194  Das  System  der  Gemeindebesteuerung  in  Elsaß-Lothringen.

zeigen,  wie  ein  heutiger  Oktroi-Tarif  die  durch  Jahrhunderte  hindurch  aufgespeicherte
  Erfahrung  in  Oktroifragen  in  einer  gewandten  und  erschöpfenden
Heranziehung  und  Besteuerung  aller  geeigneten  Gegenstände  zum  Ausdruck
bringt.  Die  Höhe  der  Erträgnisse  ist  nicht  so  sehr  auf  eine  gegenüber  dem
Oktroi  bezw.  der  Akzise  deutscher  Städte  gesteigerte  Heranziehung  einzelner
Gegenstände  zurückzuführen,  sondern  vielmehr  auf  die  große  Anzahl  der
Gegenstände  selbst.  Nach  dem  Oktroi-Tarif  für  die  Stadt  Straßburg  vom
1.  April  1905,  dem  die  der  übrigen  Städte  im  wesentlichen  gleichen,  werden
die  zu  besteuernden  Gegenstände  in  6  Gruppen  eingeteilt,  die  wiederum
in  86  Positionen  zerfallen.  (Siehe  auch  Tab.  S.  196—20  1.)

Sowohl  die  feine  Gliederung,  wie  die  Erkenntnis  der  Verschiedenheit
der  einzelnen  Gebrauchsobjekte  hinsichtlich  ihrer  wirtschaftlichen  Bedeutung
und  die  danach  erfolgte  Abstufung  in  der  Festlegung  der  verschiedenen
Taxen  zeigen,  welche  Fülle  von  Arbeit  und  sozialem  Scharfsinn  aufgewandt
wurde,  um  die  nun  einmal  eingeführte  indirekte  Besteuerung  möglichst  erträglich
  zu  gestalten.  Zahlreiche  erläuternde  Bemerkungen  sind  beigefügt,
einmal  um  in  Zweifelfällen  Auskunft  zu  erteilen  und  dann,  um  Gegenstände
  noch  besonders  aufzuführen,  welche  nicht  ohne  weiteres  aus  dem
Sammelbegriff  des  Tarifs  ersichtlich  sind.  Besonders  eingehend  sind  die
Gruppe  II  „Eßwaren“  und  V  „Baumaterialien“  behandelt.

7  Positionen  bilden  die  Gruppe  I  „Getränke  und  Flüssigkeiten“

32  „  „  „  „  II  „Eß-  und  Spezereiwaren“
5  „  „  „  „  III  „Viehfutter“

5  „  „  „  „  IV  „Brennmaterial“

36  „  „  „  „  V  „Baumaterial“

1  „  „  „  „  VI  „Parfümerien“.

Die  Erträgnisse  aus  dem  Oktroi  steigen  im  allgemeinen  mit  der  Zunahme
  der  Bevölkerung,  dem  Wachsen  des  Fremdenverkehrs;  insbesondere
aber  wirkt  die  günstige  wirtschaftliche  Gesamtlage  einer  Stadt  sofort  auf
die  Erhöhung  der  Oktroi-Einnahmen,  so  wie  Krisenjahre  dieselben  vermindern.
Das  fortwährende  Schwanken  der  Oktroi-Einnahmen,  bei  welchen  man  sich  in
einer  Stadt  wie  Straßburg  gegen  den  Voranschlag  oft  um  2—400  000  Mt.
verrechnet,  hat  allerdings  eine  ewige  Unsicherheit  bei  der  Budgetaufstellung  im
Gefolge  und  beeinträchtigt  die  Feststellung  des  Haushaltes  in  der  empfindlichsten
Weise.  Gerade  weil  die  jeweilige  nicht  vorauszusehende  wirtschaftliche  Konjunktur
  ein  so  mächtiger  Faktor  bei  der  Bildung  der  Oktroi-Einnahme  ist,
läßt  sich  eine  Einnahmesumme  im  voraus  selten  genau  festlegen.  So
wurden  in  Straßburg  Oktroi-Einnahmen  bewilligt  bezw.  erhoben: