Das  Gemeindevermögen  und  seine  finanzielle  Bedeutung  und  Ausnutzung.  145

verpachtet  ist.  Ferner  verwaltet  die  Stadt  das  öffentliche  Plakatwesen
in  eigener  Regie,  aus  dem  sie  im  Jahre  1907  eine  Einnahme  von
6600  Mk.  erzielt  hat.  Schließlich  verfügt  sie  noch  über  zwei  in  eigener
Verwaltung  stehende  Holzzerkleinerungsanlagen,  aus  deren  Betrieb
  im  letzten  Jahr  6614  Mk.  vereinnahmt  worden  sind.

Schon  ein  flüchtiger  Einblick  in  den  Voranschlag  einer  größeren  Gemeinde
  genügt  zur  Orientierung  über  die  außerordentliche  Mannigfaltigkeit
und  die  finanzielle  Tragweite  ihres  Aufgabenkreises.  Dieser  ist  in  den
einzelnen  Städten  je  nach  ihrem  wirtschaftlichen  Charakter  und  der  sozialen
Zusammensetzung  und  Gliederung  der  Bevölkerung  außerordentlich  verschieden.
  In  den  Industriestädten  Mannheim  und  Pforzheim  sind
andere  Interessen  vorherrschend  als  in  der  Beamten=  und  Rentnerstadt
  Karlsruhe,  in  den  Universitäts=  und  Fremdenstädten  Freiburg  und
Heidelberg,  der  gewerbereichen  und  arbeitsamen  Bodenseestadt  Konstanz  oder
der  internationalen  Bäderstadt  an  der  Oos.  Wie  Mannheim  seine
städtischen  Einrichtungen  den  wirtschaftlichen,  hygienischen,  sozialen  und
ästhetischen  Bedürfnissen  der  modernen  Großstadt  durch  die  Umwandlung
des  bisherigen  Handelsplatzes  in  ein  Zentrum  der  Industrie,
  durch  eine  den  wachsenden  Anforderungen  entsprechende  Finanzpolitik,
  durch  die  Sanierung  und  Verschönerung  der  Stadt,
die  Förderung  der  geistigen  Interessen  der  Einwohnerschaft
und  die  Fürsorge  für  die  minder  bemittelten  Bevölkerungsklassen
  anzupassen  bestrebt  war,  hat  der  verstorbene  Oberbürgermeister
Dr.  Otto  Beck  in  dem  Abschnitt  über  „Die  Gemeindepolitik  in  den  Jahren
1870—1905“  in  dem  Mannheimer  Jubiläumswerk!  trefflich  geschildert,
in  welchem  auch  der  städtische  Haushalt  auf  Seite  90  ff.  eine  eingehende,
sachgemäße  Darstellung  erfahren  hat.  Der  in  den  letzten  anderthalb  Jahrzehnten
  mit  Riesenschritten  erfolgte  Entwicklungsgang  des  kommunalen  Lebens
in  Mannheim  hat  naturgemäß  auch  besonders  tiefgehende  Spuren  auf  dem
Gebiete  der  städtischen  Wirtschafts=  und  Finanzpolitik  zurückgelassen.  In
dem  Zeitraum  von  1890—190é  ist  der  Jahresbedarf  der  Gemeindewirtschaft
von  2  806  200  Mk.  auf  10  622  860  Mk.,  die  Summe  der  eigenen  Einnahmen
  von  1  531  900  Mk.  auf  6  471  763  Mk.,  der  durch  direkte  Gemeindesteuern
  zu  deckende  Betrag  von  1242  300  Mk.  auf  4149  077  Mk.
gewachsen.  Während  der  Jahre  1891—1905  hat  die  Stadtgemeinde  für
Erstellung  gewerblicher  Anlagen,  von  Straßen  und  Sielbauten,  Schulund
  Verwaltungsgebäuden,  für  Geländeerwerb  u.  a.  68  060  080  Mk.  ver-1

  Mannheim  in  Vergangenheit  und  Gegenwart.  Band  III  S.  123  ff.
Schriften  126.  —  Gemeindesinanzen  I.  10