare  für
Holstein  durch  Osterreich  und  Preußen  zu  genehmigen.  Erst
nachdem  die  Würzburger  so  durch  die  Großmächte  überholt
worden  waren,  trat  Baiern  mit  seinen  Anträgen  hervor  aber
nur,  um  sie  gleich  den  meisten  anderen  der  Verschleppung  in
den  Ausschüssen  anheimfallen  zu  sehen.  Es  bedurfte  kaum
noch  des  hessen-darmstädtischen  Antrags  auf  Anschluß  des
Bundes  an  die  Action  der  Großmächte  um  zu  zeigen,  welchen
bedenklichen  Riß  die  Eintracht  der  bundestreuen  Staaten  bekommen
  hatte.  Auf  eine  Interpellation  wegen  des  Standes
der  schleswig-holsteinschen  Sache  in  der  zweiten  Kammer,
3.  März,  konnte  Beust  nur  eine  ziemlich  nichtssagende  und
kleinlaute  Auskunft  ertheilen.  Man  fing  in  Dresden  an  sich
trüben  Ahnungen  hinzugeben  1).

1)  „Verkennen  wir  es  nicht“,  äußerte  der  Kronprinz  am  27.  Mai  in  der
ersten  Kammer  bei  Berathung  des  Militärbudgets,  „es  können  in  kurzer
Zeit  Ereignisse  eintreten,  wo  die  Geltung,  ja  vielleicht  die  Selbständigkeit
unseres  engeren  Vaterlandes  von  den  Thaten  unserer  Armee  abhängen
können,  wo  man  weniger  fragen  wird  nach  unserer  ausgezeichneten  Judustrie,
  nach  unserem  vortrefflichen  Ackerbau  und  unseren  guten  Gelehrtenanstalten,
  sondern  wo  man  fragen  wird:  wie  haben  sich  unsere  Sachsen
geschlagen?  und  danach  wird  der  Werth  unseres  Vaterlandes  bemessen
werden.  Dies  nicht  zu  unterstützen,  konnten  wir  nicht  verantworten,  und
wir  erwarten,  daß  auch  die  zweite  Kammer  die  Verantwortung  nicht  auf
sich  nehmen  werde,  deshalb  unser  Vaterland  einst  vielleicht  seine  Selostäudigkeit
  einbüßen  zu  sehen.“