776  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

fung  der  Volksvertretung  in  den  Herzogthümern  und  Aufnahme
  Schleswigs  in  den  Bund,  für  welchen  Fall  Sachsen
und  Hannover  auf  die  Executionskosten  zu  verzichten  erbötig
waren.  Preußen  beharrte  auf  der  Annexion,  Osterreich,  jetzt
mit  den  Mittelstaaten  ausgeschnt,  auf  dem  Widerstand  dagegen,
  und  während  die  deutschen  Sangesbrüder  auf  dem  Sängerfest
  zu  Dresden  (22.—26.  Juli)  von  des  Vaterlandes  Einheit
  sangen,  rückte  die  Eventualität,  daß  das  Schwert  den  unlösbaren
  Knoten  werde  durchhauen  müssen,  immer  näher.  Da
fiel  Osterreich,  von  Bismarck  überlistet,  nochmals  von  der
Bundespolitik  ab  und  die  Condomini  verständigten  sich  über
den  Bund  hinweg  unter  sich.  Was  sollten  nunmehr  die  abermals
  von  Osterreich  so  schnöde  im  Stiche  gelassenen  Mittelstaaten
  beginnen?  Es  half  nichts,  daß  Beust  Mitte  Juli  mit
v.  d.  Pfordten  in  Leipzig  conferierte;  der  letztere  hatte  weder  Lust
sich  Beust,  dessen  Streben  nach  der  Führung  der  Mittelstaaten
ihm  schon  lange  unbequem  war,  unterzuordnen,  noch  getraute
er  sich  es  mit  Preußen  oder  mit  Osterreich  ganz  zu  verderben.
  Hierauf  eilte  Beust  (7.  August)  nach  Wien  um  womöglich
  noch  das  abirünnige  Osterreich  vor  seinem  Verführer  zu
retten,  aber  man  hatte  in  der  Hofburg  weder  für  den  Fall
eines  Bruchs  große  Zuversicht  zu  Baierns  und  Sachsens  militärischer
  Hilfe  noch  Sympathien  zu  Regierungen,  die,  wie  Bismarck
  gesagt  hatte,  sich  in  ihren  Entschließungen  von  den  Manifestationen
  ihrer  Landesvertretungen  oder  politischen  Vereine
beeinflussen  ließen.  Von  hier  begab  sich  der  unermüdliche
Staatsmann  in  Begleitung  des  sächsischen  Gesandten  am  brittischen
  Hofe,  Grafen  Vitzthum,  nach  München,  wo  sich  außer
dem  würtembergischen  Minister  v.  Varnbühler  zufällig  auch
der  sächsische  Gesandte  am  Tuilerienhofe,  v.  Seebach,  auf  der
Durchreise  einfand,  sprach  in  Possenhofen  den  dort  verweilenden
  König  Johann,  in  Gastein  den  König  von  Preußen,  aber
das  Geschehene  war  nicht  mehr  rückgängig  zu  machen.  Am
24.  August  legten  Osterreich  und  Preußen  den  gasteiner  Vertrag
  beim  Bunde  vor;:  gleich  anderen  verwahrte  auch  Sachsen
seine  Erbrechte  auf  Lauenburg,  dann  aber  verlangten  Baiern