790  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

preußische  Gesandte  in  Dresden  ein  Ultimatum,  welches  kategorisch
  die  unverzügliche  Erklärung  darüber  verlangte,  ob  der
König  von  Sachsen  gegen  Gewährleistung  seines  Gebiets  und
seiner  Souverainetät  nach  Maßgabe  der  Reformvorschläge  vom
10.  Juni  durch  Preußen  ein  Bündniß  mit  dieser  Macht  unter
der  Bedingung  schließen  wolle,  daß  die  sächsischen  Truppen  sofort
auf  den  Friedensfuß  zurückgeführt  würden,  Sachsen  der  Berufung
  des  deutschen  Parlaments  zustimme  und  die  Wahlen
dazu  ausschreibe,  sobald  es  in  Preußen  geschehe.  Im  Fall  der
Ablehnung  werde  der  König  von  Preußen  sich  in  die  Nothwendigkeit
  versetzt  finden,  Sachsen  als  im  Kriegszustande  mit
Preußen  befindlich  zu  betrachten.  Die  sächsische  Antwort  lautete
in  Betreff  des  ersten  Punktes  ablehnend;  der  baldigen  Berufung
des  Parlaments  stimmte  sie  zu,  jedoch,  den  Anträgen  der  Stände
gemäß,  nur  so,  daß  es  für  ganz  Deutschland  gewählt  werde
und  die  Ausschreibung  der  Wahlen  nicht  von  einer  einzelnen
Regierung  erfolge.  Sollte  Preußen  in  der  Ablehnung  des  angetragenen
  Bündnisses  einen  Grund  erkennen,  Sachsen  mit
Krieg  zu  überziehen,  so  bleibe  der  sächsischen  Regierung  nichts
übrig  als  gegen  ein  solches  Vorgehen  laut  und  entschieden  zu
protestieren  und  die  Abwehr  des  Bundes  anzurufen  1).  Schon
am  Nachmittag  wurde  auf  den  meisten  sächsischen  Bahnen  der
Privatverkehr  eingestellt;  am  Abend  übergab  der  preußische  Gesandte
  die  förmliche  Kriegserklärung.

In  der  Nacht  zum  16.  Juni  überschritten  die  Vortruppen
der  preußischen  Elbarmee  die  sächsische  Grenze,  ein  mit  dem
berliner  Schnellzuge  anlangendes  Bataillon  fand  die  riesaer
Elbbrücke  bereits  in  Flammen  stehend  2);  in  derselben  Nacht
wurde  die  meißner  Brücke  gesprengt,  die  Eisenbahnen  nach
Berlin,  Schlesien  und  Leipzig  unfahrbar  gemacht,  eine  Division
der  Armee  des  Prinzen  Friedrich  Karl  besetzte  Löbau.  Tags

1)  Staatsarchiv  XI,  Nr.  2324  f.

2)  Dieselbe  war  schon  am  25sten  wieder  fahrbar,  da  die  Preußen  die
zur  Wiederherstellung  nöthigen  Hölzer  im  voraus  fertig  mitgebracht  hatten.
In  Meißen  wurde  am  18ten  eine  Schiffbrücke  geschlagen.