Verfeindung  Österreichs  und  Preußens.  779

Am  16.  März  erließ  Osterreich  an  die  ihm  befreundeten
deutschen  Höfe  eine  vertrauliche  und  lange  geheim  gehaltene  Depesche,
  welche  unter  Hinweis  auf  die  immer  gefährlicher  werdende
Lage  für  den  Fall,  daß  eine  an  Preußen  zu  richtende  Anfrage
wegen  dessen  Rüstungen  nicht  befriedigend  ausfallen  würde,  eine
Anrufung  des  Bundes  in  Aussicht  stellte  und  die  sofortige
Mobilisierung  des  7.  bis  10.  Bundesarmeecorps  verlangte.
Aber  die  Mittelstaaten  wollten  erst  Gewißheit  haben,  daß  ihnen
nicht  zugemuthet  werde  etwa  für  ein  bloß  österreichisches  Interesse
einzustehen  und  vorher  über  Osterreichs  Stellung  zum  Bunde
klar  sehen.  Verdrießlich  über  diese  Zurückhaltung  benachrichtigte
sie  das  wiener  Cabinet,  es  werde,  da  Bismarck  jede  kriegerische
Absicht  verneint  habe,  jener  Depesche  vorläufig  keine  Folge
geben.  Aber  am  24ten  schon  zeigte  Preußen  den  deutschen
Regierungen  an,  daß  es  durch  die  österreichischen  Rüstungen
sich  genöthigt  sehe  ebenfalls  zu  rüsten,  und  verband  damit  die
Anfrage,  ob  und  in  welchem  Umfange  es,  da  das  Bundesrecht
in  einem  großen  Conflicte  keinen  Anhalt  biete,  im  Falle  es
von  Osterreich  augegriffen  oder  durch  unzweideutige  Drohung
zum  Kriege  genöthigt  würde,  auf  ihre  Unterstützung  rechnen
könne;  die  Rücksicht  auf  die  eigene  Sicherheit  nöthige  es  aber
auch  sich  gegen  die  Wiederkehr  österreichischer  Gefährdungen  zu
schützen,  woraus  sich  sowohl  im  Interesse  Preußens  als  auch
Deutschlands  die  Nothwendigkeit  der  Bundesreform  ergebe.
Beusts  Antwort  (6.  April)  suchte  den  Hauptpunkt  zu  umgehen:
„Da  Österreich  jede  aggressive  Absicht  auf  das  feierlichste
verneine  und  dabei  zugleich  seinerseits  die  strengste  Beobachtung
der  jede  Selbsthilfe  ausschließenden  Bundesgesetze  verbürge,  so
erübrige  nur,  daß  auch  Preußen  eine  sicherstellende  Erklärung
gebe,  damit  die  beiderseitige  Einstellung  der  Rüstungen  einem
Zustande  ein  Ende  mache,  der  bereits  schwer  auf  Verkehr  und
Gewerbe  drücke.  Das  Bedürfniß  einer  Reform  der  Bundesverfassung
  habe  die  sächsische  Regierung  wiederholt  anerkannt,
allein  der  Augenblick  des  häuslichen  Zwistes  sei  nicht  der,  wo
die  Familie  ein  neues  Haus  baue.  Die  jetzige  Lage  erheische
nichts  als  die  Anwendung  der  bestehenden  Burdesgesetze.  Preußen