I.  Die  geschichtliche  Entwicklung  der  Kommunalbesteuerung  in  Württemberg.  75

Direkte  Steuern.

1.  Den  Kern=  und  Hanptbestandteil  des  württembergischen  Gemeindesteuerwesens
  bildete  bis  zum  Jahre  1905,  wie  in  dem  Abschnitt  I  C1  geschildert
worden  ist,  der  sogenannte  Gemeinde=  und  Amtsschaden,  d.  h.  die
Umlage  des  anderweitig  nicht  gedeckten  Defizits  der  Einkünfte  auf  Grundeigentum,
  Gebäude  und  Gewerbe.  In  welcher  Weise  die  Höhe  des  Amtsund
  Gemeindeschadens  von  1831—1904  gestiegen  ist,  zeigen  die  nachstehenden
  Zahlen:

8  In  %  der  Staats-8
  Staats-  Körperschaftssteuern  steuer  haben  betragen
l-  steuern  :  J  G  „  beid
2  Amtsschaden  Gemeinde-  usammen  mts  —
9  cheden,  schaden  Zusammen
—  Mk.  Mk.  Mk.  Mk.  %  r%  %
18311014  419  373  709  995  1  318  337  2  028  33226,1  29,.8  1  45.,9
18133398207  767  115  2215  179  2982  24422,6  65,2  87,8
18099  090524  989  550  3  490  890  4480  4eq0  19,.4  68,6  88,0
1869  5636  521  1  018  624  4945  511  5964  193518,,  7,  7105,  S
1879  8715  160  2  018  718  10  489  980  12  508  60823,2  120,4  143,5
182900  8370  292  3  082  437  12  794  000  15  876  47,.86,8  152,8  189,6
189510  026  069  3  683  0t2  15  130  568  18  831  6106,  150,9  187,6
1899  10  781  358  4123  096  17  641  161  21  764  2578,2  168,6  201,8
19021  718  641  4525  413  21  26  067  25  751  48038,6  181,1  2197
190411  817048  4957613  23034  163  27991  776|2,0  194,9  236,9
"1
In  die  Augen  fallend  ist  die  überaus  starke  Steigerung  des  Amtsund

  Gemeindeschadens.  Während  von  1831—1904  die  Staatssteuer  auf
Grund-,  Gebäude  und  Gewerbe  von  4  419  373  Mk.  auf  11  817  048  Mk.,
d.  i.  auf  das  2,67  fache  gestiegen  ist,  ist  die  Körperschaftssteuer  auf  diese
drei  Steuerobjekte  von  2  028  332  Mk.  auf  27  991  776  Mk.,  d.  i.  auf
das  13,8  fache  gewachsen.  Im  Jahre  1831  betrug  im  ganzen  Land  der
Amts=  und  Gemeindeschaden  noch  nicht  einmal  die  Hälfte  (45,9  %)  der
Staatssteuer,  dagegen  im  Jahre  1904  das  2,4  fache.

Nicht  alle  Gemeinden  erheben  Gemeindeschaden;  die  Zahl  der  Gemeinden,
  welche  ihre  Ausgaben  aus  dem  Ertrage  ihres  eigenen  Vermögens
  zu  decken  in  der  Lage  waren,  betrug  im  Jahre  1875  231,  im
Jahre  1895  noch  115,  d.  i.  6  %  sämtlicher  Gemeinden  des  Landes  (im
ganzen  1911),  mit  einer  Bevölkerung  von  95  317,  d.  i.  4,6  %  der
Landesbevölkerung.  Auf  die  vier  größeren  Verwaltungsbezirke  (Kreise)
verteilten  sich  im  Jahre  1895  die  115  Gemeinden  in  folgender  Weise: