806  Sachsen  unter  König  Johann.  Deutsche  Verhältnisse.

und  schlimmste  Dienst,  den  er  als  sächsischer  Minister  seinem
Vaterlande  erwies.  Zu  Nikolsburg  war  unterdessen  eine  fünftägige
  Waffenruhe  zur  Unterhandlung  über  die  Friedenspräliminarien
  unter  französischer  Vermittelung  geschlossen  worden.
So  wenig  es  in  Bismarcks  Absicht  lag,  Osterreich  an  seiner
Ehre  und  Macht  zu  schädigen,  so  bitter  war  die  Stimmung,
der  die  österreichischen  Bevollmächtigten  in  Betreff  Sachsens,
namentlich  beim  König  Wilhelm  selbst  begegneten,  der  die  sächsische
  Regierung  als  die  Urheberin  aller  Verwickelungen  betrachtete
  und  es  daher  unbillig  fand,  Sachsen  allein  unversehrt
aus  dem  Kampfe  hervorgehen  zu  lassen;  er  bestand  auf  Abtretung
  des  leipziger  und  bautzener  Kreises,  d.  h.  fast  des
halben  Landes.  Da  jedoch  in  diesem  Punkte  Osterreich,  damit
eine  naheliegende  Pflicht  der  Dankbarkeit  erfüllend,  jede  Nachgibigkeit
  verweigerte,  auch  die  französische  Diplomatie  sich  Sachsens
annahm,  so  wurde  am  25östen  preußischerseits  die  Integrität
Sachsens  zugestanden.  Um  so  heftiger  widersetzte  sich  dagegen  Graf
Bismarck  der  jetzt  plötzlich  von  Osterreich  erhobenen  Forderung,
daß  Sachsen  fortan  nicht  dem  norddeutschen  sondern  dem  süddeutschen
  Bunde  angehören  solle;  er  erklärte  die  Verhandlungen
für  beendigt,  wenn  Osterreich  auf  derselben  bestände,  er  sei
hierin  so  fest,  daß  er,  wenn  der  König  selbst  es  ihm  befehle,
augenblicklich  seine  Entlassung  nehmen  würde.  Es  war  hierin
nicht  mehr  zu  erreichen,  als  daß  dieser  Punkt  den  weiteren
directen  Verhandlungen  zwischen  Sachsen  und  Preußen  vorbehalten
  blieb  1).

Sachsen  war  von  allen  deutschen  Staaten  der  einzige,  der
in  den  am  26.  Juli  unterzeichneten  nikolsburger  Präliminarien
berücksichtigt  wurde.  Im  5.  Artikel  derselben,  der  dann  als
Artikel  6  in  den  Frieden  zu  Prag  vom  23.  August  übergieng,
  erklärte  sich  auf  den  Wunsch  des  Kaisers  von  Österreich
  der  König  von  Preußen  bereit,  bei  den  bevorstehenden
Veränderungen  in  Deutschland  den  Territorialbestand  des  Königreichs
  Sachsen  in  seinem  bisherigen  Umfange  bestehen  zu  lassen,

1)  Osterreichs  Kämpfe  IV,  183.