792  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

bach.  In  Hellendorf  ließ  der  König  die  Truppen  an  sich  vorüberziehen,
  hierauf  folgte  er  selbst  dem  Marsche  zu  Pferde;
nach  einem  kurzen  feierlichen  Halt  an  der  Grenze  verließ  er
mit  dem  Ausrufe:  „Nun  denn,  in  Gottes  Namen!“  den
sächsischen  Boden.  Auf  diesem  blieben  nur  die  Besatzung  des
Königsteins  und  die  zur  Bewachung  der  Strafanstalten  nöthigen
Detachements  zurück;  selbst  das  Cadettencorps,  dessen  obere
Divisionen  in  die  Armee  eingetreten  waren,  folgte  dem
Marsche.

Am  Mittag  des  18ten  erreichte  die  Avantgarde  der  Elbarmee
  unter  General  Schöler  Dresden.  Sie  schloß  sofort
das  Telegraphenbureau  und  legte  Beschlag  auf  die  königlichen
Cassen,  deren  Bestände  jedoch  ebenso  wie  der  Staatsschatz  und
das  Material  der  Staatsbahnen  größtentheils  noch  rechtzeitig
gen  Süden  geflüchtet  worden  waren.  Dagegen  blieb  jedes
Privateigenthum  unangetastet,  nur  das  zur  Verpflegung  der
Armee  Erforderliche  wurde  von  den  Gemeinden  in  Anspruch
genommen.  Von  besonderer  Wichtigkeit  war,  daß  es  nicht  nur
gelang  die  unmittelbar  nach  der  Besetzung  Dresdens  anbefohlene
  Beseitigung  der  Landescommission  rückgängig  zu  machen
sondern  auch  durch  ein  Abkommen  mit  dem  zum  Givilcommissar
  für  Sachsen  ernannten  Landrath  v.  Wurmb  die  Beschlagnahme
  der  Cassen  gegen  Zahlung  von  täglich  10000  Thlrn.
wieder  aufgehoben  wurde,  so  daß  der  geordnete  Gang  der  Verwaltung
  keine  Unterbrechung  litt  und  nur  die  unumgänglichsten
Einschränkungen,  welche  der  Kriegszustand  auferlegte,  zu  ertragen
  hatte;  selbst  der  directe  Verkehr  mit  dem  abwesenden
Könige  blieb  der  Landescommission  gestattet;  die  Presse  erfuhr,
abgesehen  von  der  Unterdrückung  der  leipziger  Abendpost  und
zweier  chemnitzer  Blätter,  keine  Behelligung.  Die  Stimmung
der  Bevölkerung  war  ruhig  und  entgegenkommend,  zumal  da
die  anfangs  nach  allen  Seiten  hin  strenge  Absperrung  bald
wieder  aufhörte.

Am  19ten  war  die  Occupation  Sachsens  durch  die  Preußen
beendet.  Um  ohne  Zeitverlust  die  Operationen  gegen  Böhmen
zu  beginnen  sammelte  sich  die  Elbarmee  am  20sten  und  21sten