Schlacht  bei  Königgrätz.  801

der  Front  zu  stark  schien,  beschloß  er  sie  in  der  Flanke  zu
fassen.  Während  die  Artillerie  auf  der  Höhe  von  Lubno  die
sächsische  Front  beschäftigte,  gelangte  114  Uhr  die  15.  Division
(Canstein)  rechts  über  Hradek  vorgehend  bis  in  die  westlich  von
Ober=  und  Nieder-Prschim  gelegene  Fasanerie.  Sowie  der
Kronprinz  diese  Bewegungen  bemerkte,  verstärkte  er  die  Besatzung
  von  Nieder-Prschim  bis  auf  zehn  Compagnien;  um
die  linke  Flanke  vor  Überflügelung  zu  schützen  besetzte  auf  sein
Ansuchen  die  österreichische  Brigade  Schulz  Ober-Prschim  und
den  dortigen  Wald,  wogegen  deren  bisherige  Stellung  auf  den
Höhen  östlich  von  Ober-Prschim  und  im  südlichen  Theile  des
Brschiser  Waldes  die  Brigade  Roth  einnahm,  die  Artillerie
in  der  Fronte  wurde  durch  zwei  österreichische  Batterien  bis
auf  50  Geschütze  verstärkt.  So  konnte  ein  Versuch  der  Preußen
von  der  Fasanerie  aus  Nieder-Prschim  zu  nehmen  erfolgreich
zurückgewiesen  werden;  wie  im  Centrum  so  schien  auch  auf
dem  linken  Flügel  das  Gefecht  zum  Stehen  gekommen  zu  sein.

Dieser  nicht  ungünstige  Stand  der  Dinge  verlockte  den
Kronprinzen  zu  dem  Entschluß  aus  der  Defensive  herauszutreten
und  durch  einen  Vorstoß  gegen  Hradek  die  beabsichtigte  feindliche
  Umgehung  zu  durchbrechen.  Unter  dem  heftigsten  Granatfeuer
  stürmte  123  Uhr  die  Leibinfanteriebrigade,  unterstützt
von  der  Batterie  Hering-Göppingen  und  einem  Theil  der
Besatzung  von  Nieder-Prschim  vorwärts  und  warf  nach  einem
hitzigen  Waldgefechte  die  Preußen  wieder  aus  der  Fasanerie
und  aus  der  Schäferei  an  der  Nordspitze  von  Neu-Prschim
heraus.  Hier  aber  stockte  die  Offensive;  die  im  Walde  von
Ober-Prschim  sich  unausgesetzt  entwickelnde  Umgehung  durch
die  Division  Canstein  ließ  sie  nicht  vorwärts.  Nicht  willens,
die  so  erfolgreich  begonnene  Bewegung  deshalb  zu  unterbrechen,
beorderte  der  Kronprinz  die  2.  Infanterie=  und  die  2.  Reiterbrigade
  zur  Unterstützung  der  Leibbrigade,  in  demselben  Augenblicke
  aber,  wo  diese  vorgiengen,  stürzte  ihnen  die  Brigade
Schulz  in  völliger  Auflösung  und  von  den  Preußen  heftig
verfolgt  aus  dem  Walde  entgegen.  In  dieser  kritischen  Lage
hielten  zwar  die  Sachsen  Stand,  ihre  Verluste  häuften  sich

Flathe,  Neuere  Geschichte  Sachsens.  51