Das  Gemeindevermögen  und  seine  finanzielle  Bedeutung  und  Ausnutzung.  139

die  Festhaltung,  Entstehung  und  Vermehrung  privatkapitalistischer  Fabrikund
  Handelsunternehmungen  durch  Erbauung  von  Hafenanlagen  bezw.  Erschließung
  von  geeignetem  billigen  Bauterrain  schufen,  so  war  man  in
Freiburg,  Heidelberg,  Konstanz  und  Baden  mit  Erfolg  bemüht,  wohlhabende
  Familien,  sowie  besonders  steuer=  und  konsumkräftige  Elemente
durch  Erschließung  der  reizenden  Umgebung,  insbesondere  der  städtischen
Wälder,  von  auswärts  heranzuziehen.

Von  den  Einnahmequellen  des  Gemeindehaushalts  ist  die
Nutzung  des  kommunalen  Grundeigentums  die  ursprünglichste.  Eine
Eigentümlichkeit  der  badischen  Gemeinden  bilden  die  vielfach  verbreiteten
umfangreichen  Allmendgüter,  welche  sich  zwar  im  Eigentum  der  Gemeinden
  befinden,  an  die  einzelnen  Gemeindegenossen  aber  oft  auf  Lebenszeit
  zur  Nutznießung  verliehen  sind.  An  diesen  Allmendgütern  bestehen  noch,
insbesondere  in  zahlreichen  Gemeinden  des  Schwarz=  und  Odenwaldes,
ausgedehnte  Bürgernutzungen  an  Ackern,  Wiesen,  Weiden  und  Wald.
Nach  §  65  St.-O.  dürfen  keine  neuen  Allmendgenüsse  zugunsten  der
einzelnen  Bürger  mehr  bestellt  werden;  die  freiwerdenden  Anteile  fallen
der  Gemeinde  anheim.  Diese  Bürgernutzungen  können  indessen  auch  im
Besitz  der  einzelnen  Nutzungsberechtigten  mit  zur  Deckung  von  Gemeindebedürfnissen
  herangezogen  werden  (§  70  G.-O.  bezw.  St.-O.).  Recht
beträchtliche  Einkünfte  zieht  eine  Reihe  von  Gemeinden  aus  ihrem  Waldbesitz,
  der  insgesamt  254  570  ha  oder  45  %  der  ganzen  Forstfläche
Badens  umfaßt.  Die  Stadt  Baden  z.  B.  verfügt  über  ein  Waldareal
von  4280  ha.  Die  städtischen  Waldungen  haben  im  Jahre  1907  einen  Ertrag
  von  30  000  Festmetern  abgeworfen,  woraus  ein  Erlös  von  426  430  Mk.
erzielt  wurde.  Die  der  Holzerzeugung  gewidmete  Fläche  beträgt  rund
4227  ha,  landwirtschaftlich  genutzt  sind  27  ha  und  ertraglos  etwa  26  ha.
Auch  Villingen,  Freiburg,  Heidelberg,  Gernsbach,  Eberbach,  Oberwolfach,
Prechtal,  Kinzigtal  und  Oberharmersbach  besitzen  recht  beträchtliche  Waldbestände
  und  neben  Mannheim  die  größten  Gemarkungen  (4100—6779  ha).

Für  die  neuzeitliche  Städteentwicklung  ist  die  Größe  des  Anteils  der
Gemeinde  am  Grund  und  Boden  von  weitgehender  sozialer  und  wirtschaftlicher
  Bedeutung.  Der  städtische  Bodenbesitz  stellt  ein  Vermögensobjekt
  von  unersetzlichem,  andauernd  wachsendem  Werte  dar  und  erweist
sich  als  die  sicherste  Grundlage  für  die  Finanzpolitik  und  das  Kreditwesen
der  Gemeinde.  Ein  ausgedehnter  und  günstig  gelegener  Grundbesitz
macht  die  Gemeindeverwaltung  nicht  nur  unabhängig  von  den  privaten
Grundeigentümern  und  Spekulanten  in  der  Erfüllung  ihrer  oft  sehr  beträchtlichen
  eigenen  baulichen  Aufgaben,  er  ist  vielmehr  zugleich  noch  ein