802  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

aber  durch  das  feindliche  Feuer  dermaßen,  daß  sie  nach  Nieder-Prschim
  zurückmußten;  auch  Ober-Prschim  gieng  verloren  und
wemn  auch  das  Feuer  der  vereinigten  sächsischen  und  österreichischen
Batterien  dem  weiteren  Vorbrechen  des  Feindes  für  den  Augenblick
  noch  Einhalt  that,  so  mußte  doch  selbst  Nieder-Prschim,  der
linke  Stützpunkt  der  Front,  vor  dem  furchtbaren  Eisenhagel,
der  aus  66  Geschützen  auf  das  Dorf  niederfiel,  preisgegeben
werden.  Die  Offensive  war  nicht  nur  gänzlich  gescheitert,
sondern  in  den  Verlust  der  Flankenstellung  umgeschlagen.

Um  diese  Zeit  trat  mit  dem  Erscheinen  der  zweiten
preußischen  Armee  in  der  rechten  Flanke  der  Osterreicher  der
Wendepunkt  der  ganzen  Schlacht  ein.  Gegen  24  Uhr  konnte
von  der  probluser  Höhe  aus  der  sich  um  Chlum  entspinnende
Kampf  und  das  Zurückweichen  des  rechten  österreichischen
Flügels  deutlich  wahrgenommen  werden.  Auch  die  Widerstandskraft
  des  Centrums  begann  sichtbar  zu  erlahmen,  vor
der  eigenen  Front  aber  entwickelte  sich  vom  popowitzer  Holze
her  die  Division  Münster  zum  Angriff  auf  Problus,  während
die  äußerste  linke  Flanke  schon  vom  Feinde  umfaßt  war.
Wollte  sich  also  das  sächsische  Armeecorps  nicht  gegen  den  im
Rückzug  befindlichen  rechten  Flügel  der  Osterreicher  aufrollen
lassen,  so  war  der  Rückzug  unvermeidlich.  Zur  Deckung
desselben  erhielt  Generalmajor  v.  Carlowitz  den  Auftrag  mit
der  3.  Infanteriebrigade  Problus  und  den  Wald  von  Brschisa
so  lange  als  möglich  zu  behaupten.  Der  Angriff  ließ  nicht
warten.  Unaufgehalten  durch  das  lebhafte  Feuer  der  Sachsen
rückt  die  27.  Brigade  (Schwarzkoppen)  festgeschlossen  und  in
imponierender  Haltung  gegen  Problus  vor,  entreißt  nach
heißem  Kampfe  den  Sachsen  das  Dorf,  Generalmajor  v.  Carlowitz
  fällt  tödlich  verwundet.  Gleichzeitig  wirft  die  28.  Brigade
  (v.  Hiller)  die  seit  dem  Gefecht  bei  Gitschin  erschütterte
1.  Infanteriebrigade  aus  dem  Walde  von  Brschisa,  doch  gibt
das  1.  Jägerbataillon  die  Vertheidigung  der  letzten  Waldecke
erst  auf,  als  der  Feind  ihm  in  Flanke  und  Rücken  erscheint.
Diesem  Bataillon,  als  der  letzten  Truppe,  die  aus  dem
Kampfe  kam,  schloß  sich  der  Kronprinz  für  seine  Person  an.