786  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

Beifall  folgte.  Den  Kern  der  Verhandlungen  bildete,  wie  natürlich,
  die  politische  Frage.  Auf  Grund  der  ihr  von  der  Regierung
  ertheilten  Zusicherungen,  welche  die  Hoffnung  rechtfertigten,
  daß  Sachsen  die  unmittelbare  Theilnahme  am  Kriege
erspart  werden,  die  Regierung  sich  auf  den  Standpunkt  absoluter
Parteilosigkeit  zurückjiehen  würde,  empfahl  die  Deputation
der  zweiten  Kammer  in  ihrem  von  Mammen  verfaßten  Berichte
  die  Einwilligung  der  für  die  Rüstungen  geforderten
Summe,  nur  knüpfte  sie  dieselbe  an  drei  Bedingungen,  mit
denen  sich  auch  die  Regierung  einverstanden  erklärte:  daß  nämlich
  Sachsen  weder  für  Osterreich  noch  für  Preußen  einseitig
Partei  nehme,  daß  es  auf  schleunige  Berufung  eines  deutschen
Parlaments  und  die  Anordnung  der  Wahlen  dazu  in  ganz
Deutschland  hinwirke  und  daß  die  schleswig-holsteinsche  Frage
nur  gelöst  werde  unter  Mitwirkung  des  Parlaments.  Auch
die  Verhandlung  in  der  Kammer  selbst  (5.  Juni)  ließ,  bei  verschieden
  abgestufter  Animosität  gegen  Preußen,  ein  fast  allseitiges
Einverständniß  mit  dem  bisherigen  Verhalten  der  Regierung
erkennen,  nur  wenige  Redner  hielten  dieselbe  für  nicht  ganz
frei  von  dem  Vorwurfe  zu  großer  Hinneigung  zu  Osterreich.
Beust  hatte  daher  leichten  Stand;  mit  dem  Schein  vollkommenster
  Offenheit  legte  er  die  Correctheit  seiner  Politik  dar,
bestätigte,  daß  kein  Bündniß  mit  Osterreich  existiere,  und  bestritt
die  Vorzeitigkeit  der  sächsischen  Rüstungen  ).

Ungleich  kriegerischer  war  die  Stimmung  in  der  ersten
Kammer,  so  daß  Beust  hier  nur  zum  Dank  für  ihre  patriotische
Hingebung  das  Wort  zu  nehmen  brauchte.  In  Betreff  des
Parlaments  constatierte  er,  daß  er  bereits  durch  die  londoner
Conferenz  zu  der  Überzeugung  von  dessen  Nothwendigkeit  ge-1)

  „Wenn“,  sagte  er,,  die  Regierung  einer  Großmacht  es  nicht  unter
ihrer  Würde  hält,  die  Aufstellung  einer  ganzen  Armee  vor  Deutschland,
ja  vor  ganz  Europa  damit  zu  erklären,  daß  in  einem  kleinen  deutschen
Staate  einige  Rekruten  einberufen  und  einige  Pferde  gekauft  worden  sind,
so  halten  wir  es  unter  unserer  Würde,  nachdem  wir  jener  Behauptung
widersprochen  und  sie  mit  Belegen  zurückgewiesen  haben,  auf  die  Wiederholung
  dieser  Behauptung  Antwort  zu  geben.“