788  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

Elbufer  her  zu  drohen  schien,  so  wurde  die  Avantgarde  nebst
sämtlichen  vier  Reiterregimentern  am  30.  Mai  dorthin,  hinter
die  Röderlinie,  gezogen.  Am  8.  Juni  war  die  Mobilisierung
des  Heeres  beendigt;  die  Effectivstärke  desselben  betrug  32000
Mann  mit  8800  Pferden  und  68  Geschützen.  Um  den  Anmarsch
  der  Preußen  zu  verzögern  waren  Vorkehrungen  zur
Zerstörung  der  Elbbrücken  bei  Meißen  und  Riesa,  der  Eisenbahnen
  bei  Priestewitz,  Röderau,  Löbau  und  Bautzen  getroffen.


Gleichzeitig  stellte  sich  aber  bei  den  auf  Baierns  Einladung
  zu  München  abgehaltenen  militairischen  Berathungen
mit  voller  Bestimmtheit  heraus,  daß  weder  von  seiten  der
bairischen  noch  der  anderen  mittelstaatlichen  Armeen  auf  eine
rechtzeitige  Mitwirkung  zu  rechnen  sei.  Dies  entschied  den  Entschluß
  sich  auf  die  österreichische  Nordarmee  zurückzuziehen.
Mit  dem  in  Dresden  eingetroffenen  Generalmajor  v.  Ringelheim
  wurden  die  Modalitäten  des  Marsches  festgesetzt;  der
kaiserliche  Oberstleutnant  Beck  nahm  die  bestimmte  Erklärung
mit  zurück,  daß  Sachsen  zum  Kriege  gegen  Preußen  mit  Osterreich
  entschlossen  sei,  sobald  ein  directer  Angriff  oder  auch  nur
eine  Überschreitung  der  sächsischen  Grenze  preußischerseits  erfolge
  oder  ein  dahin  zielender  Bundesbeschluß  vorliege  1).  Der
Großherzog  von  Baden,  welcher,  2.  Juni,  beim  König  von
Sachsen  persönlich  einen  Versuch  zur  Erhaltung  des  Friedens
machte,  gewann  hier  die  Überzeugung  von  der  Unvermeidlichlichkeit
  des  Krieges;  statt  nach  Berlin  weiterzureisen  gab  er
von  Pillnitz  aus  die  ersten  Befehle  zur  Mobilisierung  seiner
Truppen.

Die  Entscheidung  nahte  mit  raschen  Schritten.  Am  10.  Juni
legte  Preußen  den  deutschen  Regierungen  die  Grungpzüge  einer
neuen  Bundesverfassung  mit  Ausschluß  Osterreichs  und  der
Niederlande  vor:  das  Medusenhaupt  der  Mediatisierung  starrte

1)  Antheil  des  königlich  sächsischen  Armeecorps,  S.  5  ff.  —  Osterreichs
Kämpfe  im  Jahre  1866,  durch  das  k.  k.  Generalstabsbureau  bearbeitet
(1867—1869)  I,  138.