Londoner  Conferenz.  Besetzung  von  Rendsburg.  771

ob  der  König  von  Dänemark  überhaupt  etwas  von  Schleswig
abtreten  könne;  der  Bund  nur  könne  demselben  einen  Theil
davon  überlassen;  für  den  Fall  einer  Theilung  verlangte  er
wenigstens  Befragung  nicht  bloß  des  bei  Deutschland  verbleibenden
sondern  auch  des  eventuell  an  Dänemark  fallenden  Theils.
Dank  der  dänischen  Hartnäckigkeit  gieng  die  Conferenz,  25.  Juni,
resultatlos  auseinander.  Beust  verließ  jedoch  London  nicht,
ohne  vorher  in  einem  ausführlichen  Schreiben  an  Lord  Russell
die  von  letzterem  dem  Parlamente  vorgelegte  Uebersicht  über
die  Conferenzverhandlungen,  die  er  bereits  bei  ihrer  Verlesung
für  lückenhaft  und  unzutreffend  erklärt  hatte,  zu  vervollständigen
und  zu  berichtigen  1).  Am  8.  Juli  traf  er  wieder  in  Dresden
ein,  vom  Publikum  lebhaft  begrüßt,  auch  in  den  Kammern
mit  Ovationen  empfangen.  Damals  stand  Beust  auf  dem
Gipfel  seiner  Popularität;  aus  allen  Theilen  Deutschlands
kamen  ihm  anerkennende  Kundgebungen;  selbst  der  Gedanke
eines  Nationaldankes  für  ihn  tauchte  auf.

Aber  es  war  das  Los  dieses  Staatsmannes,  daß  seine
Triumphe  ebenso  blendend  für  den  Augenblick  wie  kurz  von
Dauer  waren.  Verstieß  schon,  daß  die  Bundesversammlung
am  21.  Juli  auf  Antrag  Osterreichs  und  Preußens  den  Erbprinzen
  zur  Begründung  seiner  Surcessionsansprüche  aufforderte,
gegen  Sachsens  Ansicht,  da  es  die  Anerkennung  derselben  als
bereits  erfolgt  betrachtete,  so  zog  sich  in  Holstein  über  den
Mittelstaaten  noch  ein  viel  drohenderes  Gewitter  zusammen.
Unter  dem  Vorwande  vorgekommener  Angriffe  auf  preußische
Wachtposten  und  Bedrohung  der  Lazarethe  durch  Hannoveraner
ließ  Prinz  Friedrich  Karl  plötzlich  am  21.  Juli  Rendsburg
von  6000  Preußen  besetzen.  General  v.  Hake  verzichtete  mit
seiner  schwachen  Garnison  von  vier  Compagnien  auf  Widerstand
  und  räumte  die  Festung.  In  Dresden  rief  diese  Vergewaltigung
  die  größte  Bestürzung  hervor.  Der  Kriegsminister
eilte  sofort  nach  Altona;z  die  Kammern  erklärten  einstimmig

1)  Staatsarchiv  VII,  Nr.  1665.  Die  Protokolle  der  londoner
Conferenz  ebendas.,  Nr.  1547—1659.
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