Ausbruch  des  Kriegs  von  1866.  791

darauf  rief  Sachsen  die  Hilfe  des  Bundes  an.  Aber  die  Zu—
sage  derselben  und  ebenso  Osterreichs  Erklärung,  mit  gesamter
Macht  gegen  die  an  seinem  Bundesgenossen  verübte  Gewalt
eintreten  zu  wollen,  waren  hölzerne  Waffen,  die  Sachsen  nicht
das  mindeste  nützten.  Da  Feldzeugmeister  Benedek,  der,  sich  auf
die  reine  Defensive  beschränkend,  sein  Heer  bei  Olmütz  concentrierte,
  den  Kronprinzen  von  Sachsen  schon  am  10ten  hatte
wissen  lassen,  er  lege  den  höchsten  Werth  darauf,  daß  das  sächsische
  Armeecorps  sich  rasch  und  ungefährdet  an  ihn  anschließe,
so  stand  dieses  zum  sofortigen  Rückmarsche  nach  Böhmen  bereit.
  Nur  weil  den  Spitzen  der  Preußen  ihre  Hauptmacht
nicht  mit  der  erwarteten  Schnelligkeit  folgte,  indem  sie  nicht
sicher  waren  in  Sachsen  auf  starke  österreichische  oder  bairische
Streitkräfte  zu  stoßen  1),  blieb  das  sächsische  Corps  den  16ten
noch  bei  Dresden  stehen  und  zog  sich  erst  frühmorgens  am
17ten  hinter  die  Müglitz  zurück.  Der  König  hatte  sich  bereits
am  16ten  in  Begleitung  der  Minister  v.  Beust  und  v.  Rabenhorst
  zur  Armee  begeben,  nachdem  er  eine  Ansprache  an  sein
Volk  erlassen  2)  und  für  die  Verwaltung  des  Landes  und  die
Fortführung  der  Regierungsgeschäfte  während  seiner  Abwesenheit
  eine  Landescommission,  bestehend  aus  den  Ministern
v.  Falkenstein,  v.  Friesen  und  Schneider  (letzterer  seit  Kurzem
v.  Behrs  Nachfolger)  sowie  dem  Geralleutnant  v.  Engel  niedergesetzt
  hatte.  Die  Kronprinzessin  und  die  Prinzeß  Georg
mit  ihren  Kindern  begaben  sich  nach  Prag,  Königin  Maria
und  Prinzeß  Auguste  blieben  in  Dresden.  In  den  Morgenstunden
  des  18ten  überschritt  die  sächsische  Armee,  da  österreichischerseits
  keine  Vorkehrungen  zu  ihrem  Transport  auf  der
Eisenbahn  getroffen  waren,  die  böhmische  Grenze  auf  den  drei
Straßen  Dippoldiswalde-Altenberg,  Pirna-Berggießhübel  und
Dohna-Lauenstein;  nur  eine  Seitencolonne  gieng  auf  Boden-1)

  20—30  ungarische  Husaren,  die  am  25sten  nach  Freiberg  kamen,
waren  die  einzigen  Österreicher,  ein  bis  Plauen  recognoscierendes  Reiterpiket
  die  einzigen  Baiern,  die  sich  in  Sachsen  blicken  ließen.

2)  Staatsarchiv  XI,  Nr.  2330.