804  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

wendeten  sich  also  die  noch  erreichbaren  Abtheilungen,  fanden
aber  daselbst  keine  Brücke  und  mußten  deshalb  bis  Pardubitz
weiter,  wo  sie  endlich  nach  Mitternacht  die  Elbe  überschritten.
Am  schrecklichsten  war  das  Los  derjenigen  Abtheilungen,  die,
unkundig  des  Terrains,  in  das  Inundationsgebiet  geriethen,
fast  alle  wurden  hier  aufgelöst.  Viele  fanden  in  der  unermeßlichen
  Verwirrung  den  Tod  in  den  Wellen;  die  große  Mehrheit
  überfluthete  regellos  die  Außenwerke,  vergeblich  einen  Eingang
  suchend,  bis  endlich  bei  einbrechender  Dunkelheit  der  Commandant
  ihnen  zwei  Zugänge  öffnen  ließ,  so  daß  sie  durch  die
Festung  ziehen  konnten.  Jenseits  der  Elbe  waren  also  die
Sachsen  für  den  Augenblick  völlig  aufgelöst;  doch  gelang  es
den  Offizieren  schon  am  nächsten  Morgen  wenigstens  die  taktische
  Gliederung  und,  da  der  Rückzug  auf  Olmütz  unbehelligt
blieb,  nach  und  nach  auch  die  völlige  Ordnung  wiederherzustellen.
  Bei  Kraung  stieß  General  v.  Schimpff  wieder  zum
Kronprinzen,  bei  Zwittau,  das  man  erst  am  Abend  des  5.
Juli  erreichte,  auch  die  Colonne  Stieglitz.  Nun  ließ  sich  auch
der  in  der  Schlacht  erlittene  Verlust  übersehen:  sie  kostete  den
Sachsen  24  Offisiere  und  400  Mann  an  Todten,  32  Offiziere
  und  1002  Mann  Verwundete,  3  Offiziere  und  87  Mann
Gefangene,  außerdem  1  Geschütz  und  53  Fuhrwerke.  Bei
Zwittau  wurde  General  v.  Stieglitz  durch  preußische  Kavalerie
  überfallen,  kam  aber,  glücklicher  als  der  Train  des  8.
österreichischen  Corps,  ohne  Verlust  davon.  Am  11cten  rückte
das  sächsische  Corps,  noch  23341  Mann  und  7502  Pferde
stark,  in  das  verschanzte  Lager  von  Olmütz,  nachdem  es  auf
achttägigem  ununterbrochenen  Rückzuge  zwar  nur  20  Meilen,
diese  aber  unter  großen  Strapazen  zurückgelegt  hatte.  Nach
dem  Scheitern  der  Waffenstillstandsverhandlungen  begann,
14.  Juli,  der  Transport  auf  der  Eisenbahn  nach  Wien,  während
  die  Reiterei,  die  beiden  reitenden  Batterien  und  der  Train
dem  2.  und  4.  österreichischen  Armeecorps  zugetheilt  wurden.
Allein  schon  am  15ten  machten  die  Gefechte  bei  Tobitschau  und
Roketnitz  und  die  Annäherung  der  Preußen  an  Lundenburg
die  Fortsetzung  des  Eisenbahntransportes  zur  Unmöglichkeit