794  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

Anstalten  getroffen,  sie  von  Lobositz  aus  auf  der  Eisenbahn  bis
in  die  Nähe  von  Chlumetz  zu  befördern,  zum  Anschluß  an  die
Nordarmee,  welche  Benedek  aus  Mähren  in  die  Gegend  von
Josephstadt  zu  dirigieren  beabsichtigte  um  von  dort  aus  die
Offensive  zu  ergreifen  1).  Am  Abend  des  20sten  begaun  die
Absendung  der  Truppen,  die  man  mit  Hilfe  des  nach  Bodenbach
  geretteten  sächsischen  Betriebsmaterials  bis  zum  23ten
früh  zu  beendigen  hoffte,  während  die  Reiterei  und  eine
Batterie  das  Mittelgebirge  über  Bilin  umgiengen,  die  Nachhut
über  das  Gebirge  nach  Leitmeritz  rückte.  Ehe  jedoch  diese  Bewegung,
  in  Folge  der  mangelhaften  Verladungsvorrichtungen
verzögert,  vollständig  zur  Ausführung  gebracht  worden  war,
langte  in  der  Nacht  zum  22sten  ein  bereits  am  20sten  erlassener,
aber  statt  direct  nach  Lobositz  auf  dem  weiten  Umwege  über
Prag  beförderter  Befehl  Benedeks  an,  welcher  die  Sachsen  und
das  1.  österreichische  Armeecorps  des  Generals  Clam-Gallas
anwies  vorläufig  an  der  Iser  stehen  zu  bleiben  um  dem  von
der  görlitzer  Neiße  her  im  Anmarsch  befindlichen  Prinzen
Friedrich  Karl  die  Stirne  zu  bieten.  Es  war  dies  die  erste
von  zahlreichen  Erfahrungen,  welche  die  Sachsen  zu  ihrem
Nachtheile  von  der  in  der  österreichischen  Heeresleitung  herrschenden
  Verwirrung  machen  sollten.  Der  Abgang  der  Truppen
auf  der  Bahn  wurde  sofort  eingestellt  und  das  unnützerweise
in  zwei  Hälften  auseinandergerissene  Armeecorps  trat  nun
theils  von  Lobositz,  theils  von  dem  Ausladungsort  Prschelausch
aus  den  Marsch  nach  Jungbunzlau  an,  wo  es  auf  beiden  Ufern
der  Iser  Cantonnements  bezog,  während  Clam-Gallas  zur
Sicherung  der  Fronte  Abtheilungen  gegen  Hühnerwasser  und
Weißwasser  vorschob.  Am  24sten  übernahm  der  Kronprinz
früherer  Verabredung  gemäß  den  Oberbefehl  über  sämtliche
an  der  Iser  in  einer  Stärke  von  52000  Mann  versammelten
Truppen;  leider  blieb  aber  die  Unterordnung  der  Osterreicher
unter  sein  Commando  eine  sehr  lose,  was  lähmend  auf  die
ganzen  Operationen  der  Isererarmee  einwirkte.

1)  Das  Folgende  hauptsächlich  nach  dem  Berichte  des  sächsischen  Generalstabes,
  S.  36  ff.