Die  Sachsen  bei  der  Iserarmee.  795

In  Erwartung  eines  baldigen  Angriffs  concentrierte  der
Kronprinz  das  sächsische  Corps,  das  jetzt  in  zwei  Infanteriedivisionen,
  v.  Schimpff  und  v.  Stieglitz,  mit  je  zwei  Batterien
und  zwei  Schwadronen,  und  in  die  Reiterdivision  v.  Fritsch
nebst  der  Reserveartillerie  eingetheilt  war,  am  25sten  zwischen
Jungbunzlau  und  Münchengrätz,  wo  es  je  nach  den  Umständen
entweder  dem  Corps  Clam-Gallas  als  Reserve  dienen  oder
selbständig  die  Uebergänge  über  die  Iser  vertheidigen  konnte,
aber  auch  den  ihm  so  höchst  nöthigen  Rasttag  halten  sollte,
denn  seit  Dresden  hatten  die  Truppen  einen  einzigen  Rasttag
gehabt,  in  acht  Tagen,  zum  Theil  in  drückender  Sonnenhitze,
auf  schlechten  Wegen  und  bei  mangelhafter  Verpflegung  22  Meilen
zurückgelegt.  Da  lief  jedoch  kurz  nach  Mittag  von  Clam-Gallas
  die  Meldung  ein,  daß  der  Feind  dicht  vor  Turnau
stehe,  dort  und  bei  Hühnerwasser  sich  lebhafte  Gefechte  entsponnen
  hätten.  Der  Kronprinz,  der  soeben  von  Benedek  aus
Josephstadt  telegraphisch  den  Befehl  erhalten  hatte,  Münchengrätz
  und  Turnau  um  jeden  Preis  zu  halten,  eilte  sogleich
nach  ersterem  Orte  voraus  um  sich  persönlich  mit  Clam-Gallas
in  Vernehmen  zu  setzen.  Es  stellte  sich  heraus,  daß  Turnau
bereits  verloren,  die  preußische  Avantgarde  aus  dem  Gebirge
in  die  Ebene  debouchiert  sei.  Bei  der  Unkenntniß,  in  welcher
der  Feldzeugmeister  seine  Corpsgenerale  über  die  Gesamtlage
der  Armee  ließ,  konnten  die  beiden  Corpscommandanten  aus
seinem  neuesten  Befehle  nur  vermuthen,  daß  derselbe  die  Offensive
  zu  ergreifen  beabsichtige,  die  Iserarmee  also  im  Sinne
einer  vorgeschobenen  Avantgarde  zu  handeln  habe;  sie  entschlossen
  sich  daher  zu  dem  schwierigen  Versuche  noch  in  letzter
Stunde  den  debouchierenden  Feind  in  das  Gebirge  zurückzuwerfen.
  Trotz  ihrer  Erschöpfung  brachen  die  Sachsen  sofort
aus  ihren  Bivouacs  auf;  da  jedoch  in  der  Nacht  auch  Podol
und  die  dortige  Brücke  in  die  Hände  der  Preußen  gefallen
waren,  wodurch  diese  sich  den  kürzesten  Weg  auf  Gitschin
öffneten,  so  stand  der  Kronprinz  von  der  beabsichtigten  Offensive
  um  so  eher  ab,  als  auch  von  Benedek  ein  Telegramm
einlief,  daß  er  in  Folge  des  Erscheinens  starker  feindlicher