796  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

Abtheilungen  in  seiner  rechten  Flanke,  vor  Trautenau  und
Nachod,  den  Aufmarsch  der  Armee  bei  Josephstadt  beschleunigen
werde  und  es  dem  Ermessen  des  Kronprinzen  überlassen  müsse,
ob  unter  diesen  Umständen  das  beabsichtigte  Vorgehen  noch
vortheilhaft  sei.  Weil  aber  auch  aus  diesem  Telegramm  nicht
zu  ersehen  war,  ob  nicht  ein  vorzeitiges  Aufgeben  der  Iserlinie
  dem  allgemeinen  Operationsplane  zuwiderlaufe,  entschied
man  sich  vorläufig  noch  stehen  zu  bleiben.  Erst  ein  mittags
des  2  7sten  eingehender  Generalbefehl,  wonach  zur  Deckung  des
Aufmarsches  bei  Josephstadt  gegen  den  über  das  östliche  Gebirge
  vorbrechenden  Feind  je  ein  Armeecorps  nach  Trautenau
und  Skalitz  vorgeschoben  werden  sollte,  gestattete  endlich  die
allgemeine  Lage  klarer  zu  beurtheilen.  Für  die  Iserarmee
waren  in  dem  Befehle  keine  Anordnungen  erlassen.  Allein
bei  der  von  Stunde  zu  Stunde  wachsenden  Gefahr,  durch  die
Bewegung  der  Preußen  auf  Gitschin  von  der  Hauptarmee  abgedrängt
  zu  werden,  entschloß  sich  nunmehr  der  Kronprinz  aus
seiner  unhaltbar  gewordenen  Stellung  den  Rückzug  auf  Gitschin
anzutreten.  Das  sächsische  Hauptquartier  kam  nach  Klein-Bautzen.
  Ohne  Kenntniß  davon,  daß  sich  die  zweite  preußische
Armee  bei  Nachod,  Skalitz  und  Trautenau  den  Ausgang  aus
den  Defiléen  des  Riesengebirges  gebahnt  hatte,  glaubten  beide
Corpscommandanten  noch  am  Abend  des  28sten  nicht  anders,
als  daß  die  Nordarmee  im  Laufe  des  29sten  und  30sten  zu
dem  entscheidenden  Offensivstoße  bei  Gitschin  eintreffen  werde,
und  trafen  daher  Anordnungen  um  sich  dieses  für  den  Aufmarsch
  der  Hauptarmee  höchst  wichtigen  Punktes  möglichst  rasch
zu  versichern.  In  jener  Voraussetzung  wurde  der  Kronprinz,
in  dessen  Hauptquartier  auch  der  König  aus  Prag  eingetroffen
war,  durch  einen  nachmittags  2  Uhr  des  29sten  erhaltenen
schriftlichen  Armeebefehl  Benedeks  vom  27sten  bestärkt.  Noch
immer  hielt  also  der  Feldzeugmeister  den  Gedanken  fest  den
Prinzen  Friedrich  Karl  an  der  Jser  anzugreifen;  aber  seine
Anordnungen  waren  in  dem  Augenblicke,  wo  der  Kronprinz
sie  erhielt,  bereits  durch  die  Ereignisse  überholt,  indem  Prinz
Friedrich  Karl  zu  dem  Zmwecke  die  in  schwieriger  Lage  be-