Die  Iserarmee.  Gefecht  bei  Gitschin.  797

findliche  zweite  Armee  zu  degagieren  seinerseits  zum  Angriff
auf  Gitschin  schritt.  Auf  der  von  Turnau  dahin  führenden
Straße  rückte  die  Division  Tümpling  vor,  auf  der  von  Münchengrätz
  her,  welche,  durch  einen  hohen  Bergrücken  von  jener  getrennt,
  kurz  vor  Gitschin  mit  derselben  in  spitzem  Winkel  zusammentrifft,
  die  Division  Werder.  Um  37  Uhr  erschienen
die  Spitzen  der  ersteren  vor  der  sehr  festen  Stellung  der
Österreicher.  Auf  die  Nachricht  von  diesem  heute  nicht  mehr
erwarteten  Vorgehen  des  Feindes  eilte  der  Kronprinz  sogleich
auf  das  Schlachtfeld  und  übernahm  die  Leitung  des  Gefechts,
gleichzeitig  erhielt  die  1.  sächsische  Infanteriebrigade  unter
Oberst  v.  Boxberg  nebst  dem  1.  Jägerbataillon  und  den
Batterien  Richter  und  Hering  den  Befehl  sich  des  den  Zugang
  zu  Gitschin  beherrschenden  Dorfes  Diletz  zu  bemächtigen.
Um  den  Besitz  dieses  Ortes  entspann  sich  ein  hitziges  Gefecht,
in  welchem  die  Sachsen  durch  Zündnadelgewehr,  Granat=  und
Kartätschfeuer  stark  litten.  Durch  ein  unglückliches  Mißverständniß
  beschoß  überdies  ein  österreichisches  Bataillon  die
sächsischen  Jäger  im  Rücken  und  eine  österreichische  Batterie
richtete  ihr  Feuer  auf  Diletz,  das  sie  in  preußischem  Besitz
wähnte.  Mit  den  abends  7  Uhr  auf  dem  Schlachtfelde  eingetroft#
  stärkungen  hätte  nun  wohl  der  Kronprinz  allensalls
  hoffen  dürfen  dem  von  Turnau  kommenden  Feinde  für
den  kurzen  Rest  des  Tages  Stand  zu  halten,  wäre  er  nicht
durch  das  Vorgehen  der  Division  Werder  auf  der  Straße  von
Münchengrätz  her,  welches  der  linke  Flügel  der  Osterreicher
und  das  3.  sächsische  Reiterregiment  vergebens  zu  hindern
suchten,  im  Rücken  bedroht  worden.  Überdies  kam  ihm  auch
71  Uhr  von  dem  Hoöchstcommandierenden  zugleich  mit  der
Meldung,  daß  der  Abmarsch  nach  der  Iser  aufgegeben  sei,  der
Befehl  zu,  sich  mit  überlegenen  Kräften  in  kein  größeres  Gefecht
  einzulassen  sondern  seine  Vereinigung  mit  der  Hauptarmee
  durchzuführen.  So  entschloß  sich  der  Kronprinz  das
Gefecht  abzubrechen.  Leider  ließ  sich  aber  die  Räumung  von
Diletz  nicht  ohne  beträchtliche  Verluste  bewerkstelligen;  Oberst
v.  Boxberg  fand  dabei  den  Tod.  In  und  jenseits  Gitschin