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Gasteiner  Convention.  Handelsvertrag  mit  Italien.  77

und  Sachsen  im  holsteinschen  Ausschusse  sofortige  Berichterstattung
  über  ihren  Antrag  vom  27.  Juli,  allein  die  Bun—
desversammlung  ließ  sich  von  den  Vormächten  ihre  Vertagung
bis  zum  26.  October  aufnöthigen.

Der  Groll  der  ohnmächtigen  Mittelstaaten  ergoß  sich  in
den  heftigsten  Vorwürfen  und  Anschuldigungen,  von  denen  ihre
Blätter  überflossen;  eine  Beschwerde  des  österreichischen  und
preußischen  Gesandten  in  Dresden  über  die  feindselige  Sprache
der  sächsischen  Regierungspresse  beantwortete  Beust  bei  Gelegenheit
  einer  Verwahrung  gegen  die  des  Abgeordnetentags  halber
von  den  Vormächten  an  den  frankfurter  Senat  erlassene  Drohnote
mit  Gegenanklagen  wegen  des  von  der  Presse  der  Großmächte
angeschlagenen  Tous  1).  Der  Weg  von  feindseligen  Worten
zu  feindseligen  Thaten  war  nicht  mehr  weit,  nur  daß  die
Mittelstaaten,  noch  von  der  Erinnerung  an  den  Tag  von
Olmütz  beherrscht,  durch  die  gasteiner  Convention  in  dem  Frrthume
  bestärkt,  als  ob  es  Bismarck  nicht  über  Einschüchterungsversuche
  hinausbringen  werde,  und  durch  die  inneren
Zerwürfnisse  in  Preußen  über  die  Widerstandskraft  dieser  Macht
nach  außen  getäuscht,  darauf  bauten,  daß  im  entscheidenden
Augenblicke  Preußen  doch  schließlich  nachgeben  werde.  Und
doch  stand  in  Berlin  der  Entschluß  zum  Außersten  bereits  fest.
Zu  Biaritz  hatte  sich  Bismarck  der  Neutralität  Frankreichs
versichert;  Italien  zu  gewinnen  boten  die  Verhandlungen  wegen
  eines  Haudelsvertrags  mit  dem  jungen  Staate  eine  günstige
  Gelegenheit.

Die  sächsische  Regierung  gerieth  durch  diese  letzteren  in
neue  Verlegenheit.  War  auf  der  einen  Seite  die  Wichtigkeit
eines  solchen  Vertrags  für  die  sächsische  Industrie  nicht  zu  ver-1)

  Depesche  au  die  sächsischen  Gesandten  in  Wien  und  Berlin  vom
11.  October:  „Dem  von  dem  preußischen  Gesandten  ausgesprochenen
Wunsche,  daß  auf  eine  Milderung  der  Anfeindungen  hingewirkt  werde,
pflichte  ich  gern  bei,  aber  bevor  ich  dem  Vorwurfe  Rede  stehe,  Preußen
feindlichen  Tendenzen  nicht  entgegenzutreten,  habe  ich  zu  erwarten,  daß
in  Preußen  den  Sachsen  vernichtenden  Tendenzen  gesteuert  werde.“
Staatsarchiv  K,  Nr.  2032.