Am  Vorabende  des  Kriegs  von  1866.  785

die  Bitte  stellte,  jede  Maßregel,  die  als  Kriegsrüstung  gedeutet
werden  könnte,  sofort  rückgängig  zu  machen  oder  zu  dementieren;
dieselbe  wurde  mit  einer  scharfen  Rüge  wegen  Competenzüberschreitung
  und  der  sich  darin  aussprechenden  Gesinnung  beant—
wortet,  Gegendemonstrationen  der  Großdeutschen  im  Bunde  mit
der  sogenannten  Volkspartei  mit  sichtlicher  Befried  zung  begrüßt.
  Auf  das  ernstlichste  verwahrte  sich  die  Regierung
in  ihrem  Organe  dagegen,  daß  man  ihr  die  Rolle  des  geflissentlichen
  Friedensstörers  zuschieben  wolle  und  ihren  vorsorglichen
  Maßregeln  einen  provocatorischen  Charakter  beilege;  sie
appellierte  an  die  besonnene  und  vertrauensvolle  Haltung  der
Bevölkerung,  die  sie  beim  Hinblick  auf  die  gedeihliche  Entwickelung
  der  letzten  zehn  Jahre,  auf  die  milde  Handhabung
der  Preß-,  Vereins=  und  Versammlungsgesetze  zu  erwarten  berechtigt
  sei.

Die  Regierung  konnte  nun  nicht  mehr  zögern  die  Stände
zu  einem  außerordentlichen  Landtage  einzuberufen  um  sich  die
finanziellen  Ermächtigungen  ertheilen  zu  lassen,  welche  die  Lage,
vor  allem  auch  der  durch  die  plötzlichen  Kriegsaussichten  bedrohte
  Zustand  des  Handels  und  der  Gewerbe  erheischte.  Ein
Rundschreiben  Beusts  an  die  Vertreter  Sachsens  an  den
deutschen  Höfen  bezweckte  diesem  Schritte  jeden  Schein  einer
Provocation  zu  nehmen  1).  In  der  Thronrede  (28.  Mai)  bezeichnete
  der  König  die  Erhaltung  des  Bundesfriedens  und  die
Entscheidung  der  Streitfrage  auf  bundesrechtlichem  Wege  nach
wie  vor  als  die  Zielpunkte  seiner  Politik,  aber  mit  militärischen
  Maßregeln  bedroht  habe  er  nicht  nur  den  Bund  um  seine
Vermittlung  angegangen  sondern  auch  sein  Heer  unter  die
Waffen  gerufen,  „denn  auch  der  Mindermächtige  würde  sich
entehren,  wenn  er  unberechtigten  Drohungen  nicht  mit  männlichem
  Muthe  entgegenträte“,  Worte,  denen  langanhaltender

1)  Staatsarchiv  XI,  Nr.  2292.  —  Die  Universität  entsendete  statt
ihres  bisherigen  Vertreters,  des  für  großdeutsch  geltenden  Professors
Ahrens  einen  Mann  des  Friedens,  den  Theologen  Kahnis,  in  die  erste
Kammer.

Flathe,  Neuere  Geschichte  Sachsens.  50