772  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

die  durch  Mißbrauch  einer  überlegenen  Gewalt  erfolgte  Besetzung
  von  Rendsburg  für  eine  Verletzung  der  Rechte  des
Deutschen  Bundes  und  eine  Kränkung  der  Ehre  deutscher
Bundestruppen  und  legten  gegen  diesen  von  einer  deutschen
Bundesmacht  vollzogenen  Gewaltact  Verwahrung  ein.  In
Frankfurt  aber  ließ  die  Regierung  die  Erklärung  abgeben:
Eingedenk  dessen,  was  sich  seinerzeit  in  Altona  begeben,  nicht
minder  der  Erfolglosigkeit  ihrer  damaligen  Beschwerden,  werde
sie  diese  Vorgänge  nicht  zum  Gegenstand  eines  Antrags  machen
sondern  erwarten,  welche  Anregungen  von  seiten  der  nicht  unmittelbar
  betroffenen  Bundesregierungen  geschehen  würden;
sie  für  ihren  Theil  werde  sich  durch  die  neueste  schmerzliche
Erfahrung  nicht  abhalten  lassen  die  übernommene  Verpflichtung
getreu  zu  erfüllen,  sei  aber  nicht  minder  entschlossen,  bei  einer
abermaligen  Zumuthung  nur  der  Gewalt  und  nicht  der  Drohung
  zu  weichen,  und  lehne  im  voraus  die  Verantwortung  für
alle  daraus  entstehenden  Folgen  feierlich  von  sich  ab.  Aber
dieser  Appell  an  das  Ehrgefühl  der  anderen  Mittelstaaten  blieb
ohne  Antwort.  So  konnte  Sachsen  den  wiener  Frieden  vom
1.  August  nur  mit  dem  Gefühle  schmerzlicher  Resignation  begrüßen,
  zumal  der  darin  ausgesprochene  Verzicht  des  Königs
von  Dänemark  auf  seine  „Rechte“  auf  die  Herzogthümer  zu
Gunsten  Osterreichs  und  Preußens  den  Bund  mit  neuen  Beeinträchtigungen
  bedrohte.  Auf  der  Stelle  meldete  daher  die
sächsische  Regierung  für  die  nächste  Bundestagssitzung  einen
Antrag  an,  beide  Mächte  um  eine  beruhigende  Erklärung  deshalb
  zu  ersuchen.  Weil  dies  aber  bei  der  Kürze  der  Zeit  nur
telegraphisch  geschehen  konnte,  so  nahm  das  Präsidium  dies
zum  Vorwand  um  denselben  als  formell  unzulässig  zurückzuweisen,
  und  da  er  weder  bei  den  Regierungen  noch  bei  der
öffentlichen  Meinung  die  gehoffte  Unterstützung  fand  und  die
preußische  Presse,  die  auch  wegen  einer  von  General  v.  Hake  angeordneten
  Dislocierung  einiger  Truppen  nach  Lauenburg  Lärm
schlug,  der  sächsischen  Regierung  deshalb  den  Vorwurf  der
Undankbarkeit  und  unnöthiger,  mit  der  Demokratie  fraternisierender
  Opposition  gegen  die  Vormächte  machte,  so  ließ