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        <title>Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1867.</title>
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        Gesetz-Sammlung

für  die
Königlichen  Preußischen  Staaten.
1867.

Enthält

die  Gesetze,  Verordnungen  2c.  vom  2.  Januar  bis  zum  23.  Dezember
1867.)  nebst  einigen  Verordnungen  2c.  aus  den  Jahren  1826.  1833.
1841.  1842.  1854.  1861.  1864.  1865.  und  1866.

(Von  Nr.  6498.  bis  Nr.  6954.)

Nr.  1.  bis  incl.  128.

 

Berlin  /
zu  haben  im  vereinigten  Gesetz  Sammlungs-Debits-  und  Zeitungs-Komtoir.
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        de

1

Chronologische  Uebersicht

in  der  Gesetz-Sammlung  für  die  Königlichen  Preußischen  Staaten

enthaltenen  Gesetze,  Verordnungen  2c.

vom  Jahre  1867

 

 

Datum  Ausgegebe  JNr.  Nr.
des  Inhalt  des  des  Seite.
Gesetzes  ꝛc.  BVeorlin.  Stücks.  Gesetzes.
1826.  1867.  .
17.  Oktbr.10.  Oktbr.  Regulativ  über  die  Theilnahme  der  Westpreu.110.  6884.  128-1730
ischen  Stände  an  der  Verwaltung  des  (Anl)
1833.  Landarmenhauses  zu  Graudenz.
5.  Oktbr..  Juli.  Verordang  betreffend  die  Verpflichtung  der  68.—  6732.  1179-  1181.
Preußischen  Seeschiffer  zur  Mitnahme  (Anl.)
1841.  verunglückter  vaterländischer  Shhifsmänner,
31.  März.  27.  —  Seie  zur  Aufrechthaltung  der  Mannszucht  68.  6732.1176-1179.
auf  den  Seeschiffen,  soweit  dasselbe  durch  (Anl.
das  Gesetz  vom  26.  März  1864  (Nr.  II.)  nicht
1842.  abgeändert  ist.
21.  Septbr.  20.  —  Uebereinkunft  der  zum  Zoll=  und  Handels-  65  6721.115-118
vereine  verbundenen  Regierungen  wegen  Er-  (#ul.)
theilung  von  Erfindungs-Patenten  und
1854.  Privilegien.
23.  Febr.28.  Mai.  #.  103.  bis  119.  der  Wechselordnung  für  43.6648.695-699.
das  Herzogthum  Holstein.  (Anl.)
20.  März.27.  Juli.Gesetz  über  die  Bestrafung  von  Seeleuten  68.  6732.  1182.
Preußischer  Handelsschiffe,  welche  sich  dem  (Anl.)
1861.  übernommenen  Dienste  entziehen.
24.  Juni.27.  —  Artikel  56  des  Gesetzes  über  die  Einführung  dess  66.632.16-1167.
Allgemeinen  Deutschen  Handelogesetz-  (Anl.)
1864.  buchs  in  Unserer  Monarchie.
26.  März.  127.  —  Gesetz,  betreffend  die  Rechtsverhältnisse  der  68.  6732.1167-1176.
1865.  Schiffsmannschaft  auf  den  Seeschiffen.  (Anl.)
2.  Novrbr..  März.  Sisfahrte=  Akte  für  die  Donau-Mündungen.  21.  65r0.-349
Nebst  Tarif  der  an  der  Donau-Mündung  zu
1866.  erhebenden  Schiffahrts-Abgaben.
22.  August.  9.  Janr.]Plan  zu  einer  von  der  Stadt  Freienwalde  a.  b.  O.  3.n5  20-21.
außergewöhnlicher  städtischer  (Anl.)

 

 

sr  Bestreitung
usgaben  und  Bedürfnisse  aufzunehmenden  Anleihe
  von  40,000  Thalern.
        <pb n="4" />
        IV

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des

Gesetzes  2c.

IAusgegeben
u

3
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des

Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1866.
5.  Novbr.

12.  Nopbr.

8.  Dezbr.

1867.
20.  April.

3.  Janr.

26.  März.

9.  Janr.

17.  April.

26.  März.

7.  Janr.

I1.  Febr.

3.  Janr.

 

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Organisation
der  Justizpflege  in  den  von  dem  Großheroge
  von  Hessen  und  bei  Rhein  abgetretenen
Kheuen  der  Provinz  Oberhessen.

Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  ##¾
haber  lautender  Kreis-Obligationen  des
Osteroder  Kreises  im  Betrage  von  40,000
Thalern.

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber
lautender  Obligationen  der  Stadt  Freienwalde
  a.  d.  O.  zum  Betrage  von  40,000
Thalern.

Vertrag  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Weimar-Eisenach
  wegen  Ausführung  einer  Eisenbahn
von  Erfurt  nach  Sangerhausen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  bei  der  Spreeschleuse
  zu  Cossenblatt  zu  erlegende  Schiff.
fahrts--Abgabe.

Vertrag  über  die  Erbauung  und  den  Betrieb
einer  Eisenbahn  von  Cöslin  nach  Danzig#
  durch  die  Berlin=  Stettiner  Eisenbahngesellschaft.



Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Regelung  der
ilitair-Rechtspflege  2c.  in  den  neuerworbenen
  Landestheilen.

Privilegimm  wegen  Emission  von  16,618,000  Thalern
  4  prozentiger  Prioritäts  .  Obligationen
VI.  Serie  der  Bergisch-Märkischen  Eisenbahngesellschaft.


Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  einen  Nachtrag
zum  Statut  der  Berlin-Potsdam-Magdeburger
  Eisenbahngesellschaft,  nebst  Nachtrag.


Allerhöchster  Erlaß  nebst  Tarif,  nach  welchem  die
Schiffahrtsabgaben  in  der  Stadt  Elbing
zu  erheben  sind.

Statut  für  den  Deichverband  der  Marienwerderschen
  Niederung.

Allerhöchster  Erlaß)  betreffend  die  Organisation
des  Eisenbahnwesens  in  den  neu  erworbenen
  Landestheilen  Hannover,  Kurhessen,
Nassau  und  Frankfurt  a.  W.

 

32.

24.

24.

6612.

6498.

6505.
(mit  Anl.)

6580.

6506.

6606.
(Anl.)

6504.

6524.

6539.

6499.

 

 

490—91.

17-21.

377.382.

22.

458-464.

9-14.

15-16.

121-128.

175-183.
        <pb n="5" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
U

3
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1866.
15.  Dezbr.

15.  —

21.  —

31.  —

31.  —

1867.
3.  Janr.

11.  Mai.

22.  Febr.

3.  Janr.

4.  Febr.

19.  Janr.

II.  Febr.

28.  —

 

 

Konzessions-Urkunde  für  die  Magdeburg  Halberstädter
  Eisenbahngesellschaft,  betreffend  den  Bauund
  Betrieb  der  Halberstadt.  Vienenburher
  Eisenbahn,  soweit  dieselbe  zum  ebemaigen
  Königreich  Hannover  gehöriges  Gebiet
berührt.

Statut  der  Märkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft.


Vertrag  zwischen  Preußen  und  Schwarzburg-Sondershausen
  wegen  der  Anlage  einer  Eisenbahn
  von  Nordhausen  nach  Erfurt.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ausübung  der
Gerichtsbarkeit  in  den  an  die  Krone  Arar.
ßen  abgetretenen,  vormals  Königlich  Bayerichen
  ebietstheilen  außer  der  Enklavc  Kaulsorf.



Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend
den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisen  bahn  von
Ehrenbreitstein,  im  Anschlusse  an  die  Coblenzer
  Eisenbahnbrücke  und  an  die  Bahn  nach
Oberlahnstein,  nach  Siegburg  zum  Anschluß
an  die  Cöln-  Gießener  Bahn  mit  dem  Rechte
einer  Abzweigung  nach  Bonn  mittelst  Trajckts
um  Anschluß  an  die  linksrheinische  Eisenbahn
burch  die  Rheinische  Eisenbahngesellschaft,
und  einen  Nachtrag  zum  Statut  der  letzteren.

Statut  für  die  Wiesengenossen  schaft  zu
Niederberg  im  Kreise  Euskirchen.

Gesetz,  betreffend  die  Verleihung  von  Dotationen
  in  Anerkennung  hervorragender,  im
letzten  Kriege  erworbener  Verdienste.

Verordnung,  betreffend  die  Uebertragung  der
Verrichtungen  des  gesetzgebenden  Körpers  zu
Frankfurt  a.  M.  auf  die  dortige  ständige
Vörgerrepräsentation.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung
  der  Kreis-Chaussee  von  Diesdorf
  im  Kreise  Salzwedel  bis  zur  Kreisrenze
  bei  Waddekath  in  der  Richtung  auf
Wittingen.

Vertrag  zwischen  Preußen  und  Mecklenburg.Strelitz
  wegen  Ausführung  einer  Eisenbahn  von
Berlin  über  Neustrelitz  nach  Stralsund.

 

6500.

6629.
(Anl.)

6551.

6501.

6510.

6534.

6508.

6502.

6540.

 

 

5•6.

562.592.

210-216.

6-7.

27-30.

141-144.

26.

229-236.
        <pb n="6" />
        VI

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des

Gesetzes  2c.

Ausgegeben

zu
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des
Stücks.

Fr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
2.  Janr.

 

1867.
19.  Janr.

28.

28.

4.  Febr.

4.

 

Bekanntmachung  der  von  beiden  Häusern  des
Landtages  ertheilten  Genehmigung  zu  der  Verordnung
  vom  12.  Mai  1866.  (Gesetz=  Samml.
S.  225  über  die  vertragsmäßigen  Zinsen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Uebertragung
der  von  dem  vormaligen  Ober-Hofmarschall-Amte
  zu  Hannover  bisher  ausgeübten
  freiwilligen  Gerichtsbarkeit  auf  die
ordentlichen  Gerichte.

Verordnung,  betreffend  die  Maaßregeln  gegen
die  Rinderpest  im  ehemaligen  Königreich
Hannover.

Verordnung,  betreffend  die  Führung  der  Preubischen
  Landesflagge  von  den  Seeschiffen
des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  die
Eintragung  dieser  Schiffe  in  das  Schiffsregister
  und  die  von  ihnen  zu  führenden
Register-Certifikate.

Gesetz,  betreffend  die  Abänderung  des  F.  6.  des
Gesetzes  vom  21.  Mai  1861.  über  die  anderweite
  Regelung  der  Grundsteuer  und  die
Uebernahme  der  Grundsteuer-  Veranlagungskosten
  auf  die  Staatskasse.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Konstituirung
der  mit  dem  1.  Januar  1867.  provisorisch  eingerichteten
  Ober--Telegraphen  .  Inspektionen
  als  öffentliche  Behörden.

Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  des  Finanz-Etats
  für  das  Gebiet  des  ebemaligen
Königreichs  Hannover  auf  das  Jahr  1867.

Verordnung,  betreffend  die  Abänderung  des  8.  10.
des  Hannoverschen  Gesetzes  vom  13.  Juni
1865.  über  die  Verwendung  der  Betriebsüberschüsse
  der  Eisenbahnen.

Patent  wegen  Besitznahme  der  Herzogthümer
Holstein  und  Schleswig.

Allerhöchste  Proklamation  an  die  Einwohner
der  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig.

Patent  wegen  Besitznahme  vormals  Großherzoglich
  Hessischer  Landestheile.

Allerhöchste  Proklamation  an  die  Einwohner
  vormals  Großherzoglich  Hessischer  Landestheilc.


 

 

6511.

6512.

6507.

6517.

6521.

6515.

6516.

6525.

6530.

6531.

 

31.

26.

119.

33-75.

129-130.
131-132.
137-138.

138-139.
        <pb n="7" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

VII

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
u

3
Berlin.

In  h  a  l  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
12.  Janr.

12.  —

12.  —

17.

17.  —

17.  —

 

1867.
11.  Febr.

11.  —

19.  Janr.

25.  —

25.  —

 

Patent  wegen  Besitznahme  vormals  Bayerischer
  Landestheile.

Allerhöchste  Proklamation  an  die  Einwohner
vormals  Bayerischer  Landestheile.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Einführung  der
allgemeinen  Wehrpflicht  in  den  durch  das
Gche  vom  24.  Dezember  1866.  der  Preußischen
Monarchie  einverleibten,  vormals  Bayerischen
und  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung

der  fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die
Unterhaltung  einer  Gemeinde-Chaussee  von
Brachtendorfs  Mühle  an  der  Flaumbachstraße
  im  Kreise  Zell,  des  Regierungsbezirks
Coblenz,  über  Alt-  und  Mittel-  Strimmig  und
Blankenrath  bis  Gassenhof  an  der  Luhzerath-Gödenrother
  Bezirksstraßc.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Zuständigkeit  der
ehörden  und  das  Verfahren  bei  Anstellung
und  Entlassung  der  Beamten  in  den  der  Preu.
Hichen  Monarchie  neu  einverleibten  Laneötheilen.


Verordnung,  betreffend  die  Publikation  der  Bank.
ordnung  vom  5.  Oktober  1846.  und  des  dieselbe
  erganzenden  Gesetzes  vom  7.  Mai  1856.
in  den  Herzegt#nern.  chleswig  und  Holstein.


Verordnung,  betreffend  die  Fessstellung  des  Finanz-Etats

  für  das  Gebict  des  ehemaligen
Kurfürstenthums  Hessen  auf  das  Jahr  1867.

Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  des  Finanz-Etats
  für  das  Gebiet  der  ehemaligen
Landgrafschaft  Hessen=  Homburg  auf  das
Jahr  1867.

 

Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  dee  Finanz-Etats
  für  die  Herzogthümer  Schleswig
  und  Holstein  auf  das  Jahr  1867.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  in  dem  Gebiete
  des  ehemaligen  Her  ogthums  Nassau
für  das  b-  1867.  zu  "  enden  direkten
Staatssteuern.

 

6537.

6538.

6545.

6541.

6513.

6514.

6518.

6519.

6520.

6522.

 

 

173-174.
174.

206.

31-32.

32.

81-99.

100-107.

108-118.

119.
        <pb n="8" />
        VII

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

Ausgegeben
u

3
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
17.  Janr.

22.  —

24.  —

28.  —

28.  —

1867.
25.  Janr.

16.  April.

28.  Janr.

6.  Mai.

28.  Janr.

28.  —

2.  Febr.

19.  März.

 

 

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  der  Statut  -Aenderungen  der  Niederrheinischen
  Güter  -Assekuranz-Ge.
sellschaft  zu  Wesel  und  beziehungsweise  des
mit  derselben  verbundenen  Npficheranos.
Vereins  in  Wecsel.

Vertrag  zwischen  Preußen  und  Oldenburg  wegen
Ausführung  einer  Eisenbahn  von  Leer  nach
Oldenburg.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  der  unter  der  Firma:  =  Essener
aschinsnban  Aktien  gesellschaft=  mit

dem  Sitze  zu  Essen  errichteten  Aktiengesellschaft.

Gesetz,  betreffend  die  Berichtigung  der  in  dem  Vertrage
  mit  Seiner  Königlichen  9  eit  dem  Groß-*r
  von  Oldenburg  vom  27.  September
1866.  übernommenen  Entschädigung  von
Einer  Million  Thaler.

Verordnung,  betreffend  die  Vereidigung  der
Beamten  in  den  mit  der  Preußischen  Monarchie
  vereinigten  Landestheilen.

Verordnung,  betreffend  die  Aufrechthaltung  der
Interessen  des  öffentlichen  Dienstes  in  dem
ehemaligen  Königreich  Hannover.

Verordnung)  betreffend  die  Fesstelung  des  Fi.
nanz-Etats  für  das  Gebiet  des  chemalisen.
Herzogthums  Nassau  auf  das  Jahr  1867.

Verordnung,  betreffend  die  Aufhebung  der  im
Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hes.
sen  bestehenden  Beschränkungen  des  Handels
mit  Feldfrüchten  2c.

Verordnung,  betreffend  die  Justi  Ferwaltung
innerhalb  der  Herzogthümer  Hstein  un
chleswig.
Gesetz,  betreffend  die  Einführung  der  Klassensteuer
  an  Stelle  der  Mahl-  und  Schlachtsteuer
  in  der  Stadt  Wittstock.

Vertrag  zwischen  der  Königlich  Preußischen  Staatsregierung
  und  Sr.  Durchlaucht  dem  Fürsten
von  Thurn  und  Taxis,  betreffend  die  Uebertragung
  des  gesammten  Fürstlich  Thurn  und
Tasisschen  ostwesens  auf  den  Preußischen

taat.

 

29.

37.

10.

22.

6523.

6603.

6529.

6624.

6527.

6528.

6535.

6546.

6533.

6536.

6574.
(Anl.)

 

 

120.

441449.

136.

549.

132-135.

135-136.

145-171.

206.

140.

354-360.
        <pb n="9" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum  Ausgegeben
des  zu
Wesetzes  2c.  Berlin.

Inhal  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.  1867.
29.  Janr.]4.  Febr.

30.  —  J2.  Maͤrz.

4.  Febr..  Febr.

l
8
3

4  —  N.  April.

6.  —  18.  März.

8.  —  14.  Febr.

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Genehmisßung

 

Verordnung,  betreffend  die  Publikation  der
Gesetze  in  denjenigen  Landestheilen,  welche

durt  die  Geseze  vom  24.  Dezember  1866.

(Hes  Samml.  S.  875.  876.)  der  Preußichen
  Monarchie  einverleibt  worden  sind.

Konzessions-Urkunde,  betresfend  die  Erweiterung
des  Unternehmens  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft
  durch  den  Bau  einer  Eisenbahn
  von  Neuß  über  Bedburg  nach  Düren.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
ökalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unteraltung
  einer  Chaussee  von  der  Enkirchemenacher

  Gemeinde-Chaussee  nach  der  Trarach--
  Zeller  Moselstraße.

Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber
  lautender  Kreis-Obligationen  des
Sieises  Pr.  Eylau  im  Betrage  von  25,000

alern.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verschmelzung
des  Telegpaphenwesens  in  den  Herzogämen
  4lläswi  und  Holstein  mit  dem

reußischen  Telegraphenwesen.

Bekanntmachung,  betrefend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  der  unter  der  Firma:-Nordstern,
Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft  mit  dem
Sitze  zu  Berlin  errichteten  Aktiengesellschaft.

Allerhöchster  Erlaß,  betrefend  die  Abänderung
einiger  Bestimmungen  der  Verordnung  vom

Juli  1859.  wegen  Revision  des  Deichwesens
  in  der  Altmark.

des  revidirten  Statuts  der  Danziger  PrivatAktienbank
  und  die  Verlängerung  des
Privilegiums  derselben,  nebst  revidirtem  Skatut.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Einrichtung  und

Zusandigteit  des  Stadtamtes  in  Frankurt
  a.  M.

Verordnung,  betreffend  die  Forterhebung  der
Steuern  und  Zölle  in  dem  ehemaligen  Königreich
  Hannover.

Gesetz,  betreffend  die  definitive  Untervertheilung
und  Erhebung  der  Grundsteuer  in  den  sech
östlichen  Provinzen  des  Staats  und  die  Beschwerden
  wegen  Grundsteuer=  Ueberbürdung.

 

20.

34.

21.

 

6532.

6547.

6559.

6568.

6548.

6549.

6554.

6560.

6618.

6569.

6542.

 

139-140.

301-304.

208.

208.

227-228.

245.268.

516.
306.

185-203.
        <pb n="10" />
        X

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben,

zu
Berlin.

In  h  a  l  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
8.  Febr.

1867.
14.  Febr.

22.  —

26.  —

26.  Febr.

19.  März.

23.  —

3.  April.

29.  Juni.

2.  März.

 

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Wtellung  von
Provinzial-Steuerdirektoren  in  Hannover
  und  in  Kassel.

Verordnung,  betreffend  die  Anstellung  der  Justizbeamten
  in  den  neu  erworbenen  Dandestheilen.


Gesetz,  betreffend  die  Erweiterung  mehrerer
Bestimmungen  der  Gesetze  vom  6.  Juli  1865.
und  16.  Oktober  1866.

Volrfluthsgesetz  für  Neuvorpommern  und
Rügen.

Einberufungs-Patent  für  den  Reichstag  des
Norddeutschen  Bundes.

Ministerial-Erklärung,  betreffend  das  mit  der
Königlich  Sächsischen  Regierung  getroffene  Abkommen
  zur  Ergänzung  des  Artikels  44.  der
fvischen  Preußen  und  Sachsen  bestehenden

ebereinkunft  zur  Beförderung  der  Rechtspflege
  vom  14.  Oktober  (30.  November)  1839.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ueberweisung
der  unmittelbaren  oberen  Leitung  des  Bergwesens
  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen
an  das  Ministerium  für  Handel,  Gewerbe  und
öffentliche  Arbeiten.

*7  betreffend  die  Uebernahme  des  Fürstlich
Thurn  und  Taxisschen  Postwesens  auf
Preußen.

Bestätigungs=  Urkunde,  betreffend  den  von  der
Kurfürst  Friedrich=  Wilhelms=  Nordbahngesells
  chaft  in  der  außerordentlichen  Generalversammlung
  vom  27.  Dezember  1866.  behlossenen
  Statutnachtrag,  nebst  Nachtrag  zum

tatut.

Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  J.
haber  lautender  Kreis-Obligationen  des
Kreises  Namslau  im  Betrage  von  150,000
Thalern.

Statut  der  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft.


Verordnung),  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen
  Berggesetzes  vom  24.  Juni  1865.
in  das  Gebiet  des  vormaligen  Herzogthums
Nassau.

 

26.

58.

 

6552.

6553.
6544.

6566.

6555.

6574.
(mit  Anl.)

6577.

6586.

6696.
(Anl.)

6557.

 

204.

209-210.

217-219.

220-227.
205.

280.

228.

353-360.

368--374.

388-391.

850-880.

237-241.
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        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben

zu
Berlin.

Nr.
des.
Stücks.

Nr.
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.
2.  Febr.

1867.
2.  März.

3.  April.

 

 

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen
  Berggesetzes  vom  24.  Juni  1865.
in  die  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten
  Candestheile  der  Großherzoglich  Hessischen
Provinz  Oberhessen,  sowie  in  das  Gebiet
der  vormaligen  Landgrafschaft  Hessen=  Homburg)
  einschließlich  des  Ober-  Amtsbezirkes
Meisenheim.

Gesetz,  betreffend  die  Regelung  der  direkten  Besteuerung
  in  dem  Fürstenthume  Hohenzollern-Hechingen.


Gesetz,  betreffend  die  Bestrafung  der  'uubekugten
Aneignung  von  Bernstein,  und  die  Abän.
derung  der  Bestimmungen  im  Zusatz  228.  des
Ostpreußischen  Provinzialrechtes.

Verordnung,  betreffend  die  Organisation  der  Verwaltungsbehörden
  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthume
  Hessen,  in  dem  vormaligen  Herzogthume
  Nassau,  in  der  vormals  freien  Stadt
Frankfurt  und  in  den  bisher  Bayerischen
und  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ueberweisung
der  Forste  Treis  und  Ebsdorf  binschnich
der  darin  vorkommenden  Forst-,  Jagd-  und
Fulschfreifterel  an  das  Insiramt  in  Fron

ausen.

Verordnung,  betreffend  eine  Ergänzung  des  für
das  Gebiet  der  ehemaligen  freien  Stadt  Frankfurt
  bestehenden  Gesetzes  über  das  Verfahren
in  Strafsachen  vom  16.  September  1856.

Allerhöchster  Erlaßt,  betreffend  die  Genehmigung
des  revidirten  Statuts  der  =  Provinzial-Aktienbank
  des  Großherzogthums  Posenin
  Posen,  nebst  revidirtem  Statut.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
andgemeinde-Ordnung  für  die  Provinz
Westphalen  vom  19.  März  1856.  an  die  Stadtgemeinde
  Hallenberg  im  Kreise  Brilon  des
Regierungebezirks  Arnsberg.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Abänderung
des  F.  4.  des  Regulativs  vom  11.  Mai  1849.
wegen  Aschähun  des  durch  die  Schlesische
Landschaft  zu  beleihenden,  nicht  inkorporirten
  Grundeigenthums.

 

"7.

20.

21.

 

6558.

6561.

6563.

6565.

6587.

 

2°

242-243.

269-271.

273-278.

278.

279.

281-300.

352.

392.
        <pb n="12" />
        XI

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum

des
Gesetzes  2c.

Ausg  geben
Berlin.

JIn  h  a  l  t.

Nr.
des

Stücks.

Nr.
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.
27.  Febr.

1867.
9.  März.

23.  —

3.  April.

23.  März.

26.  —

23.  —

5.  April.

 

 

Peuchung  der  Ministerial  Erklärung  vom
ebruar  1867.,  betreffend  das  mit  der  #6.
1|  Saͤchsischen  Regierung  getroffene
kommen  zur  Ergänzung  des  Artikels  44.  7
wischen  Preoßre  und  Sachsen  bestehenden
ebereinkunft  zur  Beförderung  der  Rechtspflege
  vom  14.  Oktober  (30.  ovember)  1839.

Gesetz  wegen  Aufhebung  der  durch  den  Zolltarif
  vorgeschriebenen  Gebühren  für  Begleitscheine
  und  Bleie.

Gesetz,  betreffend  die  Aufhebung  der  Einzugs.
helber  und  gleichartigen  Kommunal-Ab
gaben

Gesetz,  betreffend  die  den  gemeinnützigen  Aktien-Baugesellschaften
  bewilligte  portel.
und  Stempelfreiheit.

Gesetz  45  betreffend  die  Auflösung  des  Lehnsverbandes
  in  Alt-Vor-  und  Hinterpommern
  und  die  Abänderung  der  Lehnstage.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Uebertragu
der  von  den  vormals  Hannoverschen  M#
litairgerichten  ausgeübten  freiwilligen  Gerichtsbarkeit
  auf  die  ordentlichen  Geri  te.

Verordnung,  betreffend  die  Musführung  des  8.  188.
des  Allgemeinen  Berggesetzes  vom  24.  Inni
1865.,  sowie  der  Verordnungen  vom  22.
bruar  1867.  wegen  Einführung  des  Alsemmenen
  Berg  Gsterl  in  die  ehemals  Nassauischen
m  Grosterze  lich  Hessischen)  mit  der  Preuchen

  Monarchie  Hessunshe  Landeshet
uge-  Erlaß,  betreftend  die  neue  Berliner
Bahnhofs-Verbindungsbahn.

Gesetz,  betreffend  die  Vermehrung  des  Betriebsmaterials,
  die  Herstellung  doppelter  Bahngeleise
und  nothwendiger  Er  ginhungsanlagen  der
Staatsbahnen,  die  Verlegung  der  Verbindungsbahnen
  zu  Berlin  und  zu  Breslau
und  die  Herst  u  einer  Eilenoahn  von  Dit.
tersbach  nach  Altwasser  und  von  Saarbrücken
  nach  Saargemünd.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Organisation
des  Eisenbahnwesens  in  den  Herzogthümern
Holstein  und  Schleswig,  sowie  in  den  neu
erworbenen  ehemals  Bayerischen  und  Großherzoglich
  Bessis  chen  Gebietstheilen.

 

19.

21.

23.

25.

23.

24.

23.

26.

26.

6566.

6571.

6575.

6583.

6576.

6572.

6578.

6588.

6590.

 

 

350.

361.

385.

362.367.

384.

351.

375.

393-395.

396.
        <pb n="13" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
u

2
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.
13.  März.

1867.
23.  März.

5.  April.

16.  —

20.  —

 

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Einsetzung  einer
Königlichen  Eisenbahndirektion  und  einer  Königlichen
  Kommission  für  den  Bau  der  Bebra-Hanauer
  Eisenbahn.

Verordnung,  betreffend  die  Prüfung  der  Kanidaten

  des  höheren  Schulamts  in  den

neuerworbenen  Landestheilen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  in  Gemäßheit
des  Gesetes  vom  21.  Mai  1861.  zur  Deckung
der  für  die  Aufhebung  der  Grundsteuer-Befreiungen

  und  Bevorzugungen  zu  gewährenden

  Etschädigung  aufzunehmende  Staats- 



anleihe.

Gesetz,  betreffend  die  Uebernahme  einer  Fins--garantie
  des  Staates  für  das  Anlagekapital
einer  Eisenbahn  von  Cöslin  nach  Danzig.

Ministerial-  Erklärung,  betreffend  die  mit  der
Großherzoglich  Sachsen-WeimarEisenachischen
und  der  Herzoglich  Sachsen  Coburg=  und
Gothaischen  Regierung  getroffene  Vereinbarung
wegen  der  definitiven  Auflösung  des  Amortisationsfonds
  der  Thüringischen  Eisenbahn.

Gesetz,  betreffend  das  Preußische  Medizinalgewicht.


Gesetz,  betreffend  die  Abgabe  von  allen  nicht
im  Besitze  des  Staates  oder  inländischer  Eisenbahn
  Aktiengesellschaften  befindlichen  Eisenahnen.



Verordnung  über  die  vertragsmäßigen  Zinsen  in
den  neu  erworbenen  Landestheilen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Abänderung
einiger  Bestimmungen  des  Deichstatuts  für
die  Kulmer  Stadtniederung  vom  6.  Juli

Bestätigungs=  Urkunde,  betreffend  zwei  Nachträge
k  den  Statuten  der  Rheinischen  Eisenahngesellschaft,
  nebst  Nachträgen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung
  einer  Kreis-Chaussec  von  Zörbi
über  Bitterfeld  nach  Düben,  im  Kreig

itterfeld.

 

23.

26.

29.

30.

32.

31.

32.

6579.

6606.
(mit  Anl.)

6613.

6608.

6614.

 

 

376.

395.

450.

457-464.

492-493.

386.

465—68.

387.

396.

468  486.

494.
        <pb n="14" />
        XIV

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
u

3
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
18.  März.

23.  —

23.  —

25.  —

27.  —

1867.
30.  April.

—
1

9.  —
16.  —
11.  Mai.
12.  April.

27.  —

6.  Mai.

 

 

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber
lautender  Obligationen  der  Stadt  Barmen
im  Betrage  von  150,000  Thalern.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  des  von  der  Arenbergschen
Aktiengesellschaft  für  Bergbau  und  Hüttenbetrieb
  zu  Essen  in  der  Generalversammlung
vom  5.  Januar  1867.  beschlossenen  zweiten
Statutnachtrages  zu  dem  am  9.  Februar  1857.
genehmigten  Gesellshartestakute.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  des  zweiten  Nachtrages  zu  dem
Statute  der  Werschen  .  Weißenfelser
Breunkohlen-Akiengesellchaft  zu  Weißen.

els.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  in  Gemäßheit
des  Gesetzes  vom  16.  Februar  1867.  wegen
Uebernahme  des  Fürstlich  Thurn  und  Taxiseen

  Postwesens  auf  Preußen  aussuneih
mende  Staatsanleihe  von  drei  Millionen
haler.  -

Gemeindeverfassungs-Gesetz  für  die  Stadt
Frankfurt  a.  M.

Statut  der  Rgielskoer  Entwässerungs-Genossenschaft
  im  Kreise  Wongrowigß.

Konzessions--  und  Bestätigungsurkunde  für  die
Menrisch  Posener  Eisenbahngesellschaft.

Bekanntmachung,  betreffend  das  Erlöschen  der
Garantie  des  eigenthümlichen  Fonds  der  Schlesischen
  Landschaft  für  die  neuen  landschaftlichen
  Pfandbriefe.

Gesetz,  betreffend  die  privatrechtliche  Stellung  der
Erwerbs-  und  Wirthschafts.  Genossen
schaften.

Bekanntmachung,  betreffend  die  von  beiden  Häusern
  des  Landtages  ertheilte  Genehmigung  zu
den  drei  Verordnungen  vom  6.  Januar  1866.
wegen  der  Salzsteuer  und  des  Verkehrs  mit
Salz  im  Jadegebicte,  sowie  wegen  der  Erhebung
  einer  Nachsteuer  vom  Salz  im  Jadegebiete,
  und  wegen  der  Besteuerung  des  mlänischen

  Branntweins,  sowie  der  Steuervergütung

  für  ausgeführten  Branntwein  und
der  Uebergangsabgabe  vom  zollvereinsländischen
Branntwein  im  Mädepebiel!,

 

36.

26.

26.

26.

27.

29.

26.

37.

6619.

6592.

6593.

6597.
6605.
6629.

(mit  Anl.)
6601.

 

 

517-518.

397.

398.

399.

401  422.
451456.
561.592.

439.

501-515.

550.
        <pb n="15" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XV

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

Ausgegeben
zu
Berlin.

JInh  a  l  t.

Nr.
des

Stücks.

Nr.

des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
29.  März.

31.

1867.
5.  April.

6.  Mai.

 

 

Bekanntmachung,  betreffend  die  Ausführung  des
Hannoverschen  Gesehes  über  das  Pfandrecht
  und  die  Befriedigung  der  Glärbiger
im  Konkurse,  vom  I4.  Dezember  1864.
(Hannoversche  Gesetz  Samml.  S.  556.).

Verordnung,  den  Betrieb  stchender  Gewerbe
im  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  betreffend.


Verordnung,  den  Betrieb  stehender  Gewerbe
im  vormaligen  Königreich  Hannover  betreffend.


Verordnung,  betreffend  das  Jagdrecht  und
die  Jagdpolizei  im  ehemaligen  Herzogthum
Nassau,  nebst  Nachweisung.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verschmelzung
des  Telegraphenwesens  in  dem  ehemaligen
Herogthum  Nassau  mit  dem  Prruheichen

elcgraphenwesen.  "#

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  in  Gemäßheit
des  Gesetzes  vom  28.  September  1866.  zur
Deckung  des  außerordentlichen  Geldbedarfs  der
Militair-  und  Marineverwaltung  auf.
unemend  Staatsanleihe  von  30  Milionen
  Thaler.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Justiz.  Organisation
  in  der  ehemaligen  Landgrafschaft
Hessen-Homburg.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Einführung
verschiedener  Vorschriften  des  Prcußischen  Rechts
über  die  Rechtsverhältnisse  der  Militairpersonen
  in  den  durch  das  Gesetz  vom  20.
September  1866.  und  die  Gesetze  vom  21.  Dezember
  1866.  mit  der  Preußischen  Monarchie
vereinigten  Landestheilen,  nebst  Zusammenstellung.


Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  des
Rechts  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes
nach  dem  für  die  Staats--Chausseen  geltenden
Chausseegeld-Tarif  auf  der  Strecke  von  Oberwesel
  nach  Simmern  an  die  Gemeinden
Oberwesel,  Damscheid  und  Wiebelsheim,  im
Kreise  St.  Goar)  und  die  Gemeinden  Pleizenbausen.
  Bergenhausen,  Budenbach,  Steinach,

  Kifseldach  #  diesseits  und  Kisselbach  -jen.
seits-,  im  Kreise  Simmern,  Regierungsbezirk
Koblenz.

 

26.

27.
28.
28.

28.

26.

32.

37.

 

6595.

6602.

6596.

6615.

6620.

6627.

 

423-424.

425-426.

426-438.

440.

400.

495—496.

519532.

551.
        <pb n="16" />
        XVI

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  ꝛc.

Ausgegeben
u

32
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
1.  April.

1867.
20.  Mai.

20.  —

24.  April.

241.  —

6.  Mai.

20.  —

1.  Juni.

26.  —

20.  April.

 

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die
Unterhaltung  mehrerer  Chausseen  im  Kreise
Ratibor.

Privilcgium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber
  lautender  Kreis-Obligationen  des
Ratiborer  Kreises  im  Betrage  von  150,000
Thalern.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Vereinigun
des  Postwesens  in  den  durch  das  Tet
vom  24.  Dezember  1866.  8.  1.  Nr.  1.  bis  3.
mit  der  Preußischen  Monarchie  vercinigten  vormals
  Bayerischen  Landestheilen  mit  dem  in
den  alten  Preußischen  Landestheilen.

Bekammimachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  der  unter  der  Firma:  Sieg-Fischerei-Aktiengesellschaft
  zu  Wissen  an  der

ieg,«  mit  dem  Sitze  zu  Wissen  errichteten
Aktiengesellschaft.

Statut  für  die  Klosterfelder  Meliorations.
Sozietät  im  Kreise  Arnswalde.

Allerböchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterbaltung
  einer  Chaussee  von  Füssenich  nach
Embken  im  Regierungsbezirk  Aachen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der

ökalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die
nterhaltung  einer  Kreis-Chaussec  im  Kreise
GroßStrehlitz  des  Regierungsbezirks  Op.
peln  von  Schlawentschütz  über  lljest  bis
zur  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Peiskretscham.


Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  Veränderungen  in
den  Bezirken  einiger  unteren  Verwaltungsbehörden
  und  Amtsgerichte  im  Gebiete
des  vormaligen  Königreihs  Hannover.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Einrichtung  von
Königlichen  Ober-  Postdirektionen  in
Kassel,  Frankfurt  a.  M.  und  Darmstadt.

Bekanntmachung  der  Ministerial-Erklärung  vom
13.  März  1867.,  betreffend  die  mit  der  Großherzoglich
  Sachsen-Weimar-Eisenachischen  und
der  Herzoglich  Sachsen-Coburg-  und  Gothaischen
Regierung  getroffene  Vereinbarung  wegen  der
definitiven  Auflösung  des  Avwortsatiecgekonde

 

der  Thüringischen  Eisenbahn.

41.

41.

31.

31.

37.
39.

41.

47.

57.

32.

6636.

6637.

6609.

6610.

6628.
6631.

6638.

6664.

6694.

6613.

 

 

617-618.

618-621.

487.

552-560.

599.

622.

730.

847.

493.
        <pb n="17" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XVII

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
zu
Berlin.

Nr.

des

Nr.
des

Stücks.  Gesetzeß.

Seite.

 

1867.
18.  April.

18.  —

18.  —

1867.
20.  April.

23.  —

7.  Juni.

15.  Mai.

20.  —

23.  —

1.  Juni.

20.  Mai.

 

Jargang  1867.

Verordnung  wegen  Einberufung  der  beiden  Hauser
des  Landtages  der  Monarchie.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Vereins
  Zolltarifs  in  den  Herzogthümern
Schleswig  und  Holstein.

Vertrag  zwischen  Preußen  und  Braunschweig  wegen
der  äbrun)  der  Nordhausen-Northeimer
Eisenbahn  durch  das  Braunschweigische  Amt
Walkenried.

Privilegium  wegen  Ausgabe  von  4,000,000  Thalern
  Prioritäts-Obligationen  der  Ost.
preußischen  Sübbahngesellschaft.

Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend

ie  Anlage  einer  Eisenbahn  von  Cöslin
über  Stolp  nach  Danzig  durch  die  Berlin-Stettiner

  Eisenbahngesellschaft,  und  einen

Nachtrag  zu  den  Statuten  der  letzteren,  nebst

Nachtrag.

Privilegium  wegen  Ausgabe  von  zehn  Millionen

haler  in  vierprozentigen  Prioritäts-Obligationen
  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahn-Fpilels
  Behufs  des  Baues  einer

 

weigbahn  von  Cöslin  über  Stolp  nach
anzig.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  den  Grafen  zu  Puur
berg  Roßla  in  Bezug  auf  den  Bau  und  die
Unterhaltung  einer  Eusser  von  Roßla
über  Sittendorf  bis  zum  Anschluß  an  die
von  Artern  über  Tilleda  nach  Kelbra  führende
fiskalische  Straße  im  Regierungsbezirk  Merseburg.


Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die
Unterhaltung  einer  Kreis-  resp.  Aktien-  Chaussee
von  Breslau  über  Schwoitsch  nach  Groß-Nädlitz.


Konzessions=  und  Bestätigungs=  Urkunde  für  die
Fordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellaft.



 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Genehmigung
zur  Herstellung  einer  Eisenbahn  von  den
Steinbrüchen  bei  Rüdersdorf  nach  dem
Bahnhofe  Petershagen  der  Berlin-Cüstriner

isenbahn.

 

 

32.
33.

49.

40.

41.

41.

42.

47.

41.

 

661I.

6616.

6672.

6634.

6639.

6640.

6647.

6665.

6696.

mit  Anl.)

6641.

 

489.
497500.

766-768.

607-612.

622-624.

624-631.

849.  880.

631-632.
        <pb n="18" />
        XVIII

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des

Gesetzes  ꝛc.

Ausgegeben

zu
Berlin.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
:April.

28.  —

28.  —

1867.
30.  Juni.

3.  Mai.

6.  Mai.

21.  Oktbr.

13.  Mai.

1.  Juni.

 

 

Uebereinkunft  zwischen  Preußen  und  Oldenburg,
den  Beitritt  Oldenburgs  zu  dem  Vertrage
vom  28.  Juni  1864.  über  die  gleiche  Besteucrung
  innerer  Erzeugnisse  betreffend.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen

  Gesetgebung  in  Betreff  der  direkten
Steuern  in  dem  Gebiete  des  vormaligen
Königreichs  Hannover.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preubischen
  Gesetzgebung  in  Betreff  der  direkten
Steuern  in  dem  Gebiete  des  vormaligen
Kurfürstenthums  Hessen.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen
  Gesetzgebung  in  Betreff  der  direkten
Steuern  in  dem  Gebiete  der  Herzogthümer
Schleswig  und  Holstein.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  der  von  der  „Berliner  gemeinnützigen
  Baugesellschaft=  in  der  Generalversammlung
  vom  31.  Oktober  1866.  beschlossenen
  Abänderungen,  beziehungsweise  Ergänzungen
  des  am  28.  Oktober  1848.  bestätigten
Gesellschaftsstatuts  (Gesetz=  Samml.  für  1848.
S.  355.).

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Uebertragung
der  Verwaltung  der  Hannoverschen  Westbahn-Strecke
  Rheine-Emden  auf  die  Königliche
Direktion  der  Westphälischen  Eisenbahn.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  der  unter  der  Firma:  -Aktiengesels

  aft  Rolandshütte  bei  Siegen=  mit

em  Sitze  zu  Haardt  errichteten  Aktiengesellschaft.


Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Behandlung
der  aus  den  Herzogthümern  Schleswig  und
Holstein  eingehenden  Gesuche  um  Legitimation
  außferehelich  erzeugter  Kinder  und  um
Adoption,  sowie  wegen  Umlegung  der  Jurisdiktion.


Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Anwendung
der  Vorschriften  des  Gesetzes  über  die  Eisenbahn-
  Unternehmungen  vom  3.  November  1838.
auf  die  von  dem  Bahnhofe  Dürrenberg  der
Thüringischen  Eisenbahn  nach  der  gleichnamigen
  Saline  herzustellende  Eisenbahn.

 

59.

36.

36.

36.

113.

39.

41.

47.

6697.

6621.

6622.

6628.

6626.

6897.

6632.

6642.

6666.

 

 

881-883.

533-538.

538543.

543548.

5505551.

1779.

632.

732.
        <pb n="19" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XIX

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

Ausgegeben
U

z
Berlin.

I

—

n  halt.

Nr.
des
Stücks.

Gesetzes.

Nr.
des

Seite.

 

1867.
6.  Mai.

1867.
15.  Mai.

26.

31.

17.  Juni.

.  Mai.
31.

1.  Juni.

20.  August.
26.  Mai.

13.  Mai.

 

 

Allerhöchster  Erlaß  nebst  Tarif,  nach  welchem  die
Abgabe  für  das  Befahren  des  Saarkanals
zu  erheben  ist.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ausübung  der

erichtsbarkeit  in  den  an  die  Hrone.
Preußen  abgetretenen,  vormals  Königlich  Bayecrischen
  Gebietstheilen,  außer  der  Enklave
Kaulsdorf.

Verordnung,  betreffend  die  Pensionsansprüche
der  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  angestellten
  und  der  mit  diesen  Gebieten  übernommenen
  unmittelbaren  Civil-  Staats-.
beamten.

Verordnung,  betreffend  die  Form  der  Diensteide.

Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  d
haber  lautender  Kreis  -Obligationen  des
Dan  9t  r  Landkreises  im  Betrage  von
70,000  Thalern  II.  Emission.

Statut  des  Deutsch-Wartenberger  Deichverbandes.


Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen
  Berggesetzes  vom  24.  Juni  1865.
in  das  Gebict  des  vormaligen  Königreichs
Hannover.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Pensionirung
  und  Bestätigung,  beziehungsweise  Ernennung
  der  städtischen  Beamten  im  ehemaligen
  Königreich  Hannover.

Genehmigungs  Urkunde,  betreffend  einen  Nachkrag
  zum  Statut  der  Thüringischen  Eisenbahngesellschaft,

  nebst  13.  Nachtrag.

Upbereinkunft  wegen  Erhebung  einer  Abgabe  von

a

4

Verordnung,  betreffend  die  Kuͤstenfrachtfahrt
n  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holein.



Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preubischen
  Gesetzgebung  in  Betreff  der  direkten
Steuern  in  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September
  und  24.  Dezember  1866.  der  Preußischen
Monarchie  einverleibten,  zum  Regierungsbczirke
Wiesbaden  vereinigten  Landestheilen,  sowie
in  dem  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Kreise
Vöhl  mit  Einschluß  der  Enklaven  Eimelrod
und  Höringhausen.

 

40.

43.

46.

55.

40.

 

6635.

6649.

6657.

6658.
6686.

6689.

6633.

6661.

6667.

6769.
6651.

6630.

 

613-616.

699.

713-714.

715.
804-807.

810-816.
601-607.

732-734.

1313-1316.
701.

593-599.
        <pb n="20" />
        XX

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

Ausgegeben
u

3
Berlin.

Juhalt.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
11.  Mal.

13.  —

1867.

23.

23.

26.

29.

31.

—

23.

28.

28.

 

Mai.

.Juni.

Mai.

 

Verordnung  wegen)  Besteuerung  des  Branntweins
  in  den  Regierungsbezirken  Wiesbaden
und  Kassel,  sowie  in  dem  Gebiete  des  vormaligen
  Königreichs  Hannover  und  der  Herzogthümer
  Schleswig  und  Holstein.

Verordnung  wegen  Besteuerung  des  Braumalges
  in  den  Regierungsbezirken  Wiesbaden
und  Kass  sune  "  dem  Gebiete  des  vormainen
  Königreichs  Hannover  und  der  Herzogthuener
  Schlesmig  und  Holstein.  s

Verordnung  wegen  Erhebung  der  Steuer  vom
inländischen  Taback  in  den  Regierungsbcezirken
Wiesbaden  und  Kassel,  sowie  in  dem  Gebiete
des  vormaligen  Königreichs  Hannover  und  der
Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein.

Verordnung,  betreffend  die  Wahl  der  Geschworenen
  im  Gebiete  der  ehemaligen  freien  Stadt
Frankfurt.

Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  des  Finanz-Etats
  für  die  im  H.  I.  unter  Nr.  1I.  bis
3.  des  Gesetzes  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz-Samml.
  S.  876.)  bezeichneten  ehemals  Koniglich
  Bayerischen  Gebietstheile  auf  das
Jahr  1867.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Vermehrung
der  Mitgliederzahl  bei  der  Handelskammer
zu  Hagen.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  der  unter  der  Firma:  =  Breslau-Sndlse
  robRalinn  Chausseebau-Aktiengesellschaft=
  mit  dem  Sitze  zu  Breslau
errichteten  Aktiengesellschaft.

Verordnung,  betreffend  die  Kompetenz  des  Ministers
  der  geistlichen,  Unterrichts=  und
Medizinal-  Angelegenheiten  zur  Verfügung  über
Gegenstände  der  Unterrichts-  und  der  Medizinal
  Verwaltung  in  den  neuerworbenen
  Gebietstheilen.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  All.

emeinen  Deutschen  Wechselordnung  in  die
Ver  oggthümer  Holstein  und  Schleswig,
r  r  Anlagen  A.  und  B.

Verordaung,  betreffend  die  Justizverwaltun
und  die  Einführung  der  im  Landgerichtsbezi
Coblenz  geltenden  Gesetze  in  dem  vormals
Hessen-Homburgschen  Oberamt  Meisenheim.

 

4.

42.

42.

44.

45.

46.

47.

42.

43.

43.

6643.

6644.

6645.

6652.

6656.

6668.

6646.

6648.

6650.

 

 

633-651.

652-660.

661-666.

702.

705-712.

728.

735.

669-699.

700.
        <pb n="21" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  ꝛc.

Ausgegeben
zu
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
13.  Mai.

13.

13.

13.
13.

1867.
26.  Mai.

26.  —

31.  —

6.  Juni.

15.  —

17.  Sept.

1.  Juni.

27.  Juli.

 

 

Allerhöchster  „Erlaß,  betreffend  die  Ermäßigung
des  in  dem  Hafen  von  Pillau  zu  entrichtenden
  Hafengeldes.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ermäzigung
der  Schiffahrtsabgaben  in  der  Stadt
Königsberg.

Verordnung,  betreffend  die  Ablösung  der  Servituten,
  die  Theilung  der  Gemeinschaften
und  die  Zusammenlegung  der  Grundstücke,
für  das  vormalige  Kurfürstenthum  Hessen.

Verordnung,  betreffend  die  Aufhebung  des  Güterschlusses
  in  den  Provinzen  2  und
Hanau  des  ehemaligen  Kurfürstenthums  Hessen
und  der  Kurhessischen  Berordnung  vom  4.  Mai
1858.  zur  Verhütung  gemeinschädlicher  Handelsspekulationen
  mit  Grundeigenthum.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Allgemeinen
  Deutschen  Wechselordnung  in  das
vormalige  Kurfürstenthum  Hessen,  nel#  Wechselordnung.


Statut  des  Perleberger  Wiesenverbandes.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  des
Rechts  an  die  Stadt  Teltow,  im  Regierungs.
bezirk  stotsban,  ur  Erhebung  eines  Ehausste.
gelbes  ür  eine  loler  Meile  nach  dem  doppelten
  Betrage  der  in  dem  Chausseegeld-Tarife
vom  29.  Februar  1840.  bestimmten  Sätze  für
die  Teltow.  Zehlendorfer  Chaussec  auf
fernere  fünf  Jahre.

Gesetz,  betreffend  die  Abänderung  des  Artikel  69.
der  Verfassungs=  Urkunde  und  des  Artikel  1.
des  Gesetzes  vom  30.  April  1851.  (Gesetz  Samml.
S.  213.),  sowie  diejenigen  Abänderungen  der
Verordnung  über  die  Wahl  der  Abgeord.
neten  vom  30.  Mai  1849.,  welche  Bebuss
Anwendung  derselben  in  den  mit  der  Preußischen

onarchie  neu  vereinigten  Landestheilen  erfor.
derlich  werden.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preubischen
  Gesetze  und  die  Justizverwaltung
in  der  vormals  Bayerischen  Enklave  Kaulsorf.



Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber
lautender  Obligationen  der  Stadt  Brauns-.
berg,  Regierungsbezirks  Königsberg,  zum  Betrage
  von  40,  holern

 

44.

46.

46.

48.

53.
54.

92.

47.

6654.

6655.

6659.

6660.

6670.

6681.
6687.

6820  „S

6663.

6734.

 

 

703-704.

704.

716  726.

737-760.

793-799.
808.

1481-  1482.

729-730.

1184-1188.
        <pb n="22" />
        XXII

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

Ausgegeben

zu
Berlin.

n  h  a  l  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
23.  Mai.

23.

26.

25.

27.

27.

28.

28.

 

1867.
26.  Mai.

11.  Juni.

13.

7.  Septbr.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Gesetzes
  vom  25.  April  1853.  in  die  neu  erworbenen
  Landestheile.

Verordnung,  betreffend  die  Organisation  der
Landgendarmerie  in  den  neuerworbenen
Landestheilen.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  der  Umwandlung  des  ODanziger
Sparkassenvereins  in  eine  Aktiengesellschaft  unter
der  Firma:  FDanziger  Sparkassen-Aktienverein
  mit  dem  Sitze  zu  Danzig.

Verordnung,  betreffend  die  Ausführung  des  8.  188.
des  Allgemeinen  Berggesetzes  vom  24.  Juni
1865.,  sowie  der  Verordnung  vom  8.  Mai
1867.  wegen  Einführung  des  Allgemeinen
Berggesetzes  in  das  Gebiet  des  vormaligen
Königreichs  Hannover.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Vereinigung  des
bisherigen  Thurn  und  Taxisschen  Postbezirks
  mit  dem  gegenwärtigen  Preußischen
Postgebiete.

Verordnung,  betreffend  eine  Ergänzung  des
Hannoverschen  Gesetzes  über  die  Verhstiss
der  Königlichen  Diener  vom  24.  Juni  1858.

Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den
haber  lautender  Kreis-Obligationen  des  Pr.

olländer  Kreises  im  Betrage  von  25,000
halern.

Verordnung,  betreffend  die  Bildung  von  Genossenschaften
  zu  Entwässerungs-  und
Bewässerungsanlagen  in  den  neu  erworbenen
  Landestheilen.

Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  des  Finanz-Etats
  für  die  im  #  1.  unker  Nr.  5.
bis  9.  des  Gesetzes  vom  24.  Dezember  1866.
(Gesetz.  Samml.  S.  876.)  bezeichneten  ehe.
mals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheile,
auf  das  Jahr  1867.

Vertrag,  zwischen  der  Königlich  Preußischen  und
der  Großherzoglich  Oldenburgischen  Regierung,

betreffend  die  Anlage  einer  Ellenbatn  von

Necumünster  über  Plön  und  Eutin  nach

Neustadt.

 

 

44.

51.

57.

54.

50.

52.

6653.

6677.

6679.

6669.

6695.

6684.

6743.

6673.

6678.

 

777-784.

792.

735-736.

801.

1237-1240.

769-770.

785-791.

1429-1431.
        <pb n="23" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XXIII

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben

zu
Berlin.

Jnh  a  l  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.
31.  Mai.

31.

1.  Juni.

 

1867.
18.  Juni.

11.  Juli.

8.  Juni.

26.

 

Gesetz  wegen  Ausführung  des  Gesetzes  vom  28.
September  1866.  (Gesetz=  Samml.  für  1866.
S.  607.),  betreffend  den  durch  den  Krieg  von
1866.  hervorgerufenen  außcrordentlichen  Geld.

bedarf  der  Militair-  und  arinever.
waltung  und  die  Dotirung  des  Staatsschatzes.



Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ausgabe  von
verzinslichen  Schatzanweisungen  im  Betrage
von  fünf  Millionen  Thaler.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen
  Berggesetzes  vom  24.  Juni  1865.
in  das  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigte
  Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums
  Hessen  und  der  vormaligen  freien
Stadt  Frankfurt,  sowie  der  vormals  Königlich
  Bayerischen  Landestheile.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Aufhebung  der
Schlacht.,  Fleisch-  und  Mehl-Accise  im
vormals  Lessen-Lomburgischen  Amte  Homurg.



Verordnung,  betreffend  die  Ausdehnung  der  Wirksamkeit
  der  General-Brandkasse  zu
Kassel  auf  die  Bezirke  Gersfeld,  Orb  und  Vöhl.

Verordnung,  betreffend  die  Besteuerung  der  Bergwerke
  im  Gebiete  des  vormaligen  Herzogthums
Nassau,  der  vormals  Großherzoflich  Hessischen
Landestheile  und  der  vormaligen  Landgraf.
schaft  Hessen--Homburg,  ecinschließlich  des  Oberamtsbezirks
  Meisenheim.

Verordnung,  betreffend  die  Aufhebung  des  §.  27.
Ziffer  2.  der  Königlich  Hannoverschen  Verordnung

  vom  9.  Mai  1823.  über  die  bäuerlichen

Verbälmisse  in  der  niedern  Grafschaft  Lingen.

Verordnung,  betreffend  die  in  Frankfurt  a.  M.
zu  erhebende  Mahl-  und  SEchlachtsteuer.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Gesetze
  über  Zölle  und  innere  indirekte  Stcuern
und  Abgaben  in  dem  vormals  Hessen-Homburgischen
  Oberamt  Meisenheim.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmi
  ung  der  unter  der  Firma:  „Rheinisch-Westfälischer
  Lloyd)  Transportversicherungs-
  Aktiengesellschaft"  mit  dem  Sitze  zu
M.  Glad  bah  errichteten  Aktiengesellschaft.

 

56.

63.

50.

53.

53.

50.
50.

52.

6688.

6708.

6674.

6682.

6683.

6691.

6675.
6676.

6680.

 

 

1070.

770-774.

799.

802-803.

775-77.
776.

792.
        <pb n="24" />
        IXIV

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
u

3
Berlin.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
3.  Juni.

16.

 

1867.
25.  Juli.

25.

3.  August.

7.  Juni.

3.  August.

15.  Rovbr.

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  in  Bezug  auf  den  Bau
und  die  Unterhaltung  der  Kreis-Chausseen
von  Creußburg,  im  Kreise  Creutzburg,  nach
Landsberg,  im  Kreise  Rosenberg,  und  von
Constadt  nach  Pitschen,  im  Kreise  Creuturg.
  .

Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber
lautender  Kreis-Obligätionen  des  Treutz
burger  Kreises  im  Betrage  von  30,000  Thalern.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  die  Bürgermeisterei
Neustadt,  im  Kreise  Reuwied  des  Regierungsbezirks
  Coblenz,  für  den  Bau  und  die  Unterhaltun
  Aner  Chhuser  von  Neustadt  durch
das  Wiedbach-  resp.  Hammerbach-  und  Elsaffthal
  bis  auf  die  Linz-Rottbitzer  Bezirksstraße
bei  Kretzenhaus.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen
  Gesetzgebung  in  Betreff  der  direkten
Steuern  in  dem  Gchete  des  vormals  Land.
räflich  Hessen.  Oomburgischen  Oberamtsbezirks

eisenheim.

Konzessions-  und  Wstitigungs  „Urkunde,  betreffend
den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von
Berlin  über  Rathenow  und  Gardelegen  nach
Lehrte  mit  einer  Zweigbahn  in  der  Altmark
über  Salzwedel  nach  Uelzen,  durch  die
Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngesellschaft,
und  einen  Nachtrag  zum  Statut  der  leßteren,
nebst  siebentem  Nachtrag.

zwischen  für
und  in  von

sowie

 

 

67.

67.

49.

70.

116.

 

6728.

6729.

6740.

6739.

6907.

 

1158.

11591162.

1230.

761-764.

1221-1229.

1801-1808.
        <pb n="25" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
U

3
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
20.  Juni.

1867.
1.  August.

25.  Juni.
26.

26.

5.  Juli.

 

 

Ia#  1907.

Zusaßvertrag  zu  dem  zwischen  Preußen  und  den
Niederlanden  wegen  gegenseitiger  Auslieferung.
  füüchtiger  Veroüccher  abgeschlossenen
Vertrage  vom  17.  November  1850.

Publikations-Patent  über  die  Verfassung  des
Norddeutschen  Bundes.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen

Steuern  in  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen,
  Bezirksamt  Gersfeld  und  Landgerichtsbezirk
  Orb  ohne  Aura.

Gesetz  wegen  Erhebung  der  Malschsteuer  im
Kreise  Peplar.

Verordnung,  betreffend  die  Ausführung  des

.  188.  des  Allgemeinen  Berggesetzes  vom
4.  Juni  1865.)  sowie  der  Verordnung  vom
1.  Juni  1867.  wegen  Einführung  des  Allge.
meinen  Berggesetzes  in  das  mit  der  Preußischen
  Monarchic  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen
  Kurfürstenthums  Hessen  und  der  vormaligen
  freien  Stadt  Frankfurt,  sowic  der
vormals  Königlich  Bayerischen  Landestheile.

Verordnung  über  das  Verfahren  in  Civilbrotzessen
  für  die  durch  das  Gesetz  vom
0.  September  1866.  und  die  beiden  Gesetze
vom  24.  Dezember  1866.  der  Preußischen
Monarchie  einverleibten  Landestheile,  mit  Ausnahme
  des  Gebietes  des  vormalisen  Königreichs
  Hannover,)  sowie  der  vormaligen  freien
Stadt  Frankfurt,  des  vormaligen  Oberamtsbezirks
  Meisenheim  und  der  Enklave  Kaulsdorf.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Verordnung
  über  die  Besteuerung  des  im  Inlande
  erzeugten  Rübenzuckers  vom  7.  August
1846.  in  den  Herzogthümern  Schleswig  und
Holstein.

Verordnung,  betreffend  die  Aufhebung  der  Tranksteuer
  und  Zapfgebühr  von  Wein,  Traubenmost,
  Obstwein  und  Obstmost  in  den  vormals
Großherzoglich  und  Landgräflich  Hessischen
Landestheilen.

Verordnung,  betreffend  die  evangelischen  militairkirchlichen
  Angelegenheiten  im  ehemaligen
Königreich  Hannover.

esebgebung  in  Betreff  der  direkten

 

69.

56.

57.

57.

61.

61.

61.

 

6738.

6690.

6692.

6693.

6698.

6699.

6702.

6703.

 

1219-1220.

817-840.

842-346.

847.

885-916.

918.

918-919.

919.920.
        <pb n="26" />
        XXVI

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
zu
Bellin.

Nr.

des

Stücks.

Nr.
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.
24.  Juni.

24.

24.

24.

24.

1867.
I1.  Juli.

25.

27.

5.  August.

 

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ermäßigung
der  Konsulatsgebühren  in  den  Eurcpälschen
  Häfen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Stempelabgaben
  und  gerichtlichen  Taxen  in  den
an  die  Krone  Preußen  abgetretenen,  vormals
Königlich  Baverischen  Gebietstheilen,  außer
der  Enklave  Kaulsdorf.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Aufhebung
des  Konsenses  der  Bergbehörden  zu  den  Heirathen
  der  Berg-,  Poch-,  Hütten-  und  Salinenarbeiter
  in  den  neu  erworbenen  Lan.
destheilen.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preu-Hischen
  Gesetzgebung  über  die  Ertheilung  von
Erfindungs-  und  Einführungspatenten
in  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holrin.


Nachtrag  zu  dem  Privilegium  vom  18.  August
1866.  wegen  Ausgabe  von  zwei  Millionen
Thaler  Prioritäts-Obligationen  der  Magdeburg.
  Kötben-Halle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft.


Verordnung,  betreffend  die  Einführung  verschiedener
  seerechtlicher  Vorschriften  deS  Preußischen
  Rechts  in  das  vormalige  Könggreich
Hannover.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die
uterhaltung  einer  Kreis  =  Chaussee  von
Pogorzella,  im  Kreise  Krotoschin,  R
Sandberg,  im  Kreise  Kröben,  zum  Anschlu
an  die  Gostyn  ·  Borecker  Kreis  ·  Chaussee.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung
der  fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die
Unterhaltung  der  Kreis.  Chaussec  von  Minden
  über  Stemmer  und  Friedewalde  durch  den
fiskalischen  Forstschutzbezirk  Mindener  Wald
bis  zur  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Diepenau.


Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber
lautender  Obligationen  der  Stadt  Zeih,
Regierungsbesirin  Merseburg,  zum  Betraße
von  45,000  Thalern.

 

63.

64.

64.

68.

71.

72.

 

67  10.

6717.

6718.

6721.

(mit  Anl.)

6730.

6732.
(mit  Anl))

6744.

6745.

6750.

 

1071.

1110-1111·.

IIII.

1113-  1118.

1163.

1165-1182.

1241.

1242.

1246-1250.

——
        <pb n="27" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

xxvn

 

Datum  #sgrgeben

des
Gesetzes  2c.

zu
Berlin.

Nr.
des

Nr.
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.
24.  Juni.

 

1867.
12.  Auguft.

19.  Septbr.

15.  Juli.

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Einrichtung
besonderer  Verwaltungsstellen  für  den  früheren.
Großherzoglih  Hessischen  Kreis  Pöhl  und  den
früheren  Bayerischen  Bezirk  Orb.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die
der  Bestimmungen  des  F.  11.  des
die  Verhältnisse  der  Juden  im
Holstein  und  des  §#.  16.  der
vom  8.  Februar  1854.  über  die
der  Juden  im  Herzogthum  Schleswig.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Gleichstellung
der  in  den  neuen  Landestheilen  wohnenden
Mennoniten  in  Bezug  auf  die  Militairdienstpflicht
  mit  ihren  in  der  Rheinprovinz,
sowie  in  den  Provinzen  Brandenburg  und
Westphalen  wohnhaften  Glaubensgenossen.

Verordnung,  betreffend  das  Strafrecht  und  das
Strafverfahren  in  den  durch  das  Gesetz
vom  20.  September  1866.  und  die  beiden
Gesebe  vom  24.  Dezember  1866.  mit  der
Monarchie  vereinigten  Lande#tbeilen,  mit  Ausnahme
  de  vo#mahgen  Oberamtsvezirke  Meisenheim
  und  der  Enklave  Kaulsdorf  nebst
Strafprozeß--Ordnung.

Verordnung  über  die  Trennung  der  Rechtspflege
von  der  er#altung  die  Aufhebung  der  Privaterichtsbarkeit

  und  des  cximirten  Gerichtsstandes,
owic  über  die  Gerichtsverfassung  in  den
Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein.

Verordnung  über  die  Gerichtsverfassung  in
dem  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  und
den  vormals  Königlich  Bayerischen  Gebietstheilen
  mit  Ausschkuß  der  Enklave  Kaulsdorf.

Verordnung  über  die  Gerichtsverfassung  in
dem  vormaligen  Herzogtbum  Nassau  und
den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
  mit  Ausschluß  des  Oberamtsbezirks
Meisenheim.

Verordnung,  betreffend  die  Errichtung  eines  obersten
  Gerichtshofes  für  die  durch  das  Gesez
vom  20.  September  1866.  und  die  beiden  Gesetze
vom  24.  Dezember  1866.  der  Preußischen  Monarchie
  einverleibten  Landestheile,  mit  Ausnahme
des  Gebietes  der  vormaligen  freien  Stadt

ankfurt,  des  vormaligen  Oberamtsbezirks
cisenheim  und  der  Enklave  Kaulsdorf.

 

  

 

Stücks.

93.

62.

61.

64.

64.—

6753.

6823.

6704.

6712.

6713.

6714.

6715.

 

4°%

 

1261.

921-1056.

1073-1085.

1085-1094.

1094-1103.

1103-1107.
        <pb n="28" />
        XXVII

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des

Gesetzes  ꝛc.

Ausgegeben
u

3
Berlin.

In  h  a  l  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
29.  Juni-1867.


5.  Juli.

 

 

Verordnung,  betreffend  die  Einrichtung  einer  Königlichen
  Polizeiverwaltung  zu  Frankfurt
  a.

Verordnung  wegen  Aufhebung  der  in  Frankfurt
  a.  M.  als  Staatssteuern  bestehenden
Accisen  von  Gerste,  Hafer,  Heu,  Stroh,
Brennstoffen,  Wein  und  Obstwein.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  des  revidirten  Statuts  der  durch
den  lerböchsten  Erlaß  vom  13.  Juni  1853.
unter  der  Firma:  -  Landesprodukten-Fabrik
  zu  Coburg-,  mit  dem  Sitze  zu

agdeburg,  genchmigten  Mktiengesellschaft.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen
  Medizinaltaze  in  Nassau.

Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  der  Stempelsteucr
  von  Spielkarten  m  den  durch
die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Deember
  1866.  mit  der  Monarchie  vereinigten

andestheilen.

Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  der  Wechselstempelsteuer
  in  den  durch  die  Gesetze
vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.
mit  der  Monarchie  vereinigten  Landestheilen.

Perordnung,  betreffend  die  Erhebung  der  Zeitungsstempelsteuer

  in  den  durch  die  Geeese
vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.
mit  der  Monarchie  vereinigten  Landestheilen.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  der  unter  der  Firma:  „Schieferbau-
  Aktiengesellschaft  Nuttlar“  mit
dem  Sitze  zu  Nuttlar,  im  Regierungsbezirk
Arnsberg  errichteten  Aktiengesellschaft.

Verordnung,  betreffend  die  Organisation  der
Forstverwaltung  in  den  neu  erworbenen
Feietstbrilen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Aufhebung  der
Landeslotterien  in  Hannover  und  Obnabrück,
  sowie  der  Lotterie  in  Frankfurt  a.  M.

Verordnung,  betreffend  die  Entrichtung  der
Stempelsteuer  von  Kalendern  in  den
durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.
Dezember  1866.  mit  der  Monarchie  vereinigten
Landestheilen.

 

61.

61.

65.

63.

62.

 

6700.

6703  a.

6719.

6722.

6705.

6706.

6707.

6720.

6724.

6704a.

6708.

 

917-918.

1112.

1119.
1057-1062.

1063-1066.

1066-1067.

1112.

1129-1130.

1056.

1068-1069.
        <pb n="29" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XXRX

 

Datum
des
Gesetzes  ꝛc.

Ausgegeben

zu
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
5.  Juli.

1867.
I.  Juli.

20.  —

20.  —

25.  Juli.

 

 

Verordnung,  betreffend  die  in  den  neu  erworbenen
Landesthrilen  vorhandenen,  zum  Staatseigenthume
  gehörigen  Aktiokapitalien-=fonds.


Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  in
Preußen  durch  Gesetz  vom  27.  Mai  1863.  eineführten

  Ergänzungen  und  Erläuterungen  der
llgemeinen  Deutschen  Wechselordnung  in
das  vormalige  Herzogthum  Nassau.

Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  der  Erbschaftsabgabe
  in  den  durch  die  Gesetze  vom
20.  September  und  24.  Dezember  1866.  mit  der
Monarchie  vereinigten  Landestheilen,  nebst  Tarif
von  demselben  Tage.

Verordnung,  betreffend  das  Landesgewicht  für
die  im  F.  1.  unter  Nr.  1.  und  2.  des  Gesetzes
vom  24.  Dezember  1866.  bezeichneten  ehemals
Königlich  Bayerischen  Gebietstheile.

Verordnung  betreffend  die  Heimathsrechte  der
außerhalb  der  Herzogthümer  Schleswig  und
Holstein  geborcnen,  mit  ihren  Eltern  in  das
Herhogtham  Schleswig  eingewanderten  Peronen.


Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen
  Deutschen  Handelsgesetzbuchs  in
die  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig.

Verordmung  betreffend  die  rechtliche  Natur,  Veräußerlichkeit
  und  Verwaltung  der  Domainen
und  Regalien  in  den  neu  erworbenen  Gebietstheilen.


Statut  für  die  Wiesengenossenschaft  zu

Schmidthachen  bach  im  Kreise  St.  Wendel.

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber
lautender  Obligationen  der  Stadt  Krotoschin,
  Regierungsbezirks  Posen,  zum  Betrage
  von  40,000  Thalern.

Statut  der  Genossenschaft  für  die  Melioration
rundstück=  an  den  Lubiner  Seen,  Kreis

osten.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ausübung  der
Gerichtsbarkeit  in  den  an  die  Krone  Preußen
abgetretenen,  vormals  Königlich  Bayerischen
Gebietstheilen,  außer  der  Enklave  Kaulsdorf.

 

63.

64.

65.

66.

66.

67.

70.

72.

72.

6711.

6716.

6723.

6725.

6726.

6727.

6733.

6741.

6751.

6752.

6731.

 

 

1072.

1108-1110.

1120-1128.

1130-1132.

1132.

1133-1157.

1182-1183.

1231-1235.

1251-1255.

1255-1260.

1164.
        <pb n="30" />
        AXXX

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des

Gesetzes  2c.

Ausgegeben

zu
Berlin.

JIn  h  a  l  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
12.  Juli.

12.  —

 

1867.
1.  Aug.

 

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Gesetzes
  über  die  privatrechtliche  Stellung  der
Erwerbs-  und  Wirthschaftsgenossenschaften
  vom  27.  Märg  1867.  (Gesetz.  Samml.
S.  501.)  in  das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs
  Hannover.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  von  Beschlüssen  über  Abänderungen
der  unter  dem  13.  November  1837.  Allerhöchst
bestätigten  Statuten  des  Theater-Aktienvereins
  zu  Breslau.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Feststellung  der
Speziallinie  und  die  Gestattung  der  Anwendung
des  Enteignungsverfahrens  auf  den  in  das
Preußische  Gebiet  fallenden  Toel  der  Leer-Oldenburger

  Eisenbahn.  «

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ertheilung  der
Genehmigung  zu  Namensänderungen.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  einiger  Aenderungen  der  Statuten
der  Heoch  erstcherunge  4  Gesellschaft  Germania
  zu  Stettin.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Uebertragung
der  Verwaltung  des  vormals  Hessen-  Homburischen
  Hypothekenamtes  zu  Meisen-15
  an  den  Hypothekenbewahrer  zu  Sim
mern.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Gestattung  des
Besuchs  der  Universitäten  in  Zürich  und
Bern.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  RNimptsch
für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  1)  der
Strehlen-Zoptener  Landstraße  bei  Jordansmühl
  im  Kreise  Nimptsch  über  Schwentnig
  und  Przydrowic  bis  zur  Kreisgrenze,  und
2)  der  Nimptsch  Strehlener  Landstraße  von
Nipsch  bis  zur  Kreisgrenze  vor  Niclas.

orf.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterbaltung
  einer  Kreis-Chaussee  von  Adelnau
über  Sulmierzyce  bis  zur  Schlesischen  Grenze.

 

69.

70.

71.

76.

79.

6736.

6742.

6746.

6747.

6754.

6766.

6773.

 

 

1189-1190.

1236.

1243.

1310.

1188.

1243-1244.

1262.

1310-1311.

1329.
        <pb n="31" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XXXI

 

Datum
bes
Gesetzes  rc.

Ausgegeben
zu
Berlin.

JIn  h  a  l  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
15.  Juli.

1867.
22.  Aug.

9.  Sept.

21.  Nov.

1.  Aug.

 

 

Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  1
haber  lautender  Kreis-Obligationen  des
Adelnauer  Kreises  im  Betrage  von  60,000
Thalern.

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber

lautender  Obligationen  der  Stadt  Myslowitz,

  Regierungsbezirks  Oppeln,  zum  Betrage
  von  40,000  Thalern.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Berent  im
Regierungsbezirk  Danzig  für  den  Bau  und  die
Unkerhaltung  einer  Chaussee  von  Schöneck
bis  zur  Pr.  Stargardter  Kreisgrenze  bei  Lienfitz#
in  der  Richtung  auf  Pr.  Stargardt.

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender
  Obligationen  der  Stadt  Witten,
Ieepierongsbehirks  Arnsberg,  zum  Betrage  von
200,000  Thalern.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genebmigung
  eimer  Abänderung  des  Statuts  der
unter  dem  Namen:  Georg  von  Gieschesche
Erben“  bestehenden  und  in  Breslau  domizilirenden
  Bergwerksgesellschaft.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  die  Stadt  Freistadt  im
Regierungsbezirk  Liegnitz  für  den  Bau  und  die
Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee  von  Freistadt
  über  Zyrus  und  Lessendorf  nach  der  Beuthen-Neusalzer
  Chaussee  bei  der  Neumühle  im
Kreise  Freistadt.

Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  d
haber  lautender  Kreis-Obligationen  des
Freistädter  Kreises  im  Betrage  von  120,000

halern.

Vertrag  zwischen  Preußen  und  Frankreich  ween
  Anlage  einer  Eisenbahn  von  Saarrücken
  nach  Saargemünd.

Verordnung,  betreffend  die  Verwaltung  des  Stempelwesens
  und  die  Erhebung  des  Urkundenstempels
  in  dem  vormaligen  Königreich  Hannover,
  dem  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen
und  Herzogthum  Rassan,  sowic  in  den  vormals
Bayerischen  Gebietstheilen)  nebst  Stempeltarif
  von  demselben  Tage.

 

 

79.

79.

82.

117.

69.

 

6774.

6775.

6786.

6748.

6776.

6912.

6737.

 

1330-1338.
1334-1338.

1359.

1433-1439.

1244.

1338-1339.

1339-1343.

1817-1823.

1191-1215.
        <pb n="32" />
        XXXI

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

Ausgegeben
zu

Berlin.

In  h  a  l  t.

Fr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
19.  Juli.

26.

26.

26.

26.

26.

1867.
12.  August.

11.  Septbr.

13.

9.  August.

14.

 

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Abstandnahme
von  der  Bestätigung  der  in  den  Herzogthümern
  Schleswig  und  Holstein  von  den  früheren
  Candesherren  oder  von  den  Behörden  im
Auftrage  der  Landesherren  ohne  Vorbchalt
des  Widerrufs  ertheilten  oder  bestätigten  Bestallungen,
  Privilegien  2c.  bei  eintretendem
Wechsel  in  der  Person  des  Landesherrn.

Verordnung  wegen  Einführung  der  gesetzlichen  Vorschriften
  über  die  Besteuerung  des  Braumalzes
  im  Jadegebiet.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  das  Verfahren  in

en  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und

24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  555.
875.  876.)  der  Monarchic  einverleibten  Landestheilen
  bei  Anträgen  ausländischer  Behörden
auf  Auslieferung  verfolgter  Personen.

Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  des  Weges
von  Arnis  über  Faulück  bis  zur  Schleswig-Cappeler
  Nebenlandstraße  bei  Buddelhoch  in
die  Klasse  der  Nebenlandstraßen.

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber
lautender  Obligationen  II.  Emission  der
Stadt  Essen,  Rehierungsbezirss  Düsseldorf,
zum  Betrage  von  250,000  Thalern.

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender
  Obligationen  der  Stadt  Uerdingen
im  Betrage  von  52,000,  Thalern.

Verordnung,  betreffend  das  Diensteinkommen  der
öffentlichen  Volksschullehrer  in  dem  Regierungsbezirk
  Kassel.

Verordnung),  betreffend  die  Einführung  des  Zoll.

eeebt  der  Zollordnung  und  des  Zollrafgesetzes

  und  die  Regelung  des  Verfahrens
  bei  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Gesetze

  über  Zölle  und  andere  indirekte  Ab.

P#en-  in  den  Herzogthümern  Holstein  und
chleswig.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Zoll-Krasgest
  ges  und  die  Regelung  des  Verfahrens
  bei  Zuwiderhandlungen  gegen  die
Gesetze  über  Dle  und  andere  indirekte  Ababen

  in  den  Regierungsbezirken  Kassel  und
iesbaden,)  sowie  im  Gebiete  des  vormaligen
  Königreichs  Hannover.

 

73.

73.

73.

76.

88.

90.

74.

6766.

6767.

6810.

6816.

6749P.

6758.

6759.

 

 

1262.

1263.

1264.

1311.

1451-1455.

1465-1470.

1245-1246.

1265-1267.

1268-1270.
        <pb n="33" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XXXIII

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

Ausgegeben
u

3
Berlin.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesees

5bds'-kMm

 

Seite.

 

1867.
29.  Juli.

30.

2.  August.

1867.

14.  August.

22.

21.  Septbr.

17.  August.

31.

22.

5.  Septbr.

 

 

Ordnung  für  das  Verfahren  bei  Entdeckung
und  Untersuchung  von  Zuwiderhandlungen
Hegen  die  Zollgesetze  in  den  Regierungs-.
ezirken  Wiesbaden  und  Kassel,  dem  vormaligen
  Königreich  Hannover  und  den  Herzogthümern
  Holstein  und  Schleswig.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ermäßigung
der  Schiffahrt  sabgaben  in  Memel.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ausführung
der  Eisenbahnverbindung  zwischen  den  rechtsund
  linksrheinischen  Eisenbahnen  bei  Düsseldorf
und  Reuß,  nebst  fester  Rheinbrücke  bei  Oamm,
durch  die  Bergisch=  Märkische  Eisenbahngesellschaft.


Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  des  zweiten  Nachtrages  zu  dem
Statut  der  unter  dem  16.  Dezember  1856.
bestätigten  „Union,  Aktiengesellschaft  für  Seeund
  Flußversicherungen  in  Stettin.“

Vertrag  zwischen  Prcußen  und  Sachsen  wegen
Ausführung  einer  Eisenbahn  von  Leipzig
nach  Zeiß.

Gesetz  wegen  Besteuerung  des  Branntweins

im  Jadegebiete.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Abänderung  des
Statuts  für  den  landschaftlichen  Kreditverein
  der  Provinz  Sachsen.

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber
lautender  Ob  igationen  der  Stadt  Halle,
Regicrungsbezirks  Merseburg,  zum  Betrage
von  600,  Thalern.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
dkalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Büren  im
cickungsbezire  Minden  für  den  Bau  und

die  Unterhaltung  der  Kreis-Chausseen:
1)  von  Dalheim  nach  Lichtenau  und  2)  von
Büren  über  Böddeken,  Henglarn,  Atteln  und
Husen  bis  zur  Einmündung  in  die  Straße
à

 

74.

□#

83.

92.

 

6760.

6778.

6830.

6763.

6788.

6821.

 

1270-1276.

1343-1344.

1521.

1308.

1361-1367.

1309.

1421-1424.

1496.
        <pb n="34" />
        XXXIV

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des

Gesetzes  ꝛc.

Ausgegeben

zu

Berlin.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
5.  August.

*.
l

1867.
22.  August.

7.  Septbr.

21.  Oktbr.

17.  August.

 

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  in  Gemäßheit
des  Gesetzes  vom  9.  März  1867.  zur  Vermehrung
  des  Betriebsmaterials,  Herstellung
doppelter  Bahngeleise  und  nothwendiger  Ergänzungsanlagen
  der  Staatsbahnen,  Verlegung
  der  Verbindungsbahnen  zu  Berlin  und
zu  Breslau  und  Herstellung  einer  Eisenbahn
von  Dittersbach  nach  Altwasste  und  von  Saarbrücken
  nach  Saargemünd  bis  zur  Höhe  der
veranschlagten  Summe  von  24  Millionen  Thaler
aufzunehmende  Staatsanleihe.

Allerhöchster  Erlaß)  betreffend  die  Verleihung
der  fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die
1Unterhaltung  eier  Kreis-Chaussee  von  Rawicz
  nach  ·

im  Regierungsbezirk  Posen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihun
der  fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  un
die  Unterhaltung  einer  Gemeinde-Chaussee
im  Kreise  Eupen  des  Regierungsbezirks  Aachen
von  der  Aachen-Eupener  ?  btiensraße  über
Hauset  und  Hergenrath  nach  der  Cöln-Cütticher

taatsstraße  bei  Altenberg.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ausgabe  verzLinslicher
  Schaßanweisungen  im  weiteren
Betrage  von  funfzehn  Millionen  Thaler.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Namslau,
Regierungsbezirk  Breslau,  für  den  Bau  und
die  Untenbafeong  einer  Kreis-Chaussee  von
Schwirz  über  Städtel  bis  zur  Namslau-Oppelner
  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf
Carlsruhe.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen  und  Oesterreich,
  betreffend  die  Erweiterung  der  Eisenbahnverbindungen
  zwischen  den  beiderseitigen
  Staatsgebiecten,  nesst  Anlage  &amp;amp;:  Bestimmungen
  der  Konzessionirung  der  Eisenbahnstrecke
  von  einem  geeigneten  Punkte  der  nördlichen
  Staatsbahn  bei  Wildenschwert  bis
zur  Preußischen  Grenze  bei  Mittelwalde.

Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  der  Stempelsteuer
  in  den  Herzogthümern  Schleswig

und  Holstein,  nebst  Stempel-Tarif  von  demselben

  Tage.

ubin  durch  den  Kreis  Kröben,

 

80.

85.

87.

90.

93.

113.

75.

6780.

6817.

6824.

6896.

6761.

 

 

1346.

1432.

1446.

1471.

1509  1510.

7

1765-1778.

1277-1307.
        <pb n="35" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XXXV

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
u

z
Berlin.

Inhalt.

Nr.

des
Stuͤcks.

Nr.
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.
7.  August.

 

1867.
10.  Septbr.

20.  August.
20.

20.

7.  Septbr.

10.

17.  August.

29.

11.  Septbr.

Allerhoͤchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Trebnitz,
Regierungsbezirks  Breslau,  für  den  Bau  und
die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee  von
Gellendorf  an  der  Breslau-Posener  Eisenbahn
  im  Kreise  Trebnitz  bis  zum  Anschlusse
an  die  Posen-Breslauer  Staats-Chaussec  vor
Prausniß  im  Kreise  Militsch.

Gesetz,  betreffend  die  Aufhebung  des  Salzmonopols
  und  Einführung  einer  Salzabgabe.
Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  einer  Abgabe

  von  Salz.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Verordnung
  vom  heutigen  Tage  wegen  einer  Abgebe
  von  Salz  in  den  durch  die  Greze  vom

0.  September  und  24.  Dezember  1866.  der
Preußischen  Monarchie  einverleibten  Landestheilen.


Verordnung,  betreffend  dic  Aussung  der  Berghypotheken-Kommission
  zu  Siegen  und
die  Abgabe  des  dortigen  Berghypothekenbuchs
an  die  ordentlichen  Gerichte.

Verordnung,  den  Betrieb  stehender  Gewerbe  im
Amtsbezirke  Homburg  betreffend.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung
  der  unter  der  Firma  „Miiengeesel,
schaft  für  Damfschei  erei  *  Ohligs“
im  Kreise  Solingen,  2  chierung  ezirk  Bii.
dorf,  mit  dem  Sitze  zu  Ohligs  errichteten
Aktiengesellschaft.

Verordnung,  betreffend  das  Medizinalgewicht
in  den  neu  erworbenen  Lankeoihilen.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Gesebes
  über  die  privatrechtliche  Stellung  der
Erwerbs-  und  Wirthschaftsgenossenschaften
  vom  27.  März  1867.  (Gesetz  Samml.
S.  501.)  in  die  Gebiete  des  vormaligen  Kurfürstenthums
  Hessen,  des  vormaligen  Heroog.
thums  Nassau,  der  ehemals  freien  Stadt

Frankfurt  und  in  die  durch  Gesetz  vom

4.  Dezember  v.  J.  (Gesetz=  Samml.  S.  876.)

mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten

Landestheile,  mit  Ausnahme  der  ehemals

Bayerischen  Enklave  Kaulsdorf  und  des  Oberamtes

  Meisenheim.

 

 

87.

78.

78.

78.

85.

87.

 

6807.

6770.
6771.

6772.

6796.

6784.
6809.

 

1447.

1317-1319.
1320-1327.

1327-1328.

1425.

1441-1442.

1312.

1357.
1449-  1450.
        <pb n="36" />
        XXXVI

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

zu
Berlin.

Ausgegeben

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.
12.  August.

14.

1867.
S.  Oktbr.

Septbr.

29.  August.

30.  Septbr.

.  August.

–1

.Septbr.

 

.August.

2.  August.

2.  Septbr.

 

Privilegium  keen  Ausgabe  auf  den  Inhaber
lautender  Obligationen  der  Stadt  Bielefeld
  im  Betrage  von  200,000  Thalern.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  anderweite
Regelung  des  Stempelwesens  in  den  vormals
  Großherzoglich  und  Landgräflich  Hessischen
  Landestheilen.

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber
lautender  Obligationen  der  Stadt  Cöln
im  Betrage  von  800,000  Thalern

Verordnung,  betreffend  die  Verwaltung  des
Stempelwesens  und  den  Urkundenstempel
in  der  ehemals  freien  Stadt  Frankfurt  a.  M.

Verordnung,  betreffend  die  Außer-  und  Wiederin
  kurssetzung,  sowie  die  Umschreibung
der  Papiere  auf  Inhaber  für  die  mit  der
Preußischen  Monarchie  vereinigten  Landestheile.

Verordnung,  betreffend  die  Errichtung  einer  Generalkommission
  für  das  Gebiet  des  vormaligen
  Königreichs  Hannover  und  die  Auf.
lösung  der  in  Hannover  bestehenden  Abtheilung
  des  Ministeriums  des  Innern  für  Berufungen.


Verordnung,  betreffend  die  veränderte  Organisation
  des  bisherigen  Ober-Appellations.
gerichts  zu  Celle.

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber
lautender  Obligationen  der  Stadt  Stettin
im  Betrage  von  500,000  Thalern.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
Städte.  Ordnung  für  die  Rheinprovinz  vom
15.  Mai  1856.  an  die  Gemeinde  Jülich  im
Regierungebezirk  Aachen.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Gesetzes
  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen
  vom  3.  November  1838.  und  der  Verordnung
  vom  21.  Dezember  1846.,  betreffend
die  bei  dem  Bau  von  Eisenbahnen  beschäftigten
  Handarbeiter,  in  den  neuerworbenen
Landestheilen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  einige  Anderunden
des  Deichstatuts  für  den  Blumenthaler
Deichverband  vom  31.  August  1857.

 

109.

107.

80.

89.

82.

108.

87.

6882.

6781.

6782.

6813.

6831.

6789.

6797.

 

 

1693-1698.

1346.

1677-1682.

1346-1348.

1457-1461.

1522-1523.

1358-1359.

1688-1692.

1367.

1426-1427.

1447-1448.
        <pb n="37" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XXXVII

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

Ausgegeben

zu
Berlin.

I

nhalt.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.
21.  August.

 

1867.
10.  Oktbr.
24.  August.
29.

7.  Septbr.

19.

30.

8.  Oktbr.

9.  Septbr.

12.  Oktbr.

31.  August.

Allerhoͤchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung

 

der  fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die
Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee  von
Herford  im  Regierungebezirk  Minden  über
Exter  nach  Vlotho.

Verordnung,  betreffend  die  provinzialständische
  Verfassung  im  Gebiete  des  vormaligen
Königreichs  Hannover.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Bestellung
eines  Provinzial-Steuerdirektors  für
die  Herzogth#mer  Holstein  und  Schleswig.

Verordnung,  betreffend  das  Münzwesen  in
den  neu  erworbenen  Landestheilen.

Statut  für  den  Deichverband  zweiter  Bis.
licher  Außenpolder.

Verordnung,  betreffend  die  Kommanditgesell.
schaften  auf  Aktien  in  den  durch  die  Gesetze
vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.
(Gesetz=  Samml.  S.  555.  876.)  mit  der  Preubischen
  Monarchie  vereinigten  Landestheilen,
mit  Ausnahme  der  vormals  Königlich  Baycrischen
  Enklave  Kaulsdorf.

Statut  des  Entwässerungsverbandes  des
Narpe-  und  Kattenauer  Bruches  in  den
Kreisen  Gumbinnen  und  Stallupönen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  geschäftliche
Bebandlung  der  aus  den  Gebieten  des  vormaligen
  Herzogthums  Nassau,  der  vormaligen
  freien  Stadt  Frankfurt  a.  M.  und  der
vormals  Großherzoglich  Hessischen  Landestheile
  eingehenden  Gesuche  um  Legitimation
außerehelich  erzeugter  Kinder,  sowie  der  aus
dem  Gebiete  der  vormals  freien  Stadt  Frankfurt
  eingehenden  Gesuche  um  Großjährigbkeitserickrung
  und  um  Arrogation.

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber
lautender  Obligationen  der  Stadt  Halberstadt,
  Regierun  bbeßict  Magdeburg,  zum  Betrage
  von  45,000  Thalern.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Wahlen  zum
ersten  Hannoverschen  Provinziallandtage.


 

110.

81.

93.

104.

109.

86.

111.

83.

6885.

6783.

6787.

6798.

6825.

6863.

6802.

6790.

 

 

1349-1356.

1360.

1427—1429.
1510-1512.

1645-1646.

1699-1708.

1440.

1733-1737.

1368.
        <pb n="38" />
        XXXVIII

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

3
Berlin.

Ausgegeben,
u

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.

30.  August.

30.  —

30.  —

31.  —

31.  —

31.  —

1867.
5.  Septbr.

29.  —

12.  Oktbr.

 

 

Verordnung,  betreffend  den  Ansatz  und  die  Erhebung
  der  Gerichtskosten  und  der  Gebühren
  der  Notare  und  Rechtsanwalte  in
den  Herkogthümern  Holstein  und  Schleswig,
  nebst  Regulativ  zur  Festsetzung  der  den
eugen  und  Sachverständigen  zu  bewilligenden
  Vergütigungen.

Vererdnung,  betreffend  den  Ansatz  und  die  Erhebung
  der  Gerichtskosten  und  der  Ge.
bühren  der  Notare  und  Rechtsanwalte
in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen
und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
mit  Ausschluß  der  Enklave  Kaulsdorf.

Verordnung,  betreffend  den  Ansatz  und  die  Erhebung
  der  Gerichtskosten  und  der  Gebühren
  der  Notare  und  Rechtsanwalte
in  dem  vormaligen  Herkoßthum  Nassau  und
den  vormals  Großherzo  ich  Hessischen  Gebietstheilen,
  mit  Ausschluß  des  Oberamtsbezirks
  Meisenheim.

Verordnung,  betreffend  den  Ansatz  der  Gerichts.-kosten
  und  der  Gebühren  der  Rechtsanwalte
  in  Strafsachen,  in  denjenigen  Landestheilen,
  für  welche  die  Strafprozeß--Ordnung
vom  25.  Juni  1867.  erlassen  ist.

Verordnung,  betreffend  das  Rechnungswesen
in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Veröffentlichung
  der  Eintrahungen  in  das  Handels.
register  bezüglich  der  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Gebietstheile.

Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  den  Ersten  Nachtrag

  zu  dem  Statut  der  Aachen-Mastrichter

Cisenbahugesellschaft=  nebst  Erstem  Nachtrag.


Verordnung  über  die  Einführung  des  die  Unterstützung
  der  bedürftigen  Familien  zum  Dienste
einberufener  Reserve=  und  Landwehrmannschaften
  betreffenden  Gesetzes  vom
27.  Februar  1850.  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen.

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender
  Obligationen  der  Stadt  Bonn
II.  Serie  im  Betrage  von  120,000  Thalern.

 

84.

87.

111.

 

6791.

6792.

6793.

6794.

6811.

6818.

 

1369-1384.

1385-1398.

1399-1411.

1412-1420.

1442-  1444.

1456.

1471-1472.

1637-1638.

1737-1742.
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        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

Berlin.

Ausgegeben
zu

Inh  a  l  t.

Nr.
des

Stücks.  Gesetzes.

Nr.
des

Seile.

 

1867.
31.  August.

31.  —

2.  Septbr.

1867.
25.  Ofktbr.

25.  —

12.  Septbr.

12.  —

21.  —

20.  —

10.  Obktbr.

 

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  den  Bau  und  die
Unterhaltung  der  Kreis-Chaussee:  1)  von
Werznen  an  der  Kreis-Chaussee  von  Stalluönen
  bis  nach  Mehlkehmen,  2)  von  derelben
  Kreis=  Chaussee  nach  dem  Hauptgestüt
Trakehnen  und  3)  von  Stallup.önen  nach
Kattenau.  ·
PrivilegiumwegenAusfettigungaufdanns
haberlautendekKreis-Obligationcnch
Kreises  Stallupönen  im  Betrage  von  108,000
Thalern,  II.  Emission.

Verordnung,  betreffend  die  Güterkonsolidation
  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden
mit  Ausnahme  des  Hinterlandkreises.

Verordnung,  betreffend  die  Ablösung  der  Servituten,
  die  Theilung  der  Gemeinschaften
und  die  Zusammenlegung  der  Grundstücke
für  diejenigen  durch  das  6ho  vom  24.  De.
ember  1866.  (Gesetz=  Samml.  S.  876.)  mit
er  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Gebietstheile,
  welche  zum  Regierungsbezirk  Kassel  und
um  Kinterlandkrei  des  Regierungsbezirks

iesbaden  gehören.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Genehmigung
des  Tarifs,  nach  welchem  die  Abgabe  für  die
Benutzung  der  Oderschleusen  bei  Cosel,
Brien  hlau  und  Breslau  zu  erheben  ist,

nebst  Tarif  von  demselben  Tage.

Verordnung,  betreffend  die  Ausdehnung  der  Zu  ·
ständigkeit  der  Obergerichte  im  Gebiete
des  vormaligen  Königreichs  Hannover  auf
die  Erledigung  verschiedener  nicht  prozessualischer
Rechtsangelegenheiten.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Herabsetzung
des  Mahlsteuer-  Satzes  in  Frank  furt  a.  M.

Ministerial-  Erklärung,  betreffend  die  Uebereinkunft
  mit  Hamburg  wegen  Besteuerung  gewisser,
  auf  Banko  aluta  lautender  Wechsel.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung

der  fiskalischen  Vorrechte  an  die  Stadt  Brandenbuech
  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung
einer  Chaussec  von  Brandenburg  in  der
Fichtung  auf  Grüningen  .  Ziesar  bis  zur
Grenze  des  Stadtbezirkes.

 

114.

114.

89.

89.

94.

110.

 

6899.

6900.

6814.

6815.

6832.

6812.

6829.

1781.

1782-1786.

1462-1463.

1463-1464.

1523-1526.

1444-1445.

1456.

1519-1520.

1732.
        <pb n="40" />
        XIL

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

Ausgegeben

zu
Berlin.

JIn  h  a  l  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
9.  Septbr.

 

1867.
14.  Septbr.

21.

10.  Oktbr.

19.  Septbr.

 

Verordnung,  betreffend  die  Kreisverfassung.
im  Gebiete  des  Regierungsbezirks  Kassel,
nebst  Verzeichniß  der  im  Städtestande  auf
den  Kreistagen  im  Gebiete  des  Regierungsbezirks
  Kassel  vertretenen  Gemeinden.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ermäßigung  der
Abgabe,  welche  für  das  Befahren  des  Bromberger
  Kanals  zu  erheben  ist,  nebst  Tarif
von  demselben  Tage.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Eimöfissung  der
Abgabe,  welche  für  das  Befahren  der  Wasserstraßen
  zwischen  der  Oder  und  Elbe  zu  erheben
  ist,  nebst  Tarif  von  demselben  Tage.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  in  dem  vormaligen
  Kurfürstenthum  Hessen  und  den  früher
Königlich  Bayerischen  Landestheilen,  mit
Ausschluß  der  Enklave  Kaulsdorf,  bis  zum  1.
Januar  k.  J.  noch  abzuhaltenden  Schwurr
gFerichte.

Reglement  über  die  Einrichtung  des  Landarmen=
  und  Korrigendenwesens  in  Westpreußen.


Verordnung,  betreffend  die  Amts-  und  Kreisverfassung
  in  der  Provinz  Hannover,
nebst  Verzeichnisfn  A.  der  Kreise  in  der  Provinz
  Honnover,  und  B.  der  im  Städtestande
  auf  den  Kreistagen  in  der  Provinz
Hannover  vertretenen  Gemeinden.

Verordnung  wegen  anderweitiger  Einrichtung  des
Amtskautionswesens  in  den  neu  erworbenen
  Landestheilen.

Verordnung,  betreffend  die  Bezeichnung  derjenigen
direkten  Steuern,  nach  deren  Maaßgabe  die
Urwähler  in  drei  Abtheilungen  getheilt  werden,
sowie  die  Feststellung  der  Wahlbezirke  für
die  ersten  Wahlen  zum  Ht  der  Abgeordneten
  in  den  durch  die  Ertze  vom  20.  September
  und  24.  Dezember  1866.  mit  der  Preußischen
  Monarchie  vereinigten  Landestheilen,
nebst  Verzeichniß  der  Wahlbezirke,  Wahlorte
und  der  in  den  einzelnen  Bezirken  zu  wählenden
  Anzahl  von  Abgeordneten.

 

91.

99.

99.

110.

93.

94.

92.

6819.

6846.

6884.
(mit  Anl.)

6822.

6826.

6820.

 

 

1473-1480.

1573-1576.

1577-1580.

1527.

1709-1730.

1497-1508.

1513-1514.

1482-1495.
        <pb n="41" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
u

1
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des
Stuͤcks.

Nr.

des
Gesetzes.

Seite

 

1867.
14.  Septor.

16.

 

1867.
23.  Septbr.

23.

20.

21.

16.  Oltbr.

20.  Sertbr.

 

Verordnung,  betreffend  die  Ausdehnung  der
Wirksamkeit  der  durch  Verordnung  vom  I7.
anuar  1808.  errichteten  Nassauischen
rand--  Assekuranzanstalt  zu  Wiesbaden
  auf  den  Kreis  Biedenkopf  und  die
Ortsbezirke  Rödelheim  und  Niederursel  (früher
Großherzoglich  Hessischen  Antheils).

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Aufstellung  der

Grlisten  der  Geschworenen  in  den  leihiten

  Hannover  und  Schleswig  Holein.


Verordnung  wegen  Regulirung  der  Holz-  und
Kohlennutzungen  der  Einwohner  des  Oberharzes.


Verordnung,  betreffend  die  Schließung  mehrerer
in  den  neuen  Landestheilen  bestchenden  Staatsdiener-Wittwen
  und  Waisenkassen.

Verordmung,  betreffend  die  Balässikket  des  Rechtsweges
  und  die  Anwendung  der  Gesetze  vom
8.  #pril  1847.  über  das  Verfahren  bei  Kombetenftonflitten
  zwischen  den  Gerichten  und

erwaltungsbehörden  und  vom  13.  Februar
1854.  über  die  Konflikte  bei  gerichtlichen
Verfolgungen  wegen  Amts-  und  Diensthandlungen
  in  den  durch  die  Geste  vom  20.  September
  und  24.  Dezember  1866.  der  Monarchie
einverleibten  Landestheilen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Uebermeisun
des  vormals  Kurhessischen  Staatsschatze
an  den  kommunalständischen  Verband  des  Regierungsbezirks
  Kassel.

Privilegium  zur  Ausgabe  auf  den  Inbaer  lautender
  Obligationen  zum  Betrage  von
Einer  Million  Thaler  Seitens  der  ans.
scdsschen  Kupferschiefer  bauenden  Gewerkaft.



Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Gesetbes
  wegen  Ausstellung  von  Papieren,
welche  eine  Zahlungsverpflichtung  an  jeden
Inhaber  enthalten,  vom  17.  Juni  1833.  in
die  durch  die  Gesetze  vom  20.  September
und  24.  Dezember  1866.  der  Preußischen
Monarchie  einverleibten  Landestheile.

 

97.

97.

102.

104.

94.

95.

112.

94.

6839.

6854.

6893.

6828.

 

1551.

1552.

1621-1632.

1646-1647.

1515-1518.

1528.

1749-1755.

1518-1519.
        <pb n="42" />
        XLII

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
zu

Berlin.

JInh  a  l  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
17.  Septbr.

20.  —

20.  —

20.  —

22.  —

1867
20..  Septbr.

26.  —

30.  —
30.  —

12.  Oktbr.

22  Septbr
22.

23.  —

26.  —

12.  Oktbr.

24.  Septbr.

 

 

Bekanntmachung  der  Ministerial-  Erklärung),  betreffend
  die  Uebereinkunft  mit  Hamburg
wegen  Besteuerung  gewisser,  auf  Banko-Valuta
lautender  Wechsel.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Fortsetzung  des
Spiels  der  Lotterie  zu  Frankfurt  a.  M.
Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Stempelabgabe
  von  Konzessionen  u.  s#  w.  in  den
Regierungsbezirken  Kassel  und  Wiesbaden.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Aufhebung
der  Schiffahrts-Abgabe  in  den  Herzogthümern
  Holstein  und  Schleswig.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Aufhebung  der
den  Studirenden  aus  den  Herzogthümern
Holstein  und  Schleswig  obliegenden  Verpflichtung
  zu  einem  zweijährigen  Studium  auf
der  Universität  in  Kiel

Verordnung  über  die  Polizeiverwaltung  in
den  neu  erworbenen  Landestheilen.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  im
Westrheinischen  Theile  des  Regierungsbezirks
Coblenz  geltenden  Gesetze  in  dem  vormals  Hessen-Homburgischen
  Oberamte  Meisenheim.

Verordmuh  betreffend  die  kommunalstän-=dische
  Verfassung  im  Gebiete  des  Regierungsbezirks
  Kassel.

Verordnung,  betreffend  das  Verfahren  bei  den
Wahlen  zum  Kommunallandtage  des
Regierungsbezirks  Kassel.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  endgültige
Erledigung  der  Beschwerden  über  polizeiliche

Beschränkungen  der  Vereinigung  oder  Zersplitterung

  von  Bauerhöfen  in  der  Provinz

Hannover  durch  den  Oberpräsidenten.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Aufhebung  der
Lippeschiffahrts-Abgaben.

Verordnung,  betreffend  die  exekutivische  Beitreibung
  der  direkten  und  indirekten  Steuern  und
anderer  öffentlicer  Abgaben  und  Gefälle,
  Kosten  2c.  Seitens  der  Verwaltungs.
behörden  in  den  durch  die  Gesetze  vom
September  und  24.  Dezember  1866.  mit  der
Preußischen  Monarchie  vereinigten  neuen  Landestheilen,
  nebst  Exekutionsgebühren-Tarif.

 

 

94.

100.

104.

105.

111.

96.
96.

97.

97.

111.

98.

6829.

6835.

6836.

6838.

6851.

6890.

 

 

1520.

1611.

1651-1652.

1667.

1743.

1529-1533.

1534-1536.

1537-1545.

1546-1550.

1612.

1744.

1553-1568.
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        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XLIII

 

Datum
des
Gesetzes  ꝛc.

Ausgegeben

zu
Berlin.

Nr.
des
Stücks

Ir
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.
——

2  —

1867.
25.  Septbr.

25.  —

26.  —

26.  —

28.  —

28.  —

 

 

Verordnung,  betreffend  die  Errichtung  eines
-  Konsistoriums  in  Wiesaden.


Verordnung,  betreffend  die  Errichtung  von  Provinzial-Schulkollegien
  und  Medizinal-Tollegien
  für  die  neu  erworbenen  Landestheile.


Verordnung,  betreffend  die  Auflösung  des  Hauses
der  Abgcordneten.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Reulativs
  über  die  Beschäftigung  sugendllcher
Arbeiter  in  Fabriken  vom  9.  N  rz  1839.,
und  des  dasselbe  abändernden  Gesetzes  vom  16.
ai  1853.,  in  die  neu  erworbenen  Landestheile.


Verordnung,  betreffend  die  provinzialständische
  #rrassteng  im  Gebiete  der  Herzogthümer
  Schleswig  und  Holstein.

Verordnung,  betreffend  die  Organisation  der
Kreis-  und  Distriktsbehörden,  sowie  die
Kreisvertretung  in  der  Provinz  Schleswig-Holstein,
  nebst  Verzeichnissen  .  der  Kreise  in
der  Provinz  Schleswig-Holstein  und  B.  der  im
Stande  der  Städte  auf  den  Kreistagen  in
Schleswig-Holstein  vertretenen  Städte  und
Flecken.

Verordnung,  betreffend  die  Landgemeinde-Verfassungen
  im  Gebiete  der  Herzogthümer
Schleswig  und  Holstein.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen
  Kriegsleistungsgeseße  in  den  durch
die  Gesetze  vom  20.  September  1866.  und
vom  24.  Dezember  1866.  mit  der  Preußischen
Monarchie  vereinigten  Landestheilen.

Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Gesetzes
  über  die  privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs-
  und  Wirthschaftsgenossensch
  asafn  vom  27.  März  1867.  (Ge  Samml.
S.  501.)  in  die  Herzogthümer  Holstein  und
Schleswig.

Verordnung,  betreffend  die  Provinziallandschaften

  im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs
  Hannover.

 

99.

99.

99.

99.

102.

102.

102.

6855.

6956.

6857.

 

6842.

 

6.

1669-  1570.

1570—1571.

1571.

1572.

1581-1586.

1587-1602.

1603-1610.

1632-1633.

16341635.

1635-1636.
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        XLIV

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  r2c.

Ausgegeben
u

3
Berlin.

I

in  h  a  l  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
22.  Septbr.

22.

22.

22

22.

23.

23.

 

1867.
29.  Septbr.

29.

29.

30.

30.

12.  Oktbr.

27.  Septbr.

27.

 

Verordnung,  betreffend  die  Verwaltung  des
vormals  Kurfürstlich  Hessischen  Hausschatzes.


Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  auf
die  Bestur  vong  der  Eisenbahnen  besäglicen
  Gesetze  vom  30.  Mai  1851.,  21.  Mai

859.  und  16.  März  1867.  in  den  neuen
Landestheilen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Abstandnahme
von  einer  anderweiten  Veranlagung  der
Klassen-,  klassifzirten  Einkommen-  und
Gewerbesteuer  in  den  mit  der  Monarchic
vercinigten  neuen  Landestheilen  für  das  Jahr

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verpflichtung
der  Stadtgemeinden  in  den  neu  erworbenen
  Landestheilen  zur  Besetzung  der  besol.
deten  städtischen  Unterbedientenstellen  mit  versorgungsberechtigten
  Militair-Invaliden.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Entbindung
der  Betheiligten,  welche  aus  Veranlassung  der
durch  die  Vereinigung  des  Königreichs  Hannover
  mit  der  Preußischen  Monarchie  erfolgten
Veränderung  des  Lehneherrn  die  Lehnserneuerung
  nachzusuchen  haben,  von  Erfül-Lung
  dieser  Verpflichtung  unter  Erlaß  der  damit
verbundenen  Förmlichkeiten  und  Kosten.

Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend
den  Bau  und  Betrieb  einer  Zweig-Eisenbahn
  von  Mülheim  am  Rhein  nach  Bergsch-Gladbach

  und  Bensberg,  sowie  einer
erbindungs.  Eisenbahn  von  Düsseldorf  nach

Neuß  nobst  fester  Rheinbrücke  bei  Hamm

oberhalb  Düsseldorf  durch  die  Bergisch-  Märkische

  Eisenbahngesellschaft,  und  einen  Nachtrag
  zum  Statut  der  letzteren.

Verordnung,  betreffend  die  Ausdehnung  der

Preußischen  Disciplinargesetze  auf  die

camten  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.


Verordnung)  betreffend  die  allgemeine  Regelung
der  Staatsdienerverhältnisse  in  den
neu  erworbenen  Landestheilen.

 

103.

103.

103.

105.

106.

III.

101.

101.

6859.

6860.

6862.

6873.

6876.

6891.

6852.

6853.

 

1638  -1639.

1639-1640.

1667-1668.

1676.

1745-—1747.

1613-1618.

1619-1620.
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        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
bes

Gesetzes  rc.

Ausgegeben

s
Berlin.

Inhalt.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.
23.  Septbr.

25.

26.

 

1867.
29.  Septbr.

30.

16.  Oktbr.

30.  Sepibr.

16.  Oktbr.

30.  Septbr.

30.

 

Verordnung,  den  Betrieb  stehender  Gewerbe
in  den  ogthümern  Schleswig  und  Holstein
  bchreson

Verordnung,  betreffend  die  Heranziehung  der
Staatsdiener  zu  den  Kommunal.  Auflagen
  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.

Statut  für  die  Genossenschaft  zur  Entwässerung
  der  Grundstücke  oberhalb  der  Kontnomühle,
  im  Kreise  Mogilno  des  Regierungsbezirks
  Bromberg.

Verordnung,  betreffend  die  Errichtung  eines  cvan-Felisch
  -lutherischen  Konsistoriums  in  Kiel.

Konzessions-  und  Asstätigungs-Urkunde  betreffend
den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von
Nordhausen  in  der  Richtung  nach  Northeim
durch  die  Magdeburg-  Köhhen=  HalleKeidsiger
Etzenbahngesellsaft  und  den  sechsten  Nachtrag
zum  Statut  der  letzteren.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Grundsätzc,  nach
welchen  bei  der  Vermögens-Auseinandersetzung
der  Stadtgemeinde  Frankfurt  a.  M.  mit
dem  Staate  in  Betreff  der  Kriegsleistungen
und  Lasten  verfahren  werden  soll.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Revenüen  des
Kurhessischen  Hausschatzes.
Verordnung,  betreffend  die  Kreisverfassung
im  Gebiete  des  Regierungebezirks  Wiesaden.


Verordnung,  betreffend  die  Einrichtung  einer
kommunalständischen  Verfassung  im  Regierungsbezirke
  Wiesbaden,  mit  Ausschluß
des  Stadtkreises  Frankfurt  a.  M.

Verordnung,  betreffend  das  Zeitungs-Kautionswesen
  in  den  durch  das  Gesetz  vom
20.  September  1866.  und  die  beiden  Gesetze
vom  24.  Dezember  1866.  mit  der  Monarchie
vereinigten  Landestheilen,  mit  Ausnahme  des
vormaligen  Oberamtsbezirks  Meisenheim  und
der  Enklave  Kaulsdorf.

Verordnung,  betreffend  eine  Ergänzung  der  Verordnung
  vom  29.  März  1867.  über  den  Betrieb
stehender  Gewerbe  im  vormaligen  Königreich
  Hannover.

"

 

103.

104.

112.

106.

112.

107.

107.

105.

105.

105.

 

6861.

6865.

6894.

6874.

6895.

6878.

6879.

6867.

6868.

6870.

 

1641-1644.

1648-1651.

1756-1758.

1669-1670.

1759-1764.

1684.

1653-—1659.

1659-1663.

1663-1664.

1665.
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        XLVI

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des

Gesetzes  2c.

Ausgegeben
zu
Berlin.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des

Gesetzes.

Seite.

 

1867.

26.  Septbr.

28.  —

29.  —

5.  Oktbr.

 

1867.
30.  Septbr.

25.  Oktbr.

30.  Septbr.

12  Oktbr.

21.  —

25.  —

30.  Septbr.

15.  Nopbr.

15.  —

2.  Deibr.

 

Verordnung,  betreffend  die  Aufhebung  der  auf
den  Großherzoglich  Hessischen  Verordnungen
vom  19.  März  1853.  beruhenden  Hundesteuer
und  Abgabe  von  Nachtigallen  als  Staatsabgaben
  und  die  Foobterhilung  derselben  als
Gemcindcabgaben  in  den  durch  das  Gesetz
vom  24.  Dezember  1866.  der  Preußischen
Monarchie  einverleibten  vormals  Großherzoglich
Hesssschen  Gebictstbeilen,  mit  Muoschluß  der
Landgrafschaft  Hessen-Homburg.

Statut  des  Verbandes  zur  Entwässerung
der  Niederungen  am  Masehnen?,  Faulen
und  Plötzen.  See,  im  reise  Angerburg  des
Regierungsbezirks  Gumbinnen.

Verordnung,  betreffend  die  Ablösung  der  Rcallasten,
  welche  dem  Domainenfiskus  im  vormal.
Königreich  Hannover  zustehen,  nebst  Tabelle.

Allerhécher  Erlaß,  betreffend  die  Ausführung  und
künftige  Verwaltung  der  Saarbrücken
Saargemünder  Eisenbahn,  als  einer
Zweigbahn  der  Saarbrücker  Staats-Eisenbahn.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  den  Uebergang
der  Post.  und  Kelegraphenverwaltung
an  den  Präsidenten  des  Staatsministeriums.

Ministerial-  Erklärung,  betreffend  die  Ausdehnung
  des  unter  dem  11.  Juni  1858.  mit  der
Kerlodlich  Sachsen-Koburg.  Gothaischen

egierung  über  die  gegenseitigen  Gerichtsbarkeitsv
  erhälitnimst  abgeschlossenen  Vertrages
  auf  die  neuen  Landestheile.

Verordnung  über  bürgerliche  Eheschließung
im  Gebiete  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover.


Statut  der  Wiesengenossenschaft  des  unteren
Wambachthales  im  Kreise  Neuwied.

Privilegium  wegen  Emission  auf  den  Inhaber
lautender  Prioritäts-Obligationen  dritter  Serie
der  Aachen  Mastrichter  Eisenbahnesellschaft

  im  Betrage  von  neunhundert
ausend  Thalern.

Verordnung,  betreffend  die  evangelischen  militair
  kirchlichen  Angelegenheifen  im  XlI.  Armeekorps.


 

105.

114.

11I.

113.

114.

108.

116.

116.

121.

6871.

6901.

6875.

6892.

6898.

6902.

6908.

6909.

6923.

 

 

1666.

1787-1795.

1670-1676.

1748.

1780.

1795-1796.

1685—1687.

1803-1807.

1808-1813.

1849-—1850.
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        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XLVII

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben
U

n
Berlin.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes

Seite.

 

1867.
14.  Oktbr.

 

1867.
9.  Novbr.

29.  —

25.  Oktbr.

25.  Novbr.

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung
der  fiskalischen  Vorrechte  an  die  Unternehmer
des  Baues  der  im  Kreise  Oschersleben  belegenen
Strecke  der  Chaussee  von  Hötensleben
über  Ohrsleben  und  Wackersleben,  im  Kreise
Neuhaldensleben  des  Regierungsbezirks  Magde-4
  nach  Hamerslehen.  im  Kreise  Oscherseben.


Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung
der  fiskalischen  Vorrechte  an  die  Gemeinden
Daaden,  Biersdorf,  Niederdreisbach  und  Schutzbach
  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer
Gemeinde-Chaussee  von  Daaden  über  Biersdorf
  und  Niederdreisbacher  Hütte  bis  zur
Betzdorf  Neunkirchener  sogenannten  Heller-Bezirksstraße
  bei  Alsdorf,  im  Kreise  Altenkiren
  Regierungsbezirk  Coblenz.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
üökalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die
nterhaltung  einer  Chaussec  von  Recklinghausen

  über  Herten  und  Westerholt  nach
Buer,  im  Kreise  Recklinghausen,  Regierungsbezirk
  Münster.

Bestätigungs=  Urkunde,  betreffend  eine  Aenderung
des  Statuts  der  Berlin=  Hamburger
Eisenbahngesellschaft.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die
Unterhaltung  einer  Gemeinde-Chaussee  von
Reinsport  über  Geyersley  nach  Wintrich
im  Kreise  Bernkastel,  Regierungsbezirk  Trier.

Bekanntmachung  der  Ministerial-  Erklärung  vom
28.  September  1867.,  betreffend  die  Ausdehnung
  des  unter  dem  1I.  Juni  1858.  mit  der
Heckoglich  Sachsen-Koburg.-  Gothaischen
Regierung  über  die  gegenseitigen  Gerichts-.
barkeitsverhältnisse  abgeschlossenen  Vertrages
  auf  die  neuen  Landestheile.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Vereinigung
des  landräthlichen  Kreises  Wetzlar  in  Becziehung
  auf  die  Verwaltung  der  Zölle  und  der
indirekten  inneren  Steuern  mit  dem  Verwaltungsbezirke
  des  Provinzial-Steuerdirektors
in  Cassel.

 

115.—

115.

115.

116.

119.

114.

118.

6904.

6905.

6906.

6910.

6917.

6902.

6914.

 

 

1798.

1799.

1814-1815.

1833.

1796.

1825.
        <pb n="48" />
        XIVII

Chronologische  Uebersicht  des,  Jahrganges  1867.

 

Datum
des

Gesetzes  2c.

Ausgegeben
u

Berlin.

Inhalt.

Nr.

des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
21.  Oktbr.

21.

26.

 

1867.
29.  Novbr.

2.  Dezbr.

29.  Novbr.

5.  Dezbr.

5.

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der

fiskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Herford,
im  Regierungsbezirk  Minden,  in  Bezug  auf  den
Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreiss  haussee
von  Löhne  über  Beeck  und  Mennighüffen  bis
zur  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Tengern
und  einer  Zweig=  Chaussee  von  Mennighüffen
  bis  zur  Herford-Lübbecker  Kreis-Chaussee
  bei  Kirchlengern,  sowie  in  Bezug
auf  den  Bau  einer  massiven  Brücke  über  die
Werre  bei  dem  Bahnhofe  zu  Löhne.

Privilegimm  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber
lautender  Obligationen  der  Stadt  Weißenfels,
  Regierungsbezirk  Merseburg,  zum  Betrage
von  40,000  Thalern.

Ministerial-Erklärung,  betreffend  das  Außerkrafttreten
  der  zwischen  den  Niederlanden  und  dem
vormaligen  Königreich  Hannover  abgeschlossenen
Uebereinkunft  wegen  gegenseitiger  Auslieferung
  von  Verbrechern  und  deren  Ersetzung
durch  den  zwischen  Preußen  und  den  Niederlanden
  abgeschlossenen  bezüglichen  Vertrag  vom
17.  November  1850.  (Gesetz=  Samml.  für  1850.
S.  509.  ff.)  und  den  Jusabvertrag  vom  20.  Juni
1867.  (Gesetz  Samml.  für  1867.  S.  1219.  ff.)

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber
lautender  Obligationen  der  Stadt  Witten
berg,  Regierungsbezirks  Merseburg,  zum  Betrage
  von  50,000  Thalern.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  die  Gemeinden  GErof-Rottmersleben,
  Ackendorf  und  Klein--  Santersleben
  im  Kreise  Neuhaldensleben,  Regierungsbezirk
  Magdeburg,  in  Bezug  auf  den  Ha  und
die  Unterhaltung  einer  Gemeinde-Chaussee
von  Groß-  Rottmersleben  über  Ackendorf
  bis  zur  Neuhaldenelebener  Kreisgrenze  in
der  Richtung  auf  Gutenswegen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  die  Gemeinde  Walbeck,
im  Kreise  Gardelegen,  in  Bezug  auf  den  Bau
und  die  Unterhaltung  einer  Gemeinde-Chaussee
von  der  Weferlingen-Walbeck-  Schwanefelder
Chaussee  im  Orte  Walbeck  ab  nach  Helmstädt
  zu  bis  zur  Walbecker  Feldmarkgrenze.

 

119.

121.

119.

122.

122.

122.

 

6918.

6924.

6919.

6925.

6926.

6927.

 

1851-1856.

1835.

1857-1860.

1861.

1862.
        <pb n="49" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

XLIX

 

Datum

bes
Gesetzes  ꝛc.

Aukgegeben
U

4
Berlin.

JInhal  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesetzes.

Seite.

 

1867.
30.  Oktbr.

6.  Novbr.

16.

 

1867.
15.  Novbr.

26.

5.  Dezbr.

29.  Novbr.

20.  Dezbr.

9.  Novbr.

5.  Dezbr.

17.

21.  Novbr.

26.

 

Jat#s  1867.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Mlersächst  Genehmigung

  des  von  der  Bergbaugeseltschaft
Holland  zu  Wattenscheid  im  Regierungsbezirk
  Arnsberg  beschlossenen  dritten  Statutnachtrages
  wgg  Abänderung  und  Ergänzung
des  Artikels  20.  des  Statuts.

Statut  des  Königlich  und  Fürstlich  Aufhalter
Deichverbande#s.  5

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  die  Kreise  Minden  und
Herford  in  Bezug  auf  den  Bau  und  die  Unteraltung

  einer  Kreis=  Chaussee  von  Oeynhausen,
  im  Kreise  Minden,  über  Exter,  im
Kreise  Herford,  bis  zur  Landesgrenze  in  der
Richtung  auf  Salzuffeln  im  Fürstenthum  Lippe-Detmold.


Statut  für  den  Verband  zur  Melioration  der
Wiesen  und  Weiden  in  den  Ochsenkämpen  zu
Asseln,  im  Kreise  Dortmund.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  in  Bezug  auf  den  Bau
und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee  von
Wiehe  nach  Reinsdorf  anden  Kreis  Eckartsberga,
  im  Regierungsbezirk  Merseburg.

Verordnung  wegen  Einberufung  der  beiden  Häuser
des  Landtages  der  Monarchie.

Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  den  Vierten  Nachtrag
  zum  Statut  der  Nei  sse.  Brieger  Eisenbahngesellschaft,
  nebst  Nachtrag.

Privilegium  wegen  Emission  von  Prioritäts-Obligationen
  der  Neisse-Brieger  Eisenbahn
  9  sellschaft  zum  Betrage  von  zweimalhundertfunfzig
  Tausend  Thalern.

Verordnung)  betreffend  die  Organisation  der  oberen
Harzverwaltung  in  der  Provinz  Hannover.


Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Vertheilun  des
eigenthümlichen  Fonds  des  landschaftlichen  Kreditvereins
  der  Provinz  Posen.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Genehmigung
mehrerer  Je  zu  dem  Revidirten  Reglement
der  Pommerschen  Landschaft  vom  26.  Oktober

  1857.

 

116.

118.

122.

119.

125.

115.

122.

122.

123.

117.

118.

 

6911.

6915.

6928.

6920.

6941.

6903.

6929.

6930.

6931.

6913.

6916.

1815.

1826-1831.

1863.

1836-1840.

1913.

1797.

1864-1866.

1867-1872.

1873-1874.

1824.

1831-1832.
        <pb n="50" />
        L

Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

 

Datum
des
Gesetzes  rc.

Ausgegeben

zu
Berlin.

In  h  a  l  t.

Nr.
des
Stücks.

Nr.
des
Gesehzes.

Seite.

 

1867.
16.  Novbr.

18.

22.

22.

22.

25.

 

1867.
17.  Dezbr.

29.

30.  Novbr.

30.

17.  Dezbr.

 

Bestaätigungs  ·  Urkunde,  betreffend  einen  Nachtrag
um  Statut  der  Stargard-Posener  Eisenbehagesellschaft.


Bokanntmachuny  der  Ministerial-  Erklärung  vom
25.  Oktober  1867.,  betreffend  das  Außerkrafttreten
  der  zwischen  den  Niederlanden  und  dem
vormaligen  Königreich  Hannover  abgeschlossenen
Uebereinkunft  wegen  gegenseitiger  Auslie.

(ferung  von  Verbrechern  und  deren  Ersetzung
  durch  den  zwischen  Preußen  und  den
Niederlanden  abgeschlossenen  bezüglichen  Vertrag
  vom  17.  November  1850.  “#tt
für  1850.  S.  509.  ff.)  und  den  Zusagvertra
vom  20.  Juni  1867.  (Gesetz  Samml.  für  1867.
S.  1219.  ff.).

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verliihung  der
siskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Insterburg,
Regicrungsbezirk  Gumbinnen,  in  Bezug  auf
den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Preis.
Chaussee  von  Insterburg  über  Neu-Stobingen,
  Trakinnen  und  Kummetschen  nach

Karalene.
Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den
es

haber  lautender  Kreis-Obligationen

msterburger  Kreises  im  Betrage  von  38,600

I
Thalern  II.  Emission.

Allerhöchster  Erlaß  nebst  Tarif,  nach  welchem
das  städtische  Hafen-,  Bohlwerks-  und
Brücken-Aufzugsgeld  in  Stettin  ferner
zu  erheben  ist.  .

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Ermäßigung
der  in  den  Pommerschen  Häfen  zu  enkrich
tenden  Hafen-  und  Schiffahrtsabgaben.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Genchmigung
des  revidirten  Regulativs  über  die  Beleihung
des  nicht  inkorporirten  ländlichen  Grundeigenthums
  im  Bereiche  der  Schlesischen  Landschaft,
  nebst  Revidirtem  Regulativ.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Regelung  der
Disziplinarstrafgewalt  der  Universitäten
Kiel  und  Marburg.

Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhgeet
lautender  Kreis-Obligationen  des  Meseritzer
  Kreises,  im  Regierungsbezirke  Posen,
im  Betrage  von  30,000  Thalern.

 

123.

119.

124.

124.

120.

120.

123.

123.

 

6932.

6919.

6937.

6938.

6921.

6922.

6933.

6934.

6942.

 

1874-1875.

1836.

1905.

1906-1909.

1841-1847.

1847-1848.

1876-1901.

1902.

1914-1917.
        <pb n="51" />
        Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.

LI

 

Datum
des
Gesetzes  2c.

Ausgegeben

zu
Berlin.

In  hal  t.

Nr.
des

Stücks.  Gesetzes.

Nr.
des

Seite.

 

1867.
25.  Novbr.

26.

27.

27.

27.

29.

2.  Dezbr.

1867.
24.  Dezbr.

29.

31.

31.

31.

20.

 

 

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  den  Bau  einiger
Chausseen  im  Kreise  Höxter,  Re  icrungs
bezirk  Minden,  und  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  an  den  gedachten  Kreis.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Steinfurt,
Regierungsbezirk  Münster,  in  Bezug  auf  den
Bau  und  die  Unterhaltung  einer  o#usser
von  Metelen  bis  zur  Grenze  des  Kreises
Ahaus  in  der  Richtung  auf  Doodts  Kotten.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  den  Wegfall  von
Schiffahrts-Abgaben  bei  den  Hebestellen
zu  Rothebude  und  Platenhof.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  den  Bau  und  die
Unterhaltung  einiger  Chausseen  im  Krreise
Cabiau,  Regierungsbezirk  Königsberg,  und
die  Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte  an  den
gedachten  Kreis.

Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber
lautender  Kreis-Obligationen  des  Labiauer
  Kreises  im  Betrage  von  152,000  Thalern.

Bekanntmachung,  betreffend  die  landesherrliche
Genehmigung  eines  Zusatzes  zu  Artikel  39.  der
Verfassung  der  Berlinischen  Lebensversicherungs
  -Gesellschaft,  sowic  eine  Abänderung
  des  Allerhöchsten  Erlasses  vom  31.  Mai
1862.  (Gesetz.  Samml.  1862.  S.  213.)

Konzessions-  und  Bestätigungs  Urkundel  betreffend
den  Bau  und  Betrieb  einer  Zweigbahn  vom
Bahnhofe  Stolberg  der  Rheinischen  Eisenbahn
in  das  Stolberger  Thal,  an  dem  neuen  Etablissement
  der  Spiegelmanufaktur  am  Schnorrenfeld
  enilang  bis  zum  Binsfelder  Hammer,
  durch  die  Rheinische  Eisenbahngesellschaft,
  sowie  einen  Nachtrag  zum  Statute
  der  letzteren.

Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung

  eines  Nachtrages  zu  dem  Statute

der  Ponterschen  Hypotheken-Aktienbank
  zu  Cöslin.

Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Genehmigung
der  von  dem  Generallandtaße  der  Westpreußischen
  Landschaft  beschlossenen  Zusätze  zu
dem  Revidirten  Landschafts-Reglement  vom
25.  Juni  1851.

 

126.

127.

128.

128.

128.

123.

124.

123.

125.

 

6947.

6950.

6951.

6952.

6953.

6935.

6939.

6936.

6943.

1926-1927.

1932.

1933.

1934.

1935-1939.

1903.

1910-1912.

1918.
        <pb n="52" />
        LI  Chronologische  Uebersicht  des  Jahrganges  1867.
Datum  usgegeben  Nr.  Nr.
bes  zur  In  h.al  t.  des  desSeite.
Gesetzes  2c.  Berlin.  Stücks.Gesetzes.
1867.  1867.
7.  Dezbr.20.  Dezbr.  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Ge.l  6944.  1919.

21.

23.
23.

&amp;amp;#O######

nehmigung  des  zweiten  Statutnachtrages  der

„Steinkoh  enbergbau-  Aktiengesellschaft  Voll.

mond.=—

  24.  —  Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Genehmigung426.  6948.1927-1928.

von  Zusätzen  zu  dem  Reglement  der  landshalsg

lichen  Feuer-Versicherungsgesellschaft

für  Westpreußen.

—188.  —  Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  eine  Abeinderung  124.  6940.  1912.

des  Reglements  für  die  Feuersozietät  de  6

platten  Landes  von  Altpommern.

—  120.  —  Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Aufhebung  der  6945.  1820.

Ruhrschiffahrts-Abgabe  vom  1.  Januar
ab.

—  31.  —  Allerhöchster  Erlaß,  betreffend  die  Mufhebung  der1  6954.  1940.
Königlichen  Polizeidirektionen  zu  Osnabrück

  und  Hildesheim.
—  24  —esetz,  betreffend  die  Stempelsteuer  von  126.  6946.1921-1926.
Spielkarten.

—  29  —esetz,  betreffend  die  Mhhäffe  des  in  den  Regie  127.  6949.1929-1931.
rungsbezirken  Königsberg  und  Gumbinnen

herrschenden  Nothstande.

 

 

 

 

 

Berichtigungen.

Im  Jahrgange  1867:
396.  Zeile  6.  v.  o.  ist  statt  =  Hamburger=  zu  lesen:  Homburger=511.
  in  der  letten  Zeile  des  §.  39.  ist  statt  -Liquidatione  zu  lesen:  =  Ciqguidatorene.
678.  im  Art.  24.  Zeile  4.  v.  u.  ist  statt  #am  Zahlungstage=  zu  lesen:  Srlam,  Zahlungsorte-.
727.  Zeile  3.  der  Ueberschrist  ist  statt  4.  Mals  zu  lesen:  4.  März.
1008.  Zeile  13.  v.  o.  ist  statt  „Anspruches-  zu  lesen:  „Ausspruches  :-.
1193.  Jeile  9.  v.  u.  ist  statt  -3.  Märze  zu  lesen:  "2.  Märze.
1210.  Jeile  8.  v.  o.  ist  statt  „Gebrauch  von  einer  2c.  zu  lesen:  „-Gebrauch  vor  einer  2c.t
1291.  Zeile  4.  v.  o.  ist  statt  =  Depositionsscheine  zu  lesen:  =  Dispositionsscheine
1327.  t  Zeile  1.  v.  u.  ist  statt  des  Herzogthums  Schleswig  =  zu  lesen:  =  des  Herzogthums
olstein.

 

Redigirt  im  Böreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober=  Softuchdrucker#
(R.  v.  Decker).
        <pb n="53" />
        Sachregister
zur  Gesetz-Sammlung.

Jahrgang  1867.

A.

Aachen-Eupener  Straße,  s.  Cbhausseen  Nr.  36.
Aachen-Mastrichter  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  1.

Abgaben,  Abgabe  von  Eisenbahnen,  welche  nicht  im  Besite
  des  Staats  oder  inländischer  Aktiengesellschaften  sich
befinden  (G.  v.  16.  März)  465—  468.  —  Einführung  der
Preußischen  Gesetze  über  die  Abgabe  von  Eisenbahnen  in
die  neuen  Landestbeile  (V.  v.  22.  Sept.)  1639—  1640.  —
Exekutivische  Beitreibung  dieser  Abgabe  im  administrativen
  Verfahren'  (V.  v.  22.  Sert.  §.  1.  Nr.  1.  d.)  1554.

Verfahren  bei  Zuwiderbandlungen  gegen  die  Vorschriften
  über  die  Entrichtung  öffentlicher  Abgaben  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  .  477  —  45.)  1043.
(V.  v.  29.  Juli  §.  5.)  1266.  (V.  v.  29.  Juli  S.  5.)  1269.
(V.  v.  29.  Juli)  1270—1276.  —  Verjährung  solcher  Vergehen
  und  Uebertretungen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XI.)  927.
—  Die  darauf  bezüglichen  Strafbestimmungen  bleiben  in
Kraft  (ebend.  Art.  VI.  Nr.  )  926.

Exekutivische  Beitreibung  der  öffentlichen  Abgaben
Seitens  der  Verwaltungsbehörden  in  den  neuen  Landestdeilen
  (V.  v.  22.  Sept.)  1553—  1568.

s.  auch  Salzabgabe,  Steuern.

Abgeordnete:

1)  zum  Landtage,  Zahl  und  Wahl  derselben  in  den
neuen  Landestheilen  (G.  v.  17.  Mai)  1481.  —  Feststellung
  der  Wahlbezirke  (V.  v.  14.  Sept.)  1482  bis
1495.  —  Auflösung  des  Hauses  der  Abgeordneten
(V.  v.  22.  Sept.)  1571.

Johrgang  1867.

A.

Abgeordnete,  (Fortf.)

2)  Abgeordnete  zum  Provinziallandtage  für  Hannover
  (V.  v.  22.  Aug.  &amp;amp;.  3—9.  21.)  1349.  —
desgl.  für  Schleswig  un  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.
K&amp;amp;.  3—  11.  23.)  1581.

Abgeordnete  zum  Kommunallandtage  in  Kurbessen
  (V.  v.  20.  Sept.  #.  3.  ff.)  1538.  —  Verfahren
  bei  den  Wahlen  derselben  (V.  v.  20.  Sept.)
1546—1550.  —  Abgeordnete  zum  Kommunallandtage
  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  26.  Sept.
S.  5—7.)  1660.

Abgeordnete  zu  den  Kreistagen  im  Regierungsbezirk
  Kassel  (V.  v.  9.  Sept.  S.  16—21.  33.)  1477.
—  desgl.  in  der  Provinz  Hannover  (V.  v.  12.  Sept.
S&amp;amp;  21  —25.  37.)  1501.  —  desgl.  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  S§  19—26.)  1591.—  desgl.
im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  26.  Sept.
S.  17.)  1656.

5)  Abgeordnete  zum  Reichstage,  s.  Reichstag.

3

S

—

Ablösung  der  Reallasten,  Einflut  dieses  Verfahrens

auf  die  Ermittelung  und  Feststellung  der  Grundsteuer  (G.
b.  8.  Febr.  S#.  33.  36.  37.)  197.

Ablösung  der  Domainengefälle  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  5.  Juli  &amp;amp;#.  1.  3.)  1182.

Ablösung  der  Servituten  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum
  Hessen  (V.  v.  13.  Mai)  716—726.  —  deêgl.
in  den  vormals  Bayerischen  und  Großherzoglich  Hessischen
Gebietstheilen  (V.  v.  2.  Sept.)  1463—1464.

a
        <pb n="54" />
        2  Sachregister.

Ablösung,  (Forts.)

Ablösung  von  Diensten  und  Gewerbsberechtigungen,
Stempelfreiheit  der  darauf  bezüglichen  Verhandlungen  in
Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli  K.  3.  c.)  1192.
—  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.
K.  3.  c.)  1278.  r

Ablösung  der  Reallasten,  welche  dem  Domainenfiskus
in  Hannover  zustehen  (V.  v.  28.  Sept.)  1670—1676.

Abschätzung,  s.  Taxe.

Abschied,  Stempel  zum  Abschied  der  Oberoffjziere  und
besoldeten  Beamten  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.
7.  Aug.  Nr.  58.)  1302.

Abschriften,  Stempel  zu  Abschriften  in  Hannover,  Kurhessen,

  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  19.  Juli  S§.  10.  11.  20.)  1195.—  desgl.
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  S§.  10.  11.
20.)  1282.  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  59.)  1302.

Gerichtskosten  und  Gebühren  für  Abschriften  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  30.  Aug.  S.  15.  A.  F.  23.)
1377.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Baherischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  §.  16.  A.)  1394.
—  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  K.  18.  A.)
1408.  —  desgl.  in  Hannover  und  Frankfurt  in  Strafsachen
  (V.  v.  30.  Aug.  K.  23.)  1419.

Abstlmmung,  kein  Mitglied  des  Reichstages  darf
wegen  seiner  Abstimmung  gerichtlich  oder  disziplinarisch
verfolgt  werden  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  30.)  825.

Aeccessisten,  Disziplinarverfahren  gegen  Acgcessisten  in
den  neuen  Lanbestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  III.)  1614.

Arcise,  Aufhebung  der  in  Frankfurt  a.  M.  als  Staatssteuer
  bestehenden  Accisen  in  Gerste,  Hafer,  Heu,  Stroh,
Wein  ꝛc.  (V.  v.  29.  Juni)  920.

Ackendorf  (Provinz  Sachsen),  s.  Chausseen  Nr.  24.

Acker,  Strafbestimmungen  gegen  unbefugte  Nachlese  auf
fremden  Aeckern,  Aufsammeln  von  Dünger,  Entwendung
von  Früchten,  Abdauen  von  Bäumen  2c.  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  S.  1.  Nr.  1.  u.  5;
Art.  III.  §.  2.  Nr.  2.  u.  3.)  923.

Ackergeräthschaften,  Strafe  für  unbefugten  Gebrauch
  fremder  Ackergeräthschaften  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  .  1.  Nr.  d.)  921.

Aèdel,  zur  Aenderung  eines  adeligen  Namens  und  zur
Annahme  adeliger  Prädikate  ist  Königliche  Genehmigung
erforderlich  (A.  E.  v.  12.  Juli)  1310.

Adelnau  (Provinz  Posen),  Ausfertigung  von  Odligationen
  des  Adelnauer  Kreises  im  Betrage  von  60,000
Thalern  zu  5  Prozent  (Priv.  v.  15.  Juli)  1330—1333.
—  /.  Sach  Chausseen  Nr.  18.

1867.

Adjudikationsbescheid,  Stempek  zu  demselben  in
Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  1.)  1204.
—  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  1.)  1289.

Gerichtskosten  für  die  Adjudikationsakte  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  30.  Aug.  §.  8.  Nr.  3.)  1371.—
desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  30.  Aug.  K.  8.  Rr.  4.)  1387.  —
desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  F.  9.  C.)  1401.

Administrative  Exekution  in  den  neuen  Landestbeilen
  zur  Beitreibung  der  Steuern,  Abgaben,  Gefälle
und  Kosten  2c.  (V.  v.  22.  Sept.)  1553  —  1568.  —
sl.  auch  Exekution.

Administratives  Strafverfahren  in  den  neuen

Landestheilen:

1)  in  Untersuchungen  wegen  Zoll-  und  Steuer-Defraudationen
  und  Kontradentionen  (Ordn.  v.  29.  Juli)
1270—1276.  (V.  v.  29.  Juli  6.  4.  5.)  1266.
(V.  v.  29.  Juli  .  4.  5.)  1269.  —  insbesondere:

a)  in  Untersuchungen  wegen  Defraudation  der
Branntweinsteuer  (V.  v.  11.  Mai  F.  72.)  650.

b)  der  Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  F.  41.)  660.
DDC)  der  Tabacksteuer  (V.  v.  11.  Mai  §.  28.)  666.

2)  bei  Stempeldefraudationen  (V.  v.  29.  Juli  F.  5.
lit.  b.)  1266.  (V.  v.  29.  Juli  §.  5.  lit.  b.)  1269.
—  Vergl.  auch  (V.  v.  19.  Juli  F.  21.)  1198.  (V.
v.  7.  Aug.  F.  21.)  1284.  —  insbesondere:

a)  beim  Kartenstempel  (V.  v.  4.  Juli  K.  23.)  1062.
b)  beim  Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli  F.  7.)  1064.
)  beim  Zeitungsstempel  (V.  v.  4.  Juli  .  6.)  1067.
4)  beim  Kalenderstempel  (V.  v.  5.  Juli  &amp;amp;.  4.)  1068.
a.)  bei  der  Erbschaftsabgabe  (V.  v.  5.  Juli  F.  10.)
1123.
s.  auch  Strafverfahren.

Adoption  von  Kindern  in  den  Herzogthümern  Schleswig
  und  Holstein,  Kompetenz  zur  Erledigung  der  Gesuche
und  zur  Bestätigung  der  Adoption  (A.  E.  v.  4.  Mai)
632.  (V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;#.  10.  21.  1.  Nr.  3.)  1075.—
desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  26.  Juni  §.  10.  I.  Nr.  3;  §.  25.)  1087.
—  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  726.  Juni  F.  10.  1.  Nr.  3;
5.  24.)  10906

Stempel  zu  Adoptionsverträgen  in  Hannoder,  Kurbessen,
  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  2.)  1204.  —  decßgl.  in
Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  2.)  1289.
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        Sachregister.

Advokaten  in  den  neuen  Landestheilen,  Funktionen  derlelben
  als  Vertheidiger  in  Untersuchungssachen  (Str.  P.
O.  §.  205.  Nr.  1;  §.  207.)  981.  —  Addvokaten  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  §.  29.  50.)
1079.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  dormals  Großherzoglich
  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  9#.  18.  34.)
1098.

Disziplinarverfabren  gegen  die  Advokaten  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  V.  S#.  68.  77.)
1615.—  Gebühren  derselben  für  die  Vertheidigung  des  Angeschuldigten
  in  Disziplinarsachen  (ebend.  Art.  VIII.)
1617.  —  (.  auch  Rechtsanwalte.

Aerzte  ,  Zuziehung  derselben  als  Sachverständige  bei
Untersuchungen  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
K.  153.  170.  178.  180.)  969.  —  Aerzke  find  wählbar
zu  Geschworenen  (ebend.  h.  274.  Schlußsatz)  997.

Gebühren  und  Reisekosten  der  Aerzte  in  gerichtlichen
Angelegenheiten  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  30.  Aug.
S.  17.)  1378.  (Regul.  S.  5.  B.)  1383.  —  desgl.  in  Kurbessen
  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.
v.  30.  Aug.  F.  18.)  1395.  —  desgl.  in  Nassau  und  den
dormals  Grozberzagli  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v
30.  Aug.  F§.  20.)  1408.  —  desgl.  in  Hannober  und
Frankfurt  a.  M.  in  Strafsachen  (V.  v.  30.  Aug.  F.  27.)
1420.

s.  auch  Gerichtsärzte,  Medizinalpersonen.

Aeußerungen,  kein  Mitglied  des  Reichstages  darf  wegen
der  in  Ausübung  seines  Berufes  gethanen  Aeußerungen
***  oder  disziplinarisch  verfolgt  werden  (Verf.  v.

24.  Juni  Art.  30.)  825.

Agilla  (Provinz  Preußen),  s.  Chausseen  Nr.  4.

Agnitions-Erkenntuiß,  Abfassung  desselben  in

Civilprozessen  in  den  neuen  tondesiheitn  Kurhbessen,
Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  K.  11.)

Akademische  Gerichtsbarkeit  der  Unidersitat  Goͤttingen
in  E’J  Strafsachen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  XV.  F.  5.)  9

Aufhebung  der  labemischen  Gerichtsbarkeit  der
Universität  in  Kiel  (V.  v.  26.  Juni  §.  8.)  1074.  —
desgl.  in.  Marburg  (V.  v.  26.  Juni  F.  23.)  1090.

s.  Universitäten.

Akkord  bei  Konkursen  der  Genossenschaften  (G.  v.  27.  März
8.  50.)  514

Abkten,  Einsicht  der  Untersuchungs-Aktei  von  Seiten  des
Vertheidigers  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
K.  209.)  962.  —  Mittheilung  derselben  an  die  Geschworenen
  (ebend.  K.  330.)  1008.

1867.  3

Aktenversendung,  Aufbebung  des  Rechtsmittels  der
Revision  durch  Aktenversendung  in  der  ehemaligen  Landgrafschaft
  Hessen-Homburg  (A.  E.  v.  1.  April.  Nr.  U.
VIII.)  495.

In  welchen  Fällen  eine  Versendung  der  Untersuchungsakten
  in  den  neuen  Landestheilen  zulässig  ist
(Str.  P.  O.  S.  72.)  951.

Aktien,  Stempel  zu  Aktien  in  Hannover,  Kurhessen,
Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  4.)  1204.  —  desgl.  in  Schleswig
und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  4.)  12  9.

Aktiengesellschaften  in  Schleswig  und  Holstein,  Eintraguüg
  der  ihnen  zugehörigen  Grundstäcke,  Rechte  und
Forderungen  in  das  Schuld=  und  Pfand-Protokoll  (V.
v.  5.  Juli  S#.  31  —  34.)  1140.  —  Konkurs  über  das
Vermögen  einer  Aktiengesellschaft  (ebend.  S§.  37.  45.)
1141.  —  Sonstige  Bestimmungen  (ebend.  S#  41—48.
56.  81.  85.)  1142.  —  Aktiengesellschaften,  bei  welchen
der  Gegenstand  des  Unternehmens  nicht  in  Handelsgeschäften
  besteht  (ebend.  §.  95—98.)  1153.

Verpflichtungen  der  Vorstände  don  Aktiengesellschaften
in  den  neuen  Landestheilen  hinsichtlich  der  Stempelverwendung
  (V.  v.  19.  Juli  S§.  24—26.)  1199.  (V.  v.
7.  Aug.  SS.  24—26.)  1285.

Aktuarien,  Disziplinarverfahren  gegen  Atuarien  der
Gerichte  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.
Art.  III.  V.  F.  61)  1614

Alimenten  =  Prozesse  in  den  neuen  Landestheilen
Kurhessen,  Nassau  2c.,  Gerichtsstand  der  Dienstboten,
Gesellen,  Lehrlinge  2c.  in  solchen  Prozessen  (V.  v.  24.  Juni

.  95.)  911.

Alleen,  Strafe  für  die  Beschädigung  der  Bäume  in
Alleen  und  für  die  Entwendung  don  Früchten  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  F.  2.
Nr.  1—3.)  924.

Alsdorf  (Rheinprovinz),  s.  Chausseen  Nr.  38.
Altenberg  (Rheinprovinz),  f.  Chausseen  Rr.  36.

Altersschwache  Personen,  Vernehmung  derselben  in
ihrer  Wohnung  bei  Untersuchungen  in  den  neuen  Landestheilen
  (Str.  P.  O.  S#.  143.  224.  225.  246.  Nr.  2.)
967.

Altmark,  Abänderung  einiger  Bestimmungen  der  Verordnung
  vom  1.  Juli  1859  wegen  Revision  des  Deichwesens
  in  der  Altmark  (A.  E.  v.  4.  Febr.)  227.

*“  Al.
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        4

Sachregister.  1867.
Altona  (Holstein),  Bestimmungen  über  die  Wechsel,

welche  auf  Altona  gezogen  und  in  Hamburg  oder  in

Altona  zahlbar  sind  (V.  v.  13.  Mai  .  7—13.)  671.—

Besteuerung  solcher  Wechsel  (Ueb.  v.  6.  Sept.)  1519.

Bestimmungen  über  Kauf=  und  Handelsgeschäfte,  desgl.
über  Schiffahrtsangelegenbeiten  in  Altona  (V.  v.  5.  Juli
.  54.  67.)  1144.

Dem  Handelsstande  in  Altona  und  Umgebung  bleibt
die  Rechnung  in  Mark  Banko  gestattet  (V.  v.  44.  Aug.
K.  1.)  1427.

Ausübung  der  landräthlichen  Funktionen  durch  den
Gemeindevorstand  und  den  Vorsteher  der  Königlichen
Polizeiverwaltung  in  Altona  (V.  v.  22.  Sept.  K.  2.)
1587.  —  Berathung  der  kreisständischen  Angelegenheiten
in  Altona  (ebend.  g.  23.)  1592.

Altona-Kieler  Eisenbahn,  #.  Eisenbahnen  Nr.  2.

Altpommern,  s.  Pommern.
Altwasser  (Schlesien),  Eisenbahn  nach  Dittersbach,

s.  Eisenbahnen  Nr.  16.

Amorttsatlon  eines  Wechsels  in  Schleswig  und  Holstein

  (V.  v.  13.  Mai  F.  4.)  670.  —  desgl.  in  dem  vormaligen
  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.  13.  Mai  K.  3.)
738.

Amt,  Zulassung  der  Bundesangehörigen  zu  öffentlichen

Aemtern  im  Bundesgebiet  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  3.)
819.  —  Annahme  eines  besoldeten  Staatsamtes  von
Seiten  eines  Reichstags-Mitgliedes  (ebend.  Art.  21.)
824.

Amtmann,  Befugnisse  desselben  in  Bezug  auf  die  Polizeiverwallung

  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  20.  Sept.
K.  5.)  1530.

Amtmänner  in  den  neuen  Landestheilen  können  jederzeit
  mit  Partegeld  in  den  Ruhestand  versetzt  werden  (V.
v.  23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Kompetenz  des  Amtmanns  in  den  Amtsbezirken  des
ehematigen  Herzogthums  Nassau  und  des  Amts  Homburg
  (V.  v.  22.  Febr.  §.  9.)  276.

Amtsbezleke,,  in  dem  ehemaligen  Herzogtbum  Nassau

und  dem  Amte  Homburg  (V.  v.  22.  Febr.  §.  9.)  276.
—  desgl.  in  der  Provinz  Hannober  (V.  v.  12.  Sept.
##  1.  2.  5.)  1497.

Amtsblatt,  in  welchen  Fällen  Vorladungen  des  Angeklagten

  in  den  neuen  Landestheilen  durch  das  Amtsblatt
bekannt  zu  machen  sind  (Str.  P.  O.  S#.  454.  463.  472.
476.)  1038.

Bekanntmachung  des  Gesellschaftsvertrages  einer
Aktiengesellschaft  in  Schleswig  und  Holstein  durch  das
Amteblatt  (V.  v.  5.  Juli  §§.  41.  97.  Nr.  1.)  1142.

Jede  Bezirksveränderung  der  Landgemeinden  in
Schleswig  und  Holstein  ist  durch  das  Amtsblatt  bekannt
zu  nachen  (V.  v.  22.  Sept.  S.  1.)  1603.

Amtseid,  s.  Diensteib.

Amtsgerichte,  Einrichtung  und  Kompetenz  derselben
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  §#.  11.
14—19.  34.)  1075.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni
1.  4—  .)  1085.  —  desgl.  in  Rassau  und  den  vormals
  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.
26.  Juni  6&amp;amp;.  1.  4—8.)  1094.

Funktionen  der  Amtsgerichte  in  Hannover  bei
Schließung  don  Civil-Ehen  (V.  v.  29.  Sept.  §#.  2—5.
7.  10.  11.)  1685.

Amtshauptmann,  in  der  Provinz  Hannover,  Befugnisse
  desselben  (V.  v.  12.  Sept.  §&amp;amp;.  2.  3.  6.)  1497.  —
insbes.  in  Bezug  auf  die  Polizeiverwaltung  (V.  v.  20.  Sept.
K.  5.)  1530.  —  Amtshauptleute  können  jederzeit  mit
Wartegeld  in  den  Rubestand  versetzt  werden  (V.  v.
23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Amtskaution,  anderweitige  Einrichtung  des  Amtskautionswesens
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
12.  Sept.)  1513—1514.

Amtsrichter  in  Hannover,  dieselben  haben  in  Untersuckungen
  die  Verrichtungen  des  Polizeirichters  wahrzunehmen
  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XV.  K.  4.)  930.  —
Disziplinarbefugnisse  der  Amtsrichter  in  Hannover
gegen  die  bei  den  Amtsgerichten  angestellten  Gerichtsvoigte
  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  V.  F.  60.  Nr.  3.)  1615.

Ernennung,  Funktionen  und  Gerichtsstand  der  Amtsrichter
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  S.  17.
bis  19.  39.)  1077.—  desgl.  in  Kurbessen  und  den  vormals
Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;#.  6—8.
32.)  1086.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni
&amp;amp;  6—S.  31.)  1096.

Amtsverfassung  in  der  Provinz  Hannover  (V.  v.
12.  Sept.)  1497—1508.

Angeklagter,  Vorladung,  Vernehmung  und  Verhaftung
bes  Angeklagten  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
S#.  218—223.  235—238.  ff.  300.  ff.)  984.  —  Verfahren
gegen  Angeklagte,  welche  die  Ruhe  und  Ordnung  bei  der
gerichtlichen  Verhandlung  verletzen  (ebend.  S.  189.)  978.—
Verfahren  beim  Ausbleiben  des  Angeklagten  (edend.
S#,  348—351.  363.  214.  216.  219.)  1013.  —  Zustellung
  des  Urtheils  an  den  Angeklagten  (ebend.  &amp;amp;#.  195.
267.  202.)  979.  —  Anfechtung  des  Urtheils  (ebend.
S#  368.  369.  374.  376.)  1018.  —  Wiedereinsetzung
des  Angeklagten  in  den  vorigen  Stand  (ebend.  88.  414
bis  417.)  1029.  —  Wiederaufnahme  der  Untersuchung
gegen  denselben  (ebend.  S§.  420.  421.)  1031.  —  Verfahrrn
  gegen  slüchtige  Angeklagte  (ebend.  &amp;amp;#  451—467.)
1038.

An-
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        Sachregister.

Anhalt-Dessau-Cöthen,  Theilnahme  des  Herzogthums
  am  Norddeutschen  Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  1.)  818.  —  dasselbe  führt  im  Bundesrath  eine
Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Sachsen
  2c.,  betr.  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich
  und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen
  Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801—1803.

Anklagekammern  in  den  neuen  Landestheilen,  Kompetenz
  und  Verfahren  derselben  (Str.  P.  O.  #.  16.  27.
42.  48.  55.  57.  75.  81.  ff.  111.  270.  407.  Nr.  2;
K.  411.  446.)  936.  —  besondere  Bestimmungen  für
Hannover  und  Frankfurt  a.  M.  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XV.
K  4;  Art.  XVII.)  930.

Anklageschrift,  Form  und  Inhalt  derselben  2c.  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  #.  76.  78.  86.  87.
90.  211.  218.  314.  354.  356.  358.  359.  362.  479.  480.)
952.

Anleihe,  s.  Bundesanleibe,  Staatsanleihe.

Aumeldungen  zur  Eintragung  in  das  Handelsregister
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  &amp;amp;#.  10  —19.)
1136.

Aupflanzungen,  Strafe  für  die  Beschädigung  derselben
in  den  neuen  Vandestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.
K.  2.  Nr.  3.)  9214.

Ansiedelung,  Feststellung  und  Fortschreibung  der  Grundsteuer
  bei  neuen  Ansiedelungen  (G.  v.  8.  Febr.  F.  35.)

198.

Stempelfreiheit  der  auf  die  Gründung  neuer  Anfiedelungen
  bezüglichen  Verhandlungen  in  Hannover,  Kurbessen,
  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Landestbeilen
(V.  v.  19.  Juli  K.  3.  d.)  1192.  —  desgl.  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  8.  3.  d.)  1278.

Anstalten,  Stempelfreiheit  der  öffentlichen  Anstalten
in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
  Landestheilen  (V.  v.  19.  Juli  K.  4.  a.)  1193.—
besgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  8.  4.  a.)
1279.

s.  auch  Armen-,  Arbeits-,
Kranken-,  Straf-Anstalten.

Anstellung  der  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen
(A.  E.  v.  17.  Janr.)  31.

Antrag,  Verfahren  in  den  neuen  Landestheilen  bei  Verbrechen
  und  Vergeben,  deren  Bestrafung  von  dem
trage  einer  Privatperson  abhängig  ist  (Str.  P.  O.  J#.  2.
67.  Nr.  3;  .  80.  506.)  933.  —  Zulässigkeit  der  Privatklage
  in  solchen  Fällen  (ebend.  S.  487.  Nr.  3;  5§.  488
bis  510.)  1046.

Besserungs-,

1867.  5

Anwalte  in  Kurhessen  und  den  vormals  Baherischen
Landestheilen  (V.  v.  26.  Juni  I&amp;amp;.  18.  35.)  1089.

Dizsziplinarverfahren  gegen  die  Anwalte  in  Hannover
  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  V.  8#6.  68.  77.)  1615.

Befugniß  der  Armenanwalte  zu  Frankfurt  a.  M.
in  Strafsachen  (V.  v.  30.  Aug.  F.  26.)  1420.

Anweisungen  (Assignationen),  Stempel  für  kaufmännische
Anweisungen  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  4.  Juli
K#.  1.  ff.  K.  2.  Nr.  3.)  1063.  —  desgl.  für  die  in
Hamburg  oder  Altona  zahlbaren  auf  Banko-Valuta  lautenden
  Assignationen  (Ueb.  v.  17.  Sept.)  1519.

Anzeige,  Verpflichtung  der  Behörden  und  Beamten  in
den  neuen  Landestheilen  zur  Anzeige  strafbarer  Handlungen
  (Str.  P.  O.  88.  59.  60.)  948.  —  Anzeige  von
Seiten  einer  Privatperson  lebend.  I#.  61.  443.)  918.

Anzeigeblätter  in  den  neuen  Landestheilen,  Erhebung
einer  Stempelsteuer  von  denselben  (V.  v.  4.  Juli  .  1.  ff.
K.  8.)  1168.

Anzünden,  Bestrafung  desjenigen,  welcher  in  den  neuen
Landestheilen  ohne  polizeiliche  Erlaubniß  Bülten,  Heidekraut,
  Torfmoore  2c.  anzündet  W.  v.  25.  Juni  Ant.  III.
K.  3.  Nr.  5.)  925.

Apothbeken,  Einführung  eines  neuen  Medizinalgewichts
(G.  v.  16.  März)  386.

Die  Beaufssichtigung  der  Apotheken  in  den  neuen
Landestheilen  gehört  zum  Ressort  des  Ministers  der
geistlichen  2c.  Angelegenbeiten  (V.  v.  13.  Mai)  667.

Appellation  im  Civilprozeß,  Bestimmungen  für  die
neuen  Landestheile  Kurbessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni
K.  1.  42  —  58;  ferner  §#g.  2.  87.  Nr.  5;  §H.  108.
109.)  897.

Appellation  in  Strafsachen,  s.  Berufung.

Appellationsgerichte,  Einrichtung  und  Zuständigkeit
des  Appellationsgerichts  für  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
26.  Juni  S§.  11.  16.  24—26.  34.)  1075.  —  desgl.  für
Kurbessen  und  die  vormals  Bayerischen  Gchietstheile
(V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;#.  1.  13—15.  27.)  1088.  —  desgl.
für  Nassau  und  die  vormals  Großherzoglich  Hessischen
Gebietstheile  (V.  v.  26.  Juni  Sh.  1.  13—  15.  26.)  1091.  —
Organisation  des  Appellationsgerichts  in  Celle  (V.  v.
17.  Aug.)  1358.

Kompetenz  der  Appellationsgerichte  in  den  neuen
Landestheilen  in  nicht  prozessualischen  Angelegenheiten
(V.  v.  27.  Juni  F.  2.  I.  Nr.  2.)  1104.

Appellationsgerichts-Präsidenten  (Näthe),  Anstellung
  derselben  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni
S.  24.  37.  39.)  1078.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni
&amp;amp;§  13.  30.  32.)  1088.  —  desgl.  in  Nassau  und  den
vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.
26.  Juni  §6.  13.  29.  31.)  1097.

Ar-
        <pb n="58" />
        6  Sachregister.

Arbeiter,  Gerichtsstand  der  Hand=  und  Fabrikarbeiter
in  Alimenten=  und  Entschädigungs-Prozessen  in  den  neuen
Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  rc.  (V.  v.  24.  Juni
5.  95.)  911

Bestimmungen  über  die  bei  dem  Bau  von  Eisenbahnen
  beschäftigten  Handarbeiter  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  19.  Aug.)  1426.

Beschäftigung  jugendlicher  Arbeiter  in  den  Fabriken
in  #en  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.)  1572.

Besugniß  der  Gewerbetreibenden  im  vormaligen
Königreich  Hannover  zur  Annahme  von  Arbeitern  (V.  v.
29.  März  F.  5.)  425.  —  desgl.  im  Amtsbezirke  Homburg
  (V.  v.  9.  Aug.  F.  3.)  1441.  —  desgl.  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  23.  Sepl.  K.  5.)  1641.

Arbeltsanstalten  (Arbeitshäuser),  Legate  an  bieselben
sind  in  den  neuen  Landestheilen  von  der  Erbschaftsabgabe
frei  (Tarif  v.  5.  Juli  Nr.  2.e.)  1127.  —  Stempelkfreiheit
  der  dortigen  Arbeitsanstalten  (V.  v.  19.  Juli
K.  4..  1193.  (V.  v.  7.  Aug.  F.  4.  c.)  1279.

Einsperrung  der  Landstreicher,  Bettler  und  Arbeitsscheuen
  in  Weslpreußen  in  ein  Arbeitshaus  (Regl.  v.
11.  Sept.  §.  3.  Nr.  1.  u.  4;  §.  21.  Nr.  2.)  1710.

Arbeitsscheue  in  Westpreußen,  Einsperrung  derselben
in  die  Besserungsanstalt  zu  Graudenz  (Regl.  v.  11.  Sept.
§.  3.  Nr.  1;  8.  11.  Nr.  2;  §.  13.)  1710.

Arenbergsche  Aktiengesellschaft  für  Bergbau  und  Hüttenbetrieb
  in  Essen,  Genehmigung  des  zweiten  Nachtrags
zum  Statut  (Bek.  v.  23.  März)  397.

Armen-Angelegenheiten,  Bestimmungen  über  die
Armenversorgung  und  Armenpflege  im  Gebiet  des  Norddeutschen
  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  3.)  819.

Legate  an  Gemeinden  und  Gutzherrschaften  zur
Verwendung  für  Ortsarme  sind  in  den  neuen  Landestheilen
  von  der  Erbschaftsabgabe  befreit  (Tarif  v.  5.  Juli
Nr.  2.  lit.  I.)  1127.

Stempelfreiheit  in  Armen-Angelegenheiten  in  Hannover,
  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Baherischen
Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli  K.  4.  d.)  1193.  —  desgl.
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  K.  3.  i;
K.  4.  d.)  1279.

Armenaunstalten,  Legate  an  dieselben  find  in  den
neuen  Landestheilen  von  der  Erbschaftsabgabe  frei  (Tarif
v.  5.  Juli  Nr.  2.  e.)  1127.  —  Stempelfreiheit  der
dortigen  Armenanstalten  (V.  v.  19.  Juli  K.  4.  c.)  1193.
(V.  v.  7.  Aug.  F.  4.  c.)  1279.

Armenpflege  in  den  Staaten  des  Norddeutschen  Bundes
  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  3.)  819.

Armenpflege  in  Westpreußen  (Regl.  v.  11.  Sept.
5.  21.  NKr.  3;  58.  31  —34.)  1715.  —  f.  auch  Landarmenwesen.


1867.

Aruis  (Schleswig),  s.  Landstraßen.

Arrestsachen,  Verfahren  in  schleunigen  Arreslsachen  in
den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  r.  (V.  v.
24.  Juni  &amp;amp;§.  37—39.  88.)  895.

Arrogationen  in  Schleswig  und  Holstein,  Bestätigung
derselben  (V.  v.  26.  Juni  8.  10.)  1075.  —  desgl.  in
Kurhessen  und  in  den  vormals  Bayerischen  Gebietstbeilen
  (V.  v.  26.  Juni  #§.  25.)  1090.  —  desgl.  in
Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  26.  Juni  §.  24.)  1099.  —  desgl.  in
Frankfurt  a.  M.  (A.  E.  v.  28.  Aug.)  1440.  —  desgl.
in  Hannover  (V.  v.  4.  Sept.  §.  1.  I.  Nr.  3.)  1444.

Assekuranz=  Gesellschaften,  f.  Versicherungsgesellschaften.


Assekuranz-Pollzen,  Stempel  zu  denselben  in  Hannover,
  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
Gebictstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  7.)  1205.  —  desgl.
in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  7.)
1290.

Asseln  (Westphalen),  Verband  zur  Melioration  der  Wiesen
und  Weiden  in  den  Ochsenkämpen  zu  Asseln  im  Kreise
Dortmund  (Stat.  v.  GC.  Nov.)  1836—1840.

Assessoren,  s.  Gerichtsassessoren.

Assignationen,  s.  Anweisungen.

Agzendenten,  (.  Eltern.

Atteste,  Stempel  zu  Attesten  in  Schleswig  und  Holstein
  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  60.)  1302.  —  Mäkler-Atteste,
  s.  Mäkler.  —  s.  auch  Trauungsakteste.

Auditeur,  Gerichtsbarkeit  der  Auditeure  in  den  neuen
Landestheilen  (A.  E.  v.  1.  April  Zusamm.  IV.)  52.

Anuditoren  in  den  neuen  Landestheilen,  Disziplinarverfahren
  gegen  dieselben  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  III.)
1614.

Aufgebot  bei  Schließung  von  Civil-Ehen  in  Hannoder
(V.  v.  29.  Sept.  F.  4.)  1685.

Aufgebotsverfahren  bei  Entwässerungsanlagen  in
Rcuvorpommern  und  Rügen  (G.  v.  9.  Febr.  K.  29.)  226.

Aufbalter  Deichverband  gegen  Ueberschwemmungen  der
Oder  (Stat.  v.  30.  Okt.)  1826—1831.

Auflösung  einer  Genossenschaft  (G.  v.  27.  März  §#.  33
bis  38.  46.  48.  51.)  509.

Aufrufgebühr  bei  Privatklagen  in  Hannover  (V.  v.

30.  Aug.  F.  21.)  1419.

Aufruhr  (Auflauf),  Verhaftung  der  dabei  betheiligten
Personen  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  S.  110.)

960.
Aus-
        <pb n="59" />
        Nea  deec.  MLSLASMM

Sachregister.  1867.  7.

ui  der  Genossenschaften  (G.  v.  27.  März
K#.  27.

ueov  Eimehme  desselben  bei  Untruchung
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  J.  63.  70
168—  171.  208.  247.  Nr.  1.)  949.

Anktion,  Stempel  zu  den  Auktionsprotokollen  in  Hannoder,
  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  8.)  1205.  —  desgl.
in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  8.)
1290.

Gerichtslosten  und  Gebühren  der  Notare  für  Mobiliar
  =  Auktionen  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
30.  Aug.  §S§.  16.  25.)  1377.  —  desgl.  in  Kurhessen
und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.
30.  Aug.  §.  17.  26.)  1395.  —  desgl.  in  Nassau  und
den  vormals  Großberzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.
v.  30.  Aug.  S#.  19.  27.)  1408

Oeffentlicher  Verkauf  der  wegen  rückständiger  Abgaben
  2c.  abgepfändeten  Sachen  Seitens  der  Verwaltungsbehörden
  in  den  neuen  Landestheilen  #.  v.  22.  Sept.
S&amp;amp;.  16.  20—29.)  1559.

en,  Kompetenz  derselben
  zur  Regulirung  der  Vorfluthssachen  in  Neuvor-=pommern
  und  Rügen  (G.  v.  9.  Febr.  §.  30.)  227.  —
Auseinandersetzungsbebörden  für  die  in  dem  vormaligen
Kurfürstenthum  Hessen  stattfindenden  Ablösungen,  Theilungen
  und  Zusammenlegungen  (V.  v.  13.  Mai  &amp;amp;.  29.
30.)  725.

Exekutivische  Beitreibung  der  von  den  Auseinandersezungsbehörden
  in  den  neuen  Landestheilen  festgesetzten
Gebühren,  Kosten,  Geldstrafen  und  Entschädigungen  (V.
v.  22.  Sept.  S.  1.  Nr.  5.)  1554.

 

Ausei  dersetz  sahren,  Einfluß  besselben
auf  die  Feststellung  und  Erhebung  der  Grundsteuer  (G.
v.  S.  Febr.  ##K.  20.  33.  36.  37.)  192.

Stempelfreiheit  der  auf  die  Auseinandersetzung
gutsherrlich-bäuerlicher  Verhältnisse  2c.  bezüglichen  Verbandlungen
  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli
K.  3.  c.)  1192.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  7.  Aug.  F.  3.  c.)  1278.

Ausfertigung,  Stempel  zu  nusfertigungen  in  Hannover,
  Kurhessen,  Rassau  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli  S.  10—12.  20.)  1195.
—  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.
K.  10—12.  20.)  1282.  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  61.)
1303.

Gebühren  und  Kosten  für  gerichtliche  Ausfertigungen
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  30.  Aug.  S.  15.  23.)

Augtertiguns  (Forts.)

—  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
—t—73  (V.  v.  30.  Aug.  K.  16.  A.)  1391.  —  desgl.
in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen
Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  S.  18.  A.)  1408.

Ausgaben  des  Norddeutschen  Bundes,  allgemeine  Bestimmungen
  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  69—71.  38.)  837.  —
Ausgaben  für  konsularische  Vertretung  (ebend.  Art.  4.
Nr.  7.)  820.  —  desgl.  für  das  Post=  und  Telegraphenwesen
  (ebend.  Art.  49.)  830.  —  für  die  Kriegsflotte
(ebend.  Art.  53.)  832.  —  für  das  Bundesheer  (ebend.
Art.  62.  71.)  835.

Auslagen,  Erstattung  der  baaren  Auslagen  in  Strafsachen
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  30.  Aug.
KK.  12—  15.)  1416.  —  Auslagen  der  Rechtsanwalte
(ebend.  K.  17.  Schlußsatz)  1418.

Ausland,  Schutz  der  Bundesangehörigen  dem  Auslande
gegenüber  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  3.)  819.  —  Schutz
des  deutschen  Handels  im  Auslande  (ebend.  Art.  4.
Nr.  7.)  820.

Gerichtsbarkeit  über  Prcußische  Garnisonen  im  Auslande
  (A.  E.  v.  1.  April  Zusamm.  Nr.  V.)  528.

Gerichtsstand  für  die  im  Auslande  begangenen  strafbaren
  Handlungen  bei  den  Gerichten  in  den  neuen  Landes.
tbeilen  (Str.  P.  O.  §.  39.)  943.  —  Zustellungen  an
Personen,  welche  sich  im  Auslande  befinden  (ebend.  F.  201.)
980.  —  Verfabren  gegen  Angeklagte,  welche  sich  im
Auslande  aufhalten  (ebend.  &amp;amp;#.  451.  ff.  472.  476.)  1038.

Gerichtsstand  der  im  Auslande  fungirenden  Beamten
aus  den  neuen  Landestheilen  (V.  d.  24.  Juni  K.  104.)
913.  (V.  v.  23.  Sept.  §.  3.)  1620.

Erbschaftsabgabe  von  dem  im  Auslande  befindlichen
Vermögen,  Erhebung  derselben  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  5.  Juli  F.  2.  lit.  b.)  1120.

Ausländer  können  in  den  neuen  .s-  nicht
Geschworene  sein  (Str.  P.  O.  K.  275.  Rr.  1.)  997.  —
Kostenvorschuß,  wenn  Ausländer  *  als  Privatkläger
auftreten  (ebtend.  S.  492.)  1046.

In  welchen  Fällen  bei  Zolldefraudationen  in  Holstein
  und  Schleswig  gegen  Ausländer  auf  Landesverweisung
  zu  erkennen  ist  (V.  v.  29.  Juli  §.  2.  Nr.  2.)
1266.  —  desgl.  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.
29.  Juli  K.  2.  Nr.  1.)  1268.

Verfahren  gegen  Ausländer,  welche  die  gegen  fie
erkannte  Defraudationsstrafe  nicht  abtragen  (Ordn.  v.
29.  Juli  §.  24.)  1275.

Auslieferung,  Vertrag  zwischen  Preußen  und  den
Niederlanden  wegen  gegenseitiger  Auslieferung  flüchtiger
Verbrecher  (v.  20.  Juni)  1219  —  1220.  —  derfelbe  gilt
auch  für  Hannoder  (Minist.  Erkl.  v.  25.  Okt.)  1835.

Be-
        <pb n="60" />
        8  Sachregister.

Auslieferung,  (Forts.)
Bestimmungen  für  die  neuen  Landestheile  über  die
Auslieferung  der  von  ausländischen  Behörden  verfolgten
Personen  (A.E.  v.  26.  Juli)  1261.

Auspfändung,  l.  Pfändung,  Exekution.

Ausschüsse  des  Norddeutschen  Bundesraths,  Bildung
derselben  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  8.)  822.  —  Vernehmung
  und  Geschäfte  derselben  (ebend.  Art.  36.  39.  46.
56.  63.)  827.

Außerkurssetzung  von  Papieren  auf  Inhaber,  Verfabren
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  16.  Aug.)  1457
bis  1461.

Auswanderung  nach  außerdeutschen  Ländern,  die  Bestimmungen
  darüber  unterliegen  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung
  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr  1.)
819.  —  Auswanderung  der  Reservisten  und  Landwehrmänner
  im  Gebiete  des  Norddeutschen  Bundes  (ebend.
Art.  59.)  834.

Ausweisung,  Uebernahme  der  Auszuweisenden  in  den
Staaten  des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  3.)  819.

Auszüge  aus  Akten,  Verhandlungen,  Registern  #r##
Stempel  zu  denselben  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif
v.  7.  Aug.  Nr.  62.)  1304.

B.

Baden  (Großberzogtbum),  Staatsvertrag  zwischen  Preuben,
  Bayern,  Baden  2c.,  betr.  das  Ausscheiden  des
Kaiserthums  Oesterreich  und  des  Fürstenthums  Liechtenstein
  aus  dem  Deutschen  Münzverein  (v.  13.  Juni)
1801—1803.

Bank  (Preußische),  Stempelfreiheit  der  Preußischen  Bank,
ihrer  Kommanditen  und  Agenturen  in  Hannover,  Kurbessen,
  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  19.  Juli  S.  4.  lit.  b.)  1193.  —  deegl.
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  F.  4.  lit.  b.)
1279.

Banken,  Danziger  Privat-Aktienbank,  Genehmigung
des  revidirten  Statuts  (A.  E.  v.  4.  Febr.  nedst  Statut)
245—768.

Provinzial-Aktienbank  in  Posen,  Genehmigung  des
revidirten  Statuts  (A.  E.  v.  25.  Febr.  nebst  Statut)
281—300.

1867.

Bankorduung  (v.  5.  Okt.  1846),  Einführung  derselben
in  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
17.  Janr.)  32.

Bankowechsel,  die  auf  Altona  gezogen  oder  in  Altona
zahlbar  sind  (V.  v.  13.  Mai  6§.  7—13.)  671.

Bankwesen  in  den  Norddeutschen  Staaten,  die  allgemeinen
  Bestimmungen  darüber  unterliegen  der  Auflicht
und  Gesetzgebung  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.
Nr.  4.)  820.

Bannrechte,  s.  Zwangs=  und  Bannrechte.

Barmen  (ARbeinprovinz),  Ausfertigung  von  Obligationen
der  Stadt  Barmen  im  Betrage  von  150,000  Thalern
zu  41  Prozent  (Priv.  v.  18.  März)  517.

Bauerhöfe,  Beschwerden  über  polizeiliche  Beschränkungen
der  Vercinigung  oder  Zersplitterung  von  Bauerhöfen  in
der  Provinz  Hannover  (A.  E.  v.  20.  Sept.)  1612.

Bäuerliche  Verhältnisse  in  der  niederen  Grafschaft
Lingen  (V.  v.  1.  Juni)  841.

Baugesellschaften,  Stempel=  und  Sportelfreiheit  der
gemeinnützigen  Aktienbaugesellschaften  (G.  v.  2.  März)
385.  —  Stempelfreibeit  derselben  in  Hannover,  Kurbessen,
  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  19.  Juli  F.  4.  lit.  t.)  1193.  —  desgl.
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  .  4.  lit.  1.)
1280.

Befreiung  der  gemeinnützigen  Baugesellschaften  in
den  neuen  Landestheilen  von  Entrichtung  der  Erbschaftsabgabe
  (Tarif  v.  5.  Juli  Nr.  2.  g.)  1127.

Abänderungen  und  Ergänzungen  des  Statuts  der
Berliner  gemeinnützigen  Baugesellschaft  (Bek.  v.  28.  April)
550.  «

Bauholz,  Regulirung  der  Baubolzberechtigungen  der
Einwohner  des  Oberharzes  (V.  v.  14.  Sept.  §#.  1—25.)
1621.

Bäume,  Strafbestimmung  gegen  die  Beschädigung  von
Bäumen  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  III.  S.  2.  Nr.  1.  u.  3.)  924.

Bausachen,  Prozeßverfahren  in  Bausachen  in  den  neuen
Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  u.  (V.  v.  21.  Juni
K.  37—40.  88.)  895.

Stempelfreiheit  der  Gesuche  und  polizeilichen  Verhandlungen
  in  Bauangelegenheiten  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  S.  3.  g.)  1279.

Bayern  (Königreich),  Staatsvertrag  zwischen  Preußen,
Bayern,  Sachsen  2c.,  betr.  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums
  Oesterreich  und  des  Fürstenthums  Liechtenstein
aus  dem  Deutschen  Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801
bis  1803.

Bayern
        <pb n="61" />
        Sachregist  er.

Sayern  (vormals  Bayerische,  mit  Preußen  vereinigte
Landestheile):

1)  Besitznahme  der  vormals  Bayerischen  Landestheile
  (Pat.  v.  12.  Janr.)  173.  —  Proklamation  an
die  Einwohner  derselben  (v.  12.  Janr.)  174.

2)  Militair-Angelegenheiten.

Einführung  der  allgemeinen  Wehrpflicht  (A.  E.  v.
12.  Janr.)  206.  —  Militairdienstpflicht  der  Mennoniten
(A.  E.  v.  24.  Juni)  1509.

Einführung  der  Militair-Strafgesetze,  Regelung
der  Militair-Rechtspflege  (A.  E.  v.  27.  Nod.  66.)  383.

Rechtsverhällnisse  der  Militairpersonen  (A.  E.  v.
1.  April)  519—532.

Einführung  der  Landgendarmerie  (V.  v.  23.  Mai)
77/—784.

Einführung  der  Preußischen  Kriegsleistungsgesetze
(V.  v.  22.  Sept.)  1632—1633.

Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  der  zum
Dienste  einberufenen  Reserve=  und  Landwehr-Mannschaften
  (V.  v.  31.  Aug.)  1637.

3)  Justizangelegenheiten.

Ausübung  der  Gerichtsbarkeit  in  den  an  Preußen
abgetretenen  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (A.  E.
v.  22.  Dez.  66.)  6—7.  (A.  E.  v.  6.  Mai)  699.  (A.  E.
v.  Z.  Juli)  1164.

Verordnung  über  das  Verfahren  in  Civilprozessen
(v.  24.  Juni)  885—916.

Einführung  des  Strafgesetzbuchs  und  Erlaß  einer
Strafprozebordnung  (V.  v.  25.  Juni)  921—  1056.  —
besondere  Bestimmungen  für  die  Bayerischen  Landestbeile
  (ebend.  Art.  VI.  XII.)  926.

Gerichtsverfassung  (V.  v.  26.  Juni  #.  1.  ff.  S.  24.)
1085.  —  Errichtung  eines  obersten  Gerichtshofes  in
Berlin  (V.  v.  27.  Juni)  1103—1107.

Ansatz  und  Erhebung  der  Gerichtskosten  und  der
Gebühren  der  Rotare  und  Rechtsanwalte  in  Cidilsachen
(V.  v.  30.  Aug.)  1385  —  1398.  —  desgl.  in  Strafsachen
  lebend.  S§.  15.  25.)  1394.  (V.  v.  30.  Aug.)
1412—1420.

Staatsberbrechen  gebören  zur  Kompetenz  des  Kammergerichts
  in  Berlin  (V.  v.  23.  Mai)  703.

Bestimmung  wegen  der  noch  abzuhaltenden  Schwurgerichte
  (A.  E.  v.  11.  Sept.)  1527.

Bestimmung  über  die  Auslieferung  der  von  ausländischen
  Bebörden  verfolgten  Personen  (A.  E.  v.
26.  Juli)  1264.

Ausdehnung  des  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Koburg-Gotha
  über  die  gegenseitigen  Gerichtsbarkeits-Verbältnisse
  geschlossenen  Vertrages  vom  11.  Juni  1858
auf  die  vormals  Bayerischen  Gebietstheile  (Minist.-Erkl.
d.  28.  Sept.)  1795—1796.

Jahrgang  1897.

1867.  9

Bayern  Ivormals  Bayerische,  mit  Preußen  vereinigte
Landestbeile],  (Forts.)

Bestimmungen  über  die  Zulössigkeit  des  Rechtsweges,
  über  das  Verfabren  bei  Komprtenz-Kenflikten
und  über  die  Behandlung  der  Kouflikte  bei  gerichtlichen
Verfolgungen  wegen  Amts=  und  Diensthandlungen  (V.  v.
16.  Sext.)  1515—1518.

4)  Verhältnisse  der  Beamten.

Verfabren  bei  Anstellung,  Entlassung  und  Pensionirung
  der  Justiz=  und  anderen  Staalsbeamten  (A.  E.
v.  17.  Janr.)  31.  —  besondere  Bestimmungen  über  die
Anstellung  der  Justizbramten  (V.  v.  8.  Febr.)  209.  —
Vereidigung  der  Beamten  (V.  v.  22.  Janr.)  132.  —
Pensionsansprüche  der  Beamten  (V.  v.  6.  Mai)  713.

Allgemeine  Regelung  der  Staatsdiener-Verhältnisse
(V.  v.  23.  Sept.)  1619—1620.

Einführung  der  Preußischen  Disziplinargesetze  in
Betreff  der  Beamten  (V.  v.  23.  Sept.)  1613—1618.

Anderweitige  Einrichtung  des  Amtskautionswesens
(V.  v.  12.  Sept.)  1513—1514.

Heranziehung  der  Staatsdiener  zu  den  Kommunalabgaben
  (V.  v.  23.  Sept.)  1648  —1651.

5)  Zoll=  und  Steuersachen.

Besteuerung  des  Branntweins  (V.  v.  11.  Mai)
633  —  651.  —  des  Braumalzes  (V.  v.  11.  Mai)  652
bis  660.  des  Tabacks  (V.  v.  11.  Mai)  661  —  666.

Einführung  der  Preußischen  Gesetze  in  Betreff  der
direkten  Struern  (M.  v.  24.  Juni)  842—  846.  (A.  E.
v.  22.  Sept.)  1014.

Erhebung  einer  Abgabe  von  Salz  (V.  v.  9.  Aug.)
1327—132

Erhebung  der  Erbschaftsabgabe
HK.  1.  ff.  .  12.  lit.  f;  S.  13.)  1120.

Einführung  des  Zollstrafgesetzes  vom  23.  Janr.  1838
(V.  v.  29.  Juli)  1268—1270.

Bestimmungen  über  das  Verfahren  in  Untersuchungen
wegen  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Zollgesetze  (Ordn.
v.  29.  Juli)  1270—1276.

Exekutivische  Beitreibung  der  direkten  und  indirekten
Steuern  und  anderer  öffentlichen  Abgaben  und  Gefälle,
Kosten  2c.  Seitens  der  Verwaltungöbehörden  (V.  v.
22.  Sept.)  1553—1568.

6)  Stempelsachen.

Stempelsteuer  für  Spielkarlen,  Fabrikation  und
Verkauf  derselben  (V.  v.  4.  Juli)  1057—  1062.  —
Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli)  100  3—  1066.  —  Zeitungsstempel
  (V.  v.  4.  Juli)  10606.—  1067.  —  Kalenderstempel
(V.  v.  5.  Juli)  1068—  1069.

Erhebung  der  Stempelabgaben  und  Ferichtlichen
Taxen  (A.  E.  v.  24.  Juni)  1110.

b

(V.  v.  5.  Juli

All-
        <pb n="62" />
        10  Sachregister.  1867.

Bayern  (vormals  Bayerische,  mit  Preußen  vereinigte  Bayern  (vormals  Bayerische,  mit  Preußen  vereinigte

LandestheileT,  (Fortf.)

Allgemeine  Bestimmungen  über  die  Verwaltung  des

Stempelwesens;  Erbebung  des  Urkundenstempels  (V.  v.
19.  Juli)  1191—1218.  —  Stempelabgabe  von  Konzessionen,
  Ausfertigungen  r.  (A.  E.  v.  17.  Sept.)  1651
bis  1652.

7)  Handel  und  Gewerbe.

Die  obere  Leitung  des  Bergwesens  wird  dem  Ministerium
  für  Handel  rc.  überwiesen  (A.  E.  v.  16.  Febr.)
228.  —  Einführung  des  Berggesetzes  vom  24.  Juni
1865  (V.  v.  1.  Juni)  770—774.  (V.  v.  24.  Juni)
884.  —  Aukhebung  des  Konsenses  der  Bergbehörden
zu  den  Heirathen  der  Berg-,  Poch-,  Hütten=  und  Salinen-Arbeiter
  (A.  E.  v.  24.  Juni)  1111.

Aufhebung  der  Beschränkungen  des  Zinssatzes  (V.  v.
18.  März)  387.

Außer=  und  Wiederinkurssetzung,  desgl.  Umschreibung
  der  Papiere  auf  Inhaber  (V.  v.  16.  Aug.)  1457
bis  1461.

Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Zahlungsbenhiun
  an  jeden  Inhaber  enthalten  (V.  v.  17.  Sept.)
1518—15

ullirunen  über  die  Kommanditgesellschaften  auf
Aktien  (V.  v.  24.  Aug.)  1645—1646.

Beschäftigung  jugendlicher  Arbeiter  in  den  Fabriken
(V.  v.  22.  Sept.)  1572.

8)  Post  und  Eisenbahnen.

Vereinigung  des  Postwesens  mit  der  Preußischen
Postverwaltung  (A.  E.  v.  5.  April)  487

Das  Eisenbahnwesen  wird  dem  Ressort  des  Handels-Ministeriums
  zugewiesen  (A.  E.  v.  9.  März)  396.

Einführung  des  Gesepes  vom  3.  November  1838
über  die  Eisenbahn-Unternehmungen,  und  der  Verordnung
  vom  21.  Dezembder  1846  über  die  bei  dem  Bau
von  Eisenbahnen  beschäftigten  Handarbeiter  (V.  v.  19.
Aug.)  1426.

Besteuerung  der  Eisenbahnen  (V.  v.  22.  Sept.)
1639—1610.

9)  Verwaltungsangelegenheiten.

Organisation  der  Verwaltungsbehörden  (V.  v.
22.  Febr.)  273—278.

Organisation  der  Forstverwaltung,  Prüfung  und
Anstellung  der  Forstbeamten  (V.  v.  4.  Juli)  1129.

Verordnung  über  die  Polizeiverwaltung  (v.  20.  Sept.)
1529—1533.

10)  Geistliche,  Schul=  und  Medizinal.  Angelegenheiten.


Prüfung  der  Schulamts-Kandidaten,  Zusammensetzung
  der  wissenschaftlichen  Prüfungs-Kommissionen
(V.  v.  13.  März)  395.

Landestheile],  (Forts.)

Kompetenz  des  Ministers  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten
  in  Betreff  der  Unterrichts=  und  Medizinal-Verwalkung
  (V.  v.  13.  Mai)  667.

Bestimmungen  über  das  Diensteinkommen  der  Volksschullehrer
  (V.  v.  29.  Juli)  1245.

Errichtung  eines  Prodinzial-Schulkollegiums  und
Medizinal-Kollegiums  für  den  Regierungsbezirk  Kassel  rc.
(V.  v.  22.  Sept.)  1570.

Einführung  des  Preußischen
(V.  v.  12.  Aug.)  1357.

Medizinalgewichts

11)  Staats=  und  Kommunalsachen.

Kreisverfassung  (V.  v.  9.  Sept.)  1473—1480.

Kommunalständische  Verfassung  (V.  -v.  20.  Sept.)
1537—1545.  —  Verfahren  bei  den  Wahlen  zu  den
Kommunallandtagen  (V.  v.  20.  Sept.)  1546—1550.

Wahl  der  Abgeordneten  zum  Preußischen  Landtage
(G.  v.  17.  Mai)  1481.  —  Bezeichnung  der  direkten
Steuern,  nach  denen  die  Urwähler  in  drei  Abtheilungen
getheilt  werden,  Feststellung  der  Wahlbezirke  (V.  v.
14.  Sept.)  1482—1495

Verpflichtung  der  Stadtgemeinden  zur  Besetzung  der
besoldeten  städtischen  Unterbeamtenstellen  mit  versorgungsberechtigten
  Militair  -Invaliden  (A.  E.  v.  22.  Sept.)
1667—168.

12)  Sonstige  Bestimmungen.

Bestimmungen  über  die  Publikation  der  Gesetze  und
anderer  landesherrlichen  Erlasse  (V.  v.  29.  Janr.)  139.

Feststellung  des  Finanz-Etats  für  das  Jahr  1867
(V.  v.  11.  Mai)  705—712.

Bildung  von  Genossenschaften  zu  Entwässerungsund
  Bewässerungs-Anlagen  (V.  v.  28.  Mai)  769.  —
Privatrechliche  Stellung  der  Erwerbs=  und  Wirthschafts-Genossenschaften
  (V.  v.  12.  Aug.)  1449—  1450.

Bestimmungen  über  das  Landesgewicht  (V.  v.  5
Juli)  1130—  1132.

Verwaltung  und  Veräußerlichkeit  der  Domainen  und
Regalien  (V.  v.  5.  Juli)  1182—  1183.

Verordnung  über  das  Münzwesen  (v.  24.  Aug.)
1427—  1429.

Verordnung  über  das  Rechnungswesen  (v.  31.  Aug.)
1442—1444.

Ablösung  der  Servituten,  Theilung  der  Gemeinschaften
  und  Zusammenlegung  der  Grundstücke  (V.  v.
2.  Sept.)  1463—1464.

Bestimmungen  über  das  Zeitungs--Kautionswesen
(V.  v.  26.  Sept.)  1663—1664.

Be-
        <pb n="63" />
        Sachregister.

Beamte  (Civilbeamte,  Staatsdiener).

1.  Allgemeine  Bestimmungen:

a)  Form  des  Diensteides  (V.  v.  6.  Mai)  715.

b)  Beamte  dedürfen  keines  Urlaubes  zum  Eintritt
in  den  Reichstag  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  21.)
824.

2.  Beamte  in  den  neuen  Landestheilen:

a)  Anstellung,  Entlassung  und  Pensionirung  derselben
  (A.  E.  v.  17.  Janr.)  31.  —  Penfionsansprüche
  derselben  (V.  v.  6.  Mai)  713—714.—
Entlassung  untreuer  Beamten  in  dem  ehemaligen
Königreich  Hannover  durch  Beschluß  bes  Staats-Ministeriums
  (V.  v.  24.  Janr.)  135.  —  Pensionirung,
  Bestätigung  und  Ernennung  der  släbtischen
  Beamten  daselbst  (A.  E.  v.  8.  Mai)  728.

.)  In  wiefern  die  Vollftreckung  des  Wechselarrestes

gegen  Civilbeamte  in  Schleswig  und  Holstein

zulässig  ist  (V.  v.  13.  Mai  F.  2.  Nr.  2.)  669.

—  desgl.  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum

Hessen  (V.  v.  13.  Mai  F.  2.  Nr.  2.)  737.  —

desgl.  in  Nassau  (V.  v.  5.  Juli  g.  2.  Nr.  2.)

1109.

Vereidigung  der  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen

  (V.  v.  22.  Janr.)  132—135.

Gerichtsstand  der  im  Auslande  fungirenden  Beamten

  in  Prozessen  in  den  neuen  Landestheilen

Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  §.  104.)

913.  (V.  v.  23.  Sept.  K.  3.)  1620.

Beschlagnahme  des  Gehalts,  Vollstreckung  des

Personal-Arrestes  gegen  Beamte  (V.  v.  24.  Juni

§.  104.)  914.  —  Vollstreckung  der  administrativen

  Exekution  gegen  Beamte  wegen  rückständiger

Abgaben,  Steuern,  Kosten  r.  (V.  v.  22.  Sept.

K.  13.i.)  1558.

)  Vernehmung  der  Beamten  in  Untersuchungssachen
  als  Zeugen  oder  Sachberständige  (Str.
P.  O.  .  156.  165.  172.)  970.  —  Beamte  als
Vertheidiger  (ebend.  g.  205.  Nr.  3.  u.  5.  F.  207.)
981.  —  Welche  Beamte  zu  Geschworenen  wählbar
  find  (ebend.  SK.  274.  Schlußsatz)  997.

g)  Verpflichtung  der  Beamten  in  den  neuen  Landestbeilen
  zur  Anzeige  von  Stempeldefraudationen,
insbes.  beim  Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli  K.  8.)
1065;  besgl.  beim  Kalenderstempel  (V.  v.  5.  Juli
§.  5.)  1069.  —  ferner  in  Erbschaftsfällen  (V.  v.
5.  Juli  F.  11.)  1124.  —  Bestrafung  der  Beamten,
  welche  hinsichtlich  der  Stempelverwendung
ihre  Pflichten  verabsäumen  (V.  v.  19.  Juli  S§.  14.
16.  18.  22—24.)  1197.  (V.  v.  7.  Aug.  SS.  14.
16.  18.  22—24.)  1283.

S.  2
—  —

9
—

1867.  11

Beamte  (Civilbeamte,  Staatsdiener),  (Fortf.)

h)  Allgemeine  Regelung  der  Staaksdienerverhältnisse
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.)
1619—1620.

i)  Ausdebnung  der  Preußischen  Disziplinargesetze
auf  dieselben  (V.  d.  23.  Sept.)  1613—1618.

k)  Heranziehung  der  Staatsdiener  zu  den  Kommunalabgaben
  (V.  v.  23.  Sept.)  1648—1651.

s.  auch  Justiz-,  Militair-,  Polizeibeamte.
Bebra=  Hanauer  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  3.
Beerdigung,  Verträge  unter  den  Norddeutschen  Bundesstaaten

  über  die  Beerdigung  verstorbener  Staatsangehörigen
  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  3.)  819.

In  welchen  Fällen  zur  Beerdigung  eines  Leichnams
die  Erlaubniß  des  Staatsanwalts  oder  des  Untersuchungsrichters
  in  den  neuen  Landestheilen  nothwendig  ist  (Str.
P.  O.  .  174.)  975.

Beglaubigung  (Legalisation),  1.  Beglaubigung  von  Urkunden,
  die  Bestimmungen  darüber  unterliegen  in  den
Norddeutschen  Staaten  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung  des
Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  12.)  820.

Stempel  zur  Legalisation  von  Urkunden  in  Schleswig
  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  86.)  1305.

2.  Beglaubigung  der  Gesandten  von  Seiten  des
Norddeutschen  Bundes-Präsidiums  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  11.)  823.

Begleitscheine,  Aufhebung  der  durch  den  Zolltarif
vorgeschriebenen  Gebühren  für  Begleitscheine  (G.  v.
2.  März)  350.

Begnadigungsgesuche,  Gebühren  der  Rechtsanwalte
in  den  neuen  Landestheilen  für  die  Anfertigung  von
Begnadigungsgesuchen  (V.  v.  30.  Aug.  F.  17.D.)  1418.

Begünstigung  eines  Verbrechens  oder  Vergehens  in
den  neuen  Landestheilen,  Vernehmung  des  Begünftigers
als  Zeugen  oder  Sachverständigen  (Str.  Pr.  O.  F.  161.
Nr.  3.;  I§.  172.  243.)  972.

Behörden,  Verpflichtungen  der  Behörden  in  den  neuen
Landestheilen  in  Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.  SK.  5.
60.  62.  103.  124.)  934.  —  Verpflichtung  derselben  zur
Anzeige  von  Stempeldefraudationen  (G.  v.  4.  Juli  K.  8.)
1065.  (V.  v.  5.  Juli  S.  5.)  1069.  (V.  v.  19.  Juli
5&amp;amp;  22—24.)  1198.  (V.  v.  7.  Aug.  IS.  22—24.)  124.
s.  auch  Steuer=  und  Verwaltungs-Behörden.

Beichte  (Beichtvater),  der  Briefwechsel  mit  dem  Beichtvater
  ist  bei  Untersuchungen  in  den  neuen  Landestheilen
von  der  Beschlagnahme  ausgenommen  (Str.  P.  O.  F.  92.)
956.  —  Ueber  Mittheilungen  unter  dem  Siegel  der
Beichte  kann  der  Geistliche  das  Zeugniß  ablehnen  (ebend.
S.  155.)  970.

b-  Beil-
        <pb n="64" />
        12

Beilbriefe  in  Schleswig  und  Holstein,  Stempel  zu  benselben
  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  63.)  130.

Bekanntmachungen:

1)  Oeffentliche  Bekanntmachungen  in  Bezug  auf  Genossenschaften

  (G.  v.  27.  März  §.  2.  Nr.  11;  K.  4.

Nr.  6;  6K.  6.  22.  34—36.)  502.

2)  Oeffentliche  Bekanntmachungen  in  den  neuen  Landestbeilen:


a)  in  Untersuchungssachen  (Str.  Pr.  O.  S#.  177.
269.  454.  463.  472.  476.)  976.  —  insbes.  in
Untersuchungen  wegen  Zolldefraudationen  (Ordn.  v.
29.  Juli  F.  30.)  1276.

b)  Bekanntmachung  zur  Umschreibung  von  Papieren
auf  Inhaber  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
16.  Aug.  S#  16  -  19,)  1460.

P)  Bekanntmachung  des  öffentlichen  Verkaufs  der  im
Verwaltungswege  abgepfändeten  Sachen  (V.  v.
22.  Sept.  Ss.  24.  35.c.)  1562.

)  Bekanntmachung  neuer  Altiengesellschaften  in
Schleswig  und  Holstein  durch  das  Amtsblatt  und
die  Gesetzlammlung  (V.  v.  5.  Juli  6.  41.  97.
Nr.  1.  ff.)  1142.

e)  Veröffentlichung  der  Eintragungen  in  das  Handelsregister
  in  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen
  Gebietstbeilen  (A.  E.  v.  31.  Aug.)  1456.

Belagerungszustand,  s.  Kriegszustank.

Beleldigung  des  Norddeutschen  Bundes,  des  Bundesrathes,
  Reichstages  w.  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  74.)
838

Beleidigungen  des  Gerichts  oder  der  Parteien  bei
gerichtlichen  Verhandlungen  in  den  neuen  Landestheilen
Kurhessen,  Nassau  #.  (V.  v.  24.  Juni  8.  99.)  912.  —
Die  Beleidigung  des  Gerichts  ist  kein  Grund,  die  Mitglieder
  desselben  von  der  Mitwirkung  und  Entscheidung
in  der  Sache  auszuschließen  (Str.  P.  O.  F.  24.  Nr.  2.)

39

Zulässigkeit  der  Privatklage  bei  Beleidigungen  und
Ebrenkränkungen  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
K.  487.  Nr.  2.)  1046.  —  Verfahren  in  solchen  Fällen
(ebend.  &amp;amp;#.  488—–510.)  1016.  —  Vermittelung  des
Schiedsmunnes  (ebend.  S.  493.)  1077.

Benefizlalerbe,  Verpflichtung  desselben  zur  Entrichtung
der  Erbschaftsabgabe  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
5.  Juli  K.  5.)  1122.

Bensberg  (ARheinprovinz),  Eisenbahn  von  Mülheim  am
Rhein  nach  Bergisch  -Gladbach  und  Bensberg,  s.  Eisenbahnen
  Nr.  5.

Sachregister.

1867.

Bentschen  (Provinz  Brandenburg),  Eisenbahn  von  Bentschen
  über  Züllichau  und  Crossen  nach  Guben,  f.  Eisenbahnen
  Nr.  4.

Berent  (Provinz  Preußen),  f.  Chausseen  Nr.  6.

Bergarbeiter,  Vorrechte  derselben  wegen  ihres  Lohnes
im  ehemaligen  Königreich  Hannover  (V.  v.  8.  Mai
Art.  XX.)  606.  —  desgl.  in  Kurhessen,  Frankfurt  a.  M.
und  den  vormals  Bayerischen  Landestheilen  (V.  v.  1.  Juni
Art.  XI.)  772.

Aufhebung  des  Konsenses  der  Bergbehörden  zu  den
Heirathen  der  Bergarbeiter  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  24.  Juni)  1111.

Bergbau-Vereine:

Arenbergsche  Aktiengesellschaft  für  Bergbau  und
Hüttenbetrieb  in  Essen,  Genehmigung  des  zweiten  Statut-Nachtrages
  (Bek.  v.  23.  März)  397.

Bergbaugesellschaft  Holland  zu  Wattenscheid,  Genebmigung
  des  dritten  Statut-Nachtrages,  betreffend  den
8.  20.  des  Statuts  (Bek.  v.  30.  Okt.)  1815.

Vollmond,  Steinkohlenbergbau-Aktiengesellschaft
in  Bochum,  Genehmigung  des  zweiten  Nachtrages  zum
Statut  (Bek.  v.  7.  Dez.)  1919.

Bergbehörden,  Aufhebung  des  Konsenses  derselben  zu
den  Heiratben  der  Berg.,  Poch-,  Hütten=  und  Salinen-Arbeiter
  in  den  neuen  Landestheilen  (A.  E.  v.  24.  Juni)
1111.

Stempel  zu  den  Verleibungs-,  Konsolidations  und
Deklarations-Urkunden  der  Bergbehörden  in  den  Regierungsbezirken
  Kassel  und  Wiesbaden  (A.  E.  v.  17.  Sept.
Nr.  1.c.)  1651.

Berggegenbücher,  Führung  derselben  in  dem  ehemaligen
  Herzogthum  Nassau  (V.  v.  22.  Febr.  Art.  XI.
XII.)  239.  —  desgl.  im  Königreich  Hannover  (V.  v.
8.  Mai  Art.  XIX.)  605.  —  desgl.  in  Kurhessen,  Frankfurt
  a.  M.  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(V.  d.  1.  Juni  Art.  VII.)  771.

Beraggesetz  (v.  24.  Juni  1865),  Einführung  desselben
in  dem  vormaligen  Herzogthum  Nassau  (V.  v.  22.  Febr.)
237—241.  —  desgl.  in  den  mit  Preußen  vereinigten
Landestheilen  der  Provinz  Oberhessen  und  in  der  vormaligen
  Landgrafschaft  Hessen=  Homburg  (V.  v.  22.  Febr.)
242—243.  —  Weitere  Ausführung  dieser  Bestimmungen
(V.  v.  6.  März)  351.

Einfübrung  des  Berggesetzes  in  dem  vormaligen
Königreich  Hannover  (V.  v.  8.  Mai)  601—607.  (V.  v.
25.  Mai)  735.  —  desgl.  in  Kurhessen,  Frankfurt  a.  M.
und  den  vormals  Bayerischen  Landestheilen  (V.  v.  1.  Juni)
770—774.  (V.  v.  24.  Juni)  884.

Berg-
        <pb n="65" />
        Sachregister.

4#  S  140

in  Siegen,  Aufr0
  berselben  (V.  v.  9.  Aug.)  1425.

Berghypothekenwesen  in  dem  vormaligen  Herzogtdum
  Nassau  (V.  v.  22.  Febr.  Art.  XII.)  239.  —  desgl.
in  dem  vormaligen  Königreich  Hannover  (V.  v.  8.  Mai
Art.  XIX.)  605.  —  begl.  in  Kurhessen,  Frankfurt  a.  M.
und  den  vormals  Bayerischen  Landestheilen  (V.  v.  1.  Juni
Art.  VI.  VII.)  771.

Bergisch-Märkische  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen
Nr.  5.

Beraschmiede-Gerechtigkeiten  in  dem  ebemaligen
Königreich  Hannover  (V.  v.  8.  Mai  Art.  XVII.)  605.
—  insbes.  im  Oberharz  (V.  v.  14.  Sept.  K.  3.  Nr.  3.
K.  44.)  162

Bergwerksabgaben  (Bergwerkssteuer),  im  vormaligen
Rönigreich  Hannover  (V.  v.  8.  Mai  Art.  XXI.)  606.
—  desgl.  in  Kurhessen,  Frankfurt  a.  M.  und  den  vormals
  Bayerischen  Landestheilen  (V.  v.  1.  Juni  Art.  XVII.)
773.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
  Hessischen  Landestheilen  (V.  v.  1.  Juni)  802.

Erxekutivische  Beitreibung  der  Bergwerkssteuer  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  K.  1.  Nr.  1.  li.  c.)
1554.

Aufbebung  der  Bergwerksabgaben,  welche  von  Steinsalz
  und  von  den  Soolquellen  bisber  erhoben  wurden
(G.  v.  9.  Aug.  K.  3.)  1318.

Bergwerks-Angelegenheiten,  Organisation  der
Bergwerksverwaltung  im  Oberharz,  Provinz  Hannover
(V.  v.  9.  Rov.)  1873.  —  Bestimmung  über  die  Holzberechtigungen
  der  Bergwerke  im  Oberharz  (V.  v.
14.  Sept.  .  3.)  1621.

Bergwerksautheile,  Berechnung  der  Erbschaftsabgabe
von  Bergwerksantheilen  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  5.  Juli  K.  3.e.)  II21.  —  Berechnung  des  Stempels
  (V.  v.  19.  Juli  K.  2.e.)  1192.  (V.  v.  7.  Aug.
K.  2..)  127.

Bergwerksdirektoren  in  den  neuen  Landestheilen,
können  jederzeit  mit  Wartegeld  in  den  Ruhestand  versetzt
  werden  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Bergwerks-Vereine,  Bergwerksgesellschaft  „Georg
von  Gieschesche  Erben=  in  Breslau,  Abänderung  des
Statuts  (Bek.  d.  16.  Juli)  1244.

Bergwesen,  Ueberweisung  der  oberen  Leitung  des  Bergwesens
  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  an  das
Ministerium  für  Handel  2c.  (A.  E.  v.  16.  Febr.)  228.

Besondere  Bestimmungen  über  das  Bergwesen  in
Rassau  (V.  v.  22.  Febr.)  237—241.  —  desgl.  in  Oberheffen
  und  Hessen=  Homburg  (V.  v.  22.  Febr.)  242—243.
—  Diese  neuen  Landestheile  werden  dem  Ober-Bergamt
  in  Bonn  zugewiesen  (V.  v.  6.  März)  351.

1867.

Bergwesen,  (Forts.)

Bestimmungen  über  das  Bergwesen  in  dem  vormaligen
  Königreich  Hannover  (V.  v.  8.  Mai)  601—607.
(V.  v.  25.  Mai)  735.  —  desgl.  in  Kurhessen,  Frank.
furt  a.  M.  und  den  vormals  Bayerischen  Landestheilen
(V.  v.  1.  Juni)  770—774.

Berichte  über  die  Verhandlungen  des  Norddeutschen
Reichstages  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  22.)  825.

Berichte  an  vorgesetzte  Behörden  sind  in  Schleswig
und  Holstein  slempelfrei  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  64.)  1304.

Berlin,  Einziehung  der  Grundsteuer  in  Berlin  (G.  v.
8.  Febr.  K.  41.)  200.

Errichtung  der  Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft
„Nordstern“  in  Berlin  (Bek.  v.  4.  Febr.)  208.

Genehmigung  eines  Zusatzes  zu  Art.  39.  der  Verfassung
  der  Berlinischen  Vebensversicherungsgesellschaft
(Bek.  v.  29.  Nov.)  1903

Berliner  gemeinnützige  Baugesellschaft,
rungen  des  Statuts  (Bek.  v.  28.  April)  550.

Errichtung  des  Ober-Aprellationsgerichts  für  die
neuen  Landeslheile  in  Berlin,  s.  Ober-Appellationsgericht.


Berliner  Eisenbahnen,  s.  Eisenbahnen  Nr.  6—9.

Bern  (Schweiz),  Gestattung  des  Besuchs  der  Universität
in  Bern  (A.  E.  v.  15.  Juli)  1262.

Bernstein,  Bestrafung  der  unbefugten  Aneignung  von
Bernstein  (G.  v.  22.  Febr.)  272.  —  Der  Bernstein  ist
in  Ostpreußen  ein  vorbehaltenes  Eigenthum  des  Staats
(ebend.  Art.  IV.  K.  1.)  272.

Berufung,  Rechtsmittel  der  Berufung  in  Strafsachen
in  den  neuen  Vandestheilen  (Str.  P.  O.  I##15.  364
bis  388.  402—413.)  9236.  —  insbes.  in  Holzdiebstahlssachen
  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  D.  Nr.  2;  #.  38.)  923.
—  Ansatz  der  Gerichtskosten  für  die  Berufungs-Instanz
(V.  v.  30.  Aug.  S#.  6.  8.)  1414.  —  Gehbähren  der
Rechtsanwalte  Chem.  F.  17.  C.  D.)  1417.

Berufungsgerichte  in  den  neuen  Landestbeilen  (Str.
P.  O.  #  376—388.  414.  364.  Nr.  2.)  1020.

Berufungskammer  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.
P.  O.  §.  15.  Nr.  2;  K.  16.)  936.  —  insbes.  in  Hannover
  und  Frankfurt  a.  M.  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XV.
K.  4;  Art.  XVIII.)  930.

Beschädigung  von  Bäumen,  Brücken,  Wasserleitungen
  2c.  in  den  neuen  Landestbeilen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  III.  S.  2.  Nr.  3;  K.  3.  Nr.  1.  u.  4;  §.  4.)  924.

Bescheide,  Stempel  zu  amtlichen  Bescheiden  in  Schleswig
  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  61.)  1303.

Kosten  für  ablehnende  Bescheide  höherer  Justanz  in
Strafsachen  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  30.  Aug.
.  8.  C.)  1415

13

Abaͤnde-
        <pb n="66" />
        14

Beschlagnahme  in  den  neuen  Landestheilen:

1)  Beschlagnahme  der  Ueberführungsstücke,  Briefe,  Urkunden
  2c.  in  gerichtlichen  Untersuchungen  (Str.  P.  O
S.  62.  91.  92.  98—  101.  104—106.  2.17.  Nr.  1.)
919.

2)  Beschlagnahme  in  Untersuchungen  wegen  Zolldefraudationen
  (Ordn.  v.  29.  Juli  S#.  1—3.  30.)  1270.
3)  Beschlagnahme  des  Vermögens  bei  Auswanderung
militairpflichtiger  Personen  (Str.  P.  O.  F.  470.)
1042.  —  Beschlagnahme  des  Vermäögens  eines  Angeklagten
  in  dem  vormaligen  Königreich  Hannover
und  in  dem  Gebiete  der  vormals  freien  Stadt  Frank
furt  zur  Sicherstellung  der  Untersuchungskosten  (V.  v.

30.  Aug.  F.  20.)  1418.

4)  Beschlagnahme  von  Papieren,  die  auf  Inhaber  lauten
(V.  v.  16.  Aug.  &amp;amp;#  9—  13.)  1459.

5)  Beschlagnahme  der  Besoldungen  und  Pensionen  von
Beamten  im  Wege  des  gerichtlichen  Verfahrens  (V.  v.
24.  Juni  K.  104.)  914.  (V.  v.  23.  Sept.  F.  3.)
1620.

6)  Beschlagnahme  von  Forderungen,  Besolbungen,  Pensionen,
  desgl.  von  Früchten  auf  dem  Halm  im  Wege
der  administrativen  Exekution  zur  Beitreibung  rückständiger
  Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c.  (V.  v.
22.  Sept.  §.  11.  lit.  b.  c;  G.  30—32.)  1557.

7)  Ansatz  der  Gerichtskosten  bei  Beschlagnahme  von
Gutseinkünften  2c.  in  Nassau  und  den  vormals  Groß.
herzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.
S.  11.  12.  Nr.  5.)  403.

Beschuldigter,  Vernehmung,  Verhaftung  und  Vertheidigung
  des  Beschuldigten  in  den  neuen  Landestheilen
(Str.  P.  O.  J#.  69.  70.  74.  80.  85.  88.  108.  ff.  128.
142.  151  —  154.  205.  f  357.  358.  365  —369.  403.
418.  503.)  950.  —  Ablehnungsrecht  des  Beschuldigten
(ebend.  S.  25.)  939.

Beschwerden  über  verweigerte  oder  gehemmte  Rechtspflege
  in  den  Norddeutschen  Staaten  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  77.)  839.

Beschwerden  in  Grundsteuer-Angelegenheiten  (G.  v.
8.  Fedr.  &amp;amp;#  12—28.)  189.

Beschwerden  in  Civilprozessen  in  den  neuen  Landestheilen
  Kurhessen,  Nassau  k.  (V.  v.  24.  Juni  ##.  83
bis  85.  49.  58.)  906.  —  Erledigung  der  Beschwerden
in  Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.  ##.  372.  407.  410.
4s2.  413.)  1019.  —  Ansatz  der  Gerichtskosten  (V.  v.
30.  Aug.  S.  —.)  1414.  —  Gebühren  der  Rechtsanwalte
für  die  Anfertigung  einer  Beschwerteschrift  bei  Rechtsmittekn
  (ebend.  §.  17.  E.)  1418

Sachregister.  1867.

Beschwerden  (Fortt.)

Besondere  Bestimmungen  für  Schleswig  und  Holstein
  über  die  Erledigung  der  Beschwerden  in  gerichtlichen
  Angelegenheiten  (V.  v.  26.  Juni  K.  25.  I.  Nr.  2;
K.  35.)  1078.  —  desgl.  für  Kurhessen  und  die  vormals
Bayerischen  Gebietstheile  (V.  v.  26.  Juni  6K.  14.  1.
Nr.  2;  K.  28.)  1088.  —  desgl.  für  Nassau  und  die
vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheile  (V.  v.
26.  Juni  K.  14.  I.  Nr.  2;  K.  27.)  1098.

Beschwerden  gegen  Verfügungen  der  Handelsgerichte
in  Schleswig  und  Holstein  (VW.  v.  5.  Juli  &amp;amp;K.  15.  16.)  1137.

Beslitznahme  der  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig
(Pat.  v.  12.  Janr.)  129.  —  Besitznahme  vormals  Großerhespe
  Hessischer  Landestheile  (Pat.  v.  12.  Janr.)

137—  138.  —  desgl.  vormals  Bayerischer  Landestheile
(Pat.  v.  12.  Janr.)  173.

Besoldung,  die  Mitglieder  des  Norddeutschen  Reichstages
  dürfen  als  solche  keine  Besoldung  beziehen  (Verf.
b.  24.  Juni  Art.  32.)  826.

Besserungsanstalten  in  den  neuen  Landestheilen,
Befreiung  derselben  von  Entrichtung  der  Erbschaftsabgabe
  (Tarif  v.  5.  Juli  Nr.  2.  e.)  1127.  —  Stempelfreiheit
  derselben  (V.  v.  19.  Juli  §.  d.  c.)  1193.  (V.  v.
7.  Aug.  K.  4.  c.)  1279.

Besserungsanstalt  in  Graudenz,  Bestimmung,  Verwaltung
  und  Unterhaltung  derselben  (Regul.  v.  17.  Oktober
  26.  HK.  1.  ff.)  1728—1730.  (Regl.  v.  11.  Sept.
K.  2.  Nr.  2.E;  S.  3.  6—16.  18.  25.0.)  1710.

Bestallungen,  Stempel  zu  den  Bestallungen  der  Beamten
  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals
  Bayerischen  Gedietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  9.)
1205.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holftein  (Tarif  v.
7.  Aug.  Nr.  67.)  1304

Bestätigung  (Konfirmation),  Stempel  zu  Bestätigungen
in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  10.)  1205.
—  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  9.  68.)  1290.

Bestechung,  Strafe  für  die  Beslechung  eines  Steuerbeamten
  in  den  neuen  Landestheilen,  bei  Defraudationen
der  Branntweinsteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  68.)  649.  —
besgl.  bei  der  Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  §S.  36.)  659.
—  desgl.  der  Tabackssteuer  (V.  v.  11.  Mai  S.  23.)  665.
—  der  Zeitungssteuer  (V.  v.  4.  Juli  S.  7.)  1067.  —
der  Stempelsteuer  von  Spielkarten  (V.  v.  4.  Juli  K.  24.)
1062.  —  Allgemeine  Bestimmung  für  sämmtliche  Landestheile
  in  Betreff  der  Spielkarten  (G.  v.  23.  Dez.  F.  24.)
1925.  —  f.  auch  Geschenke.

Be-
        <pb n="67" />
        Sachregister.

Betrug,  Verfahren  bei  Untersuchungen  wegen  Betruges
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  §.  448.)  1037.

Betten,  die  unentbehrlichen  Betten  sind  von  der  Pfändung
  wegen  rückständiger  Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c.
in  den  neuen  Landestheilen  ausgeschlossen  (V.  v.  22.  Sept.
K.  13.  a.)  1557.

Betteler  in  Westpreußen,  Einsperrung  derselben  in  die
Besserungsanstalt  zu  Graudenz  (Regl.  v.  11.  Sept.
K.  3.  Nr.  1;  K.  13.)  1710.

Bevollmächtigte  zum  Bundesrath  des  Norddeutschen
Bundes,  Ernennung  derselben  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  7.)
821.  —  s.  Bundesrath.

Bevollmächtigte  zur  Prozeßführung  in  den  neuen
vandestheilen  Kurhessen,  Nafsau  r.  (V.  v.  24.  Juni
§.  98.)  911.  —  f.  Rechtsanwalte.

Bewässerungsanlagen,  Bildung  von  Genossenschaften
zu  Bewässerungsanlagen  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen
  (V.  v.  28.  Mai)  763.

Stempelfreiheit  der  Verhandlungen  über  Bewässerungsanlagen
  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli
P.  3.  d.)  1193.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  7.  Aug.  F.  3.  d.)  1279.

s.  auch  Meliorationen.

Beweisaufnahme  im  Civilprozeß  in  den  neuen  Landestbeilen
  Kurhessen,  Rassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  I.  20.
31—36.  70.)891.—  desgl.  im  Strafverfahren  (Str.  P.  O.
6.  7.  69.  238—2144.  250—255.  377—379.  382
bis  387.)  934.

Beweismittel  im  Civilprozeß  in  den  neuen  Landestheilen
  Kurhessen,  Nassau  2c.,  Angabe  und  Beschaffung
derselben  (V.  v.  24.  Juni  I8.  17.  18.  28.  50.)  890.  —
desgl.  im  Strafverfahren  (Str.  P.  O.  S#.  69.  220.)
950

Bezirksräthe  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  G.  v.
26.  Sept.  .  7.  13—  16.)  1654.

Biedenkopf  (Kreis),,  gehört  zum  Negierungstegin
Wiesbaden  und  zwar  zum  Hinterlandkreise  (V.  v.  22.  Febr.
§.  2.  Nr.  4;  K.  4.  Nr.  12.)  273.

Errichtung  eines  tenosiedch  zu  Biedenkopf
(A.  E.  v.  5.  Nov.  66.  Nr.  II.

Ermächtigung  der  nesal  Brand-  Assekuranz=Anfialt
  in  Wiesbaden  zur  Versicherung  von  Gebäuden
im  Kreise  Biedenkopf  (V.  v.  14.  Sept.)  1551.

Kreisverfassung  in  Biedenkopf  (V.  v.  26.  Sept.
K.  15.)  1656.

Blelefeld  (Westphalen),  Ausfertigung  Bielefelber  Stabt-Obligationen
  im  Betrage  von  200,000  Thalern  zu  5  Prozent
  (Priv.  v.  12.  Aug.)  1693—1698.

1867.  15

Bier,  Besteuerung  des  Biers  im  Gebiete  des  Nordteutschen
  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  35—40.)  826.  —
s.  auch  Brauerei.

Bilanz  der  Genossenschaften  (G.  v.  27.  März  8.  3.
Nr.  6;  §&amp;amp;.  9.  25.  27.  47.)  502.

Bilanz  der  Aktiengesellschaften  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  5.  Juli  66.  44.  97.  Nr.  7.)  1143.
Bischof,  Vereidigung  der  katbolischen  Bischöfe  in  den

neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Janr.)  134—135.

Bislich  (Rheinprovinz),  zweiter  Bislicher  Außenpolder,
Deichverband  zum  Schutze  gegen  das  Sommerwasser
(Stat.  v.  24.  Aug.)  1510—1512.

v.  Bismarck  (Graf),  Verleihung  einer  Dotation  an
den  Minister-Präsidenten  Grafen  v.  Bismarck  in  Anerkennung
  der  von  ihm  so  erfolgreich  geleiteten  Preußischen
  Polilik  (G.  v.  28.  Dez.  66.)  25.

v.  Bittenfeld,  s.  Herwarth  von  Bittenfeld.

Bitterfeld  (Provinz  Sachsen),  #.  Chausseen  Nr.  27.

Blankenese  (Holstein),  Bestimmung  in  Betreff  der  Schiffe,
deren  Heimathshafen  Blankenese  ist  (V.  v.  5.  Juli  F.  67.)
1147.

Blankenrath  (Rheinprovinz),  s.  Chausseen  Nr.  37.

Bleiche,  Bestrafung  derjenigen,  welche  in  den  neuen
Landestheilen  auf  fremden  Grasangern  oder  Hecken  Leinwand
  zum  Bleichen  ausbreiten  (V.  v.  25.  Juni  Art.  1II.
K.  1.  Nr.  2.)  924.

Bleigelder,  Aufhebung  der  durch  den  Zolltarif  vorgeschriebenen
  Gebühren  für  die  Anlegung  von  Bleien
(G.  v.  2.  März)  350.

Blödsianigkeits-Erklärungen,  Verfahren  in  den
neuen  Landestheilen  Kurbessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni
K.  89.)  909.

Blumenthaler  Deichverband,  Aenderungen  des  Statuts
  (A.  E.  v.  19.  Aug.)  1447.

Bochum  (Westphalen),  Genebmigung  des  zweiten  Nachtrages
  zu  dem  Statut  der  Steinkohlenbergbau-Aktiengesellschaft
  Vollmond  in  Bochum  (Bek.  v.  7.  Dez.)  1919.

Bohlwerksgeld,  Erhebung  desselben  in  Stettin  (A.  E.
u.  Tarif  v.  22.  Nov.)  1841-  1847.

Bonn  (Abeinprovinz),  der  Bezirk  des  Ober-Bergamtes
in  Bonn  wird  auf  Nassau,  Oberhessen  und  Hessen-Homburg
  ausgedehnt  (V.  v.  6.  März)  351.  —  desgl.
auf  das  Gediet  der  vormals  freien  Stadt  Frankfurt
a.  M.  (V.  v.  24.  Juni  Art.  I.)  834.

Ausfertigungen  von  Obligationen  der  Stadt  Bonn
II.  Serie  im  Betrage  von  120,000  Thalern  zu  5  Prozent
  (Priv.  v.  31.  Aug.)  1737—1742.

Eisendahn  von  Siegburg  nach  Bonn,
bahnen  Nr.  37.

s.  Eisen-Bör-
        <pb n="68" />
        16  Sachregister.  1867.
Börse,  zur  Errichtung  einer  Börse  in  Schleswig  und  Braunschweig  (Herzogtbum),  Vertrag  zwischen  Preußen

Holstein  ist  die  Genebmigung  des  Handels-Ministers  erforderlich
  (V.  v.  5.  Juli  K.  92.)  1153.  —  Bestimmungen
über  den  Erlaß  und  die  Abänderung  von  Börsenordnungen
  (ebend.  S#.  93.  94.)  1153.

Boten,  Anweisung  der  Gerichtsboten  auf  selbstverdiente
Gebühren  findet  in  Schleswig  und  Holstein  nicht  statt
(V.  v.  30.  Aug.  F.  3.)  1370.  —  desgl.  in  Kurhessen
und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.
30.  Aug.  F.  3.)  1385.  —  desgl.  in  Nassau  und  den

und  Braunschweig  wegen  Führung  der  Nordhausen-Northeimer
  Eisenbahn  durch  das  Amt  Walkeuried
(v.  18.  April)  765—768.

Theilnahme  des  Herzogthums  am  Norddeutschen
Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  dasselbe
führt  im  Bundesrath  zwei  Stimmen  (ebend.  Art.  6.)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Braunschweig
  2c.,  betr.  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich
  und  des  Fürstenlhums  Liechtenstein  aus  dem  Deutvormals

  Grohberzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  schen  Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801—1803.

30.  Aug.  K.  1.)  1400.  Bremen  (freie  Stadt),  das  Thurn=  und  Taxissche  Post-Brachtendorf's
  Mühle  (Rheinprovinz),  s.  Chaus,  wesen  in  Bremen  geht  auf  den  Preußischen  Staat  über
seen  Nr.  37.  (Vertr.  v.  28.  Janr.  Art.  1.  Nr.  18.)  355.
Brakel  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  30.  Verwaltung  des  Post=  und  Telegraphenwesens  in
"  10  -
Brand-  Assekurauz-  Anstalt,  s.  Feuerversiche  Bremen  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  51.  52.)  831.

Theilnahme  Bremen's  am  Norddeutschen  Bunde

.  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  fübrt  im  Bundes-Brandenburg

  (Stadt),  s.  Chausseen  Nr.  8.  rath  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.  —  bleibt  als

Brandkassen,  exekutivische  Beitreibung  der  an  die  öffent-  Freihafen  vorläußg  außerhalb  der  gemeinschaftlichen
lichen  Brandkassen  in  den  neuen  Landestheilen  zu  ent.  Zollgrenze  (ebend.  Art.  34.)  826.

rungsgesellschaften.

richtenden  Beiträge  (V.  v.  22.  Sept.  §.  1.  Nr.  4.)  1554.  s.  auch  Hansestädte.

Branntwein,  Besteuerung  des  Branntweins  im  Jade=  Brennereien,  Bestimmungen  über  den  Betrieb  derselben
gebiet,  Genehmigung  der  Verordnung  vom  6.  Januar  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  (V.  v.  11.  Mai
1866  durch  die  Kammern  (Bek.  v.  28.  März)  550.  —  .  16.  ff.)  637.  (V.  v.  11.  Mai  F.  10.)  653.

Besteuerung  des  Branntweins  in  den  neu  erworbenen  .  .  .
Landestheilen  (V.  v.  11.  Mah)  633—651.  —  Anwen-  s——  —  irsereunr
dung  dieser  Verordnung  im  Jadegebiet  (G.  v.  2.  Aug.)  bie  8.  26—35.  1621  harz  ·’«  «·
1309.  «  ·  «
BesituckungbesBranntweinsimGebietebesNotbsBusqu(Schsksik«),Ekkjchtsmgdkkchstqu-Schwoitschdeutschen
  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  35—40.)  826.  Groß=  Nädlitzer  Cbaussee-Aktiengesellschaft  in  Breslau

Besti  »  (Bek.  v.  11.  Mai)  735.
Beauereien  "„  rermminen  boir  den  *  uu  Abänderung  der  Statuten  des  Theater-Aktienvereins

..  .«  ...  .  in  Breslau  (Bek.  v.  12.  Juli)  1236.

32)  611.  (.  v.  11.  Moi  W.  8—19)  653.  Abänderung  des  Statuts  der  Bergwerksgesellschaft
Braumalz,  Besteuerung  desselben  in  den  neu  erworbenen  „  Georg  von  Gieschesche  Erben“  in  Breslau  (Bek.  v.

Landestheilen  (V.  v.  11.  Mai)  652—660.  —  desgl.  im  16.  Juli)  1244.

Jadegebiet  (V.  v.  26.  Juli)  1263.  Tarif  für  die  Benutzung  der  Oderschleuse  bei  Breslau
  (A.  E.  v.  2.  Sept.)  1523—1526.

Braunkohlen,  Bestimmungen  über  den  Bergbau  auf  Breslau  Schweidnig-Freiburger  Bahn,  (.  Eisen.

Grounkoblen  m  ütem.  uhemonlher  iriei  Hannover  bahnen  Nr.  14.  Breslauer  Verbindungsbahn,  s.  Ei-(V.
  v.  6.  Mai  Art.  «  «)«  .  senbahnenNk.13.—s.auchChausseenNr.10.
WetfcheniWctßcnfelsetBraunkohleniAktIengefells
schaft  zu  Weißenfels,  Genehmigung  des  zweiten  Nach-  Briefe,  Beschlagnahme  von  Briefen  Seitens  der  Untertrages
  zu  dem  Statut  (Bek.  d.  23.  März)  398.  suchungsbehörden  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
Braunsberg  (Provinz  Preußen),  Ausfertigung  von  K.  91.  92.  98.  104.)  955.
Braunsberger  Stadt-Obligationen  im  Betrage  von  Brieg  (Schlesien),  Tarif  für  die  Benutzung  der  Oder-40,000
  Thalern  zu  5  Prozent  (Priv.  v.  22.  Mai)  schleuse  bei  Brieg  (A.  E.  v.  2.  Sept.)  1523—1526.  —
1184—1188.  Reisse-Brieg  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  28.
Bron-
        <pb n="69" />
        Sachregister.  1867.  21

Chausseen,  (Forts.)  Chausseen,  (Forts.)

VI.  in  der  Provinz  Westphalen:

28)  a.  von  Dalheim  nach  Lichtenau  und  b.  von
Büren  bis  zur  Einmündung  in  die  Straße  ad  #;
Ausführung  des  Baues  durch  den  Kreis  Büren;
Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.
2.  Aug.)  1496.

29)  von  Herford  über  Exter  nach  Vlotho,  Ausfährung

  des  Baues  dureh  den  Kreis  Herford;  Bewilligung

  des  Erpropriationsrechts  rc.  (A.  E.  v.  21.  Aug.)

1731.  «

a.  bon  Höxter  bis  zur  Grenze  der  Provinz  Hannover

in  der  Richtung  auf  Heinsen  nebst  einer  Zweigstraße

  von  Stab  le  zur  Holzmindener  Fährez;  b.  von

Brakel  zur  Roggenthalsmühle  auf  Beverungen,

und  c.  von  Brakel  bis  zur  Grenze  des  Fürstenthums

  Lippe-Detmole  in  der  Richtung  auf  Schwalenburg;
  Ausführung  des  Baues  durch  den  Kreis

Höxter;  Bewilligung  des  Expropriationsrechts  2c.

(A.  E.  v.  25.  Nov.)  1926—1927.

31)  von  Löhne  bis  zur  Herforder  Kreisgrenze  in  der

Richtung  auf  Tengern  und  von  Mennighüffen

bis  zur  Herford-Lübbecker  Kreis-Chaussee  bei  Kirchlengern,

  Ausführung  kurch  den  Kreis  Herford;

Bewilligung  des  Expropriationsrechts  2c.  (A.  E.  v.

21.  Okt.)  1834.

von  Metelen  bis  zur  Grenze  des  Kreises  Ahaus  in

der  Richtung  auf  Doodts  Kotten,  Ausführung  des

Baues  durch  den  Kreis  Stei  nfurt;  Verleihung  der

fiskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.  25.  Nov.)  1932.

33)  von  Minden  durch  den  fernisnen  Forsischutzbezirk

Mindener  Wald  bis  zur  Kreisgrenze  in  der  Richtung
auf  Diepenau,  Ausführung  Seitens  des  Kreises
Minden,  Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte  2c.
(A.  E.  v.  24.  Juni)  1242.

34)  von  Oeynhausen  über  Exter  bis  zur  Landesgrenze,
Ausführung  des  Baues  durch  die  Kreise  Min  den
und  Herford;  Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte
  2c.  (A.  E.  v.  30.  Okt.)  1863.

35)  von  Recklingha  usen  nach  Buer,  Ausführung  des
Baues  durch  den  Kreis  Recklinghausen;  Verleihung
der  fiskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.  14.  Okt.)  1800.

VII.  in  der  Rheinprovbinz:

von  der  Aachen-Eupener  Aktienstraße  nach  der
Cöln-Lütticher  Staatsstraße  bei  Altenberg:  Verleihung
  der  fiskalischen  Vorrechte  (A.  E.  v.  5.  Aug.)
1446.

von  Brachtendorfs  Mühle  an  der  Flaumbachstraße
  im  Kreise  Zell  bis  Gassenhof,  Verleihung
der  flskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.  14.  Janr.)  184.

30)

32

36

37

40)  von

41

Chemiker,  Gebühren  derselben  für  die

38)  von  Daaden  bis  zur  Betdorf-Neunkirchener  sogenannten

  Heller-Bezirksstraße  bei  Alsdorf  im  Kreise
8  Bewilligung  des  Expropriationsrechts
c.  (A.  E.  v.  14.  Okt.)  1799.
von  der  Enkirch-Irmenacher  Gemeinde-Chaussee
nach  der  Trarbach-Zeller  Moselstraße,  Verleihung
  der  fiskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.
30.  Janr.)  244.
Füssenich  nach  Cunblen,  reihung  der
fiskalischen  Vorrechte  rc.  (A.  E  S.  April)  599.
bon  Neustadt  bis  auf  die  eng—  Nottister  Bezirksstraße
  bei  Kretzenhaus,  Bewilligung  des
Expropriationsrechts  2c.  (A.  E.  v.  3.  Juni)  1230.
42)  von  Oberwesel  nach  Simmern,  Verleihung  des
Rechts  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  an  die  Gemeinden
  Oberwesel  2c.  (A.  E.  b.  1.  April)  551.
43)  von  Reinsport  nach  Wintrich  im  Kreise  Bernkastel,
  Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.
v.  14.  Okt.)  1833.

□—
S

Vornahme  chemischer
  Untersuchungen  in  gerichtlichen  Angelegenheiten  in
Schleswig,  Holstein,  Kurbessen,  Nassau  2c.  (Regul.  v.
30.  Aug.  FS.  5.  C.)  1383.  (V.  v.  30.  Aug.  §.  17.)  1378.
(V.  v.  30.  Aug.  §.  18.)  1395.  (V.  v.  30.  Aug.  8.  20.)
1408.  —  desgl.  in  Hannover  und  Frankfurt  a.  M.  in
Strafsachen  (V.  v.  30.  Aug.  §.  27.)  1420.

Civilehe,  s.  Ebe  sachen.
Elaustbal  (Hannover),  Bestimmungen  über  den  Bergbau

  im  Bezirk  des  Berg=  und  Forstamtes  zu  Clausthal
(V.  v.  8.  Mai  Art.  XV.  XVIII.  XIX.)  603.—
Ressortverhältnisse  des  Berg=  und  Forslamtes  daselbst
(V.  v.  25.  Mai  Art.  I.)  735.  —  Anderweitige  Organisation
  des  Oberbergamtes  in  Klausthal  (V.  v.  9.  Nob.)
1873.

Regulirung  der  Holz=  und  Kohlen-Nutzungen  im
Bezirk  der  Berghauptmannschaft  zu  Elausthal  (Oberharz)
(V.  v.  14.  Sept.  §#.  1.  ff.)  1621.

Colbergermünde  (Pommern),  Ermäßigung  der  Hafenabgaben

  (A.  E.  v.  22.  Nob.  Nr.  1.)  1847.

Cöln  (am  Rbein),  dem  Eisenbahn-Kommissariat  in  Cöln
üb

werden  die  Privat-Eisenbahnen  in  Hannober,  Kurhessen
Nassau  und  Frankfurt  a.  Main  zur  Beaufsichtigung  überwiesen
  (A.  E.  v.  15.  Dez.  66.)  5.  —  desgl.  die  Frankfurt-Homburger
  Eisenbahn  (A.  E.  v.  9.  März)  396.

Dem  Provinzial-Steuerdirektor  in  Cöln  wird  die
Steuerverwaltung  des  Hessischen  Oberamtsbezirks  Meisenheim
  zugetheilt  (A.  E.  v.  8.  Febr.)  204.

Ausfertigung  von  Cölner  Stadt-Obligationen  im
Betrage  von  800,000  Thalern  zu  44  Prozent  (Priv.  v.
14.  Aug.)  1677—1682.

Con-
        <pb n="70" />
        18

Bundeskonfuln,  Anstellung  und  Funktionen  derselben
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  56.)  833.  —  Die  Anordnung
gemeinsamer  konsularischer  Vertretung  ist  Sache  des
Bundes  (ebend.  Art.  4.  Nr.  7.)  820.

Bundeskriegshafen,  Kiel  und  Jade  (Verf.  v.  24.  Juni
Artt.  53.)  832.

Bundeskriegswesen,  (Verf,  v.  24.  Juni  Art.  57—68.)
833.

Bundesmarlne,  s.  Marine.

Bundespräftdium,  das  Präsidium  des  Norddeutschen
Zundes  steht  der  Krone  Preußen  zu  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  11.)  823.  —  Rechte  und  Pflichten  desselben  in  Beziehung
  auf  den  Bundesrath  und  dessen  Mitglieder
(ebend.  Art.  5.  7.  8.  10.  15.  37.)  820.  —  desgl.  in
Beziehung  auf  den  Reichstag  (ebend.  Art.  16.  24.)  823.
—  ferner  in  Betreff  der  Post=  und  Telegraphenverwaltung
  (ebend.  Art.  50—52.)  830.  —  ferner  in  Betreff
der  Kriegsverfassung  und  des  Milltairwesens  (ebend.
Art.  61.)  834.  —  Sonstige  Rechte  des  Bundes=  Präsdiums
  (ebend.  Art.  16—  18.  24.  36.  46.  56.  70.  72.  79.)
823.

Bundesratb  des  Norddeutschen  Bundes,  Zusammensetzung
  und  Abstimmung  desselben  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  5—7.)  820.  —  Dauernde  Ausschüsse  des  Bundesreths
  (ebend.  Art.  8.)  822.  —  Rechte  und  Pflichten
der  Mitglieder  des  Bundesraths  (ebend.  Art.  9.  10.  16.)
822.  —  Berufung  des  Bundesraths,  Vorsitz  und  Leitung
  desselben  (ebend.  Art.  12—  14.)  823.  —  Geschäfte
und  Beschlüsse  des  Bundesraths  (ebend.  Art.  5.  15.
19.  23.  24.  37.  39.  56.  71.  72.  76—78.)  820.  —
Strafe  für  die  Beleidigung  des  Bundesratys  und  der
Mitglieder  desselben  (ebend.  Art.  74.)  838.

Bunvesschutz  für  die  Staatsangehörigen  des  Norddeutschen
  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  3.)  819.  —  de3gl.
für  Handel,  Schiffahrt  und  Flagge  u.  lebend.  Art.  4.
Nr.  7.)  820.  —  Diplomatischer  Schutz  für  die  Mitglieder
  des  Bundesraths  (ebend.  Art.  10.)  822.

.Bundesstaaten  (Bundesglieder),  Rechte  derselben  in
Beziehung  auf  den  Bundesrath  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  7.  8.)  821.  —  Erhebung  und  Verwaltung  der
Steuern  in  den  einzelnen  Bundesstaaten  (ebend.  Art.  33.
36.  39.)  826.  —  Eisenbahnen  (ebend.  Art.  41.  42.)

828.  —  Post=  und  Telegraphenverwaltung  (ebend.  Art.

50.  52.)  830.  —  Schiffahrt  (ebend.  Art.  53.  54.)  832.
—  Kosten  und  Lasten  des  Bundeskriegswesens  (ebend.
Art.  58—  60.  62.)  834.  —  Feindliche  Unternehmungen
gegen  die  Bundesstaaten  (ebend.  Art.  75.)  838.  —
Streitigkeiten  zwischen  verschiedenen  Bundesstaaten  (ebend.

Sachregister.

1867.

Bundesstaaten  [Bundesglieder),  (Forts.)

Art.  76.)  839.  —  Beschwerden  über  Justizverweigerung
(ebend.  Vrt.  77.)  839.  —  Exekutivische  Maaßregeln  gegen
säumige  Bundesglieder  (ebend.  Art.  19.)  824.

Bundesverfaffung  (Publ.  Pat.  v.  24.  Juni)  817
bis  840.  —  Strafbare  Unternehmungen  gegen  dieselbe
(Verf.  Art.  74.  75.)  838.  —  Aenderungen  der  Verfassung
  (ebend.  Art.  78.)  839.

Bünduisse  mit  fremden  Staaten  zu  schließen,  ist  ein
Recht  des  Bundes-Präfidiums  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.11.)
823.

Büneaubeamte,  Disziplinarderfahren  gegen  Büreaubeamte
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.
Art.  III.  V.  S.  61.  65.)  1614.

Büren  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  28.

Börgerbrief  in  Schleswig  und  Holstein,  Stempel  zu
demselben  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  70.)  1304.

Bärgermeister,  Verpflichtung  der  Böürgermeister  in
den  neuen  Landestheilen,  die  Verrichtungen  eines  Polizeianwalts
  in  Strafsachen  zu  übernehmen  (Str.  P.  O.
K.  32.)  941.

Mitwirkung  der  Bürgermeister  in  Rassau  und  den
vormals  Grohherzoglich  Hessischen  Gebietstbeilen  in
Rechtsangelegenheiten  (V.  v.  26.  Juni  K.  3.)  1095.

Rechte  und  Pflichten  des  Bürgermeisters  in  Frankfurt
  a.  M.  (G.  v.  25.  März  ##.  33.  38.  40—43.  48.
64—66.  69.  71.  72.  83.)  408.

Bestätigung  der  Bürgermeister  in  den  Städten  des
ehemaligen  Königreichs  Hannover  (A.  E.  v.  8.  Mai)  728.

Bärgerrecht  in  Frankfurt  a.  M.  (G.  v.  25.  März
.  13—22.)  403.

Erwerbung  des  Bürgerrechts  von  Seiten  der  Gewerbetreibenden
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
23.  Sept.  S.  3.)  1641.

Bürgerrechtsgeld  ,  Einführung  und  Beitreibung  des.
selben  in  Frankfurt  a.  M.  (G.  v.  25.  März  §.  16.
75.  87.)  404.

Bürger-Repräsentation  in  Frankfurt  a.  M.,  Befugnisse
  derselben  (V.  v.  31.  Dez.  66.)  8.

Bürgschaften,  Stempel  zu  Bürgschaften  in  Hannover,
Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  11.)  1205.  —  desgl.
in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  10.)
1290.

Burxtehnde  (Hannover),  Führung  eines  Spezial-Hypotbekenbuchs
  für  den  Bezirk  der  Stadt  (Bek.  v.  29.  März)

C.
        <pb n="71" />
        Sachregister.

C.

Carlsruhe  (Oberschlefien),  L.  Chausseen  Nr.  17.

Celle  (Hannover),  Anstellung  der  Rätbe  bei  dem  Ober-Eppellationsgericht
  in  Celle  (V.  v.  B.  Febr.  F.  3.)  209.
—  Aukhebung  desselben  (V.  v.  27.  Juni  I&amp;amp;.  15.  16.)
1107.  —  Anderweitige  Organisation  desselben  (V.  v.
17.  Aug.)  1358.

Centigramm,  Medizinalgewicht  (G.  v.  16.  März  K.  2.)
386.

Certifikat,  Eintragung  der  Seeschiffe  des  vormaligen
Königreichs  Hannooer  in  die  don  ihnen  zu  führenden
Register-Certifikate  (V.  v.  4.  Janr.)  77.

Ausfertigung  der  Certifikate  für  die  Schiffe  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  S§&amp;amp;.  57.  61—65.)
1145.

Allgemeine  Bestimmungen  über  die  Ausstellung  der
Schiffscertifikate  für  Seeschiffe  der  Nordbeutschen  Bundesstaaten
  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  54.)  832.

Cessio  bonorum  (Güterabtretung),  Vollstreckung  des  Wechselarrestes
  gegen  solche  Personen  in  Schleswig  und  Holstein,
  welche  zur  Güterabtretung  zugelassen  worden  find
(V.  v.  13.  Mai  F.  2.  Nr.  4.)  669.

Verfahren  in  den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,
Nassau  2c.  bei  der  cessio  bonorum  (V.  v.  24.  Juni
4  89.)  909.

Kosten  für  die  Verhandlungen  über  die  cessio
bonorum  in  Holstein  und  Schleswig  (V.  v.  30.  Aug.
KS.  7.)  1370.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich-Hesfischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  F.  8.)
1401.

Cession,  Stempel  zu  Cessions-Instrumenten  in  Hannonover,
  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  13.)  1206.  —
desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  12.)  1290.

Cdartepartie,  Stempel  zu  derselben  in  Schleswig  und
Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Rr.  71.)  1304.

Chausseebau,  Stempelfreiheit  der  darauf  bezüglichen
Verhandlungen  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli
K.  3.  e.)  1193.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  7.  Aug.  8.  3.  e.)  1279.

Chansseeg  ges  in  den  neuen  Landestteilen,
  Bestimmungen  über  das  Verfahren  (V.  v.
29.  Juli  §.  5  c.)  1267.  (V.  v.  29.  Juli  K.  5.  c.)  1269.

19.#  4  4

1867.  19

Cbhausseen:
I.  in  der  Provinz  Preußen:

1)  Danziger  Landkreis-Chausseen;  Ausfertigung  von
70,000  Thalern  Kreis-Obligationen  des  Danziger
Landkreises  II.  Emission  zu  5  Prozent  zur  Ausführung
  der  vom  Kreise  unternommenen  Chausseebauten
  (Priv.  v.  6.  Mai)  804—807.

2)  Pr.  Holländer  Kreis-Chausseen;  Ausfertigung  von
25,000  Thalern  Kreis-Obligationen  des  Pr.  Hollcnder
Kreises  zu  5  Prozent  zur  Vollendung  der  vom
Kreise  unternommenen  Chaufsseebauten  (Priv.  v.
27.  Mai)  1237—1240.

3)  von  Insterburg  nach  Karalene,  Ausführung
des  Baues  durch  den  Kreis  Insterburg;  Bewilligung
des  Expropriationsrechts  2c.  (A.  E.  v.  18.  Nov.)
1905.  —  Ausfertigung  von  38,600  Thalern  Justerburger
  Kreis-Obligationen  zu  5  Prozent  zur  Ausführung
  der  vom  Kreise  unternommenen  Chausseebauten
  (Priv.  v.  18.  Nov.)  1906—1909.

4)  Labiauer  Kreis-Chausseen,  Verleihung  der  fiskalischen
Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.  27.  Nov.)  1934.  —  Ausfertigung
  von  152,000  Thalern  Labiauer  Kreis-Obligationen
  zu  5  Prozent  zur  Ausführung  der  vom
Kreise  unternommenen  Chausseebauten  (Priv.  v.
27.  Nov.)  1935—1939.

5)  Osteroder  Kreis-Chausseen;  Ausfertigung  von
40,000  Thalern  Kreis-Obligationen  des  Osteroder
Kreises  zu  5  Prozent  zur  Beschaffung  der  noch  rückständigen
  Kosten  für  die  vom  Kreise  ausgeführten
Chausseebauten  (Priv.  v.  12.  Nov.  66.)  1—4.

6)  von  Schöneck  bis  zur  Pr.  Stargardter  Kreisgrenze
bei  Lienfitz  in  der  Richtung  auf  Pr.  Stargardt,
Ausführung  des  Baues  durch  den  Kreis  Berent;
Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte  ½.  (A.  E.  v.
15.  Juli)  1359.

7)  a  von  Werxnen  an  der  Kreis-Chaussee  von
Stallupönen  bis  nach  Mehlkehmen;  b.  von  derselben
  Kreis  =  Chaussee  nach  dem  Hauptgestüt  Trakehnen,
  und  c.  don  Stallupönen  nach  Kattenau,
  Ausführung  des  Baues  durch  den  Kreis
Stallupönen;  Verleihung  des  Expropriationsrechts  2c.
(A.  E.  v.  31.  Aug.)  1781.  —  Ausfertigung  von
108,000  Thalern  Stallupöner  Kreis-Obligationen  zu
5  Prozent  zur  Vollendung  der  vom  Kreise  unternommenen
  Chausseebauten  (Priv.  v.  31.  Aug.)  1782
bis  1786.

II.  in  der  Provinz  Brandenburg:

8)  von  Brandenburg  in  der  Richtung  auf  Grüningen=
  Ziesar  bis  zur  Grenze  des  Stadbtbezirks,  Ausführung
  des  Baues  Seitens  der  Stadt  Brandenburg;
Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.
7.  Sept.)  1732.  9  Tele-
        <pb n="72" />
        20

Chausseen,  (Forts.  )

9)  Teltow—  .Zehlendorfer  Chaussee,  Verleihung  des
Rechts  an  die  Stadt  Teltow  zur  Erhebung  eines
Chausseegeldes  für  eine  halbe  Meile  nach  dem
doppelten  Betrage  der  Tarifsätze  für  die  Teltow-Zehlendorfer

  Chaussee  auf  fernere  fünf  Jahre  (A.  E.

b.  13.  Mai)  808.

*  III.  in  der  Provinz  Schlesien:

10)  von  Breslau  nach  Groß-Nädlitz,  Ausführung
des  Baues  von  Seiten  der  Stadt  Breslau  und
der  „Breslau-Schwoißsch-  Groß-Nädlitzer
Ccausseebau-  Akiengesellschaft";  “  Verleihung  der  fiskalischen

  Vorrechte  rc.  (A.  E.  v.  21.  April)  731.  —
Allerhöchste  Genehmigung  der  unter  der  Firma:
*  reslau-=  Schweitzsch  Groß=  Nädlitzer  Chausseebau-Aktiengesellschaft
  mit  dem  Sitze  zu  Breslau  errichteten

Aktiengesellschaft  (Bek.  v.  11.  Mai)  735.

11)  von  Creutzburg  nach  Landsberg  und  von  Constadt
  nach  Pitschen,  Ausführung  des  Baues
Seitens  der  Kreise  Creutzburg  und  ’n–3n
Bewilligung  des  Expropriationsrechts  2c.  (A.  E.

3.  Juni)  1158.  —  Ausfertigung  von  30,000  oae

Creutzburger  Kreis-Obligationen  zu  5.  Prozent  zur

Ausführung  der  vom  Kreise  unternommenen  Chausseebeauten
  (Priv.  v.  3.  Juni)  1159—1162.

12  von  Freistadt  nach  der  Beuthen  „Neusalzer
Chaussee  bei  der  Neumühle  im  Kreise  Freistadt,  Ausführung
  Seitens  des  Kreises  Freistadt;  Verleihung
der  fiskalischen  Vorrechte  rc.  (A.  E.  v.  17.  Juli)
1338.  —  Ausfertigung  von  120,000  Thalern  Freistädter
  Kreis-Obligationen  zu  5  Prozent  zur  Ausführung
  der  vom  Kreise  unternommenen  Chaussee=  2c.
Bauten  (Priv.  v.  17.  Juli)  1339—1343.

18)  pon  Gellendorf  bis  zum  Anschlusse  an  die  Posen-Bareslauer
  Staats-Chaussee  von  Prausnitz  im
Kreise  Militsch,  Ausführung  des  Baues  Seitens  des
Kreises  Trebnitz;  Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte
  2c.  (A.  E.  v.  7.  Aug.)  1447.

14)  Nimptscher  Kreis-  Chausseen,  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  ꝛc.  (A.  E.  v.  15.  Juli)  1310  bis
1311.

15)  Ratiborer  Kreis=  Chausseen,  Verleihung  der  fiskalischen

  Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.  1.  April)  617.
AAusfertigung  von  150,000  Thalern  Natiborer  Kreis-6GP—.-
  zu  5  Prozent  zur  Ausführung  der  vom

Kreise  unternommenen  Shausseebauten  Wriv.  v.  1.  April)

618—621.

4q  von  Schlawentschütz  über  Ujest  bis  zur  Kreisgrenze

  in  der  Richtung  auf  Peiskretscham,
Ausführung  des  Baues  Seitens  des  Kreises  Groß-Streblit
  Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte  7.
(A.  E  v.  8.  April)  622.

Sachregister
Chausseen,  (Fortf.)

1867.

17)  von  Schwirz  über  Städtel  bis  zur  Namslau—
Oppelner  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Carlsruhe,
  Ausführung  des  Baues  Seitens  des  Kreises
Namslau;  Bewilligung  des  Expropriationsrechts  u.
(A.  E.  v.  5.  Aug.)  1509.

IV.  in  der  Provinz  Posen:

18  von.  Adelnau  über  Sulmierzyce  bis  zur  F

Grenze,  Ausführung  des  Baues  Seitens  des  Kreises
Adelnau;  Bewilligung  des  Erpropriationsrechts  x.
(A.  E.  v.  15.  Juli)  1329.  —  Ausfertigung  von
60000  Thalern  Adelnauer  Kreis-  Obligätionen  zu

5  Prozent  zur  Ausführung  der  bom  Kreise  unternommenen
  Chauffeebauten.  (Priv.  v.  15.  Juli)  1330.
19)  von  Pogorzella  nach  Sandberg,  Ausführung
des  Baues  durch  den  Kreis  Krotoschin;  Verbhibue
  der  fiskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.

Juni)  1241.

20)  *  Rawicz  nach  Dubin,  Ausführung  bes  Baues

durch  den  Kreis  Kröben;  Verleihung  der  fiskalischen
Vorrechte  2c.  (I.  C.  b.  5.  Aug.)  1432.

V.  in  der  Probinz  Sachsen:  6
20)  von  Diesdorf  im  Kreise  Salzwedel  bis  zur  Kreis—-grenze
  bei  Waddekath,  Ausführung  des  Baues
durch  den  Kreis  Salzwedel:  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.  31.  Dez.  66.)  183.
22)  von  Hötensleben  nach  Hamersleben,  Verleihung
  der  fiskalischen  Vorrechte  an  die  Unternehmer
des  Baues  der  im  Kreise  Oschersleben  belegenen

Strecke  der  Chaussee  (A.  E.  b.  14.  Okt.)  1798.
23)  von  Roßla  über  Sittendorf  bis  zum.  Anschluß
an  die  von  Artern  über  Tilleda  nach  Kelbra  führende
fiskalische  Straße,  Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte
  an  den  Grafen  zu  Stolberg-Roßla  (A.  E.

v.  24.  April)  668.

24)  l  Groß-Rottmersleben  über  Ackendorf  bis

zur  Neuhaldenslebener  Kreisgrenze  in  der  Richtung
auf  Gutenswegen,  Verleihung  der  fiskalischen?  Vorrechte
  ꝛc.  (A.  E.  v.  28.  Okt.)  1861.

25)  von  Walbeck  nach  Helmstädt  zu  bis  zur  Wulbecker

  Feldmarkgrenze,  Verleihung  der  fiskalischen
Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.  28.  Okt.)  1862.

26)  von  Wiehe  nach  Reinsdorf,  Ausführung  des
Baues  durch  den  Kreis  Eckarts  berga;  Bewilligung
des  Expropriationsrechts  K.  (A.  E.  v.  G.  Nob.)  1913.

.  von  Zörbig  über  Bitterfeld  nach  Düben,  Ausführung

  des  Baues  durch  den  Kreis  Bitterfeld;  Bewilligung
  des  Expropriationsrechts  2c.  (A.  E.  b.
18.  März)  494.  «
        <pb n="73" />
        Sachregister.

Chausseen,  (Forts.)
VI.  in  der  Provinz  Westphalen:

28)  a.  von  Dalheim  nach  Lichtenau  und  b.  von
Büren  bis  zur  Einmündung  in  die  Straße  ad  a;
Ausführung  des  Baues  durch  den  Kreis  Büren;
Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte  r2c.  (A.  E.  v.
2.  Aug.)  1496.
von  Herford  über  Exter  nach  Vlotho,  Ausfuͤhrung
  des  Baues  durch  den  Kreis  Herford;  Bewilligung
  des  Expropriationsrechts  2c.  (A.  E.  v.  21.  Aug.)
1731.

29

30)  a.  von  Höxter  bis  zur  Grenze  der  Provinz  Hannover
in  der  Richtung  auf  Heinsen  nebst  einer  Zweigstraße
  von  Stahle  zur  Holzminbener  Fähre;  b.  von
Brakel  zur  Roggenthalsmühle  auf  Veverungen,
und  c.  von  Brakel  bis  zur  Grenze  des  Fürstenthums
  Lippe-Detmold  in  der  Richtung  auf  Schwalenburg;
  Ausführung  des  Baues  durch  den  Kreis
Höxter;  Bewilligung  des  Expropriationsrechts  rc.
(A.  E.  v.  25.  Nov.)  1926—1927.

31)  von  Löbne  bis  zur  Herforder  Kreisgrenze  in  der
Richtung  auf  Tengern  und  von  Mennighüffen
bis  zur  Herford-Lübbecker  Kreis-Chaussee  bei  Kirchlengern,
  Ausfübrung  durch  den  Kreis  Herford;
Bewilligung  des  Expropriationsrechts  2c.  (A.  E.  v
21.  Okt.)  1834

32)  don  Metelen  bis  zur  Grenze  des  Kreises  Ahaus  in
der  Richtung  auf  Doodts  Kotten,  Ausführung  des
Baues  durch  den  Kreis  Steinfurt;  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  c.  (A.  E.  v.  25.  Nov.)  1932.

33)  von  Minden  durch  den  fiskalischen  Forslschutzbezirk
Mindener  Wald  bis  zur  Kreisgrenze  in  der  Richtung
auf  Diepenau,  Ausführung  Seitens  des  Kreises
Minden,  Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte  2c.
(A.  E.  v.  24.  Juni)  1242.

34)  von  Oeynhausen  über  Egter  bis  zur  Landesgrenze,
Ausführung  des  Baues  durch  die  Kreise  Minden
und  Herford;  Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte
  2c.  (A.  E.  v.  30.  Okt.)  1863.

35)  von  Recklinghausen  nach  Buer,  Ausführung  des
Baues  durch  den  Kreis  Recklinghausen;  Verleihung
der  fiskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.  14.  Okt.)  1800.

VII.  in  der  Rheinprovinz:

36)  von  der  Aachen-Eupener  Aktienstraße  nach  der
Cöln-Lütticher  Staatsstraße  bei  Altenberg;  Verleihung
  der  fiskalischen  Vorrechte  (A.  E.  v.  5.  Aug.)
1446.

37)  von  Brachtendorfs  Mühle  an  der  Flaumbachstraße
  im  Kreise  Zell  bis  Gassenhof,  Verleihung
der  fiskalischen  Vorrechte  rc.  (A.  E.  v.  14.  Janr.)  184.

1867.

Chausseen,  (Fortf.)

38)  von  Daaden  bis  zur  Behorf=  Neunkirchener  sogenannten
  Heller-Bezirksstraße  bei  Alsdorf  im  Kreise
Altenkirchen,  Bewilligung  des  Expropriationsrechts
K.  (A.  E.  v.  14.  Okt.)  1799

39)  von  der  Enkirch-Irmenacher  Gemeinde-Chaussee
nach  der  Trarbach-Zeller  Moselstraße,  Verleihung
  der  fiskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.  v.
30.  Janr.)  244.

40)  von  Füssenich  nach  Embken,  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  #.  (A.  E.  v.  8.  April)  599.

41)  von  Neustadt  bis  auf  die  Linz-Rottbitzer  Bezirksstraße
  bei  Kretzenhaus,  Bewilligung  des
Expropriationsrechts  k.  (A.  E.  v.  3.  Juni)  1230.

42)  von  Oberwesel  nach  Simmern,  Verleihung  des
Rechts  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  an  die  Gemeinden
  Oberwesel  k.  (A.  E.  v.  1.  April)  551.

43)  von  Reinsport  nach  Wintrich  im  Kreise  Bernkastel,
  Verleihung  der  fiskalischen  Vorrechte  2c.  (A.  E.
v.  14.  Okt.)  1833.

Chemiker,  Gedbühren  derselben  für  die  Vornahme  chemischer
  Untersuchungen  in  gerichtlichen  Angelegenheiten  in
Schleswig,  Holstein,  Kurhessen,  Rassau  2c.  (Regul.  v.
30.  Aug.  K.  5.  C.)  1383.  (V.  v.  30.  Aug.  F.  17.)  1378.
(V.  v.  30.  Aug.  S.  18.)  1395.  (V.  v.  30.  Aug.  §.  20.)
1408.  —  desgl.  in  Hannover  und  Frankfurt  a.  M.  in
Strafsachen  (V.  v.  30.  Aug.  §.  27.)  1420.

Eivilehe,  s.  Ehesachen.

Clausthal  (Hannover),  Bestimmungen  über  den  Bergbau
  im  Bezirk  des  Berg=  und  Forstamtes  zu  Clausthal
(V.  v.  8.  Mai  Art.  XV.  XVIII.  XIX.)  603.—
Ressortverhältnisse  des  Berg=  und  Forstamtes  daselbst
(V.  v.  25.  Mai  Art.  I.)  735.  —  Anderweitige  Organisation
  des  Oberbergamtes  in  Clausthal  (V.  v.  9.  Rov.)
1873.

21

Regulirung  der  Holz=  und  Kohlen-Nutzungen  im
Bezirk  der  Berghauptmannschaft  zu  Clausthal  (Oberharz)
(V.  v.  14.  Sept.  §##  1.  ff.)  1621.

Colbergermünde  (Pommern),  Ermäßigung  der  Hafenabgaben
  (A.  E.  v.  22.  Nov.  Nr.  1.)  1847.

Cöln  (am  Rhein),  dem  Eisenbahn-Kommissariat  in  Cöln
werden  die  Privat-Eisenbahnen  in  Hannover,  Kurhessen
Nassau  und  Frankfurt  a.  Main  zur  Beaussichtigung  überwiesen
  (A.  E.  v.  15.  Dez.  66.)  5.  —  desgl.  die  Frankfurt-Homburger
  Eisenbahn  (A.  E.  v.  9.  März)  396.

Dem  Provinzial-Steuerdirektor  in  Cöln  wird  die
Steuerverwaltung  des  Hessischen  Oberamtsbezirks  Meisenheim
  zugetheilt  (A.  E.  v.  8.  Febr.)  204.

Ausfertigung  von  Cölner  Stadt-Obligationen  im
Betrage  von  800,000  Thalern  zu  4  Prozent  (Priv.  v.
14.  Aug.)  1677—1682.

Con--
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        2

Constadt  (Oberschlesien),  s.  Chausseen  Rt.  11.

Cosel  (Schlesien),  Tarif  für  die  Benutzung  der  Oderschleuse
  bei  Cosel  (A.  E.  v.  2.  Sept.)  1523—1521.

Cöslin  (Pommern),  Genehmigung  eines  Nachtrages  zu
dem  Statut  der  Pommerschen  Hypotheken-Aktienhank  in
Cöslin  (Bek.  v.  4.  Dez.)  1904.

Eisenbahn  von  Cöslin  über  Stolp  nach  Danzig,
s.  Eisenbahnen  Nr.  15.

Cossenblatt  (Prodinz  Brandenburg),  Erhebung  der
Schiffahrksabgabe  bei  der  Spreeschleuse  zu  Cossenblatt
(A.  E.  v.  19.  Nov.  66.)  22.

Crenburg  (Oberschlesien),  Ausfertigung  von  Creuzburger
  Kreisobligationen  im  Betrage  von  30,000  Thalern
zu  5  Prozent  (Priv.  v.  3.  Juni)  1159—  1162.  —  (.  auch
Chausseen  Nr.  11.

Crossen  (Provinz  Brandenburg),  Eisenbahn  von  Bentschen
über  Züllichau  und  Crossen  nach  Guben,  f.  Eisendahnen
  Nr.  4.

Culm  (Provinz  Preußen),  Abänderung  einiger  Bestimmungen
  des  Deichstatuts  für  die  Culmer  Stadtniederung
vom  6.  Juli  1853  (A.  E.  v.  18.  März)  396.

Cüüstrin  (Provinz  Brandenburg),  Berlin-Cüstriner  Eisenbahn,
  s.  Eisenbahnen  Nr.  6.

D.

Daaden  (Rheinprovinz),  #.  Chausseen  Nr.  38.

Dachschiefer,  gebört  in  Nassau  zu  den  dem  Bergrecht
unterliegenden  Mincralien  (V.  v.  22.  Febr.  Art  II.)  237.

Dalbeim  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  28.

Damm,  Strafe  für  die  Beschädigung  eines  Dammes  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  1II  F.  3.
Schlußsatz)  925.

Danzig  (Landkreis),  Ausfertigung  von  Obligationen  des
Danziger  Landkreises  im  Betrage  von  70,000  Thalern
II.  Emission  zu  5  Prozent  (Priv.  v.  6.  Mai)  804—807.

Dagyzig  (Stadt),  Danziger  Privat-Aktienbank,  Genehmigung
  des  revidirten  Statuls  (A.  E.  v.  4.  Febr.)
245—268.

Danziger  Sparkassen=  Aktienderein,  Genehmigung
des  Statuts  (Bek.  v.  24.  Mai)  792.

Eisendahn  von  Cöslin  nach  Danzig,  f.  Eisenbahnen
  Nr.  15.

Sachregister.

1867.

Darlehne,  Gewährung  von  Darlehnen  an  ländliche
Grunbdbesitzer  2c.  in  den  Regierungsbezirken  Königsberg
und  Gumbinnen  zur  Linderung  des  dort  herrschenden
Nothstandes  (G.  v.  23.  Dez.  S#.  3—7.)  1929.

Darlehnskassenscheine,  Verausgabung  derselben  zur
Linderung  des  Nothstandes  in  den  Reglerungsbezirken
Königsberg  und  Gumbinnen  (G.  v.  23.  Dez.  S#.  1.
2.  7—11.)  1929.

Darmstadt  (Hessen),  Errichtung  einer  Königl.  Preußischen
  Ober-Postdirektion  daselbst  (A.  E.  v.  8.  April)
847.

Defekte,  s.  Kassen  defekte.

Deichangelegenbeiten,  Abänderung  einiger  Bestimmungen
  der  Verordnung  vom  1.  Juli  1859.  wegen  Revision
  des  Deichwesens  in  der  Altmark  (A.  E.  d.
4.  Febr.)  227.

Strafe  für  die  Beschädigung  eines  Deiches  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  §.  3.
Schlußsatz.)  925.

Stempelfreiheit  der  Verhandlungen  in  Deichbau-Angelegenheiten
  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und
den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli
E.  3.  d.)  1192.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  7.  Aug.  F.  3.  d.)  1278.

Deichverbände  gegen  Ueberschwemmungen:

1.  der  Elbe.
Blumenthaler  Deichverband,  Aenderungen  des  Statuts
  (A.  C.  v.  19.  Aug.)  1447.

2.  der  Oder.
b  Deichverband  (Stat.  v.  6.  Mai)

v

Deutsch-Wart
810—816.

Statut  des  Königlich  und  Fürstlich  Aufhalter  Deichberbandes
  (b.  30.  Okt.)  1826—1831.

3.  des  Rheins.
Zweiter  Bislicher  Außenpolber  Deichverband  (Stat.
v.  24.  Aug.)  1510—1512.

4.  der  Weichsel.

Deichverband  der  Marienwerderschen  Niederung
(Stat.  v.  12.  Dez.  66.)  175—183.

Deichstatut  für  die  Culmer  Stadtniederung,  Abaénderung
  einiger  Bestimmungen  desselben  (A.  E.  v.
18.  März)  396.

De-
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        Sachregister.

Denunzianten-Antbell  für  die  Anzeige  von  Steuerdefrandationen
  in  den  neuen  Landestheilen,  insbesondere
dri  der  Branntweinsteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  71.)  650.
—  bei  der  Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  40.)
660.  —  bei  der  Tabacksteuer  (V.  v.  11.  Mai  §.  27.)
666.  —  ferner  bei  der  Stempelsteuer  von  Spielkarten
(V.  v.  4.  Juli  §.  22.)  1061.  —  von  Wechseln  (V.  v.
4.  Juli  §.  7.)  1065.  —  von  Zeitungen  (V.  v.  4.  Juli
#.  5.)  1067.  —  von  Kalendern  (V.  v.  5.  Juli  F.  4.)
1068.  —  von  Erbschaften  (V.  v.  5.  Juli  S.  10.)  1123.
—  von  Verträgen  und  anderen  Urkunden  (V.  v.  19.  Juli
KS.  21.)  1198.  (V.  v.  7.  Aug.  F.  21.)  1284.

Ein  Denunzianten-Antheil  für  die  Anzeige  von  Zolldefraudationen
  findet  in  Schleswig  und  Holstein  nicht
statt  (V.  v.  29.  Juli  S.  3.)  1266.  —  ebenso  nicht  in
Hannover,  Kurhessen,  Nassau  rc.  (V.  v.  29.  Juli  F.  3.)
1268.

Von  den  für  Spielkarten-Kontraventionen  festgesetzten
  Geldstrafen  soll  ein  Denunzianten-Antheil  künftig
ebenfalls  nicht  stattfinden  (G.  v.  23.  Dez.  K.  22.)
1925.

Deuunziation,  s.  Anzeige.
Deszendenten,  s.  Kinder.

Detentionskosten  in  Strafsachen,  gehören  in  den
neuen  Landestheilen  zu  den  baaren  Auslagen  (V.  v.
30.  Aug.  K.  14.)  1416.

Deutsche  Sprache,  Vernehmung  von  Personen,  welche
der  Deutschen  Sprache  nicht  mächtig  sind,  bei  Untersuchungen
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
S&amp;amp;#  144.  115.)  968.  —  llebersetzungen  ins  Deutsche
(ebend.  K  185.)  977.

Deutschland,  s.  Rorddeutscher  Bund.
Dezigramm,  Medizinalgewicht  (G.  v.  16.  März  K.  2.)
386.

Diäten,  der  zur  Ermittelung  und  Feststellung  der  Grundsteuer
  zugezogenen  Kommissarien,  Techniker  k.  (G.  v.
8.  Febr.  §.  30.)  196.

Die  Mitglieder  des  Norddeutschen  Reichstages
dürfen  als  solche  keine  Entschädigung  beziehen  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  32.)  826

Diäten  werden  den  Geschworenen  in  den  neuen
Landestheilen  nicht  gezahlt  (Str.  P.  O.  3.  293.)  1001.

Diäten  der  Justizbeamten  in  Schleswig  und  Holstein
  (V.  d.  30.  Aug.  K.  1.)  1369.  —  desgl.  in  Kurhessen
  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.
v.  30.  Aug.  §.  1.)  1385.  —  desgl.  in  Rassau  und  den
vormals  #gerpglsh  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.
30.  Aug.  S.  1.)  1399.

1867.  23

Dläten,  (Forlf.)

Diäten  der  Rechtsanwalte  in  den  neuen  Landestbeilen
  in  Untersuchungssachen  (V.  v.  30.  Aug.  &amp;amp;.  17.
Schlubsatz)  1418.

Allgemeine  Bestimmung  über  die  Diäten  und  Reisekosten
  der  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen  für
Dienstreisen  (V.  v.  23.  Sept.  §.  1.  Nr.  2.)  1619.

Diäten  der  Provinziallandtags  =  Abgeordneten  in
Hannover  (V.  v.  22.  Aug.  K.  21.)  1356.  —  desgl.  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  §.  23.)  1586.

Dliebstahl,  Strafe  für  die  Entwendung  von  Früchten
und  anderen  Bodenerzeugnissen  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  K.  2.  Nr.  2.)  924.  —
Kompetenz  der  Strafkammern  in  Diebstahlssachen  (Str.
P.  O.  K.  13.  lit.  B.)  935.  —  Verfahren  in  Untersuchungen
  wegen  einfachen  Diebstahls  (ebend.  S.  448.)
1037.

Dienstboten,  s.  Gesinde.

Dienste,  Ablösung  derselben,  (l.  Ablösung.

Diensteid  der  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  22.  Janr.)  132—135.

Allgemeine  Bestimmung  über  die  Form  des  Diensteides
  (V.  v.  6.  Mai)  715.

Diensteid  der  Post=  und  Telegraphenbeamten  im
Gebiete  des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni
Artt.  50.)  331.  —  desgl.  der  Marine-Offiziere,  Beamten
und  Mannschaften  (ebend.  Art.  53.)  832.

In  welchen  Fällen  bei  Untersuchungen  in  den  neuen
Landestheilen  die  Versicherung  eines  Zeugen  oder  Sachverständigen
  auf  den  Diensteid  zulässig  ist  (Str.  P.  O.
165.  172.)  973.

Dienstestlassung,  (.  Abschied.

Dlenstliste  der  Geschworenen  in  den  neuen  Landestheilen
  (Str.  P.  O.  F.  287.)  999.

Dienstreisen,  Vergütung  der  Diäten  und  Reisekoslen
für  Dienstreisen  der  Beamten  in  den  neuen  Landestbeilen
  (V.  v.  23.  Sept.  §.  1.  Nr.  2.)  1619.

Dienstvergehen  der  Richter  und  der  nichtrichterlichen
Beamten  in  den  neuen  Landestheilen,  Disziplinarverfahren
  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  I.  ff.)  1613.

Dienstzeit,  Bestimmungen  über  die  Dienstzeit  der  Militairpersonen
  im  Bundesheere  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  59.  61.)  834.

Diepenau  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  33.

Diesdorf  (Provinz  Sachsen),  s.  Chausseen  Nr.  21.

Dietz,  ist  die  Kreisstadt  des  Unter-Lahn-Kreises  im  Regierungsbezirk

  Wiesbaden  (V.  v.  22.  Febr.  §.  4.  Nr.  5.)

275

"  Dul
        <pb n="76" />
        24

Dillenburg,  ist  die  Kreisstadt  des  Dillkreises  im  Regierungsbezirk
  Wiesbaden  (V.  v.  22.  Febr.  .  4.  Nr.  1.)
275.

Erweiterung  der  Kompetenz  des  Hof=  und  Appellationsgerichts
  zu  Dillenburg  (A.  E.  v.  5.  Nov.  66.
Nr.  III.  VVII)  490.

Dillkreis,  gehört  zum  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.
v.  22.  Febr.  §.  4.  Nr.  1.)  275.

Dismembration,  Feststellung  und  Fortschreibung  der
Grundsteuer  bei  Dismembrationen  (G.  v.  8.  Febr.
K.  35.)  198.  —  f.  auch  Parzellirung.

Dispache,  Anfertigung,  Prüfung  und  Bestätigung  derselben
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  88.  71
bis  77.)  1148

Disvpensationen  don  dem  Heiratbskonsense  und  von
der  Aufstellung  eines  Inventars  in  Kurhessen  und  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni
5S.  25.)  1090

Disvositionsscheine  der  Banquiers  und  Kaufleute,
Verwendung  des  Stempels  zu  denselben  in  Hannover,
Kurhessen,  Rassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  19.  Juli  Tarif  Nr.  17.)  1206.  —  desgl.
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  Tarif  Nr.  16.)
1291.  1816.

Distriktsbehörden  (Distriktsbeamte)  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  §.  4.)  1587.

Distrikts-Kommissionen  für  die  Armenangelegenbeiten
  in  Westpreußen  (Anweisung  vom  11.  Sept.  88.  3
bis  10.)  1721.

Disziplin,  Bestimmung  für  die  neuen  Landestheile  Kurhessen,
  Nassau  2c.  über  die  Erledigung  solcher  Beschwerden
  in  Civilprozeßsachen,  welche  die  Disziplin  betreffen
(V.  v.  24.  Juni  K.  85.)  907.  —  desgl.  in  Untersuchungssochen
  (Str.  P.  O.  F.  413.)  1028.  —  besondere
Bestimmung  für  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni
K.  35.)  1080.  —  desgl.  für  Kurhessen  und  die  vormals
Bayerischen  Gebietstheile  (V.  v.  26.  Juni  .  28.)  1091.
—  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
Hesfischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  F.  27.)  1100.

Disziplinarrath  für  Rechtsonwalte  und  Notarien  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  V.
72.  74.)  1616.

Disziplinarstrasen  in  der  Armee,  f.  Militair-Disziplinarstrafen.


Disziplinarverfahren  gegen  Mitglieder  des  Reichstages
  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  30.)  825

Disziplinarverfahren  gegen  Justizbeamte,  insbes.
gegen  Rechtsanwalte  und  Notare  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  26.  Juni  S.  25.  Nr.  5;  §.  32.)  1079.

Sachregister.

1867.

Disziplinarverfahren  (Forts.)

—  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  K.  14.  Nr.  V;  K.  21.)
1089.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherdoglich
  Hessischen  Landestheilen  (V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;.  14.
Rr.  IV;  K.  21.)  1098.

Ausdehnung  der  Preußischen  Disziplinargesetze  auf
die  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.)
1613—1618.

Dithmarschen  (Norder=  und  Süder),  Kreisverfassung
(V.  v.  22.  Sept.  8.  28.)  15493.  —  Gemeindeverfassung
(V.  v.  22.  Sept.  §.  29.)  1610.

Dittersbach  (Schlesien),  Eisenbahn  nach  Altwasser,
s.  Eisenbahnen  Nr.  16.

Divenow  (Fluß  in  Pommern),  Aufhebung  der  Schiffahrtsabgaben
  für  das  Befahren  der  Divenow  (A.  E.  v.
22.  Nov.  Nr.  2.)  1848.

Divifionsprediger,  Anstellung  derselben  in  dem  vormaligen
  Königreich  Hannover  (V.  v.  24.  Juni  §.  2.)
919.  —  desgl.  im  Bereich  des  eilften  Armeekorps  (V.
v.  12.  Okt.  §.  2.)  1849.

Dobktoren  der  Rechte  können  in  den  neuen  Landestheilen
als  Vertheidiger  gewählt  werden  (Str.  P.  O.  F.  205.
Nr.  2.)  981.

Dolmetscher,  Zuziebung,  Vernehmung  und  Vereidigung
derselben  in  Civilprozessen  in  den  neuen  Landestheilen
Kurhessen,  Nassau  #c.  (V.  v.  21.  Juni  §.  35.)  894.
—  desgl.  in  Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.  F.  24.
Nr.  4;  &amp;amp;#.  144.  145.  185.  186.  226.  295.  312.)  939.
(V.  v.  25.  Juni  Art.  XII.  Nr.  3.)  928.

Gebühren  der  Dolmetscher  in  den  neuen  Lanbestheilen
  (Regul.,  v.  30.  Aug.  &amp;amp;.  5.  E.)  1384.  (V.  v.
30.  Aug.  S.  17.)  1378.  (V.  v.  30.  Aug.  F.  18.)  1395.
(V.  v.  30.  Aug.  F.  20.)  1308.  (V.  v.  30.  Aug.  .  27.)
1420.

Domainen  in  den  neuen  Landestheilen,  Verwaltung
und  Verußerlichkeit  derselben  (V.  v.  5.  Juli)  1182
bis  1183.

Ablösung  der  Reallasten,  welche  dem  Domainenfiskus
  in  Hannover  zustehen  (V.  v.  28.  Sept.)  1670
bis  1676.

Domainen-Abgaben,  Ablösung  derselben  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  5.  Juli  &amp;amp;.  1.  3.)  1182.
Domanialgefälle  in  den  neuen  Landestheilen,  gekutivische
  Beitreibung  derselben  im  administrativen  Wege

(V.  v.  22.  Sept.  §.  1.  Nr.  6.)  1554.

Donation,  s.  Schenkung.

Douau,  Schiffahrts-Akte  für  die  Donau-Mündungen
(v.  2.  Nov.  65.)  307—349.

Doots-
        <pb n="77" />
        Sachregister.

Dootskotten  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  32.

Doppelthaler,  fernere  Gültigkeit  derselben  im  Gebiete
ndes  Deutschen  Münzvereins  (Vertr.  v.  13.  Juni  Art.  2.
u.  3.)  1802.

Dortmund  (Westphalen),  dem  Oberbergamte  in  Dortmund
  werden  die  Bezirke  Osnabrück  und  Aurich  des  vormaligen
  Königreichs  Westphalen  zugewiesen  (V.  v.
25.  Mai  Art.  I.)  735.

Dotationen,  Verleihung  derselben  als  Anerkennung
bervorragender  im  Krriege  vdon  1866  erworbener  Verdienste
  (G.  v.  W.  Dez.  66.)  25.

Düben  (Provinz  Sachsen),  #.  Chausseen  Nr.  27.

Dubin  (Posen),  s.  Chausseen  Rr.  20.

Däuger,  Strafe  für  das  unbefugte  Aufsammeln  von
Dünger  auf  fremden  Aeckern,  Wiesen  und  Weiden  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  F.  1.
Nr.  6.)  924.

Duplik  im  Prozeßverfahren  in  den  neuen  Landestheilen
Kurhessen,  Rassau  rc.  (V.  v.  24.  Juni  &amp;amp;6.  15.  16.  100.)
888.

Düren  (Rheinprovinz),  Eisenbahn  von  Reuß  nach  Düren,
s.  Eisenbahnen  Nr.  37.

Därrenberg  (Provinz  Sachsen),  Herstellung  einer  Eisenbahn
  von  der  Saline  Dürrenberg  nach  dem  gleichnamigen
Bahnhofe  der  Thüringischen  Eisenbahn  (A.  E.  v.  4.  Mai)
734  ·

Dässeldorf  (Rheinprovinz),  s.  Eisen  bahnen  Nr.  5.

E.

Ebsdorf  (Kurhessen),  die  Gerichtsbarkeit  über  die  in
der  Forst.  Ebsdorf  begangenen  Forst-,  Jagd-  und
Fischereifrevel  ist  dem  Justizamte  in  Fronhausen  übertragen
  (A.  E.  v.  22.  Febr.)  278.

Ediktalverfabren  bei  Untersuchungen  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  #z.  453—467.)  1038.  —
Ediktalvorladung  ausgewanderter  Militairpflichtiger  und
Landwehrmänner  (ebend.  I#  472.  47  5.)  1042.

Eckartsberga  (Provinz  Sachsen),  s.  Chausseen  Nr.  26.

Ebefrau,  Vertretungsverbindlichkeit  des  Ehemannes  für
die  von  seiner  Gattin  begangenen  Steuerdefraudationen
in  den  neuerworbenen  Landestheilen  bei  der  Branntweinsteuer
  (V.  v.  11.  Mai  K.  66.)  649.  —  bei  der
Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  34.)  658.  —  bei
der  Tabacksteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  20.)  664.  —  (.  Vertretungsverbindlichkeit.


Jahrgang  1867.

1867.
Ebefrau,  (Forts.)

In  welchen  Fällen  die  Ebefrau  eines  Erblassers  in
den  neuen  Landestheilen  eine  Erbschaftsabgabe  zu  entrichten
  hat  (Tarif  v.  5.  Juli  A.  u.  Nr.  2.  c.)  1120.

Verhaftung  des  Ebegatten  für  die  Handelsschulden
seiner  Ehefrau  in  Holstein  und  Schleswig  (V.  v.  5.  Juli
6  6—9.)  1135.

s.  auch  Ebegatte,  desgl.  Handelsfrauen.

Ehegatte,  der  Ehegalte  einer  Angeschuldigten  darf  in
den  neuen  Landestheilen  nicht  als  Nichter  oder  Gerichlsschreiber
  in  der  Untersuchung  mitwirken  (Str.  P.  O.
5K.  24.  Nr.  1.)  938.  —  auch  nicht  als  Geschworener
(ebend.  K.  295.)  1001.  —  Vernehmung  des  Ehegatten
als  Zeugen  (ebend.  S#  155.  161.  Nr.  4;  SK#.  243.  501.)
970.  —  als  Sachverständigen  (ebend.  §#.  169.  172.
186.)  973.  —  Zulassung  desselben  als  Vertheidiger
(ebend.  &amp;amp;.  205.  Nr.  4.)  981.

Verpflichtung  der  Ebegatten  zur  Entrichtung  der
Erbschaftsabgabe  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
5.  Juli  ##.  4.  5.  u.  Tarif)  1122.

Verhaftung  des  Ehegatten  für  die  Handelsschulden
seiner  Ebefrau  in  Holstein  und  Schleswig  (V.  o.
5.  Juli  SA.  6—9.)  1135.

Vertretungsverbindlichkeit  des  Ehegatten  für  die
von  seiner  Frau  begangenen  Steuerdefraudationen,  s.
Ehefrau.

Ebesachen,  Verfahren  in  Ehesachen  in  den  neuen  Landestheilen
  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  §6.  86.
91.)  907.

Ueber  die  Gültigkeit  einer  bei  dem  Civilrichter  angefochtenen
  Ehe  bat  der  Strafrichter  in  den  neuen
Landestheilen  nicht  zu  entscheiden  (Str.  P.  O.)  934.

Aufhebung  des  besonderen  Gerichtsstandes  für  Ehesachen
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  §.  5.)
1074.

Aufbebung  der  geistlichen  Gerichtsbarkeit  in  Ehesachen
  in  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.
v.  26.  Juni  §.  24.)  1090.  —  desgl.  in  Nassau  und
den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  F.  23.)  1099.

Verordnung  über  die  bürgerliche  Eheschließung  im
vormaligen  Königreich  Hannorer  (v.  29.  Sept.)  1685
bis  1687.

Stempel  zu  Ebeversprechen  und  Eheverträgen  in
Hannober,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayeri,
schen  Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  19.  20.)
1206.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.
7.  Aug.  Nr.  18.  19.)  1291.

Kosten  für  die  gerichtliche  Verlautbarung  der  Eheverlöbnisse
  2c.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  S§.  4.  14.)  1386.

d  Ehren-25
        <pb n="78" />
        26  Sachregister  1867.

Ebrenbreitstein,  Eisenbahn  nach  Siegburg,  s.  Eisenbahnen
  Nr.  37.

Ehrenbürgerrecht,  Ertheilung  desselben  in  Frankfurt
  a.  M.  (G.  v.  25.  März  F.  22.)  406.

Ebrengerichte  für  die  Offiziere,  Einführung  der  bezüglichen
  Verordnungen  in  den  neuerworbenen  Landestheilen
  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)  383.  —  desgl.  in  den
Staaten  des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  61.)  834.

Ehrenkrãänkung,  s.  Beleidigung.

Ebrenrath  für  die  Rechtsanwalte  und  Notarien  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  V.  3#.#  68.
69.  72—74.)  1615.

Ebrenrechte  ,  Ausschließung  aus  der  Genossenschaft
wegen  Verlustes  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  (G.  v.
27.  März  §.  37.)  510.

Unzulässigkeit  der  Privatklage  in  den  neuen  Landestheilen
  bei  solchen  Vergehen,  welche  mit  dem  Verlust  der
Ehrenrechte  bedroht  find  (Str.  P.  O.  F.  487.  Schlußsaß)
  1046.

Ehrenzeichen,  bei  Untersuchungen  in  den  neuen  Landestheilen
  ist  von  Seiten  des  Richters  zu  ermitteln,  ob  der
Beschulbigte  Ehrenzeichen  besitze  (Str.  P.  O.  8.  154.)
970.

Eid  (Eidesleistung,  Vereidigung),  Vereidigung  der  Beamten
  in  den  neuen  mit  Preußen  vereinigten  Landestheilen
  (V.  v.  22.  Janr.)  132—  135.

Eidesleistungen  der  Genossenschaften  (G.  v.  27.  März
KS.  21.)  507.

Eidesleistungen  der  Parteien,  Zeugen  und  Sachverständigen
  in  Civilprozessen  in  Kurhessen,  Nassau  2.
(V.  v.  24.  Juni  I.  33.  35.  97.)  893.

Eidliche  Vernehmung  der  Zeugen  bei  Untersuchungen
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  .  160—166.
243.  254.)  971.  —  der  Sackverständigen  (ebend.  K.  172.)
974.  —  Versicherung  auf  den  früher  geleisteten  Eid
(ebend.  K.  254.)  992.  —  Zu  eidlichen  Vernehmungen  ist
die  Staatsanwaltschaft  nicht  befugt  (ebend.  F.  62.)  948.

Gebühren  der  Geistlichen  für  ihre  Zuziehung  bei
Eidesleistungen  in  Schleswig,  Holstein,  Kurhessen,  Nassau
  kc.  (Regul.  v.  30.  Aug.  F.  5.  A.)  1383.  (V.  r.
30.  Aug.  F.  17.)  1378.  (V.  v.  30.  Aug.  .  18.)  1395.
(V.  v.  30.  Aug.  S.  20.)  1408.  —  desgl.  in  Hannover
und  Frankfurt  a.  M.  in  Strafsachen  (V.  v.  30.  Aug.
F.  27.)  1420.

Eiderstedt  (Schleswig),  Kreisverfassung  (W.  v.  22.  Sept.
8.  W.  Nr.  4.)  1593.

Eidesformel  für  die  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen,
  desgl.  für  die  Geistlichen  und  die  katholischen
Bischöfe  (V.  v.  22.  Janr.  K.  1.  2.  u.  Anlage)  132—135.

Allgemeine  Bestimmung  über  die  Eidesformel  der
Beamten  (V.  v.  6.  Mai  K.  1.)  715.

Eidesformel  für  Zeugen  und  Sachverständige  in
Civilprozessen  in  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni
K,  35.)  891.

Eidesformel  für  die  Zeugen  bei  Untersuchungen  in
den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  F.  163.)  972.—
Eid  der  Sachverständigen  (ebend.  &amp;amp;.  172.)  974.  —  Eid
des  Dolmetschers  (ebend.  K.  145.)  968.  —  Eid  der  Geschworenen
  (ebend.  S#t  310.  311.)  1004.  —  der  Schöffen
(ebend.  Anlage  §F.  15.)  1053.  —  Die  bisherigen  Landesgesetze
  über  die  Form  der  Eidesleistungen  bleiben  in
Kraft  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XII.  Nr.  3.)  928

Eindringen  in  fremde  Wohnungen,  in  welchen  Fällen
die  Polizei=  und  Untersuchungsbeamten  in  den  neuen
Landestheilen  dazu  berechtigt  sind  (Str.  P.  O.  F.  131.)

965.

Eiafriedigung  von  Gärten,  Wiesen  2c.,  Strafe  für
die  Beschädigung  oder  Zerstörung  solcher  Einfriedigungen
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.
K.  3.  Nr.  1.)  924.

Einführungs-Patente,  Bestimmungen  über  die  Ertheilung
  von  Einführungs-Patenten  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  24.  Juni)  1113—1118.

Eingaben,  s.  Gesuche.

Einkindschaft,  Bestätigung  der  Einkindschaftsverträge
in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen
Gebielstheilen  (V.  v.  26.  Juni  K.  10.  1.  Nr.  3.)  1096.

Berechnung  der  Erbschaftsabgabe  in  den  neuen
Landestheilen  im  Fall  der  Einkindschaft  (V.  v.  5.  Juli
5.  4  und  Tarif  B.  lit.  b.)  1122.

Einkommensteuer,  Einführung  derselben  in  dem  vormaligen
  Königreich  Hannover  (V.  v.  28.  April)  533
bis  538.  —  desgl.  im  Kurfürstentbum  Hessen  (V.  v
28.  April)  538—543.  —  desgl.  in  den  Herzogthümern
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  28.  April)  543—548.
—  desgl.  in  Nassau,  Frankfurt  a.  M.  und  den  vormals
Großherzoglich  Helsischen  Landestheilen  (V.  v.  11.  Mai)
593—599.  —  desgl.  in  dem  Hessen-Homburgischen  Oberamtsbezirk
  Meisenheim  (V.  v.  4.  Juni)  761—764.  —
desgl.  in  den  vormals  Bayerischen  Gedbietstheilen,  den
Bezirken  Gersfeld  und  Orb  (V.  v.  24.  Juni)  842—846.

Exekutioische  Beitreibung  der  Einlommensteuer  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  S.  1.  Nr.  1.  a.)
1553.

Abstandnahme  von  einer  anderweitigen  Veranlagung
der  Einkommensteuer  in  den  neuen  Landestheilen  für  das
Jahr  1868  (A.  E.  v.  22.  Sept.)  1644

Ein-
        <pb n="79" />
        Sachregister.

Einquartierung,  Einführung  der  Preußischen  Gesetze
über  Einquartierung  in  den  Staaten  des  Norddeutschen
Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  61.)  834.

Einreden,  s.  Einwendungen.

Einschließung,  in  welcben  Fällen  dieselbe  in  den  neuen
Landestheilen  stattfindet  (V.  v.  25.  Juni  Art.  IX.)  927.

Einsperrung  ungehorsamer  Zeugen  und  Sachderständigen
  in  das  Untersuchungsgefängniß  bei  Untersuchungen
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  §.  158.  Nr.  2;
S&amp;amp;.  186.  405.)  971.  —  Einsperrung  solcher  Personen,
welche  die  Ruhe  und  Ordnung  während  der  gerichtlichen
Verbandlung  verletzen  (ebend.  §.  187.)  978.

Einspruch  gegen  Anordnungen  des  Untersuchungsrichters
  und  gegen  Strafverfügungen  des  Polizeirichters  in
den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  §.  16.  Nr.  2;
K.  361.  Nr.  4;  §#.  362.  363.  416.)  936.

Einspruch  gegen  Verfügungen  der  Handelsgerichte
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  S§.  11—1.)
1136.

Eintrittsgeld  für  den  Erwerb  der  Gemeinde-Angehörigkeit,

  Aufhebung  desselben  (G.  v.  2.  März  S.  1.)  361.

Einwendungen  (Einreden,  Widerspruch),  gegen  die
Klage  im  Mandatsprozeß  in  Kurhessen,  Nassau  rc.  (V.
d.  24.  Juni  8§.  2—4.)  886.  —  desgl.  im  Wechselprozeß
(ebend.  ð.  87.)  907.  —  Einwendungen  im  ordentlichen
Prozeß  (ebend.  &amp;amp;#.  12—  15.)  888.  —  in  den  höheren
Instanzen  (ebend.  IS#  50.  52.  60.)  899.  —  Einreden
in  der  Exekutions-Inslanz  (ebend.  K.  101.)  913.

Einreden  des  Angeklagten  im  Untersuchungsverfahten
  in  den  neuen  Landeskheilen  (Str.  P.  O.  .  44.
103.  404.  407.  Nr.  1.)  944.  —  Einrede  der  Berechtigung
  in  Forst-,  Jagd-  und  Fischerei-Untersuchungssachen
  (ebend.  S.  486.)  1045.

Einzelbaft,  Anwendung  derselben  bei  Untersuchungsgefangenen
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
&amp;amp;  137.)  966.

Einzelrichter,  Wahrnehmung  der  Polizeigerichtsbarkeit
  in  den  neuen  akanhestheilen  durch  Einzelrichter  (Str.
P.  O.  F.  12.)

Sahiitonnn  Einzelrichter  in  Schleswig  und  Holstein
  (V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;.  17.  18.)  1077.  —  desgl.  in
Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;#.  6.  7.)  1086.  —  desgl.  in  Nassau
und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  SK.  6.  7.)  1096.

Einzugsgeld,  Aufhebung  desselben  (G.  v.  2.  März)
361.

1867.  27

Eisenbabu-Angelegenbelten,  die  Bestimmungen
über  das  Eisenbahnwesen  in  den  Norddeutschen  Staaten
unterliegen  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung  des  Bundes
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  8.)  820.  —  Bildung
eines  dauernden  Ausschusses  im  Bundesrathe  für  Eisenbahnen
  (ebend.  Art.  8.  Nr.  5.)  822.  —  Nähere  Anordnungen
  über  die  Anlegung  und  Benutzung  der  Eisenbahnen
  im  Gebiete  des  Nordbeutschen  Bundes  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  41—47.)  828.

Abgabe  von  Eisenbahnen,  welche  nicht  im  Befßtze
des  Staats  oder  inländischer  Aktiengesellschaften  sich  befinden
  (G.  v.  16.  März)  465—468.  —  Abgabe  von
Eisenbahnen  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.)
1639—1640.  —  Exekutivische  Beitreibung  berselben  im
administrativen  Verfahren  (V.  v.  22.  Sept.  F.  1.  Nr.  1.  d.)
1554.

Organisation  des  Eisenbahnwesens  in  den  neuerworbenen

  Landestheilen  (A.  E.  v.  15.  Dez.  66.)  5.  (A.  E.

v.  9.  März)  396.

Einführung  des  Gesetzes  vom  3.  November  1838.
über  die  Eisenbahn-Unternehmungen,  und  der  Verordnung
vom  21.  Dezember  1846.  über  die  bei  dem  Bau  von
Eisenbahnen  beschäftigten  Handarbeiter  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  19.  Aug.)  1426

Gerichtsstand  für  Expropriations=  und  Possessorien=Prozesse
  gegen  Eisenbahn-Gesellschaften  in  den  neuen
Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  r.  (V.  v.  24.  Juni
K.  94.)  911.

Abänderung  des  K.  10.  des  Hannoverschen  Gesetzes
dom  13.  Juni  1865.  über  die  Verwendung  der  Betriebs,
Ueberschüffe  der  Eisenbahnen  (V.  v.  10.  Janr.)  76.

Eisenbahn-Direktoren  in  den  neuen  Landestheilen,
können  jederzeit  mit  Wartegeld  in  den  Ruhesland  versetzt
  werden  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Eisenbahnen:
1)  Aachen-Mastricht,  erster  Nachtrag  zu  dem  Statut
der  Gesellschaft  (Bestät.  Urk.  v.  31.  Aug.)  1471—1472.
Emission  neuer  Prioritäts-Obligationen  III.  Serie
im  Betrage  von  900,000  Thlrn.  zu  5  Prozent  (Priv.
v.  S.  Okt.)  1808—1813.

2)  Altona-Kiel,  Betrieb  der  Neumünster-Neustädter
Bahn  durch  die  Altona-Kieler  Eisenbahngesellschaft
(Vertr.  v.  29.  Mai  Art.  1.  ff.)  1429.

3)  Bebra-Hanauer  Eisenbahn,  die  Direktion  derselben
  hat  künftig  die  Firma:  „Königliche  Direktion
der  Bebra-Hanauer  Eisenbahn  in  Kassel“  zu  führen
(A.  E.  v.  15.  Dez.  66.)  5.  —  Auflösung  dieser
Behörde,  Errichtung  einer  besonderen,  Königlichen  Kommission
  für  den  Bau  der  Bebra-Hanauer  Eisenbahn“
in  Kassel  (A.  E.  d.  13.  März)  376.

de  4)  Beat-
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        26

Sachregister.

Eisenbahnen,  (Forts.)

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1

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Bentschen-Guben,  s.  Märkisch-Posen  Nr.  2.
Bergisch-Märkische  Eisenbahngesellschaft,  Genehmigung
  zur  Emission  von  16,618,000  Thlr.  4#  prozentiger
  Priorstäts-Obligationen  VI.  Serie  (Priv.  v.
8.  Dez.  66.)  9—14.

Ausführung  einer  Eisenbabnverbindung  zwischen
den  rechts=  und  linksrbeinischen  Eisenbahnen  bei
Dösseldorf  und  Neuß,  und  Bau  einer  festen  Rheinbrücke
  bei  Hamm  (A.  E.  v.  29.  Juli)  1521.  (Konz.
u.  Bestät.  Urk.  v.  22.  Sept.)  1745—1747.

Bau  einer  Zweigbahn  von  Mülheim  a.  Rb.  nach
Bergisch  Gladbach  und  Benoberg,  so  wie  einer  Verbindungsbahn
  von  Düsseldorf  nach  Neuß  (Konz.  u.
Bestät.  Urk.  v.  22.  Sept.)  1745—1747.
Berlin-Cüstrin,  Anlage  einer  Eisenbahn  von  den
Steindrüchen  bei  Rüdersdorf  nach  dem  Bahnhof
Petershagen  (A.  E.  v.  27.  April)  631.

Berliner  Verbindungsbahn,  Verlegung  derselben
  nach  einem  weiteren  Umkreise  der  Stadt
(G.  v.  9.  März  .  1.  Nr.  7.)  393.  —  Die  Ausfübrung
  und  Verwaltung  dieser  neuen  Verbindungsbahn
  wird  der  Direktion  der  Niederschlesisch-Märkischen
  Eisenbahn  übertragen  (A.  E.  v.  6.  März)  375.
Berlin-Hamburg,  Aenderung  des  §.  27.  des
Statuts  (Bestät.  Urk.  v.  14.  Okt.)  1814.
Berlin-Lehrte,  über  Ratbenom  und  Gardelegen
mit  einer  Zweigbahn  über  Salzwedel  nach  Uielzen,
Bau  und  Betrieb  dieser  Eisenbabn  durch  die  Magdeburg-Halberslärter
  Gesellschaft  (Konz.  u.  Bestät.  Urk.
v.  12.  Juni)  1221—1229.
Berlin-Potsdam-Magdeburg,  Nachtrag  zu
den  Statuten  (Bestät.  Urk.  v.  12.  Dez.  66.)  15—16.
Berlin-Stettin,  Uebernahme  des  Baues  und
Betriebes  einer  Eisenbahn  von  Cöslin  über  Stolp
nach  Danzig  (Vertr.  v.  21.  Nov.  66.)  458  —  464.
—  Nachtrag  zu  dem  Statut  (Konz.  u.  Bestät.  Urk.
v.  24.  April)  622—624.  —  Zinsgarantie  des  Staats
für  das  Anlagekapital  dieser  Eisenbahn  bis  auf  Höbe
von  zehn  Millionen  Thalern  zu  3  Prozent  (G.  v.
13.  März)  457.  —  Privilegium  wegen  Ausfertigung
von  z'bn  Millionen  Thaler  Prioritäts-Obligationen
zu  4  Prozent  (v.  24.  April)  624—631.
Berlin-Stralsund,  Vertrag  zwischen  Preußen
und  Mecklenburg=  Strelitz  wegen  Ausführung  einer
Eisenbahn  von  Berlin  über  Neu-Strelitz  nach  Stralsund
  (v.  31.  Dez.  66.)  229—236.

Breslauer  Verbindungsbahn,  Umbauung  derselben
auf  Staatskosten  (G.  v.  9.  März  §.  1.  Nr.  8.)  394.

1867.

Eisenbahnen,  (Forts.)

14)

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1

□G
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20

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2

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2

23)

24)

Breslau-Schweidnitz-Freiburg,  Verbindung
dieser  Bahn  mit  der  Schlesischen  Gebirgsbahn  durch
den  Bau  einer  Eisenbahn  von  Altwasser  nach  Dittersbach
  (G.  v.  9.  März  §.  1.  Nr.  5.)  393.
Cöslin-Danzig,  f.  Berlin-Stettin  Nr.  11.
Dittersbach=  Altwasser,  zur  Verbindung  der
Schlesischen  Gebirgsbahn  mit  der  Breslau-Schweidnitz-Freiburger
  Eisenbahn,  Bau  derfelben  auf  Kosten  des
Staats  (G.  v.  9.  März  §.  1.  Nr.  5.)  393.
Erfurt-Sanger  hausen,  Vertrag  zwischen  Preuben
  und  Sachsen-Weimar  wegen  Ausführung  dieser
Bahn  (v.  17.  Nov.  66.)  377—382.
Frankfurt-Homburger  Eisendahn,  wird  der  Aufsicht
  des  Eisenbahn-Kommissariats  in  Cöln  überwiesen
(A.  E.  v.  9.  März)  396.
Glatz-Wildenschwerter  Bahn,  Vertrag  zwischen
Preußen  und  Oesterreich  (v.  5.  Aug.)  1765  —  1778.
Halberstadt-Vienenburger  Eisenbahn,  Bau  und
Betrieb  derselben  durch  die  Magdeburg-Halberstädter
Eisenbahngesellschaft  (Konz.  Urk.  v.  15.  Dez.  66.)
Hessische  Nordbahn,  die  Verwallung  derselben
wird  vom  Staat  übernommen  (Bestät.  Urk.  v.  18.  Febr.)
368  —  374.  —  und  der  Königl.  Eisenbabudirektion
in  Kassel  übertragen  (A.  E.  v.  13.  März)  376.
Landsbut-Schwadowißber  Bahn,  Vertrag  zwischen
  Preußen  und  Oesterreich  (v.  5.  Aug.)  1765
bis  1778.
Leipzig-Zeitz,  Vertrag  zwischen  Preußen  und  dem
Königreich  Sachsen  wegen  Herstellung  dieser  Eisenbahn
  (v.  30.  Juli)  1361—1367.
Magdeburg-Halberstadt,  Genehmigung  zum
Bau  und  Betriebe  der  Halberstadt  =  Vienenburger
Eisenbahn  (Konz.  Urk.  v.  15.  Dez.  66.)  5—6.

Genehmigung  zum  Bau  und  Betriebe  einer  Eisenbahn
  von  Berlin  über  Rathenow  und  Gardelegen
nach  Lehrte  mit  einer  Zweigbahn  über  Salzwedel
nach  Uelzen  (Konz.  u.  Bestät.  Urk.  v.  12.  Juni)
1221—1229.
Magdeburg-Köthen-Halle-Leibzig,  Abänderungen
  in  Betreff  der  Ausgabe  von  zwei  Millionen
Thaler  Prioritäts-Obligationen  (Nachtrag  v.  24.  Juni)
1163.

Bau  einer  Eisenbahn  von  Nordhausen  nach  Northeim,
  sechster  Nachtrag  zu  dem  Statut  (Konz.  u.
Bestät.  Urk.  v.  24.  Sept.)  1759—1764.

)Märkisch-Posener  Eisenbahn,  von  Frankfurt  a.  O.

nach  Posen,  mit  einer  Zweigbabn  von  Bentschen
nach  Guben  (Konz.  u.  Bestät.  Urk.  v.  25.  März)
561—592.

27)  Mül-
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        Sachregister.

Eisenbabnen,  (Forts.)
27)  Mülbeim-Gladbach-Bensberg,  s.  Bergisch-W)



29

30)

31)

32

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33

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34)

35

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36)

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Maͤrkische  Eisenbahn  Nr.  5

Reiße-Brieg,  Aenderungen  und  Ergänzungen  des
Statuts,  vierter  Nachtrag  (Bestät.  Urk.  v.  9.  Nov.)
1864  —  1866.  —  Emission  von  Prioritäts-Obligationen
  lit.  B.  im  Betrage  von  250,000  Thlrn.  zu
4s  Prozent  (Priv.  v.  9.  Nov.)  1867—1872.
Reumünster-Neustadt,  Anlage  einer  Eisenbahn
  von  Neumünster  über  Plön  und  Eutin  nach
Neustadt,  der  Betrieb  derselben  wird  der  Altona-Kieler
  Eisenbahngesellschaft  überlassen  (Vertr.  v.
29.  Mai)  1429—1431.
Niederschlesisch-Märkische  Eisenbahn,  der  Direktion
  derselben  wird  die  Ausführung  und  Verwaltung
  der  neuen  Berliner  Verbindungsbahn  übertragen
(A.  E.  v.  6.  März)  375.

Erweiterung  der  Bahnhöfe  bei  Berlin,  Breslau,
Görlitz  und  Kohlfurt  (G.  v.  9.  März  F.  1.  Nr.  6.)
393.

Nordhausen-Erfurt,  Vertrag  zwischen  Preußen
und  Schwarzburg=  Sondershausen  wegen  Anlage  einer
Eisenbahn  von  Nordhausen  nach  Erfurt  (v.  21.  Dez.
66.)  210—216.  —  Konzession  zum  Bau  unt  Betriebe,
Bestätigung  des  Statuts  (Konz.  u.  Bestät.  Urk.  v.
24.  April)  849—  880.
Rordbausen--Northeimer  Bahn,  Vertrag  zwischen
  Preußen  und  Braunschweig  wegen  Führung
dieser  Eisenbahn  durch  das  Amt  Walkenried  (v.  18.
April)  765—768.  —  Bau  und  Betrieb  dieser  Bahn
durch  die  Magdeburg=  Kötben-Halle-Leipziger  Eisenbabugesellschaft
  (Konz.  u.  Bestät.  Urk.  v.  24.  Sept.
1759—1764.

Oldenburg-Leer,  Vertrag  mit  Oldenburg  wegen
Ausfübrung  dieser  Bahn  (v.  17.  Januar)  441—449.
—  Feststellung  der  Baulinie,  Anwendung  des  Expropriationsverfahrens
  (A.  E.  v.  12.  Juli)  1243.
Ostbabn,  Erweiterung  der  Bahnhöfe,  Legung  eines
zweiten  Geleises  von  Küstrin  bis  Eydtkuhnen  (G.  v.
9.  März  §.  1.  Nr.  1.)  393.

Ostpreußische  Südbahn,  Ausfertigung  von  vier
Millionen  Thaler  Prioritäts-Obligationen  à  5  Prozent
zur  Vollendung  der  Bahn  bis  Lyck  (Priv.  v.  24.  April)
607—612.

Rheine=  Emden,  s.  Westphälische  Eisenbahn
Nr.  44.

Rbeinische  Eisenbahn,  Genehmigung  zum  Bau  und
Betrieb  einer  Eisenbahn  von  Ehrenbreitstein  nach
Siegburg  und  einer  Zweigbahn  nach  Bonn  (Konz.  u.
Bestät.  Urk.  v.  24.  Dez.  66.)  27—30.

1867.  29

Elsenbabnen,  (Forts.)

38

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39)

40)
41)

4

4

S--



—

Genehmigung  zum  Bau  einer  Eisenbahn  von  Neuß
über  Bedburg  nach  Düren  (Konz.  Urk.  v.  30.  Januar)
  207.

Bestätigung  zweier  Nachträge  zu  den  Statuten  der
Gesellschaft,  betreffend  dle  Erhöhung  des  Stammkapitals
  um  2,900,000  Thaler  (Bestät.  Urk.  v.  18.
März)  468—486.

Bau  und  Betrieb  einer  Zweigbahn  vom  Bahnhofe
Stolberg  in  das  Stolberger  Thal  bis  zum  Binsfelder
Hammer  (Konz.  u.  Bestät.  Urk.  vom  2.  Dez.  u.
Nachtrag)  1910—1912.
Saarbrücken-Saargemünd,  Bau  dieser  Bahn
auf  Kosten  des  Staats  (G.  v.  9.  März  §&amp;amp;.  1.  Nr.  4.)
393.  —  Vertrag  mit  Frankreich  wegen  Anlage  dieser
Bahn  (v.  18.  Juli)  1817—1823.

Saarbrücker  Eisenbahn,  Bau  einer  Bahn  von
Saarbrücken  nach  Saargemünd,  Herstellung  eines
dritten  Geleises  von  Neunkirchen  bis  zur  Grube
Reden,  Erweiterung  der  Werkstätte  zu  St.  Johann
(G.  v.  9.  März  §.  1.  Nr.  3.  4.  9.)  393.  —.  Ausfübrung
  und  Verwaltung  der  Saarbrücken-Saargemünder
  Eisenbahn  (A.  E.  v.  28.  Sept.)  1748.
Salzwedel-Uelzen,  f.  Berlin-Lehrte  Nr.  9.
Schlesische  Gebirgsbahn,  Verbindung  derfelben
mit  der  Breslau-Schweidnitz-Freiburger  Bohn  durch
den  Bau  einer  Eisenbahn  von  Dittersbach  dis  Altwasser
  (G.  v.  9.  März  K.  1.  Nr.  5.)  393.
Stargard-Posen,  Nachtrag  zum  Statut,  betreffend
die  anderweitige  Organisation  des  Verwaltungsraths
(Bestät.  Urk.  v.  16.  Novbr.)  1874—1875.
Thüringische  Eisenbahn,  Vereinbarung  mit  Sachsen-Weimar-Eisenach
  und  Sachsen.  Coburg=  Gotha
wegen  definitiver  Auflösung  des  Amortisationsfonds
der  Thüringischen  Eisenbahn  (Minist.  Erkl.  v.  13.  März)

Herstellung  einer  Eisenbahn  von  der  Saline  Dürrenberg
  nach  dem  Bahnhofe  zu  Dürrenberg  (A.  E.  v.
4.  Mai)  732.

Dreizehnter  Nachtrog  zu  dem  Statut  der  Thüringischen
  Eisenbahngesellschaft,  betreffend  die  Erhöhung
des  Anlagekapitals  um  2,250,000  Tholer  (Genehm.
Urk.  v.  8.  Mai)  732—734.

Westphälische  Eisenbahn,  Ausbauung  bes  zweiten
Geleises  von  Soest  bis  Altenbeken  (G.  v.  9.  März.
§.  1.  Nr.  2.)  393.  —  Die  Verwaltung  der  Hannoverschen
  Westbahnstrecke  Rheine-Emden  wird  der
Direktion  der  Westphälischen  Eisenbahn  übertragen
(A.  E.  v.  1.  Mai)  1779.

Eisen-
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        36

Eisenbabn-Kommissariat  in  Cöln,  demselben  werden
  die  Privat-Eisenbahnen  in  Hannover,  Kurbessen,
Nassau  und  Frankfurt  a.  M.  zur  Beaufsfichtigung  überwiesen
  (A.  E.  v.  15.  Dez.  66.)  5.  —  desgl.  die  Frankfurt-Homburger
  Eisenbabn  (A.  E.  v.  9.  März)  396.

Eisenstrafe,  an  deren  Stelle  trikt  in  den  neuen  Landestheilen
  Zuchthausstrafe  (V.  v.  25.  Juni  Art.  IX.)  927.

Eisleben  (Provinz  Sachsen),  Mansfeldsche  Kupferschiefer
bauende  Gewerkschaft  in  Eisleben,  Ausfertigung  neuer
Obligationen  II.  Emission  im  Betrage  von  einer  Million
  Thalern  zu  43  Prozent  (Priv.  v.  16.  Sept.)  1749
bis  1755.

Elbe,  Ermäßigung  der  Abgabe  für  das  Befahren  der
Wasserstraßen  zwischen  der  Oder  und  Elbe  (A.  E.  u.
Tarif  v.  9.  Sept.)  1577—1580.

Schutßz  gegen  Ueberschwemmungen  der  Elbe,  s.  Deichverbände
  Nr.  1

Elbing  (Provinz  Preußen),  neuer  Tarif  für  die  Schifffahrtsabgaben
  in  Elbing  (A.  E.  v.  12.  Dez.  66.)  121
bis  128.

Elbzollgericht  (Elbzollamt)  in  Wittenberge,  Zuständigkeit
  desselben  (V.  v.  26.  Juni  .  9.)  1075.

Elementarlehrer,  s.  Schullehrer.

Eltern  (Großeltern,  Aszendenten),  Vernehmung  derselben
als  Zeugen  bei  Untersuchungen  in  den  neuen  Landestheilen
  (Str.  P.  O.  g8.  155.  161.  Nr.  4;  I#.  243.
501I.)  970.  —  desgl.  als  Sachverständige  (ebend.  &amp;amp;#.  172.
186.  169.)  974.  —  Zulassung  derselben  als  Vertheidiger
(ebend.  §.  205.  Nr.  4.)  981.

Aszendenten  des  Erblassers  find  in  den  neuen  Lanbestheilen
  von  der  Erbschaftsabgabe  befreit  (Tarif  v.
5.  Juli  Nr.  2.  a.)  1127.

Emblen  (RKheinprovinz),  s.  Chausseen  Nr.  40.

Emden  (Hannober),  Rheine-Emben  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen
  Nr.  44.

Ems  (Nassau),  Bestimmung  über  das  Spielen  an  der
dortigen  Spielbank  (V.  v.  25.  Juni  Art.  V.)  925.

Enkirsch  (Rheinprovinz),  f.  Chausseen  Nr.  39.

Entlassung,  Verfahren  bei  Entlassung  von  Beamten  in
den  neuen  Landestheilen  (A.  E.  v.  17.  Janr.)  31.

Entschädigung  für  die  Aufhebung  der  Grundsteuerbefreiungen
  (Ges.  v.  8.  Febr.  S.  53.)  203.

Die  Mitglieder  des  Norddeutschen  Reichstages  dürfen
  als  solche  keine  Entschädigung  beziehen  (Verf.  v.  24.
Juni  Art.  32.)  826.

Eatscheidungsgründe,  Beifügung  derselben  zu  den
Strafurtheilen  der  Gerichte  in  den  neuen  Landestheilen
(Str.  P.  O.  SF.  262,  353.)  994.

Sachregister.  1867.

Entwässerungsanlagen  in  Neuvorpommern  und
Rügen,  Bestimmungen  darüber  (Ges.  v.  9.  Febr.  S#.  14.  ff.)
222.  «

Bildung  von  Genossenschaften  zu  Entwässerungsanlagen
  in  den  neuerworbenen  Landestheilen  (V.  v.
28.  Moi)  769.

Stempelfreiheit  der  Verhandlungen  über  Entwässerungsanlagen
  in  Hannovder,  Kurhessen,  Nassau  und  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli
S.  3.  d.)  1193.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  7.  Aug.  F.  3.  d.)  1279.  —  (.  auch  Meliorationen.


Erbvachtsverträge  (Erbzinsverträge),  Stempel  zu
denselben  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals
  Bayerischen  Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli
Nr.  23.)  1206.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  22.)  1291.

Erbrezeß  (Erbtheilungsrezeß,  Erbschaftstheilungsvertrag),
Stempel  zu  demselben  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau
und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (Tarif  v.
19.  Juli  Nr.  24.  29.  e.)  1207.  —  desgl.  in  Schleswig
und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  23.  28.  c.)  1291.

Erbschaftsabgabe,  Erhebung  derselben  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  5.  Juli)  1120—11286.  —  Zulässigkeit
  des  Rechtsweges  bei  Streitigkeiten  über  diese  Abgabe
  (V.  v.  16.  Sept.  Art.  V.  Nr.  2.)  1516.

Erbverträge,  Stempel  zu  Erbverträgen  und  Erbfolge-Verträgen
  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den
vormals  Baherischen  Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli
Nr.  22.)  1206.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  21.)  1291.

Kosten  für  die  Aufnahme  von  Erbverträgen  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  30.  Aug.  F.  11.)  1374.

Erftndungs-Patente  in  den  Norddeutschen  Staaten,
die  Bestimmungen  darüber  unterliegen  der  Aufsicht  und
Gelsetzgebung  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.
Nr.  5.)  820.

Bestimmungen  über  die  Ertheilung  von  Erfindungs-Patenten
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  24.  Juni)
1113—1118.

Erfurt  (Provinz  Sachsen),  die  ehemals  Bayerische  Enklave
  Kaulsdorf  wird  dem  Kreisgericht  Erfurt  einverleibt
(V.  v.  22.  Mai)  729.

Eisenbahn  von  Nordhausen  nach  Erfurt,  s.  Eisenbahnen
  Nr.  31.  —  desgl.  von  Erfurt  nach  Sangerhausen,
  s.  Eisenbahnen  Nr.  17.

Ergänzungsgeschworene  bei  Untersuchungen  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  §#  277.  296—298.)
998.  —  Anfertigung  der  Ergänzungsliste  (ebend.  §§.  284
bis  286.  288.)  999.

Er-
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        Sachregister.

Ergãnzungsrichter  bei  Untersuchungen  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  S#.  227.  273.)  986.

Ergreifung  eines  Verbrechers,  s.  Festnahme.

Erkentniß,  Abfassung,  Ausfertigung,  Publikation  und
Infinuation  der  Erkenntnisse  in  Civilprozessen  in  den
neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni
#  S.  29.  41.  56.  60.  66.  71.  91.  92.)  893.

Die  Bestimmungen  über  die  wechselseitige  Vollstreckung
  von  Erkenntnissen  in  Civilsachen  unterliegen  in
den  Rorddeutschen  Staaten  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung
des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  11.)  820.

Erkenntniß  in  Strafsachen,  s.  Urtheil.

Ermittelungsverfahren  bei  Untersuchungen  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  .  16.  62—64.  90.
105.  112.  121.  159.  402.)  936.

Erndtezeit,  Unzulässigkeit  der  administrativen  Exekution
gegen  Landwirthe  in  den  neuen  Landestheilen  während
der  Saat-  und  Erndtezeit  (V.  v.  22.  Sept.  K.  7.)  1556.

Ersatgeschworene  für  Untersuchungen  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  §#.  308.  309.)  1003.

Ersastschöffen,  Wahl  derselben  in  den  neuen  Landestheilen
  (Str.  P.  O.  Anlage  &amp;amp;##.  3.  9.)  1051.

Erschwerende  Umstände  in  Untersuchungssachen,  Feststellung
  derselben  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
6.  76.  Nr.  2;  S§.  321.  322.  345.  353.)  952.

Er  bsgenossenschaften,  s.  Genossenschaften.

Eschwege  (Kreis),  gebört  zum  Regierungsbezirk  Kassel
(V.  v.  22.  Febr.  K.  3.  Nr.  3)  274.

Essen  (Rheinprovinz),  Genehmigung  des  Statuts  der  Essener
  Maschinenbau-Aktiengesellschaft  (Bek.  v.  19.  Janr.)
136.

Genehmigung  des  zweiten  Statut-Nachtrages  der
Arenbergschen  Aktiengesellschaft  für  Bergbau  und  Hüttenbetrieb
  in  Essen  (Bek.  v.  23.  März)  397.

Ausfertigung  Essener  Stadtobligationen  II.  Emission
im  Betrage  von  250,000  Thalern  zu  5  Prozent  (Priv.
v.  26.  Juli)  1451—1455.

Essig,  Besteuerung  der  Essigbereitung  in  den  neuerworbenen
  Landestheilen  (V.  v.  11.  Mai  I§.  1.  8.)  652.

SEtat,  fs.  Finanz-Etat,  Bundeshaushaltsetat.

Entin  (Oldenburg),  Eisenbahn  von  Neumünster  über
Eutin  4  Neustadt,  s.  Eisenbahnen  Nr.  29.

E  ti  „sind  in  Schleswig  und
dolftein  lempelfre  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  78.)  1305.

A#  &amp;amp;-4“  .

1867.  31

Exekution  gegen  Mitglieder  des  Norddeutschen  Bundes
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  19.)  824.

Exekution  gegen  Militairpersonen  in  den  neuerworbenen
  Landestheilen  (A.  E.  v.  1.  April  Zus.  III.)  521.

Exekution  im  Prozeßverfahren  iu  den  neuen  Landestheilen
  Kurhessen,  Nassau  k.  (V.  v.  24.  Juni  §6#.  3.  58.
64.  73.  87.  Nr.  7.  8;  S.  101.  102.)  887.

Befugniß  der  Polizeibehörden  in  den  neuen  Landestbeilen
  zur  exekutivischen  Vollstreckung  ibrer  polizeilichen
Verfügungen  (V.  v.  20.  Sept.  K.  18.)  1532.

Exekutivische  Beitreibung  der  Steuern,  Abgaben,
Gefälle,  Kosten  2c.  Seitens  der  Verwaltungsbebörden  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.)  1553—1568.

Aus  einer  vom  Gericht  bestätigten  Dispache  findet
in  Schleswig  und  Holstein  Exekution  statt  (V.  v.  5.  Juli
.  77.)  1149.

Ansatz  der  Gerichtskosten  für  die  Exekutions-Instanz
in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(V.  v.  30.  Aug.  §F.  10.)  1390.  —  desgl.  in  Nassau
und  den  vormals  Großberzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  30.  Aug.  K.  12.)  1403.

Exekutionsgebühren  für  die  administrative  Exekution
wegen  rücksländiger  Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c.  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  I§.  35.  36.  u.
Tarif)  1565.

Exekutoren,  eine  Anweisung  derselben  auf  selbstverdiente
Gebühren  findet  in  Schleswig  und  Holstein  nicht  statt
(V.  v.  30.  Aug.  K.  3.)  1370.  —  desgl.  nicht  in  Kurbessen
  und  den  dormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.
v.  30.  Aug.  §.  3.)  1385.  —  desgl.  nicht  in  Nassau
und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  30.  Aug.  F.  4.)  1400.

Exekutoren  der  Onsen  aichere  zur  Einziehung
von  Steuern,  Abgaben,  Kosten  2c.  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  22.  Sept.  .  3.  5.  10.  12.  14—1
2.  25.  31.  35.  36.)  1555.

Eximirter  Gerichtsstand,  Aufhebung  desselben  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  I§.  5.  6.)  1074.—
s.  Gerichtsstand.

Expropriationen,  Expropriationsrecht  der  Eisenbahnen
in  den  Norddeutschen  Bundesstaaten  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  41.)  828.

Bestimmungen  über  das  Expropriationsverfahren
bei  dem  Bau  von  Eisenbahnen  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  19.  Aug.  F.  1.)  1426.

Gerichtsstand  für  Expropriations-Prozesse  gegen
Eisenbahngesellschaften  und  andere  Personen  in  den
neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Rassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni
K.  94.)  911.

Stem-
        <pb n="84" />
        32

Expropriationen,  (Forts.)

Stempelfreiheit  der  Verhandlungen  über  Expropriationen
  zum  Chausseebau  und  zu  äbnlichen  Bauten  in
Hannover,  Kurhessen,  Rassau  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli  §.  3.  e.)  1193.  —
besgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  F.  3.  e.)
1279.

Exter  (Westvhalen),  s.  Chausseen  Nr.  34.

Evlau  (Provinz  Preußen),  Ausfertigung  von  Kreisobligationen
  des  Kreises  Pr.  Eylau  im  Betrage  von
25,000  Thalern  zu  5  Prozent  (Priv.  v.  30.  Janr.)
301—304.

F.

Fabriken  in  den  neuen  Landestheilen,  Beschäftigung
jugendlicher  Arbeiter  in  denselben  (V.  v.  22.  Sept.)  1572.

Fahneneid  der  Offiziere  und  Soldaten  in  den  Norddeutschen
  Bundestruppen  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  64.)  836.

Fäbrgelder,  egekutivische  Beitreibung  derselben  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  F.  1.  Nr.  1.  Bt.  b.)
1553.

Fahrzeuge,  Bestimmungen  über  die  kleineren  Fahrzeuge
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  #.  65.  68.)
1147.

von  Falckenstein,  s.  Vogel  von  Falckenstein.

Falliment  der  Genessenschaften,  s.  Konkurs.

Fälschung  von  Darlehnskassenscheinen,  fs.  Münzverbrechen.


Familien-Fideikommisse  (Familienstiftungen),  Umwandlung
  Pommerscher  Lehne  in  Familien-Fideikommisse
(G.  v.  4.  März  §#.  6—10.)  336.

Familien-Fidcikommiß=  und  Familienstiftungssachen
gehören  in  Schleswig-Holstein  zur  Kompetenz  des
Appellationsgerichts  (V.  v.  26.  Juni  K.  25.  IV.)  1079.
—  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  K.  14.  IV.)  1089.

Stempel  zu  Familien=  und  Fideikommißstiftungen
in  den  neuen  Landestheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  26.  27.)
1207.  (Torif  v.  7.  Aug.  Nr.  25.  26.)  1292.

Kosten  für  die  Errichtung  von  Familiensliftungen
und  Familienschlüssen  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
30.  Aug.  K.  11.)  1374.

Erhebung  der  Erbschaftsabgabe  von  Fideikommißanfällen
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  5.  Juli
SK.  1.  f.;  S.  2.  lit,  e;  S.  4.)  1120

Sachregister.

1867.

Felddiebstabl,  Bestrafung  desselben  in  den  neuen  Lanbestheilen
  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  g.  2.  Nr.  2.)  924.

Feldfrevel,  Bestrafung  derselben  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  VI.  Nr.  1.)  923.  —
Verfahren  bei  der  Berechtigungs=  Einrede  in  Feldfrebelsachen
  (Str.  P.  O.  F.  486.)  1045.

Feldfrüchte,  Strafe  für  die  Entwendung  von  Feldfrüchten
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  III.  §.  2.  Nr.  2.)  924.

Aufhebung  der  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum
Hessen  bestehenden  Beschränkungen  des  Handels  mit  Feldfrüchten
  (V.  v.  24.  Janr.)  206.

s.  auch  Früchte.

Feldgerichte  in  Nassau  und  den  vormals  Hesfischen
Landestheilen  (V.  v.  26.  Juni  F.  3.)  1095.

Feldpolizeiordnungen,  Anwendung  derselben  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  VI.  Nr.  1.)
926.

Feldprobst  der  Armee,  Befugnisse  desselben  in  den  militair-kirchlichen
  Angelegenbeiten  des  ehemaligen  Königreichs
  Hannover  (V.  v.  24.  Juni  §.  2.)  919.  —  desgl.
im  Bereich  des  eilften  Armee=  Korps  (V.  v.  12.  Okt.
KS.  2.)  1849.

Feldwebel,  Penfionszulage  für  die  im  Kriege  verwundeten
  und  verstümmelten  Feldwebel  (Ges.  v.  9.  Febr.
S.  1.  2.)  217.  —  Unterstützung  ihrer  Wittwen  und
Kinder  (ebend.  §§.  3—6.)  217.

Felle,  Stvafe  für  die  Verunreinigung  von  Privatgewässern
in  den  neuen  Landestheilen  durch  Aufweichen  von  Fellen
(V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  K.  1.  Nr.  3.)  924.

esseln,  in  welchen  Fällen  Gefangene  in  den  neuen
Landestheilen  gefesselt  werden  dürfen  (Str.  P.  O.  F.  138.)
966.

Festebriefe,
Holstein  (Tarif  v.

Stempel  zu  denselben  in  dleswis  und
7.  Aug.  Nr.  80.)  1305

Festnahme  von  Verbrechern  und  verdächtigen  Personen
in  den  neuen  Landestbeilen  (Str.  P.  O.  SKF.  123—127.
131.  135.  354)  963.  —  Festnahme  in  Untersuchungen
wegen  Zolldefraudationen  (Ordn.  v.  29.  Juli  KK.  1.)
1270.

Festungen,  Anlegung  derselben  in  dem  Gebiete  des
Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  65.)  836.
—  Ernennung  des  Festungskommandanten  (ebend.  Art.64.)
836.  —  Bildung  eines  dauernden  Ausschusses  im  Bundesrath
  für  Festungsangelegenheiten  (ebend.  Art.  8.
Nr.  1.)  822.

Fener-
        <pb n="85" />
        Sachregister.

Feuersozietäts-Reglements,  Abänderung  des  8.  34.
des  Feuersozietäts-Reglements  vom  20.  August  1841.
für  das  platte  Land  von  Altpommern  (A.  E.  v.  9.  Dez.)
1912.

Genehmigung  einiger  Zusätze  zu  dem  Reglement  der
landschaftlichen  Feuerversicherungs=  Gesellschaft  für  Westpreußen
  (A.  E.  v.  7.  Dez.)  1927—1928.

Feuer-Versicherungsgesellschaften,  Ermächti,
gung  der  Nafsauischen  Brand-Assekuranzanstalt  in  Wiesdaden
  zur  Versicherung  von  Gebäuden  in  den  vormals
Grohherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  14.  Sept.)
1551.

Feuerwerker,,  Pensionszulage  für  die  im  Kriege  verwundeten
  und  verstümmelten  Feuerwerker  (G.  v.  9.  Febr.
S&amp;amp;  1—2.)  217.  —  Unterstützung  ihrer  Wittwen  und
Kinder  (ebend.  &amp;amp;##  3—6.)  217.

Fideikommisse,  s.  Familien-Fideikommisse.

Finanz-  Etat  fuͤr  das  vormalige  Königreich  Hannoder
für  das  Jahr  1867  (V.  v.  10.  Janr.)  33—75.—
desgl.  für  das  ehemalige  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.
17.  Janr.)  81—89.  —  desgl.  für  die  ehemalige  Landgrafschaft
  Hessen-Homburg  (V.  v.  17.  Janr.)  100—  107.
—  detzgl.  für  die  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  17.  Janr.)  108—118.  —  desgl.  für  das  ehemalige
  Herzogthum  Nassau  (V.  v.  24.  Janr.)  145—171.
—  desgl.  für  die  ehemals  Bayerischen  Gedietstheile
(B.  v.  11.  Mai)  705—712.  —  desgl.  für  die  ehemals
Großherzoglich  Hessischen  Gebictstheile  (V.  v.  28.  Mai)
785—791.

Finaz-Minister,  Befugnisse  desselben  in  Beziehung
auf  die  Feststellung  und  Erhebung  der  Grundsteuer  (G.  v.
7.  Janr.  K.  3.)  26.  (G.  v.  8.  Febr.  S#.  27.  28.  31.
38.  55.)  194.

Befugnisse  des  Finanz-Ministers  in  Beziehung  auf
die  Stempelderwaltung  in  den  neuen  Landestheilen  (V.
v.  19.  Juli  S.  1.  3.  lit.  f;  &amp;amp;.  4.  7.  B.  23.  24.  2.  37.)
1191.  (V.  v.  7.  Aug.  §.  3.  k;  I§.  4.  7.  B.  23.  24.
28.  36.  37.)  1279.  (V.  v.  16.  Aug.  #.  2.  6.  7.)
1347.  —  insbes.  in  Beziehung  auf  den  Stempel  von  Spielfarten
  (V.  v.  4.  Juli  SK.  8.  10.  13.  16.  18.  25.)  1059.
—  desgl.  in  Beziehung  auf  den  Wechselstempel  (V.  v.
4.  Juli  &amp;amp;&amp;amp;.  1.  5.  10.)  1063.  —  ferner  in  Beziehung
auf  den  Kalenderstempel  (V.  v.  5.  Juli  S#.  2.  6.)  1068.
—  desgl.  in  Beziehung  auf  den  Erbschaftsstempel  (V.
v.  5.  Juli  .  2.  3.  7.  15.)  1120.

Befugnisse  des  Finanz-Ministers  in  Beziehung  auf
die  Fabrikation  und  die  Besteuerung  der  Spielkarten  in
sämmtlichen  Prodinzen  (G.  v.  23.  Dez.  I&amp;amp;F.  2.  5.  6.  9.
10.  15.  17.  20.  26.)  1921.

Jahrgang  1867.

1867.

Finanz-Minister,  (Forts.)
Befugnifse  des  Finanz-Ministers  in  Beziehung  auf  die
Holzberechtigungen  und  Kohlennutzungen  der  Einwohner
dbes  Oberharzes  (V.  v.  14.  Sept.  IS.  11.  21.  46.)  1624.

Finowkanal,  Abgabe  für  das  Befahren  desselben  (Tarif
v.  9.  Sept.  A.)  1578.

Firma  der  Ienesefc  (G.  v.  27.  März  §#.  2—4.
0.  18.  44.)  50
Sattn  0  über  die  Handels-Firmen  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  S§#.  10  —  19.  21.  32.
81—88.  95.)  1136.
Fischerei.  Errichtung  der  —  Uktiengezlshaft
zu  Wissen  (Bek.  v.  5.  April)  488

Fischereifrevel  Bestrafung  verllen  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  VI.  Nr.  1.)  926.
Fiskus,  Gerichtsstand  desselben  in  Prozessen  in  Kurhessen,
  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  KF.  93.)  911.

Aufbebung  des  privilegirten  Gerichtsstandes  des
Fiskus  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  K.  5.)
1074.

Stempelfreiheit  des  Fiskus  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  19.  Juli  S.  4.  a.)  1193.  (VB.  v.  7.  Aug.
K,  4.  u.)  1279.

33

"TN  44

in  den  Gemeinden  des
Hberharzes  mur  mrsion  der  Holzberechtigungen  und
Kohlennutzungen  der  dortigen  Einwohner  (V.  v.  14.  Sept.
5—7.  11.  ff.)  1622.

Flachsröthen  (Hanfröthen)  in  Privatgewässern,  Bestrafung
  deffelben  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.
Juni  Art.  III.  K.  1.  Nr.  3.)  924.

Flange,  Führung  der  Preußischen  Landesflagge  von  den
Seeschiffen  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  (V.  v.
4.  Janr.)  77.  —  desgl.  von  den  Schiffen  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  5.  Juli  &amp;amp;#.  56.  60.  65.  89.)  1144.

Die  Flagge  der  Norddeutschen  Kriegs=  und  Handels-Marine
  ist  schwarz-weiß-roth  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  55.)
833.  —  Organisation  eines  gemeinsamen  Schuzes  der
deutschen  Flagge  (ebend.  Art.  4.  Nr.  7.)  820.

Flößerel,  Betrieb  derselben  in  den  Staaten  des  Norddeutschen
  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  9;
Art.  54.)  820.

Flucht,  Verfahren  in  den  neuen  Landestheilen  gegen
Angeschuldigte  und  verdächtige  Personen,  welche  entfliehen
  oder  der  Flucht  verdächtig  sind  (Str.  P.  O.
#5K#.  109.  117.  119.  Nr.  1;  §.  123.  Nr.  2;  &amp;amp;.  124.
131.  133.  138.)  959.  —  Verfahren  gegen  slüchtige  Angeklagte
  (ebend.  S§.  451  —467.)  1038.  —  Auslieferung
flüchtiger  Verdbrecher,  f.  Auslieferung.

t  Ilur-
        <pb n="86" />
        L

Flurbũcher,  Anlegung,  Fortfuͤbrung  und  Berichtigung
derselben  in  Betreff  der  Grundftuͤcke,  welche  zut  Zahlung
ber  Grunbsteuer  derpflichtet  sind  (G.  v.  8.  Febr.  S.  6
bis  10.  15.  19.  20.  29.  32—39.  55.)  187.

Ilässe,  s.  Wasserstraßen.

Flußversicherungen;  Union,  Aktien-Gesellschaft  für
See=  und  Flußversicherungen  in  Stettin,  Genehmigung  des
zweiten  Nachtrages  zum  Statut  (Bek.  v.  30.  Juli)  1308.

Flußzölle  in  den  Nordbeutschen  Staaten,  die  Bestimmungen
  darüber  unterliegen  der  Aufsicht  und  Gesetzgedung
des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  9.)  820.

Vorderungen,  Beschlagnahme  ausstehender  Forderungen
  im  Wege  der  administrativen  Exekution  zur  Beitreibung
  rückständiger  Abgaben,  Steuern,  Kosten  r.  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  &amp;amp;C.  11.,  ;  S#.  31.
32.)  1557.

Foreusen,  administrative  Exekution  wegen  rückständiger
Abgaden,  Steuern,  Kosten  2c.  in  den  neuen  Landestheilen
gegen  solche  Schulbner,  welche  in  einem  andern  Empfangsbezirke
  wobnen  (V.  v.  22.  Sept.  §.  34.)  1565.

Tbeilnahme  der  Forensen  an  den  Verhandlungen
der  Landgemeinden  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
22.  Sept.  FK.  10.  Nr.  2.)  1606.

Forstbeamte,  Prüfung,  Anstellung  und  Funktionen  der
Forstbeamten  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  4.  Juli
S#.  1.  2.)  1129.  —  Befugniß  derselben  zum  Wassengebrauch
  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  F.)  923.

Forstfrevel,  Verfahren  in  den  neuen  Landestheilen,
wenn  der  Angeklagte  ein  Recht  zur  Vornahme  der  Handlung
  bebauptet  (Str.  P.  O.  §.  486.)  1045.  ·

Forstgefälle  in  ben  neuen  Landestheilen,  exekutivische
Beitreibung  derselben  im  administrativen  Wege  (V.  v.
22.  Sept.  §.  1.  Nr.  6.)  1551.

Forststrasfgeset  für  Hannover  vom  25.  Mai  1847,
Anwendung  desselben  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XV.  F.  2.)
929.

Forstverbrechen  (Forstvergehen),  Bestrafung  derselben
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  E;
Art.  VI.  Nr.  1.)  923.

Forstverwaltung  in  den  neuen  Landestheilen,  Organisation
  derselben  (V.  v.  4.  Juli)  1129.

Anderweitige  Organisation  der  Forstverwaltung  im.

Oberharz  (V.  v.  9.  Nov.)  1873.

Fortschreibung  der  Flurbücher  und  Mutterrollen  zur
Erhebung  der  Grunbsteuer  (G.  v.  8.  Febr.  §.  2.  12.
19,  20.  29.  32—3.)  186.  —  Kosten  der  Fortschreibung
  (ebend.  Ss.  38.  55.)  189.

Sachregister.

1867.

Fragen,  Stellung  der  Fragen  an  die  Betbeiligten  in
Untersuchungssachen  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.
P.  O.  &amp;amp;  237.  479.)  988.  —  Fragestellung  an  die
Geschworenen  (ebend.  §§#.  316—328.  330.  337.  339.
310.)  1005.

Frankenberg  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk
Kassel  (V.  v.  22.  Febr.  §.  3.  Nr.  12.)  274.
Frankfurt  a.  M.,  (vormals  freie  Reichsstabt):
1)  Militairangelegenheiten.
Einführung  der  Militair=  Strafgesetze,  Regelung
der  Militair-Rechtspflege  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)  383.
Rechtsverhälmmisse  der  Militairpersonen  (A.  E.  v.
1.  April)  519—532.
Einführung  der  Landgendarmerie  (V.  d.  23.  Mai)
777—784.
Militairdienstpflicht  der  Mennoniten  (A.  E.  v.  24.
Juni)  1509.
Einführung  der  Preußischen  Kriegsleistungsgesetze
(V.  v.  22.  Sept.)  1632—1633.
Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  der  zum
Dienste  einberufenen  Reserve=  und  Landwehrmannschaften
(V.  v.  31.  Aug.)  1637.

2)  Justizangelegenheiten.

Zulässigkeit  der  Privatklage  bei  leichten  Körperverletzungen
  oder  Mib'andlungen  im  Frankfurter  Gebiet
(V.  v.  25.  Rür.)  279.

Einrichtung  und  Zuständigkeit  des  Stadtamtes  in
Frankfurt  (A.  E.  v.  4.  Febr.)  516.

Wahl  der  Geschworenen  (V.  v.  11.  Mai)  702.

Staatsverbrechen  gehören  zur  Kompetenz  des  Kammergerichts
  in  Berlin  (V.  v.  23.  Mai)  703.

Einführung  des  Strafgesetzbuchs  und  Erlaß  einer
besonderen  Strafprozeßordnung  (V.  v.  25.  Juni)  921
bis  1056.  —  besondere  Bestimmungen  für  Frankfurt
(ebend.  Art.  VI.  XII.  XVII.)  925.

Bestimmung  über  die  Auslieferung  der  don  ausländischen
  Bebörden  verfolgten  Personen  (A.  E.  v.
26.  Juli)  1264.

Ansatz  und  Erhebung  der  Gerichtskosten  und  der
Gebühren  der  Rechtsanwalte  in  Strafsachen  (B.  v.
30.  Aug.  SK#  1.  ff.  19—27.)  1412.

Geschäftliche  Behandlung  der  Gesuche  um  Legitimation
  anßerehelich  erzeugter  Kinder,  desgl.  der  Gesuche
um  Großjährigkeitserklärung  und  um  Arrogation  (U.
E.  v.  28.  Aug.)  1440.

Bestimmungen  #ber  die  Zulässigkeit  des  Rechtsweges,
  über  das  Verfahren  bei  Kompetenzkonflikten  und
über  die  Behandlung  der  Konflikte  bei  gerichtlichen  Verfol-
        <pb n="87" />
        Sachregister.

rankfurt  a.  M.,  Lvormals  freie  Reichsstadt),  (Fortl.)
folgungen  wegen  Amts-  und  Diensthandlungen  (V.  v.
16.  Sept.  Art.  I.  ff.  Art.  V.  Nr.  4.  lit.  b.)  1515.

Ausdehnung  des  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Koburg
  =  Gotha  über  die  gegenseitigen  Gerichtsbarkeitsverhältnisse
  geschlossenen  Vertrages  v.  11.  Juni  1858
auf  Frankfurt  (Minist.-Erkl.  v.  28.  Sept.)  1795  bis
1796.

3)  Verhältnisse  der  Beamten.

Verfahren  bei  Unstellung,  Entlassung  und  Penftonirung
  der  Beamten  in  Frankfurt  a.  M.  (A.  E.  v.  17.
Jonr.)  31.  —  desondere  Bestimmungen  über  die  Anstellung
  der  Justizbeamten  (V.  v.  B.  Febr.)  209.  —
Penfionsansprüche  der  Beamten  (V.  v.  6.  Mai)  713.
—  Vereidigung  der  Beamten  (V.  v.  22.  Janr.)  132.

Anderweitige  Einrichtung  des  Amtskautionswesens
(V.  v.  12.  Sept.)  1513—1514.

Gerichtsstand  der  im  Auslande  fungirenken  Beamten,
Beschlagnahme  der  Besoldungen  und  Pensionen  von  Beamten,
  Zulässigkeit  des  Personal-Urresles  gegen  dieselben
(V.  v.  23.  Sept.  F.  3.)  1620.  (V.  v.  24.  Juni  K.  104.)
913.

Allgemeine  Regelung  der  Staatsdiener-Verhältnisse
(V.  v.  23.  Sept.)  1619—  1620.

Einfübrung  der  Preußischen  Disziplinargesetze  in
Betreff  der  Beamten  (V.  v.  23.  Sept.)  1613—1618.

4)  Zoll-,  Steuer=  und  Stempelsachen.

Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  (V.  v.  11.  Mai)  593—599.  (A.
E.  v.  22.  Sept.)  1644.

Besteuerung  des  Branntweins  (V.  v.  I1.  Mai)
633—651.  —  des  Braumalzes  (V.  v.  11.  Mai)  652
bis  660.  —  des  Tabacks  (V.  v.  11.  Mai)  661—666.

Einführung  der  Mahl=  und  Schlachtsteuer  (V.  v.
11.  Mai  K.  2.  Nr.  2.)  594.  (V.  v.  3.  Juni)  775.  —
Aufhebung  der  Accise  von  Gerste,  Hafer,  Heu,  Stroh,
Wein  ½.  (B.  v.  29.  Juni)  920.  —  Herabsetzung  des
Mahlsteuersatzes  (A.  E.  v.  6.  Sept.)  1456.

Erhebung  der  Erbschaftsabgabe  (V.  v.  5.  Juli)
1120—  1128.

Erhebung  einer  Abgabe  von  Salz  (V.  v.  9.  Aug.)
1327—1328.

Medizinalgewicht  (V.  v.  12.  Aug.)  1357.

Einführung  des  Zollstrafgesetzes  vom  23.  Januar
1838  (V.  v.  29.  Juli)  1268—1270.

Bestimmungen  über  das  Verfahren  in  Untersuchungen
wegen  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Zollgesetze  (Ordn.
d.  29.  Juli)  1270—1276.

1867.  36

Franukfurt  a.  M.,  svormals  freie  Reichsstabt],  (Forts.)
Bestimmungen  über  die  Verwaltung  des  Stempelwesens
  und  über  die  Erhebung  des  Urkundenstempels
(V.  v.  16.  Aug.)  1346—1348.  —  Stempel  für  Spielkarten,
  Fabrikation  und  Verkauf  derselben  (V.  v.  4.  Juli)
1057—1062.  —  Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli)  1063
bis  1066.  —  Zeitungsstempel  (V.  v.  4.  Juli)  1066  bis
1067.  —  Kalenderstempel  (V.  v.  5.  Juli)  1068—1069.
Exekutivische  Beitreibung  der  direkten  und  indirekten
Steuern  und  anderer  öffentlicher  Abgaben  und  Gefälle,
Kosten  2c.  Seitens  der  Verwaltungsbehörden  (V.  v.
22.  Sept.)  1553—  1568.

5)  Handel  und  Gewerbe.

Die  obere  Leitung  des  Bergwesens  wird  dem  Ministerium
  für  Handel  w.  überwiesen  (A.E.  v.  16.  Febr.)
228.  —  Einführung  des  Berggesetzes  vom  24.  Juni
1865.  (V.  v.  1.  Junl)  770—774.  (V.  v.  24.  Juni)
884.  -

Außer-  und  Wiederinkurssetzung,  desgl.  Umschreibung
  der  Papiere  auf  Inhaber  (V.  v.  16.  Aug.)  1457
bis  1461.

Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung
  an  jeden  Inhaber  enthalten  (V.  v.  17.  Sept.
.  1.)  1518.

Beschäftigung  jugendlicher  Arbeiter  in  den  Fabriken
(V.  v.  22.  Sept.)  1572.

Bestimmungen  über  die  Kommanditgefellschaften  auf
Aktien  (V.  v.  24.  Aug.)  1645—1646.

6)  Post  und  Eisenbahnen.

Organisation  des  Eisenbahnwesens  daselbst  (A.  E.
v.  15.  Dez.  66.)  5.  —  Eisenbahn  von  Frankfurt  nach
Homburg,  s.  Eisenbahnen  Rr.  18.

Einführung  des  Gesetzes  v.  3.  November  1838
über  die  Eisenbahn-Unternehmungen,  und  der  Verordnung
vom  21.  Dezember  1846  über  die  bei  dem  Bau  von
Eisenbahnen  beschäftigten  Handarbeiter  (V.  v.  19.  Aug.)
1426.  «

Besteuerung  der  Eisenbahnen  (V.  v.  22.  Sept.)
1639—1640.

Uebernahme  der  Thurn  und  Taxgisschen  Postverwaltung
  (Vertr.  v.  28.  Janr.  Art.  1.  Nr.  5;  Art.  2.
3.  9.)  355.  —  Errichtung  einer  Oberpostdirektion  in
Frankfurt  (A.  E.  v.  8.  April)  847.

7)  Verwaltungsangelegenheiten.
Orgoanisation  der  Verwaltungsbehörden  in  dem  Gebiete
  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt  (V.  v.
22.  Febr.)  273.
e  Ein-
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        Franukfurt  a.  M.,  svormals  freie  Reichsstabt],  (Forts.)
Einrichtung  der  Polizeiverwaltung  (V.  v.  29.  Juni)
917.  —  Verordnung  uͤber  bie  Polizeiverwaltung  (v.
20.  Sept.)  1529—  1533.
Organisation  der  Forstverwaltung,  Prüfung  und
Anflellung  der  Forstbeamten  (V.  v.  4.  Juli)  1129.
Verwaltung  und  Veräußerlichkeit  der  Domainen
und  Regalien  (V.  v.  5.  Juli)  1182—1183.

8)  Geistliche-,  Schul-  und  Medizin  al-Angelegenheiten.

Prüfung  der  Schulamtskandidaten  (V.  v.  13.  März)

Kompetenz  des  Ministers  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten
  in  Betreff  der  Unterrichts-  und  Medizinal-Verwaltung
  (V.  v.  13.  Mai)  667.

Bestimmung  über  die  evangelischen  Konfistorien  in
Frankfurt  (V.  v.  22.  Sept.  S.  3.)  1569.

Errichtung  eines  Provinzial-Schulkollegiums  und
Medizinal-Kollegiums  für  den  Regierungsbezirk  Wiesbaden
  2c.  (V.  v.  22.  Sept.)  1570.

9)  Staatsheiten.



Befugnisse  der  ständigen  Bürger-Repräsentation  und
des  Rechnungs-Revisions-Kollegiums  in  Frankfurt  (V.
v.  31.  Dez.  66.)  8.

Das  Stadt=  und  Landgebiet  der  vormals  freien
Stabt  Frankfurt  bildet  jetzt  den  Stadtkreis  Frankfurt
(V.  v.  22.  Febr.  K.  4.  Nr.  11.)  275.

——  —  für  die  Stadt  Frankfurt
(b.  25.  März)  401—42

Verwaltung  der  bachenten  zum  Staatseigenthum
gehörigen  Aktivkapitalienfonds  (V.  v.  5.  Juli)  1072.

Vermögensauseinandersetzung  der  Stadt  Frankfurt
mit  dem  Staate  in  Betreff  der  Kriegsleistungen  und
Lasten  (A.  E.  v.  25.  Sept.)  1683.

Wahl  der  Abgeordneten  zum  Preußischen  Landtage
(G.  v.  17.  Mai)  1481.  —  Bezeichnung  der  direkten
Steuern,  nach  denen  die  Urwähler  in  drei  Abtheilungen
getheilt  werden,  Feststellung  der  Wahlbezirke  (V.  v.
14.  Sept.)  1482—1495.

Kreisverfassung  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden,
insbesondere  im  Stadtkreise  Frankfurt  (V.  v.  26.  Sept.
§.  W.)  1658.  —  Kommunalständische  Verfassung  mit
Ausschluß  des  Stadtkreises  Frankfurt  (V.  v.  26.  Sept.
S&amp;amp;.  1.  ff.  S.  18.)  1659.

Verpflichtung  der  Stadtgemeinden  zur  Besetzung  der
besoldeten  städtischen  Unterbeamtenstellen  mit  versorgungsberechtigten
  Militair  =  Invaliden  (A.  E.  v.  22.  Sept.)
1667—1668.

und  Kommunal-Angelegen-Sachregister.



1867.

Frankfurt  a.  M.,  Lvormals  freie  Reichsstabt],  (Fortf.)

10)  Sonstige  Bestimmungen.

Bildung  von  Genoffenschaften  zu  Entwässerungsund
  Bewässerungs=  Anlagen  (V.  v.  28.  Mai)  769.  —
Privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs=  und  Wirthschafts-Genossenschaften
  (V.  v.  12.  Aug.)  1449—1450.

Aufhebung  der  Lotterie  (A.  E.  v.  5.  Juli)  1056.  —
Einstweilige  Fortsetzung  derselben  (A.  E.  v.  17.  Sept.)
1611.

Verordnung  über  das  Münzwesen  (v.  24.  Aug.
#  1.  5.)  1427.

Verordnung  über  das  Rechnungswesen  (v.  31.  Aug.)
112—1444.

Bestimmungen  über  die  Güterkonsolidation  (V.  v.
2.  Sept.)  1462.

Bestimmungen  über  das  Zeitungs-Kautionswesen  (V.
b.  26.  Sept.)  1663—1664.

Frankfurt  a.  d.  O.,  Eisenbahn  von  Frankfurt  nach  Posen,
s.  Eisenbahnen  Nr.  26.

Frankreich,  Vertrag  zwischen  Preußen  und  Frankreich
wegen  Anlage  einer  Eisenbahn  von  Saarbrücken  nach
Saargemünd  (v.  18.  Juli)  1817—1823.

Frauenspersonen,  Bestrafung  unzüchtiger  Frauenspersonen
  in  Hannover  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XV.  .  1.)
929.  —  Einsperrung  derselben  in  Westpreußen  (Regl.
v.  11.  Sept.  §K.  3.  Nr.  2;  K.  9.  Nr.  4.  lit.  b;  F.  11.
Nr.  1.)  1710.

Freienwalde  a.  d.  O.,  Genehmigung  zur  Ausgabe  von
Obligationen  der  Stadt  Freienwalde  im  Betrage  von
40,000  Thlrn.  zu  5  Prozent  (Priv.  v.  12.  Nov.  66.)
17—21.

Freihäfen  im  Gebiete  des  Norddeutschen  Bundes  find
Lübeck,  Bremen  und  Hamburg  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  34.)
826.

Freiheitsstrafe  in  den  neuen  Lanbestheilen,  Vollstreckung
  derselben  (Str.  P.  O.  S.  433—437.)  1034.  —
Verläufige  Antretung  derselben  findet  nicht  statt  (ebend.
K.  429.)  1033.  —  Umwandlung  derselben  in  Geldstrafe
und  umgekehrt,  s.  Geldstrafe,  desgl.  Umwandlung.

Freilafsung  verhafteter  und  vorläufig  festgenommener
Personen  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.
S&amp;amp;.  114.  126.  129.  135.)  961.

Freisprechung  der  Angeklagten  in  den  neuen  Landestheilen
  (Str.  P.  O.  S#.  10.  262.  267.)  935.  —  insbes.
in  Schwurgerichtssachen  (ebend.  §.  344.)  1012.  —  Kosten
des  Verfahrens  im  Fall  der  Freisprechung  (ebend.
K.  438.  461.)  1035.

Frei-=
        <pb n="89" />
        Sachregister.

Freistadt  (Schlesien),  Ausfertigung  von  Obligationen
des  Freistädter  Kreises  im  Betrage  von  120,000  Thalern
zu  5  Prozent  (Priv.  v.  17.  Juli)  1339—1343.  —  .
auch  Chausseen  Nr.  12.

Freizägigkeit  in  den  Staaten  des  Norddeutschen
Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  1.)  819.

Fremde,  die  Bestimmungen  über  Fremdenpolizei  in  den
Norddeutschen  Staaten  unterliegen  der  Aufsicht  und
Gesetzgebung  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.
Nr.  1.)  819.

Frieden  zu  schließen  im  Namen  des  Norddeutschen
Zundes,  ist  ein  Recht  des  Bundes-Präsidiums  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  11.)  823.  —  Friedens-Präsenzstärke  des
Bundesheeres  (ebend.  Art.  60.  62.)  834.

Friedrich-Wilhelms  Kanal,  Abgabe  für  das  Befahren
  desselden  (Tarif  v.  9.  Sept.  A.)  1578.

Fritzlar  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kassel  (V.
v.  22.  Febr.  K.  3.  Nr.  4.

Fronhausen  (Kurhessen),  dem  Justizamte  i  in  Fronhausen
wird  die  Gerichtsbarkeit  hinfichtlich  der  in  den  Forsten
Treis  und  Ebsdorf  begangenen  Forst-,  Jagd=  und
Fischereifrevel  überwiesen  (A.  E.  v.  22.  Febr.)  278.

Früchte,  Strafe  für  die  Entwendung  von  Früchten  aus
Gärten,  Weinbergen  2c.  in  den  neuen  Landestheilen
(W.  v.  25.  Juni  Art.  III.  §.  2.  Nr.  2.)  924.  —  Beschlagnahme
  der  Früchte  auf  dem  Halm  im  Wege  der
administrativen  Exekution  zur  Einziehung  rückständiger
Abgaben,  Steuern,  Kosten  c.  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  22.  Sept.  K.  11.  lit.  b;  F.  30.)  1557.

s.  auch  Feldfrüchte.

Fuhrkosten,  s.  Reisekosten.

Fulda  (Kreis),  gehört  zum  —  Kassel  (V.
v.  22.  Febr.  F.  3.  Nr.  15.)  27

Aufhebung  des  nshene  in  der  Provinz  Fulda
(V.  v.  13.  Mai)  727.

Fulda  (Stadt),  Kompetenz  des  Obergerichts  zu  Fulda  in
Justiz-Angelegenheiten  aus  den  vormals  Bahyerischen
Landgerichtsbezirken  Orb,  Weyhers  und  Hilders  (A.  E.
v.  22.  Dez.  Nr.  2—5.)  6—7.

Füssenich  (Rheinprovinz),  s.  Chausseen  Nr.  40.

G.

Garaatie,  Uebernahme  einer  Garantie  von  Seiten  des
Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  73.)  838.

Gardelegen,  Eisenbahn  von  Berlin  über  Gardelegen
nach  Lehrte,  s.  Eisenbahnen  Nr.  9

Garnison,  Bestimmung  der  Garnisonen  für  die  Nordbeutschen
  Bundestruppen  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  63.)  835.

1867.  37

Garnisonprediger,  Anstellung  derselben  in  bem  vormaligen
  Königreich  Hannover  (V.  v.  24.  Juni)  919.—
desgl.  im  Bereich  des  eilften  Armeekorps  (V.  v.  12.  Okt.
K.  2.)  1849.

Garten,  Bestrafung  besjenigen,  welcher  in  den  neuen
Landestheilen  in  fremden  Gärten  Nachlese  bält  (V.  v.
25.  Juni  Art.  III.  K.  1.  Nr.  1.)  923.  —  deögl.  welcher
Bäume  und  Sträuche  abbricht  oder  beschädigt  (ebend.
Art.  III.  K.  2.  Nr.  3.)  924.

Gartendlebstahl,  Bestrafung  desselben  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  §.  2.  Nr.  2.)  924.

Gassenbof  (Rheinprovinz),  s.  Chausseen  Nr.  37.

Gastwirthe,  Bestrafung  der  Gastwirthe,  welche  in
ihren  Lokalen  das  Spielen  mit  ungestempelten  Karten
dulden  (V.  v.  4.  Juli  K.  14.)  1060.  (G.  v.  23.  Dez.
K.  12.)  1923.

Gatterthor,  Strafe  für  das  unbefugte  Oeffnen  befselben
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  d.  25.  Juni  Art.  III.
§P.  1.  Nr.  8.)  921.

Gebäudesteuer  in  dem  Fürstentbum  Hohengollern=Hechingen
  (G.  v.  22.  Febr.  I.  3—5.)  270
Einführung  der  Gebäudesteuer  in  dem  Gebiete  des
vormaligen  Königreichs  Hannover  (V.  v.  28.  April)
533—538.  —  desgl.  im  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.
28.  April)  538—543.  —  desgl.  in  den  Herzogthümern
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  28.  April)  543—548.
—  desgl.  in  Rassau,  Frankfurt  a.  M.  und  den  vormals
Großherzoglich  Hessischen  Landestheilen  (V.  v.  11.  Mai)
593—599.  —  desgl.  in  dem  Hessen-Homburgschen  Oberamtsbezirk
  Meisenheim  (V.  v.  4.  Juni)  761—764.  —
desgl.  in  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen,  den
Bezirken  Gerskeld  und  Orb  (V.  v.  24.  Juni)  842—846.
Exekutivische  Beitreibung  der  Gebäudesteuer  in  den
ncuen  Landestheilen  im  abministrativen  Verfahren  (V.
v.  22.  Sept.  S.  1.  Nr.  1.  a.)  1553.

Gebühren  der  Rechtsanwalte  und  Notare  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  §.  33.)  1080.  (V.  v.
30.  Aug.  S.  18—28.)  1378.  —  desgl.  in  Kurhessen
und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.
26.  Juni  K.  22.]  1090.  (V.  v.  30.  Aug.  S.  19—29.)
1395.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  §.  22.)
1099.  (V.  v.  30.  Aug.  S#.  21—30.)  1409.

Gebühren  der  Rechtsanwalte  in  Hannover,  Kurhessen
  2c.  in  Strafsachen  (V.  v.  30.  Aug.)  1412—1420.
(V.  v.  30.  Aug.  F.  24.)  1380.  (V.  v.  30.  Aug.  §.  25.)
1397.  (V.  v.  30.  Ang.  F.  26.)  1411.

Gebühren  der  Rechtsanwalte  bei  dem  Ober-Appellationsgericht
  in  Berlin  (V.  v.  27.  Juni  S.  11.)  1106.

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        38

Gebübren,  (Fortf.)

Exekutivische  Beitreibung  der  von  den  Verwaltungsund
  Auseinandersetzungs-Behörden  in  den  neuen  Landestheilen
  festgesetzten  Gebühren  (V.  v.  22.  Sept.  F.  1.

t.  5.)  1554

Geburtsschelue  in  Schleswig  und  Holstein,  Stempel
zu  denselben  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  60.  81.)  1303.

Geestemünbe  (Hannover),  Zablung  der  Zinsen  fär  die
zum  Bau  der  Geestemünder  Hafenanlagen  aufgenommenen
  Anleihen  (V.  v.  10.  Janr.)  76.

Gefälle,  s.  Abgaben.

Gefangene,  Vernehmung  und  Behandlung  der  Untersuchungsgefangenen
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.
P.  O.  S#  136—138.  220.  238.  366.  383.)  966.  (V.
v.  25.  Juni  Art.  XIII.)  928.  —  Verfabren  gegen  Angeklagte,
  welche  sich  in  Schuld=  oder  Strafhaft  befinden
(Str.  P.  O.  K.  139.)  966.  —  Beschäftigung  der  Strafgefangenen
  außerhalb  der  Anstalt  (V.  v.  25.  Juni
Art.  II.  K.)  923.

Gefängniß,  Bekfugniß  der  Gerichte  in  den  neuen  Landestbeilen,
  ungeborsame  Zeugen  und  Sachverständige  in  das
Untersuckungsgefängniß  einzusperren  (Str.  P.O.  .  158.
Nr.  2.  S§.  186.  405.)  971.  —  desgl.  solche  Personen,  welche
die  Ruhe  und  Ordnung  während  der  gerichtlichen  Verhandlung
  stören  tebend.  K.  187.)  978.  —  Verwaltung
und  Revision  der  Gefängnisse  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XIII.)
928.

Uebernahme  und  Unterhallung  der  Gerichtsgefängnisse
  in  Schleswig  und  Holstein  von  Seiten  des  Staats
(V.  v.  26.  Juni  S§.  2.  40.)  1073.

Gesängnißstrafe,  Anwendung  derselben  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  IX.)  926.  —  insbef.
gegen  Personen,  welche  die  Ruhe  und  Ordnung  in  der
Sitzung  eines  erkennenden  Gerichts  verletzen  (Str.  P.
O.  §.  188.)  978.  —  desgl.  gegen  solche  Personen,  welche
mit  den  Geschworenen  unerlaubten  Verkehr  pflegen,  oder
in  das  Berathungszimmer  derselben  eintreten  (ebend.
K.  332.)  1009.

Umwandlung  einer  Geldbuße  in  Gefängnißstrafe
(Str.  P.  O.  S#.  435.  436.)  1034.  —  Dauer  derselben
bei  Steuerdefraudationen  in  den  neuerworbenen  Landestheilen
  (V.  v.  11.  Mai  §.  70.)  650.  (V.  v.  11.  Mai
K.  39.)  659.  (V.  v.  11.  Mai  §.  26.)  665.  —  f4.  auch
Geldstrafe.

Gehalt  (Besfoldungen),  Beschlagnahme  von  Besoldungen
der  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen  im  Wege  gerichtlichen
  Verfahrens  (V.  v.  24.  Juni  F.  104.)  914.
(V.  v.  23.  Sept.  F.  3.)  1620.  —  desgl.  im  Wege  der
administrativen  Exekution  zur  Beitreibung  rückständiger
Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c.  (V.  v.  22.  Sept.  F.  32.)  1565.

Sachregister.

1867.

Gebüälsten  (Gewerbsgehülfen),  Befugniß  der  Gewerbetreibenden
  in  Hannover  zur  Annahme  von  Gehülfen
(V.  v.  29.  März  §.  5.)  425.  —  desgl.  im  Amtsbezirke
Homburg  (V.  v.  9.  Aug.  F.  3.)  1441.  —  desgl.  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  23.  Sept.  IS.  5.  u.  8.)
1641.

Verkretungsverbindlichkeit  des  Prinzipals  für  die
von  seinen  Gewerbsgehülfen  begangenen  Steuerdefraudationen
  in  den  neuerworbenen  Landestheilen,  in  Betreff
der  Branntweinsteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  66.)  649.  —
in  Betreff  der  Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  34.)
658.  —  in  Betreff  der  Tabacksteuer  (V.  v.  11.  Mai
K.  20.)  661.

Gerichtsstand  der  Kunstgehülfen,  Handlungsdiener  2c.
in  Alimenten=  und  Entschädigungs-Prozessen  in  Kurhessen,
Nassau  1.  (V.  v.  24.  Juni  F.  95.)  911.

Geistliche,  Vereidigung  der  Geistlichen  in  den  neuen
mit  Preußen  vereinigten  Landestheilen  (V.  v.  22.  Janr.)
132—135.

In  welchen  Fällen  Geistliche  in  den  neuen  Provinzen
  ihr  Zeugniß  in  Untersuchungssachen  ablehnen
können  (Str.  P.  O.  §.  155.)  970.

Gebühren  und  Reisekosten  der  Geistlichen  in  gerichtlicben
  Angelegenheiten  in  Schleswig  und  Holstein  (V.
v.  30.  Aug.  K.  17.)  1378.  (Regul.  K.  5.  A.)  1383.  —
desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  30.  Aug.  F.  18.)  1395.  —  desgl.
in  Rassau  und  den  vormals  Großberzoglich  Hessischen
Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  F.  20.)  1408.  —  desgl.
in  Hannover  und  Frankfurt  a.  M.  in  Strafsachen  (V.
v.  30.  Aug.  F.  27.)  1420.

Bekreiung  der  Geistlicben  von  den  Kommunal=Auflagen
  in  den  neuen  Vandestheilen  (V.  d.  23.  Sept.
K.  1.  Nr.  3;  S§##.  9—12.)  1648.

Geistliche  Gerichtsbarkeit  in  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen,  Aufhebung  derselben  in  weltlichen  Angelegenheiten,
  insbesondere  in  Ehesachen  (V.  v.  26.  Juni
#.  24)  1090.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals
Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni
5.  23.)  1099.

Geldstrasee,  Verhängung  einer  Geldbuße  gegen  ungehorsame
  Zeugen  und  Sachverständige  bei  Untersuchungen
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  §.  157.
158.  186.)  970.  —  desgl.  gegen  Geschworene  (ebend.
#§#K#.  292.  298.  332.)  1000.  —  desgl.  gegen  Schäffen
(ebend.  Anlage  §.  13.)  1053.

Umwandlung  der  Geldbuße  in  Gefängnißstrafe  in

den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  §#.  435.  436.)
1034.  —  insbesondere  bei  Steuerdefraudationen  (V.  v.
11.  Mai  K.  70.)  650.  (V.  v.  11.  Mai  .  39.)  659.
(V.
        <pb n="91" />
        Sachregister.  1867.  rG

Geldstrafe,  (Forts.)

(V.  v.  11.  Mai  K.  26.)  665.  —  desgl.  bei  Zollbefraudationen
  (Orbn.  v.  29.  Juli  S§6—  23—25.)  1275.
—  desgl.  bei  Stempelkontraventionen  (G.  v.  29.  Juli  K.  5.
lit.  b.)  1267.  (V.  v.  29.  Juli  §.  5.  lit.  b.)  1269.  —
insbesondere  beim  Kartenstempel  (V.  v.  4.  Juli  K.  21.)
1061.  —  beim  Zeitungsstempel  (V.  v.  4.  Juli  §.  3.)
1067.  —  bei  Defraudationen  der  Salzabgabe  (G.  v.
9.  Aug.  K.  7.)  1318.  (V.  v.  9.  Aug.  F.  17.)  1325.

Bei  Defraudationen  des  Wechselstempels  findet  eine
Umwandlung  der  Geldstrafe  in  Gefängnißstrafe  nicht
statt  (V.  v.  4.-Juli  §.  6.)  1064.  —  desgl.  bei  Defraudationen
  des  Urkundenstempels  (V.  v.  19.  Juli  §.  15.)
1197.  (V.  v.  7.  Aug.  C.  15.)  1283.

Den  wegen  Spielkarten  festgesetzten  Geldstrafen  ist
für  den  Fall  des  Unvermögens  Freiheitsstrafe  zu  substituiren
  (G.  v.  23.  Dez.  F.  21.)  1925.

Androhung,  Verhängung  und  Vollstreckung  von
Geldstrafen  Seitens  der  Polizeibehörden  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  20.  Sept.  S#.  5.  11.  16.  18.)  1530.

Verhängung  derselben  von  Seiten  der  Handelsgerichte
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  K.  17.)
1137.

Beitreibung  der  Geldstrafen  in  Untersuchungen  wegen
Zolldefraudationen  in  den  neuen  Landeetheilen  (Ordn.
v.  29.  Juli  &amp;amp;.  21.  ff.)  1274.

Exekutioische  Beitreibung  der  von  den  Verwaltungsund
  Auseinandersetzungs-Behörden  in  den  neuen  Landestheilen
  festgesetzten  Gelostrafen  (V.  v.  22.  Sept.  .  1.

t.  5.)  1554.

Gellendorx'  (Schlesien),  s.  Chausseen  Nr.  13.

Gelnbausen  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kassel
(V.  v.  22.  Febr.  S.  3.  Nr.  19.)  274.

Gemeinde,  Verpflichtung  der  Gemeinden  zur  Hülfeleistung
  behufs  Ermittelung  und  Festslellung,  desgl.  zur
Einziehung  der  Grundsleuer  (G.  v.  8.  Febr.  S##29.
33.  40.  ff.)  195.

Bestimmung  für  die  Nordodeutschen  Staaten  über
die  Aufnahme  in  den  Gemeindeverband  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  3.)  819.

Gemeindeabgaben  (Kommunalabgaben),  Aufhebung
der  Kommunalabgaben  für  den  Erwerb  der  Gemeindeangehörigkeit
  (G.  v.  2.  März)  361.

Exekutivische  Beitreibung  der  Gemeindeabgaben  in
ben  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  §F.  1.  Nr.  3.)
1554.

Heranziehung  der  Staatsdiener  in  den  neuen  Landes,

theilen  zu  den  Kommunalabgaben  (V.  v.  23.  Sept.)  1648

bis  1651.  —  f.  auch  Abgaben.

Gemeindebeamte  in  Frankfurt  a.  M.,  Anstellung,
Besoldung  und  Entlassung  derselben  (G.  v.-25.  März
§S.  63.  Nr.  6;  S§.  71.  72.  83.)  416.

Gemeindebeschluß  der  Landgemeinden  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  S§.  9.  24.  26.)  1605.

Gemeindebezirk,  Bildung  der  Landgemeinbebezirke
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  §#.  1.  2.)
1603.

Gemeindehaushalt  der  Stadt  Frankfurt  a.  M.  (G.
v.  25.  März  §§#.  73—78.)  419.

Gemeinde  =  Ordnung,  Gemeinde-Verfassungsgesetz
für  die  Stadt  Frankfurt  a.  M.  (v.  25.  März)  401  bis
42.

Gemeindestatut,  Errichtung  und  Bestimmungen  der
Statute  für  die  Landgemeinden  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  22.  Sept.  IS#  2.  4.  12.  16.)  1604.

Gemeindeverordnete  als  Vertreier  der  Landgemeinden
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  I.  2.  16.)
1604.

Gemeindeversammlung,  Verbandlungen  und  Beschlüsse
  der  Landgemeindeversammlungen  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  S§.  2.  S.  12—19.)  1604.

Gemeindevorsteher  in  den  neuen  Landestheilen,  Verpflichtungen
  derselben  in  Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.
W#.  32.  95.  282.)  911.

Gemeindevorsteher  der  Landgemeinden  in  Schleswig
und  Holslein  (V.  v.  22.  Sept.  S#.  14.  15.  18—  23.)  1607.

Gemeingefährliche  Verbrechen,  Bestrafung  derselben
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.
PF.  3.  Schlußsatz)  925.

Gemeinbeitstheilung,  Einfluß  berselben  auf  die  Feststellung
  und  Erhebung  der  Grundsteuer  (G.  v.  8.  Fedr.
SK.  20.  33.  36.  37.)  192.

Theilung  der  Gemeinschaften  in  dem  vormaligen
Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.  13.  Mai)  716—726.  —
desgl.  in  den  vormals  Bayerischen  und  Großherzoglich
Hessischen  Gebielstheilen  (V.  v.  2.  Sept.)  1463—1464.

Stempelfreiheit  der  Verhandlungen  über  Gemeinheitstheilungen
  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli
5.  3.  c.)  1192.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  7.  August  §.  3.  c.)  1278.

Gemeinnützige  Anstalten,  Befreiung  derselben  von
der  Erbschaftsabgabe  in  den  neuen  Landestheilen
(Tarif  v.  5.  Juli  Nr.  2.  h.)  1127.  —  Stempelfreiheit
derselben  (V.  v.  19.  Juli  S.  4.g.)  1193.  (V.  v.  7.  Aug.
5S.  4.  g.)  1280.

Gemeinschaften,  s.  Gemeinheitskheilung.

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        40  Sachregister.  1867.

Gendarmerie,  Einführung  derselben  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  23.  Mai)  777—784.

General,  Ernennung  der  Generale  für  die  Truppen  des
Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  64.  66.)
836.

Generalkommission  in  Kassel  (V.  v.  13.  Mai  F.  29.)
725.  —  desgl.  in  Hannover  (V.  v.  16.  Aug.)  1522.
Generalstaatsanwalt  bei  dem  obersten  Gerichtshofe
für  die  neuen  Landestheile  (Str.  P.  O.  FF.  31.  Nr.  1.)
941.  —  Funktionen  delselben  in  der  Nichtigkeitsbeschwerde-Instanz

  (ebend.  S§.  394.  395.  406.)  1025.

Generalversammlungen  der  Genossenschaften  (G.  v.
27.  März  §.  9.  20.  27.  28.  30—32.  45.  47.)  504.

Generalwährschaftsbuch,  s.  Hypothekenbuch.

Genossenschaften,  privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs=
  und  Wirthschafts-Genossenschaften  (G.  v.  27.  März)
501  —515.  —  Einführung  dieses  Gesetzes  in  Hannover
(V.  v.  12.  Juli)  1189—1190.  —  desgl.  in  Kurhessen,
Nassau,  Frankfur  a.  M.  und  den  vormals  Bayerischen  uud
Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  12.  Aug.)
1449—  1450.  —  besgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  22.  Sept.)  1634.

Bildung  von  Genossenschaften  zu  Entwässerungsund
  Bewässerungs  =  Anlagen  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen  (V.  v.  28.  Mai)  769.  —  f.  auch  Meliorationen.


Genossenschafts-Register,  Eintragungen  in  dasselbe
(G.  v.  27.  März  §#.  4—7.  19.  22.  34—36.  40.  51.
57.)  503.  ç

Gerichte  für  Strafsachen  in  den  neuen  Landestheilen
(Str.  P.  O.  I  11—23.  60.)  935.  —  Zuständigkeit
derselben  (ebend.  &amp;amp;.  39—  45.  47—49).  942.  —  Verpflichtungen
  der  Gerichte  in  Strafsachen  (ebend.  88.  3
bis  10)  933.  —  Form  und  Fassung  ihrer  Urtheile  und
Beschlüsse  (ebend.  §.  21—22.)  937.

Gerichtsarzt,  Zuziehung  desselben  bei  Untersuchungen
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  IS§.  153.  170.
178.  180.)  969.  —  f.  auch  Aerzte.

Gerichtsassessoren,  Ernennung  und  Beschäftigung
derselben  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  6.  Juni
SS.  37  —-  39.  49.)  1081.  —  desgl.  in  Kurhessen  und
den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni
.  30—32.  34.)  1092.  —  desgl.  in  Nassau  und  den
vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.
26.  Juni  &amp;amp;6.  29—31.  33.)  1101.

Gerichtsbarkeit,  Ausübung  derselben  in  den  an  Preußen
abgetretenen  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (A.  E.
v.  22.  Dez.  66.)  6—7.  (A.  E.  v.  6.  Mai)  699.  (A.  E.
v.  8.  Juli)  1164.

Gerichtsbarkeit,  (Forts.)

Uebertragung  der  von  dem  vormaligen  Ober-Hofmorschall-Amt
  in  Hannover  ausgeübten  Gerichtsbarkeit
auf  die  ordentlichen  Gerichte  (A.  E.  v.  2.  Janr.)  31.

Gerichtsbarkeit  der  Auditeure  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen  (A.  E.  v.  1.  April  Zusam.  IV.)  528.  —
Gerichtsbarkeit  über  Preußische  Garnisonen  im  Auslande
(ebend.  Nr.  V.)  528.

Gesuche  wegen  Umlegung  der  Jurisdiktion  in  den
Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein  (A.  E.  v.  4.  Mai)
632.

l.  auch  Privatgerichts  barkeit,  Geistliche
Geristsbakkeit,  Justizverwaltung.
Gerichtsb  itsverhältnisse,  Ergänzung  des  Artikels
  44  der  zwischen  Preußen  und  dem  Koönigreich
Sachsen  bestehenden  Uebereinkunft  zur  Beförderung  der
Rechtspflege  vom  14.  Okt.  1839  (Minist.  Erkl.  v.  13.  Febr.)
280.

Ausdehnung  des  mit  Sachsen-Koburg-Gotha  über
die  gegenseitigen  Gerichtsbarkeitsverhältnisse  geschlossenen
Vertrages  vom  11.  Juli  1858  auf  die  neuen  Landestheile
  (Minist.  Erkl.  v.  28.  Sept.)  1795—1796.

Gerichtsboten,  s.  Boten.

Gerichtsgebäude  in  Schleswig  und  Holstein,  Benutzung
  und  Unterhaltung  derselben  (V.  v.  26.  Juni
SK.  2.  40.)  1073.

Gerichtshof  für  Kompetenz-Konflikte,  Kompetenz  desselben
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  16.  Sept.
Art.  IV.  V.  IX.)  1516.

Gerichtskosten,  Ansatz  und  Erhebung  derselben  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  §K.  2.  33.)
1073.  (V.  v.  30.  Aug.  S.  1—17.  26—2.)  1369.  —
desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  26.  Juni  K.  22.)  1090.  (V.  8
30.  Aug.  S.  1—18.  27—29.)  1385.  —  desgl.
Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  dni-  rr
bietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  F.  22.)  1099.  O.
Aug.  S&amp;amp;#.  1  —20.  28—30.)  1399.

Ansatz  der  Gerichtskosten  in  Strafsachen  in  Hannover,
  Kurhessen,  Nassau  r.  (V.  v.  30.  Aug.)  1412  bis
1420.  (V.  v.  30.  Aug.  F.  14.)  1377.  (V.  v.  30.  Aug.
5.  15.)  1394.  (V.  v.  30.  Aug.  K.  17.)  1407.

Ansatz  der  Gerichtskosten  in  Digsziplinarsachen  in
den  neuen  Londestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VIII.)
1617.

Unsatz  der  Gerichtskosten  bei  dem  Ober-Appellationsgericht
  in  Berlin  (V.  v.  27.  Juni  §.  11.)  1106.
Gerichtsschreiber  in  den  vormals  Bayerischen  Landgerichtsbezirken
  Orb,  Weyhers  und  Hilders,  Funktionen

derselben  (A.  E.  v.  22.  Dez.  66.  Nr.  1.)  6.
Zu-
        <pb n="93" />
        Sachregister.  1867.  41

Gerichtsschrelber,  (Fortf.)

Zuziehung  und  Funktionen  der  Gerichtsschreiber  in
den  neuen  Landestheilen,  in  Untersuchungssachen  (Str.
P.  O.  J&amp;amp;.  23—30.  145.  148.  150.  226.  228.  257.
338.  343.  376.  394.  406.)  938.  —  desgl.  bei  Vollstreckung
  eines  Todesurtheils  (ebend.  §.  432.)  1034.

Gerichtsstand:
1)  der  Genossenschaften  (G.  v.  27.  März  §&amp;amp;.  16.  34.
48.)  504

2)  Bestimmungen  für  die  neuen  Landestheile:

a.  Gerichtsstand  der  Militairpersonen  (A.  E.  1.  April
Zus.  Nr.  I.)  520.
Gerichtsstand  des  Fiskus,  der  Korporationen,
juristischen  Personen  und  Eisenbahn-Gesellschaften
in  Civilprozessen  (V.  v.  24.  Juni  I§.  93.  94.)
911.

·

4Gerichtsstand  der  Gesandten  2c.,  desgl.  der  im
Auslande  fungirenden  Beamten  (.  v.  24.  Juni
K.  104.)  913.  (V.  v.  23.  Sept.  §&amp;amp;.  3.)  1620.

Gerichtsstand  der  Dienstboten,  Lehrlinge,  Gesellen,
  Handlungsdiener  2c.  in  Alimenten=  und
Entschädigungs-Prozessen  (V.  v.  24.  Juni  §.  95.)
911.

#.K

"

Gerichtsstand  in  Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.
5  39—44.)  942.

Bestimmungen  über  den  Gerichtsstand  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;#.  5  —  19.  6.  25.
III.  Nr.  3.)  1074.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni
8.  14.  11II.  Nr.  3;  &amp;amp;.  23—26.)  1087.  —
desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Grohherzoglich
Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;#.  Z.
14.  III.  Nr.  3;  S#.  23—25.)  1096.

Befugniß  des  Ober-Appellationsgerichts  in  Berlin
zur  Bestimmung  eines  gemeinschaftlichen  Gerichtsstandes
  (V.  v.  27.  Juni  §.  2.  I.  Nr.  3.c.)  1104.
s.  auch  Eximirter  Gerichtsstand.

Gerichtsverfassung  in  den  neuen  Landestheilen,  ins-Wondere:


1)  in  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (A.  E.

v.  22.  Dez.  66.)  6.—7.  (V.  v.  26.  Juni)  1085  bis
1994.

*

2)  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  28.  Jant.)  140.
(V.  v.  26.  Juni)  1073—1085.

3)  in  Kurhessen  (V.  v.  26.  Juni)  1085—  1094.

4)  in  Nassau  (V.  v.  26.  Juni)  1094-—1103.

5)  in  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  5.  Nov.  66.)  400.  (A.  E.  v.  1.  April)
495.  (V.  v.  26.  Juni)  1094—1103.

s.  auch  Justizverwaltung.
Johrgarg  1867.

Gerichtsvoigte  in  Hannoder,  Disziplinarverfahren
gegen  dieselben  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  V.  S#.  60.  65.
77.)  1614.

Germania,  Lebensverficherungs-Gesellschaft  in  Stettin
Abänderung  der  Statuten  (Bek.  v.  15.  Juli)  1188.
Gersfeld  (Amt),  gehört  zum  Regicrungsbezirk  Kassel
(V.  v.  22.  Febr.  §.  1.  Nr.  2;  K.  3.  Nr.  23.)  273.—
Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff  der
direkten  Steuern  in  Gersfeld  (V.  v.  24.  Juni)  812

bis  846.

Gesandte  im  Ramen  des  Norddeutschen  Bundes  zu  beglaubigen
  und  zu  empfangen,  ist  ein  Recht  des  Bundes-Präsidiums
  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  11.)  823.

Gerichtsstand  fremder  Gesandten  r2c.  in  Prozessen
bei  den  Gerichten  in  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni
§.  104.)  913.  (V.  v.  23.  Sept.  F.  3.)  1620.

Geschäftsbetrieb,  Erledigung  der  Beschwerden  in  Kurhessen,
  Nassau  2c.,  welche  den  Geschäftsbetrieb  in  Civilprozeßsachen
  betreffen  (V.  v.  24.  Juni  K.  85.)  907.  —
desgl.  in  Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.  F.  413.)  1028.

Besondere  Bestimmungen  für  Schleswig  und  Holstein
  (V.  v.  26.  Juni  §.  35.)  1080.  —  desgl.  für
Kurhessen  und  die  vormals  Bayerischen  Gebietstheile
(V.  v.  26.  Juni  K.  28.)  1091.  —  desgl.  für  Nassau  und
die  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheile  (V.
v.  26.  Juni  §.  27.)  1100.

Geschenke,  Verbot  der  Annahme  und  Anbietung  von
Geschenken  an  Steuerbeamte  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen  (V.  v.  11.  Mai  I#.  48.  68.)  645.  (V.
d.  11.  Mai  #.  21.  36.)  656.  (V.  v.  11.  Mai  §KK.  15.
W.)  663.  —  Verbot  der  Annahme  von  Geschenken  bei
Erhebung  der  Salzabgabe  (G.  v.  9.  Aug.  F.  7.)  1318.
(V.  v.  9.  Aug.  K.  17.)  1325.  —  f.  auch  Bestechung.

Geschwister,  Vernehmung  derselben  als  Zeugen  dei
Untersuchungen  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
.  155.  161.  Nr.  4;  .  243.  501.)  970.  —  desgl.  als
Sachverständige  (ebend.  §#.  172.  186.  169.)  974.  —
Zulassung  des  Bruders  als  Vertheidiger  (ebend.  §.  205.
Nr.  4.)  981.

Berechnung  der  Erbschaftsabgabe,  welche  Geschwister
des  Erblassers  in  den  neuen  Landestheilen  zu  entrichten
haben  (Tarif  v.  5.  Juli  B.  c.)  1126.

Geschworene,  Wahl  derselben  in  den  vormals
Bayerischen  Landgerichtsbezirken  Orb,  Weyhers  und
Hilders  (A.  E.  v.  22.  Dez.  66.  Nr.  5.)  7.  —  desgl.  in
Frankfurt  a.  M.  (V.  v.  31.  Dez.  66.  Art.  III.)  8.
(V.  v.  11.  Mai)  702.  —  deögl.  in  Oberhessen  (A.  E.
v.  5.  Nov.  66.  Nr.  VII.)  490.  —  desgl.  in  Hessen-Homburg
  (A.  E.  v.  1.  April  Nr.  IV.)  195.  —  Aufstellung
  der  Urlisten  in  Hannover  und  Schleswig-Holstein
(A.  E.  d.  14.  Sept.)  1552.

f  -#OD
        <pb n="94" />
        42

Geschworene,  (Forts.)

Zuziehung  der  Geschworenen  bei  Untersuchungen  in
den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  S§##  14.  274  bis
293.)  936.  —  Annahme  und  Ablehnung  derselben  (ebend.
.  300—310.)  1002.  —  Verhandlung  vor  den  Geschworenen
  (ebend.  S§.  311—314—344.  347.  226.)  1004.
—  Entscheidung  ohne  Zuziehung  der  Geschworenen  (ebend.
K.  345.  456.)  1012.  —  Verfahren,  wenn  der  Angeschuldigte
  in  Folge  der  Pflichtverletzung  eines  Geschworenen
  verurtheilt  worden  ist  (ebend.  &amp;amp;.  420.  Nr.  1;
.  421—426.)  1031.

Gesellen,  Bestimmungen  über  die  Annahme  und  Befugnisse
  derselben  in  Kurhessen  (V.  v.  29.  März  §.  3.)  423.
ldesgl.  in  Hannover  (V.  v.  29.  März  &amp;amp;.  5.)  425.—
desgl.  im  Amtsbezirke  Homburg  (V.  v.  9.  Aug.  .  3.)
1441.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  23.
Sept.  §#  5.  S.)  1641.

Gerichtsstand  der  Gesellen  in  Alimenten-  und  Entschädigungs=
  Prozessen  in  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.
24.  Juni  §.  95.)  911.

s.  auch  Gehülfen.

Gesellschaftsvertrag  der  Genossenschaften  (G.  v.
27.  März  F#.  2—9.  27.  37—39.)  502.

Gesetze,  Bestimmungen  über  die  Publikation  der  Gesetze
in  den  neuen  mit  Preußen  vereinigten  Landestheilen
(V.  v.  29.  Jaur)  139

Die  Bundesac'#e  gehen  den  Landesgesetzen  vor
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  2.)  818.  —  f.  Bundesgesetze.

Gesessammlung,  Einführung  und  Anschaffung  derselben
  in  den  neuen  mit  Preußen  vereinigten  Landestheilen
(V.  v.  29.  Janr.)  139.

Die  landesherrliche  Genehmigung  neuer  Mtiengesellschaften
  in  Schleswig  und  Holstein  ist  durch  die  Gesetzsammlung
  bekannt  zu  machen  (V.  v.  5.  Juli  F.  41.)
1142.

s.  auch  Bundesgesetzblatt.

Gesinde,  Vertretungsverbindlichkeit  des  Dienstherrn  für
die  von  dem  Gesinde  begangenen  Steuerdefraudationen
in  den  neu  erworbenen  Landestbeilen,  in  Betreff  der
Branntweinsteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  66.)  649.  —  in
Betreff  der  Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  F.  34.)  658.
—  in  Betreff  der  Tabacksteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  20.)
664

Gerichtsstand  der  Dienstboten  in  Alimenten=  und
Entschädigungs-Prozessen  in  Kurhessen,  Nassau  rc.  (V.  v.
24.  Juni  §.  95.)  911.

Dienstboten  sind  in  den  neuen  Landestheilen  zu
Geschworenen  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.  K.  276.
NRr.  7.)  997.  —  Verpflichtung  der  Dienstboten,  Zustellungen
  für  die  Herrschaft  anzunehmen  (ebend.  K.  196.)
979.

Sachregister.

1867.

Gesinde,  (Forts.)

Die  auf  die  Gefindepolizei  bezüglichen  Strafbestimmungen
  in  den  neuen  Landestheilen  bleiben  in
Kraft  (V.  d.  25.  Juni  Art.  VI.  Nr.  1.)  926.

Berechnung  der  Erbschaftsabgabe,  welche  Dienstboten
des  Erblassers  in  den  neuen  Landestheilen  zu  entrichten
haben  (Tarif  v.  5.  Juli  A.  l#t.  b.  und  Nr.  2.  lit.  d.)
1126.

Geständniß  des  Angeschuldigten,  Verfahren  in  den
neuen  Landestheilen,  wenn  der  Angeschuldigte  sich  für
schuldig  bekennt  (Str.  P.  O.  S#.  69.  345—347.)  950.
—  Zwangsmittel  gegen  denselben  sind  unzulässig  (ebend.
5.  152.)  969.

Gestüte  in  den  neuen  Landestbeilen,  die  Dirigenten  derselben
  können  jederzeit  mit  Wartegeld  in  den  Ruhestand
versetzt  werden  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Gesuche,  Stempel  zu  Gesuchen,  Eingaben  und  Beschwerden
  an  Behörden  und  Beamte  in  Schleswig  und
Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  82.)  1305.  —  Kosten
für  Gesuche  (V.  v.  30.  Aug.  F.  10.)  1374.

Getreide,  Abpfändung  und  Verkauf  von  Getreide  zur
Einziehung  rückständiger  Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c.
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  K.  13.  c.
h;  F.  29.  lit  D.)  1557.

Gewerbe,  die  Bestimmungen  über  den  Gewerbebetrieb
in  den  Norddeutschen  Staaten  unterliegen  der  Aufsicht
und  Gesegedbung  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.
Nr.  I.)  819.  —  Zulassung  der  Bundesangehörigen  zum
Gewerbebetriebe  im  ganzen  Umfange  des  Bundesgebiets
(ebend.  Art.  3.)  819.

Bestimmungen  über  den  Betrieb  eines  Gewerbes
durch  Beamte  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.
Sept.  &amp;amp;.  1.  Nr.  5.)  1619.

Bestimmungen  über  den  Betrieb  stehender  Gewerbe
in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.
29.  März)  423.  —  desgl.  in  dem  vormaligen  Königreich
Hannover  (V.  v.  29.  März)  425.  (V.  v.  26.  Sept.)
1665.  —  desgl.  im  Amtsbezirk  Homburg  (V.  v.  9.  Aug.)
1441.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  23.
Sept.)  1641—  1644.

Gewerbebetrieb  im  Oberharz  (V.  v.  14.  Sept.
K.  45.)  1632.

Gewerbeberechtigungen,  Stempelfreiheit  der  auf
die  Ablösung  derselben  bezüglichen  Verhandlungen  in
Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstbeilen  (V.  v.  19.  Juli  §.  3.  c.)  1192.  —  deögl.
in  Schleswig  und  Holslein  (V.  v.  7.  Aug.  K.  3.  c.)  1278.

Gewerbeberechtigungen  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  23.  Sept.  IS.  6.  15.)  1641.
Ge-
        <pb n="95" />
        Sachregister.

Gewerbekonzession,  Erforderniß  derselben  für  gewisse
Gewerbe  in  Kurbessen  (V.  v.  29.  März  §.  5.)  123.  —
desgl.  in  Hannover  (V.  v.  29.  März  F.  6.)  425.  —
desgl.  im  Amtsbezirk  Homburg  (V.  v.  9.  Aug.  F.  5.)
1441.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (G.  v.  23.  Sept.
.  11—14.)  1642.

Stempelpflichtigkeit  der  Konzessionen  in  den  Regierungsbezirken
  Kassel  und  Wiesbaden  (A.  E.  v.  17.  Sept.)
1651  —  1652.

Gewerbepolizei  in  den  neuen  Landestbeilen,  die  darauf
krzüglichen  Strafbestimmungen  bleiden  in  Kraft  (V.  v
25.  Juni  Art.  VI.  Nr.  1.)  926.

Gewerbestener  ,  Einführung  derselben  in  dem  vormaligen
  Königreich  Hannover  (V.  v.  28.  April)  533  bis
538.  —  desgl.  im  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.  28.  April)
538—543.  —  desgl.  in  den  Herzogthümern  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  28.  April)  543—548.  —  deêgl.  in  Nassau,
Frankfurt  a.  M.  und  den  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Landestheilen  (V.  v.  11.  Mai)  593—599.  —
desgl.  in  dem  Hessen-Homburgischen  Hie##ägegur
Meisenheim  (V.  v.  24.  Juni)  761  —764.  —  desgl.  i
den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen,  den  Girn
Gersfeld  und  Orb  (V.  v.  24.  Juni)  842—846.

Abstandnahme  von  einer  anderweitigen  Veranlagung
der  Klassensteuer  in  den  neuen  Landestheilen  für  das
Jahr  1868  (A.  E.  d.  22.  Sept.)  1644.

Exekutivische  Beitreibung  der  Gewerbesteuer  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  F.  1.  Nr.  1.  a.)
1553.

Gewicht,  Bestimmungen  über  das  Landesgewicht  in  den
ehemals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  5.  Juli)  1130
dis  1132.  —  s.  auch  Medizinalgewicht.

Gewichte,  Strafe  für  die  Benupung  ungesetzlicher  oder
ungeaichter  Gewichte  in  den  ebemals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  5.  Juli  K.  9.)  1131.

von  Giesche,  Abänderung  des  Statuts  der  Bergwerksgesellschaft
  „  Georg  von  Gieschesche  Erden  in  Breslau“
(Bek.  v.  16.  Juli)  1244.

Gießen  (Kreis),  der  nordwestliche  Theil  des  Kreises
Gießen  wird  dem  Hinterlandkreise  im  Regierungsbezirk
Wiesbaden  zugewiesen  (V.  v.  22.  Febr.  K.  2.  Nr.  5;
5.  4.  Nr.  10.)  273.  —  und  gehört  zum  Bezirk  des
Landgerichts  Gladenbach  (A.  E.  v.  5.  Nov.  66.  Nr.  I.)
490

Eladbach  (Bergisch),  Eisenbahn  von  Mülheim  am  Rhein
nach  Bergisch  Gladbach,  s.  Eisenbahnen  Nr.  5.
Gladbach  (Merbisch,  Errichtung  der  „Rheinisch-West.
phälischen  2
in  Märkisch  Gldbach  (Bek.  r.  3.  Juni)  79.

1867.  43

Gladenbach,  Erweiterung  des  Bezirks  des  honbgerichte
Glabenbach  (A.  E.  v.  5.  Nov.  66.  Nr.  I.)  4

Glag  (Schlesien),  Eisenbahn  von  Glatz  über  Mnnne
nach  Wildenschwert  in  Oesterreich,  J.  Eisenbahnen
Nr.  19.

Glückstadt,  Sitz  des  Provinzialsteuerdirektors  für  Schleswig
  und  Holstein  (A.  E.  v.  24.  Aug.)  1360.

Gnadengebalt,  Bestimmungen  über  die  den  Hinterbliebenen
  Königlicher  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen
  zu  bewilligenden  Gnadenbezüge  (V.  v.  23.  Sept.
§.  1.  Nr.  7.)  1620.  —  Befreiung  derselben  von  den
Kommunalabgaben  (V.  v.  23.  Sept.  K.  1.  Nr.  6.)  1649.

Goldsachen,  Abpfändung  und  Verkauf  berselben  zur
Einziehung  rückständiger  Abgaben,  Steuern,  Kosten  rc.
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  §.  29.  c.)
1564.

Göttingen  (Hannover),  Gerichtsbarkeit  der  Universität
Göttingen  in  polizeigerichtlichen  Strassachen  (V.  v.
25.  Juni  Art.  XV.  F.  5.)  930.

Graben,  Verbindlichkeit  zur  Räumung  und  Unterhaltung
  der  Gräben  in  Neuvorpommern  und  Rügen  (G.  v.
9.  Febr.  S&amp;amp;.  1—3.  22.)  220.

Strafbestimmungen  in  den  neuen  Landestheilen
gegen  denjenigen,  welcher  Gras  oder  Viehfutter  in  den
Gräben  abschneidet  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  S.  1.  Nr.  5.)
924.  —  desgl.  welcher  Gräben,  die  zur  Absperrung  oder
Abgrenzung  bestimmt  sind,  verändert  oder  vernichtet
(ebend.  §.  3.  Nr.  2.)  924.  —  desgl.  welcher  Gräben,
die  zur  Ab=  oder  Zuleitung  des  Wassers  dienen,  beschädigt
  (ebend.  K.  3.  Nr.  4.)  924

Gramm,  Medizinalgewicht,  ist  der  500fte  Theil  eines
Pfundes  (G.  v.  16.  März  §.  2.)  386.  —  500  Gramme
bilden  in  den  ehemals  Baherischen  Gebietstheilen  ein
Pfund  (V.  v.  5.  Juli  K.  1.)  1130.

Gras,  Strafe  für  unbefugtes  Abschneiden  oder  Abrupfen
  von  Gras  auf  Grenzrainen,  Gräben,  Wegen
und  Triften  in  den  neuen  andestheilen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  III.  S.  1.  Nr.  5.)  9

Grasanger,  Strafe  “*s  Anbefugtes  Ausdreiten  von
Leinewand,  Waͤsche  ꝛc.  zum  Bleichen  oder  Trocknen  auf
fremden  Grasangern  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
25.  Juni  Art.  III.  K.  1.  Nr.  2.)  924.

Graudenz  (Westpreußen),  Verwaltung  und  Unterhaltung
der  Besserungsanstalt  in  Graudenz  (Regul.  v.  17.  Okt.
S#&amp;amp;###  1.  ff.)  1728.  (Regl.  v.  11.  Sept.  §.  2.  Nr.  2.  cz
3.  6—16.  18.  25.  c.)  1710.  —  Landarmendirektion
in  Graudenz  (ebend.  S#.  25.  ff.  36.)  1716.

Greifswald  (Pommern),  Tiefgelder  sollen  dort  nicht
weiter  erhoben  werden  E.  E.  v.  22.  Nov.  Nr.  3.)  1848.

Greuz-
        <pb n="96" />
        44  Sachregister.  1867.

Grenzaufsichtsbeamte  in  Holstein  und  Schleswig,  Grundstener,  (Forts.)
Befugniß  derselben  zum  Waffengebrauch  (V.  v.  29.  Juli  Exekutivische  Beitreibung  der  Grundsteuer  in  den
K.  2.  Nr.  1.)  1265.  neuen  Landestheilen  im  administrativen  Verfahren  (V.

Greenze,  Strafbestimmung  in  den  neuen  Lantestheilen  v.  22.  Sept.  F.  1.  Nr.  1.2.)  1553.
gegen  denjenigen,  welcher  Grenzsteine  oder  andere  zur  Grundstücke,,  Berechtigung  der  Bundesangehörigen  in
Abgrenzung  bestimmte  Merkzeichen  fortnimmt,  vernichtet  den  Norddeutschen  Staaten  zur  Erwerbung  von  Grundoder
  unkenntlich  macht  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  **rv  3.  stücken  im  ganzen  Umfange  des  Bundesgebiets  (Verf.  v.
Nr.  2.  u.  .  4.)  924.  24.  Juni  Art.  3.)  819

Grenzrain,  Strafbestimmung  in  den  neuen  Landes-  Zusammenlegung  der  Grundstücke  in  dem  vormaligen
theilen  gegen  denjenigen,  weler  das  auf  Grenzrainen  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  r.  13.  Mai)  716—726.  —
wachsende  Gras  oder  Viehkutter  abschneidet  oder  abrupft  desgl.  in  den  vormals  Bayerischen  und  Großherzoglich
W.  v.  25.  Juni  Art.  III.  F.  1.  Nr.  5.)  924.  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  2.  Sept.)  1463  —1461.

Uusbelung  der  surhesfischen  Verordnung  vom  4.  Maͤr
Großjãhrigkeits·  Erklärungen  in  Schleswig  und  1858.  zu

Holstein  (V.  v.  26.  Juni  §#§.  10.  21.  Nr.  3.)  1075.  —  mit  Erundeigenthung  (V.  v.  13.  Mai)  726.  auch
desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Ge-  Güterschluß,  Güterkonsolidation.

bietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  §.  10.  I.  Nr.  3;  §.  25.)  ·  H-1087.
  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Groß=  Guben  (Provinz  Brandenburg),  Eisenbahn  von  Berutschen

herzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  S.  10.
I.  Nr.  3;  §.  24.)  1096.  —  desgl.  in  Frankfurt  a.  M.
(A.  E.  v.  28.  Aug.)  1440.  —  desgl.  in  Hannober  (V.
v.  4.  Sept.  F.  1.)  1444.

über  Züllichau  und  Crossen  nach  Guben,  f.  Eisenbahnen
Nr.  4.

Gumbinnen  (Regierungsbezirk),  Abhülfe  des  dort  herrschenden

  Rothstandes  (G.  v.  23.  Dez.)  1929—1931.

Stempel  zu  Majorennitäts-Erklärungen  in  den
neuen  Landestheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  35.)  1210.
(Tarif  v.  7.  Aug.  Nr  34.)  1295.

Groß-Rädlitz  (Schlesien),  K.  Chausseen  Nr.  10.
Groß-Streblitz  (Schlesien),  .  Chausseen  Nr.  16.

Grundstener,  Regelung  der  Grundsteuer  und  Ueber-  ·
nahmestdkr  durch  die  Velhmlahung  derselben  entstandenen  Kurhessen,  Nassau  rc.  (Regul.  v.  30.  —  325.)
Kosten  auf  die  Staatskaffe  (G.  v.  7.  Janr.)  26.  1383.  (V.  v.  30.  Ang.  5S.  17.)  1378.  (V.  v.  30.  Aug.

Untervertheilung  und  Erhebung  der  Grundsteuer  in  K.  18.)  1395.  (V.  v.  30.  Aug.  F.  20.)  1408.  —  besgl.
ben  sechs  östlichen  Provinzen,  Verfahren  bei  Beschwerden  in  Hannorer  und  Frankfurt  a.  M.  in  Strafsachen
wegen  Ueberbürdung  (G.  v.  8.  Febr.)  185—203.  (V.  v.  30.  Aug.  F.  27.)  1420.

Emission  der  Staatsanleihe  zur  Deckung  der  für  Gutenswegen  (Provinz  Sachsen),  f.  Chausseen  Nr.  24.
die  Aufbedung  der  Grundsteuerbefreiungen  zu  gewährenden  Güterabtretung,  f.  Cessio  bonorum.

Entschädigung  (A.  E.  v.  13.  März)  450.  »  «
Regelung  der  Grundsteuer  in  dem  Fürstenthum  ½•  Assekuranz,  f.  Versicherungs-Gesellaften.


Hohenzollern-Hechingen  (G.  v.  22.  Febr.  &amp;amp;#  1—8.)  270.
Einführung  der  Grundsteuer  in  dem  vormaligen  Güterkonsolidation  im  Regierungsbezirk  Wiesbaben
(V.  u.  2.  Sept.)  1462.

Königreich  Hannover  (V.  v.  28.  April)  533—538.  —
desgl.  in  dem  Kurfürslentbum  Hessen  (V.  v.  28.  April)  Güterschluß,  Aufbebung  des  Güterschlusses  in  den
Provinzen  Fulda  und  Hanau  (V.  v.  13.  Mai)  727.

538  —543.  —  desgl.  in  den  Herzogthümern  Schleswig
lstein  (V.  v.  28.  April)  543—548.  —  deSögl.  i
und  Holstein  V  nnl  test  an  Gutsbesitzer,  Verpflichtung  derselben  zur  Huͤlfeleistung
behufs  Ermittelung  und  Feststellung,  desgl.  zur  Ein-Nassau,

  Frankfurt  a.  M.  und  den  vormals  Großherzogi
  chen  Landestheilen  (V.  v.  11.  Mai)  593  bis

lich  Hessschen  Landesteilen  (  |.  ziehung  der  Grundsteuer  (G.  v.  8.  Febr.  #  29.  33.
O.  ff.)  195.

599.  —  desgl.  in  dem  Hessen-Homburgischen  Oberamtsbezirk
  Meisenheim  (M.  d.  4.  Juni)  761  —764.  —  desgl.

Gutsbezirke  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.
..  1.  2.  7.)  1603.

Gutachten  der  Sachverständigen  in  Untersuchungssachen
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  S#.  172.  181.
247.  Nr.  4;  K.  24.  Nr.  3;  §.  295.)  974.

Stempel  zu  Gutachten  in  Schleswig  und  Holstein
(Tarif  d.  7.  Aug.  Nr.  83.)  1305.

Gebühren  der  Sachverständigen  für  Gutachten  in
gerichtlichen  Angelegenheiten  in  Schleswig,  Holstein,

in  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen,  den  Bezirken
Oessfeld  und  Orb  (V.  v.  24.  Juni)  842—846.

Guts-
        <pb n="97" />
        Sachregister.

Gutsberrliche  und  bäuerliche  Verhältnisse,  Einstuß  der
Regulirung  dieser  Verhältnisse  auf  die  Feststellung  und
Erhebung  der  Grundsteuer  (G.  v.  8.  Febr.  I&amp;amp;.  33.  36.
37.)  197.

Stempelfreiheit  der  auf  die  gutsherrlich-bäuerlichen
Auseinandersetzungen  bezüglichen  Verhandlungen  in
Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  dormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli  F.  3.c.)  1192.  —  desgl.
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  K.  3.  c.)  1278.

H.

Haardt  (Westphalen).  Errichtung  der  Altiengesellschaft
„Rolandshutte  bei  Siegen“  mit  dem  Sißtze  in  Haardt
(Bek.  v.  2.  Mai)  600.

Hadersleben  (Schleswig),
22.  Sept.  S.  40.)  1596.
Hafen,  s.  Kriegs-,  See-,  Heimaths-Hafen.
Hafengelder,  Ermäßigung  des  Hafengeldes  in  Pillau
(A.  E.  v.  13.  Mai)  703.
Erbebung  des  Hafengeldes  in  Stettin  (A.  E.  u.
Tarif  v.  22.  Nov.)  1841—1847.
Ermäßigung  der  Hafenabgaben  in  den  Pommerschen
Häfen  (A.  E.  v.  22.  Nov.)  1847—1848.
Exekutivische  Beitreibung  derselben  in  den  neuen
Landestbeilen  (V.  v.  22.  Sept.  K.  1.  Nr.  1.  lit.  b.)  1553.
Haff  (großes  u.  kleines),  Aufhebung  der  Schiffahrtsabgaben
  für  das  Befahren  des  Haffes  (A.  E.  v.
22.  Nod.  Nr.  2.)  1848.

Hagen  (Westphalen),  Vermehrung  der  Mitgliederzahl
bei  der  Handelskammer  in  Hagen  (A.  E.  v.  11.  Mai)  728.
Halberstadt  (Provinz  Sachsen),
Halberstädter  Stadt  -Obligationen
45,000  Thlrn.
1733—  1737.
Magdeburg-Halberslädter  Eisenbahn,  s.  Eisenbabnen
  Nr.  24.  —  Halberstadt  =  Vienenburger  Eisenbahn,
  s.  Eisenbahnen  Nr.  20.

Halle  a.  d.  S.,  der  Bezirk  des  Oberbergamtes  zu  Halle
umfaßt  auch  die  vormals  Bayerische  Enklave  Kaulsdorf
(V.  v.  24.  Juni  Art.  I.)  881.

Ausfertigung  von  Obligationen  der  Stadt  Halle
im  Betrage  von  600,000  Thlrn.  zu  43  Prozent  (Priv.
v.  2.  Aug.)  1421—  1424.

Hallenberg  (Westphalen),  Verleihung  der  Landgemeinde-Ordnung
  vom  19.  März  1856.  an  die  Stadtgemeinde
Hallenberg  (A.  E.  v.  25.  Febr.)  352.

Kreisbertretung  (V.  v.

Ausfertigung  von
im  Betrage  von
zu  5  Prozent  (Priv.  v.  28.  Aug.)

1867.  45

Hamburg  (freie  Stadt),  das  Thurn  und  Taxissche
Postwesen  in  Hamburg  geht  auf  den  Preußischen  Staat
über  (Vertr.  v.  28.  Janr.  Art.  1.  Nr.  19.)  355.

Theilnahme  Hamburgs  am  Norddeutschen  Bunde
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  816.  —  Hamburg  führt  im
Bundesrath  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.  —  bleibt
als  Freihafen  vorläufig  auperhald  der  gemeinschaftlichen
Zollgrenze  (ebend.  Art.  34.)  8

Nähere  Anordnungen  *  die  Verwaltung  bes
Post=  und  Telegraphenwesens  in  Hamburg  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  51.  52.)  831.

Bestimmungen  über  Wechsel,  welche  auf  Altona  gezogen
  und  in  Hamburg  zahlbar  sind  (V.  v.  13.  Mai
§§  8—10.  12.)  671.  —  Besteuerung  dieser  Wechsel
(Minist.  Erkl.  vom  6.  Sept.)  1519.

Berlin=  Hamburger  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen
Nr.  8.  —  s.  auch  Hanfsestädte.

Hamersleben  (Provinz  Sachsen),  #.  Chausseen  Nr.  22.

Hamm  (Westphalen),  Bau  einer  festen  Rheinbrücke  bei
Hamm  durch  die  Bergisch-Märkische  Eisenbahngesellschaft
(A.  E.  v.  29.  Juli)  1521.  (Konz.  u.  Bestär.  Urk.  v.
22.  Sept.)  1745—1747.

Hanau  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kassel  (V.
b.  22.  Febr.  F.  3.  Nr.  18.)  274.
Aufhebung  des  Güterschlusses  in  der  Provinz  Hanau
(V.  v.  13.  Mai)  727.)

Hanau  (Stabt),  Kompetenz  des  Obergerichts  zu  Hanau
in  den  Justiz-Angelegenheiten  aus  den  vormals  Baheri--schen
  Landgerichtsbezirken  Orb,  Weyber  und  Hilders
(A.  E.  v.  22.  Dez.  66.  Nr.  2—  5.)  7.  —  Bebra-Hanauer
  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  3.

Handelsangelegenheiten  in  den  Nordteutschen
Staaten,  die  Handelsgesetzgebung  gehört  zur  Kompetenz
des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  2.)  819.
—  desgl.  der  Schutz  des  Deutschen  Handels  im  Auslande
  (ebend.  Art.  4.  Nr.  7.)  820.  —  Bildung  eines
dauernden  Ausschusses  im  Bundesrath  für  Handel  und
Verkehr  (ebend.  Art.  8.  Nr.  4.)  822.  —  Bestimmungen
über  das  Handelswesen  des  Norddeutschen  Bundes  (ebend.
—  ff.)  826.

Handelsbillets  in  den  neuen  Landestheilen,  Stempel
zu  denselben  (V.  v.  4.  Juli  6§.  1.  ff.)  1063.

Handelsbücher  der  Kaufleute  in  Schleswig  und  Holstein,
  Beweiskraft  derselben  (G.  v.  5.  Juli  §.  22.)  1138.
Handelsfrauen  in  Holstein  und  Schleswig,  Rechtsverhältnisse
  derselben  (V.  v.  5.  Juli  S§.  5—9.)  1135.
Han-
        <pb n="98" />
        45

Sandelsgerichte,  Funktionen  derselben  in  Betreff  der
Genoffenschaften  (G.  v.  27.  März  ##&amp;amp;.  4—  7.  19.  22.
24.  36.  40.  47.  49.  51.  54-56.)  503.

Funktionen  der  Handelsgerichte  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  5.  Juli  S§#.  10  —  19.  21.  28.  57.  71
bis  77.  80.  81.  99.)  1136.

Hanudelsgesellschaften  in  Schleswig  und  Holstein,
Eintragung  der  ibnen  zugebörigen  Grundstücke,  Rechte
und  Forderungen  in  das  Schulb=  und  Pfandprotokoll
(B.  v.  5.  Juli  S&amp;amp;.  31  —34.)  1140.  —  Konkurs  über
das  Vermögen  einer  Handelsgesellschaft  (ebend.  S§  35
bis  37.)  1141.  —  Eintragung  der  schon  bestehenden
Handelsgesellschaften  in  das  Handelsregister  (ebend.
S§.  81—87.)  1148.

Handelsgesetzbuch  (allgemeines  Deuisches),  Anwendung
  des  Handelsgesetzbuchs  auf  Erwerbs=  und  Wirthschafts-Genossenschaften
  (G.  v.  27.  März  88.  4.  10.
22.  41.  54.)  503.

Einführung  des  allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuchs
  in  Holstein  und  Schleswig  (V.  v.  5.  Juli)
1133—1157.

Anwendung  der  im  Artikel  53.  SF.  1.  3—  9.  des
Einführungsgesetzes  zum  Deutschen  Handelsgesetzbuch
enthaltenen  Vorschriften  in  dem  Gebiet  des  vormaligen
Königreicbs  Hannover  (V.  v.  4.  Janr.  F.  2.)  77.  —
desgl.  des  Art.  56.  des  Einführungsgesetzes  (V.  v.
24.  Juni  Nr.  I.)  1165.

Handelskammern,  Vermehrung  der  Mitgliederzahl
bei  der  Handelskammer  in  Hagen  (A.  E.  d.  11.  Mai)  728.

Handelsmäkler,  s.  Mäkler.

Handelsmarine  des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  54.  55.)  832.

HGandelsrecht,  die  Gesetzgebung  über  ein  gemeinsames
Handelsrecht  in  den  Norddeutschen  Staaten  gehört  zum
Ressort  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.
Nr.  13.)  820.

Handelsregister,  Eintragung  der  Genossenschaften  und
ihres  Vorstandes  in  das  Handelsregister  (G.  v.  27.  März
S##.  4.  17.)  503.  —  f.  Genossenschafts-Register.

Eintragungen  in  das  Handelsregister  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  ##.  8.  10  —  19.  32—34.
37.  81—87.)  1135.  —  Kosten  derselben  (ebend.  K.  100.)

156.
Veröffentlichung  der  Eintragungen  in  das  Handels.
register  in  den  vormals  Großherzoglich  Hesfischen  Gebietstheilen
  (A.  E.  v.  31.  Aug.)  1456.

audelfache#  in  Schleswig  und  Holsteim,  Begriff
(V.  v.  5.  Juli  S.  2.)  1134.

Sachregister.

1867.

Handelsschiffe,  Einführung  des  Gesetzes  vom  20.  März
1854  über  die  Bestrafung  der  Seeleute  auf  Preußischen
Handelsschiffen,  welche  sich  dem  übernommenen  Dienste
entziehen,  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli
5K.  1.  Nr.  4.)  1134  —  desgl.  in  Hannover  (V.  v.
24.  Juni  Nr.  V.)  1165.

Handelsverträge  des  Norddeutschen  Bundes,  Beschluß
des  Bundesraths  über  die  dem  Reichstage  vorzulegenden
Hantelsverträge  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  37.  Nr.  1.)  827.

Handlungen,  administrative  Exekution  zur  Leistung  von
Handlungen  bebufs  Einziehung  von  Steuern,  Abgaben,
Gefällen,  Kosten  2c.  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
22.  Sept.  §.  1.  Nr.  7;  §.  2.)  1554.

Handlungsdiener,  Gerichtsstand  derselben  in  Alimenten=
  und  Entschädigungs-Prozessen  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  24.  Juni  §.  95.)  911.  —  .  auch
Gehülfen.

Handlungslehrlinge,  Dauer  der  Lehrzeit  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  K.  24.)  1139.

s.  auch  Lehrlinge.

Handschrift,  Vergleichung  derselben  in  Untersuchungssachen
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  K.  184.)  977.

Handwerk,  Bestimmungen  über  den  Betrieb  stehender
Gewerbe  in  Kurbessen  (V.  v.  29.  März)  423.  —  desgl.
in  Hannover  (V.  v.  29.  März)  425.  —  desgl.  im
Amtsbezirk  Homburg  (V.  v.  9.  Aug.)  1441.  —  desgl.
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  23.  Sept.)  1641
bis  1644.

Handwerker,  Auspfändung  derselben  wegen  rückständiger
  Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c.  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  22.  Sept.  §.  13.  e.)  1557.

Hauf,  (.  Flachs.

Hannover  (vormaliges  Königreich).

1)  Militairangelegenheiten.  "„

Einführung  der  Militairstrafgesetze,  Regelung  der
Militair-Rechtspflege  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)  383.  —
Uebertragung  der  von  den  vormals  Hannoverschen  Militairgerichten
  ausgeübten  freiwilligen  Gerichtsbarkeit  auf
die  ordentlichen  Gerichte  (A.  E.  v.  4.  März)  384.

Rechtsverhältnisse  der  Militairpersonen  (A.  E.  v.
1.  April)  519—532.

Regulirung  der  militairkirchlichen  Verhältnisse  (V.
b.  24.  Juni)  919.

Einführung  der  Landgendarmerie  (V.  v.  23.  Mai)
777—784.

Militairdienstpflicht  der  Mennoniten  (A.  E.  v.
24.  Juni)  1509.

Einführung  der  Pruische  Kriegsleistungsgesetze
(V.  v.  22.  Sept.)  1632—1633

Un-
        <pb n="99" />
        Sachregister.  1867.

Hannover  (vormaliges  Königreich),  (Fortf.)

Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  der  zum
Dienste  einberufenen  Reserve=  und  Landwehrmannschaften
(V.  v.  31.  Aug.)  1637.

2)  Justizangelegenheiten.

Uebertragung  der  von  dem  vormaligen  Ober-Hofmarschall-Amte
  zu  Hannover  ausgeübten  Gerichtsbarkeit
auf  die  ordentlichen  Gerichte  (A.  E.  v.  2.  Janr.)  31.

Staatsverbrechen  gehören  zur  Kompetenz  des  Kammergcrichts
  in  Berlin  (V.  v.  23.  Mai)  703.

Veränderungen  in  den  Bezirken  einiger  Amtsgerichte
(A.  E.  v.  8.  April)  730.

Einführung  des  Strafgesetzbuchs  und  Erlaß  einer
besonderen  Strafprozeßordnung  (V.  v.  25.  Juni)  921
bis  1056.  —  besondere  Bestimmungen  für  Hannover
(ebend.  Art.  VI.  XII.  XV.)  925.

Errichtung  eines  obersten  Gerichtshofes  in  Berlin
(V.  v.  27.  Juni  §.  1.  ff.;  §.  2.  Nr.  1;  #.  11.  15.)
1103.

Bestimmung  über  die  Auslieferung  der  von  ausländischen
  Behörden  verfolgten  Personen  (A.  E.  v.  26.
Juli)  1264.

Ansatz  und  Erhebung  der  Gerichtskosten  und  der
Gebühren  der  Rechtsanwalte  in  Strafsachen  (V.  v.  30.
Aug.  S#  1.  ff.  19.—27.)  1412.

Zuständigkeit  der  Obergerichte  zur  Erledigung  verschiedener
  nicht  prozessualischer  Angelegenheiten  (V.  v.
4.  Sept.)  1444—1445.

Bestimmungen  über  die  Zuläsfigkeit  des  Rechtsweges,
über  das  Verfahren  bei  Kompetenz-Konflikten  und  über
die  Behandlung  der  Konflikte  bei  gerichtlichen  Verfolgungen
  wegen  Amts=  und  Diensthandlungen  (V.  v.
16.  Sept.  Art.  I.  ff.  Art.  V.  Nr.  1.  4.  a;  Art.  VI.)
1515.

Aufstellung  der  Urlisten  der  Geschworenen  (A.  E.
v.  14.  Sept.)  1552.

Bestimmungen  über  die  bürgerliche  Eheschließzung
(V.  v.  29.  Sept.)  1685—1687.

Ausdehnung  des  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Koburg=
  Gotha  über  die  gegenseitigen  Gerichtsbarkeitsverhältnisse
  geschlossenen  Vertrages  vom  11.  Juni  1858
auf  Hannover  (Minist.  Erkl.  v.  28.  Sept.)  1795—1796.

3)  Verhältnisse  der  Beamten.

Verfahren  bei  Anstellung,  Entlassung  und  Penfionirung
  der  Beamten  (A.  E.  v.  17.  Janr.)  31.  —  Entlassung
  untreuer  Beamten  durch  Beschluß  des  Staatsministeriums
  (VU.  v.  24.  Janr.)  135.  —  Bestimmungen
über  die  Anstellung  der  Justizbeamten  (V.  v.  8.  Febr.)
209.  —  Penfionsansprüche  der  Civilbeamten  (V.  v.
6.  Mai)  713.  —  Penfionirung,  Bestätigung  und  Ernennung
  der  städtischen  Beamten  (A.  E.  v.  8.  Mai)

Haunover  lvormaliges  Königreich),  (Fortt
728.  —  Ergänzung  des  Hannoverschen  Gesetzes  vom
24.  Juni  1858  über  die  Verhältnisse  der  Königlichen
Diener  (V.  v.  27.  Mai)  801.

Vereidigung  der  Beamten  (V.  v.
132—135.

Anderweitige  Einrichtung  des  Amtskautionswesens
(V.  v.  12.  Sept.)  1513—1514.

Allgemeine  Regelung  der  Staatsdiener-Verhältnisse
(V.  v.  23.  Sept.)  1619—1620.

Gerichtsstand  der  im  Auslande  fungirenden  Beamten,
  Beschlagnahme  der  Besoldungen  und  Penfionen,  Vollstreckung
  des  Personalarrestes  gegen  Beamte  (V.  v.
23.  Sept.  K.  3.)  1620.  (V.  v.  24.  Juni  §.  104.)  913.

Einführung  der  Preußischen  Disziplinargesetze  in
Betreff  der  Beamten  (V.  v.  23.  Sept.)  1613—1618.

Schließung  der  Wittwenkasse  für  die  Königliche
Hof=  und  Civildienerschaft  (V.  v.  15.  Sept.  §.  1.
Nr.  1.)  1646.

Heranziehung  der  Staatsdiener  zu  den  Kommunalabgaben
  (V.  v.  23.  Sept.)  1648—1651.

4)  Zoll-,  Steuer=  und  Stempelfachen.

Forterhebung  der  Steuern  und  Zölle  in  Hannover
(V.  v.  6.  Febr.)  305.

Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  (V.  v.  28.  April)  533—538.  (A.
E.  v.  22.  Sept.)  1644.

Besteuerung  des  Branntweins  (V.  v.  11.  Mai)
633—651.  —  des  Braumalzes  (V.  v.  11.  Mai)  652
bis  660.  —  des  Tabacks  (V.  v.  11.  Mai)  661—666.

Erhebung  der  Erbschaftsabgabe  (V.  v.  5.  Juli
.  1.  ff.  .  12.  lit.  b;  F.  14)  1120.

Einführung  einer  Salzabgabe  (V.  v.  9.  Aug.)
1327—1328.

Einführung  des  Zollstrafgesetzes  vom  23.  Januar
1838  (V.  v.  29.  Juli)  1268—1270.

Bestimmungen  über  das  Verfahren  in  Untersuchungen
wegen  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Zollgesetze  (Ordn.
v.  29.  Juli)  1270—1276.

Bestimmungen  über  die  Verwaltung  des  Stempelwesens
  und  über  die  Erbebung  des  Urkundenstempels
(V.  v.  19.  Juli  SK.  I.  f.  K.  35.  Nr.  1;  K.  36.)  1191—1218.

Stempelsteuer  für  Spielkarten,  Fabrikation  und
Verkauf  derselben  (V.  v.  4.  Juli  I#.  1.  ff.  §K.  13.)
1057.  —  Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli)  1063—1066.
—  Zeitungsstempel  (V.  v.  4.  Juli)  1066  —  1067.  —
Kalenderstempel  (V.  v.  5.  Juli)  1068—  1069.

Exekutivische  Beitreibung  der  direkten  und  indirekten
Steuern  und  anderer  öffentlicher  Abgaben  und  Gefälle,
Kosten  2c.  Seitens  der  Verwaltungsbehörden  (V.  o.
22.  Sept.)  1553—1568.

22.  Janr.)

6)  Han-
        <pb n="100" />
        46

Hannover  (vormaliges  Königreich),  (Forts.)

5)  Handel  und  Gewerbe.

Führung  der  Preußischen  Landesflagge  von  den
Seeschiffen  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  Eintragung
  dieser  Schiffe  in  das  Schiffsregister  und  in  die
Register-Certifikate  (V.  v.  4.  Janr.)  77—80.

Einführung  verschiedener  seerechtlicher  Vorschriften
(V.  v.  24.  Juni)  1165—1182.

Die  obere  Leitung  des  Bergwesens  wird  dem  Ministerium
  für  Handel  rc.  überwiesen  (A.  E.  v.  16.  Febr.)
228.  —  Einführung  des  Berggesetzes  vom  24.  Juni
1865  (V.  v.  8.  Mai)  601—607.  (V.  v.  25.  Mai)  735.

Aufhebung  des  Konsenses  der  Bergbehörden  zu  den
Heirathen  der  Berg-,  Poch-,  Hütten=  und  Salinen-Arbeiter
  (V.  v.  24.  Juni)  1111.

Organisation  des  Oberbergamtes  in  Clausthal  (V.
v.  9.  Nov.)  1873.

Aukfhebung  der  Beschränkungen  des  Zinssatzes  (G.
v.  18.  März)  387.

Außer-  und  Wiederinkurssetzung,  besgl.  Umschreibung
  der  Papiere  auf  Inhaber  (V.  v.  16.  Aug.)
1457—1461.

Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung
  an  jeden  Inhaber  enthalten  (V.  v.  17.  Sept.)
1518—1519.

Bestimmungen  über  die  Kommanditgesellschaften  auf
Aktien  (V.  v.  24.  Aug)  1645.

Bestimmungen  über  den  Betrieb  stehender  Gewerbe
(V.  v.  29.  März)  425.  —  Ergänzung  dieser  Bestimmungen
  (V.  v.  26.  Sept.)  1665.

Beschäftigung  jugendlicher  Arbeiter  in  den  Fabriken
(V.  v.  22.  Sept.)  1572.

6)  Eisenbahn-Angelegenheiten.

Organisation  des  Eisenbahnwesens  (A.  E.  v.  15.
Dez.  66.)  5.

Abänderung  des  K.  10.  des  Hannoverschen  Gesetzes
vom  13.  Juni  1865.  über  die  Verwendung  der  Betriebs-Ueberschüsse
  der  Eisenbahnen  (V.  v.  10.  Janr.)  76.

Einführung  des  Gesetzes  vom  3.  November  1838
über  die  Eisenbahn-Unternehmungen,  und  der  Verordnung
vom  21.  Dezember  1846.  über  die  dei  dem  Bau  von
Eisenbahnen  beschäftigten  Handarbeiter  (V.  v.  19.  Aug.)
1426.

Besteuerung  der  Eisenbahnen  (V.  v.  22.  Sept.)
1639—1640.

Die  Verwaltung  der  Hannoverschen  Westbahnstrecke
Rheine-Emden  wird  der  Direktion  der  Westphälischen
Eisenbahn  übertragen  (A.  E.  v.  1.  Mai)  1779.

7)  Verwaltungs-Angelegenheiten.

Veränderungen  in  den  Bezirken  einiger  unteren
Verwaltungsbehörden  (A.  E.  v.  8.  April)  730.

Sachregister.

1867.

Haunover  (vormaliges  Königreich),  (Forts.)
Organisation  der  Forstberwaltung,  Prüfung  und
Anstellung  der  Forstbeamten  (V.  v.  4.  Juli)  1129.  —
Organisation  der  Forstbehörden  im  Oberharz  (V.  v.
9.  Nov.)  1873.
Verordnung  über  die  Polizeiverwaltung  (v.  20.  Sept.
,  1.  ff.  8.  20.)  1529.

8)  Geistliche,  Schul=  und  Medizinal-Angelegenheiten.


Prüfung  der  Schulamts-Kandidaten,  Zusammensetzung
  der  wissenschaftlichen  Prüfungs=  Kommissionen
(V.  v.  13.  März)  395.

Kompetenz  des  Ministers  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten
  in  Betreff  der  Unterrichts=  und  Medizinal-Verwaltung
  (V.  v.  13.  Mai)  667.

Medizinalgewicht  (V.  v.  12.  Aug.)  1357.

Errichtung  eines  Provinzial-Schulkollegiums  und
Medizinalkollegiums  für  Hannover  (V.  v.  22.  Sept.)
1570.

9)  Staats=  und  Kommunal-Angelegenheiten.


Verwaltung  und  Verwendung  der  zum  Staatseigenthum
  gehörigen  Aktivkapitalienfonds  (V.  v.  5.  Juli)
1072.

Provinzialständische  Verfassung  (V.  v.  22.  Aug.)
1349—1356.  —  Wahl  zum  ersten  Provinziallandtage
(A.  E.  v.  29.  Aug.)  1368.

Amts-  und  Kreisverfassung  (V.  v.  12.  Sept.)
1497—1508.  s

Bestimmungen  über  die  Provinziallandschaften  (V.
v.  22.  Sept.)  1635.

Wahl  der  Abgeordneten  zum  Preußischen  Landtage
(G.  v.  17.  Mai)  1481.  —  Bezeichnung  der  direkten
Steuern,  nach  denen  die  Urwähler  in  drei  Abtheilungen
getheilt  werden,  Feststellung  der  Wahlbezirke  (V.  v.
14.  Sept.)  1482—1495.

Pensionirung,  Bestätigung  und  Ernennung  der
städtischen  Beamten  (A.  E.  v.  S.  Mai)  728.

Verpflichtung  der  Stadtgemeinden  zur  Besetzung
der  besoldeten  städtischen  Unterbeamtenstellen  mit  versorgungsberechtigten
  Militair  =  Indaliden  (A.  E.  v.
22.  Sept.)  1667—1668.

10)  Sonstige  Angelegenheiten.

Maaßregeln  gegen  die  Rinderpest  (V.  v.  3.  Janr.)  23.

Fesftstellung  des  Finanz-Etats  für  das  Jahr  1867
(V.  v.  10.  Janr.)  33—75.

Bildung  von  Genossenschaften  zu  Entwässerungsund
  Bewässerungs-Anlagen  (V.  v.  28.  Mai)  769.

Privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs-  und  Wirthschafts-Genossenschaften
  (V.  v.  12.  Juli)  1189—  1190.

Auf-
        <pb n="101" />
        Sachregister.

Haunover  svormaliges  Koͤnigreich]),  (Forts.)

Aufhebung  der  Landbeslotterie  in  Hannober  und
Osnabrück  (A.  E.  v.  5.  Juli)  1056.

Verwaltung  und  Veräußerlichkeit  der  Domainen
und  Regalien  (V.  v.  5.  Juli)  1182—1183.

Bestimmung  über  die  Genehmigung  zu  Namensanberungen
  (A.  E.  v.  12.  Juli)  1310.

Verordnung  über  das  Münzwesen  (v.  24.  Aug.)
1427—1429.

Verordnung  über  das  Rechnungswesen  (b.  31.  Aug.)
1442—1444.

Bestimmungen  über  das  Zeitungs-Kautionswesen
(V.  d.  26.  Sept.)  1663—1664.

Errichtung  einer  Generalkommission,  Auflösung  der
in  Hannover  bestehenden  Abtheilung  des  Ministeriums
des  Innern  für  Berufungen  (V.  v.  16.  Aug.)  1522.

Erledigung  der  Beschwerden  über  polizeiliche  Beschränkungen
  der  Vereinigung  oder  Zersplitterung  von
Bauerhöfen  (A.  E.  v.  20.  Sept.)  1612.

Ablösung  der  Reallasten,  welche  dem  Domainenfiskus
  zustehen  (B.  v.  28.  Sept.)  1670—1676.

Entbindung  der  Lehnspflichtigen  von  der  Lehnserneuerung
  (A.  E.  v.  22.  Sept.)  1676.

Hasvover  (Stadt),  Königliche  Eisenbahn=  Direktion  in
Hannover  (A.  E.  v.  15.  Dez.  66.)  5.
Anstellung  eines  Provinzial-Steuerdirektors  in
Hannover  (A.  E.  v.  8.  Febr.)  204.
Aufhebung  der  Landeslotterie  in  Hannover  (A.  E.
v.  5.  Juli)  1056.
Errichtung  eines  Provinzial-Schulkollegiums  und
eines  Medizinal-Kollegiums  in  Hannover  (V.  v.  22.  Sept.
.C.  1.)  1570.

Hausestädte  (Lübeck,  Bremen  und  Hamburg),  bleiben
als  Freihäfen  vorläufig  außerhalb  der  gemeinschaftlichen
Zollgrenze  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  34.)  826.  —  zahlen
ein  Aversum  zu  den  Bundesausgaben  (ebend.  Art.  38.)
828.

Einrichtung  der  Post=  und  Telegraphen=  Anstalten
in  den  Hanfestädten  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  51.  52.)  831.

Rechte  des  Senats  der  Hanfestädte  in  Bezug  auf  die
ihrem  Gebiete  angehörenden  Truppentheile  des  Bundesheeres
  (Verf.  d.  24.  Juni  Art.  66.  63.  64.)  836

s.  auch  Bremen,  Hamburg,  Lübeck.

Hardesvogte  im  Herzogthum  Schleswig  (V.  v.
22.  Sept.  K.  4.)  1588.  —  können  jederzeit  mit  Wartegeld
  in  den  Ruhestand  versetzt  werden  (V.  v.  23.  Sept.
Art.  VI.)  1617.

Harz  (Hannover),  Organisation  der  oberen  Harzverwaltung
(V.  v.  9.  Nov.)  1873—1874.  —  fH.  Oberharts-Jahrgang
  1867.

1867.  49

Hauptstempelmagazin  in  Berlin,  hat  diejenigen
Stempelbogen,  deren  Betrag  100  Thaler  übersteigt,  für
die  neuen  Landestheile  auszugeben  (V.  v.  19.  Juli  F.  31.)
1200.  (V.  v.  7.  Aug.  K.  31.)  1287.

Hauptverfahren  in  Untersuchungssachen  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  S#.  75.  80—90.  206.  209.
217.  ff.  314.  ff.  350  ff.  356.  362.  403.  404.  411.)  962.

Hauptverhandlung  (mündliches  Verfahren)  in  Untersuchungssachen
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
S¾.  6.  210—213.217—2698.  299  ff.  314.  ff.  350—355
358.  363.  382—  385.  395.)  934.  —  Wiedereinsetzung
in  den  vorigen  Stand  gegen  die  Versäumung  der  Hauptverhandlung
  (ebend.  S#  414.  416.  417.)  1029.

Hauptverwaltung  der  Staatsschulden,  Ueberweisung
der  Staatsanleihen  an  dieselbe,  f.  Staatsanleihen.

Hausgcräthe,  das  unentbehrliche  Haus=  und  Küchengeräthe
  ist  von  der  Pfändung  wegen  rückständiger  Abgaben,

  Steuern,  Kosten  2c.  in  den  neuen  Landestheilen

ausgeschlossen  (V.  v.  22.  Sept.  K.  13.  a.)  1557.

Hausofstzianten,  Berechnung  der  Erbschaftsabgabe,
welche  Hausoffizianten  des  Erblassers  in  den  neuen
Landestheilen  zu  entrichten  haben  (Tarif  v.  5.  Juli
A.  lit.  b.  u.  Nr.  2  lic.  d.)  1126.

Hausschatz,  Verwaltung  des  vormals  Kurfürstlich
Hessischen  Hausschatßes  (V.  v.  22.  Sept.)  1638—  1639.
—  Beslimmung  über  die  Revenüen  desselben  (A.  E.  v.
25.  Sept.)  1684.

Haussuchung,  Bestimmungen  für  die  neuen  Landestheile
  über  Haussuchungen  (Str.  P.  O.  S#  93—  102;
S.  62.  73.  191.  247.  Nr.  1.)  956.

Befugniß  der  Zoll-  und  Steuerbeamten  zur  Vornahme
  von  Haussuchungen  (ebend.  S.  102.)  958.  —
insbes.  bei  dem  Verdacht  einer  Defraudation  der
Branntweinsteuer  (V.  v.  11.  Mai  §K.  45.)  645.  —
desgl.  der  Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  17.)  655.
—  der  Tadacksteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  12.)  663.  —  der
Stempelsteuer  von  Spielkarten  (V.  v.  4.  Juli  F.  6.)
1058.  —  der  Zeitungssteuer  (V.  v.  4.  Juli  S.  7.)  1067.

Allgemeine  Bestimmung  über  die  Vornahme  von
Haussuchungen  bei  dem  Verdacht  einer  Spielkarten-Kontravention
  (G.  v.  23.  Dez.  F.  24.)  1925.

Haustrunk,  die  Anfertigung  desselben  ist  in  den  neu
erworbenen  Landestheilen  steuerfrei  (V.  v.  11.  Mai
S.  5.  6.  29.  30.)  652.

Hauswirth,  Verpflichtung  desselben  in  den  neuen  Landestheilen,
  gerichtliche  Zustellungen  für  seine  Hausgenossen
in  Untersuchungssachen  anzunehmen  (Str.  P.  O.  &amp;amp;.  196.)
979.

¾  Ha-
        <pb n="102" />
        50

Havel,  Tarif  für  das  Befahren  derselben  bei  Zehdenick,
Oranienburg,  Spandau,  Brandenburg  oder  Rathenow
(v.  9.  Sept.  A.)  1578.

Hazardspiel,  Bestimmung  über  das  Spielen  an  den
Spielbanken  zu  Wiesbaden,  Ems  und  Homburg  (V.  v.
25.  Juni  Art.  V.)  925.

Hebeammen,  Unterstützung  derselben  in  Westpreußen
(Regl.  v.  11.  Sept.  8.  2.  Nr.  3;  5.  5.  7.  15.  16.  19.
5.  c.)  1710.

Hecken,  Strafbestimmungen  für  die  neuen  Landestheile
gegen  denjenigen,  welcher  Leinewand,  Wäsche  v.  zum
Bleichen  oder  Trocknen  auf  fremden  Hecken  ausbreitet
(V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  §.  1.  Nr.  2.)  924.  —  desgl.
welcher  die  zur  Sperrung  von  Wegen  oder  Plätzen
dienenden  Hecken  öffnet  und  nicht  wieder  schließt  (ebend.
5.  1.  Nr.  8.)  924.  —  desgl.  welcher  Hecken  beschädigt
oder  Laub  oder  Zweige  von  Hecken  abbricht  (ebend.  F.  2.
Nr.  1.  u.  3.)  924.

Hehlerei,  Kompetenz  und  Verfahren  der  Gerichte  in
den  neuen  Landestheilen  in  Untersuchungen  wegen  Hehlerei
  (Str.  P.  O.  .  13.  B;  §.  161.  Nr.  3;  .  172.
243.  448.)  935.

Heidekraut,  Bestrafung  desjenigen,  welcher  in  den
neuen  Landestheilen  ohne  Erlaubniß  der  Polizeibebörde
Heidekraut  auf  dem  Felde  anzündet  (V.  v.  25.  Juni
Artt.  III.  H.  3.  Nr.  5.)  925.

54216  t  L244.

h  geleg  in  den  Norddeutschen
Staaten,  die  Bestimmungen  darüber  unterliegen  der  Aufsicht
  und  Gesetzgebung  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  4.  Nr.  1.)  819.

Heimathsrechte  der  außerhalb  Schleswig  und  Holstein
geborenen,  mit  ihren  Eltern  in  Schleswig  eingewanderten
Personen  (V.  v.  5.  Juli)  1132.

Heimathshafen  für  die  Schiffe  in  Holstein  und
Schleswig  (V.  v.  5.  Juli  K.  67.)  1147.

Heirathskonsens  der  Bergbehörden  für  Berg-,  Poch-,
Hütten=  und  Salinen.-Arbeiter  in  den  neuen  Landestheilen,
  ist  nicht  weiter  erforderlich  (A.  E.  v.  24.  Juni)
1111.

Stempelfreiheit  des  Heirathskonsenses  fuͤr  Beamte
in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  84.)
1305.

Helmstädt  (Provinz  Sachsen),  s.  Chausseen  Nr.  25.

Herford  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  29.  31.

Hersfeld  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kassel
(V.  d.  22.  Febr.  K.  3.  Nr.  16.)  274.

Herwarth  von  Bittenfeld  (General  der  Infanterie),
Verleihung  einer  Dotation  an  denselben  wegen  hervorragender
  Verdienste  in  dem  Kriege  von  1866  (G.  v.
28.  Dez.  66.)  25.

Sachregister.

1867.

Hessen  (Großherzogthum),  gehört  mit  den  nördlich  vom
Main  gelegenen  Theilen  zum  Bundesgebiet  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  1.)  810.  —  kührt  im  Bundesrath  eine
Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Hessen  2c.,
betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich
und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen
Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801—1803.

Hessen  (vormals  Großherzoglich  Hessische  Gebietstheile).

1)  Besitznahme  der  vormals  Grohherzoglich
Hessischen  Landestheile  (Pat.  v.  12.  Janr.)  137—  138.
—  Proklamation  an  die  Einwohner  derselben  (v.  12.
Janr.)  138—139.  «

2)  Militair-Angelegenheiten.

Einführung  der  allgemeinen  Wehrpflicht  (A.  E.  v.
12.  Janr.)  206.  —  Militairdienstpflicht  der  Mennoniten
(A.  E.  v.  24.  Juni)  1509.  ·

Einführung  der  Militairstrafgesetze,  Regelung  der
Militair-Rechtspfiege  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)  383.

Rechtsverhältnisse  der  Militairpersonen  (A.  E.  v.
1.  April)  519—532.

Einführung  der  Landgendarmerie  (V.  v.  23.  Mai)
777—784.

Einführung  der  Preußischen  Kriegsleislungsgesetze
(V.  v.  22.  Sept.)  1632—  1633.

Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  der  zum
Dienste  einberufenen  Reserve=  und  Landwehrmannschaften
(V.  v.  31.  Aug.)  1637.

3)  Justiz=  Angelegenheiten.

Organisation  der  Justizpflege  in  den  an  Preußen
abgetretenen  Thejlen  der  Provinz  Oberhessen  (A.  E.  v.
5.  Nov.  66.)  490.  —  desgl.  in  der  ehemaligen  Landgrafschaft
  Hessen-Homburg  (A.  E.  v.  1.  April)  495.

Staatsverbrechen  gehören  zur  Kompetenz  des  Kam.
mergerichts  in  Verlin  (V.  v.  23.  Mai)  703.

Verfahren  in  Civilprozessen  mit  Ausschluß  des
Oberamtsbezirks  Meisenheim  (V.  v.  24.  Juni  ##.  1.  ff.
K.  105.)  885.

Einführung  des  Strafgesetzbuchs  und  Erlaß  einer
besonderen  Strafprozeßordnung  (V.  v.  25.  Juni)  921
bis  1056.  —  besondere  Bestimmungen  für  die  Hessischen
Landestheile  (ebend.  Art.  VI.  XII.)  925.

Gerichtsverfassung  (V.  v.  26.  Juni)  1094  —  1103.
—  Errichlung  eines  obersten  Gerichtshofes  in  Berlin
(V.  v.  27.  Juni)  1103—1107.

Ansatz  und  Erhebung  der  Gerichtskosten  und  der
Gebühren  der  Notare  und  Rechtsanwalte  in  Civilsachen
(V.  v.  30.  Aug.)  1399  —  1411.  —  desgl.  in  Strafsachen
  (ebend.  S.  17.  26.)  1407.  (V.  v.  30.  Aug.)
1412—1420.

Be-
        <pb n="103" />
        Sachregister.

bessen  [vormals  Großherzoglich  Hessische  Gebietstheile),
Sorts)

Bestimmung  über  die  Auslieferung  der  von  ausländischen
  Behörden  verfolgten  Personen  (A.  E.  v.
.  Juli)  1264.

Geschäftliche  Behandlung  der  Gesuche  um  Legitimalion
  außerehelich  erzeugter  Kinder  (A.  E.  v.  28.  Ang.)

Bestimmungen  über  die  Zulässigkeit  des  Rechtsweges,
  über  das  Verfahren  bei  Komvetenz-Konflikten
und  über  die  Behandlung  der  Konflikte  bei  gerichtlichen
Verfolgungen  wegen  Amts-  und  Diensthandlungen  (V.
b.  16.  Sept.)  1515—1518.

Ausdehnung  des  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Koburg-Gotha
  über  die  gegenseitigen  Gerichtsbarkeitsderhältnisse
  abgeschlossenen  Vertrages  vom  11.  Juni  1858
auf  die  vormals  Großhergoglich=  Hesfischen  Gebietstheile
(Minist.  Erkl.  v.  28.  Sept.)  1795—1796.

4)  Verhältnisse  der  Beamten.

Verfahren  bei  Anstellung,  Entlassung  und  Pensionirung
  von  Justiz=  und  anderen  Staatsbeamten  in
den  an  Preußen  abgetretenen,  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Gebietstheilen  (A.  E.  v.  17.  Janr.)  31.—
Weitere  Bestimmungen  über  die  Anstellung  der  Justizbeamten
  (V.  v.  8.  Febr.)  209.  —  Penfonsansprüche
der  Civilbeamten  (V.  v.  6.  Mai)  713.  —  Vereidigung
der  Beamten  (V.  v.  22.  Janr.)  132—135.

Allgemeine  Regelung  der  Staatsbiener-Verhältnisse
(V.  v.  23.  Sept.)  1619—1620.

Einführung  der  Preußischen  Disziplinargesetze  in
Betreff  der  Beamten  (V.  v.  23.  Sept.)  1613—1618.

Anderweitige  Einrichtung  des  Amtskautionswesens
(V.  v.  12.  Sept.)  1513—1514.

Heranziehung  der  Staatsdiener  zu  den  Kommunalabgaben
  (V.  v.  23.  Sept.)  1648—  1651.

5)  Zoll-,  Steuer=  und  Stempelsachen.

Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  (V.  v.  11.  Mai)  593—599.  (A.
E.  v.  22.  Sept.)  1644.

Besteuerung  des  Branntweins  (V.  v.  11.  Mai)
633—651.  —  des  Braumalzes  (V.  v.  11.  Mai)  652—660.
—  des  Tabacks  (V.  v.  11.  Mai)  661  —  666.  —  Aufhebung
  der  Tranksteuer  und  Zapfgebühr  (V.  v.  24.  Juni)
918.

Erhebung  einer  Salzabgabe  (V.  v.  9.  Aug.)  1327
bis  1328.

Einführung  der  Erbschaftsabgabe  (V.  v.  5.  Juli
S  1  fl.  S.  12  Ut.  d;  F.  13.)  112.

—  bes  htrn  vom  23.  Januar
1838  (V.  v.  29.  Jull)  1268—127

1867.  51
Seen  leermals  Großherzoglich  Hessische  Gebletstheilel,

(Fortt.)

Bestimmungen  über  das  Verfahren  in  Untersuchungen
wegen  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Zollgesetze  (Ordn.
v.  29.  Juli)  1270—1276.

Aufhebung  der  Hundesteuer  und  der  Abgabe  von
Nachtigallen  als  Staatsabgaben,  und  Forterhebung  derselben
  als  Gemeindeabgaben  (V.  v.  26.  Sept.)  1666.

Stempelsteuer  für  Spielkarten,  Fabrikation  und
Verkauf  derselben  (V.  v.  4.  Juli)  1057—  1062.  —
Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli)  1063—1066.  —  Zeitungsstempel
  (V.  v.  4.  Juli)  1066  —  1067.  —  Kalenderstempel
  (V.  v.  5.  Juli)  1068—  1069.  —  Anderweitige
Regelung  des  Stempelwesens  (A.  E.  v.  14.  Aug.)  1346.

Stempelabgabe  von  Konzessionen,  Ausfertigungen  rc.
(A.  E.  v.  17.  Sept.)  1651—1652.

Ergekutivische  Beitreibung  der  direkten  und  indirekten
Steuern  und  anderer  öffentlicher  Abgaben  und  Gefälle,
Kosten  2c.  Seitens  der  Verwaltungsbehörden  (V.  v.
22.  Sebpt.)  1553—  1568.

6)  Handel  und  Gewerbe.

Einführung  des  allgemeinen  Berggesetzes  vom  24.
Juni  1865.  in  Oberbessen  und  Hessen=  Homburg  (V.  v.
22.  Febr.)  242—243.

Die  obere  Leitung  des  Bergwesens  wird  dem  Ministerium
  für  Handel  u.  überwiesen  (A.  E.  v.  16.  Febr.)
228.  —  Oberhessen  und  Hessen-Homburg  wird  dem  Bezirk
  des  Oberbergamtes  in  Bonn  zugetheilt  (V.  v.
6.  März)  351.

Besteuerung  der  Bergwerke  (V.  v.  1.  Juni)  802.

Aukhebung  der  Beschränkungen  des  Zinssatzes  (G.
v.  18.  März)  387.

Veröffentlichung  der  Eintragungen  in  das  Hanbelsregister
  (A.  E.  v.  31.  Aug.)  1456.

Außer=  und  Wiederinkurssetzung,  desgleichen  Umschreibung
  der  Papiere  auf  Inhaber  (V.  v.  16.  Aug.)
1457—1461.

Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung
  an  jeden  Inhaber  enthalten  (V.  v.  17.  Sept.)
1518—1519.

Bestimmungen  über  die  Kommandit=  Gesellschaften
auf  Aktien  (V.  v.  24.  Aug.)  1645—1646.

Beschäftigung  jugendlicher  Arbeiter  in  den  Fabriken
(V.  v.  22.  Sept.)  1572.

7)  Post=  und  Eisenbahnen.
Uebernahme  der  Postverwaltung  (Vertr.  v.  28.  Janr.
Art.  1.  Nr.  4.  u.  6.)  355,
Das  Eisenbahnwesen  wird  dem  Ressort  des  Handels-Ministeriums
  zugewiesen  (A.  E.  v.  9.  März)  396
g-  Ein-
        <pb n="104" />
        52  Sachregister.  1867.
Hessen  vormals  Großherzoglich  Hessische  Gebietstheile),  Hessen  Lvormals  Grohherzoglich  Hessische  Gebietstheilel,
For

(Forts.)

Einführung  des  Gesetzes  vom  3.  November  1838.
über  die  Eisenbahn-Unternehmungen,  und  der  Verordnung
vom  21.  Dezember  1846.  über  die  bei  dem  Bau  von
Eisenbahnen  beschäftigten  Handarbeiter  (V.  v.  19.  Aug.)
1426.

8)  Verwaltungs-Angelegenheiten.

Organisation  der  Verwaltungsbehörden  in  den  vormals
  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  22.  Febr.)  273.

Organisation  der  Forstverwaltung,  Prüfung  und
Unstellung  der  Forstbeamten  (V.  v.  4.  Juli)  1129.

Verordnung  über  die  Polizeiverwaltung  (v.  20.  Sept.)
1529—1533.

9)  Geistliche,  Schul-  und  Medizinal-Angelegenheiten.


Prüfung  der  Schulamts--Kandidaten,  Zusammensetzung
  der  wissenschaftlichen  Prüfungs-Kommissionen
(V.  v.  13.  März)  395.

Kompetenz  des  Ministers  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten
  in  Betreff  der  Unterrichts=  und  Medizinal-Verwaltung
  (V.  v.  13.  Mai)  667.

Errichtung  eines  evangelischen  Konsistoriums  für
den  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  22.  Sept.)  1569.
Errichtung  eines  Provinzial-Schulkollegiums  und

Medizinal-Kollegiums  für  den  Regierungsbezirk  Wiesbaden
  (V.  v.  22.  Sept.)  1570.

Einführung  des  Preußischen  Medizinalgewichts  (V.

v.  12.  Aug.)  1357.

10)  Staats=  und  Kommunal-Angelegenbeiten.


Theilnahme  des  Grohherzogthums  am  Norddeutschen
Bunde  in  Betreff  der  nördlich  vom  Main  belegenen
Theile  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.  6.)  818.

Wahl  der  Abgeordneten  zum  Preußischen  Landtage
(G.  v.  17.  Mai)  1481.  —  Bezeichnung  der  direkten
Steuern,  nach  denen  die  Urwähler  in  drei  Abtheilungen
getheilt  werden,  Feststellung  der  Wahlbezirke  (V.  v.
14.  Sept.)  1482—1495.

Kreisverfassung  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden
(V.  v.  26.  Sept.)  1653—1659.  —  Enmrichtung  einer
kommunalständischen  Verfassung  (V.  v.  26.  Sept.)  1659
bis  1663.

Verpflichtung  der  Stadtgemeinden  zur  Besetzung
der  besoldeten  städtischen  Unterbeamtenstellen  mit  versorgungsberechtigten
  Militair=  Invaliden  (A.  E.  v.
22.  Sept.)  1667—1668.

11)  Sonstige  Bestimmungen.

Bestimmungen  über  die  Publikation  der  Gesetze  und
anderer  landesherrlicher  Erlasse  (V.  v.  29.  Janr.)  139.

Bildung  von  Genossenschaften  zu  Entwässerungsund
  Bewässerungs-Anlagen  (V.  v.  28.  Mai)  769.  —
Privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs=  und  Wirthschafts-Genossenschaften
  (V.  v.  12.  Aug.)  1449—1450.

Finanz-Etat  für  1867.  (V.  v.  28.  Mai)  785—791.

Verwaltung  und  Veräußerlichkeit  der  Domainen
und  Regalien  (V.  v.  5.  Juli)  1182—1183.

Verordnung  über  das  Münzwesen  (v.  24.  Aug.)
1427—  1429.

Verordnung  über  das  Rechnungswesen  (v.  31.  Aug.)
1442—1444.

Bestimmungen  über  die  Güterkonsolidation  (V.  v.
2.  Sept.)  1462.

Ablösung  der  Servituten,  Theilung  der  Gemeinschaften
  und  Zusammenlegung  der  Grundstücke  (V.  v.
2.  Sept.)  1463—1464.

Ermächtigung  der  Nassauischen  Brand-Assekuranz-Anstalt
  in  Wiesbaden  zur  Versicherung  von  Gebäuden
in  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  14.  Sept.)  1551.

Bestimmungen  über  das  Zeitungslautionswesen  (V.
v.  26.  Sept.)  1663—  1664.

Hessen-Homburg  (ehemalige  Landygrafschaft),  Feststellung

  des  Finanz-Etats  für  das  Jahr  1867  (V.  v.
17.  Janr.)  100—  107.  —  Jufliz-Organisation  in  Hessen-Homburg
  (A.  E.  v.  1.  April)  495  —  496.  —  Kreisverfassung
  in  Hessen-Homburg  (V.  v.  26.  Sept.  F.  16.)
1656.

s.  Hessen  (vormals  Großberzoglich  Hessische  Gebietstheile).


Hessen-Kassel  (bormaliges  Kurfürstenthum).

1)  Militair-Angelegenheiten.

Einführung  der  Militairstrafgesetze,  Regelung  der
Militair-Rechtspflege  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)  383.

Rechtsverhältnisse  der  Militairpersonen  (A.  E.  v.
1.  April)  519—333.

Militairdienstpflicht  ber  Mennoniten  (A.  E.  v.
24.  Juni)  1509.

Einführung  der  Landgendarmerie  (V.  v.  23.  Mai)
777—784.  "

Einführung  der  Preußischen  Kriegsleistungsgesetze
(V.  v.  22.  Sept.)  1632—1633.

Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  der  zum
Dienste  einberufenen  Reserve=  und  Landwehr-Mannschaften
  (V.  v.  31.  Aug.)  1637.

2)  Justiz-Angelegenheiten.

Staatsverbrechen  gehören  zur  Kompetenz  des  Kammergerichts
  in  Berlin  (V.  v.  23.  Mai)  703.
        <pb n="105" />
        Sachregister.
Hessen-Kassel  svormaliges  Kurfuͤrstenthum],  (Forts.)

Hessen-Kassel  Lvormaliges  Kurfürstenthum!,  Ger

Verfahren  in  Civilprozessen  (V.  v.  24.  Juni)  885
bis  916.

Einführung  des  Strafgesetzbuchs  und  Erlaß  einer
besonderen  Strafprozeß  =  Ordnung  (V.  v.  25.  Juni)
921—1056.  —  besondere  Bestimmungen  für  Kurhessen
(ebend.  Art.  VI.  XII.  XVI.)  925.

Gerichtsverfassung  (V.  v.  26.  Juni)  1085  —  1094.
—  Errichtung  eines  obersten  Gerichtshofes  in  Berlin
(V.  v.  27.  Juni)  1103—1107.

Bestimmung  über  die  noch  abzuhaltenden  Schwurgerichte
  (U.  E.  v.  11.  Sept.)  1527.

Ansatz  und  Erhebung  der  Gerichtskosten  und  der
Gebühren  der  Notare  und  Rechtsanwalte  in  Civilsachen
(V.  v.  30.  Aug.)  1385—1398.  —  desgl.  in  Strafsachen
(ebend.  &amp;amp;.  15.  25.)  1394.  (V.  v.  30.  Aug.)  1412
bis  1420.

Bestimmung  über  die  Auslieferung  der  von  ausländischen
  Behörden  verfolgten  Personen  (A.  E.  v.
26.  Juli)  1264.

Bestimmungen  über  die  Zulässigkeit  des  Rechtsweges,
  über  das  Verfahren  bei  Kompetenz-Konflikten
und  über  die  Behandlung  der  Konflikte  bei  gerichtlichen
  Verfolgungen  wegen  Amts=  und  Diensthandlungen
(V.  v.  16.  Sept.)  1515—1518.

Ausdebnung  des  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Koburg.Gotha
  über  die  gegenseitige  Gerichtsbarkeit  abgeschlossenen
  Vertrages  vom  11.  Juni  1858  auf  Kurhessen
  (Minist.  Erkl.  v.  28.  Sept.)  1795—  1796.

3)  Verhältnisse  der  Beamten.

Verfahren  bei  Anstellung,  Entlassung  und  Penfionirung
  der  Beamten  (A.  E.  v.  17.  Junr.)  31.  —
Bestimmungen  über  die  Anstellung  der  Justizbeamten
(V.  v.  8.  Febr.)  209.  —  Pensionsansprüche  der  Civil-=beamten
  (V.  v.  6.  Mai)  713.  —  Vereidigung  der  Beamten
  (V.  v.  22.  Janr.)  132—135.

Allgemeine  Regelung  der  Staatsdiener-Verhältnisse
(V.  v.  23.  Sept.)  1619—1620.

Einführung  der  Preußischen  Disziplinargesetze  in
Betreff  der  Beamten  (V.  v.  23.  Sept.)  1613—  1618.

Anderweitige  Einrichtung  des  Amtskautionswesens
(V.  v.  12.  Sept.)  1513—1514.

Schließung  einiger  Staatsdiener-Wittwen=  und
Waisenkassen  (V.  v.  15.  Sept.  S.  1.  Nr.  2.)  1646.

Heranziehung  der  Staatsdiener  zu  den  Kommunal=Abgaben
  (V.  v.  23.  Sept.)  1648—1651.

4)  Zoll-,  Steuer=  und  Stempelsachen.

Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  (V.  v.  28.  April)  538—543.  (.
E.  v.  22.  Sept.)  1644.

1867.  53

Besteuerung  des  Branntweins  (V.  v.  11.  Mai)
633—651.  —  des  Braumalzes  (V.  v.  11.  Mai)  652
bis  660.  —  des  Tabacks  (V.  v.  11.  Mai)  661—666.

Erhebung  einer  Salzabgabe  (V.  v.  9.  Aug.)
1327—1328.

kss  der  Erbschaftsabgabe  (V.  v.  5.  Juli)
1120—11

glllisen  bes  Zollstrafgesetzes  vom  23.  Januar
1838  (V.  v.  29.  Juli)  1268—  1270.

Bestimmungen  über  das  Verfahren  in  Untersuchungen
wegen  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Zollgesetze  (Ordn.
v.  29.  Juli)  1270—1276.

Exekutivische  Beitreibung  der  direkten  und  inbirekten
Steuern  und  anderer  öffentlicher  Abgaben  und  Gefälle,
Kosten  #c.  Seitens  der  Verwaltungsbehörden  (V.  v.
22.  Sept.)  1553—1568.

Verwaltung  des  Stempelwesens,  Erhebung  des  Urkundenstempels
  (V.  v.  19.  Juli  &amp;amp;K#.  1.  ff.  &amp;amp;.  35.  Nr.  2.)
1191—121.

Stempelsteuer  für  Spielkarten,  Fabrikation  und
Verkauf  derselben  (V.  v.  4.  Juli)  1057—  1062.  —
Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli)  1063  —  1066.  —  Zeitungsstempel
  (V.  v.  4.  Juli)  1066—1067.  —  Kalenderstempel
  (V.  v.  5.  Juli)  1068—1069.

Stempelabgabe  von  Konzessionen,  Ausfertigungen  2c.
(A.  E.  v.  17.  Sept.)  1651—1652.

5)  Handel  und  Gewerbe.

Die  obere  Leitung  des  Bergwesens  wird  dem  Ministerium
  für  Handel  2c.  überwiesen  (A.  E.  v.  16.  Febr.)
228.  —  Einführung  des  Berggesetzes  vom  24.  Juni
1865.  (V.  v.  1.  Juni)  770—774.  (V.  v.  24.  Juni)  884.

Aufhebung  des  Konsenses  der  Bergbehsrden  zu  den
Heirathen  der  Berg-,  Poch-,  Hütlen,  und  Salinen=Arbeiter
  (A.  E.  v.  24.  Juni)  1111.

Aufhebung  der  bestehenden  Beschränkungen  des  Handels
  mit  Feldfrüchten  (V.  v.  24.  Jou#  #  206.

Aufhebung  der  Beschränkungen  des  Zinssatzes  (G.
v.  18.  März)  387.

Einführung  der  allgemeinen  Duulichen  Wechselordnung
  (V.  v.  13.  Mai)  737—760.

Außer-  und  Wiederinkurssetzung  desgleichen  Umschreibung
  der  Papiere  auf  Inhaber  C.  v.  16.  Aug.)
1457—1461.

Ausstellung  von  Papieren,  wellle#eine  Zahlungsverpflichtung
  an  jeden  Inhaber  enthaltev  1#.  v.  17.  Sept.)
1518—1519.

Bestimmungen  über  die  Komman  gesellschaften  auf
Aktien  (V.  v.  24.  Aug.)  1645—164½

Bestimmungen  über  den  Betrieb  hender  Gewerbe
(V.  v.  29.  März)  423.

Auf-
        <pb n="106" />
        54

Hessen=  Kassel  [vormaliges  Kurfürstenthum],  (Fortl.)

Aufhebung  der  Kurhessischen  Verordnung  vom  4
März  1858.  zur  Verhütung  gemeinschädlicher  Handelaspekulationen
  mit  Grundeigenthum  (V.  v.  13.  Mai)  727.

Beschäftigung  jugendlicher  Arbeiter  in  ben  Fabrilen
(V.  v.  22.  Sept.)  1572.

6)  Post=  und  Eisenbabnen.

Uebernahme  der  Postverwaltung  (Vertr.  v.  28.  Janr.
Art.  1.  Nr.  2.)  355.

Organisation  des  Eisenbahnwesens  in  Kurhessen
(A.  E.  v.  15.  Dez.  66.)  5.

Einfübrung  des  Gesetzes  vom  3.  Nobember  1838.
über  die  Eisenbahn-Unternehmungen,  und  der  Verordnung
dom  21.  Dezember  1846.  über  die  bei  dem  Bau  von
-r  beschäftigten  Handarbeiter  (V.  v.  19.  Aug.)
1426

Lhn  der  Eisenbahnen  (V.  v.  22.  Sept.)
1639—164

7)  deinalzunne,  Angelegenkeiken.

Organisation  der  Verwaltungsbehörden  (V.  v.
22.  Febr.)  273.

Organisation  der  Forstverwaltung,  Prüfung  und
Anstellung  der  Forstbeamten  (V.  d.  4.  Juli)  1129.

Verordnung  über  die  Polizeiverwaltung  (v.  20.  Sept.)
1529—1533.

8)  Geistliche,  Schul=  und  Medizinal-Angelegenheiten.


Kompetenz  des  Ministers  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten
  in  Betreff  der  Unterrichts=  und  Medizinal-Verwaltung
  (V.  v.  13.  Mai)  667.

Prüfung  der  Schulamts-Kandidaten,  Zusammensetzung
  der  wissenschaftlichen  Prüfungs-Kommissionen  (V.
v.  13.  März)  395.

Bestimmungen  über  das  Diensteinkommen  der  Volksschullehrer
  (V.  v.  29.  Juli)  1245.

Errichtung  eines  Provinzial-Schulkollegiums  und
Medizinal-Kollegiums  für  den  Regierungsbezirk  Kassel
(V.  v.  22.  Sept.  1570.

Medizinalgewicht  (V.  v.  12.  Aug.)  1357.

9)  Staats=  und  Kommunal-Angelegenheiten.


Verwaltung  und  Verwendung  der  zum  Staatseigenthum
  gehörigen  Aktivkapitalienfonds  (V.  v.  5.  Juli)
1072.

Ueberweisung  des  Kurbessischen  Staalsschatzes  an
ben  kommunalständischen  Verband  des  Regierungsbezirks
Kassel  (A.  E.  v.  16.  Sept.)  1528.

Verwaltung  bes  Kurhessischen  Hausschatzes  (V.  v.
22.  Sept.)  1638—  1639.  —  Bestimmung  über  die  Rebenüen
  besselben  (A.  E.  v.  25.  Sept.)  1684.

Sachregister.

1867.

Hessen-Kassel  [vormaliges  Kurkürstenthum],  (Forttl.)

Kreisverfassung  im  Regierungsbezirk  Kassel  (V.  v.
9.  Sept.)  1473—  1480.  —  Kommunalständische  Verfassung
  (V.  v.  20.  Sept.)  1537  —  1545.  —  Verfahren
bei  den  Wahlen  zu  den  Kommunallandtagen  (V.  v.
20.  Sept.)  1546  -  1550.

Wahl  der  Abgeordneten  zum  Preußischen  Landtage
(G.  v.  17.  Mai)  1481.  —  Bezeichnung  der  direkten
Steuern,  nach  denen  die  Urwähler  in  drei  Abtheilungen
getheilt  werden,  Fefistellung  der  Wahlbezirke  (V.  v.
14.  Sept.)  1482—1495.

Verpflichtung  der  Stadtgemeinden  zur  Besetzung  der
besoldeten  städtischen  Unterbeamtenstellen  wit  versorgungsberechtigten
  Militair-Invaliden  (A.  E.  v.  22.  Sept.)
1667—668.

10)  Sonstige  Bestimmungen.

Finanz-Etat  für  das  Jahr  1867  (V.  v.  17.  Janr.)
81—99.

Bildung  von  Genossenschaften  zu  Entwässerungsund
  Bewässerungs-Anlagen  (V.  v.  W.  Mai)  769.  —
Privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs=  und  Wirtyschafts-Genossenschaften
  (V.  v.  12.  Aug.)  1449—1450.

Ablösung  der  Servituten,  Theilung  der  Gemeinschaften
  und  Zusammenlegung  der  Grundstücke  (V.  v.
13.  Mai)  716—726.

Verwaltung  und  Veräußerlichkeit  der  Domainen
und  Regalien  (V.  v.  5.  Juli)  1182—1183.

Verordnung  über  das  Münzwesen  (v.  24.  Aug.)
1427—1429.

Verordnung  über  das  Rechnungswesen  (v.  31.  Aug.)
1442—  1444.

Bestimmungen  über  das  Zeitungskautionswesen
(V.  v.  26.  Sept.)  1663—1664.

Hessen  und  bei  Rhein  (Großherzogthum),  das  Thurn
und  Taxissche  Postwesen  in  Hessen  und  bei  Rhein  geht
auf  den  Preußischen  Staat  über  (Vertr.  v.  28.  Janr.
Art.  1.  Nr.  7.)  355.

Hessische  Nordbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  21.

Heuer  der  Schiffsleute  in  Schleswig  und  Holstein  (V.
v.  5.  Juli  HK.  69.  70.)  1147.  —  desgl.  in  Hannover
(V.  v.  24.  Juni  Nr.  I.)  1165—1166.

Hilders  (vormals  Bayerisch),  Ausübung  der  Gerichtsbarkeit
  in  dem  Bezirk  des  Justizamtes  zu  Hilders  (A.
E.  v.  22.  Dez.  66.)  6—7.  (A.  E.  v.  6.  Mal)  699.  (U.
E.  v.  8.  Juli)  1164.

Hildesheim  (Hannover),  Aufhebung  der  Königlichen
Polizeidirektion  daselbst  (A.  E.  v.  21.  Dez.)  1940.

Hiurichtung,  s.  Tobesstrafe.

Hinterlaug  -  Kreis,  gehört  zum  Regierungsbezirk
Wiesbaden  (V.  v.  22.  Febr.  S.  4.  Nr.  12.)  275.

Soch-
        <pb n="107" />
        Sachregister.

Hochverratb  gegen  den  Norddeutschen  Bund  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  74.  75.)  838.  —  Beschlagnahme  des  Vermögens
  in  Untersuchungen  wegen  Hochverraths  in  den
neuen  Landestbeilen  (Str.  P.  O.  S.  107.)  959.

Hofbeamte  in  den  neuen  Landestheilen,  Heranziehung
derselben  zu  den  Kommunal-Abgaben  (V.  v.  23.  Sept.
F.  2.)  1649.

Hofgeismar  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk
Kassel  (V.  v.  22.  Febr.  S.  3.  Nr.  5.)  274.

Hofmarschall,  Uebertragung  der  von  dem  vormaligen
Ober-Hofmarschall-Amte  in  Sannover  ausgeübten  Gerichtsdarkeit
  auf  die  ordentlichen  Gerichte  (A.  E.  v.  2.  Janr.)  31.

Hobengzollern,  Gerichtsstand  der  Mitglieder  der  Hohenzollernschen
  Fürstenhäuser  in  Schleswig  und  Holstein
(B.  v.  26.  Juni  §.  7.)  1074.  —  desgl.  in  Kurhessen
und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.
26.  Juni  K.  26.)  1091.  —  desgl.  in  Nassau  und  den
vormals  Hrohbertegi  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.
26.  Juni  K.  25

’r“e:½  Nelben  in  Hannover,  Kurhessen,
Rassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(U.  v.  19.  Juli  K.  4.)  1194.  —  desgl.  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  K.  4.)  12  0.

Uebertragung  des  Thurn  und  Taxisschen  Postwesens
in  den  Hohenzollernschen  Landen  auf  den  Preußischen
Staat  (Vertr.  v.  28.  Janr.  Art.  1.  Nr.  1.)  355.

Anwendung  der  #z.  11—  13.  der  Verordnung  vom
4.  Juli  1867.  über  die  Besteuerung  der  Spielkarten  in
Hohenzollern  (G.  v.  23.  Dez.)  1925.

Hobenzollern  =  Hechingen,  Regelung  der  direkten
Besteuerung  im  Fürstenthum  Hohenzollern-Hechingen
(G.  v.  22.  Febr.)  269—271.

Holland  (Preußisch),  Ausfertigung  von  Obligationen
des  Pr.  Holländer  Kreises  im  Betrage  von  25,000  Thalern
  zu  5  Prozent  (Priv.  v.  27.  Mai)  1237—1240.

Holland,  Bergbaugesellschaft  in  Wattenscheid,  Genehmigung
  des  dritten  Statutnachtrages,  betreffend  den  §.  20.
des  Statuts  (Bek.  v.  20.  Okt.)  1815.

Holstein  (Herzogthum).

1)  Besitzuahme  des  Herzogthums  Holstein  (Pat.
v.  12.  Janr.)  229—130.  —  Proklamation  an  die  Einwohner
  des  Herzogthums  (v.  12.  Janr.)  131—132.

2)  Militair-Angelegenbeiten.

Einführung  der  Militair-Strafgesetze,  Regelung  der
Militair-Rechtspflege  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)  383.

Rechtsverhältnisse  der  Militairpersonen  (A.  E.  v.
1.  April)  519—532.

1867.  55
Holstein  Herzogthum],  (Fortf.)

Militairdienstpflicht  der  Mennoniten  (A.  E.  v.
24.  Juni)  1509.

Eitibrung  der  Landgendarmerie  (V.  v.  23.  Mai)
777—784

Einführung.  der  Lebzilchen  Kriegsleifungsgesete
(V.  v.  22.  Sert.)  1632—1633

Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  der  zum
Dienste  einberufenen  Reserve=  und  Landwehrmannschaften
(V.  v.  31.  Aug.)  1637.

3)  Justiz-Angelegenheiten.

Anordnungen  über  die  Justizverwaltung  in  Holstein
(V.  v.  28.  Janr.)  140.

Behandlung  der  Gesuche  um  Legitimation  unehelicher
  Kinder,  um  Adoption  und  wegen  Umlegung  der
Jurisdiktion  (A.  E.  v.  4.  Mai)  632.

Staatsverbrechen  gehören  zur  Konweien  des  Kammergerichts
  in  Berlin  (V.  v.  23.  Mai)  7

Vorsadren!  in  Civilprozessen  (V.  v.  24.  du  SK.  1.  ff.
.  105.)  885

Einführung  des  Strafgesetzbuchs  und  Erlaß  einer
besonderen  Strafprozeßordnung  (V.  v.  25.  Juni)  921
bis  1056.  —  Wahl  der  Schöffen  im  Herzogthum  Holstein
  (ebend.  Anlage  F.  2.)  1051.

Gerichtsverfassung,  Trennung  der  Rechtspflege  von
der  Verwaltung,  Au-hebung  der  Privatgerichtsbarkeit
und  des  eximirten  Gerichtsstandes  (V.  v.  26.  Juni)
1073—1085.  —  Errichtung  eines  obersten  Gerichtshofes
in  Berlin  (V.  v.  27.  Juni)  1103—1107.

Aufstellung  der  Urlisten  der  Geschworenen  (A.  E.
v.  14.  Sept.)  1552.

Ansatz  und  Erhebung  der  Gerichtskosten  und  der
Gebühren  der  Rotare  und  Rechtsanwalte  in  Ciwvilsachen
(V.  v.  30.  Aug.)  1369—  1384.  —  desgl.  in  Strafsachen
(ebend.  &amp;amp;#  14.  24.)  1377.  (V.  v.  30.  Aug.)  1412—1420.

Bestimmung  über  die  Auslieferung  der  von  ausländischen
  Behörden  verfolgten  Personen  (A.  E.  v.
26.  Juli)  1261.

Bestimmungen  über  die  Zulässigkeit  des  Rechtsweges,
  über  das  Verfahren  bei  Kompetenz-Konflikten,
und  über  die  Behandlung  der  Konflikte  bei  gerichtlichen
Verfolgungen  wegen  Amts=  und  Diensthandlungen  (V.
v.  16.  Sept.  Art.  I.  ff.  Art.  II.)  1515.

Ausdehnung  des  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Koburg-Gotha
  über  die  gegenseitige  Gerichtsbarkeit  abgeschlossenen
  Vertrages  vom  11.  Juni  1858.  auf  Schleswig
  und  Holstein  (Minist.  Erkl.  v.  28.  Sept.)  1795
bis  1796.

4)  Ver-
        <pb n="108" />
        Solstein  [Herzogthum],  (Forts.)

4)  Verhältnisse  der  Beamten.

Verfahren  bei  Anstellung,  Entlafsung  und  Pensionirung
  von  Justiz=  und  anderen  Staatsbeamten  in  dem
mit  Preußen  vereinigten  Herzogthum  Holstein  (A.  E.
b.  17.  Janr.)  31.  —  besondere  Bestimmungen  über  die
Unstellung  der  Justizbeamten  (V.  v.  8.  Febr.)  209.  —
Penfionsansprüche  der  Civilbeamten  (V.  v.  6.  Mai)
713.  —  Vereidigung  der  Beamten  (V.  v.  22.  Janr.)
132—135.

Anderweitige  Einrichtung  des  Amtskautionswesens
(V.  v.  12.  Sept.)  1513—1514.

Allgemeine  Regelung  der  Staatsdiener-Verhältnisse
(V.  v.  23.  Sept.)  1619—  1620.

Einführung  der  Preußischen  Disziplinargesetze  in
Betreff  der  Beamten  (V.  v.  23.  Sept.)  1613—1618.

Heranziehung  der  Staatsdiener  zu  den  Kommunal=Abgaben
  (V.  v.  23.  Sept.)  1648—1651.

5)  Zoll-,  Steuer=  und  Stempelsachen.

Einführung  des  Vereins-Zolltarifs  in  Holstein  und
Schleswig  (V.  v.  18.  April)  497—500.

Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
  der  direkten  Steuern  (V.  v.  28.  April)  543—548.
(A.  E.  v.  22.  Sept.)  1644.

Besteucrung  des  Branntweins  (V.  v.  11.  Mai)
633—651.  —  des  Braumalzes  (V.  v.  11.  Mai)  652
bis  660.  —  des  Tabacks  (V.  v.  11.  Mai)  661—  666.
—  Besteuerung  des  im  Inlande  erzeugten  Rübenzuckers
(V.  v.  24.  Juni)  918.

Erhebung  einer  Salzabgabe  (V.  v.  9.  Aug.)  1327
bis  1328.

Erhebung  der  Erbschaftsabgabe  (V.  v.  5.  Juli
S#.  1.  ff.  S.  12.  a;  K.  13.)  1120.

Einführung  des  Zollgesetzes,  der  Zollordnung  und
des  Zollstrafgesetzes  vom  23.  Januar  1838.  (V.  v.
9.  Juli)  1265—1267.

Bestimmungen  über  das  Verfahren  in  Untersuchungen
wegen  Zuwiderbandlungen  gegen  die  Zollgesetze  (Ordn.
v.  29.  Juli)  1270—1276.

Exekutivische  Beitreidung  der  direlten  und  indirekten
Steuern  und  anderer  öffentlicber  Abgaben  und  Gefälle,
Kosten  2c.  Seitens  der  Verwaltungsbehörden  (V.  v.
72.  Sept.  S#.  1.  ff.  S.  11.)  1553.

Erhebung  der  Stempelsteuer  (V.  v.  7.  Aug.)  1277
bis  1307.

Stempelsteuer  für  Spielkarten,  Fabrikation  und
Verkauf  derselben  (V.  v.  4.  Juli)  1057—  1062.  —
Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli)  1063  —  1066.  —  Zeitungsstempel
  (V.  v.  4.  Juli)  1066—1067.  —  Kalenderstempel
  (V.  v.  5.  Juli)  1068—1069.

Sachregister.
Holstein  [Herzogthum],  (Vortf.)

1867.

Bestellung  eines  Provinzial-Steuerdirektors  (A.  E.
v.  24.  Aug.)  1360.

6)  Handel  und  Gewerbe,  Schiffahrt.

Einführung  der  Bankordnung  vom  5.  Oktober  1846.
und  des  dieselbe  ergänzenden  Gesetzes  vom  7.  Mai  1856.
(V.  v.  17.  Janr.)  32.

Einführung  der  allgemeinen  Deutschen  Wechfelordnung
  (V.  v.  13.  Mai)  669—699.

Einführung  des  allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuchs
  (V.  v.  5.  Juli)  1133—1157.

Aufbebung  der  Beschränkungen  des  Zinssatzes  (G.
v.  18.  März)  387.

Außer-  und  Wiederinkurssetzung,  desgl.  Umschreibung
  der  Papiere  auf  Inhaber  (V.  v.  16.  Aug.)
1457—1461.  .

Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung
  an  jeden  Inhaber  enthalten  (V.  v.  17.  Sept.)
1518—1519.

Bestimmungen  über  die  Kommanditgesellschaften  auf
Aktien  (V.  v.  24.  Aug.)  1645—1646.

Bestimmungen  über  die  Ertheilung  von  Erkindungsund
  Einführungs-Patenten  (V.  v.  24.  Juni)  1113—1118.

Beschäftigung  jugendlicher  Arbeiter  in  den  Fabriken
(V.  v.  22.  Sept.)  1572.

Bestimmungen  über  den  Betrieb  stehender  Gewerbe
(V.  v.  23.  Sept.)  1641—1644.

Bestimmung  über  die  Küstenfrachtfahrt  (V.  v.
9.  Mai)  701.

Aufhebung  der  Schiffahrtsabgabe  (A.  E.  v.  17.  Sept.)
667.

7)  Telegraphen  und  Eisenbahnen.

Verschmelzung  des  Telegraphenwesens  mit  der  Preubischen
  Telegraphenverwaltung  (A.  E.  v.  4.  Febr.)  208.

Das  Eisenbahnwesen  wird  dem  Ressort  des  Handels-Ministeriums
  zugewiesen  (A.  E.  v.  9.  März)  396.

Einführung  des  Gesetzes  vom  3.  November  1838.
über  die  Eisendahn-Unternehmungen,  und  der  Verordnung
vom  21.  Dezember  1846.  über  die  bei  dem  Bau  von
Eisenbahnen  beschäftigten  Handarbeiter  (V.  v.  19.  Aug.)
1426.

Besteuerung  der  Eisenbabnen  (V.  v.  22.  Sept.)
1639—1640.

8)  Verwaltungs-Angelegenheiten.
Organisation  der  Forstverwaltung,  Prüfung  und
Anfstellung  der  Forstbeamten  (V.  v.  4.  Juli)  1129.
Verordnung  über  die  Polizeiverwaltung  (v.  20.  Seyt.)
1529—1533.
9)  Geist-
        <pb n="109" />
        Sachregister.

Holsteln  (Herzogthum],  (Forts.)

9  Geistliche,  Unterrichts=  und  Medizinal-Angelegenhbeiten.


Prüfung  der  Schulamts-Kandibaten,  Zusammensetzung
  der  wissenschaftlicben  Prüfungs-Kommissionen
(V.  v.  13.  März)  395.

Kompetenz  des  Ministers  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten
  in  Betreff  der  Unterrichts--  und  Medizinal-Verwaltung
  (V.  v.  13.  Mail  667.

Lruemmung  der  jüdischen  Geistlichen  (A.  E.  v.
24.  Juni)  130

iiut  eines  Provinzial=  Schulkollegiums  u#nd
Medizinal-Kollegiums  für  Holstein  und  Schleswig  (V.
d.  22.  Sept.)  1570.

Errichtung  eines
für  Schleswig  und  Holstein  in  Kiel  V.  v.  24.  Sept.)
1669.

Ti  nt  **  4

Aufhebung  der  den  Studirenben  aus  Holstein  und
Schleswig  obliegenben  Verpflichtung  zu  einem  zweijährigen
  Studium  auf  der  Universität  in  Kiel  (A.  E.
v.  17.  Sept.)  1743.

Einfübrung  des  Preußischen  Medizinalgewichts  (V.
v.  12.  Aug.)  1357.

10)  Staats=  und  Kommunal-Angelegenbeiten.


Verwaltung  und  Verwendung  der  zum  Staatseigenthum
  gehörigen  Aktivkapitalienfonds  (V.  v.  5.  Juli)
1072.

Wahl  der  Abgcordneten  zum  Preußischen  Landtage
(G.  v.  17.  Mai)  1481.  —  Bezeichnung  der  direkten
Steuern,  nach  denen  die  Urwähler  in  drei  Abtheilungen
getheilt  werden,  Feststellung  der  Wahblbezirke  (V.  v.
14.  Sept.)  1482—1495.

Provinzialständische  Verfassung  (V.  v.  22.  Sept.)
1581—1586

Orgenisation  der  Kreis=  und  Distriktsbehörden,

sowie  der  Kreisvertretung  (V.  v.  22.  Sept.)  1587—1602.

Laudgemeinde-Verfassung  (V.  v.  23.  Sept.)  1603
bis  1610.

Verpflichtung  der  Stadtgemeinden  zur  Besetzung  der
besoldeten  städtischen  Unterbeamtenstellen  mit  versorgungsberechtigten
  Militair--Invaliden  (A.  E.  v.  22.  Sept.)
1667.

11)  Sonstige  Bestimmungen.

Feststellung  des  Finanz-Etats  für  das  Jahr  1867.
(V.  v.  17.  Janr.)  108—118.

Bestimmungen  über  die  Publikation  der  Gesetze
und  anderer  landesherrlichen  Erlasse  (V.  v.  29.  Janr.)
139.

Bildung  von  Genosienschaften  zu  Entwässerungsund
  Bewässerungs-Anlagen  (V.  v.  28.  Mai)  769.

Johrgang  1867.

1867.  57
Holstein  /Herzogtbum!],  (Fortl.)

Priratrechtliche  Stellung  der  Erwerbs=  und  Wirthschafts-Genossenschaften
  (V.  v.  22.  Sept.)  1634.

Heimathsrechte  der  außerhalb  Schleswig  und  Holslein
  geborenen,  mit  ihren  Eltern  in  Schleswig  eingewanderten
  Personen-  (V.  v.  5.  Juli)  1132.

Verwaltung  und  Veräußerlichkeit  der  Domainen
und  Regalien  (V.  v.  5.  Juli)  1182—1183.

Einer  Bestätigung  der  ertheilten  Bestallungen,  Privilegien
  2c.  bei  eintretendem  Wechsel  in  der  Person  des
Landesherrn  soll  es  nicht  ferner  bedürfen  (A.  E.  v.
19.  Juli)  1262.

Verorhmung  über  das  Münzwesen  (v.  24.  Aug.)

1427.—1429.
Veroc  dnung  über  das  Rechnungswesen  (v.  31.  Aug.)

1442—1444.

Bestimmungen  Uber  das  Zeitungskautionswesen  (V.
v.  26  Sept.)  164  —  1044.
olzabgaben,  Ablösung  dersee  den  in  dem  vormaligen

aegayen,  Hessen  (V.  v.  13.  Wai  F.  15.)  720.

Holzberechtigungen  (Holzuutzungen)  #er  Einwohner
des  Oberharzes,  Regulirung  derselben  (V.  v.  14.  Sept.)
1621—1632.

Holzdiebstahl,  Strafe  und  Strafderfahren  in  ben
neuen  Vandestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  D.)  922.
—  Ansatz  der  Gerichtskosten  V.  v.  30.  Aug.  C  3.)
1412.  —  Gebühren  der  Rechtsanwalte  (ebend.  S.  17.

Holzkohlen,  s.  Kohlen.

Homberg  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kaßel
(V.  v.  22.  Febr.  §K.  3.  Nr.  6.)  274

Homburg  (Amt),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Wiesbaden
  und  zwar  zum  Ober-Taunuzskreise  (V.  v.  22.  Febr.
K.  2.  Nr.  3;  K.  4.  Nr.  10;  K.  9.)  273.

Auphebung  der  Schlacht.,  Fleisch=  und  Mehl-Aceise
in  dem  Amte  Homburg  (A.  E.  v.  I.  Juni)  799.

Bestimmungen  über  den  Betrieb  stehender  Gewerbe
im  Amtsbezirk  Homburg  (V.  v.  9.  Aug.)  1441.

Homburg  (Stadt),  ist  die  Kreisstadt  des  Ober-Taunus-Kreises
  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  22.  Febr.
K.  4.  Nr.  10.)  275.

Organisation  der  Justizpflege  in  Homburg  (A.  E.
v.  5.  Nov.  66.  Nr.  VIII.)  490.  (A.  E.  v.  1.  April)  495.
Bestimmung  über  das  Spielen  an  der  dortigen
Spielbank  (V.  v.  25.  Juni  Art.  V.)  925.
Frankfurt--Homburger  Eisenbabn,  s.  Eisenbahnen
Nr.  18.
Hötensleben  (Provinz  Sachsen),  s.  Chausseen  Nr.  22.

Höxter  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  30.
h  Hus-
        <pb n="110" />
        53.

Hundestener,  Aufhebung  derselben  als  Staatssteuer  in
den  J  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Sept.)  1

Hfeld  (Kreis),  i  zum  Regierungsbezirk  Kassel

22.  Febr.  K.  3.  Nr.  17.)  274.

KSnnarb  s,  ein  Heirathskonsens  der  Bergbehörde
ist  für  die  Höttenarbeiter  in  den  neuen  Landestheilen
nicht  mehr  erforderlich  (A.  E.  v.  24.  Juni)  1111.

Hüttenwesen,  die  obere  Leitung  des  Bergwesens,  einschließlich
  der  Hütten  in  den  neuerworbenen  Landestheilen
Hannover  2c.,  wird  dem  Ministerium  für  Handel  2c.  überwiesen
  (A.  E.  v.  16.  Febr.)  228.

Genehmigung  des  zweiten  Statut-Nachtrages  der
Arenbergschen  Aktiengesellschaft  für  Bergbau  und  Hüttenbetrieb
  in  Essen  (Bek.  v.  23.  März)  397

Hütungsgerechtigkeitein  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum
  Hessen,  Ablösung  derselben  (V.  v.  13.  Mai
.  1.  ff.  35.)  716.

Hypothekenämter,  Verlegung  des  Hypothekenamtes
zu  Meisenheim  nach  Simmern  (A.  E.  v.  15.  Juli)
1243—1244.

Hypothekenbanken,  Genehmigung  eines  Nachtrages
zu  dem  Statut  der  Pommerschen  Hypotheken-Aktienbank
in  Cöslin  (Bek.  v.  4.  Dez.)  1904.

Hypothekensachen,  Ansatz  der  Gerichtskosten  für
Eintragungen  in  das  Generalwährschafts=  und  Hypotbekenbuch,
  desgl.  für  Löschungen,  Ausfertigungen  2c.  in
Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(V.  v.  30.  Aug.  I#.  11.  8.  A.  Nr.  4.)  1390.

s.  auch  Schuld=  und  Pfandprokokoll,  besgl.
Stockbuch.

J.

Jadegebiet,,  Genehmigung  der  Kammern  zu  den  drei
Verordnungen  vom  6.  Januar  1866.  wegen  der  Salzsteuer
  und  wegen  der  Besteuerung  des  Branntweins
(Bek.  v.  28.  März)  550.  —  Anderweitige  Bestimmung
über  die  Besteuerung  des  Branntweins  (G.  v.  2.  Aug.)
1309.

Besteuerung  des  Braumalzes  im  Jadegebiet  (V.  v.

26.  Juli)  1263.

Besteuerung  der  Spielbanken  (G.  v.  23.  Dez.  K.  25.)

1925.

Der  Jadehafen  ist  Bundes-Kriegshafen  (Verf.  v.

24.  Juni  Art.  53.)  832

Sachregister.

1867.

Jaad,  Ausübung  des  Jagdrechts  und  der  Jagdpolizei
im  vormaligen  Herzogthum  Nassau  G.  v.  30.  Mäcz)
426—843.

Vergaltng  der  Jagden  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  4.  Juli  K.  1.)  1129

Jaadbeamte  in  den  neuen  Landestheilen,  Befugniß  derselben
  zum  Waffengebrauch  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  F.)
923.  —  Strase  der  Widersetllchkeit  gegen  dieselben
(ebend.  Art.  II.  E.)  923.

Jagdpolizei  in  den  neuen  Landestheilen,  die  darauf
bezüglichen  Strafbestimmungen  bleiben  in  Kraft  (V.  v.
25.  Juni  Art.  VI.  Nr.  1.)  926

Jagdvergehen  in  den  neuen  Landestheilen,  Verfabren,
wenn  der  Angeklagte  ein  Recht  zu  der  von  ihm  begangenen
  Handlung  zu  haben  behauptet  (Str.  P.  O.  F.  486.)
1045.  —  Strafe  der  Widersetzlichkeit  gegen  Jagdbeamte
(V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  E.)  923.

Jahresliste  der  Geschworenen  in  den  neuen  Landestheilen
(Str.  P.  O.  S.  284—  286.)  999.

Jahrmärkte,  Besuch  derselben  in  Schleswig  und  Holstein
  (V.  v.  23.  Sept.  K.  7.)  1641.

Indigenat,  gemeinsames  Indigenat  für  das  Gebiet  des
Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  3.)  819.

Jnkompetenz,  s.  Unzuständigkeit.

Innungen,  s.  Zünfte.

Insinnation  der  Erkenntnisse  und  Verfügungen  der
Gerichte  in  Civilprozessen  in  den  neuen  Landestheilen
Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  K.  41.)  896.

Insinuation  gerichtlicher  Urtheile,  Beschlüsse  und
Verfügungen  in  Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.  S§.  193.
bis  203.  267.  370.  466.  507.)  979.

Insterburg  (Provinz  Preußen),  Ausfertigung  von  Obligationen
  des  Insterburger  Kreises  II.  Emission  im  Betrage
  von  38,600  Rthlrn.  zu  5  Prozent  (Priv.  v.
18.  Nov.)  1906—1909.  —  f.  auch  Chausseen  Nr.  3.

Invaliden,  s.  Militair-Invaliden.

Inventarium,  Stempel  zu  Inventarien  in  Schleswig
und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  85.)  1305.  (V.  v.
30.  Aug.  §.  15.B.)  1377.  —  besgl.  in  Kurhessen  und
den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.
K.  16.)  1395.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals
Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.
.  18.  B.)  1408.

Irrenaustalt  in  Schwetz,  Verwaltung  und  Unterhaltung
derselben  (Regl.  v.  11.  Sept.  S.  2.  Nr.  2.  a;  §.  7.
15.  16.  25.  a;  8.  30.)  1709.

In-
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        Sachregister.

Inden,  Ernennung  der  jödischen  Geistlichen  in  Schleswig
und  Holstein  (A.  E.  v.  24.  Juni)  1308.

Gebühren  der  jüdischen  Kultusbeamten  für  ihre  Zuziehung
  bei  Eidesleistungen  in  Schleswig,  Holstein,  Kurbessen,
  Rassau  r2c.  (Regul.  v.  30.  Aug.  S.  5.  A.)  1383.
(V.  v.  30.  Aug.  S.  17.)  1378.  (V.  v.  30.  Aug.  F.  18.)
1395.  (V.  v.  30.  Aug.  F.  20.)  1408.  —  desgl.  in  Hannoder
  und  Frankfurt  a.  M.  in  Strafsachen  (V.  v.  30.  Aug.
§.  27.)  1420.

Gegen  Juden  ist  die  Vollstreckung  der  administrativen
Exekution  am  Sabbath  und  an  jädischen  Festtagen  in
den  neuen  Landestheilen  unzulässig  (V.  v.  22.  Sept.
S.  7.)  1556.

Schließung  jüdischer  Ehen  im  vormaligen  Königreich
Hannover  (V.  v.  29.  Sept.  F.  12.)  1687.

Jugendliche  Verbrecher,  Kompetenz  und  Verfahren  der
Gerichte  in  den  neuen  Landestheilen  in  Untersuchungen
gegen  jugendliche  Personen  (Str.  P.  O.  S.  13.  C;  §.
320—345.)  936.

Einsperrung  jugendlicher  Verbrecher  aus  Westpreußen
in  die  Besserungsanstalt  zu  Graudenz  (Regl.  v.  11.  Sept.
S.  3.  Nr.  3;  J.  9.  Nr.  4.  lit  b.)  1710.

Jülich  (Rheinprovinz),  Verleihung  der  Rheinischen  Städte-Orbnung
  an  die  Gemeinde  Jülich  (A.  E.  v.  19.  Aug.)
1367.

Jurisdiktion,  /.  Gerichtsbarkeit.

Juristische  Personen,  die  Krankenkassen  für  die  Bergleute
  in  Nassau  erlangen  durch  die  Bestätigung  ihrer
Statuten  die  Eigenschaft  juristischer  Personen  (V.  v.
22.  Febr.  Art.  V.)  238

Gerichtsstand  der  juristischen  Personen  in  den  neuen
Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni
+  93.  911.

Juristische  Prüfungen  in  Schleswig  und  Holstein  (V.
v.  26.  Juni  §.  37.  38.)  1081.  —  desgl.  in  Kurhessen
und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.
Juni  §.  30.  31.)  1091.  —  desgl.  in  Nassau  und  den
vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.
26.  Juni  §#.  29.  30.)  1100.

Prüfungen  zu  den  höheren  Staatsämtern  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  S.  2.)  1620.

Instizbeamte,  Anstellung  derselben  in  den  vormals
Bayerischen  Lanbgerichtsbezirken  Orb,  Weyhers  und  Hilders
  (A.  E.  v.  22.  Dez.  66.  Schlußsatz)  7.

Allgemeine  Bestimmungen  über  das  Verfahren  bei  Anstellung,
  Entlaffung  und  Pensionirung  der  Justizbeamten  in
den  neuen  Landestheilen  (A.  E.  v.  17.  Janr.)  31.  (V.  v.
8.  Febr.)  209.  —  Besondere  Bestimmungen  über  die  Qualifkkation
  und  Ernennung  der  Justizbeamten  in  Schleswig

1867.  59
Justizbeamte,  (Fortf.)
und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  S.  37—39.  3—  49.)
1081.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  S#§.  30—34.)  1091.
—  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  8§.  29—33.)

Diäten,  Reisekosten  und  Kommissionsgebühren  der
Justizbeamten  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  d.  30.  Aug.
K.  1.)  1369.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals
Baherischen  Gebietstheilen  (U.  v.  30.  Aug.  F.  1.)  1385.
—  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Gebietslheilen  (V.  v.  30.  Aug.  S.  1.)  1399.

Justiz.Minister,  Kompetenz  desselben  in  Beziehung  auf
die  Justizverwaltung  in  den  Herzegthümern  Holstein  und
Schleswig  (V.  v.  28.  Janr.)  140.  (V.  v.  26.  Juni
S.  23.  31.  34.  37.  39.  52.)  1078.  —  desgl.  in  Kurheffen
  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.
v.  26.  Juni  8.  12.  27.  28.  30.  32.  34.  35.  37.)  1088.
—  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  §#.  12.  26.
27.  29.  31—34.  36.)  1097.

Befugnisse  des  Justiz-Ministers  in  Beziehung  auf  das
Ober-Appellationsgericht  in  Berlin  (V.  v.  27.  Juni
SK.  6.  7.  10.  12.  13.  17.)  1105.

In  welchen  Fällen  der  Justiz-Minister  kompetent  ist
zur  Verfügung  auf  Beschwerden  in  Civilprozessen  in  den
neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni
6.  85.)  907.  —  desgl.  zur  Verfügung  auf  Beschwerden
in  Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.  F.  413.)  1088.  —
Sonstige  Befugnisse  des  Justiz-Ministers  in  Untersuchungssachen
  (Str.  P.  O.  S&amp;amp;#.  17.  32.  33.  269.  272.  392.
406.)  936.  —  Aufsicht  desselben  über  die  Verwaltung
der  Gefängnisse  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XIII.)  928.

Befugnisse  des  Justiz  =  Ministers  in  Beziehung  auf
handelsgerichtliche  Angelegenheiten  in  Holstein  und  Schleswig
  (V.  v.  5.  Juli  9§.  10.  66.  90.)  1136.

Befugnisse  desselben  in  Beziehung  auf  das  Stempelwesen
  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals
Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli  §.  4.)  1194.
—  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.
K.  4.)  1280.

Justizverwaltung,  in  den  an  Preußen  abgetretenen
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (A.  E.  v.  22.  Dez.
66.)  6—  7.  —  insbesondere  in  der  Enklave  Kaulsdorf
(V.  v.  22.  Mai)  729.

Justizverwaltung  in  den  Herzogthümern  Holstein
und  Schleswig  (G.  v.  28.  Janr.)  140

Trennung  der  Rechtspflege  von  der  Verwaltung  in
Rassau  (V.  v.  22.  Febr.  K.  12.)  277.

"“  Or-
        <pb n="112" />
        60

Justizverwaltung,  (Forts.)

Organisation  der  Justizpflege  in  den  an  Preußen
abgetretenen  Theilen  der  Provinz  Oberhessen  (A.  E.  v.
5.  Rov.  66.)  400.  —  desgl.  in  der  ehemaligen  Lanbgrafschaft
Hessen-Somburg  (A.  E.  v.  1.  April)  495.  —  insbesondere
  in  dem  Oberamt  Meisenheim  (V.  v.  13.  Mai)  700.

Justizverwaltung  in  den  Nordbeutschen  Staaten,
Bilbung  eines  dauernden  Ausschusses  im  Bundesrathe
l  das  Justizwesen  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  8.  Nr.  6.)

*5  :½  auch  Gerichtsverfassung.
Justizverweigerung,  Verfahren  wenn  in  einem  Staate
des  Norddeutschen  Bundes  ein  solcher  Fall  eintritt  (Verf.
v.  24.  Juni  Art.  7  J.)  839.
Jnwelen,  Gewicht  für  Juwelen  in  den  ehemals  Baherrischen
  Gebletstheilen  (V.  v.  5.  Juli  K.  5.)  1131.

K.

Kalender,  Erhebung  einer  Stempelsteuer  von  Kalendern
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  5.  Juli)  1068.  1069.

Kalkulaturgebühren,  Anweisung  der  Büreaubeamten
bei  den  Kreis=  und  Amtsgerichten  in  Schleswig  und
Holstein  auf  die  Kalkulaturgebühren  (V.  v.  30.  Aug.
8.  3.)  1370.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals
Bayerischen  Gebietstbeilen  (V.  v.  30.  Aug.  .  J.)  1386.
—  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hesfischen
  Gebietstbeilen  (V.  v.  30.  Aug.  F.  4.)  1400

Kammergericht,  Kompetenz  desselben  für  die  in  den
neuerworbenen  Landestheilen  begangenen  Staatsverbrechen
(V.  v.  23.  Mai)  703.  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XII.
Nr.  2.)  928.  —  Gegen  die  Entscheidungen  desselben  gehen
die  Rechtsmittel  und  Beschwerden  an  das  Ober-Tribunal
(V.  v.  27.  Juni  K.  2.  Nr.  II.)  1004.

Kanalabgaben  für  das  Befahren  des  Saarkanals  (A.
E.  u.  Tarif  v.  6.  Mai)  613—616.  —  desgl.  für  das
Befahren  des  Bromberger  Kanals  (A.  E.  u.  Tarif  v.
9.  Sept.)  1573—  1576..  —  desgl.  für  das  Befahren  der
Wasserstraßen  zwischen  der  Oder  und  Elbe  (A.  E.  u.
Tarif  v.  9.  Sept.)  1577—1580.

Exekutivische  Beitreibung  der  Kanalabgaben  in  den

neuen  Landestbeilen  (V.  v.  22.  Sept.  S.  1.  Nr.  1.  lit.  b.)
1553.

Kanäle,  s.  Wasserstraßen.

Kapitalien,  Verwaltung  der  in  den  neuen  Landeslheilen
vorhandenen,  zum  Staatseigenthum  gehörigen  Akiiv-Kapitaliensonds
  (V.  v.  5.  Juli)  1072.  —  l.  Staatsgelder



Sachregister.

1867.

Karalene  (Provinz  Preußen),  s.  Chausseen  Nr.  3.

Karrenstrafe,,  an  deren  Stelle  tritt  in  den  neuen  Landestheilen
  Zuchthausstrafe  (V.  v.  25.  Juni  Art.  IX.)
927.  -

Karten,  Anfertigung  und  Berichtigung  der  Karken  von
den  zur  Zahlung  der  Grundsteuer  verpflichteten  Liegenschaften
  (G.  v.  8.  Febr.  S§##  15.  19.  32—39.  55.)  190.
—  auch  Spielkarten.

Kassel  (Regierungsbezirk),  Bildung  defselben  (V.  v.  22.
Febr.  SK.  1.  3.)  273.

Besteuerung  des  Branntweins  im  Regierungsbezirk
Kassel  (V.  v.  11.  Mai)  633—651.  —  Besteuerung  des
Braumalzes  (V.  v.  11.  Mai)  653—  660.  —  Erhebung
der  Steuer  vom  inländischen  Taback  (V.  v.  11.  Mai)
661—666.

Bestimmungen  über  das  Diensteinkommen  der  Volksschl
  bre  im  Regierungsbezirk  Kassel  (V.  v.  29.  Jul)
124

Ablosung  der  Serdituten,  Theilung  der  Gemeinschaften
  und  Zusammenlegung  der  Grundstücke  (V.  v.
2.  Sept.)  1463—  1464.

Kreisverfassung  im  Gebiete  des  Regierungsbezirks
Kassel  (V.  v.  9.  Sept.)  1473—  1480.  —  Kommunalständische
  Verfassung  (V.  v.  20.  Sept.)  1537—  1545.—
Verfahren  bei  den  Wahlen  zum  Kommunallandtage
(V.  v.  20.  Sept.)  1546  —  1550.  —  Verwaltung  des
Kurhessischen  Staatsschatzes  durch  den  kommunalständischen
Verband  des  Regierungsbezirks  (A.  E.  v.  16.  Sept.)  1528.

Stempelabgabe  von  Konzessionen,  Ausfertigungen  2c.
(A.  E.  v.  17.  Sept.)  1651—1652.

Kassel  (Kreis),  Stadikreis  und  Landkreis  Kassel  (V.  v.
22.  Febr.  F.  3.  Nr.  1.  2.)  274.

Kassel  (Stadt),  Einsetzung  einer  Königl.  Eisenbahndirektion
  in  Kassel  (A.  E.  v.  15.  Dez.  66.)  5.  (Bestät.  Urk.
v.  18.  Febr.  Nachtrag  .  2.)  369.  (A.  C.  v.  13.  März)
376.

Kompetenz  des  Ober-Appellationsgerichts  zu  Kassel
in  den  Justiz-Angelegenheiten  aus  den  vormals  Baherischen
  Landgerichtsbezirken  Orb,  Weybers  und  Hilders
(A.  E.  v.  22.  Dez.  66.  Nr.  6.  u.  7.)  7.  —  desgl.  in
Theilungs=  und  Absindungs-Prozessen  (V.  v.  13.  Mai
F.  30.)  725.  —  Aufbebung  des  Ober-Appellationsgerichts
in  Kassel  (V.  v.  27.  Juni  K.  2.  Nr.  II;  K.  16.)  1105.

Anstellung  eines  Provinzial-Steuerdirektors  in
Kassel  (A.  E.  v.  8.  Febr.)  204.  —  Vereinigung  des
Kreises  Weßlar  in  Beziehung  auf  Zölle  und  Steuern
mit  dem  Verwaltungsbezirk  des  Provinzial-Steuerdirektors
  in  Kassel  (A.  E.  v.  21.  Okt.)  1825.

Kassel  wird  s  Regierungsbezirks  (V.  v.
22.  Febr.  K.  1.)  27

In
        <pb n="113" />
        Sachre  giste  r.  1867.  61

Kassel  [Stabt],  (Forts.)

In  Kassel  soll  eine  General-Kommission  errichtet
werden  (V.  v.  13.  Mai  K.  29.)  725.

Ausbdehnung  der  Wirksamkeit  der  General-Brandkasse
in  Kassel  auf  die  Bezirke  Gersfeld,  Orb  und  Vöhl  (V.
v.  1.  Juni)  800.

Errichtung  einer  Ober-Postdirektion  in  Kassel  (A.
E.  v.  8.  April)  847.

Der  Ober-Berg=  und  Salzwerks-Direktion  in  Kassel
werden  die  Befugnisse  eines  Oberbergamts  beigelegt  (V.
v.  24.  Juni  Art.  1I.)  884.

Errichtung  eines  Provinzial-Schulkollegiums  und
eines  Medizinal-Kollegiums  in  Kassel  (V.  v.  22.  Sept.
K.  1.)  1570.

Kassen,  Stempelfreiheit  der  öffentlichen  Kassen  in  Hannover,
  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Landestbeilen
  (V.  v.  19.  Juli  §.  4.  a.)  1193.  —  desgl.  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  F.  4.  a.)  1279.

Kassenanweisungen,  Anwendung  der  darüber  ergangenen
  Bestimmungen  in  den  neuen  Landestheilen  (V.
v.  24.  Aug.  F.  6.)  142.

Kassendefekte,  Fesisetzung  und  Ersatz  der  bei  Kassen
und  anderen  Verwaltungen  vorkommenden  Defekte  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  §.  1.  Nr.  8.)
1620.

Kattenau  (Provinz.  Preußen),  s.  Chausseen  Nr.  7.

Kattenauer  Bruch  (Provinz  Preußen),  Entwässerungsverband
  (Statut  v.  24.  Aug.)  1699—  1708.

Kauffahrteischiffe  des  Norbdeutschen  Bundes,  gleichmäßige
  Behandlung  derselben  (Verf.  v.  24.  Juni  Art  54.)
832.  —  Flagge  derselben  (ebend.  Art.  55.)  833.—  .
auch  Seeschiffe.

Kaufgelder,  Anfatz  der  Gerichtskosten  und  Gebühren
für  die  Vertheilung  der  Kaufgelder  bei  Subhastationen
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  30.  Aug.  K.  Z.  A.
Nr.  4.  und  lit.  C.)  1371.  —  desgl.  in  Kurbessen  und
den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Ang.
K.  8.  A.  Nr.  5.  und  lit.  C.  K.  22.)  1388.

Kaufgeschäfte  in  Handelssachen  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  5.  Juli  S#.  51—55.)  1144.

Kaufvertrag,  Stempel  zu  Kaufoerträgen  in  Hannober,
Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  19.  Juli  K.  14.)  1197.  (Tarif  v.  19.  JZuli
Nr.  1.  und  29.)  1204.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
  (V.  v.  7.  Aug.  F.  14.)  1283.  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  28.)  1292.

Kaulsdorf  (Enklave)  tritt  hinsichtlich  der  indirekten
Abgaben  unter  die  Verwaltung  des  General-Inspektors
des  Zoll=  und  Handelsvereins  der  Thüringischen  Staaten
(A.  E.  v.  8.  Febr.)  204.

Kaulsdorf  [Enklavel,  (Forts.)

Einführung  der  Preußischen  Gesetze  in  der  Enklave
Kaulsdorf,  dieselbe  wird  dem  Bezirk  des  Kreisgerichts
zu  Erfurt  und  des  Appellationsgerichts  zu  Naumburg
einverleibt  (V.  v.  22.  Mai)  729.

Die  Enklave  Kaulsdorf  gehört  in  bergamtlicher  Beziehung
  zu  dem  Oberbergamt  in  Halle  a.  d.  S.  (V.  v.
24.  Juni  Art.  I.)  884.

Kaution  für  die  Prozeßkosten  in  Kurhessen,  Nassau  2c.
(V.  v.  24.  Juni  K.  96.)  912.

Befreiung  von  der  Untersuchungshaft  gegen  Kaution
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  J§.  115.  bis
120.)  861.

Bestimmung  über  die  Bestellung  der  Zeitungs-Kautionen
  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  B.  Nr.  3.)  922.
(V.  v.  26.  Sept.)  1663—1664.

Bestellung  einer  Kaution  von  Seiten  der  Spielkarten-Fabrikanten
  (G.  v.  23.  Dez.  #P.  6.  u.  7.)  1922.

Stempel  zu  Kautions-Instrumenten  in  den  neuen
Landestheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  12.)  1206.  (Tarif
v.  7.  Aug.  Nr.  11.)  1290.

(  auch  Amtskautionen,  Zeitungskautionen.

Kettenstrafe,  an  deren  Stelle  tritt  in  den  neuen  Lanbestheilen
  Zuchthausstrafe  (V.  v.  25.  Juni  Art.  IX.)
927.  "

Kiel  (Holstein),  der  Kieler  Hafen  ist  Bundes-Kriegshafen
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  53.)  832.

Aufhebung  der  akabemischen  Gerichtsbarkeit  der
Universität  in  Kiel  (V.  v.  26.  Juni  K.  8.)  1074.  —
Disziplinarstrafgewalt  derselben  (A.  E.  v.  22.  Nov.)  1902.
—  Aufhebung  der  den  Studirenden  aus  den  Herzogthümern
  Holstein  und  Schleswig  obliegenden  Verbflichtung
  zu  einem  zweijäbrigen  Studium  auf  der  Universität
  in  Kiel  (A.  E.  v.  17.  Sept.)  1733.

Errichtung  eines  Provinzial-Schulkollegiums  und
eines  Medizinal-Kollegiums  in  Kiel  (V.  v.  22.  Sept.
F.  1.)  1570.  -

Errichtungeinesevangelisch-lutherischeaKonsistoriums
  in  Kiel  (V.  v.  24.  Sept.)  1699—1670.

Eisenbahn  von  Altona  nach  Kiel,  s.  Eisenbahnen.
Nr.  2.

Kinder  (Deszendenten),  Erziehungsgelder  für  die  Kinder
der  im  Kriege  gebliebenen  oder  später  an  ihren  Wunden
verstorbenen  Militairpersonen  und  unteren  Militairbeamten
  (G.  v.  9.  Febr.  S.  4—6.)  218.  —  desgl.  für
die  Kinder  der  Offiziere  und  oberen  Militairbeamten
(ebend.  K.  5.)  219.

Ver-
        <pb n="114" />
        62  Sachregister.  1867.

Kinder  [Deszendenten],  (Forts.)
Vertretungsverbindlichzeit  des  Vaters  für  die  don
seinen  Kindern  begangenen  Steuerdefraudationen  in  den
neuerworbenen  bandcstheilen  (V.  v.  11.  Mai  K.  66.)
649.  (V.  v.  11.  Mai  #.  34.)  658.  (V.  v.  11.  Mai
s.  20.)  664.  —  f.  Vertretungsberbindlichkeit.
Penfonsansprüche  der  Kinder  verstorbener  Beamten
in  den  Awserworbenen.  Landestheilen  (V.  v.  6.  Mai
5.)  7
*  cuorn  Fällen  Kinder  des  Erblassers  in  den
neuen  Landestheilen  eine  Erbschaftsabgabe  zu  entrichten
haben  (Tarif  v.  5.  Juli  B.  a.  u.  b:  Nr.  2.  lit  b.)  1126.
Vernehmung  der  Kinder  cines  Angeschuldigten
als  Zeugen  bei  Untersuchungen  in  den  neuen  Lanbestheilen
  (Str.  P.  O.  A#  155.  161.  Nr.  7.  u.
4;  F.  243.  501.)  970.  —  desgl.  als  Sachverstänbige
  (ebend.  S#.  172.  186.  169.)  974.  —  Zulassung
berselben  als  Vertheidiger  (ebend.  .  205.  Nr.  4.)  981.
—  Kinder  des  Beschuldigten  dürfen  in  der  Untersuchung
nicht  als  Richter,  Gerichtsschreiber  oder  Geschworene
miwirin  (ebend.  §.  24.  Nr.  1;  §.  25.  Nr.  1;  §.  295.)

Einsperrung  ungerathener  Kinder  in  die  Besserungsanstalt
  zu  Graudenz  (Regl.  v.  11.  Sept.  F.  3.  Nr.  5.)
1710.

Legitimation  unehelicher  Kinder,  s.  Legitimation.

Kindesmord,  in  den  neuen  Landestheilen,  Untersuchung
der  Leiche  des  Kindes  (Str.  P.  O.  F.  181.)  976.

Kirchen,  Legate  an  Kirchen  find  in  den  neuen  Landestheilen
  von  der  Erbschaftsabgabe  befrelt  (Tarif  v.  5.  Juli
Nr.  2.  e.)  1127.

Stempelfrriheit  der  Kircken  in  Hannover,  Kurhessen,
Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.
v.  19.  Juli  K.  4.  c.)  1193.  —  desgl.  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  #.  7.  Aug.  .  4.  c.)  1279.

Kirchendiener,  Befreiung  derselben  von  den  Koumunalauflagen
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  F.  1.

3;  66.  10.  11.)  1648.

Kirchenzeugnisse,  s.  Taufschein,  Todtenschein,
Trauungsa  test.

Kirchhain  (Kr#is),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kassel
(V.  v.  22.  Fetr.  §.  3.  Nr.  13.)  274.

Kirchlengern  (Westphalen),  #.  Chausseen  Nr.  31.

Kirchspielsvogte  in  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  F.  4.)
1588.  —  können  jederzeit  mit  Wartegeld  in  den  Ruhestand
  versetzt  werden  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Klage,  Verjährung  der  Klagen  gen  Mitleen  einer
Genossenschaft  (G.  v.  27.  März  §§.  38.  51—53.)  511.
—  .  auch  Privatklage,  Prozeß.

Klagebeantwortung  in  Civilprozessen  in  den  neuen
Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  rc.  (V.  v.  24.  Juni
S#,  4.  6—15.  76.  100.)  887.

Klafssenstener,  Einführung  derselben  an  Stelle  der
Mahl=  und  Schlachtsteuer  in  Wittstock  (G.  v.  28.  Janr.)
172.

Einführung  der  Klassensteuer  in  dem  vormaligen
Königreich  Hannover  (V.  v.  28.  April)  533—538.  —
desgl.  im  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.  28.  April)
538—543.  —  desgl.  in  den  Herzogthümern  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  28.  April)  543—548.  —  desgl.  in
Nassau  und  den  Großherzoglich  Hessischen  Landestheilen
(V.  v.  11.  Mai)  593—599.  —  desgl.  in  dem  Hessen-Homburgischen
  Oberamtsbezirk  Meisenheim  (V.  v.  4.  Juni)
761  —764.  —  desgl.  in  den  vormals  Bayerischen  Gedietstheilen
  der  Bezirke  Gersfeld  und  Orb  (V.  v.  24.  Juni)

2—846.

Abstandnahme  von  einer  anderweitigen  Veranlagung
der  Klassensteuer  in  den  neuen  Landestheilen  für  das
Jahr  1868.  (A.  E.  v.  22.  Sept.)  1644.

Exekutivische  Beitreibung  der  Klassensteuer  in  den
neuen  Landestheilen  im  administrativen  Verfahren  (V.
v.  22.  Sept.  F.  1.  Nr.  1.  a.)  1553.

Kleidungsstücke,  unentbehrliche,  find  von  der  Pfanbung
wegen  rückständiger  Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c.  in  den
neuen  Landestheilen  ausgeschlossen  (V.  v.  22.  Sept.
K.  13.  a.)  1557.

Klosterfelder  Meliorations=  Sozietät  im  Kreise  Arnswalde
  (Stat.  v.  8.  April)  552-—560.

Kuappschaften,  Gründung  eines  allgemeinen  Knappschaftsvereins
  für  das  Gebiet  des  vormaligen  Herzogthums
  Nassau  (V.  v.  22.  Febr.  Art.  V.  VIII.)  238.—
Bestimmung  über  die  Knappschaftsvereine  in  dem  vormaligen
  Königreich  Hannover  (V.  v.  S.  Mai  Art.  X.)
603.  —  desgl.  in  Kurhessen,  Frankfurt  a.  M.  und  den
vormals  Bayerischen  Landestheilen  (V.  v.  1.  Juni
Art.  IX.)  772.

Knochen,  Strafe  für  das  unbefugte  Graben  und  Sammeln
  von  Knochen  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
25.  Juni  Art.  III.  S.  1.  Nr.  7.)  924.

Kodizill,  Stempel  zu  Kodizillen  in  Hannover  (V.  v.
5.  Juli  S.  14.)  1125.  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  14.)
1206.  —  deögl.  in  Kurhessen,  Rassau  und  den  vormals
Baherischen  Gebletstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  14.)
1206.  —  ferner  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.
7.  Aug.  Nr.  13.)  1290.

Koblen,  Regulirung  der  Kohlennutzungen  der  Einwohner
des  Oberharzes  (V.  v.  14.  Sept.  §F.  1  —  8.  38.  43
bis  46.)  1621.

Ko-
        <pb n="115" />
        Sachregister.

Kobarden  für  die  Truppen  des  Norddeutschen  Bundes,
Bestimmung  derselben  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  63.)  835.

Kolonisation,  die  Bestimmungen  darüber  unterliegen
in  den  Norddeutschen  Staaten  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung
  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  1.)
819.  «

S  844  SAEAAA.

K  in  Schleswig  und  Holstein,
  Eintragung  der  ihnen  zugehörigen  Grundstücke,  Rechte
und  Forderungen  in  das  Schuld=  und  Pfandprotokoll
(V.  v.  5.  Juli  S&amp;amp;#.  31—34.)  1140.  —  Konkurs  über
das  Vermögen  einer  Kommanditgesellschaft  (ebend.  S#.  35.
bis  37.)  1141.  —  Eintragung  der  schon  bestehenden
Kommanditgesellschaften  in  das  Handelsregister  (ebend.
S.  85.  86.)  1151.

144

S#c=  4

auf  Aktien  in  Schleswig
  und  bolstein,  Eintragung  der  ihnen  zugehoͤrigen
Grundstücke,  Rechte  und  Forderungen  in  das  Schuldund
  Pfandprotokoll  (V.  v.  5.  Juli  S#.  31—34.)  1140.
—  Konkurs  über  das  Vermägen  einer  solchen  Gesellschaft
  (ebend.  §##  35—37.)  1141.  —  Errichtung  einer
Kommanditgesellschaft  auf  Aktien  (ebend.  S.  38.)  1142.
—  Strafbestimmungen  gegen  die  Mitglieder  derselben
(ebend.  §.  39.)  1142.  —  Sonstige  Bestimmungen  (ebend.
#.  56.  85.)  1144.

Verordnung  über  die  Kommanditgesellschaften  auf
Aktien  in  den  neuen  Landestheilen  (v.  24.  Aug.)  1645
bis  1646.

Kommisslonsgebühren  der  Justizbeamten  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  30.  Aug.  F.  1.)  1369.  —
desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebiekstheilen
  (V.  v.  30.  Aug.  K.  1.)  1385.  —  desgl.  in
Nassau  und  den  vormals  hergoglc  Hessischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  30.  Aug.  F.  1.)  1399

Vergütung  der  Diäten  und  Reisekoten  für  kommissarische
  Geschäfte  der  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  23.  Sept.  K.  1.  Nr.  2.)  1619.

Kommunalabgaben,  s.  Gemeindeabgaben,  desgl.

Abgaben.

Kommnnaldienste  ,  Befreiung  der  Beamten,  Geistlichen,
  Lehrer  #c.  in  den  neuen  Landestheilen  von  Leistung
der  Kommunaldienste  (V.  v.  23.  Sept.  .  10.)  1650.

Kommunallandtag  im  Regierungsbezirk  Kassel,  Zusammensetzung,
  Befugnisse  und  Verhandlungen  desselben
(V.  v.  20.  Sept.  S#  1  —  30.)  1537.  —  Befugnisse
desselben  in  Beziehung  auf  die  Kreisstände  (V.  v.  9.  Sept.
5.  3.)  1473.

Kommunallandtag  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden
(V.  v.  26.  Sept.)  1659—1663.  (V.  v.  26.  Sept.  &amp;amp;.  3.)
1653.

1867.  63

Kommunalständische  Verfassung  im  Regierungsbezirk
Kassel  (V.  v.  20.  Sept.)  1537—1545.  —  desgl.  im
Regierungsbezirk  Wiesbaden  mit  Ausschluß  von  Frankfurt
  a.  M.  (V.  v.  26.  Sept.)  1659—  1663.

Kompetenz  der  Gerichte,  s.  Zuständigkeit.

Kompetenz-Konflikte  zwischen  verschiedenen  Kreisund
  Amtzgerichten  in  Schleswig  und  Holstein,  Entscheidung
  derselben  (V.  v.  26.  Juni  §.  25.  III.  Nr.  1.)
1079.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  §.  14.  III.  Nr.  1.)
1088.  —  deegl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
  bOnrllchen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni
F.  14.  1I.  Nr.  1.)  1098.

Entscheidung  der  Kompetenz-Konflikte  zwischen  berschiedenen
  Appellationsgerichten  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  27.  Juni  F.  2.  I.  Nr.  3  a.)  1104.

Behandlung  der  Kompetenz-Konflikte  zwischen  den
Gerichten  und  Verwaltungsbehörden  in  den  neuen  Lanbestheilen
  (V.  v.  16.  Sept.  Art.  III.  IX.)  1515.

Konfirmation,  s.  Bestätigung.

Konflskation  von  Seiten  der  Untersuchungsbehördem.
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  K.  107.)  959.
—  besondere  Bestimmung  für  Hannover  (W.  v.  25.  Juni
Art.  XV.  .  1.)  929.

Konfiskation  bei  Zollbefraudationen  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  29.  Juli  F.  3.)  1266.  (V.  v.  29.
S.  3.)  1269.  (Ordn.  v.  29.  Juli  S§.  20.  22.)

Konfiskation  bei  Salzabgabe-Dekraudationen  (G.  v.
9.  Aug.  F.  5.)  1318.  (V.  v.  9.  Aug.  S##.  11.  12.)  1323.

Konfiskation  von  Spielkarten  unk,,  den  zur  Anfertigung
  derselben  bestimmten  Geräthsch##ften  (G.  v.  23.  Dez.
IS§.  12.  15—17.)  1923.

Konflikte  bei  gerichtlichen  Berfolgungen  von  Amtsund
  Diensthandlungen  in  ven  neuen  Landestheilen  (V.
v.  16.  Sept.  Art.  IV.)  1516.

König,  Seine  Wojeai  der  König  von  Preußen  hat  den
Oberbefehl  2c.  ö##er  die  Kriegsmarine  des  Norddeutschen
Bundes  (Ver“.  v.  24.  Juni  Art.  53.)  832.  —  ist  Bundesfeldherrr
  der  gesammten  Landmacht  des  Bundes  (ebend.
Art.  83.)  835.  —  Der  Krone  Preußen  steht  das  Präsidtum
  des  Bundes  zu  (ebend.  Art.  11.)  823.

Königliches  Haus,  Vernehmung  der  Mitglieder  des
Königlichen  Hauses  als  Zeugen  in  Untersuchungen  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  F.  166.)  973.

Gerichtsstand  derselben  in  Schleswig  und  Holstein

(V.  v.  26.  Juni  K.  7.)  1074.  —  desgl.  in  Kurhessen.

und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.

Juni  F.  26.)  1091.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals

  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstyeilen  (V.  v.
26.  Juni  F.  25.)  1100.

Stem-
        <pb n="116" />
        64

Königliches  Haus,  (Fortl.)

Stempelfreiheit  derselben  in  Hannover,  Kurhessen,
Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.
v.  19.  Juli  §.  4.)  1194.  —  desgl.  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  F.  4.)  1280.

Königsberg  (in  Preußen),  Ermäßigung  der  Schiffahrts-Abgaben
  in  der  Stadt  Königsberg  (A.  C.  v.  13.  Mai)  704.

Maaßregeln  zur  Abhülfe  des  dort  herrschenden  Nothstandes
  (G.  v.  23.  Dez.)  1929—1931.

Konkurs  (Konkursverfahren),  Konkurs  der  Genossenschaften
  (G.  v.  27.  März  &amp;amp;###  11.  33.  35.  36.  47.  50.
52.)  505.  —  insbes.  in  Hannover  (V.  v.  12.  Juli  K.  5.)
1190.  —  desgl.  in  Kurhessen,  Nassau,  Frankfurt  a.  M.
und  den  vormals  Bayerischen  und  Großherzoglich  Hessischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  12.  Aug.  F.  4.)  1450.  —
desgl.  in  Holstein  und  Schleswig  (V.  v.  22.  Sept.  §.  4.)
1634.—

Konkursverfahren  über  Bergwerkseigenthum  in
dem  ehemaligen  Herzogthum  Nassau  (V.  v.  22.  Febr.
Ar#rt.  XIII.  XIV.)  240.  —  desgl.  in  dem  ehemaligen
Königreich  Hannover  (V.  v.  8.  Mai  Art.  VI.)  602.

Konkurs  über  das  Vermögen  einer  Handels=  oder
Kommandit=  oder  Aktiengesellschaft  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  5.  Juli  SK.  35—37.)  1141.  —  desgl.
über  das  Vermögen  eines  Rheders  (ebend.  K.  79.)  1149.

Allgemeine  Bestimmung  über  das  Konkursverfahren
in  den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  k.  (V.  v.
24.  Juni  K.  89.)  909.

In  welchen  Fällen  gegen  solche  Personen,  über  deren
Vermögen  Konkurs  eröffnet  worden,  die  Vollstreckung  des
Wechselarrestes  unzulässig  ist  und  zwar  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  13.  Mai  F.  2.  Nr.  4.)  669.  —  deögl.
in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.  13.  Mai
5  .  2.  Nr.  4.)  737.  —  desgl.  in  Nassau  (V.  v.  5.  Juli
5.  2.)  1110.  .

Personen,  die  in  Konkurs  verfallen  sind,  können  in
den  neuen  Landestheilen  nicht  Geschworene  sein  (Str.  P.
O.  §F.  276  Nr.  10.)  997.  —  können  in  Schleswig  und
Holstein  nicht  als  Handelsmäkler  zugelassen  werden  (V.
v.  5.  Juli  K.  25.)  1139.

Anfatz  der  Gerichtskosten  und  Gebühren  der  Rechtsanwalte
  in  Konkurssachen  in  Holstein  und  Schleswig
(V.  v.  30.  Aug.  .  7.  9.  20—  22.)  1370.  —  desgl.  in
Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(V.  v.  30.  Aug.  I#.  7.  9.  21—23.)  1386.  —  desgl.
in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen
Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  IStz.  8.  10.  23—25.)  1400.

Konftstorium,  Errichtung  eines  evangelischen  Konfistoriums
  in  Wiesbaden  (V.  v.  22.  Sept.)  1569.  —  desgl.
in  Kiel  (V.  v.  24.  Sept.)  1669—  1670.  —  Konsislorien
in  Frankfurt  a.  M.  (edend.  S.  3.)  1569.

Sachregister.  1867.

Konsolidatlon  der  Güter  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden
  (V.  v.  2.  Sept.)  1462.

Konsulatgebühren,  Ermäßigung  derselben  in  sämmtlichen
  Europäischen  Häfen  (A.  E.  v.  24.  Juni)  1071.
Konsuln  (Landeskonsuln),  die  Landeskonsulate  sollen  aufgeboben
  und  statt  deren  Bundeskonsulate  eingerichtet
werden  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  56.)  833.  —  f.  Bundeskonfuln.



Befugniß  der  Preußischen  Konsuln  in  Schiffahrtsangelegenheiten
  von  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
5.  Juli  S.  62.)  1146.

Konsumvereine,  s.  Genossenschaften.

Kontnomöhle  (Provinz  Posen),  Bildung  einer  Genossenschaft
  zur  Entwässerung  der  Grundstücke  oberhalb
der  Kontnomühle  im  Kreise  Mogilno  (Statut  v.  23.  Sept.)
1756—1758.

Kontrebande,  s.  Zolldefraudationen.

Kontumazial-Erkenntnisse  in  Civilprozessen  in
Kurhessen,  Rassau  r.  (V.  v.  24.  Juni  §#l.  10.  41.
Nr.  3;  .  49.  67.  76.)  888.  —  Kontumazialverfahren
(ebend.  S#  #  10.  12.  21.  26.  27.  54.  86.)  888.

Kontumazialverfahren  in  Untersuchungssachen  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  §#&amp;amp;#.  348.  349.  214.
219.  461.)  1013.  —  Ansatz  der  Gerichtskosten  (V.  v.
30.  Aug.  §.  11.)  1415.

Konzession  zum  Betriebe  eines  Gewerbes,  s.  Gewerbekongession.


Korn,Gewicht  und  Eintheilung  des  Kornes  in  den  ehemals
  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  5.  Juli  §.  3.)
1130.

Körperverletzung,  Verfahren  der  Gerichte  in  den
neuen  Landestheilen  in  Untersuchungen  wegen  Käörperverletzunggen
  (Str.  P.  O.  K.  448.)  1037.  —  desgl.  bei
Privatklagen  (ebend.  S.  487.  Nr.  1;  S§  488  —  510.)
1045.

Korporationen,  Gerichtsstand  derselben  in  Kurhessen,
Nassau  2c.  (V.  24.  Juni  §.  93.)  911.

Der  provinzialständische  Verband  für  Hannover  hat
die  Rechte  einer  Korporation  (V.  v.  22.  Aug.  K.  1.)
1349.  —  desgl.  der  provinzialständische  Verband  für
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  K.  1.)  1581.
—  ferner  der  kommunalständische  Verband  des  Regierungsbezirks
  Kassel  (V.  v.  20.  Sept.  §.  1.)  1537.  —
desgl.  des  Regierungsbezirks  Wiesbaden  (V.  v.  26.  Sept.
K.  1.)  1659.  —  ferner  der  kreisständische  Verband  im
Regierungsbezirk  Kassel  (V.  v.  9.  Sept.  &amp;amp;.  1.)  1473.—
desgl.  in  der  Probinz  Hannover  (V.  v.  12.  Sept.  §.  8.)
1498.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
22.  Sept.  S.  5.)  1588.  —  desgl.  im  Regierungsbezirk
Wiesbaden  (V.  v.  26.  Sept.  5.  1.)  1653.

Jebe
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        Sachregister.  1867.  65

Korporationen,  (Fortf.)
Jede  Landgemeinde  in  Schleswig  und  Holstein  bildet
  eine  Korporation  (V.  v.  22.  Sept.  &amp;amp;.  6.)  1605.
Die  Landschaften  in  Hannover  bilden  besondere
Korporationen  (V.  v.  22.  Sept.  F.  1.)  1635.

Korrigendenwesen  in  Westpreußen  (Regl.  v.  11.  Sept.)
1709—1730.

Kosten  für  die  Veranlogung  der  Grundstcuer,  Uebernahme
derselben  auf  die  Staatskasse  (G.  v.  7.  Janr.)  26.  —
Kosten  für  die  Untervertheilung  und  anderweitige  Feststellung
  der  Grundsteuer  (G.  v.  8.  Febr.  .  30.  31.)
196.  —  Kosten  für  die  Fortschreibung  der  Flurbücher  und
Mutterrollen  (ebend.  &amp;amp;#.  38.  55.)  199.

Kosten  des  Untersuchungsverfahrens  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  S#§.  438  —  444.  461.  483).
1035.  —  Kosten  bei  Privatklagen  (ebend.  §#.  492.  509.
510.)  1016.  —  Kosten  in  Untersuchungen  wegen  Zollbefraudationen
  (Ordn.  v.  29.  Juli  &amp;amp;#.  9.  19.)  1272.

Kosten  für  die  Führung  der  Handels=  und  Schiffsregister
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  K.  100.)
1156.

Kosten  der  Rechtspflege  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  26.  Juni  F.  2.)  1073.

Kosten  der  Polizeiverwaltung  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  20.  Sept.  S.  3.)  1530.

Exekutivische  Beitreibung  der  von  den  Verwaltungsund
  Auseinandersetzungsbehörden  in  den  neuen  Landestheilen
  festgesetzten  Kosten  (V.  v.  22.  Sept.  S.  1.  Nr.  5.)
1554.  —  Ansatz  der  Kosten  für  diese  administrative  “*v
kution  (ebend.  &amp;amp;.  35.  u.  Tarif)  1565.

Kostenpunkt  in  Civilprozessen  in  Kurhessen,  Nassau  rc.
(V.  u.  24.  Juni  8§.  49.  62.  67.)  898.

Kostenvorschuß  bei  Privatklagen  auf  Untersuchung
und  Bestrafung  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
+.  492.)  1016.  —  Erstattung  des  Vorschusses  (V.  v.
30.  Aug.  &amp;amp;.  16.)  1416.

Krahngelder,  exekutivische  Beitreibung  derselben  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  F.  1.  Nr.  1.  lit.  b.)
1553.

Kranke,  Verträge  unter  den  Deutschen  Bundesstaaten
über  die  Verpflegung  erkrankter  Personen  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  3.)  819.

Vernehmung  kranker  Personen,  Zeugen  und  Sachverständigen
  in  ihrer  Wohnung  bei  Untersuchungen  in
den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  S§.  143.  224.  225.
246.  Nr.  2.)  967.

Aufnahme  kranker  Personen  in  das  Landkrankenhaus
  zu  Schwetz  (Regl.  v.  11.  Sept.  K.  4.)  1711.

Jahrgang  1897.

Krankenhäuser,  Befreiung  derselben  von  Entrichtung
einer  Erbschaftsabgabe  in  den  neuen  Landestheilen  (Tarif
v.  5.  Juli  Nr.  2..)  1127.  —  Stempelfreibeit  derselben
(V.  v.  19.  Juli  K.  4.  c.)  1193.  (V.  v.  7.  Aug.  K.  4c.)
1279.

Krankenkassen,  Einrichtung  von  Kranfenkassen  für  die
Bergleute  in  dem  ehemaligen  Herzogthum  Nassau  (V.  v
22.  Febr.  Art.  V.  VIII.)  288.

Kreditgeben  an  Minderjährige,  Strafbestimmung  für
die  neuen  Landestheile  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  C.)
922.

Kreditvereine  (Kredit.  Institute),  Verpflichtung  derselben
zur  Hülfeleistung  behufs  Feststellung,  der  Grundsseuer
(G.  v.  8.  Febr.  §.  29.)  195.

Stempelfreiheit  der  Kredit  -Institute  in  Hannover,
Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstbeilen
  (V.  v.  19.  Juli  8.  4.  lit.  b.)  1193.  —
desgl.  in  Schleswig,  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  K.  4.
lit.  b.)  1279.

Abänderung  des  Statuts  für  den  landschaftlichen
Kreditverein  in  der  Provinz  Sachsen  (A.  E.  v.  2.  Aug.)
1344.—

Vertbeilung  des  eigenthümlichen  Fonds  des  landschaftlichen
  Kreditvereins  der  Provinz  Posen  (A.  E.  b.
14.  Nov.)  1824

s.  auch  Genossenschaften.

Kreis  6  issi  in  Westpreußen  (Regl.  v.
11.  Sept.  S#.  19.  32.  33.)  1714.  (Anweisung  v.  11.
Sept.)  1721—1727.

Kreisgerichte,  Einrichtung  und  Zuständigkeit  derselben
in  Schleswig  und  Holstein  (VW.  v.  26.  Juni  ##.  20.  bis
23.  34.)  1077.  —  desgl.  in  Kurbessen  und  den  vormals
Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  S#  9—12.
27.)  1087.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni
S.  9.—12.  26.)  1096

Kreisgerichtsdirektoren  in  Schleswig  und  Holstein,
Ernennung  derselben  (V.  v.  26.  Juni  #.  39.  20.)
1082.  —  deögl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (V.  b.  26.  Juni  &amp;amp;#.  9.  32.)  1087.  —
desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Grohherzoglich  Hessischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  ISF.  9.  31.)  1096.

Kreisbauptmann,  Ernennung  und  Befugnisse  sselden
in  der  Provinz  Hannover  (V.  v.  12.  Sept.  §#.  6.
11.  27.  30.  31.  35.  36.)  1498.

Kreishauptleute  können  jederzeit  mit  Wartegeld  in
den  Ruhestand  versetzt  werden  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)
1617.

 

i  Krels.
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        66

Kreisobligationen,  s.  Adelnau,  Creutzburg,
Danzig  (Landkreis),  Pr.  Eylau,  Freistadt,  Pr.
Holland,  Insterburg,  Labiau,  Meserit,
Namslau,  Osterode,  Ratibor,  Stallupönen.

Kreisrichter  in  Schleswig  und  Holstein,  Ernennung
derselben  (V.  v.  26.  Juni  8.  39.)  1082.  —  desgl.  in
Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstbeilen
(V.  v.  26.  Juni  F.  32.)  1092.  —  desgl.  in  Rassau
und  den  vormals  Großberzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  F.  31.)  1101.

Kreisstände  im  Regierungsbezirl  Kassel  (V.  v.  9.  Sept.
&amp;amp;&amp;amp;.  1—6.  30.)  1473.  —  desgl.  in  der  Provinz  Hannoder
  (V.  v.  12.  Sept.  S###  8—  13.  20.  34.)  1498.  —
desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.
&amp;amp;  —–0  18.  36.)  1588.  —  desgl.  im  Regierungsbezirk
  Wiesbaden  (V.  v.  26.  Sept.  I&amp;amp;.  1—6.  24.)
1653.

Kreisstatut  für  die  Kreisstände  im  Regierungsbezirk
Kassel  (V.  v.  9.  Sept.  &amp;amp;#  3.  13.  15.  17.)  1473.  —
desgl.  in  der  Provinz  Hannover  (V.  v.  12.  Sept.  #.  10.
16.  19.  20.)  1498.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  22.  Sept.  §#.  7.  12.  17.  18.  20.  28.)  1588.
(V.  d.  22.  Sept.  §.  29.)  1610.  —  desgl.  im  Regierungsbezirk
  Wiesbaden  (V.  v.  26.  Sept.  S.  3.  9.  10.)
1653.

Kreistage  im  Regierungsbezirk  Kassel  (V.  v.  9.  Sept.
&amp;amp;  2.  7—  13.  23—30.  32.)  1473.  —  deögl.  in  der
Provinz  Hannover  (V.  v.  12.  Sept.  &amp;amp;.  5.  9.  14—20.
27—34.  36.)  1498.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
  (V.  v.  22.  Sept.  §§.  1.  6.  11.  14.  17.  18.  27.
29—33.  36.)  1587.

Befugnisse  derselben  in  Beziehung  auf  die  Verfassung
und  Verwaltung  der  dortigen  Landgemeinten  (V.  v.  22.
Sept.  #  1.  2.  d.  9.  16.  21.  24.  30.)  1603.  —  Kreistage
  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (B.  v.  26.  Sept.
SK.  2.  7—10.  15.  18—27.)  1653.

Kreisverfaffung  im  Gebiete  des  Regierungsbezirks
Kassel  (V.  v.  9.  Seft.)  1473—1480.  —  deogl.  in  der
Provinz  Hannover  (V.  v.  12.  Sept.)  1497—1508.  —
desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  22.  Sept.)  1587
bis  1602.  —  desgl.  im  Gebiete  des  Regierungsbezirks
Wiesbaden  (V.  v.  26.  Sept.)  1653—1659.

Kretzenhaus  (Rheinprovinz),  s.  Chausseen  Nr.  41.

Krieg,  Verleihung  von  Dotationen  als  Anerkennung  hervorragender
  Verdienste  im  Kriege  von  1866.  (G.  v.  28.
Dez.  65.)  25.

Krieg  zu  erklären  im  Namen  des  Norddeutschen
Bundes  ist  ein  Recht  des  Bundes-Präsidiums  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  11.)  823.

Sachreg  ister.

1867.

Kriegsslotte  des  Norddeutschen  Bundes,  Gründung  und
Erhaltung  derselben  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  53.)  832.

Kriegshafen  des  Norddeutschen  Bundes  sind  der  Kieler
und  der  Jadehafen  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  53.)  832.

Kriegsleistangen,  Einführung  der  darüber  geltenden
Bestimmungen  in  die  neuen  Landestheile  (V.  v.  22.  Sept.)
1632—  633.

Auseinandersetzung  der  Stadt  Frankfurt  a.  M.  mit
dem  Staate  in  Betreff  der  Kriegsleistungen  (A.  E.  v.
25.  Sept.)  1683.

Kriegsmarine  des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.
21.  Juni  Art.  4.  Nr.  14;  Art.  5.  und  53.)  820.  —
Die  Flagge  derselben  ist  schwarz-weiß-roth  (ebend.  Art.  55.)
833.  —  f.  auch  Marine.

Krlegsmaterial  des  Norddeutschen  Bundes,  soll  aufden
  Eisenbahnen  zu  ermäßigten  Preisen  befördert  werden
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  47.)  830.

Kriegsreserve  im  Gebiete  des  Norddeutschen  Bundes
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  59.)  834.

Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  einberufener
Reserve-Mannschaften  in  den  neuen  Landestheilen  (V.
v.  31.  Aug.)  1637.

Kriegswesen  des  Norddeutschen  Bundes,  s.  Bundeskriegswesen.


Kriegszustand,  Befugniß  des  Bundesfeldherrn,  einen
jeden  Theil  des  zum  Norddeutlchen  Bunde  gehörenden
Gebietes  in  den  Kriegszustand  zu  erklären  (Verf.  v.  24.
Juni  Art.  68.)  837.

Kriminalkosten  in  Schleswig  und  Holstein,  Tragung
berselben  (V.  v.  26.  Juni  S§.  2.  41.)  1073.

Kröben  (Posen),  s.  Chausseen  Nr.  20.

Kronanwalte  (Kron-Oberanwalt)  in  Hannover,  Disziplinarbefugnisse
  derselben  gegen  die  bei  den  Amtsgerichten
  angestellten  Gerichtsvoigte  (V.  v.  23.  Sept.
Art.  V.  F.  60.)  161  1.

Krotoschin  (Provinz  Posen),  Ausfertigung  von  Obligationen
  der  Stadt  Krotoschin  im  Betrage  von  40,000
Thalern  zu  5  Prozent  (Priv.  v.  5.  Julih  1251—1255.

Küchengeräth.  /.  Haußgeräth.

Kulm,  .  Culm.

Kunstgehülfen,  s.  Gehülfen.

Künstler,,  Verfahren  bei  Pfändung  derselben  wegen  rückständiger
  Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c.  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  K.  13.  e.)  1557.

Kunstsachen,  Abpfändung  und  Verkauf  derselben  zur
Beitreibung  rückständiger  Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c.
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  S§.  2.  c.)
1564.

Kur-
        <pb n="119" />
        Sachregister.

Kupferschiefer,  Mansfeldsche  Kupferschieser  bauende
Gewerkschaft  in  Eisleben,  Ausfertigung  neuer  Obligationen
  zweiter  Emission  im  Betrage  von  Einer  Million
Thalern  zu  4;  Prozent  (Priv.  v.  16.  Sept.)  1749  bis
1755.  "

Kurator  des  Beschulbigten,  darf  in  den  neuen  Landestheilen
  nicht  als  Richter,  Gerichtsschreiber  oder  Geschworener
  in  der  Untersuchung  mitwirken  (Str.  P.  O.
K.  24.  Nr.  1;  K.  295.)  938.

Ansatz  der  Gerichtskosten  für  die  Bestellung  von
Kuratoren  in  Schleswig  und  Holstein  (VU.  v.  30.  Aug.
+.  13.  A.  D.)  1376.  —  besgl.  in  Kurhessen  und  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.
K.  13.)  1393.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals
Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.
16.  A.  B.)  1406

Kurbessen,  s.  Hessen-Kassel.

Käüstenfrachtfahrt  in  den  Herzogthümern  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  9.  Mai)  701.  —  Bestimmungen  für
die  ähltenkahrpuge  daselbst  (V.  v.  5.  Juli  S§.  65.  68.)
1147

L.

Labian  (Provinz  Preußen),  Ausfertigung  von  Kreis-Odligationen
  des  Labiauer  Kreises  im  Betrage  von
152,000  Thalern  zu  fünf  Prozent  (Priv.  v.  27.  Nov.)
1935—1939.  —  s.  auch  Chausseen  Nr.  4.

Lahnkreis  (Ober=  und  Unter.),  gebört  zum  Regierungsbegirk
  Wiesbaben  (V.  v.  22.  Fehr.  K.  4.  Nr.  4.  5.)  275.

Landarmendtrektion  in  Graudenz  (Regl.  v.  11.  Sept.
.  17.  19.  22—35.  38—  42.)  1714.

Landarmenhaus  in  Graudenz  (Regul.  v.  17.  Okt.  26.)
1728—1730.

Landarmenwesen  in  Westpreußen  (Rehl.  v.  11.  Sept.)
1709—  1730.

Landdrost  und  Landdrostei  in  Hannover,  Diesziplinar-Befugnisse
  derselben  gegen  die  ihnen  untergeordneten  Beamten
  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  IV.)  1614.

Landesstagge,  s.  Flagge.
Landesgewicht,  s.  Gewicht.

Laudesökonomie=  Kondukteure  in  Hannover,
Prüäfung  derselben  durch  die  Generalkommission  (V.  v.
16.  Aug.  S.  1.)  1522.

1867.  67

Landesprodukten-Fabrik  zu  Loburg,  Genehmigung
des  revidirten  Statuts  (Bek.  v.  2.  Juli)  1112.

Landesverrath  gegen  den  Norddeutschen  Bund  (Verf.
v.  24.  Juni  Art.  75.)  838.

Beschlagnahme  des  Vermögens  bei  Untersuchungen
wegen  Landesverraths  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.
P.  O.  F.  107.)  959.

Landesverweisung  der  Ausländer  bei  Zollbefrau--dationen
  in  Holstein  und  Schleswig  (V.  v.  29.  Juli
K.  2.  Nr.  2.)  1266.  —  desgl.  in  Hannover,  Kurhessen,
Nassau  2c.  (V.  v.  29.  Juli  F.  2.  Nr.  1.)  1268.

Landgemeinde  =  Ordnung  für  Westphalen  vom
19.  März  1856,  Verleihung  derselben  an  die  Stadt-.
  gemeinde  Hallenberg  (.  E.  v.  25.  Febr.)  352.

ag  in  Holstein  und  Schleswig
  (#.  v.  22.  Sett.)  1603—  1610.

Landkranukenhaus  in  Schwetz,  Verwaltung  und  Unterbaltung
  desselben  (Regl.  v.  11.  Sept.  S.  2.  Nr.  2.  d;
W#.  4.  7.  15.  16.  25.  a;  S.  30.)  1710.

Landrath,  Befugnisse  desselben  bei  Feststellung  und  Erbebung
  der  Grundsteuer  (G.  v.  8.  Febr.  S#.  22.  24
34.  47.)  193.

Die  Landräthe  in  den  neuen  Landestheilen  find  als
Geschworene  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.  F.  276
Nr.  3.)  997.  —  Funktionen  derselben  bei  Anfertigung
der  Urlisten  (ebend.  &amp;amp;S#  278.  279.  281.)  998.  —  de3gl.
bei  der  Wahl  der  Schöffen  (ebend.  Anlage  K.  6.)  1051.

Ernennung  und  Funktionen  der  Landräthe  in  den
Regierungsbezirken  Kaffel  und  Wiesbaden  (V.  v.  22.  Febr.
I.  7—9.)  276.  —  Befugnisse  derselben  in  Beziehung
auf  die  Kreisstände  im  Regierungsbezirk  Kassel  (B.  v.
9.  Sept.  S#z.  4.  14.  18.  23.  26.  27.  31.  32.)  1473.  —
desgl.  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  26.  Sept.
&amp;amp;,  4.  13.  18.  25.)  1653.

Befugnisse  der  Landräthe  in  der  Provinz  Hannover
(V.  v.  12.  Sept.  K.  7.)  1498.  —  Die  Landräthe  in
Hannover  heißen  fortan  Landschaftsräthe  (V.  v.  22.  Sept.
#K.  2.)  1636.  —  f.  auch  Landdrost.

Ernennung,  Rechte  und  Pflichten  der  Landräthe  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  §#.  2.  3.  8.
14.  21.  22.  29.  32.  37.  38.)  1587.  —  Befugnisse
derselben  in  Beziehung  auf  die  Verfassung  und  Verwaltung
  der  dortigen  Landgemeinden  (V.  v.  22.  Sept.  6.  2.
4.  16.  20.  21.  27.  28.)  10604

Befugnisse  der  Landräthe  in  Westpreußen  in  Betreff
des  Armenwesens  (Anweis-  v.  11.  Sept.  S#  3  —  10.)
1721.

Landrecht,  Einführung  des  Allgemeinen  Landrechts
Th.  II.  Tit.  10.  A.  68.  ff.  über  die  Civilbeamten  in
die  neuen  Landestheile  (G.  v.  23.  Sept.  S.  1.  Nr.  1.)
1619.

i  Lands-
        <pb n="120" />
        68  Sachregister.
Landsberg  (Oberschlefien),  s.  Chausseen  Nr.  11.
Landschaften:

1)  in  Schlesien,  Abänderung  des  Regulativs  vom
11.  Mai  1849.  K.  4.,  betreffend  die  Abschätzung  des
durch  die  Schlesische  Landschaft  zu  beleihenden,  nicht
inkorporirten  Grundeigenthums  (A.  E.  v.  25.  Febr.)
392.

Erlöschen  der  Garantie  des  eigenthümlichen  Fonds
der  Schlesischen  Landschaft  für  die  neuen  landschaftlichen
  Pfandbriefe  (Bek.  v.  27.  März)  439.

Genehmigung  des  Revidirten  Regulativs  über  die
Beleibung  des  nicht  inkorporirten  ländlichen  Grundeigentbums
  (A.  E.  v.  22.  Nov.  u.  Regul.)  1876
bis  1901.

2)  in  Pommern,  Genchmigung  mehrerer  Zusätze  zu
dem  Nevidirten  Reglement  der  Pommerschen  Landschaft
vom  26.  Oktober  1857.  (A.  E.  vom  16.  Nov.)
1831—1832.

3)  in  Westpreußen,  Genehmigung  einiger  Zusätze  zu
dem  Westpreußischen  Landschafts  =  Reglement  vom
25.  Juni  1851.  (A.  E.  v.  7.  Dez.)  1918—1919.

4)  in  Hannover,  die  dortigen  Provinziallandschaften
heißen  fortan  Landschaft,  Einrichtung  derselben  (V.  v.
22.  Sept.)  1635—1636.

Landschaftsräthe  in  Hannover  (V.  v.  22.  Sept.  F.  2.)

1636.  '

Landschaftsstatute  in  Hannover  (V.  v.  22.  Sept.  F.  4.)
1636.

Landshut  (Schlesien),  Eisenbahn  nach  Schwadowitz  in
Oesterreich,  s.  Eisenbahnen  Nr.  22.

Landstraßen,  die  Bestimmungen  über  die  Herslellung
von  Landstraßen  in  den  Norddeutschen  Staaten  unterliegen
  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung  des  Bundes  (Verf.
v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  8.)  820.

Erhebung  des  Weges  von  Arnis  über  Faulück  bis
zur  Schleswig-Cappeler  Nebenlandstraße  bei  Buddelhoch
in  die  Klasse  der  Nebenlandstraßen  (V.  v.  26.  Juli)
1311.

s.  auch  Chausseen,  Wege.

Landstreicher  in  Westpreußen,  Einsperrung  derselben
in  die  Besserungsanstalt  zu  Graudenz  (Regl.  v.  11.  Sept.
K.  3.  Nr.  1;  S.  13.)  1710.

Landtag,  Einberufung  der  beiden  Häuser  des  Landtages
(V.  v.  18.  April)  489.  (V.  v.  7.  Nov.)  1797.

Gegen  Mitglieder  des  Landtages  ist  die  Vollstreckung
  des  Wechselarrestes  in  Schleswig  und  Holstein
unzulässig  (V.  v.  13.  Mai  K.  2.  Nr.  1.)  669.  —  desgl.
in  dem  Wu–b  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.  13.  Mai
§S.  2.  Nr.  1.)  737.  —  desgl.  in  Nassau  (V.  v.  5.  Juli
S.  2.  Rr.  i.)  1109.

1867.

Landtag,  (Fortf.)

Befreiung  der  Mitglieder  des  Landtages  in  den
neuen  Landestheilen  dom  Geschworenendienste  (Str.  P.  O.
§.  277.  Nr.  1.)  997.

Zahl  und  Wahl  der  Abgeordneten  in  den  neuen.
Landestheilen  (G.  v.  17.  Mai)  1481.  —  Feststellung  der
Wahlbezirke  (V.  v.  14.  Sept.)  1482—1495.

Landtags-Abgeordnete  für  den  Provinziallandtag
von  Hannover  (V.  v.  22.  Aug.  S#  3—9.  21.)  1349.  —
desgl.  von  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.
4,  3—  11.  23.)  1581.

Landtags-Kommissarius  für  den  Provinziallandtag
von  Hannover  (V.  v.  22.  Aug.  &amp;amp;##  11.  13.)  1354.  —
desgl.  von  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.
S.  13.  15.)  1584.  —  ferner  für  den  Kommunallandtag
in  Kassel  (V.  v.  20.  Sept.  G#  19.  21.)  1542.  —
desgl.  für  den  Kommunallandtag  in  Wiesbaden  (V.  v.
26.  Sept.  S#8g.  9—  11.)  1661.

Landtags-Marschall  des  Provinziallandtages  für
Hannover  (V.  v.  22.  Aug.  K.  10.)  1354.  —  desgl.  für
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  F.  12.)  1584.

Landwehr  im  Gebiete  des  Norddeutschen  Bundes,
Dienstzeit  und  Organisation  derselben  (Verf.  v.  24.  Juni
Artt.  59.  63.)  831.

Verfabren  gegen  ausgewanderte  Landwehrmänner
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  &amp;amp;#  475.  476.)
10.

Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  einberufener
Landwehrmannschaften  in  den  neuen  Landestheilen  (V.
v.  31.  Aug.)  1637.

Verhandlungen  und  Gesuche  wegen  Befreiung  von
den  Landwehrübungen  in  Schleswig  und  Holstein  sind
stempelfrei  (V.  v.  7.  Aug.  S.  3.  lit  b.)  1278.

Landwirtbe,  Vollstreckung  der  administrativen  Exekution
in  den  neuen  Landestheilen  gegen  Personen,  welche  Landwirthschaft
  betreiben,  wegen  rücksländiger  Abgaben,
Steuern,  Kosten  2c.  (V.  v.  22.  Sept.  §§.  7.  13.  h.
.  30.)  1556.

Landwirthschaftliche  Lehranstalten  in  den  neuen
Landestheilen,  die  Direktoren  derselben  können  jederzeit
mit  Wartegeld  in  den  Ruhestand  versetzt  werden  (V.  v.
23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Langen-Schwalbach  ist  die  Kreisstadt  des  Unter-Taunus-Kreises
  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.
22.  Febr.  K.  A.  Nr.  9.)  275.

Laub,  Strafbestimmung  in  den  neuen  Landestheilen  gegen
denjenigen,  welcher  von  Bäumen  oder  Hecken  Laub  abpflückt
  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  &amp;amp;.  2.  Nr.  1.)  924.

Lauenburg  (Herzogthum),  gehört  zum  Bundeögebiet
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  I.)  818.

La-
        <pb n="121" />
        Sachregister.

Eazarethgehülfen,  Pensionszulage  fuͤr  die  im  striege

verwundeten  und  verstümmelten  Lazarethgehülfen  (G.  v.

9.Febr.  S.  1.  2.)  217.  —  Unterstützung  ihrer  Wittwen
und  Kinder  (ebend.  &amp;amp;#.  3—6.)  217.
Lebensbedürfnisse,  die  nothwendigen  Lebensbedürf.
nisse  sind  von  der  Pfändung  wegen  rückständiger  Abgaben,
  Steuern,  Kosten  rc#.  in  den  neuen  Landestheilen
ausgeschlossen  (V.  v.  22.  Sept.  K.  13.  c.)  1557.
Lebens-Versicherungs-Gesellschaften:

1)  Nordstern  in  Berlim  Genehmigung  des  Statuts
(Bek.  d.  4.  Febr.)  208.

2)  Berlinische  Lebensversicherungs=  Gesellschaft,
Genehmigung  eines  Zusatzes  zu  Artikel  39.  der  Verfassung
  2c.  (Bek.  v.  29.  Nov.)  1903.

3)  Germania  in  Stettin,  Abänderung  der  Statuten
(Bek.  v.  15.  Juli)  1188.

Leer--Oldenburger  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen
Nr.  33.

Legalisation  von  Urkunden,  s.  Beglaubigung.

Legate,  Erbschaftsabgabe  von  Legaten  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  5.  Juli  IS#.  1.  ff.)  1120.

Legitimation,  Bebandlung  der  Gesuche  um  Legitimation
  unchelicher  Kinder  in  Schleswig  und  Holstein
(A.  E.  v.  4.  Mai)  632.  —  deögl.  in  Rassau,  Frankfurt
und  den  vormals  eheerzegich  Hessischen  Gebietstheilen
(A.  E.  v.  28.  Aug.)  1

ningh)2s  Beschlagnahme  derselben  im
Untersuchungsverfahren  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.
P.  O.  J.  106.)  959.

Lehusaufälle  in  den  neuen  Landestheilen,  Erhebung
der  davon  zu  entrichtenden  Erbschaftsabgabe  (V.  v.
5.  Juli  &amp;amp;.  1.  ff.,  K.  2.  lit.  e;  K.  4.)  1120.

Lehnsangelegenheiten,  Auflösung  des  Lehnsverbandes
  in  Alt-Vor--  und  Hinterpommern,  Abänderung
der  Lehnstaxe  (G.  v.  4.  März)  362—367.

Entbindung  der  Lehnspflichtigen  in  Hannover  von
der  Lehnserneuerung  in  Folge  der  Vereinigung  des
Landes  mit  Preußen  (A.  E.  v.  22.  Sept.)  1676.

Lebranstalten,  Direktoren  der  höheren  Lehranstalten
und  der  landwirthschaftlichen  Lehranstalten  in  den  neuen
Landestheilen  können  jederzeit  mit  Wartegeld  in  den
Ruhestand  versetzt  werden  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)
1617.

Lebrbrief  (Lehrkontrakt),  Stempel  zu  demselben  in
Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  30.  31.)  1209.  —
desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  29.  u.  30.)  1294.

1867.  69

Lehrer,  Volksschullebrer  in  den  neuen  Landestheilen  sind
als  Geschworene  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.  F.  276.
Nr.  6.)  997.  —  f.  Schullehrer.

Lehrlinge,  Befugniß  der  Gewerbetreibenden  im  vormaligen
  Königreich  Hannover  zur  Annahme  von  Lehrlingen
  (V.  v.  29.  März  F.  5.)  425.  —  desgl.  im
Amtsbezirke  Homburg  (V.  v.  9.  Aug.  F.  3.)  1441.
desgl.  in  Schleswig  und  Holseein  (V.  v.  23.  Sept.  K.  5)
1641.

Gerichtsstand  der  Lehrlinge  in  Alimenten-  und  Entschädigungs-Prozessen
  in  den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,
  Nassau  .  (V.  v.  24.  Juni  F.  95.)  911.

s.  auch  Handlungslehrlinge.

Lehrte  (Hannover),  Eisenbahn  von  Berlin  nach  Lehrte,
s.  Eisenbahnen  Nr.  9.

Leibrente,,  Berechnung  der  Erbschaftsabgabe  von  einer
Leibrente  in  den  neuen  Landeslbeilen  (V.  v.  5.  Juli
K.  3.  c.)  1121.  —  Berechnung  des  Stempels  von  einer
Veibrente  (V.  v.  19.  Juli  S.  2.  c.)  1192.  (VW.  v.  7.  Aug.
K.  2.  c.)  1278.  —  Stempel  zu  Leibrenten-Verträgen
(Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  32.)  1209.  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  31.)  1291.

Leibwäsche,  unentbehrliche  Leibwäsche  ist  von  der  Pfändung
  wegen  rückständiger  Abgaben,  Steuern,  Kosten  rc.
in  den  neuen  Landestheilen  ausgeschlossen  (V.  v.  22.  Sept.
5.  13.  a.)  1557.

Leichnam,  in  welchen  Fällen  zur  Beerdigung  desselben
in  den  neuen  Landestheilen  die  Erlaubniß  des  Staatsanwalts
  oder  des  Untersuchungsrichters  nothwendig  ist
(Str.  P.  O.  K.  174.)  975.  —  Verfahren  bei  Leicheneröffnungen
  (ebend.  &amp;amp;#.  63.  175.  181.)  919.  —  Erstattung
der  baaren  Auslagen  aus  dem  Nachlasse  (V.  v.  30.  Aug.
K.  15.)  1416.

Leinwand,  Strafbestimmung  in  den  neuen  Landestheilen
gegen  das  unbefugte  Ausbreiten  von  Leinwand  zum
Trocknen  oder  Bleichen  auf  Grasangern  und  Hecken  (V.
v.  25.  Juni  Art.  III.  S.  1.  Nr.  2.)  921.

Leipzig,  Magdeburg-Leipziger  Eisenbahn  und  Eisenbahn
von  Leipzig  nach  Zeitz,  s.  Eisenbahnen  Nr.  25.  und  23.

Lichtenau  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  28.

Liechtenstein  (Fürstenthum),  Staatsvertrag  zwischen
Preußen,  Bayern,  Sachsen  rc.,  betreffend  das  Ausscheiden
des  Kaiserthums  Oesterreich  und  des  JFürstenthums
Liechtenstein  aus  dem  Deutschen  Münzverein  (V.  v.
13.  Juni)  1801—1803.

Lieferungen,  Erzwingung  derselben  im  Wege  der
administrativen  Exekution  zur  Beitreibung  von  Steuern,
Abgaben,  Kosten  r.  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
22.  Sept.  §.  1.  Nr.  7;  S.  2.)  1554.  Be
        <pb n="122" />
        70

Liefernngen,  (Forts.)

Bestimmungen  über  die  Landlieferungen  in  den
neuen  Landestheilen  bei  eintretender  Mobilmachung  (V.
v.  22.  Sept.  &amp;amp;&amp;amp;.  1.  2.)  1632.

Lieferungsverträge,  Stempel  zu  denselben  in  Hannover,
Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  29.  d;  Nr.  33.)  1208.—
desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  28.  d;  Nr.  32.)  1293.

Lingen  (Grafschaf),  Bestimmung  über  die  bäuerlichen
Verhältnisse  in  der  niederen  Grafschaft  Lingen  (V.  v.
1.  Juni)  841.

Lippe  (Fürstenthum),  das  Thurn  und  Taxissche  Postwesen
  in  Lippe  geht  auf  den  Preußischen  Staat  über
(V.  v.  28.  Janr.  Art.  1.  Nr.  15.)  355.

Theilnahme  des  Fürstenthums  Lippe  am  Nordbeutschen
  Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —
dasselbe  führt  im  Bundesrath  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)

21.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Sachsen
  2c.,  betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums
Oesterreich  und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem
Deutschen  Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801—1803.

Lippeschiffahrts-Abgaben,  Aufhebung  derselben
(A.  E.  v.  20.  Sept.)  1744.

Liquidation  der  Genossenschaften  (G.  v.  27.  März
SS.  11.  38.  39—50.)  505.

Liquidationsprozeß,  Verfahren  in  den  neuen  Landestbeilen
  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  F.  89.)
909.

Liquidatoren  der  Genossenschaft  (G.  v.  27.  März
##  39—48.  50.  52.)  511.

Liquidatoren  bei  Aktiengesellschaften  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  K.  97.  Nr.  9.)  1155.

Lloypd,  Rhbeinisch=  Westphälischer  Lloyd,  Transportversicherungs-Aktiengesellschaft
  in  Gladbach  (Bek.  v.
3.  Juni)  792.

Loburg  (Provinz  Sachsen),  Genehmigung  des  revidirten
Statuts  der  in  Magdeburg  errichteten  Altiengesellschaft
„Landesproduktenfabrik  zu  Loburg“  (Bek.  v.  2.  Juli)
1112.

Löhne  (Westphalen),  #f.  Chausseen  Nr.  31.

Loth,  Gewicht  und  Eintheilung  desselben  in  den  ehemals
Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  5.  Juli  F.  3.)  1130.
Lotterie,  Strafbestimmung  für  die  neuen  Landestheile
über  das  Spielen  in  auswärtigen  Lotterien  (V.  v.

25.  Juni  Art.  VI.)  925.

Aushedung  der  Landeslotterien  in  Hannover,  Osnabrück
  und  Frankfurt  a.  M.  (1A.  E.  v.  5.  Juli)  1056.  —
Fortsetzung  der  Lotterie  in  Frankfurt  a.  M.  (A.  E.  v.
17.  Sept.)  1611.

Sachregister.
Lübeck  (freie  Stadt),  das  Thurn  und  Taxissche  Postwesen

1867.

in  Lübeck  geht  auf  den  Preußischen  Staat  über  (Vertr.
v.  28.  Janr.  Art.  1.  Nr.  17.)  355.

Theilnahme  Lübecks  am  Norddeutschen  Bunde  (Verf.
v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  Löbeck  führt  im  Bundesrath
  eine  Stimme  (ebend.  Art.  ö.)  821.  —  bleibt  als
Freihafen  vorläufig  außerhalb  der  gemeinschaftlichen
Zollgrenze  (ebend.  Art.  34.)  826.

Verwaltung  des  Post=  und  Telegraphenwesens  in
Lübeck  (Verf.  v  24.  Juni  Art.  51.  52.)  831

Kompetenz  des  Ober-Appellationsgerichts  in  Lübeck
für  Untersuchungen  wegen  hochverrätherischer  Unternehmungen
  gegen  den  Norddeutschen  Bund  (Verf.  v.  24.  Juni
Artt.  75.)  839.

s.  auch  Hansestädte.

Lubiner  Seen  (Provinz  Posen),  Bildung  einer  Genossenschaft

  zur  Melioration  der  Grundstücke  an  den  Lubiner
Secn  im  Kreise  Kosten  (Stat.  v.  5.  Juli)  1255—1260.

M.

Maasß  und  Gewicht,  die  Ordnung  des  Maaß=  und  Gewichtsystems
  in  den  Rorddeutschen  Staaten  unterliegt
der  Aufsicht  und  Gesetzgebung  des  Bundes  (Verf.  v.  24.
Juni  Art.  4.  Nr.  3.)  820.

Magdeburg  (Stadt),  Genehmigung  des  rebidirten
Statuts  der  in  Magdeburg  errichteten  Aktiengesellschaft
„Landesproduktenfabrik  zu  Loburg“  (Bek.  v.  2.  Juli)
1112.

Berlin-Potsdam-Magdeburger,  Magbeburg-  Halberstädter

  und  Magdeburg-Leipziger  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen
  Nr.  10.  24.  u.  25.

Maglstrat  der  Stadbt  Frankfurt  a.  M.  Zusammensetzung
  und  Wahl  desselben  (G.  v.  25.  März  §§.  38.  bis
44.)  409.  —  Geschäfte  desselben  (ebend.  S#.  63—  70.)
415.  —  Sonstige  Bestimmungen  (ebend.  6#.  2.  3.  16.
22.  25.  2.  ff.  46.  49.  54.  57.  58.  61.  71.  73—  78.
80.)  401.

Mahl=  und  Schlachtsteuer,  Einführung  derselben
in  Frankfurt  a.  M.  (V.  v.  11.  Mai  .  2.  Nr.  2.)  594.
(V.  v.  3.  Juni)  775.  —  Herabsetzung  derselben  (A.  E.
v.  6.  Sept.)  1456.

Mahnzettel  zur  Beitreibung  rückständiger  Abgaben,
Steuern,  Kosten  2.  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
22  Sept.  95.  9.  10.)  1556

Masorsnnitäts=  Erklrung,  s.  Großjährigkeits.-
  Erklärung.

Malsch-
        <pb n="123" />
        Sachregister.

Maischstener,  Erhedung  derselben  im  Kreise  Weßlar
(G.  v.  24.  Juni)  847.  —  f.  auch  Branntwein,
Braumalz.

Mäkler,  Anstellung,  Bestätigung  und  Funktionen  der
Handelsmäkler  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli
S##  25—29.)  1139.

Hastung  der  Mäkler  in  den  neuen  Landestheilen
für  den  Stempel  bei  Kauf=  und  Lieferungsverträgen
(Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  29.  d.)  1209.  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  28.  d.)  1293.  —  Stempel  zu  Mäkler-Attesten  (Tarif
vd.  19.  Juli  Nr.  34.)  1210.  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  33.)
1294.

Malz,  s.  Braumalz.

Mandatsprozeß  in  den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,
  Nassau,  Schleswig  und  Holstein  2c.  (V.  v.  24.
Juni  S§.  1—4.)  885.  —  Mandatsverfahren  in  Untersuchungssachen,
  s.  Strafverfügung.

Mannszucht  auf  den  Seeschiffen,  s.  Schiffsmannschaft.


Mansfeldsche  Kupferschiefer  bauende  Gewerkschaft  in
Eisleben,  Ausfertigung  von  Obligationen  zweiter  Emission
im  Betrage  von  Einer  Million  Thalern  zu  44  Prozent
(Priv.  v.  16.  Sept.)  1749—1755.

Marburg  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kassel
(V.  v.  22.  Febr.  F.  3.  Nr.  11.)  274.

Marburg  (Stadt),  Aufhebung  der  akademischen  Gerichtsbarkeit
  der  Universität  Marburg  (V.  v.  26.  Juni  K.  23.)
1090.  —  Bestimmungen  über  die  Disziplinarstrafgewalt
der  Universität  (A.  E.  v.  22.  Nov.)  1902.

Marieuberg,  ist  die  Kreisstadt  des  Ober-Westerwald=Kreises
  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  22.  Febr.
&amp;amp;  4.  Nr.  2.)  275.

Marienburg  (Westpreußen),  Verwaltung  und  Unterhaltung
  der  Taubstummenanstalt  daselbst  (Regl.  v.  11.
Sept.  F.  2.  Nr.  2.  lit.  D;  I.  7.  15.  16.  25.  a;  K.  30.)
1710.

Marienwerder  (Provinz  Preußen),  Deichverband  der
Marienwerderschen  Niederung  gegen  Ueberschwemmungen
der  Weichsel  (Stat.  v.  12.  Dez.  1866.)  175—183.

Marine,  Unterstützung  der  im  Kriege  verwundeten  und
derstümmelten  Marinemannschaften,  desgl.  ihrer  Wittwen
  und  Kinder  (G.  v.  9.  Febr.  F.  6.)  219.

Einföhrung  der  Verordnungen  über  die  Disziplinarbestrafung
  in  der  Kriegsmarine  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)  383.

Ausführung  des  Gesehbes  vom  28.  September  1866.
über  den  durch  den  Krieg  hervorgerufenen  Geldbedarf
der  Marine-Verwaltung  (G.  v.  31.  Moai)  809

Marine  des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.
Juni  Art.  5.  53—55.)  820.—  s.  auch  Krieg  Smarine,
Handelsmarine,

1867.  71

Märkisch-Posener  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  26.
—  Niederschlesisch-Märkische,  s.  Eisenbahnen  Fr.  30.
—  Bergisch  -Märkische  Eisenbahn,  #Eisenbahnen
Nr.  5.

Marktwechsel  im  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen
(V.  v.  13.  Mai  K.  3.)  738.

Maschinenban,  Errichtung  einer  Maschinenbau-Aktien.
gesellschaft  in  Essen  (Bek.  v.  19.  Janr.)  136.

Masehnen-See  (Provinz  Preußen),  Verband  zur  Entwässerung
  der  Niederungen  am  Masehnen-,  Faulen=  und
Plötzen-See  (Stat.  v.  26.  Sept.)  1787—1795.

Mecklenburg-Schwerin,  Theilnahme  des  Großherzogthums
  am  Norddeutschen  Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  1.)  818.  —  dasselbe  führt  im  Bunbesrath  zwei
Stimmen  (ebend.  Art.  6.)  821.

Mecklenburg-Strelitz,  Verlrag  zwischen  Preußen
und  Mecklenburg-Strelitz  wegen  Ausführung  einer  Eisenbahn
  von  Berlin  über  Neustrelitz  nach  Stralsund  (o.
31.  Dez.  66.)  229—237.

Theilnahme  des  Großherzogtbums  am  Norddeutschen
Bunde  (V.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  dasselbe  führt
im  Bundesrath  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.

W  iten,  die  Maaßregeln  der
Medizinalpolizei  in  den  Norddeutschen  Staaten  unterliegen
  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung  des  Bundes  (Verf.
v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  15.)  820.

Die  Medizinalverwaltung  in  den  neuen  Landestheilen
gehört  zur  Kompetenz  des  Ministers  der  geisllichen  rc.
Angelegenbeiten  (V.  v.  13.  Mai)  667.

Medizinalgewicht,  neue  Bestimmungen  darüber  (G.
v.  16.  März)  386.  —  Fernere  Anwendung  des  Nürnberger
  Medizinalgewichts  in  den  vormals  Baherischen
Gebietstheilen  (V.  v.  5.  Juli  K.  6.)  1131.  —  Einführung
  des  Gesetzes  vom  16.  März  1867.  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  12.  Aug.)  1357.

Medizinal-Kollegien,  Errichtung  derselben  für
die  neuen  Landestheile  in  Kiel,  Hannover  und  Kassel  (V.
v.  22.  Sept.)  1570.

Medizinaltaxe,  Einführung  der  Preußischen  Medizinaltaxe
  vom  21.  Juni  1815.  in  Nassau  (V.  v.  2.  Juli)
1119.

Mehlaucken  (Provinz  Preußen),  (.  Chausseen  Nr.  4.

Mehlkehmen  (Provinz  Preußen),  f.  Chausseen

Nr.  7.

Meilengelder,  Berechnung  derselben  für  Zeugen  und
Sachverständige  in  Schleswig,  Holstein,  Kurhessen,
Nassau  2c.  (Regul.  v.  30.  Aug.  K.  9.)  1384.  (V.  v.
30.  Aug.  F.  17.)  1378.  (V.  v.  30.  Aug.  K.  18.)  1395.
(V.  v.  30.  Aug.  K.  20.)  1408.  —  desgl.  in  Hannover
und  Frankfurt  a.  M.  (V.  v.  30.  Aug.  K.  27.)  1420.

Mein-
        <pb n="124" />
        72

Meineid,  Verfahren  in  ben  neuen  Landestheilen  gegen
Zeugen,  welche  bei  ihrer  Vernehmung  in  Untersuchungssachen
  8  Meineides  verdächtig  geworden  find  (Str.  P.
O.  .  268.)  995.

—“  (Oberamtsbezirk),  tritt  hinsichtlich  der  indirekten
  Abgaben  unter  die  Verwaltung  des  Provinzial=Steuer-Direktors
  in  Cöln  (A.  E.  v.  8.  Febr.)  204.

Einführung  der  Preußischen  Gesetze  in  Betreff  der
direkten  Steuern  in  den  Bezirk  Meisenheim  (V.  v.  4.
Juni)  761  —  764.  —  deögl.  der  Gesetze  über  Zölle  und
indirekte  Steuern  und  Abgaben  (V.  v.  3.  Juni)  776.

Verfahren  bei  exekutivischer  Beitreibung  der  direkten
und  indirekten  Steuern,  Abgaben,  Gefälle,  Kosten  rc.
(V.  v.  22.  Sept.  F.  37.)  1566.

Einführung  des  Berggesetzes  vom  24.  Juni  1865.
in  den  Bezirk  Meisenheim  (V.  d.  22.  Febr.)  242.  —
derselbe  wird  dem  Oberbergamt  in  Bonn  zugetheilt  (V.
v.  6.  März)  351.  —  Besteuerung  der  Bergwerke  (V.  v.
1.  Juni)  802.

Errichtung  eines  Friedensgerichts  in  Meisenheim,
Ueberweisung  des  Bezirks  an  das  Landgericht  in  Coblenz
und  Einführung  der  dort  geltenden  Gesetze  (V.  v.  13.  Mai)
700.  (V.  v.  20.  Sept.)  1534—1536.

Verlegung  des  Hypothekenamtes  zu  Meisenheim
nach  Simmern  (A.  E.  v.  15.  Juli)  1243—1244.

s.  auch  Hessen  (vormals  Großherzogliche  Gebietstheile).


Meliorationen.  1)  Allgemeine  Bestimmungen:

Bildung  von  Genossenschaften  zu  Entwässerungsund
  Bewässerungs-Anlagen  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen  (V.  v.  28.  Mai)  769.

Stempelfreiheit  der  Verhandlungen  über  Bewässerungs-Anlagen
  in  Hannober,  Kurhessen,  Nassau  und
den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli
K.  3.  d.)  1193.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  7.  Aug.  E.  3.  J.)  1279.

2)  Besondere  Meliorationsanlagen:

Statut  für  die  Wiesengenossenschaft  zu  Niederberg
im  Kreise  Euskirchen  (v.  24.  Dez.  66.)  141—144.

Bestimmungen  über  Entwässerungsanlagen  in  Neuvorpommern
  und  Rügen  (G.  w.  9.  Febr.  88.  14.  ff.)
222.

Rgielskoer  Entwässerungs-Genossenschaft  (Stat.  v.
25.  März)  451—456.

Klosterfelder  Meliorations-Sozietät  im  Kreise  Arnswalde
  (Stat.  v.  8.  April)  552—560.

Perleberger  Wiesenverband  (Stat.  v.
793—7)99.

Wiesengenossenschaft  zu  Schmllachenba!  im  Kreise
Wendel  (Stat.  v.  5.  Juli)  1231—1235

13.  Mai)

Sachregister.

1867.

Meliorationen,  (Forts.)

Genossenschaft  für  die  Melioration  der  Grundstücke
an  den  Lubiner  Seen  im  Kreise  Kosten  (Stat.  v.  5.  Juli)
1255—1260.

Entwässerungsverband  des  Narpe=  und  Kattenauerbruches
  in  den  Kreisen  Gumbinnen  und  Stallupönen
(Stat.  v.  24.  Aug.)  1699—1708.

Genossenschaft  zur  Entwässerung  der  Grundstücke
oberhalb  der  Kontnomühle  im  Kreise  Mogilno,  Regierungsbezirk
  Bromberg  (Stat.  v.  23.  Sept.)  1756—1758.

Verband  zur  Enkwässerung  der  Niederungen  am
Masehnen--,  Faulen=  und  Plötzen-See  im  Kreise  Angerburg,
  Regierungsbezirk  Gumbinnen  (Stat.  v.  26.  Sept.)
1787—1795.

Wiesengenossenschaft  des  unteren  Wambachthales
im  Kreise  Neuwied  (Stat.  v.  5.  Okt.)  1803—1807.

Verband  zur  Melioration  der  Wiesen  und  Weiden
in  den  Ochsen  =  Kämpen  zu  Asseln  im  Kreise  Dortmund
(Stat.  v.  6.  Nov.)  1836—1840.

Mislsangen  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kassel
(V.  v.  22.  Febr.  S.  3.  Nr.  7.)  274.

Memel  (Provinz  Preußen),  Ermäßigung  der  Schifffahrtsabgaben
  in  Memel  (A.  E.  v.  29.  Juli)  1343.  bis
1344.—

Mennighüffen  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  31.

Mennoniten,  Militairdienstpflicht  derselben
neuen  Landestheilen  (A.  E.  v.  24.  Juni)  1509.

Merkpfahl,  s.  Wasser.

Meseritz  (Provrmz  Posen),  Ausfertigung  von  Kreisobligationen
  des  Meseritzer  Kreises  im  Betrage  von
30,000  Thalern  zu  5  Prozent  (Priv.  v.  25.  Nob.)  1914.
bis  1917.

Meßbrief,,  Bestimmungen  über  die  Ausfertigung  der
Meßbriefe  für  Seeschiffe  der  Norddeutschen  Bundesstaaten
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  54.)  832.

Ausfertigung  neuer  Meßbriefe  für  die  Serlcht  des
vormaligen  Königreichs  Hannover  (V.  v.  4.  Janr.
K.  4.)

Eennn  zu  Meßbriefen  in  Schleswig  und  Holstein
(Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  94.)  1306.

Meßwechsel  im  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen
(V.  v.  13.  Mai  §.  3.)  738.

Metelen  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  32.

Miethsstreitigkeiten,,  Verfahren  in  schleunigen
Miethssachen  in  den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,
Nassau  r.  (V.  v.  24.  Juni  S§.  37—39.  88.)  895.

Miethsin

  den
        <pb n="125" />
        Sachregister.  1867.  73

Mietbsvertrag,  Stempel  zu  Miethsverträgen  in
Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Baherischen
  Gebietstbeilen  (V.  v.  19.  Juli  K.  14.)  1197.
(Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  41.)  1210.  —  desgl.  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.  K.  14.)  1283.  (Tarif
v.  7.  Aug.  Nr.  40.)  1295.

Mitlchkah,  ist  von  der  Pfändung  wegen  rückständiger
Abgaben,  Steuern,  Kosten  z.  in  den  neuen  Landestheilen
  ausgeschlossen  (V.  v.  22.  Sept.  K.  13.  lit.  b.)
1557.

Mildere  Bestimmungen  des  Strafgesehbuchs,  Anwendung
  derselben  auf  die  vor  dessen  Einführung  in  den
neuen  Landestheilen  begangenen  strafbaren  Handlungen
(V.  v.  25.  Juni  Art.  XVII.)  931.

Mildernde  Umstände  in  Untersuchungen,  Feststellung
derselben  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  S##.  321.
322.  345.  353.)  1006.

Militatirärzte  in  den  neuen  Landestheilen,  Verpflichtung
  derselben,  zu  den  Kommunalabgaben  beizutragen
(V.  v.  23.  Sept.  §.  1.  Nr.  1.)  1648.

Millitairbeamte,  Pensionszulage  für  die  im  Kriege
verwundeten  und  verstümmelten  unteren  Militairbeamten
(G.  v.  9.  Febr.  S  1.  2.)  217.  —  Unterstützung  ihrer
Wittwen  und  Kinder  (ebend.  &amp;amp;&amp;amp;#  3—6.)  217.  —  Anwendung
  des  K.  5.  auf  die  Wittwen  und  Kinder  der

.  oberen  Militairbeamten  (ebend.  S.  5.)  219.

Rechtsverhältnisse  der  Militairbeamten  in  den  neu
erworbenen  Landestbeilen  (A.  E.  v.  1.  April)  519.

Zulässigkeit  des  Wechselarrestes  gegen  Militairbeamte
  in  Schleswig  und  Holslein  (V.  v.  13.  Mai  K.  2.
Nr.  2.)  669.  —  desgl.  in  dem  vormaligen  Kurfürstentbum
  Hessen  (V.  v.  13.  Mai  F§.  2.  Nr.  2.)  737.  —
desgl.  in  Nassau  (V.  v.  5.  Juli  S.  2.  Nr.  2.)  1109.

Vollstreckung  der  administrativen  Exekution  gegen
Militairbeamte  in  den  neuen  Landestheilen  wegen  rückständiger

  Abgaben,  Steuern,  Kosten  r2c.  (V.  v.  22.  Sept.
K.  13.  i.)  1568.

Heranziehung  der  Militairbeamten  in  den  neuen
Landestheilen  zu  den  Kommunalauflagen  (V.  v.  23.  Sept.
S.  2.)  1649.

Militairbehörden  in  den  neuen  Landestheilen,  Verpflichtung
  derselben,  zur  Vollstreckung  eines  gerichtlichen
Haft=  oeder  Vorführungsbefehls  Beistand  zu  leisten  (Str.
P.  O.  K.  130.)

st  (riegsbiens,  Wehrpfticht),  allgemeine
Bestimmungen  über  die  Wehrpflicht  in  den  Norddeutschen
  Bundesstaaten  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  3.  57.
59.)  819.

Einführung  der  allgemeinen  Wehrpflicht  in  den  mit
Preußen  vereinigten  vormals  Bayerischen  und  Großberzoglich
  Hesfischen  Gebietstheilen  (A.  E.  v.  12.  Janr.)  206.

Johrgang  1867.

Militalrdienst  [Kriegsdienst,  Webrpflicht  ),  (Fortt.)

Verfahren  gegen  solche  Personen  in  den  neuen
Landestheilen,  welche  auswandern,  um  sich  dem  Eintritt
  in  den  Militairdienst  zu  entziehen  (Str.  P.  O.
S##  468—476.)  1041.

Verhandlungen  über  den  Eintrikt  in  den  Kriegsdienst
  sind  in  den  neuen  Landestheilen  stempelfrei  (V.  v.
19.  Juli  F.  3.  lit.  b.)  1192.  (V.  v.  7.  Aug.  K.  3.  lit.  b.)
1278.  «

Music-it-DisziplinarstmfemEinführaugdekbaki
auf  bezuͤglichen  Verorbnungen  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)  383.

Milltairgeistliche,  s.  Militair-Kirchenordnung.

Militairgerichte,  Uebertragung  der  von  den  vormals
Hannoberschen  Militairgerichten  ausgeübten  freiwilligen
Gerichsbarke  auf  die  ordentlichen  Gerichte  (A.  E.  v.
4.  März)  384,

Milltatrgerichtssttand  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  25.  Juni  Art.  XII.  Nr.  1.)  926

Militair-Invaliden,  Pensionszulage  für  verwundete
und  verstümmelte  Militair  -Invaliden  (G.  v.  9.  Febr.
W#.  1.  2.)  217.  —  Unterstützung  ihrer  Wittwen  und
Kinder  (ebend.  §#.  3—  6.)  217.  —  Unterstötzung  der
Invaliden  in  Westpreußen  aus  dem  Provinzial-Invaliden-
  Fonds  (Regl.  v.  11.  Sept.  §.  2.  Nr.  4;  §.  6.
7.  15.  20.)  1710.

Verpflichtung  der  Stadtgemeinden  in  den  neuen
Vandestheilen  zur  Besetzung  der  städtischen  Unterbeamtenstellen
  mit  Militair-Invaliden  (A.  E.  v.  22.  Sept.)
1667  1668.

Militalr-Justizdepart  t,  Entscheidung  desselben
bei  Konstikten  wegen  Amts,  und  Diensthandlungen  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  16.  Sept.  Art.  IV.)  1516.

Militair-Kirchenordnung  (v.  12.  Febr.  1832.),
Einführung  derselben  in  dem  vormaligen  Königreich  Hannover
  (V.  v.  24.  Juni)  919.  —  Anwendung  derselben
im  Bereich  des  eilften  Armeekorps  (V.  v.  12.  Okt.)  1849.
—  Die  Einführung  der  Militair-Kirchenordnung  in  den
Staaten  des  Norddeutschen  Bundes  ist  ausgeschlossen
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  61.)  834.

Militairpersone#  sind  auf  den  Eisenbahnen  des  Norddeutschen
  Bundes  zu  ermäßigten  Preisen  zu  befördern
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  47.)  830.

Rechtsverhältnisse  der  Militairpersonen  in  den  neu
erworbenen  Landestheilen  (A,  E.  v.  1.  April)  519.  bis
532.

Vernehmung  der  Militairpersonen  als  Zeugen  oder
Sachverständigen  bei  Untersuchungen  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  §#  167.  186.  224.  225.
246.  Nr.  2.)  973.  —  Sesistelung  der  Miilitairverhaͤltnifse
        <pb n="126" />
        74  Sachregister.

Militairpersonen,  (Forts.)
nisse  des  Beschuldigten  (ebend.  S.  154.)  970.  —
Militairpersonen  des  Dienststandes  sind  als  Geschworene
  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.  K.  276.  Nr.  4.)
997.  —  Die  Bestimmungen  über  das  Verfabren  in
Untersuchungen  gegen  Militairpersonen  bleiben  in  Kraft
(V.  v.  25.  Juni  Art.  XII.  Nr.  1.)  928.

Befugniß  des  Militairs  zum  Waffengebrauch  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  G.)  923.

Entscheidung  der  Konflikte  bei  Diensthandlungen  der
Militairpersonen  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  16.
Sept.  Art.  IV.)  1516.

Vollstreckung  der  administrativen  Exetution  gegen

Militairpersonen  in  den  neuen  Landestheilen  wegen  rückständiger
  Abgaben,  Steuern,  Kosten  rc.  (V.  v.  22.  Sept.
#  S.  13.  k.)  1556.

Unzulässigkeit  des  Wechselarrestes  gegen  Militairpersonen
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  13.  Mai
K.  2.  Nr.  2.)  669.  —  desgl.  in  dem  vormaligen  Kurfürstentbum
  Hessen  (V.  v.  13.  Mai  F.  2.  Nr.  2.)  737.

Befreiung  der  Militairpersonen  von  den  Kommunalabgaben
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.
S.  1.  11.  12.)  1648.

s.  auch  Soldaten.

Militairpflichtige,  Verfahren  gegen  ausgetretene  Militairpflichtige
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
468—474.)  1041.

Militair-Rechtspflege,  Regelung  derselben  in  den
neuerworbenen  Landestheilen  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)
383.

Militair-Strafgesetzbuch  (v.  3.  April  1845),  Einfübrung
  desselben  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen
(A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)  383.  —  desgl.  in  den  übrigen
Staaten  des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  61.)  834.

Militairverwaltung,  Ausführung  des  Gesetzes  vom
28.  Sept.  1866,  detr.  den  durch  den  Krieg  hervorgerufenen
  außerordentlichen  Geldbedarf  der  Militairverwaltung
(G.  v.  31.  Mai)  809.

Militairwesen  des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  4.  Nr.  14;  Art.  5.  57—  68.)  820.  —
Einführung  der  Preußischen  Müllticsesehsehung  im
Gebiete  des  Bundes  (ebend.  Art.  61.)  83  "

Willkomm-»  Mebtznml  Gewicht  (G.  v.  16.  März
S.  2.)  386

Minden  (Wes#phaley),  s.  Chausseen  Nr.  33.

Minderjährige,  Strafe  für  das  unerlaubte  Kreditgeben
an  Minderjährige  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
25.  Juni  Art.  II.  C.)  922.

1867.

Mineralien,  Einführung  des  Gesetzes  vom  26.  März
1856.  über  die  Bestrafung  unbefugter  Gewinnung  oder
Aneignung  von  Mineralien  in  dem  vormaligen  Herzogthum
  Nassau  (V.  v.  22.  Febr.  Art.  VI.)  238.  —  desgl.
in  Oberbessen  und  Hessen  =  Homburg  (V.  v.  22.  Febr.
#rt.  III.)  242.  —  desgl.  im  Gebiet  des  vormaligen
Königreichs  Hannover  (V.  v.  8.  Mai  Art.  XI.)  603.—
desgl.  ia  Kurhessen,  Frankfurt  a.  M.  und  den  vormals
Bayerischen  Landestheilen  (V.  v.  1.  Juni  Art.  X.)  772.

Minister  und  Ministerialdirektoren,  sind  in  den  neuen
Landestbeilen  zu  Geschworenen  nicht  zu  berufen  (Str.  P.
O.  .  276.  Nr.  1.)  997.

Ministerlum  der  geistlichen,  Unterrichts=  und
Medizinal-Angelegenheiten,  Kompetenz  desselben
  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  (V.  v.  13.  Mai)
667.

Ministerium  für  Handel  2c.,  demselben  wird  bas
Eisenbahnwesen  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen
überwiesen  (A.  E.  v.  15.  Dez.  66.)  5.  (A.  E.  v.  9.
März)  396.  —  desgl.  die  obere  Leitung  des  Bergwesens
(A.  E.  v.  16.  Febr.)  228

Die  Post=  und  Telegraphenverwaltung  geht  von  dem
Handels-Minister  an  den  Präsidenten  des  Staats-Ministeriums
  über  (A.  E.  v.  28.  Sept.)  1780.

Zur  Errichtung  einer  Börse  in  Schleswig  und
Holstein,  und  zum  Erlaß  oder  zur  Abänderung  einer
Börsenordnung  ist  die  Genehmigung  des  Handels-Ministers
  nothwendig  (V.  v.  5.  Juli  &amp;amp;#.  92—9e4.)
1153.

Befugnisse  des  Handels-Ministers  in  Beziehung  auf
Stempelstrafen  gegen  Vorstände  von  Aktiengesellschaften
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  19.  Juli  .  26.)
1199.  (V.  v.  7.  Aug.  F.  26.)  1286.

Ministerium  des  Innern,  die  Oberaufsicht  über  die

Strafanstalten  in  den  neuen  Landestheilen  soll  auf  den
Minister  des  Innern  übergehen  (V.  v.  25.  Juni  Art.
XIV,)  929.

Befugnisse  des  Ministers  des  Innern  in  Beziehung
auf  die  Polizeiverwaltung  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  20.  Sept.  #  2.  11.  14.)  1529.

Befugnisse  desselben  in  Beziehung  auf  die  Kreisstände
im  Regierungsbezirk  Kassel  (V.  v.  9.  Sept.  S§.  29.  35.)
1478.  —  desgl.  in  der  Provinz  Hannover  (V.  v.  12.
Sept.  S§.  33.  38.)  1503.  —  desgl.  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  S.  35.  41.)  1595.  —  desgl.
im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  26.  Sept.  SF.  23.
29.)  1657.

Befugnisse  des  Ministers  des  Innern  in  Beziehung
auf  die  Verwaltung  der  Landgemeinden  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  §&amp;amp;.  9.  16.  31.)  1605.

Mi-
        <pb n="127" />
        Sachregister.

Ministerium  für  die  landwirthschaftlichen
Augelegenheiten,  Ressort  desselben  in  Angelegenbeiten
  der  Vorfluth  und  Entwässerungsanlagen  in  Reuvorpommern
  und  Rügen  (G.  v.  9.  Febr.  I.  9.  20.
W.)  222.

Mißbandlungen,  Verfahren  in  Untersuchungen  wegen
Mithandlungen  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
S.  448.)  1037.  —  Zulässigkeit  der  Privatklage  (ebend.
&amp;amp;  487.  Nr.  1;  88.  488—510.)  1045.  —  Julässigkeit
derselben  in  Frankfurt  a.  M.  (V.  v.  25.  Febr.)  279.

Mittelwalde  (Schlesien),  Eisenbahn  nach  Wildenschwert
  in  Oesterreich,  s.  Eisenbahnen  Nr.  19.

Mobilmachung,  Einführung  der  darüber  ergangenen
Preußischen  Gesetze  in  den  übrigen  Staaten  des  Norddeutschen
  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  61.)  834.

Bestimmungen  über  die  Landlieferungen  bei  eintretender
  Mobilmachung  in  den  neuen  Landestheilen  (V.
—————  1632.

v.  Moltke  (Freiherr,  General  der  Infanterie),  Verleihung
  einer  Dotation  an  denselben  wegen  hervorragender
  Verdienste  in  dem  Kriege  von  1866.  (G.  v.  28.  Dez.
66.)  25.

Montabaar,  ist  die  Kreisstadt  des  Unter-Westerwald-Kreises
  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  22.  Febr.
K  4.  Nr.  3.)  275.

Moratoriensachen,  Verfahren  in  den  neuen  Landestheilen
  Kurhessen,  Nassau  ½.  (V.  v.  24.  Juni  F.  89.)  909.

Morttsikationsscheine,  Stempel  zu  denselben  in
Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  37.)  1210.
—  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  36.)  1295.

Mählen,  Setzung  eines  Merkpfahls  zur  Bezeichnung
des  höchsten  und  niedrigsten  Wasserstandes  bei  Mühlen
in  Neuvorpommern  und  Nügen  (G.  v.  9.  Febr.  K.  6.)
221.

Mündliche  Berbandlung  im  Civilprozeß  in  den
neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Rassau  rc.  (V.  v.  24.  Juni
#  18—30.  54.)  890.  —  Mündliches  Verfahren  in
Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.  J#.  6.  217.  ff.)  934.
—  s.  Hauptverhanblung.

Mänzkartel  (v.  19.  Febdr.  1853.)  bleibt  bis  zum  Ablauf
  des  Jahres  1978.  in  Kraft  (Vertr.  v.  13.  Juni
Art.  4.)  1803.

Mänzverbrechen,  Bestrafung  desjenigen,  welcher  Darlehnskassenscheine
  nachmacht,  verfälscht  2c.  (G.  v.  23.  Dez.
K.  10.)  1931.

Verfahren  in  Untersuchungen  wegen  Münzverbrechen
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  é.  183.)  977.
—  die  Oeffentlichkeit  ist  ausgeschlossen  (ebend.  S.  234.)
987.

1867.  75

Mänzverein,  Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,
Sachsen  2c.,  betr.  bas  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich
  und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen
  Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801—  1803.

Mäünzwesen,  die  Ordnung  des  Münzsystems  in  den
Norddeutschen  Staaten  ist  Sache  des  Bundes  (Verf.  v.
24.  Juni  Ark.  4.  Nr.  3.)  820.

Münzwesen  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen
(V.  v.  24.  Aug.)  1427—1429.

Mutterrolle,  Anlegung,  Fortschreibung  und  Berichtigung
  der  Mutterrollen  zur  Erhebung  der  Grundsteuer
(G.  v.  8.  Febr.  §#.  6—10.  14.  15.  19.  20.  29.  32.  bis
39.  55.)  187.

Moslowitz  (Schlesien),  Ausfertigung  von  Obligationen
der  Stadt  Myslowitz  im  Betrage  von  40,000  Thaler  zu
5  Prozent  (Priv.  v.  15.  Juli)  1334—1338.

N.

Nachdruck,  die  Bestimmungen  über  den  Schutz  des
geistigen  Eigenthums  unterliegen  in  den  Norddeutschen
Staaten  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung  des  Bunbes
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  6.)  820

Nachlaß,  Verhaftung  des  Nachlasses  für  die  Untersuchungskosten
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
K.  441.)  1035.

Nachlaßsachen,  Ansatz  der  Gerichtskosten  in  Nachlaßsachen
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  30.  Aug.  .  9.  B.)
1374.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  &amp;amp;#.  12.  13.  C.)
1393.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  S#.  15.
16.  E.)  1406.

Nachlese,  Strafe  für  unbefugte  Nachlese  in  Gärten,
Weinbergen  und  auf  Aeckern  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  §.  1.  Nr.  1.)  923.

Nachtigallen,  Aufhebung  der  Abgabe  von  Nachtigallen
als  Staatssteuer  in  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen
Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Sept.)  1666.

Nachtzeit,  unter  welchen  Umständen.  in  den  neuen

Landestheilen  eine  Haussuchung  oder  das  Eindringen
in  eine  fremde  Wohnung  zur  Nachtzeit  zuläsfig  ist  (Str.
P.  O.  S§.  96.  102.  131.  433.)  957.

Namen,  Ertheilung  der  Genehmigung  zu  Ramensäinderungen

  (A.  E.  v.  12.  Juli)  1310.
k“  Nams-
        <pb n="128" />
        76  Sachregister.

1867.

Namslau  (Schlesien),  Ausfertigung  Namslauer  streis-  Nassau  spormaliges  Herzogthum],  (Forts.)

obligationen  im  Betrage  von  150,000  Thaler  zu  5  Prozent
  (Priv.  v.  18.  Febr.)  388  —  391.  —  f.  auch
Chausseen  Nr.  17.

Narpebruch  (Provinz  Preußen),  Entwässerungsverband
(Stat.  v.  24.  Aug.)  1699—1708.

Nassau  (vormaliges  Herzogthum).

1)  Militairangelegenbeiten.

Einführung  der  Militair-Strafgesetze,  Regelung  der
Militair-Rechtspflege  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)  383.

Rechtsverhältnisse  der  Militairpersonen  (A.  E.  v
I.  April)  519—532.

Einführung  der  Landgendarmerie  (V.  v.  23.  Mai)
777—784.

Militairdienslpflicht  der  Mennoniten  (A.  E.  v.
74.  Juni)  1509.

Einfübrung  der  Preußischen  Kriegsleistungsgesetze
(V.  v.  22.  Sept.)  1632—1633.

Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  der  zum
Dienste  einberufenen  Reserve=  und  Landwehrmannschaften
(D.  v.  31.  Aug.)  1637.

2)  Justizangelegenheiten.

Staatsverbrechen  gehören  zur  Kompetenz  des  Kam-’mergerichts
  in  Berlin  (V.  v.  23.  Mai)  703.

Verfahren  in  Civilprozessen  (V.  v.  24.  Juni  .  I.  ff.;
5.  105.)  885.

Einführung  des  Strafgesetzbuchs  und  Erlaß  einer
besonderen  Strafprozeßordnung  (V.  v.  25.  Juni)  921.
bis  1056.  —  besondere  Bestimmungen  für  Nassau
(ebend.  Art.  VI.  XII.)  925.

Gerichtsverfassung  (V.  v.  26.  Juni)  1094—1103.
—  Errichtung  eines  obersten  Gerichtshofes  in  Berlin
(V.  v.  27.  Juni)  1103—1107.

Ansatz  und  Erhebung  der  Gerichtskosten  und  der
.Gebühren  der  Notare  und  Rechtsanwalte  in  Civilsachen
(V.  v.  30.  Aug.)  1399  —  1411.  —  desgl.  in  Strafsachen
  (ebend.  HK.  17.  26.)  1407.  (V.  v.  30.  Aug.)
1412—1120.

Bestimmung  über  die  Auslieferung  der  von  ausländischen
  Behörden  verfolgten  Personen  (A.  E.  v.
26.  Juli)  1264.

Geschäftliche  Behandlung  der  Gesuche  um  vezitimation
  auberehelich  erzeugter  Kinder  (A.  E.  v.  28.  Aug.)
1440.  -

Bestimmungen  über  die  Zulässigkeit  des  Rechtsweges,
  über  das  Verfahren  bei  Kompetenz-Konflikten
und  über  die  Behandlung  der  Konflikte  bei  gerichtlichen
Verfolgungen  wegen  Amts=  und  Diensthandlungen  (V.
b.  16.  Sept.)  1515—1518.

Ausdehnung  des  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Koburg-Gotba
  über  die  gegenseitigen  Gerichtsbarkeitsverhältnisse
  abgeschlossenen  Vertrages  vom  11.  Juni  1858.
auf  Nassau  (Minist.  Erkl.  v.  28.  Sept.)  1795—1796.

3)  Verhältnisse  der  Beamten.

Verfahren  bei  Anstellung,  Entlassung  und  Pensionirung
  der  Beamten  (A.  E.  v.  17.  Janr.)  31.—  Besondere
Bestimmungen  über  die  Anstellung  der  Justizbeamten
(V.  v.  8.  Febr.)  209.  —  Pensionsansprüche  der  Civilbeamten
  (V.  v.  6.  Mai)  713.

Anderweitige  Einrichtung  des  Amtskautionswesens
(V.  v.  12.  Sept.)  1513—1514.

Allgemelne  Regelung  der  Staatsdiener-Verhältnisse
(V.  d.  23.  Sept.)  1619—1620.

Einführung  der  Preußischen  Disziplinargesetze  in
Betreff  der  Beamten  (V.  v.  23.  Sept.)  1613—1618.

Schließung  einiger  Staatsdiener-Wittwen-  und
Weisenkassen  (V.  v.  15.  Sept.  §F.  1.  Nr.  3.)  1647.

Heranziehung  der  Staatsdiener  zu  den  Kommunalabgaben
  (V.  v.  23.  Sept.)  1648—  1651.

4)  Zoll-,  Steuer=  und  Stempelsachen.

Erbebung  der  direkten  Staatssteuern  für  das  Jahr
1867  (A.  E.  v.  17.  Janr.)  119.

Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  (V.  v.  11.  Mai)  593—  599.  (A.  E.
v.  22.  Sept.)  1641.

Besteuerung  des  Branntweins  (V.  v.  11.  Mai)
633—651.  —  des  Braumalzes  (V.  v.  11.  Mai)  652.  bis
660.  —  des  Tabacks  (V.  v.  I1.  Mai)  661  —666.

Erbebung  einer  Salzabgabe  (V.  v.  9.  Aug.)  1327.
bis  1328.

Einführung  der  shsnüal  (V.  v.  5.  Juli
K.  1.  ff.;  §.  12.  c;  K.  13.)  1120.

Einführung  des  Errusgeie  vom  23.  Januar
1838.  (V.  v.  29.  Juli)  1268—1270

Bestimmungen  über  das  Verfahren  in  Untersuchungen
  wegen  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Zollgesetze
  (Ordn.  v.  29.  Juli)  1270—1276.

Exekutivische  Beitreibung  der  direkten  und  indirekten
Steuern  und  anderer  öffentlicher  Abgaben  und  Gefälle,
Kosten  2c.  Seitens  der  Verwaltungsbehörden  (V.  v.
22.  Sept.)  1553—1568.

Verwaltung  des  Stempelwesens,  Erhebung  des  Urkundenstempels
  (V.  v.  19.  Juli  96.  1.  ff.;  K.  35.  Nr.  3;
§.  36.)  1191—1218.

Stempelsteuer  für  Spielkarten,  Fabrikation  und  Verkauf
  derselben  (V.  v.  4.  Juli)  1057—  1062.  —  Wechselstempel
  (V.  v.  4.  Juli)  1063  —  1066.  —  Zeitungsstempel
  (V.  v.  4.  Juli)  1066  —  1067.  —  Kalenderstempel
  (V.  v.  5.  Juli)  1068—1069.

Stem-
        <pb n="129" />
        Sachregister.

Nassan  (vormaliges  Herzogthum],  (Fortf.)
Stempelabgabe  von  Konzessionen,  Ausfertigungen  rc.
(A.  E.  v.  17.  Sept.)  1651—1652.

5)  Handel  und  Gewerbe.

Einführung  des  allgemeinen  Berggesetzes  vom
24.  Juni  1865.  (V.  v.  22.  Febr.)  237—241

Die  obere  Leitung  des  Bergwesens  wird  dem  Ministerium
  für  Handel  #.  überwiesen  (A.  E.  v.  16.  Febr.)
228.  —  Das  Herzogthum  Nassau  wird  dem  Bezirk  des
Oberbergamtes  in  Bonn  zugetheilt  (V.  v.  G.  März)  351.

Besteuerung  der  Bergwerke  (V.  v.  1.  Juni)  802.

Aufbebung  der  Beschränkungen  des  Zinssatzes  (G.
v.  18.  März)  387

Einführung  der  Ergänzungen  und  Erläuterungen
zur  allgemeinen  deutschen  Wechselordnung  (V.  v.  5.  Juli)
1108—1110.

Außer-  und  Wiederinkurssetzung,  desgleichen  Umschreibung
  der  Papiere  auf  Inhaber  (V.  v.  16.  Aug.)
1457—1461.

Ausstellung  pon  Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung
  an  jeden  Inhaber  enthalten  (V.  v.  17.  Sept.)
1518—1519.

Bestimmungen  über  die  Kommanditgesellschaften  auf
Aktien  (V.  v.  24.  Aug.)  1645

Beschäftigung  jugendlicher  Arbeiter  in  den  Fabriken
(V.  v.  22.  Sept.)  1572.

6)  Post,  Telegraphen  und  Eisenbahnen.

Ucebernahme  der  Postverwaltung  (Vertr.  v.  28.  Janr.
Art.  1.)  355.

Verschmelzung  des  Telegraphenwesens  mit  der
Preußischen  Telegraphen  =  Verwaltung  (A.  E.  v.  30.
März)  440.

Organisation  des  Eisenbahnwesens  (A.  E.  v.
15.  Dez.  66.)  5.

Einführung  des  Gesetzes  vom  3.  November  1838.
über  die  Eisenbahn-Unternehmungen,  und  der  Verordnung
  vom  21.  Dezember  1846.  über  die  bei  dem  Bau  von
Eisenbahnen  beschäftigten  Handarbeiter  (V.  v.  19.  Aug.)

Besteuerung  der  Eisenbahnen  (V.  v.  22.  Sept.)
1639—1640.

7)  Verwaltungsangelegenbeiten.

Organisation  der  Verwaltungsbehörden  (V.  v.  22.
Febr.  S.  2.  4.  9.  12.)  273.

Organisation  der  Forstver  waltung,  Prüfung  und
Anstellung  der  Forstbeamten  (V.  v.  4.  Juli)  1129.

1867.  77

Nassau  (vormaliges  Herzogthum],  (Forts.)
Verordnung  über  die  Polizei-Verwaltung  (v.  20.
Sept.)  1529—1533.

8)  Geistliche,  Schul-  und  Medizinal-Angelegenheiten.



Prüfung  der  Schulamts-Kandidaten,  Zusammensetzung
  der  wissenschaftlichen  Prüfungs  =  Kommissionen
(V.  v.  13.  März)  395.

Kompetenz  des  Ministers  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten
  in  Betreff  der  Unterrichts.  und  Medizinal-Verwaltung
  (V.  v.  13.  Mai)  667.

Errichtung  eines  evangelischen  Konsistoriums  (V.  v.
22.  Sept.)  1569.

Errichtung  eines  Provinzial-Schulkollegiums  und
Medizinal-Kollegiums  (V.  v.  22.  Sept.)  1570.

Einführung  der  Preußischen  Medizinaltaxe  (V.  v
2.  Juli)  1119.

Einführung  des  Preußischen  Medizinalgewichts
(V.  v.  12.  Aug.)  1357.

9)  Staatsbeiten.


Verwaltung  und  Verwendung  der  zum  Staatseigenthum
  gehörigen  Aktivkapitalien-Fonds  (V.  v.  5.  Juli)
1072.

und  Kommunal=  Angelegen-Wahl

  der  Abgeordneten  zum  Preußischen  Landtage
(G.  v.  17.  Mai)  1481.  —  Bezeichnung  der  direkten
Steuern,  nach  denen  die  Urwähler  in  drei  Abtheilungen
getheilt  werden,  Feststellung  der  Wahlbezirke  (V.  v.
14.  Sept.)  1482  —1495.

Kreisverfassung  (V.  v.  26.  Sept.)  1653—1659.

Einrichtung  einer  kommunalständischen  Verfassung
(V.  v.  26.  Sept.)  1659—1663.

Verpflichtung  der  Stadtgemeinden  zur  Besetzung  der
besoldeten  slädtischen  Unterbeamtenstellen  mit  versorgungsberechtigten
  Militair-Invaliden  (A.  E.  v.  22.  Sept.)
1667—1668.

10)  Sonstige  Bestimmungen.

Fenstelung  des  Finanz-Etats  für  das  Jahr  1867.
(V.  v.  24.  Janr.)  145—171.

Ausübung  des  Jagdrechts  und  der  Jagbpolizei
(V.  v.  30.  März)  426—438.

Bildung  don  Genossenschaften  zu  Entwässerungsund
  Bewässerungs-Anlagen  (V.  v.  28.  Mai)  769.

Privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs=  und  Wirth--schafts-Genossenschaften
  (V.  v.  12.  Aug.)  1449—1450.

Verwaltung  und  Veräußerlichkeit  der  Domainen
und  Regalien  (V.  v.  5.  Juli)  1182—1183.

Ver-
        <pb n="130" />
        78

Nassau  lvormaliges  Herzogthum],  (Forts.)

Verordnung  über  das  Münzwesen  (v.  24.  Aug.)
1427—1429.

Verordnung  über  das  Rechnungswesen  (v.  31.  Ang.)
1442—1414.

Bestimmungen  über  die  Güterkonsolidation  (V.  v.
2.  Sept.)  1462.

Ermächtigung  der  Nassauischen  Brand--Assekuranz-Anstalt
  in  Wiesbaden  zur  Versicherung  von  Gebäuden
in  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstbeilen
(V.  v.  14.  Sept.)  1551.

Bestimmungen  über  das  Zeitungskautionswesen
(V.  v.  26.  Sept.)  1663—1664.

Nautzken  (Provinz  Preußen),  s.  Chausseen  Nr.  4.

Nebenämter,  Uebernahme  von  Nebenämtern  durch
Beamte  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.
S.  1.  Nr.  5.)  1619.

MNeisse  (Schlesien),  Neisse-Brieger  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen
  Nr.  28.

Neumünster  (Holstein),
s.  Eisenbahnen  Nr.  29.

Neuß  (Rheinprovinz),  Eisenbahn  von  Neuß  nach  Düren,
s.  Eisenbahnen  Nr.  37.  —  von  Düsseldorf  nach  Neuß,
s.  Eisenbahnen  Nr.  5.

Neustadt  (Rheinprevinz),  s.  Chausseen  Nr.  41.

Neustadt  (Holstein),  Eisenbahn  nach  Neumünster,  s.  Eisenbahnen
  Nr.  29.

Neuvorpommern,  Vorfluthsgesetz  für  Neuvorpommern
  und  Rügen  (v.  9.  Febr.)  220—227.

Nichtigkeitsbeschwerde  in  Ciwvilprczessen  in  Kurbessen,
  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  S§.  42—48.  62—66.
79—82.  87.  Nr.  6.)  897.

Nichtigkeitsbeschwerde  in  Untersuchungssachen  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  S#.  19.  48.  364-  373.
389—413.  447.)  937.  —  Ansatz  der  Gerichtskosten  für
die  Nichtigkeitsbeschwerde-Instanz  (V.  v.  30.  Aug.  .  6.
8.)  1414.  —  Gebühren  der  Rechtsanwalte  acten.  .  17.
C.  D.)  1417.

Niederberg  (Rheinprovinz),  Statut  für  die  Wiesenmossenschaft
  zu  Niederberg  im  Kreise  Euskirchen  (v.  24.
DTez.  66.)  141—144.

Eisenbahn  nach  Neustadt,

Niederlagegelder,  cxekutivische  Beitreibung  derselben
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  §.  1.  Nr.  1.
lit.  b.)  1553

Niederlande,  Vertrag  zwischen  Preußen  und  den  Niederlanden
  wegen  gegenseitiger  Auslieferung  flüchtiger  Verbrecher
  (v.  20.  Juni)  1219—1220.  —  derselbe  gilt
auch  für  Hannover  (Minist.  Erkl.  v.  25.  Okt.)  1835.

Sachregister.

1867.

Niederlassang,  die  Bestimmungen  über  die  Niederlassungsverhältnisse
  in  den  Norddeutschen  Staaten  unterliegen
  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung  des  Bundes  (Verf.
v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  1.)  819.

Niederrheinische  Güter-Assekuranzgesellschaft  und  Rückversicherungsverein
  zu  Wesel,  Aenderungen  des  Statuts
(Bek.  v.  17.  Jaur.)  120.

Alederschlesisch-Märkische  Bahn,  s.  Eisen  bahnen
Nr.  30.

Nieder=  Ursel  (Ortsbezirk),  gehört  zum  Regierungsbezirk
  Wiesbaden,  Stadtkreis  Frankfurt  (V.  v.  22.  Febr.
§.  1.  Nr.  7;  F.  4.  Nr.  11.)  273.

Organisation  der  Justizpflege  in  Nieder-Ursel  (A.  E.
v.  5.  Nov.  66.  Nr.  VIII.)  490.  (A.  E.  v.  1.  April
Nr.  I.)  495.

Ermächtigung  der  Nassauischen  Brand-Assekuranz=Anstalt
  in  Wiesbaden  zur  Versicherung  von  Gebéuden
im  Ortsbezirk  Nieder-Ursel  (V.  v.  14.  Sept.)  1551.

Nießbrauch,  inwiefern  der  Nießbraucher  zur  Zahlung
der  Grundsteuer  verpflichtet  ist  (G.  v.  8.  Febr.  .  45.)  201.

Berechnung  der  Erbschaftsabgabe  vom  Nießbrauch
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  5.  Juli  é.  3.c.)
1121.—  Berechnung  des  Stempels  vom  Nießbrauch  (V.  v.
19.  Juli  S.  2.  c.)  1192.  (V.  v.  7.  Aug.  K.  2c.)  1278.

Nimptsch  (Schlesien),  s.  Chausseen  Nr.  14.

Nordbahn,  s.  Eisenbahnen  Fr.  21.

Norddeutscher  Bund,  s.  Bund.

Norderdithmarschen,  s.  Dithmarschen.

Nordhausen  (Provinz  Sachsen),  Eisenbahn  von  Nordbausen
  nach  Erfurt,  s.  Eisen  bahnen  Nr.  31.  —
Eisenbahn  von  Nordhausen  nach  Northeim,  s.  Eisenbahnen
  Nr.  32.

Nordstern,  Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft  in
Berlin,  Genehmigung  des  Statuts  (Bek.  v.  4.  Febr.)
208.

Northeim,  Eisenbahn  von  Nordhausen  nach  Northeim,
s.  Eisenbahnen  Nr.  32.

Notare  in  den  neuen  Landestheilen,  sind  zu  Geschworenen
  wählbar  (Str.  P.  O.  §.  274.  Schlußsatz)
997.  —  haben  bei  Ausfertigung  von  Verträgen,  Punktationen
  2c.  für  die  Verwendung  bes  vorschriftsmäßigen
Stempels  zu  sorgen  (V.  v.  19.  Juli  S#.  13.  14.  17.)
1196.  (V.  v.  7.  Aug.  §&amp;amp;#.  13.  14.  17.)  1282.  —
müssen  bei  Ausfertigung  von  Wechselprotesten  auf  Verwendung
  des  Wechselstempels  achten  (V.  v.  4.  Juli  K.  8.)
1065.  —  desgleichen  bei  notariellen  Akten  auf  die  Berichtigung
  der  Erbschaftsabgabe  (V.  v.  5.  Juli  .  11.)
1124.

Er-
        <pb n="131" />
        Sachregister.

Notarien,  (Forts.)

Ernennung  und  Funktionen  der  Notare  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  #.  31.  32.  39.  50.)
1080.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;#.  20.  21.  32.)
1089.  —  desgl.  in  Naffau  und  den  vormals  Großherzoglich
  Hessischen  Gebietstheilen  (U.  v.  26.  Juni  SK.  20.
21.  31.)  100.

Diszivlinarverfahren  gegen  Notarien  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  V.  88.  67.  68.
77.)  1615.

Befugniß  der  Notare  in  Schleswig  und  Holstein
zu  Versteigerungen  in  Handelssachen  (V.  v.  5.  Juli)
S.  52.)  1144.

Gebühren  der  Notare  in  Schleswig  und  Holstein
(.  v.  26.  Juni  K&amp;amp;.  33.)  1080.  (V.  v.  30.  Aug.  I.  18.
25  —  .)  1378.  —  desgl.  in  Kurhefssen  und  den  vormals
  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  K.  22.)
1090.  (V.  v.  30.  Aug.  F.  19.  26—29.)  1395.  —
desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  F.  227.)  1099.
(V.  v.  30.  Aug.  S####21.  27—30.)  1409.

Stempelabgaben  und  Tagen  für  die  Akte  der  Notare
in  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (A.  E.  v.
24.  Juni)  1110.

Notariats-Instrumente,  Stempel  zu  denselben  in
Hannover,  Kurhessen,  Rassau  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  38.  46.
48.)  1210.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif
v.  7.  Aug.  Nr.  37.  45.  47.  88.  90.)  1295.

Rothstand  in  den  Regierungsbezirken  Königsberg  und
Gumbinnen,  Anordnungen  zur  Abhülfe  besselben  (G.  v.
23.  Dez.)  1929—1931.

Nullitätsquerel  gegen  rechtskräftige  Erkenntnisse  in
den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  r.  (V.  v.
24.  Juni  S.  103.)  913.

Nuttlar  (Westphalen),  Errichtung  der  „Schieferbau-Aktiengesellschaft
  Nuttlar  "  (Bek.  v.  4.  Juli)  1112.

Rusbolz,  Regulirung  der  Nuxzholzberechtigungen  der
Einwohner  des  Oberharzes  (V.  v.  14.  Sept.  S#  1
bis  8.  36—4.)  1621.

Nusungen,  Berechnung  der  Erbschaftsabgabe  don
Rutzungen  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  5.  Juli
K.  3.  c.  d.)  1121.  —  Berechnung  des  Stempels  von
Rutzungen  (B.  v.  19.  Juli  §.  2  c.  d.)  1192.  (V.  v.
7.  Aug.  K.  2.  c.  d.)  1278.

1867.  79

O.

Ober-Appellationsgericht  in  Berlin,  Errichtung
desselben  als  obersten  Gerichtshofes  für  die  neuen  Landestheile
  (V.  v.  27.  Juni)  1103—1107.  —  Dißziplinarbefugnisse
  des  Ober-Appellationsgerichts  (V.  v.  23.  Sept.
#rt.  II.  V.  ##.  69.  72.)  1615.

Aufbebung  der  Ober-Appellationsgerichte  in  Celle,
Kassel,  Wiesbaden  und  Kiel  (V.  v.  27.  Juni  &amp;amp;.  15.  16.)
1107.  —  Anderweitige  Organisation  des  bisherigen  Ober-Appellationsgerichts
  in  Celle  (V.  v.  17.  Aug.)  1358.

Ober-Apvpellationsgerichtspräsidenten  (Räthe),
Ernennung  und  Befugnisse  derselben  (V.  v.  27.  Juni
SAK.  3.  4.  6.  9.)  1105.

Oberbergämter  in  den  neuen  Landestheilen,  die  Direktoren
derselben  können  jederzeit  mit  Wartegeld  in  den  Ruhestand
  versetzt  werden  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Organisation  des  Oberbergamtes  in  Clausthal  (V.
v.  H.  Nov.)  1873.

Ober-Feuerwerker,,  Pensionszulage  für  die  im  Kriege
verwundeten  und  verstümmelten  Ober-Feuerwerker  (G.
v.  9.  Febr.  S&amp;amp;##.  1.  2.)  217.  —  Unterstützung  ihrer
Wittwen  und  Kinder  (ebend.  §#.  3—6.)  217.

Oberforstmeister  in  den  neuen  Landestheilen,  können
jederzeit  mit  Wartegeld  in  den  Ruhestand  versetzt  werden
(V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Obergerichte  in  Hannover,  Ausdehnung  ihrer  Zuständigkeit
  auf  die  Erledigung  einiger  nicht  prozessualischen
Rechtsangelegenheiten  (V.  v.  4.  Sept.)  1444—1415.

Oberharz,  Regulirung  der  Holz=  und  Kohlennutzungen
der  Einwohner  des  Oberharzes  (V.  v.  14.  Sept.)  1621
bis  1632.

Organisation  der  oberen  Harzverwaltung  (V.  v.
9.  Nov.)  1873—  1874.

s.  auch  Harz  und  Clausthal.

Oberhessen,  s.  Hessen  (vormals  Großherzoglich  Hessische
Gebietstheile).

Oberhofmarschall-Amt,  s.  Hofmarschall.

Oberlaufitz,  Erhebung  und  Verwaltung  der  Grundsteuer
in  der  Oberlausitz  (G.  v.  B.  Febr.  K.  49.)  202.

Ober-Postdirektionen,  Einrichtung  derselben  in
Kaf.  Frankfurt  a.  M.  und  Darmstadt  (A.  E.  v.  S.  April)

Die  Ober-Postdirektoren  in  den  neuen  Landestheilen
können  jederzeit  mit  Wartegeld  in  den  Rutestand  versetzt
werden  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Ober-
        <pb n="132" />
        80

Ober-Präsidenten  der  Regierungen  zu  Kassel  und
Wiesbaben,  Funktionen  derselben  (V.  v.  22.  Febr.  F.  10.)
277.

Die  Ober-Präfidenten  in  den  neuen  Landestheilen

sind  zu  Geschworenen  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.  S.  276

Nr.  3.)  997.

Befugnisse  des  Ober-Präsidenten  von  Hannover  in
Betreff  des  Provinzial-Landtags  (V.  v.  22.  Aug.  #.  11
bis  13.  15.  19—21.)  1354.  —  desgl.  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  I§  13—15.  17.21—23.)  1584.

Befugnisse  des  Ober-Präsidenten  in  Beziehung  auf
den  Kommunallandtag  des  Regierungsbezirks  Wiesbaden
(V.  v.  26.  Sept.  S##.  9—  11.  15—  17.)  1661.  —  desgl.
in  Beziehung  auf  den  Kommunallandtag  des  Regierungsbezirks
  Kassel  (V.  v.  20.  Sept.  S.  7.  19.  20.  23.  28  bis
30.)  1539.  —  insbes.  in  Beziehung  auf  die  Wahlen  zum
Kommunallandtage  (V.  v.  20.  Sept.  9#S.  6.  7.  24.)  1546.

Befugnisse  des  Ober-Präsidenten  in  Beziehung  auf
die  Kreisstände  im  Regierungsbezirk  Kassel  (V.  v.  9.  Sept.
K.  14.)  1476.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.
v.  22.  Sept.  F.  14.)  1590.

Befugnisse  des  Ober-Präsidenten  in  Beziehung  auf
die  Verfassung  und  Verwaltung  der  Landgemeinden  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  S#.  1.  2.  16.
27.  28.)  1603.

Entscheidung  des  Ober-Präsidenten  der  Provinz
Hannover  über  Beschwerden,  betreffend  die  Vereinigung
oder  Zersplitterung  von  Bauerhöfen  (A.  E.  v.  20.  Sept.)
1612.

Befugnisse  des  Ober-Präsidenten  der  Provinz
Preußen  in  Beziehung  auf  das  Landarmen=  und  Korrigendenwesen
  in  Westpreußen  (Regl.  v.  11.  Sept.  S§.  11.
16.  18.  19.  23.  24.  27.  W.  33.)  1713.  (Regul.  v.  17.
Okt.  26.  V.  1.  ff.)  1728.

Ober-Regierungsräthe  in  den  neuen  Landestheilen,
können  jederzeit  mit  Wartegeld  in  den  Rubestand  versetzt
werden  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Ober=  Staatsanwalte  in  den  neuen  Landestheilen,
Stellung,  Befugnisse  und  Funktionen  derselben  (Str.  P.  O.
K.  31.  Nr.  2;  #.  33—37.  81—83.  87.  270.  285.
392.  406.  446.)  941.

Ernennung  des  Ober-Staatsanwalts  bei  dem
Appellationsgericht  für  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
26.  Juni  H.  28.  39.)  1079.  —  desgl.  für  Kurhessen
und  die  vormals  Bayerischen  Gebietstheile  (V.  v.  26.
Juni  §&amp;amp;.  17.  32.)  1089.  —  desgl.  für  Nassau  und  die
vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheile  (V.  v.
26.  Juni  §S§.  17.  31.)  1098.

s.  auch  Staatsan  waltschaft.

Sachregister.

1867.

Oberster  Gerichtshof  fuͤr  die  neuen  Landestheile,
Kompetenz,  Verfahren  und  Entscheidungen  desselben  in
Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.  §S§.  19.  27.  42.  49.
395—401.  406.  412.  502.)  937.

Oberster  Gerichtshof  für  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;.  11.  27.)  1075.  —  desgl.  für  Kurhessen
  und  die  vormals  Bayerischen  Gebietstheile  (V.  v.
26.  Juni  #&amp;amp;#.  1.  16.)  1085.  —  desgl.  für  Nassau  und
die  vormals  Großberzoglich  Hessischen  Gebietstheile  (V.
v.  26.  Juni  d#.  1.  16.)  1094.

Errichtung  eines  obersten  Gerichtshofes  für  die
neuen  Landestheile  in  Berlin  (V.  v.  27.  Juni)  1103
bis  1107.

Ober-Telegraphen-JInspektionen,  Konstituirung

derselben  als  öffentliche  Behörden  (A.  E.  v.  9.  Janr.)  119.

Ober-Telegraphen-Inspektoren  in  den  neuen  Landestheilen,
  können  zu  jeder  Zeit  mit  Wartegeld  in  den
Ruhestand  versetzt  werden  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)
1617.  —  s.  auch  Telegraphenwesen.

Ober-Tribunal,  ist  der  oberste  Gerichtshof  für  Frankfurt
  a.  M.  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XVII.)  930.  —  Beziehungen
  des  Ober-Tribunals  zu  den  übrigen  neu  erworbenen
  Landestheilen  und  zu  dem  für  die  letzteren
errichteten  Ober  =  Appellationsgericht  in  Berlin  (V.  v.
27.  Juni  S§.  1.  2.  Nr.  11;  I.  8—11.)  1103.

Oberwesel  (Rheinprovinz),  f.  Chausseen  Nr.  42.

Obligationen,  s.  Schuldverschreibungen.

Obligationenrecht,  die  Gesetzgebung  über  ein  gemeinsames
  Obligationenrecht  in  den  Norddeutschen  Staaten
ist  Sache  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  13.)
820.

Obstanlagen,  Strafbestimmungen  in  den  neuen  Landestheilen,
  für  unbefugte  Nachlese  in  Obstanlagen  (V.
v.  25.  Juni  Art.  III.  K.  1.  Nr.  1.)  923.  —  de3gl.
für  Entwendung  von  Früchten  aus  denselben  (ebend.
§.  2.  Nr.  2.)  924.  —  desgl.  für  Beschädigung  von
Bäumen  und  Sträuchen  (ebend.  §.  2.  Nr.  3.)  924.

Oder,  Ermäßigung  der  Abgabe  für  das  Befahren  der
Wasserstraßen  zwischen  der  Oder  und  Elbe  (A.  E.  u.
Tarif  v.  9.  Sept.)  1577—  1580.

Deichverbände  gegen  Ueberschwemmungen  der  Oder,
s.  Deichverbände  Nr.  2.

Oderschleusen,  Tarif  für  die  Benutzung  der  Oderschleusen
  bei  Cosel,  Brieg,  Ohlau  und  Breslau  (A.  E.
v.  2.  Sept.)  1523—  1526.

Oesfentlichkeit  der  Verhandlungen  des  Norddeutschen
Reichstages  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  22.)  824.

Oeffentlichkeit  der  Prozeßverhandlungen  in  den  neuen
Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  rc.  (V.  v.  24.  Juni
K.  91.)  911.  —  desgl.  der  Hauptverhandlung  in  Untersuchungssachen
  (Str.  P.  O.  S#  233—235.)  987.

Oester-
        <pb n="133" />
        Sachregister.

Oesterreich,  Vertrag  zwischen  Preußen  und  Oesterreich
über  die  Erweiterung  der  Eisenbahnverbindungen  zwischen
den  beiderseitigen  Staatsgebieten  (v.  5.  Aug.)  1765  bis
1778.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Sachsen  rc.
und  Oesterreich,  betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums
  Oesterreichs  und  des  Fürstenthums  Liechtenstein
aus  dem  Deutschen  Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801  bis
1803.

HOeynhausen  (Provinz  Westphalen),  #.  Chausseen  Nr.  34.

Ofeea,  mum  Heizen  und  Kochen  bestimmt,  ist  in  den  neuen
Landestheilen  von  der  Pfändung  im  Wege  bder  abdministrativen
  Exekution  ausgeschlossen  (V.  v.  22.  Sept.
KS.  13.  d.)  1557.  «

Ofsizleke,UnterstüsnngbetWittwenunbKinderbet
im  Kriege  gebliebenen  oder  später  an  ihren  Wunden  gestorbenen
  Offziere  (G.  v.  9.  Febr.  F.  5.)  219.

ennung,  Vereidigung  und  Oualißikation  der
Offiziere  in  den  Staaten  des  Norddeutschen  Bundes
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  53.  63.  64.  66.)  832.
Einführung  der  Verordnungen  über  die  Ehrengerichte
und  über  die  Bestrafung  der  Offziere  wegen  Zweikampfs
  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  (A.  E.  v.
27.  Nov.  66.)  383.  —  desgl.  in  den  übrigen  Staaten
des  Rorddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  61.)
834

 

Verfahren  bei  gerichtlichen  Vorladungen  von  Offzieren
in  den  neuen  Lanbestheilen  (A.  E.  v.  1.  April)  521.

Vollstreckung  der  Exekution  gegen  Offiziere  in  den
neuen  Landestheilen  (A.  E.  v.  1.  April)  522—527.  —
Vollstreckung  der  administrativen  Exekution  gegen  dieselden
  wegen  rückständiger  Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c.
(V.  v.  22.  Sept.  S.  8.  13.  lit,  k.)  1556.

Heranziehung  der  nicht  aktiven  Offiziere  zu  den
Kommunalauflagen  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
23.  Sept.  §.  1.  Nr.  2;  &amp;amp;#.  9.  11.  12.)  1648.

Oblau  (Schlefien),  Tarif  für  die  Benutzung  der  Oderschleuse
  bei  Ohlau  (A.  E.  v.  2.  Sept.)  1523—1526.
Obligs  (Rheinprovinz),  Aktiengesellschaft  für  Dampfschleiferei
  zu  Ohligs,  Genehmigung  des  Statuts  (Bek.

v.  11.  Aug.)  1312.

Oldenburg  (Großherzogthum),  Vertrag  mit  Oldenburg
wegen  Ausführung  einer  Eisenbahn  von  Leer  nach  Oldenburg
  (v.  17.  Janr.)  441—449.  —  desgl.  wegen  Anlage
  einer  Eisenbahn  von  Reumünster  über  Plön  und
Eutin  nach  Neustadt  (Vertr.  v.  29.  Mai)  1429—1431.

Berichtigung  der  dem  Großherzog  von  Oldenburg
zu  zahlenden  Entschädigung  von  einer  Million  Thaler
(G.  v.  19.  Janr.)  549.

Jahrgang  1867.

1867.

Oldenburg  Großherzogthum],  (Fortf.)

Theilnahme  des  Großherzogthums  am  Norddeutschen
Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  dasselbe
führt  im  Bundesrath  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.

Uebereinkunft  zwischen  Preußen  und  Olbenburg
wegen  gleicher  Besteuerung  der  inneren  Erzeugnisse  (v.
27.  und  30.  April)  881—883.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Olden,
burg  2c.,  betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums
Oesterreich  und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem
Deutschen  Münzverein  (b.  13.  Juni)  1801.

Orb  (vormals  Bayerisch),  Ausübung  der  Gerichtsbarkeit
in  dem  Bezirk  des  Landgerichts  zu  Orb  (A.  E.  v.  22.
Dez.  66.)  6—7.  (A.  E.  v.  6.  Mai)  699.  (A.  E.  v.
8.  Juli)  1164.

Der  Landgerichtsbezirk  Orb  gehört  zum  Regierungsbegirk
  Kassel  (V.  v.  22.  Febr.  S.  1.  Nr.  2;  §.  3.  Nr.  19.)
273.

Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  (V.  v.  24.  Juni)  842—846.

Einrichtung  einer  besonderen  Verwaltungsstelle  für
den  Bezirk  Orb  (A.  E.  v.  24.  Juni)  1261.

Orden,  bei  Untersuchungen  in  den  neuen  Landestheilen
ist  von  Seiten  des  Richters  zu  ermitteln,  ob  der  Beschuldigte
  Orden  besitzt  (Str.  P.  O.  §.  154.)  970.

Ordnung,  Aufrechterhaltung  der  Ordnung  bei  den
Prozeßverhandlungen  in  den  neuen  Prodinzen  Kurhessen,
Nassau  rc.  (V.  v.  24.  Juni  K.  99.)  912.  —  desgl.  bei
den  Untersuchungsverhandlungen  (Str.  P.  O.  #.  187
bis  191.  236.)  978.

Ordnuungsstrafen  gegen  den  Vorstand  einer  Genossenschaft
  (G.  v.  27.  März  &amp;amp;6.  54.  55.)  515.  —  insbesondere
in  Hannover  (V.  v.  12.  Juli  §.  6.)  1190.  —  desgl.  in
Kurhessen,  Nassau,  Frankfurt  und  den  vormals  Baherischen
  und  ue  Hessischen  Gebietstheilen  (V.
d.  12.  Aug.  K.  5.)  1

ueohbe  ran  Ruhestörer  bei  gerichtlichen
Prozeßverhandlungen  in  Kurhessen,  Rassau  2c.  (V.  v.
24.  Juni  K.  99.)  912.  —  desgl.  gegen  Rechtsanwalte,
welche  es  versäumen,  von  den  Schriftsätzen  eine  Abschrift
beizufügen  (ebend.  §.  100.)  913.

Orbnungsstrafen  gegen  Nuhestörer  in  Untersuchungssachen
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  S#.  187
bis  191.)  978.

Verhängung  von  Orbnungsstrafen  im  Wege  des
Disziplinarverfahrens  gegen  Beamte  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  V.  §S§.  60.  61.)
1614.

81

I.  Orb-
        <pb n="134" />
        82

Ordnungsstrafen,  (Fortf.)

Ordnungsstrafe  gegen  Beamte  in  den  neuen  Landestheilen,
  welche  zu  amtlichen  Verhandlungen  den  tarifmäßigen
  Stempel  nicht  verwenden  (V.  v.  19.  Juli  K.  16.
19.  20.)  1197.  (V.  v.  7.  Aug.  §.  16.  19.  20.)  1283.  —
Andere  Ordnungsstrafen  in  Stempelsachen  (V.  v.  19.  Juli
SK.  25.  26.  28.)  1199.  (V.  v.  7.  Aug.  .  25.  26.
28.)  1285

Verdangung  von  Ordnungsstrafen  Seitens  der
Handelsgerichte  in  Holstein  und  Schleswig  (V.  v.  5.  Juli
S#.  11—19.  21.  83.)  1136.

Ortserheber,  Bestellung  derselben  zur  Einziehung  der
Grundsteuer  (G.  v.  8.  Febr.  S#  33.  46—48.)  197.
Osnabrück  (Hannover),  Aufhebung  der  Landeslotterie

in  Osnabrück  (A.  E.  v.  5.  Juli)  1056.

Aufhebung  der  Königlichen  Polizeidirektion  daselbst

(A.  E.  v.  21.  Dez.)  1910.
Ostbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  34.

Osterode  (Provinz  Preußen),  Ausfertigung  von  Kreisobligationen
  des  Osteroder  Kreises  im  Betrage  von
40,000  Thalern  zu  5  Prozent  (Priv.  v.  12.  Nov.  66.)
1—4.

Ostpreußische  Südbahn,  f.  Eisenbahnen  Nr.  35.

Ostpreußisches  Provinzialrecht,,  Abänderung  der
S§.  1—13.  des  Zusatzes  228,  betreffend  den  Bernstein
(G.  v.  22.  Febr.  Art.  IV.)  272.  "

P.

Pacht,  inwiefern  der  Pächter  zur  Zahlung  der  im*ms
steuer  verpflichtet  ist  (G.  v.  8.  Febr.  K.  45.)

Pachtvertrag,  Stempel  zu  Pachtverträgen  in  nnn
Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  r.  19.  Juli  §.  44.)  1197.  (Tarif  v.  19.
Juli  Nr.,  41.)  1210.  —  desgl  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  7.  Aug.  F.  14.)  1283.  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  4)“  1295.

Papiere,  Außer=  und  Wiederinkurssetzung,  besgleichen
Umschreibung  von  Papieren  auf  Inhaber  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  16.  Aug.)  1457—1461.  —  Ausstellung
  von  Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung
an  jeden  Inhaber  enthalten  (V.  v.  17.  Sept.)  1518.

Abpfändung  der  auf  jeden  Inhaber  lautenden  Papiere
  wegen  rückständiger  Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c.
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  §#.  18.
29,  a.)  1560.

Sachregister.

1867.

Popiergeld,  die  Feststellung  der  Grundsätze  über  die
Emission  von  Papiergeld  in  den  Rorddeutschen  Staaten
ist  Sache  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.
Nr.  3.)  820.

Parzellirung  Gertheilung)  von  Grundstlücken,  Stempelfreiheit
  für  die  darauf  bezüglichen  Verhandlungen  in
Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli  §.  3.  d.)  1182.
—  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.
K.  3.  d.)  1278.  —  f.  auch  Dismembration.

Paßwesen,  die  Bestimmungen  darüber  unterliegen  in
den  Norddeutschen  Staaten  der  Aufficht  und  Gesetzgebung
des  Bundes  (Verf.  d.  24.  Juni  F.  4.  Nr.  1.)  819.

Beschlagnahme  der  Reisepässe  im  Untersuchungsverfahren
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
FS.  106.)  959.

Stempelfreiheit  der  Gesuche  um  Reisepässe  in  Schleswig
  und  Holssein  (V.  v.  7.  Aug.  K.  3.  h.)  1279.  —
S-  zu  Pässen  in  *  und  heihel  (Tarif

.  Aug.  Ar1¾  89.)  1306

P  ichtsbarkeit  in  Schlezwig  und
—  —  berselben  (8.  v.  26.  Juni  §P.  3.
4.  40.  44—49))  1

Peene  (Fluß),  der  Schiffahrtsabgaben  für
das  Befahren  der  Peene  (A.  E.  v.  22.  Nop.  Nr.  2.)
848

1848.
Peiskretscham  (Schlefien),  s.  Chausseen  Nr.  16.
Pension,  Pensionszulage  für  die  im  Kriege  verwundeten
und  verstümmelten  Militair-Invaliden  (G.  v.  9.  Febr.
S.  1.  2.)  217.

Verfahren  bei  Pensionirung  der  Beamten  in  den
neuerworbenen  Landestheilen  (A.  E.  v.  17.  Janr.)  31.
—  Nähere  Bestimmungen  über  die  Pensionsansprüche
dieser  Beamten  (V.  v.  6.  Mai)  713—714.  —  Penfionirung
  derselben  im  Wege  des  Disziplinarverfahrens
(V.  v.  23.  Sept.  Art  I.  ff.)  1613.

Pensionirung  der  städtischen  Beamten  in  dem  ehemaligen
  Königreich  Hannover  (A.  C.  v.  8.  Mai)  728.

Pension  der  Bürgermeister,  Stadträthe  und  Gemeindebeamten
  in  Frankfurt  a.  M.  (G.  v.  25.  Mürz
S.  72.)  418.

Beschlagnahme  der  Pensionen  von  Beamten  in  den
neuen  Landestheilen  im  Wege  des  gerichtlichen  Verfahrens
(V.  v.  24.  Juni  K.  104.)  914.  G.  v.  23.  Seyt.  8.  3.)
1620.  —  Beschlagnahme  derselben  im  Wege  der  abministrativen
  Exelution  zur  Beitreibung  rückständiger  Abgaben,
  Steuern,  Kosten  v.  (V.  v.  22.  Sept.  8.  32)
1565.

Pensionqire,  Heranziehung  derselben  zu  den  Kommunal=Auflagen
  in  den  neuen  Landeztheilen  (V.  v.  23.  Sept.
K  1.  Nr.  2.  u.  4;  K.  2.  ff)  1648.

Per-
        <pb n="135" />
        Sachregister.

Prcheberger  Wiesenverband  (Stat.  v.  13.  Mai)  793
799.

Wu#T#lssfarren,  inwieweit  die  Volstreckung  desselben
gegen  Militairpersonen  in  den  neuerworbenen  Landestheilen
  zulässig  ist  (A.  E.  v.  1.  April  Zusamm.  D.)  527.

Allgemeine  Bestimmung  über  die  Vollstreckung  des
Personalarrestes  in  den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,
Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  K.  102.)  913.  —  insbesondere
  gegen  Beamte  (ebend.  104.)  914.  G.  v.  23.  Sept.
K.  3.)  1620.  —  Vollstreckung  desselben  im  Wege  der
administraliven  Exekution  zur  Einziehung  von  Steuern,
Abgaben,  Kosten  k.  (V.  v.  22.  Sept.  K.  2.)  1554.

Personenstand,  Kosten  für  die  Beglaubigung  des  Personenstandes
  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  K.  14.)  1394.

HPetershagen  (Provinz  Brandenburg),  Eisenbahn  don
Rüdersdorf  nach  Petershagen,  s.  Eisenbahnen  Nr.  6.

Petitionen  an  den  Rorddeutschen  WJ9!  Bedandlung
derselben  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  23.)  82

Pfäble,  Strafe  für  die  Beschädigung  8  Zerstsrung
der  Baum,  und  Prellpfäble  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  S.  3.  Nr.  1.)  924.  —  desgl.
für  die  Fortnahme  von  Merkpfählen  (ebend.  K.  3.  Nr.  2.
u.  K.  4.)  924.

Pfandbriefe,  Erlöschen  der  Garantie  des  eigenthümlichen
  Fonds  der  Schlesischen  Landschaft  für  die  neuen
landschaftlichen  Pfandbriefe  (Bek.  v.  27.  März)  439.
—  Ausstellung  neuer  Pfandbriefe  der  Schlesischen  Landschaft
  (Regul.  d.  22.  Nov.  Einl.  u.  Ss.  31.  ff.)  1876.

Hfandleiher,  Bestimmung  über  die  Zinsen  der  Pfandleihonstalten
  in  den  atuerworbenen  Landestheilen  (G.  v.
18.  März  F.  3.)  387

Pfandprotokoll  in  Schlesnig  und  Holstein,  s.  Schuldund
  Pfand-Protokoll.
fändung,  im  administrativen  Wege  zur  exekutivischen
Beitreibung  rückständiger  Abgaben,  Steuern,  Kosten  2c#
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  IS#.  11—19.)
1557.  —  .  auch  Esekution.

Pferde,  Lieferung  derselben  in  den  neuen  Landestheilen
bei  eintretender  Mobilmachung  (V.  v.  22.  Sept.  .  1.
Nr.  2.)  1632.

Pforte,  Strafe  für  das  unbefugte  Oeffnen  der  zur
Sperrung  von  Wegßen  oder  Eingängen  dienenden  Pforten
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.

TK.  1.  Kr.  8.)  924.

Pfund,  Anwendung  und  Einkheilung  desselben  als  Medizinalgewicht
  (G.  v.  16.  März  §#.  1—3.)  386.

Das  Pfund  bilbet  die  Einheit  des  Gewichts  in
den  ehemals  Baterischen  Gebietstheilen  (V.  v.  5.  Juli
K.  1.  ff.)  1130.  —  s.  auch  Gewicht.

1867.  83

Pillan  g  Preußen),  Ermshigung  bes  Hafengeldes
in  Pillau  (A.  E.  v.  13.  Mai)  703

Piplin  (Provinz  Preußen),  s.  chaus  seen  Nr.  4.
Pitschen  (Oberschlesien),  f.  Chausseen  Nr.  11.

Platendof  (Probinz  Preußen),  Wegfall  der  Schiffahrtsabgaben
  auf  dem  Weichselhaff-Kanal  bei  der  Hebestelle  zu
Platenhof  (A.  E.  v.  27.  Nov.)  1933.

Plauer  Kanal,  Tarif  für  das  Befahren  desselben  (v.
9.  Sept.  A.)  1578.

Plön  (Holstein),  Eisenbahn  von  Neumünster  über  Plön

nach  Neustadt,  s.  Eisenbahnen  Nr.  29.

Plötzen=  See  (Provinz  Preußen),  Verband  zur  Entwässerung
  der  Niederungen  am  Masehnen-,  Faulen=  und
Plötzen-See  (Stat.  v.  26.  Sept.)  1787—1795.

Pogorzella  (Provinz  Posen),  s.  Chausseen  Nr.  19.

Polltische  Verbrechen,  #.  Staatsverbrechen.

Polize,  s.  Assekuranz-Polize.

Polizei,  die  Bestimmungen  über  die  Fremdenpolizei
unterliegen  in  den  Norddeutschen  Staaten  der  Aussicht
und  Gesetzgebung  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.
Nr.  1.)  819.  —  desgl.  die  Maabregeln  der  Medizinalund
  Veterinair-Polizei  (ebend.  Art.  4.  Nr.  15.)  820.

Polizelanwalte  in  den  neuen  Landestheilen,  Ernennung
  und  Verrichtungen  derselben  (Str.  P.  O.  F.  31.
Nr.  4;  66.  32—37.  359.  360.)  941.  (V.  v.  25.  Juni
Art.  XXIV.)  932.

Polizeiaufsicht,  in  welchen  Faͤllen  bei  Zolldefraubationen
  in  Holstein  und  Schleswig  auf  Stellung  unter
Polizeiaufsicht  zu  erkennen  ist  (V.  b.  29.  Juli  g.  2.
Nr.  2.)  1266.  —  desgl.  in  Hannover,  Kurbesse,  Nassau
  2c.  (V.  v.  29.  Juli  §&amp;amp;.  2.  Nr.  1.)  1268

Polizeibeamte  in  den  neuen  bandestbeilen,  können  in
derselben  Sache  nicht  als  Richter  oder  Gerichtsschreiber
mitwirken  (Str.  P.  O.  F.  24.  Nr.  4.)  939.  —  auch
nicht  als  Geschworene  (ebend.  S.  295.)  1001.  —  Verpflichtung
  der  Polizeibeamten  zur  Erforschung  und  Anzeige
  strafbarer  Handlungen,  zu  Haussuchungen  und  Verhaftungen
  (ebend.  S§.  59.  95.  124.  127.)  918.  —  Verbältniß
  derselben  zur  Staatsanwaltschaft  und  zum  Untersuchungsrichter
  (ebend.  §.  62.  73.)  948.

Verpflichtung  der  Polizeibcamten  in  den  neuen
Landestheilen,  Stempeldefraudationen  anzuzeigen  (V.  v.
19.  Juli  §.  23.)  1199.  (V.  v.  7.  Aug.  §.  23.)  1285.
—  insbesondere  beim  Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli
K.  8.)  1065.  —  desgl.  beim  Kalenderstempel  (V.  v.
5.  Juli  K.  5.)  1069.  —  ferner  in  Erbschaftsfällen  (V.

5.  Juli  S.  11.)  1124.
I"  Ver-
        <pb n="136" />
        84

Polizeibeamte,  (Forts.)

Verpflichtung  der  Polizeibeamten  in  Schleswig  und
Holstein,  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Vorschriften  des
Handelsgesetzbuchs  anzuzeigen  (V.  v.  5.  Juli  S.  19.)
1138  ·

Ernennung,  Rechte  und  Pflichten  der  Polizeibeamten
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  20.  Sept.  S§.  1.  2.
4.  5.  13.)  1529.

Polizeibehörden  in  den  neuen  Landestheilen,  Rechte
und  Pflichten  derselben  (V.  v.  20.  Sept.  §#.  1.  2.  5.
13.  18.)  1529.  —  Verpflichtung  derselben  zur  Ermittelung
  und  Anzeige  strafbarer  Handlungen,  zu  Haussuchungen,
  Verhaftungen,  Steckbriefen  k.  (Str.  P.  O.
S&amp;amp;.  59.  95.  124.  127.  130.  133.)  948.  —  Verhältniß
derselben  zur  Staatsanwaltschaft  und  zum  Untersuchungsrichter
  (ebend.  §§.  62.  73.)  948.

Polizeidirektionen,  Aufhebung  der  Königlichen  Poligeidirektionen
  zu  Osnabrück  und  Hildesheim  (A.  E.  v.
21.  Dez.)  1940.

Pollzeidirektoren  in  den  neuen  Landestheilen,  find  zu
Geschworenen  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.  K.  276.
Nr.  3.)  997.  —  Mitwirkung  *  bei  Anfertigung
ber  Urlisten  (ebend.  S.  282.)  99

Pollizeigerichte  in  den  neuen  —  Zuständigkeit
  und  Organisation  derselben  (Str.  P.  O.  #.  11.
12.  47—49.  448—450.  484.  497.)  935.  —  Verfahren
der  Polizeigerichte  (ebend.  S#.  356—363.  485;  ferner
§.  15.  Nr.  1;  S#.  66.  67.  Nr.  2;  &amp;amp;#.  144.  158.  Nr.  1;
##  186.  414—417.)  1015.  —  Ediltalverfahren  (ebend.
&amp;amp;  462—467.  472.  476.)  1040.

Ansatz  der  Gerichtskosten  in  polizeigerichtlichen
Strafsachen  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  30.  Aug.
K.  4.  Nr.  1.)  1413.  —  Gebühren  der  Rechtsanwalte
(ebend.  S.  17.  A.  Nr.  2.)  1417.

Verwaltung  der  zu  den  Polizeigerichten  gehörigen
Gefängnisse  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  XIII.)  928.

Polizeigerichtsbarkeit  in  Schleswig  und  Holstein,
Kosten  derselben  (V.  v.  2b.  Juni  g8.  2.  41.)  1073.
Polizei-Präsidenten,  sind  in  den  neuen  Landestheilen
zu  Geschworenen  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.  .  276.
Nr.  3.)  997.  —  Mitwirkung  derselben  bei  Anfertigung

der  Urlisten  (ebend.  K.  282.)  998.

Polizeirichter  in  den  neuen  Landestheilen,  Ablehnung
derselben  (Str.  P.  O.  §.  27.)  939.  —  Funktionen  derselben
  in  der  Voruntersuchung  und  im  Ermittelungsverfahren
  (ebend.  S#.  16.  18.  61.  63.  64.  121.)  936.
—  besgl.  in  polizeigerichtlichen  Untersuchungen  (ebend.
K.  356.  357.  360.  361.  Nr.  4.)  1015.  —  Sonstige
Befugnisse  des  Polizeirichters  (ebend.  S§.  132.  194.)

Sachregister-1867.



Polizeirichter,  (Fortf.)

965.  —  Rechtsmittel  gegen  die  Verfügungen  desselben
(ebend.  §§.  402.  416.)  1026.  —  Die  Polizeirichter  haben
bei  Entscheidungen  über  Zuwiderhandlungen  gegen  polizeiliche
  Vorschriften  nur  die  Gültigkeit  der  letzteren  in
Erwägung  zu  ziehen  (V.  v.  20.  Sept.  §.  15.)  1532.

Die  Verrichtungen  des  Polizeirichters  werden  in
Hannover  durch  die  Amtsrichter  wahrgenommen  (V.  v.
25.  Juni  Art.  XV.  S.  4.)  930.  —  in  Frankfurt  a.  M.
durch  den  Rügerichter  (ebend.  Art.  XVII.)  930.

Polizeistrafgesetz  für  Hannoder  vom  25.  Mai  1847.,
wird  außer  Wirksamkeit  gesetzt  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XV.
F.  1.)  929.

Polizeiverordnungen  in  den  neuen  Landestheilen,
welche  polizeilichen  Vorschriften  dort  in  Kraft  verbleiben
(V.  v.  25.  Juni  Art.  VI.  Nr.  1.  2.)  926.  —  Befugniß
der  Ortspolizeibehörden  und  der  Bezirksregierungen  zum
Erlaß  von  Polizeiverordnungen  mit  Undrohung  von
Strafen  (V.  v.  20.  Sept.  S6.  5—14.)  1530.

Polizeiverwaltung  in  Frankfurt  a.  M.  (V.  v.
29.  Juni)  917.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  22.  Sept.  §.  3.  Nr.  3;  K.  4.)  1587.

Allgemeine  Bestimmungen  über  die  Polizeiverwaltung
in  den  neuerworbenen  Landestheilen  (V.  v.  20.  Sept.)
1529—1533.

Pommern  (CProvinz),  Auflösung  des  Lehnsverbandes
in  Alt=  Vor=  und  Hinterpommern,  Abänderung  der
Lehnstaxge  (G.  v.  4.  März)  362—367.

Genehmigung  mehrerer  Zusätze  zu  dem  revidirten
Reglement  der  Pommerschen  Landschaft  vom  26.  Oktober
1857.  (A.  E.  v.  16.  Rov.)  1831—1832.

Abänderung  des  K.  34.  des  Feuersozietäts-Reglements
  vom  20.  August  1841.  für  das  platte  Land  von
Altpommern  (A.  E.  v.  9.  Dez.)  1912.

Genehmigung  eines  Nachtrages  zu  dem  Statut  der
Pommerschen  Hypotheken-Aktienbank  in  Cöslin  (Bek.  v.
4.  Dez.)  1904.

Portofreiheit  der  Mitglieder  des  Fürstlich  Thurn  und
Taxisschen  Hauses  (Vertr.  v.  28.  Janr.  Art.  17.)  359.

Portofreiheit  für  die  Verfügungen  der  Gerichte  und
der  Staatsanwaltschaft  in  Strafsachen  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  30.  Aug.  8.  12.)  1416.

Portofreiheit  der  Landarmen-Direktion  in  Westpreußen
  (Regl.  v.  11.  Sept.  K.  40.)  1720.  (Regul.  v.
17.  Okt.  26.  K.  11.)  1730

Posen  (Provinz),  Genehmigung  des  revidirten  Statuts
der  Provinzial-Aktienbank  des  Großherzogthums  Posen
(A.  E.  v.  25.  Febr.  nebst  Statut)  281—300.

Vertheilung  des  eigenthümlichen  Fonds  des  landschaftlichen
  Kreditvereins  der  Provinz  Posen  (A.  E.  v
14.  Nov.)  1824.

Po-
        <pb n="137" />
        Sachregister.

Posen  (Stabt),  Provinzial-Altienbank  in  Posen,  Genehmigung
  des  revidirten  Statuts  (A.  E.  v.  25.  Febr.
nebst  Statut)  281—300.

Märkisch  =  Posener  Eisenbahn,  s.  Eisen  bahnen
Nr.  26.

Possefsoriensachen,  Verfahren  in  den  neuen  Landestheilen
  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  §.  37
bis  39.)  895.

Post,  Zustellung  gerichtlicher  Strafurtbeile,  Beschlüsse  und
Verkügungen  in  den  neuen  Landestheilen  durch  die  Post
(Str.  P.  O.  S#.  198.  204.)  980.

Postbeamte  der  Thurn  und  Taxisschen  Postverwaltung,
Uebernahme  derselben  in  den  Preußischen  Postdienst
(Vertr.  v.  28.  Janr.  Ark.  8—  14.)  358.

Anstellung,  Dienstverhältuiß  und  Vereidigung  der
Postbeamten  im  Gebiete  des  Norddeutschen  Bundes
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  50.)  831.

Postgefälle  (Postgebühren),  exekutivische  Beitreibung
derselben  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  d.  22.  Sept.
5.  1.  Nr.  1.c.)  1553.  —  s.  auch  Postkontraventionen.


HPostkontraventionen,  Verfahren  bei  Zuwiderhandlungen
  gegen  die  Vorschriften  über  die  Erhebung  der
Postgefälle  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
.  477—  485.)  1043.  —  Verjährung  derselben  (V.  v.
25.  Juni  Art.  XI.)  927.

Postwesen,  Vereinigung  des  Postwesens  in  den  vormals
  Bayerischen  Landestheilen  mit  der  Preußischen  Postberwaltung
  (A.  E.  v.  5.  April)  487.

Uebertragung  des  gesammten  Thurn  und  Taxisschen
Postwesens  auf  den  Preußischen  Staat  (Vertr.  v.  28.  Janr.)
354  —  360.  (G.  v.  16.  Febr.)  353.  —  Nähere  Bestimmungen
  über  die  Ausführung  dieser  Maaßregel  (A.  E.
v.  25.  Mai)  848.

Die  Bestimmungen  über  das  Postwesen  in  den  Norddeutschen
  Staaten  unterliegen  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung
  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  10.
u.  Art.  48.)  820.  —  Bildung  eines  dauernden  Ausschusses
  im  Bundesrath  für  Postangelegenheiten  (ebend.
Art.  8.  Nr.  5.)  822.  —  Nähere  Anordnungen  über  das
Postwesen  im  Gebiete  des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.
d.  24.  Juni  Art.  48—52.)  830.

Die  Postverwaltung  in  Preußen  geht  von  dem
Handels-Minister  an  den  Präsidenten  des  Staats  Ministeriums
  über  (A.  E.  v.  28.  Sept.)  1780.

Präklusionsverfahren,  für  Entwässerungsanlagen  in
Neuvorpommern  und  Rügen  (G.  v.  9.  Febr.  K.  29.)  226.

1867.  85

Prämienverloosung,  Strafe  für  die  verbotene  Betheiligung
  an  auswärtigen  Prämienverloosungen  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  IV.  Nr.  2.)  925.

Präsidenten,  Wahl  der  Präfidenten  und  Vize-Präfdenten
  des  Rorddeutschen  Reichstages  (Verf.  v.  24.  Junt
Art.  27.)  825.

Ernennung  unb  Funktionen  der  Praͤsidenten  bei  ben
Appellationsgerichten  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
26.  Juni  I#.  24.  37.  39.)  1078.  (V.  v.  26.  Juni
S#&amp;amp;.  13.  30.  32.)  1088.  (V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;K.  13.  29.
31.)  1097.  —  desgl.  bei  dem  Ober-Appellationsgericht
in  Berlin  (V.  v.  27.  Juni  &amp;amp;§.  3.  4.  6.  9.)  1105.

Prausnitz  (Schlefien),  .  Chausseen  Nr.  13.

Prellpfahl,  s.  Pfähle.

Presse,  Anwendung  des  Preßgesetzes  vom  12.  Mal  1851.
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  B.)
922.

Prepßvergehen,  sind  in  den  neuen  Landestheilen  von  der
Zuständigkeit  der  Polizeigerichte  ausgenommen  (Str.  P.
O.  S§.  11.  497.)  935.

Preußen  (Königreich),  gehört  zum  Norddeutschen  Bunbesgebiet
  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  führt  im
Bundesrath  17  Stimmen  (ebend.  Art.  6.)  821.—  Das
Präfidium  des  Bundes  steht  der  Krone  Preußen  zu
(ebend.  Art.  11.)  823.  —  Seine  Majestät  der  König
von  Preußen  hat  den  Oberbefehl  über  die  Kriegsmarine
des  Bundes  (ebend.  Art.  53.)  832.  —  desgl.  über  die
gesammte  Landmacht  des  Bundes  (ebend.  Art.  63.)  835.—
s.  auch  Bundes-Präsidium,  Bundesfelbherr.

Preußen  (Provinz),  Abhülfe  des  Rothstandes  in  den
Regierungsbezirken  Königsberg  und  Gumbinnen  (G.  v.
23.  Dez.)  1929—1931.

Privatgerichtsbarkeltt,  Aufhebung  bderselben  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Junl  I#.  3.  4.  40.
44—49.  1074.

Privatgewässer,  Verbindlichkeit  zur  Unterhaltung  und
Räumung  der  Privatwasserläufe  in  Neuvorpommern  und
Rügen  (G.  v.  9.  Febr.  &amp;amp;  1—3.)  220.

Strafe  für  die  Verunreinigung  der  Privatgewässer
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  rt.  III.
K.  1.  Nr.  3.)  924.

Privatinteresse,  ist  bei  Untersuchungen  in  den  neuen
Landestheilen  ein  Grund  zur  Ablehnung  eines  Richters
oder  Gerichtsschreibers  (Str.  P.  O.  K.  25.  Nr.  2.)  939.
—  desgl.  eines  Sachverständigen  (ebend.  K.  169.)  974.
—  Die  Vereidung  eines  Zeugen  oder  Sachverständigen
kann  wegen  seines  Interesses  zur  Sache  unterbleiben
(ehenb.  SS.  162.  172.)  972.

Pri-
        <pb n="138" />
        22

86

Privatklage,  Zulässigleit  derselben  bei  Beleidigungen
und,  Verleumbungen,  Mißhandlungen  und  Verletzungen
in  Frankfurt  a.  M.  und  in  den  übrigen  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  25.  Febr.)  279.  (Str.  P.  O.  S#.  487.
bis  510.)  1045.  —  Ansatz  der  Gerichtskosten  (V.  v.
30.  Aug.  #.  7.  8.  D;  §.  16.  21.  22.)  1414.  —
Gebühren  der  Rechtsanwalte  (ebend.  §L.  17.  B.  u.  Fj
+  .  18.)  1417

Privatpersonen,  Verfahren  der  Gerichte  in  den  neuen
Landestheilen,  wenn  die  Anzeige  einer  strafbaren  Handlung
  von  einer  Privatperson  gemacht  wird  (Str.  P.  O.
K.  61.)  948.  —  Befugniß  der  Privatpersonen,  den
Thäter  einer  strafbaren  Handlung  zu  ergreifen  (ebend.
K.  124.)  963.

Privatrechte,  inwiefern  in  den  neuen  Landestheilen
eine  Entscheidung  über  Privatrechte  im  Strafverkahren
zulässig  ist  (Str.  P.  O.  §#.  8.  .)  934.  —  Wirkung
rechtskräftiger  Strafurtheile  auf  die  privatrechtlichen
Folgen  einer  strafbaren  Handlung  (ebend.  §.  10.)  935.

Prlvatwege,  s.  Wege.

Probe,  Kauf  auf  Probe  in  Schleswig  und  Holstein  (V.
v.  5.  Juli  S.  51.)  1144.

Landestheilen  Kurhessen,
K.  89.)  909.

Professoren,  Befähigung  derselben  zur  Anstellung  als
richterliche  Beamte  in  den  neuen  Landestbeilen  (V.  v.
8.  Febr.  K.  2.)  209.

Professoren  find  in  den  neuen  Landestheilen  zu
Geschworenen  wählbar  (Str.  P.  O.  §.  274.  Schlußsatz)
9.

11-4244  EIA.

Verfahren  in  den  neuen
Kasen  #k.  (V.  v.  24.  Juni

Prokura,  Ertheilung  und  Aufbebung  derselben  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  F.  88.)  1152.

Prokuratoren.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherwiun
  Feln  Gebietstbeilen  (V.  v.  26.  Juni  §9.  18.
34.)  1

rpe  in  den  neuen  Landestheilen,
benselben  (V.  v.  4.  Juli  I#.  1.  ff.)  1063.

Proteste,  Stempel  zu  Protesten  in  Hannover,  Kurhessen,
Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstbeilen
(Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  45.)  1212.  —  desgl.  in  Schleswig
  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  41.)  1296.—
s.  auch  Wechselprotest.

Protokoll,  der  von  den  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen
  geleistete  Diensteid  befähigt  dieselben  zur  Führung
  eines  glaubhaften  Protokolls  (V.  v.  22.  Janr.  JF.  3.)
133

Stempel  zu

Vorschriften  über  die  Aufnahme  der  Protokolle  in  Untersuchungssachen
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.

Sachregister.

1867.

Protokoll,  (Fortf.)
S#  23.  116—  150.  168.)  938.  —  Verlefung  aufgenommener
  Protokolle  in  der  Hauptverhandlung  (ebend.  89.  246.
bis  249.)  990.—  Aufnahme  des  Sitzungsprotokolls  über
die  Hauptverhandlung  (ebend.  S#.  256—  258.  265.)  992.
—  Protokoll  über  die  Vollstreckung  eines  Todesurtheils
(ebend.  K.  432.)  1034.

Aufnahme  der  Protokolle  in  Untersuchungen  wegen
Zolldefraudationen  in  den  neuen  Landestheilen  (Ordn.  v
29.  Juli  H.  4.  5.  10.  15.)  1271.

Stempel  zu  Protokollen  in  Hannover,  Kurhessen,
Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  46.)  1212;  —  desgl.  in  Schleswig
  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  45.  90.)  1297.

Provinzial-Aktienbank,  in  Posen,  s.  Banken.
Provinziallandschaften,  in  Hannover,  führen  fortan
die  Benennung  „Landschaft“  (V.  v.  22.  Sept.  F.  2.)
1635.  —  s.  auch  Landschaften.
Provinziallandtag:
1)  für  Hannover  (V.  v.  22.  Aug.  SS.  1—21.)  1349.
(A.  E.  v.  29.  Aug.)  1368.  —  Befugnisse  desselben  in
Beziebung  auf  die  Kreisstände  (V.  v.  12.  Sept.  #K.  5.
10.  20.)  1498.  —  desgl.  in  Beziehung  auf  die  Landschaft
  (V.  v.  22.  Sept.  F.  4.)  1636.
2)  für  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.
S  1—23.)  1581.  —  Befugnisse  desselben  in  Beziehung
auf  die  Kreisverwaltung  (V.  v.  22.  Sept.  ##.  1.  7.  18.)
1587.  —  desgl.  in  Beziehung  auf  die  Lnrtgemeinte,
Verlafsung  und  Verwaltung  (V.  v.  22.  Sept.  S.  3.  30.)

n  für  die  Provinz  Preußen,  Befugnisse  desselben
in  Beziehung  auf  das  Landarmen,  und  Korrigendenwesen  in
Westpreußen  (Regul.  d.  17.  Okt.  26.  S##  2.  12.)  1728.
(Regl.  v.  11.  Sept.  §#.  11.  16.  19.  22.  26.  27.  33.  37.)
1713.

Provinzial=  Schulkollegien,  Errichtung  derselben
in  Kiel,  Hannover  und  Kassel  (V.  v.  22.  Sept.)  1570.

Provinzialstände  in  Hannover  (V.  v.  22.  Aug.)  1349
bis  1356.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
22.  Sept.)  1581—1586.

Provinzialstatut  für  die  Landgemeinden  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  88.  3.  4)  1604.
Provinzial-Steuerbehörden,  denselben  liegt  die
Verwaltung  des  Stempelwesens  in  den  neuen  Landestheilen
ob  (V.  v.  19.  Juli  §§.  23.  31.  32.)  1199.  (V.  b
7.  Aug.  S#.  23.  31.  32.)  1285.  —  Kompetenz  und
Funktionen  derselben  in  Untersuchungen  wegen  Zoll=  und
Steuerdefraudationen  (V.  v.  29.  Juli  F.  5.  a.)  1266.
(V.  v.  29.  Juli  §.  5.  a.)  1269.  (Ordn.  v.  29.  Juli  S§.  15.

30.)  1273.
Pro-
        <pb n="139" />
        Sachregistex.  1867.

Provinzial=  Steuerdirektoren,  Anstellung  derselten
  in  Hannover  und  Kassel  (A.  E.  v.  8.  Febr.)  201.
—  desgl.  in  Gläckstadt  für  Schleswig  und  Holstein  (A.
E.  v.  24.  Aug.)  1360.

Dem  Provinzial-Steuerdirektor  in  Cöln  wird  die
Steuerverwaltung  des  Hessischen  Oberamtsbezirks  Meisenbeim
  überwiesen  (A.  E.  v.  8.  Febr.)  204.

Die  Provinzial-Steuerdirektoren  in  den  neuen
Landestheilen  sind  zu  Geschworenen  nicht  zu  berufen
(Str.  P.  O.  F.  276.  Nr.  3.)  997.  —  können  zu  jeder
Zeit  mit  Wartegeld  in  den  Ruhestand  bersetzt  werden
(V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.

Prozesse  der  Fenea.  Bestimmungen  über  das
Verfahren  (G.  v.  27.  März  §§.  10.  16.  W.  42.)  504.

Prozeßkosten,  Sicherheitsbestellung  für  dieselben  in  den
neuen  Lanbestheilen  Kurhessen,  Rassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni
+.  96.)  912,

Froßspoon#n  für  Hannover  (v.  8.  Nov.  1850.),
K.  391.  tritt  außer  Kraft  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XV.
+#  6.  930.

Prozeßverfahren,  die  Geseßgebung  über  ein  gemeinsames
  Prozeßverfahren  in  den  Norddeutschen  Staaten
gehört  zum  Ressort  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  4.  Nr.  13.)  820.

Bestimmungen  über  das  Prozeßverfahren  in  den
neuen  Landestheilen  mit  Ausschluß  von  Hannover  und
Frankfurt  a.  M.  (V.  v.  24.  Juni)  885—916.  —  Mandatsprozeß
  (ebend.  S§#.  1—4.)  885.  —  Ordentlicher  Prozeß
(ebend.  S§#.  5—41.)  et  —  Besonderes  Prozeßverfahren
(ebend.  &amp;amp;&amp;amp;.  86—89.)  90

HPräfung  der  Shulentslerbbelm!  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen  (V.  v.  13.  März)  395.  —  Prüfungen  bt
den  höheren  Staatsämtern  (V.  v.  23.  Sept.  §.  2
1620.  —  Prüfung  der  Zustizbeamten,  l.  Juriksiische
Prüfungen.

Prüfungs-Kommissionen,  Zusommensetzung  der
wisseuschaftlichen  Prüfungs=  Kommissionen  in  den  neu
erworbenen  Landestheilen  (V.  v.  13.  März  Nr.  II.)  395.

Gublik#tion  der  Gesetze  und  anderer  landesherrlicher
Erlasse  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  29.  Janr.)
139.

—

flkkaln.  der  Zundesgesetze  (Verf.  v.  24.  Jumi
rt.  2.  17.)  8

#hü  bes-  Urtheils  in  Untasthangestchen  in
de  neun  Landestheilen  (Str.  P.  O.  s.  263.  264.)
994.  Publikation  des  Stroftescheids  in  Unterfachungen
  wegen  Jolltefraudationen  (Ordn.  v.  29.  Juli
§S.  15.)  1273.

8
Punktationen,  Stempel  zu  Punktatioven  in  noyg,
Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  We  iets
theilen  (V.  v.  19.  Juli  §.  12.)  1196.  (Tarif  4  19.
Juli  Nr.  47.)  1212.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
  (V.  v.  7.  Aug.  K.  12.)  1282.  (Tarif  v.  7.  Ang.
Nr.  46.)  1297.
Purisikations  =  Erkenntuiß  in  Prozessen  in  den
neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  rc.  (VG.  v.  24.
Juni  K.  97.)  912.

Kuarantainegebühren,  exekutivische  Beitreißung  dexselben
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  11.
Nr.  1.  lit  b.)  1553.

Quentchen,  Gewicht  und  Eintheilung  desselben  in  den
ehemals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  5.  Juli  §.  3.)
1130.

Gatttungen  Stempel  zu  Quittungen  in  Hannover,
Kurhessen,  Rassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietsteien
  (V.  v.  19.  Juli  K.  14.)  1197.  (Tarif  v.  19.  3ua

#48.  38.  46.)  1212.  —  desgl.  in  Sch  linu-*
  (V.  v.  7.  Aug.  S.  14.)  1283.  (Tarif  v.
Nr.  47.  37.  45.)  1297.

N.

Wegfall  dieser  Berechtigung  für

Raff=  und  Lesebol
—  (V.  v.  14.  Sept.  g.  28.)

die  inwohner  bes  O
1627

Nathenow  (Provinz  Brandenburg),  Eisenbahn  von  Berlin
  über  Rathenow  nach  Lehrte,  s.  Eisenbahnen
Nr.  9.

Rathskammer,  Bildung  und  Hunktienen  derselben  in
den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  C.  16.  r.  2;
F.  21.  Nr.  1;  8#.  54.  57.  67.  71.  55.  —  —m1.  83.  f.
105.  121.  402.  407.  Nr.  2.)  936.  —  Die  Verrichtungen
der  Rathskammer  werden  in  Hannoder  durch  die  kleinen
Senate  der  *  wahrgenommen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  XV.  K.  4  —  in  Frankfurt  a.  M.  dujch
das  Stadtgericht  *WrPn1  Art.  XVII.)  930

Natibor  (Schlesien),  Bau  und  Unterhaltung  mehrerer
Chausseen  im  Kreise  Ratibor  (A.  E.  v.  1.  April)  617.
—  Ausfertigung  von  Kreisobligationen  im  Betrage  von
150,000  Thalern  à  5  Prozent  zu  biesem  Zweck  (Priv.  v
1.  Uril  618—621.  —  .  auch  Chausfeen
        <pb n="140" />
        88  Sachregister.  1867.

Rawiez  (Posen),  f.  Chausseen  Nr.  20.

Nealberechtigte,,  haben  keinen  Beitrag  zur  Grundsteuer
  zu  leisten  (G.  v.  8.  Febr.  K.  11.)  188.

Reallasten.,  Einsluß  der  Ablösung  von  Reallasten  auf
die  Ermittelung  und  Feststellung  der  Grundsteuer  (G.  v.
g.  Febr.  S.  33.  36.  37.)  197.

Ablösung  der  Reallasten,  welche  dem  Domainensiskus
in  Hannover  zustehen  (V.  v.  28.  Sept.)  1670  —1676.

Nechnungs-Kommissionen,  Errichtung  derselben
in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  (V.  v.  31.  Aug.
#.  1.  ff.)  1443.

Rechnungssachen,  Prozeßverfahren  in  Rechnungssachen
  in  den  neuen  Landestbeilen  Kurhessen,  Rassau  rc.
(V.  d.  24.  Juni  S.  40.)  895.

Nechnungswesen,  Bildung  eines  dauernben  Ausschusses
  im  Bundesrathe  des  Norddeutschen  Bundes  für
das  Rechnungswesen  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  8.  Nr.  7.)
822.  —  Funktionen  desselben  (ebend.  Art.  39.)  828.—
Rechnungsbehörde  des  Bundesraths  (ebend.  Art.  37.
Nr.  4.)  827.  —  Zährliche  Rechnungslegung  (ebend.
Ar#tl.  72.)  838.

Rechnungswesen  in  den  neuerworbenen  Landeskheilen
(V.  v.  31.  Aug.)  1442—1444.

Rechtsanwalte,  Befugniß  derselben  zur  Prozeßpraxis
in  Kurhessen,  Rassau  2c.,  Vertretung  der  Parteien  2c.
V.  v.  24.  Juni  §.  9.  15.  19.  22.  23.  41.  53.  61.
28.  100.)  888.

Befugniß  der  Rechtsanwalte  in  den  neuen  Landestheilen,
  die  Vertheidigung  eines  Beschuldigten  zu  führen
(Str.  P.  O.  S.  205.  Nr.  1;  S&amp;amp;.  207.  395.)  981.  —
Rechtsanwalte  sind  zu  Geschworenen  wählbar  (ebend.
K.  274.  Schlußsatz)  997.

Ernennung  und  Funktionen  der  Rechtsanwalte  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  6§.  29—32.  37.
bis  39.)  1079.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals
Bayerischen  Gebietstdeilen  (V.  v.  26.  Juni  S§.  18—  21.
30—32.)  1089.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals
Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni
S&amp;amp;.  18—21.  29—31.)  1098.  v

Ernennung  und  Gebühren  der  Rechtsanwalte  bei
dem  Ober-Appellationsgericht  in  Berlin  (V.  v.  27.  Juni
S.  10.  11.)  1106.

Gebühren  der  Rechtsanwalte  in  Schleswig  und  Holstein
  in  civilrechtlichen  Angelegenheiten  (V.  v.  26.  Juni
K.  33.)  1080.  (VB.  v.  30.  Aug.  §§.  18—23.  26—28.)
1378.  —  degl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  §.  22.)  1090.
(V.  v.  30.  Aug.  SS.  19—24.  27—29.)  1395.  —  desgl.
in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hesfischen
Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  F.  22.)  1099.

30.  Aug.  SF.  21—25.  28—30.)  140.

Rechtsanwalte,  (Fortl.)

Gebühren  der  Rechtsanwalte  in  Strafsachen  in  den
neuen  Landestheilen  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  2c.
(V.  v.  30.  Aug.  §§.  17—19.)  1417.  (V.  v.  30.  Aug.
K.  24.)  1380.  (V.  v.  30.  Aug.  S.  25.)  1397.  V.  v.
30.  Aug.  §.  26.)  1411.

Disziplinarverfahren  gegen  Rechtsanwalte  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  V.  I#.  68.
69.  72—74.  77.)  1615.  —  Gebühren  derselben  als  Vertheidiger
  in  Disziplinarsachen  (ebend.  Art.  VIII.)  1617.

Rechtskraft  der  Strafurtheile  in  den  neuen  Landestheilen
  (Str.  P.  O.  §#  368.  419.  428.  431.)  1018.
Rechtsmittel  gegen  Erkenntnisse  in  Civilprozessen  in
Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  S.  42—83.  87.
Nr.  5—7;  §#.  89.  90.  Nr.  3;  I.  108—112.)  897.

Rechtsmittel  in  Untersuchungssachen  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  J§.  215.  364—369.  417.
426.  436.  504.)  1017.  —  ein  Rechtsmittel  findet  nicht
statt  in  den  Fällen  der  Strafprozeßordnung  (§6.  29.  48.
79.  81.  362.  363.  403.  404.  417.  447.  449.  458.)  940.
—  Ansatz  der  Gerichtskosten  für  Rechtsmittel  in  Untersuchungssachen
  (V.  v.  30.  Aug.  S§.  6.  8.)  1414.  —
Gebühren  der  Rechtsanwalte  (ebend.  K.  17.  C.  D.  E.)
1417.

Rechtspflege  „,  Verfahren  wenn  in  einem  Staate  des
Norddeutschen  Bundes  die  Rechtspflege  gehemmt  oder
verweigert  wird  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  77.)  839.

Trennung  der  Rechtspflege  von  der  Verwaltung  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  .  1.  2.)  1073.

s.  auch  Gerichtsverfassung,  Justizverwaltung.


Rechtsschriften,  s.  Schriftsätze.

Rechtsverhältnisse  der  Militairpersonen  in  den  neuerworbenen
  Landestheilen  (A.  E.  v.  1.  April)  519—532.

Rechtsweg,  Zulässigkeit  des  Rechtsweges  bei  Streitigkeiten
  über  den  Wasserstand  und  über  Entwässerungsanlagen
  in  Neuvorpommern  und  Rügen  (G.  v.  9.  Febr.
S§.  8.  9.  20.  21.  26.  31.)  221.

Bestimmungen  über  die  Zulässigkeit  des  Rechtsweges
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  16.  Sept.  Art.  I.  II.
V.IX.)  1515.  —  insbesondere  bei  Streitigkeiten  über
die  Verbindlichkeit  zur  Entrichtung  von  Abgaben,  Steuern,
Kosten  2c.  (V.  v.  22.  Sept.  K.  4.)  1555.

Recklinghausen  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  35.

Referendarien  bei  den  Gerichten  in  Schleswig  und  Holstein
  (V.  v.  26.  Juni  K.  37.)  1081.  —  desgl.  in  Kurhessen
  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.
26.  Juni  #.  30.  34.)  1091.  —  desgl.  in  Nassau  und
den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  IS§.  29.  33.)  1100.

Ne-
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        Sachregister.

Aegalien  in  den  neuen  Lanbestheilen,  rechtliche  Natut
und  Veräußerlichkeit  derselben  (V.  v.  5.  Juli)  1182.  bis
1183.

Negierungen,  Befugnisse  derselben  bei  Feststellung  und
Erhebung  der  Grundsteuer  (G.  v.  8.  Febr.  #  3.  4
15—  20.  26—28.  33.  35—37.  46—  48.  50.)  186.

Befugnisse  der  Regierungen  hinsichtlich  der  Vorfluthsangelegenbeiten
  in  Neuvorpommern  und  Rügen
(G.  v.  9.  Febr.  S§.  3.  5.  9—  11.  18—  21.  23.  26.  28.)
220.

Bildung  zweier  neuer  Regierungen  in  Kassel  und
Wiesbaden  (V.  v.  22.  Febr.  &amp;amp;#s.  1.  2.  ff.)  273.

Befugnisse  der  Regierungen  in  Bezug  auf  die  Polizeiverwaltung
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  20.
Sept.  .  2.  4.  5.  9—12.  18.  19.)  1530.

Befugnisse  der  Regierung  in  Beziehung  auf  die
Verfassung  und  Verwaltung  der  Landgemeinden  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  §#.  1.  4.  9.
21.  24.  27.  28.)  1603.

Negiernngs=  Präsitdenten  sind  in  den  neuen  Landestheilen
  zu  Geschworenen  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.
§.  276.  Nr.  3.)  997.  —  Die  Polizeianwalte  werden
von  den  Regierungs-Präsidenten  ernannt  (Str.  P.  O.
§.  32.)  941.  —  Mitwirkung  derselben  bei  Feststellung
der  Urlisten  für  die  Geschworenen  (ebend.  #.  280.  283.)
998.

ANegister  für  Civil-Ehen  in  Hannover  (V.  v.  29.  Sept.
&amp;amp;&amp;amp;  1—3.  5—7.  10.)  1685.  —  f.  auch  Schiffsregister,
  Genossenschaftsregister.

NRegister-Certifikate,  s.  Certifikat.

Reichsstände  (Reichsunmittelbare),  Gerichtsstand  der
Mitglieder  vormals  reichsständischer  Familien  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  .  7.)  1074  .—  desgl.
in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  F.  26.)  1091.  —  desgl.  in  Nassau
und  den  vormals.  Großberzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  .  25.)  1100.
Berechtigung  der  Reichsunmittelbaren  in  Kurhessen
zur  Theilnahme  an  dem  Kommunal-Landtage  (V.  v.
20.  Sept.  K.  3.  Nr.  1.e;  H#.  4.  16.)  1538.

Reichstag  des  Norddeutschen  Bundes,  Einberufung  desselben
  (Pat.  v.  13.  Febr.)  205.  —  Wahl  der  Mitglieder
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  20.)  824.  —  Die  Mitglieder
des  Bundesraths  können  nicht  zugleich  Mitglieder  des
Reichstags  sein  (ebend.  Art.  9.)  822.  —  Rechte  und
Pflichten  derselben  (ebend.  Art.  21.  29—32.)  824.  —
Verhandlungen  und  Beschlüsse  des  Reichstages  (ebend.
Art.  5.  9.  22.  28.)  820.  —  Berufung,  Auflösung  und
Vertagung  desselben  (ebend.  Art.  12.  13.  24—26.)  823.—

Jahtgang  1867.

1867.  89

Reichstag,  (Fortf.)
Dauer,  Geschäftsgang  und  Disziplin  (ebend.  Art.  24.
27.)  825  —  Geschäfte  des  Reichstages  (ebend.  Art.  5.
11.  16.  23.  71.  72.  79.)  820.  —  Strafe  für  die  Beleidigung
  des  Reichstages  und  der  Mitglieder  desselben
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  74.)  838.
Diie  Mitglieder  des  Reichstages  sind  in  den  neuen
Landestheilen  vom  Geschworenendienste  befreit  (Str.  P.  O.
K.  277.  Nr.  1.)  997.

Neichswahlgesesz,  soll  noch  erlassen  werden  (Berf.  v.
24.  Juni  Art.  20.)  824.

Reidenhausen  (Rheinprovinz),  s.  Chausseen  Nr.  37.

ANeigdorf  (Provinz  Sachsen),  s.  Chausseen  Nr.  26.

Neineport  (Rheinprovinz),  s.  Chausseen  Nr.  43.

Reisekosten  der  zur  Ermittelung  und  Feststellung  der
Grundsteuer  zugezogenen  Kommissarien,  Techniker  r.
(G.  v.  B.  Febr.  K.  30.)  196.

Reisekosten  der  Geschworenen  in  den  neuen  Landestbeilen
  (Str.  P.  O.  é.  293.)  1001.

Vergütung  der  Reisekosten  für  Dierstreisen  der
Beamten  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.
K.  1.  Nr.  2.)  1619.

Reisekosten  der  Justizbeamten  in  Schleswig  .
Holstein  (V.  v.  30.  Aug.  S.  1.)  1369.  —  deggl.  in
Kurhessen  und  den  vormals  t  Gebietstheilen
(V.  v.  30.  Aug.  K.  1.)  1385.  —  desßgl.  in  Nassau  und
den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  30.  Aug.  K.  1.)  1399.  —  Reisekosten  der  Rechtsanwalte
  in  Straflachen  (V.  v.  30.  Aug.  K.  17.  Schlußsatz)
  1418.

Reisekosten  der  Zeugen  und  Sachverständigen  in  gerichtlichen
  Angelegenheiten  in  Schleswig  und  Holstein,
Kurhessen,  Nassau  2c.  (Regul.  v.  30.  Aug.  S##  2.  6—9.)
1382.  (V.  v.  30.  Aug.  K.  17.)  1378.  (V.  v.  30.  Aug.
K.  18.)  1395.  (V.  v.  30.  Aug.  F.  20.)  1408.  —  desgl.
in  Hannover  und  Frankfurt  a.  M.  in  Strafsachen  (V.  v.
30.  Aug.  F.  27.)  1420.

Reise=  und  Zehrungslosten  der  Erelutoren  bei  Einziebung
  rückständiger  Abgaben,  Steuern  und  Kosten  in
den  neuen  Landestheilen  finden  nicht  Statt  (V.  v.  22.
Sept.  K.  35.  e.)  1566.

Reisekosten  der  Provinziallandtags-Abgeordneten  in
Hannover  (V.  v.  22.  Aug.  F.  21.)  1356.  —  desgl.  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  K.  23.)  1586.

Reisepässe,  s.  Paßwesen.
Reklamationen  gegen  die  Untervertheilung  der  Grundsteuer
  und  wegen  Grundsteuer-Ueberbürdung  (G.  v.
8.  Febr.  I##  12—28.  29—31.  53.)  189.  —  Bildung
einer  besonderen  Reklamations-Kommission  (ebend.  &amp;amp;.  17
bis  19.  24—27.  30.)  191.  —  desgl.  einer  Reklamamations-Deputation
  (ebend.  §.  18.)  191.

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        90

Nekognition,  Stempel  zu  Rekognitionsattesten  und
Rekognitionsprotokollen  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif
v.  7.  Aug.  Nr.  91.)  1306.

Rekonvention  im  Mandatsprozeß  in  den  neuen  Landestheilen
  Kurbessen,  Nassau  rc.  (V.  v.  24.  Juni  K.  2.)  887.

Rekurs,  Nechtsmittel  des  Rekurses  in  Civilprozessen  in
den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.
24.  Juni  S#.  47.  43.67—73.  79——82.  87.  Nr.  6.)  897.
—Cntscheidung  über  den  ekurs  in  Schleswig-Holstein
(V.  v.  26.  Juni  K.  21.  1.  Nr.  2;  §.  25.  I.  Nr.  1.)
1077.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayenischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  K.  10.  1.  Nr.  2;
.  14.  1.  Nr.  1.)  1087.  —  desgl.  in  Nassau  und  den
vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.
26.  Juni  8.  10.  1.  Nr.  2;  .  14.  1.  Nr.  1.)  1096.

Rekurs  in  Untersuchungen  wegen  Zolldefraudationen

in  den  neuen  Landestheilen  (Ordn.  v.  29.  Juli  5K.  16
bis  18.)  1274.

Rekurs  in  Angelegenheiten  der  Landgemeinden  in

Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  .  28.)  1609.

Religionsdiener,  sind  in  den  neuen  Landestheilen  zu
Geschworenen  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.  .  276.  Nr.  5.)
997.  —  f.  Geistliche.

Religionsgesellschaften,  Befugniß  der  Mitglieder
gewisser  Religionsgesellschaften,  sich  bei  Untersuchungen
in  den  neuen  Landestheilen  statt  der  Eidesleistung  einer
anderen  Betheuerungsform  zu  bedienen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  XII.  Nr.  3.)  928.  —  insbesondere  Seitens  der
Geschworenen  (Str.  P.  O.  (.  311.)  1004.

Remissionen,  Bestimmungen  über  Grundsteuer:
missionen  (G.  v.  8.  Febr.  F.  52.)  202.

Replik  in  Civilprozessen  in  den  neuen  Vandestheilen
Kurhessen,  Nassau  r.  (V.  v.  24.  Juni  .  15.  16.  100.)
888.

Reqnisitionen,  die  Bestimmungen  über  die  wechselseitige
  Erledigung  von  Requisitionen  zwischen  den  Norddeutschen
  Staaten  unterliegen  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung
  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  11.)
820.

Reservisten,  s.  Kriegsreserbe.

Resolutionen,  s.  Bescheide.

Restitution  in  Civilprozessen  in  den  neuen  Landestheilen
Kurhessen,  Nassau  k.  (V.  v.  24.  Juni  &amp;amp;.  42.  71—78.
1.)  897.  —  Restitution  in  Untersuchungsfachen,  s.  Wiedereinsetzung,
  Wiederaufnahme.

Sachregister.
Meuß  ältere  Linie  (Fürstenthum),  die  Thurn  und  Taxis=1867.



sche  Postverwaltung  im  Fürstenthum  Reuß  geht  auf  den
Preußischen  Staat  über  (Vertr.  v.  28.  Janr.  Art.  1.
Nr.  11.)  355.

Theilnahme  des  Fürstenthums  am  Norddeutschen
Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  dasselbe
führt  im  Bundesratb  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Sachsen,  Bayern,
Reuß  kr.,  betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaisertbums
Oesterreich  und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem
Deutschen  Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801—1803.

Reuß  jüngere  Linie  (Fürstenthum),  die  Thurn  und
Tagissche  Postverwaltung  im  Fürstenthum  Reuß  geht  auf
den  Preußischen  Staat  über  (Vertr.  v.  28.  Janr.  Art.  1.
Nr.  12.)  355.

Theilnahme  des  Fürstenthums  am  Norddeutschen
Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  dasselbe
führt  im  Bundesrath  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Sachsen,  Bayern,
Reuß  #c.,  betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums
Oesterreich  und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem
Deutschen  Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801—1803.

Rewvision,  Rechtsmittel  der  Revision  in  Civilprozessen
in  den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  2.  (V.  v.
24.  Juni  A#.  42—48.  59—  61.  79—82.  87.  Nr.  6.  7.)

9.  4

Nevisionskollegium  für  Landeskultursachen  in  Berlin,
Kompetenz  desselben  für  die  aus  Kurhessen  eingehenden
Berufungen  in  Ablösungs=  und  Auseinandersetzungssachen
(V.  v.  13.  Mai  K.  29.)  725.  —  desgl.  für  die  aus  Hannover
  eingebenden  Berufungen  (V.  v.  16.  Aug.  .  3.)
1522.  desgl.  aus  dem  Oberamt  Meisenbeim  (V.  v.
20.  Sept.  F.  3.)  1535.

Agielskoer  Entwässerungs=  Genossenschaft  im  Kreise
Wongrowitz  (Stat.  v.  25.  März)  451—456.

Rbeinbrücke  bei  Hamm,  Bau  derfelben  durch  die  Bergisch-Märkische
  Eisenbabugesellschaft  (A.  E.  v.  29.  Juli)
1521.  (Konz.  u.  Bestät.  Urk.  v.  22.  Sept.)  1745—  1747.

Nheine-Emden  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  44.

Rbeingau-Kreis,  gehört  zum  Regierungsbezirk  Wiesbaden
  (V.  v.  22.  Febr.  F.  4.  Nr.  6.)  275.

Rheinische  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  5.  37—39.

Rheinisch-Westphälischer  Lloyd,  Transportversicherungs-Aktiengesellschaft
  in  Gladbach  (Bek.  v.  3.  Juni)
".  2.

Abeinprovinz,  Verfahren  dei  Beschwerden  wegen
Grundsteuer-Ueberbürdung  in  der  Rheinprovinz  (G.  v.
8.  Febr.  K.  28.)  196.

Rpeine
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        Sachregister.

#beinzollgerichte,  an  deren  vBusteadigee.  wird  nichts
geändert  (V.  v.  26.  Juni  K.  3.)  1095.

Nichter,,  in  welchen  Fällen  die  Richtek  in  den  neuen
Landestheilen  zur  Mitwirkung  in  einer  Strafsache  unfähig
  find  oder  abgelehnt  werden  können  (Str.  P.  O.
S&amp;amp;.  24—30.  145.)  938.  —  Kein  Urtheil  oder  Beschluß
darf  unter  Mitwirkung  einer  anderen  als  der  gesetzlich
vorgeschriebenen  Richterzahl  erlassen  werden  (ebend.  K.  21.
Nr.  2.)  937.  —  Die  zur  Entscheidung  berufenen  Richter
müssen  der  ganzen  Hauptverhandlung  beiwohnen  (ebend.
K.  226.)  986.  —  Befugnisse  derselben  bei  dieser  Verbandlung
  (ebend.  §.  237.)  988.  —  Wiederaufnahme  der
Untersuchung  bei  Pflichtverletzungen  eines  Richters  (Str.
P.  O.  F.  420.  Nr.  1;  #  421—  426.)  1031.

In  welchen  Fällen  Richter  in  den  neuen  Landestheilen
  für  Stempelstrafen  verhaftet  sind  (W.  v.  19.  Juli
,  12.  14)  1196.  (V.  v.  7.  Aug.  J.  12.  14.)  128#.

Nichterliche  Beamte  sind  in  den  neuen  Landestheilen
zu  Geschworenen  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.  F.  276.
Nr.  2.)  997.  —  Verpflichtung  derselben,  Stempeldefraudationen
  zur  Anzeige  zu  bringen  (V.  v.  19.  Juli
K.  23.)  1199.  (V.  v.  7.  Aug.  K.  23.)  1235.  —  insbesondere
  beim  Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli  F.  8.)
1065.  —  desgl.  deim  Kalenderstempel  (V.  v.  5.  Juli
K  5.)  1069.  —  ferner  in  Erbschaftsfällen  (V.  v.  ö.  Juli
5.  11.)  1124.

Qualisikation  und  Ernennung  der  richterlichen  Beamten
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni
SK&amp;amp;##  37—39.)  1081.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals
  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  &amp;amp;.  30
bis  32.)  1091.  —  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals
Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni
#  29—31.)  1100.

Disziplinar-Verfahren  gegen  richterliche  und  nicht
richterliche  Beamte  in  den  neuen  Vandestbeilen  (V.  v.
23.  Sept.  Art.  I.  ff.)  1613.

Ninderpest,  Maaßregeln  gegen  die  Ninderpest  im  ebemaligen
  Konigreich  Hannover  (V.  v.  3.  Janr.)  73.

Ninnen,  Strafe  für  die  Beschädigung  der  zur  Ab=  oder
Zuleitung  des  Wassers  bestimmten  Rinnen  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  K.  3.
Nr.  4.)  921.

Ninteln  (Kreis),  gehört  zum  a-bers  t  Kassel
(V.  v.  22.  Febr.  K.  3.  Nr.  22.)  2

Nödelbeim  (Ortsbezirk),  gehört  zum  Regierungsbezirk
Wiesbaden  (V.  v.  22.  Febr.  S.  2.  Nr.  6.)  273.

Organisation  der  Justizpflege  in  Rödelheim  (A.  E.“

v.  5.  Nov.  66.  Nr.  VIII.)  490.
Rr.  I.)  495.

(A.  E.  v.  1.  April

1867.  91

Rödelbeim  (Ortsbezirk),  (Fortf.)

Ermächtigung  der  Rassauischen  Brand-Assekuranz-Anstalt
  in  Wiesbaden  zur  Versicherung  von  Gebäuden
im  Ortsbezirk  Rödelheim  (V.  v.  14.  Sept.)  1551.

Rolaudshütte,  Errichtung  der  „Aktiengesellschaft  Rolandshütte
  bei  Siegen“  in  Haardt  (Bek.  v.  2.  Mai)  600.

von  Noon  (General  der  Infanterie),  Verleihung  einer
Dotation  an  denselben  wegen  hbervorragender  Verdienste
in  dem  Kriege  von  1866.  (G.  v.  28.  Dez.  66.)  25.

Noßla  (Provinz  Sachsen),  s.  Chausseen  Fr.  23.

RNotenburg  (Kreis),  gehört  zum  Megierungsbei.  Kassel,
(V.  v.  22.  Febr.  F.  3.  Nr.  8.)  2

RNothebude  (Provinz  Preußen),  —  der  Schiffahrts-Abgaben
  auf  dem  Weichselhaff-Kanal  bei  der  Hebestelle  zu
Rothebude  (A.  E.  v.  27.  Nov.)  1933.

Rottmersleben  (Provinz  Sachsen),  f.  Chausseen
Nr.  24.  O

Nüben  zucker,  (.  Zucker.

Rückfall  in  Untersuchungen,  Feststellung  desselben  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  ##154.  325.)  970.
(V.  v.  25.  Juni  Art.  XX.)  931.

Strafe  des  Rückfalles  bei  Zolldefraudationen  in
Holstein  und  Schleswig  (V.  v.  29.  Juli  K.  2.  Nr.  3.)
1266.  —  desgl.  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  2c.
(V.  v.  20.  Juli  §.  2.  Nr.  2.)  1268.

Räckversicherungsgesellschaften,  Aenderungen  des
Statuts  für  den  Nückversicherungs-Verein  zu  Wesel  (Bek.
v.  17.  Janr.)  120.

Rüdersdorf  (Provinz  Brandenburg),  Eisenbahn  nach
Petersbagen,  s.  Eisenbahnen  Nr.  6

Rüdesheim,  ist  die  Kreisstadt  des  Rheingau-Kreises
im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  22.  Febr.  K.  4.
Nr.  6.)  275.

Nügen  (Zusel),  Vorfluthsgesetz  für  Neuvorpommern  und
Rügen  (v.  P.  Febr.)  220—227.

Nügenwalde  (Pommern),  Ermäßigung  der  Hafenabgaben
  (A.  E.  v.  22.  Nov.  Nr.  1.)  1847.

Ruhestand,  s.  Pensionirung,  Wartegelb.

Rubestörer,  Verfahren  des  Richters  gegen  Parteien,
Zeugen  und  andere  Personen,  welche  die  Ruhe  und  Ordnung
  bei  gerichtlichen  Prozeßverhandlungen  in  den  neuen
Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  rc.  stören  (V.  v.  24.  Juni
5.  99.)  912.  —  Verfahren  gegen  Rubestörer  in  Untersuchungssachen
  (Str.  P.  O.  ##.  187—191.)  978.

Ruhrschiffahrt,  Aufhebung  der  Nuhrsckiffabrtsabgaben
(A.  E.  v.  14.  Dez.)  1920.

Ruppiner  Kanal,  Tarif  für  das  Befahren  beffelben
(v.  9.  Sept.  A.)  1578.

m“  S.
        <pb n="144" />
        S.

Saarbrücken  (Rheinprovinz),  Eisenbahn  nach  Saargemünd,
  s.  Eisenbahnen  Nr.  38.—  Saarbrücker  Eisenbahn,
s.  Eisenbahnen  Nr.  39.

Saargemünd  (Rheinprovinz),  Eisenbahn  nach  Saarbrücken,
  #f.  Eisenbahnen  Nr.  38

Saarkanal,  Abgaben  für  das  Befahren  desselben  (A.  E.
u.  Tarif  v.  6.  Mai)  613—616.

Saatzeit,  Unzulässigkeit  der  administrativen  Exekution
egen  Landwirthe  in  den  neuen  Vandestheilen  während  der
Hon.  und  Erntezeit  (V.  v.  22.  Sept.  #K.  7.)  1556.

Sachsen  (Provinz),  Verbindlichkeit  der  Realberechtigten
in  den  vormals  Westphälischen  Landestheilen  der  Provinz
  Sachsen,  zur  Grundsteuer  beizutragen  (G.  v.  8.  Febr.
F.  11.)  189.

Abänderung  des  Statuts  für  den  landschaftlichen

Kreditverein  der  Provinz  Sachsen  (A.  E.  v.  2.  Aug.)

1344.

Sachsen  (Königreich),  Ergänzung  des  Art.  44.  der
zwischen  Preußen  ulsd  Sachsen  bestehenden  Uebereinkunft
zur  Beförderung  der  Rechtspflege  vom  14.  Oktober  1839.
(Minist.  Erkl.  v.  13.  Febr.)  280.

Theilnahme  Sachsens  am  Norddeutschen  Bunde
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  dasselbe  führt  im
Bundesrath  vier  Stimmen  (ebend.  Art.  6.)  821.

Vertrag  zwischen  Preußen  und  Sachsen  wegen  Herstellung
  einer  Eisenbahn  von  Leipzig  nach  Zeitz  (v.  30.
Juli)  1361—  1367.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Sachsen  r.,
betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich
und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen
Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801—1803.

„  Altenburg,  Theilnahme  des  Herzogthums

Sa  i  Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)
818.  —  dasselbe  führt  im  Bundesralh  eine  Stimme
(ebend.  Art.  6.)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Sachsen  2c,
betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserlhums  Oesterreich
und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen
Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801—1803.

„Coburg-Gotha  (Herzogthum),  das  Thurn

Sach  #ea#e  Pollbef  in  Sachsen-Coburg-Gotha  geht
auf  den  Preußischen  Staat  über  (Vertr.  v.  28.  Janr.
Art.  1.  Nr.  70.)  355.

Vereinbaru##g  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Coburg-  «

Gotha  ꝛc.  wegen  Auflösung  des  Amortisationsfonds  der
Th#ringischen  Eisenbohn  (Minift.  Erkl.  v.  13.  März)  492.

Sachregister.

1867.

Sachsen-Coburg-Gotha  (Herzogthum],  (Fortf.)

Theilnahme  des  Herzogthums  am  Norddeutschen
Bunde  h  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  dasselbe
führt  im  Bundesrath  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.

Ausdehnung  des  mit  Sachsen-Coburg-Gotha  über
die  gegenseitigen  Gerichtsbarkeitsverhältnisse  geschlossenen
Vertrages  vom  11.  Juni  1858.  auf  die  neuen  Landestheile
  (Minist.  Erkl.  v.  28.  Sept.)  1795—1796.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Sachsen  2c.,
betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich
und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen
Münzverein  (v.  13.  Juni)  1801—1803.

Sachsen  =  Meiningen  (Herzogthum),  das  Thurn  und
TazJissche  Postwesen  in  Sachsen-Meiningen  geht  auf  den
Preußischen  Staat  über  (Vertr.  v.  28.  Janr.  Art.  1.
Nr.  9;  Art.  2.)  355.

Sachsen-Meiningen  gehört  zum  Norddeutschen  Bunde
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  dasselbe  führt  im
Bundesrath  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Sachsen  rc.,
betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich
und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen
Münzverein  (v.  13.  Zuni)  1801—1603.

Sachsen-Weimar  (Großberzogthum),  das  Thurn  und
Taxissche  Postwesen  in  Sachsen-Weimar  geht  auf  den
Preußischen  Staat  über  (Vertr.  v.  W.  Janr.  Art.  1.
Nr.  8.)  355.

Vertrag  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Weimar
wegen  Ausführung  einer  Eisenbahn  von  Erfurt  nach
Sangerhausen  (v.  17.  Nov.  66.)  377—332.

Vereinbarung  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Weimar
  2c.  wegen  definitiver  Auflösung  des  Amortisationsfonds
  der  Thüringischen  Eisenbahn  (Miiist.  Erkl.  v.
13.  März)  492.

Sachsen-Weimar  gehört  zum  Norddeutschen  Bunde
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  dasselbe  führt  im
Bundesrathe  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Sachsen  2c.,
betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich
und  des  Fürstenthums  Viechtenstein  aus  dem  Deutschen
Münzverein  (b.  13.  Juni)  1801—1803.

Sachverständige,  Vorladung,  Vernehmung  und  Vereidigung
  derselben  im  Civilprozeßverfahren  in  Kurhessen,
Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  &amp;amp;6.  17.  35.  113.)  890.

Vorladung,  Vernehmung  und  Vereidigung  der  Sachverständigen
  in  den  neuen  Landestheilen  im  Strafverfahren
  (Str.  P.  O.  S§  63.  140.  161.  169—186.  199.
200.  221—225.  242.  246—255.  382.  500.  501.)  949.
(U.  v.  25.  Juni  Art.  XII.  Nr.  3.)  928.  —  Befugniß
der  Sachverständigen  zur  Einlegung  von  Rechtsmitteln

ge-
        <pb n="145" />
        Sachregister.

Sachverstäudige,  (Forts.)
gegen  Strafverfügungen  (Str.  P.  O.  §s6#.  365.  405.)
1017.  —  Sachverständige  können  in  derselben  Sache  nicht
als  Richter  oder  Gerichtsschreiber  mitwirken  (ebend.
§.  24.  Nr.  4.)  939.  —  auch  nicht  als  Geschworene
(ebend.  S.  295.)  1001.

Ernenung  von  Sachverständigen  für  Handelsangelegenbeiten
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli
K.  55.)  1144

Gebühren  und  Reisekosten  der  Sachverständigen  in
gerichtlichen  Angelegenheiten  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  30.  Aug.  S.  17.)  1378.  (Regul.  S§##  3—9.)  1383.  —
desgl.  in  Kurhefsen  und  den  vormals  Baderischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  30.  Aug.  K.  18.)  1395.  —  desgl.  in
Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  30.  Aug.  F.  20.)  1408.  —  desgl.  in
Hannover  und  Frankfurt  a.  M.  in  Strafsachen  (V.  v.
30.  Aug.  §.  27.)  1420.

Gebühren  der  Sachverständigen  für  die  Abschätzung
gepfändeter  Gold=  und  Silbersachen,  Kleinodien,  Kunstsachen
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.
K.  35.  lit.  f.)  1566.

Salinen  (Salzwerke),  die  obere  Leitung  der  Salinen-Aagelegenheiten
  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen
wird  dem  Ministerium  für  Handel  2c.  überwiesen  (A.  E.
v.  16.  Febr.)  228.  —  Bestimmung  über  die  Salinen  im
vormaligen  Königreich  Hannover  (V.  v.  8.  Mai  Art.  II.)601.

Rechte  und  Pflichten  der  Salinenbesitzer  (V.  v.
9.  Aug.  S  3—9.  ff.)  1320.  —  Verlust  der  Befugniß
zur  Verwaltung  eines  Salzwerkes  wegen  wiederholter
Defraudationen  (G.  v.  9.  Aug.  F.  5.)  1318.  (V.  v.
9.  Aug.  K.  14.)  1325.

Salinenarbeiter,  ein  Heirathskonsens  der  Bergbehörden
ist  für  die  Salinenarbeiter  in  den  neuen  Landestheilen
nicht  mehr  erforderlich  (V.  v.  24.  Juni)  1111.

Salz,  Verkehr  mit  Salz  im  Jadegebiet,  Genebmigung  der
Verordnung  vom  6.  Januar  1866.  durch  die  Kammern
(Bek.  d.  28.  März)  550.

Im  Gebiete  des  Zollvereins  wird  freier  Verkehr  mit
Salz  hergestellt  (Ueb.  v.  8.  Mai  Art.  1.)  1314.  —
Aufhebung  des  Salzmonopols  in  der  Preußischen
Monarchie  (G.  v.  9.  Aug.  §S.  1.)  1317.

Salzabgabe  (Salzsteuer)  im  Jadegebiet,  Genehmigung
der  Verordnung  vom  6.  Januar  1860  durch  die  Kammern
(Bek.  v.  28.  März)  550.

Besteuerung  des  Salzes  im  Gebiete  des  Nordbeutschen
  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  35.  38.  Nr.  2.
lit.  b.)  826.

Erhebung  einer  Abgabe  von  Salz  in  den  Staaten
des  Zollvereins  (Ueb.  v.  8.  Mai)  1313—13|s6.

1867.  93

Salzabgabe  (Salzsteuer),  (Forts.)

Einfübrung  der  Salzabgabe  in  der  Preußischen
Monarchie  (G.  v.  9.  Aug.)  1317—1319.  —  Bestimmungen
  über  die  Erhebung  derselben  (V.  v.  9.  Aug.)
1320—  1327.  —  Anwendung  dieser  Bestimmungen  auf
die  neuen  Landestbeile  (V.  v.  9.  Aug.)  1327—1328.

*  Def  üf  Untersuchung  und
Bestrafung  derselben  (G.  v.  9.  Aug.  g8.  572  1318.
(V.  v.  9.  Aug.  S.  11—18.)  1323.  (V.  v.  9.  Aug.
K.  4.)  1328.  —  f.  Steuerdefraudationen.

Salzsteuerämter,  Errichtung  derselben  (V.  v.  9.  Aug.
F.  6.)  1321.  —  f.  Steuerämter.

Salzwedel  (Altmark),  Eisenbahn  von  Salzwedel  nach
Uelzen,  s.  Eisenbahnen  Nr.  9.  —  (.  auch  Chausseen
Nr.  21.

Salzwerke,  s.  Salinen.

Sandberg  (Provinz  Posen),  s.  Chausseen  Nr.  19.

Schaden,  Ermittelung  und  Feststellung  des  aus  einer
strafbaren  Handlung  erwachsenen  Schadens  im  Untersuchungsverfahren
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.
P.  O.  &amp;amp;.  9.)  934.  —  besondere  Bestimmung  für
Hannover  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XV.  K.  3.)  929.

Schäfereigerechtigkelten  im  vormaligen  Kurfürftenthum
  Hessen  (V.  v.  13.  Mai  g.  36.)  726.

Schatzanwelsungen,  Ausgabe  verzinslicher  Schatz
anweisungen  im  Betrage  von  fünf  Millionen  Thaler
(A.  E.  v.  31.  Mai)  1070.  —  desgl.  von  funfzehn
Millionen  Thaler  (A.  E.  v.  5.  Aug.)  1471.

Schaumburg-Lippe  (Fürstenthum),  das  Thurn  und
Taxissche  Postwesen  in  Schaumburg=  Lippe  geht  auf  den
Preußischen  Staat  über  (Vertr.  d.  28.  Janr.  Art.  1.
Nr.  16.)  355.

Theilnahme  des  Fürstenthums  am  Nordbeutschen
Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  dasselbe
führt  im  Bundesratb  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Sachsen  2c.,
betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich
und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen
Münzverein  (b.  13.  Juni)  1801—1803.

Schenkungen  von  Todeswegen  in  den  neuen  Landestheilen,
  Erhebung  der  Erbschaftsabgabe  (V.  v.  5.  Juli
K.  1.  ff.)  1120.

Stempel  zu  Schenkungen  in  Hannover,  Kurhessen,
Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  18.)  1206.  —  desgl.  in  Schleswig
  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Ang.  Nr.  17.)  1291.

Scherben,  Strafbestimmung  in  den  neuen  Landestheilen
gegen  denjenigen,  welcher  Scherben  auf  fremde  Grundstücke
  oder  auf  Privatwege  wirft  (V.  v.  25.  Juni
Art.  III.  S.  1.  Nr.  9.)  924.

r  L  L  MæaæHs

Schieds-
        <pb n="146" />
        94  Sachregister.

Schiedsgericht,  Bildung  eines  Schiebsgerichts?  zur
Entscheidung  der  Streitigkeiten  über  Entwässerungsanlagen
  in  Neuvorpommern  und  Rügen  (G.  v.  F.  Febr.
#  22—28.)  224.

Schiedsmänuner,  Wirksamkeit  derselben  in  den  neuen
Landestheilen  bei  Privatklagen  wegen  Ehrberletzungen,
Mißhandlungen  2c.  (Str.  P.  O.  S.  493.)  1047.

Einführung  der  Schiedsmänner  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  26.  Juni  K.  12.)  1075.  —  desgl.  in
Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstbeilen
(V.  v.  26.  Juni  F.  2.)  1085.  —  desgl.  in  Nassau  und
den  vormals  rberd  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  F.  7.)  109
Schlefer,  Errichtung  der  hecichnn,undengerusrn
Nuttlar  zu  Nuttlar  in  Westphalen  (Bek.  v.  4.  Juli)
1112.  —  s.  auch  Kupferschiefer.

Schiffahrt,  Organisation  eines  gemeinsamen  Schutzes
der  Deutschen  Schiffahrt  zur  See  [(Verf.  v.  24.  Juni
Art.  4.  Nr.  7.)  820.  —  Bestimmungen  über  den
Schiffahrtsbetrieb  auf  den,  mehreren  Bundesstaaten  gemeinsamen
  Wasserstraßen  (ebend.  Art.  4.  Nr.  9.)  820.

Schiffahrtsabgaben,  allgemeine  Bestimmungen  über
die  Festsetzung  der  Schiffabrtsabgaben  im  Gebiete  des
Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  54.)  833.

Exekutivische  Beitreibung  der  Schiffahrtsabgaben  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  F.  1.  Nr.  1.
lit.  b.)  1553.

Erhebung  der  Schiffabrtsabgaben  bei  der  Spreeschleuse
  zu  Cossenblatt  (A.  E.  v.  19.  Nov.  66.)  27.

Tarif  für  die  Schiffahrksabgaben  in  Elbing  (A.
E.  v.  12.  Dez.  66.)  121—128.

Tarif  für  die  an  der  Donau-Mündung  zu  erhebenden
  Schiffahrtsabgaben  (v.  2.  Nob.  65.)  327—319.

Ermäßigung  der  Schiffabrtsabgaben  in  Königsberg
(A.  E.  v.  13.  Mai)  704.  —  desgl.  in  Memel  (A.  E.
v.  29.  Juli)  1343—1341.

Aufhebung  der  Schiffahrtsabgabe  in  Holstein  und
Schleswig  (A.  E.  v.  17.  Sept.)  1667.

Aufhebung  der  Lippeschiffabrtsabgaben  (A.  E.  v.
20.  Sept.)  1744.  —  desgl.  der  Schiffahrtsabgaben  für
das  Befahren  der  Swine  (A.  E.  v.  22.  Nov.  Nr.  2.)
1848.  —  desgl.  der  Ruhrschiffahrtsabgaben  (A.  E.  v.
14.  Dez.)  1920.  —  desgl.  der  Schiffahrtsabgaben  auf
dem  Weichselhaff-Nanal  bei  den  Hebestellen  zu  Rothebude
and  Platenbof  (A.  E.  v.  27.  Nov.)  1933.

Ermäßigung  der  in  den  Pommerschen  Häfen  zu  entrichtenden
  Schiffahrtsabgaben  (A.  C.  v.  22.  Nov.)  1847
bis  1848.

Schiffahrts-A#te  für  die  Donau-Mündungen  (v.  2.
Nov.  65.)  307—349.

1867.

Schiffahrtsverträge  des  Norddeutschen  Bundes,  Verfahren
  beim  Abschluß  derselben  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  37.  Nr.  1.)  827.

Schiffe,  s.  Seeschiffe,  Kauffabrteischiffe.

Schiffer  (Seesckhiffer),  in  welchen  Fällen  die  Vollstreckung
des  Wechselarrestes  gegen  Schiffer  in  Schleswig  und
Holstein  unzulässig  ist  (V.  v.  13.  Mai  K.  2.  Nr.  3.)
669.  —  desgl.  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen
(V.  v.  13.  Mai  F.  2.  Nr.  3.)  737.  —  desgl.  in  Nassau
(V.  v.  5.  Juli  K.  2.  Nr.  3.)  1109.

Einführung  des  Gesetzes  vom  5.  Oltober  1833.
über  die  Verpflichtung  der  Seeschiffer  zur  Mitnahme
verunglückter  Schiffsmänner  in  Holstein  und  Schleswig
(V.  v.  5.  Juli  S.  1.  Nr.  3.)  1133.  —  desgl.  in  Hannover
  (V.  v.  24.  Juni  Nr.  IV.)  1165.

Schiffscertifikat,  s.  Certifikat.

Schiffshandwerker  in  den  Norddeutschen  Staaten,
Verpflichtung  derselben  zum  Dienste  in  der  Bundes-Marine
  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  53.)  832.

Schiffslast,  40  Zentner  bilden  eine  Schiffslast  in  den
ehemals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  5.  Juli  §.  2.)

1130.

Schiffsmannschaft  (Schiffsleute),  in  welchen  Fällen
die  Vollstreckung  des  Wechselarrestes  gegen  die  Schiffsmannschaft
  in  Schleswig  und  Holstein  unzulässig  ist  (V.
v.  13.  Mai  K.  2.  Nr.  3.)  669.  —  desgl.  in  dem  vormaligen
  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.  13.  Mai  K.  2.
Nr.  3.)  737.  —  desgl.  in  Nassau  (V.  v.  5.  Juli  K.  2.
Nr.  3.)  1109.

Einführung  des  Gesetzes  vom  26.  März  1864.  über
die  Rechtsverhältnisse  der  Schiffsmannschaft  auf  Seeschiffen
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  K.  1.
Nr.  1.)  1133.  —  ingl.  des  Gesetzes  vom  31.  März
1841.  über  die  Aufrechterhaltung  der  Mannszucht  auf
Seeschiffen  (ebend.  K.  1.  Nr.  2.)  1133.  —  ferner  des
Gesetzes  vom  5.  Oktober  1833.  über  die  Verpflichtung
der  Seeschiffer  zur  Mitnahme  verunglückter  Schiffsmänner
(ebend.  K.  1.  Nr.  3.)  1133.  —  ingl.  des  Gesetzes  vom
20.  März  1854.  über  die  Bestrafung  der  Seeleute  auf
Preußischen  Handelsschiffen,  welche  sich  dem  übernommenen
Dienste  entziehen  (ebend.  S.  1.  Nr.  d.)  1133.  —  Einführung
  dieser  Gesetze  in  Hannover  (V.  v.  24.  Juni
Nr.  11  —  V.)  1165—1182

Bestimmungen  über  die  Heuer  der  Schiffsleute  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  IS§.  69.  70.)
1147.  —  desgl.  in  Hannover  (V.  v.  24.  Juni  Nr.  I.)
1165.  1166.

Schiffspapiere,  Führung  derselben  auf  den  Seeschiffen
des  vormaligen  Königreichs  Hannover  (V.  v.  4.  Janr.
K.  3.)  79.

Schiffs.
        <pb n="147" />
        Sachregister.

Schifforegister,  Eintragung  der  Seeschiffe  des  vormaligen
  Königreichs  Hannover  in  das  Schifzzregister
(V.  v.  4.  Janr.)  77.  —  desgl.  der  Seeschiffe  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  SS.  57—66.  89.  90.
100.)  1145.

Schlachtsteuer,  s.  Mahl=  und  Schlachtsteuer.

Schlägerei,  Verhaftung  der  bei  einer  Schlägerei  in  den
neuen  Landestheilen  betheiligten  Personen  (Str.  P.  O.
K.  110.)  960.

Schlawentschüt  (Schlesien),  .  Chausseen  Nr.  16.

Schleiferei,,  Aktiengesellschaft  für  Dampfschleiferei  zu
Ohligs  im  Kreise  Solingen,  Genehmigung  des  Statuts
(Bek.  v.  11.  Aug.)  1312.

Schleflen  (Provinz),  Abänderung  des  Regulativs  vom
11.  Mai  1849.  K.  4,  betreffend  die  Abschätzung  des  durch  die
Schlesische  Landschaft  zu  beleihenden,  nicht  inkorporirten
Grundeigenthums  (A.  E.  v.  25.  Febr.)  392.  —  Genehmigung
  des  revidirten  Regulativs  über  die  Beleihung
des  nicht  inkorporirken  ländlichen  Grunbeigenthums  im
Bereich  der  Schlesischen  Landschaft  (A.  E.  v.  22.  Nov.
u.  Regul.)  1876—1901

Erlöschen  der  Garantie  des  eigenthümlichen  Fonds
der  Schlesischen  Landschaft  für  die  neuen  landschaftlichen
Pfondbriefe  (Bek.  v.  27.  März)  439.

Schlesische  Gebirgsbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  41.

Schleswig  (Herzogthum).

1)  Besitznahme  des  Herzogthums  Schleswig
(Pat.  v.  12.  Janr.)  129—130.  —  Proklamation  an
die  Einwohner  des  Herzogtbums  (v.  12.  Janr.)  131
bis  132.

2)  Militair-Angelegenheiten.

Einführung  der  Militair-Strafgesetze,  Megelung  der
Militair-Rechtspflege  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)  383.  —
Rechtsverhältnisse  der  Militairpersonen  (A.  E.  v.  1.  April)
519—532.

Militairdienstpflict  der  Mennoniten  (A.  E.  v.
24.  Juni)  1509.

Einführung  der  Landgendarmerie  (V.  v.  3.  Mai)
777—784.

Einführung  der  Preußischen  Kriegsleistungsgesetze
(V.  v.  22.  Sept.)  1632—  1633.

Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  der  zum
Dienste  einberufenen  Reserve=  und  Landwehr-Mannschaften
(V.  v.  31.  Aug.)  1637.

3)  Justiz-Angelegenheiten.

Anordnungen  über  die  Justiz-Verwaltung  (V.  v.
12.  Janr.)  140.

Behandlung  der  Gesuche  um  Legitimation  unehelicher
Kinder,  um  Adoption  und  wegen  Umlegung  der  Jurisdiktion
  (A.  E.  v.  4.  Mai)  632.

1867.  95
Schleswig  Herzogthum,  (Vort).

Staatsverbrechen  gehören  zur  Kompetenz  des  Kammergerichts
  in  Berlin  (V.  v.  23.  Mai)  703.

Verfahren  in  Civilprozessen  (V.  v.  21.  Juni  SK.  1.  ff.
K.  105.)  885.

Einführung  des  Strafgesetzbuchs  und  Erlah  einer
besonderen  Strafprozeb-Ordnung  (V.  v.  25.  Juni)  921
bis  1056.  —  Bestimmung  über  die  Wahl  der  Schöffen
(Str.  P.  O.  Anl.  §.  2.)  1051.

Organisation  der  Gerichte,  Trennung  der  Rechtspflege
  von  der  Verwaltung,  Aufhebung  der  Privatgerichtsbarkeit
  und  des  eximirten  Gerichtsstandes  (V.  v.
26.  Juni)  1073—  1085.  —  Errichtung  eines  obersten
Gerichtshofes  in  Berlin  (V.  v.  27.  Juni)  1103.  bis
110.

Aufstellung  der  Urlisten  der  Geschworenen  (A.  E.
v.  14.  Sept.)  1552.

Ansatz  und  Erhebung  der  Gerichtskosten  und  der
Gebühren  der  Notare  und  Rechtsanwalte  in  Cibilsachen
(V.  v.  30.  Aug.)  1369—  1384.  —  deêgl.  in  Strafsachen
  (ebend.  S#.  14.  24.)  1377.  (V.  v.  30.  Aug.)
1412—1420.

Bestimmung  über  die  Auslieferung  der  von  ausländischen
  Behörden  verfolgten  Personen  (A.  E.  v.
26.  Juli)  1264.

Bestimmungen  über  die  Zulässigkeit  des  Rechtsweges,
  über  das  Verfahren  bei  Kompetenz-Konflikten
und  über  die  Behandlung  der  Konflikte  bei  gerichtlichen
Verfolgungen  wegen  Amts-  und  Diensthandlungen  (V.
v.  16.  Sept.  Art.  I.  ff.  Art.  II.)  1515.

Ausdehnung  des  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Coburg-Gotda
  über  die  gegenseitige  Gerichtsbarkeit  ab,
geschlossenen  Vertrages  vom  11.  Juni  1858.  auf  Schleswig
  und  Holstein  (Minist.  Erkl.  v.  28.  Sept.)  1795
bis  1796.

4)  Verhältnisse  der  Beamten.

Verfahren  bei  Anftellung,  Entlassung  und  Pensionirung
  von  Justiz=  und  anderen  Staatsbeamten  in
Schleswig  (A.  E.  v.  17.  Janr.)  31.  —  besondere  Bestimmungen
  über  die  Anstellung  der  Justizbeamten  (V.
v.  B.  Febr.)  209.  —  Pensionsansprüche  der  Civilbeamten
(V.  v.  6.  Mai)  713.  —  Vereidigung  der  Beamten  (V.
v.  22.  Janr.)  132  —135.

Anderweitige  Einrichtung  des  Amtskautionswesens
(V.  v.  12.  Sept.)  1513—1514.

Allgemeine  Regelung  der  Staatsbiener-Verhältnisse
(V.  v.  23.  Sept.)  1619—1620.

Einführung  der  Preußischen  Disziplinargesetze  in
Betreff  der  Beamten  (V.  v.  23.  Sepl.)  1613—1618.

Heranziehung  der  Staatsdiener  zu  den  Kommunal=Abgaben
  (V.  v.  23.  Sept.)  1648—1651.

5)  Zoll-
        <pb n="148" />
        96  Sachregister.
Schleswig  Herzogthum],  (Fortf.)

Schleswig  (Herzogkhum],  (Fortt.)

5)  Zoll-,  Steuer=  und  Stempelsachen.

Einführung  des  Vereins-Zolltarifs  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  18.  April)  497—500.

Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  (V.  v.  28.  April)  543—548.  (A.
E.  v.  22.  Sept.)  1644.

Besteuerung  des  Branntweins  (V.  v.  11.  Mai)
633—651.  —  des  Braumalzes  (V.  v.  11.  Mai)  652  bis
660.  —  des  Tabacks  (V.  v.  11.  Mai)  661  —  666.  —
Besteuerung  des  im  Inlande  erzeugten  Rübenzuckers
(V.  v.  24.  Juni)  918.

Erhebung  einer  Salzabgabe  (V.  v.  9.  Aug.)  1327
bis  1328.

Erhebung  der  Erbschaftsabgabe  (V.  v.  5.  Juli
S#.  1.  ff.,  §.  12.  a;  K.  13.)  1120.

Einführung  des  Zollgesetzes,  der  Zollordnung  und
des  Zollstrafgesetzes  vom  23.  Januar  1838.  (V.  v.
29.  Juli)  1265—1207.

Bestimmungen  über  das  Verfahren  in  Untersuchungen
  wegen  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Zollgesetze
  (Ordn.  v.  29.  Juli)  1270—1276.

Exekutivische  Beitreibung  der  direkten  und  indirekten
Steuern  und  anderer  öffentlicher  Abgaben  und  Gefälle,
Kosten  2c.  Seitens  der  Verwaltungsbehörden  (V.  v.
22.  Sept.  IS#.  1.  ff.  11.)  1553.

Erhebung  der  Stempelsteuer  (V.  v.  7.  Aug.)
1277—1307.  —  Stempelsteuer  für  Spielkarten,  Fabrikation
  und  Verkauf  derselben  (V.  v.  4.  Juli)  1057.  bis
1062.  —  Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli)  1063—1066.
—  Zeitungsstempel  (V.  v.  4.  Juli)  1066  —  1067.  —
Kalenderstempel  (V.  v.  5.  Juli)  1068—1069.

Bestellung  eines  Provinzial-Steuerdirektors  (A.  E.
b.  24.  Aug.)  1360.

6)  Handel  und  Gewerbe,  Schiffahrt.

Einführung  der  Bankordnung  vom  5.  Oktober  1846.
und  des  dieselbe  ergänzenden  Gesetzes  vom  7.  Mai  1856.
(V.  v.  17.  Janr.)  32.

Einführung  der  allgemeinen  Deutschen  Wechselordnung
  (V.  v.  13.  Mai)  669—699.

Einführung  des  allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuchs
  (V.  v.  5.  Juli)  1133—1157.

Aufhebung  der  Beschränkungen  des  Zinssatzes  (G.
v.  18.  März)  387.

Außer-  und  Wiederinkurssetzung,  desgl.  Umschreibung
  der  Papiere  auf  Inhaber  (V.  v.  16.  Aug.)  1457
bis  1461.

Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung
  an  jeden  Inbaber  enthalten  (V.  v.
17.  Sept.)  1518—1519.

1867.

Bestimmungen  über  die  Kommanditgesellschaften  auf
Aktien  (V.  v.  24.  Aug.)  1645—1646.

Bestimmungen  über  die  Ertheilung  von  Erfindungsund
  Einführungspatenten  (V.  v.  24.  Juni)  1113.  bis
1118.

Beschäftigung  jugendlicher  Arbeiter  in  den  Fabriken
(V.  v.  22.  Sept.)  1572.

Bestimmungen  über  den  Betrieb  stehender  Gewerbe
(V.  v.  23.  Sept.)  1641—1644.

Bestimmung  über  die  Küfslenfrachtfahrt  (V.  v.
9.  Mai)  701.

Aufhebung  der  Schiffahrtsabgabe  (A.  E.  v.  17.
Sept.)  1667.

7)  Telegraphen  und  Eisenbahnen.

Verschmelzung  des  Telegraphenwesens  mit  der  Preußischen
  Telegraphenverwaltung  (A.  E.  v.  4.  Febr.)  208.

Das  Eisenbahnwesen  wird  dem  Ressort  des  Handels-Ministeriums
  zugewiesen  (A.  E.  v.  9.  März)  396.

Einführung  des  Gesetzes  vom  3.  November  1838.
über  die  Eisenbahn-Unternehmungen,  und  der  Verordnung
dom  21.  Dezember  1846.  über  die  bei  dem  Bau  von  Eisenbabnen
  beschäftigten  Handarbeiter  (V.  v.  19.  Augu#t)
1426.

estubrun  der  Eisenbahnen  (V.  v.  22.  Sept.)
1639—164%

8)  Verwaltungs-Angelegenheiten.

Organisation  der  Forstverwaltung,  Prüfung  und
Anstellung  der  Forstbeamten  (V.  v.  4.  Juli)  1129.

Verordnung  über  bie  Polizeiverwaltung  (v.  20.  Sept.)
1529—1533.

9)  Geistliche,  Unterrichts=  und  Medizinal-Angelegenheiten.


Prüfung  der  Schulamts-Kandidaten,  Zusammensetzung
  der  wissenschaftlichen  Prüfungs-Kommissionen  (V.
v.  13.  März)  395.

Kompetenz  des  Ministers  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten
  in  Betreff  der  Unterrichts=  und  Medizinal-Verwaltung
  (V.  v.  13.  Mai)  667.

Ernenn#ung  der  jüdischen  Geistlichen  (A.
24.  Juni)  1308.

Errichtung  eines  Provinzial-Schulkollegiums  und
eines  Medizinal-Kollegiums  für  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  22.  Sept.)  1570.

Errichtung  eines  evangelisch-  utherischen  ns.
riums  für  Schleswig  und  Holstcin  in  Kiel  (V.  v.
24.  Sept.)  1669.

E.  v.

Auf.
        <pb n="149" />
        Sachregister.

Schleswig  (Herzogthum],  (Fortl.)

Aufhebung  der  den  Studirenden  aus  Schleswig  und
Holstein  obliegenden  Verpflichtung  zu  einem  zweijährigen
Studium  auf  der  Universität  in  Kiel  (A.  E.  v.  17.  Sept.)
143.

aue  "  *  Vrauzisch  Medizinalgewichts  (V.
b.  12.  Aug.)  135

10)  Staats=  und  Kommunal-Angelegenheiten.


Verwaltung  und  Verwendung  der  zum  Staatsegenthum
  gehörigen  Aktivkapitalienfonds  (V.  v.  5.  Juli)
1072.

Wahl  der  Abgeordneten  zum  Preußischen  Landtage
(G.  v.  17.  Mai)  1481.  —  Bezeichnung  der  direkten
Steuern,  nach  denen  die  Urwäbler  in  drei  Abtheilungen
getheilt  werden,  Feststellung  der  Wahlbezirke  (V.  v.  14.
Sept.)  1482—1495.

Provinzialständische  Verfassung  (V.  v.  22.  Sept.)
1581—  1586.  —  Organisation  der  Kreis=  und  Distriktsbehörden,
  sowie  der  Kreisvertretung  (V.  v.  22.  Sept.)
1587—1602.  —  Landgemeindeverfassung  (V.  v.  22  Sept.)
1603—1610.

Verpflichtung  der  Stadtgemeinden  zur  Besetzung  der
besoldeten  städtischen  Unterbeamtenstellen  mit  versorgungsberechtigten
  Militair-Invaliden  (A.  E.  v.  22.  Sept.)  1667.

11)  Sonstige  Bestimmungen.

Festfiellung  des  Finanz-Etats  für  das  Jahr  1867.
(V.  v.  17.  Janr.)  108—  118.

Bestimmungen  über  die  Publikation  der  Gesetze  und
anderer  landesherrlicher  Erlasse  (V.  v.  29.  Janr.)  139.

Bildung  von  Genossenschaften  zu  Entwässerungsund
  Bewässerungsanlagen  (V.  v.  28.  Mai)  769.

DHPrivatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs=  und  Wirthschafts-Genossenschaften
  (V.  v.  22.  Sept.)  1631.

Heimathsrechte  der  außerhalb  Schleswig  und  Holstein
  geborenen,  mit  ihren  Eltern  in  Schleswig  eingewanderten
  Personen  (V.  v.  5.  Juli)  1132.

Verwaltung  und  Veräußerlichkeit  der  Domainen
und  Regalien  (V.  v.  5.  Juli)  1182—1183.

Einer  Bestätigung  der  ertheilten  Bestallungen,  Privilegien
  2c.  bei  eintretendem  Wechsel  in  der  Person  des
Landesherrn  soll  es  nicht  weiter  bedürfen  (A.  E.  v.  19.
Juli)  1282.

Verordnung  über  das  Münzwesen  (v.  24.  Aug.)
1427—1429.

Verordnung  #ber  bos  Rechnungswesen  (v.  31.  Aug.)
1442—1444.

Bestimmungen  über  das  Zeitungskautionswesen  (V.
v.  26.  Sept.)  1663—1664.

Jahrgang  1667.

1867.  97

Schleusenabgaben,  exekutivische  Beitreibung  derfelben
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  K.  1.
Nr.  1.  Ii.  b.)  1553.

Schlüchtern  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kassel
(V.  v.  22.  Febr.  §&amp;amp;.  3.  Nr.  20.)  274.

Schmalkalden  (Kreis),  tritt  hinsichtlich  der  indirekten
Abgaben  unter  die  Verwaltung  des  General-Inspektors
des  Zoll=  und  Handelsvereins  der  Thüringischen  Staaten
(A.  E.  v.  8.  Febr.)  201.

Der  Kreis  Schmalkalden  gehört  zum  Regierungsbezirk
  Kassel  (V.  v.  22.  Febr.  S.  3.  Nr.  21.)  274.

Schmidthachenbach  (Rheinprovinz),  Bildung  einer
Wiesengenossenschaft  daselbst  (Stat.  v.  5.  Juli)  1231
bis  1235.

Schöffen,  Bestimmungen  über  die  Berufung  zum  Schöffenamte
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  Anlage
&amp;amp;  1  —  19.)  1051.  —  Mitwirkung  der  Schöffen  bei
Ausübung  der  Polizeigerichtsbarkeit  (Str.  P.  O.  S#.  12.
356.  357.  360.  420.  Nr.  1;  §J.  485.)  935.  (V.  v.  25.  Juni
Art.  II.  D.  §.  24.  u.  Art.  XX  III.)  922.

Schöneck  (Provinz  Preußen),  s.  Chausseen  Nr.  6.

Schonzeit,  Bestimmung  über  die  Hege=  und  Schonzeit
im  vormaligen  Herzogthum  Nassau  (V.  v.  30.  März
g.  20.)  431.

Schreibegebühren  in  Strafsachen  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  30.  Aug.  F.  17.  Schlußsatz;  §.  23.)
1418.

Schriften,  Beschlagnahme  von  Schriftstücken  Seitens  der
Untersuchungsbehörden  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.
P.  O.  §#.  91.  92.  98.)  955.  —  Verlesung  von  Schriftstücken
  in  der  Hauptverhandlung  (ebend.  &amp;amp;#&amp;amp;.  245—249.)
989.

Schriftsätze  im  Prozeßverfahren  in  den  neuen  Landestheilen
  Kurhessen,  Nassau  1c.  ½4  v.  24.  Juni  6K.  9.  15.
47.  48.  50.  53.  61.  100.)  888

Befugniß  der  Mechisanwalte.  in  Schleswig  und
Holstein  zur  Anfertigung  und  Legalisation  von  Schriftsitzen
  (V.  v.  26.  Juni  8.  30.)  1080.  —  desgl.  in
Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  §.  19.)  1089.  —  desgl.  in  Nassau  und
den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.
v.  26.  Juni  H.  19.)  1099

Schulamts-Kandidaten.,  Prüfung  derselben  in  den
neuerworbenen  Landestheilen  (V.  v.  13.  März)  395.
(V.  v.  13.  Mai)  667.

Schulangelegenheiten  in  den  neuen  Landestheilen,
gehören  zur  Kompetenz  des  Ministers  der  geistlichen  rc.
Angelegenheiten  (V.  v.  13.  Mai)  667.

Schuldgefangene,  s.  Gefangene.

a  Schuld-
        <pb n="150" />
        98

Schuldhaft,  Vollstreckung  derselben  gegen  Mitglieder
des  Norddeutschen  Reichstages  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  31.)  826.

Schuld--  und  Pfandprotokoll  in  Schleswig  und
Holstein,  Führung  desselben  (V.  v.  26.  Juni  #.  16.  21.
Nr.  3.)  1076.  —  Eintragungen  in  dasselbe  in  Handelssachen
  2c.  (V.  v.  5.  Juli  §§.  23.  31—33.  95.)  1139.  —
Kosten  für  die  Eintragungen  in  das  Schuld=  und  Pfandprotokoll
  (V.  v.  30.  Aug.  S.  10.  12.)  1374.  —  Gebühren  der
Rechtsanwalte  (ebend.  F.  23.)  1380.

Schuldverschreibungen,  Stempel  zu  denselben  in  Hannover,
  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (Tarif  vom  19.  Juli  Nr.  52.)  1214.  —
besgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  51.)
1299.

Schulen,  Befreiung  öffentlicher  Schulen  von  der  Erbschaftsabgabe
  in  den  neuen  Landestheilen  (Tarif  v.  5.
Juli  Nr.  2.  e.)  1127.  —  Stempelfreibeit  derselben  (V.
v.  19.  Juli  §.  4.  e.)  1193.  (V.  v.  7.  Aug.  F.  4.  e.)
1279.

Schullehrer,  Volksschullehrer  sind  in  den  neuen  Landestheilen
  zu  Geschworenen  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.
S.  276.  Nr.  6.)  997.

Befreiung  der  Elementarlehrer  von  den  Kommunalauflagen
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.
K.  1.  Nr.  3:;  &amp;amp;.  9—12.)  1648.

Bestimmungen  über  das  Diensteinkommen  der  Volksschullehrer
  in  dem  Regierungsbezirk  Kassel  (V.  v.  29.  Juli)
1245.

Schutt,  Strafbestimmung  in  den  neuen  Landestheilen
geden  denjenigen,  welcher  Schutt  auf  fremde  Grundstücke
oder  auf  Privatwege  wirft  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  F.  1.
Nr.  9.)  924

Schwadowitz  (Oesterreich),  Landshut=  Schwadowitzer
Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  22.

Schwägerschaftt,  Berechnung  der  Erbschaftsabgabe,
welche  Schwäger  und  Schwägerinnen  des  Erblassers  in
den  neuen  Landestheilen  zu  entrichten  haben  (Tarif  v.
5.  Juli  D.  lit.  b.)  1127.  —  s.  auch  Verwandte.

Schwarzburg-Rudolstadt  (Fürstenthum),  das  Thurn
und  Taxissche  Postwesen  in  Schwarzburg-Rudolstadt  geht
auf  den  Preußischen  Staat  über  (Vertr.  v.  28.  Janr.
Art.  1.  Nr.  13.)  355.

Theilnahme  des  Fürstenthums  am  Norddeutschen  Bunde
(Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —  dasselbe  führt  im
Bundesrath  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Sachsen,  Bayern  rc.,
betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich  und
des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen  Manzverein
  (v.  13.  Juni)  1801—1803.

Sachregister.

1867.

c.  L  —  à  AL  1un

(Fürstenthum),  Vertrag
  zwischen  Preußen  und  Schwarzburg-Sondershausen
wegen  Anlegung  einer  Eisenbahn  von  Nordhaufen  nach
Erfurt  (v.  21.  Dez.  66.)  210—216.

Das  Thurn  und  Taxissche  Postwesen=  in  Schwarzburg=
  Sondershausen  geht  auf  den  Preußischen  Staat
über  (Vertr.  v.  28.  Janr.  Art.  1.  Nr.  13.)  355.

Theilnahme  des  Fürstenthums  am  Norddeutschen
Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  I.)  818.  —  dasselbe
führt  im  Bundesrath  eine  Stimme  (ebend.  Art.  6.)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Sachsen  2c.,
betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich
und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen
Münzderein  (v.  13.  Juni)  1801—1803.

Schwetz  (Westpreußen),  Verwaltung  und  Unterhaltung
des  Irrenhauses  in  Schwetz  (Regl.  v.  11.  Sept.  K.  2.
Nr.  2.  a;  #.  v.  15.  16.  25.  a;  #.  30.)  1709.  —
desgl.  des  Landkrankenhauses  daselbst  (ebend.  K.  2.
Nr.  2.  d;  S#.  4.  7.  15.  16.  25.  a;  K.  30.)  1710.

Schwiebus  (Provinz  Brandenburg),  Eisenbahn  von
Frankfurt  a.  O.  über  Sternberg  und  Schwiebus  nach
Posen,  f.  Eisenbahnen  Nr.  26.

Schwiegereltern  (Schwiegerkinder),  Vernehmung  derselben
  in  den.  neuen  Landestheilen  als  Zeugen  oder  Sachverständige
  in  Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.  SK#.  155.
161.  Nr.  4;  §#.  186.  243.  501.)  970

Berechnung  der  Erbschaftsabgabe,  welche  Schwiegereltern
  und  Schwiegerkinder  des  Erblassers  in  den  neuen
Landestheilen  zu  entrichten  haben  (Tarif  v.  5.  Juli  C.  c.)
1126.

Schwirz  (Schlesien),  s.  Chausseen  Nr.  17.

Schwoigtzsch  (Schlesien),  #.  Chausseen  Nr.  10.

Schwurgerichte  in  den  neuen  Landestheilen,  Bildung
des  Schwurgerichts  (Str.  P.  O.  S.  294.  ff.  347.)  1001.
—  Verweisung  der  Sache  an  ein  neues  Schwurgekicht
(ebend.  F.  341.  342.)  1011.  —  In  welchtn  Fällen
Schwurgerichtssachen  vor  der  Strafkammer  verhandelt
werden  dürfen  (ebend.  I#  446.  447.)  1036.

Bestimmung  über  die  in  Kurhessen  und  den  vormals
  Bayerischen  Gebietstheilen  noch  abzuhaltenden
Schwurgerichte  (A.  E.  v.  11.  Sept.)  1527.

Schwurgerichtshöfe  in  den  neuen  Landestheilen,  Kompetenz
  und  Verfahren  derselben  (Str.  P.  O.  #.  14.  47
bis  49.  84.  269  —  273.)  936.  —  Urtbeile,  Beschlüsse
und  Verfügungen  derselben  (ebend.  I#  21.  22.  323.  bis
326.  337—  347.)  937.  —  Rechtsmittel  dagegen  (ebend.
#  364.  405.)  1017.  —  Ediktalverfahren  in  schwurgerichtlichen
  Sachen  (ebend.  S#  458  —  461.  466.  467.)
1038.

Ernennung  der  beisitzenden  Richter  in  Frankfurt
a.  M.  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XVII.)  930.
An-
        <pb n="151" />
        Sachregister.

Schwurgerichtshöfe,  (Fottf.)
Ansatz  der  Gerichtskosten  in  Schwurgerichtssachen
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  30.  Aug.  K.  5.)  1413.
—  Gebühren  der  Rechtsanwalte  (ebend.  K.  17.  A.  Nr.  4
u.  5.)  1417.

Seefahrtsbücher  in  Hannover,  Formulare  zu  denselben
(V.  v.  24.  Juni  Nr.  1.)  1165.  1167.

Seehäfsen,  gleichmäßige  Behandlung  der  Kauffahrteischiffe
  in  den  Seehäfen  des  Rorddeutschen  Bundes  (Verf.
v.  24.  Juni  Art.  54.)  832.

Seeschisfe,  allgemeine  Bestimmungen  über  die  Seeschiffe
  der  Rorddeutschen  Bundesstaaten  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  54.  55.)  832.

Führung  der  Preußischen  Landesflagge  von  den
Seeschiffen  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  Eintragung
  dieser  Schiffe  in  das  Schiffsregister  und  in  die
Register-Certisikate  (V.  v.  4.  Janr.)  77.  —  desgl.  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  S#.  56  —66.
89.)  1144.

Bestimmung  über  den  Gerichtsstand  in  den  neuen
Landestheilen,  wenn  eine  strafbare  Handlung  auf  einem
Preußischen  Seeschiffe  in  offener  See  begangen  ist  (Str.
P.  O.  K.  39.)  943.

Einführung  des  Gesetzes  vom  26.  März  1864.  über
die  Rechtsverhältnisse  der  Schiffsmannschaft  auf  Seeschiffen
  in  Holstein  und  Schleswig  (V.  v.  5.  Juli  H.  1.
Nr.  1.)  1153.  (V.  v.  5.  Juli  S.  91.)  1152.  —  ingleichen
des  Gesetzes  vom  31.  März  1841.  über  die  Aufrechterhaltung
  der  Mannszucht  auf  Seeschiffen  (ebend.  S.  1.
Nr.  2.)  1133.  —  Einführung  dieser  beiden  Gesetze  in
Hannover  (V.  v.  24.  Juni  Nr.  II.  u.  III.)  1165.  1167
bis  1179.

Verkauf  von  Seeschiffen  in  Schlismi  und  olstein
(V.  v.  5.  Juli  S.  79.  80.)  1149.

s.  auch  Kouffahrtetschiffe.

Seeschiffer,  s.  Schiffer.

Seeversicherung,  Aktiengesellschaft  „Union“  für  Seeund
  Flußversicherungen  in  Stettin,  Genehmigung  des
zweiten  Nachtragrs  zum  Statut  (Bek.  v.  30.  Juli)  1308.

Seewesen,  Bildung  eines  dauernden  Ausschusses  im
Norddeutschen  Bundesrath  für  das  Seewesen  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  8.  Nr.  2.)  822.

Sekretaire  der  Gerichte  in  den  neuen  Landestheilen,
Disziplinarverfahren  gegen  dieselben  (V.  v.  23.  Sept.
Art.  III.  V.  .  61.)  1614.

Selbstmörder,  Beerdigung  derselben  in  den  neuen  Lanbestheilen

  (Str.  P.  O.  .  174.  Nr.  1.)  975.

1867.  99

Seauestration,  die  Exekution  gegen  einen  Deutschen
Bundesstaat  wegen  Nichterfüllung  seiner  Bundespflichten
kann  bis  zur  Sequestration  des  Landes  und  der  Negierungsgewalt
  ausgedehnt  werden  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  19.)  824.

Bestimmungen  über  die  Sequestration  der  zur  Schlesischen
  Landschaft  gehörigen  Grundstücke  (Revid.  Regul.
v.  22.  Nov.  S#  20.  21.)  1884,

Sequestration  von  Grundstücken  im  Wege  der  abministrativen
  Exekution  zur  Einziehung  rückständiger  Abgaben,
  Steuern,  Kosten  r2c.  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  22.  Sept.  S#  11.  33.)  1557.

Ansatz  der  Gerichtskosten  für  Sequestrationen  in
Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  30.  Aug.  §.  11.)  1403.

Sergeanten,  Pensionszulage  für  die  im  Kriege  verwundeten
  und  verstümmelten  Sergeanten  (G.  v.  9.  Febr.
I  1.  2.)  217.  —  Unterstützung  ihrer  Witiwen  und
Kinder  (ebend.  &amp;amp;#.  3—6.)  217.

Servis,  Bestimmungen  über  das  Seroizwesen  in  den
Staaten  des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  61.)  834

Servituten,  die  zu  Serdituten  Berechtigten  haben  keinen
Beitrag  zur  Grundsteuer  zu  leisten  (G.  v.  8.  Febr.
S.  11.)  188.

Adlösung  der  Servituten  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum
  Hessen  (V.  v.  13.  Mai)  716—726.  —/  besgl.
in  den  vormals  Bayerischen  und  Großherzoglich  Hessischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  2.  Sept.)  1463—1464.

Sicherheitsbeamte,  s.  Polizeibeamte.

Sicherbeitsbestellung,  Befreiung  von  der  Untersuchungshaft
  gegen  Sicherheitsbestellung  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  K.  115—120.)  961.  —
s.  Kaution.

Siegburg  (Aheinprovinz),  Eisenbahn  von  Ebrenbreitstein

  nach  Siegburg,  s.  Eisenbahnen  Nr.  37.

Siegen  (Westphalen),  Errichtung  der  Aktiengesellschaft
„Rolandshütte"  dei  Siegen  mit  dem  Sitze  in  Haardt
(Bek.  v.  2.  Mai)  600.

Auflösung  der  Berghypotheken-Kommission  in  Siegen
(V.  v.  9.  Aug.)  1425.

Sieg-Fischerei-Aktiengesellschaft  zu  Wissen,  Genehmigung
des  Statuts  (Bek.  v.  5.  April)  488.

Silbersachen,  Abpfändung  und  Verkauf  silberner  Geräthe
  zur  exekutivischen  Beitreibung  rückständiger  Abgaben,
  Steuern,  Kosten  2c.  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  22.  Sept.  F.  29.  c.)  1564.

Eimmern  (Rheinprovinz),  Verlegung  des  Hypothekenamtes
zu  Meisenheim  nach  Simmern  (A.  E.  v.  15.  Juli)  1243
bis  1244.  —  f.  auch  Chausseen  Nr.  42.

ne  Sit-
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        100  Sachregister.  1867.

Sittendorf  (Provinz  Sachsen),  #.Chausseen  Nr.  8.  Staatsanuleihe,  (Forll)

Sistzungen  der  Gerichte  in  den  neuen  Landestheilen  Kur-  Staatsanleihe  bis  auf  Höhe  don  24  Millionen
hessen,  Nassau  2c.,  Verfahren  gegen  Ruhestörer  in  Prozeß-  Thaler  zum  Bau  und  zur  Erweiterung  mehrerer  Eisensachen
  (V.  v.  24.  Juni  .  99.)  912.  —  beegl.  in  Unter,  bahnen  (G.  v.  9.  März  §§.  2—5.)  394.  —  Auegabe
suchungssachen  (Str.  P.  O.  #.  187—191.)  978.  —  der  Schuldverschreibungen  (I.  E.  v.  5.  Aug.)  1345.
Sitzungen  für  die  Hauptverhandlung  in  Strafsachen  Staatsanleihe  von  30  Millionen  Tholer  zur  Deckung
(ebend.  ##.  217.  256—258.  265.  414—  417.)  984.  des  außerordentlichen  Geldbedarfs  der  Militair=  und  Ma-...

  .  rineverwaltung  pro  1866.  (A.  E.  v.  31.  März)  400.
Soldaten,  Pensionszulage  für  die  im  Kriege  verwun-  .  .  .  .
deten  und  verstümmelten  Soldaten  (G.  v.  9.  Febr.  Emisson  der  Staatsanleibe  von  vorläusig  10  Mil-K.

  1.  7.)  217.  —  Unterstützung  ihrer  Wittwen  und
Kinder  (ebend.  &amp;amp;b  3—6.)  217.

Gegen  Personen  des  Soldatenstandes  ist  die  Vollstreckung
  des  Wechselarrestes  in  Schleswig  und  Holstein
unzulässig  (V.  v.  13.  Mai  K.  2.  Nr.  2.)  669.  —  desgl.
in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.  13.  Mai
K.  2.  Nr.  2.)  737.  —  desgl.  in  Nassau  (V.  v.  5.  Juli
S.  2.  Nr.  2.)  1109.

lionen  Thaler  zur  Deckung  der  für  die  Aufhebung  der
Grundsteuerbefreiungen  zu  gewährenden  Entschädigung
(A.  E.  v.  13.  März)  450.

Staatsanwalte  in  den  neuen  Landestheilen,  Stellung

und  Befugnisse  derselben  (Str.  P.  O.  F.  31.  Nr.  3;
K&amp;amp;.  33—37.)  941.  —  Ernennung  derselben  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  ISF.  28.  37—39.)  1079.
—  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  S§.  17.  30—32.)  1089.

s.  Militairpersonen.

Sparkassen-Aktienverein  in  Danzig,  Genehmigung
des  Statuts  (Bek.  v.  24.  Mai)  792.

Spiel,  Strafbestimmung  in  den  neuen  Landestheilen  für
das  Spielen  in  auswärtigen  Lotterien  (V.  v.  25.  Juni
Art.  IV.)  925.  —  desgl  an  den  Spielbanken  in  Wiesbaden,
  Ems  und  Homburg  (ebend.  Art.  V.)  925.

Spielkarten,  Erhebung  der  Stempelsteuer  von  Spielkarten
  in  den  neuen  Landestbeilen,  Fabrikation  und  Verkauf
  derselben  (V.  v.  4.  Juli)  1057—  1062.

Allgemeine  Bestimmungen  über  die  Fabrikation,  den
Verkauf  und  die  Besteuerung  der  Spielkarten  in  der
Preubischen  Monarchie  (G.  v.  23.  Dez.)  1921—1926.

Sportelfreihe##t  der  gemeinnützigen  Aktien-Baugesellschaften
  (G.  v.  2.  März)  385.
Sportelfreiheit  der  Militairpersonen  in  den  neu  erworbenen
  Landestheilen  (A.  E.  v.  1.  April  Zusamm.
Nr.  VI.)  529.

Sprache,  Verfahren  der  Gerichte  in  den  neuen  Landestheilen
  bei  Vernehmung  von  Personen  in  Untersuchungs.
sachen,  welche  der  Deutschen  Sprache  nicht  mächtig  find
(Str.  V.  O.  .  144.  148.)  968.  —  Uebersetzung  von
Schriftstücken,  welche  in  fremder  Sprache  abgefaßt  fin?
(ebend.  S.  185.)  977.

Spree,  Erbebung  der  Schiffahrtsabgabe  bei  der  Spreeschleuse
  zu  Cossenblatt  (A.  E.  v.  19.  Nov.  66.)  22.  —
Abgabe  für  das  Befahren  der  Spree  bei  Fürstenwalde
oder  Berlin  (Tarif  v.  9.  Sept.  A.)  1578.

Staatsanleihe  von  drei  Millionen  Thaler  zur  Uebernahme
  der  Thurn  und  Taxisschen  Postverwaltung  (G.  v.
16.  Febr.  S§.  2—5.)  353.  (A.  E.  v.  25.  März)  399.

—  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  IS§.  17.  29
bis  31.)  1098.

Staatsanwaltschaft  in  den  neuen  Landestheilen,  allgemeine
  Bestimmungen  (Str.  P.  O.  ##  2—4.  18.  24.
Nr.  4;  I  .  25.  38.  61.  276.  Nr.  2.)  933.  —  Organisation
  und  Kompetenz  derselben  (ebend.  &amp;amp;#.  31—35.  46.)
941.  —  Funktionen  derselben  in  Untersuchungssachen
(ebend.  S##  36.  37.  61—74.  76.  ff.  104.  105.  112.
f21.  124—126.  135.  159.)  9412.  —  Erlaß  von  Steckbriefen
  (ebend.  K.  132.)  965.  —  Erlaubniß  zur  Beerdigung
  von  Leichen  (ebend.  S.  174.)  975.  —  Bewirkung
von  Zustellungen  gerichtlicher  Urtheile,  Beschlüsse  und
Verfügungen  (ebend.  F.  194.)  979.  —  Funktionen  der
Staatsanwaltschaft  bei  dem  Hauptverfahren  (ebend.
A.  217.  ff.  290.  ff.  352—356.)  984.  —  Befugniß  derselben
  zur  Einlegung  und  Zurücknahme  von  Rechtsmitteln
  (ebend.  §§#  365.  368.  369.  371.  373.  376.
385.)  1017.  —  Wirksamkeit  der  Staatsanwaltschaft  bei
der  Strafvollstreckung  (ebend.  S#  430—432.  436.)  1033.
—  Befugnisse  derselben  in  Untersuchungen  wegen  Steuer-,
Zoll=  und  Postkontraventionen  (ebend.  S#.  478—482.)
1403.  (Ordn.  v.  29.  Juli  §#.  7.  23.)  1272.  —  desgl.
bei  Privatklagen  wegen  strafbarer  Handlungen  (Str.
P.  O.  W.  488—490.  499.  502.  507.)  1046.  —  Verwaltung
  der  Gefängnisse  durch  die  Staatsanwaltschaft
(V.  v.  25.  Juni  Art.  XIII.)  928.

Organisation  der  Staatsanwaltschaft  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  K.  28.)  1079.  —  desgl.  in
Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  K.  17.)  1089.  —  desgl.  in  Nassau
und  den  vormals  Großherzoglich  Hesfischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  K.  17.)  1098.

Dis-
        <pb n="153" />
        Sachregister.

Staate  anwaltschaft,  (Forts.)

Disziplinarbefugnisse  der  Beamten  der  Staatsanwaltschaft
  in  den  neuen  Landestheilen  gegen  die  ihnen  untergeordneten
  Büreau=  und  Unterbeamten  (V.  v.  23.  Sept.
Art.  V.  K.  61.)  1615.  —  Funktionen  derselben  bei  dem
Disziplinarverfahren  gegen  Rechtsanwalte  und  Notarien  #c.
(ebend.  Art.  V.  ##.  69.  74.  77.)  1615.

Verpflichtung  der  Staatsanwaltschaft  in  Schleswig
und  Holstein,  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Vorschriften
des  Handelsgesetzbuchs  anzuzeigen  (V.  v.  5.  Juli  K.  19.)
1138.

Verrichtungen  der  Staatsanwaltschaft  bei  dem  Ober-Appellationsgericht
  in  Berlin  (V.  v.  27.  Juni  §.  8.)
1106.

Staatsanwaltsgehülfen  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  26.  Juni  8.  39.  37.)  1082.  —  desgl.  in  Kurbessen
und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.
26.  Juni  &amp;amp;.  32.  30.)  1092.  —  desgl.  in  Nassau  und
den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  26.  Juni  #&amp;amp;.  31.  29.)  1101.

Staatsbürgerrecht  im  Gebiete  des  Norddeutschen  Bundes,
  Berechtigung  der  Bundesangehörigen  zur  Erlangung
desselben  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  3.)  819.  —  Die  Bestimmungen
  über  das  Staatsbürgerrecht  unterliegen  der
Aufsicht  und  Gesetzgebung  des  Bundes  (ebend.  Art.  4.
Nr.  1.)  819.  «

StaatsbienehLBeamtr.

Staatsdienst,Bestimmungen  für  die  neuen  Landestheile
über  den  Staatsdienst.  und  über  den  Eintritt  in  denselben
  (V.  v.  W.  Sept.)  1619.  —  s.  auch  Amt.

Staatsgelder,  Verwaltung  der  in  den  neuen  Landestbeilen
  vorhandenen,  zum  Staatseigenthum  gehörigen
Aktiv-Kapitalienfonds  (V.  v.  5.  Juli)  1072.  —  Bestimmung
  über  den  Kurhessischen  Staatsschatz  (A.  E.  v.
16.  Sept.)  1528.

Staats-Ministerium,  untreue  Beamte  im  ehemaligen
Königreich  Hannover  können  durch  Beschluß  des  Staats-Ministeriums
  aus  ihrem  Amte  entfernt  werden  (V.  v.
24.  Janr.)  135—136.

Entscheidung  des  Staats-Ministeriums  über  die  Vorlegung
  von  Urkunden  im  Untersuchungsverfahren  in  den
neuen  Landestheilen,  wenn  davon  ein  Nachtheil  für  das
Staatswohl  zu  befürchten  ist  (Str.  P.  O.  F.  103.)  958.
—  desgl.  über  die  Vernehmung  von  Beamten  als  Zeugen
(ebend.  K.  156.)  970.

Die  Post=  und  Telegraphenverwaltung  geht  von
dem  Handels-Minister  an  den  Präsidenten  des  Staats-Ministeriums
  über  (A.  E.  v.  28.  Sept.)  1780.

Staatsschatz,  Ueberweisung  des  Kurhessischen  Staatsschatzes
  an  den  kommunalständischen  Verband  des  Regierungsbezirks
  Kassel  (A.  E.  v.  16.  Sept.)  1528.

1867.  101

Staatsschuldenwesen  in  den  neuen  Landestheilcn,
Prüfung  und  Dechargirung  der  Rechnungen  (V.  v.
31.  Aug.  1.  4—8.)  1442.

Staatsverbrechen,  welche  in  den  neuerworbenen
Landestheilen  begangen  werden,  gehören  zur  Kompetenz
des  Kammergerichts  (V.  v.  23.  Mai)  703.  (V.  v.
25.  Juni  Art.  XII.  Nr.  2.)  928.  —  in  letzter  Instanz,
vor  das  Ober-Tribunal  (V.  v.  27.  Juni  §.  2.  Nr.  I.)
1104.

Staatsverträge,  Bestimmung  uͤber  den  Abschluß  von
Verträgen  des  Norddeutschen  Bundes  mit  fremden  Staaten
  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  11.)  823.  —  Die  Verträge
  zwischen  den  einzelnen  Bundesstaaten,  betreffend  die
Uebernahme  der  Auszuweisenden,  die  Verpflegung  erkrankter
  und  die  Beerdigung  verstorbener  Staatsangehörigen,
  bleiben  in  Kraft  (ebend.  Art.  3.)  819.  —  s.  auch
Handels-,  desgl.  Schiffahrtsverträge.

Stadtamt  in  Frankfurt  a.  M.,  Einrichtung  und  Zuständigkeit
  desselben  (A.  E.  v.  4.  Febr.)  516.

Stadtämter  in  den  neuen  Landestheilen,  Besetzung  derselben
  mit  versorgungsberechtigten  Militair-Invaliden
(V.  v.  22.  Sept.)  1667—1668.

Städteordnung:

1)  für  Frankfurt  a.  M.  (G.  v.  25.  März)  401—422.
2)  für  die  Rheinprovinz,  Verleihung  derselben  an  die
Gemeinde  Jülich  (A.  E.  v.  19.  Aug.)  1367.

Stadtgemeinden  in  den  neuen  Landestheilen,  Verpflichtung
  derselben  zur  Besetzung  der  stäbtischen  Unterbeamtenstellen
  mit  Militair-Invaliden  (A.  E.  v.  22.  Sept.)
1667—1668.

Städtische  Gerichtsbarkeit  in  Schleswig  und  Holstein,  Aufhebung
  derselben  (V.  v.  26.  Juni  35.  3.  4.  40.  44-49.)
1074.

Stadtobligationen,  s.  Barmen,  Bielefeld,  Bonn,
Braunsberg,  Cöln,  Essen,  Freienwalde  a.  O.,
Halberstadt,  Halle,  Krotoschin,  Myslowit,
Stettin,  Uerdingen,  Weißenfels,  Witten,
Wittenberg,  Zeiß.

Stadträthe  in  Frankfurt  a.  M.,  Wahl  und  Vereidigung
derselben  (G.  v.  25.  März  6&amp;amp;58.  38.  39.  41.  44.  71.  72.
83.)  409.

Stadtverordurten  -Versammlung  in  Frankfurt
a.  M.,  Zusammensetzung  und  Wahl  derselben  (G.  v.
25.  März  ##.  23—37.)  406.  —  Geschäfte  derfelben
(ebend.  &amp;amp;##  45—62.)  411.  —  besondere  Bestimmungen
(ebend.  §&amp;amp;.  2.  3.  16.  18.  19.  22.  63.  71.  74.  76.  78.
80—82.)  401.

Stallupönen  (Kreis),  Ausfertigung  von  Odbligationen
des  Kreises  Stallupönen  II.  Emission  im  Betrage  von
108,000  Thalern  zu  5  Prozent  (Priv.  v.  31.  Aug.)
1782—1786.  —  f.  auch  Chausseen  Rr.  7.

Stal-
        <pb n="154" />
        152

Stallupönen  (Stabh),  s.  Chausseen  Nr.  7.
Standesherren  in  Hannover,  Vertretung  derselben  auf
den  Kreistagen  (V.  v.  12.  Sept.  S.  17.)  1500.
Standesherren  in  Kurhessen,  Verechtigung  derselben
zur  Theilnabme  an  dem  Kommunallandtage  (V.  v.  20.
Sept.  K.  3.  Nr.  1.##  d.  16.)  1538.
Standesherren  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.
b.  26.  Sevt.  K.  11.)  1655.  (V.  v.  26.  Sept.  FF.  3.)
1660.
Stargard  (Pemmrn  Siaczart=  Posener  Eisenbahn,
s.  Eisenbahnen  Nr.
Stargärdt  (Provinz  Ganged,  l.  Chausseen  Nr.  6.
Statut,  s.  Gemein  de-,  Kreis-,  Landschafts-,  Provinzial=
  Statut.  —  Statut  der  Genossenschaften,
s.  Gesellschaftsvertrag.

Statutarische  Rechte  in  Schleswig  und  Holstein,  Anwenwendung
  derselben  (V.  v.  26.  Juni  K.  6.)  1074.

Stauungsanlagen,  s.  Wasser.

Steckbriefe,  Erlaß  von  Steckbriefen  in  den  neuen
Landestbeilen  (Str.  P.  O.  IS  132—  134.)  965.

Steine,  Strafbestimmung  in  den  neuen  Landestbeilen
gegen  denjenigen,  welcher  Steine  auf  fremde  Grundflücke
oder  Privatwege  wirft  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  8.  1.
Nr.  9.)  924.  —  desgl.  welcher  Grenzsteine  fortnimmt
(ebend.  Art.  III.  S.  3.  Nr.  2.)  924.

Steinfurt  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  32.

Steinkohlen,  Uergbau  auf  Steinkohlen  im  ehemaligen
Königreich  Hannover  (V.  v.  8.  Mai  Art.  XII.  XIII.)
603.  —  desgl.  in  Kurhessen,  Frankfurt  a.  M.  und  den
vormals  Bayerischen  Landestheilen  (V.  v.  1.  Juni
Art.  XVI.)  773.

Genehmigung  des  zweiten  Nachtrages  zu  dem  Statut
der  Steinkohlenbergbau-Aktiengesellschaft  „Vollmond"“
in  Bochum  (Rek.  v.  7.  Dez.)  1919.

von  Steinmetz  (General  der  Infanterie),  Verleihung
einer  Dotation  an  denselben  wegen  hervorragender  Verdienste
  in  dem  Kriege  von  1866.  (G.  v.  28.  Dez.  66.)  25

Steinsalz,  s.  Salz.

Stempel  (Stempelsteuer,  Stempelabgabe),  Stempelsteuer
von  Spielkarten  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
4.  Juli)  1057—1062.  —  Allgemeine  Bestimmungen  für
die  ganze  Monarchie  (G.  r.  23.  Dez.)  1921—1926.

Erhebung  der  Stempelsteuer  in  Hannover,  Kurhessen,
Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstbeilen
(V.  v.  19.  Juli)  1191—1218.  (A.  E.  v.  24.  Juni)
1110.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holslein  (V.  v.
7.  Aug.)  1277—1307.  —  desgl.  in  den  vormals  Großherzoglich
  und  Landgräflich  Hesfischen  Landestheilen  (A.  E.
v.  14.  Aug.)  1346.  —  desgl.  in  Frankfurt  a.  M.  (V.  v.
16.  Aug.)  1346—1348.

Sachregister.

1867.  "„

Stempel  (Stempelsteuer,  Stempelabgabe],  (Fortt.)

Stempel  in  gerichtlichen  Angelegenbeiten  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  30.  Aug.  I#.  2.  5.  15.  B.)
1369.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  §§.  2.  5.  11.
lit.  J.  K.  16.)  1385.  —  desgl.  in  Rassau  und  den  vormals
  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.
30.  Aug.  K#.  3.  6.  18.)  1399.  —  Stempel  in  Untersuchungssachen
  (V.  d.  30.  Aug.  K.  12.)  1416.

Stempel  für  Teslamente  und  Kodizille  in  Hannover
(V.  v.  5.  Juli  §6.  14.)  1125.  (Tarif  v.  19.  Juli
Nr.  54.)  1215.  —  desgl.  in  Kurhessen,  Nassau  und  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (Torif  v.  19.  Juli
Nr.  54.)  1215.  (V.  v.  30.  Aug.  §.  16.  B.)  1394.
(V.  30.  Aug.  F.  18.  B.)  1408.  —  ferner  in  Schleswig
und  Holstein  (Toarif  v.  7.  Aug.  Nr.  53.)  1299.  (V.  v.
30.  Aug.  S.  15.B.)  1377.

Stempel  zu  Genossenschaftsverträgen  in  Hannover
(V.  v.  12.  Juli  Art.  1I.)  1190.

Stempel  zu  Gewerbe-Konzessionen  in  den  Regierungsbezirken
  Kassel  und  Wiesbaden  (A.  E.  v.  17.  Sept.)
1651—  1652.

Zulässigkeit  des  Rechtsweges  in  Stempelangelegenbeiten
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  16.  Sept.
Art.  V.  Nr.  3.)  1516.

Stempeldefraudationen,  Strafverfahren  bei  Zuwiderhandlungen
  gegen  die  Gesetze  über  die  Stempelsteuer  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  19.  Juli  §.  21.)  1198.
(V.  v.  7.  Aug.  S.  21.)  1284.  (V.  v.  29.  Juli  K.  5.
lit  b.)  1266.  (V.  v.  29.  Juli  §F.  5.  lit.  b.)  1269.
(Orbn.  v.  29.  Juli)  1270—1276.  —  insbesondere  beim
Kartenstempel  (V.  v.  4.  Juli  F.  23.)  1062.  —  de3gl.
beim  Wechselstempel  (V.  d.  4.  Juli  F.  7.)  1064.  —
beim  Zeitungsstempel  (V.  v.  4.  Juli  #.  6.)  1067.  —
beim  Kalenderstempel  (V.  v.  5.  Juli  S.  4.)  1068.

Stempelfiskale,  Anstellung  und  Funktionen  derselben
in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
  Landestheilen  (V.  v.  19.  Juli  S#.  24.  27.)  1199.
—  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.
S&amp;amp;.  24.  27.)  1285.

Stempelfreiheit  der  Auszüge  aus  den  Flurbüchern,
Mutterrollen,  desgl.  der  Eingaben  und  Verhandlungen
über  die  Fortschreibung  derselben  Laur  Berichtigung  der
Grundsteuer  (G.  v.  8.  Febr.  S.  38.)  200.

Stempelfreiheit  der  ea  Aktien-Baugesellschaften
  (G.  v.  2.  März)  385
Stempelfreiheit  in  ze  ksnsgen
heiten  (G.  v.  März  &amp;amp;§.  1.  20.)
Sten-
        <pb n="155" />
        Suchregister.

Stempvelfreiheit,  (Forts.)

Stempelbefreiungen  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau
und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.
19.  Juli  &amp;amp;.  3.  d.)  1192.  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  46.)
1212.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
7.  Aug.  K.  3.  4.)  1278.  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  61.
64.  82.  84.)  1304.

Stempelmarken,  Anfertigung  und  Verwendung  derselben
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  4.  Juli  §.  5.)
1065.  (V.  v.  19.  Juli  9#.  7.  8.)  1195.  (V.  v.  7.  Aug.
SK.  7.  S.)  1281.  —  Strafe  für  die  Anfertigung  falscher
Stempelmarken  rc.  (V.  v.  4.  Juli  §.  9.)  1065.  (V.  v.
19.  Juli  S.  9.)  1195.  (V.  v.  7.  Aug.  K.  9.)  1281.

Stempelpapier,  Anschaffung  und  Verwendung  desselben
in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli  S&amp;amp;.  5.  6.  28—33.)
1194.  (V.  v.  30.  Aug.  §.  2.)  1385.  (V.  v.  30.  Aug.
S.  3.)  1400.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
7.  Aug.  §&amp;amp;.  5.  6.  28—33.)  1280.  (V.  v.  30.  Aug.
K.  2.)  1370.

Stempelstrafen  in  den  neuen  Landestheilen,  beim
Kartenstempel  (V.  v.  1.  Juli  §.  18.)  1061.  —  beim
Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli  K.  6.)  1064.  —  beim
Zeitungsstempel  (V.  v.  4.  Juli  S&amp;amp;.  2.  4.)  1066.  —
beim  Kalenderstempel  (V.  v.  5.  Juli  .  3.)  1068.  —
deim  Stempel  zu  Verträgen,  Punktationen  und  ähnlichen
Verhandlungen  (V.  v.  19.  Juli  I.  14—22.  25.  26.)
1196.  (V.  v.  7.  Aug.  S#.  14—22.  25.  26.)  1282.  —
Umwandlung  der  Stempelstrafen  in  Freiheitsstrafen
(V.  v.  29.  Juli  K.  5.  lit.  b.)  1267.  (V.  v.  29.  Juli
K.  5.  lit.  b.)  1269.

Stempelwesen,  Verwaltung  des  Stempelwesens  in
Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli)  1191—1218.
—  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.)
1277—1307.  —  desgl.  in  den  vormals  Großherzoglich  und
Landgräflich  Hessischen  Gebietstheilen  (A.  E.  v.  14.  Aug.)
1346.  —.  desgl.  in  Frankfurt  a.  M.  (V.  v.  16.  Aug.)
1346—  348.

Sterbemonat,  f.  Gnadengehalt.

Sternberg  (Provinz  Brandenburg),  Eisenbahn  von
Frankfurt  a.  O.  über  Sternberg  und  Schwiebus  nach
Posen,  s.  Eisenbahnen  Nr.  26.

Stettin  (Pommern),  Abänderungen  des  Statuts  der
Lebensversficherungs-Gesellschaft  Germania  in  Steltin
(Bek.  v.  15.  Juli)  1188.

Genehmigung  des  zweiten  Nachtrags  zu  dem  Statut
der  Union,  Aktiengesellschaft  für  See=  und  Flußversicherungen
  in  Stetzin  (Bek.  d.  30.  Juli)  1308.

1867.

Stettin  [Pommernl,  (Forts.)

Ausfertigung  Stettiner  Stadtobligationen  im  Betrage
  von  500,000  Thalern  zu  4  Prozent  (Priv.  v.
17.  Aug.)  1688—1692.

Tarif  zur  Erhebung  des  Hafen-,  Bohlwerks=  und
Brückenaufzugsgeldes  in  Stettin  (A.  E.  v.  22.  Nod.)
1811—1847.

s.  auch  Eisenbahnen  Nr.  11.

Steuerämter  (Hauptsteurrämter),  Verpflichtungen  derselden
  bei  Verwaltung  des  Stempelwesens  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  19.  Juli  &amp;amp;§.  23.  29.)  1199.
(V.  v.  7.  Aug.  #.  23.  29.)  1285.

Kompetenz  und  Funktionen  derselben  in  Untersuchungen
  wegen  Steuerdefraudationen  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  29.  Juli  §.  5.  6.)  1266.  (V.  v.
29.  Juli  S&amp;amp;.  5.  6.)  1269.  (Orbn.  v.  29.  Juli  S.  6.
7.  10—  12.  15.  16.  18.  20.)  1272.

Befugnisse  des  Steuer=  und  Hauptsteuer-Amtes  bei
Erbebung  und  Kontrolirung  der  Salzabgabe  (V.  v.
9.  Aug.  NK.  3.  4.  6.)  1320.  —  s.  auch  Salzsteueramt.

Steuerangelegenheiten,  Regelung  der  direkten  Besteuerung
  in  dem  Fürstenthum  Hohenzollern-Hechingen
(G.  v.  22.  Febr.)  269—271.  —  s.  Steuern.

Steuerbeamte  (Steuerbehörden),  Rechte  und  Pflichten
derlelben  in  den  neuen  Landestheilen,  bei  Beaufsichtigung
der  Brennereien  (V.  v.  11.  Mai  &amp;amp;6.  43.  ff.)  644.  —
desgl.  bei  Beaufsichtigung  der  Brauereien  (V.  v.  11.  Mai
S.  17.  ff.)  655.  —  ferner  des  Tabacksbaues  (V.  v.  11.  Mai
S.  6.  ff.)  662.  —  der  Spiellartenfabriken  (V.  v.  4.  Juli
.  6.  ff.)  1058.  —  Verpflichtung  derselben,  Stempeldefraudationen
  zur  Anzeige  zu  bringen  (V.  v.  4.  Juli  K.  S.)  1065.
(V.  v.  5.  Juli  §.  5.)  1069.  (V.  v.  19.  Juli  K.  23.)
1199.  (V.  v.  7.  Aug.  F.  23.)  1285.  —  Verfpflichtungen
  derselben  bei  Erbschaftsanfällen  (V.  v.  5.  Juli
HK.  7—11.)  1123.

Befugniß  der  Steuerbeamten  in  den  neuen  Landestbeilen
  zu  Haussuchungen,  Revisionen  2c.  (Str.  P.  O.
5.  102.)  958.

Bestechung  der  Steuerbeamten,  s.  Bestechung,
Geschenke;  s.  auch  Widersegzlichkeit.

Steuerdefrandationen  (Steuerkontraventionen),  Untersuchung
  und  Bestrafung  der  Defraudationen  der  Salzabgabe
  (G.  v.  9.  Aug.  §F.  7.)  1319.  (V.  v.  9.  Aug.
A.  11—  18.)  1323.  (V.  v.  9.  Aug.  F.  4.)  1328.

Bestrafung  der  Steuerdefraudationen  in  den  neu
erworbenen  Landestheilen  (V.  v.  11.  Mai  6K  50—72.)
646.  (V.  v.  11.  Mai  I.  23—41.)  656.  (V.  v.  11.  Mai
K.  17—28.)  664.  —  Verfahren  in  solchen  Untersuchungen
(Str.  P.  O.  §#.  477—485.)  1043.  (V.  v.  29.  Juli
S.  5.)  1266.  (V.  v.  29.  Juli  S.  5.)  1269.  (Ordn.  v.

2.

168
        <pb n="156" />
        104

Steuerdefraudationen  sSteuerkontraventionen],

(Forts.)
29.  Juli)  1270—  1276.  —  Verfahren,  wenn  die  Einrede
  der  Nichtverpflichtung  zur  Zablung  der  Steuer  entgegengesetzt
  wird  (V.  v.  16.  Sept.  Art.  I.)  1515.
Verjährung  der  Steuerkontraventionen  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XI.)  927.
Anfatz  der  Gerichtskosten  in  Hannover  (V.  v.  30.
Aug.  F.  25.)  1419.

Steuergesetze  in  den  neuen  Landesthcilen,  die  trafrechtlichen
  Bestimmungen  derselben  bleiben  in  Kraft.
(V.  v.  25.  Juni  Art.  VI.  Nr.  1.)  926.

Steuern,  Erbebung  der  direkten  Staatssteuern  in  dem
ehrmaligen  Herzogthum  Nassau  für  das  Jahr  1867.
(A.  E.  v.  17.  Janr.)  119.  —  Forterhebung  der  Steuern
und  Zelle  in  dem  ehemaligen  Königreich  Hannover
(V.  v.  6.  Febr.)  305.

Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direlten  Steuern  in  Hannover  (V.  v.  28.  April)
533—538.  —  desgl.  in  Kurhessen  (V.  v.  28.  April)
538—543.  —  desgl.  in  den  Herzogthümern  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  28.  April)  543—548.  —  desgl.  in
Nassau,  Frankfurt  a.  M.  und  den  Hessischen  Landestheilen
  (V.  v.  11.  Mai)  593—  599.  —  desgl.  in  dem
Hessen-Homburgschen  Oberamtsbezirk  Meisenbeim  (V.  v.
4.  Juni)  761—764.  —  desgl.  in  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstbeilen,  den  Bezirken  Gersfeld  und  Orb
(V.  v.  24.  Juni)  842—846.

Besteuerung  des  Branntweins  in  den  neu  erworbenen
  Landestheilen  (V.  v.  11.  Mai)  633—651.  —
des  Braumalzes  (V.  v.  11.  Mai)  652—660.  —  des
Tabacks  (V.  v.  11.  Mai)  661  666

Einführung  der  Preußischen  Gesetze  über  Zölle  und
innere  indirekte  Steuern  und  Abgaben  in  dem  Oberamt
Meisenheim  (V.  v.  3.  Juni)  776.

Exekutivische  Beitreibung  der  direkten  und  indirekten
Steuern  Seitens  der  Verwaltungsbehörden  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.)  1553—  1568.

Besteuerung  des  Braumalzes  im  Jabdegebiet  (V.  v.
26.  Juli)  1263.  —  desgl.  des  Branntweins  ebendaselbst
(G.  v.  2.  Aug.)  1309.

Allgemeine  Bestimmungen  über  die  Verbrauchssteuern
in  den  Norddeutschen  Bundesstaaten  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  35—40.)  826.  —  Steuern  für  Bundeszwecke  sind
Gegenstand  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung  des  Bundes
(ebend.  Art.  4.  Nr.  2.)  819.

Besteuerung  des  Salzes  in  den  Staaten  des  Zollvereins
  (Ued.  v.  8.  Mai)  1313—1316.  —  besgl.  in
Preußen  (G.  v.  9.  Aug.)  1317—  1319.  (V.  v.  9.  Aug.)
1320—1327.  (V.  v.  9.  Aug.)  1327—1328.

Sachregister.

1867.

Stiefeltern  (Stiefkinder),  Vernehmung  derselben  bei
Untersuchungen  in  den  neuen  Landestheilen  als  Zeugen
oder  Sachverständigen  (Str.  P.  O.  .  155.  161.  Nr.  4;
S5,  186.  243.  501l.)  970.

Berechnung  der  Erbschaftsabgabe,  welche  Stiefeltem
und  Stiefkinder  des  Erblassers  in  den  neuen  Landestheilen
  zu  entrichten  haben  (Tarif  v.  5.  Juli  C.  lit.  b.)
1126.

Stiftungen,  Befreiung  milder  Stiftungen  von  der  Erbschaftsabgabe
  in  den  neuen  Landestheilen  (Tarif  v.  5.
Juli  Nr.  2.  e.)  1127.  —  Stempelfreiheit  derselben  (V.
v.  19.  Juli  K.  4.  c.)  1193.  (V.  v.  7.  Aug.  F.  4.  c.)
1279.

Stempel  zu  Stiftungen  von  Todeswegen  in  Hannover,
  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  27.)  1207.  —
desgl.  in  *-  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  26.)  1

e  duochen  desselben  an  Gerichts-Assessoren
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  F.  37.)
1081.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  K.  30.)  1092.  —
desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  F.  29.)  1101.

Stockbuch,  Ansatz  der  Gerichtskosten  für  Eintragungen
in  das  Original-Stockbuch,  desgl.  für  Löschungen,  Ausfertigungen
  r.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
  Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  F.  14.)
1405.

Stolberg  (ARheinprovinz),  Bau  einer  Zweigbahn  von
Stolberg  in  das  Stolberger  Thal  bis  zum  Binsfelder
Hammer,  f.  Eisenbahnen  Nr.  37.

Stolberg-Roßla  (Graf  zu),  Verleihung  des  Rechts
zum  Bau  einer  Chaussee  von  Roßla  über  Sittendorf
  zum  Anschluß  an  die  von  Artern  nach  Kelbra
führende  Straße  (A.  E.  v.  24.  April)  668.

Stolp  (Pommern),  Eisenbahn  von  Cöslin  über  Stolp
nach  Danzig,  s.  Eisenbahnen  Nr.  11.

Stolpmünde  (Pommern),  Ermäßigung  der  Hafengelder
(A.  E.  v.  22.  Nov.  Nr.  1.)  1847.

Störung  der  Gerichtsverhandlungen,  s.  Ruhestörer.

Stotternde,  Verfahren  bei  Vereidung  derselben  in
Untersuchungssachen  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.
P.  O.  S#.  164.  172.)  973.

Setrafanstaltemn  in  den  neuen  Landestheilen,  die  Oberaufsicht
  über  dieselben  soll  auf  den  Minister  des  Innern
übergehen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XIII.)  928.

Be-
        <pb n="157" />
        Sachregister.

Strafanstalten,  (Forts.)
Befreiung  der  Strafanstalten  in  den  neuen  Landestbeilen
  von  Entrichtung  der  Erbschaftsabgabe  (Tarif  v.
5.  Juli  Nr.  2.  e.)  1127  —  Stempelfreiheit  derselben
O(0.  K  19.  Juli  S.  4.  c.)  1193.  (V.  v.  7.  Aug.  F.  4.  c.)

igne  für  die  Unterhaltung  und  Verwaltung  der
Strafanstalten  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni
K.  2.)  1073.

Strafarbeit,  in  welchen  Fällen  in  den  neuen  Landestbeilen
  darauf  noch  erkannt  werden  darf  (V.  r.  25.  Juni
Art.  X.)  927.

Strafbestimmungen  (Strafgesetze):

1)  allgemeine  Bestimmungen.

Strafe  für  die  unterlassene  Anmeldung  von  Aenderungen,
  welche  die  Steuerpflichtigkeit  oder  die  Erhöhung
der  Grundsteuer  bedingen  (G.  v.  8.  Febr.  F.  34.)  198.

Bestrafung  der  unbefugten  Aneignung  von  Bernstein
  (G.  v.  22.  Febr.)  272.

Strafe  für  die  Anwendung  unrichtiger  oder  ungestempelter
  Mebizinalgewichte  (G.  v.  16.  März  §.  3.)
386.

Strafbestimmungen  in  Betreff  der  Genossenschaften
(G.  v.  27.  März  §#.  26.  54—56.)  508.

Strafbestimmungen  über  feindliche  Unternehmungen
gegen  den  Norddeutschen  Bund,  Beleidigung  des  Bundesrathes,
  Reichstages  rc.  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  74.
75.)  838.

Strafbestimmungen  für  Defraudation  der  Salzabgabe
  (G.  v.  9.  Aug.  S##  5—7.)  1318.  (V.  v.  9.  Aug.
S.  11—18.)  1323.  (V.  v.  9.  Aug.  K.  4.)  1328.

Strafbestimmungen  für  Zuwiderhandlungen  gegen
bie  Vorschriften  über  Anfertigung,  Verkauf  und  Besteuerung
  der  Spielkarten  (G.  v.  23.  Dez.  S§#.  12.  bis
21.)  1923.

2)  für  die  neuen  Landestheile.
Strafbestimmungen  für  Defraudationen  der  Branntweinsteuer
  (V.  v.  11.  Mai  §F.  50  f.)  646;  —  der
Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  KH.  23—41.)  656.  —
der  Tadackssteuer  (V.  v.  11.  Mai  ShH.  17—27.)  664.
Strafbestimmungen  gegen  ungeborsame  Zeugen  1rd
Sachverständige  in  Untersuchungssichen  (Str.  P.
SK  157.  158.  186.)  970.  —  desgl.  gegen  solche  uin
sonen,  welche  die  Ruhe  und  Ordnung  bei  den  gerichtlichen
Verhandlungen  verletzen  (ebend.  I.  187—  191.)  978.  —
desgl.  gegen  Geschworene  (ebend.  §.  292.  298.  332.)
1000.  —  desgl.  gegen  Schöffen  (ebend.  Anl.  F.  13.)
1053.
Jahrgong  1867.

1867.  105
Strafbestimmungen  IStrafgesetze],  (Forts.)

Welche  Strafgesetze  in  den  neuen  Landestheilen
neben  dem  Strafgesetzbuch  Gesetzeskraft  erlangen  (V.  v.
25.  Juni  Art.  II.)  921.  —  Welche  Strakgesetze  in  Kraft
bleiben  und  welche  außer  Kraft  treten  (ebend.  Art.  VI.)
925.

Strafbestimmungen  in  Beziehung  auf  die  Fabrikation
und  den  Verkauf  von  Spielkarten  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  4.  Juli  K#.  7.  14—  21.)  1058.  —  deögl.  in
Beziehung  auf  den  Wechselstempel  (V.  v.  4.  Juli  88.  6
bis  S.)  1064.  —  Strafe  für  die  Fälschung  von  Stempelmarken
  (edend.  §.  9.)  1065.  (V.  v.  19.  Juli  F.  9.)
1195.  (V.  v.  7.  Aug.  §F.  9.)  1281.  —  desgl.  für  den
unbefugten  Handel  mit  Stempelmaterialien  (V.  v.
19.  Juli  §.  30.)  1200.  (V.  v.  7.  Aug.  F.  30.)  1286.—
Strafbestimmungen  in  Bezug  auf  die  Entrichtung  der
Erbschaftsabgabe  (V.  v.  5.  Juli  §#.  9—  11.)  1123.

Strafbestimmungen  für  Zuwiderhandlungen  gegen
polizeiliche  Vorschriften  (V.  v.  20.  Sepl.  8#.  5.  11.
16.)  1530.

3)  für  einzelne  Landestheile.

Strafbestimmung  gegen  die  Besitzer  von  Stauanlagen
in  Neuvorpommern  und  Rügen  (G.  v.  9.  Febr.  K.  13.)
222

Strafbestimmung  für  die  Uebertretung  der  obrigkeitlichen
  Anordnungen  hinsichtlich  der  Rinderpest  im  ehemaligen
  Königreich  Hannover  (V.  v.  3.  Janr.  F.  2.)  23.

Strafdestimmungen  in  Betreff  des  Bergwesens  in
dem  ehemaligen  Herzogthum  Nassau  (V.  v.  22.  Febr.
Art.  VI  VIII.)  238.  —  desgl.  in  Oberbessen  und
Hessen-Homburg  (V.  v.  22.  Febr.  Art.  III.)  242.  —
desgl.  in  Hannover  (V.  v.  8.  Mai  Art.  XI.)  603.

Strafe  für  die  Benutzung  ungesetlicher  oder  ungeaichter
  Gewichte  in  den  ehemals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  5.  Juli  K.  9.)  1131.

Strafbestimmungen  gegen  Handelsmäkler  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  5.  Juli  §.  219.)  1140.  —  desgl.
gegen  die  Mitglieder  einer  Kommanditgesellschaft  auf
Aktien  (ebend.  S.  39.)  1142.  —  desgl.  gegen  den  Vorstand
  einer  Aktiengesellschaft  (ebend.  S.  45.)  1143.  —
desgl.  gegen  Schiffsrheder  (ebend.  F.  64.)  1146.  —
desgl.  für  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Gewerbevorschriften
  (V.  v.  23.  Sept.  F.  16.)  1644.

Strafe  in  den  neuen  Landestheilen,  keine  Bestrafung  ohne
gesetzmäßige  Untersuchung  und  Entscheidung  (Str.  P.  O.
§S.  1.)  933.  —  f.  auch  Freiheitsstrafe,  Geldstrafe.

Straffestsetzung,  s.  Strafverfügung.

Strafgefangene,  s.  Gefangene.
o  Straf-
        <pb n="158" />
        106  Sachregister.  1867.

Strafgelder  fuͤr  Steuerdefraudationen  in  den  neuer-  Strasfsachen,  (Forts.)

worbenen  Landestheilen,  Verwendung  derselben  bei  der
Branntweinsteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  71.)  650.  —  bei
der  Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  §.  40.)  660.  —
bei  der  Tabackssteuer  (V.  v.  11.  Mai  F.  27.)  666.  —
bei  der  Stempelsteuer  von  Spielkarten  (V.  v.  4.  Juli
S.  22.)  1061.  —  beim  Wecchselstempel  (V.  v.  4.  Juli

.  7.)  10605.  —  beim  Zeitungsstempel  (V.  v.  4.  Juli
K.  5.)  1067.  —  beim  Kalenderstempel  (V.  v.  4.  Juli
F.  4.)  1068.  beim  Erbschaftsstempel  (V.  v.  5.  Juli

9.  10.)  1123.
Verwendung  der  Strafgelder  in  Hannover  (V.  v.
25.  Juni  Art.  XV.  .  1.)  929.

Strafgesesbuch  (voy  1851),  Einführung  desselben  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  I.)  921.  —
Modifkationen  desselben  (ebend.  Art.  III.  IV.)  923.  —
Welche  Bestimmungen  neben  dem  Strafgesetzbuch  Gesetzeskraft
  erlangen  (ebend.  Art.  II.)  921.

Strafgesetze,  s.  Strafbestimmunden.

Strafkammern  in  den  nenen  Landestheilen,  Organisation
  und  Zuständigkeit  derselben  (Str.  P.  O.  #.  13.
15.  Nr.  1;  K.  16.  47—49.  54.  446—450.)  935.  —
Verfahren  vor  der  Strafkammer  (ebend.  #&amp;amp;.  350—355.
462—467.  472.  476.)  1013.  —  besondere  Bestimmungen
  (ebend.  ##  66.  206.  271.  405.  414.)  949.

Die  Verrichtungen  der  Strafkammer  werden  in
Hannover  durch  die  kleinen  Senate  der  Obergerichte
wahrgenommen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  X.  F.  4.)  930.
—  in  Frankfurt  a.  M.  burd  das  Stadtgericht  (ebend.
Art.  XVII.)  930

Ansatz  der  Gerichtskosen  in  den  neuen  Landestheilen,
  wenn  das  Verfahren  vor  der  Strafkammer  stattgefunden
  bat  (V.  v.  30.  Aug.  K.  5.)  1413.  —  Gebühren
  der  Rechtsanwalte  (ebend.  §.  17.  A.  Nr.  3.)
1417.

Strafproseßordnung  für  die  neuen  Landestheile
v.  25.  Juni)  933—  1056.

Strafrecht,  die  Gesetzgebung  über  ein  gemeinsames
Strafrecht  für  die  Norddeutschen  Staaten  gehört  zum
Ressort  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  13.)
820.

Bestimmungen  über  das  Strafrecht  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni)  921—1056.

Strafsachen,  Ansatz  und  Erhebung  der  Gerichtskosten
und  der  Gebühren  der  Rechtsanwalte  in  Strafsachen  in
den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  20.  Aug.)  1412—1420.

(V.  v.  30.  Aug.  S.  14.  24.)  1377.  (W.  v.  30.  Aug.
S.  15.  25.)  1391.  (V.  v.  30.  Aug.  F.  17.  26.)  1407.

Strafverfahren:

1)  in  den  Norddeutschen  Bundesstaaten.

Die  Gesetzgebung  über  ein  gemeinsames  Strafverfahren
  gehört  zum  Ressort  des  Bundes  (Verf.  v.
24.  Juni  Art.  4.  Nr.  13.)  820.  —  Strafverfahren
gegen  Mitglieder  des  Norddeutschen  Reichstages  (ebend.
Art.  30.)  825.

2)  in  der  Preußischen  Monarchie.
a.  Strafverfahren  in  Untersuchungen  wegen  Defraudationen

  der  Salzabgabe  (G.  v.  9.  Aug.  C.  7.)
1318.  (V.  v.  9.  Aug.  S§.  17.  18.)  1325.

.  in  Untersuchungen  wegen  Zuwiderhandlungen
gegen  die  Vorschriften  über  die  Anfertigung  und
den  Verkauf  der  Spielkarten  (G.  v.  23.  Dez.
K.  23.)  1925.

—
S

3)  in  den  neuen  Landestheilen.

Allgemeine  Bestimmungen  über  das  Strafberfahren
  (V.  v.  25.  Juni  u.  Str.  P.  O.)  921  bis
1056.

Strafverfabren  in  Untersuchungen  wegen  Zuwiderhandlungen
  gegen  die  Vorschriften  über  die
Erhebung  öffentlicher  Abgaben,  Steuern,  Zelle,
Postgefälle,  Kommunikationsabgaben  (Str.  P.  O.
#  477—–485.)  10  3.

Verfabren  in  Untersuchungen  wegen  Zoll=  und
Steuerdefraudationen  und  Kontraventionen  (Ordn.
v.  29.  Juli)  1270—1270.  —  insbesondere  in
Untersuchungen  wegen  Defraudationen  der  Branntweinsteuer
  (V.  v.  11.  Mai  K.  72.)  650.  —  der
Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  F.  41.)  660.  —
der  Tabackssteuer  (V.  v.  11.  Mai  H.  28.)  666.
Strafverfahren  bei  Stempeldefrandationen  (V.  v.
29.  Juli  H.  5.  lit.  b.)  1266.  (V.  v.  29.  Juli
K.  5.  lit.  d.)  1269.  (V.  v.  19.  Juli  §.  21.)
1198.  (V.  v.  7.  Aug.  K.  21.)  1284.  —
insbesondere  beim  Kartenstempel  (V.  4.  Juli  K.  23.)
1062.  —  desgl.  beim  Wechselstempel  (V.  v.
4.  Juli  §F.  7.)  1064.  —  beim  Zeitungsstempel
(V.  v.  4.  Juli  S.  6.)  1067.  —  beim  Kalenderstempel
  (V.  v.  5.  Juli  F.  4.)  1068.  —  bei  der
Erbschaftsabgabe  (V.  v.  5.  Juli  K.  10.)  1123.

r*

"

*i

Strafverfügung  in  polizeigerichtlichen  Untersuchungssachen

  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  S##  359
bis
        <pb n="159" />
        Sachregister.  1867.

Strafverfügung,  (Forts.)
bis  363.  416.  449.  485.)  1016.  —  Einführung  des  Gesetzes
vom  14.  Mai  1852.  über  die  vorläufige  Straffestsetzung
wegen  Uebertretungen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  1t.  I.)
923.  —  Ansatz  der  Gerichtskosten  (V.  v.  30.  Aug.  F.  4.
Nr.  2;  K.  8.)  1413.

Befugniß  der  Zeugen  und  Sachverständigen  zur
Einlegung  von  Rechtsmitteln  gegen  Strafverfügungen  der
Gerichte  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  F.  365.)
1017.  —  Rechtsmittel  gegen  Entscheidungen  der  Gerichte
über  Straffestsetzungen  wider  drikte  Personen  (ebend.
K.  405.)  1027.

Strafbescheide  der  Steuerbehörden  in  Untersuchungen
wegen  Zolldefraudationenin  den  neuen  Landestbeilen  (Ordn.
r.  29.  Juli  SK.  7—9.  15.  16.  26—28.)  1272.  —  Strafoerfügungen
  der  Polizeibehörden  (V.  v.  20.  Sept.  JS.  5.  14.  16.)
1530.  —  Etrafbefehle  der  Verwaltungsbehörden  bei
Einziehung  von  Steuern,  Abgaben,  Kosten  #.  (V.  v.
22.  Sept.  §.  2.)  1551.

Stempel  zu  Strafresoluten  der  Finanz=  und  Polizeibehörden
  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  95.)  1306.

Sterafvollstreckung  in  den  neuen  Vandestheilen  (Str.
P.  O.  S.  428  437.  405.  45.  460.)  1032.  —  insbes.
in  Untersuchungen  wegen  Zolldefraudationen  (Ordn.  v.
29.  Juli  S  .  20—25.)1274.—  Kosten  der  Strafvollstreckung
(Str.  P.  O.  .  439.)  1035.  —  insbes.  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  S.  2.)  1073.

Stralsond  (Pommern),  Aukhebung  der  Tiefgelder  in
Stralsund  (A.  E.  v.  22.  Nov.  Nr.  3.)  1848.

Eisenbahn  von  Berlin  über  Neustrelitz  nach  Stralsund,
  s.  Eisenbahnen  Ne.  12.

Strauch,  s.  Bäume.

Etrehlen  (Schlesien),  #.  Chausseen  Nr.  14.

Streitgegenstand  in  Prozessen,  Berechnung  des
Werthes  in  den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  rc.
(V.  v.  24.  Juni  F.  90.)  909.

Streitigkeiten  zwischen  Staaten  des  Norddeutschen
Zundes,  Erledigung  derselben  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  76.)
839.

Strimmig  (Rheinprovinz),  #.  Chausseen  Nr.  37.

Strohwische,  s.  Warnungszeichen.

Studirende  ,  Aufhebung  der  den  Studirenden  aus
Holstein  und  Schleswig  obliegenden  Verpflichtung  zu
einem  zweijährigen  Studium  auf  der  Universität  in  Kiel
(K.  E.  v.  17.  Sept.)  1743.  —  s.  Universitäten.

107

Stumme,  Vernehmung  und  Vereibung  derselben  bei
Untersuchungen  in  den  neuen  Landeskheilen  (Str.  P.  O.
S&amp;amp;.  144.  164.  172.)  968.

Subhastationen  (Zwangsversteigerung  von  Grundstücken),
  Verfahren  in  den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,
Nassau  rc.  (V.  v.  24.  Juni  K.  89.)  909.  —  Zur  Beitreibung
von  Geldbußen  für  begangene  Zolldefraudationen  findet  die
Subhastation  nicht  statt  (Ordn.  v.  29.  Juli  K.  21.)
1274.  —  Subhastation  im  Wege  der  administrativen
Exekution  zur  Beitreibung  rückständiger  Abgaben,  Steuern,
Kosten  2c.  (V.  v.  22.  Sept.  .  11.  33.)  1557.  —
Stempel  zu  Subhastationen  (Tarif  v.  10.  Juli  Nr.  29.)
1208.  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  28.)  1293.

Ansatz  der  Gerichtslosten  und  Gebühren  der  Rechtsanwalte
  in  Subhastationssachen  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  30.  Aug.  I.  7.  8.  21.)  1370.  —  decêgl.  in
Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(V.  u.  30.  Aug.  ###.  8.  22.)  1387.  —  desgl.  in  Nassau
und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.,  v.  30.  Aug.  J#.  9.  13.)  1401.

Subhastation  der  zur  Schlesischen  Landschaft  gehörigen
  Grundstücke  (Nev.  Regul.  v.  22.  Nov.  §F.  22.)
1885.

Süddeutsche  Staaten,  Verhältniß  derselben  zum  Norddeutschen
  Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  79.)  840.

Söderdithmarschen,  s.  Dithmarschen.

Superarrest,  Anlegung  desselben  bei  Vollstreckung  der
administrativen  Exekution  wegen  rückständiger  Abgaben,
Steuern,  Kosten  r.  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
22.  Sept.  8.  16.)  1559.

Swine  (Fluß  in  Pommern),  Aufhebung  der  Schiffahrtsabgaben
  für  das  Befahren  der  Swine  (A.  E.  v.  22.  Nov.
Nr.  2.)  1848.

Swinemünde  (Pommern),  Ermäßigung  der  Hafengelber
(A.  E.  v.  22.  Nov.  Nr.  1.)  1847.

T.

Taback,  Besteuerung  des  inländischen  Tadacks  in  den  neuerworbenen
  Landestheilen  (V.  v.  11.  Mai)  661—666.

Besteuerung  des  Tadacks  im  Gebiete  des  Norddeutschen

  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  35.  38.  40.)

826.
o  Ta-
        <pb n="160" />
        106
Tafeln,  s.  Warnungszeichen.
Tagegelder,  s.  Diäten.

Tambours,  Penfionszulage  für  die  im  Kriege  verwundeten
  und  verstümmelten  Regiments=  und  Bataillons-Tambours

  (G.  v.  9.  Febr.  S#  1  —2.)217.  —  natsitrs
ihrer  Wittwen  und  Kinder  (ebend.  S.  3—6)  217.

Tapian  (Prodinz  Preußey),  s.  Chausseen  Nr.  4.

Taube  (Taubstumme),  Vernehmung  und  Vereidung  derselben
  bei  Untersuchungen  in  den  neuen  Landestheilen
(Str.  P.  O.  #.  144.  164.  172)  968.

Taubstummenanstalt  in  Marienburg,  Verwaltung
und  Unterhaltung  derselben  (Regl.  v.  11.  Sept.  A.  2.
Nr.  2.  lt.  d:  SK.  7.  15.  16.  25.8;  K.  30.)  1710.

Tanfschein,  Stempel  zu  Taufscheinen  in  Schleswig  und
Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  60.  96.)  1303.  (V.  v.
30.  Aug.  §.  15.  B.)  1377.

Tauns-Kreis,  gehört  zum  Regierungsbezirk  Wiesbaden
  (V.  d.  22.  Febr.  S.  4.  Nr.  9.  10.)  275.

Tauschverträge  ,  Stempel  zu  denselben  in  Hannover,
Kurhessen,  Rassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (Tarif  d.  19.  Juli  Nr.  53.)  1214.  —  desgl.
in  Sclesnig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  52.)
1299.

Taxe,  Abänderung  der  —an  Lehnstaxe  (G.  v.

4.  März  §§.  22—24.)  366

Stempel  zu  den  —  von  Otunbstuden  in
Schleswig  und  Holstein  Enfk#  .  Aug.  Nr.  97.)  1306.
(V.  v.  30.  Aug.  F.  15.B.)  1377

Gebühren  der  Tagxatoren  für  die  Abschätzung  von
Sachen  in  gerichtlichen  Angelegenheiten  in  Schleswig,
Holstein,  Kurhessen,  Nassau  2c.  (Regul.  v.  30.  Aug.
5.  D.)  1383.  (V.  v.  30.  Aug.  S.  17.)  1378.  (V.
v.  30.  Aug.  S.  18.)  1395.  (V.  v.  30.  Aug.  S.  W.)
1408.  —  desgl.  in  Hannover  und  Frankfurt  a.  M.  in
Strafsachen  (V.  v.  30.  Aug.  S.  27.)  1420.

Telegramme,  Beschlagnahme  derfelben  bei  Untersuchungen
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.O.  S.  104.)  968.  —
Telegraphische  Vorladung  von  Zeugen  und  Sachverständigen
  (ebend.  K.  199.)  900.

Telegraphenwesen,  Einrichtung  von  Ober-Telegraphen=Intpektionen
  alg  öffentliche  Behärden  (L.  C.  v.  .  Jam.)
119.

Die  Bestimmungen  über  das  Telegraphenwesen  in
den  Rorbdeutschen  Staaten  unterliegen  der  Aufsicht  und

Sachregister.  1867.

Telegraphenwesen,  (Fort..)
Gesetzgebung  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art  4.
Nr.  10.  u.  Art.  48.)  820.  —  Bildung  eines  dauernden
Ausschusses  im  Bundesrath  für  Eisenbahnen,  Post=  und
Telegraphenwesen  (ebend.  Art.  8.  Nr.  5.)  822.  —
Rähere  Anordnungen  über  das  Telegraphenwesen
(ebend.  Art.  48—51.  70.)  830.

Verschmelzung  des  Telegraphenwesens  in  Schleswig
und  Holstein  mit  der  Hrchilce  Telegraphenverwaliung
(A.  E.  v.  4.  Febr.)  208.  —  besgl.  im  ehemaligen
Herzogthum  Nassau  (A.  E.  v.  30.  März)  440.

Vorsteher  der  Ober-Telegraphen-Inspektionen  in  den
neuen  Landestheilen  können  jederzeit  mit  Wartegelb  in
den  Ruhestanb  versetzt  werden  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)
1617.  «

Die  Telegraphen-Verwaltung  gebt  in  Preußen  von
dem  Haudels-Minister  an  den  Präsidenten  des  Staats-Ministeriums
  über  (A.  E.  v.  28.  Sept.)  1780.

Tgton  ·  Seblerdorser  Chaussee,  s.  Chausseen
t.  9.

Templiner  Kanal,  Tarif  für  das  Befahren  defselben
(b.  9.  Sept.  A.)  1578.

Tengern  (Westphalen),  f.  Chausseen  Nr.  31.

Termin,  Kosten  für  einen  burch  Schulb  der  Pacteien
oder  Zeugen  rereitelten  Termin  in  Strafsachen  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  30.  Aug.  K.  9.)  1415.

Testamente  (letztwillige  Verordnungen),  Vorschriften
über  die  privilegirten  militairischen  Testamente  in  den
*2  d  Landeatheilen  (A.  C.  d.  1.  Upril  Zusamm.

VII.)  5

eu  zu  Testamenten  in  Hannover  (V.  v.
5.  Juli  S.  14.)  1125.  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  54.)
1215.  —  desgl.  in  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals
Bayerischen  Gebietstheilen  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  54.)
1215.  (V.  v.  30.  Aug.  S.  16.  B.)  1394.  (V.  v.  30.
Aug.  §.  18.  B.)  1408.—  ferner  in  Schleswig  und  Holstein
  (Tar.  v.  7.  Aug.  Nr.  53.)  1299.  (V.  v.  30.  Aug.
5  .  15.  B.)  1377.

Kosten  für  die  Aufnahme,  Aufbewahrung  und
Publikation  u.  letztwilliger  Verordnungen  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  30.  Aug.  S.  11.)  1374.

That  des  Angeschuldiglen,  Ermittelung,  Feststellung  und
Entscheidung  darüber  im  Untersuchungsverfahren  in  den
neuen  Landestbeilen  (Str.  P.  O.  §S#§.  4.  328.  352.
418.  419.)  933.

That-
        <pb n="161" />
        Sachregister.

Thatbestand,  Feststellung  desselben  bei  Untersuchungen
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  §S#.  69.  168.
323.  352.)  950.  —  insbes.  in  Untersuchungen  wegen
Zolldefraudatienen  (Ordn.  v.  29.  Juli  #é#t,  1.  4.  5.)
12.0.

Tbeater-Aktienverein  in  Breslau,  Abänderungen  der
Statuten  (Bek.  d.  12.  Juli)  1236.

Theiluahme  an  Verbrechen  und  Vergehen  in  den  neuen
Landestbeilen,  Vernehmung  des  Theilnehmers  als  Zeugen
  oder  Sachverständigen  (Str.  P.  O.  K.  161.  Nr.  3;
S.  172.  243.)  972.

Tbheilung  der  Gemeinschaften  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum
  Hessen  (V.  v.  13.  Mai)  716—726.  —
desgl.  in  den  vormals  Bayerischen  und  Großberzoglich
Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  2.  Sept.)  1463—1464.

Theut  (Probinz  Preußen),  s.  Chausseen  Nr.  4.
Thüringische  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  43.

von  Thurn  und  Taxis  (Fürstliches  Haus).  Uebertragung
  des  gesammten  Thurn  und  Tagxisschen  Postwesens
auf  den  Preußischen  Staat  (Vertr.  v.  28.  Janr.)  354  bis
360.  (G.  v.  16.  Febr.)  353.  —  Näihere  Bestimmungen
über  die  Ausführung  (A.  E.  v.  25.  Mai)  818.

Tiefgelder  sollen  in  Stralsund,  Greifswald  und
Wolgast  nicht  weiter  erhoben  werden  (A.  E.  v.  22.  Nov.
Nr.  3.)  1848.

Todeserklärungen,  Verfahren  in  den  neuen  Landestheilen
  Kurhessen,  Nassau  r.  (V.  v.  24.  Juni  K.  89.)
909.

Todesstrafe,  Vollstreckung  derselben  in  den  neuen
Lanbestheilen  (Str.  P.  O.  S.  432.)  1033.

Todtenschein,  Stempel  zu  Todtenscheinen  in  Schleswig
und  Holslein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  60.  98.)  1303.
(B.  v.  30.  Aug.  K.  15.  B.)  1377.

Torfmoor,  Strafe  für  das  unerlaubte  Abbrennen  von
Torfmooren  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  III.  §.  3.  Nr.  5.)  925.

Trakebnen  (Provinz  Preußen),  f.  Chausseen  Nr.  7.

Tranksteuer,  Aufhebung  derselben  in  den  vormals
Großherzoglich  und  Landgräflich  Hessischen  Landestheilen
(V.  v.  24.  Juni)  918.

Transportkosten  in  Strafsachen,  gehören  in  den  neuen
Landestheilen  zu  den  baaren  Auslagen  (V.  v.  30.  Aug.
5S.  14.)  1416.

1867.

Transportkosten,  (Fortf.)
Transportkosten  für  die  Landarmen  und  Korrigenden
  in  Westpreußen  (Regl.  v.  11.  Sept.  I§§.  12.  13.
22.)  1713.

109

K#lerueebest.

Transport,  Versich  asgesellschaften,  Rheinisch-Westphälischer
  Lloyd  in  Gladbach,  Genehmigung
des  Statuts  (Bek.  v.  3.  Juni)  792.

Trarbach  (NRheinprovinz),  s.  Chausseen  Nr.  39.

Trauungsattest  (Trauschein),  Stempel  zu  demfelben  in
Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  60.  99.)
1303.  (V.  v.  30.  Aug.  F.  15.  B.)  1377.

Trebnitz  (Schlesien),  .  Chausseen  Nr.  13.

Treis  (Kurhessen),  die  Gerichtsbarkeit  über  die  in  der
Forst  Treis  begangenen  Forst-,  Jagd=  und  Fischereifrevel
  ist  dem  Justizamte  in  Fronhausen  übertragen
(A.  E.  v.  22.  Febr.)  278.

u.

Ueberführungsstücke,  Beschlagnahme  derselben  bei
Untersuchungen  in  den  neuen  Landeslbeilen  (Str.  P.  O.
d  91—93.  98.  103.)  955.

#S  GAIM  44

sch  6  fab  in  Nassau  und  den  vormals
  Grohherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen,  Ansatz  der
Gerichtskosten  (V.  v.  30.  Aug.  F.  8.)  1400.

Uebertragsverträge  zwischen  Aszendenten  und  Deszendenten
  in  Hannover,  Kurbessen,  Nassau  und  den  vormals
  Bayerischen  Gebietstbeilen,  Stempel  zu  denselben
(Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  55.)  1215.  —  desgl.  in  Schleswig
  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  54.)  1299.

Uebertretungen  in  den  neuen  Landestheilen,  Begriff
(V.  v.  25.  Juni  Art.  VIII.)  926.  —  Kompetenz  und  Verfabren
  der  Gerichte  (Str.  P.  O.  #  11.  84.  109.  214.
381.  391.  392.  406.)  935.  —  Anwendung  des  Gesetzes
vom  14.  Mai  1852.  über  die  vorläufge  Straffestsetzung
wegen  Uebertretungen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  UI.  ltt.  I.)
923.

Uelzen  (Hannober))  Eisenbahn  von  Salzwedel  nach  Uelzen,
s.  Eisenbahnen  Nr.  9.

Uer-
        <pb n="162" />
        110

Uerdingen  (Rheinprobinz),  Ausfertigung  von  Obligationen
  der  Stakt  Uerdingen  im  Betrage  von  52,000
Thalern  zu  5  Prozent  (Priv.  v.  26.  Juli)  1465  bis
1470.

Umschreibung  von  Papieren  auf  Inhaber  in  den
neuen  Landestheilen  (V.  v.  16.  Aug.  S#  14—19.)  1460.

Umwandlung  erkannter  Freiheitsstrafen  in  Geldstrafen
und  umgekehrt,  Bestimmungen  über  das  in  den  neuen
Landestheilen  zu  beobachtende  Verfahren  (Str.  P.  O.
.  434—436.)  1034.  —  f.  Geldstrafe.

Umzugskosten,  Vergütung  derselben  bei  Versetzungen
von  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.
Sept.  S.  1.  Nr.  3.)  1619.

Unbekannte,  Verfahren  gegen  Angeklagte  in  den  neuen
Landestheilen,  deren  Aufenthaltsort  unbekannt  ist  (Str.
P.  O.  F.  451.)  1038.  —  Verfahren  gegen  unbekannte
Zollbefraudanten  (Ordn.  v.  29.  Juli  S.  30.)  1276.

Unebeliche  Kinder,  Beerdigung  bes  Leichnams  neugeborener
  unehelicher  Kinder  in  den  neuen  Landestheilen
(Str.  P.  O.  F.  174.  Nr.  3.)  975.

Ungeborsame  Zeugen  und  Sachvderständige  in  Untersuchungssachen,
  Verfahren  gegen  dieselben  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  S.  157.  158.  186.)  970.

Unnion,  Abtiengesellschaft  für  See=  und  Flußversicherungen
  in  Stettin,  Genehmigung  des  zweiten  Nachtrages  zu
dem  Statut  (Bek.  v.  30.  Juli)  1308.

Universitäten  in  den  neuen  Landestheilen,  gehören  zur
Kompetenz  des  Ministers  der  geistlichen  k.  Angelegenheiten
  (V.  v.  13.  Mai)  667.  —  Befreiung  derselben  von
Entrichtung  der  Erbschaftsabgabe  (Tarif  v.  5.  Juli
Nr.  2.e.)  1127.  —  Stempelfreiheit  derselben  (V.  v.
19.  Juli  §.  4.  c.)  1193.  (V.  v.  7.  Aug.  F.  4.  c.)  1279.

Gerichtsbarkeit  der  Universitäten  in  Göttingen  in
polizeigerichtlichen  Strafsachen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XV.
5.  5.)  930.

Aufhebung  der  akademischen  Gerichtsbarkeit  der
Universität  in  Marburg  (V.  v.  26.  Juni  K.  23.)  1090.
—  desgl.  in  Kiel  (V.  v.  26.  Juni  F.  8.)  1071.
—  Regelung  der  Disziplinarstrafgewalt  der  Universitäten
  Kiel  und  Marburg  (A.  E.  v.  22.  Nov.)  1902.

Aufhebung  der  den  Studirenden  aus  den  Herzogthümern
  Schleswig  und  Holstein  obliegenden  Verpflichtung
  zu  einem  zweijährigen  Studium  auf  der  Universität
in  Kiel  (A.  E.  v.  17.  Sept.)  1743.

Sachregister.

1867.

Unlversitäten,  (Fortt.)
Gestattung  des  Besuchs  der  Universitäten  in  Zürich
und  Bern  (A.  E.  v.  15.  Juli)  1262.

Unmündige,  Vernehmung  derselben  als  Zeugen  oder
Sachverständigen  bei  Untersuchungen  in  den  neuen
Landestbeilen  (Str.  P.  O.  §.  161.  Nr.  2;  §.  172.)  972.

Unrath,  Strafbestimmung  in  den  neuen  Landestheilen
gegen  denjenigen,  welcher  Unrath  auf  fremde  Grundstücke
ober  Privatwege  wirft  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  S.  1.
Nr.  9.)  924.

Unterbeamte,  Disziplinarverfahren  gegen  Unterbeamte
in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  V.
S.  61.  65.)  1615.

Unterkaufsgebühr  in  Frankfurt  oa.  M.  (V.  v.  16.  Aug.
K.  5.)  1348.

Unteroffiziere,  Pensionszulage  für  die  im  Kriege  verwundeten
  und  verstümmelten  Unteroffiiere  (G.  v.  9.  Febr.
1.  2.)  217.  —  Unterstützung  ihrer  Wittwen  und
Kinder  (ebend.  S§#  3—6.)  217.

Unterricht  in  den  neuen  Landestheilen,  Kompetenz  des
Ministers  der  geistlichen  #.  Angelegenheiten  (V.  v.  13.  Mai)
667.

**  MWsn  4

sch  a  gen  des  Angeklagten,  Feststellung
  desselben  im  schwurgerichtlichen  Verfabren  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  K.  320.)  1006.

Unterschlagung,  Verfahren  bei  Untersuchungen  wegen
Unterschlagung  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
.  448.)  1037.

Unterstaatssekretaire,  sind  in  den  neuen  Landestheilen
zu  Geschworenen  nicht  zu  berufen  (Str.  P.  O.  g.  276.
Nr.  1.)  997.

Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  einberufener
Reserve=  und  Landwehrmannschaften  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  31.  Aug.)  1637.

Untersuchungen  in  den  neuen  Landestheilen,  keine  Bestrafung
  ohne  Untersuchung  (Str.  P.  O.  F.  1.)  933.  —
Wiederaufnahme  einer  Untersuchung  (ebend.  S#.  418  bis
427.  431.)  1030.  —  s.  auch  Strafverfahren.

Untersuchungsakten,  s.  Akten.
Untersuchungsgefangene,  f.  Gefangene.

Untersuchungshaft  in  den  neuen  Landestbeilen  (Str.
P.  O.  Sh  108—  122.  137—  139.  220.)  959.  —  Entscheidung
  des  Gerichts  über  die  Untersuchungshaft

(ebend.
        <pb n="163" />
        Sachregister.

Untersuchungsbaft,  (Forts.)
(ebend.  &amp;amp;K.  20.)  937.  —  Rechtsmittel  dagegen  (ebend.
K.  405.)  1027.  —  Anrechnung  der  Untersuchungsdaft
auf  die  Strafe  (ebend.  &amp;amp;  429.)  1033.

Untersuchungskosten,  s.  Kriminalkosten.

Untersuchungsrichter  in  den  neuen  Landestheilen,
Ernennung  und  Funktionen  desselben  (Str.  P.  O.  SK.  16.
17.  21.  Nr.  1;  K.  27.)  936.  —  insbes.  in  der  Voruntersuchung
  (ebend.  S##  54—57.  67—74.  77.  105.
402.)  946.  —  Befugnisse  des  Untersuchungsrichters
(ebend.  &amp;amp;.  18.  121.  132.  159.  174.  191.  378.)  937.  —
Befichtigung  der  Gefängnisse  durch  den  Untersuchungsrichter
  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XIII.)  928.

Unzucht,  Bestrafung  unzüchtiger  Frauenspersonen  in
Hannover  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XV.  F.  1.)  929.
Einsperrung  unzüchtiger  Weibspersonen  in  West.
preußen  (Regl.  v.  11.  Sept.  K.  3.  Nr.  2;  K.  9.  Nr.  4.
lit.  b;  S.  11.  Nr.  1.)  1710.

Unzurechnungsfähigkeit  des  Beschulbigten,  Erörterungen
  darüber  im  Untersuchungsverfahren  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  §&amp;amp;##  153.  319.)  969.

Unzuständigkeit  des  Strafrichters  in  den  neuen
Landestheilen,  Bestimmungen  darüber  (Str.  P.  O.
K.  43—45.  47—49.  67.  Nr.  1;  §.  89.)  944.  —  Eintede
  der  Unzuständigkeit  (ebend.  IA#  44.  403.)  944.  —
Rechtsmittel  (ebend.  &amp;amp;#  371.  403.  404.  407.)  1019.  —
s.  auch  Zuständigkeit.

Urkunden,  als  Beweismittel  im  Civilprozeß  in  den  neuen
VLandestheilen  Kurbessen,  Nassau  ꝛc.  (V.  v.  24.  Juni
K.  2.  17.  18.  28.)  386.

Verpflichtung  der  Behörden  und  Beamten  in  den
neuen  Landestheilen  zur  Herausgabe  amtlicher  Urkunden
in  Untersuchungssachen  (Str.  P.  O.  F.  103.)  958.

Ausstellung  von  Urkanden  über  Rechtsgeschäfte
Seitens  der  Kreisstände  im  Regierungsbezirk  Kassel  (V.
d.  9.  Sept.  K.  31.)  1479.  —  desgl.  in  der  Provinz
Hannover  (V.  v.  12.  Sept.  F.  35.)  1503.  —  desgl.  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  K.  37.)  1595.
—  desgl.  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  26.
Sept.  F.  25.)  1658.

Ausstellung  von  Urkunden  über  Rechtsgeschäfte
Seitens  der  Landgemeinden  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  22.  Sept.  §.  26.)  1609.

Legalisation  der  Urkunden,  s.  Beglaubigung.

1867.  111

Urkundenfälschung,  Wiederaufnahme  der  Untersuchung,
  wenn  der  Angeklagte  auf  Grund  einer  falschen
oder  verfälschten  Urkunde  in  den  neuen  Landestheilen
verurtheilt  worden  ist  (Str.  P.  O.  S.  420.  Nr.  1;
S&amp;amp;  421—426.)  1031.

Urkundenstempel,  Erhebung  desselben  in  Hannover,
Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  19.  Juli)  1191—  1218.  —  deßgl.  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  7.  Aug.)  1277—1307.

Urlaub,  Beamte  bedürfen  keines  Urlaubs  zum  Eintritt
in  den  Norddeutschen  Reichstag  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  21.)  824.

Verfahren  bei  Beurlaubung  der  Beamten  in  ben
neuen  Landestheilen  (A.  E.  v.  17.  Janr.)  31.

#Stempel  zu  Urlaubsertheilungen  in  Schleswig  und
Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  100.)  1307.

Urliste  der  zu  Geschworenen  geeigneten  Personen  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  S§.  278—283.)  998.
—  Aufstellung  der  Urlisten  in  den  Provinzen  Hannover
und  Schleswig-Holstein  (A.  E.  v.  14.  Sept.)  1552.

Ursel,  s.  Nieder-Ursel.

Urtbeil.,  Bestimmungen  für  die  neuen  Landestheile  über
die  Abfassung,  Verkündung  und  Zustellung  der  Urtheile
in  Strafsachen  (Str.  P.  O.  .  6.  20.  21.  30.  193.  ff.
259—267.)  934.  —  Urtheil  des  Schwurgerichtshofes
(ebend.  §.  344.)  1012.  —  der  Strafkammer  (ebend.
.  353.  377.)  1014.  —  der  Polizeigerichte  (ebend.
#.  357.  358.  362.  363.)  1015.  —  des  Berufungsgerichts
(ebend.  &amp;amp;#  386.  387.  414.)  1023.  —  des  obersten  Gerichtshofes
  (ebend.  S#  396  —401.  414.)  1025.  —  Rechtsmittel
gegen  Urtheile  (ebend.  §##  364—401.  414.  426.)  1017.  —
Rechtskraft  des  Urtheils  (ebend.  S#  428.  431.)  1032.
—  Wirkung  rechtskräftiger  Strafurtheile  auf  die  privatkechtlichen
  Folgen  der  strafbaren  Handlung  (ebend.  F.  10.)
935.  —  Verfahren,  wenn  ein  Urtheil  verloren  gegangen
ist  (ebend.  K.  431.)  1033.  —  Urtheil  auf  Privakklage,
wenn  dieselbe  für  unzulässig  erachtet  wird  (edend.  §.  507.)
1049.  —  s.  auch  Todesurtheil.

V.

Vater  (Großvater,  Pflegevater,  Stiefvater,  Aboptivvater),
der  Vater  des  Beschuldigten  kann  in  den  neuen  Landestheilen
  nicht  als  Richter  ober  Gerichtsschreiber  in  der

Un-
        <pb n="164" />
        112

Pater  Großvater  1.1,  (Forts.)
Untersuchung  mitwirken  (Str.  P.  O.  §.  24.  Nr.  1.
938.  —  auch  nicht  als  Geschworener  (ebend.  K.  295.)
*W*ä&amp;amp;r  —  Ablehnung  desselben  (ebend.  F.  25.  Nr.  1.)
939.

In  welchen  Fällen  der  Vater  zur  Entrichtung  der
Erbschaftsabgabe  in  den  neuen  Landestheilen  verpflichtet
ist  (V.  v.  5.  Juli  K.  5  u.  Tarif)  1122.  —  s.  auch  Eltern.

Verbrechen  in  den  neuen  Landestheilen,  Begriff  (V.  v.
25.  Juni  Art.  VIII.)  9266.  —  Kompetenz  der  Gerichte
zur  Untersuchung  und  Entscheidung  (Str.  P.  O.  .  13.
14.)  935.

Verbrecher,  s.  Auslieferung.
Vereidigung,  s.  Eib.
Vereinigungsrecht,  s.  Versammlungstecht.

Vereinsthaler,  fernere  Gültigkeit  derselben  im  Gebiete
des  Deutschen  Münzvereins  (Vertr.  v.  13.  Juni  Art.  2.  3.)
1802.

Verfassung  des  Norddeutschen  Bundes  (v.  24.  Juni)
817—840.  —  Aenderungen  derselben  (ebend.  Art.  78.)
839.

Erledigung  von  Verfassungsstreitigkeiten  in  den
Norddeutschen  Bundesstaaten  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  76.)
839.

Verfolgung  strafbarer  Handlungen  in  den  neuen  Provinzen
  (Str.  P.O.  .  2.58.65.)  933.  —  Bestimmungen,
wenn  der  Angeschuldigte  außer  Verfolgung  zu  sehen  ist
(ebend.  &amp;amp;§#  80.  88.  113.)  953.  —  Vorbehalt  einer  neuen
Verfolgung  (ebend.  §#  323.  352.  418.)  1006.  —  Verfolgung
  bei  Privatklagen  (ebend.  S#.  488.  490.)  1046.

Verfügungen  der  Gerichte  in  den  neuen  Landestheilen
in  Untersuchungssachen,  Zustellung  derselben  (Str.  P.  O.
S#  193.  ff.)  979.  —  Rechtsmittel  geden  Verfügungen
(ebend.  §.  364—369.  402—4s13.)  1017.  —  Beschwerden
  gegen  Verfügungen,  durch  welche  ein  Rechtsmittel
zurückgewiesen  wird  (ebend.  F.  372.)  1019.

Stempel  zu  amtlichen  Verfügungen  in  Schleswig
und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  101.)  1307.

Vergehen  in  den  neuen  Vanbestheilen,  Begriff  (V.  v.
25.  Juni  Art.  VIII.)  926.  —  Kompetenz  der  Gerichte
(Str.  P.  O.  J#  11.  13.)  935.  —  Verhaftung  des  Angeschuldigten
  (ebend.  .  109.)  960.  —  Zulassung  eines
Vertheidigers  (ebend.  §.  214.)  983.

Sachkegister.  1867.

Vergleiche,  Stempel  zu  Vergleichen  in  Hannover,
Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstbeilen
  (Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  56.)  1216.  —  desgl.  in
Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  55.)
1300.

Verbaftung  eines  Reichstags-Mitgliedes,  inwiefern
dieselbe  zulässig  ist  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  31.)  826.
Verhaftung  eines  Verdächtigen  oder  Angeschuldigten
in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  I#  64.  108  ff.
130.  131.  268.  349.  354.)  949.  —  Einsperrung  ungeborsamer
  Zeugen  und  Sachverständigen  (ebend.  F.  158.
Nr.  2;  8.  186.  405.)  971.  —  desgl.  solcher  Personen,
welche  die  Ruhe  und  Ordnung  während  der  gerichtlichen
Verhandlung  verletzen  (ebend.  K.  187.)  978.

s.  auch  Untersuchungshaft.
Verhör,  s.  Vernehmung.
Verjährung  der  Grundsteuer  (G.  v.  8.  Febr.  K.  51.)
202.  «

Verjährung  der  Klage  gegen  die  Mitglieder  einer
Genossenschaft  (G.  v.  27.  März  &amp;amp;&amp;amp;.  38.  51—53.)  511.

Bestimmungen  über  die  Verjäbrung  in  Untersuchungssachen
  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
K.  67.  Nr.  4;  88.  89.  325.  422.  486.  493.)  950.  —
Verjährung  der  vor  dem  1.  September  1867.  begangenen
  strafbaren  Handlungen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XIX.)
931.  —  Verjährung  der  Steuer-,  Zoll=  und  Postkontraventionen
  (ebend.  Art.  XlI.)  927.

Verjährung  der  Zinsen  der  Staatsanleihen,  Staatsanleihe.


Verkehr,  s.  Handelsangelegenheiten.

Verkoppelung  der  Grundstücke  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum
  Hessen  (V.  v.  13.  Mai  F.  35.)  726.

Verkündung,  s.  Publikation.

Verlesung  von  Schriftstücken  bei  Untersuchungen  in  den
neuen  Landestheilen,  Verlesung  in  der  Hauptverhandlung
(Str.  P.  O.  S#l.  245  —  249.)  989.  —  desgl.  in  der  Berufungs-Instanz
  (ebend.  §.  378.)  1021.

Vermessung,  Strafe  für  die  Fortnahme  oder  Verrückung
  der  zur  Vermessung  von  Grundstücken  dienenden
Merkzeichen  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  III.  §S.  3.  Nr.  2.  u.  F.  4.)  924.

Vermiether,  Verpflichtung  desselben  in  den  neuen  Landestheilen,
  gerichtliche  Zustellungen  für  den  Miether  in
Strafsachen  anzunehmen  (Str.  P.  O.  F.  196.)  980.

Ver-
        <pb n="165" />
        Sachregister.  1867.  113

Vermögen,  Beschlagnahme  des  Vermögens  beim  Hochderrath
  und  Landesverrath  in  den  neuen  Landestheilen
(Str.  P.  O.  S.  107.)  959.  —  besgl.  bei  verbotenen  Auswanderungen
  (ebend.  §.  470.)  1042.

Strafe  für  Vermögensbeschädigung  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  §&amp;amp;.  4.)  925.—
Verfahren  in  Untersuchungen  wegen  —
gung  (Str.  P.  O.  F.  448.)  1037.

Vernehmung  (Verhör)  in  Untersuchungssachen  in  den
neuen  Landestheilen,  allgemeine  Bestimmungen  (Str.  P.
O.  E.  140—150.  128.)  967.  —  Verhör  der  Zeugen
(ebend.  S§§.  155.—  167.)  970.  —  der  Sachberständigen
(ebend.  S§  169—186.)  973.—  des  Beschuldigten  (ebend.
K.  142.  151  —  154.)  967.  —  Vernehmung  der  Untersuchungsgefangenen
  (ebend.  6.  136.  138.)  966.

Vernichtung  eines  Strafurtheils  in  der  Nichtigkeitsbeschwerde
  =  Instanz  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.
O.  IS.  397.  398.  400.  414.)  1025.  —  Aukhebung
eines  Urtheils  in  der  Berufungs-Instanz  (ebend.  S§.  379.
411.)  1021.

Verpachtung  von  Grundstücken  im  Wege  der  administrativen
  Exckution  zur  Einziehung  rückständiger  Abgaben,
Steuern,  Kosten  r2c.  in  den  neuen  Landestyeilen  (V.  v.
22.  Sept.  #  11.  33.)  1557.

Verpflegung,  Verträge  unter  den  Norddeutschen  Bundesstaaten
  über  die  Verpflegung  erkrankter  Personen  (Verf.
b.  24.  Juni  Art.  3.)  819.  —  Bestimmungen  über  die
Verpflegung  der  zur  Bundesarmee  gehörigen  Militairbersonen
  (ebend.  Art.  61.  63.)  834.

Verpflegungskosten  während  der  Strafzeit  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  K.  439.)  1035.  —
gehören  zu  den  baaren  Auslagen  (VU.  v.  30.  Aug.  F.  14.)
1416.

LBersammlungsrecht,  Anwendung  der  Verordnung  über
den  Mißbrauch  des  Versammlungsrechts  vom  11.  März
1850.  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  I.  A.)  921.

Versäumnißkosten  der  Zeugen,  s.  Zeugen.

Verfetzung,  unfreiwillige  Versetzung  der  Richter  und  der
nicht  richterlichen  Beamten  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  23.  Sept.  Art.  1  ff.)  1613.

Vergütung  der  Umzugskosten  für  Versetzungen  der
Beamten  in,  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  23.  Sept.
K.  1.  Nr.  3.)  1619.

Jahegang  1867.

Versicherung  auf  den  Diensteid  in  Untersuchungssachen,
in  welchen  Fällen  dieselbe  in  den  neuen  Landestheilen
zulässig  ist  (Str.  P.  O.  S.  165.  172.)  973.

Versicherungsgesellschaften,  Aenderungen  des  Statuts
  der  Niederrheinischen  Güter-Assekuranz-Gesellschaft
und  des  Rückverficherungs  =  Vereins  zu  Wesel  (Bek.  v.
17.  Janr.)  120.  —  s.  auch  Fluß=  und  See-Versicherung,
  Lebens-=  und  Transport-Versicherungsgesellschaften.


Versicherungswesen  in  den  Norddeutschen  Staaten,
die  Bestimmungen  darüber  unterliegen  der  Aufsicht  und
Gesetzgebung  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.
Nr.  1.)  819.

Verstandesschwache,  Vernehmung  derselben  als  Zeugen
  oder  Sachverständigen  bei  Untersuchungen  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  J#.  162.  172.)  972.

Versteigerungen,  Stempel  für  Versteigerungen  in
Frankfurt  a.  M.  (V.  v.  16.  Aug.  F.  3.)  1347.  —
Zwangsvbersteigerungen,  s.  Auktion,  Subhastation.

Vertagung  des  Norddeutschen  Reichstages  und  des
Bundesraths  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  12.  26.)  823.

Vertheidiger  in  Untersuchungssachen  in  den  neuen  Landestheilen,
  welche  Personen  Vertheidiger  eines  Beschuldigten
  sein  können  (Str.  P.  O.  S§.  205.  395.)  981.
—  Zuordnung  eines  Vertheidigers  (ebend.  Ss.  206.  207.
383.  464.)  982.  —  Befugnisse  und  Funktionen  desselben
(ebend.  S§#.  208—215.  220.  237.  238.  303.  315.  345.
367.)  982.  —  Vollmacht  desselben  (ebend.  S#.  215.  367.
417.  423.)  983.  —  Besondere  Bestimmungen  (ebend.
§  24.  Nr.  4;  §.  25.  Nr.  1;  3§.  92.  155.  169.  295.
420.  Nr.  1.)  939.  —  Gebühren  und  Auslagen  des  Vertheidigers
  in  Strafsachen  (ebend.  §.  444.)  1036.  (V.  v.
30.  Aug.  F.  17.)  1417.  —  desgl.  in  Disziplinarsachen
(V.  v.  23.  Sept.  Art.  VIII.)  1617.

Vertheidigung  des  Beschuldigten  in  den  neuen  Landestheilen
  (Str.  P.  O.  SF.  205  —  215.)  981.  —  Vertheidigung
  des  Angeklagten  in  der  Berufungs-Instanz  (ebend.
§.  383.)  1022.  —  in  der  Nichtigkeitsbeschwerde-Instanz
(ebend.  §.  395.)  1025.  —  Vertheidigung  des  Angeschulbigten
  in  Untersuchungen  wegen  Zolldefraudationen  (Ordn.
v.  29.  Juli  S§.  13.  16.)  1273.

Verträge  ,  Stempel  zu  Verträgen  in  Hannover,  Kurhessen,
  Nassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
  (V.  v.  19.  Juli  §S#§.  4.  12.  14.  19.)  1194.
(Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  57.)  1217.  —  desgl.  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  7.  August  &amp;amp;§.  4.  12.  14.  19.)
1280.  (Tarifv.  7.  Aug.  Nr.  56.)  1302.  —s.  auch  Staatsverträge.


p  Ver-
        <pb n="166" />
        m  12

114

Vertretung  des  Angeklagten  in  den  neuen  Landestheilen
  (Str.  P.  O.  S#.  216.  384.  395.)  983.  —  Vertretung
  der  Verwaltungsbehörde  in  Untersuchungen  wegen
Steuer-,  Zoll=  und  Postkontraventionen  (ebend.  &amp;amp;#.  479.
483.)  1043.  —  Vertretung  der  Parteien  bei  Privatklagen
  (ebend.  &amp;amp;.  491.  503.)  10417.  —  Gebühren  der
Rechtsanwalte  für  die  Vertretung  (V.  v.  30.  Aug.
r  17.  7)  1418.

dlichkeit  für  die  von  dem  Gesinde,
  den  —  Kindern,  Verwandten  2c.  begangenen
  Steuerdefraudationen  in  den  neuerworbenen  Landestheilen,
  insbesondere  in  Betreff  der  Branntweinsteuer
(V.  v.  11.  Mai  §.  66.)  649.  —  besgl.  in  Betreff  der
Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  F.  34.)  658.  —  der
Tabackssteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  20.)  664.  —  der  Zeitungssteuer
  (V.  v.  4.  Juli  K.  6.)  1067.

Vertretungsverbindlichkeit  in  Bezug  auf  die  Fabrikation,
  den  Verkauf  und  die  Stempelung  von  Spielkarten
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  4.  Juli  K.  23.)
1062.  —  in  sämmtlichen  Provinzen  (G.  v.  23.  Dez.
.  23.)  1925.

Verfahren  gegen  die  subsidiarisch  verhafteken]  Personen
  bei  Zolldefraudationen  in  den  neuen  Landestheilen
  (Ordn.  v.  29.  Juli  S#§#.  26—29.)  1275.

Verwaltung,  Trennung  der  Rechtspflege  von  der  Verwaltmg
  3  Echlezwig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni

S.  1.  2

iemme  Organisation  derselben  in
Kurhessen,  Nassau,  Frankfurt  a.  M.  und  den  vormals
Bayerischen  und  GErohberzoglch  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  22.  Febr.)  273—278

Befugnisse  der  Verwaltungsbehörden  in  den  neuen
Landestheilen  in  Untersuchungen  wegen  Steuer  -,  Zollund
  Poslkontraventionen  (Str.  P.  O.  SF.  477—485.)  1043.

Verhältniß  der  Verwaltungsbehörden  zu  den  Gerichten
  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  F.  36.)
1080.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
  Gebietstbeilen  (V.  v.  26.  Juni  §.  29.)  1091.  —
dbesgl.  in  Nassau  und  den  vormals  rßberaricch  Hessischen
  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  F.  28.)  1100.

Entscheidung  der  Kompetenz-Konflikte  zwischen  ten
Gerichten  und  Verwaltungsbehörden  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  16.  Sept.  Art.  I.  II  V.  —  IX.)  1515.
Elrekutivische  Beitreibung  der  von  den  Verwal.
tungsbehörden  in  den  neuen  Landestheilen  festgesetzten
Gebühren,  Kosten,  Geldstrafen  und  Entschädigungen  im
administrativen  Verfahren  (V.  v.  22.  Sept.  F.  1.  Nr.  5.)
1554.

s.  auch  Behörden.

Sachregister.
Verwaltungsrath  der  Genossenschaften,  1.

Verzugszinsen,
Veterinair-Polizei  in  den  Norddeutschen  Staaten,  die

1867.

Aufsichtsrath.


Verwandlung  der  Strafen,  s.  Umwandlung.
Verwandte,  Vertretungsverbindlichkeit  für  die  von  Verwandten

  begangenen  Steuerdefraudationen  in  den  neuerworbenen
  Landestheilen  in  Betreff  der  Branntweinsteuer
  (V.  v.  11.  Mai  K.  66.)  649.  —  in  Betreff  der
Braumalzsteuer  (V.  v.  11.  Mai  K.  34.)  658.  —  in
Betreff  der  Tabackssteuer  (V.  v.  11.  Mai  §.  20.)  664.  —
s.  Vertretungsverbindlichkeit.

Verwandte  des  Beschuldigten  können  in  den  neuen
Landestheilen  nicht  als  Richter  oder  Gerichtsschreiber
oder  als  Geschworene  in  der  Sache  mitwirken  (Str.  P.
O.  S#.  24.  25.  169.  295.)  938.

Erbschaftsabgabe  in  den  neuen  Landestheilen,  wenn
die  Erbschaft  an  Verwanbte  des  Erblassers  fällt  (V.  v.
5.  Juli  K.  4.  u.  Tarif)  1122.

Verweis,  darauf  soll  in  den  neuen  Landestheilen  nicht

mehr  erkannt  werden  (V.  v.  25.  Juni  Art.  X.)  927.

Verweisungsbeschluß  der  Raths=  oder  klnlageiammer

in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  S#.  81.  83
85  —87.  211.  218.  314.  326.  403.)  953.

Verzögerungen  in  Prozeßsachen,  Erledigung  der  hierauf

  bezüglichen  Beschwerden  in  den  neuen  Landestheilen
Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  K.  85.)  907.  —
Beschwerden  über  Verzögerungen  in  Untersuchungssochen
(Str.  P.  O.  F.  413.)  1028.  —  besondere  Bestimmung
für  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  §.  35.)  1080.
—  desgl.  für  Kurhessen  und  die  vormals  Bayerischen
Gebietstheile  (V.  v.  26.  Juni  K.  28.)  1091.  —  desgl.
für  Nassau  und  die  vormals  Großherzoglich  Hessischen
Gebietstheile  (V.  v.  26.  Juni  §.  27.)  1100.

s(.  Zögerungszinsen.
Maaßregeln  derselben  unterliegen  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung

  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.
Nr.  15.)  820.

Vieb,  in  welchen  Fällen  für  das  in  Folge  der  Rinderpest

getödtete  Vieh  im  ehemaligen  Königreich  Hannoder  Entschädigung
  zu  leisten  ist  (V.  v.  3.  Janr.  IS.  3.  4.)  23.

Viehfutter,  Bestrafung  desjenigen.  welcher  in  den  neuen

Landestheilen  Viehfutter  auf  Grenzrainen,  Gräben,
Wegen  und  Triften  abrupft  oder  abschneidet  (V.  v.  25.
Juni  Art.  III.  S.  1.  Nr.  5.)  924.

Bieb-
        <pb n="167" />
        Sachregister.

Viebhandel,  Stempelfreiheit  der  Protokolle  uͤber  Vichhandel
  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den  vormals
  Bayerischen  Gebietstheilen  (Tar.  v.  19.  Juli  Nr.  46.)
1212.

Vienenburg  (Hannover),  Halberstadt  =  Vienenburger
Eisenbahn,  s,  Eisenbahnen  Nr.  20.

Blotho  (Westphalen),  s.  Chausseen  Nr.  29.

Vogel  von  Falckenstein  (General  der  Infanterie),
Verleihung  einer  Dotation  an  denselben  wegen  hervorragender
  Verdienste  in  dem  Kriege  von  1866.  (G.  v.
W.  Dez.  66.)  25

Böhl  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kassel  (V.  v.
22.  Febr.  §.  1.  Nr.  3;  §.  3.  Nr.  12.)  273.  —  Einrichtung
  einer  besonderen  Verwaltungsstelle  für  den  Bezirk
  Vöhl  (A.  E.  v.  24.  Juni)  1261.

Vokationen  der  Geistlichen  und  Schullehrer  in  Schleswig
  und  Holstein,  Stempel  zu  denselben  (Tarif  v.  7.  Aug.
Nr.  102.)  1307.

Volksgerichte  in  Schleswig  und  Holstein,  Aufbebung
derselben  (V.  v.  26.  Juni  K.  13.)  1075.

Volksschullehrer,  s.  Schullehrer.

Vollmacht  des  Vertheidigers  eines  Angeschuldigten  in
den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  §S#.  215.  367.
417.  423.)  983.

Vollmachten  der  Landgemeinden  in  Schleswig  und
Holstein,  Ausstellung  derselben  (V.  v.  22.  Sept.  .  26.)1609.
Stempel  zu  Vollmachten  in  Hannover,  Kurbessen,
Rassau  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen
(Tarif  v.  19.  Juli  Nr.  58.)  1218.  (V.  v.  30.  Aug.
K.  16.  B.)  1394.  (V.  v.  30.  Aug.  S.  18.  B.)  1408.—
desgl.  in  Schleswig  und  Holstein  (Tarif  v.  7.  Aug.  Nr.  57.)
1302.  (V.  v.  30.  *l  K.  15.  B.)  1377.
Bollmond,  S  bergbau-Aktiengesellschaft  in  Bochum,

  ——  des  zweiten  Nachtrages  zu  dem
Statut  (Bek.  v.  7.  Dez.)  1919.

Vollstreckung  der  Strafe,  s.  Strafvollstreckung.

Borbestrafungen  eines  Beschuldigten  in  den  neuen
Landestheilen,  Feststellung  derselben  (Str.  P.  O.  J.  154.)
970.

Vorfluth,  Gesetz  für  Neuvorpommern  und  Rügen  (v.
9.  Febr.)  220—227.

Stempelfreiheit  der  Verhandlungen  in  Vorfluthsangelegenheiten
  in  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  den

1867.  115
Vorsluth,  (Forts.)

vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  19.  Juli
K.  3.  d.)  1193.  —  desgl.  in  Schleswig  und  Holstein
(V.  v.  7.  Aug.  F.  3.  d.)  1279.

Vorfüährung  zur  Vernehmung  in  Untersuchungssachen,
Erlaß  des  Vorführungsbefehls  in  den  neuen  Landestheilen
  (Str.  P.  O.  &amp;amp;K.  128.  130.  131.  157.  186.  250.)
964.  —  Vorführung  des  Angellagten  vor  die  Strafkammer
  (ebend.  K.  351.)  1014.—  Vorführung  desselben
in  der  Berufungs-Instanz  (ebend.  §.  382.  383.)  1022.
—  in  der  Nichtigkeitsbeschwerde-Instanz  (ebend.  S.  395.)
1025.  —  bei  Privatklagen  (ebend.  S.  503.)  1049.

Vorladungen,  Verfahren  bei  gerichtlichen  Vorladungen
von  Offizieren  und  Soldaten  in  den  neuerworbenen
Landestheilen  (A.  E.  v.  1.  April)  520.

Vorladungen  der  Parteien,  geugen  und  Sachverständigen
  rc.  in  Civilprozessen  in  den  neuen  Landestheilen
Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  §&amp;amp;.  2.  4.  6.  15.
18.  35.  36.  54.)  886.

Vorladungen  in  Strafsachen  in  den  neuen  Landestheilen,
  Form  und  Inhalt  derselben  (Str.  P.  O.  S.  195.
199.  200.)  979.  —  Vorladung  des  Angeklagten  zur
Hauptverhandlung  (ebend.  S§s.  218—220.  348.  414.)

984.  —  Veorladung  der  Zeugen  und  Sachverständigen
(ebend.  §§.  199.  200.  221—223.  382.)  980.—  Oeffentliche
  Vorladung  flüchtiger  Angeklagten  ausgewanderter
Landwehrmänner  2c.  (ebend.  Ss.  451.  ff.  472.  476.)  1038.

Vorladungen  in  Untersuchungen  wegen  Zolldefraudationen
  in  den  neuen  Landestheilen  (Ordn.  v.  29.  Juli
SS.  11.  12.)  1273.

Vorläusige  Antretung  einer  Freiheitsstrafe  findet  in
den  neuen  Landestheilen  nicht  statt  (Str.  P.  O.  §.  429.)
1033.

Vorlesung  der  Protokolle  in  Untersuchungssachen  in  den
neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  §S##147.  257.  345.)
968.

Vormund,  der  Vormund  eines  Angeschuldigten  kann  in
den  neuen  Landestheilen  nicht  als  Richter  oder  Gerichtsschreiber
  oder  als  Geschworener  in  der  Sache  mitwirken
(Str.  P.  O.  §.  24.  Nr.  1;  §.  295.)  938.  —  Zulassung
desselben  als  Vertheidiger  (tbend.  K.  205.  Nr.  4.)  981.

Vormundschaftssachen,  Ansatz  der  Gerichtskosten  in
Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  30.  Aug.  F.  13.)  1376.
—  deögl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  F.  13.)  1393.  —  desgl.
in  Nassau  und  den  vormals  #ren  Hessischen
Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  §.  16.)  1

pe  Ge-
        <pb n="168" />
        116  Sachregister.  1867.

Vormundschaftssachen,  (Forts.)

Genehmigung  zur  subhastationsfreien  Veräußerung
unbeweglicher  Güter  der  Pflegebefohlenen  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  26.  Juni  K.  21.  I.  Nr.  3.)  1077.
—  desgl.  in  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  26.  Juni  §.  10.  I.
Nr.  3.)  1096.  —  deögl.  in  Hannover  (V.  v.  4.  Sept.
K.  1.)  1444.

Vorschußvereine,  s.  Genossenschaften.

Vorsitzender  des  Gerichts  in  den  neuen  Landestheilen,
Befugnisse  und  Pflichten  desselben  bei  der  Hauptverhandlung
  in  Strafsachen  (Str.  P.  O.  §##.  227.  229.  235
bis  238.  250—257.)  986.  —  Vorsitzender  des  Schwur-Herichtshofes
  (ebend.  S#.  272.  273.  287.  290.  301.  303.
308.  315.  326.  328—330.  337.  338.  345.)  996.  —
Vorsitzender  der  Strafkammer  (ebend.  §§.  354.  355.)
1014.  —  Befugnisse  des  Gerichtsvorsipenden  bei  Einlegung
  von  Rechtsmitteln  (ebend.  S.  372  —  376.  394.)
1019.

Vorstand  der  Genossenschaften  (G.  v.  27.  März  §F.  2
Nr.  7;  .  4.  Nr.  5;  §&amp;amp;.  16—32.  35.  39.  40.  50.  54.
bis  56.)  502.

Vorstellungen,  s.  Gesuche.

Vornntersuchung,  Bestimmungen  darüber  für  die
neuen  Landestheile  (Str.  P.  O.  S#.  3.  16.  18.  54—57.
66—74.  89.  90.  105.  107.  121.)  933.  —  Vernehmung
des  Angeschuldigten  und  der  Zeugen  (ebend.  &amp;amp;#  69—72.
85.  142—144.  147  —  150.  167.  224.  225.)  950.  —
Rechtsmittel  (ebend.  S#  402.  403.  407.  Nr.  2.)  1026.
—  Wiederaufnahme  der  Voruntersuchung  (ebend.  F.  418.)
1030.

Waagegelder,  exekutivische  Beitreibung  derfelben  in

den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  S.  1.  Nr.  1.
lit.  b.)  1553.

Wachtmannschaften,  Befugniß  derselben  zur  Ergreifung
  und  Festnahme  verdächtiger  Personen  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  S#  124.  127.)  963.  —  s.
Militairpersonen.

Wachtmeister,  Pensionszulage  für  die  im  Kriege  verwundeten
  und  verstümmelten  Wachtmeister  (G.  v.  9.  Febr.
1.  2.)  217.  —  Unterstützung  ihrer  Wittwen  und
Kmnder  (ebend.  S##  3—6.)  217.

Waddekath  (Provinz  Sachsen),  s.  Chausseen  Nr.  21.
Waffengebrauch,  Befugniß  der  Forst=  und  Jagdbeamten

  in  den  neuen  Landestheilen  zum  Waffengebrauch
(V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  F.)  923.  —  Waffengebrauch
des  Militairs  (ebend.  Art.  II.  G.)  923.

Wassengebrauch  der  Grenzaufsichtsbeamten  in  Holstein
  und  Schleswig  (V.  v.  29.  Juli  §.  2.  Nr.  1.)
1265.

Wahl:

1)  Wahl  der  Mitglieder  des  Norddeutschen  Reichstages
  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  20.  21.  25.)  824.

2)  Wahl  der  Abgeordneten  zum  Landtage  in  den
neuen  Landestheilen  (G.  v.  17.  Mai)  1481.  —  Feststellung
  der  Wahlbezirke  (V.  v.  14.  Sept.)  1482
bis  1495.

3)  Wahl  der  Abgeordneten  zum  Provinziallandtag
für  Hannover  (G.  v.  22.  Aug.  §##  5—9.)  1352.
(A.  E.  v.  29.  Aug.)  1368.  —  desgl.  für  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  §S#.  5  —  10.)

1

4)  Wahl  der  Abgeordneten  zu  dem  Kommunallandtage
  des  Regierungsbezirls  Kassel  (V.  v.  W.  Sept.
S#.  7.  ff.)  1539.  (V.  v.  20.  Sept.)  1546  —  1550.
—  desgl.  des  Regierungsbezirks  Wiesbaden  (V.
v.  26.  Sept.  S#  5  —7.)  1660.

5)  Wahl  ber  Abgeordneten  zu  den  Kreistagen  im
Regierungsbezirk  Kassel  (V.  v.  9.  Sept.  S.  16.  bis
21.)  1477.  —  desgl.  in  der  Provinz  Hannover  (G
b.  12.  Sept.  ##  21—25.)  1501.  —  desgl.  in  Schleswig
  und  Holstein  (V.  v.  22.  Sept.  N.  19  —  75.)
1591.  —  desgl.  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden
(V.  v.  26.  Sept.  §F.  17.)  1656.

businnigkeitserklärungen,  Verfahren  in  den
neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni
k  89.)  909.

Währschaftsgeld  in  Frankfurt  a.  M.  (B.  v.  16.  Aug.

F.  5.)  1348.

Waisen  von  Beamten,  Befreiung  derselben  von  den

Kommunalabgaben  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.
23.  Sept.  §.  1.  Nr.  5.)  1648.  —  s.  auch  Kinder.

Waisenhäuser  in  den  neuen  Landestheilen,  Befreiung

derselben  von  Entrichtung  der  Erbschaftsabgabe  (Tarif
v.  5.  Juli  Nr.  2.  e.)  1127.  —  Stempelfreiheit  derselben
(V.  v.  19.  Juli  §&amp;amp;.  4.  c.)  1193.  (V.  v.  7.  Aug.  F.  4.  c.)
1279.

Waisenkassen,  Schließung  mebrerer  Beamten-Waisenkassen

  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  15.  Sept.)
1646—1647.
Wal-
        <pb n="169" />
        Sachregister.

Walbeck  (Provinz  Sachsen)  s.  Chausseen  Nr.  25.

Wald,  Theilung  eines  gemeinschaftlichen  Waldes  in  dem
vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.  113.  Mai
F.  14.)  720.

Waldeck  (Fürstenthum),  Theilnahme  deffelben  am  Norddeutschen
  Bunde  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  1.)  818.  —
dasselbe  führt  im  Bundesrath  eine  Stimme  (ebend.
Art.  6.)  821.

Staatsvertrag  zwischen  Preußen,  Bayern,  Sachsen
  rc.,  betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums
Oesterreich  und  des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem
Deutschen  Münzverein  (bv.  13.  Juni)  1801—1803.

Waldfrevel,  f.  Forstfrevel.

Waldprodukte,  Bestrafung  des  Diebstahls  an  Walbprodukten
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  I.  D.)  822.

Wambach-Thal,  Statut  der  —  bes
unteren  Wambachthales  im  Kreise  Neuwied  (v.  5.  Okt.)
803—1807.

Warnungszeichen,  Strafe  für  die  Wegnahme  oder
Vernichtung  ven  Warnungszeichen  in  den  neuen  Landestheilen
  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.  §.  3.  Nr.  2.  u.
S.  4.)  921.

Wartegelder,  welche  Beamte  in  den  neuen  Landestheilen
  zu  jeder  Zeit  mit  Wartegeld  in  den  Ruhestand
versebt  werden  können  (V.  v.  23.  Sept.  Art.  VI.)  1617.
—  Bewilligung  des  Wartegeldes  an  dieselben  (V.  v.
23.  Sept.  K.  1.  Nr.  4.)  1619.  —  Heranziehung  der
Wartegelderbeamten  zu  den  Kommunalabgaben  (U.  v.
23.  Sept.  K.  1.  Nr.  4;  §§.  3.  ff.)  1648.

Beschlagnahme  des  Wartegeldes  im  Wege  der
abministrativen  Exekution  zur  Beitreibung  rückständiger
Abgaben,  Steuern,  Kosten  rc.  in  den  neuen  Landestheilen
(V.  v.  22.  Sept.  S.  32.)  1565.

Wartenberg  (Schlesien),  Deutsch-Wartenberger-Deichverband
  zum  Schutze  gegen  Ueberschwemmungen  der
Oder  (Stat.  v.  6.  Mai)  810—816.

Wasser,  Bestimmungen  über  den  Wasserstand,  Setzung
von  Merkpfählen  und  über  Stauungsanlagen  in  Reuvorpommern
  und  Rügen  (G.  v.  9.  Febr.  S#.  4.  ff.)  220.

Strafbestimmung  in  den  neuen  Landestheilen  gegen
benjenigen,  welcher  das  zur  Bewässerung  von  Grundstücken
  dienende  Wasser  ableitet  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.
K.  3.  Kr.  3.)  924.  —  desgl.  welcher  die  zur  Ab=  oder

1867.  117

Wasser,  (Forts.)
Zuleitung  des  Wassers  dienenden  Anlagen,  Gräben,
Wälle  und  Rinnen  beschädigt  (ebend.  &amp;amp;.  3.  Nr.  4.)
924.

Wasserleltungen,  Strafe  für  bie  vorsätzliche  Beschädigung
  derselben  in  den  neuen  Landestheilen  (VU.  v.  25.
Juni  Art.  III.  S.  3.  Nr.  4.  u.  §.  4.)  924.

Wasserstraßen,  die  Bestimmungen  über  die  Herstellung
und  den  Zustand  der  Wasserstraßen  in  den  Rorddeutschen
Staaten  unterliegen  der  Aufsicht  und  Gesetzgebung  des
Zundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  8.  u.  9.)  820.
—  Zulassung  und  Behandlung  der  Kauffahrteischiffe  auf
den  Wasserstraßen  (ebend.  Art.  54.)  832.

Ermähigung  der  Abgabe  für  das  Befahren  der
Wasserstraßen  zwischen  der  Oder  und  Elbe  (A.  E.  u.
Tarif  v.  9.  Sept.)  1577—1580.

Wattenscheid  (Westphalen),  Genehmigung  des  dritten
Statutnachtrages  der  Bergbaugesellschaft  „Holland“  in
Wattenscheid  (Vef.  v.  30.  Okt.)  1815.

Wechselarrest,  gegen  welche  Personen  die  Vollstreckung
desselben  in  Schleswig  und  Holstein  unzulässig  ist  (V.  v.
13.  Mai  S.  2.)  669.  —  desgl.  in  Kurhessen  (V.  v.  13.
Mai  §.  2.)  737.  —  desgl.  in  Nassau  (V.  v.  5.  Juli
S.  2.)  1109.

Dauer  des  Wechselarrestes  in  Schleswig  und  Holstein
  (V.  v.  13.  Mai  §.  3.)  670.  —  desgl.  in  Kurhessen
(V.  v.  13.  Mai  S.  2.  Nr.  5.)  738.  —  desgl.  in  Nassau
(V.  v.  5.  Juli  F.  2.  Nr.  2.)  1110.

Allgemeine  Bestimmungen  über  die  Vollstreckung  des
Wechselarrestes  in  den  neuen  Landestheilen  Schleswig,
Holstein,  üriesne  Rassan  K.  (V.  v.  24.  Juni  K.  87.
Nr.  8;  §.  102.

#esenenen  (Allgemeine  Deutsche),  Einführung
derselben  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  13.  Mai)
609—699.  —  desgl.  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum
Hessen  (V.  v.  13.  Mai)  737—760.  —  Einführung  der
Ergänzungen  und  Erläuterungen  zur  Allgemeinen  Deutschen
  Wechselordnung  in  Nassau  (V.  v.  5.  Juli)  1108.  bis
1110.

Wechselprotest,  Aufnahme  desselben  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  13.  Mai  K.  6.)  670.  —  dezgl.  in
Kurhessen  (V.  v.  13.  Mai  K.  3.)  738.

Verpflichtung  der  Gerichtspersonen  und  Notare  in
den  neuen  Landestheilen,  bei  Ausfertigung  des  Wechselprotestes
  auf  Verwendung  des  Wechselstempels  zu  achten
(V.  v.  4.  Juli  F.  8.)  1065.

Wech-
        <pb n="170" />
        118

Wechselprozeß  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  13.
Mai  §.  14.)  672.  (Wechselordnung  vom  23.  Februar
1854.  SF.  113—119.)  695.  —  Allgemeine  Bestimmungen
über  das  Wechselprozeßverfahren  in  den  neuen  Landestheilen
  Schleswig,  Holstein,  Kurhessen,  Rassau  2c.  (V.
b.  24.  Juni  K.  87.)  907.

Wechselrecht,,  die  Gesetzgebung  über  ein  gemeinsames
Wechselrecht  in  den  Norddeutschen  Staaten  gehört  zum
Ressort  des  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  4.  Nr.  13.)
820.

Wechselstempel  in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.
13.  Mai  K.  14.)  672.  —  desgl.  in  Kurhessen  (V.  v.
13.  Mai  K.  3.)  738.  —  Allgemeine  Bestimmungen  über
die  Erhebung  der  Wechselstempelsteuer  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  4.  Juli)  1063  —  1066.  (V.  v.
19.  Juli  K.  34.)  1201.  (G.  v.  7.  Aug.  §.  34.)  1287.

Besteuerung  der  auf  Banko-Valuta  lautenden  Wechsel
in  Hamburg  und  Altona  (Ueb.  v.  6.  Sept.)  1519.

Wege,  Strafbestimmung  in  den  neuen  Landestheilen
gegen  denjenigen,  welcher  Steine,  Scherben,  Schutt  oder
Unrath  auf  Privatwege  wirft  (V.  v.  25.  Juni  Art.  III.
K.  1.  Nr.  9.)  924.  —  desgl.  welcher  Brücken  auf  Privatwegen
  besck  loigt  oder  zerstört  (ebend.  §.  3.  Nr.  1.  u.
S.  4.)  924.

Wegegelber,  egekutivische  Beitreibung  derselben  in  den

neuen  Landestheilen  (V.  v.  22.  Sept.  S.  1.  Nr.  1.  lit.  b.)
1553.

WeSblau  (Provinz  Preußen),  s.  Chausseen  Rr.  4.
Wehrpflicht,  s.  Militairdienst.
Weibspersonen,  s.  Frauenspersonen.
Weichsel,  Wegfall  der  Schiffahrtsabgaben  auf  dem

Kanal  von  der  Weichsel  nach  dem  frischen  Haff  bei  den
Hebestellen  Rothebude  und  Platenhof  (A.  E.  v.  27.  Nov.)
1933.

Schutz  gegen  Ueberschwemmungen  der  Weichsel,  s.
Deichverbände  Nr.  4

Weide#,  Ablösung  der  Weideberechtigungen  in  dem  vormaligen
  Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.  13.  Mai  K.  12.)
719.

Bestrafung  desjenigen,  welcher  in  den  neuen  Landestheilen
  Dünger  von  fremder  Weide  aufsammelt  (B.  v.
25.  Juni  Art.  III.  S.  1.  Nr.  6.)  924.

Weilburg,  ist  die  Kreisstadt  des  Ober-Lahnkreises  im
Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  22.  Febr.  S.  4.
Nr.  4.)  275.

Sachregister.

1867.

Weein,  Besteuerung  desselben  in  den  Norddeutschen  Bunbesstaaten
  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  40.)  828.

Weinbau,  Vollstreckung  der  administrativen  Exekution  in
den  neuen  Landestheilen  gegen  Personen,  welche  Weinbau
  betreiben,  wegen  rückständiger  Abgaben,  Steuern,
Kosten  2c.  (V.  v.  22.  Sept.  §.  13.  h.)  1558.

Weinberge,  Bestrafung  desjenigen,  welcher  in  den  neuen
Landestheilen  Nachlese  in  fremden  Weinbergen  hält,  oder
Früchte  aus  Weinbergen  entwendet  (V.  v.  25.  Juni
Art.  III.  K.  1.  Nr.  1.  u.  K.  2.  Nr.  2.)  923.

Weißenfels  (Provinz  Sachsen),  Genehmigung  des  zweiten
Nachtrages  zu  dem  Statut  der  Werschen-Weißenfelser
Braunkohlen-Aktiengesellschaft  zu  Weißenfels  (Bek.  v.
23.  März)  398.

Ausfertigung  von  Obligationen  der  Stadt  Weißenfels
  im  Betrage  von  40,000  Thalern  zu  5  Prozent
(Priv.  v.  21.  Okt.)  1851—1857.

Werschen-Weißenfelser  Braunkohl
zu  Weißenfels,  Genehmigung  des  zweiten  Nachtrages
zu  dem  Statut  (Bek.  v.  23.  März)  398.

Werth  des  Streitgegenstandes  in  Prozessen,  Berechnung
desselben  in  den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  2c
(V.  v.  24.  Juni  KF.  90.)  909.

Werxnen  (Probinz  Preußen),  s.  Chausseen  Nr.  7.

Wesel  (Rheinprovinz),  Aenderungen  des  Statuts  der
Niederrheinischen  Güter-Assekuranz-Gesellschafl  und  des
damit  verdundenen  Rückversicherungs-Vereins  zu  Wesel
(Bek.  v.  17.  Janr.)  120.

Westerwald-Kreis,  gehört  zum  Regierungsbezirk  Wiesbaden
  (V.  v.  22.  Febr.  K.  A.  Nr.  2.  3.)  275.

Westphalen  (Provinz),  Verfahren  bei  Beschwerden  wegen
Grundsteuer-Ueberbürdung  (G.  v.  8.  Febr.  K.  28.)  195.
Verleihung  der  Landgemeinde-Ordnung  für  Westphalen
  vom  19.  März  1856.  an  die  Stabtgemeinde
Hallenberg  (A.  E.  v.  25.  Fedr.)  352.
Rheinisch-Westphälischer  Lloyd,  Transportversicherungs-Aktiengesellschaft
  in  Glabbach,  Genehmigung  des
Statuts  (Bek.  v.  3.  Juni)  792.
Westphälische  Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  44.

Westphalen  (vormals  Westphälische  Landestheile),  Verbindlichkeit
  der  dortigen  Realberechtigten,  zur  Grundsteuer
  beizutragen  (G.  v.  8.  Febr.  K.  11.)  189.

Westpreußen,  Einrichtung  des  Landarmen=  und  Korrigendenwesens
  in  Westpreußen  (Regl.  v.  11.  Sept.)  1709
bis  1730.

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Ge-
        <pb n="171" />
        Sachregister.
Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand  bei  Eivil-Westprenßen,

  (Forts.)

Genehmigung  einiger  Zusätze  zu  dem  Westpreußischen
bandschafts-Reglement  vom  25.  Juni  1851.  (A.  E.  v.
7.  Dez.)  1918—1919.

Genehmigung  einiger  Zusätze  zu  dem  Reglement  der
landschaftlichen  Feuerversicherungsgesellschaft  für  West-1867.

  119

prozessen  in  den  neuen  Landestheilen  Kurhessen,  Nassau  2c
(V.  v.  24.  Juni  §.  103.)  913.  —  desgl.  in  Untersuchungssachen
  (Str.  P.  O.  S##  414—417.  428.)  1029.
—.  desgl.  bei  Privatklagen  wegen  strafbarer  Handlungen
(ebend.  S.  506.)  1049.

preußen  (A.  E.  v.  7.  Dez.)  1927—1928.

Wesla##(Kreis),  Erhebung  der  Maischsteuer  im  Kreise
Wetzlar  (G.  v.  24.  Juni)  847
Vereinigung  des  Kreises  in  Beziehung  auf  die  Verwaltung
  der  Zölle  und  der  indirekten  inneren  Steuern  mit
dem  Verwaltungsbezirk  des  Hracct  Steuerdirektors
in  Kassel  (A.  E.  v.  21.  Okt.)  1825

Wenbers  (vormals  Bayerisch),  Ausübung  der  Gerichtsbarkeit
  in  dem  Bezirk  des  Landgerichts  zu  Weyhers  (A.  E.
d.  22.  Dez.  66.)  6—7.  (A.  E.  v.  GC.  Mai)  699.  (A.  E.
v.  8.  Juli)  1164.

Widerklage  bei  wcchselseitig  zugefügten  Ehrenkränkungen,
Mißbandlungen  und  Körperverletzungen  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  S.  508.)  1050.  —  Ansatz
der  Gerichtskosten  (V.  v.  30.  Aug.  S.  7.)  1414.

Widersetzlichkeltt,  Strafe  der  Widersetzlichkeit  gegen
Steuerbeamte  bei  Erhebung  und  Kontrolirung  der  Salzabgabe
  (G.  v.  9.  Aug.  F.  7.)  1319.  (V.  v.  9.  Aug.
K  17.)  1325.  —  desgl.  bei  Beaufsichtigung  der  Fabrikation
  und  des  Verkaufs  der  Spielkarten  (G.  d.

Wiederinkurssetzung  von  Papieren  auf  Inhaber,  Verfahren
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  d.  16.  Aug.)
1457—1461.

Wiebe  (Provinz  Sachsen),  s.  Chausseen  Rr.  26.

Wiesbaden  W*  Bildung  defselben  (V.  v.
22.  Febr.  I§.  2.  4.)  273.

Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  im  Regierungsbeurk  Wiesbaden
(V.  v.  11.  Mai)  593—599.  —  Besteuerung  des  Branntweins
  (V.  v.  11.  Mai)  633—651.  —  Besteuerung  des
Braumalzes  (V.  v.  11.  Mai)  652—660.  —  Erhebung
der  Steuer  vom  inländischen  Taback  (V.  v.  11.  Mai)
661—666.

Stempelabgabe  von  Konzessionen,  Ausfertigungen  2c.
(V.  v.  17.  Sept.)  1651—1652.

Bestimmungen  über  die  Güter-Konsolibation  im
Regierungsbezirk  Wiesbaden  (V.  v.  7.  Sept.)  1462.

Errichtung  eines  evangelischen  Konßstoriums  für
den  Regierungsbezirk  (V.  v.  22.  Sept.)  15t..

23.  Dez.  F.  24.)  1925.

Strafe  der  Widersetzlichkeit  gegen  Steuerbeamte  in
den  neuerworbenen  Landestheilen  bei  Beaufsfichtigung
der  Brennereien  (V.  v.  11.  Mai  §.  69.)  650.  —  desgl.
der  Brauereien  (V.  v.  11.  Mai  §.  37.)  659.  —  des
Tabacksbaues  (V.  v.  11.  Mai  K.  24.)  665.  —  der
Spielkartenfabrikation  (V.  v.  4.  Juli  S.  24.)  1062.  —
besgl.  bel  bezerhelung  der  Zeitungssteuer  (V.  v.  4.  Juli
K  7.)

bat  der  Widersetzlichkeit  gegen  Forst-  und  Jagdbcamte
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni
Art.  II.  E.)  923.

Widerstand  gegen  die  Staatsgewalt  in  den  neuen
Laudestheilen,  Verfahren  in  dergleichen  Untersuchungen
(Str.  P.  O.  F.  448.)  1037.

Wiederaufnahme  der  Untersuchung  in  den  neuen
Landestheilen  (Str.  P.  O.  S.  418—428.)  1030.  —
in  Fällen,  wo  Privatklage  zulässig  ist  (ebend.  §.  490.)
1046.  —  Ansatz  der  Gerichtskosten  (V.  v.  30.  Aug.
#.  8.  10.)  1414.  —  Gebühren  der  Rechtsanwalte
(ebend.  S.  17.D.)  1418.

Kreisverfassung  im  Gebiete  des  Regierungsbegirks
(V.  v.  26.  Sept.)  1653—1659.  —  Einrichtung  einer
kommunalständischen  Verfassung  (V.  v.  26.  Sept.)  1659
bis  1663.

Wiesbaden  (Kreis),  Stadtkreis  und  Landkceis  Wiesbaden

  (V.  v.  22.  Febr.  &amp;amp;K  4.  Nr.  7.  u.  8.)  275.

Wlesbaden  (Stabt),  Königliche  Wilsehndiretten  in

Wiesbaden  (A.  E.  v.  15.  Dez.  66.)  5

Wiesbaden  wird  Siß  eines  #cgierungsbezint,  und
zugleich  Kreisstadt  (V.  v.  22.  Febr.  F.  2;  K.  4.  Nr.  7.
u.  8.)  273.

Erweiterung  der  Kompetenz  des  Appellations-  und
Ober-Appellationsgerichts  in  Wiesbaden  (A.  E.  v.
5.  Nov.  66.  Nr.  IV.)  490.  (A.  E.  u.  1.  April  Nr.  1.  f.)
495.

Errichtung  eines  rW--  Konsiste  iums  daselbst

  (V.  v.  27.  Sept.)  1

Die  Funktionen  bes  Fannw  euchm  zu  Wiesbaden
  in  Bergwerksangelegenheiten  2c.  gehen  auf  das
Oberbergamt  zu  Bonn  über  (V.  v.  6.  März)  *51.
        <pb n="172" />
        1291

Wlesbaden  (Stabtl,  (Forts.)
Bestimmung  über  das  Spielen  an  der  Spielbank
in  Wiesbaden  (V.  v.  25.  Juni  Art.  V.)  925.
Ermächtigung  der  Nassauischen  Brand-Assekuranzanstalt
  in  Wiesbaden  zur  Versicherung  von  Gebäuden
in  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen
(V.  v.  14.  Sept.)  1551.

Wlesen,  Beftrafung  desjenigen,  welcher  in  den  neuen
Landestheilen  Dünger  von  Wiesen  aufsammelt  (V.  v.
25.  Juni  Art.  III.  K.  1.  Nr.  6.)  924.  —  desgl.  welcher
Früchte  und  andere  Bodenerzeugnisse  von  Wiesen  entwendet
  (ebend.  §.  2.  Nr.  2.)  924

Wiesengenossenschaften,  s.  Meliorationen.

Bildenschwert  (Oesterreich),  Glatz-Wildenschwerter
Eisenbahn,  s.  Eisenbahnen  Nr.  19.

Wildschaden,  Abwendung  und  Ersatz  des  Wildschadens
im  ehemaligen  Herzogthum  Nassau  (V.  v.  30.  März
S.  23—27.)  431

Wintrich  (Rheinprovinz),  s.  Chausseen  Nr.  43.

Wirtbschafts=  Genoffenschaften,  s.  Genossenschaften.


Wissen  (URheinprovinz),  Errichtung  der  SiegFischerei-Aktiengesellschaft
  zu  Wissen  (Bek.  v.  5.  April)  488.

Witten  (Westphalen),  Ausfertigung  von  Obligationen
der  Stadt  Witten  im  Betrage  von  200,000  Thalern  zu
5  Prozent  (Priv.  v.  15.  Juli)  1433—1439.

Wittenberg  (Provinz  Sachsen),  Ausfertigung  Wittenberger
  Stadtobligationen  im  Betrage  von  50,000  Thalern
  zu  43  Prozent  (Priv.  v.  28.  Okt.)  1857—1860.

Wittenberge,  Zuständigkeit  des  Elbzollamtes  und  des
Elbollgerichts  daselbst  (V.  v.  26.  Juni  K.  9.)  1075.

Wittstock  (Provinz  Brandenburg),  Einführung  der
Klassensteuer  an  Stelle  der  Mahl=  und  Schlachtsteuer
(G.  v.  28.  Janr.)  172.

Wittwen,  Unterstützung  der  Wittwen  der  im  Kriege
gebliebenen  oder  später  an  ihren  Wunden  gestorbenen
Milltairpersonen  und  unteren  Militairbeamten  (G.  v.
9.  Febr.  S§.  3—6.)  217.  —  desgl.  der  Wittwen  der
Offtziere  und  oberen  Militairbeamten  (ebend.  K.  5.)  219.

Penfionsansprüche  der  Beamtenwittwen  in  den  neuerworbenen
  Landestheilen  (V.  v.  6.  Mai  8.  5.)  714.  —
Befreiung  derselben  von  den  Kommunalabgaben  (V.  v.
23.  Sept.  K.  1.  Nr.  5.)  1648.

Sachregister.

1867.

Wittwenkassen,  Schließung  mehrerer  Beamten-Wittwenkassen
  in  den  neuen  Landestheilen  (V.  v.  15.  Sept.)
1646—1647

Wittwenverpflegungs-Austalt,  Verpflichtung  und
Berechtigung  der  Staatsbeamten  in  den  neuen  Landestheilen
  zum  Eintritt  in  dieselbe  (V.  v.  23.  Sept.  S.  1.
Nr.  6;  S.  4.)  1619.

Witzenhausen  (Kreis),  gebört  zum  Regierungsbezirk
Kassel  (V.  v.  22.  Febr.  S.  3.  Nr.  9.)  274.

Wohnung,  in  welchen  Fällen  den  Polizei=  und  Untersuchungsbeamten
  in  den  neuen  Landestheilen  das  Eindringen
  in  eine  fremde  Wohnung  zur  Ergreifung  und
Festnahme  verdächtiger  Personen  gestattet  ist  (Str.  P.  O.
#P  131.)  965.  —  sf.  auch  Haussuchung.

Wolfbagen  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kassel
(V.  v.  22.  Febr.  §F.  3.  Nr.  10.)  274.

Wolgast  (Pommern),  Tiefgelder  sollen  dort  nicht  weiter
erhoben  werden  (A.  E.  v.  22.  Nov.  Nr.  3.)  1848.

Wäörttemberg  (Königreich),  Staatsvertrag  zwischen
Preußen,  Bayern,  Württemberg  2c.,  betreffend  das  Ausscheiden
  des  Kaiserthums  Oesterreich  und  des  Fürstenthums
  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen  Münzverein
(v.  13.  Juni)  1801—1803.

3.

Zabiangsinsellung  der  Genossenschaften  (G.  v.  27.
März  §.  50.)

Zapfgebühr,  Aufhebung  der  Zapfgebühr  von  Wein
und  Most  in  den  vormals  Großherzoglich  und  Landgräflich
  Hessischen  Landestheilen  (V.  v.  24.  Juni)  918.

Jeblendorf  (Provinz  Brandenburg),  s.  Chausseen
Nr.  9.
Zeitungskautionen,  Bestellung  derfelben  in  ben  neuen

Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  B.  Nr.  3.)  922.
(V.  v.  26.  Sept.)  1663—1664.

Zeitungsstempel,  Erhebung  desselben  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  4.  Juli)  1066—1067.
geit
        <pb n="173" />
        Sach  register.

Jeitz  (Provinz  Sachsen),  Ausfertigung  von  Obligationen
der  Stadt  Zeitz  im  Betrage  von  45,000  Thalern  zu
fünf  Prozent  (Priv.  v.  24.  Juni)  1246—1250.

Eisenbahn  von  Leipzig  nach  Zeitz,  s.  Eisenbahnen
Nr.  23.

Dent,  Gewicht  und  Eintheilung  des  Zents  in  den  ehemals
  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  5.  Juli  K.  3.)
1130.

Jeutner,  Gewicht  und  Einkeilung  des  Zentners  in  den
ebemals  Bayerischen  Gebietstheilen  (V.  v.  5.  Juli  §.  2.)
1130.

Zertbeilung  von  Grundstücken,  s.  Parzellirung.

Zeugen,  Vorladung,  Vernebmung  und  Vereidigung  derselben
  im  Civilprozeß-Verfahren  in  den  neuen  Landestheilen
  Kurdessen,  Rassau  2c.  (V.  v.  24.  Juni  K.  17.
35.  113.)  890.

Vernehmung  der  Zeugen  im  Strafverfahren  in
den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  ##  63.  70
bis  72.  85.  140—143.  161.  166.  167.  224.  225.  236.
243.  248.  250—255.  325.  378.)  949.  —  Bereidigung
berselben  (ebend.  S#  160  —  15.  50i.)  971.  (V.  v.
25.  Juni  Art.  XII.  Nr.  3.)  926.  —  Vorladung  derl
  Etr.  P.  O.  S.  199.  200.221—223.  242.382.)

—  Zeugenpflicht  (ebend.  I.  155—  159.)  970.  —
Fess  der  Zeugen  zur  Einlegung  von  Rechtsmitteln
gegen  Strafverfügungen  (ebend.  I.  365.405.442.  1017.
—  Zeugen  können  in  derselber  Sache  nicht  als  Richter
oder  Gerichtsschreiber  mitwirken  (ebend.  S.  24.  Nr.  4.)
939.  —  auch  nicht  als  Dolmetscher  ober  Geschworene
(ebend.  §#  145.  295.)  968.  —  Verfahren  gegen  ungehorsame
  Zeugen  (ebend.  §#.  157.  158.  186.)  970.  —
desgl.  gegen  Zeugen  welche  dei  ihrer  Vernehmung  des
Meineides  verdächtig  find  (ebend.  §.  268.)  995.  —
Sonstige  Bestimmungen  über  Zeugen  in  Untersuchungssachen
  (ebend.  §§#  76.  220—223.  245.  246.  330.  420.
Nr.  1.)  952

Vorladung  und  Vernehmung  der  Zeugen  in  Untersuchungen
  wegen  Zolldefraudationen  in  den  neuen  Landestheilen
  (Ordn.  v.  29.  Juli  &amp;amp;&amp;amp;.  10—12.)  1273.

Versäumniß=  und  Reisekosten  der  Zeugen  in  gerichtlichen
  Angelegenheiten  in  Schleswig  und  Holstein  (V.
v.  30.  Aug.  K.  17.)  1378.  (Regul.  S.  1.  2.  7—9.)
1382.  —  desgl.  in  Kurhessen  und  den  vormals  Bayerischen
Gebietstheilen  (V.  v.  30.  Aug.  K.  18.)  1395.  —  desgl.
in  Rassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen
Gebietstheilen  (B.  v.  30.  Aug.  §.  20.)  1408.  —  desgl.

Jahrgang  1867.

1867.  121
Zeugen,  (Fortl.)

in  Hannover  und  Frankfurt  a.  M.  in  Stafsachen  (V.
v.  30.  Aug.  S.  27.)  1420.

Ziegenhain  (Kreis),  gehört  zum  Regierungsbezirk  Kassel
(V.  u.  22.  Febr.  S.  3.  Nr.  14.)  274.

Zinsen,  Genehmigung  des  Lanbtages  zu  der  Verordnung
vom  12.  Mai  1866.  über  die  vertragsmäßigen  Zinsen
(Bek.  v.  2.  Janr.)  30.

Aufhebung  der  Beschränkungen  des  Zinssatzes  in
den  neuerworbenen  Landestheilen  (G.  v.  18.  März)  387.

Höbe  der  Ziusen  in  inesa  in  Holstein  und
Schleswig  (V.  v.  5.  Juli  S.  3

Zinsen  der  Sinaisenlehen.  9  FSanz#enmleige

Finsgarantie  des  Staats  für  das  Anlagekapital  einer
Eisenbahn  von  Cöslin  nach  Danzig  bis  auf  Höhe  von
10  Millionen  Thaler  zu  34  Prozent  (G.  v.  13.  März)
457.

Zögerungszinsen  (Verzugszinsen),  Bestimmung  über
die  Höhe  derselben  in  den  neuerworbenen  Landestheilen
(G.  v.  18.  März  K.  2.)  387.  —  Höhe  der  Verzugszinsen
  in  Handelssachen  in  Holstein  und  Schleswig  (V.
v.  5.  Juli  S.  3.)  1134.

Joll,  s.  Steuern.

Jollämter  (Hauptzollämter)  in  den  neuen  Landestheilen,
Kompetenz  und  Funktionen  derselben  in  Untersuchungen
wegen  als  (V.  v.  29.  Juli  IS.  5.  6.)  1266.
(V.  v.  29.  Juli  HK.  5.  6.)  1269.  (Ordn.  v.  29.  Juli
SK.  6.  7.  0—  12.  15.  16.  18.  20.)  1272.  —  Verpflichtungen
  derselben  bei  Verwaltung  des  Stempelwesens  (V.
v.  19.  Juli  S§.  23.  29.)  1199.  (V.  v.  7.  Aug.  S#.  23.
29.)  1285.  —  f.  auch  Steuerämter.

Jollangelegenheiten  des  Norddeutschen  Bundes,  Bildung
  eines  dauernden  Ausschusses  im  Bundesrath  (Verf.
24.  Juni  Art.  4.  Nr.  2;  Art.  8.  Nr.  3;  Art.  35.)
819.  —  Nähere  Bestimmungen  über  das  Zollwesen  in
den  Bundesstaaten  (ebend.  Art.  33—40.  70.)  826.

Jollbeamte  in  den  neuen  Landestheilen,  Befugniß  derselben
  zu  Haussuchungen  2c.  (Str.  P.  O.  §.  102.)  958.
—  s.  auch  Steuerbeamte.

Jolldefrandationen  (Gollvergehen)  in  den  neuen  Laudestheilen,
  Verfahren  der  Gerichte  in  solchen  Untersuchungen
  (Str.  P.  O.  S#.  477—485.)  1043.  —  Verq

  jaͤh-
        <pb n="174" />
        122

Zolldefraudationen  LZollvergehen]),  (Forts.)
jährung  derselben  (V.  v.  25.  Juni  Art.  XI.)  927.  —
Untersuchung  und  Bestrafung  der  Zollvergehen  in  Holstein
  und  Schleswig  (V.  v.  29.  Juli)  1265—1267.
(Ordn.  v.  29.  Juli)  1270—1276.  —  desgl.  in  Hannover,
Kurhessen,  Nassau  2c.  (V.  v.  29.  Juli)  1268—1270.
(Ordn.  v.  29.  Juli)  1270—1276.

Jollgesetz  (vom  23.  Januar  1838.),  Einführung  desselben
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  29.  Juli  S.  1.)
1265.

Jollgesetze  in  den  neuen  Landestheilen,  bie  strafrechtlichen
Bestimmungen  derselben  bleiben  in  Kraft  (V.  v.  25.  Juni
Art.  VI.  Nr.  1.)  926.

Jollgrenze  des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni
Art.  33—35.)  826.

Jollordnung  (bvom  23.  Januar  1838.),  Einführung  derselben
  in  Holstein  und  Schleswig  (V.  v.  29.  Juli  .  1.)
1265.

Jollstrafgesetz  (vom  23.  Januar  1838.),  Einführung
desselben  in  Holstein  und  Schleswig  (V.  v.  29.  Juli
SK.  1—3.)  1265.  —  desgl.  in  Hannover,  Kurhessen,
Nassau  2c.  (V.  v.  29.  Juli  &amp;amp;6.  1—3.)  1268.

Jolltarif,  Aufhebung  der  durch  den  Zolltarif  vorgeschriebenen
  Gebühren  für  Begleitscheine  und  Bleie  (G.  v.
2.  März)  350.

Einführung  des  Vereins-Zolltarifs  in  Schleswig
und  Holstein  (V.  v.  18.  April)  497—500.

Zollverein  (Zoll=  und  Handelsverein),  Gültigkeit  der
von  demselben  geschlossenen  Verträge  für  die  Staaten
des  Norddeutschen  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  40.)
828.

Erhebung  einer  Abgabe  von  Salz  im  Gebiete  des
Zollvereins  (Ueb.  v.  8S.  Mai)  1313—1216.

Jollvertrag  (Zollvercinigungsvertrag)  v.  16.  Mai  1865.,
Anwendung  desselben  auf  die  Staaten  des  Norddeutschen
Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  40.)  828.

Aufhebung  des  Artikels  10.  des  Zollvertrages,  betreffend
  den  Verkehr  mit  Salz  (Ueb.  v.  8.  Mai  Art.  1.)
1314.

Beitritt  der  Oldenburgischen  Regierung  zu  dem
Vertrage  vom  28.  Juni  1864.  über  die  gleiche  Besteuerung
  innerer  Erzeugnisse  (Ueb.  v.  27.  u.  30.  April)
881—883.

Sachregister.

1867.
Zörbig  (Provinz  Sachsen),  t.  Chausseen  Nr.  27.

Juchthausstrafe,  Anwendung  derselben  in  den  neuen
Landestheilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  IX.)  926.  —  Angeschuldigte,
  welche  Zuchthausstrafe  zu  gewärtigen  haben,
sollen  verhaftet  werden  (Str.  P.  O.  F.  109.)  959.

ZJucker,  Besteuerung  des  Zuckers  im  Gebicte  des  Norddeutschen
  Bundes  (Verf.  v.  24.  Juni  Art.  35.  38.
Nr.  2.  a.)  826.  ·

Besteuerung  des  im  Inlande  erzeugten  Ruͤbenzuckers
in  Schleswig  und  Holstein  (V.  v.  24.  Juni)  918.

Züllichau  (Provinz  Brandenburg),  Eisenbahn  von
Bentschen  über  Züllichau  und  Crossen  nach  Guben,  s.
Eisenbahnen  Nr.  26.  "

Jünfte,  Beschränkung  der  Zunftrechte  in  Kurhessen  (V.
v.  29.  März  K.  1.)  423.  —  desgl.  in  Hannover  (V.  v.
29.  März  &amp;amp;.  1.  4.)  425.—  desgl.  im  Amtsbezirk  Homburg
(V.  v.  9.  Aug.  F.  1.)  1441.  —  desgl.  in  Schleswig  und
Holstein  (V.  v.  23.  Sept.  #.  1.  15.)  1641.

Zurechnungsfähigkeit  des  Beschuldigten,  Feststellung
derselben  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.  K#.  153.
319.)  969.

Zürich  (Schweiz),  Gestattung  des  Besuchs  der  Univerfität
in  Zürich  (A.  C.  v.  15.  Juli)  1262.

Jusammenlegung  der  Grundfstücke  in  dem  vormaligen
Kurfürstenthum  Hessen  (V.  v.  13.  Mai)  716—726.  —
desgl.  in  den  vormals  Bayerischen  und  Großherzoglich
Hessischen  Gebietstheilen  (V.  v.  2.  Sept.)  1463—1464.

Jusammenrottung  mehrerer  Personen,  Verhaftung
der  dabei  Betheiligten  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.
P.  O.  F.  110.)  960.

Jusammenstoß  dvon  Schiffen  in  Schleswig  und  Hokstein
(G.  v.  5.  Juli  K.  78.)  1149.

Zusammentreffen  mehrerer  strafbarer  Handlungen  bei
Steuerdefraudationen  in  den  neuerworbenen  Landestheilen
  (V.  v.  11.  Mai  F.  67.)  649.  (V.  v.  11.  Mai
K.  35.)  659.  (V.  v.  11.  Mai  S.  21.)  665.  —  Allgemeine
Vorschriften  über  die  Behandlung  zusammenhängender
Strafsachen  in  den  neuen  Landestheilen  (Str.  P.  O.
5ä  05S.  68.)  945.

Zuständigkeit  der  Gerichte  in  den  neuen  Landestheilen
in  Strafsachen  (Str.  P.  O.  88.  39—45.  47—49.  52.
121.  122.  159.  379.  390.  Nr.  1;  86.  400.  406.  434.)

942.
        <pb n="175" />
        Sachregister.  1867.  123

Zu  ständigkeit,  (Forts.)  Zwangsmittel,  (Forts.)
942.  —  Zuständigkeit  der  Polizeigerichte  (ebend.  &amp;amp;&amp;amp;.  11.  dung  von  Zwangsmitteln  durchzusetzen  (V.  v.  20.  Sept.
484.)  935.  —  Zuständigkeit  der  Gerichte  in  Holzdieb-  8.  18.)  1532.
Hehlssache  (V.  v.  25.  Juni  Art.  II.  D.  Nr.  2;  §.  24.)
922.  —  Aukfbebung  der  früheren  Bestimmungen  über  Zwangs=  und  Bannrechte  in  Schleswig  und  Holstein
die  Zuständigkeit  der  Gerichte  (ebend.  Art.  XII.)  927.  (V.  v.  23.  Sept.  I.  6.  15.)  1641.

Zustellung  gerichtlicher  Urtheile,  Beschlüsse  und  Verfügungen
  in  Strassachen  in  den  neuen  Landestbeilen

(Str.  P.  O.  SS.  48.  193—203.  267.3370.  466.  507.)  945.  Zweige,  Strofe  für  das  undefugte  Abbrechen  von  Zwei-Zwangsmittel

  gegen  Beschuldigte  bei  ihrer  Verneh-  gen  in  den  neuen  Landestbeilen  (V.  v.  25.  Juni  Art.  UI.
mung  sind  in  den  neuen  Landestheilen  unzulässig  (Str.  F.  2.  Nr.  1.)  924.
P.  O.  §.  152.)  969.  —  Zwangsverfahren  gegen  ungeborsame
  Zeugen  und  Sachverstänbige  (ebend.  K.  158.  Zweikampf,  Einführung  der  Verordnungen  über  die
Nr.  2;  56.  186.  405.)  971.  Bestrafung  der  Offiziere  wegen  Zweikampfs  in  den  neu-Befugniß
  der  Polizeibehörden  in  den  neuen  Landes-  erworbenen  Landestheilen  (A.  E.  v.  27.  Nov.  66.)
theilen,  ihre  polizeilichen  Verfügungen  durch  Anwen-  383.

Zwangsversteigerung,  s.  Auktion,  Subhastation.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="176" />
        <pb n="177" />
        Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  1.  —

 

 

(Nr.  6498.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis-Obligationen
des  Osteroder  Kreises  im  Betrage  von  40,000  Thalern.  Vom  12.  November
  1866.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.

Nachdem  von  den  Kreisständen  des  Osteroder  Kreises  auf  dem  Kreistage
vom  16.  Juni  1866.  beschlossen  worden,  die  noch  rüständigen  Kosten  für  die
vom  Kreise  ausgeführten  Shunssecbauten  von  40/,000  Thalern  im  Wege  einer
Anleihe  zu  beschaffen,  wollen  Wir  auf  den  Antrag  der  gedachten  Kreisstände:
g  diesem  Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  versehene,  Seitens
er  Gläubiger  unkündbare  Obligationen  zu  dem  angenommenen  Betrage  von
10,000  Thalern  ausstellen  zu  dürfen,  da  sich  hiergegen  weder  im  Interesse  der
Gläubiger  noch  der  Schuldner  etwas  t  erinnern  gefunden  hat,  in  Gemäßheit  des
He.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  zur  Ausstellung  von  Obligationen  zum

etrage  von  40,000  Thalern,  in  Buchstaben  vierzig  tausend  Thalern,  welche  in
folgenden  Apoints:
20,000  Thaler  à  1000  Thaler,
12,000.  à  500
5000  .  5  100  ·
2000  —  à  50  -
1000  .  à  25  -
40,000  Thaler,
nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer  mit
fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu  bestimmenden
Folgeordnung  jährlich  vom  Jahre  1868.  ab  mit  wenigstens  jährlich  Einem  Prozent
  des  gesammten  Kapitals  unter  Zuwachs  der  Zinsen  der  getilgten  Schuldverschreibungen
  zu  amortisiren  sind,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landesherrliche
  Genehmigung  mit  der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder  Inbaber
  dieser  Obligationen  die  daraus  hervorgehenden  Rechte,  awsd  die  Uebertragung
es  Eigenthums  nachweisen  zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befugt  ist.

Das  vorstehende  Privilegium,  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter

ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Ja#tgang  1867.  (Nr.  6498.)  1  Ge-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  3.  Januar  1867.
        <pb n="178" />
        —  2  —

Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird,  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeigen  Kefminiß  zu  bringen.  «

Urkundli?  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  12.  November  1866.
(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

Provinz  Preußen,  Regierungebezirk  Königeberg.

Obligation
des  Osteroder  Kreises

Auf  Grund  der  unten  bestätigten  Kreistagsbeschlüsse  vom
16.  Juni  1866.  wegen  Aufnahme  einer  Schuld  von  40,000  Thalern  bekennt  sich
die  ständische  Chausseetan.  Kommission  des  Osteroder  Kreises  Namens  des  genannten
  Kreises  durch  diese,  für  jeden  Uhaber  gültige;  Seitens  des  Gläubigers
unkündbare  Verschreibung  zu  einer  Darlehnsschuld  vpdrv#  Thalern
zei  Kurant,  welche  an  den  Kreis  baar  bezahlt  worden  und  mit  fünf  Prozent
  jährlich  zu  verzinsen  ist.

Die  uchahlung  der  ganzen  Schuld  von  40,000  Thalern  geschieht  vom
Jahre  1868.  ab  allmälig  aus  einem  Tilgungsfonds,  welcher  mit  wenigstens
Einem  Prozent  des  anzen  Kapitals  jährlich  unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den
getilgten  Schuldverschreibungen  gebildet  wird.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  ie  Ausloosung  erfolgt  vom  Jahre  1868.  ab  in  dem
Monate  Januar  jeden  Jahres.  Der  Kreis  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,
den  Tilgungsfonds  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche
noch  umlaufende  Schuldverschreibungen  zu  kündigen.  Die  aus  eloosten  sowie
die  gekündigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Bezeichnung  bheer  uchstaben,
Nummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rück  ahlen  erfolgen
soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.  Diese  Bekanntmachung  erfolgt  6n  s,  drei,  z

u
        <pb n="179" />
        —  3  —

und  Einen  Monat  vor  dem  Zahlungstermine  in  dem  Amtsblatte  der  Königlichen
Regierung  zu  Königsberg,  dem;Kreisblatte  des  Osteroder  Kreises,  in  einer  zu
Königsberg  erscheinenden  Zeitung  und  in  dem  Preußischen  Staatsanzeiger.

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird  es
in  halbjährlichen  Terminen,  am  2.  Januar  und  am  1.  Juli  jeden  Jahres,  von
heute  an  gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  gleicher  Münzsorte  mit  jenem
verzinset.  ·

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückabe

  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,
ei  der  Kreis-Kommunalkasse  in  Liebemühl,  und  zwar  auch  in  der  nach  dem
Eintritt  des  Fälligkeitstermins  folgenden  Zeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibun
sind  auch  die  daz  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  surn  "•
zuliefern.  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abezogen.

  .
gg  Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Iher  vom
Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  ab  gerechnet,  nicht  erhobenen  Zinsen  verjähren
  zu  Gunsten  des  Kreises.

Des  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Algemeinen  Gerichts-Ordnung  Theil  I.
Titel  51.  §.  120.  sedq.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Osterode.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  der  Kreisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz
der  Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Shuldverschrebung  oder  nt  in  glaubhafter
  Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
  und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt

  werden.
Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  halbjährige  Zinskupons  bis  zuin
Schlusse  des  7  .....  ausgegeben.  Für  die  weitere  Zeit  werden  Zinskupons
erioden  ausgegeben.

au  fünhähong  «
ie  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt  bei  der  Kreis-Kommunal=Kasse

  zu  Liebemühl  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten
  Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen
Zinskupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung
  rechtzeitig  geschehen  ist.

Zur  Sichechen  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der
Kreis  mit  seinem  Vermögen.  .

Dessen  zu  Urkunde  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
  ertheilt.

Osterode,  den  #nnnn  .  ...  18..

Das  ständische  Kreis-Chausseebau-Komité.

(r.  6406.)  1“  Pro-
        <pb n="180" />
        –  4  —
Provinz  Preußen,  RNegierungsbezirk  Königsberg.

Zins--  Kupon

zu  der
Kreis-  Obligation  des  ÖOsteroder  Kreises
Littr  —
über  .  .  .  .  .  ..  Thaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen
über  .  .  .  .  .  Thaler  .  .  .  .  .  Silbergroschen.

Der  Inhaber  dieses  Zinskupons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  in  der
Zeit  vom  l.  nm  biss  resp.  vom  .  ##e.
....................  und  späterhin  die  Zinsen  der  vorbenannten  Kreis-Obli
  4½  für  das  Fuh  vom  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ...  bis.  mit
.  uchstaben)  ..........  StlbekgroschenbetderKretsKommunal

asse  zu  Liebemühl.
Osterode,  den  r  .  .  .  ..  18..

Die  ständische  Kreis-Kommission  für  den  Chausseebau  im
Osteroder  Kreise.
Dieser  Zinskupon  ist  ungütg  wenn  dessen
Geldbetrag  nicht  innerhalb  vier  Jahren,  vom

Ablaufe  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  an
gerechnet,  erhoben  wird.

Provinz  Preußen,  RNRegierungsbezirk  Königsberg.
Dalon

zur
Kreis-Obligation  des  Österoder  Kreises.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der
Obligation  des  Osteroder  Kreises

Littr  ..über..  Thaler  à  fünf  Prozent  Zinsen

die  ..  ##  Serie  Zinskupons  für  die  fünf  Jahre  18.  bis  18  bei  der  Kreis-Kommmnalkasse
  zu  Liebemühl,  sofern  nicht  rechtzeitig  von  dem  als  solchen  legitimirten
  Inhaber  der  Obligation  dagegen  Widerspruch  erhoben  ist.
Osterode,  den  .  .  .  ..  .  .  ..
Die  ständische  Kreis-Kommission  fir  den  Chausseebau  im
Osteroder  Kreise.

(Tr.  6499.)
        <pb n="181" />
        —  5  —

(Nr.  6499.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  15.  Dezember  1866.,  betreffend  dic  Organisation  des
Eisenbahnwesens  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  Hannover,  Kurhessen,
  Nassau  und  Frankfurta  M

A#½#  den  Antrag  vom  14.  d.  M.  will  Ich  im  Verfolg  Meines  Erlasses  vom
15.  Oktober  d.  J.  hierdurch  bestimmen,  daß  das  Eisenbahnwesen  in  den  neu  erworbenen
  Landestheilen  Hannover,  Kurhessen,  Nassau  und  Frankfurt  a.  M.  schon
jetzt  dem  Ressort  des  Ministeriums  für  Handek,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten
unmittelbar  zugewiesen  werde.  Demgemäß  sollen  die  Direktionen  der  in  jenen  Landestheilen
  vorhandenen  Staats-Eisenbahnen,  sofern  nicht  Staatsverträge  eine  Modifikation
bedingen,  fortan  in  gleicher  Weise  wie  die  Direktionen  der  Staatsbahnen  in  den
älteren  Landestheilen  unmittelbar  von  dem  Handelsministerium  ressortiren,  desleichen
  die  in  den  genannten  einverleibten  Landestheilen  bestehenden  Privat-Etenbabnen
  unter  die  Aufsicht  des  Eisenbahnkommissariats  in  Cöln  gestellt
werden.  Die  Generaldirektion  der  Eisenbahnen  und  Telegraphen  in  Hannover
hat  künftig  die  Firma:  „Königliche  Eisenbahndirchtion  in  Hannover“,  die  Direktion
  für  die  Bebra-Hanauer  Eisenbahn  in  Kassel  die  Firma:  „Königliche
Direktion  der  Bebra-Hanauer  Eisenbahn  in  Kassel“)  die  Direktion  der  Nassaul
chen  Staatsbahn  die  Firma:  „Königliche  Eisenbahndirektion  in  Wiesbaden“
hren.  Ich  ermächtige  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten,
  demgemäß  das  Weitere  zu  veranlassen.
Diese  Meine  Order  ist  in  den  bezüglichen  Landestheilen  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  15.  Dezember  1866.

Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Fch.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

 

(Nr.  6500.)  Konzessions-Urkunde  für  die  Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngesellschaft,
betreffend  den  Bau  und  Betrieb  der  Halberstadt.  Vienenburger  Eisenbahn,
soweit  dieselbe  zum  ehemaligen  Königreich  Hannover  gehöriges  Gebiet
berührt.  Vom  15.  Dezember  1866.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc9

Nachdem  auf  Grund  Unserer  Ermächtigung  durch  Unseren  Minister  .
Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  festgesetzt  ist,  daß  die  in  dem  von  Uns
(Nr.  6499——050I  )  durch
        <pb n="182" />
        —  6  —

durch  Verordnung  vom  13.  April  1864.  (Seite  173.  der  Gesch-Sammlung  genehmigten
  fe  Nachtrage  zu  den  Statuten  der  Magdeburg-Halberstädter  Eisenkehngse
  aft  §.  1.  Nr.  1.  aufgeführte,  von  dieser  Gesellschaft  zu  bauende  Eisenbahn
  von  Halberstadt  bis  an  die  Wolfenbüttel-Harzburger  Bahn  in  Vienenburg
an  diese  Bahn  anzuschließen  sei,  in  Folge  dieser  Festsetzung  eine  Strecke  der  neuen
Bahn  Gebiet  berühren  wird,  welches  zum  ehemaligen  Königreich  Hannover
gchorte  wollen  Wir  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  zum  Bau  und  Betriebe
ieser  Eisenbahnstrese  unter  den  im  fünften  Nachtrage  zu  dem  Statute  der  genannten
  Gesellschaft  enthaltenen  und  den  in  dem  Hannoverschen  Gesetze  vom
29.  März  1856.  ausgesprochenen  Bestimmungen,  soweit  diese  nicht  durch  jene
abgeändert  sind,  hierdurch  ertheilen.  Zugleich  verordnen  Wir,  daß  auf  den  hierh
  von  Uns  Fenchmigten  Eisenbahnbau  die  Vorschriften  der  Hannoverschen
Gesetze  vom  8.  September  1840.  und  6.  August  1844.  Anwendung  finden  sollen
und  ermächtigen  Unseren  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten,
die  nach  diesen  Gesehen  Behufs  Ausführung  der  Expropriation  Unserer  Genehmigung
  unterliegenden  Bauplane  statt  Unserer  zu  genehmigen  und  festzusetzen.

Die  gegenwärtige  Konzessions-Urkunde  ist  durch  die  Preußische  und  Hannoversche
  Gesetz-Sammlung  zu  veröffentlichen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  15.  Dezember  1866.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.

 

(Nr.  6501.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  22.  Dezember  1866.,  betreffend  die  Ausübung  der
Gerichtsbarkeit  in  den  an  die  Krone  Preußen  abgetretenen,  vormals
Königlich  Bayerischen  Gebietstheilen  außer  der  Enklave  Kaulsdorf.

Au  Ihren  Bericht  vom  15.  Dezember  1866.  bestimme  Ich  über  die  Ausübung
der  Gerichtsbarkeit  in  den  an  Preußen  abgetretenen,  vormals  Königlich  Bayerischen
Gebietstheilen  außer  der  Enklave  Kaulsdorf,  was  folgt:

1)  Die  Landgerichte  in  Orb,  Weyhers  und  Hilders  bleiben  in  ihrer  bisherigen
  Verfassung  und  Organisation  bestehen.  Den  bei  ihnen  angestellten
Gerichtsschreibern  (Aktuaren)  ist  die  Besorgung  derjenigen  Grschäfte  zu
übertragen,  welche  die  Bayerische  Gesetzgebung),  die  insoweit  außer  Kraft
tritt,  den  Motaren  zuweist.

2)  An  die  Stelle  des  Bezirksgerichts  tritt  für  den  Sprengel  der  Landgerichte
zu
        <pb n="183" />
        —  7  —

Weyhers  und  Hilders  das  Obergericht  in  Fulda  und  für  den  Sprengel
es  Landgerichts  zu  Orb  das  Obergericht  in  Hanau.

3)  Die  Gerichtsbarkeit  erster  Instanz  in  Ehesachen  der  Protestanten  und  in
Handelssachen  wird  gleichfalls,  je  nach  den  bezeichneten  Sprengeln,  von
den  genannten  Obergerichten  unt  zwar  in  ihrer  gewöhnlichen  Zusammensetzung
  ausgeübt.

4)  Die  Funktionen  des  Appellationsgerichts  übernimmt  für  den  Bezirk  der
Landgerichte  zu  Weyhers  und  Hilders  das  Obergericht  in  Hanau  und
für  den  Bezirk  des  Landgerichts  zu  Orb  das  Obergericht  in  Fulda.

5)  Die  Verhandlung  und  Entscheidung  der  vor  das  Schwurgericht  verwiesenen
  Verbreche  und  Vergehen  erfolgt  bei  dem  Schwurgerichtshofe
im  Bezirke  desjenigen  Obergerichts,  welches  nach  der  Bestimmung  unter
Nr.  2.  an  die  Stelle  des  Vezrksgerichts  tritt.  Für  die  Bildung  und
Zusammensetzung  des  Gerichtshofes,  die  Wahl  der  Geschworenen  und
das  zu  beobachtende  Verfahren  ist  das  Kurhessische  Strafprozeßgesetz  vom
28.  Oktober  1863.  maaßgebend.

6)  Die  Gerichtsbarkeit  zweiter  und  letzter  Instanz  in  den  unter  Nr.  3.  be-Gichneten
  achen  geht  unter  der  daselbst  gedachten  Modifikation  auf  das

ber-Appellationsgericht  in  Kassel  über.

7)  Diesem  Gerichtshofe  werden  auch  die  Funktionen  des  Ober=  Appellationsgerichts,
  beziehungsweise  des  Kassationshofes  übertragen.

8)  Ueber  die  Kompetenz  der  Gerichte,  ihre  Zusammensetzung  und  über  das
Verfahren  rolseideh  b  soweit  sich  aus  dem  Obigen  nicht  ein  Anderes
ergiebt,  die  Bayerischen  Gesetze.

Sie,  der  Justizminister,  werden  ermächtigt,  die  zur  Ausführung  dieser
Meiner  Order  erforderlichen  Bestimmungen  zu  erlassen,  und  bei  der  Anstellung
der  Beamten,  sowie  in  allen  anderen  Angeltgenheiten  der  Qustzaufsicht  und  Verwaltung
  nach  Anleitung  Meines  Erlasses  vom  12.  November  1866.,  das  Justiz-Personal
  im  ehemaligen  Kurfürstenthum  Hessen  betreffend,  zu  verfahren.

Berlin,  den  22.  Dezember  1866.

Wilhelm.

Gr.  zur  Lippe.
An  den  Justizminister.

(Nr.  6501—6502.)  (Nr.  6502.)
        <pb n="184" />
        —  8  —

(Nr.  6502.)  Verordnung,  betreffend  die  Uebertragung  der  Verrichtungen  des  gesetzgebenden
Körpers  zu  Frankfurt  a.  M.  auf  die  dortige  ständige  Bürgerrepräsentation.
Vom  31.  Dezember  1866.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rP
verordnen  für  das  Gebiet  der  seitherigen  freien  Stadt  Frankfurt  was  folgt:

Artikel  I.

Bis  zu  dem  bevorstehenden  Erlaß  eines  eimein  wurrslsengGeuzen  für
die  Stadt  Frankfurt  a.  M.  wird  die  nach  der  bisherigen  Verfassung  dort  bestehende
ständige  Bürgerrepräsentation  in  ihrer  gegenwärtigen  Zusammensetzung  beibehalten.

Artikel  II.

Der  ständigen  Bürgerrepräsentation  als  Körperschaft  und  den  aus  ihrer
Mitte  gewählten  bürgerlichen  Deputirten,  sowie  dem  Stadt-Rechnungsrevisions-Kollegium
  verbleiben  die  bisherigen  Verrichtungen,  insoweit  sich  dieselben  auf
städtische  Angelegenheiten  beziehen.  Außerdem  werden  der  ständigen  Bürgerrepräsentation
  bis  auf  Weiteres  alle  bisherigen  Verrichtungen  des  gesetzgebenden
Körpers,  jedoch  ebenfalls  nur  insoweit,  als  dieselben  städtische  Angelegenheiten
zum  Gegenstande  haben,  übertragen.

Artikel  III.

In  Beziehung  auf  die  nach  Artikel  184.  und  Artikel  185.  des  Gesetzes
über  das  Versahren  in  Strafsachen  vom  16.  September  1856.  vorzunehmende
Wahl  von  Geschworenen  bleibt  die  weitere  Verordnung  vorbehalten.

Artikel  IV.

Der  Minister  des  Innern  wird  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt,  welche  mit  dem  heutigen  Tage  in  Kraft  tritt.

Lcin  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  31.  Dezember  1866.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministertums.

erlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchoruckeren
(R.  v.  Decker).
        <pb n="185" />
        —  9  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  2.  —

 

(Nr.  6603.)  Privilegium  wegen  Emission  von  16,618,000  Thalern  44  prozentiger  Prioritats  ·
Obligationen  VI.  Serie  der  Bergisch=  Märkischen  Eisenbahngesellschaft.
Vom  8.  Dezember  1866.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

Nachdem  die  Bergisch.  Märkische  Eisenbahngesellschaft  darauf  angetragen
hat,  ler  zur  Beschaffung  derjenigen  Geldmittel,  welche  zum  Bau  einer  Eisenbahn
von  Düsseldorf  über  Ratingen,  Kettwig  und  Werden,  sodann  im  Ruhrthale  aufwärts
  über  Schwerte,  bis  Westwich  und  weiter  nebst  Zweigbahnen,  ferner  zur
Deckung  des  Kaufpreises  für  die  von  der  Aktiengesellschaft  der  Preußisch  Riederländischen
  Verbindungsbahn  erworbene  Eisenbahnstre  e  von  Viersen  bis  zur
Landesgrenze  bei  Venlo,  endlich  zur  Vervollständigung  der  Bahnanlagen  und  zur
Vermehrung  der  Betriebsmittel  erforderlich  sind,  die  Ausgabe  von  Prioritäts-Obligationen
  VI.  Serie  #m  Gesammtbetrage  von  16,618,00  Thalern  !  gestatten,
wollen  Wir  in  Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  (Gesetz-Samml.
  für  1833.  S.  75.  ff.)  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landesherrliche
  Genehmigun  sur  Emission  der  erwähnten  Obligationen  unter  nachstehenden
  Bedingungen  2  en.

F.  1.

Die  auf  Höhe  von  16,618,000  Thalern  zu  emittirenden  Obligationen
werden  unter  der  Bezeichnung:

(Prioritäts=  Obligationen  der  Bergisch--Märkischen  Eisenbahngesellschaft
  .  Serie“

nach  dem  anliegenden  Schema  A.  stempelfrei  ausgefertigt  in  Apoints  von
500,  200  und  100  Thalern  unter  fortlaufenden  Nummern,  derart,  daß  die
Apoints  von  500  Thalern  zum  Gesammtbetrage  von  drei  Millionen  Thalern
die  Nummern  1.  bis  6000.,  die  Apoints  von  200  Thalern  zum  Gesammtbetrage
von  6  Millionen  Thalern  die  Nummern  6001  bis  36,000.,  die  Apoints  von
100  Thalern  km  Gesammtbetrage  von  7/,618,000  Thalein  die  Nummern
36,00  1.  bis  112,180.  erhalten.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6503.)  2  Auf

Ausgegeben  zu  Berlin  den  7.  Januar  1867.
        <pb n="186" />
        —  10  —

Auf  der  Rückseite  der  Obligationen  wird  dieses  Privilegium  abgedruckt.
Dieselben  werden  von  der  Königlichen  Eisenbahndirektion  unterschrieben  und  von
einem  Beamten  der  besteren  kontrasignirt.

Die  für  diese  Obligationen  nach  dem  ferner  anliegenden  Schema  B.  auszufertigenden
  Zinskupons,  sowie  die  Anweisungen  zu  deren  Empfange  (Talons)
werden  mit  dem  Faksimile  der  Direktion  versehen  und  von  einem  Beamten  derselben
  zntesschriehen,  Die  erste  Serie  der  Zinskupons  für  zehn  Jahre  nebst  Talon
wird  den  Obligationen  beigegeben.  Beim  Ablaufe  dieser  und  jeder  folgenden  zehnjährigen
  Periode  werden  nach  vorheriger  öffentlicher  Bekanntmachung  für  anderweite
  zehn  Jahre  neue  Zinskupons  und  Talons  ausgereicht.  Die  Ausreichung
erfolgt  an  den  Präsentanten  des  Talons  —  durch  desse  üchsabe  zugleich  über
den  Eupfeng  der  neuen  Kupons  aitiit  wird  —  sofern  nicht  dagegen  von  dem
Inhaber  der  Obligation  bei  der  duigichen  Eisenbahndirektion  schriftlich  Widerspruch
  erhoben  ist.  Im  Falle  eines  solchen  Widerspruchs  erfolgt  die  Ausreichung
an  den  Inhaber  der  Obligation.  *-Die

  Prioritäts-Obligationen  werden  mit  4  Prozent  —  vier  und  einem
halben  Prozent  —  verzinset  und  die  Zinsen  in  halbjährlichen  Raten  postnume--rando
  am  1.  Juli  und  2.  Januar  von  der  Königlichen  Eisenbahn-Hauptkasse
in  Elberfeld,  sowie  an  den  durch  die  Königliche  Eisenbahndirektion  in  öffentlichen
Blättern  namhaft  zu  machenden  Zahlstellen  ausbesahst

Zinsen  von  Prioritäts-Obligationen,  deren  Erhebung  innerhalb  vier  Jahren,
von  den  in  den  betreffenden  Kupons  bestimmten  Zahlungsterminen  an  gerechnet,
nicht  geschehen  ist,  verfallen  zum  Vortheil  der  Geselllchar

ie

Die  Abhbber  der  Prioritäts-Obligationen  sind  auf  Höhe  der  darin  verschriebenen
  Beträge  nebst  den  fälligen  Zinsen  Gläubiger  der  Bergisch-Märii  en
Eisenbahngesellschaft  und  haben  als  solche  unbeschadet  des  Vorzugsrechts,  we  en
den  älteren,  zufolge  der  füheren  Privilegien  für  die  Bergssch=  Märkische  Bahn
und  deren  einzelne  Bahnstre  en,  insbesondere  für  die  Dortmund-Soester,  Düsseldorf.Elberfelder,
  Aachen-Düsseldorfer,  sowie  für  die  Ruhrort-Crefeld-Kreis  Gladbacher
  Eisenbahn  aufgenommenen  PrioritätsAnleihen  zusteht,  an  dem  Netto-Ertrage
  der  zum  Bergisch-Märkischen  Eisenbahn-Unternehmen  gehörigen  Bahnstrecken
ein  Vorzugsrecht  vor  den  Inhabern  der  Stammaktien  und  der  zu  denselben  gehörigen
  Dividendenscheine.

Der  Bergisch-Märkischen  Eisenbahngesellschaft  bleibt  das  Recht  vorbehalten,
für  die  im  Eingange  dieses  Privilegiums  angegebenen  Zwecke  mit  Genehmigung
es  Staates  eine  weitere  Anleihe  in  Prioritäts-Obligationen  VI.  Serie  zu  einem
den  Betrag  der  gegenwärtigen  Anleihe  nicht  überstegenden  Gesammtbetrage,  mit
gleichem  Waczuhereche  bezüglich  ihrer  Verzinsung  und  Amortisation,  zu  machen.

C.  4.
Die  Prioritäts-Obligationen  unterliegen  der  Amortisation.  Zur  Amortisation
  werden  jährlich  verwendet:
a)  der
        <pb n="187" />
        —  11  —

a)  der  Ueberschuß,  welcher  vom  Ertrage  der  gegenwärtig  im  Betriebe  befindlichen,
  sowie  der  im  Eingange  Deses  Privilegiums  erwähnten  neuen
Bahnstrecken  nach  Deckung  der  laufenden  Verwaltungs-,  Unterhaltungsund
  Betriebskosten,  der  Beiträge  zum  Reserve-  und  Erneuerungsfonds,
der  Zinsen  sämmtlicher  fer  das  Ber  ich  Märkische  Eisenbahn=  Unternehmen
  emittirten,  insbesondere  auch  der  durch  dieses  Privilegium  bewilligten
  Prioritäts-Obligationen,  und  nach  Abzug  der  zur  Amortisation
der  Aiher  emittirten  Anleihen  nach  Maaßgabe  der  bezüg  ichen  rivilegien
zu  verwendenden  Beträge  übrig  bleibt,  bis  zur  Summe  von  83,000  Thalern;

b)  die  ersparten  Zinsen  der  amortisirten  Obligationen.
Die  Amortisation  soll  im  Jahre  1873.  aus  dem  vorstehend  sub  Littr.  a.
bezeichneten  Ueberschusse  des  Betriebsjahres  1872.  beginnen.
Für  die  Jahro  worin  ein  fehe  Ueberschuß  nicht  vorhanden  ist,  wird  zur
ittr.  b.  bezeichnete  Zinsenersparniß  verwandt.

Amortisation  nur  das  etwaige,  sub

g.  5.

Die  Amortisation  der  Obligationen  erfolgt  alljährlich  durch  Ankauf  einer
dem  disponiblen  Amortisationsfonds  entspre  enden  nzahl  von  Stücken.  Die
letzteren  werden  mit  einem  Kassationsvermerk  der  Königlichen  Eisenbahndirektion
versehen,  nebst  den  noch  nicht  verfallenen  Zinskupons  und  den  Talons  allährlich
im  Monat  Juli  in  Gegenwart  eines  protokollirenden  Notars  vernichtet,  und  die
Nummern  der  betreffenden  Stücke  werden  öffentlich  bekannt  gemacht.

S.  6.
Die  Inhaber  der  Peiorttäts  Obligationen  sind  nicht  befugt,  die  Rückzahlung
der  darin  verschriebenen  Kapitalbeträge  anders,  als  nach  Maaßgabe  der  im  F§.  4.
enthaltenen  Amortisationsbestimmungen  zu  fordern,  ausgenommen:
a)  wenn  die  Zinszahlung  für  verfallene  und  vorschriftsmäßig  präsentirte  Zins-Kupons
  länger  als  sechs  Monate  unberichtigt  bleibt;
b)  wenn  der  Transportbetrieb  auf  den  zum  Unternehmen  der  Bergisch-Märkischen
  Eisenbahngesellccha  gehörigen  Tahuen  aus  Verschulden  der
Gesellschaft  länger  als  sechs  Monate  ganz  aufhört.

In  beiden  Fällen  bedarf  es  einer  Kündigung  nicht,  sondern  das  Kapital
kann  von  dem  Tage  ab,  an  welchem  einer  dieser  Fälle  eintritt,  zurückgefordert
werden,  und  zwar  zu  an.  bis  zur  Einlösung  der  betreffenden  Zinskupons,  zu  b.  bis
zur  Wiederherstellung  des  unterbrochenen  Transportbetriebes.

S.  7.

Der  Verwaltung  der  rzish.Märioh  Eisenbahn  bleibt  das  Recht  vorbehalten,
  sowohl  den  mortisations  onds  beliebig  zu  verstärken  und  dadurch  die
Tilgung  der  Prioritäts=  Obligationen  zu  besheunigen  als  auch  sammtliche

rioritäts-Obligationen  durch  die  öffentlichen  Blätter  jederzeit  mit  sechsmonatlicher
ist  zu  kündigen  und  durch  Zahlung  des  Nominalwerthes  einzulören.

(Nr.  6508.)
        <pb n="188" />
        —  12  —

g.  8.

Die  gekündigten  Prioritäts-Obligationen,  welche  ungeachtet  der  Bekanntmachung
  in  öffentlichen  Blättern  nicht  rechtzeitig  zur  Realisalion  eingehen,  werden
während  der  nächsten  zehn  Jahre  von  der  Königlichen  Eisenbahndirektion  alljährlich
  einmal  öffentlich  aufgerufen.

Gehen  sie  dessenungeachtet  nicht  spätestens  binnen  Jahrezfeist  nach  dem
lesten  öffentlichen  Aufruf  zur  Realisation  ein,  so  erlischt  jeder  Anspruch  aus  denselben
  an  das  Gesellschaftsvermögen,  was  unter  Angabe  der  Nummern  der  werth-———2
  rioritäts-Obligationen  von  der  Direktion  öffentlich  bekannt  gemacht
  wird.  Z

g.  9.

Für  die  Mortifikation  engebiich  verlorener  oder  vernichteter  Prioritäts-Obligationen
  findet  das  im  §.  30.  des  Statuts  der  Bergisch-Märkischen  Eisenbahngesellschaft
  vorgeschriebene  Verfahren  Anwendung.

Die  Mortifizirung  verlorener  oder  vernichteter  Jinskupons  ist  nicht  statthaft.

10.

Die  in  vorstehenden  Paragraphen  vorgeschriebenen  öffentlichen  Bekanntmachungen
  erfolgen  durch  den  Staatsanzeiger,  eine  Berliner,  eine  Cölner  und
eine  Elberfelder  Zeitung.

C.  11.

Den  Inhabern  von  Prioritäts-Obligationen  steht  der  Zutritt  zu  den  Generalversammlungen
  offen;  jedoch  haben  sie  als  solche  nicht  das  Recht,  sich  an  den
Verhandlungen  oder  Abstimmumgen  zu  betheiligen.

Zu  Urkund  dieses  haben  Wir  das  gegenwärtige  Privilegium  Allerhöchsteigenhändig
  vollzogen  und  unter  Unserem  Königlichen  Insiegel  ausfertigen  lassen,  ohne
jedoch  dadurch  den  Inhabern  der  Obligationen  in  Ansehung  ihrer  Befriedigung
eine  Gewährleistung  von  Seiten  des  Staates  zu  geben  oder  Rechten
präjudiziren.

Gegeben  Berlin,  den  8.  Dezember  1866.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

ritter  zu

Schema  A.
        <pb n="189" />
        *
Stamm  Ende.

bergisch-Kürbische
Prioritäts-Obligation
Serie  VI.

Beigegeben:
20  Zinskupons  der
Serie  I.  für  die
Jahre  1867—1876.

Schema  B.

 

#unsduestgd  odoslIM#M-  os9199

 

Schema  A.

Prioritäts-  Obligation  VI.  Serie
der

Bergisch-Märkischen  Eisenbahngesellschaft

.  ..  .  .  .  .  .  .  .  .  .  Thaler  Prenßtisch  Kuraut.  1

·  S

Inhaber  dieser  Prioritäts-Obligation,  hat  einen  Antheil  von  Thalern  an

dem  in  Gemäßheit  des  umstehend  abgedruckten  Allerhöchsten  Privilegiums  emittirten  !

Kapitale  in  Prioritäts-Obligationen  der  Bergisch-Märkischen  Eisenbahngesellschaft  VI.  Serie.
Elberfeld,  den  19H  18.

Khnigliche  Eisenbahn-Direktion.

Dieser  Obligation  sind  beigegeben  worden:
20  Zinskupons  der  Serie  I.  für  die  Jahre
1867  bis  1876.
        <pb n="190" />
        —  14  —
Schema  B.
Bergisch-  Märkische  Eisenbahngesellschaft.
Talon

zu  der  ·
Prioritäts-Obligation  VI.  Serie
——  gehörig.

Inhaber  empfängt  gegen  Rückgabe  dieses  Talons  an  den  Lurch  öffentliche
Bekamtmachung  bezeichneten  Stellen  die  zweite  Serie  von  zwanzig  Stück  Zinskupons
  zur  vorbezeichneten  Prioritäts-Obligation,  sofern  nicht  von  dem  Inhaber
der  Obligation  gegen  diese  Ausreichung  protestirt  worden  ist.  Im  Falle  eines

solchen  Widerspruchs  erfolgt  die  Ausreichung  der  neuen  Kupons  an  den  Inhaber
der  Obligation.
Elberfeld,  den  n  ..  18.

Königliche  Eisenbahn-Direktion.

Ausgefertigt.

Vergisch-  Märkische  Eisenbahngesellschaft.

Serie  I.  -———
Zins-Kupon
zu  der
Prioritäts-Obligation  VI.  Serie  ..
ten  i
durg  -  Be  an  bihirn  Llengion,  5  wrvienQ  zrsn
is.  .  reußisch  Kurant  Zinsen  vom  .  18.  bis  ...

Königliche  Eisenbahn-Direktion  zu  Elberfeld.
Ausgefertigt.
Zinsen  von  Prioritäts-Obligationen,  deren  Erhebung  innerhalb  vier  Jahren,  von  den

in  dem  vorstehenden  Kupon  bestimmten  Zahlungstermine  an  gerechnet,  nicht  geschehen  ist,
verfallen  zum  Vortheil  der  Gesellschaft.  J  2  J

.  —–——  ————„  —

(Nr.  6504.)
        <pb n="191" />
        —  15  —

(Nr.  6504.)  Bestätigungs=  Urkunde,  betreffend  einen  Nachtrag  zum  Statut  der  Berlin-Potsdam-Magdeburger
  Eisenbahngesellschaft.  Vom  12.  Dezember  1866.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

Nachdem  die  Berlin-Potsdam-Magdeburger  Eisenbahngesellschaft  in  der
Generalversammlung  ihrer  Aktionaire  vom  10.  Oktober  1866.  einige  Aenderungen
ihres  Statuts  beschlossen  hat,  wollen  Wir  hierzu  Unsere  landesherrliche  Genehmigung
  ertheilen  und  den  anliegenden,  auf  Grund  der  gefaßten  Beschlüsse  aufgesellen
  Statutnachtrag  hiermit  bestätigen.

Die  gegenwärtige  Urkunde  ist  nebst  dem  Statutnachtrage  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zu  veröffentlichen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.  -

Gegeben  Berlin,  den  12.  Dezember  1866.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

Nachtrag

zu  den

Die  Berlin-Potsdam-Magdeburger  Ei  enbahngesellschaft  hat  in  ihrer  am
10.  Oktober  1866.  abgehaltenen  Generalversammlung  laut  des  über  die  Verhandlungen
  derselben  aufgenommenen  gerichtlichen  Protokolls  die  nachfolgenden  Ab-„änderungen
  der  unter  dem  17.  August  1845.  (Gesetz.  Samml.  S.  555.),
28.  Auzus  1849.  (Geset.  Samm  353.)  und  10.  August  1860.  (Gesetz-Samml.
  S.  412.)  Allerhöchst  bestätigten  Gesellschaftsstatuten  beschlossen.

J.
Die  im  zweiten  Satze  des  8.  16.  enthaltene  Bestimmung,  welche  wie
folgt  lautet:
Sind  diese  Dividendenscheine  eingelöst,  so  wird  das  Direktorium  den
Aktionairen  neue  zustellen  und  dies  auf  den  Aktien  vermerken  lassen.
wird  hiermit  aufgehoben  und  beziehungsweise  dahin  abgeändert:
Sind  die  ausgefertigten  Dividendenscheine  eingelöst,  so  werden
neue  ausgegeben.
(Nr.  6504.)  Den
        <pb n="192" />
        —  16  —

Den  fortan  zur  Ausgabe  kommenden  Serien  von  Dividendenscheinen
  soll  ein  Talon  nach  beigefügtem  Muster  beigegeben  werden.
ie  Ausreichung  der  Dividendenscheine  erfolgt  an  den  hn#nn  des
Talons,  sofern  nicht  von  dem  als  solchen  sich  legitimirenden  Inhaber
der  Aktie  vorher  bei  dem  Direktorium  der  Gesellschaft  schriftlich  Widerspruch
  erhoben  worden  ist.  Im  Falle  solchen  Widerspruchs  werden  die
ividendenscheine  zum  Depositorium  desjenigen  Gerichts  gebracht,  bei
welchem  die  Gesellschaft  ihren  Gerichtsstand  hat,  und  es  öt  Sache  der
streitenden  Interessenten,  die  Entscheidung  über  den  unter  ihnen  streitigen
Anspruch  im  Rechtswege  herbeizuführen.

II.
Der  Schlußsatz  des  H.  59.,  welcher  wie  folgt  lautet:
Es  steht  dem  Ausschusse  frei,  dem  jedesmaligen  ersten  Techniker  der
Gesellschaft,  je  für  die  Dauer  der  sonstigen  dreijährigen  Wahlperiode  des
Direktorii  Sitz  und  Stimme  in  dem  letzteren  einzuräumen.
wird  hiermit  aufgehoben  und  beziehungsweise  dahin  abgeändert:

Es  steht  dem  Ausschusse  frei,  dem  jedesmaligen  ersten  Techniker

der  W*i’  für  die  vertragsmäßige  Dauer  seines  Amtes,  jedoch  nicht

über  zwölf  Jahre,  Sitz  und  Stimme  im  Direktorium  einzuräumen.
Muster.
AL  O  N
zu  der

Aktie  der  Berlin-Potsdam-Magdeburger
Eisenbahn-Gesellschaft
“  2222

Inhaber  empfungt  gegen  diesen  Talon  zu  der  Aktie  der  Berlin-Potsicam-Magdeburger
  Eisenbahngesellschaft....  die  ie  Serie
Dividendenscheine  auf  die  Jahre  bis  „,  sofern  dagegen  Seitens
des  als  solchen  legitimirten  Inhabers  der  Aktie  bei  dem  Direktorio  der
Gesellschaft  vorher  kein  schriftlicher  Widerspruch  eingegangen  ist.

...............  ,on..t0"18..

Das  Direktorium

der  Berlin-Potsdam-Magdeburger  Eisenbahngesellschaft.
(Unterschrift.)

 

NRebiytrt  im  Bürean  des  Stoal6-  Mlalsteriuntg.  ·
Virtsmgkhwuderksuiguchm  Jedem-ev  Om«50·stikschdki-M
(Nv.Oc-ek).
        <pb n="193" />
        Gesetz-Sammlung
fuͤr  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  3.  —

 

(Nr.  6505.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber  lautender  Obligationen  der
Stadt  Freienwalde  a.  d.  O.  zum  Betrage  von  40,000  Thalern.
Vom  12.  November  1866.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen.  r.

Nachdem  der  Magistrat  der  Stadt  Freiemwalde  a.  d.  O.  in  Uebereinstimmung
  mit  der  Stadtverordneten-Versammlung  darauf  angetragen  hat,  der
Stadt  Behufs  Errichtung  eines  Progymnasiums  und  zur  Bestreitung  anderer  außerordentlicher
  städtischer  Bedürfnisse  die  Aufnahme  eines  Darlehns  von  40,000  a
lern  durch  Emission  von  Stadt-Obligationen  zu  g  skatten,  ertheilen  Wir  der
Stadt  Freienwalde  a.  d.  O.  in  Gemäßheit  des  F.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni
1833.  (Gesetz=  Samml.  S.  75.)  durch  gegenwärtiges  Privilegium  zur  Ausgabe
von  40,000  Thalern  auf  jeden  Inhaber  lautender,  mit  Zinskupons  versehener
Stadt=  Obligationen,  welche  nach  dem  anliegenden  Schema  in  50  Apoints
à  200  Thaler,  150  Apoints  à  100  Thaler  und  600  Apoints  à  25  Thaler
auszufertigen,  mit  fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  und,  von  Seiten  der
Gläubiger  unkündbar,  nach  dem  festgestellten  Tilgungsplan  durch  Ausloosung  oder
Ankauf  innerhalb  längstens  31  Jahren  vom  Jahre  1867.  ab  zu  amortisiren  sind,
mit  Vorbehalt  der  Rechte  Dritter  Unsere  landesherrliche  Genehmigung,  ohne  jedoch
  dadurch  den  Inhabern  der  Obligationen  in  Ansehung  ihrer  efriedigung
eine  Gewährleistung  Seitens  des  Staates  zu  bewilligen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  12.  November  1866.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

Ineganz  1887.  (Nr.  6505)  3  Schema
Ausgegeben  zu  Berlin  den  9.  Januar  1867.
        <pb n="194" />
        —  18  —
Schema  für  die  Obligationen.

Provinz  Brandenburg,  Negierungebezirk  Potedam.
(Stadtwappen.)

Obligation
der  Stadt  Freienwalde  a.  d.  O

Ausgefertigt  in  Gemäßheit  des  landesherrlichen  Privilegiums  vom.r
Gesetz=  Sammlung  de  186.  Seitt...

Wrr,  der  Magistrat  der  Stadt  Freienwalde  a.  d.  O.,  urkunden  und  bekennen
hierdurch,  daß  der  Inhaber  dieser  Obligation  die  Summe  von.  Thalern
Kurant,  deren  Empfang  wir  bescheinigen,  als  einen  Theil  der  auf  Grund  des
Allerhöchsten  Privilegiums  vvoooo  aufgenommenen  Anleihe  von
40,000  Thalern  von  der  Stadt  Freienwalde  a.  d.  O.  zu  fordern  hat.

Die  auf  fünf  Prozent  jährlich  festgesetzten  Zinsen  sind  am  1.  April  und
am  1.  Oktober  e  Jahres  #a  )  werden  aber  nur  gegen  Rückgabe  ger  aus.
gefertigten  halbjährlichen  Zinskupons  gezahlt.

61  i  umstehend  abgedruckte  Plan  enthält  die  näheren  Bedingungen  der
nleihe.

Das  Anleihekapital  wird  binnen  längstens  31  Jahren  amortisirt.
Freienwalde  a.  d.  O,  den..  18.
Der  Magistrat.
(Unterschrift  des  Dirigenten  und  zweier  anderen  Magistratsmitglieder.)
Eingetragen  in  die  Kassen-  Ausgefertigt
sneen  Peie  Kassen  gcketis
Kämmereikassen-Rendant.

Beigefügt  sind  die  Kupons  Serie  I.  W  1.  bis  20.  nebst  Talon.

Schema
        <pb n="195" />
        —  19  —

Schema  zu  den  Zins-Kupons.
Provinz  Brandenburg,  Regierungsbezirk  Potsdam.

Serie  .....
Zins-Kupon  M  ....  .
über  Zinsen
zu  der
Obligation  der  Stadt  Freien  walde  a.  d.  O.
Littr.  .....  M  ....

Inhaber  dieses  Kupons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  am  L#a#  18.
1  echolbsährlichen  Zinsen  der  Stadt.Obligation  Littr  M  ....  mit  ..  ...

...............  aus  der  hiesigen  Kämmereikasse.

Freienwalbe  a.  d.  O.,  den  ..  ten  .....  .  .  ..  18.

Der  Magistrat.
(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  zweier  anderen  Magistratsmitglieder.)

Dieser  Jinskupon  wird  un  guͤltig,  wenn
dessen  Geldbetrag  nicht  innerhols  vier  Jahren,
nach  Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit,
abgehoben  wird.

Schema  zu  den  Talous.
Provinz  Brandenburg,  Negierungebezirk  Potedam.

DTDalon
zu  der
Obligation  der  Stadt  Freienwalde  a.  d.  O.
Littr  W  .
über.  Thaler  zu  fünf  Prozent  verzinslich.

Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  vorbegeichneten
  Obligation  die  .“  Serie  Zinskupons  für  die  zehn  Tahre-  18.  bis
8..  bei  der  biesioen  en  Kämmereikasse,  sofern  nicht  von  dem  Inhaber  der  Obligation
  gegen  diese  Aushändigung  protestirt  worden  ist.

Freienwalde  a.  d.  O.,  den  t1  nn.  18.

Der  Magistrat.

(Fakfimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  zweier  anderen  Magistratsmitglieder.)

O#r.  6505.)  37  Plan
        <pb n="196" />
        —  20  —

P  l  an

zu  einer

von  der  Stadt  Freienwalde  a.  d.  O.  zur  Bestreitung  außer-.



gewoͤhnlicher  staͤdtischer  Ausgaben  und  Beduͤrfnisse  aufzunehmen—
den  Anleihe  von  40,000  Thalern.

1)  Von  dem  Magistrate  und  der  Stadtverordneten-Versammlung  der  Stadt
Freienwaldc.  a.  d.  O.  ist  beschlossen  worden)  zur  Errichtung  eines  Pro-Wmnasiums
  und  zur  Bestreitung  anderer  außecrordentlicher  städtischer
Bedürfnisse  eine  Anleihe  von  40,000  Thalern  durch  Ausgabe  von  Stadt-Obligationen,
  welche  eine  Zahlungsverpflichtung  auf  jeden  Inhaber  enthalten,
  aufzunehmen.

2)  Die  Stadt-Obligationen  werden  in  Apoints  zu  200  Thaler,  100  Thaler
und  25  Thaler  ausgefertigt  und  ausgegeben  und  bis  zur  Zurücksahling
mit  fünf  rozent  jährlich  verzinst.  Die  Zahlung  der  Zinsen  erfolgt  in
halbjährlichen  Terminen,  am  1.  April  und  1.  Oktober,  gegen  Rückgabe
der  Zinskupons  bei  der  Kämmereikasse  in  Freiemwalde  a.  d.  O.

3)  Das  ganze  Kapital  wird  innerhalb  längstens  31  Jahren  vom  Jahre
1867.  ab  nach  dem  festgestellten  Tilgungsplane,  und  zwar  in  den  ersten
zehn  Jahren  mit  zwei  Prozent,  in  Len  ferneren  zehn  Jahren  mit  drei
Poogen,  vom  Jahre  1887.  ab  mit  vier  Prozent  #nd  vom  Jahre  1892.
ab  mit  fünf  Prozent  des  Ursprungskapitals  durch  Ausloosung  oder  freien
Ankauf  getilgt.  Den  Gläubigern  steht  kein  Kündigungsrecht  zu;  dagegen
behält  sich  die  Stadtgemeinde  das  Recht  vor,  den  Tilgungsfonds  mit
Genehmigung  der  Königlichen  Regierung  zu  Potsdam  zu  verstärken
und  dadurch  die  Abtragung  der  Schuld  zu  beschleunigen,  sowie  sämmtliche
noch  umlaufende  Stadt-Obligationen  zu  fürdizen.  .

Die  ausgeloosten  oder  durch  Ankauf  getilgten,  sowie  die  gekündigten
Obligationen  werden  unter  Bezeichnung  Preer  Nummer  und  des  Terminsgan
  welchem  die  Rücksahlung  erfolgen  soll,  durch  den  Staatsanzeiger,
das  Amtsblatt  der  Königlichen  Regierung  zu  Potsdam  und  das  Oder-Barnimer

  Kreisblatt,  welchem  ein  von  der  Königlichen  Regierung  zu

bestimmendes  Blatt  substituirt  werden  kannt  öffentlich  bekannt  gemacht,

und  zwar  spätestens  drei  Monate  vor  dem  Zahlungstermine.

4)  Die  Auszahlung  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückgabe  der  Obliation

  nach  dem  Nennwerthe  bei  der  hiesigen  Kämmereikasse.  Für  die
schlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.  5)  2

.  ie
        <pb n="197" />
        —  21  —

5)  Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach
dem  Rückzah  uu  etermiine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier
Jahren  nach  Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  nicht  erhobenen
Zinsen  verjähren  zu  Gunsten  der  hiesigen  Stadtgemeinde.  Mit  dem
Rückzahlungstermine  hört  die  Verzinsung  auf.

6)  In  Ansehung  der  verlorenen  oder  vernichteten  Obligationen  finden  die
Vorschriften  der  Verordnung  vom  16.  Juni  1819.  (Gesetz  Samml.  S.  157.)
.  1.  bis  12.  mit  nachstehenden  näheren  Bestimmungen  Anwendung:

a)  die  im  F.  1.  vorgeschriebene  Anzeige  muß  dem  Magistrat  gemacht
werden,  welchem  alle  diejenigen  Geschäfte  und  Befugnisse  zustehen,
die  nach  jener  Verordnung  dem  Schatzministerium  zukommen)  gegen
die  Verfügungen  des  Magistrats  findet  der  Rekurs  an  die  Königliche
Regierung  zu  Potsdam  bamb)

  das  im  §F.  5.  gedachte  Aufgebot  erfolgt  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte
  zu  Wrietzen;

)  die  in  den  I§.  6.  F.  und  12.  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen
solln  durch  diejenigen  Blätter  gese  chen  b  durch  welche  die  ausgeoosten
  Obligationen  veröffentlicht  werden;

d)  an  die  Stelle  der  im  F.  7.  erwähnten  geche  Zahlungstermine
sollen  vier,  an  die  Stelle  des  im  §.  8.  erwähnten  achten  Zahum  8
termins  soll  der  fünfte  treten.  Zinskupons  können  weder
boten  noch  amortisirt  werden;  jedoch  soll  demjenigen,  welcher  den
Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen  Verjährungsfrist
  bei  dem  Magistrate  anmeldet  und  den  slat  habten  Vest  er
Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Obligation  oder  sonst  glaubhaft
darthut,  nach  Ablauf  der  Vefährun  dfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
  und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen
Quittung  ausgezahlt  werden.

7)  Für  die  Verzinsung  und  Tilgung  der  Schuld  haftet  die  Stadt  Freienwalde
  a.  d.  d.  mit  ihrem  gesammten  Vermögen  und  ihrer  Steuerkraft.

8)  Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  zwanzig  halbjährliche  Zinskupons
ausgegeben;  die  ferneren  Zinskupons  werden  fur  zehnjährige  Perioden
ausgegeben  werden.  Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt
nach  vorheriger  öffentlicher  Bekanntmachung  in  den  zu  3.  gedachten
Blättern  durch  die  hiesige  Kämmereikasse  gegen  Ablieferung  des  der
älteren  Serie  beigedruckten  Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt
die  Aushändigung  der  neuen  Zinskupons=  Serie  an  den  Inhaber  der
Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung  vor  dem  in  der  Bekanntmachung
  bestimmten  Termine  geschehen  “z

Freienwalde  a.  d.  O.,  den  22.  August  1866.

Der  Magistrat.
(Unterschrift.)

 

(Nr.  6505—6506.)  (Nr.  6506.)
        <pb n="198" />
        —  22  —

(Nr.  6506.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  19.  November  1866.,  betreffend  die  bei  der  Spreeschleuse
zu  Cossenblatt  zu  erlegende  Schiffahrts-Abgabe.

Aw##  Iren  Bericht  vom  14.  November  d.  J.  bestimme  9h,  daß  die  beim
Passiren  der  Spreeschleuse  zu  Cossenblatt,  im  Kreise  Beeskow-Storkow  des  Regierungsbezirks
  Potsdam,  zu  erlegende  Schiffahrts-Abgabe  fortan  nach  den  Sätzen
und  Vorschriften  des  Tarifs  für  die  Schiffahrts-Abgabe  auf  den  Wasserstraßen
wwicch  ver  Oder  und  Elbe  vom  5.  Mai  1862.  (Gesetz  Samml.  S.  152.)  eroben
  werde.  ·

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Berlin,  den  19.  November  1866.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minsser  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Fr.  6507.)
        <pb n="199" />
        —  23  —

(Nr.  6507.)  Verordnung,  betreffend  die  Maaßregeln  gegen  die  Rinderpest  im  ehemaligen
Königreich  Hannover.  Vom  3.  Januar  1867.  .

Wir  Wilhelm,vonGotteanadenKönigVonPreußen2c.
verordnen  für  den  Umfang  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover,  was  folgt:

K.  1.

Die  Landdrosteien  werden  ermächtigt  und  nach  näherer  Anweisung  Unseres
Ministers  der  Medhzinal  Angel-  enheiten  verpflichtet,  alle  zur  Abwehr  und  Unterdrückung
  der  Rinderpest  erforderlichen  Maaßregeln  im  Verwaltungswege  zu  treffen.

K.  2.

Wer  die  Absperrungs-  oder  Mhhichtsmgaßregeln  oder  Einfuhrverbote,  welche
von  der  zuständigen  Landdrostei  zur  Verhütung  des  Einführens  und  Verbreitens
der  Rinderpest  angeordnet  sind,  übertritt,  wird,  insofern  nicht  eine  peinliche  Strafe
eintritt,  mit  Geldbuße  bis  zu  Einhundert  Thalern  oder  Gefängnißstrafe  bis  zu
sechs  Wochen  bestraft.

Ist  in  Folge  der  Uebertretung  Vieh  von  der  Rinderpest  ergriffen  worden,
so  tritt  regelmäßig  die  höchste  Gefängnißstrafe  ein.

.  §.3.

Für  alles  aus  Anlaß  der  Rinderpest  auf  obrigkeitliche  Anordnung  getödtete
Vieh  ist  Ersatz  aus  der  Staatskasse,  und  zwar  für  gesundes  Vieh  zum  vollen
lierth  b  für  krankes  zum  dritten  Theil  seines  Werths  im  gesunden  Zustand  zu
eisten.

Desgleichen  sind  die  Kosten,  welche  durch  militairische  Absperrung  der
andeege  e  oder  einzelner  Ortschaften  oder  Gehöfte  entstehen,  aus  der  Staats-Masse
  zu  decken.

KC.  4.

Viehstücke  und  gistfangende  Gegenstände,  welche  wider  die  bestehenden  Vorchriften
  ein=  oder  ausgeführt  werden,  dürfen  nach  Anordnung  der  Obrigkeit  ohne
erpflichtung  zum  Ersatz  ihres  Werths  getödtet  oder  vernichtet  werden.

G.  5.

Die  Kosten,  welche  durch  die  aus  Anlaß  der  Rinderpest  innerhalb  einzelner
  Gemeinden  angeordneten  polizeilichen  Maaßregeln  entstehen,  fallen  der  betreffenden
  Gemeinde  zur  Last.

S.  6.

Mit  der  Ausfü  ung  dieser  Verordmung!  welche  sofort  in  Wirksamkeit
tritt,  wird  Unser  Minister  der  Medizinal-Angelegenheiten  beauftragt.
(Nr.  6507.)
        <pb n="200" />
        —  24  —

S.  7.
Die  von  diefer  Verordnung  abweichenden  Gesetze  und  Verordnungen,  insbesondere:


1)  die  Verordnung  vom  14.  Februar  1756.,  „Unterricht  und  Verordnung
von  demjenigen,  was  in  den  Königlich  Großbritannischen  und  Churfürstlich
  Braunschweig-  Lüneburg'schen.  Landen  wegen  der  Hornviehseuche  und
deren  Abwendung  zu  beobachten“,

2)  die  Verordnung  vom  9.  Februar  1797.  /wegen  der  von  den  Landeseinwohnern
  bei  dem  ersten.  Ausbruch  der  Viehseuche  zu  beobachtenden
Vorschriften“,

3)  die  Verordnung  vom  18.  Dezember  1813.,  „die  Verhütung  einer  weiteren
  Verbreitung  der  Hornviehpest  betreffend“)

4)  das  Gesetz  vom  31.  Januar  1866.,  betreffend  die  Ausdehnung  der  gegen
die  Lungenseuche  unter  dem  di  in  Ostfriesland  bestehenden  beftlichen
  Vorschriften  auf  die  Rinderpest,

werden  hiermit  aufgehoben.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  3.  Januar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Mühler.  v.  Selchow.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königllchen  Geheimen  Ober-Gofbuchdruckerel
(R  v.  Oecker).
        <pb n="201" />
        Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  4.  —

 

(Nr.  6508.)  Gesetz,  betreffend  die  Verleihung  von  Dotationen  in  Anerkennung  hervorragender,
  im  letzten  Kriege  erworbener  Verdienste.  Vom  28.  Dezember  1866.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.
verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie)  was  folgt:

Zur  Verleihung  von  Dotationen  an  den  Minister-Präsidenten  Grafen
von  Bismarck,  in  Anerkennung  der  von  ihm  so  erfolgreich  geleiteten  äußeren
Preußischen  Politik,  und  an  diejenigen  Preußischen  Heerführer,  welche  in  dem
letzten  Kriege  zu  dem  glücklichen  Ausgange  desselben  in  hervorragender  Weise
beigetragen  haben,  die  Generale  der  Infanterie  von  Roon,  Freiherr  von  Moltke,
Herwarth  von  Bittenfeld,  von  Steinmetz,  Vogel  von  Falckenstein,  wird  eine
Summe  von  Einer  und  einer  halben  Million  Thaler  aus  den  eingehenden
Kriegsentschädigungen  bereit  gestellt.

Die  Vertheilung  dieser  Summe  bleibt  Königlicher  Bestimmung  vorbehalten.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Koniglichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  28.  Dezember  1866.
(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.
v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

Jehegeng  1857.  (Nr.  6506—6500.)  4  (Nr.  6509.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  19.  Januar  1867.
        <pb n="202" />
        —  26  —

(Nr.  6509.)  Gesetz,  betreffend  die  Abänderung  des  F.  6.  des  Gesetzes  vom  21.  Mai  1861.
über  die  anderweite  Regelung  der  Grundsteuer  und  die  Uebernahme  der
Grundsteuer-  Veranlagungskosten  auf  die  Staatskasse.  Vom  7.  Jannar
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.
verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  was  folgt:

K.  1.

Die  Vorschrift  des  K.  6.  Alinea  2.  des  Sefehe  vom  21.  Mai  1861.,  die
anderweite  Regetm  der  Grundsteuer  betreffend  (Gesetz-Samml.  für  1861.
S.  255.))  wird  hierdurch  aufgehoben.

§S.  2.

Die  durch  die  Ausführung  des  Verfahrens  über  die  anderweite  Regelung
der  Grundsteuer  nach  der  gedachten  Gesetzesvorschrift  entstandenen  Kosten  werden
auf  die  Staatskasse  übernommen.

S.  3.
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  7.  Januar  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Tr.  6510.)
        <pb n="203" />
        —  2  —

(Nr.  6510.)  Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  den  Bau  und  Betrieb  einer
Eisenbahn  von  Ehrenbreitstein,  im  Anschlusse  an  die  Coblenzer  Eisenbahnbrücke
  und  an  die  Bahn  nach  Oberlahnstein,  nach  Siegburg  zum  Anschluß
an  die  Cöln-Gießener  Bahn  mit  dem  Rechte  einer  Abzweigung  nach  Bonn
mittelst  Trajekts  zum  Anschluß  an  die  linksrheinische  Eisenbahn  durch  die
Rheinische  Eisenbahngesellschaft,  und  einen  Nachtrag  zum  Statut  der
letzteren.  Vom  24.  Dezember  1866.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ec.

Nachdem  die  Rheinische  Eisenbahngesellschaft  in  ihrer  Generalversammlung
vom  27.  Mai  1865.  und  in  der  ferneren  Generalversammlung  vom  26.  Mai
1866.  den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von  Ehrenbreitstein,  im  Anschlusse
an  die  Coblenzer  #ssenbahobrügz  und  an  die  Bahn  nach  Oberlahnstein,  nach  Sieg.-burg
  zum  Anschluß  an  die  Cöln-  Gießener  Bahn  mit  einer  Abzweigung  nach
Bonn  mittelst  Trajekts  zum  Anschluß  an  die  linksrheinische  Eisenbahn  beschlossen
hat,  wollen  Wir  in  Anerkennung  der  Vortheile,  welche  diese  Bahn  für  die  gewerblichen,
  bergbaulichen  und  Verkehrs-Interessen  der  rechten  Rheinseite  bietet,
der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft  zu  dieser  Erweiterung  ihres  Unternehmens
„unter  den  in  dem  beigefügten  von  Uns  hierdurch  bestätigten  Statutnachtrage
enthaltenen  Bedingungen  die  landesherrliche  Genehmigung  ertheilen.

Zugleich  bestimmen  Wir,  daß  die  in  dem  Gesetze  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen
  vom  3.  November  1838.  ergangenen  Vorschriften,  betreffend
das  Expropriationsrecht  und  das  Recht  zur  vorübergehenden  Benutzung  fremder
Grundstücke,  auf  die  in  Rede  stehende  Eisenbahn  Anwendung  finden  sollen.

Die  gegenwärtige  Urkunde  ist  nebst  dem  Statutnachtrage  durch  die
Gesetz  Sammlung  zu  veröffenklichen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  24.  Dezember  1866.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

(Nr.  6510)  4  Nach
        <pb n="204" />
        —  28  —
Nachtrag

zu  den

Statuten  der  Rheinischen  Eisenbahn  -Gesellschaft.

.  1.

Die  Rheinische  Eisenbahruesellschat  übernimmt  in  Erweiterung  ihres
Unternehmens  den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von  Ehrenbreitstein,  im
Anschlusse  an  die  Bahn  nach  Oberlahnstein  und  die  Coblenzer  Eisenbahn-Rheinbrücke
  nach  Siegburg,  mit  dem  Rechte  einer  Abzweigung  nach  Bonn  miteelst
Trajekts  zum  Mischust  an  die  linksrheinische  Bahn.  Hat  die  Rheinische  Eisenbahn
  esellschaf.  nach  ibetriebsehung  der  Bahn  Ehrenbreitstein-Siegburg  von
dem  Rechte  der  Herstellung  jener  Abzweigung  nach  Bonn  noch  keinen  Gebrauch
gemacht,  so  erlischt  dasselbe,  wenn  auf  Verlangen  des  Staates  die  Rheinische  Eisenahngesellschaft

  sich  nicht  bereit  finden  läßt,  innerhalb  einer  nach  §.  2.  normirten
zweijährigen  Baufrist  diese  Trajektverbindung  herzustellen.
S.  2.

Der  Bau  der  Bahn  wird  sofort  nach  erlangter  landesherrlicher  Konzession
und  nach  der  von  der  Gesellschaft  thunlichst  rasch  zu  betreibenden  Einweisung  in
den  Besi  des  Terrains  begonnen  und  innerhalb  einer  Bauzeit  von  längstens  zwei
Jahren  betriebsfähig  vollendet.

K

Die  Bahn  von  Ehrenbreitstein  nach  Siegburg  bildet  einen  integrirenden
Theil  des  Unternehmens  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft  und  finden  auf
dieselbe  alle  Bestimmungen  der  Gesellschaftsstatuten,  namentlich  auch  alle  Bestimmungen
  des  Nachtrages  zu  diesen  Statuten  vom  5.  März  1856.  Anwendung.

S.  4.

Das  zu  dem  Bau  der  Bahn  erforderliche  Kapital  wird  vorläufig  auf
fünf  Millionen  Thaler  angenommen,  und  soll  dasselbe  je  nach  dem  Ermessen  der
Direktion  durch  Ausgabe  von  Stammaktien  oder  Obligationen  beschafft  werden.

Der  Zeihuntt,  von  welchem  ab  die  zu  emittirenden  Stammaktien  an  der
Dividende  Theil  nehmen,  sowie  die  sonstigen  Bedingungen  der  Emission  werden
von  der  Direktion  bestimmt  und  bekannt  gemacht.

S.  5.

Die  Rheinische  Eisenbahngesellschaft  übernimmt  die  Verpflichtung)  soweit
das  Königliche  Handeleministerium  es  im  Interesse  des  Verkehrs  für  nöthig  erachtet,
  jederzeit  auf  dessen  Verlangen  künftig  mit  anderen  in=  und  ausländischen
Bahnverwaltungen  für  die  Beförderung  von  Personen  und  Gütern  auf  der
Bahn  Siegburg-Ehrenbreitstein-Oberlahnstein  direkte  Expeditionen  und  direkte
Tarife  zu  errichten,  und  hierbei  insbesondere  auch  in  ein  gegenseitiges  Durchzehen

er
        <pb n="205" />
        —  29  —

der  Transportmittel  zu  willigen  und  dabei  dieselben  Vergütungssätze  für  das
Durchgehen  der  Transportmittel,  welche  ihren  anderen  Verbandsverkehren  zu
Grunde  liegen,  zur  Anwendung  zu  bringen.

S.  6.

Bei  den  direkten  Tarifen  mit  anderen  Bahnverwaltungen  muß  die  Rheinische
Eisenbahngesellschaft  auf  Verlangen  des  Königlichen  Handelsministeriums  sich
jederzeit  bereit  finden,  auf  der  Bahn  Siegburg.  hrenbreitstein-Oberlahnstein  denjenigen
  ermäßigten  Satz  pro  Zentner  und  Meile  zuzugestehen,  welcher  sich  für
die  linksrheinische  Bahnstrecke  Bonn-Coblenz  bei  den  gleichartigen  Transportegenständen
  in  einem  diese  Bahnstrecke  passirenden,  konkurrirenden,  durchgehenden
Vertehre,  oder  in  Ermangelung  solchen  konkurrirenden  durchgehenden  Vertehr#
nach  dem  Binnentarife  pro  Zentner  und  Meile  jeweilig  ergieel  Ist  in  einem
olchen  Falle  der  maaßgebende  Tarif  aus  einem  Frachtsstz  pro  Meile  und  einer
esten  Expeditionsgebühr  zusammengesetzt,  so  sollen  diese  Tarifeinheiten  auch
ür  den  neu  zu  regulirenden  direkten  Tarif  mit  der  Maaßgabe  festgehalten  werden,
daß  die  Expeditionsgebühr  für  die  Uebergangsstation  auf  Verlangen  des  Königche
  Handelsministeriums  bei  Transporten,  die  in  vollen  Zügen  zugeführt
werden,  ganz  außer  Ansatz  bleibt,  und  bei  sonstigen  Transporten  für  Einzelgut
drei  Pfennige  pro  Zentner  und  für  Güter  in  Wagenlahungen  fünfzehn  Silberroschen
  pro  Einhundert  Zentner  nicht  übersteigen  darf.  Dabei  erklärt  sich  jedoch
ie  Direktion  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft  bereit,  in  den  dazu  geeigneten
Fällen  auf  Verlangen  des  Königlichen  Ministeriums  mit  den  anschließenden
Bahnen  in  Verhandlung  zu-treten,  um  die  Belastung  derselben  Transporte  mit
mehrfachen  Expeditionsgebühren  oder  anderen  Uebergangsspesen,  wo  solche  sich
nach  den  Tarifen  ergeben  würden,  zu  vermeiden.

Vorstehende  Verpflichtungen  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft  treten
nur  ein,  netem  die  den  direkten  Verkehr  auf  der  Strecke  Siegburg-Ehrenbreitstein-Oberlahnstein
  beantragenden  Bahnverwaltungen  sich  ihrerseits  bereit  gefunden
aben,  in  diesem  Verkehre  auf  ihren  davon  berührten  Bahnstrecken  keinen  höheren
Frachtsatz  pro  Zentner  und  Meile  zu  erheben,  als  den  von  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft
  für  ihre  Strecke  zuzugestehenden.  Sollte  die  Rheinische  Eisenbahngeselshaft
  zum  Zwecke  der  Einrichtung  eines  weiteren  oder  eines  neuen
direkten  Verkehrs  von  oder  nach  Stationen  der  Bahn  Siegburg-Ehrenbreitstein-Oberlahnstein,
  oder  diese  Bahn  transitirend  für  andere  Uebergangsstationen  ihres
Bahngebietes,  zum  Beispiel  für  Essen-Duisburg  oder  Cöln,  das  gleiche  Zugeständniß,
  wie  es  im  Vorstehenden  präzisirt  ist,  von  den  an  die  Meiis  e  Eisenbahn
  anstoßenden  Nachhbarbahnen  oder  von  Verbänden,  an  welchen  die  Linie
Siegburg-Ehrenbreitstein-Oberlahnstein  betheiligt  ist,  beanspruchen,  und  letztere  sich
weigern)  den  direkten  Verkehr  auch  über  jene  andere  Uebergangsstationen  einzurichten,
  oder  für  denselben  die  gleichen  Zugeständnisse  in  Betren  des  Tarifsatzes
zu  machen,  so  ist  die  Rheinische  Eisenbahngesellschaft  an  das  ihrerseits  auf  Verlangen
  des  Königlichen  Handelsministeriums  für  einen  direkten  Verkehr  von  oder
nach  Stationen  der  Bahn  Siegburg-Ehrenbreitstein-Oberlahnstein,  oder  diese  Bahn
transitiren,  an  welchen  die  sich  weigerlich  haltende  Bahnverwaltung  mitbetheiligt
ist,  gemachte  frühere  Zugeständniß  nicht  mehr  gebunden.

Nr.  6510—6511.)  S.  7.
        <pb n="206" />
        —  30  —

.  F.

Die  Rheinische  Eisenbahngesellschaft  ist  verpflichtet  zu  allen  ihr  spätestens

bei  Feststellung  des  Bauprojekts  für  die  Bahnanlage  in  und  bei  Ehrenbreitstein

bekannt  zu  machenden,  beziehungsweise  bereits  bekannt  gemachten  Einrichtungen

und  Leistungen,  welche  wegen  der  Durchführung  der  Bahn  durch  die  Feste  Ehrenbreitstein
  im  Interesse  der  Landesvertheidigung  nothwendig  werden.

d.  B.

Auf  Verlangen  des  Königlichen  Handelsministeriums  wird  die  Rheinische
Eisenbahngesellschaft  in  den  Fällen,  wo  wegen  Mißwachs  oder  sonstiger  außerordentlicher
  Vorkommnisse  für  Getreide,  Kartoffeln  oder  andere  Produkte  der
Landwirthschaft  auf  den  anschließenden  Staats-Eisenbahnen  eine  zeitweise  Fracht-Ermäßigung
  angeordnet  wird,  diese  Gegenstände  während  derselben  Zeitfrist  auch
auf  der  Strecke  Ehrenbeitstein  Siegburg  zu  gleich  günstigen  Bedingungen,  insbesondere
  zu  gleich  niedrigen  Tarif-Einheitssätzen  befordern.

F.  9.

Die  finanziellen  Resultate  der  zu  erbauenden  Bahn  Siegburg-Ehrenbreitstein
  sollen  auf  die  im  F.  6.  des  allegirten  Statutnachtrages  vorgesehene  Berechnung
  eines  Reinertrages  von  fünf  und  einem  halben  Prozent  keinen  Einfluß
üben,  udem  es  soll  über  die  Betriebsresultate  der  zu  erbauenden  Bahn  mit
Rücksicht  auf  §#.  6.  des  Statutnachtrages  vom  5.  März  1856.  so  lange  als  die
durch  das  Gesetz  vom  2.  Juni  1860.  bewilligte  Zinsgarantie  des  Staates  für
das  zum  Bau  der  Brücke  zwischen  Coblenz  und  Ehrenbreitstein  erforderliche
Anlagekapital  fortdauert,  getrennte  Rechnung  geführt  werden.

 

(Nr.  6511.)  Bekanntmachung  der  von  beiden  Häusern  des  Landtages  ertheilten  Genehmigung
  zu  der  Verordnung  vom  12.  Mai  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  225.)
über  die  vertragsmäßigen  Zinsen.  Vom  2.  Januar  1867.

N#  die  auf  Grund  des  Artikels  63.  der  Verfassungs-Urkunde  vom
31.  Januar  1850.  erlassene  Verordung  über  die  vertragsmäßigen  Zinsen  vom
12.  Mai  1866.,  (Gesetz  Samml.  S.  225.)  den  beiden  Häusern  des  Landtages
ur  verfassungsmäßigen  Genehmigung  vorgelegt  worden  ist,  haben  dieselben
der  gedachten  Verordnung  ihre  Zustimmung  ertheilt.  Dies  wird  hierdurch  bekannt
  gemacht.

erlin,  den  2.  Januar  1867.

Königliches  Staatsministerium.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Flr.  v.  d.  Hepdt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Xr.  6512.)
        <pb n="207" />
        —  31  —
(Nr.  6512.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  2.  Januar  1867.)  betreffend  die  Uebertragung  der  von

dem  vormaligen  Ober-Hofmarschall-Amte  zu  Hannover  bisher  ausgeübten
freiwilligen  Gerichtsbarkeit  auf  die  ordentlichen  Gerichte.

Ar  Ihren  Bericht  vom  31.  Dezember  v.  J.  bestimme  unter  Abänderung
des  J.  12.  des  Hannoverschen  Gesetzes  über  die  Gerichtsve  Png  vom  8.  November
  1850.,  daß  nach  Aufhebung  des  Ober-Hofmarschall-Amts  zu  Hannorer
die  von  demselben  bisher  ausgeübte  freiwillige  Gerichtsbarkeit  auf  die  ordentlichen
erche  nach  den  bestehenden  allgemeinen  Grundsätzen  über  deren  Kompetenz
übergeht.

Sie  haben  diese  Meine  Order  in  gewöhnlicher  Weise  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  2.  Januar  1867.

Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.
An  den  Justizminister.

(Nr.  6513.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  17.  Januar  1867.,  betreffend  die  Zuständigkeit  der  Be.
hörden  und  das  Verfahren  bei  Anstellung  und  Entlassung  der  Beamten
in  den  der  Preußischen  Monarchie  neu  einverleibten  Landestheilen.

Alz  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  31.  v.  M.  und  J.  bestimme
Ich  im  Anschluß  an  Meinen  Erlaß  vom  12.  November  v.  J.,  betreffend  die
Zuständigkeit  und  das  Verfahren  der  Behörden  und  Beamten  des  Justiz-Ressorts
in  Sachen  der  Justiz-Aufsicht  und  Verwaltung  in  den  durch  das  Gesetz  vom
20.  September  v.  J.  der  Preußischen  Monarchie  einverleibten.  Landestheilen
(Gesetz=  Samml.  Seite  734.),  daß  an  Mich  über  die  Anstellung  und  Entlassung
der  nicht  zum  Justiz-Ressort  geherigen  Civil-Staatsbeamten  in  den  durch  die
Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  v.  J.  (Gesetz-Samml.  Seite  555.
875.  und  876.)  der  Preußischen  Monarchie  einverleibten  Landestheilen  nur  in
denjenigen  Fällen  berichtet  werden  soll,  in  welchen  dies  nach  den  in  den  älteren
Provinzen  geltenden  Vorscheiften  geschehen  muß.  Im  Uebrigen  ermächtige  Ich
die  den  Dienstzweigen  der  Verwaltung  vorgesetzten  Minister,  die  Zuständigkeit
und  das  Versahren  der  Behörden  und  Beamten  ihres  Ressorts  bezüglich  der
Anstellung,  Beurlaubung,  Entlassung  oder  Pensionirung  der  Beamten  in  den
durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  v.  J.  der  Preußischen
Monarchie  einverleibten  Landestheilen  nach  Maaßgabe  der  in  den  älteren  Provinzen
  geltenden  Bestimmungen  anderweit  angemessen  zu  regeln.  Zugleich  bestimme
  daß  nach  den  in  Meinem  vorerwähnten  Erlaß  vom  12.  November
v.  J.  bezeichneten  Grundsätzen  auch  Hinsichts  der  Justig-Beamten  und  Behörden

(Nr.  6512—6514.)  in
        <pb n="208" />
        —  32  —

in  den  durch  die  Gesetze  vom  24.  Dezember  v.  J.  der  Preußischen  Monarchie
einverleibten  Landestheilen  verfahren  werden  soll.
Berlin,  den  17.  Januar  1867.
Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

 

(Nr.  6514.)  Verordnung,  betreffend  die  Publikation  der  Bankordnung  vom  5.  Oktober
1846.  und  des  dieselbe  ergänzenden  Gesetzes  vom  7.  Mai  1856.  in  den
Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein.  Vom  17.  Januar  1867.

Wi  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

F.  J.

Die  Bestimmungen  der  Bankordnung  vom  5.  Oktober  1846.  (Gesetz-Samml.
  S.  435.)  und  des  Gesetzes  wegen  Abänderung  und  Ergänzung
einiger  Bestimmungen  derselben  vom  7.  Mai  1856.  (Gesetz=  Samml.  S.  342.
treten  für  das  Gebiet  der  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein  gleichzeitig  mit
dieser  Verordnung  in  Kraft.  i

.  s4

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  als  Chef  der
Preußischen  Bank  wird  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  17.  Januar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck.  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Könlglichen  Geheimen  Ober=  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="209" />
        —  33  —
Gesetz-Sammlung
für  die
Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  5  —

 

(Nr.  6515.)  Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  des  Finanz-  Etats  für  das  Gebiet  des
ehemaligen  Königreichs  Hannover  auf  das  Jahr  1867.  Vom  10.  Januar
1867.

Wa  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uL

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.
.  Der  dieser  Verordnung  als  Anlage  beigefügte  Finanz-Etat  für  das  Gebiet
  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover  auf  das  Jahr  1867.  wird
in  Einnahme
auf  22,589,700  Thaler  und

in  Ausgabe
auf  22,589,700  Thaler,  nämlich
auf  22/,417,700  Thaler  an  fortdauernden  und

auf  172)000  Thaler  an  einmaligen  und  außerordentlichen
Ausgaben,

vorbehaltlich  der  nachträglichen  Zustimmung  der  beiden  Häuser  des  Landtages
ür  die  Zeit  vom  1.  Oktober  bis  31.  Dezember  dieses  Jahres  hierdurch
estgestellt.
S.  2.
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.
Jahrgaug  1867.  (Nr.  6816.)  5  Ur-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  19.  Januar  1867.
        <pb n="210" />
        —  34  —

zirinduc  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  10.  Januar  1867.

(#.  &amp;amp;.)Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

di—
        <pb n="211" />
        Finanz  -Etat

fuͤr  das  Gebiet

des  ehemaligen  Koͤnigreichs  Hannover
auf

das  Jahr  1867.

 

(Kr.  6515.)  5“
        <pb n="212" />
        <pb n="213" />
        II.  Von  den  Stenern  und  Zöllen.
1)  Von  den  direkten  Steuern  und  von
der  Stempelsteuer.

à)  Grundsteuer,  exkl,  der  Steuern  von  den  nicht
(  FDomamigl-Geh#n  .....  .

 
 
  

1,350,000.

910,  200.

2  Betrag
9  Einnahme.  für
.  1867.
.
mag-pp
x—.PvudeuDdWMqud-F,pixstw
l).Domanial-Eisnghmev—
1.aGutsherrlicheGefälle........................  538,000.  —
2.b  foochteeer  ......  ,.....,.......  I1-«3,1,000.—.-—
3.orngefälle.................................  ·.94,600.—
793,600.  —  —
4.  2)  Hoheits-Einnahhzhzen  58,000.  —  —
5.  3)  Forst-  Einnahmen  .  .  59950000.  —  —
6.  4)  Sporteln  und  Accidenztien  330,000.  —  —
7.  5)  Außerordentliche  Einnahmen  20000.  —  —
8.  6)  Einnahmen  aus  dem  ausgeschieden
gewesenen  Güter-Compleg  .  955,600.  —  —

b)  exkl.  der  Steuern  von  den  nicht
Domanial--Gebäuden  311,000.  —  —
9  ..............  985,000.—«—
d)  ................  265,000.  —  —
e  .  5  00.  —  —
9  und  Erwerbssteuer  J1110000.  —  —
Seite  .....  Tö#  Ub  –
        <pb n="214" />
        38

 

 

2  Betrag
#  Einnahme.  für
7  1867.
Riblt.  Gr.  Pf.
Uebertrag  .....  3,098,000.  —  —
15.8)  Stempelsterer  .  ...  .  ...  250,000.  —
16.)  Fixirte  Steurn  -.....·........  5,500.  —  —
17.  Unbestimmte  und  zufällige  Einnahmen  1/500.  —  —
Summa  1  ------  3,355,000·  —-2)
  Von  den  Zöllen  und  indirekten
Steuern.
18.  Einzangs.  und  Ausgangs-Abgabe  .  ..  2,271,  500.  —  —
19.b)  Rübenzuckersteurnrmrmrmrr  .  ..  482,000.  —  —
20./c)  Branntweinsteerer  750,000.  —  —
21.//4)  Biersteer  45,000.  —  —
22.)  Salzsterrrrr  ..  500,000.  —  —
23.  Tabaksbausteeer:  6,000.  —  —
8)  Uebergangs-Abgabe  von
24.  1)  Brannkwin  35,000.  —  —
25.  2)Tobak...................................  7,000.  —  —
26.]h)  Blei=  und  Zettelgelkrrrrr  ..  5/500.  —  —
27.]  Sonstige  Einnahmen  ....................  30,000.  —  —
Summa  2..  .  ...  4,132,000.  —  —
Summa  ILI..  ....  7/487,000.  —  —
III.  Vom  Oberharzischen  Bergwerksund
  Forsthaushalte.
A.  vom  SBergwerhkehauehalte.
1)  Vom  Silberbergwerkshaushalte.
28.  1,398,185.  14.  5

 

a)  Für  Produkkt

 

1  15.14.  5
        <pb n="215" />
        *  Betrag
Einnahme.  für
1867.
;un
——  Vt.
Uebertrag  4  1,398,185.  14.  5
29.]b)  Andere  Einnahmen  der  herrschaftlichen  Gruben,
an  Schmiedezins,  Erstattung  für  alte  Materiolien
  2  ee.  ...  26,129.  —  —
30.,%  Pocht  und  Miethe  von  Grundstücken  und  Ge
bäuden:  2,/425.  —  —
31.)  Sonstige  Einnahmen,  Ueberschüsse  der  Bergbaukasse,
  der  Bergfaktoreien  und  des  Bauhofes  eingezogene
  Dienst  =  Emolumente  von  der  Berg.
akademie,  Wegegelder  220.  20,585.  15.  5
Summa  1.  .  .  .  ..  1,447,325.  —  —
2)  Von  den  Eisenhütten.
32.  a)  Für  Produkte  .  ..  ...  408,704.  6.—
33.]b)  Sonstige  Einnahmen,  als:  erstattete  Auslagen
für  Modelle,  für  verkaufte  Materialien,  Wegegeld
  22224tteee.  ..  20,595.  24.  —
Summa  2  ..  49,300.  —  —
Summa  A.  1,876,625.  —  —
B.  vom  Forsthauehalte.
34.0  Für  Holzmaterial  und  Kohlen  582,000.  —  —
35.2)  Für  Torf  und  sonstige  Waldnutzungen  Grundund
  Erbenzins-,  Pacht-  und  Wegegelder  21,000.  —  —
Summa  B.  603,000.  —  —
Summa  II.  4  2/479,625.  —  —

 

(Nr.  6515.)
        <pb n="216" />
        Laufende  —

Einnahmee.

Betrag
für
1867.

Rthlr.  Gr.  P

 

36.
37.

38.
39.

40.

41.
42.

 

IV.  Vom  Kommunion=  Unterharzischen
Bergwerks“  und  Hüttenhn#shalte:

1)  Von  der  Kommunion-Zehntkasse  zu

oßlar.
Tblr.  Gr.  Ppf.

*x*v“  Produkte  "7249,242  17  J3
Pachtgelder  von  Gründstücken,
  ei  nW  Dienst-Emolumente
  und  sonstige  Ein-  **#
nahmen  8,257  iu2  7

257,500  —  —

Davon  beträgt  der  Antheil  der  Generalkasse
zu  .  .  .  ..  .  .  ...

2)  Von  der  Eisenhütte  zu  Gittelde.

»  ·  Hut-.  Fa  Hi.

a;  gut  Produkte............  34,208  15  —
b)  Sonstige  Einnahmen  231  15  —
t–

Daron  beträgt  der  Antheil  der  Generalkasse
zu

3)  Von  der  Berghandlung..  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..

4)  Von  der  Messingfabrik  zu  Oker.
Thlr.  Gr.  .
¾5  Hir  Produkk  108,3224  —  —
b)  Sonstige  Einnahmen.  2s076  —  —
110,400  —  —
Davon  beträgt  der  Antheil  der  Generalkasse

zu  *

#§Ö#  .  v  #§.·¼·4.“

 

147,142.  25.  7

19,680.  —

33,  100.  —  —

63,085.  21.  4
        <pb n="217" />
        S  Betrag
2  Einnahme.  für
Bl  1867.
Rthltr.  Gr.  f.
5)  Von  der  Schwefelsäurefabrik  zu
Oker.
»  Tblk..0k.Pf-43.
  Kür  Produkte  ............  124,623  —  —
44.  b)  Sonstige  Einnahmen  77  —  —
127  0  —
Davon  beträgt  der  Antheil  der  Gencraltase
z.......................................  71,257.  4.  3
Dovon  ab  Behufs  Vermehrung  des  Betriebs-Kapitals
  um  4000  Thlr.  und  Behufs  Ersattung
der  Baukosten  der  dritten  Schwefelsäurefabri
21,200  Thlr.,  zusamrern  .  .  .  ..  .  25,200.  —  —
bleiben  .....  46x
Summa  IV.  .....  309,065.  21.  4
V.  Von  den  Steinkohlenbergwerken.
45.  Hür  Kohlen  .  319,427.  —  —
46.2)  Sonstige  Einnahmen  3/678.  —  —
Summa  V.  .....  323,105.  —  —
VI.  Von  den  Salinen.
47.—  h  n-  Sazzzzzz.  47,070.  —  —
48..2)  Sonstige  innahnen  .........................  »  6,120.  —  —
Summa  VV.  4  ·  53,1·90.  —  —
VII.  Vom  Kalkbruche  bei  Lüneburg.
49.  r  gur  Kalt...................................  43,360.  —  —
50.2)  Sonstige  Einnahzen  205.  —  —

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6515.)  6

565–
        <pb n="218" />
        42

 

 

*  Betrag
Einnahme.  für
—  1867.
-
Nuttr.  Ot.  V.
VIII.  Von  den  Wasserzöllen.
51.  Zollgefäll  ..  .  .  ..  126,000.  —  —
52.  2)  Schiffahrtsgefälle  ................  ..  .  .  .  ....  2,700.  —  —
Summa  VIII.  .  .  ..  .  128,700.  —  —
IX.  Von  den  Posten.
53.]  1)  Brief-,  Päckerei=  und  Geldportto  .  ...  900,550.  —  —
54.2)  Aversa  und  Transitporto  von  fremden  Postverwaltunen
  .  .  .  ..  87,800.  —  —
553  Berlomenge  und  Ueberfrachtporttto  .  ..  200,000.  —  —
56.4)  Zeitungsaufschlagagagagagaa  25/,000.  —  —
57.5)  Bestellgeldern  .  ..  ..  58,500.  —  —
58.  6)  Miethe  für  Wehnungen  in  Postgebäuden  von
Postamtschefs,  Komtoirbeamten  und  Fremden..  3,400.  —  —
59.)  Außerordentliche  Einnahmnen  4,600.  —  —
Summa  ...  1,279,850.  —  —
X.  Von  den  Eisenbahnen,  einschließlich
der  Telegraphen.
60.  Eisenbahnverkehrs=  Einnahmen  6,000,000.  —  —
61.]/n2  Telegraphenverkehrs=  Einnahmen  100,000.  —  —
6ß25  Pecht  und  Miethgelden  30,000.  —  —
63.]4)  Sonstige  Eimmahmen  70,000.  —  —
Summa  K  ...  6,200,  000.  —  —
64.XI.  Chausseegelder  und  Nebenaufkünfte
der  ausseen  192,000.  —  —

 

Summa  XI.  für  sich.
        <pb n="219" />
        S*  Betrag
Einnahme.  für
—  1867.
Rihlr.  Gr.  Df.
XII.  Von  den  Lotterien.
65.1)  Prozentgelder  von  Gewinnen  136/016.  —  —
66.2y)  Sonstige  Einnamen  2/300.  —  —
Summa  XII.  138,316.  —  —
67.XIII.  Sporteln  der  Ortsbehörden  61,000.  —  —
Summa  XIII.  für  sich.
XIV.  Zinsen  von  Aktivkapitalien.
68.])  des  Domanial-Ablösungs=  und  Veräußerungsfon
  d...·..................................  657,135.  8.  2
69.2)  des  Kommerzkapitalien.  Fonndszl44  525.  13.  2
70.3  von  sonstigen  Aktivis  der  Generalkasse  15,569.  23.  3
Summa  XIV.  673,230.  14.  7
XV.  Uebrige  unmittelbare  Einnahmen
er  Generalkasse.
71.]1)  Renen  5/459.  8.  3
72.  5  Strafgelder,  welche  von  den  Oberbehörden  erkannt
  werdeen  2,000.  —  —
73.]3)  Amtsblat  2,500.  —  —
74.]4)  Von  hlerteane  inländischen  industriellen  Analeen
  .  ..  ..  .  8,120.  —  —
75.  5)  Beitrag  der  Niederländischen  Regierung  u  den
Kosten  des  Leuchtthurms  auf  Borkum)  Betonnung
  der  Ems  299H  5/400.  —  —
76.6  Außerordentliche  Einnahhzenmm  .  ...  18,027.  29.  1
Summa  XV.  .  .  .  ..  41,507.  7.  4

 

(r.  6515)  6.
        <pb n="220" />
        S  Betrag
Einnahme.  für
H  1867.
S
.  Misokpk
XVI.  Zahlungen  von  anderen  Kassen.
77.]  Beitrag  der  Hauptklosterkasse,  der  Militairverwaltung
  und  der  Universitätskasse  zu  den  Besoldungen
  der  Landbaubeamten  2,508.  10.  —
2)  Von  der  Verwaltung  der  ehemals  ausgeschiedenen
  Domainen  2c.:
78.  a)  Beitrag  zu  den  Besoldungen  der  Verwaltungsbeamten
  .  ..  17,670.  —  —
79.  b)  Desgleichen  der  Forstbeamten  .  ...  ........  15,292.  19.  3
80.  c)  Desgleichen  der  Amtsrentmeister......  .  .  .  .  6/882.  —  —
81.  4)  Desgleichen  der  Baubeamten  6,600.  —  —
3)  Forstbesoldungsbeiträge
82.  a)  der  Klosterverwaltg  10,692.  17.  2
83.  b)  der  Gemeindenn  7,700.  —  —
Summa  XV.  67,345.  16.  5
84.XVII.  Verschiedene  Einnahmen  5,000.  —  —

 

Summa  XVII.  für  sich.

 

———
        <pb n="221" />
        45

 

Einnahme.

Betrag

1867.

Rithlr.

 

 

(Tr.  6515.)

Von  den  Domainen  und
Von  den  Steuern  und  85
.  Von  dem  Oberharzischen  Bewan  und

.  Von  den  Salinen

Verschiedene  Einnahmen

Wiederholung.

Forsthaushalte

.  Vom  Kommunion=  Unterharzschen  Bergwerks=

  und  Huttenhaus  alte
Von  den  Steinkoh  ergwerken
Vom  Kalkbruche  bei  Lüneburg
Von  den  Wasserzöllen
Von  den  Posten
Von  den  Eisenbahnen,  einschließlich  der  Telegraphen


.  2222222  2  2222  2  22  —

Chausseegelder  und  Nebenaufkünfte  der  Chauseen


.  bon  denLotterien..............·...·..
.SpottelnderOberbehorden........·.....
.stenvonAkt1v-Kaptt
.  gäbuge  unmittelbare  Einnahmen  der  Generalalien.

  ....  ..  ..  .  .  ..

hümgen  von  anberen  Kaf

——————.—.———..—.

3,107,200.
7487000.

2479,625.

309,065.
323,105.
53,  190.
43,565.
128,700.
1,279,850.

6,200,000.
192,000.

673230.

41,507.
67,345.
5000.

Kr.  Ml.

##
—-111118


11111.

1

 

 

22,689,700.
        <pb n="222" />
        Laufende  M

Betrag

Ausgabe.  für
1867.

Rthlr.  Gr.  Df.

 

X

#

#

1——
"  "

 

Fortdauernde  Ausgaben.
I.  Obere  Landes-Verwaltung.

1.  Besoldungen.

a)  General.  Sekretaire.
General-  Sekretair  und  Forst-Direktor  des  Departements

  für  Domainen  und  Forstern  5,000.  —  —

General-  Sekretaire  der  übrigen  Departements  13,000.  —  —
b)  Referenten  und  Hülfsarbeiter

des  Departements  für  Domainen  und  Forsten  8/,200.  —  —

der  übrigen  Departemens  ...  43,400.  —  —

c)  Subaltern-Personal
des  Departements  für  Domainen  und  Forsten.  9)/200.  —  —
der  übrigen  Departenent.  20)775.  —  —

d)  RevisionsPersonal.
Comptabilitäts=  und  Ablösungs-Büreau  des  Departements

  für  Domainen  und  Forsten  11,200.  —  —

f⅜  Finanzbüreau  der  übrigen  Departement  9,/300.  —  —
e)  Statistisches  Büreau  .  .  .  .  .  .........  '4)200.  —  —

)  Arcir  .  ..  3,230.  —  —

2)  Zur  Remunerirung  der  dem  General-  Gouvernement
  in  Hannover  kommissarisch  überwiesenen
Civilbeamen  .  ..  28,715.  —  —

Seite  .....  1
        <pb n="223" />
        1

 

 

 

S  Betrag
2  Ausgabe.  für
1867.
5
Rihlt.  Gt.  Vh.
Uebertrag  .....  149,220.  —  —
12.]3)  Zur  Remunerirung  der  zur  Bearbeitung  der
Justil.  Minksterial.  eschäfte  aus  dem  gsemaligen
önigreich  Hannover  im  Justiz-Ministerium  zu
Berlin  bese  isüigten  Beamten  10,000.  —  —
13./4  Büreau,  und  Kommissionskosten  der  oberen  Landes-Verwaltung,
  sowie  des  Archivs  der  Gesetz-Sammlung
  und  des  statistischen  Büreaus,  plus  —  minus  40,000.  —  —
14.5)  Remunerations-Fonds  für  die  Angestellten  bei  den
einzelnen  Departements  und  andere  Angestellte,
insoweit  für  diese  ein  anderweiter  Remunerations-Fonds
  nicht  bestbt  6,000.  —  —
15.6)  Büreau-  und  sonstige  Verwaltungskosten  des
Departements  für  Domainen  und  Forsten,
Plus  —  minnnns  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  12,000.  —  —
Summa  IJ.  .  .  .  .  .  217,220.  —  —
II.  Provinzial-Landschaften.
16.2)  Besoldunen  ..  19,267.  22.  8
17.b)  Versammlungskosten  und  für  Versammlungs-Lokale,
  plus  —  mininss  .  .  ..  5,000.  —  —
Summa  II..  24,267.  22.  8
III.  Militair-Departement.
18.|  Für  Zwecke  der  Militair-Verwaltung  4,233,  240.  —  —
Summa  III.  für  sich.
IV.  Justiz-Departement.
1)  Besoldungen  bei  den  oberen  Gerichten.

19.a)  1.  Für  den  Präsidenten  und  die  Vize-Präsidenten
  des  Ober-Appellationsgerichts.  13,000.  —  —
20.  2.  Für  den  Kron-Oberanwalt  ...  ...  ..  ......  2,500.  —  —
Seite  .....  15500–  —

 

 

(Nr.  6515.
        <pb n="224" />
        Betrag
2  Ausgabe.  für
1867.
-S
——  G.  Pf.
Uebertrag  ..  ...  15,500.  —  —
21.b)  Für  die  Räthe  des  Ober  ·  Appellationsgerichts..  51,600.  —  —
22.)  Für  die  Präsidenten  und  Vize-Präsidenten  der  .
berekite...·.........................  58,200.  —  —
23.  01)  Für  Räthe  und  Assessoren  bei  den  Ober-Gerichten,
  einschließlich  der  Substituten  des  Kron-Oberanwalts,
  der  Kron  =  Anwälte  und  deren
Substituteeen  .  .  .  ].  135,000.  —  —
24.  %e)  Zulagefonds  für  die  Beamten  der  Kron-Anwaltschafft::
  ..  8,000.  —  —
25.)  Für  die  Subalternen  des  Ober-Appellationsgerichts,
  einschließlich  der  Kron-Oberanwaltschaft
und  der  Obergericht  .  ...  54,100.  —  —
26.  2)  Büreau,  und  Kommissions-Kosten,
Pblus-mins  ..  .  .  .  .  ..  40,000.  —  —
3)  Amtsgerichte.
a)  Besoldungen  der  Angestellten  und  zwar:
27.  aa)  der  Richtrr  294/,020.  —  —
28.  bb)  der  Subalternnen  110,000.  —  —
29.]  b)  für  die  Vertretung  der  Kron-Anwaltschaft  10/,000.  —  —
30.  4)  Remunerationen  und  Gratifikationen
  der  bei  den  oberen  Gerichten  und
bei  den  Amtsgerichten  Angestellten,
ingleichen  Prämien  für  Entdeckung
von  Verbrechen  u.  K.  v.  15,000.  —  —
31.  5)  Kriminalkosten,  plus  —  minus  .......  132,000.  —  —
6)  Straf=  und  Sicherheits-Anstalten.
32.  a)  Besoldungen  und  Remunerationen  63,010.  —  —
33.)  Unterhaltungskosten,  plus  —  minus  74,000.  —  —
Summa  IV.  1,060,  430.  —  —
        <pb n="225" />
        2  Betrag
S  Aus  gabe.  für
7  1867.
r—m—mmN1
—  »
V.  Departement  des  Kultus.
34.  Für  die  Universität  in  Göttinngen..  40,698.  29.  2
35.  Unterstützungen  an  Vereine  für  Wissencha  und
Kun  ..  22  2  22  2  Ê  á*  3,400.  —
3)  Besoldungen  der  geistlichen  Oberbehörden:  .
36.  a)  evangelischer  Konfession  ..  ...  .  .  ..  .  .  .  ..  .  37,788.  —  —
37.  b)  katholischer  Konfession  20/639.  6.  4
38.]4)  Büreau=  und  Kommissionskosten  der  geistlichen
Oberbehörden,  plus—m  minus  10,400.  —  —
5)  Für  Schulen.
a)  Für  7r  Schulanstalten:
39.  A  ender  Zuschuß  für  Gymmasien.  7,267.  26.  6
40.  bb)  Zur  Erweiterung  des  Realunterrichts
bei  den  höheren  Schulanstalter  13,000.  —
41.  cc)  Zur  Verbesserung  der  Lehrergehalte  18,  000.  —  —
4.  dd)  Zur  Pensionirung  von  Lehren....  4000.  –  —
b)  a  Porochialschulen  und  zur  Verbesserung
des  Volksschulwesens.
43.  aa)  Für  Volksschulen  ..  .  68/420.  —  —
44.  bb)  Für  Anstalten  zur  besseren  Ausbildung
der  Volksschullehter  25/,000.  —  —
45.  pc)  Persönliche  Gehaltszul  agen  an  verdiente,
ungenügend  besoldete  Volksschullehrer.  25/,000.  —  —
46.  ##d)  Zur  Emeritirung  altersschwacher  oder
onst  unfähiger  e  1  10,000.  —  —
47.  ee)  Zur  Errichtung  und  Meen  Be
dung  von  Volkeschulle  rer-Wi
und  Waisen-Kassen-  5,000.
48.  c)  Für  das  Schuliurnwesen  800.  —  —
49.6)  Beihülfen  zu  Kirchen=  und  Schulbauten.  5,150.  —
7)  Behufs  Verbesserung  der  Einnahmen  der  -
*  farrwittwenthümer,  sonstigen  Kirchen=  und
u  Shuselen  sowie  zu  Beihülfen  für  Kirchen=  und
Seite  .....  294,564.  2.  2

 

 

——5  7
        <pb n="226" />
        S  Betrag
*  Ausgabe.  für
37  1867.
.-..  *  Kthlt  Er.  M.
Uebertrag  294,564.  2.  2
a)  für  Kirchen=  und  Schulanstalten  evangelischer
Konfession:
50.  aa)  r  arren  ........  444  9,200.  e
51.  50  ür  Pfarrwittwenthüimen  450.  —  —
52.  c)  für  sonstige  Kirchen=  und  Schufstellen  2,  000.  —  —
53.  dd)  Beihülfen  zu  Kirchen-  und  Kapellenbauten
  ..6  .6  ...  3,000.  —  —
b)  für  Kirchen,  und  Schulanstalten  katholischer
Konfession:
f4.  0P  für  Hiarren  .........  Schul.ll...  1,(1)gg.  —  —
ür  sonstige  Kirchen-  und  S  ellen..  .  —  —
56.  ee  rense  zu  Kirchen=  und  Kapellenbauten
  920.  —  —
Summa  V.  .  .  ...  311,254.  2.  2
VI.  Departement  des  Innern.
57.])  Kommissionskosten  und  sonstige  allgemeine  Verwendungen
  in  Polizei-  und  inneren  Hoheitssachen,
Aufsichtoͤkosten  uͤber  verschiedene  inlaändische  industrielle
  Anstalten,  sowie  auch  zu  Vorarbeiten
Behufs  Eisenbahnanlagen,  plus  —  minus  22000.  —  —
2)  Landdrosteien.
à  Besoshungen.  ,
58.  1)  der  Landdrosten,  einschließlich  des  Disbosstionsfonds
  von  2400  Thlrn.  und
Fouragegelder  zu  1800  Thlr.  22,200.  —  —
59.  2)  der  Regierungsräthe  und  Assessoren,
zancichh  des  Remunerationsfonds
für  Hülfsarbeiter  und  des  Remunerationsfonds
  für  die  den  Landdrosteien
besgeordneten  Landbaubeamten  und  6
Forstmeister  s.  38,000.  —  —
60.  3)  der  Subalternen  332300.  —  —
Seite  .....  114,500.  —  —
        <pb n="227" />
        (Nr.  6515.)  7*

 

S  Betrag
B9  Ausgabe.  fuͤr
E  1867.
S
Gihlr  Er.  Vf.
Uebertrag  ....  .  114,500.  —  —
61  b)  Büreaukosten  und  Behufs  der  Visitationen
der  Aemter  durch  die  Landdrosten,  plus  —
minuss  ...  ...  ,....,..»...,..  23,000.  —  —
3)  Aemter.
62.  a)  Besoldungen  und  Remunerxationen  für  Beamte,
  e  runschl  Olichlich  des  für  Ortszulagen  ausgeworfenen
  ispositionssonds  von  3000
h  ...............................  256,220.  —  —
63.  eitoen  der  Beamten,  plus  —  minus.  36,000.  —  —
64.  Besoldungen  und  Remunerationen  der  Unterbedienen
  105,250.  —  —
4)  Königliche  Polizeibchörden  in  den  Städten.
a  vhe  oldun  en  und  Remunerationen:
65.  aa  annover  ......  ...........  ...  ..  19,302.  —  —
66.  bb  7  arburg,  Celle,  Hildesheim  6  Got.
ngen,  Siabe,  Osnabrück,  Emden.  15,575.  —  —
67.  b)  Hürsnae  osten,  plus  —  mins  5,400.  —  —
68.]5)  Für  milde  Sit  die  Blindenanstalt,  Taubmmen--,
  Armen=  und  Rettungsanstalten,  auch
ihülfe  für  die  Idiotenanstalt  zu  Langenhagen  33,175.  10.  5.
69.6)  Zur  Verbesserung  des  jüdischen  Schul-  und  n.
nagogenwess  2/500.  —
70.7)  Für  die  Landgendarmerieee  ...  169,197.  —  —
—  —
Summa  1.  bis  7.  .....  780,119.  10.  5.
—  ——  —
8)  Wedizinalwesen.
a)  Für  das  Ober-Medizinalkollegium:
71.  Besoldungen  und  Remunerationen.  2,300.  —  —
72.  b)  Besoldungen  für  die  Obergerichts=  und
Landp  für  die  den  Landdrosteien  und
der  er  hauptmannschaft  bagtordneten
Phrsii  2  Gerichtswundärzte  und  für  den
andcht  rurgus  Borkrr.  ...  19,050.  —  —
Seite  ..  21  350.  —  —
        <pb n="228" />
        2  Betrag
#  Ausgabe.  für
5  1867.
Rthir.  Er.
Uebertrag  .  21,350.  —
c)  Landes-Irrenanstalten.
73.  1)  Besoldunen  16,190.  —
74.  2)  Unterhaltungskosten,  blus  —  minus.  18,590.  —
75.  d)  Für  sonsige  Medizinal-Anstalten,  einschließlich
  für  Versendung  der  Kuhpocken-Lymphe,
Pplus  —  minnns  .  ...  .  .  .  ..  .  .  ..  15,870.  —
Summa  8.  72,000.  —
9)  Wasserbauwesen.  «
a)  Besoldungen,  Remunerationen  und  Vergütungen.

76.  1)  Für  die  Generaldirektion  des  Wasserauis
  .  .  ...  6,950.  —
77.  2  d  die  höheren  Wasserbaubeamten..  34,100.  —
78.  3)  Für  die  unteren  Wasserbaubeamten,
einschließlich  des  Unterstützungsfonds  9,640.  —
b)  Büreau=  und  Kommissionskosten.
79.  1)  der  Generaldirektion  des  Wasserbaues,
lus  —  minnns.  2/700.  —
80.  2)  2  übrigen  Wasserbaubeamten,  plus  —
minnnssst  16,350.  —
e)  Wasserbaukosten.
81.  1)  “mWd?  und  gewöhnliche  Neubaukosten,
  auch  Beihälfen  und  Vorschüsse
  in  Wasserbau-Angelegenheiten.  187,000.  —
82.  2)  Für  das  Moorwesen,  plus  —  minus  7,398.  —
Summa  9  264/138.  —
10)  .  umnd  Wegebau.
a)  Für  Chausseen.
83.  1)  Besoldungen  und  Remunerationen  für
die  höheren  Wegebaubeamten  35/145.  —
84.  2)  Besoldungen  und  Remunerationen  für
die  unteren  Wegebaubeamten  (Wegebau-Aufseherh)r)
  ....  23,856.  —

 

 

JIm#
        <pb n="229" />
        2  Betrag
#  Ausgabe.  fün
7  1867.
Kthle.  Gr.  D.
Uebertrag  .....  59,001.  —  —
85.  3)  Chausseegeld=  Erhebungskosten  30,000.  —  —
86.  4)  Bauverwaltungskosten  49,000.  —
87.  5)  Neu=  und  Umbau=  auch  Unterhaltungskosten
  der  Chaussen  ..  ....  511,000.  —  —
88.  b)  Für  Landstraßen  und  Gemeindewege  150,000.  —  —
Summa  10.  799,001.  —  —
11)  Landgestüt,  Thierarzneischule.
89.  a)  Unterhalamgekesten  des  Landgestüts  zu  Celle  41,800.  —  —
90  b)  Unterhaltungskosten  der  Thierarzneischule  in
Hannover,  Plus  —  minus.  4,600.  —  —
12)  Gemeinheitstheilungen,  Ablösungen  und  Verbesserung
  der  Landwirthschaft  und  Viehzucht.
91.  a)  Besoldungen  und  Remunerationen  für  sämmtliche
  Landes-Oekonomiebeamte  36,300.  —  —
92.  b)  Außerordentliche  Ausgaben  in  Ablösungs-,
Gemeinheitstheilungs=  und  Verko  pelungs:
sachen,  int  ließlich  der  Büreaukosten  des
technischen  Personals  und  der  Reisekosten  der
bei  den  Landdrosteien  fungirenden  Landes-Oekonomiebeamten
  1,500.  —  —
93.  )  Zur  Hebung  und  Förderung  der  Landwirth--
  schaftinaenihrenTheilen...........  40,000.——
94.13)  Gefangen=  und  Krankenfuhren,  plus  —  minus  12,000.  —  —
14)  Linnenleggen.
95.  a)  Besoldungen  und  Remunerationen  der  Leggeeamen
  ...  19,750.  —  —
96.  b)  Sonstige  Kosten,  plus  —  minus  4,000.  —  —
15)  Manufakturen,  Fabriken,  Handel  und  Gewerbe.
97.  a)  Für  Lehranstalten  für  Gewerbtreibende  38/300.  —  —
98.  b)  Zur  Beförderung  der  Gewerbe,  plus  —
minsst  7,000.  —  —
Summa  II.  bis  15  205,250.  —  —

 

(Nr.  6515.)
        <pb n="230" />
        *  Betrag
7  Ausgabe.  für
6  1867.
Rthlr.  Gr.  Pf.
16)  Eisenbahn-Verwaltung.
I.  Hahnverwaltung.
(Unterhaltung  und  Bewachung  der  Bahnen.)
99.  Besoldungen  der  Bahnmeister  .  24,050.  —  —
100.  37  Löhne  der  nicht  fest  angestellten  Personen  für  die
Bahnbewachung  (Bahn-,  Weichen=  und  Hülfsmärteh,,
  plus—minnns  253,540.  —  —
101.D)  Neben  osten  für  Dienstleistungen,  Reise-  und
Umzugskosten,  Erleuchtung!  der  optischen  Telegrabhen
  Feuerungs-Entschädigungsgelder,  plus  —  ooo
222  35,  .  —
102.  ch  Unterhallung  der  Bahnen  nebst  Zubehör,  an
Gebäuden  u.  s.  w.  inkl.  der  außerordentlichen
Ausgaben  dafür,  plus  —  minus.  695,000.  —  —
II.  Transportverwaltung.
1)  Stationsdienst.
103.,)  Besoldungen  des  Beamtenpersonals  auf  den
Statimnen  ..  106,305.  —  —
104.  böhne  desss  ülfspersonals  und  der  Arbeiter  aller
Art,  ein  ehi  der  Wäger,  Portiers  und
Nachtwächter,  plus  —  minns  210,000.  —  —
105.  Mechtwchter  fal  Dienstleisung,  Reise=  und  Um-8
  ökosten  u  u  w.,  plus  —  minus  16,000.  —  —
106.  eizung  und  Erleuchtung  der  Stationsgebäude  r.,
eie  Unterhaltung  und  Ersatz  der  Inventarien,
“  —–  mins  .  .  ..  45,000.  —  —
2)  Lokomotiddienst.
107.)  Besoldumngen  der  Lokomotivführer  und  der  Machinisten
  bei  der  Hohnstorfer  Fähranstalt.  52,600.  —  —
108.]b)  Löhne  des  Hülfspersonals  und  der  Arbeiter  aller
an  h  jtleis  .....  Ruf  .........  100,000.  —  —
109.)  Rebenkosten  für  Dienstkleidung,  eve  üunng.
Koaks-  und  Oelprämien,  Umzugskosten  2c  Ios  —
minunnsssss  —  56,000.  —  —

 

 

1,593,495.  —  —
        <pb n="231" />
        S  Betrag
Ausgabe.  für
7  1867.
Mh#r.  Er.  M.
Uebertrag  222  1,593,495.  —  —
110.d)  Reparatur  und  Ersatz,  sowie  Speisung  der  Lokomotiven,
  nebst  Utensilien,  auch  Vergütung  für
benutzte  fremde  Lokomotiven,  plus  —  minus.  710/000.  —  —
3)  Wagendienst.
III.  ¾3  Besoldungen  des  Wagenbegleitungs-Personals.  59,647.  —  —
112.b)  Löhne  des  Hülfspersonals  und  der  Arbeiter  für
den  Wagendienst,  plus  —  minus  28/,000.  —  —
113.  %)  Nebenkosten  für  Dienstkleidung,  Reisevergütung,
Brämien  für  Oelersparungen,  sowie  Kossen  der
mventarienstücke  und  Taschenblccher,  auch  Um-#gskosten,
  plus  —  minss.  48,000.  —  —
114.040  Reparatur  und  Ersatz  der  Wagen  und  Ulensilien,
sowie  für  Material  #um  Reinigen,  Schmieren
und  Beleuchten  der  Wagen  2c.,  plus  —  minus  390/,000.  —  —
4)  Durchgehender  Verkehr.
115.R  Vergütung  für  An-  und  Abfuhr  der  zum  durchgehenden
  Verkehr  gehörenden  Güter  nach  und
von  den  Bahnhöfen,  plus  —  minus.  500.  —  —
116.)  Beiträge  zu  den  Kosten  der  Eisenbahnverbände,
einschließlich  für  die  Unterhaltung  der  gemeinschaftlichen
  Wagen,  Flus  —  minus.  32,000.  —  —
5)  Insgemein.
117.0)  Druckkosten  für  den  Transportdienst,  als:  Fahrbillets,
  Gepäckscheine,  Register,  Frachtzettel  r.,
lus  —  minsss  18/,000.  —  —
118.]b)  Zahlungen  wegen  beschädigter,  verloren  gegangener
  oder  zu  hbh  gelieferter  Bültatransporb  genände,
  plus  —  minnnsss  .  40000.  —  —
119.A4½)  Restitutionen  an  Fahr.-  und  Paachtgesdern  an
Lager-,  Stand-  und  Waagegeld,  plus  —  minus  6,000.  —  —
Seite  .....  2,889,642  —

 

(r.  6515.)
        <pb n="232" />
        .

 

S  Betrag
z  Ausgabe.  für
1867.
Z
-
m——  Grt.
Uebertrag  2,889,642.  —
III.  Telegraphen-  verwaltung.
120.  )  Besoldungen  der  Telegraphenbeamten  25/600.  —
121.]b)  Löhne  des  Hülfspersonals,  Pllus  —  minus  14,000.  —
122..0)  Nebenkosten  an  Dienstkleidung,  Reise=  und  UmrWn
  en,  plus  —  minsss  ..  1,500.  —
123  9  nterhaltung  der  Leitungen  und  Apparate,
e  Druckkosten,  Rstähationen,  Plus  —
mins.  23,000.  —
IV.  Allgemeine  verwaltung.
1)  General-Direktion.
124.  Besoldunnen  51,210.  —
125.|)  Löhne  —  Hülfspersonals,  diu-  —  minus.  10,000.  —
126.4)  Büreaukosten,  Diäten  und  Reisekosten,  blus  —
minsss  ...  .  .  .  .  .  ..  19,000.  —
2)  Betriebs-Direktionen,  Maschinen—
Inspektionen,  Telegraphen-Inspektion,
  Material-Verwaltung  und
Eisenbahn-Hauptkasse.
127.//2)  Besoldungen,  einschließlich  der  festen  Vergütung
ür  Koesaufo  .  ..  .  ..  .  .  .  .  .  .  .  .  .  87,726.  20
128.  b)  Büreaulbosten,  einschließlich  der  Löhne  des  Hülfs-Personals
  und  der  Arbeiter  für  die  Magazin-Verwaltung,
  Umzugskosten  2c.,  plus  —  minus  25,000.  —
3)  Insgemein.
129.  Dispositionsfonds  Behufs  persönlicher  Zulagen
und  Remunerationen  höhere  bechniche  Bge  4,000.  —
130.]  b)  Allgemeiner  Dispositionssonds  Behufs  Gratifünhonen
  und  Unterstützungen,  auch  Lokalheuerungszulaggen
  .  .  .  ..  13,000.  —
131.,4  Wüherordanliche  und  unvorhergesehene  Ausgaben,
inkl.  Gnadenquartale,  plus  —  minus.  8,971.  10.

 

Seite  ..  ...

 

————  —
        <pb n="233" />
        S  Betrag
2  Ausgabe.  für
.  1867.
Rthlr.  Gr.  Ml.
Uebertrag  3,172,650.  —  —
V.  Zgerauszahlungen  von  den  Sctricbsausfkünften.
132.  2  An  Bremen,  plus  —  minus  .......  ..  ..  ...  230,000.  —  —
133.  An  die  Haupt-S  -Ctaatgkasse  in  Kassel,  plus—minus  00,  00.  —  —
134.  An  Schaumburg-Lippe,  Plus  —  minus  ......  230,000.  —
135.  An  die  Gernolu  e  das  in  den  Abrechnungen
mit  Schaumburg-  9*  und  der  Haupt-Staatskasse
  zu  Kassel  zu  kürzende  2  Prozent  des  Baukapitals
  zur  Verrechnung  für  den  Reserresonds,
Plus  —  minss  ;  00  Thlr.
Ws  7,600.  —  —
136.5)  An  die  Cöln-Mindener  Eisenbahnverwaltung,
Zinsen  für  das  Baukapital  wegen  der  Strecke  der
Hannover-Mindener  Bahn,  plus  —  minus.  20,  400.  —  —
137.6)  An  die  Cöln-Mindener  Eisenbahnverwaltung  für
den  Mitbetrieb  auf  ihrer  Bahnstrecke  Minden-Löhenrr
  .  .  ..  40,000.  —  —
138.7  An  die  General-  Staatskast  zu  Berlin,  Zinsen
für  das  Baukapital  der  Bahnstrecke  von  Osnabrück
  über  Rheine  bis  zur  ehemals  Hannover=Preuzischen
  Grenze  in  der  Richtung  nach  Lingen,
us  —  miiisss  ...  119,000.  —  —
139.8)0  g  die  Eisenbahn-Verwaltung  für  Kurhessen,
Beitrag  zu  den  Zinsen  für  das  Baukapital  des
emeinschaftlich  benutzten  Theils  der  Bahnhofsnlagen
  zu  Kassel,  plus  —  minus  ....  8,250.  —  —
140.  VI.  Juschuß  Sehuss  Gründung  einer  Pensionskasse  für
Dienstleute  und  Lohnarbriter  der  Eisenbahn-  verwaltung.  5,000.  —  —
141.VII.  An  die  Herzoglich  -Graunschweigische  Sisenbahn  -  und
Postdirektion  zu  erstattende  Getrichs  -Ausgaben  aller  Art
wegen  der  Goslar-Vienenburger  Eisenbahn,  plus  —  minus  30,000.  —  —

Jahrgaug  1867.  (Nr.  6515.)

 

Summa  16.
Dazu  Summa  1.  bis  15
Summa  VI.  .  .  ..  .

 

962,  900

2,120,  50S.  10.  5

N——7
        <pb n="234" />
        *  Betrag
Ausgabe.  für
1867.
S
Bible.  Grt.  Vt.
VII.  Departement  des  Handels.
142.1)  Besoldunen  14,844.  —
143.2)  Expensen  der  Konsulate,  plus  —  minus  2,000.  —  —
144.39  Seee  und  Flußschiffahrt,  plus  —  minus.  .  .  ..  23/500.  —  —
145.4)  Für  Unterhaltung  der  Häfen  und  Anlegeplätze,  4
Bus  —  minsss.  52)000.
146.5)  Sonstige  ungewisse  Ausgaben,  plus  —  minus.  400.  —  —
Summa  VII.  .  .  .  ..  92/744.  —  —
VIII.  Finanz-Departement.
147.  1)  Kommissionskosten,  plus  —  minus  6,000.  —  —
Summa  I.  für  sich.
2)  Für  die  Generalkasse,  sowie  für  die
insenzahl-  und  die  Schuldentilgungskasse.

148.9)  Besoldungen,  plus  —  minn  15/575.  —  —
149.Pb)  Büreaukosten,  plus  —minns  ...  11,000.  —  —
Summa  2..  26,575.  —  —
3)  Verwaltung  der  Domainen  und
Forsten.
I.  Allgemeine  Domanial-verwaltungs-Ausgaben.
150.  der  Kammer-Konsulenten  5,000.  —  —
151.4)  der  Kammer-Oekonomie-Beamten  1,554.  5.—
152.0)  der  Amts-Rentmeistter  54,000.  —  —
153  )  an  Personen,  die  der  Domanial-Verwaltung
  angehörsen  2,071.
154.e)  Zu  Meliorationen  und  Anlagen  8,000.  —  —
Seite  .....  70,625.  5.  —
        <pb n="235" />
        2  Betrag
5  Ausgabe.  für
1867.
S
Kthlr.  Gr.  Pf.
Uebertrag  70,625.  5.—
155.)  Büreaukosten,  Kommissionskosten  und  sonstige
allgemeine  Ausgaben,  plus  —  minus.  32,000.  —  —
156.)  Prozeßkosten,  plus  —  mins  4,  74.  25.—
Summia  L..  .  ..  107,200.  —  —
II.  Abgaben  und  Lasten  der  Domainen.
157.)  Beiträge  Staats-,  Kommunal=  und  ähnlichen
Lasten)  plus  —  minsss  .  ...  25,000.  —  —
158.]  b)  Besoldungen  und  Deputate  für  Prediger  und
Schullehue  Kompetenzen  für  Stifter  und  Klöster,
  Vermächtnisse  an  Arme,  für  Schulen  und
Gymnasien,  Kultuskosten,  plus  —  minus..  70,500.  —  —
Summa  II.  4  95/500.  —  —
III.  dosten  der  Forstverwaltung.
a)  Besoldungen.
1)  De  siioere.  51020
159.  a)  Forstmeistterr  .  —  —
160.  ¾y  gerlmee.  .....................  1065180.——
161.  c)Förster,UnterförsterundForstaufseher.  92,224.——
162.  d)  Hülfspersonal.  .....  ..  ..  ......  .  ...  15,480.  —  —
163.  2)  Transitorischer  Etat.  ...........  ..  ....  11,454.  22.  6
164.b)  Kommissionskosten  in  Forstsachen  plus  —  minus  18,500.  —  —
165.)  Forstverbesserungskosten,  plus  —  minus  100,000.  —  —
166.0)  chuft,  ereitung  und  Benutung  der  Forstprodukte,
  plus  —  minnss  .  .....  .  ...  110,000.  —  —
167.⅝)  Unnterstützungen  an  Forstheamte  )  deren  Wittwen
und  Kinder,  sowie  an  Waldarbeiter  ........  .  12,000.  —  —
168.]½)  Allgemeine  Forstausgaben,  plus  —  minus  ....  20,941.
Summa  III...  ..  .  538,700.  —  —

 

(Nr.  6515.)  8°
        <pb n="236" />
        S  Betrag
z  Ausgabe.  für
—  1867.
—
S
Rthlr.  Gr.  DOff.
IV.  Gau-Stat.
169.  Besoldungen  der  Landbaubeamten  25/410.  —  —
170.]  b)  Diäten,  Reisekosten  und  Zeichnenmaterialien  der
Landbaubeamten,  plus  —  minnnss  .  .  .  ..  26,290.  —  —
17I.  A4%)  Für  die  gewöhnliche  Unterhaltung,  für  Neubauten
und  Hauptreparaturen,  einschließlich  des  Reservefodss
  ..  ..  .  175,000.  —  —
Summa  IV.  .  ....  226,700.  —  —
172.  V.  vermischte  Ausgaben,  inhl.  der  Snadenquartale,
plus  —  minus  ...........  .  ..  .  .  .  .  .  ..  4,000.  —  —
Summa  V.  für  sch  .....
173.  VI.  Ausgaben  sür  den  ausgeschieden  gewesenen
Güterkomplex  .....  .  .........  .  .  ..  322,200.  —  —
Summa  VI.  für  sich.
Dazu  Summa  l.  bis  W.  972,100.  —  —
Summa  3.  .  .  .  ..  D294,300.  —
4)  Oberharzische  Bergwerks-Verwaltung.

I.  Für  den  Silberbergwerks-Zaushatt.
1)  Kosten  der  allgemeinen  Verwaltung:
a)  Besoldungen  und  fortlaufende  Remunerationen:

Thlr.  Gr.  Df.
174.  aa)  für  die  Berghauptmannschaft
  5,/400.  —  —
175.  bb)  für  das  Berg=  und
orstantt  11,900.  —  —
176.  c)  für  die  Subalternen

 

er  Berghauptmannschaft
  und  des  Bergund
  Forstamts..  13,050.  —  —

Seite  —  0,  350  —
        <pb n="237" />
        *  Betrag
Ausgabe.  für
1867.
S
Rihlec.  Or.  Pf.
Uebertrag  .....  30,350  —  —
177.  dd)  für  die  Baubeamten  5,000  —  —
178.  ee)  für  Aerzte  und  Chirurggen
  150  —  —
179.  b)  Kommissions=  und  Büreaukosten,
  plus  —minus  6/600  —  —
180.  J%)  gatitionn  und  Unter-..............
  3,200  —  —
181.  d)  gisungen.  Ausgaben)
  inkl.  Gnadenquartale
und  zu  gemeinnützigen
Zwecken  1,260  —  —
46/560  —  —
Davon  für  den  Silberbergwerks-Haushalt
*  mit  L  ..............  g  .....  zushal  29/,100.  —  —
182.2  Betriebskosten  der  Staatswerke,  plus  —minus.310,903.  —  —
183.  3  den  Wegebau.  .......  ...  ..  ....  ....  .  ...  8,980.  —
esoldungen:
184.  a)  bei  der  Zehmtkasse,  .......................  2,468.  10.
185.  b)  für  Betriebsbeamteaa  24,900.  —
186.  c)  für  Rechnungsführer  beim  Bergbau  und
für  andere  O  Oftiamt  ten  ...  9,893.  20
187.  4)  für  überzählig  gewordene  Beamtet  2,210.  —  —
188.]5)  Büreau=  und  andere  Dienstausgaben  der  Zehntkasse
  und  der  Betriebsbeamten,  plus  —minus.  1,850.  —  —
6)  Ausgaben  bei  der  Berghandlung:
189.  a)  Besoldunggen  .  .  5,350  Thlr.
190.  b)  Büreau-  end  Handelskosten,
lus  —  minns  .  .  ..  /  -
191.  J%J)  *  und  Unterstützun-  850
13,500  Thlr.
Davon  für  den  Oberharz  2  mit..4#  10,800.  —  —
Seite  .....  ,  401,  105.  —  —

(Nr.

 

6515.)
        <pb n="238" />
        S  Betrag
2  Ausgabe.  für
r-  1867.
S
Rthlr.  Gr.  Pf.
Uebertrag  1,401,  105.  —  —
7)  ur  die.  Bergakademie  und  zu  wissenschaftlichen
we  en:
192.  )  Vesoldungen  für  die  Bergakademi.  4,500.  —  —
193.  b)  Sonstige  Ausgaben  für  die  Bergakademie
und  zu  wissenschaftlichen  Zwecken,  plus  —  4000
194.  4  Bankosten  für  die  Stuutsgelälte  in  den  Bert
ädten,  Abgaben  und  Lastrern  3,010.  —  —
195.]9)  Remunerationen  und  Unterstützungen,  sowie  Zuschüsse
  zu  Unterstützungskassen  3,000.  —  —
196.  10)  ubeerdentliche  usgaben,  mit  Einschluß  der
Gnadenquartale,  plus  —  minns.  1,310.  —  —
Summa  I.  .  ....  1,416,925.  —  —

II.  Für  die  Eisenhütten.

197.])  Antheil  an  den  Kosten  der  allgemeinen  Harzverwaltung
  mitt1  5/,820.  —  —

198.2)  Kosten  des  Eisensteinbergbaues  und  Hüttenbetriebes,

  mit  Einschluß  aller  Löhne,  plus  —  minus  199,784.  22.—

199.3)  Für  Kohlen,  Feuerholz,  Waasen,  Steinkohlen,

Torf,  auch  Fichtenzapfen,  plus  —  minus.  .  .  ...  130,530.  —  —
2004  Für  Materialien  Behufs  des  Betriebes,  plus  —
mins  .  ..  ..  .  18,879.  —  —

5)  Für  Bauien  und  Reparaturen,  mit  Einschluß
der  Materiolien.

201.  fic  Hochbauten  14,232.  —  —

202.  b  rdenWegebau......................  3,000.  —  —
6)  Besold  un  en  der  Offizianten:

203.  etriebsbeamtee  11,850.  —  —

204  é  ir  Kassen,  und  Rechnungsbeamte...  4,6073.  —  —

205.  ür  überzählig  gewordene  Beamte.  ....  ...  600.  —  —

Seite  .....  389,368.  22.  —
        <pb n="239" />
        S  Betrag
-  Ausgabe.  für
l  1867.
S
Rihle.  S.  PVf.
Uebertrag  .....  389,368.  22.—
206.]7)  Diäten,  Büreaukosten  und  andere  Ausgaben,
plus  —  minnnsss  5/135.  8.  2
—  Gnadenlähne  und  sonstige  Unterstützungen,  E
wie  Beiträge  zu  Invaliden-  und  anderen  Kassen  4,056.  16.  9
208.9)  Sonstige  Ausgaben,  plus  —  minus  ...  8,339.  12.  9
Summa  II.  ..  ...  406,900.  —  —
Summa  4  1,823/,825.  —  —
5)  Harz-Forstverwaltung.
209.)  Antheil  an  den  Kosten  der  allgemeinen  Harzerwaltung
  nt  nn  ...  11/640.  —  —
210.  1  by)  kultur-  un  sonstige  Forstverbesserungskosten,
plus  —  minnnsss  .  ..  .  .  ..  35,500.  —  —
211.  Baurr.)  Bereitungs=  und  Fuhrlöhne,  für  Holzmaterial
  und  Kohlen,  plus  —  minus..  165,000.  —  —
212.]0)  Kosten  des  Torfstichs  und  der  Gewinnung  der
sonstigen  Waldnutzungen,  plus  —  minuns..  1,800.  —  —
213.  3  Baukosten  ..  ...  .  ....  .  .  ..  8,790.  —  —
214.  Hür  Wege,  Brücken  und  Ufersicherungen  54/530.  —  —
3  rioldunge  n  und  Löhne:
215.  For  zie  ............................  10,360.
216.  evierförsstrer  18,420.  —  —
217.  Förster,  Unterförster  und  Forstaufseher  mit
Einschlusß  der  sonstigen  Besoldungen  und
Löhhn  ..  ..  .  .  .  13,447.  —  —
218.  4)  Forstrechnungsführer  .  4,800.  —  —
219.D)  Kommissions·  und  Büreaukosten,  sowie  für  Vermessungen
  und  Betriebseinrichtungen,  plus  —
.....................................  8000.——
220.1)  Kosten  der  Wege  dishens  Plus  —  minus.  1,000.  —  —
221.  kune  ützungen,  Gratifikationen  und  Beiträge  zu
Invaliden=  und  anderen  Kassen  12,520.  —  —
22.0  Mußerordertliche  Ausgaben,  mit  Einschluß  der
Gnadenquartale,  plus  —  minnss  12,693.  —  —
Summa  5...  359,100.  —  —

 

(r.  6515.)
        <pb n="240" />
        64  —

 

Laufende  Ms

Ausgab

e.

Betrag
für
1867.

Riblr.  Or.  Pf.

 

223.

224.

225.
226.

227.
228.

229.

230.

231.
232.

 

6)  Verwaltung  des  Unterharzes.

I.  Für  den  ommunion-  Unterharzischen  Silberbergwerksa)

  Betriebskosten  bei  dem  Bergbaue,
  den  Hütten  und  Siede.

Thlr.  Or.  Ppf.

werken,  plus  —  minus.  181,800  —  —

b)  Für  Neubauten  und  Haupteparatureen
  2/500  —  —
Je)  Besoldungen  und  Löhne  19,475  2  8

d)  Pensionen,  Diskretionen  und
Beisteuer  2,397  10  —

e)  Zuschüse  zu  anderen  Kassen,
Hus  —  minus  .  .  ....  .  .  .  ..  3,800  —  —

s)  Ugemeine  Verwaltun  gausgaben

  und  sonsige  ienstausgaben,
  plus  —  minus  5/317  17  2
215/290  —  —

Dawvon  beträgt  der  Antheil  der  Generalkasse

zu  n  .  .  ..

II.  Für  die  Sisenhütte  zu  Gitteldt.

a)  Für  den  Eisensteinbergbau
und  „Hüttenbetrieb,  plus  —

b)  Fü  Vrennmaierialien  plus
—  minus  .  .  .  ....  .  .  .  .  .  .  ..

e)  Besoldungen  und  Löhne.

d)  Sonstige  Ausgaben/  inkl

Büreaukosten,  plus  —  minus

Tblr.  Gr.  Pj.
11,6850  —  —

17,411  —  —
1,537  10  —
401  20  —
"  ——

Davon  beträgt  der  Antheil  der  Generalkasse

 

123,022.  25.  7

—  —
        <pb n="241" />
        *  Betrag
2  Ausgabe  für
1867.
S
Rehlr.  Gr.  Pf.
Uebertrag  .....  140,982.  25.  7
III.  Für  die  Aleffingsabrik  zu  Oker.
Tor.  Gr.  Pi.
233.)  Betriebskosten,  blus—minus  9/104  8  5
234.0)  Für  Brennmaterialien,  plus
—  minnss  .  .  .  ..  4,905  3
235.)  Fur  angekaufte  Produkte,
us  —  minns  .  ..  86,836  25  —
236.  i∆y  Lusdemmie  und  Löhne.  3,/229  22  —
237.  Allgemeine  Verwa-  tungs
und  Bäreaukosten  plus  —
...................  1,500——
238.t)  Sonstige  Ausgaben,  plus  —
minus  .  .  ....  .  .....  ..  .  ....  225  1  2
Tõ
Davon  beträgt  der  Antheil  der  Generalkasse
uz-  60,457.  21.  4
IV.  Fur  die  Schweselsäurefabrik  zu  Cker.
Thlr.  Gr.  Df.
239.  5  Betriebskosten,plus—minus  77)019  —  —
240.]  b)  Besoldungen  1,240  —  —
241.|40)  Allgemeine  Verwaltungskosten
  und  sonstige  Ausgaben,
  plus  —  minus.  (  341  —  —
80,600  —  —
Davon  beträgt  der  Antheil  der  Generalkasse
z  46,057.  4.  3
Summa  6  247/497.  21.  4
7)  Verwaltung  der  Steinkohlen-Bergwerke.

242.  ⅛  Besoldunen  ......  7,700.  —  —
243.4  Generalkosten,  blus  —  minss  25/,619.  —  —
Seite  .....  33/319.  —  —

 

(Kr.  6515.)  9
        <pb n="242" />
        S  Betrag
2  Ausgabe.  für
1867.
S
Kr.  Or.  Pf.
Uebertrag  4  33,319.  —  —
244.)  Betriebskosten  plus  —  mins  .  ...  171,750.  —
245.141)  Remunerationen  und  Unterstützungen  800.  —  —
246.%)  Außerordentliche  Ausgaben,  pblus  —  minus.  60/726.  —
Summa  7  .  .  .  266,595.  —  —
8)  Verwaltung  der  Salinen.
247.a)  Besoldunen  .  .  .  .  ...  5,150.  —  —
248.P)  Verwaltungskosten  mit  Einschluß  der  Löhne  der
Unterofiiamten.  /  Plus  —  minus  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  9,650.  —  —
249.  c)  Betriebskosten,  plus  —  minus  .......  ..  .  .  .  ..  25,600.  —  —
Summa  8.  40,  400.  —  —
9)  Verwaltung  des  Kalkbruchs  bei  Lüneburg.

250.9)  Besoldunen  .  ..  **..  1,060.  —  —
251.|)  Verwaltungskosten  mit  Einschluß  der  Löhne  und
der  Handelskosten,  plus  —  minnnns  ...  14,020.  —  —
252.)  Betriebskosten,  plus  —  minnunnns  .  ..  9,/375.  —  —
253.  1)  Außerordentliche  Ausgaben,  plus  —  minus.  180.  —
Summa  9g  24,635.  —  —
10)  Postverwaltung.
I.  Besoldungen.
a)  Bei  dem  General-Postdirektorium:
254.  für  die  Mitgliedern  6,000.  —  —
255.  bb)  für  den  General-Postkassirer  und  das
Subalternpersonal,  einschließlich  einer
Funktionszulage  für  den  Sekretair.  3,200.  —  —
b)  Bei  den  Postämtern  und  Speditionen:
256  aa)  für  Postamtschefs  mit  Einschluß  der
Ortszulaggen  35,480.  —  —

 

 

20680
        <pb n="243" />
        S  Betrag
Ausgabe.  für
1867.
Rthlr.  Gr.  Pf.
Uebertrag  ..  ...  44,680.  —  —
257  bb)  für  Komtoirbeamte  mit  Einschluß  der
Ortszulagen  116,050.  —  —
258  ece)  für  Postspediteure  ................  52,000.——
259  dd)  für  das  Unterpersonal  und  zwar  für
192  Briefträger,  einen  Aufseher  beim
Monturbüreau  und  einen  Hausdiener
des  Postamts  Hannoe  58,200.
260.  ür  124  Wagenmeister  .  ..  31,000.  —  —
261.  ür  80  Schirrmeister  24,000.  —  —
262.  ee)  persönliche  demnächst  wegfallende  Zulagen
  385.  —
263.  II.  Remunerationen  für  Komtoirgehülfen  7,256.  —  —
III.  Büreaukosten.
264.  a)  Bei  dem  General-Postdirektorium,  mit  Einschluß
  der  Ausgaben  #  Drucksachen,  Siegel,
Schilder,  Stempel,  Wägegeräthe  2c.,  plus  —
mins  52,500.  —  —
265  b)  Bei  den  Postämtern  und  Speditionen,  mit
Einschluß  der  Miethe  für  Postamtslokale,
Plus  —  mins  .  .  .  .  ..  34,400.  —
266.  IV.  Kommissionskosten,  plus  —  minus  706600.  —  —
267.  V.  Unterstützunien  .  .  ...  6,100.
268.  VI.  Kontraktgelder  für  Reit-,  Boten-,  Fahr-  und
Wasserposten,  plus  —  minns  ...  280,000.  —  —
269.Vll.  Kontraktgelder  für  Unterhaltung  der  Postwagen,
  plus  —  mins  .  ...  52,000.  —  —
270.9II.  Kontraktgelder  für  Landbriefträger  22,000.  —
271  IX.  Für  Desellung  bestellgeldfreier  Briefe  2c.  bei
den  Postspeditmmen  90000.  —  —
272.  X.  Sonstige  stehende  Ausgaben,  plus  —  minus  17,000.  —  —
273.  XI.  Für  Nebenwagen  und  Vorspannpferde,  plus  —
miss-  38/,000.  —  —
274.]KXII.  Für  außerordentliche  Begleitung  der  Posten,
Plus  —  minns  300.  —  —
Seite  ..  852/471.  —  —
(Tr.  6515.)  *i
        <pb n="244" />
        *  Betrag
*  Ausgabe.  für
-  1867.
G
.  Risiko-w
Uebertrag.....  852/471.  —  —
275.4XIII.  Für  Monturen  der  Unterbedienten  und  Postillons,
  plus  —  minus  -.............  9,000.  —  —
276.|XIV.  Aversa  und  Transitporto  an  fremde  Postverwaltungen,
  plus  —  mins.  22,000.  —  —
277./XV.  Erstattung  wegen  verlorener  oder  gestohlener
Poststücke,  plus  —  minnnss.  1,000.  —  —
XVI.  Neubauten  und  Reparaturen  an  Post-Gebäuden.

278.  a)  Neubauten  und  Hauptreparaturen  650.  —  —
279.  b)  Gewöhnliche  Reparaturen,  plus—minus  5,000.  —  —
280.XVII.  Sonstige  außerordentliche  Verwaltungs-Ausgaben,
  plus  —  mins  .  ...  28,679.  —  —
Summa  10.  918,800.  —  —
11)  Verwaltung  der  Wasserzölle  und
Schiffahrts-Gefälle.
281.  Besolduneg  2,686.  7.  5
282.]  b)  Gratifikationen  und  Unterstützungen  50.  —
283.)  Baukosten,  plus  —  minns  .  ..  50.  —  —
284.)  Zoll-Restitutionen  und  Remissionen,  plus  —  minassssssss;„„„3
  55.  —  —
285.]e)  Allgemeine  Verwaltungskosten,  plus  —  minus.  580.  —  —
286.f)  Mußerordentlich  Ausgaben,  plus  —  minus.  103.  22.  5
Summa  I11..  .  .  .  .  3,525.  —  —
12)  Verwaltung  der  Lotterien.
287.)  Besoldunen  7,656.  —  —
288.)  Verwaltungekesten,  einschließlich  der  Provision
für  die  Lokterie-Kollekteure,  plus  —  minus.  52,600.  —  —
Summa  12..  .  ...  60,256.  —
13)  Schatz-Kollegium.
289.2)  Besoldunen  ..  .  ..  10,100.  —  —
290.  b)  Büreaukosten,  plus  —  minus  .......  ..  .  .  .  ...  6,500.  —  —
        <pb n="245" />
        38.

*  Betrag
Ausgabe.  für
1867.
S

HNitir.
14  Verwaltung  der  directen  Steuern,
einschließlich  der  Stempelsteuer.
I.  Hesoldungen  und  sortlausende  Remunerationen.
a)  Ober-Steuer-Kollegium.
291.  aa)  Mitglieder  und  Hülfsarbeitter  8,7  16
292.  bb)  Subaltern-Personal  ...........  ....  7/656
b)  Steuer-Direktionen.

293.  aa)  Steuer-Direktoren  und  Ober-Inspektoren  14,700

294.  bb)  Subalternen  »................  26,100

295.e)  Kreiskasen  19,100

296..04)  Steuerdieen  .  .  ...  14,800

297.)  Haupt--Stempelverwaltng  740

teuer-Rezepturen.

298.  aa)  Besoldungen  der  Einnehmer  und  Kassenehülfen

  ..  .  .  .  ...  62,750

299.  bb)  Hebungsprozente  der  Stempelsteuer-Einnehmer,

  plus  —  mils  6,250
II.  Sonstige  verwaltungskosten.
300.)  Remunerationen  für  Hülfsarbeiter  und  außerordentliche
  Verrichtungen,  Berichtigung  und  Erneuerung
  der  Grundsteuer  -  Mutterrollen  und
Meßmanuale,  Interimsverwaltungen  und  temporaire
  Hülfsleistungen,  plus  —  minus  0,000.

301.]0)  Gratifikatimmen  .  ..  1,200.

302.]  Gnadenquartale,  plus  —  mins  ..  1,000.  —

303.  l  Diäten,  Reise.,  Kommissions=  und  Umzugskosten,

  plus  —  mins  6,100.

304.%  Beschreibungsgebühren,  insbesondere  auch  Kosten

für  die  Aufnahme  der  Grundsteuer-Mutationen
und  für  Untersuchung  der  Grund=  und  Häusereuer-Reklamationen,
  plus  —  minus  44,000.

305.  Büreaukosten,  plus  —  minnnns  ...  7,500.

306.9)  Porto,  Botenlohn  und  Transportkosten,  plus  —

minus  .........................

 

(Nr.  6515.)

 

D#f.

#

11

233  76.  18.  3
        <pb n="246" />
        S  Betrag
⁊  für
2  Ausgeabe.
S.  1867.
l
-
Rthlt.  Gr.  Pf.
Uebertrag  ..  ...  233,763.  18.  3
307.  h)  Baufkosten,  blus  —  minus.  400.  —  —
308.  i)  Kosten  für  Hus-nalmiu  und  Utensilien,  plus  —
m...................................  27,300.—
309  W  Umformühung  der  Steuerdiene  1,200.  —  —
310  K  Grozefeosten  Plus  —  mins  700.
311  onstige  unbestimmte  und  zufällige  Ausgaben,
lus  —  mins  ....  .  ..  .  .  ...  1,286.  11.  7
312.III.  Aurrente  Remisstonen  und  Restitutionen,  plus  —  minus  23,650.  —  —
Summa  14  288,300.  —  —
15)  Verwaltung  der  Hölle  und  indirekten
  Steuern.
I.  Kosten,  welche  gannover  allein  zu  tragen  hat.
1)  Für  das  Ober=  Zollkollegium.
313.  a)  Besoldung  des  Vorsitzenden  und  der  Mitliedden
  .  .  9,500.  —  —
314.  b)  Besoldungs=  und  Remunerationsfonds  für
Hülsfreserenten  .........................  2,500.——
315.  3  esoldungen  der  Subalternen  19,350.  —  —
316.  Remunerationsfonds  für  außerordentliche
Hülfsleistung  im  Revisionsbüreanm...  700.  —  —
317.  e)  Kommissions=  und  Büreaukostenfonds,  plus
—  minnnnn  ..  .  .  .  .  ..  .  .  .  .  5,200.  —  —
318.2  Hur  auswärts  stationirte  Zollbeumnte  7,370.  —  —
319.  3  emunerationen  für  Hülfsarbeiter  bei  Hauptund
  Neben-Steuerämtern,  desgleichen  für  außerordentliche
  Verrichtungen  und  Interimsverwaltungen,
  plus  —  minzs  ...  1,800.  —  —
320.  4)  Sterbe-  und  Gnadenquartale,  plus  —  minus.  1,000.  —  —
321.]|5)  Gehaltsquoten  für  Joll=  und  Steuerbeamte,  welche
auf  Grund  erfolgter  Kündigung  ausscheiden,
plus  —  mminnmnmn  .  .  .  ..  300.  —  —
322.  6)  Praniftkalionen  .............  ......·..........  2,500.——

 

 

50,220.
        <pb n="247" />
        2
6

 

 

 

 

Betrag
—  Ausgabe.  für
-*  1867.
er.  b.
Uebertrag  ..  ..  .  50,220.  —  —
323.7)  ODüäten,  Reise-  und  Umzugskosten,  plus—minus  5,000.  —  —
324.]8)  Bewaffnungskosten,  plus—  minnnns  300.  —  —
325  3  Baukosten  «......·.............·......  12,000.——
326.10)  Miethsgelder  und  Miethsentschädigungen,  plus—
minnnnss.  11,800.  —  —
327.]/I1)  Für  Materialien  und  Utensilien,  inkl.  der  Visi-  «
rungs-,  Versiegelungs-  und  Verwägungskosten,
lus  —minnnnnsnss  5/,000.  —
328.12  Lapeen  lus—  minnnn  500.  —  —
329.  3  ruckkosten  und  Buchbinderlohn,  plus  —  minus  70000.  —  —
330.|14)  Porto,  Botenlohn  und  Tu##8hobtssten,  Plus  —
minss.  3,000.  —  —
331.]15)  Fähr.,  Wege-  und  Brückengelder,  plus—minus  500.  —  —
332.  5  Zuschüsse  zu  den  Vergütungen  für  Nebengollämter
  II.  Klasse  und  Legitimationsscheinstellen,
Plus—  miinnnsss  .  .  .  .  1,900.  —  —
333.|7)  Unbestimmte  Ausgaben,  plus—  minus.  9,020.  —  —
II.  osten,  hinsichtlich  deren  Zannover  mit  anderen  gollvereinsländischen
  Gebielen  in  Gemeinschaft  sich  besindet.
A.  Kosten,  welche  von  der  Gesammtheit
  des  Zollvereins  zu  tragen  sind.
a)  Grenzzoll-Verwaltung.
334.—  1)  Besoldungen  bei  den  Huot  ollämtern.  ...  59,785.
335  2)  Besoldungen  bei  den  Ne  ngolämternl.  Klat-  4,230.  —  —
336.  3)  Besoldungen  bei  den  Anmeldeposten  3/120.
337.  4)  Besoldungen  bei  den  Nebengollämtern
II.  Klase  ....  .  ...  9,800.  —  —
338.  5)  Besoldungen  bei  den  Legitimationsschein-Expeditioen
  ...  2/800.  —  —
339.  6)  Amtsunlosten  der  Hauptzollämter  und  Nebenollämter
  J.  Klasse,  sowie  der  Anmeldeposten
8  diese  Aemter  .............  ...  .  .  .  .  .  ..  6,118.  —  —
340.  7)  Besoldungen  des  Grenz-Aufsichtspersonals  329,740.  —  —
Seite  .....  558/833.  —  —
(Nr.  6515.)
        <pb n="248" />
        Betrag

Ausgabe.  für
1867.

Laufende  M

Riblr.  Gr.  Pf.

 

Uebertrag  ..  .  ..  558/833.  —  —
341.  8)  Equipage=  und  Pferde-Unterhaltungsgelder  18,740.
342.  ¾  Diäten  der  Ober-Zollinspektoren  ...  1,440.  —  —
343.  10  für  Kreuzerschiffe,  blus  —-minus  ..  3,000.
344.  In  esoldung  der  Besatzung  der  Wacht=  und
Kreuzerschistttt  13,176.  —  —
345.  12)  Kosten  für  das  zollvereinsländische  Hauptoll.
  Amt  zu  Bremem  41/730.  —  —
346.  13)  Ertraordinatlre  Joll-Verwaltungskosten  264.  —  —
b)  Beaufsichtigung  der  Rübenzucker-Fabriken.
347.  1)  Besoldunen  3/450.  —  —
348.  ¾  Umzugskosten,  Reisekosten  und  Diäten,
Plus  —minnss  ..  ..  ..  200.  —  —

B.  Kosten,  hinsichtlich  welcher  nur  mit
einzelnen  zollvereinsländischen  Gebieten
  eine  Gemeinschaft  besteht.

349.1)  Besoldungen  bei  den  Haupt-  Steuerämtern.  31,600.  —  —
350.]2)  Besoldungen  bei  den  Steuerämtern  und  Ueberangsabsabestellen
  ........................  35,150.  —  —
3511)  Amtsunkosen  ..  4,980.  —  —
352.#)  Besoldungen  des  Aufsichtspersonas  .  54,330.  —  —
353.]  5)  Equipage“  und  Pferde-  mterhaltungsgelder.  ...  11,130.  —  —
354.6)  Diäten  der  Ober-Steuerinspektoren  720.  —  —
Summa  15  778/743.  —  —
355.  16)  Büreaukosten  für  Verwaltungs—
ämter  und  Amtsgerichte,  plus  —minus  115,000.  —  —
Dazu  Summa  1.  bis  15  6,155,15  1.  21.  4
Summa  VIII  6,270,151.  21.  4

IX.  43  Passiv-Etat.
1)  Zur  Verzin  sung:

 

 

356.  1  für  Eisenbahnschuln  1,009,818.  17.  2
357.  b)  für  sonstige  Staatsschulden  624,817.  7.  2
Summa  1.  ..  .  .  .  1/634,635.  24.  4
        <pb n="249" />
        S  Betrag
=  Ausgabe.  für
4  1867.
S
Rihlr.  Gr,  Pf.
2)  Zur  Tilgung:
a)  der  Eisenbahnschulden:  ·
358.  a  feststehender  Beitrag  an  die  Tilgungskase
  .  .  ..  -......  «  442,519.—....·
359.  6)  Zinsen  für  die  der  Tilgungskasse  gehörigen
  und  zur  Einlösung  gekündigten
Eisenbahnschuldverbriefungen  100,693.  9.  8
*  b)  der  sonstigen  Staatsschulden:
360.  #)feststehende  Beiträge  an  die  Tilgungsonds
  ..  .  ..  292,866.  19.  5
361.  3)  Zinsen  für  die  den  Tilgungsfonds  gehörigen
  und  zur  Einlösung  gekündigten
Schuldverbriefungen  194,154.  28.  9
Summa  2.  .  .  ...  1,030,233.  28.  2
3623)  Renen  .  .  .  .  .  .  ..  :.  21,144.  1.  8
363.]4)  Abfindungsgelder  wegen  der  vormaligen
Binnenzölle  ..  11,965.  14.  4
Summa  IK.  2/,098,279.  8.  8
X.  Pensions-Etat.
364.  Pensionen  für  Staatsdienee  .  .  .  .  ..  524,533.  23.  2
365.2  Pensionen  an  Wittwen  und  Kinder  von  Staatsdienern
  und  an  sonstige  Hülfsbedürftige  4,170.  18.  8
366.]3)  Zuschuß  zur  Wittwenkasse  für  die  Civildienerschst.
  11,000.  —  —
367.99)  Zuschuß  xur  Unterstützungskasse  für  Waisen  der
unteren  Steuer=  und  Jollbeamten  ..  1,000.  —  —
368.]5)  Fortlaufende  und  temporaire  Unterstützungen.  36,000.  —  —
369.|  6)  Gnadenquartale,  blus  —  minus  ..  8,000.  —  —
370.0  An  die  Hospital-,  Militair=  und  Unterstützungskasse
  die  Hälfte  der  von  Oberbehörden  erkannten
Strafgelder  (cfr.  pos.  72.  der  Einnahme)  .  .  .  1,000.  —  —
Summa  R.  .  .  .  ..  585,704.  12.  —

 

Jahrgang  1  10
        <pb n="250" />
        *  Betrag
2  Ausgabe.  für
1867.
-
Rible.  Or.  Pf.
XI.  Künftig  wegfallende  Ausgaben.
371.]1)  Reichsdeputationsschlußmäßige  und  außerordentliche
  Pensimoen  .  .  ...  ...  3,129.  14.  2
312.]2)  Wittwenpensionen  und  Unterstützungen  5,941.  1.  4
373.|3)  Beihülfen  Behufs  Unterstützung  armer  Leionarrss
  1,816.  20.—
374.]  Persönliche  Besoldungszulagen  und  Entschädigungen
  wegen  früherer  Dienstverhältnisse  ..  34,438.  12.  1
375.]  5)  Wartegeldeieieieieinng  44,933.  21.  6
376.6)  Besoldungen  der  Beamten  der  früheren  allgemei-*r1.
  nen  Ständeversammlung  .  .  ..  .  ..  .  ...  .  ..  .  .  ..  ...  7,150.  —
377  7)  Besoldungen  der  Münzbeamten  4,900.  —  —
Summa  XI.  .  ..  ..  102,309.  9.  3
378.XII.  Zu  außerordentlichen  Bauten  und
Anlagen  und  zu  uunvorhergesehenen
Ausgoben  738/,691.  3.—
Summa  XII.  für  sich.
Einmalige  und  außerordentliche
Ausgaben.
1)  Baukosten
379.  1er,  Obergerichts-,  Amts=  und  Amtsgerichts-Gebäude
  ...  ,.....··......  20,000,Thlr.
:................  L(  -
380.b)  für  Gefängnisse  00,000  110000.  —
381  2)  Zum  Landstraßenbau  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  50  ,000.  –  —
382  3)  Kosten  der  Ausstellung  zu  Paris  12,000.  —  —
Summa.  172,000.  —  —
        <pb n="251" />
        Summa:  Fortdauernde  Ausgaben

Dazu:  Einmalige  und  außerordentliche
Ausgaben

...  2222422242

 

 

Betrag
Ausgabe.  für
1867.
Rtblr.  Gr.  Ps.
Wiederholung.
Fortdauernde  Ausgaben:

I.  Obere  Landesverwaltng  ..  217,220.  —  —
II.  Provinzial-Landschafetern  24,267.  22.  8
III.  Militair-Departemettt  4,233,  240.  —  —
IV.  Justiz-Departemet  .  .  .  .  .  ..  1,060,430.  —  —
V.  Departement  des  Kultuts..  311,254.  2.  2
VI.  Departement  des  Innen  6/083,408.  10.  5

VII.  Departement  des  Handls  92/744.  —  —
VIII.  Finanz-Departemet  .  .  .  .  ..  6,270,  15  1.  21.  4
IX.  assiv-Etat  Ö  HHTT#9  2,698,279.  8.  8

X.  Penstons  Eim  ..........................  585,704.  12.  —

XI.  Künftig  wegfallende  Ausgaben  102,309.  9.  3
XII.  Zu  außerordentlichen  Bauten  und  Anlagen  und
zu  unvorhergesehenen  Ausgahgen  738,691.  3.—

2-öö.–

172,000.  —  —

—  ———

Die  Einnahmen  betragen  22589700.  —  —
Balancirt.
Berlin,  den  10.  Januar  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.
(Nr.  6515—6516.)  10  (Nr.  6516.)
        <pb n="252" />
        —  76  —

(Nr.  6516.)  Verordnung,  betreffend  die  Abänderung  des  8.  10.  des  Hannoverschen  Gesetze  s
vom  13.  Juni  1865.  über  die  Verwendung  der  Betriebsüberschüsse  der
Eisenbahnen.  Vom  10.  Januar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

Die  Bestimmungen  im  F.  10.  des  Hannoverschen  Gesetzes  vom  13.  Juni
1865.,  betreffend  die  Vermehrung  der  Mittel  verschiedener  Schuldentilgungs-Fonds,
  die  Verwendung  der  Betriebsüberschüsse  der  Eisenbahnen  und  die  einstweilige
  Benutzung  verfügbarer  Mittel  der  Generalkasse  (Geseh,  Samallung  für  das
ehemalige  Königreich  Hannover,  I.  Abtheilung  S.  275.)  werden  dahin  abgeändert,
daß  die  der  Staatskasse  gebührenden  Betriebsüberschüsse  von  allen  jetzt  und
künftig  im  Staatsbetriebe  befindlichen  Eisenbahnen  nach  Deckung  der  erforderlichen
  Beträge

1)  zur  Zahlung  der  Zinsen  auf  die  zum  Bau  und  zum  Betriebe  dieser
Eisenbahnen,  sowie  zum  Bau  der  Geestenuinder  Hafenanlagen  aufgenommenen
  oder  noch  aufzunehmenden  Anleihen,  soweit  die  Zinsen  nicht
dem  Baufonds  zur  Last  zu  legen  sind,

2)  zur  Tilgung  dieser  Anleihen  nach  den  darüber  bestehenden  gesetzlichen  und
obligationsmäßigen  Bestimmungen,

der  freien  Verfügung  für  Staatszwecke  unterliegen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Inseael  '

Gegeben  Berlin,  den  10.  Januar  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  6517.)
        <pb n="253" />
        —  77  —

(Nr.  6517.)  Verordnung,  betreffend  die  Führung  der  Preußischen  Landesflagge  von  den
Seeschiffen  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  die  Eintragung  dieser
Schiffe  in  das  Schiffsregister  und  die  von  ihnen  zu  führenden  Register-Certifkate.
  Vom  4.  Januar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  das  vormalige
Königreich  Hannover,  was  folgt:

K.  1.

Die  Seeschiffe  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  haben  fortan  an
Stelle  der  Hannoverschen  die  Preuzhe  Landesflagge  zu  führen.

§.  2.

In  dem  vormaligen  Königreich  Hannover  treten  die  in  dem  Artikel  53.
.  1.  3.  4.  5.  6.  7.  8.  9.  des  Gesetzes  über  die  Einführung  des  Allgemeinen
eutschen  Handelsgesetzbuchs  in  Unserer  Monarchie  vom  24  mi  1861.  (Gesetz-Samml.
  S.  449.)  enthaltenen,  nachfolgend  aufgeführten  Vorschriften  am  1.  März
1867.  mit  der  Maaßgabe  in  Kraft,  daß,  so  —8  e  das  Schiffsregister  von  den
Landdrosteien  geführt  wird,  die  im  ersten  Absatz  bes  h.  8.  vorgeschriebenen  Anzeigen
  und  Nachweisungen  bei  der  Obrigkeit  (unteren  Verwaltungsbehörde)  des

Heimathshafens  zu  erfolgen  haben:

Artikel  53.  J.  1.

Als  Preußische  Schiffe  und  als  berechtigt,  die  Preußische  Flagge
zu  führen,  sind  nur  diejenigen  Schiffe  anzusehen,  welche  4  in  dem
ausschließlichen  Eigenthum  Preuzisch-r  Unterthanen  befinden.

ktiengesellschaften,  welche  in  Preußen  errichtet  sind  und  welche
zugleich  in  itr  ihren  Sitz  haben,  stehen  Preußischen  Unterthanen
leich.  Dasselbe  gilt  von  Lommanditgesellchaten  auf  Aktien,  welche  in
Peruzen  errichtet  sind  und  in  Preußen  ihren  Sitz  haben,  sofern  zugleich
die  persönlich  haftenden  Mitglieder  derselben  sämmtlich  Priuhssche
Unterthanen  sind.
Artikel  53.  FJ.  3.

Ein  jedes  Schiff  kann  mur  in  dasjenige  Sch  Frhister  eingetragen
werden,  welches  für  seinen  Heimalhshafen  (Artikel  435.  des  Handelsgesetzbuchs)
  geführt  wird.

Artikel  53.  8.  4.
Die  Eintragung  des  Schiffs  in  das  Schiffsregister  muß  enthalten:

1)  den  Namen  und  die  Gattung  des  Schiffs  (ob  Barke,  Brigg  9  R

(Nr.  6517.)  seine
        <pb n="254" />
        —  78  —

2)  seine  Größe  und  die  nach  der  Größe  berechnete  Tragfähigkeit;

3)  die  Zeit  und  den  Ort  seiner  Erbauung,  oder,  wenn  es  einem
anderen  Lande  angehört  hat,  den  Thatumstand,  wodurch  es  das
Recht,  die  Lmdgrestagge  zu  führen,  erlangt  hat,  und  außerdem,
wenn  thunlich,  die  Zeit  und  den  Ort  der  Erbauung;

4)  den  Heimathshafen;

5)  den  Namen  und  die  nähere  Bezeichnung  des  Rheders  (Artikel  450.
des  Handelsgesetzbuchs),  oder,  wenn  eine  Rhederei  besteht  (Artikel
  456.  a.  a.  O.),  den  Namen  und  die  nähere  Bezeichnung  aller
Mitrheder  und  die  Größe  der  Schiffspart  eines  Jeden)  ist  eine  Handelsesellschaft
  Rheder  oder  Mitrheder,  so  sind  die  Firma  und  der

ct,  an  welchem  die  Gesellschaft  ihren  Sitz  hat,  und,  wenn  die
Gesellschaft  nicht  eine  Aktiengesellschaft  ist,  die  Namen  und  die
nähere  Bezeichmung  aller  Gesellschafter  einzutragen,  bei  der  Kommanditgesellschaft
  auf  Aktien  genügt  statt  der  Eintragung  aller  Gesellschafter
  die  Eintragung  aller  persönlich  haftenden  Gesellschafter;

6)  den  Rechtsgrund,  auf  welchem  die  Erwerbung  des  Eigenthums  des
Schiffs  oder  der  einzelnen  Schiffsparten  beruht;

7)  die  Nationalität  des  Rheders  oder  der  Mitrheder;

8)  den  Tag  der  Eintragung  des  Schiffs.

Ein  jedes  Schiff  wird  in  das  Schiffsregister  unter  einer  besonderen
Ordnungsnummer  eingetragen.

Artikel  53.  F.  5.

Die  Eintragung  des  Schiffs  in  das  Schiffsregister  darf  erst
eschehen,  nachdem  das  Recht  desselben,  die  Preußische  Flagge  zu  führen
#  I.)  und  alle  in  dem  F.  4.  bezeichneten  Thatsachen  glaubhaft  nachgewiesen
  sind.

Artikel  53.  F.  6.
Eintr  Das  dchen  isch=  Flange  4  führen,  dalf  N  vor  der
intragung  des  Schiffs  in  das  Schiffsregister,  noch  vor  der  Ausfertigun
des  Certifikats  aus  ins,  werden.  **½“  gung

Das  Certifikat  muß  in  wortgetreuer  Uebereinstimmung  Alles
enthalten,  was  in  das  Schiffsregister  eingetragen  ist,  und  bezeugen,  daß
die  nach  F.  5.  zsacherschen  Nachweisungen  geführt  sind.

urch  das  Certifikat  wird  das  Recht  des  Schiffs,  die  Preußische
Flagge  zu  führen,  nachgewiesen.

Artikel  53.  J.  7.

Wenn  ein  im  Auslande  befindliches  fremdes  Schiff  durch  den
Uebergang  in  das  Egeuhum  eines  Preußischen  Unterthans  das  Recht,
die  Preußische  Flagge  zu  führen,  erlangt,  so  können  die  Eintragung  des
chiffs
        <pb n="255" />
        —  79  —

Schiffs  in  das  Schiffsregister  und  das  Certifikat  durch  ein  von  dem
Preußischen  Konsul,  in  dessen  Bezirk  das  Schiff  zur  Zeit  des  Eigenthums-Ueberganges
  sich  befindet,  über  den  Erwerb  des  Rechts,  die  Preuhiche
Flagge  zu  führen,  ertheiltes  Attest,  jedoch  nur  für  die  Dauer  eines
Jallss  seit  dem  Tage  der  Ausstellung  des  Attestes,  ersetzt  werden.

Artikel  33.  J.  8.

Tritt  in  den  Thatsachen)  welche  in  dem  F.  4.  bezeichnet  sind,  nach
der  Eintragung  des  Schiffs  in  das  Schiffsregister  eine  Veränderung  ein,
so  hat  der  Rheder  dieselbe  binnen  sechs  Wochen  nach  Ablauf  des  Tages,
an  welchem  er  von  ihr  Kenntniß  ehnien  hat,  dem  das  Schiffsregister
führenden  Gericht  zum  Zweck  der  Befolgung  der  Vorschriften  des  Artikels
  436.  des  Handelsgesetzbuchs  anzuzeigen  und  nachzuweisen.  Dasselbe

ilt,  wenn  eine  Thatsache  eintritt,  welche  nach  dem  zweiten  Absatz  des
rtikels  436.  des  Handelsgesetzbuchs  die  Löschung  des  Schiffs  im  Schiffsregister
  und  die  Srückliestean  des  Certifikats  erforderlich  macht.

Die  Verpflichtung  zu  der  Anzeige  und  Nachweisung  liegt  ob:

1)  wenn  eine  Rhederei  besteht,  allen  Mitrhedern;

2)  wenn  eine  Aktiengesellschaft  Nbeder  oder  Mitrheder  ist,  für  dieselbe
allen  Mitgliedern  des  Vorstandes;

3)  wenn  eine  andere  Handelsgesellschaft  Rheder  oder  Mitrheder  ist,  für
dieselbe  allen  persönlich  huftenden  Gesellschaftern;

4)  wenn  die  Veränderung  in  einem  Eigenthumswechsel  besteht,  wodurch
das  Recht  des  Schiffs,  die  Preußische  Flagge  zu  führen,  nicht
berührt  wird,  dem  neuen  Erwerber  des  Schiffs  oder  der  Schiffspart.

Artikel  53.  §.  9.

Wer  eine  nach  dem  vorstehenden  Paragraphen  ihm  obliegende
Verpflichtung  binnen  der  sechswöchentlichen  Frist  nicht  erfullt,  wird  mit
Geldbuße  bis  zu  Einhundert  Thalern  bestraft,  sofern  er  nicht  beweist,
daß  er  ohne  sein  Verschulden  außer  Stande  gewesen  sei,  dieselbe  zu
erfüllen;  die  Strafe  tritt  nicht  ein,  wenn  vor  Ablauf  der  Frist  die
Verpflichtung  von  einem  Mitverpflichteten  erfüllt  ist.

g.  3.

Insoweit  aus  den  88.  1.  und  2.  dieser  Verordnung  sich  nicht  ein  Anderes
ergiebt,  bleiben  die  in  dem  vormaligen  Königreich  Hannover  in  Ansehung  der
Führung  des  Schiffsregisters  und  in  Ansehung  der  Führung  der  Schiffspapiere
bestehenden  Vorschriften,  insbesonderere  die  Vorsshris  über  die  zur  Eiutreung

  in  das  Schiffsregister  nichtverpflichteten  Schiffe  in  Geltung,  vorbehaltich
  ihrer  Aenderung  durch  minsttere  ee  Anordnung,  sofern  sie  auf  einer  solchen
beruhen.

r.  6517.)  F.  4.
        <pb n="256" />
        —  80  —
KC.  4.

Diejenigen  Seeschiffe  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  welche  bereits
in  das  Schiffsregister  eingetragen  und  mit  Register-Certifikaten  versehen  sind,
müssen  in  das  nach  der  neuen  Porm  (§.  2.)  anzulegende  Schifferegister  anderweit
  eingetragen  und  für  dieselben  neue  Register-Certifikate  ertheilt  werden.

Ingleichen  sind  für  die  von  der  Eintragung  in  das  Schiffsregister  ausgenommenen
  Seeschiffe  neue  Meßbriefe  an  Sie  der  früher  ertheilten  auszufertigen.
  Die  anderweite  Eintragung  in  das  Schiffsregister  und  beziehungsweise
der  Umtausch  der  Meßbriefe  ist  von  den  Rhedern  unter  Einlieferung  der  früher
  ertheilten  Certifikate  oder  Meßbriefe  binnen  zwei  Monaten,  vom  1.  März
1867.  an  gerechnet,  nachzusuchen.  Befindet  sich  ein  Schiff  am  1.  März  1867.
auf  einer  Reise,  von  welcher  es  erst  nach  Ablauf  der  zweimonatlichen  Frist  in
einen  Hannoverschen  Hafen  zurückkehrt,  so  gilt  die  Frist  als  bis  zwei  Monate
nach  der  Rückkehr  verlängert.  Der  Rückkehr  in  einen  Hannoverschen  Hafen  steht
die  Ankunft  in  einem  Hafen  an  der  Ems,  Jade,  Weser  oder  Elbe,  sowie  die
Löschung  in  irgend  einem  Hafen  an  der  Nord=  oder  Ostsee  gleich.

Die  Versäumung  der  Frist,  binnen  welcher  die  Eintragung  und  der
Umtausch  der  Meßbriefe  nachzusuchen  ist,  wird  nach  Maaßgabe  der  oben  mitgetheilten
  §#.  8.  und  9.  des  Artikels  53.  des  Einführungsgesetzes  zum  Deutbher
  Handelsgesetzbuche  mit  Geldbuße  bis  zu  Einhundert  Thalern  bestraft.

Die  anderweite  Eintragung  in  das  Schiffsregister  und  die  Ertheilun
der  neuen  Register-Certifikate  und  Meßbriefe  erfolgt  kosten-,  gebühren=  un
stempelfrei.

C.  5.

Unser  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  ist  mit  der
Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
  Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  4.  Januar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Rediglrt  im  Büreau  des  Staats=  Mlnisteriums.
Berlin)  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="257" />
        —  81  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

..  Nr.  6.  —

 

(Nr.  6518.)  Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  des  Finanz-Etats  für  das  Gebiet  des
ehemaligen  Kurfürstenthums  Hessen  auf  das  Jahr  1867.  Vom  17.  Januar
  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r#

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

.  1.

Der  dieser  Verordnung  als  Anlage  beigefügte  Finanz=  Etat  für  das  Gebiet
des  ehemaligen  Kurfürstenthums  Hessen  auf  das  Har-  1867.  wird

in  Einnahme
auf  5/749,000  Thaler  und
in  Ausgabe
auf  5,749,000  Thaler,  nämlich
auf  5,396,550  Thaler  an  fortdauernden  und

auf  352,450  Thaler  an  außerordentlichen  und  künftig  wegfallenden
  Ausgaben,

vorbehaltlich  der  nachträglichen  Zustimmung  der  beiden  Häuser  des  Landtages
für  die  Zeit  vom  1.  Oktober  bis  31.  Dezember  d.  J.,  hierdurch  festgestellt.

C.  2.

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.
Johrgang  1867.  (NFr.  6518.)  11  Ur-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  25.  Januar  1867.
        <pb n="258" />
        —  82  —

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  17.  Jannar  1867.
L.  §.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.
        <pb n="259" />
        —  83  —

Finanz-Etat
für  das  Gebiet
des  ehemaligen  Kurfürstenthums  Hessen

auf

das  Jahr  1867.

 

(Nr.  6518.)  11°
        <pb n="260" />
        <pb n="261" />
        Betrag
m  Einnahmee.  für
—
#
I.  Steuerverwaltung.
J.  Direkte  Steuern.
LGrundsteuer..........................................  663,720
2.  Exemtensterrrrrr  ....  ..  .  .  .  ..  11,980
3.|  Gewerbesterrrr  ....  ..  .  .  ...  136,010
4.|  Klassenstueer  ..  .  ..  96,480
5.  Servisgeld  der  Stadt  Kasseiill  .  .  .  ..  .  ...  1,500
Summa  Kap.  .9b90
2.  Indirekte  Steuern.  s
Aus  der  Gemeinschaft.
EELEE  395,690
2.|Zoll,  Verbrauchssteuer  und  Uebergangs-Abgabe  aus  der
zum  Thüringischen  Zollvereine  gehörigen  Herrschaft
Schmalkalinenenananan  .  ...  ..  .  .  ...  .  .  .  .  26,000
3.]  Uebergangs-Abgabe  von  Takk  3/260
4.||  Antheil  der  Grafschaft  Schaumburg  an  dem  Aufkommen
der  gemeinschaftlichen  Branntweinsteuer  und  UebergangsbaaHll
  12,300
5.]  Rübenzuckersteerrr  .  ..  187,950
6.  Blei-  imd  Zettelgelder  ........................  ...  ..  ...  50
Privative.
7.Stempel.............................................  280,850
8.Wasserzoll.....·.....................................  13,500
9.Branntweinsteuer.....................................  118,500
10.]  Bierstuerrr  ...  54/480
1I.]  Tabaksstuerrr  3,000
12.|  Uebergangs-Abgabe  vom  Branntwein  und  Bier  65,870
13.]  Waage-,  Niederlage-,  Schlacht=  und  Schleusengelder.  2,400
14.  Aufkommen  von  Drucksahen  600
15.]  Außerordentliche  Einnamen  ..  4,650
Summa  Kap.  2  1/169,100

(Xr.  6518)
        <pb n="262" />
        86  —

 

 

 

 

 

 

Betreg
7  Einnahme.  fir
5  h  1867.
8
2—
3.  Von  der  Gemeinschaft  zu  ersetzende  Kosten
der  Erhebung.  der  gemeinschaftlichen
Uebergangs--  Abgabe  eins  liebdh
Aversums  für  den  verhältnißmäßigen
Mehraufwand  an  Aufsichtskosten  1,050
4.  Straf.  und  Konfiskationsgeldern  .  .  .  300
5.  Wege--,  Brücken-,  Pflaster-  und  Fährgelber....................................
  830
Dazu  Summa  Kap.  1.  bis  4.  ....  .  2,080,140
Summa  I.  .....  A#####
HI.  Domainen  und  Forsten.
6.  Eigentliche  Domanial.  Einkünfte.
1.Ständige  und  unständige  Gefälll  18,120
2.Pocht  gua  ..........................................  329,470
3.  Vo  enten........................................  510
4.  riften  und  Schäferei-Gerechtigkeiten  .............  2,770
Summa  Kap.  6.350|870
7.  Gesundbrunnen.
1.ofgeiömak..........................................  1,810
J.enndorf.............................................  10,000
Z.Wilhelmöbad.........................................  190
4.Salzsclll  970
Summa  Kap.  7.  12)970
8.  Forsten.  W
1.  Forstiuhungen  n,  einschließlich  des  Hauerlohnes,  der  Strafen,
  d  Scebene  ersatzes  und  der  Pfändegebühren  927,000
2.  ——  einkommen.  ..  .  .......  ...  .....  .  .  ..  5,530
Summa  Kap.  8  989382s530
9.  Jadggnn  ......  .  ..  ...  3/710
10.  Fischerin  ..  .  Idõ
Dazu  Summa  Kap.  6.  bis  9  1,300,080
Summa  ILI.  ....  .  1,302,770
        <pb n="263" />
        Betrag
zJ.  Einnahme.  für
—  1867.
W1
###

2
II.  Berg-,  Salz=  und  Hüttenwerke.

11.]|1.]  Bergwerkeeeeaaaaaa“#“#  131,770
2.Salzwerke........·........·.........................  105,300

3.  Hütten  und  Hammerwerke,  auch  Fabriken  38,280
Sunma  III.  ..  .  ..  275,350

IV.  Postwesen.

12.1.Erbzinnnnsss  .  .  ..  .....  .  ...  42,000
2.]  Beitrag  zu  den  Kosten  der  oberen  Leitung  des  Postwesens  2/300

3..  Beitrag  zu  den  Kosten  des  Straßenbauies  9,510
Summa  IV.  .  .  .  ..  53,810

V.  Staats-Eisenbahnen.
13.I.]Main-Weser-Baaaaaan.X:X  317,530
2.  Hannover-Mindener  Bhn  .  ..  ...  100,000
Summa  V.  .  .  .  .  .  617,530
VI.  Aus  dem  Kapital-Vermögen  des
Staats.

14..insen  von  Aktiv-Kapitallln  226,970
2.|blieferungen  aus  dem  Staatsschaee  350,000
Summa  VI.  .....  576,970

15.  VII.  Laudgestüte  10,410

 

 

(Nr.  6518.)
        <pb n="264" />
        Betrag
E  Einnahme.  für
-  2  1867.
8
*
VIII.  Sonstige  Einnahmen.
16.  *  und  Konfiskationsgelder  außer  den  unter  Kap.  4.
und  8.  aufgeführten  ähnlichen  Emmahmen  32,180
2.Konzessionszin  en,  Weinkäufe  und  von  verpachteten  Wirthch
  ft..........................................  30,420
3.Hundesteererererr  ...  ..  ..  ..  17,950
4.Beiträge  der  Städte  zu  den  Kosten  der  Polizei.  ..  4,560
5.Agiogemnmnmnmnmnnn  ..  ..  ..  1,180
6.]  Beitrag  der  Kurfürst  Friedrich-Wilhelms-Nordbahn  zur  «
Emzt  gnug  vonKassenschemm»........·............  25,000
7.Ersetzte
Vorschußkosten  in  Strafsachen  6,210
¾v  Atungskostettn  .  .  .  .  ..  ...  ...  2,070
8.Erlös  für  Baumaterialien  und  sonstige  vermischte  Einnahen
  ..  .  .  .  .  11,620
Summa  VIII.  .  .  .  .  .  131,190
17.  IX.  Ueberschüsse  aus  den  Jahren  1866  et
reree  .  .  ..  700,000
Wiederholung.
I.  Steuerverwalltnynyny  ..  ...  2,080,970
II.  Domainen  und  Forsten  ..  .  ..  1,302/770
III.  Pez  /  gine  #  wir  ................  275,350
IV.  Hô  esen  53/810
taats--  Eisenbahhen  617,530
I  AusdemKapttalvermogendesStaats..........  576,970
VII.  Landgesttttto  10,410
VIII.  Sonse  e  Einnahmen  .  .  .............  ...  ...  ..  .  ..  131,190
IX.  Ueberschüsse  aus  den  Jahren  1866.  et  retro  700,000
Hauptsumme  der  Einnahmen  ..  ...  5/749,000
        <pb n="265" />
        89

 

Betrag  für  1867.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Außer-Fort.
  dentl
—  Aus  ga  be.  dauernde  ardl
Ausgaben.  wurgfallende
8  Ausgaben.
—
1.  I.  Fideikommiß-Verwaltung  ..  300,t00%  4,  706
2.  II.  Fürstliche  Apanagen  und  Deputate  56,900—
III.  Obere  Landesverwaltung.
3.  Besoldungen  und  Diäten  43,32010
4.  unständige  Dienst-,  Aufwands-,
eise-  c.  Kosten  10,3000  —
Summa  III  .  ..  53/,6020  1700
IV.  Rechtspflege.
5.  Besoldungen:
1.des  Ober-  Welltionsgerchts  ...............  29,390—
2.derOberqek1.·...........................  67,370  1,750
3.  des  Stanhgerichts  und  der  Justizämter  170,300
4.der  Staatsbehörde  bei  den  Gerichten  12/75
5.  der  Staatsanwällteee  .  .  ..  .  ..  .  .  .  .  ..  —
Summa  Kap.  5.  287/8100  1/750
6.  Kosten  der  Geschäfts=  und  Gefängnißlokale:

1.)Miethzinsen  .  .  .  ...  2,490
2.  Brandsterrrerererr  500
3.Baukosteen  ..  ..  ..  ..  6,2601  15,000
Summa  Kap.  6  9,2501500
7.  Unständige  Dienstkosten:
1.  des  Ober=  Epellationzgerichts  pf  einschließlich  der
General-StaatsprokuratrMNJq  2,000  .—
2.  der  Obergerichte,  einschließlich  der  Staatsprokuratueen
  .  ...  15,0000h  —
3.  des  Stadtgerichts  und  der  Justizämter  ..  ...  .  ..  16,00  —
4.der  Staatsanwäaltttttan  .  .  .  ..  1,000
Summa  Kap.  7.  34,000  —

Jahrgang  1867.  (Nr.  6518.)
        <pb n="266" />
        90

 

Betrag  für  1867.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Außer-Fort-
  dentli
Aus  9#  be.  dauernde
.  «  r  ende
**  Musgaben.  A#gabenw
  7
8.  Besondere  Kosten  der  Strafrechtspflege.

1.]  Verpflegungs-  2c.  Kosten  66,000  —
2.]  Kosten  der  Schwurgerichhtt  6/,00
Summa  Kap.  8.  72,00  —
9.  Straf=  und  Besserungs-Anstalten.
1.N  Zuschüsse  zu  den  Kosten  der  Stockhäuser.  18,000  —
2.Zuschüsse  zu  den  Kosten  der  Zuchthäuser  .  .  34,00
3.Zuschüsse  zu  den  Kosten  der  Zwangsarbeits-Anstalt
  für  Mänren  14,00
Summa  Kap.  9.  66,000  —
10.  Unvorhergesehene  Ausgaben.  .  .  .  ..  2/00  0
Dazu  Summa  Kap.  5.  bis  9  463,0601
Summa  IV.  ..  ...  465,0601  16,750
V.  Innere  Landesverwaltung.
11.  Kosten  der  bestehenden  Landtagsin
  richtungen.
1.]  Besoldunega  —  2,090
2.]  Unterhaltung  des  Archrvrvs  —  100
Summa  Kap.  11.  .  .  .  ..  —  2,190
12.  Haus-  und  Staatsarchiv.
1.]  Besoldunen  2/86ö680—
2.NUnständige  Dienstkosten  500—
Summa  Kap.  12.  .  .  ..  .  3/366—
        <pb n="267" />
        91

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Betrag  für  1867.
Außer  ·
Fort.  dentli
—  Ausgabe.  dauernde  rhr
we
E  .  Aubgaben  Ablgabene
#.  ##
13.  Technische  Kommissionen.

Für  landwirthschaftliche  Angelegenheiten.
1.|Besoldunen  .  .  ..  1,650  500
2.Unständige  Dienstkosfsen  8000—
3..]Kosten  zur  Beförderung  der  Landwirthschaft.  8/000—

Für  Handels-  und  Gewerbs-Angelegenheiten.
4.|Besoldunen  1,600  141
5.  Unständige  Dienstkosten  .....  .  .  ..  ..  ..  60—
6.]  Kosten  zur  Beförderung  der  Gewerbe  40000  —
Für  bauliche  Angelegenheiten.
7.|  Besoldunen  .  ..  ..  2/714
8.)  Unständige  Dienstkosten  —
Für  statistische  Angelegenheiten.
9.]Besoldunen  1/750  —
10.|Unständige  Dienstkostn  .  .  .  ..  800—
Für  die  geologische  Landesanstalt.
11.Besoldunenga  —  300
12.)  Unständige  Dienstkostetan  —  1,700
Summa  Kap.  13  22/710  2.641
14.  Lehenhof.
1—Besoldungen................................  —  2,950
2iUnständigeDienstkosten.·..·.................  —  300
Summa  Kap.  14  —  3/250
15.  Verwaltungs-Behörden.
Regierungen.
J.  esoldunggegg  ..  .  ..  49,540  510
2.  Unständige  Dienst-  und  Verwaltungskosten.  10,130  —
3.  Rekrutirungskosten  2,400  —
Polizeidirektionen  und  Landrathsämter.
4.  Besoldungggeeennng  .  .....  69,450  538
5.  Unständige  Dienst-=  und  Verwaltungskosten.  23/63
6.]Besoldungen  der  Ortsbehörden  .  .  3,3701  13,600
Summa  Kap.  15.  158,5401  14,648
(Nr.  6518.)  12“
        <pb n="268" />
        92

 

Betrag  für  1867.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Außer-.
  Fort-  dentli
2  2  Aus  ga  be.  dauernde  rnn
S  w  n
;  Ausgaben  cgalle  de
.  2#
16.  Polizei.
1.]  Kosten  der  Gendarmeriiee  ..  ..  .  ...  ....  83800-2.
  Dlohungen  des  Polizei-Aufsichtspersonals  16,0000  —
3.  ]Belohnungen  zu  polizeilichen  Zwecken  200  —
Summa  Kap.  16  100,000  —
17.  Kirchenbehörden.
J.  Zuschuse  zu  den  Konsistorialkassen  und  zur  Aufesserung
  der  Gehalte  der  Subalternen  bei  den
Konsistoren  7,000  57
2.]  Landesbischof  und  Domkapitel.
¾3  Besoldungeng  11,97u—
HD%  Unständige  Dienstkosteeen  296—
3.]  Beiträge  zu  den  Dotationen  der  Prediger  und
sonstigen  Kirchendienerstellen  .  .  ...  .......  64,980  3/400
4.)Kosten  des  Gottesdiensttes  9610  100
5.]  Beiträge  zu  Kirchenbaueen  4,00
6.]Retorsionsstererr  ..  300
Sunimma  Kap.  17.  .  .  .  .  .  98,1501  7,557
18.  Medizinalbehörden.
I1.  Besoldungen  der  Beamten  des  Ober-Medizinal-Kollegiums...............................
  2,950—
2.UniftändtgeDienstkostcndesselben..............  700—
Z.BeIsoldungenderPhysiker.......·............  23,950-—
4.Be1soldungendcrhysikats-Assistenten,beziehungsweise
  Amts-Wundärzkztt  9,950  1,950
5.]  Besoldungen  der  Kreis-Thierärzte...  5,250  —
Summa  Kap.  18.  ..  ...  242,800  1,950
19.  Staats-Bauwesen.
1.  Besoldungen  des  Personals  der  unteren  Baueamen
  45,850
2.  Unständige  Dienstkosten  für  dieselbben.  140|  —
Seite.  4320—
        <pb n="269" />
        93

 

Betrag  für  1867.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fort  wer.
E  —  Aus  g  a  be.  dauernde  und  kinsigg
Ausgaben.  wosgfallende
Se  Ausgaben.
#  #.
Uebertrag  47300  —
3.  Kosten  der  Unterhaltung  der  Gebäude  10,000  16,061
4.Brandkassensteennr.  1,470
5.|]  Kosten  der  Erhaltung  der  Denkmäler  der  Baukunst  50—
6.]  Kosten  der  Umeerpulang  des  Straßen=  und
Brückenbauesss  ...  150,000  28)000
7.]  Kosten  des  Wasserbaus  25,00010,  087
8.]  Kosten  des  Landwegebauueies  18,400  40  000
Summa  Kap.  19.  256905  Jh148
20.  Lehr-  Anstalten.
1.Universität  zu  Marburgeg  ...  57671—
2.  Hebmmeen-  Lehranstallt  .  ..  1,800  —
3.]Luschüsse  zu  #  den  Kosten  der  Gymnasien  51/290  500
4.Desxgl.  der  höheren  Gewerbschule...  11/760
5.  desgl.  der  Schullehrer-Seminariien  ..  25/2644
6.  Betr#e  zu  den  Besoldungen  der  bei  niederen
Volkeschulen  angestellten  Lehrtrr  123,940  45
7.Beiträge  zu  den  Landschulkassen  14,110  —
8.  Beiträge  zu  Schulhaus-Bauten  4.00%  —
Summa  Kap.  20  289,830  16,407
21.  Kunst-Akademien  und  gelehrte  Ge—
sellschaften.
1.  Zuschüsse  zu  den  Kosten  dieser  Anstalten.  ..  ..  ..  9,328  0
2.Unterstützung  junger  Künstler  500
Summa  Kap.  21  9,820—
22.  Landesbibliotheken.
1.)Besoldunen  .  .  ..  2444
2.  Unständige  Dienstkosen  200  .—
3.Zum  Ankauf  von  Büchen  3,000  —
Summa  Kap.  22.K4  564—
(Fr.  6518.)
        <pb n="270" />
        94

 

Betrag  für  1867.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.3
—  Jork-  or
—  Aus  d9a-  be.  dauernde  und  lünfit
S  Ausgaben.  wegfallende
——  Ausgaben.
23.  Kranken-Anstalten.
1.)  Land-Kranken-Anstalton  52/910  3|136
2.  Andere  Kranken-Anstalteon  .  ..  7,0000  —
Summa  Kap.  23—  59910  3)136
24.  Zuschüsse  zu  den  Armen--Anstalten  28,910  1,170
25.  Zuschüsse  zu  den  Wittwen-Anstalten  1,150  204
26.  Kosten  des  Landgestütes.
1.Besoldungen...·............................  9,980—
2.UnständigeDienstkosten......................  400—
Z.SonstigeKostendesLandgestütes............  18,1402,000
4.FohlenweidcnundFohlenhöfe..........·.....  500—
Summa  Kap.  26  29,020  22,000
27.  Vergütungen  an  Unterthanen  für
die  Verrichtung  von  Landfolgediensten
  6,000  —
28.  Unvorhergesehene  Ausgaben.  3/500  —
Dazu  Summa  Kap.  11.  bis  27.4  1,108,530  149,301
Summa  V.  .  .  .  .  .  1/112,030  149,301
VI.  Finanzverwaltung.
29.  Direktion  des  Staatsschatzes  ..  ..  .  3,610  —
30.  Direktion  der  Haupt-Staatskasse.
1.)Besoldunenn  .  .  .  .  ..  21,970  50
2.]  Unständige  Dienstkosten  3,200  —
3.Prozente  der  Hülfs-Baukassirrr  —  100
Summa  Kap.  30  25/170  150
        <pb n="271" />
        95

 

Betrag  für  1867.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Außer-Fort-
  dentlich
—  Aus  iiee  be.  dauernde  d  nnn
S1*  r  nde
5  Musgaben.  Abhgabene
##—  #
31.  Verwaltung  der  Domainen.
1.Besoldungen  der  Ober--Finanzkammer  ....  .  .  ..  20,640  850
2.]  Besoldungen  des  Renterei-Personals.  56,790  220
3.Abgaben....·..........................  15,230—
4.SonstigeBerwaltungskosten»..»..........  30,000—
SummaKap.31......  122,660  1,070
32.  Verwaltung  der  direkten  Steuern.
1.Besoldungen  des  Ober-Steuerkollegiums...  ...  22,3309  —
2.Besoldungen  der  unteren  Steuerbeamten  ...  .  ..  44,970
3.Vermessungskosten  .  .  ...  1,000  3,300
4.Rektifikationskosteeen  ..  .  .  ..  —  20,750
5.|  Kosten  der  topographischen  Landesvermessung  700  523
6.]  Sonstige  Verwaltungskosten  ——  —
Summa  Kap.  32  95,100  24)573
33.  Verwaltung  der  indirekten  Abgaben.

1.]  Besoldungen  der  Beamten  der  Ober-Zolldirektion  9/630  650
2.)Besoldungen  der  Beamten  für  die  Erhebung  der
indirekten  Abgaben  66,470  3,180
3.  Besoldungen  *  Beamten  in  der  zum  Thüringischen
  Zollverbande  gehörigen  Herrschaft
Schmalkalden  P—  .  .  ..  5*  2/73239  12
4.Belohnungen  für  das  Ethebungs-Personal.  ...  300—
5.KostenderStempelvenvatun..............  20,140——
6.]  Kosten  der  Erhebung  der  indirekten  Abgaben
und  Zöll  ...  13,670
7.  Vergütungen  an  Befreite  und  Berechtigte  8,000
Summa  Kap.  33.  .  .  .  ..  120,,  40%  J830
34.  Verwaltung  der  Forsten.
1.]Besoldungen  des  Ober-Forstkollegiums  .......  11,360  —
2.]  Besoldungen  der  unteren  Forstbeamten  201,540  1,933
3.Kulturkoskten  ...  —............  46,50032,940
Seite  259,40034,873

(Nk.6518.)
        <pb n="272" />
        96

 

Betrag  für  1867.

 

Außer- 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fort-  dentli
.  m—  Ausgabe.  dauernde  und  rrilc
3  Ausgaben.  wegfallende
EGD  Ausgaben.
7  ##.
Uebertrgrgg259/40
4.Kosten  der  Forst-Lehranstaltt  .  ..  3,150  100
5.]  Kosten  des  außerordentlichen  Forstschutzes.  —  7,620
6.  Unterstützungen  für  Forstläufern  300  —
7.  Lol  merlehne  ..........................  196,000—
8.on«geVenvaltungskosten................  17,000—-SummaKap.Z4......
  475,85042,593
35.  Verwaltung  der  Jagden  3,420  —
36.  Verwaltung  der  Fischereien.
1.)Besoldunggenn  720  0—-2.Sonstige
  Verwaltungskosten  900—
Summa  Kap.  36  1,6200  —
37.  Verwaltung  der  Berg.,  Hüttenund
  Salzwerke.
1.]  Besoldungen  der  Ober-Berg-=  und  Salzwerks-Direkttion
  .  .  .  .  9,420  100
2.  Unständige  Dienstkostetn  .  ..  1,100—
3.Gehalte  2c.  der  Betriebsbeamten  29510—
4.]  Kosten  bergmänmischer  Versuche  ...  —  7,000
Summa  Kap.  37  40030%00
38.  Verwaltung  der  Gesundbrunnen.
1.)  Besoldunen  3/,830  200
2.  Baukossen  .  .  .  .  .  ..  5/2200—
3.Sonstige  Verwaltungskosten  7,1900  —
Summa  Kap.  38  ..  16,240%
39.  Verwaltung  der  Wege-  und  Brük.
kengelder.
1.)Besoldungen  2c.  der  disponibeln  Wegegeld-Erhebernrnrnrnrnr
  —  2,690
40.  Baukosten.
1.  Zu  Domanial-Landbauten  (Unterhaltungskosten)  35,000  —

 

 

Seite

 

 

 

JI  Tod
        <pb n="273" />
        97

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Betrag  für  1867.
U  Fort  afer
“  en  t
3  E  Aus  g  a  be.  dauernde  zabre
wegsallende
8  Ausgaben.  A#lgaben.
#  —
Uebertrag  ..  ...  35,00  —
2.  Z  1  gößeren  baulichen  Herstellungen  —  30,000
3.  eubauten  .  ..  —  36,808
4.  Domanial--Wasserbauten  .................  6,000%  2)929
5.Zu  Zollbauttren  .  ...  2,/341
Summa  Kap.  40.  43,3401  69,737
41.  Bau-  und  Ziegelsteuern  .  .  .  .  500—
4.  Renten  und  Passivzinsen  408,  46
43.  Kapitalrücksjahlungen  68,500  —
44.  Unvorhergesebene  und  vermischte
Ausgaben  87/15
45.  Ausfälle  an  den  Einnahmen.  29/14
Dazu  Summa  Kap.  29.  bis  44  1,512,490  152,  943
Summa  VI.  .  .  ...  D54D6O  52,94
46.  Für  Zwecke  der  Militairver-=waltung
  .  .  .  .  .  .  ...  .  .  .  .  .  .  ..  1,622,060
VIII.  Auswärtige  Angelegenheiten.
47.  Wartegelkder  ..  .  .  ..  —  8,033
IX.  Pensionen  und  Unterstützungen.
48.  Pensionen  nach  den  88.  30.  60.  72.
87.  und  103.  des  Staatsdienstgesetzes.

1.]  Für  Mitglieder  und  Beamte  des  ehemaligen
Staatsministeriinmmmm  12,t44  A
2.  7  das  Justizdepartemnet  45,300  —
3.Für  das  Departement  der  inneren  Landesverwaltun..................................
  70,730—
4.  !  das  PDerariement  der  Finanzverwaltun  80,000  —
5.|Für  das  Departement  der  auswärtigen  mnge.
legenheiken  —  4,017
Summa  Kap.  48.  .....  208-47067

Jahrzang  1867.,.  (Nr.  6518.)

13
        <pb n="274" />
        98

 

Betrag  für  1867.

 

 

 

 

 

 

 

Fort  se,
—  ·  ordentliche
S:  Ausgabe.  dauernde  und  künftig
3  '  Ausgaben.  wallsnde
Ausgaben.
#  #
49.  Unterstütungen  nach  den  55.  95.
4.  und  105.  des  Staats-1
  ansihe  an
1.  Fr  das  Justizdepartemnt..  .  ..  4,00  ä.
2.Für  das  Departement  der  inneren  Landesverwaltung.
  .................................  16,200  —
3.FürdasepartementderFinanzvekwaltung..  11,500—
Summa  Kap.  49  ..  31,700|
50.  Unterstützungen  für  beschädigte
Holzbauer  und  deren  Hinterblieben.
  600  —
51.  Zuschuß  zur  Forst-Wittwenkasse.  3,1600
52.  Zuschuß  zur  Bau-Wittwenkasse  1,38  #
Dazu  Summa  Kap.  48.  bis  5  243,870  4,017
Summa  ILX.  .  .  .  ..  245,250  40017
        <pb n="275" />
        99

 

 

 

 

 

 

 

 

Betrag  für  1867.
Fort  Tufer.
"  ordent
Aus  g  a  be.  dauernde  ud  nnn  Ueberhaupt.
Ausgaben.  wochfallend
Ulegaben-—
  #  #
Wiederholung.

I.  Fideikommiß-Verwaltung  300,000  4/706
II.  ürstich  Apanagen  und  Deputate  .  .  .  6,  900  —  56,900
III.  Obere  Landesverwaltung  53,  520  16,7001  70,320
IV.  Rechtspflegen  v465,060  16,750#  81,810
V.  Innere  Landesverwaldung  .  .  .  ..  1/112,030|149,  3011,  21,31
VI.  Finanzverwa  lung  .................  1,541,630  152943,694,573

VII.  Für  Zwecke  der  Milttairoermaiung.  1,622,060  1,622,060
VIII.  wärtige  Ange  gelcgenheiten  ..........  —  8,033  8  033
IX.  Pensionen  und  Unsrstüungen  .  .  .  .  ..  245,250  4,017  249,267
Hauptsumme  der  Ausgaben  5/396/550352,  4  4900
Die  Hauptsumme  der  Einnahmen  beträgt  —  —  55749,000
Balancirt.
Berlin,  den  17.  Januar  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck.  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.
13“  (Nr.  6519.)

(Nr.  6518—6519.)
        <pb n="276" />
        —  100  —

(Nr.  6519.)  Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  des  Finanz-  Etats  für  das  Gebiet  der
ehemaligen  Landgrafschaft  Hessen=  Homburg  auf  das  Jahr  1867.  Vom
17.  Januar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.
verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K..  1.

„  Der  dieser  Verordnung  als  Anlage  beigefügte  Finanz  ·  Etat  für  das  Gebiet
der  ehemaligen  Landgrafschaft  Hessen-Homburg  auf  das  Jahr  1867.  wird

in  Einnahme
auf  625,712  Gulden,  nämlich
auf  371,641  Gulden  an  ordentlichen  und
auf  254,071  Gulden  an  außerordentlichen  Einnahmen,
in  Ausgabe
auf  625,712  Gulden,  nämlich
auf  375,351  Gulden  an  fortdauernden  und

auf  250,361  Gulden  an  außerordentlichen  und  künftig  wegfallenden
  Ausgaben,

vorbehaltlich  der  nachträglichen  Zustimmung  der  beiden  Häuser  des  Landtages
für  die  Zeit  vom  1.  Oktober  bis  31.  Dezember  d.  J.  hierdurch  festgestellt.

.  §.2.
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  17.  Januar  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.
        <pb n="277" />
        —  101  —

Finanz-Etat

fuͤr  das  Gebiet

der

ehemaligen  Landgrafschaft  Hessen-Homburg
auf

das  Jahr  18867.

er.  6519.)
        <pb n="278" />
        <pb n="279" />
        —  103  —

 

 

Betrag
**-  Einnayme.  für
*  1867.
6
K#.  E.  Hlr.
A.  Ordentliche  Einnahmen.
J.  en  und  Forsten.
1.  der  selbstadministrirten  Gebäude  und
Wiunc
von  Gebäuden  nebst  Gärten.  .......  .  .  ...  610.  —  —
b)  von  Feldgüteen  ...  1,506.  —  —
2.Ertrag  der  Waldunen  .  ..  16,207.  39.  —
3.]Pacht=  und  Miethserträge:
von  Hebauden  ..........................  472.  —  —
b)  von  Güten  9,867.  47.  1
4.  Kröpachtrenten  ..............................  6,527.  11.  1
5.  Laudemialgefällll  ...  481.  —  —
6.  Hrundabg  gaben  ..  .  .  ..  17.  56.  1
7.  Von  der  d  und  Fischeri  .  ..  ..  100.  —  —
8.  Von  der  d  1eteee  ..  90.  —  —
9.  Verschiedene  —*  E  321.  33.  —
Summa  Kap.  J.  .....  36,201.  6.  3
II.  Staatsrente  von  Seiten  des  Großherzogthums
  Hessen  25,000.  —  —
III.  Oeffentliche  Abgaben,  Taxen  und
bühren.  I  6
1.]  Direkte  Steuen.  ..  ...  ..  .  ..  .  .  .  70,668.  —  —
2.  Jöllnlnn  .  ..  .  .  ..  32,190.  45.  —
3.Sonstige  indirekte  Abgaben  62,  378.  3.—
4.Stempelgebübtben  21,  605.  —  —
5.Einregistrirungsgebührten  1  12,  925.  —  —
6.  Amtliche  Gebüten  4538.  –  —
Seite  .....  204,304.  48.  —

 

 

(Tr.  6519.)
        <pb n="280" />
        —  104  —

 

 

Betrag
BI.  Einnahme.  für
5  2  1867.
#S#  .  r.
Uebertrag  204,  304.  48.  —
7.  Taren  .  ...  1,954.  —  —
8.  Chausseegelllien  1,350.  —  —
9.Kollateralgelien  .  .  .  ..  1,549.  —  —
Summa  Kap.  III  209,  157.  48.
IV.  Diverse  Gefälle.
1.  gErtag  von  Regallen  .  .  .  ...  70,623.  18.  —
2.  l  esoldungsbeiträge  von  Gemeinden  und
ikivaten.................................  3,613.  34.  2
3.Strafgelden  .  .  ..  2/434.  —  —
Summa  Kap.  IV.  ..  ..  .  76,670.  52.  2
V.  Einnahmen  für  die  Schuldentilgungskasse.

1.  An  Kapitalien  aus  Veräußerunggen  1,500.  —  —
2.  An  Kapitalien  aus  sonstigen  Forderungen  .  1,000.  —  —
3.  An  Zinsen  von  Kapitalien  aus  Veräußerungen.  28.  —  —
4.  An  Zinsen  von  sonstigen  Forderungen  40.  —  —
Summa  Kap.  W.  2,568.  —  —
VI.  Verschiedene  Einnahmen  ..  22,0  43.  12.  3
B.  Außerordentliche  Einnahmen.
An  Einnahmeresten  und  Ueberschüssen  der
Verwaltung  aus  dem  Vorjahre,  sowie  aus
Veräußerung  von  Aktiven  und  Rückzahlung
eines  Vorschusses  von  dem  Meisenheimer
Kirchenschaffnei=  Fonndss.  254,071.  —  —
        <pb n="281" />
        Betrag

Kapitel.  Einnahme.  für

1867.
—  Hlt.

Wiederholung.
A.  Ordentliche  Einnahmen.
I.)Domainen  und  Forsten  36,201.  6.  3
II.  Staatsrente  von  Seiten  des  Großherzogthums

Le  ...................................  25,000.  —  —
III.Oeffentliche  Abgaben,  Taxen  und  Gebühren.  209,  157.  48.  —
IV.  Diverse  Gefälll  76,670.  52.  2
V.  innahmen  für  die  Schuldentilgungskasse.  2/5068.  —  —
VI.  erschiedene  Einnahmen  22,043.  12.  3
Summa  A.  .  .  ...  371,641.  —  —

B.  Außerordentliche  Einnahmen.

An  Einnahmeresten  und  Ueberschüssen  der
Verwaltung  aus  dem  Vorjahre,  sowie  aus
Veräußerung  von  Aktiven  und  Rückzahlung
eines  Vorschusses  von  dem  Meisenheimer

Kirchenschaffnei=  Fodss  254,071.  —  —
Hauptsumme  der  Eimahmen  625/712.  —  —

 

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6519.)  14
        <pb n="282" />
        —  106  —

 

 

Betrag
Ausgabe.  für
3  1867.
5
ñl.  Xr.  Hlr.
A.  Fortdauernde  Ausgaben.
J.  Verwendungen  auf  das  Staatsvermögen.

Baukosten.
1.  Hr  Gebäueen  2,295.  —  —
2.  ür  Straßen,  Brücken  u.  dergl.  .  .  .  ..  .  .  .  .  .  7,256.  15.  —
Unterhaltungs-„Betriebs=  und  Nutzungskosten.

3.  ür  Gebäude,  Straßen,  Brücken  u.  dergl.  110.  —  —
4.  Für  Feldgüter  303.  40.  —
5.  Für  Waldunggegng  .  ...  8,379.  3.  —
6.  Grundabga.hhen  292.  —  —
7.  Insgemen  41.  —  —
Summa  Kap.  J.  1676·58—
II.  Kosten  der  Civilverwaltung.
1.  Gehälter  und  ständige  Remunerationen  .  ..  93,586.  10.  —
2.enfionen  und  ständige  Unterstützungen  6,112.  36.  —
3.  Außerordentliche  Remunerationen,  Unterstützungen,
  Umzugskosten  2::::  .  ..  1,135.  —  —
4.  Büreaubedürfnisse  6,991.  33.  —
5.Diäten  und  Reisekosten  ...  1,078.  —  —
6.  Gerichts.,  Prozeß=  und  andere  amtliche  Kosten  2,152.  —  —
7.Brandbkassenbeiträge  und  verschiedene  Abgaben.  515.  20.  —
8.Insgemen  6,471.  1.  —
Summa  Kap.  II.  .....  128,3  41.  10.  —
III.  Für  Zwecke  der  Militairverwaltung  105,190.  —  —
IV.  Verzinsun  und  Tilgung  der
taatsschulden.
1.Zur  Verzininngg  15,679.  50.  —
2.Zur  Tilnng  62  #vO.  29.  3
Summa  Kap.  IV.  .....  78,550.  19.  3
V.  Vermischte  und  unvorhergesehene
Ausgaben  ..  44,292.  2.  1
        <pb n="283" />
        —  107  —

 

 

Betrag
FZJ.  Ausgabe.  für
-*  —  1867.
5
“Fzr.  Hir.
B.  Außerordentliche  und  künftig
wegfallende  Ausgaben.

J.  Aus  Anlaß  der  früheren  Hofhaltung  46000.  —  —

II.  Zurückzahlungen  auf  Passiva  ........  ......  ...  204,361.  —  —
Wiederholung.
A.  Fortdauernde  Ausgaben.

J.  Verwendungen  auf  das  Staatsvermögen  18,676.  58.  —
II.  Kosten  der  Civilverwaltng  128,341.  40.  —
III.  Für  Zwecke  der  Militairverwaltauung  105,490.  —  —
IV.  Verzinsung  und  Tilgung  der  Staatsschulden  78,550.  19.  3
V.  Vermischte  und  unvorhergesehene  Ausgaben.  44,292.  2.  1

Summa  A.  .  .  .  .  .  375,351.  —  —
B.  Außerordentliche  und  künftig  wegfallende
  Ausgaben.

I.  Aus  Anlaß  der  früheren  Hofhaltung  46,000.  —  —

II.  Zurückzahlungen  auf  Passiogogog  204,361.  —  —
Summa  B.  .....  250/561—  —
Hauptsumme  der  Ausgaben.  625/712.  —  —
Die  Hauptsumme  der  Einmahmen  beträgt.  625,/712.  —  —
Balancirt.
Berlin,  den  17.  Januar  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

(Fr.  6519—6520)  14“  (Nr.  6520.)
        <pb n="284" />
        —  108  —

(Nr.  6520.)  Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  des  Finanz-Etats  für  die  Herzogthümer
Schleswig  und  Holstein  auf  das  Jahr  1867.  Vom  17.  Januar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u&amp;amp;

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.
Der  dieser  Verordnung  als  Anlage  beigefügte  Finanz-Etat  für  die  Herzjogthümer
  Schleswig  und  Holstein  auf  96  Jahr  950  l.  wird

in  Einnahme

auf  19,178,259  Mark  und
in  Ausgabe

auf  19,178,259  Mark,  nämlich

auf  18,443,272  Mark  12  Schillinge  an  fortdauernden  und

auf  734,986  Mark  4  Schillinge  an  einmaligen  und  außerordentlichen
  Ausgaben,

vorbehaltlich  der  nachträglichen  Zustimmung  der  beiden  Häuser  des  Landtages
für  die  Zeit  vom  1.  Oktober  bis  31.  Dezember  d.  J.,  hierdurch  festgestellt.
G.  2.
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkumdlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.  st  8
Gegeben  Berlin,  den  17.  Januar  1867.

(L.  8.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.
        <pb n="285" />
        —  109  —

Finanz  -  Etat
für
die  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein
auf

das  Jahr  1867.

(Nr.  6520.)
        <pb n="286" />
        <pb n="287" />
        111  —

 

 

Betrag
Einnahme.  für
**.  1867.
□—  r
-
———1
1  4  Domainen  und  Forsten.
1.]Von  den  einzelnen  Domannen  289,152.  —
2.Erbpachtgefälleelenenenn  ...  .  .  ..  ...  170,356.  —
3.  Zeitpacht  von  verschiedenen  Nutzungen  334,802.  —
4.Vom  Forst=  und  Jagdwesen  732,860.  —
Summa  Kap.  I  .1,,527,170.  —
2.  Landesabgaben.
1.Stehende  Gefälll  1,794,354.  —
2.  Laudemien,  Strafgelder  und  verschiedene  Gefälle  66,360.  —
Summa  Kap.  2  1,860,714.  —
3.  Direkte  Steuern.
1.  Kontribution  ——n–-e2  1,320,510.  —
2.Landsterrr  .  .  .  .  ..  1,473,720.  —
3.  Haussteuer  .................................  518,900.  —
4.  agazinkorn=  und  Fouragegelden  404,710.  —
5.]  Rangsteeer  ...  19,370.  —
6.Chausseesteuerrrrr  ..  18,000.  —
7.  Nahrungssteuer  und  Gewerbe-Rekognition..  188,070.  —
8.]Rekognitionen  vom  Eisenbahnwesen  9/750.  —
9.)  Landesbeitrag  zu  Holsteinischen  Chausseen  und
Nebenlandstrafßfen  56,250.  —
Summa  Kap.  3  4,009,  280.  —
4.  Indirekte  Steuern.
1.  Einfuhrzooaaaaa  .  ..  5/380,000.  —
2.Ausfuhrzolll  .  .  ..  143,000.  —
Seite  .....  5,523,000.  —

 

 

(Fr.  6520)
        <pb n="288" />
        112

 

 

 

 

Summa  Kap.  4.4

8,600,167.

 

Betrag
zZJ.  Einnahme.  für
HE  1867.
5
Wark.  Sil.
Uebertrag  ..  ...  5/523,000.  —
3.Gebührtrtrrn  350,500.  —
4.Transitzolll  .  ..  «............·.......  120,000.—
5.  Packhmsmiiethe  .............................  3,000.  —
6.]  Steuern  vom  Branntweinbrenen  773,000.  —
7.Schiffahrts-Abgabbbrl  ..  190,000.  —
8.Spielkartenstempel--Abgaabbeelel.  15,000.  —
9.  Rekognition  von  Handelsreisenden  und  Spitzenhändden
  41,000.  —
10.  Vesschiedene  sonstige  Einnahmen  bei  der  Zollverwaltngg
  34,500.  —
Zusammen  .  .  ..  .  7,050,000.  —
Hievon  ab  die  Aversional-Summe  für  die  dem
Schleswig-Holsteinischen  Zollgebiete  angeschlossenen
  fremden  Gebietstheile  mit  224,000.  —
Bleiben  6,826,000.  —
11.]  Vom  Schleswig-Holsteinischen  Kanal..#  97,000.  —
12.]Von  den  Chaustes  .........................  196,454.  —
13.]Von  dem  Fährweseen  8,933.  —
14.  Hasengelder  und  Schiffsabgaohen  .  ...  22,800.  —
15.]  Vom  Stempelpapieiiririr  555,620.  —
16.]  Abgaben  von  Erbschaften  und  Eigenthums-Uebertragunen
  ..  .  ..  508,950.
17.]  Departementssporten  68/620.
18.]  In  die  Landeskasse  fließende  Sportelll..  312,550.  —
19.]  Rekognitionen  für  ertheilte  Matrimonial-Dispensatmen
  240.  —
20.]Rekognitionen  fer  Entlassung  aus  dem  Unterthanenverbonddddde
  ..  .  ..  3,000.  —
        <pb n="289" />
        113

 

 

 

Betrag
Z4.  Einnahme.  für
2.  .  1867.
##
Marck.  Schiil.
5.  Von  den  Aktiven  der  Landeskasse  48,450.  —
6.  Vom  Postwmesen  .  ..  1,252,85  S.  4
7.  Vom  Telegraphenwesen  1960,835.  —
8.  Ueberschüsse  aus  den  Jahren  1866  et
rettooonrnr  1,682,784.  12
Dazu  Summa  Kap.  7.  1960,835.  —
.  64  1252,858.  4
BZB.  .  ....  48,450.  —
4  8,600,  16007.  —
3.  4,009,280.  —
2.  ..  ...  1,860,714.  —
1  .242  1,527,170.  —
Summa  der  Einnahme  19/178,2  599.  —

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6520.)

 

 

15
        <pb n="290" />
        —  114  —

 

 

Betrag
—  Ausgabe.  für
22  1867.
58
Mork.  Schil.
Fortdauernde  Ausgaben.
1.  Apanagen  Fürstlicher  Personen  159,020.  —
2.  Obere  Landesverwaltung  400,000.  —
3.  Justizwesen.
1.Das  Hoalsten.  Lauenburgische  Ober-Appellationsgeri
  222222222  2222222222  60,965.  –
2.Das  Weiiiiene  für  das  Herzogthum
Schleswig  .  ..  77,578.  7
3.Das  Holsteinische  Ober=  und  Landgericht  73,915.  10
4.Verschiedene  Justizbeamte  und  Offizialen  254,1464.  15
5.|  Kriminal-  und  Zuchthauskosten  19,/776.  12
6.]Verschiedene  Ausgaben  für  das  Justizwesen  50,000.  —
Summa  Kap.  3.  .  .  .  ..  536,700.  12
4.  Geistliche  und  Unterrichts-Angele—
genheiten.
1.  Geistlichkeit,  Kirchen  und  Volksschulen  im  Allgemeieen
  .  ..  .  .  ..  .  .  .  ..  58,427.  10
2.  Armenpflege,  Hopitäler  und  milde  Stiftungen.  34,780.  7V
3.  Universität  in  Kiel.  ................  .  .  .  ...  .  ..  250,919.  13
4.Gelehrtenschlen  ...  217,694.  132
5.Schullehrer-Seminrse  ..  39,890.  12
6.  Sternwarte  .................................  13,937.8
7.  Zur  Förderung  von  Kunst  und  Wissenschaft  im
Allgemeinen  ......  ...  ........  ..  ....  ..  .  .  ..  18,000.  —
8.Beitrag  der  Landeskasse  für  das  Taubstummen-Institut
  in  Schleswig  .............  .....  ...  26,000.  —
9.  Verschiedene  Ausgaben  für  das  Kirchen=  und
Schulwesen  .  .  ..  74,172.  —
Summa  Kap.  4  733,823.  34
        <pb n="291" />
        —  115  —

 

 

 

Betrag
Ausgabe.  für
.  —  1867.
Mark.  Schil.
5.  Verwaltung  des  Innern.
1.]Beamte  und  Spele  in  den  Städten  65,081.  12
2.]  Beamte  und  Offizialen  auf  dem  Lande  173,223.  3
3.  ndhettsolec........................·..  49,241.
4.  Ss-  endarmere  150,400.  —
5.  Gewichtsesem  ...............................  3,841.  14
6.  Zur  Förderung  der  Land-  und  Gartenwirthschaft  28,802.  3
7.  Zur  Nörderung  der  Industrie  und  Fischerei.  8,500.  —
8.  Chaussee=  und  Wegebeamte  120,224.  12
9.]  Unterhaltung  der  Staats-Chausseen  396,543.  —
10.]  Unterhaltung  Holsteinischer  Nebenlandstraßen.  114,000.  —
11.  Unvorhergeschere  Ausgaben  für  das  Chaussee.
....................................  18,420.  12
12.  hisiiche  Nebenlandstraßen  und  Nebenwege  108,404.  1
13.  dn  ..................................  8,504.  4
14.Eisenbahnwesen  .  ..  21,750.  —
15.  Deh-  Hafen-,  Aufschlammungs=  und  Dünen-  «
s..............·.....................  128,120.15-I.-16.]
  Ausgaben  für  den  Schleswig-Holsteinischen  Kanal  96,955.  —
17./Das  Lootsen-  und  Navigations-  (Unterrichtswesen  5,000.  —
18.)  Handels=  und  Konsulatwesen  1,000.  —
19.]  Vergütung  für  Fuhrdienst  8,800.  —
20.]  Verschiedene  und  z#whergeschene  Ausgaben  für
90h  innere  Verwaltng  ...  40,000.  —
21.  Miltair-Aushebungsweßin  ...................  47,507.  8
Summa  Kap.  5..  1,595,320.  2
6.  Fin  anzverwaltung.
1.Schleswig-Holsteinische  Hauptkasse  32/300.  —
2.Steuerhebungsbeamt  ...  117,055.  15
3.Landwesensbeamteee  ...  9,403.  13
4.|  Baubeamiteea  13,268.  12
Seite  .....  172,028.  8
(Nr.  6520.)  15“
        <pb n="292" />
        —  116  —

 

 

Betrag
ZI.  Ausgabe.  für
S.  S  1867.
5
Mack.  S+il.
Uebertrag  ..  172,028.  8
5.]  Beamte  und  Offizialen  bei  den  Landesschlössern  10,544.  8
6.]Zu  Bauten  und  Reparaturen  und  zu  sonstigen
Ausgaben  bei  den  Landesschlössern  und  anderen
  Staatsgebäuden  —  123,335.  15
7.  Ausgaben  für  die  einzelnen  Domainen  146/,465.  2
8.Zu  Bauten  und  Reparaturen  und  zu  sonstigen
Ausgaben  bei  den  DomeinenPachtstücen  #  137,031.
9.]  Forst=  und  Jagdwesen  ..  382,367.  9
10.]  Verwaltung  des  Zollwesenss..  1,660,000.  —
11.]Pensioen  .  ...  1,000,600.  —
12.|  Unterstützunenn  60,000.  —
13.]Staatsschuldenwesen  ...  3,996,450.  —
14.Verschiedene  Ausgaben  bei  der  Finanz=  und
Steuerverwalngg  ..  ..  ....  .  ..  119,352.  133
Summa  Kap.  6  7,808,175.  82
7.  Postverwaltng  .  .  ..  1,351,588.  12
8.  Telegraphenverwaltung  ..  .  .  .  .  .  .  .  346,294.  9
9.  Für  Zwecke  der  Militairverwaltung  5,212,350.  —
10.  Unvorhergesehene  und  vermischte

 

 

Ausgaben

 

300,000.  —

5,212,  350.  —
346,294.  9
1351SS.  12
7,808,  175.  82
1,595,320.  2
733,823.  1
536,700.  12
400,000.  —

159,020.  —

18,43,272.  12
        <pb n="293" />
        —  117  —

 

 

 

 

Xr.  6520.)

 

Schill.

10

Betrag
·  Ausgabe.  für
1867.
9
Mark.
B.  Einmalige  und  außerordentliche
Ausgaben.
1.]  Für  den  Neubau  der  Schleswiger  Domschule)
letzte  RKttteeee  90,000.
2.]Für  den  Neubau  eines  Gelehrtenschul-Gebäudes
in  Husum,  letzte  Rtt  ..  ...  34,948.
3.  Kosten  der  Einrichtung  der  Gasbeleuchtung  in
der  Gelehrtenschule  zu  Hadersleben  457.
4./  Zum  Ausbau  der  Irrenanstalt  von  Schleswig,
letzte  RatHtHlHlrBrRHrrrtt  80,000.
5.%  Zum  Bau  von  Landstraßen  und  Wegen  178,000.
6.  Zur  Erwerbung  von  Terrain  für  die  Zweigbahnen
  nach  Tondern  und  Apenrade  130,000.
7.]  Beihülfe  zu  den  Pellwormer  Steindeichbauten  48,500.
8.  Zuschuß  zur  Herstellung  eines  Landungsplatzes
vor  Pellworm  .  ...  .  ....  ...  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  4,856.
9.]  Zur  Vertiefung  und  Verbesserung  des  Schleifahrwasses
  .  ...  ..........  80,700.
10.ZurerbcsserungdesTönningcrHafens.....  30,000.
11.]/Zur  Anschaffung  und  Ausrüstung  eines  zweiten
Eider-Feuerschisses  ..  17,750.
12.  Zu  Bauten  ꝛc.  an  dem  sogenannten  Gouvernementspalais
  zu  Schleswiig  39,773.
Summa  der  eimmaligen  und  außerordentlichen
Ausgaen  .  .  ...  734,986.

4
        <pb n="294" />
        —  118  —

 

 

 

Betrag
Abschlu.  für
1867.
Mark.  Sdil.
Die  Einnahmen  betragen  19,178,259.  —
Die  Ausgaben  betragen,  und  zwar:
die  fortdauernden.  18)/443,272  M.  12  Sch.
die  einmaligen  und
i  ..  734,986  4
außerordentlichen  734,98.  19178  259.  —
Balancirt.

 

Berlin,  den  17.  Januar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6521.)
        <pb n="295" />
        —  119  —

(Nr.  6521.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  9.  Januar  1867.)  betreffend  die  Konstituirung  der
mit  dem  1.  Januar  1867.  provisorisch  eingerichteten  Ober-Telegraphen=Inspektionen
  als  öffentliche  Behörden.

N  im  Anschlusse  an  den  von  Mir  genehmigten  Plan  als  Zwischenbehörden
  zwischen  der  Pelegraphen  Direkion  und  den  Telegraphen  Stationen
vom  1.  Januar  d.  J.  ab  Ober-Telegraphen-  Inspektionen  provisorisch  eingerichtet
worden  sind,  deren  Vorsteher  den  ihnen  zugewiesenen  Geschäftskreis  unter  selbstständiger
  Verantwortlichkeit  wahrzunehmen  haben  bestimme  Ich  aurs  Ihren  Antrag
vom  6.  Januar  d.  J.,  daß  den  Ober-Te  eeraphen-Inspektionen  ie  allgemeinen
Befugnisse  öffentlicher  Behörden  zustehen  sollen.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu
bringen.

Berlin,  den  9.  Januar  1867.

Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.
An  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6522.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  17.  Januar  1867.,  betreffend  die  in  dem  Gebiete  des
ehemaligen  Herzogthums  Nassau  für  das  Jahr  1867.  zu  erhebenden
direkten  Staatssteuern.

A##  Ihren  Bericht  vom  15.  d.  M.  bestimme  Ich,  daß  in  dem  Gebiet  des
ehemaligen  Herzogthums  Nassau  für  das  Jahr  1867.  fünf  Simpel  direkter
Staatssteuern  erhoben  werden.

Die  Erhebung  erfolgt  in  vier  gleichen  Quartalraten  von  je  Ein  und
ein  Viertel  Simpel.  Die  Hebumastermige  innerhalb  eines  jeden  Quartals  haben
Sie  zu  bestimmen.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß
zu  bringen.

Berlin,  den  17.  Januar  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.

An  den  Finanzminister.

 

(Nr.  6521—6523.)  (Nr.  6523.)
        <pb n="296" />
        —  120  —

(Nr.  6523.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  der  Statut-Aenderungen
  der  Niederrheinischen  Guͤter  ·  Assekuranz  ·  Gesellschaft  zu
Wesel  und  beziehungsweise  des  mit  derselben  verbundenen  Rückversicherungs-Vereins
  in  Wesel.  Vom  17.  Jannar  1807.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  9.  Januar
1867.  den  in  den  beiden  notariellen  Verhandlungen  vom  27.  November  1866.
von  der  hierzu  bevollmächtigten  Direktion  der  Niederrheinischen  Güter-Assekuranz=Gesellschaft
  zu  Wesel  verlautbarten  Statut-Aenderungen  der  Niederrheinischen
Güter-Assekuranz-Gesellschaft  und  beziehungsweise  des  mit  derselben  verbundenen
Rückversicherungs-Vereins  in  Wesel  zu  genehmigen  geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  den  Statut-Abänderungen  wird  durch  das
Amtsblatt  der  Königlichen  Regierung  zu  Düsseldorf  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  17.  Januar  1867.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  offentliche  Arbeiten.

Im  Auftrage:
Schede.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober  Hofbuchdruckerel
(R.  v.  Decker).
        <pb n="297" />
        —  121  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  7.  —

 

(Nr.  6524.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  12.  Dezember  1866.  nebst  Tarif,  nach  welchem  die
Schiffahrtsabgaben  in  der  Stadt  Elbing  zu  erheben  sind.

Ar  Ihren  Bericht  vom  20.  November  d.  J.  habe  Ich  den  anliegenden  Tarif,
nach  welchem  die  Schiffahrts-Abgaben  in  der  Stadt  Elbing  zu  erheben  sind,  unter
dem  Vorbehalt  der  Revision  von  fünf  zu  fünf  Jahren  vollzogen  und  bestimme
zugleich,  daß  die  in  dem  Tarife  vom  11.  Juli  1859.  (Gesetz  Samml.  für  1859.
S.  396.)  unter  III.  bezeichnete  Abgabe  für  das  Aesen  der  Brücken  in  Elbing
noch  bis  zum  Ablaufe  des  Jahres  1868.  unverändert  forterhoben  werden  darf.

Ich  beauftrage  Sie,  diesen  Erlaß  mit  dem  Tarife  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  12.  Dezember  1866.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel)
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

Johrgang  1867.  (Nr.  6524.)  16  Ta-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  25.  Januar  1867.
        <pb n="298" />
        —  12  —

Tarif,

nach  welchem

die  Schiffahrts-Abgaben  in  der  Stadt  Elbing  zu  entrichten  sind.

Vom  12.  Dezember  1866.

Es  wird  entrichtet:

I.  an  Hafengeld  von  allen  Fahrzeugen,  einschließlich  der
Dampfschiffe,  auch  wenn  sie  unter  Benutzung  des  Kraffohlkanals
  unmittelbar  aus  dem  Haff  in  die  Nogat)  oder  aus  der
Nogat  in  das  Haff  gehen,  und  zwar:

1)  von  Seeschiffen,  für  die  Schiffslast  Tragfähigkeit:
a)  mit  Ladung,  beim  Einganeg  ..  .  .  .  ..
beim  Ausgane

b)  mit  Ballast,  beim  Eingane

beim  Ausgane  .  .  ..

2)  von  ·  Binnenfahrzeugen  mit  Ladung,  für  die  Schiffslast

Tragfähigkeit,  und  von  Holzflößen,  für  je  80  An
beim  Eingange

beim  Ausgange  ........  .....  ....

II.  an  Stromgeld  von  allen  Fahrzeugen  und  von  Holzflößen
beim  Eingange  durch  den  Oberbaum  oder  durch  den  Unterbaum,
  und  zwar:

1)  von  Fahrzeugen  jeder  Art,  für  die  Schiffslast  Trag-"7


fähigkeit  -..............................

2)  von  Mauerlatten,  Balken  oder  Rundholz  bei  einer
Stärke  von

a)  nicht  mehr  als  10  Zoll,  für  das  Schock

b)  mehr  als  10,  aber  nicht  mehr  als  12  Zoll,  desgl.

J)  mehr  als  12  Joll,  deseee....

III.  an  Schleusengeld  von  allen  durch  die  Schleusen  des

Kraffohlkanals  Fahrzeugen  und  Holzflößen,  und  zwar:

1)  von  Fahrzeugen  jeder  Art,  für  die  Schiffslast  Tragfähigkeit:


un)  mit  Ladng  ...  ..  .  .  ...

b)  leer  oder  mit  Ballstt

 

 

St

 

2)  von
        <pb n="299" />
        IV.  an

—  123  —

2)  von  Mauerlatten,  Balken  oder  Rundholz  bei  einer
Stärke  von

b)  mehr  als  7,  aber  nicht  mehr  als  10  Zoll,  desgl.
e)  ¾l“  -  10,  4  -  2  -  12  -  dessgl.
d)  ·  12  ZBoll,  desgl.  .............  ...  .  ...

Bohlwerksabgabe  von  den  nachstehend  bezeichneten

Waaren,  wenn  die  Fahrzeuge  zum  Löschen  oder  Laden  derselben
innerhalb  des  Stadtgebietes  anlegen,  und  zwar:

(Nr.  6524.)

1)  von  Getreide,  Hülsenfrüchten,  Oelsaaten  und  Sämereien
aller  Art;  von  Flachs,  a  Heede  (Werg))  von
Asche  einschließlich  der  Waidasche  und  des  Okras;  von
Lumpen)  von  thierischen  Knochen;  von  außereuro  äschen
Farbe-  und  Tischlerhölzern;  von  Farbenerden  aller  Art;
von  Erzen,  Metallen  und  Metallwaaren  aller  Art,
einschlieclich  der  Schiffsanker;  von  Guano  und  künstlichem
  Dünger  aller  Art;  von  Bier,  Branntwein  und
Essig;  von  Heringen;  von  Theer;  von  Syrup:  für
den  Ventner  ......................................

2)  von  Stein-,  Braun=  und  Holzkohlen;  von  Kalk,  Gyps,
Kreide,  Asphalt  und  Cement:  für  den  Zentner..

3)  von  Mauer-  und  Dachsteinen:  für  das  Hundert..

4)  von  Rum,  Arrak,  Wein,  Spiritus  und  von  Oel  aller
Art:  für  den  Zenrtern

5)  vom  Holze  und  zwar:
a)  vom  Brenn-  und  Nutzholz:  für  die  Klaster

16“

 

 

 

14

Zu-
        <pb n="300" />
        —  124  —

Zusaͤtzliche  Bestimmungen.
A.  In  Bezug  auf  das  Hafengeld  zu  J.  des  Tarifs:

1)  Für  Dampfschiffe  kann  durch  Beschluß  der  Aeltesten  der  Kaufmanmschaft
  zeitweise  eine  Ermäßigung  des  tarifmäßigen  Satzes  zu  I.  1.
bewilligt  werden  und  zwar:

a)  bis  höchstens  zur  Hälfte,  wenn  sie  vach  einem  vorher  bestimmten
  5  eine  regelmäßige  Verbindung  mit  anderen
«  eratm«,·

b)  bis  auf  6  Pf.  für  die  Schiffslast  Tragfähigkeit,  wenn  sie
nach  einem  vorher  bestimmten  Fahrplane  eine  regelmäßige
Personenbeförderung  zwischen  der  Stadt  Elbing  und  den
Badeorten  am  Haff  unterhalten.

2)  Von  Leichterfahrzeugen,  welche  Güter  von  den  in  Millau  verbleibenden
  Seeschiffen  nach  Elbing  bringen  oder  von  Elbing  diesen
Seeschiffen  zufuhren,  wird  die  Abgabe  nur  nach  der  Lastenzahl  der
znbichen  adung,  nicht  nach  der  Tragfähigkeit  des  Fahrgeuges
erhoben.

3)  Von  Seeschiffen,  welche  nicht  in  den  Hafen  einlaufen,  sondern  auf
der  Rhede  bleiben,  wird  erhoben:

a)  wenn  sie  die  Rhede  verlassen,  ohne  Ladung  oder  Ballast  gelöscht
  oder  eingenommen  zu  haben,  kein  Hafengeld;

b)  wenn  sie  löschen  oder  laden,  je  nachdem  Ladung  oder  Ballast
gelescht  oder  geladen  wird,  entweder  den  Satz  zu  I.  1.  a.  oder
4  1.  b.  einmal;

Tc)  wenn  sie  löschen  und  laden,  die  volle  tarifmäßige  Abgabe;

d)  wenn  sie  nur  eine  Beisadung  von  nicht  mehr  als  dem  zehnten
Theile  ihrer  Tragfähigkeit  löschen  oder  laden,  von  dieser  Beiladung
  der  Satz  zu  I.  1.  a.  einmal,  von  der  übrigen
Lastenzahl  ihrer  Tragfähigkeit  nichts.

4)  Wenn  Schiffe  auf  der  Rhede  löschen  oder  laden,  so  ist  nur  von
diesen,  nicht  aber  von  den  zum  Löschen  oder  Laden  benutzten  Leichterfahrzeugen
  das  Hafengeld  zu  entrichten,  auch  findet,  wenn  die  Schiffe
nach  geschehener  Entlöschung  in  den  Hafen  einlaufen,  eine  nochmalige
  Entrichtung  des  Hafengeldes  nicht  statt.

5)  Bin-
        <pb n="301" />
        —  125  —

5)  Binnenfahrzeuge,  deren  Ladung  lediglich  aus  Grand,  Lehm,  Heu,
Rohr,  Stroh,  thierischem  Dünger,  Faschinen,  Feld.,  Mauer=  oder
Dachsteinen  besteht,  entrichten  das  Hafengeld  nur  zur  Hälfte  des
tarifmäßigen  Satzes  zu  I.  2.

6)  Binnenfahrzeuge,  welche  nicht  mehr  als  zum  vierten  Theile  ihrer
Tragfähigkeit  beladen  sind,  entrichten  das  Hafengeld  nur  für  die
Lastenzahl  ihrer  wirklichen  Ladung.

B.  In  Bezug  auf  das  Stromgeld  zu  II.  und  das  Schleusengeld  zu
½.  den  Lurifl  8

7)  Von  den  nicht  mehr  als  #m  ehnten  Theile  ihrer  Tragfähigkeit
beladenen  Fahrzeugen  wird  das  Strom-  und  Schleusengeld  wie  von
leeren  Fahrzeugen  entrichtet.

8)  Fahrzeuge  von  weniger  als  einer  Schiffslast  Tragfähigkeit  entrichten
  2  Strom-  nd  Schliufengel  6  eine  Schiffslast;  bei
größeren  Fahrzeugen  werden  Theile  einer  Schiffslast,  wenn  sie  nicht
größer  als  eine  #albe  Last  sind,  außer  Ansatz  gelassen,  wenn  sie
größer  als  eine  halbe  Last  sind,  für  eine  volle  Last  gerechnet.

C.  In  Bezug  auf  die  Bohlwerksabgabe  zu  IV.  des  Tarifs.

9)  Wenn  die  Fahrzeuge  zwar  aelezen,  aber  von  Bord  zu  Bord  überladen,
  so  wird  die  Bohlwerksabgabe  nur  zum  vierten  Theile  des
tarifmäßigen  Satzes  erhoben.

10)  Mengen  von  weniger  als  einem  Zentner,  als  Einhundert  Stück  oder
als  eine  Klaster  werden  für  einen  vollen  Zentner,  für  volle  hundert
oder  für  eine  ganze  Klafter  gerechnet.  Als  geringster  Abgabenbetrag
für  eine  Waarenpost  wird  ein  Pfennig  erhoben;)  im  Uebrigen  bleiben
überschießende  Bruchpfennige  außer  Ansatz.

D.  Im  Allgemeinen.

11)  Von  Seeschiffen  derjenigen  Nationen,  mit  welchen  wegen  Behandlung
  ihrer  Schiffe  und  deren  Ladungen  gleich  den  inländischen  ein
besonderer  Vertrag  nicht  besteht,  oder  welche  ihrerseits  nicht  etwa
aus  anderer  Veranlassung  die  Preußischen  Schiffe  und  deren
Ladungen  gleich  den  inländischen  behandeln,  werden  die  in  diesem
Tarife  und  dem  Anhange  zu  demselben  bezeichneten  Abgaben  und
Gebühren  überall  doppelt  entrichtet.

12)  Außer  den  im  Tarif  unter  I.  II.  III.  und  IV.  hewchneten=  Abgaben
kommen  nur  die  im  Anhange  bestimmten  Abgaben  und  Ge-(Nr.

  6524.)  büh-
        <pb n="302" />
        —  126  —

bühren  für  die  Benutzung  besonderer  Anstalten  und  für  gewisse
Leistungen  zur  Erhebung,  und  es  dürfen  außerdem  keine  Zahlungen
für  die  Benutzung  des  Fahrwassers  und  der  damit  verbundenen,
#  allgemeinen  Gebrauche  bestimmten  Anstalten  gefordert  werden.

8  haben  demnach  weder  die  Schiffer  nog  jonft  Jemand  den
Lootsen  oder  den  Hafen-,  Strom--,  Steuer-,  Polizei=  oder  Ballast-Beamten
  unter  irgend  einem  Vorwande  ein  Geschenk  oder  eine  Vergütung
  zu  entrichten.

Sollte  Einer  der  vorbezeichneten  Beamten  unter  irgend  einem
Vorwande  ein  Geschenk  oder  eine  ungesetzliche  Abgabe  fordern  oder
annehmen,  so  ist  der  Schifter  *  tet,  solches  der  Polizeibehörde
oder  dem  Ober-Steuerinspektor  in  Elbing  anzuzeigen.

Wenmn  aber  ein  Schiffer  in  besonderen  Fällen  sich  veranlaßt
findet,  den  Lootsen  seine  Dankbarkeit  für  außerordentliche  Dienstleistungen
  zu  bezeigen,  so  darf  er  das  Geschenk  nur  mit  Genehmigung
  der  vorgesetzten  Regierung  aushändigen.

Befreiungen.

1)  Hafen-,  Strom-=  und  Schleusengeld  wird  nicht  entrichtet  von
Fahrzeugen,  welche  Königliche  oder  Armee-Effekten  transportiren  und
keine  Beiladung  von  anderen  Gegenständen  haben,  •  von  Fahrzeugen,
welche  nur  der  Reparatur  wegen  leer  oder  in  Ballast  eingehen.

2)  Hafengeld  wird  nicht  entrichtet  von  Binnenfahrzeugen,  welche  leer  oder
lediglich  mit  Ballast  ein-  oder  ausgehen.  *

3)  Vohlwerksabgabe  wird  nicht  entrichtet  von  den  im  Tarif  genannten
Waaren,  wenn  dieselben  für  Rechnung  der  Königlichen  Hofhaltung  oder
des  Staates  gelöscht  oder  geladen  werden.
        <pb n="303" />
        —  127  —

Anhang

zu  dem

Schiffahrtsabgaben-Tarif  für  die  Stadt  Elbing,

enthaltend:

die  Abgaben  für  die  Benutzung  besonderer  Anstalten  und  die  für

gewisse  Leistungen  zu  entrichtenden  Gebühren.

Es  werden  entrichtet:
I.  für  die  Benutzung  des  Krahns:
1)  für  das  Ausheben  und  Einsetzen

a)  eines  Mastes  bei  einem  Seeschiffe,  bei  einer  Yacht,
oder  bei  einer  Schmack  von  mehr  als  30  Schiffslasten
  Tragfähigkeiit  .  .  ....

b)  eines  Besanmastes  oder  eines  Mastes  bei  einer
Schmack  von  nicht  mehr  als  30  Schiffslasten
Tragfähigkeit  .  ..  .  .  .  .  .  .

c)  eines  Mastes  bei  einem  Weichsel-  oder  Oderkahn

2)  für  das  Ausheben  der  Steine:
a)  für  einen  vollen  Mühlenstein  oder  Dreiling

b)  Bodensten  ...
c)  Grabstten  ....
ch  Schleifstein

3)  für  r7  Löschen  sonstiger  Waaren  ohne  Unterschied,  für
II.  An  Lootsengebühren
für  die  Begleitung  der  Schiffe  ohne  Unterschied  der  Größe:
a)  von  Elbing  nach  Königsberg  ..
b)  Elbing  nach  Pillnnnn

(Nr.  6524.)

—
4.

 

15
10

 

 

 

Anmerkung.  Von  dem  Satze  zu  a.  werden  für  die  Fahrt  von
O-
        <pb n="304" />
        —  128  —

—

Königsberg  bis  Schiffsruh  7  Rthlr.  10  Sgr.  und  für  die  Fahrt  von
Schiffsruh  bis  Elbing  20  Sgr,  entrichtet.

Wei  die  Fahrt  dadurch,  daß  das  Schiff  zu  tief  liegt,  oder  durch
Nachlässigkeit  des  Schiffers  außerhalb  des  Hafenbaums  ausgehalten  wird,
so  erhält  der  Lootse  ein  Liegegeld  von  15  Sgr.  für  jede  Nacht.

Die  Gebühren  der  Schiffsabrechner  sind  durch  eine  besondere  Taxe
festgesetzt,  welche,  in  deutscher  und  bolländischer  Sprache  abgedruckt,  in  dem
Geschäftsgelasse  des  Haupt-Steueramts  und  in  den  Komtoiren  der  Schiffsabrechner
  zu  Jedermanns  Einsicht  aushängt.

Auslagen)  deren  Erstattung  die  Schiffsabrechner  außer  den  in  der
Taxe  festgesetzten  Gebühren  in  Anspruch  nehmen,  müssen  den  Schiffern
durch  Rechnungen  oder  anderweite  Beläge  besonders  nachgewiesen  werden.

Gegeben  Berlin,  den  12.  Dezember  1866.
(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

III.

—

Redigirt  im  Bürean  des  Staats=  Ministeriums.
Berlln,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober=  Hefbuchdruckerei
(RN.  v.  Decker).
        <pb n="305" />
        —  129  —
Gesetz=  Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  8.  —

 

(Nr.  6525.)  Patent  wegen  Besitznahme  der  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig.  Vom
12.  Januar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.
thun  gegen  Jedermann  hiermit  kund:

Nachdem  in  dem  Wiener  Frieden  vom  30.  Oktober  1864.  der  König  von
Dänemark  allen  seinen  Rechten  auf  die  rt  Holstein  und  Schleswig
u  Unseren  und  des  Kaisers  von  Oesterrei  Gunsier  entsagt  und  in  dem  Prager
*  vom  23.  Auzust  1866.  der  Kaiser  von  Oesterreich  alle  seine  im  Wiener

ieden  erworbenen  Rechte  auf  die  gedachten  Herzogthümer  Uns  übertragen  hat,
so  haben  Wir  beschlossen,  dieselben  mit  Ausschluß  des  dem  Großherzoge  von
Oldenburg  mittelst  Vertrages  vom  27.  September  1866.  abgetretenen  Antheils
mit  Unserer  Monarchie  zu  vereinigen  und  zu  diesem  Behufe  mit  Zustimmun
beider  Häuser  des  Landtages  das  Gesetz  vom  24.  Dezember  v.  J.  erlassen  un
verkündigt.

Demzufolge  nehmen  Wir  durch  gegenwärtiges  Patent  die  gedachten  Herzogthümer
  Holstein  und  Schleswig  mit  allen  Rechten  der  Landeshehert  und  Oberawrcher
  in  Besitz  und  einverleiben  dieselben  Unserer  Monarchie  mit  sämmtlichen

ubehörden  und  Ansprüchen.

Wir  werden  Unserem  Königlichen  Titel  die  entsprechenden  Titel  hinzufügen.

Wir  befehlen,  die  Preußischen  Adler  an  den  Grenzen  zur  Bezeichnung
Unserer  Landesherrlichkeit  aufzurichten,  statt  der  bisher  angehefteten  Wappen  Unser
Königliches  Wappen  anzuschlagen  und  die  öffentlichen  Siegel  mit  dem  Preußischen
Adler  zu  versehen.

Wir  gebieten  allen  Einwohnern  der  nunmehr  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten
  Herzogthümer  Holstein  und  Schlesw,  fortan  Uns  als  ihren  rechtmäßigen
König  und  Landesherrn  zu  erkennen  und  Unseren  Gesetzen,  Verordnungen  und
Befehlen  mit  pflichtmäßigem  Gehorsam  nachzuleben.

Wir  werden  Jedermann  im  Besitze  und  Genusse  seiner  wohlerworbenen
Privatrechte  schützen  und  die  Beamten,  welche  für  Uns  in  Eid  und  Pflicht  zu

Jahrgong  1867.  (Nr.  6525.)  17  neh-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  28.  Januar  1867.
        <pb n="306" />
        —  130  —

nehmen  sind,  bei  vorausgesetzter  treuer  Verwaltung  im  Genusse  ihrer  Diensteinkünfte
  belassen.  Die  gesehgebende  Gewalt  werden  wir  bis  zur  Einführung  der
Preußischen  Verfassung  allein  ausüben.

Wir  wollen  die  Gesetze  und  Einrichtungen  der  Herzogthümer  erhalten,
soweit  sie  der  Ausdruck  berechtigter  Eigenthümlichkeiten  sind  und  in  Kraft  bleiben
könmen)  ohne  den  durch  die  Einheit  des  Staates  und  seiner  Interessen  bedingten
Anforderungen  Eintrag  zu  thun.

Unser  Oberpräsident  Baron  von  Scheel--Plessen  ist  von  Uns  angewiesen,
hiernach  die  Besitznahme  auszuführen.

Hiernach  geschieht  Unser  Wille.

Gegeben  Berlin,  den  12.  Januar  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Fh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6526.)
        <pb n="307" />
        —  131  —

(Nr.  6526.)  Allerhöchste  Prollamation  an  die  Einwohner  der  Herzogthuͤmer  Holstein  und
Schleswig.  Vom  12.  Januar  1867.

Durch  das  Patent,  welches  Ich  heute  vollzogen  habe,  vereinige  Ich  Euch
Einwohner  der  Herzogthümer  Holstein  und  S  iige  mit  Meinen  Usterthanen,
Euren  Nachbaren  und  Deutschen  Brüdern.

Durch  die  Entscheidung  des  Krieges,  durch  völkerrechtliche  Verträge  und
durch  die  Neugestaltung  des  gemeinsamen  Deutschen  Vaterlandes  nunmehr  aus
Verbindungen  gelöset,  die  Ihr  schon  linge  nur  mit  Widerstreben  getragen,  tretet
Ihr  jetzt  in  den  Verband  eines  großen  Staates,  dessen  Bevölkerung  Euch  durch
Stammesgemeinschaft  und  Sitte  verwandt  und  durch  Gemeinsamkeit  der  Interessen
  befreundet  ist.

Wenn  Manche  unter  Euch  sich  nicht  ohne  Zögern  von  anderen  Beziehungen
losgesagt  haben,  so  ehre  Ich  auch  hierin  die  bewährte  Festigkeit  Eures  Stammes
und  wurdige  dieselbe  als  eine  Bürgschaft,  daß  Ihr  und  Eure  Kinder  auch  Mir
und  Meinem  Hause  mit  Treue  angehören  werdet.  Ihr  werdet  die  Nothwendigkeit
  des  Geschehenen  erkennen;  denn  sollen  die  Früchte  des  schweren  Kampfes  und
der  blutigen  Siege  für  Deutschland  nicht  verloren  sein,  so  gebietet  es  ebenso  die

flicht  der  Selbsterhaltung,  als  die  Sorge  für  die  Förderung  der  nationalen

nteressen,  die  Herzogthümer  mit  Preußen  fest  mrd  dauernd  zu  vereinigen.  Und
—  wie  schon  ein  in  Gott  ruhender  Herr  Vater  es  ausgesprochen  —  nur
Deutschland  hat  gewonnen,  was  Preußen  erworben.

Dieses  werdet  Ihr  mit  Ernst  ägen  und  so  vertraue  Ich  Eurem  Deutschen
  und  redlichen  Sinn,  daß  Ihr  Mir  Eure  Treue  eben  so  aufrichtig  geloben
werdet,  wie  Ich  zu  Meinem  Volke  Euch  aufnehme.

Euren  Gewerben  und  Eurer  Landwirthschaft,  Eurem  Handel  und  Eurer
Schiffahrt  eröffnen  sich  durch  die  Vereinigung  mit  Meinen  Staaten  reichere
Quellen.  Meine  Vorsorge  wird  Eurem  Fleiße  wirksam  entgegenkommen.

Eine  gleiche  Vertheilung  der  Staatslasten,  eine  zweckgemäße  energische
Frerehiii  erwo  ens  Gesetze,  eine  gerechte  und  pünhiche  Justizpflege,
kurz  alle  die  Garantien,  welche  Hrrzen  zu  Dem  gemacht,  als  was  es  sich  jetzt
in  harter  Probe  bewährt  hat,  werden  Euch  fortan  gemeinsame  Güter  sein.

Eure  kriegstüchtige  Jugend  wird  sich  ihren  Brüdern  in  Meinen  anderen
Staaten  zum  Schutze  des  Vaterlandes  treu  anschließen,  und  mit  Freude  wird  die
Preußische  Armee  und  Marine  die  tapferen  und  seetüchtigen  Schleswig-Holsteiner
empfangen,  denen  in  den  Jahrbüchern  Deutschen  Ruhmes  nunmehr  ein  neues
Blatt  eröffnet  ist.

Die  Diener  der  Kirchen  werden  auch  fernerhin  die  Bewahrer  des  väterlichen

  Glaubens  sein.
Euren  Lehranstalten,  den  vieljährigen  Pflegetinnen  Deutscher  und
(Nr.  6596—6527.)  7.  issen-
        <pb n="308" />
        —  132  —

Wissenschaft,  werde  Ich  Meine  besonderr  Aufmerksamkeit  widmen,  und  wenn
der  Preußische  Thron,  je  länger  e  mehr,  als  der  Hort  der  Freiheit  und
Selb  indigfet.  des  Deutschen  Vaterlandes  ertannt  und  gewürdigt  wird,  dann
wird  auch  Euer  Name  unter  denen  seiner  bchen  Söhne  verzeichnet  werden,  dann
werdet  auch  Ihr  den  Augenblick  segnen,  der  Euch  mit  einem  größeren  Vaterlande

vereinigt  hat.
Das  walte  Gott!
Berlin,  den  12,  Januar  1867.

Wilhelm.

 

Nr.  6527.)  Verordnung,  betreffend  die  Vereidigung  der  Beamten  in  den  mit  der  Preußischen
Monarchie  vereinigten  Landestheilen.  Vom  22.  Januar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.

verordnen  fir  das  Gebiet  der  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  v.  J.  (Gesetz-Samml.
  S.  555.)  und  die  beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember  v.  J.  (Gesetz-Samml.
  S.  875.  und  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Landestheile,
  was  folgt:  "

.  1,

Von  den  im  unmittelbaren  vder  im  mittelbaren  Staatsdienst  stehenden
Beamten,  einschließlich  der  öffentlichen  Lehrer,  der  Advokaten,  Anwalte  und
Notare,  und  zwar  sowohl  von  den  gegenwärtig  im  aktiven  Dienst  stehenden,  wie
von  den  zur  Zeit  mit  Wartegeld  in  einstweiligen  Ruhestand  versetzten  und  von
den  später  anzustellenden,  ist  Uns  der  Diensteid  in  nachstehender  Form  zu  leisten:

ch  N.  N.  schwöre  zu  Gott  dem  Allmächtigen  und  Allwissenden,  daß
Seiner  Königlichen  Majestät  von  Preußen,  meinem  Allergnädigsten  Herrn,
|r  unterthänig,  treu  und  gehorsam  sein  und  alle  mir  vermöge  meines

mtes  obliegenden  Pflichten  nach  meinem  besten  Wissen  und  Gewissen
genau  erfüllen  will,  so  wahr  mir  Gott  helfe  u.  s.  w.

Dem  Schwörenden  bleibt  es  überlassen,  den  vorstehend  festgestellten  Eidesworten
  die)  seinem  religiösem  Bekenntniß  entsprechende  Bekräftigungsformel
hinzuzufügen.

Bei  den  im  mittelbaren  Staatsdienst  stehenden  Beamten  tritt  denselben
diejenige  Eidesnorm  hinzu,  mittelst  deren  diese  Beamten  sich,  den  bestehenden  Bestimmungen
  und  den  besonderen  Verhältnissen  gemäß,  dem  unmittelbaren  Dienstherm
  zu  verpflichten  haben.  '  ·-'-  82
        <pb n="309" />
        —  138  —

G.  2.

Die  Geistlichen  haben  Uns  den  Eid  zu  leisten  nach  Maaßgabe  der  in  den
älteren  Landestheilen  für  die  Geistlichen  eingeführten,  dieser  Verordnung  als  An-WMlage
  beigefügten  Formulare.  ·

DeriirdenZ§.1.und2.gcdachteEid  vergflichtet  den  Schwörenden  nicht
nur  für  die  zur  Zeit  der  Eidesleistung  von  ihm  bekleideten,  sondern  auch  für  alle
ihm  etwa  spater  zu  übertragenden  Aemter.  Er  tritt  an  die  Stelle  aller  nach  den
bisherigen  Bestimmungen  zu  leistenden  Huldigungs.  und  Diensteide  und  befähigt
diejenigen  Beamten,  zu  deren  Dienstgeschäften  die  Protokollführung  gehört  oder
denen  eine  solche  besonders  übertragen  wird,  auch  zur  Führung  eines  glaubhaften
Protokolls.  Einer  besonderen  Beäibigung  auf  das  Protokoll  bedarf  es  nicht  mehr.

S.  4.
Die  Vereidigung  der  betreffenden  Personen  auf  die  Preußische  Verfassung
bleibt  vorbehalten.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  22.  Januar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

I.  Formular  für  den  Eid  der  bereits  im  Amte  stehenden
ebangelischen  Geistlichen.

J#  N.  N.  schwöre  einen  Eid  zu  Gott,  dem  Allwissenden  und  Heiligen,  daß
ich  in  dem  mir  anvertrauten  geistlichen  Amte,  so  wie  es  einem  Diener  der
christlichen  Kirche  geziemt,  Seiner  Königlichen  Majestät  von  Preußen  (Name
des  Königs),  meinem  Allergnädigsten  Könige  und  Herrn,  und  dem  Königlichen
Hause  treu  und  gehorsam  sein,  das  Wohl  des  Landes  in  dem  mir  angewiesenen
oder  noch  anzuweisenden  Wirkungskreise,  so  viel  in  meinen  Kräften  sch,  beför—
dern,  die  Pflichten  meines  Amtes  mit  Gewissenhaftigkeit  erfüllen  und  in  meiner

Or.  6527.  Ge-
        <pb n="310" />
        —  134  —

Gemeine  als  ein  treuer  Seelsorget  mit  allem  Ernst  und  Eifer  nach  wie  vor  bemüht
  sein  will,  durch  Lehre  und  Wandel  das  Reich  Gottes  und  meines  Herrn
und  Meisters  Jesu  Christi  zu  bauen.

Ales,  so  wahr  mir  Gott  helfe,  durch  Jesum  Christum.

II.  Eid  der  katholischen  Geistlichen.

Jo  N.  N.  schwöre  elnen  Eid  zu  Gott  dem  Allmächtigen  und  Allwissenden,
daß  ich  Seiner  Königlichen  Majestät  von  Preußen  (N.),  meinem  Allergnädigsten
Könige  und  Herrn,  und  Alerhöchstbessen  rechtmäßigem  Nachfolger  in  der  Regierung
  unterthänig,  treu  und  ergeben  sein,  Seiner  Königlichen  Majestät  Bestes
nach  Kräften  befördern,  Schaden  und  Nachtheil  abwenden,  auch  meine  Untergebenen
  dazu  anhalten  und  nie  in  meinem  Leben  eine  Handlung  begehen  will,
wodurch  der  Höchsten  Person  Seiner-Majestät,  dem  Königlichen  Hause,  dem
Lande  und  dem  Königlichen  Dienste  irgend  ein  Nachtheil  zugefügt  werden  könnte.“)
Desgleichen  schwöre  und  gelobe  ich,  die  meiner  Seelsorge  anvertrauten  Gläubigen
bei  gegebener  Veranlassung  zu  gleicher  nwerfälschter  Treue  und  Ergebenheit  gegen
Seine  Majestät  den  König  und  das  ganze  Königliche  Haus  aufzufordern  und  zu
ermahnen,  selbst  mit  gutem  Beispiel  voranzugehen  und  mich  überhaupt  so  zu
betragen,  wie  es  einen  cchtschaffenen  Geistlichen  und  treuen  Unterthan  gebührt.
Alles,  so  wahr  mir  Gott  helfe  und  sein  heiliges  Evangelium.  Amen!

*)  Anmerkung.  Bei  den  nicht  in  der  Seelsorge  angestellten  katholischen  Geistlichen
fällt  der  letzte  Theil  des  Formulars  von  ?)  ab  hinwig;:es  schließt  sich  also  die  Bekräftsgungs.
formel:  „So  wahr  mir  Gott  helfe  und  sein  heiliges  Evangelium.  Amen.=  unmittelbar  an
die  Worte:  „Nachtheil  zugefügt  werden  könnte  an.

 

III.  Eid  der  katholischen  Bischofe.

ch  N.  N.,  erwählter  und  bestätigter  Lische  (E#bischof  von  N.,  schwörc  einen
Eid  zu  Gott  dem  Allmächtigen  und  Allwissenden  auf  das  heilige  Evangelium
daß,  nachdem  ich  auf  den  Gishosichen  Stuhl  von  N.  erhoben  worden  bin,  ich
Seiner  Königlichen  Majestät  von  Preußen  (N.)  und  Allerhöchstdessen  rechtmäßigem
Nachfolger  in  der  Regierung  als  meinem  Allergnädigsten  Könige  und  Landesherrn
  unterthänig,  treu,  gehorsam  und  ergeben  sein,  Allerhöchstdero  Bestes  nach
meinem  Vermögen  befördern,  Schaden  und  Nachtheil  aber  verhüten  und  beson,
ers
        <pb n="311" />
        —  135  —

ders  dahin  streben  will,  daß  in  den  Gemüthern  der  meiner  bischöflichen  Leitung
anvertrauten  Geistlichen  und  Gemeinden  die  Gesinnungen  der  Ehrfurcht  und  Treue
gegen  den  König,  die  Liebe  zum  Vaterlande,  der  Gehorsam  gegen  die  Gesetze
und  alle  jene  Tugenden,  die  in  dem  Christen  den  guten  Unterthanen  bezeichnen,
mit  Sorgfalt  grusten  werden,  und  daß  ich  nicht  dulden  will,  daß  von  der  mir
untergebenen  Geistlichkeit  in  entgegengesetztem  Sinne  gelehrt  und  gehandelt  werde.
Insbesondere  gelobe  ich,  daß  ich  keine  Gemeinschaft  oder  Verbindung,  sei  es
innerhalb  oder  außerhalb  Landes,  unterhalten  will,  welche  der  öffentlichen  Sicherbeit
  gefährlich  sein  könnten,  und  will  ich)  wenn  ich  erfahren  Falle  b,  daß  in  meiner
Diözese  oder  anderswo  Anschläge  gemacht  werden,  die  zum  Nachtheil  des  Staats
gereichen  könnten,  hiervon  Seiner  Königlichen  Majestät  Anzeige  machen.  Ich
verspreche,  dieses  Alles  um  so  unverbrüchlicher  zu  halten,  als  ich  gewiß  bin,  daß
ich  mich  durch  den  Eid,  welchen  ich  Seiner  Päpstlichen  Heiligkeit  und  der  Kicche
eleistet  habe,  zu  Nichts  verpflichte,  was  dem  Eide  der  Treue  und  Unterthänigeit
  gegen  Seine  Königliche  Majestät  entgegen  sein  könne.  Alles  dieses  schwöre
ich,  so  wahr  mir  Gott  helfe  und  sein  heiliges  Evangelium.  Amen!

 

(Nr.  6528.)  Verordnung,  betreffend  die  Aufrechthaltung  der  Interessen  des  öffentlichen
Dienstes  in  dem  ehemaligen  Königreich  Hannover.  Vom  21.  Januar
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc§

verordnen  für  das  Gebiet  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover,  im  Anschluß
an  Unsere  Order  vom  3.  Dezember  v.  I,  was  folgt:

K.  1.

Beamte,  deren  Verhalten  in  oder  außer  dem  Amte  eine  Verletzung  der
Uns  schuldigen  Treue  enthält  und  somit  der  Voraussetzung  zuwiderläuft,  von
welcher  bereits  in  Unserem  Besitznahme-Patente  vom  3.  Oktober  v.  J.  ihre  Belassung
  im  Genuß  der  Oiensteinkünfte  abhängig  gemacht  worden  ist,  sind  durch
Beschluß  des  Staatsministeriums,  nach  Befinden  unter  gänzlichem  oder  theilweisem
Verlust  ihrer  Diensteinkünfte  (Gehalt,  Wartegeld  oder  Pension  u.  s.  w.),  aus
ihren  Aemtern  zu  entfernen.

S
Der  im  F§.  1.  gedachte  Beschluß  des  Staateministeriums  unterliegt  Unserer
Bestätigung,  wenn  der  Beamte  vom  Könige  ernannt  oder  bestätigt  worden  ist.
Fr.  0527—6529.)  .
        <pb n="312" />
        —  136  —

g.  3.
Die  Bestimmungen  der  98.  1.  und  2.  finden  bis  zur  Einführung  der
Preußischen  Verfassung  in  dem  ehemaligen  Königreich  Hannover  auf  alle  im  unmittelbaren
  oder  im  mittelbaren  Staatsdienst  stehenden.  Beamten  Anwendung.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.  3
Gegeben  Berlin,  den  24.  Januar  1867.

.  §.)Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  6529.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung,  der  unter  der  Firma:
„Essener  Maschinenbau-Aktiengesellschafte  mit  dem  Sitze  zu  Essen  errichteten
Aktiengesellschaft.  Vom  19.  Januar  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  14.  Januar
1867.  die  Errichtung  einer  Akteengesellschaßt  unter  der  Firma:  „Essener  Maschinenbau-Aktiengesellschaft“
  mit  dem  Sitze  zu  Essen,  sowie  deren  Statut  vom  13.  November
  1866.  8  genehmigen  geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statute  wird  durch  das  Amtsblatt  der
Königlichen  Regierung  zu  Düsseldorf  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  19.  Januar  1867.

Der  Minister  fuͤr  Handel,  Gewerbe  und  oͤffentliche  Arbeiten.
Im  Auftrage:
Schede.

 

Redigirt  im  Buͤreau  des  Staats  -  Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerel
(Rov.  Decker).
        <pb n="313" />
        —  17  —
Gesetz=  Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  9.  —

22

(Nr.  6530.)  Patent  wegen  Besitznahme  vormals  Großherzoglich  Hessischer  Landestheile.
Vom  12.  Januar  1867.

2  I  "t  U  "
Wu  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r
thun  gegen  Jedermann  hiermit  kund:

Nachdem  Seine  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Hessen  und  bei
Rhein  2c.  Uns  in  dem  Friedensvertrage  vom  3.  September  1866.  die  nachstehend
bezcichneten,  bis  dahin  Hroß  erzoglich  Hesichen  Gebietstheile:  die  Landgrafschaft
Hessen-Homburg,  den  Kreis  Biedenkopf,  den  Kreis  Vöhl,  den  nordwestlichen
  Theil  des  Kreises  Giessen,  den  Ortsbezirk  Rödelheim,  den  bisher
unter  Großbersogich  Hessischer  Souverainetät  stehenden  Theil  des  Ortsbezirks
Nieder-Ursel,  abgetreten  hat,  haben  Wir  beschlossen,  diese  Gebietstheile  mit
Unserer  Monarchie  zu  vereinigen  und  zu  diesem  Behufe  mit  gustimmung  beider
Häuser  des  Landtages  das  Gesetz  vom  24.  Dezember  v.  J.  erlassen  und  verkündigt.

Demufoge  nehmen  Wir  die  vorstehend  genannten  bisher  Großherzoglich
Hessischen  Gebietstheile  durch  gegenwärtigeb  Patent  in  Besitz  und  einverleiben
dieselben  Unserer  Monarchie  mit  allen  Rechten  der  m  beslisen  und  Oberherrlichkeit
  und  mit  sämmtlichen  Zubehörden  und  Ansprüchen.

Wir  befehlen,  die  Preußischen  Adler  an  den  Grenzen  zur  Bezeichnung
Unserer  Landesherrlichkeit  aufzurichten,  statt  der  bisher  angehefteten  Wappen
Unser  Königliches  Wappen  anzuschlagen  und  die  öffentlichen  Siegel  mit  dem
Preußischen  Adler  zu  versehen.

Wir  gebieten  allen  Einwohnern  der  nunmehr  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten
  ehemaligen  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheile,  fortan  Uns  als  ihren
rechtmäßigen  König  und  Landesherrn  zu  erkennen  und  Unseren  Gesetzen,  Verordnungen
  und  Befehlen  mit  pflichtmäßigem  Gehorsam  nachzuleben.

Vi  werden  Jedermann  im  Besitze  und  Genusse  seiner  wohlerworbenen
Privatrechte  schützen  und  die  Beamten,  welche  L#in  Unsere  Dienste  überzutreten
Lewillt  sind,  auf  ihren  Posten  und  im  Geusse  ihrer  Diensteinkünfte  belassen.

ie  gesetgebende  Gewalt  werden  Wir  bis  zur  Einführung  der  Preußischen  Verfassung
  allein  ausüben.
Johrgang  1867.  (Nr.  6530—6531.)  18  So

Ausgegeben  zu  Berlin  den  4.  Februar  1867.
        <pb n="314" />
        —  138  —

So  lange  bis  Wir  eine  andere  Einrichtung  zu  treffen  zweckmäßig  finden,
wird  jede  öffentliche  Stelle  in  der  bisherigen  Art  verwaltet.

Unsere  Kommissarien  zur  Ausführung  des  Friedensvertrages  mit  dem
Goepbrrbogthum  Hessen  sind  von  Uns  angewiesen,  hiernach  die  Besitznahme  auszuführen.


Hiernach  geschieht  Unser  Wille.

Gegeben  Berlin,  den  12.  Januar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6531.)  Allerhöchste  Proklamation  an  die  Eimvohner  vormals  Großherzoglich  Hessischer
Landestheile.  Vom  12.  Januar  1867.

D.o  das  Patent,  welches  Ich  heute  vollzogen  habe,  vercinige  Ich  Euch,  Einwohner
  bisheriger  Großherzoglich  Hessischer  Lande,  mit  Meinen  Unterthanen,
Euren  Nachbaren  und  Deutschen  Brüdern.

Durch  die  Entscheidung  des  Krieges,  durch  den  Friedensvertrag  mit  Eurem
bisherigen  Großherzoge  und  durch  die  Neugestaltung  des  gemeinsamen  Deutschen
Vaterlandes  nunmehr  von  einem  Fürstenhause  getrennt,  dem  Ihr  mit  treuer
Ergebenheit  angehangen,  tretet  Ihr  jetzt  in  den  Verband  des  Nachbarlandes,
dess  Bevölkerung  Gach  durch  Stammesgemeinschaft,  durch  Sprache  und  Sitte

verwandt  und  durch  Gemeinsamkeit  der  Interessen  befreundet  ist.

ch  vertraue  Eurem  Deutschen  und  redlichen  Sinn,  daß  Ihr  Mir  Eure
*  eben  so  aufrichtig  geloben  werdet,  wie  Ich  zu  Meinem  Volke  Euch
aufnehme.

Euren  Gewerben,  Eurem  Handel  und  Eurer  Landwirthschaft  eröffnen  sich
durch  die  Vereinigung  mit  Meinen  Staaten  reiche  Quellen.  Meine  Vorsorge

wird  Eurem  Fleiße  wirksam  entgegenkommen.

Eine  gleiche  Vertheilung  der  Staatslasten,  eine  zweckgemäße  energische  Verwaltung,
  sorgsam  erwogene  Gesetze,  eine  gerechte  und  pünktliche  Justizpflege,  kurz
alle  die  Garantien)  welche  2  zu  Dem  gemacht,  als  was  es  sich  jetzt  in
harter  Grobe  bewährt  hat,  werden  Euch  fortan  gemeinsame  Güter  sein.

ure  Religion  werde  Ich  ehren  und  schützen.  Die  Diener  der  Kirchen
werden  auch  fernerhin  die  Bewahrer  des  väterlichen  Glaubens  sein.  Euren  Lehranstalten
  werde  Ich  Meine  besondere  Aufmerksamkeit  widmen.

Eure  kriegstüchtige  Jugend  wird  sich  ihren  Brüdern  in  Meinen  —

Staa-
        <pb n="315" />
        —  139  —

Staaten  zum  Schutze  des  Vaterlandes  treu  anschließen;  mit  Freude  wird  die
Preußische  Armee  die  tapferen  Hessen  empfangen  und,  zemeinschaftlich  mit  Meinem
Herre  und  Meinen  anderen  Völkern  vereinigt,  werdet  Ihr  Theilnehmer  an  dem
uhme,  die  Unabhängigkeit  und  Freiheit  des  Deutschen  Vaterlandes  dauernd
gegründet  zu  haben.
Das  walte  Gott!

Berlin,  den  12.  Januar  1867.

Wilhelm.

 

(Nr.  6532.)  Verordnung,  betreffend  die  Publikation  der  Gesetze  in  denjenigen  Landestheilen,
welche  durch  die  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz=  Samml.
S.  875.  876.)  der  Preußischen  Monarchie  einverleibt  worden  sind.  Vom
29.  Januar  1867.

#
Wi  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

verordnen  für  diejenigen  Landestheile,  welche  durch  die  Gesetze  vom  24.  Dezember
1866.  (Gesetz-Samml.  S.  875.  876.)  der  Preußischen  Monarchie  einverleibt
worden  sind,  was  folgt:

S.  1.

Landesherrliche  Erlasse,  welche  Gesetzeskraft  erhalten  sollen,  erlangen  dieselbe
  nur  durch  die  Aufnahme  in  die  zu  Berlin  erscheinende  Gesetz-Sammlung
für  die  Königlich  Preußischen  Staaten,  ohne  Unterschied,  ob  sie  für  die  ganze
Monarchie  oder  für  einen  Theil  derselben  bestimmt  sind.

d.  2.

Ist  in  einem  durch  die  Gesetz-Sammlung  (§.  1.)  verkündeten  Erlasse  der
Zeitpunkt  bestimmt,  mit  welchem  derselbe  in  Kraft  treten  soll,  so  ist  der  Anfang
seiner  Gesetzeskraft  nach  dieser  Bestimmung  zu  beurtheilen.  Enthält  aber  der
verkündete  Erlaß  eine  solche  Jäiibesiimmung  nicht,  so  beginmt  dessen  Gesetzeskraft
mit  dem  zwölften  Tage  nach  dem  Ablauf  desjenigen  Tages,  an  welchem  das  betreffende
  Stück  der  Gesetz=  Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  worden  ist.

F.  3.
Auch  für  Diejenigen,  welche  schon  früher  von  dem  Gesetze  Kenntniß  erhalten
  haben,  beginnt  die  Verbindlichkeit,  nach  demselben  sich  zu  achten,  erst  mit
dem  im  F.  2.  bekimmten  Zeitpunkte.

ie
Die  nähere  Bczeichnung  derjenigen  Behörden  und  Beamten,  welche  verpflichtet
  sein  sollen,  die  Gesetz-Sammlung  (§.  1.)  auf  ihre  Kosten  zu  halten,  wird
einer  besonderen  Königlichen  Verordnung  vorbehalten.
Nr.  6531—6533.)  18°  .  5.
        <pb n="316" />
        —  140  —

S.  5.

Zur  Publikation  anderer,  als  der  im  8.  1.  bezeichneten  landesherrlichen
Erlasse  und  allgemeiner  Anordnungen  der  Behörden  in  den  einzelnen  Landestheilen
  die  geeigneten  Organe  zu  bestimmen,  bleibt  dem  Minister  des  Innern
überlassen.  *

Diese  Verordnung  tritt  sofort  in  Kraft.  Alle  derselben  entgegenstehenden
bisherigen  Vorschriften  find  hiermit  aufgehoben.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  29.  Januar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6533.)  Verordnung,  betreffend  die  Justizverwaltung  innerhalb  der  Herzogthümer
Holstein  und  Schleswig.  Vom  28.  Januar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rrP

verordnen  für  das  Gebiet  der  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Herzogthümer

Holstein  und  Schleswig,  was  folgt:

I.  Die  Oberaufsicht  über  das  Justizwesen  mit  sämmtlichen  darunter  begriffenen

Befugnissen  geht  fortan  auf  Unsern  Justizminister  über.

II.  In  aien  Justizangelegenheiten,  welche  Unserer  landesherrlichen  Entscheidung
oder  Genehmigung  bedürfen,  ist  wegen  deren  Einholung  von  den  Behörden
an  Unsern  Justizminister  zu  berichten.

III.  Im  Uebrigen  tritt  in  den  Ressortverhältnissen  und  Befugnissen  der  Justizbehörden,
  sowie  in  dem  bestehenden  Instanzenzuge  für  jetzt  eine  Aenderung
  nicht  ein.

Lerundch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem

Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  28.  Januar  1867.

.  .)Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.

 

(Nr.  6534.)
        <pb n="317" />
        —  141  —

(Nr.  6534.)  Statut  für  die  Wiesengenossenschaft  zu  Niederberg  im  Kreise  Euskirchen.  Vom
24.  Dezember  1866.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc.

verordnen,  Behufs  Verbesserung  der  am  Rothbache  in  der  Gemeinde  Niederberg,
Kreises  Euskirchen,  belegenen  Wiesengrundstücke,  nach  Anhörung  der  Betheiligten,
dem  Antrage  der  Mehrzahl  derselben  entsprechend,  auf  Grund  des  Gesches  vom
28.  Februar  1843.  SF.  56.  57.  (Gesetz=  Samml.  vom  Jahre  1843.  S.  51.),
was  folgt:

S.  I.

Die  Besitzer  der  am  Rothbache  in  der  Gemeinde  Niederberg  belegenen

Wiesengrundstücke,  wie  sie  in  den  Kataster-Auszügen  vom  ui  í  verzeichnet

sind,  werden  zu  einem  Wiesenverbande  vereinigt,  um  den  Ertrag  ihrer  Grundstücke
durch  Ent=  und  Bewässerung  zu  verbessern.  Der  Verband  wählt  sein  Domizil
bei  seinem  jedesmaligen  Vorse  her.

.  2.

Die  Haupt-Be=  und  Entwässerungsgräben,  die  Wehre  und  Schützen,
die  Bachregulirungen,  überhaupt  alle  zur  vortheilhaften  Berieselung  der  Verbandswiesen
  erforderlichen  Anlagen,  werden  auf  gemeinschaftliche  Kosten  des  Verbandes

e1emacht  und  unterhalten  nach  einem  Plan,  welcher  durch  den  bestellten  Wiesenaumeister
  anzufertigen  und  in  Streitfällen  von  der  Negiermn  festzustellen  ist.

Die  Besaamung,  der  Umbau  und  die  sonstige  Unterhaltung  der  einzelnen
Wiesenparzellen  durch  lanirung,  Düngung  2c.  bleibt  den  Eigenthümern  überlassen,
  jedoch  sind  dieselben  gehalten,  dabei  den  Anordnungen  des  Wiesenvorstehers
im  Interesse  der  ganzen  Anlage  Folge  zu  leisten;  auch  können  O6!  die  Ausführung
der  ihnen  obliegenden  Arbeiten  dem  Wiesenwärter  des  Verbandes  für  ihre  Rechmung
  übertragen.

ie

Die  Beiträge  zur  Anlegung  und  Unterhaltung  der  gemeinschaftlichen  Anlagen
  werden  von  den  Genossen  nach  Verhältniß  ihrer  betheiligten  Flächen
aufgebracht.

8  Der  Bürgermeister  setzt  die  Hebelisten  auf  Antrag  des  Wiesenvorstehers
fest  und  läßt  die  Beiträge  von  den  Säumigen  durch  administrative  Erekution
zur  Kommunalkasse  einziehen.

Die  Anlagen  werden  in  der  Regel  im  Tagelohn  ausgeführt  unter  Leitun
eines  Wiesenbaumcisters;  wo  es  indeß  zweckmäßig  ist,  sollen  die  Arbeiten  nach
Bestimmung  des  Vorstandes  an  den  Mindestfordernden  verdungen  werden.

Ausnahmsweise  kann  der  Vorstand  auch  die  Anlagen  durch  Naturalleistung
der  Eigenthümer  ausführen  lassen.  In  solchen  Fällen  ist  der  Wiesenvorsteher
befugt,  die  nicht  rechtzeitig  oder  nicht  Fkhbrig  ausgeführten  Arbeiten  nach  einmaliger
  vergeblicher  Erinnerung  auf  Kosten  des  Säumigen  machen  und  die

V#r.  6534.)  Kosten
        <pb n="318" />
        —  142  —

Kosten  von  demselben  durch  Erekution  beitreiben  zu  lassen.  Eben  dazu  ist  der
Wiesenvorsteher  befugt  bei  Arbeiten,  welche  den  einzelnen  Genossen  für  ihre
Grundstücke  obliegen  und  im  Interesse  der  ganzen  Anlage  nicht  unterbleiben
dürfen.

S.  4.

Die  Anlegung  der  nöthigen  Gräben,  Wehre  2c.  muf  jeder  Wiesengenosse
ohne  Weiteres  gesta  en  und  den  dazu  erforderlichen  Grund  und  Boden  in  der
Regel  unentgeltlich  hergeben.  Soweit  ihm  der  Werth  nicht  durch  das  an  den
Dammdossirungen  und  Uferrändern  wachsende  Gras  oder  andere  zufällige  Vortheile
  ersetzt  werden  sollte,  ist  Entschädigung  zu  gewähren.  Etreiligleile  hierüber
werden,  mit  Ausschluß  des  Rechtsweges,  s  ichrichterlich  entschieden  (contr.  §.  H.).

Die  Erwerbung  von  Terrain,  welches  nicht  Mitgliedern  des  Wiesenverbandes
  gehört,  erfolgt  nach  den  Vorschriften  des  Gesetzes  vom  28.  Februar  1843.

.  5.

Die  Angelegenheiten  des  Wiesenverbandes  werden  geleitet  von  einem
Wiesenvorsteher  und  zwei  Wiesenschöffen,  welche  zusammen  den  Vorstand  bilden.
Dieselben  bekleiden  ein  Ehrenamt.  Als  Ersatz  für  baare  Auslagen  und
Versäumniß  erhält  jedoch  der  Wiesenvorsteher  jährlich  pro  Morgen  fünf  Silbergroschen.

S.  6.

Die  Mitglieder  des  Vorstandes  werden  von  den  Wiesengenossen  aus  ihrer
Mitte  auf  drei  Fahre  ewählt,  nebst  zwei  Stellvertretern  für  die  Wiesenschöffen.

Bei  der  Wahl  hat  jeder  Wiesengenosse  Eine  Stimme,)  wer  mehr  als  zwei
Morgen  im  Verbande  besitzt,  hat  zwei  Stimmen,  wer  vier  Morgen  besitzt,  drei
Stimmen  und  so  fort  für  je  zwei  Morgen  mehr  Eine  Stimme  mehr.

Der  Bürgermeister  beruft  die  Wahlversammlung  und  führt  den  Vorsitz
in  derselben.  Er  verpflichtet  die.  Gewählten  durch  Handschlag  an  Eidesstatt.

Minderjährige  und  moralische  Personen  können  durch  ihre  gesetzlichen  Vertreter,
  Ehefrauen  durch  ihre  Ehemänner  mitstimmen.

Wählbar  ist  Derjenige,  welcher  mindestens  Einen  Morgen  Wiese  im  Verbande
  besitzt  oder  als  Pöchter  bewirthschaftet  und  den  Vollbesitz  der  bürgerlichen
Rechte  nicht  durch  rechtskräftiges  Erkenntniß  verloren  hat.

Im  Uebrigen  sind  bei  der  Wahl  die  Vorschriften  für  Gemeindewahlen
zu  beobachten.

Zur  Legitimation  des  Vorstandes  dient  das  vom  Bürgermeister  bescheinigte
Wahlprotokoll.

S.  7.
Der  Wiesenvorsteher  ist  die  ausführende  Verwaltungsbehörde  des  Verbandes
  und  vertritt  denselben  anderen  Personen  und  Behörden  gegenüber.
Er  hat  insbesondere:
a)  die  Ausführung  der  gemeinschaftlichen  Anlagen  nach  dem  festgestellten
Be-
        <pb n="319" />
        —  143  —

Bewässerungsplane  mit  Hülfe  des  vom  Vorstande  erwählten  Wiesenbaumeisters
  zu  veranlassen  und  dieselben  zu  beaufsichtigen;

b)  die  Beiträge  auszuschreiben,  die  JZahlungen  auf  die  Kasse  anzuweisen  und
die  Kassenverwaltung  zu  revidiren;

JP)  die  Voranschläge  und  Jahresrechnungen  den  Wiesenschöffen  zur  Feststellung
und  Abnahme  vorzulegen;  6

4)  den  Wiesenwärter  und  die  Unterhaltung  der  Anlagen  zu  beaufsichtigen
und  die  halbjährige  Grabenschau  im  April  und  November  mit  den
Wiesenschöffen  abzuhalten;

c)  den  Schriftwechsel  für  den  Wiesenverband  zu  führen  und  die  Urkunden
desselben  zu  unterzeichnen;  zur  Abschließung  von  Verträgen  ist  die  Zustimmung
  der  Wiesenschöffen  nöthig;

4)  die  Ordnungsstrafen  gegen  Mitglieder  des  Verbandes  wegen  Verletzung
dieses  Statuts  und  der  besonders  dazu  erlassenen  Reglements  bis  zur
Höhe  von  Einem  Thaler  festzusetzen  und  zur  Kasse  einzuziehen.

In  Verhinderungsfällen  läßt  sich  der  Wiesenvorsteher  durch  einen  Wiesenschöffen
  vertreten.

F.  8.

Zur  Bewachung  und  Bedienung  der  Wiesen  stellt  der  Vorstand  einen
Wiesenwärter  auf  dreimonatliche  Kündigung  an,  dessen  Lohn  die  Generalversammlung
  der  Genossen  bei  der  Wahl  des  Vorstandes  ein=  für  allemal  bestimmt.
Die  Wahl  des  Wiesenwärters  unterliegt  der  Bestätigung  des  Landrathes.  Der
Wiesenwärter  ist  allein  befugt  zu  wässern  und  muß  so  wässern,  daß  alle  Parzellen
den  verhältnißmäßigen  Antheil  an  Wasser  erhalten.

Kein  Eigenthümer  darf  die  Schleusen  öffnen  oder  zusetzen,  oder  überhaupt
die  Bewässerungsanlage  eigenmächtig  verändern,  bei  Vermeidung  einer  Konventionalstrafe
  von  zwei  Thalern  für  jeden  Kontraventionsfall.  «

Der  Wiesenwärter  wird  als  Feldhüter  vereidigt;  er  muß  den  Anweisungen
des  Wiesenvorstehers  pünktlich  Folge  leisten  und  kann  von  demselben  mit  Ver—
weis  und  Geldbuße  bis  zu  Einem  Thaler  bestraft  werden.

S.  9.

Die  Streitigkeiten,  welche  zwischen  Mitgliedern  des  Verbandes  über  das
Eigenthum  von  Grundstücken,  üler  die  Zuständigkeit  oder  den  Umfang  von
Grundgerechtigkeiten  oder  anderen  Nutzungsrechten,  und  über  besondere,  auf  speziellen
Rechtstiteln  beruhende  Rechte  und  Verbindlichkeiten  der  Parteien  entstehen,  gehören
  zur  Entscheidung  der  ordentlichen  Gerichte.

Dagegen  werden  nach  erfolgter  Feststellung  des  Bewässerungsplanes  durch
die  Regierung  (conk#r.  F.  2.)  alle  anderen,  die  gemeinsamen  Angelegenheiten  des
Verbandes  oder  die  vorgebliche  Beeinträchtigung  eines  oder  des  anderen  Genossen
betreffende  Beschwerden  von  dem  Vorstande  untersucht  und  entschieden.

Gegen  die  Entscheidung  des  Vorstandes  steht  jedem  Heie  der  Rekurs  an
ein  Schiedsgericht  frei,  welcher  binnen  zehn  Tagen,  von  der  Bekanntmachung  F

(Tr.  6531.)  e-
        <pb n="320" />
        —  144  —

Bescheides  an  gerechnet,  bei  dem  Wiesenvorsteher  angemeldet  werden  muß.  Ein
—  Rechtsmittel  findet  nicht  Statt.  Der  unterliegende  Theil  trägt  die
osten.

Das  Schiedsgericht  besteht  aus  dem  Bürgermeister  und  zwei  Beisitzern.
Die  Beisitzer  nebst  einem  Stellvertreter  für  jeden  werden  von  der  Generalversammlung
  der  Wiesengenossen  auf  drei  Jahre  gewählt.  Wählbar  ist  jeder,  der
in  der  Gemeinde  seines  Wohnorts  zu  den  öffentlichen  Gemeindeämtern  wählbar
ist,  mindestens  Einen  Morgen  Wiese  besitzt  und  nicht  Mitglied  des  Verbandes  ist.

Wenn  der  Bürgermeister  selbst  Mitglied  des  Verbandes  sein  sollte,  so  muß
der  Landrath  auf  Antrag  jedes  Betheiligten  einen  anderen  unparteiischen  Vorsitzenden
  des  Schiedsgerichts  ernennen.  Lassetbe  kann  der  Landrath  thun,  wenn
sonstige  Einwendungen  gegen  die  Person  des  Bürgermeisters  von  den  Betheiligten
erhoben  werden,  welche  dessen  Unparteilichkeit  nach  dem  Ermessen  des  Landrathes
beeinträchtigen.  u

Wegen  der  Mässerungsordnung,  der  Grabenräumung,  der  Heuwerbung  und
der  Hütung  auf  den  Wiesen  hat  der  Vorstand  die  nöthigen  Bestimmungen  zu
treffen  und  kann  deren  Uebertretung  mit  Ordnungsstrafen  bis  drei  Thaler  bedrohen.

S.  11.

Der  Wiesenverband  ist  der  Oberaufsicht  des  Staates  unterworfen.  Das
Aufsichtsrecht  wird  von  dem  Kreislandrathe,  von  der  Regierung  in  Cöln  als
Landespolizei-Behörde  und  von  dem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten
  gehandhabt  in  dem  Umfange  und  mit  den  Befugnissen,  welche  nach
#.  65.  114—  119.  der  Gemeindeordnung  vom  15.  Mai  1856.  den  Aufsichtsbehörden
  der  Gemeinden  zustehen.

S.  12.

Dieses  Statut  kann  nur  mit  landesherrlicher  Genehmigung  abgeändert
werden.

Llrtunduch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  24.  Dezember  1866.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

 

Berlin,  gedruckt  in  ber  Käniglichen  Geheimen  Ober-Hofbuchbruckerci
(R.  v.  Decker).
        <pb n="321" />
        —  145  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  10  —

 

(Nr.  6535.)  Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  des  Finanz-  Etats  für  das  Gebiet  des
ehemaligen  Herzogthums  Nassau  auf  das  Jahr  1867.  Vom  24.  Januar
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rcP

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums)  was  folgt:

F.  1.
Der  dieser  Verordnung  als  Anlage  beigefügte  Finen  Etat  für  das  Gebiet
des  ehemaligen  Herzogthums  Nassau  an  das  Jahr  1867.  wir
in  Einnahme
auf  8/0644,030  Gulden,
in  Ausgabe
auf  8,544,030  Gulden,  nämlich
auf  8,521,030  Gulden  an  fortdauernden  und

auf  23)000  Gulden  an  einmaligen  und  außerordentlichen
Ausgaben,

vorbehaltlich  der  nachträglichen  Zustimmung  der  beiden  Häuser  des  Landtages
für  Fo.  Zeit  vom  1.  Lrle  bis  31.  Dezember  d.  J.,  hierdurch  festgestellt.

K.  2.

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.
Johrgang  1867.  (Nr.  6535.)  19  Ur-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  2.  Februar  1867.
        <pb n="322" />
        —  146  —

Lernbih  unter  Unserer  Höchstelgenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  24.  Januar  1867.

(#.  &amp;amp;.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.
        <pb n="323" />
        —  147  —

Finanz-Etat

für  das  Gebiet

des  ehemaligen  Herzogthums  Nassau
auf

das  Jahr  1867.

OFr.  6535.)  19°“
        <pb n="324" />
        <pb n="325" />
        —  149  —

 

 

 

Betrag
*-1.  Einnahme.  für
5  1867.
*
l.  kr.
I.  Finanzverwaltung.
1  Domainen.

Forten  .........  ...  ..  650,000.  —
1.|  Güter  in  Zeitbestaoandddd  l  218,000.  —
2.üter  in  Erbbestnd  ..  .  ...  5,000.  —
3.  Güter  in  eigener  Administratio  40,000.  —
4.]  Weinbereeeeee  ..  ....  52/000.  —
5.  Grundrenteeeeenenn  96,300.  —
6.  Badeanstalen  165,000.  —

7Berg-,  Hütten=  und  Hammerwerkt.  365,000.  —
8.  Jagd  und  Fischeir)  61,000.  —
9Mühlen=  und  Bannrechta  5,000.  —
10.]  Gebäudee  ...  9,000.  —
11.]  Mineralwasser-Debt..  449,302.  —
12.  Zinsen  von  Aktivkapitalleen.  54,000.  —
13.]  Außerordentliche  Eimahmen  3,000.  —
14.Für  verkaufte  Frücht  200,000.  —
15.  Aus  der  Fischerei  im  Rhein  und  —Main.  #4  1,370.  —
16.]  Wasserlaufzinsen  E  21,310.  —
17.  Summa  Kap.  1.  2,395,282.  —
2.  Direkte  Steuern.
Der  Betrag  von  fünf  Steuersimpeln.......  ...  1,623,000.  —
Summa  Kap.  2.  für  sich.
3.  Indirekte  Steuern.
1.]  Vereinszölle  und  privative  Zolleinnahmen,  Branntwein=
  und  Biersteeirer  940,000.  —
2.]/  Krahngefälll  240.  —
3.Stempelgeldkdennn  ...  413,000.  —
4.|  Konfirmationstaoasgrrnrn  184,800.  —
Seite  .....  1,538,040.  —
(Nr.  6535.)
        <pb n="326" />
        —  150  —

 

Kapitel.
Titel.

Einnahme.

Betrag
für
1867.

Fl.

 

——*

d—

NMiet

S  —

—
——————#

 

 

Khaussee,  und  Brückengeldeirn

.  gafengefälle  ................................
chleusengclderanderLahn.·...............

.Vonden  Ueberfasrtcn  auf  dem  Rhein,  dem
Main  und  der  Lahn  .  .  ....  ................

Summa  Kap.  3.  .  .  ...

Salzmonopol.

Salhlzz.
0Sponstige  Einnamen

Summa  Kap.  4

Verschiedene  andere  Einnahmen.

Aus  den  kleinen  Monopollen
.  Stkaggelder  .................................

en  und  Pächte  für  Wohnungen  und  Gärten
in  den  Landesgebaueden
Erlös  aus  herrenlosen  Sachen  und  Konfiskationen
  11.
Niiederländische  Militairpensions-Zahlungen..
Bensionsbeiträge  aus  Civil.  Wittwenkassen.
Ab.  und  Zuschreibegebübhrten  ..
Kosten  in  Polizei=  und  kriminal-Untersuchungen
Gebühren  für  verwaltete  Land-Oberschultheisereien
Andere  zufällige  Eimahmen  .  .  .  .  .

Summa  Kap.  5.  .  .  ..  .
Aus  Aktivbeständen,  sowie  aus  Ab—

lieferungen  der  Landesbank  zu
Wiesbaden  .  .  ..  ......  ...  ..  ..  .  .  ...

Summa  IJ.  .  .  ..  .

 

1,538,040.
70.

2,000.
14,000.

4,280.
1,558,390.

392,173.
2,826.

395,000.

0,010.
23,100.
3/731.
1,45:
1,027.
70.
8,200.
15,200.
101,600.
19,000.

128#½

183,393.  —

567,056.  30
6  722/621.  30
        <pb n="327" />
        —  151  —

 

 

Betrag
Einnahme.  für
*  1867.
E.
8
I.  Er.
II.  Verwaltung  für  Handel,  Gewerbe
und  öffentliche  Arbeiten.
7.  Postverwaltng  .  ..  12,000.  —
Summa  Kap.  7.  für  sich.
8.  Verwaltung  für  Handel,  Gewerbe
und  Bauten.
1.  Pächte  von  Alluvionen,  Grasnutzungen,  Weidenpflanzungen2909090
  2,067.  —
2.Eichgebüren  .  .  ..  6,500.  —
Summa  Kap.  8.  8,567.  —
9.  Eisenbahn-  und  Telegraphen-Verwaltung.

1.]Personen=  und  Perlanengepäc  Verkhr  590,000.  —
2.Güterverkehr  und  Viehtransport  ...  ...........  1,050,000.  —
3.  Posttransport  ........  .  ...  26,387.  49
4.  Wagenpark  ..  .  ..  ............  .  ..  62,500.  —
5.  Miethen  und  Pãchte  von  Gebäuden,  Restaurationslokalien,
  Ländereien  0...  43,045.  34
6.Trajektanstalten  und  Landebrückeen  4,250.  —
7.  Telegraphenverkber  16,540.  —
8.  -  Einnahhzhen  776.  37
Summa  Kap.  9  1,793,500.  —
Summa  II.  .....  1,814,067.  —

 

 

(Nr.  6535.)
        <pb n="328" />
        —  162  —

 

 

Betrag
z4.  Einnahme.  für
*  S  1867.
S#
FI.  r.
III.  Verwaltung  des  Innern.
10..Ertrag  der  Badeanstalt  in  Seoden  4,520.  —
2.  Verwaltung  der  Strafanstalten  ............  ...  2,821.  30
Summa  III.  ..  ...  7,341.  30
Dazu  II.  .....  1,814,067.  —
1.  6  722,62  1.  30
Hauptsumme  der  Einnahme  8/544,030.  —
        <pb n="329" />
        Betrag
.  Ausgabe.  für
1867.
8
gl.  K.
I
Fortdauernde  Ausgaben.
I.  Domainen-,  Forst-,  Steuer=  und  ç
Münzverwaltung.  1
J.  Domainen.
Obere  Verwaltung.
1.]  Besoldunen  27,420.  —
2.  Bärraukosten  und  verschiedene  Ausgaben  12,530.  —
Lokalverwaltung.
3.|Besoldunen  45,876.  —
4.  Bürraukssirn  und  verschiedene  Ausgabeen  9/642.  30
Kassen  verwaltung.
5.]  Besoldunen  7,600  Fl.
6.]  Büreaukosten  und  verschiedene  Ausgaben
  .  .  .  2/716
10,316  Fl.
Hiervon  die  Hälfte  auf  die  Domainenkasse  mit.  5/158.  —
Lasten  und  Servituten.
7.  Grundlasten  excl.  der  Leistungen  an  Erbleihträühenrnrnrnrnrnrnrnr
  .  ..  5,008.  37
8.|  Baulassen  .  ..  12,349.  50
9.]  Beiträge  zu  Stiftungen  43/367.  25
10..Sonstige  verschiedene  Ausgabrn  833.  25
Seite  ...  ..  162,185.  47

 

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6535.)  20
        <pb n="330" />
        —  154  —

 

 

 

 

 

Betrag
ä  Ausgabe.  für
1867.
5
F.  Kr.
Uebertrag  4  162,185.  47
verwaltungskosten.
Forsten.
11..  Steuen  89,720.  20
12.Besoldungen
1  der  Oberförstr  10,864.  6
2)  der  Förster  19,444.  16
13.Kulturkosern  21,000.  —
14.  Loß  auerlöhhn  .  .  .  .  .  ..  112,000.  —
15.  Sonstige  Ausgaben  .................  .  ..  .  .  .  .  .  .  9,929.  11
Güter  in  geitbestand.
16.Steernrnrnr  .  .  .  .  ..  .  ...  42,984.  55
17.]  Unterhaltung  der  Gutsgebäude  .....  15,921.  15
18.1  Sonstige  Kosten  ...  17,266.  14
Güter  in  Erbbestand.
19.|  Steuern  «..............................  1,782.  15
20.  Sonstige  verschiedene  Ausgaben  .....  ......  .  .  ..  614.  1
Güter  in  eigener  Administration.
21.|  Steer  .  .  .  1,688.  55
22..Sonstige  Administrationskosten  5,401.  8
Weinberge.
23.  Steuernrn  .  ....  .  ..  .  ..  ...  2,020.  10
24.Besoldunen  .  .  ..  3,911.  —
25.]  Weinbergsbaukosten  32,302.  31
26.Sonstige  verschiedene  Ausgaben  .  ..  18,743.  6
Grundrenten.
27.]  Steuern  und  sonstige  Kosten  60.  4
Seite.  ....  567,839.  14
        <pb n="331" />
        Betrag
½  Ausgabe.  für
2  1867.
*
.  Er.
Uebertrag  .....  567,839.  14
Badean  stalten.  .
28.Steuernrnrnr  4,034.  25
29.|]  Besoldungen  .  ...  8,194.  —
30.|  Baukossten  .  ..  22,683.  33
31.  Sonstige  vermischte  Aussaben  71,808.  10
Berg.,  Hütten-  und  Hammerwerke.
32.  Steuern  .............  ...  ...  .........  ..  .  .  .  .  .  2,885.  —
33.Besoldunen  .  ...  5,342.  —
34.  Betriebskosten  der  Bergwerke  284,274.  33
35.]Sonstige  Kosten  .  .  ..  1,822.  46
Jagd-  und  Fischereien.
36.|Kosten  der  Fischereein  57,343.  20
Mühlen-  und  Bannrechte.
37.Sten  1,065.  5
38.Sonstige  vermischte  Ausgaben  .  ..  9,455.  56
Gebäude.
39.Steerrnrn  1,358.  10
40.|]  Bau,  und  Reparaturkosten  7,373.  6
41.]  Sonstige  Kosten  .  ..  2,736.  34
Verschiedene  andere  Nutzungen.
42.  Mineralwaserdeb  ...........................  293,803.  53
43.]  Vermischte  Aussan  14,950.  37
44.|  Geibrenten,  Quiescenten-Gehalte,  Pensionen
und  Gnadengehalte..  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  ..  ...  ...  88,848.  17
Seite  .....  1,445,818.  39
(Nr.  6535.)  20“
        <pb n="332" />
        —  156  —

 

 

Betrag
Aus  gabe.  für
a  1862.
5
8l..  Ir.
Uebertrag  ..  .  .  .  1,445,818.  39
45.  Zur  Schuldentilgung.
1)9  Zur  Perzinsung  und  Til-.
  gung  der  älteren  Do-4
  mainenschuld..  286,402  Fl.  58  Xr.
2)  Zur  Verzinsung  und  Til-  1
ung  des  Antheils  der
omainen  an  dem  4prozentigen,
  in  Folge  des
7  vom  26.  Okto-=  -
ber  1853  negoziirten  An-  s  4  s
«  lehens  20,038  24  306,41.  22
146.  Kosten  der  Fischereien  im  Rhein  und  Main  39.—
Summa  Kap.  1.  .  .  .  ..  1,752,299.  1
2.  Forsten.
1.)  Besoldungen  der  Beamten  bei  den  OberForstämten
  ..  15,500.  —
2.]Kanzlei-Aufwvand  628.  —
3.  Reise=  und  Umzugskosten  7,168.  —
4.]  Zuschuß  zu  den  Oberförster-Besoldungen  -  33,500.  —
Summa  Kap.  2..  56,796.  —
1
1*
31  Direkte  Steuern.
1.|Kosten  der  Erhebung  der  direkten  Steuern  32/470.  —
2.  7  Remissionen  eee  23,780.  —
3.  sten  der  Formulare  ..  ............  .  .  ...  I«  750.  —
,  Summa  Kap.  3  57,000.  —
        <pb n="333" />
        —  1560  —

 

Er.

 

Betrag
Z1.  Ausgabe.  für
-  186r.
68
gi.
l  Indirekte  Steuern.
Sollverwaltung.
Obere  Verwaltung.  -
1.|Besoldunen  3,000.  —
2##  Sera  ................................  1,923»-3.Recse·unUmzugökosten....................
  '  200.  —
Lokal.  Verwaltung.  -
4zBesoldun................................  44,525.  —
5/]  Büreaukosen  ...  7,481.  —
6.]  Reise  und  Umzugskostoen  ...  1,600.  —
Ausgaben  bei  der  Schlensengeld-Erhebun
an  der  Lahn.
7.  Besoldungen  und  Remunerationen  2,000.  —
8.  Saiue  erwaltungskosten  und  vermischte  Aus-....................................
  25,160·—
’  Sonstige  Kosten  der  Steuer-Erhebung.
91  Kosten  der  Erhebung  der  Vereinszölle,  der  Bierund
  der  Branntweinsteeier  .  .  .  ..  4,200.  —
10.]  Provision  und  Hebegebühren  von  Stempelgelden
  12,150.  —
11.]  Verschiedene  Ausgaben  bei  dem  Stempeldebit.  (  6,580.  —
12.  Sonstige  verschiedene  Ausgaben  4,  79.  —
Summa  Kap.  4  113,398.  —
5.  Salzmonopol.
1]  Salzankaufskosten  «-  118,518.  45
2  Salztransportkosteeeen  ..  36,780.  34
3.  Vicherlod  und  Verpackuug  ,  2,229.  35
Besoldungen  und  Remumerctienen  ............  4,197.—
Seite.....  161,725.-54

 

 

EIN-)
        <pb n="334" />
        Betrag
1  Ausgabe  für
2  1867.
i
K.  Er.
Uebertrag  ..  ...  161,725.  54
5.Sechliche  Verwaltungskosten:

Wa)  Miettden  ..  2),255  Fl.

b)  Druckkosten  .  .  ..  300  2555.—
6.]Salzmischerlöhn  .  .  ..  .  .  .  .  .  ..  270.  —
*.Magazin-Einrichtungskosten  100.  —
8.  Vermischte  Ausgasgen  3,549.  6

Summa  Kap.  5  168,200.  —

6.  Kosten  aus  Anlaß  des  früheren

Münzbetriebes.

1.)Besoldnngngngngaga  1,800.  —
2.ur  baulichen  Unterhaltung  des  Münzgebäudes.  91.  31
Summa  Kap.  6  1,891.  31
Summa  I.  .  .  .  ..  2,149,584.  32

II.  Berg-,  Hütten-,  Eisenbahn=  und

Telegraphen-Verwaltung.
-  Berg-=  und  Hütten-Verwaltung.

1.Besoldunenn  22,550.  —
2.|Kanzlei-Aufvadd  .  ...  3,908.  —
3.|  Reise=  und  Umzugskosten  .  ...  7/514.  —
4.Außerordentliche  Ausgeben  ...................  500.—
SwnmaKap.7.  34,472.  —
        <pb n="335" />
        —  159  —

 

 

Betrag
4  Ausgabe.  für
*s  1867.
8
sil.  Kr.
Eisenbahn=  und  Telegraphen-Verwaltung.

8.  Allgemeine  Verwaltung.
1.)  Kosten  des  Personas  24,842.  —
2.]  Büreaubedürfnise  ..  3,400.  —
3.Insgemen  758.  —
Summa  Kap.  8.  29,000.  —
9.  Bahnverwaltung.
1.])Personal-  und  Büreaukosten  88,232.  25
2.  Unterhaltung  der  Bahn  und  der  Hochbauten  .  90,875.  —
3.  Tolcgrappise  und  optische  Signale,  Uhren  5/800.  —
4.Insgemmen  .  .  .  .  .  ..  7,  292.  35
Summa  Kap.  9  192,200.  —
10.  Transportverwaltung.
I.  llgemeine  Kosten  ....  14,917.  30
2.]Personal=  und  Büreaukosten  für  den  Lokomotivund
  Wagendiennt  .  .  .  .  ..  .  .  ..  68,002.  51
3.Kosten  der  Transportmittlel  ..  .  ..  ..  228,590.  22
4.Unvorhergesehene  Ausgagen  400.  —
5.]  Personal=  und  Büreaukosten  für  den  Stationsund
  Fahrdientt  158,444.  17
6.  Besender  Kosten  des  Personengepäc-  und  Güterranspornrss
  15,275.  —
7.  Ju  emet................................·  4,120.-8.
  Waichaftnh-  Kosten  bei  den  Anschluß-Bahn-....................................
  1,500.  —
Summa  Kap.  10  491,250.  —

 

 

(Nr.  6535.)
        <pb n="336" />
        Betrag
zZI.  Ausgabe.  für
E  1867.
.
#
—  F  Kr.
11.  Hafen=  und  Brückenanlagen  3/700.  —
12.  Trajektanlaogen  .  .  ..  24,800.  —
13.  Miethe  für  fremde  Wagen  20,000.  —
14.  Zuschüsse  zur  Pensionskasse  6,250.  —
Summa  Kap.  8.  bis  14  767,200.  —
Summa  II.  ..  ...  801,672.  —
III.  Oeffentliche  Schuld.
15.  Zur  Verzinsung  und  Tilgung  der
ffentlichen  Vuleitzen
1.Der  Eisenbahnschlulddd;;  1,430,845.  57
2.,  der  sonstigen  Staatsschulden  89,859.  13
Summa  Kap.  15  1,520,705.  10
16.  Zur  Verzinsung  und  Tilgung  der
aus  der  Hehntabläsung  für  die
Staatskasse  entstandenen  Schuld  43,603.  50
17.  Zur  Verzinssung  und  Tilgung  sonstiger
  Passiva  der  Landes-Steuerkassee
  “  5,516.  25

 

 

Summa  III  ..  .

 

1,569,825.
        <pb n="337" />
        —  161  —

 

 

 

 

Betrag

Ausgabe.  für

72  1867

—&amp;amp;#

F  Xr.
IV.  Ober-Landesverwaltung.

18..Besoldungennn  18,600.  —
2.|Kanzlei-Aufwannnnd  .....  .  ...  5,700.  —

3.  Zud  visiosen  und  br  ae  Remunerirung  kommissarisch
  fungirender  Beamten  26,350.  —
4.  Fer  die  ö  uliche  Bibliothhe...  13,190.  58
5.Für  das  Central-Staatsarchiv  zu  Idstein  7,612.  33
Summa  IV.  71,453.  31

V.  Rechnungskammer.

19.1.|Besoldunen  .  .  ..  56,700.  —
2.  Kanzlei·  Aufwand  ꝛc.  .....................  .  ...  3,650.  —
3.Reisekoteenn  ...  2/500.  —
Summa  V.  ....  .  62,850.  —

V.I..  Behörden  der  Finanz=  und  Kassenverwaltung.



20.  Finanzkollegium.
1.)Besoldunen  18,280.  —
2.Büreaukosten  4/720.  —
3.  Reise--  und  Umzugskosten  500.  —
4.Prozeßkosten  und  vermischte  Ausgaben  200.  —

Summa  Kap.  20  23/700.  —

21.  Lekalverwaltung.

1.)  Besoldunenaa  45576.  —
2.  Hralei  ...............................  4,342.  30
3.  Reise-  und  Umzugskosten  ....................  1,500.  —
4.  1nterhaltung  der  Gebäude  200.  —
5.  Vermischte  Ausgasen  4,500.  —

Summa  Kap.  212  53,118.  30

Jahrgang  1867.  (Nr.  6535.)  21
        <pb n="338" />
        —  162  —

 

 

Betrag
zZI.  Ausgabe.  für
—  1867
5
zi.  Kr.
22.  Kassenverwaltung.
1.Besoldunggen  7,600  Fl.
2.  Bürcauko  en  und  verschiedene  Ausgaben
  2/716
-###
Hieroon  die  Hälfte  auf  die  Landes-  Steuerkasse
......................................  5,158.  —
Summa  VI.  .  ....  81,976.  30
VII.  Renten,  Pensionen  und  verschiedene
  andere  Ausgaben.
23.  Entschädigungen.
1.  Fer  usge  ehobene  Abgaben  41,549.  26
2.  Für  aufgehobenes  Pflastergelktd  6,900.  —
Summa  Kap.  23  48,449.  26
24.  Leibrenten,  Quiescentengehalte,
Pensionen  und  Gnadengehalte.  162,686.  58
25.  Verschiedene  andere  Ausgaben.
1.  Hebegebühren  von  den  aufkommenden  Straf-..................................
  500.  —
2.  nx-hll“  und  Unkosten  aus  Anlaß  von
Konfiskationen  4241.  185.  —
3.  Hebungskosten  für  die  Gebühren  von  den  verwalteten
  Land-Oberschultheisereinn  .  2,000.  —
4.renzregulirungs-  und  Landesvermessungskosten  10844.  —
Summa  Kap.  25  13,529.  —
Summa  VII.  224,665.  24
        <pb n="339" />
        —  163  —

 

 

Betrag
ZI.  Ausgabe.  für
2  1867.
S#
F.  Kr.
VIII.  Departement  der  Regierung.
26.  Regierungs-Kollegium.
1.]Besoldunen  .  .  .  .  76,100.  —
2.  Kanzlei  ·  Aufwand  .............  ......  ....  .  ...  11,390.  —
3.Reise=  und  Umzugskostn  6/500.  —
Summa  Kap.  26  93,990.  —
27.  Aemter.
1.]  Besoldunenn  144,029.  —
2.Kanzlei.  Aufpanddd  15/650.  —
3.Reise--  und  Umzugskosten  26/427.  —
4.]Polizei=  und  Verwaltungs-Aufwand  29,400.  —
Summa  Kap.  27  4  215,506.  —
28.  Land-Oberschultheisereien.
1.]Besoldunen  ..  44,100.  —
2.Verwaltungs=  resp.  Büreau-Aufwand.  63,900.
Summa  Kap.  28  .  108,000.  —
Summa  VIII.  .....  417,496.  —
IX.  Handels-,  Gewerbe-  und  Bauverwaltung.

Landstraßenbau.
291.]Besoldungen  37,880.  —
2.Kanzlei=  Aufwvandddd  600.  —
3.Reise=  und  Umzugskosten  3,842.  —
4.  Unterhaltung  der  Landstraßen  ...  .............  137,809.  —
5.]  Neubauieeerereeern  177,000.  —
6.Zuschüsse  zu  den  Wegebauten  der  Gemeinden.  38,874.  —
Seite  .....  396,005.  —
(Nr.  6535.)  21“
        <pb n="340" />
        —  164  —

 

 

 

 

Betrag
Z1.  Ausgabe.  für
5  1867.
5
Fl.  Tr
Uebertrag  396,005.  —
Wasserstraßenbau.
7.Besoldunenngng  ..  ...  .....  .  ...  11,800.  —
8.  Kanzlei-  Aufwand  .......................  .  .  ..  300.  —
9.]  Reise=  und  Umzugskosten  ...  2,600.  —
10.  Unterhaltung  der  Wasserstraßen  120,885.  25
Unterhaltung  der  Landesgebäude.
11.Besoldunen  ..  .  .  ..  15,300.  —
12.  Kanzlei-Aufwand  ......  ......  ......  ..  .  .  ..  1,050.  —
13.|]  Reise=  und  Umzugskosten  ...  5,853.  —
14.  Unterhaltung  der  Gebäudee  19,888.  3
15.]  Neubauieeeen  6,600.  —
Sonstige  Ausgaben.
16.)]Gebühren  rc.  der  Eichmeistr  ...  4,333.  —
17.  Beiträge  zu  den  Verwaltungskosten  der  Rhein—
schiffehen  Central  =  Kommission  und  zu  den
Gehalten  und  Pensionen  der  Beamten  derselben
  einschließlich  der  zu  zahlenden  Renten  7),170.  —
18.Zur  Besoldung  des  Hafenmeisters  und  zu  anderen
  Ausgaben  bei  der  Verwaltung  der  Hafenanstaleon
  .  .  .  .  ..  .  ..  ..  500.  —
19.]  Für  gewerbliche  Zwecke  6,931.  30
Summa  IX.  599,215.  58
X.  Justiz-Departement.
Ober=  Appellationsgericht.
30..Besoldunen  .  .  .  .  .  ..  30,100.  —
2.Kanzlei-Aufwand  .  1,180.  —
3.  Reisekosten  und  Gebühren  der  Offizial-Vertheidiger
  in  Kassationssachen  160.  —
4.Außerordentliche  Ausgaben  460.  —

 

 

 

 

J500.
        <pb n="341" />
        —  165  —

 

 

 

 

(Nr.  6535.)

 

Betrag
2  Ausgabe.  für
l.  1867.
g.  Zr.
Uebertrag  ..  ..  .  31,900.  —
Hof=  und  Byellationsgericht  zu
Dillenburg.
5.Besoldunnen  31,100.  —
6.Kanzleikosten8  1e  ....  .  ...  2,489.  30
7.  Reisekosten  und  Gebühten  2),153.
8.]  Verschiedene  Aussaben  214.  —
Hof=  und  Appellationsgericht  zu
Wiesbaden.
9.Besoldunen  39,550.  —
—n—NNNZJ  5  472.  51
11.Reisekosteen  ...  ....  ...  1,050.  —
12.]  Verschiedene  Ausgabn  813.  —
Kriminalgericht  zu  Dillenburg.
13.Besoldungenna  11,079.  5
14.  Büreaukosten,  Porto  und  Botenlohn  ...  ...  .  ...  817.  5
15.|Reisekosten  ......  .  .  ..  1,892.  28
16.  Prazeztosten  ................................  4,199.  57
17.|Kosten  des  Unterhalts  der  Gefangenen:
1)  Verbflegungs,  Bekleidungs=  und  Medizin-..................................
  2,037.  9
2)  rnt  und  Beleuchtuung  .....  1,085.  12
18.]  Verschiedene  und  unvorhergesehene  Ausgaben  855.  30
Kriminalgericht  zu  Wiesbaden.
19.]  Besolduneg  .  ....  ....  9,450.  —
20.  Büreaukosten,  Porto  und  Botenloh.  1,473.  —
21.  Beiet  en  1,050.  —
22.]Prozeßkosten  bei  dem  Untersuchungsgericht.  1,700.  —
23.|  Prozeßkosten  bei  den  Assisen  1,270.  —
Seite  .....  150,331.  47
        <pb n="342" />
        —  166  —

 

 

Betrag

z4.  Ausgabe.  fuͤr

8  1867.

E

gl.  Er.
Uebertrag  .....  150,331.  47
24.|Kosten  des  Unterhalts  der  Gefangenen:

1)  Verfflegungs  Bekleidungs-  und  Medizin-.................................
  1,696.  —
2)  en  und  Beleuchtunngng  742.  —
25.  Unvorhergesehene  Ausgaben  20.  —
Summa  K  ..  152,789.  47

XI.  Verwaltung  des  Innern.
Landjägerkorps.

31.  I.Besoldun  lngen  ................................  46,069.  12
2.  Hesl  ufwaad  .  .  ...  875.  —
3.Reise.  und  Umzugskosten  17,  736.  40
4.Montirungsstücke  und  Wassfen  3,263.  57

Strafan  stalten.
5.  Besoldungen,  Montirungsstũcke  ꝛc.  ............  36322.  44
6.]Remuneratinen  200.  —
7.Sächliche  und  vermischte  Ausgaben  26,122.  23
Ausgaben  zu  verschiedenen  anderen
Lwecken.
8.]  Kosten  der  Badeanstalt  in  Soden  1,275.  —
9.)  Beitrag  zur  Armenversorgng  19,200.  —
10.]  Beitrag  zur  Waisenversorgng  .  .  ..  10,657.  —
1I1.Beitrag  zur  Wittwen-  und  Waisenkasse  der  Civilbeamen
  7,070.  —
Summa  XI.  ..  ..  .  168,791.  56
        <pb n="343" />
        —  167  —

 

 

Betrag
-  Ausgabe.  für
—  1867.
S
GE

gl.  Fr

XII.  Landwirthschaftliche  Verwaltung.



Zur  Förderung  der  Landwirthschaft.
32.]I.]Für  den  landwirthschaftlichen  Vereii#.  4,350.  —
2..  Zu  Kulturanlagen  auf  dem  Westerwalde  4,000.  —
3.  Zur  Förderung  der  Konsolidati.  2,500.  —
4.  Zur  Förderung  des  Seidenbaes.  340.  —

5.ä  Zur  Unterhaltung  des  chemischen  Laboratoriums

in  Wiesbaden  1,000.  —
6.  Zuschuß  zum  Pferdezuchtveren  1,400.  —
Summa  XII.  .  .  ..  .  13,590.  —

XIII.  Gestütverwaltung.

33.  Für  das  Landgesttt  12,010.  21
Summa  XIII.  für  sich.

XIV.  Unterrichts=  und  Medizinal-Verwaltung.


Beiträge  für  öffentliche  Unterrichts-34.



 

 

 

 

anstalten.
I.  Fũr  den  Central  ·  Studienfonds  ...............  63,622.  40
2.Für  Realschuuen  ...  14,000.  —
3.Für  Elementarschulen  ...  10,500.  —
4.]Für  Gewerbeschulen  ...  7/740.  29
5.|Für  das  Taubstummen-Institntt  8,826.  8
6.]  Kanzleikosten  1,540.  —
7.]  Reisekosten  4,800.  —

Seite  .....  111,029.  17

 

 

 

(Nr.  6535.)
        <pb n="344" />
        —  168  —

 

 

Betrag
*  Ausgabe.  für
zZ1  1867.
S
Il.  Kr.
Uebertrag  111/,029.  17
Kunst
8.]  Für  Kunstzweke  5,000.  —
Medizinalpflege.
9.]  Besoldunerrnrn  ..  ..  ....  29,952.  30
10.Kanglei-Aufvadd  ..  970.  —
11.]eise-  und  Umzugskosten  37,595.  —
12.|  Irrenanstalltt4:  .  ...  12,062.  44
13.  Hebeammen-Aehr-  und  Entbindungsanstalt  .  3,996.  25
14.]Kosten  der  Veröffentlichung  der  Sanitätsberichte  400.  —
Summa  XIV  .  201,005.,  56
35.  XV.  Für  Zwecke  der  Militairverwaltung
  .  .  .  .  .  .  ..  .  .  .  .  .  .  1,794,100.  —
Summa  XV.  für  sich.
36.  XVI.  Zu  unvorhergesehenen  und  vermischten
  Ausgaben  und  zur
Abrundung  200,002.  40

 

 

Summa  XVI.  für  sich.
        <pb n="345" />
        —  169  —

 

 

Betrag
Ausgabe.  für
1867.
Bl.  Er.
Wiederholung.
I.  Domainen-,  Forst-,  Steuer-  und  Münzverwaltung  2,149,584.  32
II.  Berg-  )  Hütten-,  Eisenbahn-  und  Telegraphenverwan................................·.....
  801,672.—
IIIOeffentlichecchuld..........................»  1,569,825.  25
IV.  Obere  Landesverwaltng  71,453.  31
V.  Rechnungskammen  62,850.  —
VI.  Behörden  der  Finanz=  und  Kassenverwaltung  81,976.  30
VII.  Renten,  Pensionen  und  verschiedene  andere  AusgaarnrnN
  ...  224,665.  24
VIII.  Departement  der  Regierng  417,496.  —
IX  Handels-,  Gewerbe=  und  Bauverwaltung  599,215.  58
X.  Justiz-Departementt4:  152,789.  47
XI.  Verwaltung  des  Innen  168,791.  56
XII.  Landwirthschaftliche  Verwaltuing  13/,590.  —
XIII.  Gestütverwaltng  12),010.  21
XIV.  Unterrichts-  und  Medizinalverwaltung  201,005.  56
XV.  Für  Zwecke  der  Militairverwaltung  .............  1,794,100.  —
XVI.  Zu  unvorhergesehenen  und  vermischten  Ausgaben.  200,002.  40
Summa  der  fortdauernden  Ausgaben  8,521,030.  —

Jahrzang  1887.  (Nr.  6535.)  *22
        <pb n="346" />
        Kapitel.

Titel.

Aus  gabee.

Betrag
für
1867.

 

Einmalige  und  außerordentliche
Ausgaben.

I.  Berg=  und  Hüttenverwaltung.
Zur  Anferti  ung  von  Revierkarten  zum  Zweck
der  Emmährung  des  Preußischen  Berggesetzes

II.  Obere  Landesbehörden.
Kosten  der  Ausstellung  zu  Paris  ....  ......  ...

Summa  der  einmaligen  und  außerordentlichen
Ausgaben

 

 

 

8,000.  —
        <pb n="347" />
        Abschluß.  für

Es  betragen:
1)  die  Einnahhzhen  8/544,030.  —
2)  die  dauernden  Ausgaben  8,521,030  Fl.

3)  die  einmaligen  2c.  Ausgaben
  —  23,000

 

8,544,030.  —
Balancirt.

 

Berlin,  den  24.  Januar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Fr.  6535—06536.)  (Nr.  6536.)
        <pb n="348" />
        —  172  —

(Nr.  6536.)  Gesetz,  betreffend  die  Einführung  der  Klassensteuer  an  Stelle  der  Mahl=  und
Schlachtsteuer  in  der  Stadt  Wittstock.  Vom  28.  Januar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  was  folgt:

K.  1.
In  der  Stadt  Wittstock  wird  mit  dem  1.  April  1867.  die  Klassensteuer
an  Stelle  der  Mahl-  und  Schlachtsteuer  eingeführt.
S.  2.
Der  Finanzminister  hat  die  zur  Ausführung  dieses  Gesetzes  erforderlichen
Anordnungen  zu  erlassen.

slrlandih  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  28.  Januar  1867.
(1.  §.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreon  des  Staats-Ministerlums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="349" />
        —  173  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  11.—

 

(Nr.  6537.)  Patent  wegen  Besitznahme  vormals  Bayerischer  Landestheile.  Vom  12.  Januar
  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rr

thun  gegen  Jedermann  hiermit  kund:

In  dem  Friedensvertrage,  welchen  Wir  mit  Seiner  Majestät  dem  Könige
von  Bayern  am  22.  August  1866.  abgeschlossen  haben,  sind  Uns  die  nach
stehenden,  bis  dahin  Baverischen  Gebietstheile:  das  Bezirksamt  Gersfeld,  der
Landgerichtsbezirk  Orb,  ohne  Aura,  die  zwischen  Saalfeld  und  dem  Preußischen
Landkreis  Ziegenrück  gelegene  Enklave  Kaulsdorf,  abgetreten  worden.

Wir  haben  bechlossen  b  diese  Gebietstheile  mit  Unserer  Monarchie  zu  vereinigen
  und  zu  diesem  Behufe  mit  Zustimmun-  beider  Häuser  des  Landtages
das  Gesetz  vom  24.  Dezember  v.  J.  erlassen  und  verkündigt.

Demzwfolge  nehmen  Wir  die  vorstehend  bezeichneten  bisher  Bayerischen
Gebietstheile  durch  gegenwärtiges  Patent  in  Besitz  und  einverleiben  dieselben
Unserer  Monarchie  mit  allen  Rechten  der  Landeshoheit  und  Oberherrlichkeit  und
mit  sämmtlichen  Zubehörden  und  Ansprüchen.

Wir  befehlen,  die  Preußischen  Adler  an  den  Grenzen  zur  Bezeichnung
Unserer  Landesherrlichkeit  aufzurichten,  statt  der  bisher  angehefteten  Wappen
Unser  Königliches  Wappen  anzuschlagen  und  die  öffentlichen  Siegel  mit  dem
Preußischen  Adler  zu  versehen.

Wir  gebieten  allen  Einwohnern  der  nunmehr  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten
  ehemaligen  Bayerischen  Gebietstheile,  fortan  Uns  als  ihren  rechtmäßigen
König  und  Landesherrn  zu  erkennen  und  Unseren  Gesetzen,  Verordnungen  und
Befehlen  mit  pflichtmäßigem  Gehorsam  nachzuleben.

Wir  werden  Jedermann  im  Besitze  und  Genusse  seiner  wohlerworbenen
Privatrechte  schützen  und  die  Beamten,  welche  in  Unsere  Dienste  überzutreten
gewillt  sind,  auf  ihren  Posten  und  im  Genusse  ihrer  Diensteinkünfte  belassen.

Die  gesetzgebende  Gewalt  werden  Wir  bis  zur  Einführung  der  Preußischen
Verfassung  allein  ausüben.

So  lange  bis  Wir  eine  andere  Einrichtung  zu  treffen  zweckmäßig  finden,
wird  jede  öffentliche  Stelle  in  der  bisherigen  Art  verwaltet.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6537—6538.)  23  Un-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  11.  Februar  1867.
        <pb n="350" />
        —  174  —

Unsere  Kommissarien  zur  Ausführung  des  Friedensvertrages  mit  dem  Königreiche
  Bayern  sind  von  Uns  angewiesen,  hiernach  die  Besitznahme  auszuführen.
Hiernach  geschieht  Unser  Wille.
Gegeben  Berlin,  den  12.  Januar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Maulen.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6538.)  Allerhöchste  Proklamation  an  die  Einwohner  vormals  Bayerischer  Landestheile.
Vom  12.  Januar  1867.

D.  das  Patent,  welches  Ich  heute  vollzogen  habe,  vereinige  Ich  Euch,
Einwohner  bisheriger  Beert  er  Lande,  mit  Meinen  Unterthanen,  Euren
Nachbaren  und  Deutschen  Brüdern.  «

Durch  die  Entscheidung  des  Krieges,  durch  den  Friedens-Vertrag  mit
Eurem  bisherigen  Könige  un  durch  die  Neugestaltung  des  gemeinsamen  Deutschen
  Vaterlandes  nunmehr  von  einem  Fürstenhause  getrennt,  dem  Ihr  mit
treuer  Ergebenheit  angehangen,  tretet  Ihr  jetzt  in  den  Verband  des  Nachbarlandes,
  dessen  Bevölkerung  Euch  durch  Stammesgemeinschaft,  durch  Sprache
und  Sitte  verwandt  und  durch  Gemeinsamkeit  der  Vnteressen  befreundet  ist.

Ich  vertraue  Eurem  Deutschen  und  redlichen  Sinn,  daß  Ihr  Mir  Eure
Treue  eben  so  aufrichtig  geloben  werdet,  wie  Ich  zu  Meinem  Volke  Euch  aufnehme.

Euren  Gewerben,  Eurem  Handel  und  Eurer  Landwirthschaft  eröffnen  sich
durch  die  Vereinigung  mit  Meinen  Staaten  reiche  Quellen.  Meine  Vorsorge
wird  Eurem  Faee  wirksam  entgegenkommen.

Eine  gleiche  Vertheilung  der  Staatslasten,  eine  zweckgemäße  energische
Verwaltung,  sorgsam  erwogene  Gesetze,  eine  gerechte  und  pünktliche  Justipflege,
kurz  alle  die  Garantien,  welche  Preußen  zu  Dem  gemacht,  als  was  es  0  jetzt
in  herter  Probe  bewährt  hat,  werden  Euch  fortan  gemeinsame  Güter  sein.

Eure  Religion  werde  ich  ehren  und  schützen.  Die  Diener  der  Kirchen
werden  auch  fernerhin  die  Bewahrer  des  väterlichen  Glaubens  sein.  Euren  Lehr-Anstalten
  werde  Ich  Meine  besondere  Aufmerksamkeit  widmen.

Eure  kriegstüchtige  Jugend  wird  sich  ihren  Brüdern  in  Meinen  anderen
Staaten  zum  Schutze  des  Vaterlandes  treu  anschließen;  mit  Freude  wird  die
Preußische  Armee  die  tapferen  Bayern  empfangen  und,  gemeinschaftlich  mit
Meinem  Heere  und  Meinen  anderen  Völkern  vereinigt,  werdet  Ihr  Theiluzmer
an  dem  Ruhme,  die  Unabhängigkeit  und  Freiheit  des  Deutschen  Vaterlandes
dauernd  gegründet  zu  haben.

Das  walte  Gottl

Berlin,  den  12.  Januar  1867.
Wilhelm.

(Fr.  6539.)
        <pb n="351" />
        —  175  —

(Nr.  6539.)  Statut  für  den  Deichverband  der  Marienwerderschen  Nieberung.  Vom  12.  Dezember
  1866.

Wir  Wilhelm,)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

Nachdem  es  für  erforderlich  erachtet  worden,  die  Grundbesitzer  der  Weichselniederung
  von  den  Bingsbergen  bei  Gr.  Wolz  bis  zur  großen  Nogat  beim  Dorfe
Weißenberg  Behufs  gemeinsamer  Unterhaltung  und  Ausbaues  der  zum  Schutz  gegen
die  Ueberschwemmungen  der  Weichsel  bestehenden  Deiche  zu  einem  Deichverbande
zu  vereinigen,  und  nachdem  die  gesetüch  vorgeschriebene  Anhörung  der  Betheiligten
erfolgt  ist,  genehmigen  Wir  hierdurch  unter  Aufhebung  der  Konstitution  vom
15.  Dezember  1713.  und  der  Dammordnung  für  die  Marienwerdersche  Niederung
vom  30.  März  1755.),  auf  Grund  des  Gesetzes  über  das  Deichwesen  vom  28.  Januar
  1848.  S.  11.  und  15.  (Gesetz=  Samml.  für  1848.  S.  54.),  die  Bildung
eines  Deichverbandes  unter  der  Benennung:

„Deichverband  der  Marienwerderschen  Niederung“
und  ertheilen  demselben  nachstehendes  Statut:
S.  1.

In  der  auf  dem  rechten  Ufer  der  Weichsel  von  den  Bingsbergen  oberhalb
Gr.  Wolz  bis  zur  ge  en  Nogat  beim  Dorfe  Weißenberg  sich  esstreckenden.  iederung
  werden  die  Besitzer  aller  Grundstücke,  welche  ohne  Verwallung  bei  einem
Wasserstande  von  21  Fuß  5  ZJoll  am  Pegel  bei  Kurzebrack  der  Ueberschwemmung
unterliegen  würden,  zu  Einem  Deichverbande  vereinigt.

Derr  Verband  bildet  eine  Korporation  und  hat  seinen  Gerichtsstand  bei
dem  Kreisgerichte  zu  Marienwerder.

C.  2.

Die  Deichsozietäten  der  Wolzerniederung,  der  Marienwerderschen  Amtsund
  Stadtniederung,  der  Oestlich  Mewischen  und  Rudnerweider  Niederung  werden
aufgelöst;  die  Abtragung  der  zur  Verstärkung  der  Deiche  in  den  früheren  Verbänden
  gemachten  Schulden  verbleibt  den  dazu  vertuagemeßig  verpflichteten  Ortschaften
  und  Besitzern  unter  Leitung  der  Deichverwaltungs-Behörde.

Sovweit  dies  eigentliche  Sozietätsschulden  sind,  hat  die  Deichverwaltung  die
Beiträge  nach  dem  ursrüngüichen  Vertheilungsplan  von  den  einzelnen  Besitzern
nöthigenfalls  im  Wege  der  administrativen  Exekution  einzuziehen  und  für  die  Befriedigung
  der  Gläubiger  zu  sorgen.

Der  Deichverband  ubernimmt  die  Deiche  der  bisberigen  Deichsozietäten,  sowie
  die  bisherigen  fiskalischen  Deiche  vom  Deich  Nr.  28.  des  Rudnerweider
Deiches  abwärts,  den  Deich  auf  der  Försterkampe,  den  ersten  irungssdamm
der  Nogat  und  den  Kommunikationsdeich  auf  der  Montauer  Spitze  bis  zum
Mnschloß  an  den  unteren  Schlußdeich  bei  Weißenberg  —  ausschließlich  dieses
letzteren  dem  Fiskus  verbleibenden  Schlußdeiches  und  des  darin  befindlichen
Sieles  —  in  dem  gegenwärtigen  Iustande  zur  eigenen  Unterhaltung.

Wenn  ein  Deichbruch  in  der  Niederung  eintreten  sollte,  so  darf  der  untere
Schlußdeich  bei  Weißenberg  nicht  durchstochen  werden,  sondern  das  eingedrungene

(Nr.  6539.)  23°  Hoch-
        <pb n="352" />
        —  176  —

Hochwasser  muß  vermittelst  eines  Durchstichs  in  den  Weichseldeich  unterhalb  Rudnerweide
  nach  der  Weichsel  hinaus  gelassen  werden.  Die  Bestimmung  der  Durchstichstelle
  bleibt  nach  Anhörung  des  Deichamtes  und  der  Regierung  den  Ministern
für  Handel,  Gewerbe  und  offentliche  Arbeiten  und  für  die  landwirthschaftlichen
Angelegenheiten  vorbehalten.

F.  3.

Die  zum  Schutze  des  Deiches  erforderlichen  Uferwerke  hat  der  Deichverbend
  Aümsucenen  und  zu  unterhalten,  vorbehaltlich  seiner  Ansprüche  an  andere

erpflichtete.

Die  dem  Staate  gehörigen  Dienstgebäude  mit  Zubehör  und  mit  den  dabei
benutzten  Dienstländereien,  insbesondere  die  Kommissionshäuser  zu  Kurzebrack  und
Montauersspitze,  das  Dammmeisterhaus  zu  Kl.  Grabau  und  die  Buschwärterhäuser
  zu  Russenau,  Kanitzken,  Kl.  Grabau,  Kurzebrack,  Schulwiese  und  auf  der
großen  Lasseckkampe  verbleiben  dem  Staate.

Alles  Eigenthum  und  alle  Rechte  der  aufgehobenen  Deichsozietäten,  seme
alle  Verpflichtungen  derselben  gegen  Dritte  werden  in  ihrem  bisherigen  Umfange
auf  den  Deichverband  übertragen.  Dem  gesammten  Deichverbande  kommt  auch
alles  das  zu  Gute,  was  der  Staat  in  Folge  der  Zusicherungen  im  F.  1.
Kapitel  II.  und  "  1.  Kapitel  IV.  der  Dammordmmg  für  die  Marienwerdersche
Niederung  vom  30.  März  1755.  noch  fernerhin  zeitweise  oder  dauernd  leisten  wird.

K.  4.

Der  Deichverband  hat  die  Deiche  nach  der  Anweisung  der  Regierung  bis
auf  mehrere  Fuße  über  den  bekannten  höchsten  Wasserstand  zu  erhöhen  auf
vierzehn  Fuß  (an  der  Durchstichstelle  acht  Fuß)  Kronenbreite,  wasserseitig  dreifüßige,
landseitig  Ein  einhalb  bis  zweifüßige  Böschungen  auszubauen  und,  soweit  es  erforderlich
  ist,  durch  landseitige  Bankette  zu  verstärerm.  Das  Deichamt  ist  über  die
Höhenlage  der  Deichkrone  zu  hören.

C.  5.

Die  Unterhaltungs#  des  Liebestauwalles  von  der  Brücke  bei  Marienwerder
bis  zur  Rospitzer  Grenzeiliegt  unter  Aufsicht  der  Deichverwaltungs-Behörde  einer
Sozietät  ob,  welche  aus#  den  Besitzern  der  in  dessen  Schutz  liegenden  Wiesen,
wischen  der  Liebe  und  der  alten  Ncgat,  zu  bilden  ist.  Die  Beiträge  vertheilen
ich  nach  Verhältniß  der  nutzbaren  Grundfläche.  Mit  Rücksicht  darauf  gebührt
den  betheiligten  Besitzern  ein  von  der  Regierung  einfür  allemal  festzusetzender
Erlaß  an  den  allgemeinen  Deichabgaben.  In  gleicher  Weise  steht  ein  solcher
auch  anderen  Besitzern  oder  Sozietäten  zu)  sofern  nach  Anerkenntniß  des  Deis
amtes  die  Unterhaltung  von  besonderen  Stauwällen  erforderlich  ist  und  ebenfalls
erhebliche  Lasten  verursacht.  Im  Uebrigen  verbleibt  deren  Unterhaltung,  unter
Aufsicht  der  Deichverwaltungs-Behörde,  den  bisher  zu  dem  Zweck  bestetenden
Sozietäten,  welche  sch  nur  mit  Genehmigung  des  Deichamtes  auflösen  und  die
Stauwälle  schleifen  dürfen.

o
        <pb n="353" />
        —  177  —

Wo  sich  das  Bedürfniß  zur  gemeinsamen  Anlegung  von  Stauwällen
herausstellt,  können  die  betheiligten  Grundbesitzer  nach  Anhön#e  des  Deichamtes
durch  die  Regierung  zu  besonderen  Wallsozietäten  vereinigt,  und  ebenso  bestehende
Sozietäten  erweitert  oder  zusammengelegt  werden.  Die  Anlegung  neuer  und  die
Beseltenn-  bestehender  Schleusen  bedarf  der  Genehmi  .  des  Deichamtes.

Die  Unterhaltung  der  Quellungsverschläge  !–  7  he  des  Verbandes,  dem
es  indessen  freisteht,  selbige  den  angrenzenden  Besitzern  gegen  eine  angemessene
Vergütung  zu  übertragen.  Desgleichen  liegt  dem  Verbande  ob,  die  Verbindungswege
  zwischen  den  Deichen  und  den  Vorländern,  welche  zum  Transport  der  Erde
eingerichtet  sind  oder  erforderlich  werden,  zu  unterhalten  und  anzulegen.

g.  6.

Es  wird  eine  Regulirung  des  Entwässerungssystems  der  Niederung  nach
einem  vom  Deichamte  zu  berathenden  und  durch  das  Ministerium  für  die  landwirthschaftlichen
  Angelegenheiten  festzustellenden  Plan  auf  Kosten  der  Niederung
erfolgen.  Die  Kosten  werden  nach  dem  Deichkataster  (H.  10.)  aufgebracht.

Die  Krautung  und  Räumung  der  Liebe  von  der  Nospiter  Grenze  abwärts,
  des  großen  Wasserganges  und  der  alten  Nogat  von  der  Vereinigung  mit
dem  letzteren  bis  zum  Deichsiel  in  ihrem  gegenwärtigen  Laufe  —  mit  instut
des  Werderkanals  und  mit  Ausschluß  des  alten  Laufes  vom  Schloß  Mareese
über  Rothhof,  Unterberg,  Weißhof,  Stobbendorf,  Gutsch,  Pastwa  und  Zandersweide
  nach  Kramershof  —  geht  auf  den  Deichverband  über.  Die  übrigen
Wasserleitungen  bleiben  in  der  Unterhaltung  derjenigen  Ortschaften  und  Bessiteer,
welchen  sie  bisher  nach  allgemeinen  Landesgesetzen,  Verträgen,  Judikaten  oder
sonsigen  Rechtstiteln  oblag.  Wo  dieselbe  bisher  aus  besonderen,  jetzt  aufhörenen
  Kassen  ganz  oder  theilweise  bestritten  worden,  ist  die  Vertheilung  der  Räumungslast
  auf  die  speziell  Betheiligten  nach  Anhörung  der  Ertwisseungeinteressnken
und  des  Deichamtes  durch  die  Verwaltungsbehörden  zu  bewirken.  Bis  dahin  tt
die  Krautung  und  Räumung  derjenigen  Gräben,  welche  bisher  aus  der  Pfahlkasse
bestritten  wurde,  vom  Deichverbande  zu  bewirken.

Es  ist  eine  die  ganze  Niederung  umfassende  Grabenrolle  aufzustellen  und
ein  Krautungs=  und  Vorfluthsregulativ  von  der  Negerung  auszufertigen.  Die
Aufsicht  über  die  Ausführung  desselben  wird  der  Deichverwaltung  anvertraut,
welche  die  dabei  Säumigen  mit  allen  Mitteln  der  Exekution  zur  Erfüllung  ihrer
Pflichten  anhalten  soll.  7

Die  Erdarbeiten  an  den  Deichen  und  Uferwerken  werden  in  der  Regel
von  den  Deichbeamten  für  Geld  ausgeführt,  doch  können  durch  Beschluß  des
Deichamtes  in  außerordentlichen  Fällen  die  Deichgenossen  selbst  zur  Naturalarbeit
verpflichtet  werden,  wobei  auf  die  größere  oder  geringere  Entfernung  von  der
Baustelle  Rücksicht  zu  nehmen  ist.  Die  Gestellung  der  Holz-,  Faschinen-  und
sonstigen  Fuhren  zu  Deichzwecken  liegt  den  Deichgenossen  unentgeltlich  ob,  sofern
nicht  das  Deichamt  dafür  ebenfalls  eine  angemessene  Enkschädigung  gewähren  will.

Alle  übrigen  Bauten  und  Arbeiten  führt  die  Deichverwaltung  aus.  Es
soll  indessen  den  Deichgenossen  freistehen,  bis  auf  Höhe  ihres  Deichkassenbeitrages

(Nr.  6539.)  r
        <pb n="354" />
        —  178  —

Arbeiten  an  den  Deichen  zu  übernehmen,  wenn  und  soweit  dies  den  Interessen
des  Verbandes  entspricht.  g8

Die  Wasserbauverwaltung  wird  dem  Deichverbande,  wie  bisher,  den  Aussich
  aus  den  fiskalischen  Stromkämpen  und  Außendeichen  gestatten.  Dem  Verande
  werden  seme  diejenigen  Ländereien  im  Binnenlande  überwiesen,  welche
zur  Entnahme  der  Erde  zu  den  Deichschüttungen  bestimmt  sind.

S.  9.
Der  regelmäßige  Deichkassenbeitrag  wird  für  jetzt  auf  zwölf  Silbergroschen
für  den  Preußischen  Morgen  erster  Beitragsklasse  festgesetzt.  Aus  den  Ueberschüssen
  ist  ein  Reservefonds  von  10,000  Thalern  anzusammeln.
Söämmtliche  Abgaben  und  Naturalleistungen  der  Deichgenossen  werden
nach  einem  von  der  Peegierung  auszufertigenden  Deichkatafter  aufgebracht.  Behufs
  der  Feststellung  ist  das  Kataster  dem  Deichamte  vollständig,  den  einzelnen
Gemeindevorständen,  sowie  den  Besitzem  der  keinem  Gemeindeverbande  angehörigen
Grundstücke,  welche  einen  besonderen  Gutsbezirk  bilden,  auszugsweise  mitzutheilen
und  zugleich  im  Amtsblatt  eine  vierwöchentliche  Frist  bekannt  zu  machen,  innerhalb
  welcher  das  Deichkataster  von  den  Betheiligten  bei  den  Gemeindevorständen
und  dem  Regierungskommissarius  eingesehen  und  Beschwerde  dagegen  bei  letzterem
angebracht  werden  kann.
Nach  Ablauf  dieser  Fris  werden  die  angebrachten  Beschwerden,  welche  auch
egen  die  im  F.  10.  enthaltenen  Grundsätze  der  Katastrirung  gerichtet  werden
önnen,  von  dem  Kommissarius  unter  Zuziehung  der  Beschwerdeführer,  eines
Deichamis  Ochutinen  und  der  erforderlichen  Sachverständigen.  tanricht.

Diese  aühverständigen  sind  hinsichtlich  der  Grenzen  des  Inundationsebietes
  und  der  sonstigen  ermesine  ein  vereideter  Felbmeseer,  oder  nöthigen-1.
  ein  Vermessungsrevisor,  hinsichtlich  der  Bonität  zwei  ökonomische  Sachverändige,
  denen  bei  Streitigkeiten  wegen  der  Ueberschwemmungsverhältnisse  ein
Wasserbauverständiger  beigeordnet  werden  kann.  Die  Sachverständigen  werden
von  der  Regierung  ernannt.

Mit  dem  Resultate  der  Untersuchung  werden  die  Betheiligten,  nämlich  der
Beschwerdeführer  einerseits  und  der  Deichamts-Deputirte  andererseits,  bekannt  gemacht;
  sind  beide  Theile  mit  dem  Resultate  einverstandn,  so  wird  demgemäß
das  Deichkataster  berichtigt.  Anderenfalls  werden  die  Akten  an  die  Regierung
zur  Entscheidung  über  die  Beschwerde  eingereicht.  Wird  die  Beschwerde  verworfen,
  so  treffen  die  Kosten  der  Untersuchung  den  Beschwerdeführer.  Binnen
vier  Wochen  nach  erfolgter  Bekanntmachung  der  Entscheidung  ist  Rekurs  dagegen
an  den  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  zulässig.  Nach  erfolgter
  Feststellung  des  Deichkatasters  ist  dasselbe  von  der  Regierung  auszufertigen
und  dem  Deichamte  zuzustellen.

Die  Kosten  der  Aufstellung  des  Katasters  sind  rücksichtlich  der  Vermessung
von  den  Interessenten,  im  Uebrigen  von  dem  gesammten  Deichverbande  zu  tragen.
Dasselbe  Verfahren  ist  bei  der  Feststellung  des  Beitragsverhältnisses  für  die
Stauwallsozietäten  (§.  5.)  zu  beobachten.

F.  10.
        <pb n="355" />
        —  179  —

K.  10.

In  dem  Oeichkataster  sind  alle  von  der  Verwallung  geschützte  ertragssihi
  ge  Grundstücke,  welche  ohne  die  Eindeichung  bei  einem  Wasserstande  von
1  guß  5  Zoll  am  Kurzebracker  Pegel  der  Ueberschwemmung  unterliegen  und
dadurch  einen  Schaden  rrleiden  würden,  nach  dem  Ertragswerth  in  vier  Klassen
zu  veranlagen,  und  zwar:
a)  in  der  I.  Klasse:
die  Gärten  und
die  Ackerländereien,  die  Weizen-,  Gersten=  und  zuten  Roggenboden  haben,
desgleichen  die  Wiesen,  die  ihnen  im  Ertrage  gleichstehen,  mit  der  ganzen
Fläche,  die  Hof=  und  Baustellen  als  Klasse  I.  a-  mit  der  doppelten  Fläche;
b)  in  der  II.  und  III.  Klasse:  #
die  Ländereien,  welche  den  ersteren  an  Güte  und  Ertragswerth  verhältnißmäßig
  nachstehen,  mit  2  resp.  der  halben  Fläche;
c)  in  der  IV.  Klasse:

die  Forsterundstücke  und  diejenigen  Ländereien,  die  durch  Veranlagung
in  der  III.  Klasse  noch  zu  hart  betroffen  werden  würden,  mit  :  der  Fläche.

Bis  zur  endgültigen  Feststellung  des  Deichkatasters  werden  die  Abgaben
und  Leistungen  der  Deichgenossen  nach  dem  auf  diese  Grundsätze  aufgestellten
Entwurf  vertheilt.  n

11.

Die  Erdarbeiten  an  den  Deichen  müssen  bis  zum  1.  August,  die  Uferbauten
bis  zum  15.  Oktober  vollständig  auseeführt  sein,  wenn  die  Regierung  dem  Deichverbande
  keinen  längeren  Ausstand  bewilligt.

Der  jährliche  Bauplan  unterliegt  der  Festsetzung  der  Regierung.

K.  12.

Die  Vertheilung  der  von  den  Deichgenossen  zur  Bewachung  und  Vertheidigung
  des  Deiches  zu  gestellenden  Mannschaften,  Fuhren  und  Pferde,  sowie
der  anzuliefernden  Materialien  und  Geräthschaften  erfolgt  zwar  nach  dem  ungefäpren
  Verhältniß  der  Deichkassenbeiträge,  doch  können  mit  Genehmi  um  der

egierung  die  einzelnen  Leistungen,  [  einer  Ausgleichung,  naer  aaßgabe
  des  Bedürfnisses  anderweitig  vertheilt  werden.

Bretter  und  Pfähle  sind  ebenfalls  von  den  Deichgenossen  zu  liefern,  und
wird  dafür  bei  Beschädigung,  Verbrauch  oder  NVerüst  Ersatz  geleistet.

Die  Beschaffenheit  der  Lokalitäten  zur  Unterbringung  der  Mannschaften,
Fuhrwerke,  Geräthschaften  u.  s.  w.  liegt  dem  Deichverbande  ob.

KC.  13.
Das  Deichamt  besteht  aus  achtzehn  Mitgliedern:
1)  dem  Deichhauptmann  oder  dessen  Stellvertreter  als  Vorsitzenden;
r.  6539)  2)  dem
        <pb n="356" />
        —  180  —

2)  dem  Deichinspektor;
3)  aus  sechszehn  Repräsentanten  der  Deichgenossen.

Zum  Deichhauptmann  ist  wo  möglich  ein  in  der  Niederung  angesessener
Grundbesitzer  zu  wihlen,  oder  —  im  Falle  des  §.  29.  Absatz  2.  des  Normal-Deichstatuts
  vom  14.  November  1853.  (Gesetz=  Samml.  S.  935.)  —  von  der
Regierung  zu  ernennen.

Die  Ernennung  erfolgt  in  dem  erwähnten  Falle  auf  höchstens  Ein  Jahr.

Die  Deichgeschworenen  haben,  soweit  sie  nicht  selbst  Repräsentanten  sind,
im  Deichamte  eine  berathende  Stimme.

.  14.
Behufs  der  Wahl  der  Repräsentanten  zerfällt  die  Niederung  in  sechszehn
Wahlbezirke.
Es  wählen  je  Einen  Repräsentanten  und  Einen  Stellvertreter:
im  I.  Bezirk:
die  Ortschaften  Gr.  Wolz,  Kl.  Wolz,  Russenau  und  Dorf
Rundewiese;
im  II.  Bezirk:
die  Gutsbezirke  Rundewiese  und  Keilhof,  Sedlinen,  Bialken  und
Hobensee;
im  III.  Bezirk:
die  Ortschaften  Stangendorf  und  Klein-Nebrau;
IV.  Bezirk:
Groß-Nebrau  und  Weichselburg)
V.  Bezirk:
Kanitzken  und  Groß-Grabau;
im  VI.  Bezirk:
Klein-Grabau,  Köllmisch  Neuhöfen,  Dorf  Neuhöfen,  Schwanenland,
Schwanenlands=  und  Rohrbunkswiesen;
im  VII.  Bezirk:#
Schinkenberg,  Treugenkohl,  Neumühlbach,  Klein-Paradies,  Kampangen,
  Rospitz  und  Gut  Boggusch
im  VIII.  Bezirk:
Ellerwalde  und  Groß-Paradies;
im  IX.  Bezirk:

Oberfeld,  Rathsweide,  Kurzebrack,  Ziegellack  und  Gut  Sechsseelen;
im

—

B.

—

—
        <pb n="357" />
        —  161  —
im  X.  Bezirk:
Mareese,  Schloß  Mareese,  die  Schloßwiesen,  Baldram,  Stürmersberg,
  Roßgarten  und  Marienwerder;
im  XI.  Bezirk:
Rothhof,  Weißhof,  Gut  Weißhof,  Unterberg,  Unterwalde,  Stobbendorf
  und  Pastwa)
im  XII.  Bezirk:
Gutsch,  Kramershof,  Jandersweide,  Gr.  Schardau,  Baggen,  Budin
  und  Zieglershufen;
im  XIII.  Bezirk:
Mewischfelde,  Fuchswinkel  und  Gr.  Weide;
im  XIV.  Bezirk:
Johannisdorf,  Außendeich,  Neuliebenau,  Kleinfelde,  Brolauer  Kämpe
und  Schadewinkel)
im  XV.  Bezirk:
Schulwiese,  Rudnerweide,  Kl.  Schardau  und  adl.  Schardau;
im  XVI.  Bezirk
Montauerweide,  Traheimerweide,  Rehhof,  Dazigerwaeide  Schweingrube,
  Schulzenweide,  Tralau,  Bönhof  und  Bliewnitz;
msammen  sechszehn  Repräsentanten  und  eben  soviel  Stellvertreter  auf  vier  Jahre.
e  zwei  Jahre  scheidet  die  Hälfte  aus;  die  Ausscheidenden  werden  zum  ersten
Mal  durch  das  Loos,  demnächst  durch  das  längere  Dienstalter  bestimmt.  ie
Wahl  der  Repräsentanten  und  deren  Stellvertreter  erfolgt  nach  absoluter  Vr.
den  #er  abgegebenen  Wahlstimmen.  Bei  Gleichheit  der  Stimmen  entscheidet
as  Loos.
Wählbar  ist  jeder  großjährige  Deichgenosse,  welcher  den  Vollbesitz  der
bürgerlichen  Rechte  nicht  durch  acchtkräftiges  Urtel  verloren  nan  und  nicht  Unterbeamter

  des  Verbandes  ist.  Mit  dem  Aufhören  der  Wählbarkeit  verliert  die
Wahl  ihre  Wirkung.
Vater  und  Sohn,  sowie  Brüder,  dürfen  nicht  zugleich  Mitglieder  des  Deichamtes

  sein.  Sind  dergleichen  Verwandte  zugleich  gewählt,  so  wird  der  ältere
allein  zugelassen.

g.  15.

Stimmfähig  bei  der  Wahl  ist  jeder  Besitzer  eines  deichpflichtigen  Grundstückes
  von  dreißig  (im  X.  Wahlbezirke  von  zehn)  Normalmorgen  im  Wahlbezirk,
wenn  der  Besitzer  mit  seinen  Deichkassenbeiträgen  nicht  im  Nünsande  ist  und  den
Vollbesitz  der  bürgerlichen  Rechte  nicht  durch  rechtskräftiges  Erkenntniß  verloren
  hat.

Johrgang  1867.  (Nr.  6539.)  *24  Be-
        <pb n="358" />
        —  162  —

Besitzer  von  31  bis  60  Normalmorgen
(im  X.  Lier  von  11  bis  20  Normalmorgen)  haben  2  Stimmen,

Besitzer  von  61  bis  90  Normalmorgen
(im  X.  Bezirk  von  21  bis  30  #rmalorgen,  haben  3  Stimmen,
und  so  fort.  Dog  kann  kein  einzelner  Besitzer  in  demselben  Wahlbezirke  wehr
als  zehn  (im  X.  Bezirk  als  dreißig)  Stimmen  abgeben  Den  kleineren  Grundbesitzern,
  deren  Landbesitz  zusammen  genommen  dreißig  (im  X.  Bezirk  20hoh
Normalmorgen  oder  darüber  beträgt,  bleibt  das  Recht  vorbehalten,  sich  dur
einen,  beziehungsweise  mehrere  bevollmächtigte  Deichgenossen  bei  den  Wahlen
vertreten  zu  lassen.

Die  Besitzer  der  selbstständigen  Güter  und  Besizungen  können  ihr  Stimmrecht
  selbst  ausüben,  oder  ihren  Gutspächter,  Gutsverwalter,  oder  einen  anderen
Deichgenossen  dazu  bevollmächtigen.  farren,  Kirchen,  Schulen  und  andere
moralische  Personen,  desgleichen  Frauen  und  Minderfährige  dürfen  das  nach
Maaßagabe  ihres  Grundbestzes  ihnen  zustehende  Stimmrecht  durch  ihre  gesetzichen
Vertreter  oder  einen  anderen  bevollmächtigten  Deichgenossen  ausüben  lassen.
Gehört  eine  nelbststindige  Besitzung  mehreren  Besitzern  gemeinschaftlich,  so
kann  nur  Einer  derselben  im  Auftrage  der  übrigen  das  Stimmrecht  ausüben.

S.  16.

Die  Wahlkommissarien  ernennt  das  erste  Mal  die  Regierung,  später  der
Deichhauptmann.

Bei  dem  Wahlverfahren,  sowie  in  Betreff  der  Verpflichtung  zur  Annahme
unbesoldeter  Stellen,  zu  denen  in  dieser  Beziehung  auch  das  4  der  Deichgeschworenen
  gerechnet  wird,  kommen  die  Verschrisen  über  die  Gemeindewahlen
analogisch  zur  Anwendung.

K.  17.

Der  Stellvertreter  nimmt  in  Krankheits=  und  Behinderungsfällen  des
Repräsentanten  dessen  Stelle  ein,  und  tritt  für  ihn  ein,  wenn  der  Kepräsentant
während  seiner  Wahlzeit  stirbt,  ben  Grundbesitz  in  der  Niederung  aufgiebt,  oder
seinen  Wohnsitz  an  einem  entfernteren  Orte  wählt.

C.  18.

Fur  diesen  Deichverband  gelten  die  Allgemeinen  Bestimmungen  für  kürftig
u  osen  Deichstatute  vom  14.  November  1853.  (Gesetz-Samml.  S.  735.  ff.)
peweit  ie  nicht  vorstehend  abgeändert  oder  ergänzt  worden  sind.

S.  19.

Abänderungen  des  vorstehenden  Deichstatuts  können  nur  unter  landesherrlicher
  Genehmigung  erfolgen.
Ur.
        <pb n="359" />
        —  183  —

Lerenh  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  12.  Dezember  1866.
#  &amp;amp;.)Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitzt.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

 

(Nr.  6540.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  31.  Dezember  1868.,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  der  Kreis-Chaussee
  von  Diesdorf  im  Kreise  Salzwedel  bis  zur  Kreisgrenze  bei
Waddekath  in  der  Richtung  auf  Wittingen.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  6  den  chausseemäßigen
Ausbau  der  Straße  von  Diesdorf  im  Kreise  Salzwedel,  Regierungsbezirk  Magdeburg,
  bis  zur  Kreisgrenze  bei  Woddelach  in  der  Richtung  auf  Wittingen  durch
den  Kreis  Salzwedel  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  genannten  Kreise
das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen
  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,
nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug
auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  dem  Kreise  Salzwedel  gegen  Uebernahme
der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung
des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal
  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen
  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden
zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats--Chausseen  von
Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife
  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei.
  Vergehen  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  31.  Dezember  1866.
Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6539—6541.)  Nr.  6541.)
        <pb n="360" />
        —  184  —

(Xr.  6541.)  Allerhoͤchster  Erlaß  vom  14.  Januar  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  fuͤr  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Gemeinde-Chaussee
  von  Brachtendorfs  Mühle  an  der  Flaumbachstraße  im  Kreise
Zell,  des  Regierungsbezirks  Coblenz,  über  Alt-  und  Mittel-Strimmig  und
Blankenrath  bis  Gassenhof  an  der  Lutzerath.  Gödenrother  Bezirksstraße.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Gemeinde-Chaussee
  von  Brachtendorfs  Mühle  an  der  Flaumbachstraße  im  Kreise
Zell,  des  Regierungsbezirks  Coblenz,  über  Alt=  und  Mittel-Strimmig  und  Blankenrath
  bis  Gassenhof  an  der  Lutzerath-Gödenrother  Bezirksstraßee  genehmigt  habe,
verleihe  Ich  hierdurch  den  Gemeinden  Alt-Strimmig,  MittelStrimmig,  Reidenhausen
  und  Blankenrath  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen
  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und
Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden
  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  den  genammten
Gemeinden  gegen  Uebernahme  der  künftigen  ckussermßigen  Unterhaltung  der
Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen  des
ür  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich  der
in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen
die  Schebung.  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf
den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch
sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen
  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung
  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  14.  Januar  1867.

Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel
Gekberte  und  öffentliche  Arbeiten.  I

 

Redigirt  im  Büreau  bes  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Könlglichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R  v.  Decker).
        <pb n="361" />
        —  185  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  12.  —

 

(Nr.  6542.)  Gesetz,  betreffend  die  definitive  Untervertheilung  und  Erhebung  der  Grundsteuer
in  den  sechs  östlichen  Provinzen  des  Staats  und  die  Beschwerden  wegen
Grundsteuer-Ueberbürdung.  Vom  8.  Februar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

verordnen  zur  Erzinuung  des  §.  3.  und  Erledigung  des  Vorbehalts  im  8.  8.

des  Gesetzes  vom  21.  Mai  1861.)  betreffend  die  anderweite  Regelung  der  Grundeuer

  (GesetzSamml.  für  1861.  S.  253.),  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des
dtages  Unserer  Monarchie,)  was  folgt:

Erster  Abschnitt.

Grundsteuer-Hauptsummen.

17

Die  nach  K.  1.  der  Verordnung  vom  12.  Dezember  1864.  (Gesetz-Samml.
für  1864.  S.  673.)  den  sechs  östlichen  Provinzen  des  Staats,  beziehungsweise
en  ständischen  Verbänden  von  Neu-Vorpommern  und  Rügen,  sowie  der  Oberund
  der  Nieder-Lausitz  auferlegten,  gemäß  §§.  2.  3.  a.  a.  O.  auf  die  binzelnen
Kreise  und  innerhalb  der  letzteren  a  die  Gemeinden,  selbstständigen  Gutsbezirke
und  besonderen  Grundsteuer=  Erhebungsbezirke  weiter  vertheilten  Grundsteuer-Hauptsummen
  unterliegen  einer  Erhöhung  oder  Verminderung  nur  insoweit,  als:

a)  die  im  §.  32.  dieses  Gesetzes  unter  b.  bis  h.  bezeichneten  Bestands  beziehungsweise
  Grenzveränderungen  eintreten,

b)  Beschwerden  wegen  Ueberbürdung  auf  dem  in  den  §9.  21.  bis  28.  dieses
Gesetzes  vorgeschriebenen  Wege  als  begründet  anerkannt,  oder

J)  materielle  Irrthümer  (K.  2.  dieses  Gesetzes)  nachgewiesen  werden.
Jabrsang  1867.  (Nr.  6542.)  25  g.  2.
Ausgegeben  zu  Berlin  den  14.  Februar  1867.
        <pb n="362" />
        —  186  —

S.  2.
Als  materielle  Irrthümer  sind  insonderheit  folgende  Versehen  in  Betracht
zu  ziehen:
a)  wenn  Grundstücke  nicht  bei  demjenigen  Gemeinde=  oder  selbstständigen
Gutsbezirke  veranlagt  worden  sind,  welchem  sie  angehören;

b)  wenn  Grundstücke  zwei=  oder  mehrfach,  oder
J)  gar  nicht  veranlagt  worden  sind

d)  wenn  bei  Uebertragung  der  Einschätzmgeresultate  aus  dem  Kupon  in
die  Gemarkungskarte  eine  unrichtige  Kulturart  oder  Bonitätsklasse  in  die
Karte  übernommen  ist,  oder

e)  die  in  dem  Einschätzungsregister,  der  Klassenzusammenstellung,  dem  Flurbuch
  u.  s.  w.  enthaltene  Angabe  über  die  Kulturart  oder  Bonitätsklasse
eines  Grundstücks  mit  der  betreffenden  Angabe  im  Kupon  oder  in  der
Gemarkungskarte  nicht  übereinstimmt;

1)  wenn  bei  der  Flächeninhalts-Berechnung  die  Summe  der  einzelnen
Rechnungspositionen  unrichtig  gezogen  oder  ein  anderer  offenbarer  Fehler
untergelaufen  ist;

8)  wenn  grundsteuerpflichtige  Grundstücke  nicst  zur  Steuer  herangezogen,
oder  umgekehrt  von  der  Grundsteuer  gesetzlich  freizulassende  Grundstücke
der  Steuer  unterworfen  worden  sind.  ·

DieBerichtigungmateriellerJrrthümek,owiederBestandssbeziehungsweise
  Grenzveränderungen  (S.  1.  Littr.  a.),  erfolgt  zu  allen  Zeiten  und  zwar
jederzeit  im  Wege  der  Fortschreibung  (S.  32.).

Zweiter  Abschnitt.
Untervertheilung  der  Grundsteuer.
1.  Grundsteuer-Erhebungsbezirke.

g.  3.

So  lange  die  Vorschrift  itm  §.  1.  Absatz  2.  des  Gesetzes  vom  14.  April
1856.,  betreffend  die  Landgemeinde-Verfassungen  in  den  sechs  östlichen  Provinzen
der  Preußischen  Monarchie  (Gesetz  Samml.  für  1856.  S.  359.),  noch  nicht  volländig

  ausgeführt  ist,  und  Liegenschaften  vorhanden  sind,  welche  einem  bestehengen
  Gemeinde=  oder  selbstständigen  Gutsbezirke  nicht  angehören,  sind  einzelne
Liegenschaften  nach  der  Bestimmumg  der  Bezirksregierung  Behufs  der  Grundsteuereinziehung
  benachbarten  Gemeinde-  besichungeweise  Gutsbezirken  zuzuschlagen
und  größere  Komplexe  zu  besonderen  Grundsteuer-Erhebungsbezirken  zu  *5
        <pb n="363" />
        —  167  —

K.  4.

Im  Wege  der  Vereinbarung  zwischen  den  betheiligten  Gemeinde  beziehungsweise
  Gutsbezirken  können  einzelne,  einem  Gemeinde=  oder  Gutsbezirke
angehörige  Lieg  enschafien  zum  Zwecke  der  Steuererhebung  einem  anderen  dergleichen
Bezirke  zugeschlagen  oder  ganze  Gemeinde=  und  Gutsbezirke  zu  dem  gedachten
Zwecke  vereinigt  werden.  «

Dergleichen  Vereinbarungen  unterliegen  der  Bestätigung  der  Bezirksregierung.


-  §·5.

DieindenZ§.3.und4.  erwähnten  Anordnungen  bezichungsweise  Vereinbarungen
  erfolgen  ohne  jegliche  Aenderung  der  bestezenden  ommunal-  oder
sonstigen  Rechtsverhältnisse.

2.  Untervertheilung  der  Grundsteuer  in  den  Gemeinden  selbstständiger
  Guts=  und  Grundsteuer-Erhebungsbezirke.

g.  6.

Zum  Qweck  der  Untervertheilung  der  Grundsteuer  auf  die  einzelnen  steuerpflichtigen
  Liegenschaften  ist  für  jeden  Gemeinde-,  selbstständigen  Guts-  und
Gbund  euer-Erhebungsbezirk  ein  besenderes  Flurbuch  und  eine  Grundsteuer-Mutterrolle
  anzulegen.

Oas  Flurbuch  hat  sämmtliche  Liegenschaften  des  betreffenden  Bezirks  in
brem  natürlichen  Zusammenhange  und  mit  Angabe  ihres  Flächeninhalts  und

einertrages  nachzuweisen.  In  der  Grundsteuer-Mutterrolle  sind  die  dem  Bezirke
  angezörigen  Liegenschaften  mit  Angabe  ihres  Flächeninhalts  und  Reinertrages,
sowie  der  dangemih  veranlagten  Grundsteuer  in  besonderen,  die  simmtlißen
Liegenschaften  desselben  Eigentzumers  umfassenden  Artikeln  nachzuweisen.

KC.  7.

Behufs  Aufstellung  des  Flurbuchs  und  der  Mutterrolle  (§.  6.)  ist  der
Flächeninhalt  und  Reinertrag  der  den  einzelnen  Grundeigenthümern  innerhalb  des
ezirks  gehörigen  steuerpflichtigen  Liegenschaften,  soweit  dies  bei  den  allgemeinen
Veranlagungs-Arbeiten,  beziehungsweise  in  Ausführung  der  Verordnung  vom
12.  Dezember  1864.  nicht  bereits  geschehen,  zu  ermitteln  und  festzustellen.
ei  Feststellung  des  Reinertrages  der  biegenschafter  werden  die  Ergebnisse
derjenigen  Einschätzungen  zum  Grunde  gelegt,  welche  Behufs  Ausführung  des
Grundsteuergesetzes  vom  21.  Mai  1861.  bewirkt  worden  sind.

F.  8.
Jedes  Grundstück  wird  in  der  Regel  und  ohne  Rücksicht  darauf,  ob  die

Berichtigung  des  Besitztitels  im  Hypothekenhuche  erfolgt  ist  oder  nicht,  auf  den
(Nr.  6542.)  25“  Na-
        <pb n="364" />
        —  188  —

Namen  seines  Eigenthümers  in  das  Flurbuch  und  die  Mutterrolle  eingetragen,
es  mag  das  Eigenthum  dem  Staate,  einer  Gemeinde,  Gemeinde-Abtheilung,
Korporation,  Genossenschaft,  Stiftung,  oder  einer  anderen  moralischen  Person
oder  einem  einzelnen  Individuum  zustehen.

Grundstücke,  welche  sich  im  gemeinschaftlichen  Eigenthum  mehrerer  Miterben
  oder  anderer  Miteigenthümer  befinden,  werden  im  ersteren  Falle  unter  dem
Kollektivnamen  „die  Erben“  oder  unter  dem  Namen  des  Wittwers  oder  der
Wittwe  mit  dem  Zusatze  „und  Miterben“  im  lesteren  Falle  unter  dem  Namen
eines  der  Miteigenthümer  mit  dem  Zusatze  und  Miteigenthümer“  eingetragen.

Bei  Gütern  oder  einzelnen  3ien  welche  im  Prozeß  befangen  sind,
wird  ein  ähnliches  Verfahren  beobachtet,  und  der  gegenwärtige  Inhaber,  unter
Bezeichnung  des  Prätendenten,  aufgeführt.

4Grundstücke,  deren  Eigenthümer  nicht  zu  ermitteln  sind,  oder  welche  von
ihrem  Eigenthüner  aufgegeben  oder  verlassen  worden,  sind  einstweilen  und  mit
Vorbehalt  der  Abänderung  nach  erfolgter  Aufklärung  der  Verhältnisse  unter  der
Bezeichnung  „umbekannte  Eigenthümer“  einzutragen.

G.  9.

Walten  Streitigkeiten  über  Eigenthumsgrenzen  ob,  welche  nicht  sogleich
beseitigt  werden  können,  so  sind  die  streitigen  Grenzen  mit  Berücksichtigung  der
Oertlichkeit  in  möglichst  entsprechender  Weise  Neltusstelln  und  die  betressenden
Grundstücke  demgemäß,  ohne  daß  dadurch  die  Rechte  und  Ansprüche  der  Eigenthümer
  in  irgend  einer  Art  berührt  oder  beeinträchtigt  werden,  in  das  Flurbuch
und  die  Mutterrolle  einzutragen.

Läßt  sich  in  eine  ällen  nach  den  obwaltenden  Verhältnissen  eine  Festsetzung
  der  vorgedachten  Art  nicht  herbeiführen,  so  sind  die  bezüglichen  Grundstücke
  als  ein  Ganzes  t  behandeln  und  in  dem  Flurbuche  und  der  Mutterrolle
alsgemenschaflüches  Eigenthum  der  beiden  oder  mehreren  Interessenten  aufuführen.


S.  10.

Die  der  Gebäudesteuer  unterliegenden  Gebäudeflächen,  Hofräume  und  nicht
über  Einen  Morgen  großen  Hausgärten  (F.  1.  zu  a.  des  Grundsteuergesetzes  vom
21.  Mai  1861.)  sind,  soweit  die  Unterlagen  dazu  vorliegen,  oder  ohne  erheblichen
Zeit=  und  Kostenaufwand  beschafft  werden  können,  ihrem  Besitzstande  und  Umfange
  nach  einzeln  festzustellen  und  demgemäß  in  die  Flurbücher  und  Mutterrollen
speziell  mit  aussunezrein.

Wenn  die  vorbezeichneten  Voraussetzungen  nicht  zutreffen,  sind  die  gedachten
  Liegenschaften  als  ein  Ganzes  unter  der  Bezeichnung  Jungetrennte  Hostäamme
und  Hausgärten“  aufzuführen.

Servituten  und  Reallasten.

K..  11.

Die  zu  Servituten  und  Reallasten  Berechtigten  haben  zu  der  den  belasteten
  Grundstücken  auferlegten  Grundsteuer  keinen  Beitrag  zu  leisten.  4

Für
        <pb n="365" />
        —  189  —

Für  die  vormals  Westphälischen  Landestheile  der  Provinz  Sachsen  verbleibt
  es  jedoch  hinsichtlich  der  Verbindlichkeit  der  Realberechtigten,  zur  Grundsteuer
  des  verpflichteten  Grundstücks  beizutragen,  bei  den  dieserhalb  geltenden  Bestimmungen.


3.  Reklamationen  gegen  die  Untervertheilung  der  Grundsteuer.

K.  12.

Eeten  die  Veranlagungs  Ergehni  e  nag  den  in  den  88.  6.  bis  10.  Behufs
der  Grundsteuer-Untervertheilung  ertheilten  Vorschriften  steht  den  Grundeigenthümern
  neben  der  Geltendmachung  der  entdeckten  materiellen  Irrthümer,  die  stets
im  Wege  der  Fortschreibung  zu  beseitigen  sind  (K.  2.  und  -  32.  Littr.  i.),  in  den
Gemeinden,  in  den  besonderen  Grundsteuer-Erhebungsbezirken  und  in  Lolchen  selbstständigen
  Cutsbezirken  )  welche  die  steuerpflichtigen  Grundstücke  mehr  als  eines
Eigenthümers  umfassen,  das  Recht  zur  Erhebung  von  Reklamationen  zu:

a)  wegen  unrichtiger  Angabe  des  Flächeninhalts  einzelner  Grundstücke,  soweit
deselte  nicht  auf  einem  materiellen  Irrthume  E  2.)  beruht;  "“

b)  wegen  unrichtiger  Einschätzung  in  die  Klassen  des  Tarifs.
S.  13.
Einwendungen  wegen  unrichtiger  Einschätzung  sind  zulässig:

a)  wegen  unrichtiger  Aufnahme  der  Kulturart  einzelner  Grundstücke,  sofern
eine  Kulturveränderung  nicht  erst  nach  bewirkter  Einschätzung  stattgefunden
  hat;

b)  wegen  des  gleichen  Grundes,  wenn  das  betreffende  Grundstück  i*  der
Bestimmung  im  F.  39.  Absatz  2.  der  Anweisung  vom  21.  Mai  1861.
(Gesetz  Samml.  S.  257.)  zu  den  dasselbe  umschließenden  oder  daran  angrenzenden
  Grundstücken  gezogen  worden  ist,  lofern  die  betreffenden  anrenzenden

  Grundstücke  sich  nicht  ebenfalls  im  Eigenthume  des  Reklamanen
  befinden,

c)  wegen  unrichtiger  Einschätzung  in  die  Klassen  des  Tarifs,  insbesondere
auc,  wenn  das  betreffende  Grundstück  Laa  der  wesimmu  im  F.  39.
Absatz  3.  und  5.  a.  a.  O.  zu  der  für  die  angrenzenden  Grundstücke  angenommenen
  Tarifklasse  ein  #cchift  worden  und  die  betreffenden  anrenzenden

  Grundstücke  sich  nicht  ebenfalls  im  Eigenthum  des  Reklamanten
efinden;

d)  wegen  ungleichmäßiger  Einschätzung  einzelner  Grundstücke  gegen  andere
speziell  zu  bezeichnende  Grundstücke  in  dem  nämlichen  Gemeindebezirke.

K.  14.

Behufs  Einleitung  des  Reklamationsverfahrens  ist  für  jeden  der  im  F.  12.
(Nr.  6542.)  ge-
        <pb n="366" />
        —  190  —

gebachten  Gemeinde-,  besonderen  Grundsteuer-Erhebungs=  und  selbstständigen  Gutsezirke
  eine  Abschrift  der  Mutterrolle  anzufertigen  und  dem  Gemeindevorstande,
beziehungsweise  dem  Inhaber  des  selbststündigen  Gutsbezirks,  in  den  besonderen
Grundsteuer-Erhebungsbezirken  aber  dem  Ortserheber  gegen  Empfangsbescheinigung
  zuzustellen.  Sogleich  nach  Eingang  der  Wbschrift  der  Mutterrolle  ist  dies
in  dem  betreffenden  Bezirk  in  der  ortsüblichen  Weise  mit  dem  Eröffnen  bekannt
zu  machen,  daß:

a)  die  Abschrift  während  sechs  Wochen,  vom  Tage  der  Bekanntmachung  ab
gerechnet,  in  einem  bestimmt  zu  bezeichnenden  Lokale  innerhalb  des  Bezirks
zur  Einsicht  effen  liege  und  etwaige  Reklamationen  binnen  gleicher  priklusivischer
  Frist  bei  dem  Kreislandrathe  anzubringen  seien;

b)  die  durch  die  örtliche  Untersuchung  unbegründeter  Reklamationen  entstehenden
Kosten  dem  Reklamanten  zur  Last  fallen  und  von  demselben  im  Verwaltungswege
  eingezogen  werden  würden.

Nach  Ablauf  der  Reklamationsfrist  ist  eine  Bescheinigung  darüber,  daß  und
während  welcher  Frist  die  Offenlegung  der  Abschrift  der  Mutterrolle  stattgefunden,
dem  Kreislandrathe  einzureichen,  dem  letzteren  auch  die  Abschrift  der  Mutterrolle
selbst  unversehrt  zurückzusenden.

*“

Gleichzeitig  mit  der  Absendung  der  Abschriften  der  Mutterrolle  (§I.  14.
sind  für  die  im  §.  12.  bezeichneten  Bezirke  die  Originale  der  Flurbücher  un
Mutterrollen  nebst  den  dazu  gehörigen  Karten  während  eines  Zeitraumes  von
sechs  Wochen  an  einem  oder  an  einigen  von  der  Bezirksregierung  zu  bestimmenden
Orten  des  betreffenden  Kreises  unter  Anwesenheit  eines  leichs  #  von  der  Bezirksregierung
  zu  bestimmenden  technischen  Beamten  zur  Einsicht  aller  Betheilten
offan  m  legen.  Daß,  wo  und  von  welchem  Tage  ab  die  Offenlegung  der  bezeichneten
  Schriftstücke  erfolgen  werde,  ist  durch  die  Kreisblätter  oder  die  die  Stelle
derselben  vertretenden  öffentlichen  Blätter  bekannt  zu  machen.

S.  16.
Nach  Ablauf  der  im  HF.  14.  zu  a.  bestimmten  Präklusivfrist  sind:

1)  die  auf  Beseitigung  materieller  Irrthümer  (§.  29.)  gerichteten  Anträge,
sowie  Reklamationen,  die  sich  auf  die  unrichtige  Angabe  der  Flächeninhalte
  (S.  12.  zu  a.)  beziehen,  einerseits,

2)  die  gegen  die  Einschätzung  erhobenen  Reklamationen  (I.  11.  zu  b.  F.  13.)
andererseits,

in  besondere  Nachweisungen  übersichtlich  zusammen  zu  stellen.
Die  Anträge  auf  Beseitigung  materieller  Irrthümer  und  die  Reklamationen
ad  1.  sind  mit  den  erforderlichen  Unterlagen  der  Bezirksregierung  harhulee  um

sie  auf  Grund  des  technischen  Gutachtens  des  Obergeometers  einer  näheren  Prüfung
zu
        <pb n="367" />
        —  191  —

zu  unterwerfen,  und,  soweit  sie  als  begründet  anzuerkennen,  deren  Erledigung
herbeizuführen,  soweit  sie  aber  unbegründet  erscheinen,  zurückzuweisen.

Bei  Beurtheilung  der  Richtigkeit  der  Feststellung  des  Flächeninhalts  sind
diejenigen  Vorschriften  maaßgebend,  welche  für  die  usfüseng  der  diesfälligen
Arbeiten  bei  dem  allgemeinen  Veranlagungsverfahren  erlassen  worden  sind.

Gegen  die  Entscheidung  der  Regierung  ist  ein  weiteres  Rechtsmittel  nicht
zulässig.

K.  17.

Die  gegen  die  Einschätzung  erhobenen  Reklamationen  (F.  16.  zu  2)  sind
der  zur  Untersuchung  und  Entscheidung  derselben  für  jeden  Kreis  zu  bildenden
Reklamationskommission  vorzulegen.  Die  letztere  besteht  unter  dem  Vorsitze  eines
hierzu  von  der  Bezirksregierung  zu  ernennenden  Kommissars  je  nach  dem  Umfange
des  betreffenden  Kreises  und  nach  der  Anzahl  der  in  demselben  eingegangenen
Reklamationen  (§.  12.  zu  b.)  aus  zwei  bis  zehn  Mitgliedern,  welche  zur  einen
Hälfte  von  der  kreisständischen  Versammlung  gewählt,  zur  andern  Hälfte  aber
nach  Anhörung  des  Kommissars  von  der  Bezirksregierung  berufen  werden.

Für  die  Fälle  einer  dauernden  Behinderung  einzelner  Mitglieder  der  Reklamationskommission
  ist  außerdem  sowohl  Seitens  der  kreisständischen  Verkemmmi#n
als  Seitens  der  Bezrkeregierun  eine  von  der  letzteren  zu  bestimmende  Myah
von  Ersatzmännern  zu  wählen,  besthungsweise  zu  berufen.  ,

Soweit  es  sich  um  Reklamationen  gegen  die  Einschätzungen  von  Holzungen
handelt,  ist  der  Kommission  Seitens  der  Bezirksregierung  ein  Forstschochltendleer
zuzuordnen.

Die  Beschlüsse  der  Kommission  werden  nach  Stimmenmehrheit  gefaßt;  bei
Stimmengleichheit  giebt  die  Stimme  des  Vorsizenden  den  Ausschlag.

Der  Vorsitzende  der  Kommission  beruft  deren  Mitglieder  und  —ie  den
Gang  der  zu  erledigenden  Geschäfte.

Zur  Beschlußfähigkeit  der  Kommission  ist  die  Anwesenheit  der  Hälfte  der
Mitglieder,  sofern  die  Kommission  aber  nur  aus  zwei  Mitgliedern  besteht,  die
Anwesenheit  beider  Mitglieder  erforderlich.

KC.  18.

-  Behufs  Untersuchung  der  en  die  Einschätzung  erhobenen  Reklamationen
(.  12.  zu  b.,  I.  13.,  F.  16.  zu  "  werden  in  jedem  Kreise  durch  die  Reklamationskommission
  selbst  besondere  Reklamationsbezirke  gebildet,  innerhalb  deren  je
wei  Mitglieder  der  Kommission  als  Reklamationsdeputation  die  Untersuchung
ver  Reklamationen  unter  Begleitung  des  Fortschreibungsbeamten  oder  eines  anderen
  geeigneten  Technikers,  welcher  der  Deputation  die  erforderliche  Auskunft  zu
ertheilen  hat,  zu  bewirken  und  über  den  Befund  ein  Gutachten  abzugeben  haben.
Die  Deputation  hat  den  Reklamanten,  und  außerdem  den  Ortsvorstand
beziehungsweise  den  Inhaber  des  selbsiständigen  Gutsbezirks,  in  den  besonderen
Grundsteuer-Erhebungsbezirken  aber  zwei  der  dazu  gehörigen  Grundsteuerpflichti  en
aufzufordern,  der  örtlichen  Untersuchung  beizuwohnen  und  über  das  Resultat  der
letzteren  ihre  Erklärung  abzugeben.
(r.  6542.)  Er-
        <pb n="368" />
        —  192  —

Erscheinen  die  in  dem  vorhergehenden  Absatz  bezeichneten  Personen  nicht,
oder  verweigern  sie  die  erforderte  Erklärung,  so  ist  mit  der  örtlichen  Untersuchung
nichtsdestoweniger  vorzugehen.

Auf  Grund  des  Gutachtens  der  Reklamationsdeputation  entscheidet  die
Kommission  über  die  eingegangenen  Reklamationen.  «  «

Die  Entscheidung  ist,  die  Reklamation  nicht  als  unbegründet  zurückgewiesen
  wird,  entweder  dahin  zu  treffen,  daß  und  mit  welchem  Betrage  die
Schätzung  der  bezüglichen  Grundstücke  des  Reklamanten  zu  ermäßigen  oder  dahin,
daß  und  mit  welchem  Betrage  die  Schätzung  derjenigen  nicht  im  Eigenthune
des  Reklamanten  befindlichen  Grundstücke,  welche  8  er  stattgefundenen  Untersuchung
  als  zu  niedrig  eingeschätzt  erkannt  worden  sind,  zu  erhöhen.

Gegen  die  getroffene  Entscheidung  ist  ein  weiteres  Rechtsmittel  nicht  zulässig;
  jedoch  steht  dem  Reklamanten  sowohl  als  denjenigen  Eigenthümern,  deren
Liegenschaften  als  zu  niedrig  eingeschätzt  erkannt  und  deshalb  erhöht  worden  sind,
binnen  einer  präklusivischen  Frist  von  zehn  Tagen  nach  Empfang  der  Entscheidung
frei,  offenbare  Unrichtigkeiten  oder  Irrthümer  in  derselben  der  Kommission  nachzuweisen,
  in  welchem  Falle  die  letztere  eine  nochmalige  Prüfung  der  Reklamation
vorzunehmen  und  anderweitig  darüuber  zu  entscheiden  hat.

Hinsichtlich  der  Reklamationen,  welche  von  der  Kommission  als  unbegründet
zurückgewiesen  sind,  ist  von  der  Regierung  besonders  darüber  zu  entscheiden,  beiehungsweise
  festuuseten.  b  ob  und  wie  weit  der  Reklamant  die  durch  die  örtliche

ntersuchung  der  Reklamation  veranlaßten  Kosten  zu  tragen  hat.

K.  19.

In  Gemäßheit  der  Entscheidungen  der  Beklamationskommiissi  (.  58
beziehungsweise  der  Bezirksregierung  (§.  16.)  sind  die  Karten,  Flurbücher  un
utterrollen  zu  berichtigen.

Durch  diese  Berichtigung  erleiden  die  den  einzelnen  Gemeinden,  selbstständigen
  Guts=  und  besonderen  Grundsteuer-Erhebunt  obezirken  auferlegten
Grundsteuer-Hauptsummen,  abgesehen  von  dem  im  8.  2.,  12.  gedachten  Falle
materieller  Irrthümer,  keine  Aenderung.  Vielmehr  ist  nur  nach  den  in  der  berichtigten
  Mutterrolle  eines  Gemeinde-,  selbststäindigen  Guts=  oder  besonderen
Grundsteuer-Erhebungsbezirks  für  die  einzelnen  grundsteuerpflichtigen  Liegenschaften
nachgewiesenen  Reinerträgen  eine  anderweitige  Untervertheilung  der  nach  F.  1.
estgestellten  Grundsteuer-Hauptsumme  anzulegen  und  ist  danach  vom  1.  des
olgenden  Monats  ab  die  Erhebung  der  Grundsteuer  zu  bewirken.

..  20.

Für  diejenigen  Gemeinde=  oder  Grundsteuer-Erhebungsbezirke,  in  welchen
eine  mit  der  usalimnenlegung  von  Grundstücken  verbundene  Gemeinheitstheilung
schwebt,  kann  die  Aufstellung  der  Flurbücher  und  Mutterrollen  .  6—10.),
sowie  deren  Berichtigung  auf  Grund  des  Reklamationsverfahrens  (99.  12—19.)
nach  dem  Ermessen  der  Bezirksregierung  bis  dahin  hinausgeschoben  werden,  daß
der  Gemeinheitstheilungs-Rezeß  durch  die  Auseinandersetzungsbehörde  bestätigt
worden  ist.  8
is
        <pb n="369" />
        —  193  —

Bis  zu  diesem  Zeitpunkte  sind  die  für  die  betreffenden  Gemeinde-  und
Grundsteuer  -  Erhebungsbezirke  festgestellten  Grundsteuer  =  Hauptsummen  in  den
unter  Anwendung  des  vorläufigen  Vertheilungsmaaßstabes  gemäß  des  F.  19.  der
Verordnung  vom  12.  Dezember  1864.  ermittelten  äxgen  einzuziehen.

4.  Beschwerden  wegen  Grundsteuer-Ueberbürd  ungen.

C.  21.

Eine  Ermäßigung  der  den  einzelnen  Gemeinden,  gehstendige  Guts=  und
besonderen  Grundsteuer-Erhebungsbezirken  auferlegten  Grundsteuer-  Hauptsummen
wegen  unrichtiger  Einschätzung  der  dazu  gehörigen  Liegenschaften  ist  nur  zulässig,
wenn  eine  Ueberbürdung  des  betreffenden  Gemeinde-,  selbstständigen  Guts=  oder
Erhebungsbezirks  durch  die  demselben  auferlegte  geron  behauptet
  und  nach  Maaßgabe  der  Vorschriften  in  den  nachfolgenden  9#9.  22—28.
als  vorhanden  machgewissen  wird.

K.  22.

Anträge  auf  Grundsteuer-Ermäßigung  aus  dem  im  H.  21.  gedachten
Grunde  dürfen  nur  berücksichtigt  werden,  wenn  sie  für  die  betreffenden  Gemeinden
Seitens  der  Vorsteher  derselben,  für  die  betreffenden  selbstständigen  Gutsbezirke
Seitens  deren  Inhaber  und  für  die  betreffenden  besonderen  Ehebungsbefure
Seitens  der  Mehrzahl  der  zu  denselben  gehörenden  Grundbesitzer  —  nach  den
von  den  letzteren  zu  entrichtenden  Grun  leeuerbeträpen  berechnet  —  innerhalb
einer  Frist  von  acht  Wochen,  seit  dem  Tage,  mit  welchem  dieses  Gesetz  in  Kraft
tritt,  schriftlich  und  unter  gehöriger  Begründung  bei  dem  Kreislandrathe  eingebracht
  werden.

Für  die  besonderen  Grundsteuer-Erhebungsbezirke  sind  bei  Stellung  des
Antrages  zugleich  zwei,  dem  betreffenden  Bezirk  angehörende  Grundsteuerpflichtige
als  die  bei  der  örtlichen  Untersuchung  der  Beschwerde  zuzuzlehenden  Vertreter  des
Bezirks  namhaft  zu  machen.

Der  Gemeindevorstand  ist  zur  Anbringung  des  Antrages  verpflichtet,  wenn
die  Mehrzahl  der  zu  der  Gemeinde  gehörenden  Grundbesitzer  —  nach  den  von
den  letzteren  zu  entrichtenden  Grundsteuerbeträgen  berechnet  —  einen  solchen  Antrag
  beschließt.

F.  23.

Eine  Grundsteuer-Ueberbürdung  (C.  21.)  ist  als  vorhanden  nur  anzuerkennen,
wenn  durch  eine  wiederholte  Einschätzung  der  zu  dem  betreffenden  Gemeinde-,
selbuiftändigen  Guts  oder  besonderen  Erhebungsbezirke  gehörigen  Liegenschaften  in
ie  Klassen  des  besinttioen  Taife  .  50.  der  H  ünwecng  vom  21.  Mai  1861.)
festgeste  t  wird,  daß  der  für  dieselben  in  der  Mutterrolle  verzeichnete  Reinertrag
en  aus  der  wiederholten  Einschätzung  sich  ergebenden  Reinertrag  um  mehr  als
25  vom  Hundert  des  letzteren  übersteigt.
Johrgang  1867.  (Nr.  6542.)  26  g.  24.
        <pb n="370" />
        —  194  —

K.  24.

Der  Kreislandrath  stellt  die  rechtzeitig  eingegangenen  Anträge  (§.  22.)  der
nach  §.  17.  angeordneten  Reklamationskommission  zu.  Die  leßtere  hat  sie  zuvörderst
  einer  summarischen  Prüfung,  insbesondere  durch  Vergleichung  mit  den
Einschätzungsergebnissen  anderer  gleichartigen  Gemarkungen  desselben  Kreises,
beziehungsweise  Klassifikationsdistrikts  zu  unterwerfen.  Dieselbe  ist,  falls  sie  danach
  eine  Ueberbürdung  (§.  23.)  nicht  als  vorhanden  annehmen  zu  können  glaubt,
verpflichtet,  den  Beschwerdeführer  hiervon  mit  dem  Anheimstellen  in  Kenntniß
u  setzen,  die  Reklamation  zurü  krhern  und  sich  hierüber  binnen  vierzehntägiger

ist  nach  Insinuation  dieser  Mittheilung  zu  erklären,  da  sonst  dem  weiteren
Verfahren  nach  §#.  25.  ff.  Folge  gegeben  werden,  er  aber  die  Kosten  desselben
zu  tragen  haben  würde,  wenn  die  Beschwerde  demnächst  als  unbegründet  zurückzuweisen
  wäre.  Grfolgt  eine  gurüchatme  des  Antrages  binnen  der  gestellen
Frist  nicht,  so  ist  das  Untersuchungsverfahren  nach  §F§.  28.  ff.  zu  veranlassen.

g.  25.

Behufs  Untersuchung  der  erhobenen  Beschwerde  ist  eine  neue  Reinertrags-ECrmittelung
  nach  Maaßgabe  der  für  den  betreffenden  Kreis,  beziehungsweise  Klassifikationsdistrikt
  in  dem  Klassifikationsprotokolle  und  den  etwaigen  Nachträgen
dazu,  ausgesprochenen  Grundsätze,  unter  Beachtung  der  für  das  formelle  Verfahren
  bei  der  Einschätzung  der  Liegenschaften  erlassenen  Vorschriften,  durch  die
Reklamationskommission  6  17.)  zu  bewirken.

G.  26.

Die  Beschlüsse  der  Reklamationskommission  über  das  Ergebniß  der  neuen
Einschätzung  (§.  25.)  werden  nach  Stimmenmehrheit  gefaßt;  bei  Stimmengleichheit
  giebt  die  Stimme  des  Vorsitzenden  den  Ausse  la.

Bei  der  Einschätzung  selbst  sind  die  Antragsteller,  beziehungsweise  die  im
zweiten  Absatze  des  §.  22.  gedachten  Grundsteuerp  Ichtigen  und,  Howeit  es  sich  um
die  Einschätzung  von  Holzungen  handelt,  außerdem  der  der  Kommission  überwiesene
  Forstsachverständige  zuzuziehen.

Auch  ist  von  der  Sinschihe  der  Bezirksregierung  Nachricht  zu  geben,
welcher  überlassen  bleibt,  das  Verfahren  durch  einen  auf  Kosten  der  Staatsregierung
  abzusendenden  Kommissar  überwachen  zu  lassen.,

K.  27.

Ueber  die  stattgefundene  neue  Einschätzung  und  die  daraus  für  die  Beschwerde
  sich  ergebenden  Resultate  hat  die  Reklamationskommisson  ein  einheherdes
Gutachten  abzugeben  und  dasselbe  mit  den  Einschätzungsverhandlungen  der  Regierung
  einzureichen.  Die  letztere  hat  das  Berfahren  einer  sorgfältigen  Prüfung
u  mepeen  für  die  Beseitigung  etwaiger  Mängel  Sorge  zu  tragen  un
sänmlliche  erhandlungen  mit  ihrem  Gutachten  dem  Finanzminister  einzureichen,
welchem  die  Entscheidung  über  die  erhobene  Beschwerde  zusteht.

0“
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        —  195  —

Sofern  die  letztere  hierbei  für  zuhbegründet  erklärt  wird,  sind  dem  Reklamanten
  die  durch  die  Ausführung  des  Verfahrens  nach  §#§.  25.  und  26.  entstandenen
  Kosten  aufzuerlegen.

Gegen  die  Entscheidung  des  Finanzministers  findet  ei  eiteres  Rechtsmittel
  nicht  statt.

G.  28.

Die  Entscheidungen  des  Finanzministers  (F.  27.)  sind,  falls  die  Beschwerde
für  begründet  erklärt  worden  ist,  der  Bezirksregierung  zuzufertigen,  um  dem
Ergebnisse  der  neuen  Reinertragsermittelung  entsprechend  die  Flurbücher,  Mutterrollen
  und  Karten  zu  berichtigen,  die  ermäßigte  Grundsteuer-  Hauptsumme  auf  die
einzelnen  in  der  Mutterrolle  verzeichneten  Grundstücke  nach  Verhältniß  des  neu
ermittelten  Reinertrages  zu  vertheilen  und  danach  vom  1.  Januar  desselben  Jahres
ab  die  Erhebung  der  Grundsteuer  anderweit  bewirken  zu  lassen.

Die  vorstehenden  Bestimmungen  (SI§.  21  —  28.)  kommen  auch  in  den  westlichen
  Provinzen  zur  Anwendung.

5.  Obliegenheiten  der  Steuerpflichtigen,  der  Gemeinden,
Behörden  2c.

C.  29.

In  Betreff  der  Verpfli  zung  der  Behörden)  Kreditinstitute,  Gemeinden
und  Privatpersonen,  die  zur  Aufstellung  der  Flurbücher  und  Mutterrollen,  sowie
pa  Erledigung  der  eingehenden  Reklamationen  oder  sonstigen  Beschwerden  erforerlichen
  Vorarbeiten  nach  Kräften  zu  unterstützen  und  zu  fördern,  kommen  die
Vorscrriften  in  den  88.  18.  bis  20.  der  dem  F.  6.  des  Gesetzes  vom  21.  Mai
1861.  beigegebenen  Anweisung  für  das  Verfahren  zur  Ermittelung  des  Reinertrages
  der  Liegenschaften  ebenfalls  zur  Anwendung.

Die  Gemeinden,  die  Inhaber  selbstständiger  Gutsbezirke,  sowie  die  den
Grundsteuer-Erhebungsbezirken  angehörigen  Grundsteuerpflichtigen  haben  auf  ibre
Kosten  die  Nachweisungen  der  zu  den  Gemeinde-,  Guts=  und  Grundsteuer-Erwamgeeluen
  gehörenden  Besitzungen  und  deren  Eigenthümer  zu  beschasfe  und
ind  außerdem  verpflichtet,  den  Requisitionen  der  mit  den  örtlichen  Aufnahmen
beauftragten  Beamten  oder  Feldmesser  wegen  Wahrnehmung  der  Aufnahmetermine
  durch  geeignete  Persönlichkeiten  Folge  zu  leisten,  auch  zu  den  örtlichen
Ermittelungen  mit  den  Sokaloerhälmiss  und  den  Besitzständen  genau  vertraute
Persönlichkeiten  zu  gestellen,  welche  den  Beamten  2c.  während  des  Geschäfts  zu
begleiten  und  ihm  die  erforderliche  Auskunft  zu  ertheilen,  beziehungsweise  zu  beschaffen
  haben.

Die  Erfüllung  der  vorgedachten  Verpflichtungen  ist  nöthigenfalls  im  Wege
der  administrativen  Krrkuton  herbeizuführen.

(Nr.  6542.)  26“  6)  Kosten
        <pb n="372" />
        —  196  —

6.  Kosten  des  Verfahrens.

G.  30.

Die  Vorsitzenden  und  Mitglieder  der  im  F.  17.  angeordneten  Kommissionen,
  sowie  die  den  letzteren  zugeordneten  geodätischen  und  sonstigen  Techniker
erhalten  Tagegelder  und  bei  auswärtigen  Geschäften  Reisekosten,  deren  Höhe
nach  Mags  e  der  Verordnung  vom  4.  Juli  1863.,  betreffend  die  durch  Ermittelung
  des  Reinertrages  der  Grgenschaften,  Behufs  anderweiter  Regelung  der
Grundsteuer,  nach  dem  Gesetze  vom  21.  Mai  1861.  entstehenden  Kosten,  zu
bestimmen  ist.

Sofern  jedoch  die  daselbst  angeordneten  Kostensätze  die  den  gedachten
Kommissarien)  Kommissionsmitgliedern  und  Technikern  nach  ihrem  Dienst=  und
Rangverhältnisse,  in  Gemäßheit  des  Allerhöchsten  Erlasses  vom  10.  Juni  1848.
(Geshe  Samml.  S.  151.)  und  den  dazu  ergangenen  Vorschriften,  an  Reisekosten
und  Tagegeldern  zustehenden  Sätze  übersteigen,  sind  ihnen  nur  die  letzteren  zu
gewähren.

KG.  31.

Die  Kosten,  welche  durch  die  zum  Zwecke  der  Untervertheilung  und  beiehungsweise
  anderweiten  Feststellung  der  Grundsteuer-Hauptsummen  nach  §.  6.
8  28.  und  30.  auszuführenden  Arbeiten  innerhalb  der  einzelnen  Provinzen  und
kommunalständischen  Ver  ä#nde  (§.  1.)  entstehen,  sind  einstweilen  von  der  Staatskasse
  vorzuschießen  und  mit  Ausnahme  der  von  den  Reklamanten  zu  tragenden
Kosten  unbegrundeter  Reklamationen  (F.  18.)  F.  27.),  sowie  der  nach  F.  29.  den
Gemeinden,  den  Inhabern  der  selbstständigen  Gutsbezirke  und  den  den  besonderen
Grundsteuer-Erhebungsbezirken  angehörenden  Grundsteuerpflichtigen  obliegenden
Leistungen  der  gedachten  Kasse  Seitens  der  Gumdbesitzer  in  den  betreseenden
Provinzen,  beichungsweis  kommunalständischen  Verbänden  (§#.  45—48.)  nach
Maaßgabe  der  Grundsteuer-Veranlagung  binnen  zehn  Jahren  nach  der  näheren,
wieseal  vom  Finanzminister  zu  erlassenden  Anweisung  nach  und  nach  wieder
zu  erstatten.  ·

Dritter  Abschnitt.

Erhaltung  der  Grundsteuer-Veranlagungen  bei  der  Gegenwart.

gz.  32.

Um  die  Flurbücher,  Mutterrollen  und  Karten  bei  der  Gegenwart  zu
erhalten,  müssen  alle  Veränderungen  darin  nachgetragen  werden,  welche  dadurch
entstehen,  daß

a)  in  den  Eigenthumsverhältnissen  der  Grundstücke  ein  Wechsel  eintrit
)  bis-
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        —  197  —

b)  bisher  grundsteuerfreie  Grundstücke  (&amp;amp;.  4.  des  Gesetzes  vom  21.  Mai  1861.)
in  die  Klasse  der  grundsteuerpflichtigen,  oder

IP)  bisher  zundsteuerdsichtige  Grundstücke  in  die  Klasse  der  grundsteuerfreien
  (I.  4.  a.  a.  O.)  übergehen;

d)  bisher  grundsteuersichti  oder  nach  §.  4.  a.  a.  O.  von  der  Grundsteuer
befreite  Grundstücke  mit  Gebäuden  besetzt  oder  als  Hofräume  oder  Hausgärten
  mit  Gebäuden  verbunden  werden;

e)  bisher  mit  Gebäuden  besetzte,  oder  als  Hofräume  oder  Hausgärten  mit
Gebäuden  verbunden  gewesene  Grundstücke  in  die  Klasse  der  Hunsteuerpflichtigen,
  beziehungsweise  der  nach  H.  4.  a.  a.  O.  von  der  Grundsteuer
befreiten  Grundstücke  übergehen;

1)  besteuerungsfähige  Ländereien  neu  entstehen,  oder

g)  bereits  besteuerte  ganz  oder  theilweise  untergehen  oder  bleibend  ertrags.
umfähig  werden;

h)  #die  Grenzen  der  Gemeinden,  selbstständigen  Guts-  oder  5-i  ““7
der  Kreise,  Provinzen,  beziehungsweise  der  im  F.  1.  bezeichneten  kommunalständischen
  Verbände  oder  die  Landesgrenzen  berichtigt,  beziehungsweise

  verlegt  werden;

i)  materielle  Irrthümer  (§.  2.)  von  den  Behäörden  entdeckt  oder  von  den
Betheiligten  nachgewiesen  werden;

k)  Beschwerden  über  Grundsteuer-Ueberbürdung  in  Gemäßheit  der  I.  21.  ff.
erhoben  und  als  begründet  anerkannt  werden.

C.  33.

Die  Grundeigenthümer  oder  die  statt  deren  zur  Entrichtung  der  Grundsteuer
  verbundenen  Personen  G.  45.)  sind  verpflichtet,  die  im  F.  32.  zu  a.  bis  g.
bezeichneten  Veränderungen  den  mit  der  Fortschreibung  beauftragten  Beamten
schriftlich  oder  pratetollansch  anzuzeigen  und  die  zur  Berichtigung  der  gedachten
Bücher  u.  s.  w.  erforderlichen  Unterlaßen  beizubringen,  widrigenfalls  die  Herbeischaffung
  der  letzteren  auf  ihre  Kosten  bewirkt  wird.

ie  Berichtigun  der  im  §.  32.  zu  h.,  i.  und  k.  bezeichneten  Veränderungen
ist  in  allen  Fällen,  die  Berichtigung  der  ebendaselbst  zu  a.  bis  c.  bezeichneten
Veränderungen  aber  nur,  wenn  die  letzteren  im  Wege  einer  Regulirung  gutsherrlicher
  und  bäuerlicher  Verhältnisse,  einer  Ablösung  von  Rellassen,  oder  einer
Gemeinheitstheilung  herbeigeführt  worden  sind,  Seitens  der  Bezirksregierung  von
Amtswegen  zu  veranlassen.  .

Die  Gemeindevorstände,  die  Inhaber  der  selblistindigen  Gutsbezirke,  sowie
die  für  die  Grundsteuer-Erhebungsbezirke  bestellten  Ortserheber  (#.  47.)  sind  verpflichtet,
  den  auf  die  Fortschreibung  der  Flurbücher  bezüglichen  Regquisitionen  der
mit  diesem  Geschäft  beuuftagten  eamten  Folge  zu  leisten  und  den  letzteren  die
erforderte  Auskunft  zu  ertheilen,  beziehungswels  zu  beschaffen.

Nr.  6542.)  .  34.
        <pb n="374" />
        —  198  —

ß.  34.

Ist  die  Anzeige  von  dem  Wechsel  in  dem  Eigenthume  (F.  32.  zu  a.)  nicht
erfolgt,  so  ist  der  seitherige,  beziehungsweise  der  in  der  Mutterrolle  eingetragene
Eigenthümer  verpflichtet,  die  veranlagte  Grundsteuer  bis  für  den  Monat  einon
  lich  fort  zu  entrichten,  in  welchem  die  zur  Fortschreibung  und  Berichtigung
er  Mutterrolle  erforderliche  Anzeige  geschieht,  ohne  daß  dadurch  der  neue  Besitzer
von  der  auch  ihm  obliegenden  Verhaftung  für  die  Grundsteuer  entbunden  wird.

st  die  Anzeige  von  einer  Aenderung  unterlassen,  welche  eine  Steuerve#r#minderung
  oder  die  Freiheit  von  der  Steuer  begründet  9.  32.  zu  c.,  d.  und  g.),
so  wüd  die  Steuer  ebenfalls  bis  für  den  Monat  einschließlich  forterhoben,  in
welchem  die  Anzeige  erfolgt.

Aenderungen,  welche  die  Steuerpflichti  keit  oder  die  Steuererhöhung  eines
Grundstücks  bedingen  (.  32.  b.,  c.  und  f)),  ind  spätestens  binnen  drei  Monaten
nach  Ablauf  des  Monats,  in  welchem  die  Aenderung  eingetreten  ist,  von  dem
Eigenthümer  des  Grundstücks  anzumelden.  Wer  die  Aumekldung  unterläßt,  verfällt,
  wenn  dadurch  der  Staat  der  Steuer  verlustig  geht,  in  eine  dem  doppelten
Betrage  der  vorenthaltenen  Steuer  gleichkommende  Geldbuße,  in  den  übrigen
Fällen  in  eine  Geldbuße  von  vch  Silbergroschen  bis  fünf  Thalern.

Die  Untersuchung  und  Entscheidung  steht  dem  Gerichte  zu,  wenn  nicht
derjenige,  welcher  der  Verletzung  einer  der  vorstehenden  Vorschriften  beschuldigt
wird,  binnen  einer  von  dem  Landrathe,  beziehungsweise  in  denjenigen  Städten,
welche  keinem  Kreise  angehören,  von  dem  Gemeindevorstand  zu  bestimmenden
Frist  den  ihm  bekannt  gemachten  Strafbetrag,  nebst  der  etwa  zu  erlegenden
Steuer  und  die  durch  das  Verfahren  gegen  ihn  entstandenen  Kosten,  freiwillig  zahlt.

g.  35.

Wenn  eine  nach  Flächeninhalt  und  Reinertrag  in  der  Grundsteuer-Mutterrolle
  besonders  aufgeführte  Liegenschaft  6.)  im  Ganzen  einem  Eigenthumswechsel
  unterliegt,  so  hat  der  neue  Eigenthümer  die  davon  zu  entrichten  gewesene
Steuer  unverändert  fort  zu  entrichten.

Wird  dagegen  eine  solche  giegenschast  zerstückelt,  so  ist  die  bisherige  Steuer
auf  die  daraus  gebildeten  Trennstücke  zu  vertheilen  und  zwar  in  der  Regel  nach
Verhältniß  des  Flächeninhalts,  sofern  es  aber  von  der  Irksregierung  auf  den
Antrag  der  Betheiligten  oder  von  Amtswegen  angeordnet  wird,  nach  Verhältniß
des  Reinertrages,  welcher  von  dem  Fortschreibungsbeamten  zu  ermitteln.

Auf  Antrag  und  Kosten  der  Interessenten  kann  Behufs  Vertheilung  der
Grundsteuer  eine  neue  Ermittelung  des  Reinertrages  durch  die  Fortschreibungs-Beamten
  unter  Zuziehung  von  Sachverständigen  an  Ort  und  Stelle  stattfinden.

Die  Feststellung  und  Fortschreibung  der  Grundsteuer  bei  Dismembrationen
und  Gründung  neuer  Ansiedlungen  erfolgt  fortan,  unabhängig  von  der  Regubrung
  der  sonhigen  öffentlichen  Lasten  und  Abgaben,  besonders  durch  den  Fortschreibungs-Beamten
  unter  Bestätigung  der  Bezirksregierung.  Die  entgegen
sehenden  Vorschriften  der  Gesetze  vom  3.  Januar  1845.  (Gesetz  Samml.  S.  25.)
und  vom  26.  Mai  1856.  (Gesetz  Samml.  S.  613.)  werden  hiermit  aufbcheben
        <pb n="375" />
        —  199  —

C.  36.

Bei  einem  in  Folge  einer  Regulirung  der  gutsherrlichen  und  bäuerlichen
Verhältnisse,  einer  Ablösung  von  Reallasten  oder  einer  Gemeinheitstheilung  eintretenden
  Besitzwechsel,  mit  welchem  nicht  eine  Veränderung  der  im  §.  32.  zu
b.  bis  e.  bezeichneten  Art  verbunden  ist,  verbleiben  die  Grundsteuern  auf  den
Grundstücken,  auf  welchen  sie  bisher  gehaftet  haben  (§.  35.  A  Aat  1.  und  2.).
Die  hiervon  abweichenden  wirschunse  im  F.  96.  des  Gesetzes  vom  2.  März  1850.,
betreffend  die  Wilse  der  Reallasten,  und  im  F.  156.  der  Gemeinheitstheilungs-Ordnung
  vom  7.  Juni  1821.  finden  nicht  mehr  Anwendung.

Sofern  im  Wege  einer  gutsherrlich-häuerlichen  Regulirung  oder  einer  Gemeinheitetheieun
  ein  Umtausch  bisher  grundsteuerfreier  Grundstücke  der  im  8.  4.
me.  des  Grundsteuergesetzes  vom  21.  Mai  1861.  (Nr.  5379.  der  Gesetz  Samml.  für
1861.)  bezeichneten  Art  gegen  bisher  grundsteuerpflichtige  Grundstücke  stattfindet,

ehen  die  letzteren  dadurch  in  die  Klasse  der  grundsteuerfreien  Grundstücke  über
⅛  32.  zu  c.  und  g.).

In  denjenigen  Gemeinden  oder  Grundsteuer-Erhebungsbezirken,  in  welchen
eine  mit  der  Zuscnmenlegung  von  Grundstücken  verbundene  Gemeinheitstheilung
bei  Erlaß  dieses  Gesetzes  bereits  anhängig  ist  (§.  20.)  oder  später  aehäni  wird,
kann  gleichzeitig  mit  der  Ausführung  der  Gemeinheitstheilung,  unter  Genehmigung
der  Bezirksregierung,  der  Gesammtbetrag  derjenigen  Grundsteuer,  welche  von  den
dem  Ermennzetsthählungs-Verfahren  unterliegenden  Grundstücken  bis  dahin  entrichtet
  worden  ist,  auf  die  Landabfindungspläne  anderweitig  nach  den  für  die
Auseinandersetzung  angewandten  Reinerträgen  definitiv  vertheilt  werden.

K.  37.

Die  durch  die  Ausführung  der  Bestimmungen  des  K.  36.  entstehenden  Veränderungen
  der  Grundsteuer  und  der  Zeitpunkt  für  den  Eintritt  derselben  werden
von  der  Auseinandersetzungs-Behörde  nach  erfolgter  Verständigung  mit  der  Beirksregierung
  festgesetzt  und  bewendet  es  im  Uebrigen  bei  der  im  §.  11.  der

erordnung  vom  30.  Juni  1834.  wegen  des  Geschäftsbetriebes  in  Angelegenheiten
  der  Gemeinheitstheilung  2c.  enthaltenen  Vorschrift.

Auf  Grund  des  bestätigten  Rezesses  hat  die  Bezirksregierung  die  Fortschreibung
  der  Grundsteuer  zu  veranlassen.  -

§·38.

Als  Beitrag  zu  den  Fortschreibungskosten  haben  die  Eigenthümer  der  Grundstücke,
  in  deren  Gicenthunaverhlß  ein  Wechsel  eintritt  (F.  32.  zu  a.),  neben
den  durch  etwa  auszuführende  Vermessungen  entstehenden  Kosten,  nach  der  näheren
Bestimmung  des  Finanzministers  eine  Gebühr  zu  entrichten,  welche,  mit  dem
Minimalsatz  von  Einem  Silbergroschen  beginnend,  den  Betrag  von  Einem  Thaler
für  eine  zu  bewirkende  Fortschreibung  in  keinem  Falle  übersdeigen  darf  und  von
dem  Erwerber  des  fortzuschreibenden  Grundstücks  nach  bewirkter  Fortschreibung

it

(Nr.  6542.)  m
        <pb n="376" />
        —  200  —

m  der  Grundsteuer  zusammen  und  in  der  für  letztere  bestimmten  Art  einzuziehen
  ist.

ie  auf  die  Fortschreibung  becüglichen  Eingaben  der  Grundsteuerpflichtigen
und  sonstigen  Verhandlungen  sind  ebenso,  wie  die  den  Grundeigenthümern  aus
den  Karten,  Flurbüchern  u.  s.  w.  zu  ertheilenden  Auszüge,  stempelfrei.

g.  39.

Auf  Grund  der  jährlichen  Veränderungs-Aufnahmen  sind  die  Mutterrollen
und  Flurbücher  zu  berichtigen,  beziehungsweise  die  nothwendigen  Ergänzungen
zu  den  Karten  zu  bewirken,  erforderlichen  Falls  auch  die  Grundsteuer-Hauptsummen
  für  die  betreffenden  Gemeinde-,  selbstständigen  Guts=  oder  Grundsteuer-Erhebungsbezirke
  anderweit  festzustellen.

vierter  Abschnitt.
Erhebung  der  Grundsteuer.

C.  40.

Die  Gemeinden  und  die  Inhaber  der  selbstständigen  Gutsbezirke  sind  schuldig,
  die  ihnen  nach  F.  1.  auferlegten  Grundsteuerbeträge  von  den  Steuerpflichtigen
einzuziehen  und  in  monatlichen  Beträgen  vor  Ablauf  jedes  Monats  an  die  ihnen
begühneten  Kassen  abzuführen.

S.  41.
In  der  Stadt  Berlin  geschieht  die  Einziehung  der  Grundsteuer  durch  das
daselbst  bestehende  Hauptamt  für  direkte  Steuern.
.  42.

Den  zu  einem  besonderen  Grundsteuer-Erhebun  aberrte  gehörigen  Grundsteuerpflichtigen
  liegt  in  ihrer  Gesammtheit  hinsichtlich  der  Einziehung  der  Grundsteuer
  deeelt  Verpflichtung  ob,  wie  den  Gemeinden  und  den  Inhabem  selbst.
sänd  er  Gutsbezirks  (d.  40.).  Für  die  Erfüllung  dieser  Verpflichtung  haftet  in
dn  gEabebungebezite  jeder  Steuerpflichtige  nach  Verhältniß  seines  Grundsteuerntheils.



K.  43.

Der  Verlust  an  Grundsteuerbeträgen,  welche  als  uneinziehbar  anerkannt
werden,  trifft  die  Staatskasse.

KC.  44.

Die  Grundsteuer  ist  in  den  ersten  acht  Tagen  eines  jeden  Monats  mit
dem  zwölften  Theile  ihres  Jahresbetrages  fällig.  E
        <pb n="377" />
        —  201  —
KC.  45.

Zur  Entrichtung  der  Grundsteuer  sind  die  in  der  Mutterrolle  verzeichneten
Eigenthümer  verpflichtet.

Bei  Liegenschaften,  deren  Eigenthum  mehreren  gemeinschaftlich  zusteht,  ist
jeder  Miteigenkhmer  für  den  ganzen  auf  dem  Grundstücke  ruhenden  Steuerbetrag
verhaftet.  Demjenigen,  von  welchem  die  Steuer  eingezogen  wird,  verbleibt  das
Recht,  von  einem  jeden  der  übrigen  Miteigenthümer  den  auf  ihn  treffenden
Antheil  wieder  einzuziehen.

Bei  einem  in  Pacht  oder  Nießbrauch  stehenden  Grundstücke  ist  der  Staat
berechtigt,  sich  außer  an  den  Eizent  ümer  auch  an  den  Pähchter  oder  Nießbraucher
wegen  der  während  der  Pacht  oder  Nießbrauchszeit  fälligen  Grundsteuer  zu  halten.

g.  46.

Jede  Gemeinde  ist  verpflichtet,  zur  Einziehung  der  Grundsteuer  einen  Ortserheber
  zu  bestellen  und  zugleich  die  Hedingungen,  unter  welchen  die  Annahme
desselben  erfolgen  soll,  insbesondere  zu  bestimmen,  ob  und  in  welcher  Art  derselbe
für  seine  Mühewaltung  entschädigt  werden  und  ob,  eventuell  in  welcher  Höhe
er  eine  Kaution  bestellen  soll.

Falls  dieser  Verpflichtung  von  einer  Gemeinde  innerhalb  der  von  der
Bezirksregierung  zu  bestimmenden  Frist  nicht  genügt  wird,  ist  die  letztere  befugt,
die  jedesmal  fälligen  Grundsteuern  so  lange,  bis  der  Ortserheber  ordnungsmäßig
bestellt  worden  ist,  auf  Kosten  und  Gefad-  der  Gemeinde,  im  Wege  besonders
zu  ertheilenden  Auftrags  einziehen  zu  lassen.

Innerhalb  der  selbstständigen  Gutsbezirke  haben  die  Inhaber  der  letzteren
für  die  ordnungsmäßige  Erhebung  der  Grundsteuer  Sorge  zu  tragen.

Die  Bezirksregierung  hat  etwaigen  hierbei  hervortretenden  Unordnungen
durch  entsprechende  Maaßregeln  Abhülfe  zu  schaffen.

C.  47.

In  den  nach  F.  3.  zu  bildenden  besonderen  Grundsteuer-Erhebungsbezirken
ersolt  die  Einziehung  der  Grundsteuer  durch  Ortserheber,  welche  auf  Anordnung
der  Bezirksregierung  in  einem  Seitens  derselben  zu  bestimmenden  Termine  von
den  Grumdsteuerpflichtigen  des  Bezirks  durch  Stimmenmehrheit  gewählt  werden.
Die  letzteren  haben  zugleich  über  die  Höhe  und  die  Art  der  von  dem  Elrheber
zu  bestellenden  Kaution  zu  bestimmen.

Falls  eine  Einigung  über  die  Wahl  des  Erhebers  nicht  erzielt  werden  kann,
erfolgt  die  Bestellung  des  Erhebers,  sowie  die  Bestimmung  über  die  ihm  zu

zdhne  Remuneration  und  die  von  ihm  zu  bestellende  Kaution  Seitens  des
mdrathes.

C.  48.

Innerhalb  desselben  Kreises  können  sich  zwei  oder  mehrere  Gemeinden
selbstständige  Guts=  und  Grundsteuer-Erhebungsbezirke  zur  Wahl  eines  gemeinsamen
  Ortserhebers  mit  Genehmigung  der  Bezirksregierung  vereinigen.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6542.)  27  §.  49.
        <pb n="378" />
        —  202  —

G.  49.

Innerhalb  des  kommunalständischen  Verbandes  der  Ober  Lausitz  erfolzt
die  Erhebung  und  Verwaltung  der  Grundsteuer  unter  landständischer  Mitwirkung
nach  den  diceehal  getroffenen  besonderen  Bestimmungen.

Ausgleichung.

G.  50.

Die  Ausgleichung  der  net  dem  1.  Januar  1865.  bis  zu  dem  im  §.  19.
am  Schluß  bestimmten  Zeitpunkt  zu  viel  oder  zu  wenig  entrichteten  Steuerbeträge
wird  unbeschadet  der  dieserhalb  etwa  von  den  Interessenten  zu  treffenden  freiwilligen
  Vereinbarung  von  Amtswegen  veranlaßt  und  erfolgt  durch  Abrechnung
begehungswans=  Aufschlag  auf  die  zunächst  fällig  werdenden  Grundsteuerbeträge
der  derzeitigen  Besitzer  innerhalb  der  von  der  Bezerksregierung  dafür  festzusetzenden

en.

Verjährung.

G.  51.
Die  Vorschriften  des  Gesetzes  über  die  Verjährungsfristen  bei  öffentlichen
Abgaben  vom  18.  Juni  1840.  (Gesetz-Samml.  für  1840.  S.  140.)  nebst  den
dazu  ergangenen  Erläuterungen  und  Abänderungen  finden,  soweit  das  gegenwirtige

Gesetz  nicht  etwas  Anderes  bestimmt,  auch  auf  die  neu  veranlagte  Grundsteuer
Anwendung.

fünfter  Abschnitt.

Grundsteuer-Remissionen.
.  52.

Ansprüche  auf  Erlaß  oder  Ersatz  der  Grundsteuer  aus  Anlaß  von  Beschädigungen
  der  Feldfrüchte  durch  außerordentliche  Naturereignisse,  Brand  2c.
finden  Haaen“  die  Staatskasse  nicht  statt.

le  Beschlußnahme  darüber,  ob  und  eventuell  in  welchen  Fällen,  bezieungsweise
  in  welcher  Höhe  den  grundsteuerpflichtigen  Besitzern  wegen  solcher
eschädigungen  der  del  fruchte  Remissionen  oder  Unterstützungen  zu  gewähren,
bleitt  een  Prooirzin  5  resp.  Kommunallandtagen  mit  Königlicher  Zustimmung
Uberlassen.

Die  Aufbringung  der  eventuell  zu  diesem  Zweck  erforderlichen  Fonds  erfolgt
durch  Beiträge  der  Grundsteuerpflichtigen,  in  Betreff  deren  Höhe  von  den  Provinzial-
  resp.  Kommunallandtagen  Vestimmmg  zu  treffen  ist.

Sechster
        <pb n="379" />
        —  203  —

Sechster  Abschnitt.
Grundsteuer-Entschädigung.

G.  53.

Die  Feststellung  und  Vertheilung  des  nach  §.  4.  des  Gesetzes  vom  21.  Mai
1861.,  betreffend  die  für  die  Aufhebung  der  Grundsteuerbefreiungen  und  Bevorzugungen
  zu  gewährende  Entschädigung  (Gesetz-Samml.  S.  325.))  zu  bildenden
Gesammt-Entschädigungskapitals,  sowie  die  Feststellung  der  nach  §#.  2.  3.  a.  a.  O.
zu  leistenden  Entschädigungsbeträge  erfolgt  nach  den  zur  Zeit  dieser  Feststellung,
beziehungsweise  Vertheilung  auf  den  entschädigungsberechtigten  Grundstücken
lastenden  Grundsteuerbeträgen.

Eine  Erhöhung  oder  Verminderung  der  hiernach  festgestellten  Entschädigumgepeträge
  wegen  der  etwa  in  Folge  des  Reklamationsverfahrens  nach  9#.  13.

is  30.  dieses  Gesetzes  bewirkten  Aenderungen  der  gedachten  Grundsteuerbeträge
findet  nicht  statt.

Siebenter  Ibschnitt.
Allgemeine  Bestimmungen.

F.  54.

Die  hinsichtlich  der  Grundsteuer  in  den  sechs  östlichen  Provinzen  des
Staates  bestehenden  Vorschriften,  welche  den  Bestimmungen  diess  Gesetzes  entgesensehe
  oder  sich  mit  denselben  nicht  vereinigen  lassen,  werden  außer  Kraft
gesetzt.

S.  55.

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt  und
hat  Behufs  derselben  die  erforderlichen  Anweisungen  zu  erlassen,  insbesondere  auch
die  Gebühren  für  die  Behufs  Fortschreibung  der  Flurbücher,  Mutterrollen  un
Karten  auszuführenden  geometrischen  Arbeiten  und  für  die  Ertheilung  von  Auszügen
  aus  den  bezeichneten  Büchern  rc.  an  die  Grundeigenthümer  festzustellen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  8.  Februar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.  .

 

(Nr.  6542—6543.)  (Nr.  6543.)
        <pb n="380" />
        —  204  —

(Nr.  6543.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  8.  Februar  1867.,  betreffend  die  Anstellung  von  Provinzial-Steuerdirektoren
  in  Hannover  und  in  Kassel.

Ar#  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  7.  d.  M.  genehmige  Ich,  daß
vom  1.  April  d.  J.  ab  für  die  Verwaltung  der  Zölle  und  innern  indirekten  Ababen
  in  dem  ehemaligen  Königreich  Hannover  ein  Provinzial-Steuerdirektor  mit
em  Sitze  in  der  Stadt  Hannover  und  für  die  gleiche  Verwaltung  in  dem  ehemaligen
  urfrstenthu  Hessen  und  Herzogthum  Nassau,  sowie  in  der  ehemaligen
freien  Stadt  Frankfurt  und  in  den  durch  das  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.
(Geseh.  Samm,  S.  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Landestheilen,
mit  Ausschluß  des  Kreises  Schmalkalden,  der  früheren  Bayerischen  Enklave
Kaulsdorf  und  des  Oberamtsbezirks  Meisenheim,  ein  Provinzial=  Steuerdirektor
mit  dem  Sitze  in  der  Stadt  Kassel,  beide  mit  den  Pflichten  und  Besugnissen  der
in  den  alten  Preußischen  Landestheilen  bereits  in  Wirksamkeit  befindlichen  Provinzial-Steuerdirektoren
  bestellt  und  dem  Finanzministerium  unmittelbar  untergeordnet
  werden.  Hinsichtlich  aller  indirekten  Abgaben  treten  vom  1.  April  d.  J.
ab  der  Kreis  Schmalkalden  und  die  Enklave  Kaulsdorf  unter  die  Verwaltung
des  Generalinspektors  des  Zoll-  und  Handelsvereins  der  Thüringischen  Staaten,
und  der  Oberamtsbezirk  Meisenheim  unter  die  Verwaltung  des  Provinzial-Steuerdirektors
  zu  Cöln.

Die  Ausführung  der  Bestimmungen  dieses  Erlasses,  welcher  durch  die
Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen  ist,  wird  dem  Finanzminister
  übertragen.

Berlin,  den  8.  Februar  1867.

Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Flh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.-zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="381" />
        —  205  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  13.  —

 

(Nr.  6544.)  Einberufungs-  Patent  für  den  Reichstag  des  Norddeutschen  Bundes.  Vom
13.  Februar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc.

thun  kund  und  fügen  hiermit  zu  wissen:

Nachdem  Wir  mit  den  verbündeten  Regierungen  der  Norddeutschen  Staaten
übereingekommen  sind,  zur  Berathung,  der  Verfassung  und  der  Einrichtungen  des
Norddeutschen  Bundes  Vertreter  der  Nation  zu  einem  Reichstage  4  versammeln,
die  gedachten  Regierungen  auch  durch  ihre  Bevollmächtigten  am  18.  Januar  d.  J.
den  Beschluß  gernt  haben,  die  Einberufung  des  Reichstages  der  Krone  Preußen
zu  übertragen,  und  nachdem  die  allgemeinen  Wahlen  am  12.  Februar  d.  J.  stattgefunden
  haben,  berufen  Wir  den  Reichstag  des  Norddeutschen  Bundes  hier-#unch
  auf  Sonntag,  den  24.  Februar  d.  J.,  in  Unsere  Haupt-  und  Residenzstadt

erlin.

Gegeben  Berlin,  den  13.  Februar  1867.
(I.  S.)  WMilhelm.
Gr.  v.  Bismarck  -  Schönhausen.

 

Johrgong  1867.  (Nr.  6544—6546.)  28  (Nr.  6545.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  15.  Februar  1867.
        <pb n="382" />
        —  206  —

(Nr.  6545.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  12.  Januar  1867.,  betreffend  die  Einführung  der  allgemeinen
  Wehrpflicht  in  den  durch  das  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.
der  Preußischen  Monarchie  einverleibten,  vormals  Bayerischen  und  Großherzoglich
  Hessischen  Gebietstheilen.

A#  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  11.  d.  M.  bestimme  Ich  hiermit,
  daß  Meine  Order  vom  13.  Oktober  v.  J.,  welche  die  Einführung  der  allemeinen
  Wehrpflicht  in  den  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  der
Prazi  chen  Monarchie  einverleibten  Landestheilen,  nach  Maaßgabe  der  für  die
übrigen  Provinzen  des  Preußischen  Staates  hälügen  Bestimmungen,  anordnet,
auch  auf  die  durch  das  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.  angrordnete  Vereinigung
bisher  Bayerischer  und  Großherpoglich  Hesfischer  Gebietstheile  Anwendung  finde.
Berlin,  den  12.  Januar  1867.  .
Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

 

(Nr.  6546.)  Verordnung,  betreffend  die  Aufhebung  der  im  Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums
  Hessen  bestehenden  Beschränkungen  des  Handels  mit  Feldfrüchten
  2c.  Vom  24.  Januar  1867.  -

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Köͤnig  von  Preußen  u.

verordnen  für  das  Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hessen,  auf  den  Bericht
  des  Staatsministeriums  vom  23.  Januar  d.  J.)  was  folgt:

Das  Regierungs,  Ausschreiben  vom  2.  Juli  1817.)  den  verbotenen  Kauf
und  Verkauf  der  noch  im  Felde  stehenden  Früchte  betreffend,  und  die  darin  aneführten
  Regierungs-Ausschreiben  vom  29.  Mai  1764.  und  4.  August  1795.,
erner  die  landesherrliche  Verordnung  vom  24.  Juli  1854.,  den  Handel  mit
eldfrüchten  betreffend,  und  die  14.  und  15.  der  landesherrlichen  Verordnun
vom  5.  Oktober  1854.,  den  Verkehr  mit  Getreide,  Mehl,  Kartoffeln  und  Bos

betreffend,  treten  außer  Kraft.
hichundch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
egeben  Verin  b  den  24.  Januar  1867.

A.  #.)Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

 

(Nr.  6547.)
        <pb n="383" />
        (Nr.  6547.)  Konzessions-Urkunde,  betreffend  die  Erweiterung  des  Unternehmens  der  Rheinischen
  Eisenbahngesellschaft  durch  den  Bau  einer  Eisenbahn  von  Neuß
über  Bedburg  nach  Düren.  Vom  30.  Januar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ec.

Nachdem  die  Rheinische  Eisenbahngesellschaft  den  Bau  einer  Eisenbahn  von
Neuß  über  Bedburg  nach  Düren  beschlossen  hat,  wollen  Wir  in  Anerkennung
der  Vortheile,  welche  aus  einer  möglichste  kurzen  Verbindung  zwischen  den  Erzlagern
  der  Eifel  und  den  Kohlenlagern  an  der  Ruhr  für  die  bergbaulichen  und
gewerblichen  Interessen  erwachsen,  und  welche  außerdem  diese  Schienenverbindung
der  von  derselben  durchschnittenen  Gegend  gewährt,  der  Rheinischen  Eisenbahnzesellicaft
  zum  Bau  und  Betriebe  der  vorbezeichneten  Eisenbahnlinie  hiermit  die
andesherrliche  Genehmigung  ertheilen.

Wir  verordnen,  daß  auf  den  vorgedachten  Bahnbau  die  Porschritten  des
Gesetzes  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen  vom  3.  November  1838.)  insbesondere
diejenigen  über  die  Erpropriation,  ingleichen  das  Gesetz  über  die  von  den  Eisenbahnen
  zu  entrichtenden  Abgaben  vom  30.  Mai  1853.  Anwendung  finden  sollen.

Die  Statuten  der  Rhbeinischen  Eisenbahngesellschaft,  sowie  die  generellen
Bestimmungen  der  §.  11—17.  des  unterm  5.  März  1856.  von  Uns  genehmigten
Statutnachtragen  sollen  für  die  hierdurch  konzessionirte  Erweiterung  des  Unternehmens
  in  gleichem  Maaße,  wie  für  das  Hauptunternehmen  und  dessen  seitherige
Erweiterungen  gelten.

Die  finanziellen  Resultate  der  zu  erbauenden  Eisenbahn  sollen  auf  die  im

6.  des  Statutnachtrages  vom  5.  März  1856.  vorgesehene  Berechnung  eines
Reinertrages  von  54  Prozent  keinen  Einfluß  üben)  sondern  es  soll,  so  lange,
als  die  mittelst  Unserer  Order  vom  2.  Juni  1860.  bewilligte  Zinsgarantie  des
Staats  für  das  Anlagekapital  der  Brücke  zwischen  Coblenz  und  Edrenbreitstein
fortdauert,  über  die  Betriebsresultate  der  zu  erbauenden  Eisenbahn  eine  von  dem
in  dem  bezogenen  §.  6.  des  Statutnachtrages  bezeichneten  Reinertrage  getrennte
Rechnung  geführt  werden.

Die  gegenwirtige  Urkunde  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  bekannt  zu  machen.

Urkundlich  unter  Unserer  Hochsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  30.  Januar  1867.
(#u.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

 

"Br.  6547—6549.)  (Nr.  6548.)
        <pb n="384" />
        —  206  —

(Nr.  6548.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  4.  Februar  18672,  betreffend  die  Verschmelzung  des
Telegraphenwesens  in  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein  mit
dem  Preußischen  Telegraphenwesen.

Ar#  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  9.  Januar  d.  J.  genehmige
Ich,  daß  das  Telegraphenwesen  in  den  Her  osthümern  Schleswig  und  Holstein
mit  dem  Preußischen  Telegraphenwesen  verschmolzen  worden  ist.

Berlin,  den  4.  Februar  1867.

Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

 

(Nr.  6549.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  der  unter  der  Firma:
„Nordstern,  Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft“  mit  dem  Sitze  zu  Berlin
errichteten  Aktiengesellschaft.  Vom  4.  Februar  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  30.  Januar
1867.  die  Erechtang  einer  Aältiengesellshaft  unter  der  Firma:  „Nordstern,
Lebensversicherun  “  vJr  mit  dem  Sitze  zu  Berlin,  sowie  deren
Statut  vom  4.  Dezember  1866.  zu  genehmigen  geruht.
Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statute  wird  durch  das  Amtsblatt  der
Königlichen  Regierung  u  Potsdam  und  der  Stadt  Berlin  bekannt  gemacht  werden.
Berlin,  den  4.  Februar  1867.

Der  Minister  für  Handell  Gewerbe  Der  Minister  des  Innern.
und  öffentliche  Arbeiten.

Gr.  v.  Ictzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreau  bes  Staats-Ministerlums.
Berlin)  gedruckt  in  der  Königli  Geheimen  Ober-Sofbuchdruckerel
*4  E#  *
        <pb n="385" />
        —  209  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  14.  —

 

(Nr.  6550.)  Verordnung,  betreffend  die  Anstellung  der  Justizbeamten  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen.  Vom  8.  Februar  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

verordnen  für  das  Gebiet  der  neu  erworbenen  Landestheile,  was  folgt:

S.  1.

Wer  in  den  älteren  Provinzen  der  Preußischen  Monarchie  die  dritte  jurf  ische
Prüfung  bestanden  hat,  ist  befähigt,  auch  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen
das  Amt  eines  Richters,  Advokaten,  Anwalts,  Notars  oder  Beamten  der  Staatsbehörde
  zu  bekleiden.

Ingleichen  können  Justizbeamte,  welche  mn  einem  der  neuen  Landestheile
die  Befähigung  zum  Richteramte  erlangt  haben,  in  jedem  anderen  derselben  als
Richter,  Advokaten,  Anwalte,  Notäre  oder  Beamte  ber  Staatsbehörde  angestellt
werden.

Für  die  Ernemung  zum  etatsmäßigen  Mitgliede  eines  Obergerichts,
Appellationsgerichts  oder  Ober-Appellationsgerichts  ist  jedoch  außerdem  erforderlich,
  daß  der  Beamte  mindestens  vier  Jahre  als  etatsmäßiger  Richter  oder  als
Beamter  der  Staatsanwaltschaft  in  den  älteren  Provinzen  oder  in  einem  der
neuen  Landestheile  definitiv  angestellt  gewesen  ist.

G.  2.

Wer  mindestens  vier  Jahre  die  Stelle  eines  ordentlichen  Professors  der
juristischen  Fakultät  bei  einer  Preußischen  Universität  bekleidet  hat,  kann  zum  etatsmäßigen
  Mitgliede  eines  jeden  Gerichts  ernannt  werden,  ohne  daß  die  Ablegung
der  *  Richter  vorgeschriebenen  Prüfung  oder  der  Rachweis  einer  praktischen
Beschäftigung  als  solcher  während  eines  bestimmten  Zeitraums  erforderlich  ist.

g.  3.

Das  Recht  der  Provinziallandschaften  im  ehemaligen  Königreich  Hannover,
Räthe  des  Ober-Appellationsgerichts  in  Celle  zu  präsentiren,  wird  aufgehoben.
Johrgong  1867.  (TNr.  6550—6551.)  29  Bei

Ausgegeben  zu  Berlin  den  22.  Februar  1867.
        <pb n="386" />
        —  210  —

Bei  Ernennung  der  Räthe  dieses  Gerichtshofes  findet  eine  Mitwirkun
desselben,  insbesondere  durch  Anstellung  eines  sogenannten  Skrutiniums  und  durh
Prüfung  vor  einer  Kommission  des  Kollegiums,  nicht  ferner  statt.
lie  diesen  Anordnungen  entgegenstehenden  Bestimmungen  treten  außer  Kraft.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Infiegel.
Gegeben  Berlin,  den  8.  Februar  1867.

.  s.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  6551.)  Vertrag  zwischen  Preußen  und  Schwarzburg-Sondershausen  wegen  der  Anlage
einer  Eisenbahn  von  Nordhausen  nach  Erfurt.  Vom  21.  Dezember  1866.

S.ne  Majestät  der  König  von  Preußen  und  Seine  Durchlaucht  der  Fürst  von
Schwarzburg  ·  Sondershausen,  von  dem  Wunsche  geleitet,  die  Verkehrsbeziehungen
wischen  den  beiderseitigen  Staatsgebieten  durch  Herstellung  einer  dieselben  verbindenden
  Eisenbahn  zu  erweitern,  haben  zum  Behufe  einer  hierüber  zu  treffenden

Vereinbarung  zu  Bevollmächtigten  ernannt:

Seine  Majestät  der  König  von  Preußen:

Allerhöchstihren  Wirklichen  Legationsrath  Paul  Ludwig  Wilhelm
ordan,

Marsschsthun  Geheimen  Regierungsrath  Ludwig  August  Wilhelm
Heise;
Seine  Durchlaucht  der  Fürst  von  Schwarzburg-Sondershausen:
Höchstihren  Landrath  Eduard  Ferdinand  Bernhard  Maempel,
welche  nach  Auswechselung  ihrer  in  guter  und  gehöriger  Form  befundenen  Vollmachten,
  unter  Vorbehalt  der  Ratifikation,  folgenden  Vertrag  abgeschlossen  haben:
Artikel  1.

Die  Königlich  Preußische  und  die  Fürstlich  Schwarzburg-  Sondershausensche
Regierung  vrpflichen  sich  wechselseitig  eine  Eisenbahn  von  Nordhausen  über  ee
ausen
        <pb n="387" />
        —  211  —

hausen  nach  Erfurt  Aeiuulassen  und  zu  fürdem,  umd  wird  die  Fürstlich  Schwarzburgische
  Regierung  die  Konzession  für  den  Bau  und  den  Betrieb  der  Bahn  nebst
dem  Rechte  der  ropriation  der  zur  Anlage  der  Bahn  erforderlichen  Grundstücke
  für  die  in  Ihrem  Gebiete  belegene  Strecke  derselben  Aktiengesellschaft  erheilen
  /  welche  für  die  Strecken  im  Königlich  Preußischen  Gebiete  konzessionirt
werden  wird.

Artikel  2.

Die  Fuͤrstlich  Schwarzburgische  Regierung  wird  in  Bezug  auf  die  in  Ihrem
Gebiete  belegene  4  der  Eitnd  n  *  nah  Erfurt  die  Bestimmungen
  des  Königlich  Preußischen  Gesetzes  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen
vom  3.  November  1838.  beziehungsweise  die  dazu  ergangenen  und  noch  ergehenden
  Abänderungen  und  Ergänzungen  Feichfalls  zur  Anwendung  bringen,  sowe
im  gegenwärtigen  Vertrage  nicht  ein  Anderes  vereinbart  ist.

Artikel  3.

Bei  Ertheilung  der  Konzesseon  an  die  Gesellschaft  wird  die  Fürstlich
Schwarzburgische  Regierung  derselben  nach  Maaßgabe  ihres  Königlich  Preußischer
Seits  bestätigten  Gesellschaftsstatuts  auch  in  dem  Fürstlichen  Gebiete  die  Rechte
einer  Korporation  zugestehen.

Die  Gesellschaft  hat  jedech  ihr  Domist-  und  den  Sit  ihrer  Verwaltung
in  Preußen  zu  nehmen  und  in  Bezug  auf  alle  Maaßnahmen  und  Festsetzungen,
welche  die  Verhältnisse  der  Gesells  3  als  solcher  und  die  Beaufsichtigung  und
Verwaltung  des  Unternehmens  im  Allgemeinen  betreffen,  lediglich  von  der  Königlich
  Preußischen  Regierung  zu  ressortiren.  Insbesondere  sollen  auch  die  Bestätigung
  von  künftigen  Umgestaltungen  und  Abänderungen  der  Gesellschafts-Statuten,
  die  Genehmigung  von  Erweiterungen  des  Unternehmens  und  der
Anlage  neuer  Stationen,  sowie  der  Aufnahme  von  Darlehnen  und  der  Emission
neuer  Stamm-  und  Prioritäts-Aktien  oder  Prioritäts-Obligationen  der  Königlich
Preußischen  Regierung  allein  anheimgestellt  bleiben,  welche  jedoch,  bevor  sie  eintretenden
  Falles  eine  Entscheidung  in  F#e-  der  bezeichneten  Art  trifft,  der
Fürstlich  Schwarzburgischen  Regierung  Gelegenheit  geben  wird,  ihre  bezüuglichen
Wünsche  zu  äußern.  ·

Auf  Verlangen  der  Fürstlich  Schwarzburgischen  Regierung  soll  die  Gesellschaft
  verpflichtet  sein,  anderen  im  Fürstlich  Schwarzburgischen  Gebiete  anzuschließenden
  Eisenbahnen  auf  den  Bahnhöfen,  welche  in  diesem  Gebiete  anzulegen
sind  (Art.  4.),  die  Einmündung  zu  gestatten.

Artikel  4.

Die  Bahn  soll  in  thunlichst  direkter  Richtung  von  Nordhausen  über
Sondershausen  und  Greußen  nach  Erfurt  geführt  werden.  Im  Fürstlich  Schwarzburgischen
  Gebiete  sollen  Bahnhöfe  für  Personen=  und  Güterverkehr  in  Sonders.
hausor  und  Greußen  angelegt  werden.

Die  spezielle  Festtellng  der  Bahnlinie,  wie  des  gesammten  Bauplanes
und  der  einzelnen  Bauentwürfe,  sowie  insbesondere  auch  die  Revision  und  Fest-(Nr.

  6551.)  29“  setzung
        <pb n="388" />
        —  212  —

setzung  aller  Kostenanschläge,  bleibt  der  Königlich  Preußischen  Regierung  vorbehalten.
  Jedoch  soll  die  landespolizeiliche  Festsetzung  der  Wegeübergänge,  Brücken,
Durchlässe,  Flußkorrektionen  und  Parallelwege  im  Fürstlich  Schwarzburgischen
Gebiete  den  dortigen  kompetenten  Behörden  zustehen.  Dasselbe  gilt  von  der  baupolizeilichen
  Prüfung  der  Bahnhofsgebäude.

Artikel  5.

Die  Punkte,  wo  die  Bahn  die  befverseitigen.  Landesgrenzen  überschreitet,
sollen  nöthigen  Falles  durch  deshalb  abzuordnende  beiderseitige  technische  Kommissarien
  näher  bestimmt  werden.

Artikel  6.

Der  Königlich  Preußischen  Regierung  bleibt  freigestellt,  dem  Bahnkörper
die  für  zwei  Geleise  erforderlichen  Abmessungen  geben  und  zur  Ausführung  des
zweiten  Geleises  nach  eigenem  Ermessen  schreiten  zu  lassen.

Artikel  7.

Der  Fürstlich  Schwarzburgischen  Regierung  verbleibt  die  Landeshoheit  hinsichtlich
  der  in  Ihrem  Gebiete  belegenen  Bahnstrecke.  Die  auf  letzterer  zu  errichtenden
  Hoheitszeichen  sollen  daher  die  Fürstlich  Schwarzburgischen  sein.  Uebertretungen,
  Vergehen  und  Verbrechen  in  Bezug  auf  die  Bahnanlage  oder  deren
Betrieb  sollen,  sofern  sie  im  Fürstlich  Schwarsburzicchen  Gebiete  ausgeübt  sind,
von  den  betressenden  Fürstlich  Schwarzburgischen  Behörden  untersucht  und  nach
den  dortigen  Gesetzen  beurtheilt  werden.

Der  Fürstlich  Schwarzburgischen  Regierung  bleibt  vorbehalten,  zur  Regelung
des  Verkehrs  zwischen  Ihr  und  der  Gesellschaft,  sowie  zur  Handhabung  der  Ihr
über  die  baressende  Bahnstrecke  nach  diesem  Vertrage  zustehenden  Hoheits-  und
Aufsichtsrechte  einen  ständigen  Kommissarius  zu  bestellen.  Derselbe  hat  die  Beziehungen
  seiner  Regierung  zu  der  Esenbahnverwaltung  in  allen  Fällen  zu
vertreten,  die  nicht  zum  direkten  gerichtlichen  oder  polizeilichen  Einschreiten  der
kompetenten  Behörden  geeignet  sind.  Die  Eisenbahnverwaltung  hat  sich  bei  Angelegenheiten
  territorialer  Natur,  welche  hiernach  von  jenem  Kommissar  ressortiren,
an  diesen  zu  wenden.  Artikel
rtikel  8.

Die  Fucktich  Schwarzburgische  Regierung  wird  von  den  auf  der  Bahn
das  Fürstliche  Gebiet  passirenden  Transporten  niemals  eine  Durchgangsabgabe
erheben,  desgleichen  sollen  hinsichtlich  der  auf  dieser  Strecke  transitirenden  Güter
und  Personen  niemals  den  Verkehr  irgendwie  erschwerende  zoll,  und  steueramtliche
Kontrolmaaßregeln  eintreten.  Auch  wird  die  Fürstlich  Schwarzburgische  Regierun
von  der  mehr  bezeichneten  Ssenpahsellchas  weder  Konzessionsgeld,  moch
irgend  eine  Abgabe  fordern,  vielmehr  diese  Gesellschaft  volle  Freiheit  von  der
Grundsteuer  und  jeder  Gewerbesteuer  zugestehen.  Dagegen  wird  die  Königlich
Preußische  Regierung  nach  Maaßgabe  Ihrer  Gesetze  vom  30.  Mai  1853.  un
21.  Mai  1859.,  sowie  der  dazu  etwa  noch  ergehenden  abändernden  und  ergänzen-
        <pb n="389" />
        —  213  —

serden  Bestimmuungen  von  dem  gesammten  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahnnternehmen,
  einst  eßlich  der  im  Fürstlich  Schwarz  kugicen  Gebiete  belegenen
Strecke,  eine  Abgabe  erheben,  welche  nach  Verhältniß  der  Meilenzahl  der  in  Ihren
resp.  Gebieten  gelegenen  Bahnstrecken  zwischen  der]  Königli  reußischen  und
Fürstlich  Schwarzburg-  Sondershausenschen  Regierung  vertheilt  wird.

Die  Königich  Preußische  Regierung  wird  alljährlich  sofort  nach  Fesshellung
und  Einziehung  der  Abgabe  der  Fürstlich  Schwarzburgischen  Regierung  Mittheilung
  machen  und  den  Ihr  gebührenden  Antheil  an  die  von  Ihr  zu  bezeichnende
Einnahmestelle  abführen  lassen.

Artikel  9.

Die  Bahnpolizei  soll  für  das  gesammte  Bahnunternehmen  von  Nordhausen
  bis  Erfurt  in  Gemäßheit  des  für  jedes  Staatsgebiet  besonders  zu  publizirenden
  Bahwpollzei,  Reglememss  nach  übereinstimmenden  Grundsätzen  gehandhabt
werden.  ie  Fürstlich  Schwarburgicche  Regierung  wird  zu  diesem  Iwecke  das
von  der  Königlich  Preußischen  Regierung  festzustellende  Bahnpolizei-Reglement,
soweit  nicht  lokale  Verhältnisse  einzelne  Abweichungen  unvermeidlich  machen
möchten,  auch  für  die  Bahnstrecke  in  Ihrem  Gebiete  in  Kraft  setzen.

Die  Anstellung  und  Beaufsichtigung  nicht  nur  der  Bahnpolizei.  Beamten,
sondern  auch  aller  übrigen  Betriebsbeamten  soll  lediglich  der  Eisenbahngesellschaft,
  beziehungsweise  den  zuständigen  Königlich  Preußischen  Behörden  gebühren.
Bei  der  Besetzung  der  Beamtenstellen,  insbesondere  der  ahpwärter  und  Weichensteller-Posten,
  im  Fürstlich  Schwarzburgischen  Gebiete  sollen  thunlichst  Fürstliche
Unterthanen  berücksichtigt  werden.  Im  Uebrigen  sollen  die  Gesellschaftsbeamten
den  Landesgesetzen  des  Staates  unterworfen  sein,  in  welchem  sie  ihren  Wohnsitz
baben  Die  Staatsangehörigen  des  einen  Staates;,  welche  im  Gebiete  des  anern
  Staates  angestellt  werden  möchten,  scheiden  dadurch  aus  dem  Unterthanenverbande
  ihres  Heimathslandes  nicht  aus.  Endlich  sollen  die  von  der  Königlich
Preußischen  Regierung  geprüften  Betriebsmittel  ohne  weitere  Revision  auch  in
dem  Gebiete  der  Fürsi  Schwarzburgischen  Regierung  zugelassen  werden.

Artikel  10.

Die  Bestimmung  der  Fahrten,  Fahrzeiten  und  Transportpreise  steht  ausschließlich
  der  Königlich  Preußischen  Regierung  zu.  Es  ist  jedoch  vereinbart,  daß
sämmtliche  fahrplanmäßigen  Züge,  einschließlich  der  etwaigen  Kurierzüge,  auf
dem  Bahnhof  zu  Sondershausen  anhalten.  Sowohl  im  Personen,  als  im  Güterverkehr
  soll  zwischen  den  beiderseitigen  Unterthanen  weder  hinsichtlich  der  Beförderungspreise
  noch  der  Zeit  der  Abfertigung  ein  Unterschied  gemacht  werden.

Die  Förmlichkeiten  wegen  der  Paßrevision  und  überhaupt  der  Fremdenbolhei
  sollen  in  der  in  jedem  der  kontrahirenden  Staaten  zulässigen  günstigsten
eise  gehandhabt  werden.

(Nr.  6551.)  Ar.
        <pb n="390" />
        —  214  —

Artikel  11.

Die  Fürstlich  —  —  Regierung  wird  auf  der  in
Ihrem  Gebiete  belegenen  Bahnstrecke  andere  Unternehmer  ohne  vorgängige  Verständigung
  mit  der  Königlich  Preußischen  Regierung  nicht  zulassen.

Artikel  12.

Sollte  die  Königlich  Preußische  Regierung  von  der  Gesellschaft,  sei  es  auf
Grund  der  Bestimmungen  des  §.  42.  des  Königlich  Preußischen  Gesetzes  über
die  Eisenbahn-Unternehmungen  vom  3.  November  1838.)  oder  im  Wege  des  Vertrages,
  oder  aus  sonstigem  Rechtstitel  die  den  Gegenstand  gegenwärtigen  Vertrags
  bildende  Eisenbahn  an  sich  bringen,  und  auf  diese  Weise  auch  in  Bezug
8  die  im  Fürstlich  Schwarzburgischen  Gebiete  belegene  Strecke  in  alle  Rechte
und  Verbindlichkeiten  der  Gesell  aft  eintreten,  so  soll  dadurch  die  Stellung  der
Fürstlich  Schwarzburgischen  Re  ierung,  zu  dem  Unternehmen  keine  ungünstigere
werden,  als  wenn  dasselbe  im  Beste  er  Gesellschaft  verblieben  wäre.

Artikel  13.

Die  Fürstlich  Schwariburgis  ee  Regierung  gestattet  der  Königlich  Preu-Kischen
  Postverwaltung,  die  auf  der  Eisenbahn  sich  bewegenden  Züge  in  beliebiger
Weise  und  in  beliebigem  Umfange  zur  Beförderung  von  Postsendungen  aller  Art
im  Transit  durch  das  Fürstliche  Gebiet  benutzen  zu  lassen,  ohne  für  diesen  Transit
irgend  eine  Abgabe  zu  bcanspruchen.  Dagegen  gewährt  die  Königlich  Preußische
Postverwaltung  für  den  Fall,  daß  das  gegenwärtig  bestehende  Verhältniß,  wonach
die  Königlich  Pirußich  Regierung  das  Postwesen  in  der  Unterherrschaft  des
Fürstenthums  mitverwaltet,  aufhören  sollte,  der  Fürstlich  Schwarzburgischen
Regierung  die  Mitbenutzung  der  auf  der  Eisenbahn  kursirenden  Königlich  Preußischen
  Posttransporte  innerhalb  des  Fürstlichen  Gebietes  für  Sendungen  nach
und  von  den  Postanstalten  der  Route.  Diese  Mitbenutzung  der  Preußischen
Posttransporte  soll  unentgeltlich  und  nur  gegen  Erstattung  etwaiger  baarer  Auslagen
  an  Eisenbahn-Frachtgebühren  geschehen.

Die  Fürstlich  Schwarzburgische  Regierung  wird  der  Eisenbahngesellschaft
die  Verpflichtung  auferlegen,  der  Geaeder  Pn  nerwaltung  bezü  Ech  des  auf
Fürstlichem  Gebiete  belegenen  Theiles  der  Eisenbahn  dasselbe  zu  leisten,  was  die
Gesellschaft  der  Königlich  Preußischen  Postverwaltung  gegenüber  auf  Preußischem
Gebiete  zu  leisten  haben  wird.

Artikel  14.

Die  Fürstlich  Schwarzburgische  Regierung  gestattet  der  Königlich  Preußischen
  Regierung  die  Herstellung  und  Benutzung  von  Telegraphenlinien,  welche
dieselbe  längs  der  Eisenbahn  oberirdisch  oder  unterirdisch  durch  das  Fürstliche
Gebiet  zu  sioren  veranlaßt  sein  möchte,  sichert  den  Preußischen  Telegraphen--an-
        <pb n="391" />
        —  215  —

anlagen  auch  den  in  den  aeesgeshe  begrundeten  Schutz  zu,  und  wird  der
Eisenbahngesellschaft  bezüglich  der  auf  Fürstlichem  Gebiete  belegenen  Babnstrecke
dieselben  Verpflichtungen  gegen  die  Königlich  Preußische  Telegraphenverwaltung
auern  welche  die  Gesellschaft  bezüglich  der  in  Preußen  belegenen  Bahnstrecken
zu  erfüllen  haben  wird.

Artikel  15.

Nöchichtlich  der  Benutzung  der  Eisenbahn  von  Nordhausen  nach  Erfurt
#  Zwecken  der  Militairverwaltung  ist  man  über  folgende  Punkte  übereingekommen:


1)  Für  alle  Transporte  von  Militairpersonen  oder  Militaireffekten,  welche
für  Rechnung  der  Königlich  Preußischen  oder  der  Fürstlich  Schwarzburischen
  Militairverwaltung  auf  der  vorgenannten  Eisenbahn  bewirkt  weren,
  wird  den  beiderseitigen  Militairverwaltungen  völlige  Gleichstelung
zugesichert,  dergestalt,  i  die  Zahlung  dafür  an  die  Eisenbahnverwaltung
  nach  ganz  gleichen  Grundsätzen  erfolgen  soll.

2)  Wenn  in  Folge  außerordentlicher  Umstände  auf  Anordnung  einer  der
kontrahirenden  Hoben  Regierungen  größere  Truppenbewegungen  auf  der
mehrgedachten  Eisenbahn  stattfinden  sollen,  so  liegt  der  Eisenbahnverwaltung
  die  Pflicht  ob,  für  diese  und  für  Sendungen  von  Waffen,
Kriegs=  und  Verpflegungsbedürfnissen,  sowie  von  Militaireffekten  jeglicher
Art,  insoweit  solche  Sendungen  zur  Heförderung  auf  Eisenbahnen  überhaupt
  geeignet  sind,  nöthigenfalls  auch  außergewöhnliche  Fabrten  zu  veranstalten
  und  für  dergleichen  Transporte  ihre  Transportmittel  zu  verwenden
  und  in  Stand  zu  setzen,  nicht  minder  die  mit  Militairpersonen
besetzten  und  die  mit  Militaireffekten  beladenen,  von  einer  anstoßenden
Eisenbahn  kommenden  Transportfahrzeuge  auf  die  eigene  Bahn  zu  übernehmen
  und  mit  ihren  Lokomotiven  weiter  zu  führen.

Die  Leitung  aller  solcher  Transporte  bleibt  jedoch  lediglich  dem
Dienstpersonale  der  betreffenden  Eisenbahnverwaltung  überlassen,  dessen
Anordnungen  während  der  Fahrt  unbedingt  Folge  #  leisten  ist.  Hinsichtlich
  des  an  die  Eisenbahnverwaltung  zu  entrichtenden  Fahrgeldes  tritt,
wie  unter  I.,  eine  völlige  Gleichstellung  der  beiderseitigen  Militairverwaltungen
  ein.

Als  Fahrpreis  für  den  Transport  von  Truppen,  Militaireffekten
und  sonstigen  Armeebedürfnissen  sollen  keine  höheren,  als  die  jeweilig
auf  den  Preußischen  Staatsbahnen  geltenden  Sätze  zur  Erhebung  gelangen.

Artikel  16.

Gegenwärtiger  Vertrag  soll  zur  landesherrlichen  Ratifikation  vorgelegt  und
(Nr.  6551.)  die
        <pb n="392" />
        —  216  —

die  Auswechselung  der  darüber  ausgesertigten  Urkunden  sobald  als  möglich,  spätestens
  aber  binnen  vier  Wochen,  in  Berlin  bewirkt  werden.

Dessen  zu  Urkund  ist  dieser  Vertrag  von  den  beiderseitigen  Bevollmächtigten
  unterzeichnet  und  besiegelt  worden.

So  geschehen  zu  Berlin,  am  21.  Dezember  1866.

(L.  S.)  Paul  Ludwig  Wilhelm  Jordan.
(L.  8.)  Ludwig  August  Wilhelm  Heise.
(L.  8S.)  Eduard  Ferdinand  Bernhard  Maempel.

Vorstehender  Vertrag  ist  ratifizirt  und  die  Auswechselung  der  Ratifkations-Urkunden
  bewirkt  worden.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerel
(R.  v.  Decker).
        <pb n="393" />
        —  217  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  15.  —

 

(Nr.  6552.)  Gesetz,  betreffend  die  Erweiterung  mehrerer  Bestimmungen  der  Gesetze  vom
6.  Juli  1865.  und  16.  Oktober  1866.  Vom  9.  Februar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  was  folgt:

S.  1.
Die  in  den  IF.  12.  und  13.  des  Gesetzes  vom  6.  Juli  1865.  ausgeworfenen
  Verwundungs=  resp.  Verstümmelungszulagen  werden:
a)  die  Verwundungszulage  von  1  Thaler  auf  2  Thaler,

b)  die  Verstümmelun  agen  von  resp.  3  Thalern  und  5  Thalern  auf
resp.  5  Thaler  und  10  Thaler  erhöht.

Diese  Zulagen  werden  fortan  nicht  allein  den  Militairinvaliden  vom  Oberfeuerwerker
  2c.  abwärts,  sondern  auch  den  unteren  Militairbeamten  (Klassifikation
vom  17.  Juli  1862.)  nach  Maaßgabe  der  Bestimmungen  des  vorgedachten  Gesetzes
gewährt.  Die  erwähnten  Zulagen  bilden  einen  integrirenden  heil  der  Pension.

iei
Dige  Pensionszulagen  können  durch  richterliches  Erkenntniß  nicht  entzogen
werden  und  verbleiben  den  Empfängern  auch  bei  Versorgung  in  Invaliden-Instituten,
  sowie  bei  Anstellung  im  Civildienst  neben  den  sonst  musändige  Kompetenzen
an  Gchalt,  Pension  2c.
F.  3.
Die  Wittwen  der  im  Kriege  gebliebenen  oder  an  den  erlittenen  Verwundungen
  gestorbenen,  sowie  der  im  Pee  beschädigten  oder  erkrankten  und  in  Folge
dessen  bis  zum  Tage  der  Demobilmachung  verstorbenen  Militairpersonen  der

Feldarmee  vom  Oberfeuerwerker  2c.  abwärts,  erhalten  im  Falle  des  Bedürfnisses
Johrgang  1887.  (Tr.  6552.  30  und

Ausgegeben  zu  Berlin  den  26.  Februar  1867.
        <pb n="394" />
        —  218  —

und  so  lange  sie  im  Wittwenstande  bleiben,  Unterstützungen  aus  Staatsmitteln,
und  zwar:

a)  die  Wittwen  der  Oberfeuerwerker  2c.  (I.  6.  Pos.  1.  des  Gesetzes  vom
6.  Juli  1865.)  100  Thaler,

b)  die  Wittwen  der  Sergeanten  und  Unteroffiziere  (§.  6.  Pos.  2.  und  3.
des  Gesetzes  vom  6.  Ji  1865.)  75  Thaler,

und

c)  die  Wittwen  der  übrigen  Soldaten  (K.  6.  Pos.  4.  des  Gesetzes  vom
6.  Juli  1865.)  50  Thaler
jährlich.
Denselben  Anspruch  haben  die  Wittwen  der  unteren  Militairbeamten.
War  den  Männern  ein  bestimmter  Militairrang  nicht  beigelegt,  so  entscheidet
für  die  Höhe  der  Unterstützung  das  diesen  zuletzt  gewährte  Diensteinkommen,
ergestalt,  daß  "  '
1)  die  Wittwen  der  Beamten  mit  einem  Einkommen  bis  zu  140  Thalern
jährlich  auf  die  Beihülfe  (ad  c.)  von  50  Thalern,
2)  die  Wittwen  der  Beamten  mit  einem  Einkommen  von  140  Thalern
bis  zu  215  Thalern  jährlich  auf  die  Beihülfe  (ad  b.)  von  75  Thalern,  und
3)  die  Wittwen  der  Beamten  mit  einem  Einkommen  von  215  Thalern  und
darüber  jährlich  auf  die  Beihülfe  (ad  a.)  von  100  Thalern

jährlich  Anspruch  haben  sollen.

Waren  jedoch  die  Beamten  vorher  Soldaten,  und  bedingte  der  von  ihnen
bekleidete  Militairrang  eine  höhere  Unterstützung,  als  das  ihnen  suuet  gewährte
Beamten-Diensteinkommen,  so  wird  den  Wittwen  die  höhere  Beihülfe  gewährt.

K.  4.

Für  die  Kinder  der  im  §.  3.  bezeichneten  Militairpersonen  wird  im  Falle
des  Bedürfnisses  bis  zum  vollendeten  15ten  Lebensjahre  derselben  eine  Erziehungsbeihülfe,
  für  jedes  Kind  im  Betrage  von  30  Thalern  jährlich,  gewährt.  FIsofern
  diese  Beihülfe  nicht  aus  den  Einkünften  des  Potsdamer  großen  Militair=Waisenhauses
  geleistet  werden  sollte,  erfolgt  dieselbe  aus  den  allgemeinen  Staatsmitteln.


S.  5.
Die  nach  3.  erforderliche  Zugehörigkeit  zur  Feldarmee  wohnt  allen
zur  unmittelbaren  Aktion  gegen  den  Feind  bestimmten  Truppenkorps  bei.
Bei  allen  anderen  Truppenkorps  und  Militairbehörden  sind  der  Kategorie
  des  K.  3.  gleichzuachten:  Diejenigen,  vom  Tage  der  Mobilmachung  resp.
er  Kriegsformation  ab  im  Dienste  betmich  gewesenen  resp.  dazu  eingchogenen
14
        <pb n="395" />
        —  219  —

Militairpersonen,  vom  Oberfeuerwerker  2c.  abwärts,  und  die  unteren  Militairbeamten,
  denen  in  Folge  der  eingetretenen  kriegerischen  Verhältnisse  außerordentliche
  Anstrengungen  und  Entbehrungen  auferlegt,  oder  welche  dem  Leben
und  der  Gesundheit  geshrüschen  Einflüssen  ausgesetzt  werden  mußten.

Die  Entscheidung,  ob  das  Eine  oder  das  Andere  der  Fall  gewesen,  wird
sowohl  für  ganze  Truppentheile,  als  auch  für  einzelne  Personen  durch  das
Kriegsministerium  erfolgen.

Für  die  Begrenzung  des  Anspruches  gilt  auch  hier,  daß  der  Tod  bis  zum
Tage  der  Demobilmachung  resp.  Auflösung  der  Kriegsformation  eingetreten  ist.

Die  Bestimmungen  dieses  Paragraphen  finden  die  gleiche  Anwendung  bei
Beurtheilung  der  Ansprüche  der  Wittwen  und  Kinder  gesterörner  Offiziere  und
oberen  Militairbeamten  (Gesetz  vom  16.  Oktober  1866.).

G.  6.

Dies  Gesetz  wird  innerhalb  der  entsprechenden  Chargen  auch  auf  die  Königliche
  Marine  und  auf  die  bereits  pensionirten  Militairinvaliden  und  unteren
Militairbeamten,  sowie  auch  auf  die  Wittwen  und  Waisen  der  in  den  biherigen
  Kriegen  Gebliebenen  und  Gestorbenen  (§9.  3—  5.)  in  Anwendung  gebracht.

S.  7.
Durch  die  Bestimmungen  der  §9.  3.  und  4.  wird  an  der  Vorschrift  des
S.  12.  des  Gesetzes  vom  27.  Februar  1850.,  beiresfend  die  zinterstütung  der  bedürftigen
  Familien  zum  Dienste  einberufener  Reserve=  und  Landwehrmannschaften,
  nichts  geändert.
S.  8.
Mit  der  Ausführung  des  Gesetzes  ist  der  Kriegs-  und  Marineminister
beauftragt.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  9.  Februar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6552—6553.)  30“  (Nr.  6553.)
        <pb n="396" />
        —  220  —
(Nr.  6553.)  Vorfluthsgeseh  für  Reuvorpommern  und  Rügen.  Vom  9.  Februar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  7.

verordnen  für  Neuvorpommern  und  Rügen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des
Landtages  Unserer  Monarchie,  was  folgt:

Abschnitt  I.
Unterhaltung  der  Wasserläufe  Behufs  Sicherung  der  Vorfluth.
KC.  1.

Die  Räumung  und  Unterhaltung  der  vorhandenen  Gräben  und  anderen
natürlichen  und  künstlichen  Privatwasserläufe  liegt,  sofern  nicht  spezielle  Rechtstitel,
  umumterbrochene  ewochnheiten  oder  Ortsstatuten  ein  Anderes  bestimmen,
den  Uferbesitzern  —  und  zwar  den  gegemüberliegenden  bis  zur  Mitte  —  insoweit
ob,  als  es  zur  Beschaffung  und  Erse  tung  der  Vorfluth  erforderlich  ist.

KS.  2.
„Die  Polhzeibehörde  ist  ermächtigt,  die  Verpflichteten  sür  Räumung  oder
Unterhaltung  (9.  1.)  unshaltent  sobald  aus  deren  Vernachlässigung  Nachtheile
ür  die  —i  anderer  Gründstücke  oder  nutzbarer  Anlagen  oder  für  die  Gesundeit
  der  Anwohner  entstehen.
Wenn  über  die  Verpflichtung  Streit  unter  den  Betheiligten  Fnsteht  #  ist
die  Räumung  oder  Unterta  tung  bis  zur  ’yVr  Entscheidung  nach  Maaßabe
  des  rl  standes,  und  wenn  auch  dieser  nicht  feststeht,  von  den  Uferbesitzern
⅛.  I.)  zu  bewirken.  «  5

Wo  die  Räumung  oder  Unterhaltung  durch  Naturalleistungen  der  einzelnen
Uferbesitzer  wegen  der  Lile  oder  geringen  Ausdehnung  der  Grundstücke
oder  aus  anderen  Gründen  erfahrungsmäßig  mangelhaft  geschieht,  da  können  die
fmunklichen  Räumungspflichtigen  nach  vorgängiger  Vernehmung  der  Betheiligten
urch  ein  von  der  Bezirksregierung  festzustellendes  Reglement  verpflichtet  werden,
die  Arbeiten  gemeinschaftlich  r  Geld  machen  zu  lassen  und  die  Kosten  nach  Verhältniß
  ihrer  bisherigen  Verpflichtung  aufzubringen.

Abschnitt  II.
Vorschriften  zur  Verhütung  von  Schaden  durch  Stauungsanlagen.
KG.  4.

Jeder  Besitzer  einer  Stauanlage  muß  sich  auf  Antrag  und  Kosten  Derjenigen,
  welche  dabei  interessirt  sind,  die  Setzung  eines  Meripne  gefallen  B  en.
        <pb n="397" />
        —  221  —

d.

Diese  Setzung  muß  durch  sachverständige  Kommissarien  der  Bezirksregierung
und  unter  Zuziehung  sämmtlicher  Interessenten  vor  einer  aus  einem  Richter  un
einem  Protokollführer  bestehenden  Kommission  des  zuständigen  Gerichts  erfolgen.

Die  Gerichtskommission  hat  über  die  Anordnungen  der  sachverständigen
Kommissarien,  die  Erklärungen  der  Interessenten  und  deren  Legitimation  eine,
den  ganzen  Akt,  dessen  Rechtsgültigkeit  und  Beglaubigung  betreffende  Verhandlung
aufzunehmen.  Diese  ist  von  dem  kommittirenden  Gerichte,  dem  sie  in  Urschrift
einzureichen,  für  die  Regierung  und  die  Interessenten,  welche  dies  verlangen,  auszufertigen
  oder  in  Abschrift  mitzutheilen.

S.  6.

An  dem  Merkpfahle  muß  der  zulässige  böchste  Wasserstand  und  auf  Verlangen
  der  Antragsteller  (G.  4.)  erforderlichen  Fulls  auch  der  besondere  höchste
Sommerwasserstand  deutlich  bezeichnet,  auch  die  Höhe  davon  mit  einem  nahe
belegenen,  unverrückbaren  Gegenstande,  bei  Mühlen  außerdem  auch  mit  dem
Fachbaum  der  Mahl=  und  Freischleuse  durch  Nivellement  verglichen  und  zu  Protokoll
  niedergeschrieben  werden.  Im  umgekehrten  Falle,  wenn  der  Besitzer  der
Stauanlage  die  Verpflichtung  hat,  zur  Erhaltung  der  Schiffbarkeit  eines  Gewässers
  das  Wasser  auf  einer  bestimmten  Höhe  zu  erhalten;  soll  in  Absicht  der
Setzung  des  Merkpfahls  für  den  niedrigsten  zulässigen  Wasserstand  auf  ähnliche
Weise  verfahren  werden.  «

S.
st  die  Höhe  des  Wasserstandes  durch  rechtskräftige  Urtheile  oder  nach

dem  Einverständnisse  aller  Interessenten  deutlich  bestimmt,  so  hat  es  dabei  sein
Bewenden  und  muß  die  Setzung  des  Merkpfahls  danach  erlgen

h.  8.

Sind  aber  die  Interessenten  darüber  uneinig,  ob  die  Höhe  des  Wasserstandes
  durch  gültige  Verträge,  Verleihungen  oder  Verjährung  bestimmt  sei,  so
ist  den  Parteien  der  Rechtsweg  zu  lirsefin  wobei  die  Borschriften  des  F.  37.
der  Verordnung  vom  21.  Juli  1849.  (Gesch=  Samml.  S.  316.)  Anwendung
finden.

KS.  9.

Wird  durch  Einverständniß  der  Interessenten  oder  im  Rechtswege  (§.  8.)
festgestellt,  daß  es  an  rechtsverbindlichen  deutlichen  Bestimmungen  des  Wasserstandes
  fehlt,  so  erfolgt  die  Setzung  des  Merkpfahls  durch  die  von  der  Bezirks-Regierung
  ernannte  Kommission  (I.  5.)  dergestalt,  daß  dabei  das  gegenseitige
Interesse  der  Bodenkultur  und  der  Stauberechtigten  moglichst  vereinigt  werde,
und  es  entscheidet  hierüber,  sofern  sich  die  Parteien  bei  den  kommissarischen  Festsetzungen
  nicht  beruhigen,  die  Bezirksregierung  mit  Ausschluß  des  Nechtswegese.

(Tr.  6553.)  egen
        <pb n="398" />
        —  222  —

Gegen  die  Entscheidung  derselben  findet  nur  der  Rekurs  an  die  Ressort—
minister  statt,  welcher  binnen  einer  präklusivischen  Frist  von  sechs  Wochen  nach
erfolgter  Bekanntmachung  der  Entscheidung  angemeldet  werden  muß.

S.  10.

In  den  Fällen  des  §.  8.  steht  der  Bezirksregierung  die  Befugniß  zu,  auf
Antrag  von  Interessenten  und  auf  Kosten  der  Antragsteller  inteisesh  einen
Wasserstand  festzusetzen,  welchen  der  Stauberechtigte  so  lange  halten  muß,  bis  ein
Anderes  durch  richterliche  Entscheidung  rechiskdüßg  festgestellt  ist.

K.  11.

Wird  ein  besonderer  bochstr  Sommerwasserstand  .  6.)  festgesetzt,  so  ist
in  dem  aufzunehmenden  Protokoll  (§.  5.)  ausdrücklich  zu  vermerken,  von  welchem
Tage  ab  und  bis  zu  welchem  Tage  hin  dieser  Sommerwasserstand  gehalten
werden  muß.

Hinsichtlich  dieser  Festsetzung  eines  Sommerwasserstandes  und  der  Anfangs,
  und  Endtermine  desselben  finden  die  vorstehenden  Bestimmungen  S.  6.

is  10.  gleichmäßige  Anwendung.
.  12.

Kein  Besitzer  von  Stauanlagen  darf  den  Wasserstand  über  die  durch  den
Merkpfahl  bestimmte  Höhe  aufstauen.  Sobald  das  Wasser  über  diese  Höhe
wächst,  muß  er  durch  Oeffnung  der  Schleusen,  Gerinne  und  Grundstöcke,  durch
Abnehmung  der  beweglichen  Aufsätze  auf  den  Fachbäumen  oder  Ueberfällen,  überhaupt
  durch  Wegräumung  aller  bo  zeitlichen  Hindernisse  den  Abfluß  desselben
unentgeltlich  sogleich  und  unausgesetzt  so  lange  befördern,  bis  das  Wasser  wieder
auf  die  durch  den  Merkpfahl  bestinmte  Höhe  gefallen  ist.

.  13.
Versiumt  er  dies,  so  soll  nicht  allein  auf  Antrag  jedes  Interessenten  durch
die  Polizeibehörde  die  im  F.  12.  vorgeschriebene  Hsesung  des  Wasserstandes
auf  die  durch  den  Merkpfahl  bestimmte  he  auf  Gefahr  und  Kosten  des  Besitzers
  der  Stauanlage  sofort  bewirkt  werden,  sondern  es  hat  auch  der  letztere
außer  dem  Ersatze  alles  durch  die  widerrechtliche  Stauung  verursachten  Schadens
eine  Strafe  von  20  bis  50  Thaler  verwirkt.

Abschnitt  III.
Vorschriften  über  Herstellung  neuer  und  Erweiterung  alter  Entwässerungs-Anlagen
  und  Entfernung  von  Stauanlagen.
8.  14.
Jeder  Grundbesitzer,  welcher  sein  Grundstück  entwässern  oder  Teiche  und

Seen  ablassen  will,  kann  in  Fallen  des  überwiegenden  Landeskultur-Interesses
ver-
        <pb n="399" />
        —  223  —

verlangen,  daß  ihm  gegen  vollständige  Entschädigung  das  Servitutrecht  eingeriumt
wird,  das  Wasser  von  seinem  Boden  in  offenen  Hräben  oder  bedeckten  Kanälen
(Röhren)  durch  fremde  Grundstücke,  welche  sein  Grundeigenthum  von  einem
Wasserlaufe  oder  einem  andern  Abslußwege  trennen,  auf  seine  Kosten  abzuleiten
oder  zu  diesem  Zwecke  vorhandene  Gräben,  Fließe  und  Wasserläufe  zu  erweitern
und  zu  vertiefen.

C.  15.

Die  Entwässerungsanlage  darf  nur  an  der  Stelle  des  belasteten  Grundstücks
  ausgeführt  werden,  wo  sie  dem  Eigenthümer  desselben,  unbeschadet  des
Zwecks,  am  wenigsten  lästig  ist;  durch  Gebäude  nebst  den  damit  in  Verbindung
stehenden  .  kann  das  gecht  4  14.)  gar  nicht,  durch  Gärten  und  eingeschlossene
  Parkanlagen  nur  mittelst  bedeckter  Kanälé  oder  Röhren  ausgeübt
werden,  insoweit  es  0  nicht  bloß  um  Erweiterung  und  Vertiefung  vorhandener
offener  Gräben  und  Fließe  handelt.

C.  16.

Unter  den  Voraussetzungen  des  F.  14.  können  auch  Triebwerksbesitzer  und
Besier  von  Stauanlagen,  welche  sonst  den  Abfluß  eines  Gewässers  anzuhalten
berechtigt  sind,  verpflichtet  werden,  den  freien  Lauf  desselben  ganz  oder  zum  Theil
wieder  herzustellen  und  selbst  ihre  Triebwerke  und  Stauanlagen  geänzlich  hinwegzuräumen,
  wenn  der  Zweck  anders  nicht  zu  erreichen  ist.

S.  1.

Demi  Eigenthümer  des  von  der  Entwässerungsanlage  begrenzten  resp.  durchschnittenen
  Grundstücks,  sowie  auch  den  Eigenthümern  benachbarter  Grundstücke,
steht  das  Recht  der  Mitbenutzung  der  Anlage  zu.

Wer  die  Mitbenutuung  in  Anspruch  nimmt,  muß  einen  verhältnißmäßigen
Beirag  u  den  Kosten  der  Anlage  und  Unterhaltung,  soweit  er  Tuen  davon
ziht,  eiten  und  die  Kosten  der  in  seinem  Intercst.  etwa  erforderlichen  Abän
  erung  der  Anlage  allein  tragen.

enn  die  Anlage  später  dem  Eigenthümer  des  belasteten  Grundstücks  in
der  Verbesserung  desselben  hinderlich  wird,  oder  ihn  sonst  mehr  als  Anfangs  be-*•½
  so  kann  derselbe  eine  Verlegung  der  Anlage  auf  seine  Kosten  vornehmen,
sofern  die  Ausübung  des  durch  F.  1I4.  eingeräumten  Rechts  hierdurch  nicht  wesentlich
  erschwert  wird.

K.  18.

Die  Grundstuckbesitzer,  welche  von  den  ihnen  nach  9#.  14.  und  16.  gestatteten
  Befugnissen  Gebrauch  machen  wollen,  und  sich  mit  den  Stauungsberechtigten
  und  anderen  Grundbesitzern  nicht  auf  gütlichem  Wege  einigen  können,
haben  ihren  Antrag  bei  der  Bezirksregierung  anzubringen.  Diese  kann  vor  Einleitung
  des  Verfahrens  zur  Begründung  des  Antrags  die  Einreichung  des  Situationsplans
  der  etwa  erforderlichen  Nivellements  und  eines  sachverständigen
Gutachtens  in  Betreff  der  aus  der  beabsichtigten  Entwässerung  zu  erwarten  en

(Tr.  6553)  or-
        <pb n="400" />
        —  224  —

Vortheile  für  die  Bodenkultur,  wie  des  obwaltenden  überwiegenden  Landeskultur-Interesses
  verlangen.

KC.  19.

In  Folge  dieses  Antrags  (#.  18.)  verfügt  die  Bezirksregierung  eine  örtliche
  Untersuchung  durch  n  ndige  Kommissarien  unter  Zuzichung  und  Vernehmung
  sämmtlicher  Interessenten.  Diese  Untersuchung  ist  auch  darauf  zu  richten,
ob  und  welche  Nachtheile  etwa  durch  die  beabsichtigte  Entwässerung  für  die
Schiffahrt  oder  für  öffentliche  Anlagen  zu  besorgen  sind.

G.  20.
In  Ermangelung  gütlicher  Einigung  entscheidet  die  Regierung  mit  Ausschluß
des  Rechtsweges  durch  einen  mit  Gründen  versehenen  Beschlaß;
I.  über  das  Vorhandensein  der  Bedingungen,  unter  welchen  die  in  den
14.  bis  17.  gedachten  Befugniffe.  in  Anspruch  genommen  werden
önnen,  und  über  den  Entwässerungsplan;

II.  über  etwaige  spätere  Abänderungen  des  Plans  (F.  17.  Abschnitt  3.).

Gegen  diese  Entscheidumgen  der  Bezirksregierung  findet  nur  der  Rekurs  an
den  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheil  statt,  welcher  binnen
einer  präklusivischen  Frist  von  sechs  Wochen  nach  Behändigung  der  Entscheidung
anzumelden  ist.

§.  21.

Wenn  bei  Einleitung  des  Verfahrens  und  Vernehmung  der  Interessenten
r  19.)  die  Existenz  oder  der  Umfang  eines  Rechts,  auf  welches  ein  Widerspruch
oder  ein  Entschädigungsanspruch  gegründet  wird,  streitig  bleibt,  so  ist  den  Parteien
der  Rechtsweg  zu  überlassen.

Die  Regierung  ist  aber  befugt,  in  solchen  Fe  dem  nach  §.  18.  beantragten
  Verfahren  Fortgang  zu  geben,  wenn  der  Provokant  sich  verpflichtet,  die
in  re  des  streitigen  Anspruchs  gemäß  F.  22.  zu  ermittelnde  Entschädigung
vor  der  Ausführung  der  Entwässerungsanlage  gerichtlich  niederzulegen.

§.  22.
bilb  Steht  der  Entwässerungsplan  gemäß  §.  20.  fest,  so  wird  ein  Schiedsgericht
gebildet.

Demselben  steht  mit  Zugrundelegung  des  feststehenden  Entwässerungsplans
nach  Anhörung  aller  davon  betroffenen  In#senten,  soweit  eine  gütliche  Einigung
nicht  zu  ueeichen  ist,  zur

I.  beim  Vorhandensein  mehrerer  Theilnehmer  (F.  17.)  die  Entscheidung  über
den  Beitrag  eines  jeden  zu  den  Kosten  der  Anlage  und  deren  Unterhaltung
  nach  Verhältniß  des  Vortheils;

II.  desgleicen  die  Entscheidung  über  die  künftige  Unterhaltung  bereits  vorhandener
  Gräben  und  Wasserläufe,  welche  nur  erweitert  oder  vertieft
sind
        <pb n="401" />
        —  225  —

sind,  wobei,  wenn  die  Unterhaltungspflicht  Demjenigen  verbleibt,  welcher
den  schon  vorhandenen  Wasserlauf  bisher  zu  unterhalten  hatte,  bei  Festsetzung
  der  ihm  zu  leistenden  Entschädigung  auch  auf  die  mehreren  ihm
in  der  Folge  zur  Last  fallenden  Unterhaltungskosten  billige  Rücksicht
genommen  werden  muß;
die  nähere  Bestimmung  über  die  Art  und  Weise  der  Ausführung  des
Entwässerungsplans  und  die  Vollziehung  desselben;

IV  die  Ermittelung  und  Festsetzung  der  Entschädigungsansprüche,  ie  des

Betrags  der  zu  gewährenden  Entschädigung.

Ixu  allen  Fällen  muß  die  Entschädigung  vor  der  Ausführung  der  Entwässerungsanlage

  gezahlt  werden.

III.

—

G.  23.

Das  Schiedsgericht  (F.  22.)  besteht  aus  drei  Schiedsrichtern.  Der  eine
derselben  wird  von  den  Stauungsberechtigten  oder  den  Inhabern  der  Grundstucke,
  welche  Vorfluth  gewähren  sollen,  und  den  sonst  zu  Entschädigun  ganfprüchen
Berechtigten  durch  einen  nach  der  Personenzahl  zu  fassenden  Mehrheitsbeschluß,
der  zweite  von  benhengen  Grundbesitzern,  welche  die  Entwässerung  beantragt
haben,  in  derselben  Weise  gewählt,  der  dritte  aber  von  der  Bezirksregierung
ernannt.

Das  Schiedsgericht  faßt  seine  Entscheidungen  nach  Stimmenmehrheit  unter
dem  Vorsitz  des  von  der  Bezirksregierung  ernannten  Schiedsrichters.

Zur  Wahl  der  Schiedsrichter  sind  die  Interessenten  mit  vierwöchentlicher
präklusivischer  Frist  aufzufordern.  Wird  die  Wahl  eines  Schiedsrichters  abgelehnt,
oder  können  sich  die  Provokanten  oder  Provokaten  über  die  Person  eines  gemeinschaftlichen
  Schiedsrichters  nicht  vereinigen,  oder  wird  die  Anzeige  des  gewählten
Schiedsrichters  über  vier  Wochen  nach  der  den  Interessenten  behändigten  Aufforderung
  zur  Wahl  verzögert,  so  geht  das  Wahlrecht  verloren  und  es  hat  die
Bezirksregierung  den  Schiedsrichter  zu  ernennen.  Sie  kann  dazu  auch  einen  mit
der  brilchen  Untersuchung  beauftragten  Kommissarius  (G.  19.)  bestellen.

E.  24.

Zu  Schiedsrichtern  dürfen  nur  unbescholtene,  dispositionsfähige,  sachkundige
Männer,  welche  Preußische  Unterthanen  sind  und  die  als  Zeugen  für  und  wider
die  Parteien  und  die  übrigen  Schiedsrichter  mit  voller  Bichuah  vor  Gericht
zugelassen  werden,  gewählt  werden.

Besitzt  der  gewählte  Schiedsrichter  diese  Eigenschaften  nicht,  so  hat  die
Bezirksxegierung  eine  anderweite  Wahl  zu  veranlassen.

Die  Schiedsrichter  dürfen  die  Wahl  nur  aus  denselben  Gründen  ablehnen,
welche  zur  Ablehnung  einer  Vormundschaft  berechtigen.

g.  25.
Die  Schiedsrichter  sind  als  Sachverständige  zu  vereiden,  wenn  dies  nicht
Jahrgang  1867.  (Nr.  6553.)  31  schon
        <pb n="402" />
        —  226  —

schon  ein  für  alle  Mal  geschehen  ist,  oder  beide  Theile  ihnen  den  Eid  ausdrücklich
  erlassen.
.  26.

Von  der  Entscheidung  des  Schiedsgerichts  findet  keine  Berufung  auf  richterliches
  Urtheil  statt.

Findet  aber  die  Bezirksregierung  in  Folge  einer  binnen  sechswöchiger
Präklusivfrist  nach  Ers#ung  der  schie  guichterhchen  Entscheidung  angebrachten
Beschwerde,  daß  das  Schiedsgericht  seine  Befugnisse  überschritten  hat,  oder  daß
dessen  Entscheidung  mangelhaft  oder  unvollständig  ist,  so  ist  dieselbe  befugt  und
verpflichtet,  nach  Anhörung  der  Gegenpartei  die  Berichtigung  oder  Vervollständigung
  der  Entscheidung  nach  ihrem  Ermessen  dem  bisherigen  oder  einem  neuen
nach  den  Vorschriften  der  §#.  23.  und  24.  zu  bildenden  Schiedsgerichte  zu
übertragen.

Gegen  eine  solche  Verfügung  der  Regierung  ist  Rekurs  an  den  Minister
für  die  Landwchschastihen  gelegenheiten  binnen  sechswöchiger  Präklusivfrift
nach  Behändigung  der  Verfügung  zulässig.

K.  27.

Die  sachkundigen  Kommissarien  (F.  19.)  und  die  Schiedsrichter  (F.  23.)
baben  sowohl  auf  Ersatz  ihrer  baaren  Auslagen  als  auf  Reise=  und  Jhrung  —
osten  nach  Maaßgabe  des  9.  3.  des  Kostenregulativs  vom  25.  April  1836.
(Gesetz-Samml.  S.  182.)  und  der  späteren  dazu  ergangenen  Vorschriften  Anspruch.
Ueber  ihre  Ansprüche  entscheidet  die  Bezirksregierung.

F.  28.

Sämmtliche  Kosten  tragen  Diejenigen,  auf  deren  Antrag  die  Entwässerung
arfolgt  und  resp.  welche  die  Benutzung  der  Anlage  in  Anspruch  genommen  haben
(#.  14.  17.  18.),  nach  Verhältniß  des  Vortheils.  Die  Kosten  der  Rekursinstanz
treffen  den  unterliegenden  Theil.  Die  Bezirksregierung  ist  befugt,  die  Kosten  und
etwa  erforderlichen  Kostenvorschüsse  exekutivisch  einzuziehen.

Abschnitt  IV.
Aufgebots=  und  Präklusionsverfahren  bei  Entwässerungsanlagen.

**

Das  Gesetz  vom  23.  Januar  1846.,  betreffend  das  für  Entwässerungsanlagen
  einzuführende  Aufgebots=  und  rcklusionsverfahren.  (Gesetz  Samml.  S.  26.
bis  r*Por  sindet  in  seinem  ganzen  Umfange  auch  für  Neuvorpommern  und  Rügen
Anwendung.

Ab-
        <pb n="403" />
        —  227  —

Abschnitt  V.
Allgemeine  Bestimmungen.

K.  30.

In  Betreff  der  Kompetenz  der  Wuseinandersegungsbehörden  zur  Regulirung
der  mit  ihren  Geschäften  verbundenen  Vorfluthsachen  wird  durch  das  gegenwärtige
Gesetz  nichts  geändert.

K.  31.

Wer  durch  die  Verabsäumung  seiner  Räumungs=  und  Unterhaltungspflicht

1.  und  22.),  oder  durch  Beschädigung  oder  Zerstörung  der  Murh  sein  Grunduck
  führenden  Entwässerungsanlagen  Anderen  Schaden  zufügt,  hat  für  diesen
Schaden  vollständigen  Ersatz  zu  lästen

Ueber  die  Verpflichtung  zum  Schadensersatz  und  über  den  Betrag  des

Schadens  kann  nur  im  ordentlichen  Rechtswege  entschieden  werden.

g.  32.

Alle  mit  diesem  Gesetze  im  Widerspruch  stehenden  gesetzlichen  Bestimmungen
werden  aufgehoben,  und  tritt  das  für  Neuvorpommern  und  Rügen  erlassene
Königlich  Schwedische  Reglement  vom  18.  November  1775.  nach  Prblikation
des  gegenwärtigen  Gesetzes  außer  Kraft.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  9.  Februar  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzen  plitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6554.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  4.  Februar  1867.,  betreffend  die  Abänderung  einiger
Bestimmungen  der  Verordnung  vom  1.  Juli  1859.  wegen  Revision  des
Deichwesens  in  der  Altmark.

A#  Ihren  Bericht  vom  29.  v.  Mts.  will  Ich  in  Abänderung  der  betreffenden
Bestimmungen  der  99.  17.  und  18.  der  Verordnung  vom  1.  Juli  1859.,  betreffend
  die  Revision  des  Deichwesens  in  der  Altmark,  Gesetz  Samml.  von  1859.

(Nr.  6553—6555.)  S.  367.
        <pb n="404" />
        —  228  —

S.  367.  sSed.)  hierdurch  genehmigen,  daß  fortan  nicht  drei,  sondern  vier  Deichpautleute
  für  den  Wische-Deichverband  durch  den  ommmmallandtag.,  gewahlt
-  “lr  und  auch  der  vierte  Deichhauptmann  Sitz  und  Stimme  im  Deichamte
erhalte.

Diese  Order  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.

Berlin,  den  4.  Februar  1867.

Wilhelm.
v.  Selchow.

An  den  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten.

 

(Nr.  6555.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  16.  Februar  1867.,  betreffend  die  Ueberweisung  der
unmittelbaren  oberen  Leitung  de#  Bergwesens  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen  an  das  Ministerium  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche
Arbeiten.

Ar  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  14.  Februar  d.  J.  will  Ich
ierdurch  bestimmen,  daß  die  obere  Leitung  des  Bergwesens,  einschließlich  der
taats=  oder  Domanial-Bergwerke,  Kütten  und  Salinen  in  den  neu  erworbenen

Landestheilen  Hannover,  Kurhessen,  Nassau,  Frankfurt  a.  M.,  sowie  in  den  mit

der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Gebietstheilen  von  Bayern  und  dem

Großherzothum  Hessen,  schon  jetzt  dem  Ministerium  für  Handel,  Gewerbe  und

öffentliche  Arbeiten  unmittelbar  zugewiesen  werde,  so  daß  die  Provinzial-Bergbehörden

  und  die  Verwaltungen  der  Staats=  oder  Domanialwerke  in  derselben

Weise  von  dem  Handelsministerium  unmittelbar  ressortiren,  wie  dies  in  den

älteren  Landestheilen  der  Fall  ist.

Diese  Meine  Order  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß

zu  bringen.  .

Berlin,  den  16.  Februar  1867.
Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staateministerium.

 

Redigirt  im  Bürcau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin)  gedruckt  in  der  Ksniglichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerci
(N  Decker).
        <pb n="405" />
        —  229  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  16  —

 

(Nr.  6556.)  Vertrag  zwischen  Preußen  und  Mecklenburg  ·  Streliß  wegen  Ausfuͤhrung  einer
Eisenbahn  von  Berlin  über  Neustrelitz  nach  Stralsund.  Vom  31.  Dezember
  1866.

San  Majestät  der  König  von  Preußen  und  Seine  Königliche  Hobert  der
Großherzog  von  Mecklenburg-Strelitz,  von  dem  Wunsche  geleitet,  die  Isenbahn.
verbindungen  zwischen  den  bederseiigen  Staatsgebieten  zu  erweitern,  haben  zum
Behufe  einer  hierüber  zu  treffenden  Vereinbarung  zu  Bevollmächtigten  ernannt:
Seine  Majestät  der  König  von  Preußen:
Allerhöchstihren  Wirklichen  Legationsrath  Paul  Ludwig  Wilhelm
Jordan,
Merhechstien  Ech-imenzkegiemngstat  Luhwisg  August  Wilhelm
eise,

Seine  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Mecklenburg-Strelitz:


den  Großherzoglich  Mecklenburg-Schwerinschen  Geheimen  Legationsrath
  und  Kammerherrn  Otto  Heinrich  Jaspar  von  Wickede,

welche,  unter  dem  Vorbehalte  der  Ratifikation,  folgenden  Vertrag  abgeschlossen  haben.

Artikel  1.

Die  Königlich  Preußische  und  die  Großherzoglich  Mecklenburg.  Strelitzsche
Regierung  erklären  sich  gereigt  und  bereit,  den  Bau  einer  Eisenbahn  ralsche
Berlin  und  Stralsund  innerhalb  Ihrer  Staatsgebiete  zuzulassen  und  zu  befördem.

Artikel  2.

Von  dem  Grundsatze  ausgehend,  daß  das  Unternehmen  seinem  ganzen
Zwecke  nach  als  ein  Ganzes  behandelt  und  von  Einem  Punkte  aus  geleitet  und
Jahrgang  1867.  (Nr.  6556.)  32  ver-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  28.  Februar  1867.
        <pb n="406" />
        —  230  —

verwaltet  werden  muß,  haben  sich  die  Hohen  kontrahirenden  Regierungen  dahin
geeinigt,  daß  die  Bestimmungen  des  Königlich  Preußischen  Gesetzes  vom  3.  November
  1838.  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen  und  der  dazu  ergangenen  und
noch  ergehenden  Abänderungen  und  Ergänzungen  maaßgebend  sein  sollen.

De  Konzession  zum  In-  haben  die  Unternehmer  von  jeder  der  beiden  Hohen
Regierungen  für  die  Strecke  in  dem  betreffenden  Lande  besonders  zu  erwirken,
jedoch  verpflichtet  sich  die  Großherzogliche  Regierung,  insoweit  die  Landesgesetze
solches  zulassen  und  nicht  etwa  anderweite  zur  Zeit  der  Vollziehung  dieses  Vertrages
  bereils  bestehende  Verpflichtungen  entgegenstehen,  Konzession  und  Statutenehmigung

  unter  gleichen  Bedingungen  zu  eethellen,  wie  solche  von  der  Königlich
Prerhischen  Regierung  auferlegt  werden.

Die  Großherzoglich  Mecklenburg-Strelitzsche  Regierung  wird  der  zu  konessionirenden
  Eisenbahngesellschaft  innerhalb  des  Grolherpohlicher  Gebietes  die
Besugnig  zur  Expropriation  des  zur  Bahn  und  deren  Zubehör  erforderlichen
eit  auf  Grund  der  im  Großherzogthum  geltenden  Expropriationsgesetze
verleihen.

Die  Gesellschaft  hat  ihr  Domizil  und  den  Sitz  ihrer  Verwaltung  in
Prahen  u  nehmen,  jedoch  zegn  aller  Entschädigungsansprüche,  die  aus  Anlaß
der  Eisenbahnanlage  oder  des  Betriebes  derselben  auf  Großbersoglich  Mecklendurg
  Strclihschem  ebiete  gegen  sie  erhoben  werden  möchten,  sich  der  Großberzog.
lich  Mecklen  ur9.  Streltschen  Gerichtsbarkeit  und  den  Großherzoglich  Mecklenburgischen
  Gesetzen  zu  unterwerfen.  Das  Oberaufsichtsrecht  über  dieselbe  und  das
ganze  Bahnunternehmen  wird  von  der  Königlich  Preußischen  Regierung  allein
ausgeübt,  welcher  demzufolge  namentlich  jede  etwaige  Abänderung  der  Gesellschaftsstatuten,
  die  Genehmigung  von  Erweiterungen  des  Unternehmens  und  der
Anlage  neuer  Stationen,  die  Ueberwachung  des  baulichen  Zustandes  der  Bahnanlagen,
  sowie  des  Betriebes,  ferner  die  Aufsicht  über  die  Verwaltung  des  Vermögens
  der  Gesellschaft,  die  Ertheilung  der  Genchmigung  ur  Emission  neuer
Aktien  und  zur  Aufnahme  von  Gelddarlehen,  ferner  die  Oberaufsicht  über  die
Direktion  und  die  Beamten  der  Gesellschaft,  endlich  die  Feststellung  resp.  Genehmigung
  des  Tarifs  und  des  Fahrplanes,  des  letzteren  jedoch  mit  der  näheren
Destimmung,  daß  solcher  nur  nach  voraufgegangener  Kommunikation  mit  der
Großhersog  ichen  Regierung  und  unter  thunlichster  Berücksichtigung  der  Wünsche
derselben  resp.  fuugeleh  und  abgeändert  wird,  ausschließlich  vorbehalten  bleibt.
Speziell  wird  uglich  des  Fahrplanes  vereinbart,  daß  mindestens  eine  täglich
weimalige  Verbindung  mit  Personenbeförderung  von  Neu-Brandenburg  nach
Berlin  und  umgekehrk  zu  thunlichst  angemessener  Tageszeit  hergestellt  werden
muß.  Alle  regelmäßigen  Bahnzüge,  einschließlich  etwaiger  Kurierzuge,  müssen
auf  den  Vahuhbfen  zu  Neu-Strelitz  und  Neu-Brandenburg  anhalten;  dasselbe

ilt  von  dem  Bahnhofe  zu  Fürstenberg,  so  lange  nur  eine  zweimalige  tägliche
erbindung  mit  Personenlefirdenng  auf  der  Bahn  besteht.

Artikel  3.

Die  Bahn  Ell  in  einer  ununterbrochenen  möglichst  geraden  Richtung  von
Berlin  über  Neu-Strelitz  nach  Stralsund  geführt  werden.  Di
ie
        <pb n="407" />
        —  281  —

Die  spezielle  Feststellung  der  Bahnlinie  sammt  der  Entscheidung  über  die
in  Verbindung  mit  dem  Bahnbau  auszuführenden  Wegeübergänge,  Brücken  und
Wasserdurchlässe  steht  jeder  der  beiden  Hohen  Negierungen  für  die  Strecke  in
Ihrem  Gebiete  zu,  jedoch  bleibt  der  Königlich  Preußischen  Regierung  ausschließlich
die  Genehmigung  des  ganzen  Bauplanes  und  der  einzelnen  Bauentwürfe  vorbehalten.
  Innerhalb  des  Großherzoglich  Mecklenburgischen  Gebietes  sollen  bei
den  Orten  Fürstenberg,  Neu-  boelt  und  Neu.-  Brandenburg  Stationen  eingerichtet
  werden,  und  es  soll  dabei  in  Neu-Brandenburg  die  thunlichste  Mitbenutzung
des  dortigen  Bahnhofes  der  Friedrich-Franzbahn  in  Aussicht  genommen  werden.

Artikel  4.

In  Betreff  der  Anlage  von  Zweigbahnen  bleibt  jeder  der  kontrahirenden
Regierungen  in  Ihrem  Lande  die  besondere  Genehmigung  vorbehalten.

Artikel  5.
Die  Punkte,  wo  die  Bahn  die  beiderseitigen  Landesgrenzen  überschreitet,

sollen  nöhhigenfall  durch  deshalb  abzuordnende  beiderseitige  technische  Kommissarien
  näher  bestimmt  werden.  ·

Artikel  6.

Die  Landeshoheit  bleibt  für  die  Bahnstrecke  im  Mecklenburg=  Strelitzschen
Gebiete  der  Großher)  lichen  Regierung  ausschließlich  vorbehalten.  Alle  innergalb
  des  Großher  velen  Mecklenburg  Strelitzschen  Gebietes  vorkommenden,  die

ahnanlage  und  den  Transport  auf  derfelben  betreffenden  Verbrechen,  Vergehen
und  Uebertretungen  sollen  daher  den  Großherzoglichen  Behörden  zur  Untersuchung
und  Bestrafung  angezeigt  und  nach  den  Großherzoglich  Mecklenburgischen  Gesetzen
beurtheilt  werden.  ch  sollen  die  an  der  Bahnstrecke  im  Großhertoglichen  Gebiete
  zu  errichtenden  Hoheitszeichen  nur  die  der  Großherzoglich  Mecklenburg-Strelitzschen
  Regierung  sein.

Gesetzliche  Bestimmungen,  welche,  vom  Tage  des  Abschlusses  gegenwärtigen
Vertrages  an  gerechnet,  in  Bezug  auf  Eisenbahn-Unternehmungen  oder  wegen
etwaiger  Besteuerung  derselben  von  der  Groberoglichen  Regierung  erlassen  werden,
  sollen  jedoch  auf  die  Bahn  ohne  vorherige  Verständigung  mit  der  Königlich
Preußischen  Regierung  keine  Anwendung  finden.

Artikel  7.

Die  Bahnpolizei  soll  für  das  gesammte  Bahmunternehmen  in  Gemähheit
des  für  jedes  Staatsgebiet  besonders  zu  publizirenden  Bahnpolizei-Reglements
nach  übereinstimmenden  Grundsätzen  gehandhabt  werden.  Die  GCoßgerzagih
Mecklenburg-Strelitzsche  Regierung  wird  zu  diesem  Zwecke  das  von  der  Königli
Preußischen  Regierung  festzustellende  Bahnpolizei-Reglement,  sowet  nicht  lokale
Verhältnisse  einzelne  Abweichungen  unvermeidlich  machen  möchten,  auch  für  die
Bahnstrecke  in  Ihrem  Gebiete  in  Kraft  setzen.

(Nr.  6556.)  32“  Ar-
        <pb n="408" />
        –  232  —

Artikel  8.

Die  Anstellung  und  Beaufsichtigung  nicht  nur  der  Bahnpolizei-Beamten,
sondern  auch  aller  übrigen  Betriebsbeamten  soll  lediglich  der  Elsenbahngesellchas,
beziehungsweise  den  zufändt  een  Königlich  Preußischen  Behörden  gebühren.  Die
Unterthanen  der  Königlich  Proßischen  Regierung  sollen  durch  Anstellung  auf
der  nicht  Preußischen  Strecke  der  Bahn,  und  Unterthanen  der  Großherzoglich  Mecklenburg-Strelitzschen
  Regierung  durch  Anstellung  auf  der  Preußischen  Strecke  der
Bahn  aus  dem  Unterthanenverbande  ihres  Heimathlandes  nicht  ausscheiden,  sind
aber  den  Gesetzen  und  Behörden  des  Ortes  unterworfen,  wo  sie  ihren  amtlichen
Wohnsitz  haben.

Artikel  9.

Die  von  der  Königlich  Preußischen  Regierung  geprüften  Betriebsmittel
werden  ohne  weitere  Revision  auch  in  dem  Gebiete  der  Großherzoglich  Mecklenburgischen
  Regierung  zugelassen  werden.

Artikel  10.

Zwischen  den  beerlsge  Unterthanen  sollen  weder  hinsichtlich  der  Befürderungspreis
  noch  der  Zeit  der  Beförderung  irgend  welche  Unterschiede  gemacht
werden.

Artikel  11.

Die  Förmlichkeiten  wegen  der  Paßrevision  und  überhaupt  der  Fremdenpolizei
  sollen  in  der  in  jedem  der  kontrahirenden  Staaten  zulässigen  günstigsten
Weise  gehandhabt  werden.

Artikel  12.

Die  ghuokherhonlch  Mecklenburg-Strelitzsche  Regierung  wird  Ihrerseits,
sobald  die  Ausführung  des  Unternehmens  gesichert  sein  wird,  auf  der  in  Ihrem
Gebiete  belegenen  Bahastrece  einen  anderen  Unternehmer  außer  der  von  der
Königlich  Preußischen  Regierung  zu  konzessionirenden  Eisenbahngesellschaft  nicht
ulassen,  ertheilt  dagegen  die  Zusicherung,  denjenigen  Unternehmern,  welchen  von
er  Königlich  Proußishen  Regierung  zu  dem  Transportbetriebe  auf  der  Bahn,
in  Konkurrenz  mit  der  gedachten  Geelllhaft,  die  Konzession  ertheilt  werden
möchte,  auch  auf  der  vorbezeichneten  Bahnstrecke  den  Betrieb  zu  gestatten.

Artikel  13.

Die  Ausführung  der  Bestimmungen  über  die  Regulirung  des  Bahngeldes

9.  29  —32.  des  Preußischen  Gesetzes  vom  3.  November  1838.)  bleibt  der

öniglich  Preußischen  Regierung  allein  überlassen,  dergestalt,  daß  die  hierüber

für  diese  Unternehmung  im  Ganzen  ergehenden  Festsetzungen  auch  für  die  im

Großherzoglich  Mecklenburg=  Strelitzschen  Gebiete  belegene  Wahnhra  gleichmäßig
Anwendung  finden.  r

T
        <pb n="409" />
        Artikel  14.

Die  Großherzoglich  Mecklenburg-Strelitzsche  Regierung  wird  von  der  zu
konzessionirenden  Eisenbahngesellschaft  weder  Konzessionsgeld  noch  irgend  eine
andere  Abgabe  fordern,  vielmehr  dieser  Gesellschaft  volle  Krehei  von  der  Grundsteuer
  und  jeder  Gewerbesteuer  zgesehen  Dagegen  wird  die  Königlich  Preußische
  Regierung  nach  Maaßgabe  Ihrer  Gesetze  vom  30.  Mai  1853.  und
21.  Mai  1859.)  sowie  der  dazu  etwa  noch  ergehenden  abändernden  und  ergänzenden
  Bestimmungen,  von  dem  gesammten  Berlin-Stralsunder  Eisenbahn-Unternehmen,
  einschließlich  der  im  Großherzoglich  Mecklenburg=  Strelitzschen  Gebiete
belegenen  Strecke,  eine  Abgabe  erheben,  welche  nach  Verhülwi  der  Meilenzahl
der  in  Ihren  resp.  Gebieten  gelegenen  Bahnstrecken  zwischen  der  Königlich  Preubisch
  und  der  bhwieer  ich  Mecklenburg.  Strelitzschen  Regierung  vertheilt
wird.  Die  Königlich  Preußische  Regierung  wird  alljährlich  softet  nach  Feststellumg
  und  Einziehung  der  Abgabe  der  Großherzoglich  Mecklenburg=  Strelitzschen
Regierung  Mütheilung  machen  und  den  Ihr  gebührenden  Antheil  an  die  von
Ihr  zu  bezeichnenden  Einnahmestellen  abführen  safsen.

Artikel  15.

Um  den  Verkehr  auf  der  Bahn  soviel  als  möglich  zu  begün  gen,  sollen,
insoweit  und  insolange  nicht  die  beiden  Länder  Theile  eines  einheitlichen  Zoll-Hebietes
  bilden,  den  Reisenden  und  ihren  Effekten  und  den  auf  der  Bahn  beförerten
  Waaren  hinsichtlich  der  Förmlichkeiten  der  zollamtlichen  Abfertigung  alle
Ereeichterungen  gewährt  werden)  welche  mit  der  ZJollgesetzgebung  und  den  allgemeinen
  Reglements  der  betheiligten  Staaten  vereinbar  find.  Die  aus  dem
einen  der  betheiligten  Länder  in  das  andere  zum  Verbleibe  eingehenden  Waaren,
welche  nach  anderen  Stationen,  als  den  an  der  Grenze  belegenen,  bestimmt  sind,
werden,  ohne  einer  zollamtlichen  Revision  auf  den  Grenzämtern  unterworfen  zu
werden,  zur  sofortigen  Durchführung  nach  ihren  Bestimmungsorten  verstattet
werden,  jedoch  unbeschadet  des  gesetzlichen  Rechts  der  Zollbehörden,  die  Waaren
und  Effekten  ausnahmsweise  auch  anderswo,  als  am  Bestimmungsorte,  einer
Visitation  zu  unterwerfen,  und  vorausgesetzt,  daß  sich  am  Besimmumgaorte  ein
Zollamt  befindet  und  die  betreffenden  Vorschriften  der  Gesetze  und  der  allgemeinen
Reglements  beobachtet  sind.  «

Artikel  16.

Die  Großherzoglich  Mecklenburg-Strelitzsche  Regierung  Uchert  der  Königlich
Preußischen  Regierung  für  ewige  Hiten-  die  Befreiung  aller  auf  der  Bahn
zu  befördernden  und  nicht  zum  Verbleiben  in  dem  Großherzoglichen  Staatsgebiete
  bestimmten  Gegenstände  jeder  Art  von  allen  Steuern  5rr  Abgaben  zu,
es  mögen  dieselben  für  Rechnung  des  Landesherrn,  der  Landschaft,  von  Kommunen
  oder  Privatberechtigten  ebhobm  werden,  und  einen  Namen  haben,  weleen
  sie  wollen.  Dergleichen  Gegenstände  sollen,  wenn  sie  in  verschlossenen
agen  ohne  Umladung  wurhgeführ  werden,  von  der  Deklaration,  Abladun
O##r.  6556.)  un
        <pb n="410" />
        —  234  —

und  Revision,  sowie  vom  Kolloverschluß,  sowohl  im  Innern,  als  an  den  Grenzen
  freibleiben.

Artikel  17.

Ueber  die  Verhältnisse  der  Königlich  Preußischen  Postverwaltung  hinsichtlich
  der  Benutzung  der  im  Großherzoglich  Mecklenburg=  Strelitzschen  Gebiete
liegenden  Strecke  der  Eisenbahn  ist,  vorbehaltlich  des  Mlstufes  einer  besonderen
Postkonvention,  Nachstehendes  verabredet  worden:

1)  Die  Großhersoglich  Mecklenburg-Strelitzsche  Regierung  sichert  der  Königlich
Fuzischen  —  den  ungehinderten  Transit  der  Königlich
Preußischen  Posten  und  Postsendungen  jeder  Art  auf  der  Eisenbahn
zwischen  Berlin  und  Stralsund  durch  das  Großherzoglich  Mecklenburg-Strelitzsche
  Gebiet  auf  so  lange  zu,  als  die  gedachte  Eisenbahn  besteht
und  im  Betriebe  erhalten  wird.  Dieser  Transit  wird  mittelst  besonderer
durchgehender  Eisenbahn-Postwagen  oder  vermittelst  der  Wagen  der
Eisenbahngesellschaft  stattfinden.

2)  Die  Eisenbahn-Postwagen  können  zugleich  auf  vorangegangene  Vereinbarung
  zwischen  der  Königlich  Paaficchen  und  der  Gooeer  oglich  Mecklenburg=
  Strelitzschen  Postorewaltung  zur  Aufnahme  Mecklenburgischer
Postsendungen  benutzt  werden.

3)  Die  Königlich  Preußische  Postverwaltung  wird  der  Großherzoglich  Mecklenburg.
  Stelischen  Postverwaltun  4  Entschädigung  fürbden  Posttransit
  durch  das  Grohber  oglich  Mecklenburg=  Strelitzsche  Gebiet  auf
der  Eisenbahn  zwischen  Berlin  und  Stralsund  alljährlich  eine  Vergütung
zahlen,  welche  den  Gesammtbetrag  des  der  Großherzoglichen  J
waltung  für  die  Preußischen  Postsendungen  im  letzten  Suher  vor  Eröffnung
  des  Betriebes  zu  zahlenden  Transitportos  nicht  übersteigen  soll.

4)  Die  Großherzoglich  Mecklenburg.  Strelitzsche  Regierung  erklärt  sich  damit
einverstanden,  daß  die  Eisenbahngesellschaft  verhslichtet  werde,  der  Königlich
reußischen  Postverwaltung  in  dem  Großherzoglich  Mecklenburg-Strelitzschen
taatsgebiete  unter  allen  Umständen  ganz  dasselbe  zu  leisten,  was  dieselbe

auf  dem  im  Königlich  Preußischen  Gebiete  belegenen  Theile  zu  leisten  hat.

Artikel  18.

Rücksichtlich  der  Benutzung  der  Bahn  zu  Zwecken  der  Militairverwaltung
ist  man  über  folgende  Punkte  übereingekommen:

1)  Für  alle  Transporte  von  Militairpersonen  oder  Militaireffekten,  welche
für  Rechnung  der  Königlich  Preußischen  oder  der  Großherzoglich  Mecklenburg.
  Strelitzschen  Militairverwaltung  auf  der  Berlin-Stralsunder  Eisenbahn
  bewirkt  werden,  wird  den  beiderseitigen  Militairverwaltungen  völlige
Gleichstellung  zugesichert,  dergestalt,  daß  die  Zahlung  dafür  an  die  Eisenbahnverwaltung
  nach  ganz  gleichen  Grundsätzen  erfolgen  soll.  2)

enn
        <pb n="411" />
        —  236  —

2)  Wenn  in  Folge  außerordentlicher  Umstände  auf  Anordnung  der  Königlich
Preußischen  oder  der  Großherzoglich  Mecklenburg-Strelitzschen  Regierung
größere  Truppenbewegungen  auf  der  mehrgedachten  Eisenbahn  stattfinden
ollen,  so  liegt  der  Eisenbahnverwaltung  die  Pflicht  ob,  für  diese  und
für  Sendungen  von  Waffen;,  -  und  Verpflegungs-Bedürfrissen
owie  von  Militaireffekten  eglicher  rt,  insoweit  solche  Sendungen  zur

eförderung  auf  Eisenbahnen  überhaupt  geeignet  find,  nöthigenfalls  auch
außerordentliche  Fahrten  einzurichten  und  für  dergleichen  Transporte  alle
Transportmittel,  die  der  ungestört  fortzusetzende  regelmäßige  Betrieb  nicht
in  Anspruch  nimmt,  zu  verwenden  und,  soweit  thunlich,  geru  in  Stand
zu  setzen,  nicht  minder  die  mit  Militairpersonen  besetzten  und  die  mit
Militaireffekten  beladenen,  von  einer  anstoßenden  Bahn  kommenden
Transportfahrzeuge,  vorausgesetzt,  daß  diese  dazu  geeignet  sind,  auf  die
eigene  Bahn  zu  übernehmen,  auch  mit  den  disponiblen  Lokomotiven
weiter  zu  führen.

Die  Leitung  aller  solcher  Transporte  bleibt  jedoch  lediglich  dem
Dienstpersonal  der  betreffenden  Eisenbahnverwaltung  überlassen,  dessen
Anordnung  während  der  Fahrt  unbedingt  Folge  zu  leisten  ist.  Hinsichtlich
des  an  die  Eisenbahnverwaltung  zu  Enceinden  Hübrgeldes  tritt  wie
unter  1.  eine  völlige  Gleichstellung  der  gegenseitigen  Militairverwaltungen
ein.  Als  Fahrpreis  für  den  Transport  von  Truppen,  Militaireffekten
und  sonstigen  iedae  sollen  keine  höheren,  als  die  jeweilig
auf  den  Preußischen  Staatsbahnen  geltenden  Sätze  zur  Erhebung  gelangen!

Artikel  19.

Die  Großherzoglich  Mecklenburg=  Strelitzsche  Regierung  behält  sich  vor,  zur
Ueberwachung  ihrer  Interessen  und  Gerechtsame  bei  dem  Baue,  wie  auch  bei  dem
Betriebe  der  Berlin-Stralsunder  Eisenbahn  einen  Hommissarius  zu  bestellen,
welchem  die  Bahnverwaltung  jede  für  seine  Zwecke  nöthige  Einsicht  zu  gestatten,
beziehungsweise  Auskunft  zu  ertheilen  hat.

Die  zu  konzessionirende  Gesellschaft  ist  gehalten,  auf  Verlangen  der  Großherzoglich
  Mecklenburg-Strelitzschen  Regierung  innerhalb  des  Großherzoglichen
Gebietes  einen  dort  wohnhaften  Bevollmächtigten  zu  bestellen,  welcher  zur  vollständigen
  Vertretung  der  Bahnverwaltung  gegenüber  der  Großherzoglichen  Regieltung
  ermächtigt  ist.

Artikel  20.

Dafern  die  eine  oder  die  andere  der  Hohen  kontrahirenden  Regierungen
von  dem  Ihr  nach  §F.  42.  des  Königlich  Preußischen  Gesetzes  vom  3.  November
1838.  zustehenden  Rechte  Gebrauch  machen,  und  das  -  der  innerhalb
Ihres  Staatsgebietes  belegenen  Eisenbahnflrecke  erwerben  sollte,  so  soll,  dieser
Veränderung  in  den  Eigenthumsverhältnissen  ungeachtet,  nie  eine  nterbrechung
in  dem  Betriebe  auf  der  gesammten  Bahn  eintreten,  es  sollen  vielmehr  auch  dann
die  wegen  Erhaltung  eines  ungestörten  einheitlichen  Betriebes  auf  der  g  en

(Nr.  6558.)  aln.
        <pb n="412" />
        —  236  —
Bahnlinie  in  diesem  Vertrage  getroffenen  Bestimmungen,  insofern  nicht  eine
anderweite  Verständigung  vereinbart  wird,  nach  wie  vor  in  Kraft  bleiben.
Artikel  21.

Ge  enwärtiger  Vertrag  soll  zur  landesherrlichen  Genehmigung  vorgelegt
und  die  Auswechselung  der  Ratifikations-Urkunden  spätestens  binnen  vier  Wochen
in  Berlin  bewirkt  werden.

Dessen  zu  Urkund  ist  der  Vertrag  von  den  beiderseitigen  Bevollmächtigten
unterzeichnet  und  untersiegelt  worden.  ·

So  geschehen  Berlin,  den  31.  Dezember  1866.

(I.  S.)  Paul  Ludwig  Wilhelm  Jordan.
(L.  S.)  Ludwig  August  Wilhelm  Heise
(L.  8.)  Otto  Heinrich  Jaspar  v.  Wickede.

Der  vorlithentr  Vertrag  ist  ratifizirt  und  die  Auswechselung  der  Ratifikations-Urkunden
  in  Berlin  bewirkt  worden.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-  Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerel
(R.  v.  Decker).
        <pb n="413" />
        —  237  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

——“  Nr.  17.  —

 

(Nr.  6557.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen  Berggesetzes  vom
24.  Juni  1865.  in  das  Gebiet  des  vormaligen  Herzogthums  Nassau.
Vom  22.  Februar  1867.

Wi  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Knig  von  Preußen  #.

verordnen  für  das  mit  Unserer  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen
Herzogthums  Nassau,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

Artikel  J.
Das  Allgemeine  Bersgeset  ür  die  Preußischen  Staaten  vom  24.  Juni
1865.  (Gesetz  Samml.  für  1865.  S.  705.)  erlangt  im  Gebiete  des  vormaligen

erzogthums  Nassau  unter  nachfolgenden  besonderen  Bestimmungen  mit  dem
1u.  ril  d.  J.  s

Artikel  II.

Den  im  F.  1.  des  Berggesetzes  aufgeführten  Mineralien  wird  der  Dachschiefer
  hinzugefügt.

Artikel  III.

insichtlich  der  Feldesgröße  ist  die  Bestimmung  unter  2.  des  §.  27.  des
Berggesetzes  maaßgebend.

Artikel  IV.

Die  im  §.  141.  des  Berggesetzes  in  Bezug  genommenen,  den  Eisenbahn-Jahrgang
  1867.  (Nr.  6557.)  3  ge-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  2.  März  1867.
        <pb n="414" />
        —  238  —

gesellschaften  gegenüber  geltenden  Grundsätze  finden  nur  insoweit  Anwendung,
als  denselben  nicht  das  Nassauische  Gesetz,  betreffend  die  Behufs  des  Eintrags
dinglicher  Neche  an  Immobilien  zu  führenden  öffentlichen  Bücher,  vom  15.  Mai
1851.  (Verordnungsblatt  1851.  S.  59.)  entgegensteht.

Artikel  V.

Für  alle  im  F.  165.  des  Berggesetzes  genannten  Arbeiter  im  Gebiete  des
vormaligen  Hersogthums  Nassau  soll  ein  allgemeiner  Knappschaftsverein  gegründet
  werden,  welcher  seinen  Mitgliedern  nach  näherer  Bestimmung  des  Statuts
die  in  F.  171.  unter  4.  5.  und  6.  genannten  Leistungen  zu  gewähren  hat.

Diesem  Vereine  wird  das  Vermögen  der  Maausschen  Agemeinen  Knapo
schaftskasse  12.  des  Gesetzes  vom  23.  November  1861.)  Verordnungsblatt
1861.  S.  369.)  überwiesen.

Für  die  Leistungen  unter  1.  2.  und  3.  des  §.  171.  sollen  auf  sämmtlichen
  Werken  besondere  Krankenkassen  nach  H.  172.  eingerichtet  werden.

Die  bereits  bestehenden  Knappschaftsvereine  sollen  zu  solchen  Krankenkassen
umgebildet  werden.

Die  Krankenkassen  erlangen  durch  die  Bestätigung  ihrer  Statuten  die
Eigenschaft  juristischer  Personen.

Von  der  Theilmahme  an  dem  allgemeinen  Knappschaftovercine  „sowie  von
der  Umbildung  zu  Krankenkassen  können  diejenigen  der  bereits  bestehenden  Knappschaftsvereine,
  welche  nach  ihren  jetzigen  Statuten  den  Mitgliedern  alle  im  F.  171.
unter  1.  bis  6.  genannten  Leistungen  gewähren,  auf  ihren  Antrag  durch  Beschu
  des  Oberbergamts  befreit  werden.  Auf  dieselben  fünden  alsdann  die  Bemmungen

  des  siebenten  Titels  des  Berggesetzes  vollständig  Anwendung.

Artikel  VI.

Zugleich  mit  den  Strafvorschriften  des  Berggesetzes  tritt  das  Gesetz  über
die  Bestrafung  unbefugter  Gewimumg  oder  Anzigmung  von  Mineralien  vom
26.  März  1856.  (Geset  Samml.  für  1856.  S.  203.)  in  Kraft.

Bis  zur  Aufhebung  der  aé  enwärtig  in  den  Nassauischen  Landestheilen
bestehenden  allgemeinen  strafgesetzl  Ein  Bestimmungen  ist  jedoch  bei  Haänanf.
Ksen  bis  zu  sechs  Wochen  statt  derselben  auf  Amtsgefängniß,  bei  Gefängnißstrafen
  von  längerer  Dauer  dagegen  auf  Korrektionshaus  zu  erkenmen.

Artikel  VII.

An  die  Stelle  der  im  §.  209.  des  Berggesetzes  erwähnten  Staatsanwaltschaft
  treten  die  zuständigen  Gerichte.
Hin-
        <pb n="415" />
        ·  Hinsichtlich  der  Kompetenz  derselben  und  des  Untersuchungsverfahrens  gelten
die  allgemeinen  Vorschriften  der  Gesegebun  des  vormaligen  Herzogthums  Nassau
über  Foltzeiüdertraungen  und  korrektionelle  Vergehen,  insbesondere  auch  die
Verordnung,  betreffend  das  Verfahren  bei  Polizeivergehen,  vom  4.  Januar  1855.
(Verordnungsblatt  1855.  S.  1.).

Artikel  VIII.

Die  in  den  §§.  90.  und  92.  des  Berggesetzes  den  Knappschaftskassen
14  ewiesenen  Forderungen  und  Geldstrafen  fallen  der  allgemeinen  Knappschafts-Masse
  zu.

Artikel  KK.

Muthungen  und  Verleihungsgesuche  aus  der  Zeit  vor  dem  Eintritt  der
Gesetzeskraft  des  Berggesetzes  gewähren,  wenn  sie  den  Erfordernissen  des  F.  15.
des  erhesetes  entsprechen,  ein  Recht  auf  Verleihung  eines  Normalgrubenfeldes
nach  H.  27.  der  Nassauischen  Bergordnung  vom  18.  Februar  1857.,  welches
durch  das  Oberbergamt  auf  die  nach  §.  28.  der  Bergordnung  ohne  Zustimmung
des  Staatsministeriums  zulässige  Größe  ausgedehnt  werden  kann.

Das  Recht  auf  Umwandlung  und  Erweiterung  nach  F.  215.  des  Berggesetzes
  steht  denselben  nicht  zu.

Artikel  X.

Den  mit  gevierten  Feldemn  im  Sime  der  bisherigen  Gesetzgebung  verliehenen
  Bergwerken,  mit  Ausnahme  der  auf  Thon  und  Walkererde  velichenen,
wird  die  ewige  Teufe  nach  senkrechten  Ebenen  beigelegt,  sofern  nicht  Rechte
Dritter  entgegenstehen.

Artikel  XI.

Der  im  §.  232.  des  Berggesetzes  angenommene  Jeitpunkt  ist  eingetreten
sobald  die  Ab=  und  Zuschreibung  im  Berggegenbuche  gesetzlich  beantragt  ist.

Artikel  XII.

An  Stelle  der  im  Berggesetze  erwähnten  Hppot  ekenbücher  bleiben  die

Ber  cgenbüher  bestehen  und  werden  nach  Maaßgabe  der  Bestimmungen  des
im  Artikel  IV.  angeführten  Nassauischen  Gesetzes  vom  15.  Mai  1851.,  der  dazu
chrigen  Vollzugsverordnung  vom  31.  Mai  1854.  (Verordnungsblatt  1854.

.  7I.)  und  —*  H.  66.  bis  74.  der  Bergordnung  vom  18.  Februar  1857.
(Nr.  6557.)  33  fort-
        <pb n="416" />
        —  240  —

fortgeführt;  eine  Mitwirkung  der  Bergbehörde  bei  der  Führung  und  Beaufsichtigung
  der  Herggegenbücher  findet  jeoc  nicht  mehr  statt.  8

Artikel  XII.

An  der  Stelle  der  gesetzlichen  Vorschriften  des  Preußischen  Rechts  über  die
Exekution  und  den  Konkurs  bleiben  die  in  dem  vormaligen  Herzogthum  Nassau
bsstehenden  gesehlichen  Bestimmungen  über  das  Hülfsvollstreckungs=  und  Konkursverfahren
  in  Kraft.

Ebenso  wird  an  der  Nassauischen  Gesetzgebung  über  das  Pfandrecht  und
die  Rangordnung  der  Gläubiger  im  Konkurse  nichts  geändert.

Artikel  XIV.

In  den  Fällen  des  F.  159.  des  Berggesetzes  soll  die  Versteigerung  n
den  für  das  Konkursverfahren  nach  Nassauischem  Fiel  bestehenden  Regeln  t
mit  den  Wirkungen  desselben  vollzogen  werden.

Artikel  XV.

Die  in  dem  Berggesetze  vorgeschriebenen  Veröffenklichungen  durch  das  Reierungs-Amtsblatt
  erfolgen,  so  lange  ein  solches  nicht  besteht,  durch  das  Nassauische
FIn#ellczenzblat.

Artikel  XVI.

Die  Infinuation  von  Verfügungen  der  Bergbehörden  kann  eh  ültig
durch  die  Postbehörde  bewirkt  werden.  Wird  die  Verfügung  von  der  *m  als
unbestellbar  zurückgeliefert,  so  erfolgt  die  Infinuation  durch  öffentlichen  Aushang
am  Amtslokale  des  Revierbeamten.

Hat  die  Verfügung  während  vierzehn  Tagen  ausgehangen)  so  ist  die  Zustellung
  für  bewirkiige,  elchten.  6r  "

Artikel  XVII.

Mit  dem  I1.  April  d.  J.  treten  außer  Kraft:  das  gemeine  Deutsche  Bergrecht,
  die  bergrechtlichen  Bestimmungen  der  für  einzelne  Landestheile  noch  geltenden
älteren  Landrechte,  das  Edikt,  betreffend  die  Organisation  der  Bergverwaltung,
vom  4.  Oktober  1826.,  die  Bergordnung  vom  18.  Februar  1857.,  soweit  dieselle
nicht  nach  Art.  XII.  dieser  Verordnung  bestehen  bleibt,  die  Bestimmungen  im
J.  6.  pos.  6.  des  Gesetzes,  betreffend  die  Organisation  der  Eentralbehörden,  ren

m  Juli
        <pb n="417" />
        —  241  —

24.  Juli  1854.  (Verordnungsblatt  1854.  S.  155.)),  das  Gesetz  über  die  Knappschaftskassen
  vom  23.  November  1861.  (Verordnungsblatt  1861.  S.  369.)  und
alle  übrigen  allgemeinen  und  besonderen.  Gesetze,  Verordnungen  und  Gewohnheiten
über  Gegenstände,  auf  welche  das  Berggesetz  und  die  gegenwärtige  Verordnung
sich  beziehen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  22.  Februar  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Flh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6557—6558.)  (Nr.  6558.)
        <pb n="418" />
        —  242  —

(Nr.  6558.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen  Berggesetzes  vom
24.  Juni  1865.  in  die  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Candestheile
  der  Großherzoglich  Hessischen  Provinz  Oberhessen,  sowic  in  das  Gebiet
  der  vormaligen  Landgrafschaft  Hessen=  Homburg  einschließlich  des
Ober-Amtsbezirkes  Meisenheim.  Vom  22.  Februar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rr.
verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

Artikel  J.

Das  Allgemeine  Ber  gesch.  für  die  Preußischen  Staaten  vom  24.  Juni
1865.  (Gesetz  Samml.  für  1865.  S.  705.  5  erlangt  in  den  mit  Unserer  Monarchie
vereinigten  Landestheilen  der  Großherzoglich  Hessischen  Provinz  Oberhessen  und  im
Gebiete  der  vormaligen  Landgrafschaft  Hessen-Homburg  einschließlich  des  Ober-Amtsbezirkes
  Meisenheim  unter  nachfolgenden  besonderen  Bestimmungen  mit  dem
1.  April  dieses  Jahres  Gesetzeskraft.

Artikel  IH.

insichtlich  der  Feldesgröße  ist  die  Bestimmung  unter  2.  des  §.  27.  des
Berggesetzes  maaßgebend.

Artikel  III.

Zugleich  mit  den  Strafvorschriften  des  Berggesetzes  tritt  das  Gesetz  über
die  Bestkafung  unbefugter  Gewinnung  oder  Aneignung  von  Mineralien  vom
26.  März  1856.  (Gesetz  Samml.  für  1856.  S.  203.)  in  Kraft.  Bis  zur  Aufhebun
des  Großherzoglich  Hessischen  Strafgesetzbuches  vom  17.  September  1841.  i
jedoch  bei  Gefangnißstrafen  über  drei  Monate  statt  der  letzteren  auf  Korrektionshaus
  zu  erkennen.

Artikel  IV.

Der  zweite  Absatz  im  F.  249.  des  Berggesetzes  bleibt  von  der  Einführung
ausgenommen.

Artikel  V.

Die  in  dem  Berggesetze  vorgeschriebenen  Veröffentlichungen  durch  das
Regierungs-Amteblatt  hnt  so  lange  ein  solches  nicht  besteht,  durch  das
Regierungsblatt  für  den  Bezirk  des  Civilkommissariats  zu  Homburg  vor  der  Höhe.

Artikel  VI.

Die  Insinuation  von  Verfügungen  der  Bergbehörden  kann  rechtsgültig
durch  die  Postbehörde  bewirkt  werden.  Wird  die  Verfügung  von  der  Post  als
.  un-
        <pb n="419" />
        —  243  —
umbestellbar  zurückgeliefert,  so  erfolgt  die  Insinuation  durch  öffentlichen  Aushang
am  Amtslokale  des  Berg-Revierbeamten.
Hat  die  Verfügung  während  vierzehn  Tagen  ausgehangen,  so  ist  die  Zustellung
  für  bewirkt  zu  erachten.  8  *

Artikel  VII.

Mit  dem  1.  April  dieses  Jahres  treten  außer  Kraft:  das  gemeine  Deutsche
Verhrecht  die  Ordnung  für  die  Bergleute  auf  den  Großherzoglich  Hessischen  Bergwerken
  in  der  Provinz  Hessen  vom  4.  Oktober  1815.,  die  auf  den  Bergbau  begglten
  Artikel  20.  21.  und  22.  des  Großherzoglich  Hessischen  Gesetzes  über

ie  Abtretung  von  Privateigenthum  zu  öffentlichen  Jwecken  vom  27.  Mai  1821.,
das  linksrheinische  Bergwerksgesetz  vom  21.  April  1810.)  überhaupt  alle  allgemeinen
  und  besonderen  Gesetze,  Verordnungen  und  Gewohnheiten  über  Gegenstände,
  auf  welche  das  Berggesetz  und  die  gegenwärtige  Verordnung  sich  bezien.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  22.  Februar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck  =  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6558—6858.)  (Nr.  6559.)
        <pb n="420" />
        —  244  —

(Nr.  6569.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  30.  Januar  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fis.
kalischen  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Chaussee  von
der  Enkirch-  Irmenacher  Gemeinde  -Chaussee  nach  der  Trarbach-Zeller
Moselstraße.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  chausseemäßigen
Ausbau  der  Verbindungsstrecke  von  der  Enkirch-Irmenacher  Gemeinde-Chaussee
nach  der  Trarbach-Zeller  Moselstraße  durch  die  Gemeinde  Enkirch,  im  Kreise  Zell
des  Regierungsbezirks  Coblenz,  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  der  Gemeinde
  Enkirch  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen
Grundstücke,  imgleichen  das  bercht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhalbunge
  Runterialten  )  nach  Maa  L#bb  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden
orschriften,  in  Bezug  auf  diese  75  Zugleich  will  Ich  der  genannten  Gemeinde
  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der
Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen
des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich
  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  *7  7  sowie  der
sonstigen  die  Erhebung  Wn—e  zusärlichn  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen
  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch
verleihen.  Auch  sollen  die  dem  bausse  eld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.  an-Changten
  Bestimmungen  wegen  der  Ehmssecbolsei,Vergehen  auf  die  gedachte
traße  zur  Anwendung  kommen.
Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  30.  Januar  1867.
Wilhelm.
Fhh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,)  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="421" />
        —  245  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  18.—

 

(Nr.  6560.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  4.  Februar  1867.,  betreffend  die  Genehmigung  des
revidirten  Statuts  der  Danziger  Privat-Aktienbank  und  die  Verlängerung
des  Privilegiums  derselben.

Ar  Ihren  Bericht  vom  27.  Januar  d.  J.  will  Ich  das  in  der  außerordentlichen
  Generalversammlung  der  Danziger  Privat-Aktienbank  vom  29.  Dezember
v.  J.  zur  Annahme  gelangte  revidirte  Statut,  welches  vom  16.  März  d.  J.
ab  an  Stelle  des  bisherigen  Gesellschaftsstatuts,  genehmigt  am  16.  März  1857.
(Geset,=  Samml.  S.  241.),  und  der  beiden  Statutnachträge,  genehmigt  am  30.  Juni
858.  (Gesetz-Samml.  S.  1405)  und  am  13.  Februar  1865.  (Gesetz-Samml.
S.  128.),  in  Geltung  zu  treten  bestimmt  ist,  hierdurch  in  derienigen  Fassung  gewehmigen,
  in  welcher  dasselbe  in  der  anliegend  zurückerfolgenden  Druckschrift,  den
Beschlüssen  der  Gesellschaft  entsprechend,  zusammengestellt  ist.  Zugleich  will  Ich
der  Danziger  Privat-Aktienbank  die  bei  ihrer  Errichtung  auf  Grund  des  Gesetzes
vom  17.  Iam-  1833.  (Gesetz-Samml.  S.  551.  ertheilte  Ermächtigung  zur  Ausellung
  von  Noten  bis  zu  dem  Betrage  von  Einer  Million  Thaler  unck  ür  die
ernere  funfzehnjährige  Dauer  ihres  Bestehens  unter  den  im  revidirten  Statute
estgesetzten  Bedingungen  ertheilen.
Dieser  Mein  Erlaß  ist  nebst  dem  beiliegenden  revidirten  Statute  durch
die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  4.  Februar  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

An  den  Finanzminister,  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe
und  öffentliche  Arbeiten  und  den  Justizminister.

Johrgong  1887.  (Nr.  6560)  34  An
Ausgegeben  zu  Berlin  den  6.  März  1867.
        <pb n="422" />
        —  246  —

A,  Stelle  des  durch  Allerhöchsten  Erlaß  vom  16.  März  1857.  genehmigten
Statuts  vom  21.  November  1856.  und  der  durch  die  Allerhöchsten  Erlasse
vom  30.  Juni  1858.  und  13.  Februar  1865.  genehmigten  Abänderungen  und
Nachträge  tritt  das  folgende  revidirte  Statut  mit  dem  16.  März  1867.  in  Kraft.

Titel  I.
Bildung  Sitz,  Dauer  und  Gegenstand  der  Gesellschaft.

F.  1.
Die  schon  bestehende  Aktiengesellschaft,  für  welche  nunmehr  die  Bestimmungen
  des  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuches  und  des  Einführungsesetzes
  zu  demselben  vom  24.  Juni  1861.  maaßgebend  sind,  führt  nach  wie  vor
ie  Firma:
Danziger  Privat-Aktienbank“.

Die  Gesellschaft  hat  den  Zweck,  Handel  und  Gewerbe  zu  unterstützen,  zu
Leseydem  und  zu  beleben,  den  Geldumlauf  zu  vermitteln  und  Kapitalien  nutzbar
zu  machen.

.  2.

Der  Sitz  der  Gesellschaft  ist  zu  Danzig.  Jeder  Aktionair  hat  für  sich,
hinsichtlich  seiner  Rechte  un  Tischtn  Danzig  als  Domizil  zu  wählen  und  ist
in  dieser  Beziehung  der  Gerichtsbarkeit  des  Koniglichen  Kommerz=  und  Admiralitäts-Kollegiums
  (Handelsgerichts)  zu  Danzig  unterworfen.

Alle  Insinuationen  geschehen  gültiger  Weise  an  die  von  ihm  zu  bezeichnende,
  in  diesem  Domizilorte  wohnende  Person  nach  Maaßgabe  der  &amp;amp;  20.
und  21.  Theil  I.  Titel  7.  der  Allgemeinen  Gerichts-Ordnung  und,  in  Ermanelung

  der  Bezeichnung  einer  solchen  Person,  auf  dem  Sekretariate  des  Königichen
  Kommerz=  und  Admiralitäts-Kollegiums  (Handelsgerichts)  zu  Danzig.

*)

Die  Dauer  der  Gcpelschst  wird  bis  zum  16.  März  1882.  bestimmt.
Ueber  die  etwaige  längere  Dauer  beschließt  eine  außerordentliche  Generalversammlung
  (§.  47.).  Bestimmt  dieselbe  eine  längere  Dauer,  so  bedarf  dieser  Deschuß
der  landesherrlichen  Henehmigung.  Eine  solche  Versammlung  muß  die  Direktion
zum  Monat  März  1881.  spätestens  einberufen.

Ti.
        <pb n="423" />
        —  247  —

Titel  H.
Grundkapital,  Aktien  und  Aktionaire.

KS.  4.

Das  Grundkapital  beträgt  vorläufig  Eine  Million  Thaler;  es  ist  in
zweitausend  Aktien,  jede  zu  fünsthunden  Thaler,  getheilt.

KC.  5.

Die  Aktien  lauten  auf  Namen  (nicht  aber  auf  mehrere  Personen  oder
Firmen)  und  sind  in  nachstehender  Art  ausgefertigt.

Jede  Aktie  ist  mit  einer  laufenden  Nummer  versehen  und  durch  zwei
Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  unterzeichnet,  gleichzeitig  auch  mit  genauer
Bezeichnung  des  Inhabers,  nach  Namen)  Wohnort  und  Stkand,  in  das  Aktienbuch
  der  Gesellschaft  eingetragen.  Mit  jeder  Aktie  sind  für  Lf  aufeinander
folgende  Jahre  alljährlich  zahlbare  Dividendenscheine,  auf  jeden  Inhaber  lautend,
nebst  Talon  ausgereicht,  welche  nach  Ablauf  der  fünf  Jare  durch  neue  ersetzt
werden.  Dem  gegenwärtigen  Statut  ist  sub  A.  B.  und  C.  ein  Formular  der
Aktien,  der  Dividendenscheine  und  Talons  beigefügt.

G.  6.

Eine  außerordentliche  Generalversammlung  kann  beschließen,  das  Grundkapital
  bis  auf  Eine  Million  fünfhundert  Tausend  Thaler  zu  erhöhen,  jedoch  ist
hierzu  eine  absolute  Majorität  der  Stimmen  von  mindestens  drei  Viertel  der  in
der  betreffenden  Generalversammlung  vertretenen  Aktien  erforderlich.  Der
Aufsichtsbehörde  ist  vor  jeder  weiteren  Emissson  der  Aktien  die  Volleinzahlung
der  vorhergehenden  Emissson  nachzuweisen  und  demnächst  von  der  irktlich  erfolgten
Erhöhung  des  Grundkapitals  Anzeige  zu  machen.

F.  7.

Bei  der  Zeichnung  der  Aktien  einer  neuen  Emission  e  wanzig  Prozent
des  gezeichneten  Betrages  zur  Kasse  der  Gesellschaft  gegen  Empfang  eines  Quittungsbogens
  nach  dem  beigefügten  Formulare  D.  einzuzahlen.  iss.  Quittungs.
bogen  lauten  auf  den  Namen.

S.  8.

Die  ferneren  Einzahlungen  der  gerichneten  Beträge  für  eine  neue  Aktien-Emission
  erfolgen  nach  Bedü  iß  der  Gesellschaft  in  Raten  von  10  bis  25  Prozent
  auf  die  ta  veröffentlichenden  Aufforderungen  des  Verwaltungsrathes.

Wer  der  Zahlungs-Aufforderung  zur  festgesetzten  Zeit  nicht  nachkommt,
verfällt  in  eine  Konventionalstrafe  von  zwei  Thalern  für  jede  Aktie.

(TNr.  6560.)  34*  Blei-
        <pb n="424" />
        —  248  —

Bleiben  die  ferneren  Aufforderungen  zur  Zahlung,  welche  nach  Maaßgabe
des  Artikels  221.  des  Handels  Eechouches  zu  erlassen  sind,  bis  zum  Ablauf  des
bestimmten  Schlußtermins  *  glos,  so  gehen  die  säumigen  Aktionaire  ihrer
Anrechte  aus  der  Zeichnung  und  den  geleisteten  Theilzahlungen  zu  Gunsten  der
Gesellschaft  verlustig.

An  Stelle  der  ungültig  gewordenen  Quittungsbogen,  welche  nach  Betrag
und  Nummer  durch  den  Verwaltungsrath  bekannt  zu  machen  sind,  werden  neue
Quittungsbogen  ausgefertigt  und  für  die  Gesellschaft  verkauft.

(E.  9.
Sobald  der  volle  Betrag  für  jede  Aktie  mit  fünfhundert  Thalern  Preußisch
Kurant  zur  Gesellschaftskasse  eingezahlt  ist,  wird  die  Aktie  selbst  gegen  Rückgabe
des  Quittungsbogens  ausgereicht.

K.  10.

Die  Aktien  der  neuen  Emission  werden,  jede  zu  fünfhundert  Thalern  und
auf  den  Namen  lautend,  nach  dem  Formulare  E.  ausgefertigt  und  nach  fortlaufenden
  Nummern  in  das  Aktienbuch  der  Gesellschaft  eingetragen.  Es  werden
denselben  ebenfalls  alljährlich  zahlbare,  auf  den  Inhaber  lautende  Dividendenscheine
  für  je  fünf  Jahre  nach  dem  Formulare  B.,  sowie  Talons  nach  dem  Formulare
  C.  beigegeben.

.  11.

Das  Eigenthum  der  Aktie  kann  auf  jede  rechtsgültige  Weise  verändert
werden.  Jeder  Nachfolger  im  Eigenthum  ist  den  Bastm#ngen  des  gegenwärtigen
  Statuts  unterworfen.  Im  Verhältniß  zu  der  Gesellschaft  werden  nur
diejenigen  als  die  Eigenthümer  angesehen,  die  als  solche  im  Aktienbuche  verzeichnet
sin  (#endelsgesezboch  Art.  182.  183.  und  223.).

KG.  12.

Jede  Aktie  ist  untheilbar  und  deshalb  eine  theilweise  Eigenthums-Uebertragung
  unzulässig.  Jede  Aktie  kann,  unter  Berücksichtigung  des  §.  42.),  nur
durch  Einen  vertreten  werden.  Kein  einzelner  Theilnehmer  darf  mehr  als  den
zwanzigsten  Theil  des  Grundkapitals  in  Aktien  besitzen  oder  erwerben.

C.  13.

Jeder  Aktionair  hat,  nach  Verhältniß  der  Zahl  seiner  Aktien,  Antheil  an
dem  gesammten  Eigenthum,  dem  Gewinn  und  dem  etwaigen  Verluste  der  Gesellschaft
  und  kann,  außer  dem  Falle  der  Auflösung  der  Gesellschaft,  den  auf  die
Aktien  eingezahlten  Betrag  weder  ganz  noch  theilweise  zurückfordern.

An  der  Verwaltung  aller  Angelegenheiten  und  des  Vermögens  der  Gesellschaft
  haben  die  Aktionaire  als  solche  nur  denjenigen  Antheil,  welchen  ihr
Stimmrecht  in  den  General-Versammlungen  (Titel  VII.)  ihnen  beilegt;  auch

ön-
        <pb n="425" />
        —  249  —

kinnen  sie  keine  andere  Rechnungslegung,  als  die  im  Titel  VIII.  vorgeschriebene,
verlangen.

Ueber  den  Betrag  der  Aktie  hinaus  ist  kein  Aktionair,  unter  welcher
Bestimmung  es  auch  sei,  zu  Zahlungen  verpflichtet.

K.  14.

Ist  eine  Aktie,  ein  Dividendenschein  oder  ein  Talon  ersichtlich  beschädigt
oder  unbrauchbar  geworden,  so  wird,  wenn  alle  wesentlichen  Merkmale  des
Dokuments  zureichend  erkennbar  sind,  das  vorhandene  verdorbene  Exemplar,  ohne
daß  es  eines  Aufgebots  bedarf,  kassirt,  dafür  ein  Duplikat  unter  neecchr  Nummer
ausgefertigt  und  dem  Eigenthümer  ausgeantwortet.  Das  Aktienbuch  erhält  den
betreffenden  Vermerk.

Gehen  Aktien  verloren,  so  muß  die  gerichtliche  Amortisation  derselben
erfolgen,  bevor  neue  Dokumente  an  deren  Stelle  ausgefertigt  werden.  Die
Kasten  bieses  Verfahrens  fallen  dem  Betheiligten  sur  datt

Ein  öfemtiches  Aufgebot  oder  eine  Mortifikation  verlorener  oder  vernichteter
  Dividendenscheine  findet,  auch  in  Verbindung  mit  dem  Aufgebot  oder  der
Mortifikation  der  Aktien,  zu  welchen  sie  gehören,  nicht  statt.  Ist  jedoch  der  Verüust
eines  Dividendenscheines  vor  Ablauf  der  Verjährungsfrist  (I.  49.)  bei  der  Direktion
  schriftlich  angemeldet,  und  der  frühere  Besitz  durch  Vorzeigung  oder  Mortiekation
  der  Aktie  oder  sonst  in  glaubhafter  Weise  machg-iesen,  so  wird  der

etrag  eines  solchen  Dividendenscheines  dem  Duher  der  über  die  Anmeldung
ertheilten  Bescheinigung  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  gezahlt,  sofern  der
Dividendenschein  selbst  bei  der  Gesellschaft  nicht  eingelöst  ist.  Auch  verlorene
Talons  können  nicht  amortisirt  werden.  Die  bereichung.  der  neuen  Serie  von
Dividendenscheinen  erfolgt,  wenn  der  dazu  bestimmte  Talon  nicht  eingereicht
werden  kann,  an  den  Präsentanten  der  betreffenden  Aktie.  Ist  aber  vorher  der
Verlust  des  Talons  der  Direktion  schriftlich  angezeigt  und  der  Aushändigung  der
neuen  Serie  der  Dividendenscheine  widersprochen  worden,  so  werden  desten
urückgehalten,  bis  die  streitigen  Ansprüche  auf  die  neue  Serie  gütlich  oder  im

ege  des  Prozesses  erledigt  sind.

K.  15.

Alle  öffentlichen  Bekanntmachungen  der  Gesellschaft  erfolgen  im  Danziger
Intelligenzblatt  und  in  dem  zu  Berlin  erscheinenden  Preußischen  Staatsanzeiger,
sowie  mittelst  Anschlages  an  der  Danziger  Börse.  Bei  dem  Eingehen  eines  der
genannten  Blätter  hat  die  nächste  Generalversammlung  über  die  Wahl  eines
anderen  Blattes  zu  beschließen.  Bis  dahin,  daß  dieses  geschieht,  genügt  die
Bekanntmachung  durch  das  übrig  bleibende  Blatt.  Welches  Blatt  nach  dem
Beschlusse  der  Generalversammlung  an  die  Stelle  des  eingegangenen  treten  soll,
ist  durch  das  übrig  gebliebene  Blatt  zu  veröffentlichen.  Auch  abgesehen  von  dem
Eingehen  eines  Blattes  können  Seitens  der  Generalversammlung  andere  Gesellschaftsblätter
  bestimmt  werden,  in  welchem  Falle  der  betreffende  Beschluß  durch  die
bisherigen  Gesellschaftsblätter  bekannt  zu  machen  ist.

(Nr.  6560.)  Ti-
        <pb n="426" />
        —  250  —

Titel  III.
Von  den  Geschäften  der  Bank.

g.  16.
Die  Bank  ist  zur  Erreichung  der  §.  1.  angegebenen  Zwecke  befugt:

1)  gezogene  und  trockene  Wechsel,  die  im  Inlande  zahlbar  sind,  zu  diskontiren
  und  Wechsel  auf  Plätze  des  Auslandes  zu  kaufen.  Die  zur  Diskontirung
  gelangenden  Papiere  müssen  an  die  Bank  girirt  sein,  dürfen
nicht  später  als  drei  Monate  nach  dem  Datum  der  Diskontirung  verfallen
1nn  es  müssen  aus  ihnen  in  der  Regel  wenigstens  drei  solide  Verbundene
haften.

Wechsel  mit  nur  zwei  Unterschriften  dürfen  nur  unter  ausdrücklichem,
  auf  einzelne  Fälle  zu  beschraänkenden  Einverständnisse  zwischen
dem  vollziehenden  Direktor  und  den  beiden  nach  F.  32.  des  Statuts  der
Direktion  zugeordneten  Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  für  die  Bank
erworben  werden;

2  Kredit  und  Darlehne  zu  bewilligen,  jedoch  nicht  auf  länger  als  drei
Monate  und  nur  gegen  Verpfändung  von

a)  Urstoffen  und  Waaren,  die  im  Inlande  lagern  und  dem  Verderben
nicht  unterworfen  sind,

b)  inländischen  Staats-  und  Kommunal=  oder  anderen  mit  Genehmigung
des  Staates  von  Korporationen  oder  Gesellschaften  ausgegebenen  geldwerthen,
  auf  den  Inhaber  lautenden  Papieren,  sowie  von  Wechseln
auf  Plätze  des  In-  oder  Auslandes,  desgleichen  von  gemünztem  oder
ungemünztem  Gold  und  Silber.

Inländishe  Papiere,  die  auf  den  Namen  lauten,  dürfen  in  der
Regel  nicht  beliehen  werden.  Ausnahmen  bestimmt  die  Geschäftsmsinrton
  für  die  Direktion.  Der  Widerspruch  des  Kommissars  des
Staats  gegen  die  Beleihung  von  Papieren  dieser  Art  ist  für  die  Gesellschaft
  maaßgebend.  Die  Beleihung  der  eigenen  Aktien  oder  der
Aktien  anderer  Privatbanken  ist  der  Gesellschaft  unbedingt  untersagt;

3)  Effekten  der  vorstehend  sub  Littr.  b.  bezeichneten  Art,  sowie  edle  Metalle
oder  fremde  Münzen  zu  kaufen  und  zu  verkaufen.  Jedoch  darf  der
Ankauf  von  inländischen  Staats-,  Kommunal-,  oder  anderen  mit  Genehmigung
  des  Staates  von  Korporationen  oder  Gesellschaften  ausgegebenen,
  auf  den  Inhaber  lautenden  geldwerthen  Papieren  nur  bis  zu  dem
durch  die  Geschäftsinstruktion  Festgesegten  Betrage  stattfinden  und  der
Bestand  von  dergleichen  Effekten  ein  Drittel  des  Grundkapitals  niemals
überschreiten;  .

4)  den
        <pb n="427" />
        —  261  —

4)  den  kommissionsweisen  An-  oder  Verkauf  kurshabender  Papiere  zu
übernehmen;

5)  das  Inkasso  von  Wechseln,  Geldanweisungen,  Rechnungen  und  Effekten
zu  besorgen,  verzinsliche  und  unverzinsliche  Kapitalien  ohre  Verbriefung,
sedoch  gegen  Empfangsbescheinigungen,  die  nur  auf  den  Namen  des  Einablenden
  lauten  dürfen,  anzunehmen  und  mit  den  Eigenthümern  der

62  chergestalt  einkassirten  oder  angenommenen  Gelder  und  Effekten  in  Giroverkehr

  treten.  ç

ie  verzinslichen  Kapitalien  dürfen  nur  unter  Vorbehalt  einer

Kündigungsfrist  von  mindestens  zwei  Monaten  für  beide  Theile  angenommmien

  werden,  niemals  aber  den  doppelten  Betrag  des  jeweiligen

rundkapitals  übersteigen;

6)  Ka  nach  näherer  Vorschrift  der  I§#.  18.  bis  21.  auszugeben  und  einzuziehen.


Andere  als  die  vorstehend  bezeichneten  Geschäfte  sind  der  Bank  nicht  gestanet,
  besonders  darf  sie  keine  Kapitalien  auf  Hypotheken  unterbringen.  Es  ist
erselben  jedoch  gestattet,  Agenturen  innerhalb  der  Provinz  Preußen  u  errichten,
welche  dieselben  Geschäfte  wie  die  Privatbank  besorgen  können  nach  den  ihnen
vom  Verwaltungsrathe  zu  ertheilenden  Instruktionen.  Die  Einlösung  der  bei
iinen  präsentirten  Noten  der  Bank  wird  von  denselben  nach  Maaßgabe  ihrer
aarbestände  und  ihrer  Bedürfnisse  bewirkt.

KC.  17.

Die  Bank  #hlt  und  rechnet  in  Preußischem  Silbergelde  nach  den  Werthen,
welche  durch  das  üsngeseh  vom  4.  Mai  1857.  (Gesetz  Samml.  S.  305.  ff.)
bestimmt  worden  sind  oder  später  durch  Landesgesetze  bestimmt  werden  sollten.

K.  18.

Die  Bank  hat  das  Recht,  unverzinsliche,  auf  jeden  Inhaber  lautende  Noten
(S.  16.  Nr.  6.)  bis  zum  Betrage  von  Einer  Million  Thaler  Preußich  Kurant
auszufertigen  und  in  Umlauf  zu  schen.  Die  Form  der  Noten  unterliegt  der  Gene
  migung,  beziehungsweise  der  Beaufsichtigung  der  Regierung.  Diese  Noten
sind  der  Stempelsteuer  nicht  unterworfen.

Ergiebt  sich  am  Schlusse  eines  Geschäftsjahres  48.)  eine  Verminderun
des  Grundkapitals  (§§.  4.  und  6.)  auf  weniger  als  siebenhundert  funfzigtausen
Thaler,  so  ist  die  Summe  der  in  Umlauf  gesetzten  Noten  wenigstens  as
noch  vorhanden  nachgewiesenen  Betrag  des  Grundkapitals  zu  beschränken.

Sollte  während  der  Dauer  der  Gesellschaft  das  Notenprivilegium  der
Preußischen  Bank,  wie  dasselbe  gegenwärtig  auf  Grund  der  Bankordnung  vom
5.  Oktober  1846.  und  des  Gesetzes  vom  7.  Mai  1856.  besteht,  aufgehoben  oder
modifizirt  werden)  so  P  das  Notenprivilegium  der  Danziger  Privat-Aktienden

  als

bank  sechs  Monate  nach  Publikation  des  betreffenden  Gesetzes  ohne  Anspruch  der
Bankgesellschaft  auf  Entschädigung.
(Nr.  6560)  .  19.
        <pb n="428" />
        —  262  —

KC.  19.

Die  Noten  dürfen  nur  auf  Beträge  von  zehn,  zwanzig,  funfzig,  Einhundert
und  zweihundert  Thaler  Pranfisch  Kurant  ausgestell  werden.  Der  eemmtbetrag
der  zu  zehn  Thaler  ausgestellten  Noten  soll  die  Summe  von  Einhundert  tausen
Thaler  nicht  übersteigen.  Ueber  das  Verhälmf,  in  welchem  bei  der  Emission
der  übrigen  neunhundert  tausend  Thaler  von  den  Abschnitten  von  zwanzig  bis
hweihundert  Thaler  Gebrauch  zu  machen  ist,  können  von  den  Ministern  für
Handel  und  der  Finanzen  maaßgebende  Bestimmungen  getroffen  werden.

g.  20.

Die  Bank  ist  verpflichtet,  die  Noten  auf  Verlangen  der  Inhaber  bei  der
Präsentation  sofort  in  Danzi  gegen  klingend  Preußisch  Kurant  einzulösen.

Anzeigen  eines  durch  Diebstahl  oder  irgend  ein  anderes  Ereigniß  entstandenen
  Verlustes  der  ausgegebenen  Noten  können  die  Zahlung  an  den  Vorzeiger
niemals  aufhalten  und  sind  für  die  Bank  unverbindlich.

Der  Inhalt  des  gegenwärtigen  §.  20.  und  des  §.  22.  über  die  Präklusion
ist  auf  jeder  Note  deutlich  abzudrucken.

g.  21.

Die  Direktion  der  Bank  und  der  Verwaltungsrath  sind  dafür  verantwortlich,
  daß  jederzeit  ein  dem  Betrage  der  zirkulirenden  Noten  gleicher  Betrag  an
Deckungsmitteln  von  mindestens  einem  Drittel  der  umlaufenden  Noten  in  baarem
Gelde  und  mit  dem  ganzen  Reste  aus  diskontirten  Wechseln  bestehend,  in  einer
besonderen,  unter  drezachm  Verschlusse  zu  haltenden  und  für  die  sonstigen  Bedürfnisse
  der  Bank  nicht  zu  verwendenden  Notenkasse  aufbewahrt  werden.  Außerdem
  dienen  alle  Darlehnsforderungen  der  Bank  gegen  Unterpfand  und  ihre
sämmtlichen  übrigen  Aktiva  zur  Deckung  der  Noten.

 

Titel  IV.
Von  den  speziellen  Rechten  der  Bank.

K.  22.

Der  Bank  steht  das  Recht  zu,  die  von  ihr  ausgegebenen  Noten  zur  Einlösung
  oder  zum  Umtausch  in  einem  bestimmten  Termine  bei  Vermeidung  der
Präkluston  öfentiich  aufzurufen.  Zu  diesem  Zwecke  erläßt  sie  durch  dreimalige

ekanntmachungen  in  Lwischenräumen  von  einem  Monat  mittelst  ihrer  Gesellschaftsblätter
  und  der  Amtsblätter  der  Königlichen  Regierungen  in  den  Provinzen  der
Preußischen  Staaten  eine  Aufforderung  zur  Einlösung  oder  zum  Umtausch  der
Noten.  Nach  Ablauf  der  vorstehenden  Fristen  werden  die  Inhaber  der  Noten,
welche  sich  nicht  gemeldet  haben,  in  den  vorbezeichneten  Blättern  Behufs  der
in-
        <pb n="429" />
        —  253  —

Einlösung  oder  des  Umtausches  zu  einem  mindestens  drei  Monate  vom  Tage  der
letzten  Insertion  hinauszusetzenden  Präklusivtermine  unter  der  Verwarnung  und
mit  der  rechtlichen  Wirkung  vorgeladen,  daß  mit  Ablauf  dieses  Termins  alle
Ansprüche  an  die  Bank  aus  den  aufgerufenen  Noten  erlöschen.

Anmeldungen  zum  Schutze  gegen  die  Präklusion  sind  nicht  zulässig,  vielmehr
tritt  diese  letztere  unmittelbar  mit  dem  Ablaufe  des  bällustotetmins  gegen  7
diejenigen  ein,  welche  sich  nicht  gemeldet  haben,  dergestalt,  daß  jeder  Anspruch
auf  Einlösung  oder  Umtausch  erloschen  ist,  alle  aufgerufenen,  nicht  eingelieferten
Noten  werthlos  sind  und  wenn  sie  etwa  noch  zum  Vo  in  kommen,  von  der
Bank  an  1  und  vernichtet  werden  können.  Mit  den  Beträgen  solcher  Noten
wird  nach  51.  letztes  Alinea  verfahren.

Titel  V.
Vom  Verwaltungsrathe.

g.  23.

Die  Ueberwachung  der  Geschäftsführung  der  Gesellschest  in  allen  Zweigen
der  Verwaltung  wird  einem  von  der  Generalversamm  6  aus  den  im  Stadtund
  Landkreise  Danzig  wohnhaften  Aktionairen  erwählten  Verwaltungsrathe
anvertraut,  welcher  im  Sinne  des  Art.  225.  des  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgeschuches
  den  dort  genannten  Aufsichtsrath  mit  dessen  Rechten  und  Pflichten
arstellt.  Die  Wahl  der  Mitglieder  erfolgt  in  den  ordentlichen  Generalversammlungen
  gemäß  §.  44.  Eine  Ausfertigung  des  darüber  aufgenommenen  notariellen
oder  gerichtlichen  Protokolls  bildet  die  Legitimation  des  Verwaltungsrathes.  Der
Verwaltungsrath  besteht  aus  zehn  Mitgliedern;  dieselben  dürfen  nicht  im  zweiten
Grade  mit  einander  verwandt  oder  verschwägert  sein,  ebensowenig  einer  und
derselben  Firma  angehören.  Trr  Funktionen  dauern  fünf  Jahre.  Alle  Ichre
scheiden  diejenigen  zwei  Mitglieder  aus  dem  Verwaltungsrathe  aus,  welche  die
längste  Zeit  hindurch  als  solche  fungirt  haben;  die  Ausscheidenden  können  jedoch
sofort  wieder  gewählt  werden.  Bei  einer  stattgehabten  Wiederwahl  wird  die
Amtsdauer  von  der  letzten  Wahl  an  berechnet.  Die  Namen  der  Gewählten
maeden  durch  die  Gesellschaftsblätter  und  an  der  Danziger  Börse  öffentlich  bekannt
gemacht.

Die  auf  Grund  des  Statuts  vom  21.  November  1856.  erwählten  Mit-Kdder
  des  Verwaltungsrathes  verbleiben  auch,  nachdem  das  gegenwärtige  reviirte
  Statut  in  Kraft  getreten,  für  die  Dauer  ihrer  Wahlperiode  als  Mitglieder
des  Verwaltungsrathes  in  Funktion.

C.  24.
Jedes  Mitglied  des  Verwaltungsrathes  muß  mindestens  zehn  auf  seinen
Namen  eingetragene  Aktien  besitzen  oder  erwerben  und  beim  Amtzantritte  in
Jahrseng  1867.  (Nr.  6500.)  35  das
        <pb n="430" />
        —  254  —

das  Archiv  der  Gesellschaft  deponiren.  So  lunge  die  Funktionen  des  Inhabers
als  Verwaltungsrath  dauern,  kann  er  über  die  deponirten  Aktien  nicht  verfügen.

KC.  25.

Der  Verwaltmgerath  wählt  aus  seiner  Mitte  einen  Präsidenten  und  einen
Vizepräsidenten,  deren  Namen  durch  die  Gesellschaftsblätter  zu  Verösfentlichen  sind.
Ihre  Funktionen  in  dieser  Eigenschaft  dauern  ein  Jahrf  sie  sind  nach  Ablauf
desselben  wieder  wählbar.  Sollten  beide  verhindert  sein,  einer  Sitzung  des  Verwaltungsrathes
  beizuwohnen,  so  übernimmt  das  nach  dem  Lebensalter  älteste
Mitglied  den  Vorst

KC.  26.

Kommt  in  außergewöhnlicher  Weise  die  Stelle  eines  Mitgliedes  des  Verwaltungsrathes
  zur  Erledigung,  so  wird  dieselbe  vorläufig  für  die  Dauer  bis  zur
nächsten  ordentlichen  Genera-  versammiung  von  dem  Verwaltungsrathe  wieder
besetzt  und  hierüber  von  einem  Notar  oder  Gerichtsdeputirten  eine  Urkunde  aufgenommen.
  Die  definitive  Wiederbesetzung  erfolgt  durch  Wahl  der  nächsten
ordentlichen  Generalversammlung.  Das  in  jener  Weise  gewählte  Mitglied
scheidet  an  dem  Tage  aus,  an  welchem  die  Dauer  der  Funktionen  seines  Vorgängers
  aufgehört  ueen  würde.  Jede  Veränderung  in  den  Personen  des  Präsienten,
  des  Vizepräsidenten  oder  der  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  ist
durch  die  Gesellschaftsblätter  bekannt  zu  machen.

K.  27.

Der  Verwaltungsrath  versammelt  sich,  so  oft  als  er  es  für  dienlich  erachtet
an  festzusetzenden  Terminen  auf  Einladung  des  Präsidenten,  welche  dieser  auerlassen
  muß,  wenn  zwei  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  bei  ihm  darauf
antragen,  in  der  Regel  einmal  monatlich,  um  von  dem  Gange  der  Geschäfte
Kenntniß  zu  nehmen  und  Erforderliches  zu  beschließen.  .

Ueber  sede  Sitzung  ist  ein  Piotofol-  aufzunehmen.  Die  Beschlüsse  und
Wahlen  des  Verwaltungsrathes  werden  in  derselben  Weise  vollzogen,  wie  es  im
§.  44.  für  die  Generalversammlungen  vorgeschrieben  ist.  Zur  Fassung  eines
Hatenn.  Beschlusses  ist  die  Anwesenheit  von  wenigstens  sechs  Mitgliedern  erorderlich.


K.  28.

Zu  den  ausschließlichen  Befugnissen  und  Pflichten  des  Verwaltungsrathes
  gehört:

a)  die  Anordnung  solcher  Maaßregeln,  die  er  zu  einem  geregelten  und  dem

Zwecke  der  Bank  angemessenen  Betriebe  der  Geschäfte  für  nöthig  erachtet.

Die  Direktion  hat  den  von  dem  Verwaltungsrathe  ihr  mitgetheilten
Beschlüssen  desselben  Folge  zu  leisten;

b)  die  genaue  Kenntnißnahme  von  der  Seitens  der  Direktion  bei  den  jedesmaligen

  Versammlungen  des  Verwaltungsrathes  auf  dessen  Verlangen

m
        <pb n="431" />
        —  256  —

ihm  vorzulegenden  Uebersicht  der  Kasse  der  Bank,  des  Wechsel-Portefeuilles,
  der  Lombardbestände,  sowie  der  Notenkasse  (§.  21.);

J%)  die  Abfassung  von  Geschäfts-Instruktionen  für  die  Direktion;

4)  die  monatliche  Revision  der  Kasse,  der  Wechsel-  und  Lombardbestände
und  der  Notenkasse  durch  Deputirte,  welche  ein  Protokoll  über  die
Revision  aufzunehmen  haben;

Ta)  außerordentliche  Revisionen  nach  den  vorstehenden  Bestimmungen,  so  oft
er  dieselben  für  angemessen  erachtet,  mindestens  aber  jährlich  einmal

)  die  7  der  von  der  Direktion  ihm  vorzulegenden  Bilanz,  sowie
die  Feststellung  der  am  Schlusse  jedes  Geschäftslchres  zu  verlheilenden
Dividende  (§.  48.);

8)  die  Wahl  und  Bestellung  des  vollziehenden  Direktors  und  seines  Stellvertreters,
  der  Mitdirektoren  (.  34.)),  sowie  auch  des  Rendanten  und
seines  Stellvertreters,  desgleichen  auch  die  Bestimmung  der  Gehälter,
Gratifikationen  und,  mit  Ausnahme  der  vom  vollziehenden  Direktor  zu
stellenden  Kaution  (§.  39.),  auch  der  Kautionen  sämmtlicher  Angestellten;

h)  die  Befugniß,  einen  Syndikus  für  die  Bank  zu  wählen  und  den  Kontrakt
mit  demselben  abzuschließen;

i)  die  Beschlußnahme  über  Beschaffung  eines  zweckmaͤßigen  Geschäftslokales
durch  Miethe  oder  Kauf  und  die  Eterung  der  dafür,  sowie  für  den
Geschäftsbetrieb  überhaupt  zu  verwendenden  Kosten;

k)  das  Recht,  die  Berufung  einer  Generalversammlung  anzuordnen,  wenn
er  dies  im  Interesse  der  Bank  erforderlich  hält,  sowie  die  Verpflchtung,
den  Aktionairen  in  der  alljährlich  stattfindenden  Generalversammlung  über
die  Resultate  des  verflossenen  Jahres  Bericht  zu  erstatten.

Der  Verwaltungsrath  ist  ferner  befugt  alle  Beamten  der  Gesellschaft,  einschließlich
  der  Direktionsmitglieder,  wegen  Dienstvergehen  jederzeit  vom  Amte  zu
suspendiren  resp.  zu  entlassen.  Der  desfallsige  Beschluß  erfordert  jedoch  die  Uebereinstimmung
  von  mindestens  sieben  Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes.

C.  29.

Alle  Ausfertigungen  des  Verwaltungsrathes  werden  von  dem  Präsdenten
oder  von  dem  Vizepräsidenten,  in  deren  Verhinderung  von  zwei  Mitgliedern  des

Verwaltungsrathes  unterschrieben.

g.  30.

Der  Verwaltungsrath  wird  nicht  besoldet;  er  bezieht  außer  dem
Ersatze  für  die  durch  seine  Funktionen  veranlaßten  baaren  Auslagen,  für  hne
Mühwaltung  eine  Tantieme  von  vier  Prozent  von  dem  nach  Abzug  des  Beitrages
  zum  Reservefonds  verbleibenden  Reingewinne.  Derselbe  hat  indeß  nur

(Nr.  6560)  35“  An-
        <pb n="432" />
        —  256  —

Anspruch  auf  diese  Tantième,  wenn  die  an  die  Aktionaire  für  das  betreffende
Geschäftsjahr  zur  Vertheilung  gelangende  Dividende  mindestens  fünf  Prozent
beträgt.  Der  Verwaltngsra,  *—  ie  Vertheilung  dieser  Tantième  unter  seine
Mitglieder  fest.  Die  Generalversammlung  kann  eine  Ermäßigung  dieser  Tantième
beschließen.  «

§.31.

Der  vollziehende  Direktor  resp.  dessen  Stellvertreter  ist  bercchtigt,  den
Sitzungen  des  erwaltungsrathesn  soweit  nicht  ihn  persönlich  betreffende  Angelegenheiten
  verhandelt  werden,  jedoch  nur  mit  berathender  Stimme  beizuwohnen.

Titel  VI.

Von  der  Direktion.

g.  32.

Die  Direktion,  welche  den  Vorstand  der  Gesellschaft  im  Sinne  des  Handelsgesetzbuches
  Artikel  227.  ff.  darstellt,  besteht  aus  dem  vollziehenden  Direktor  und
zweien  von  dem  Verwaltungsrathe  aus  seiner  Mitte  zu  wählenden  Mitgliedern.
Die  Wahl  der  letzteren  erfolgt  auf  ein  Jahr  und  darf  nicht  öfter  als  zwei  hintereinander
  folgende  Jahre  auf  dieselbe  Person  gerichtet  werden.

S.  33.
In  Krankheits=  oder  sonsigen  Behinderungsfällen  des  vollziehenden  Direktors
  übernimmt  ein  von  dem  Verwaltungsrathe  dazu  bestimmtes  Mitglied  des

Verwaltungsrathes  oder  ein  von  dem  Verwaltungsrathe  ernannter  Angestellter
der  Gesellschaft  provisorisch  den  Dienst  des  vollziehenden  Direktors.

g.  34.

Die  Wahl  des  vollziehenden  Direktors,  sowie  seines  Stellvertreters  und  der
in  die  Direktion  eintretenden  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  erfolgt  durch  den
Verwaltungsrath  (§.  28.)  zu  notariellem  oder  gerichtlichem  Protokoll,  dessen  Ausfertigung
  den  Mitgliedern  der  Direktion  als  Legitimation  dient.

Die  Namen  der  Direktionsmitglieder,  des  Stellvertreters  des  vollziehenden
Direktors  (§.  33.),  sowie  derjenige  des  Rendanten  und  seines  Stellvertreters  sind
bei  jedem  in  den  Personen  eintretenden  Wechsel  in  den  Gesellschaftsblättern,  sowie
mittelst  Anschlags  an  der  Börse  zu  Danzig  zu  veröffentlichen.  Dritten  Personen
gegenüber  kann  nicht  entgegengesetzt  werden,  daß  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes,
  welche  als  Direktoren  gehandelt  haben,  dazu  von  dem  Verwaltungsrathe
nicht  abgeordnet  gewesen  seien.  r

K.  3..
        <pb n="433" />
        —  267  —

S.  35.

Die  Direktion  vertritt  die  Gesellschaft  nach  Außen  (Art.  230.  und  231.
des  Handelsgesetzbuches),  bringt  die  Bankgeschäfte  zur  Ausführung  und  besorgt
die  Verwaltung  des  Bankvermögens,  hat  jedoch  in  Gemäßheit  des  F.  28.  bei  der
Ausübung  aller  dieser  Funktionen  die  Vorschriften  und  Anweisungen  des  Verwaltungsrathes
  zu  befolgen  und  handelt  in  dem  ihr  vorstehend  überwiesenen
Wirkungskreise  nur  insoweit  selbstständig,  als  das  gegenwärtige  Statut  und  ihre
Instruktionen  sie  nicht  beschränken.  Dis  Beschränkungen  sind  jedoch  nur  zwischen
den  Mitgliedern  der  Direktion,  des  Verwaltungsrathes  und  der  Gesellschaft  als
solcher,  nicht  aber  dritten  Personen  &amp;amp;  enüber  wirksam.  Den  letzteren  kann  die
Behauptung  einer  Verletzung  jener  beschränkenden  Vorschriften  mit  Erfolg  nicht
entgegengesetzt  werden.

KG.  36.

Die  vorstehend  bezeichneten  Befugnisse  der  Direktion  erstrecken  sich,  sowohl
bei  gerichtlichen  als  außergerichtlichen  Geschäfter,  auf  alle  Fälle,  in  denen  die
Gesetze  eine  Spezialvollmacht  erfordern  (Art.  12.  FJ.  6.  des  Einführungsgesetzes
zum  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuche).

Den  Nachweis,  daß  die  Direktion  innerhalb  der  ihr  zustehenden  Befugnisse
gehandelt  habe,  ist  dieselbe  gegen  dritte  Personen  zu  führen  nicht  verbunden.

g.  87.

Zu  Quittungen  und  Verfügungen  über  Gelder,  Dokumente  und  Vermögensobjekte
  überhaupt,  desgleichen  zur  Ausstellung  der  Wechselgiri,  sowie  zur  Korteponden
  ist  die  unter  der  Firma  der  Bank  (H.  I.)  zu  vollziehende  gemeinschaftliche
  Unterschrift  eines  der  in  den  §S§.  32.  und  33.  gedachten  Direktoren  und  des
Rendanten  (§8.  28.  und  34.)  genügend.

In  allen  übrigen  Fällen  sind  Erklärungen,  Urkunden  und  Verhandlungen
der  Direktion  von  dem  vollziehenden  Direktor  resp.  dessen  Stellvertreter  und
mindestens  einem  der  beiden  Mitdirektoren  unter  der  Firma  der  Bank  zu  unterschreiben.
  Nur  die  nach  den  vorstehenden  Normen  vollzogenen  Unterschriften
verpflichten  die  Bank,  und  zwar  sowohl  gegen  jede  richterliche  und  andere  öffentliche
  Behörde,  als  gegen  jeden  Privaten.

g.  38.

Die  Direktion  ernennt  und  entläßt  oder  suspendirt  alle  Beamte  der  Geellschaft,
  deren  Ernennung  nicht  durch  §.  28.  dem  Verwaltungsrathe  vorbehalten
ist,  und  ertheilt  denselben  ihre  Dienstinstruktionen.  «

§.39.

Der  vollziehende  Direktor  muß  bei  dem  Verwaltungsrathe  eine  Amtskaution
Ger.  6560  von
        <pb n="434" />
        —  258  —

von  fünftausend  Thalern  Preußisch  Kurant  baar  oder  in  Staatspapieren  deponiren;
er  bezieht  deren  Zinsen.

KS.  40.

Die  Direktion  fertigt  und  übergiebt  dem  Verwaltungsrathe  die  im  §.  28.
sub  b.  gedachten  Uebersichten  auf  jedesmaliges  Verlangen,  desgleichen  am  Schlusse

eines  jeden  Geschäfte  res  eine  nach  kaufmännischen  Prinzipien  angefertigte  Bilanz
unter  gewissenhafter  Würdigung  des  Werthes  aller  Aktiva.

Allmonatlich  hat  die  Direktion  eine  von  dem  Verwaltungsrathe  vorher  zu
genehmigende  Uebersicht  der  am  letzten  Tage  des  verslossenen  Monats  in  der  Bank
vorhanden  gewesenen  Aktiva  und  Passiva,  insbesondere  der  Bestände  in  geprägtem
Golde  und  Silber,  Barren  und  Wechsel,  ferner  des  Betrages  der  Forderungen
aus  den  Darlehnen  und  aus  laufender  Rechnung,  sowie  der  umlaufenden  Banknoten
  in  den  Gesellschaftsblättern  zu  veröffentlichen.

Desgleichen  hat  die  Direktion  zu  der  alljährlich  stattfindenden  ordentlichen
Generalversammlung  (Titel  VII.)  einen  das  abgelaufene  Jahr  betreffenden,  alle
Zweige  des  Verkehrs  umfassenden,  vom  Verwaltungsrathe  genehmigten  Geschäftsbericht,
  der  gleichzeitig  die  Bilanz  enthält,  im  Druck  erscheinen  zu  lassen  und  dafür
  Sorge  zu  tragen,  daß  ein  solcher  jedem  sich  dafür  Interessirenden  zugänglich
gemacht  wird.  Zu  diesem  Zwecke  sind  in  den  Gesellschaftsblättern  die  Stellen

ekannt  zu  machen,  an  welchen  derselbe  in  Empfang  zu  nehmen  ist.  Ein  gleicher

Bericht  ist  dem  Kommissar  des  Staates  vorzulegen.  Es  bleibt  der  Regierung
vorbehalten,  anstatt  der  monatlichen,  in  Zukunft  auch  eine  öftere,  höchstens  aber
die  wöchentliche  Bekanntmachung  der  Aktiva  und  Passiva,  insbesondere  der  Bestände
  in  geprägtem  Golde  und  Silber,  Barren  u.  s.  w.,  anzuordnen.

 

Titel  VII.

Von  den  Generalversammlungen.

KC.  41.

Die  Generalversammlungen  der  Aktionaire  zerfallen  in  ordentliche  und
außerordentliche;  sie  finden  sämmtlich  in  Danzig  statt  und  werden  von  der
Direktion  einberufen.

Die  ordentliche  Generalversammlung  tritt  jedes  Jahr  im  Monat  März
zusammen.

Außerordentliche  Generalversammlungen  finden  statt,  so  oft  deren  Abhaltung
entweder  von  der  Direktion  oder  dem  Verwaltungsrathe  im  Interesse  der  Geellschaft
  für  erforderlich  erachtet  oder  von  Aktionairen,  welche  zusammen  mindestens
ünfhundert  Aktien  besitzen,  in  einer  von  ihnen  unterzeichneten  Eingabe  unter

mgabe  des  Zweckes  und  der  Gründe  verlangt  wird.  Di
ie
        <pb n="435" />
        —  259  —

Die  Einladungen  zu  den  Generalversammlungen  müssen  die  Zeit,  den
Ort  und  die  Tagesordnung  der  Versammlungen  enthelten  und  werden  von  der
Direktion  durch  zweimalige  Bekanntmachung  in  den  Gesellschaftsblättern,  sowie
mittelst  Anschlags  an  der  Danziger  Börse  erlassen;  die  erste  Bekanntmachung
muß  mindestens  vierzehn  Tage  vor  dem  Versammlungstage  inserirt  resp.  angeschlagen
  werden.

C.  4.

Zutritt  zu  den  Generalversammlungen  haben  alle  dieenigen  Aktionaire,
-welche  vor  dem  Tage  der  Generalversammlung  in  den  Büchern  der  Gesellschaft
eingetragen  sind.  Jedoch  hat  sich  jeder  Aktionair,  welcher  an  der  Generalversammlung
  Theil  nehmen  will,  spchestens  am  Tage  vor  derselben  bei  der  Direktion
als  Aktienbesitzer  zu  legitimiren  und  eine  Einlase

Anzahl  Stimmen,  die  er  vertritt,  angiebt.

In  der  Generalversammlung  bestimmt  sich  die  Zahl  der  Stimmen  der
Aktionaire  nach  der  Zahl  der  einem  jeden  von  ihnen  gehörigen  Aktien,  jedoch  geben:

1  bis  5  Aktien  nur  1  Stimme,
6.  10  .  2  Stimmen,
11.  15  -  -«  -
16s20s  -

4
und  jede  weiteren  fünf  Aktien  Eine  Stimme,  8  daß  der  Eigenthümer  von  Eindnde
  Aktien  nur  zwanzig  Stimmen  hat.  ehr  als  zwanzig  Stimmen  darf
ein  Aftionair,  auch  nicht  in  erhaltenem  Auftrage  und  in  Vollmacht,  in  sich
vereinigen.

Die  Vertretung  juristischer  Personen  geschieht  durch  ihre  gesetzlichen  Repräsentanten.
  Abwesende  Aktionaire  können  sich  nur  durch  anwesende  stimmberechtigte
  Aktionaire  vertreten  lassen.  Jedoch  ist  die  Vertretung  der  Ehefrauen
durch  ihre  Männer  und  der  Minderjährigen,  sowie  aller  Bevormundeten  überhaupt
  durch  ihre  Vormünder  resp.  Kuratoren,  der  Kaufleute  durch  ihre  Prokuristen
  gestattet.  Die  Vertreter  haben  die  desfallsige  schriftliche  Vollmacht  resp.
vormundschaftliche  Bestallung  spätestens  am  Tage  vor  der  Generalversammlung
der  Direktion  vorzulegen.

Die  Beschlüsse  der  Anwesenden  sind  für  die  Abwesenden  verbindlich.

arte  zu  lösen,  welche  zugleich  die

K.  43.

Die  Generalversammlung,  regelmäßig  konstituirt,  stellt  die  Gesammtheit
der  Aktionaire  dar.

Der  zeitige  Vorsitzende  des  Verwaltungsrathes  führt  auch  den  Vorsitz  in
der  Generalversammlung.  Die  Stimmzähler,  welche  weder  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes,
  noch  Beamte  der  Gesel  schaft  sein  dürfen,  werden  vom  Vorsitzenden
  ernannt.

(Xr.  6500.)  Der
        <pb n="436" />
        —  260  —

Der  Vorsitzende  ordnet  und  leitet  das  formelle  Verfahren  für  die  Abstimmungen.


In  den  ordentlichen  Generalversammlungen  werden  die  Geschäfte  in  nachfolgender
  Ordnung  verhandelt:

1)  Vorlegung  der  Bilanz  und  des  Bücherabschlusses,  sowie  des  Berichtes
der  Direktion  über  die  Lage  des  Geschäfts  im  Allgemeinen  und  über  die
Resultate  des  verflossenen  Vohres  insbesondere;

2)  Wahl  der  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes;

3)  Berathung  und  Beschlußnahme  über  die  Anträge  des  Verwaltungsrathes,
der  Direktion,  sowie  über  die  Anträge  einzelner  Aktionaire,  sofern  diese
bis  zum  15.  Februar  bei  der  Direktion  schriftlich  eingereicht  worden  sind;

4)  Wahl  von  drei  Kommissarien,  welche  den  Auftrag  erhalten,  die  Richtigkeit
der  Bilanz  durch  Vergleichung  mit  den  Büchern  und  Skripturen  der  Gesellschaft
  zu  prüfen  und  rechtfindend  der  Direktion  die  Decharge  zu  ertheilen.
  Die  Prüfung  muß  spätestens  bis  zum  30.  Juni  desselben  Jahres
erfolgt  sein.

KC.  44.

Die  Beschlüsse  und  Wahlen  der  Generalversammlung  vollbringen  sich  mit
absoluter  Stimmenmehrheit.  Bei  Gleichheit  der  Stimmen  gilt  der  zur  Abstimzung
  gestellte  Antrag  als  verworfen.  Bei  Wahlen  entscheidet,  insofern  Gleichheit
der  Stimmen  eintritt,  das  Loos.

Die  Wahlen  werden  mittelst  bbeimer  Zettelabstimmung  vorgenommen.
Wenn  sich  bei  einer  Wahl  im  ersten  8  utinium  weder  eine  absolute  Majorität,
noch  Stimmengleichheit  ergiebt,  so  werden  diejenigen,  welche  die  meisten  Stimmen
arbele  haben,  bis  zur  doppelten  Anzahl  der  zu  Wählenden  auf  die  engere  Wahl
gebracht.

g.  45.

Auf  den  Antrag  des  Vorsitzenden,  sowie  auch  auf  den  Antrag  von  wenigsens
  fünf  anwesenden  Aktionairen,  muß  auch  über  andere  Gegenstände  als  Wahlen
urch  geheime  Abstimmung  entschieden  werden.

*“

Die  Protokolle  der  Generalversammlungen,  welche  die  Personen  der  anwesenden
  Aktionaire  und  Vertreter  und  die  Zahl  der  Stimmen  eines  Jeden,  sowie
das  Resultat  der  Abstimmungen  enthalten  und  die  Verhandlungen  summarisch
darstellen  müssen,  werden  von  einem  Notar  oder  einem  Gerichtsdeputirten  aufgenommen
  und  von  dem  Vorsitzenden  und  den  Stimmzählern  unterzeichnet.  Anträge
        <pb n="437" />
        —  261  —

träge  der  Minorität  müssen,  sofern  es  verlangt  wird,  in  das  Protokoll  aufgenommen
  werden.

C.  47.

Nur  in  einer  außerordentlichen  Generalversammlung  kann  eine  Abänderung
des  Statuts,  eine  Erhöhung  des  Grundkapitals  oder  auch  die  Auflösung  der
Gesellschaft  resp.  die  Verlängerung  ihrer  Dauer  (§.  3.)  beschlossen  werden  und
nur  mittelst  einer  absoluten  Majorität  der  Stimmen,  welche  zugleich  mindestens
drei  Viertheile  der  in  der  Generalversammlung  vertretenen  Wien  repräsentirt.
Die  Beschlüsse  über  Abänderung  des  Statuts,  Erhöhung  des  Grundkapitals
über  den  Betrag  von  Einer  Million  fünfhundert  tausend  Thaler  hinaus  und  über
Verlängerung  der  Dauer  der  Gesellschaft  treten  erst  in  Kraft,  nachdem  sie  die
landesherrliche  Genehmigung  erhalten  haben.

Titel  VIII.
Rechnungsablage)  Dividende)  Reservefonds.

C.  48.

Die  Bücher  der  Bank  werden  mit  dem  31.  Dezember  jeden  Inbre  abgeschlossen
  und  die  Bilanz  auf  diesen  Tag  von  der  Direktion  gezogen.  Die  Bilanz
wird  von  dem  Verwaltungsrathe  gebrist  und  festgestellt.  er  Ueberschuß  der
Aktiva  über  die  Passiva  bildet  den  Reingewinn  der  Gesellschaft.

Bei  Aufnahme  der  Vilang,  welche,  nachdem  sie  von  der  Revisionskommission

eprüft  worden,  durch  die  Gese  Lchaftsolitter  u  veröffentlichen  ist,  müssen  sowohl
ga  sämmtlichen  verausgabten  genheftuntn  als  auch  alle  vorgekommenen
Verluste  abgesetzt  und  für  die  vorhandenen  unsicheren  Forderungen  ein  angemessener
Prozentsatz  abgerechnet  werden.

Die  etwa  vorhandenen  Effekten  dürfen  niemals  mit  einem  höheren,  als
dem  Erwerbskurse  und,  wemm  der  Börsenkurs  am  Tage  der  Bilanzaufnahme
niedriger  als  der  Erwerbskurs  ist,  nur  zu  dem  Börsenkurse  in  der  Bilanz  aufgenommen
  werden

Von  dem  auf  diese  Weise  ermittelten  Reingewinne  werden  163,  sage  sechszehn
  zwei  Drittel  Prozent,  so  lange  zum  Reservefonds  zurückgelegt,  bis  letzterer
auf  die  Summe  von  250)000  Thaler,  sage  zweihundert  funsigenaend
angewachsen  ist.

Von  der  übrig  bleibenden  Summe  wird  zunächst  die  Tantieme  des  Verwaltungsrathes,
  insofern  eine  solche  nach  D.  zur  Verhheilung  kommt,  abgesetzt
und  der  dann  verbleibende  Ueberschuß  als  Dividende  unter  die  Aktionaire  vertheilt.

Sollte  sich  durch  eine  Jahresbilanz  eine  Verminderung  des  Gumdkapitals
Frransstellen  so  dient  zunächst  der  Reservefonds  zur  De  des  Ausfalles.

eicht  derselbe  dazu  nicht  hin,  so  dienen  die  Sw  erzielten  Reingewinne  vor-Jahrgang
  1867.  (Nr.  6560.)  zugs-
        <pb n="438" />
        —  262  —

zugsweise  zur  Wiederergänzung  des  Grundkapitals  und  darf,  bevor  diese  stattgepatt
  hat,  weder  eine  neue  Reserve  angesammelt,  noch  eine  neue  Dividende
vertheilt  werden.  So  oft  und  so  lange  sich  aber  nach  Wiederergänzung  des
Grundkapitals  der  Reservefonds  erschöpft  oder  angegriffen  findet,  darf  von  dem
erzielten  Reingewinne  nur  die  Hälfte  als  Dividende  vertheilt  und  muß  die  andere
Hälfte  verwendet  werden,  um  den  Reservefonds  wieder  auf  seine  frühere  Höhe
zu  bringen.

Der  Reservefonds  darf  zu  keinem  anderen  Zwecke  als  zu  der  vorstehend
Fedachten  eventuellen  Ergänzung  des  Grundkapitals  und,  wenn  in  einem  Geschäftsjahre
  die  gemachten  Gewinme  durch  eingetretene  Verluste  überstiegen  sein  sollten,
zur  Ausgleichung  der  Bilanz  verwendet  werden.

K..  49.

Die  Dividenden  sind  in  Danzig  an  der  Kasse  der  Gesellschaft  zahlbar;
dieselben  können  jedoch  durch  Beschluß  des  Verwaltungsrathes  auch  an  anderen
Orten,  welche  die  Direktion  durch  die  Gesellschaftsblätter  bekannt  zu  machen  hat,
zahlbar  gestellt  werden.  Die  Dividenden  verjähren  zu  Gunsten  der  Gesellschaft
nach  Ablauf  von  fünf  Jahren,  von  dem  Tage  ab  gerechnet,  an  welchem  dieselben
zahlbar  sind.

Die  Dividenden  werden  jährlich  vom  1.  April  ab  gegen  Einlieferung  der
ausgegebenen  Dividendenscheine  gezahlt.  -

Titel  IX.
Verfahren  bei  der  Auflösung.

G.  50.

Die  Bank  ist  verpflichtet,  jedenfalls  bis  zum  Ablauf  der  statutmäßigen
Dauer,  wenn  aber  die  Muflosung  schon  früher  beschlossen  worden,  oder  das  Noten-Privilegium
  der  Bank  vor  dem  Ablauf  der  Gesellschaftsdauer  erlöschen  sollte,
innerhalb  Jahresfrist  ihre  sämmtlichen  Noten  einzulösen.  Wird  die  Auflösung
der  Gesellschaft  innerhalb  des  letzten  Jahres  vor  dem  Ablauf  der  statutmäßig
bestimmten  Zeit  beschlossen,  so  müssen  bis  zu  diesem  Zeitpunkte  sämmtliche  Noten
eingelöst  werden.

.  51.

Bei  Aufösung  der  Gesellscst  kommen  die  Vorschriften  des  Allgemeinen
Deutschen  Handelsgesetzbuches  über  das  Liquidationsverfahren  zur  Anwendung.

Die  eingelösten  Noten  sind  unter  Aufsicht  des  Kommissars  des  Staats  zu
vernichten  und  die  Vernichtung  ist  mittelst  eines  gerichtlich  oder  notariell  aufzunehmenden
  Dokuments,  in  welchem  die  Noten  nach  Nummern  genau  bezeichnet
sein  müssen,  zu  beurkunden.  D

ie
        <pb n="439" />
        —  263  —

Die  Beträge  der  nicht  eingelösten  und  präkludirten  Noten  werden  der
Stadtgemeinde  Danzig  zu  mildthätigen  Zwecken  überwiesen.

K.  52.

Nach  beendetem  Liquidationsgeschäfte  ist  eine  Generalversammlung  von  der
Direktion,  nach  den  im  gegenwärüigen  Statute  für  die  Konvokation  gegebenen
Vorschriften,  zum  Zwecke  der  Vorlegung  der  Schlußrechnung  und  Ertheilung  der
Decharge  zu  berufen.

Die  von  den  in  Sicter  Versammlung  anwesenden,  nicht  zur  Verwaltung
ehörenden  Aktionairen  ertheilte  Decharge  befreit  den  Verwaltungsrath  und  die
irektion  der  Bank  den  Aktionairen  gegenüber  von  allem  und  jedem  ferneren

Nachweise,  sowie  von  jedem  Anspruche  wegen  der  erfolgten  Liquidation.

Eine  gleiche  rechtliche  Folge  tritt  ein,  falls  in  der  Generalversammlung  kein
bei  der  Verwaltung  unbetheiligter  Aktionair  erschienen  ist  und  sich  dieser  Fall  in
zuutr  „ween  eigens  zu  diesem  Zwecke  berufenen  Generalversammlung  wiederolt

  hat.

Titel  X.
Oberaufsicht  des  Staates.

h.  53.

Zur  Wahrnchmung  des  Oberaufsichtsrechts  ernennt  die  Staatsregierung
einen  Kommissar,  welcher  befugt  ist,  allen  Generalversammlungen,  allen  Sitzungen
der  Direktion  und  des  Verwaltungsrathes  ohne  Stimmrecht  beizuwohnen,  sowie
von  allen  Büchern,  Skripturen  und  von  den  Kassen  der  Gesellschaft  jederzeit
Einsicht  zu  nehmen,  auch  die  Organe  der  Gesellschaft  gültig  zusammenzuberufen.

(r.  6500)  36“  For-
        <pb n="440" />
        —  264  —
Formular  A.
(Vorderseite.)
Vanziger  Privat-Aktien-Gank,

gegründet  durch  notariellen  Vertrag  vom  21.  November  1856.,
landesherrlich  bestätigt  durch  Königliche  Kabinets-Order  vom  16.  März  1857.

Bank-Aktie

über

Fünfhundert  Thaler  Preußisch  Kuraut.

Der  N.  N.  (Stand,  Wohnort)  hat  den  Betrag  der  Aktie  Jmit
Fünfhundert  Thalern  statutenmäßig  geleistet  und  alle  statutemmäßigen  eche  und
Pflichten  an  der  auf  2000  Aktien  à  500  Thaler  gegründeten  Danziger  Privat-Aktien-Bank,
  namentlich  an  deren  Gewinn,  sowie  an  dem  Gesammt-Eigenthum
dieser  Gesellschaft.  Jeder  Nachfolger  im  Eigenthum  dieser  Aktie  ist  den  Statuten
unterworfen.

Danzig,  den  zn  18.—

Der  Verwaltungsrath.

Dieser  Aktie  sind  auf  fünf  Thre  Dividendenscheine,  auf  jeden  Inhaber  lautend,
nebst  Talon  beigegeben,  welche  nach  Ablauf  des  letzten  Jahres  durch  neue  ersetzt  werden.

 

Eingetragen  sub  Follo#  des  Registers.
(Rückseite.)
Uebertragen  a.  A#
Folo
Danzig,  den  #....  18..

Danziger  Privat-Aktien-Bank.
Der  Verwaltungsrath.

For-
        <pb n="441" />
        —  265  —

Formular  B.

Oividendenschein  zu  der  Aktie  .4

der

Danziger  Privat-Aktien  Lank.

Der  Inhaber  dieses  Scheines  erhält  gegen  dessen  Rückgabe  aus  der  Kasse  der
Danziger  Privat-Aktien-Bank  diejenige  Dividende  ausgezahlt,  welche  durch  öffentliche
  Bekanntmachung  der  Direktion  der  Bank  für  das  Jahr  festgesetzt
werden  wird.

Geht  dieser  Dividendenschein  verloren,  so  findet  das  im  §.  14.  des  Statuts
vorgeschriebene  Verfahren  Anwendung.

Danzig,  den  .  .ten  ..  ......  18..

Danziger  Privat-Aktien-Bank.

Der  Verwaltungsrath.
(Stempel.)

Der  Rendant.

(Tr.  6560)  For-
        <pb n="442" />
        —  266  —
Formular  C.

Anweisung
zum  Empfange  der.  Serie  der  Dividendenscheine  zur  Aktie  .  .

der

Danziger  Privat-Aktien-  Lank.

Inhaber  empfängt  am  ..  ..  ...  ...  ..  ..  ...  gegen  diese  Anweisung  nach  88.  5.
und  10.  des  Statuts  am  Sitze  der  Gesellschaft  die  .....  Serie  der  Dividendenscheine
  zur  vorbezeichneten  Aktie.

Geht  diese  Anweisung  verloren,  so  findet  das  im  §.  14.  des  Statuts  vorgeschriebene
  Verfahren  Anwendung.  .

Danzig,  den  .  .ten  ......  ..  18.

Danziger  Privat-Aktien-Bank.

Der  Verwaltungsrath.

For-
        <pb n="443" />
        —  267  —

Formular  D.
zu  Quittungsbogen.

Quittung
über  die  auf  die  Aktie  der
Danziger  privat-Aktien  -  Lank

t....................  TPalek  Preußisch  Kurant  eingezahlt.

Nach  völliger  Einzah  ung  von  fünfhundert  Thalern  Preußisch  Kurant
wird  dem  rechmechigen  Besitzer  dieses  Quittungsbogens  gegen  Rückgabe  desselben
dee  o  Pbiger  Nummer  bezeichnete,  auf  den  Namen  des  Inhabers  lautende  Aktie
überliefert.

Danzig,  den  1  .  18..

Danziger  Privat-Aktien-Bank.
Der  Verwaltungsrath.

 

 

 

 

 

 

Auf  die  obenerwähnte  Aktie  sind  ferner  Auf  die  obenerwähnte  Aktie  sind  ferner
ler  .  .  ...  Preuß.  Kurant  ein-  Thaller  Preuß.  Kurant  eingezahlt
  worden.  gezahlt  worden.
Danzig,  den  ten  .  18.  Danzig,  den  ten  ..  .  18.
Danziger  Privat-Aktien-Bank.  Danziger  Privat-Aktien-Bank.
Auf  die  obenerwähnte  Aktie  sind  ferner  Auf  die  obenerwähnte  Aktie  sind  ferner
Thaler........·...........  Prcuß.  Kurant  ein-  Thaler  .  .  ..  Preuß.  Kurant  eingezahlt
  worden.  cczahlt  worden.
Danzig  den##tten  .  18.  Danzlig,  den  ten..  18.
Danzlger  Privat-Aktien-Bank.  Danziger  Privat-Aktien-Bank.
Auf  die  obenerwähnte  Aktie  sind  ferner  Auf  die  obenerwähnte  Aktie  sind  ferner
aler  .  .  .  .  ...  Preuß.  Kurant  ein-  Thallerr  Preuß.  Kurant  eingezahlt
  worden.  gezahlt  worden.
Danzig,  den  ten  .  ...  18.  Danzig,  den  ten  18.
Danziger  Privat-Aktien-Bank.  Danziger  Privat-Aktien-Bank.

 

(Nr.  6560.)  For-
        <pb n="444" />
        —  266  —
Formular  E.
(Vorderset
Vanziger  Privat-Aktien-GBank,

gegründet  durch  notariellen  Vertrag  vom  21.  November  1856.,
genehmigt  durch  Königliche  Kabinets-Order  vroo  .  ..

Bank-Akti.  ———
über
Fünfhundert  Thaler  Preußisch  Kurant.

Der  N.  N.  (Stand,  Wohnort)  hat  den  Betrag  der  Aktie  #  mi,
fünfhundert  Thalern  geleistet  und  alle  statutenmäßigen  Rechte  und  Pflchten
dadurch  erworben.

 

Danzig,  den  #  ...  18.

Der  Verwaltungsrath.

Dieser  Aktic  sind  auf  fünf  Jahre  Dividendenscheine,  auf  jeden  Inhaber  lautend,
nebst  Talons  beigegeben,  welche  nach  Ablauf  des  letzten  Jahres  durch  neue  ersetzt  werden.

Eingetragen  sub  Fol.  des  Regzisters.

 

(Rückseite.)

Fol.

Danziger  Privat-Aktien-Bank.
Der  Verwaltungsrath.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="445" />
        —  269  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  19.  —

 

(Nr.  6561.)  Gesetz,  betreffend  die  Regelung  der  direkten  Besteuerung  in  dem  Fuͤrstenthume

Wir

Hohenzollern-Hechingen.  Vom  22.  Februar  1867.

Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #c

verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,
was  folgt:

K..  1.

In  dem  Fürstenthume  Hohenzollern  =  Hechingen  werden  von  dem  durch
Königliche  Verordnung  bis  längstens  den  1.  Januar  1870.  festzusetzenden  Zeitpunkte
  a

I.  folgende  daselbst  zur  Zeit  bestehende  Abgaben  aufgehoben:

dagegen
II.

Jahrgang  1667.  (Nr.  6561.)

1)  die  Grund=  und  Häusersteuer,
2)  die  Schatzung  der  Stadt  Hechingen,
3)  die  Gefällsteuer,

4)  die  Patentsteuer  und  die  Konzessionsgelder  —  vom  Eisenhandel,
vom  Handel  mit  Sensen,  von  Scheerenschleifern,  Kesselflickern  und
von  Oelmühlen,

5)  die  Kapitalsteuer,

6)  die  Besoldungssteuer,

7)  die  Abgabe  von  Hunden,

8)  die  Accise  vom  Schlachten  und  Schächten  und  von  Gypsmühlen,
9)  das  Brückgeld  zu  Schlatt  und  zu  Bisingen;

die  in  dem  Fürstenthume  Hohenollern.  Si  maringen  bestehenden  direkten
Steuern,  mit  Einschluß  der  Abgabe  von  unden,  eingeführt.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  9.  März  1867.
        <pb n="446" />
        —  270  —

§S.  2.
Von  weeo  eigunkte  ab  (G.  1.)  treten  im  Fürstenthume  Hechingen
die  für  das  Fürstenthum  Sigmaringen  ergangenen  Gesetze:
1)  über  die  Normen  der  direkten  Besteuerung  vom  30.  August  1834.
(Sigmaringensche  Gesetz  Samml.  Bd.  4.  S.  95.),
2)  die  Abgabe  von  Hunden  betreffend,  vom  19.  Januar  1843.  (a.  a.  O.
Bd.  6.  S.  268.))
3)  das  Verfahren  in  Steuer-Beschwerdesachen  betreffend,  vom  4.  März
18235.  (a.  a.  O.  Bd.  4.  S.  223.)
mit  den  diese  Gesetze  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden,  in  dem  Fürstenthume
  Sigmaringen  zur  Anwendung  kommenden  geschüchen  Vorschriften  unter
den  nachstehend  in  den  Iß.  3.  bis  8.  bestimmten  Mäaßgaben  in  Krast.

G.  3.

Residenz=  und  Lustschlösser  sammt  den  dazu  gehörigen  Nebengebäuden,
welche  sich  im  Besitze  der  itb  lieder  des  Königlichen  uues  oder  eines  der  beiden
  Hohenzollernschen  Fü  enhser  befinden,  sind  von  der  Gebäudebesteuerung
in  den  Hohenzollernschen  Landen  ausgenommen.

*
Die  Grundsteuerveranlagung  im  Fürstenthume  Hohen  allens  Hechipnen  ist
im  Anschluß  an  die  durch  das  Gesetz  vom  11.  April  1859.  (Gesetz-Samml.
S.  190.)  angeordnete  Parzellar  =  Landesvermessung  unter  Anwendung  der  folgenden
  Bestimmungen  zur  Ausführung  zu  bringen:

I.  Der  den  Maßstb  der  Besteuerung  bildende  Nutzungswerth  nach  Abzug
der  etwaigen!  gallasten  .  19.  des  Gesetzes  vom  30.  August  1834.  über
die  Normen  der  direkten  Besteuerung)  wird  in  verhältnißmäßiger  Gleichheit
mit  den  bei  der  Grundsteuerveranlagung  im  Fürstenthume  Hohenzollern=Sigmaringen
  ermittelten  und  in  dem  Grundsteuerkataster  nachgewiesenen
Nutzungswerthen  von  Grundstücken  gleicher  Ertragsfähigkeit  festgestellt.

II.  Sofern  in  einzelnen  Fällen  Behufs  Herstellung  der  Gleichmäßigkeit  der
Einschätzung  (zu  I.  vorstehend)  eine  spezielle  Reinertragsberechnung  für
die  erste  Klasse  der  Aecker,  Wiesen  und  Waldungen  (C.  31.  deßelen
Gesetzes)  angelegt  werden  sollte,  wird  dieselbe  unter  Anwendung  der  bei
der  Grundsteuerveranlagung  im  Fürstenthume  Hohenzollern-Sigmaringen
tun  #nde  gelegten  Werths-,  Rohertrags=  und  Kosten-Ansätze  ausgeführt.


III.  Die  Schähungede  utationen  (G.  7.  desselben  Gesetzes)  werden  aus  Angehörigen
  beider  Assterahämer  zusammengesetzt.

G.  5.
Die  Besitzer  derjenigen  Grundstücke,  welche  nach  der  bisherigen  Steuerver-
        <pb n="447" />
        —  271  —

verfassung  des  Fürstenthums  Hohenzollern-Hechingen  von  der  Grundsteuer  befreit
geblieben  sind  und  bei  Ausführung  dieses  Gesetzes  zu  Grundsteuer  herangeno  en
werden,  erhalten  eine  aus  der  Kasse  der  Hohenzollernschen  Lande  zu  zahlende  Entschädigung.
  Letztere  ist  nach  Maaßgabe  der  von  den  bieher  befreiten  Grundstücken
von  dem  im  F.  1.  bezeichneten  Zeitpunkte  ab  zu  entrichtenden  jährichen  Grundsteuern
  in  verhältnißmäßig  gleicher  Höhe  mit  denjenigen  Entschädigungsbeträgen
festzusetzen,  welche  auf  Grund  des  ersten  Absatzes  im  F.  18.  des  Gesttes  vom
21.  Mai  1861.)  betreffend  die  für  die  Aufhebung  der  Grundsteuerbefreiungen  und
Bevorzugungen  zu  gewährende  Entschädigung  Gieest  Samml.  S.  325.),  den
Besitzern  bisher  befreiter  und  bevorzugter  Grundstücke  nach  Maaßgabe  der  vom
1.  Januar  1865.  mehr  zu  übernehmenden  Grundsteuer  zu  Theil  werden.  Alle
Ansprüche  auf  Gewährung  einer  Entschädigung  sind  bei  der  Regierung  Sigmaringen
  binnen  einer  durch  das  Amtsblatt  bekannt  zu  machenden  Präklusiv  F.
von  drei  Monaten  anzubringen  und  werden  durch  die  im  H.  19.  des  gedachten
Gesetzes  vom  21.  Mai  186  1.  (Gesetz-Samml.  S.  325.)  angeordnete  Kommission

endgültig  festgestellt.  6

Die  Entschädigung  tritt  bezüglich  derjenigen  Grundstücke  nicht  ein,  für
welche  nach  rechisgisingen  Vertrhe  eine  Verpflichtung  zur  Uebernahme  ker
Grundsteuer  ohne  weitere  Entschädigung  besteht.

S.  7.

Die  Kosten,  welche  durch  die  Ausführung  dieses  Gesetzes  mit  Einschluß  der
Grundsteuerveranlagung  (§.  4.)  entstehen,  sind  aus  der  Kasse  der  Hohengollernschen
  Lande  zu  entnehmen.  s

Der  Beginn  des  Veranlagungsjahres  soll  für  alle,  nach  Ichresperioden
u  veranlagenden  Staatssteuern  in  den  Hohengollernschen  Landen  nach  en  von
bemB  Finanzminister  zu  ertheilenden  näheren  Bestimmungen  auf  den  Anfang  des
Kalenderjahres  fesigeiete  werden.

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  22.  Februar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

 

(r.  6561—6562)  37*  (Nr.  6562.)
        <pb n="448" />
        —  272  —

(Nr.  6562.)  Gesetz,  betreffend  die  Bestrafung  der  unbefugten  Aneignung  von  Bernstein,  und
die  Abänderung  der  Bestimmungen  im  Zusatz  228.  des  Ostpreußischen
Provinzialrechtes.  Vom  22.  Februar  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.
verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  Unserer  Monarchie,
was  folgt:  Artikel  1

rtikel  I.

Wer  Bernstein,  ohne  zu  dessen  Gewinnung  befugt  zu  sein,  in  der  Absicht
in  Besitz  nimmt,  sich  solchen  rechtswidrig  zuzueignen,  wird  mit  Geldbuße  bis  zu
Einhundert  Thalern  oder  mit  Gefängniß  bis  zu  sechs  Monaten  bestraft.

Der  Versuch,  die  Theilnahme,  die  Hehlerei  und  die  Begünstigung  wird
mit  gleicher  Strafe  bestraft.  Artike  nrtikel

  II.

So  weit  in  einzelnen  Landestheilen  gegen  das  unbefugte  Aneignen  oder
das  Verheimlichen  von  Bernseei  noch  Staaffestmmungen  in  Geltung  2  treten
dieselben  außer  Kraft.

Artikel  III.

Die  rechtswidrige'  Zueignung  schon  gewonnenen  Bernsteins  ist  nach  den
Bestimmungen  des  Strafgesetzbuches  über  Diebstahl  oder  Unterschlagung  zu  bestrafen.

Artikel  IV.

An  die  Stelle  der  IF.  1.  bis  13.  des  Zusatzes  228.  des  Provinzialrechtes
für  Ostpreußen,  Litthauen)  Ermeland  und  den  Marienwerderschen  landräthlichen
Kreis  treten  folgende  Bestimmungen:

§.  1.  Der  Bernstein,  gleichviel  ob  er  in  der  Ostsee  und  am  Strande  derselben,
sowie  im  Frischen  und  im  Kurischen  Haffe  gefunden  wird,  oder  im  Binnenlande
  vorkommt,  ist  ein  vorbehaltenes  Eigenthum  des  Staates.

§.  2.  Wer,  ohne  zum  Bernsteinsammeln  befugt  zu  sein,  solchen  zufällig  aufsücht,
  findet  oder  gräbt,  hat  alle  Rechte  und  Pflichten  eines  Finders
(4  gumeines  Landrecht  Theil  I.  Titel  9.  #.  19.  bis  22.  und  §#§.  43.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  22.  Februar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6563.)
        <pb n="449" />
        –  273  —

(Nr.  6563.)  Verordnung,  betreffend  die  Organisation  der  Verwaltungsbehörden  in  dem
vormaligen  Kurfürstenthume  Hessen,  in  dem  vormaligen  Herzogthume
Nassau,  in  der  vormals  freien  Stadt  Frankfurt  und  in  den  bisher  Banerischen
  und  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen.  Vom  22.  Februar
  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

..  1.

Aus  nachstehend  beseichneten,  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.
(Gest,Sammnl.  S.  555.)  und  durch  das  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetzamml.
  S.  876.)  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Gebieten:

1)  dem  ehemaligen  Kurfürstenthum  Hessen,

2)  den  bisher  Bayerischen  Gebietstheilen,  Bezirksamt  Gersfeld  und  Landgerichtsbezirk
  Orb  ohne  Aura,

3)  aus  dem  bisher  Großherzoglich  Hessischen  Kreise  Vöhl,  einschließlich  der
Enklaven  Eimelrod  nd  mich  Sesise  I

wird  ein  Verwaltungsbezirk  unter  dem  Namen:  „Regierungsbezirk  Kassel“  gebildet.
Die  Regierung  dieses  Bezirks  hat  ihren  Sitz  in  Kassel.
S.  2.

Aus  nachstehend  aufgeführten,  durch  dieselben  Gesetze  mit  der  Monarchie
vereinigten  Landestheilen:

1)  dem  ehemaligen  Herzogthum  Nassau,
2)  der  ehemals  freien  Stadt  Frankfurt,
sowie  aus  folgenden  bisher  Großherzoglich  Hessischen  Gebieten:
3)  dem  ehemals  Landgräflich  Hessen-Homburgischen  Amte  Homburg,
4)  dem  Kreise  Biedenkopf,

5)  dem  nordwestlichen  Theile  des  Kreises  Gießen,  welcher  die  Orte  Frankenbach,
Krumbach,  Königsberg,  Fellingshausen,  Bieber,  Haina,  Rodheim,  Waldgirmes,
  Naunheym  und  Herrmannstein  mit  ihren  Gemarkungen  umfaßt,

6)  aus  dem  Ortsbezirk  Rödelheim,

7)  aus  dem  bisher  unter  Großherzoglich  Hessischer  Souverainetät  gestandenen
Theile  des  Ortsbezirkes  Nieder-Ursel,

wird  ein  Verwaltungsbezirk  gebildet,  welcher  die  Benennung:  „Regierungsbezirk

Wiesbaden“  erhält.  Die  Regierung  dieses  Bezirks  hat  ihren  Sitz  in  Wiesbaden.

(Nr.  6563)  .  3.
        <pb n="450" />
        —  274  —

g.  3.

Der  Regierungsbezirk  Kassel  wird  vorbehaltlich  späterer  Zusemmenlegung
derselben  in  23  Kreise  getheilt,  welche  folgende  Benennung  und  Begrenzung
erhalten:

1)  Stadtkreis  Kassel,  umfaßt  den  bisherigen  Stadtbezirk  Kassel,

2)  Landkreis  Kassel,  umfaßt  den  bisherigen  Kurhessischen  Kreis  Kassel  ohne
die  Stadt  Kassel,

3)  Kreis  Eschwege,

4)  Kreis  Fritzlar,

5)  Kreis  Hofgeismar,
6)  Kreis  Homberg,

7)  Kreis  Melsungen,
8)  Kreis  Rotenburg,
9)  Kreis  Witzenhausen,
10)  Kreis  Wolfhagen,

11)  Kreis  Marburg  (ad  3.  bis  11.  die  bisherigen  Kurhessischen  Kreise  gleichen
Namens),

12)  Kreis  Frankenberg,  umfaßt  den  biherigen  Kreis  Frankenberg  mit  dem
Kreise  Vöhl  und  den  Enklaven  Eimelrod  und  Höringhausen,

13)  Kreis  Kirchhain,

14)  Kreis  Ziegenhain,

15)  Kreis  Fulda,

16)  Kreis  Hersfeld,

17)  Kreis  Hünfeld,

18)  Kreis  Hanau  (ad  13.  bis  18.  die  gleichnamigen  bisherigen  Kreise),

19)  Kreis  Gelnhausen,  ate  d  Kuthessichen  Kreis  Gelnhausen
20)  Kreis  Schlüchtern,  der  frühere  gleichnamige  Kreis,

21)  Kreis  Schmalkalden,

22)  Kreis  Rinteln  (ad  21.  und  22.  die  Bezirke  der  früheren  Kurhessfischen
Regierungskommissionen  zu  Schmalkalden  und  Rinteln),

23)  Kreis  Gersfeld,  gebildet  aus  dem  bisher  Bayerischen  Bezirksamte  gleichen
Namens.  4
        <pb n="451" />
        —  276  —

K.  4.

Der  Regierungsbezirk  Wiesbaden  wird  in  12  Kreise  getheilt,  welche  folgende
Benennung  und  Ausdehnung  erhalten:

1)  Dill-Kreis,  besteht  aus  den  bisherigen  Aemtern  Dillenburg  und  Herborn,
  mit  der  Kreisstadt  Dillenburg,

2)  Ober-Westerwald-Kreis,  aus  den  Aemtern  Hachenburg,  Marienberg  und
Rennerod,  mit  der  Kreisstadt  Marienberg,

3)  Unter-Westerwald-Kreis,  aus  den  Aemtern  Selters,  Montabaur  und
Walmerod,)  mit  der  Kreisstadt  Montabaur,

4)  Ober-Lahn-Kreis,  aus  den  Aemtern  Weilburg,  Hadamar  und  Runkel,
mit  der  Kreisstadt  Weilburg,

5)  Unter-Lahn-Kreis,  aus  den  Aemtern  Limburg,  Dietz,  Nassau  und
Nastädten,  mit  der  Kreisstadt  Dietz,

6)  Rheingau-Kreis,  aus  den  Aemtern  Braubach,  St.  Goarshausen,  Rüdesheim
  und  Eltville,  mit  der  Kreisstadt  Rüdesheim,

7)  Stadtkreis  Wiesbaden,  aus  dem  Stadtbezirke  Wiesbaden,

8)  Landkreis  Wiesbaden  (Main-Kreis),  aus  den  Aemtern  Wiesbaden,  Scch.
Rrim,  Höchst  und  dem  ehemals  Großherzoglich  Hessischen  Ortsbezirke
ödelheim,  mit  der  Kreisstadt  Wiesbaden,

9)  Unter-Taunus-Kreis,  aus  den  Aemtern  Langen-Schwalbach,  Wehen
und  Idstein,  mit  der  Kreisstadt  Langen-Schwalbach,

10)  Ober-Taunus-Kreis,  aus  den  Aemtern  Usingen,  Königstein  und  dem
vormals  Landgräflich  Hessischen  Amte  Homburg)  mit  der  Kreisstadt
Homburg,

11)  Stadtkreis  Frankfurt  a.  M.1  gebildet  aus  dem  bisherigen  Stadt=  und
Landgebiete  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt,  unter  Zulegung  des
bisher  unter  Großherzoglich  Hessischer  Souverainetät  gestandenen  Waies
des  Ortsbezirks  Nieder-Ursel,

12)  Hinterland-Kreis,  besteht  aus  dem  Kreise  Biedenkopf  und  den  Ortschaften
im  nordwestlichen  Theile  des  Kreises  Gießen  (conf.  J.  2.  sub  Nr.  5.).

g.  5.

Die  Regierungen  bestehen  jede  aus  drei  Abtheilungen:  einer  Abthetlmn
des  Innern,  einer  Abtheilung  für  Kichen-  und  Schulwesen,  und  einer  Abtheilung
für  direkte  Steuern,  Domainen  und  Forsten.  Sie  werden  zusammengesetzt  aus
einem  Präsidenten,  drei  Ober-Regierungsräthen  und  der  erforderlichen  Anzahl
von  Räthen  und  technischen  Mitgliedern.

(Nr.  6563.)  g.  6.
        <pb n="452" />
        —  276  —

g.  6.

Der  Wirkungskreis  der  Regierungen  umfaßt  die  Verwaltung  aller  derjenigen
  Ungelegenkheiten  ihres  Bezirks,  welche  in  den  alten  Provinzen  den  Regierungen
  überwiesen  sind.  Sie  verwalten  die  ihnen  übertragenen  Geschäfte  nach
Maaßgabe  der  Instruktion  für  die  Gahehesüheao  der  Repierungen  vom
23.  Oktober  1817.  (Gesetz-Samml.  S.  248.)  und  der  zu  derselben  ergangenen
erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  Bestimmungen.

e

An  die  Spitze  eines  jeden  ländlichen  Kreises  wird  ein  Landrath  gestellt,
welcher  vorbehaltlich  der  Einführung  eines  Präsentationsrechts  Seitens  der  künftigen
  Kreisvertretung  durch  Uns  ernannt  wird.  In  den  Stadtkreisen  werden  die
landräthlichen  Funktionen  von  dem  Gemeindevorstande,  beziehungsweise  von  dem
Polizeipräsidenten  oder  Polizeidirektor  wahrgenommen.

g.  8.

Der  Landrath  ist  das  Organ,  dessen  die  Regierung  in  allen  Theilen  der
Verwaltung  zur  Vollziehung  ihrer  Verfuͤgungen  sich  bedient,  inspeit  nicht  andere
  von  ihm  nicht  abhängige  Behörden  dazu  berufen  sind.  Er  führt  seine  Verwaltung
  in  dem  Umfange  wie  die  Landräthe  in  den  übrigen  Provmn'n  der
Monarchie  und  nach  den  für  diese  bestehenden  Vorschriften,  sofern  und  so  lange
nicht  spezielle  innerhalb  seines  Verwaltungsbezirks  bestehende  Giimrichunen  und
geltende  Gesetze  oder  Anordnungen  eine  Abweichung  bedingen.  Insbesondere
gehen  auf  den  Landrath  über:

1)  alle  Funktionen  der  Landräthe  in  denjenigen  Fällen,  in  welchen  nach  den
in  den  beiden  egierungebeziren  eingeführten  oder  noch  einzuführenden
altländischen  Gesetzen,  Verordnungen  und  Einrichtungen  die  Mitwirkung
des  Kreislandraths  eintritt;

2)  im  Bereiche  des  ehemaligen  Kurfürstenthums  Hessen  die  Funktionen
welche  bisher  die  Landräthe  geübt  haben;  I

3)  im  Bereiche  des  ehemaligen  Herzogthums  Nassau  die  Funktionen,  welche
seither  den  Aemtern  als  Verwaltungsbehörden  zustanden,  soweit  sie  nicht
nach  F.  9.  den  Amtmännern  verbleiben;

4)  in  den  übrigen  im  F.  1.  und  2.  aufgeführten  Gebietstheilen  die  Funktionen
  der  bisherigen  Kreis=  oder  Bezirksbehörde.

KS.  9.

In  dem  Gebiete  des  ehemaligen  Hersogthums  Nassau  und  des  Amts
Homburg  bleiben  die  Amtsbezirke  als  engere  Verwaltungsbezirke  in  ihrer  biserigen
  Begrenzung  bestehen.  An  die  Spitze  eines  solchen  Amtsbezirks  wird  ein
mtmann  gestellt,  dem  die  Aufsicht  über  die  Handhabung  der  Ortspolizei  in  seinem
        <pb n="453" />
        —  277  —

nem  Bezirke  obliegt,  und  welcher  zugleich  als  Organ  des  Landrathes  für  alle  dem
letzteren  übertragenen  Geschäftszweige  fungirt.  Derselbe  bereitet  die  von  dem
Bezirksrathe  zu  fassenden  Beschlüsse  vor  und  führt  in  demselben  den  Vorsitz)  sofern
  nicht  der  Landrath  zugegen  ist  und  die  Leitung  der  Verhandlung  übernimmt.
Die  Kompetenz  und  Geschäftsführung  des  Amtmanns  wird  eine  besondere  Instruktion
  regeln.

g.  10.

Die  Einfügung  der  Regierungsbezirke  Kassel  und  Wiesbaden  in  einen
Provinzialverband  bleibt  vorbehalten.  Einstweilen  werden  dem  Präsidenten  der
Regierung  zu  Kassel  auch  die  Defugaiss  eines  Oberpräsidenten  für  beide  Regierungsbeire
  übertragen.  Sein  Wirkungskreis  als  solcher  begreift  die  Verwaltung
  aller  derieninen.  Angelegenheiten  in  sich,  welche  in  dem  übrigen  Theile
der  Monarchie  dem  Oberpräsidenten  zu  eigener  Verwaliung  oder  in  Stellvertretung
  der  obersten  Staatsbehörden  und  als  Ober-Aufsichtsbehörde  übertragen
sind.  Er  führt  diese  Verwaltung  nach  Vorschrift  der  Instruktion  für  die  Oberbräsidemten
  vom  31.  Dezember  1825.  (Gesetz-Samml.  von  1826.  S.  1.)  und
er  zu  derselben  ergangenen  ergänzenden  Bestimmungen,  und  erläßt  seine  Verfügungen
  unter  der  Unterschrift:  „Königliches  Oberpräsidium  zu  Kassel.“

.  11.

Die  Organe,  welche  in  Bezug  auf  die  Verwaltung  des  Kirchen=  und
Schulwesens  und  der  Medizinalpolizei  bestehen,  werden,  soweit  ihre  Funktionen
nicht  instruktionsmäßig  auf  die  neu  zu  errichtenden  Behörden  übergehen,  in  ihrer
bisherigen  Wirksamkeit  beibehalten.  Die  Einsehung  eines  Konsistorums  für  beide
Regierungsbezirke,  eines  Schulkollegiums,  eines  Medizinalkollegiums,  einer  Behörde
  für  die  Verwaltung  der  indirekten  Steuern  und  Zölle,  sowie  einer  Auseinandersetzungsbehörde
  bleibt  vorbehalten.

C.  12.

Für  das  chemalige  Herzogthum  Nassau  tritt  eine  sofortige  Trennung  der
Rechtspflege  von  der  Verwaltung  auch  für  die  unterste  Instanz  ein.  In  den
Amtsbezirken  wird  fortan  die  Rechtspflege  von  besonders  damit  beauftragten
richterlichen  Beamten,  übrigens  in  bisheriger  Weise,  gehandhabt  werden.

K..  13.

Die  neuen  Verwaltungsbehörden  erheben  bis  auf  Weiteres  auch  ferner  für
Rechnung  der  Staatskasse  disent  een  Sporteln,  Taxen  und  Stempel,  welche  von
den  Behörden,  an  deren  Stelle  6n6  treten,  nach  den  hierüber  in  dem  betreffenden
Gebiete  geltenden  Gesetzen  und  Verordnungen  erhoben  sind.

S.  14.

Die  zur  Zeit  bestehenden  Behörden  bleiben  bis  zur  Einsetzung  der  neuen
Behörden  in  ihrer  bisherigen  Wirksamkeit.
Jahrgang  1867.  (Nr.  6563—6564.)  *38  Der
        <pb n="454" />
        —  278  —

Der  Tag  der  Aufhebung  der  mit  der  neuen  Organisation  eingehenden
Verwaltungsstellen  wird  seiner  Zeit  durch  das  Oberpräsidium  bekannt  gemacht
werden.

s.  15.

Das  Staatsministerium  wird  mit  dem  Vollzug  dieser  Verordnung  beauftragt.


Der  Erlaß  der  erforderlichen  Dienst=  und  Geschäfts-Instruktionen  bleibt
den  betheiligten  Ministerien  überlassen.  "

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  22.  Februar  1867.

(1I.  &amp;amp;.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6564.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  22.  Februar  1867.),  betreffend  die  Ueberweisung  der
Forste  Treis  und  Ebsdorf  hinsichtlich  der  darin  vorkommenden  Forst.,
Jagd-  und  Fischereifrevel  an  das  Justizamt  in  Fronhausen.

A#  Ihren  Bericht  vom  20.  Februar  d.  J.  bestimme  Ich,  daß  die  durch  die
Kurhessische  Verordnung  vom  1.  März  1834.  dem  nunmehr  aufgtlösten  Justizamte
  Treis  an  der  Lumbde  übertragene  Gerichtsbarkeit  hinsichtlich  der  in  den
Forsten  Treis  und  Ebsdorf  begangenen  Forst-,  Jagd=  und  Fischereifrevel  hin-*
  soweit  die  genannten  Forsten  nicht  an  Hessen-Darmstadt  abgetreten  worden
ind,  durch  das  Justizamt  in  Fronhausen  ausgeübt  werden  soll.

Berlin,  den  22.  Februar  1867.

Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.
An  den  Justizminister.

 

(Xr.  6565.)
        <pb n="455" />
        —  279  —

(Nr.  6565.)  Verordnung,  betreffend  eine  Ergänzung  des  für  das  Gebiet  der  ehemaligen
freien  Stadt  Frankfurt  bestehenden  Gesetzes  über  das  Verfahren  in  Strafsachen
  vom  16.  September  1856.  Vom  25.  Februar  1867.

Wir  Wilhelm),  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.
verordnen  für  das  Gebiet  der  ehemaligen  freien  Stadt  Frankfurt,  was  folgt:

Einziger  Artikel.

Die  im  Artikel  48.  des  heses  über  das  Versahren  in  Strafsachen  vom
16.  September  1856.  vorgesehere  rivatklage  des  Verletzten  findet  mit  den  im
dritten  und  vierten  Absatze  daselbst  bezeichneten  Maaßgaben  auch  bei  vorsehüch
ugefügten  leichten  Körperverletzungen  oder  Mißhandlungen  (Strafgesetzbu
&amp;amp;e  187.  189.)  statt.

Lurbend  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  25.  Februar  1867.
.  S.)  Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.

 

(r.  6565—6566.)  Nr.  6566.)
        <pb n="456" />
        —  280  —

(Nr.  6566.)  Bekanntmachung  der  Ministerial-Erklärung  vom  13.  Februar  1867.,  betreffend
das  mit  der  Königlich  Sächsischen  Regierung  getroffene  Abkommen  zur
Ergänzung  des  Artikels  44.  der  zwischen  Preußen  und  Sachsen  bestehenden
Uebereinkunft  zur  Beförderung  der  Rechtspstege  vom  14.  Oktober  (30.  November)
  1839.  Vom  27.  Februar  1867.

wischen  der  Königlich  Preußischen  und  der  Königlich  Sächsischen  Regierung
ist  in  Ergänzung  des  Artikels  44.  der  Uebereinkunft  zur  Beförderung  der  Rechtspflege
  vom  14.  Oktober  (30.  November)  1839.  die  Vereinbarung  getroffen  worden:

daß  auch  die  durch  Handlungen  der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit  entstandenen
  Kosten,  wenn  solche  von  dem  zuständigen  Gerichte  des  einen  Staates
nach  den  dort  geltenden  Vorschriften  festgesetzt  und  ausdrücklich  für  beitreibungsfähig
  erklärt  worden  sind,  auf  Verlangen  dieses  Gerichts  in  dem
anderen  Staate  von  den  daselbst  sich  aufhaltenden  Schuldnern  ohne
Weiteres  im  Hülfsverfahren  (exekutivisch)  eingezogen  werden  sollen.

Berlin,  den  13.  Februar  1867.

Der  Königlich  Preußische  Präsident  des  Staatsministeriums  und
Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.

Vorstehende  Ministerial-  Erklärung  wird,)  nachdem  solche  gegen  eine  entsprechende
  Erklärung  der  Königlich  Sächsischen  Regierung  vom  16.  d.  M.  ausgewechselt
  worden  !3:.  hierdurch  zur  öffentlichen  Kenntniß  gebracht.

Berlin,  den  27.  Februar  1867.

Der  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten.

Im  Auftrage:
v.  Thile.

 

Redigirt  im  Bürean  des  Staats-  Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerel
(R.  v.  Decker).
        <pb n="457" />
        —  281  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  20  —

 

(Nr.  6567.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  25.  Februar  1867.,  betreffend  die  Genehmigung  des
revidirten  Statuts  der  Provinzial  -Aktienbank  des  Großherzogthums
Posen=  in  Posen.

A#  Ihren  Bericht  vom  13.  Februar  d.  J.  Henchmige  9  das  auf  Grund
des  zurückfolgenden  Beschlusses  der  außerordentlichen  Generalversammlung  der
„rovinzial-Aktienbank  des  Großherzogthums  Posen“  in  Posen  vom  21.  April
v.  J.  von  dem  hierzu  mit  Vollmacht  verspheen  Verwa  kungrat  der  Bank
unter  dem  3.  Februar  d.  J.  zu  gerichtlichem  Protokoll  verlautbarte,  hierbei  gleichfalls
  zurückfolgende  revidirte  Statut,  welches  an  die  Stelle  des  bisherigen  Gesellschaftsstatuts,
  genehmigt  am  16.  März  1857.  (Gesetz=  Samml.  S.  265.),  und
des  Statutnachtrages,  Fenehmiggt  am  9.  Oktober  1858.  (Gesetz  Samml.  S.  550.),
in  Geltung  zu  treten  bestimmt  ist.  Zugleich  will  Ich  der  Provinzial-Aktienbank
des  Großbheshagthums  Posen  die  bei  Kreei  Ereichtung  auf  Grund  des  Gesetzes
vom  17.  Juni  1833.  (Gesetz=  Samml.  S.  75.)  ertheilte  Ermächtigung  zur  Ausstellung
  von  Noten  bis  zu  dem  Beaage  von  Einer  Million  Thaler  au  kir  die
ernere  funfzehnjährige  Dauer  ihres  Bestehens  unter  den  in  dem  revidirten  Statute
Remere  fir  edingungen  hierdurch  ertheilen.

Dieser  Mein  Erlaß  ia  nebst  dem  revidirten  Statute  durch  die  Gesetz
Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  25.  Februar  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

An  den  Finanzminister,  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe
und  öffentliche  Arbeiten  und  den  Justizminister.

Johrgang  1867.  (Nr.  6567.  39  Re-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  13.  März  1867.
        <pb n="458" />
        —  282  —

Revidirtes  Statut.

Titel  I.
Bildung"  Sitz  und  Dauer  der  Gesellschaft.

S.  1.

Mit  landesherrlicher  Genehmigung  hat  sich  eine  Aktiengesellschaft  gebildet,
für  welche  fortan  die  Bestimmungen  des  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetz
buches  und  des  Einführungsgesetzes  vom  24.  Juni  1861.  maaßgebend  sind,  und
welche  die  Firma  führt:

„Provinzial-Aktien  bank  des  Großherzogthums  Posen.“

Die  Gesellschaft  hat  den  Zweck,  Handel  und  Gewerbe  wt  unterstützen  und
zu  beleben,  den  Geldumlauf  zu  befördern  und  Kapitalien  nutzbar  zu  machen.

g.  2.
Der  Sitz  der  Gesellschaft  ist  zu  Posen.

g.  3.

Die  Dauer  der  Gesellschaft  wird  bis  zum  16.  März  1882.  bestimmt.
Sollte  innerha  des  gedachten  Zeitraumes  das  Notenprivilegium  der  Preußischen
Bank,  wie  dasselbe  gegenwärtig  auf  Grund  der  Bankorhnung  vom  5.  Oktober
1846.  und  des  Gesetzes  vom  7.  Mai  1856.  besteht,  aufgehoben  oder  modifizirt
werden,  so  erlischt  die  Genehmigung  der  Provinzial-Aktienbank  des  Großberogthums
  Posen  sechs  Monate  nach  Publikation  des  betreffenden  Gesetzes,
ohne  Anspruch  der  Bankgesellschaft  auf  Entschädigung.

Titel  II.
Grundkapital,  Aktien  und  Aktionaire.

K.  4.

Das  Grundkapital  der  Bank  besteht  aus  Einer  Million  Thaler,  getheilt  in
zweitausend  Aktien  von  je  fünfhundert  Thalern  jede.
        <pb n="459" />
        —  283  —

g.  5.
sfert  Die  Aktien  der  Gesellschaft  sind  auf  den  Namen  in  nachstehender  Art  ausgefertigt:


Jede  Aktie  ist  mit  einer  laufenden  Nummer  versehen,  aus  einem  Stammreiste
  ausgezogen  und  von  zwei  Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  (Aufsichtsrathes)
  unterzeichnet.

Jede  Aktie  muß  die  in  das  Aktienbuch  der  Geselschast  einzutragende  genaue
Bezeichnung  des  bestimmten  Inhabers  nach  Namen,  Stand  und  AMasert  desselben
  enthalten.  Die  Dividendenscheine  werden  auf  37  fünf  Jahre,  auf  jeden  Inhaber
  lautend,  nebst  Talon  ausgereicht  und  nach  Ablauf  des  letzten  Jahres  durch
neue  ersetzt  werden.  Dem  gegenwartigen  Statute  ist  ein  Formular  der  Aktien,
sowie  der  neu  auszugebenden  Talons  und  Oidvidendenscheine  beigefügt.

S.  6.
Die  Aktie  ist  untheilbar  und  kann  unter  Berücksichtigung  des  g.  36.  nur
durch  Einen  vertreten  werden.  Kein  einzelner  Theilhaber  darf  meeßr.  als  Einhundert
Aktien  besitzen  oder  erwerben.

S.  7.
Ueber  den  Betrag  der  Aktie  hinaus  ist  kein  Aktionair  zu  Zahlungen  verpflichtet.

S.  8.

Die  Mortifikation  verlorener  oder  vernichteter  Aktien  findet  nach  Maaßabe
  der  gesetzlichen  Bestimmung  statt.  Die  Kosten  des  Mortifkationsverfahrene,
Pewie  die  Kosten  der  Ausfertigung  neuer  Aktien,  überhaupt  aber  sämmtliche  dabei
  stenden  Kosten  fallen  nicht  der  Gesellschaft,  sondern  dem  Betheiligten
ur  Last.
In  Bezug  auf  abhanden  gekommene  Didvidendenscheine  ist  das  Mortifikationsverfahren
  nicht  zulässig.  Es  kann  jedoch  Demjenigen,  welcher  den  Verlust
von  Diwvidendenscheinen  vor  Ablauf  der  Verjährungsfrist  (.  41.)  anmeldet  und
den  stattgehabten  Besitz  durch  Vorzeigung  der  Aktien  oder  sonst  wie  in  glaubhafter
  Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  des  angemeldeten
  und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Dividendenscheines  ausbezahlt
werden.  Auch  verlorene  Talons  können  nicht  amortisirt  werden.  Die  Ausreichung
  der  neuen  Serie  von  Dividendenscheinen  erfolgt,  wenn  der  dazu  befümmme
  Talon  nicht  eingereict  werden  kann,  an  den  Präsentanten  der  betreffenen
  Altie.  Ist  aber  vorher  er  Verlust  des  Talons  dem  Aufsichtsrathe  angezeigt
und  der  Aushändigung  der  neuen  Serie  der  Dividendenscheine  widersprochen
worden)  so  werden  dieselben  8  ehalten,  bis  die  streitigen  Ansprüche  auf  die
neue  Serle  gütlich,  oder  im  Wege  des  Prozesses  erledigt  sind.

G.  9.
Alle  öffentlichen  Bekanntmachungen  der  Geselschaft  erfolgen  in  der  Posener
(Nr.  6567.)  3  Zei-
        <pb n="460" />
        —  284  —

Zeitung  und  in  dem  zu  Berlin  erscheinenden  Preußischen  Staatsanzeiger,  und
zwar  in  der  ersteren  in  deutscher  und  polnischer  Sprache.

Bei  dem  Eingehen  eines  der  genannten  Blätter  hat  die  nächste  Generalversammlung
  über  die  Wahl  eines  anderen  Blattes  zu  beschließen.  Bis  dahin,
daß  dies  Sschehen,  genügt  die  Bekanntmachung  durch  das  übrig  bleibende  Blatt.
Welches  8  att  nach  dem  Beschlusse  der  Generalversammlung  in  die  Stelle  des
eingegangenen  treten  soll,  ist  durch  das  übrig  gebliebene  Blatt  zu  veröffentlichen.

Auch  abgesehen  von  dem  Eingehen  eines  Blattes,  können  Seitens  der
Generalversammlung  andere  Gesellschafteblätke  bestimmt  werden,  in  welchem
Falle  der  betreffende  Beschluß  durch  die  bisherigen  Gesellschaftsblätter,  so  weit
dieselben  noch  zugänglich  sind,  bekannt  zu  machen  ist.

Titel  III.
Von  den  Geschäften  der  Bank.

S.  10.
Die  Bank  ist  zur  Erreichung  der  im  §.  1.  angegebenen  Zwecke  befugt:

1)  gezogene  und  trockene  Wechsel,  die  im  Inlande  zahlbar  sind,  zu  diskontiren
  und  Wechsel  auf  Plätze  des  Auslandes  zu  kaufen.

Die  zur  Diskontirung  oder  zum  Kauf  angebotenen  Popiere  müssen
mit  einem  auf  die  Bank  lautenden  Giro  versehen  sein  !  dürfen  nicht
später  als  drei  Monate  nach  dem  Datum  der  Diskontirung  verfallen
und  es  müssen  aus  ihnen  in  der  Regel  wenigstens  drei  solide  Verbundene
baften  Wechsel  mit  nur  zwei  Unterschriften  dürfen  nur  unter  ausdrückichem,
  auf  einzelne  Fälle  zu  beschränkendem  Einverständnisse  zwischen
dem  vollziehenden  Direktor  und  den  beiden  nach  F.  26.  des  Statuts  der
Direktion  zugeordneten  Mitgliedern  des  Aufsichtsrathes  für  die  Bank
erworben  werden;

2)  Kredit  und  Darlehne  zu  bewilligen,  jedoch  nicht  auf  längere  Zeit  als
drei  Monate  und  nur  gegen  Verpfändung  von

a)  Urstoffen  und  Waaren,  die  im  Inlande  lagern  und  dem  Verderben
nicht  unterworfen  sind,

b)  inländischen  Staats-,  Kommunal=  oder  anderen  unter  Autorität  des
Staats  von  Korporationen  oder  Gesellschaften  ausgegebenen  geldwerthen,
  auf  den  Inhaber  lautenden  Papieren,  sowie  von  Wechseln
auf  Mätze  des  Auslandes)  desgleichen  von  ungemünztem  oder  gemünztem
  Gold  und  Silber.

Aueeshe  Papiere,  die  auf  den  Namen  lauten,  dürfen  in  der
Regel  nicht  beliehen  werden.  Ausnahmen  bestimmt  die  Geschäftsinstruktion
für  die  Direktion.

Der
        <pb n="461" />
        –  285  —

Der  Widerspruch  des  Kommissars  des  Staates  gegen  die  Beleihung
von  Papieren  dieser  Art  ist  für  die  Hesellschaft  maaßgebend.  Die  Beleihung
  der  eigenen  Aktien  oder  der  Aktien  anderer  Privatbanken  ist  der
Gesellschaft  unbedingt  untersagt;

3)  beleihungsfähige  Effekten  der  vorstehend  sub  Littr.  b.  bezeichneten  Art,
sowie  edle  Metalle  oder  fremde  Münzen  zu  kaufen  und  zu  verkaufen.
Jedoch  darf  der  Ankauf  von  inländischen  Staats-,  Kommunaloder
  anderen,  unter  Autorität  des  Staates  von  Korporationen  oder  Gesellschaften
  ausgegebenen,  auf  den  Inhaber  lautenden  gelwerthen  Papieren
nur  bis  zu  dem  durch  die  Geschäftsinstruktion  festgesetzten  Betrage  stattfinden
  und  der  Bestand  von  deargleihen  Effekten  ein  Drittel  des  eingezahlten
  Stammkapitals  niemals  überschreiten;

4)  das  Inkasso  von  Wechseln,  Geldanweisungen,  Rechnungen  und  Effekten
u  besorgen,  unverzinsbare,  sowie  auch  verzinsbare  Kapitalien  ohne  Verriefung,
  jedoch  gegen  Empfangsbescheinigungen,  die  nur  auf  den  Namen
der  Einzahlenden  lauten  durfen,  anzunehmen  und  mit  den  Eigentgümern
der  selchergestal  einkassirten  oder  angenommenen  Gelder  und  Effekten
in  Giroverkehr  zu  treten.  —  Bei  Annahme  der  verzinsbaren  Kapitalien
ist  eine  Kündigungsfrist  von  nicht  weniger  als  zwei  Monaten  vorzubehalten
und  darf  der  Betrag  dieser  Gelder  die  doppelte  Höhe  des  eingezahlten
Grundkapitals  der  Bank  nicht  überschreiten;

5)  Noten  nach  näherer  Vorschrift  der  S#.  12.  bis  15.  auszugeben  und  einzuziehen.


Andere  als  die  vorstehend  bezeichneten  Geschäfte  sind  der  Bank  nicht  gestattet;
  besonders  darf  sie  keine  Kapitalien  auf  Hbotheien  unterbringen.  Es  ist
de  elben  jedoch  Eltutte,  Agenturen  innerhalb  der  Provinz  Posen  zu  errichten,
welche  dieselben  Geschäfte  wie  die  Privatbank  besorgen  können,  nach  der  ihnen
von  dem  Aufsichtsrathe  zu  ertheilenden  Instruktion.

Die  Einlösung  der  bei  ihnen  präsentirten  Noten  der  Privatbank  wird  von
denselben  nach  Maaßgabe  ihrer  Baarbestände  und  ihrer  Bedürfnisse  bewirkt.

K.  11.

Die  Bank  Fahlt  und  rechnet  in  Preußischem  Silbergelde  nach  den  Werthen,
welche  durch  das  nggesch  vom  4.  Mai  1857.  (Gesetz=  Samml.  S.  305.  ff.)
bestimmt  worden  sind  oder  später  durch  Landesgesetze  bestimmt  werden  sollten.

K.  12.

Die  Bank  hat  das  Recht,  während  der  Dauer  ihres  Bestehens  unverzinsbare,
  auf  seden  Inhaber  lautende  Noten  (F.  10.  Nr.  5.)  bis  zum  Betrage  Einer
Million  galer  auszufertigen  und  in  Umlauf  zu  setzen;  jedoch  unterliegt  die  Ausgeciigung
  und  die  Hom  derselben  der  Genehmigung  beziehungsweeis  er  Beaufichtigung
  der  Regierung.  Diese  Noten  sind  der  Stempelsteuer  nicht  unterworfen.
Ergiebt  sich  am  Shlusse  eines  Geschäftsjahres  (§.  39.)  eine  Verminderung  des

(Nr.  6567,  Grund-
        <pb n="462" />
        —  286  —

Grundkapitals  (§.  4.)  um  mehr  als  den  vierten  Theil  desselben,  so  ist  die  Summe
der  in  Umlauf  gesetzten  Noten  wenigstens  auf  den  als  noch  vorhanden  nachgewiesenen
  Betrag  des  Grundkapitals  zu  beschränken.

..  13.

Die  Noten  fürsen  mur  auf  Beträge  von  zehn,  zwanzig,  funfzig,  Einhundert
  und  zweihundert  Thalern  Preußisch  Kurant  ausgestell  werden.

Der  Gesammtbetrag  der  zu  zehn  Thalern  ausgestellten  Noten  soll  die
Summe  von  Einhundert  tausend  Thalern  nicht  übersteigen.  Ueber  das  Verhältniß,
in  welchem  bei  der  Emission  der  ubrigen  neunhundert  tausend  Thalern  von  den
Abschnitten  von  zwanzig  bis  wweihundert  Azlem  Gebrauch  zu  machen  ist,  können
von  den  Ministern  für  Handel  und  der  Finanzen  maaßgebende  Bestimmungen
getroffen  werden.

K.  14.

Die  Bank  ist  verpflichtet,  die  Noten  auf  Verlangen  der  Inhaber  bei  der
Präsentation  sofort  in  Posen  gegen  klingendes  Kurant  einzulssen
Anzeigen  eines  durch  Diebstahl  oder  irgend  ein  anderes  Ereigniß  entstandenen
  Verluste  der  aus  cgebemen  Noten  können  die  Zahlung  an  den  Vorzeiger
niemals  aufhalten  und  sind  für  die  Bank  unverbindlich.
er  Inhalt  des  gegenwärtigen  §.  14.)  sowie  des  nachfolgenden  F.  16.  ist
auf  jeder  Note  deutlich  abzudrucken.

 

K.  15.

Die  Direktion  der  Bank  und  der  Aussichtsrath  sind  dafür  verantwortlich,
daß  jeder  Zeit  ein  dem  Betrage  der  zirkulirenden  Noten  gleicher  Bestand  an
Deckungsmitteln  von  mindestens  einem  Drittel  in  baarem  Geste  und  der  Rest
in  diskontirten  Wechseln  in  einer  besonderen,  unter  dreifachem  Verschluß  zu  haltenden
  und  für  die  sonstigen  Bedürfnisse  der  Bank  nicht  zu  verwendenden  Notenkasse
  aufbewahrt  werde.

Titel  IV.
Von  den  speziellen  Rechten  der  Bank.

K.  16.

Der  Bank  steht  das  Recht  zu,  die  von  ihr  ausgegebenen  Noten  zur  Einlösung
  oder  zum  Umtausch  bis  zu  einem  bestimmten  Termine  bei  Vermeidung
der  Päklaston,  öffentlich  aufzurufen.  Zu  diesem  Zwecke  erläßt  sie  durch  dreimalige
  Bekanntmachungen  in  Zwischenräumen  von  einem  Monate,  mittelst  der
im  9.  9.  gedachten  öffentlichen  Blätter  und  der  Amtsblätter  der  Regierungen  in
den  Provinzen  der  Preußischen  Staaten,  eine  Aufforderung  zur  Einlösung  oder
zum  Umtausch  der  Noten.

Nach
        <pb n="463" />
        —  2687  —

Nach  Ablauf  der  vorstehenden  Fristen  werden  die  Inhaber  der  Noten,
welche  sich  nicht  gemeldet  haben,  in  den  vorbezeichneten  Blättern  Behufs  der
Einlösung  oder  des  Umtausches  zu  einem  mindestens  drei  Monate  vom  Tage  der
letzten  Insertion  hinauszusetzenden  Präklusivtermine  unter  der  Warnung  und
mit  der  rechtlichen  Wirkung  vorgeladen,  daß  mit  Ablauf  dieses  Termins  alle
Ansprüche  an  die  Bank  aus  den  aufgerufenen  Noten  erlöschen.

Anmeldungen  zum  Schutze  gegen  die  Präklusion  sind  nicht  zulässig,  vielmehr
  tritt  diese  letztere  unmittelbar  mit  dem  Ablaufe  des  Präaklusivtermins
gegen  alle  diejenigen  ein,  welche  die  Noten  nicht  präsentirt  haben,  dergestalt,  daß
jeder  Anspruch  auf  Einlösung  oder  Umtausch  ***  ist,  alle  au-  erusenen,
nicht  eingelieferten  Noten  werthlos  sind,  und  wenn  sie  etwa  noch  zum  Vorschein
kommen,  von  der  Bank  angehalten  und  vernichtet  werden  können.

Der  Betrag  der  solchergestalt  präkludirten  Noten  soll  zu  mildthätigen
Zwecken  nach  näherer  Bestimmung  des  Aufsichtsrathes  verwendet  werden.

Titel  V.
Von  dem  Aussichtsrathe.

KC.  17.

Der  aus  zuo  Mitgliedern  bestehende  Aufsichtsrath  hat  sämmtliche  im
Artikel  225.  des  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuches  und  in  diesem
Statut  bezeichneten  Rechte  und  Pflichten.

Die  Miglieder  des  Aufsichtsrathes,  von  denen  mindestens  sieben  üren
Wohnsitz  in  der  Stadt  Posen  haben  müssen,  werden  von  der  Generalversammlung
gewählt.  Die  Wahl  erfolgt  in  Gegenwart  eines  Notars  oder  Gerichtsdeputirten,
und  eine  Ausfertigung  der  von  diesem  aufgenommenen  Wahlverhandlung  bildet
die  Legitimation  des  Aufsichtsrathes.  Die  Funktionen  der  Mitglieder  desselben
dauern  sechs  Jahre.  Alle  zwei  Jahre  scheiden  vier  Mitglieder  aus)  die  Reihenfolge
  des  Ausscheidens  wird  durch  das  Amtsalter  bestimmt.  Die  Ausscheidenden
sind  wieder  wählbar.  Bei  einer  stattgehabten  Wiederwahl  wird  die  Amtsdauer
von  der  letzten  Wahl  an  berechnet.  Die  Bildung  des  ersten  Aufsichtsrathes  erfolgt
  durch  die  von  der  ordentlichen  Generalversammlung  des  Jahres  1867.  zu
ilziehenden  Wahlen.  Gleichzeitig  erlischt  das  Mandat  sämmtlicher  den  jetzigen
Verwaltungsrath  bildender  Mitglieder.  Welche  Mitglieder  in  den  Jahren,  in
denen  der  Turnus  noch  nicht  besteht,  auszuscheiden  haben,  wird  durch  das  Loos
bestimmt.

Die  Namen  der  Gewählten  werden  durch  die  im  F§.  H.  bezeichneten  Blätter
öffentlich  bekannt  gemacht.

K.  18.

Jedes  Mitglied  des  Aufsichtzrathes  muß  mindestens  zehn  Aktien  besitzen
oder  erwerben;  die  Dokumente  dieser  Aktien  werden  in  das  Archiv  der  n  t  n
(ic.  6567.  a
        <pb n="464" />
        288  —

schaft  hinterlegt  und  dürfen  während  der  Dauer  der  Funktion  des  betreffenden
itgliedes  weder  veräußert  noch  verpfändet  werden.

g.  19.

Der  Aufsichtsrath  wählt  aus  seiner  Mitte  einen  Präsidenten  und  einen
Vizepräsidenten.  Ihre  Funktionen  in  dieser  Eigenschast  auern  ein  Jahr;  sie
sind  nach  hlauf  gelelbe  wieder  wählbar.  Sollten  beide  verhindert  sein,  einer
Sitzung  des  Aufsichtsrathes  beizuwohnen,  so  übernimmt  das  nach  den  Lebensjahren
  älteste  Mitglied  den  Vorsitz.

KC.  20.

Kommt  während  der  Wahlperiode  die  Stelle  eines  Mitgliedes  des  Aufsichtsrathes
  zur  Erledigung,  so  wird  vorläufig  für  die  Zeit  bis  zur  nächsten
Generalversammlung  von  dem  Aufsichtsrathe  eine  Ersatzwahl  t  notariellem  oder
erichtlichem  Protokoll  vorgenommen.  ie  definitive  Wie  Flihun  erfolgt
urch  Wahl  der  Generalversammlung.  Das  in  dieser  Weise  gewählte  Mitglied
scheidet  an  dem  Termine  aus,  an  welchem  die  Dauer  der  Funktionen  seines  Vorgängers
  mufgehört  haben  würde.

Die  Namen  des  Präsidenten,  des  Vizepräsidenten  und  aller  übrigen  Mitgüeder
  des  Mufichtsrathes,  sowie  eine  jede  dabei  eintretende  Veränderung  sind
urch  die  Gesellschaftsblätter  bekannt  zu  machen.

KC.  21.

Der  Aufsichtsrath  versammelt  sich)  so  oft  er  es  für  dienlich  erachtet,  an
festusetenden  Terminen  auf  Einladung  des  Präsidenten  des  Aufsichtsrathes,  in
er  Regel  mindestens  monatlich  einmal,  um  von  dem  Gange  der  Geschäfte
Ko#nntuß  zu  nehmen  und  Erforderliches  zu  beschließen.  Die  Zusammenberufung
muß  jederzeit  erfolgen,  sobald  drei  Mitzlieder  des  Aufsichtsrathes  darauf  antragen.

Zur  Fassung  eines  gültigen  Beschlusses  ist  die  Anwesenheit  von  mindestens
sieben  Mitgliedern  erforderlich.

K.  22.

Die  Beschlüsse  des  Aufsichtsrathes  werden  durch  absolute  Stimmenmehrheit
  der  Erschienenen  gefaßt.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet,  insofern  es  sich
um  eine  Wohl  handelt,  das  Loos,  in  allen  übrigen  Fällen  die  Stimme  des
Präsidenten  oder,  in  dessen  Wbwesenheit,  des  Bisepräsidenten  )  beziehungsweise  des
in  deren  Stelle  tretenden  anwesenden  ältesten  Mitgliedes  des  Aussi  tsrathes.
Ergiebt  sich  bei  einer  Wahl  im  ersten  Skrutinio  weder  eine  absolute  Maforhät,
58  Stimmengleichheit,  so  werden  diejenigen,  welche  die  meisten  Stimmen
ag  haben,  in  doppelter  Anzahl  der  zu  Wählenden  auf  die  engere  Wahl
gebracht.

g.  23.

Zu  den  Befugnissen  und  Pflichten  des  Aufsichtsrathes  gehört:
a)  die  Revision  bestehender  und  die  Ertheilung  neuer  Instruktionen  soweh
r
        <pb n="465" />
        —  269  —

für  die  Direktion,  als  auch  für  das  Personal  der  einzelnen  Geschäftszweige;


b)  die  genaue  Kenntnißnahme  von  der  Seitens  der  Direktion  bei  den  jedesmaligen
  Versammlungen  des  Aufsichtsrathes  ihm  vorzulegenden  Uebersicht
der  Kasse  der  Bank,  des  Wechselportefeuilles  und  der  Lombardbestände;

c)  die  monatliche  Revision  der  Kasse,  der  Wechsel-  und  Lombardbestände
durch  zu  deputirende  Mitglieder,  welche  ein  Protokoll  über  die  Revision
aufzunehmen  haben;

d)  außerordentliche  Kassenrevisionen  nach  den  vorstehenden  Bestimmungen,
so  oft  er  dieselbe  für  angemessen  erachtet;

e)  die  Hrsung  der  von  der  Direktion  ihm  einzureichenden  Bilanz,  sowie
die  Feststellung  der  am  Schlusse  jedes  Geschäftsjahres  zu  vertheilenden
Dividenden  (C.  39.);

f)  die  Wahl  und  Bestallung  des  vollziehenden  Direktors,  Liines  Stellvertreters

  und  des  Rendanten  (Kassirers),  desgleichen  die  Bestimmung  der
Gehälter  des  Bankpersonals;

8)  die  Wahl  des  Syndikus  der  Bank  und  der  Abschluß  des  Kontrakts  mit
demselben;

h)  die  Sorge  für  die  interimistische  Stellvertretung  eines  Direktors;
)  die  Bewilligung  von  Gratifikationen  an  das  angestellte  Bankpersonal.

In  den  mit  den  Beamten  der  Gesellschaft  abzuschließenden  Dienstverträgen
ist  dem  Aufsichtsrathe  das  Recht  vorzubehalten,  die  Beamten  jederzeit  wegen
ienstvergehen,  Fahrlässigkeit  oder  aus  moralischen  Gründen  zu  entlassen.  er
desfallsige  Beschluß  erfordert  jedoch  die  Uebereinstimmung  von  mindestens  neun
Mitgliedern  des  Aufsichtsrathes.
Die  Dienstverträge  müssen  außerdem  die  Bestimmung  enthalten,  daß  die
solchergestat  ausgesprochene  Entlassung  eines  Beamten  zur  Polge  hat,  doß  alle
emselben  vertragsmäßig  gewährten  Ansprüche  an  die  Geselschah  auf  Besoldung,
0o  ädigungen,  Grait  Monen  oder  andere  Vortheile  für  die  Zukunft  von  selb
erlöschen.
g.  24.

Alle  Ausfertigungen  des  Aufsichtsrathes  werden  von  dem  Präsidenten  oder
von  dem  Vizepräsidenten,  oder  von  zwei  Mitgliedern  des  Aufsichtsrathes
unterschrieben.

6.  25.

Der  Aufsichtsrath  wird  nicht  besoldet  er  bezieht  jedoch,  außer  dem  Ersatze
für  die  durch  seine  Funktionen  veranlaßten  Tuslagen,  für  seine  Mühwaltung  eine
Tantieme  von  sechs  Prozent  vom  Reingewinne.  Die  Generalversammlung  kann
eine  Ermäßi  ing  der  Tantieme  bescheßen.  Der  Aufsichtsrath  stellt  die  Vertheilung
  dieser  |  ièe  unter  seine  Mitglieder  fest.  »

JohrgaaglsslmtasssU  40  Ti-
        <pb n="466" />
        —  290  —

Titel  VI.
Von  der  Direktion.

g.  26.

Die  Direktion  ist  der  Vorstand  der  Gesellschaft  mit  allen  nach  den
Artikeln  227.  ff.  des  Allgemeinen  Deutschen  Hendelsgesehbuches  und  dem
Artikel  12.  des  Einführungsgese  es  vom  24.  Juni  1861.  dem  Vorstande  einer
Mitiengesellschaf  zustehenden  Rechten  und  Pflichten.  Sie  besteht  aus  dem  vollschenden
  irektor  und  zweien  vom  Aufsichtsrathe  aus  dessen  Mitte  delegirten

itgliedern,  die  jedoch  nie  ein  und  derselben  Firma  angehören  dürfen.
ür  den  vollziehenden  Direktor  ernennt  der  Aufsichtsrath  aus  der  Zahl
seiner  Mitglieder  oder  der  Beamten  der  Gesellshafr  einen  Stellvertreter.

Die  Bestellung  der  Direktionsmitglieder,  sowie  des  für  den  vollziehenden
Direktor  ernannten  Stellvertreters,  ist  zu  jeder  Zeit  widerruflich.

Ueber  die  Wahl  des  vollziehenden  Direktors,  sowie  seines  Stellvertreters
und  der  in  die  Direktion  eintretenden  Mitglieder  des  Aufsichtsrathes,  wird  ein  gerichtliches
  oder  notarielles  Protokoll  aufgenommnen  und  bildet  eine  Ausfertigung
dieses  Protokolls  oder  ein  auf  Grund  desselben  ausgestelltes  gerichtliches  oder
notarielles  Attest  die  Legitimation  der  Direktionsmitglieder.

Die  Namen  des  vollziehenden  Direktors,  seines  Stellvertreters  und  der
übrigen  Direktionsmitglieder,  sowie  des  Rendanten  (G.  29.)  sind  durch  die  im
8  9.  bezeichneten  Blälter  veröffentlichen;  in  gleicher  Art  ist  jeder  in  den  Peronen
  eintretende  Wechsel  bekannt  zu  machen.

-

Die  Direktion  vertritt  die  Gesellschaft  nach  Außen,  bringt  die  Bankgeschäfte
zur  Ausführung  und  besorgt  die  Verwaltung  des  Ban  emögene  hat  jedoch  in
Gemäßheit  des  §.  23.  bei  der  Ausübung  aller  dieser  Funktionen  die  für  die
Geschäftsführung  erlassene  Instruktion  des  Aufsichtsrathes  zu  befolgen  und  handelt
in  dem  vorstehend  ihr  überwiesenen  Wirkungskreise  insoweit  selbstständig,  als  das
gegenwärtige  Statut  und  ihre  Instruktion  sie  nicht  beschränken.

Dicse  Instruktion  ist  jedoch  nur  zwischen  den  Mitgliedern  der  Direktion,
des  Aufsichtsrathes  und  der  Gesellschaft  als  solcher,  nicht  aber  dritten  Personen

egenüber  wirksam.  Den  letzteren  kann  die  Behauptung  einer  Verletzung  jener
Fustuukton  mit  Erfolg  nicht  entgegengestellt  werden.

g.  26.

Die  vorstehend  bezeichneten  Befugnisse  der  Direktion  erstrecken  sich  sowohl

bei  gerichtlichen  als  zußergercchtlichen  äften  auf  alle  Fälle,  in  welchen  die

Gesetze  eine  Spezialvollmacht  erfordern.  Den  Nachweis,  daß  die  Direktion  imert
a
        <pb n="467" />
        —  291  —

1oc  der  ihr  zustehenden  Befugnisse  gehandelt  habe)  ist  dieselbe  gegen  dritte  Peronen
  zu  führen  nicht  verbunden.

g.  29.

Die  Bank  wird  sowohl  gegen  jede  richterliche  und  andere  öffentliche  Behörde
als  gegen  jeden  Privaten  durt  die  von  mindestens  zwei  Direktionsmitgliedern
unter  der  Firma  der  Bank  vollzogene  Unterschrift  verpflichtet.  Zu  Quittungen
über  Gelder,  Dokumente  und  Vermögensobjekte  überhaupt,  desgleichen  zur  Ausstellung
  der  Wechselgiri  ist  die  unter  der  Firma  der  Bank  zu  vollziehende  gemeinschaftliche
  Unterst  aist  des  vollziehenden  Direktors  oder  seines  Stellvertreters  und
es  Rendanten  (Kassirers)  genügend.  "

g.  30.

Die  Direktion  ernennt  und  entsetzt  alle  Beamten  der  Gesellschaft,  deren
Ernennung  und  Entlassung  nicht  dem  Aufsichtsrathe  vorbehalten  ist.  Sie  ist
befugt,  Bazenigen.  Beamten,  deren  Entlassung  ihr  nicht  zusteht,  zu  suspendiren
und  hat  über  die  Entlassung  derselben  die  Entscheidung  des  Aufsichtsrathes  herbeizuführen.


G.  31.

Bei  Krankheits=  oder  sonstigen  Behinderungsfällen  des  vollziehenden  Direktors
  übernimmt  der  vom  Aufsichtsrathe  ernannte  Stellvertreter  desselben  (§.  26.)
dessen  Dienst.  Ist  auch  dieser  erkrankt  oder  verhindert,  so  hat  der  Aufsichtsrath
wegen  der  Stellvertretung  das  Erforderliche  anzuordnen.

C.  32.

Der  vollziehende  Direktor  muß  mindestens  zehn  Aktien  der  Gesellschaft
besitzen  oder  erwerben.

Diese  Aktien  werden  in  das  Archiv  der  Gesellschaft  hinterlegt  und  dürfen,
so  lange  die  Funktionen  des  Inhabers  dauern,  weder  veräußert,  noch  verpfändet,
noch  übertragen  werden.

K.  33.

Die  Direktion  fertigt  und  übergiebt  dem  Aufsichtsrathe  die  F.  23.  unter  b.
gedachten  Uebersichten,  desgleichen  am  Schlusse  eines  jeden  Geschäftsjahres  eine
nach  kaufmänmischen  Prinzipien  angefertigte  Bilanz  unter  gewissenhafter  Wurdigung
des  Werthes  aller  Aktiva.

Allmonatlich  hat  sie  eine  vom  Aufsichtsrathe  vorher  zug  grehmigende  Uebersicht
  der  am  letzten  Tage  des  verflossenen  Monats  in  der  Bank  vorhanden  gewesenen
  Aktiva  und  Pafioa  #  insbesondere  der  Bestände  in  geprägtem  Gold  und
Silber,  Barren  und  Wechseln,  ferner  des  Betrages  der  Forderungen  aus  Darlehnen
  und  aus  laufender  Rechnung,  sowie  der  umlaufenden  Banknoten,  desleichen

  unmittelbar  nach  abgehaltener  jährlicher  Generalversammlung  einen,  alle
weige  des  Verkehrs  umfassenden,  vom  Aufsichtsrathe  genehmigten  kurzen  Ge-(Nr.
  6567.)  40“  schäfts-
        <pb n="468" />
        —  292  —

schäftsbericht  für  das  abgelaufene  Jahr  dem  Kommissar  des  Staates  vorzulegen
und  gleichzeitig  in  den  §.  9.  gedachten  Zeitungen  zu  veröffentlichen.

Es  bleibt  der  Regierung  vorbehalten,  anstatt  der  monatlichen  in  Zukunft
auch  eine  öftere,  höchstens  aber  die  wöchentliche  Bekanntmachung  der  Aktiva  und
Passioa  insbesondere  der  Bestände  in  geprägtem  Gold  und  Silber,  Barren  u.  s.  w.
anzuordnen.

g.  34.

Ein  jedes  Direktionsmitglied  ist  befugt,  in  dringenden  Fällen  den  Präee
  des  Aufsichtsrathes  zur  Berufung  einer  außerordentlichen  Sitzung  aufzuordern.


Titel  VII.
Von  den  Generalversammlungen.

C.  35.

Die  Generalversammlungen  der  Aktionaire  finden  in  Posen  statt.

Die  ordentliche  Generalversammlung  tritt  jedes  Jahr  im  Monat  März
zusammen;  außerordentliche  General,  Versammlungen  peranstaltet  die  Direktion,
so  oft  sie,  beziehungsweise  der  Aufsichtsrath)  es  den  Umständen  angemessen  erachtet,
  oder  wenn  dies  von  einer  Anzahl  von  Aktionairen,  welche  zusammen  mindestens
  250  in  den  Registern  der  Gesellschaft  auf  ihren  Namen  eingetragene
Aktien  besitzen,  in  einer  von  ihnen  unterzeichneten  Eingabe  unter  Angabe  des
Zweckes  und  der  Gründe  verlangt  wird.

Die  Einladungen  zu  allen  Generalversammlungen  geschehen  durch  eine
Benachrichtigung)  welche  zweimal,  das  erste  Mal  mindestens  zwanzig  Tage  vor
dem  Versammlungstermine,  in  die  durch  F.  9.  bezeichneten  Zeitungen  inserirt  wird.

In  der  Einladung  müssen  jeder  Zeit  die  Gegenstände,  über  welche  Beschluß
  gefaßt  werden  soll,  angegeben  werden.

g.  36.

Die  Generalversammlung  besteht  aus  allen  Aktionairen,  welche  seit  zwei
Monaten  vor  dem  Tage  der  Berufung  in  den  Büchern  der  Gesellschaft  eingetragen
  sind.

In  der  Generalversammlung  hat  der  Inhaber

von  fünf  Aktin  Eine  Stimme,
von  zehn  Aktin  wei  Stimmen,
von  funfzehn  Aktten  rei  Stimmen,
von  zwanzig  Aktin  vier  Stimmen,

und  für  gche  weiteren  fünf  Aktien  Eine  Stimme,  so  daß  der  Inhaber  von  Einhundert
  Aktien  zwanzig  Stimmen  hat.  Ab
        <pb n="469" />
        —  293  —

Abwesende  Aktionaire  können  sich  nur  durch  anwesende  stimmberechtigte
Aktionaire  vertreten  lassen.  Jedoch  können  juristische  Personen  durch  ihren  verfaflungeme
  igen  Repräsentanten,  Kaufleute  durch  ihre  Prokuristen,  Minderjährige
und  sonst  Bevormundete  durch  ihre  Vormünder,  Ehefrauen  durch  ihre  Ehemänner
vertreten  werden,  auch  wenn  die  Vertreter  selbst  nicht  Aktionaire  sind.  Die  Vertreter
  haben  desfallsige  schriftliche  Vollmach,  wor  Eröffnung  der  Verhandlungen
bei  der  Direktion  niederzulegen.  Fanzig  Stimmen  bilden  das  Maximum,
welches  ein  Aktionair  für  die  von  ihm  vertretenen  und  für  seine  eigenen  Aktien
usammen.  genommen,  haben  kann.  Die  Beschlüsse  der  Anwesenden  sind  für  die
Abwesenden  verbindlich.  r

S.  37.

Die  Generalversammlung,  regelmäßig  konstituirt,  stellt  die  Gesammtheit
der  Aktionaire  dar.  Der  zeitige  Vorsitzende  des  Aufsichtsrathes  führt  auch  den
Vorsitz  in  der  Generalversammlung  und  ernennt  den  Protokollführer  und  die
Skrutatoren.

Zu  Skrutatoren  können  weder  Mitglieder  des  Aufsichtsrathes,  noch  Beamte
der  Gesellschaft  ernannt  werden.

In  den  regelmäßigen  Generalversammlungen  werden  die  Geschäfte  in  nachstehender
  Ordnung  verhandelt:

1)  Bericht  des  Aufsichtsrathes  über  die  Lage  des  Geschäfts  im  Allgemeinen
und  über  die  Resultate  des  verflossenen  Jahres  insbesondere;

2)  Wahl  der  Mitglieder  des  Aufsichtsrathes;

3)  Berathung  und  Beschlußnahme  über  die  Anträge  des  Aufsichtsrathes  und
der  Direktion,  sowie  über  die  Anträge  einzelner  Aktionaire;  letztere  müssen
vor  der  Berufung  der  Generalversammlung  der  Direktion  schriftlich  eingereicht
  sein;

4)  Wahl  von  drei  Kommissarien,  welche  den  Auftrag  erhalten,  die  Bilanz
mit  den  Büchern  und  Skripturen  der  Gesellchaft  zu  vergleichen  und,
rechtfindend,  der  Direktion  die  Decharge  zu  ertheilen.

g.  38.

Bei  den  Wahlen  findet  in  den  Generalversammlungen  stets,  insofern  sie
nicht  einsüimmig  durch  Akklamation  ’*  en,  geheime  Abstimmung  durch  Stimmzettel
  und  im  llebrigen  das  im  §.  22.  Fir  die  Wahlen  im  Aufsichtsrathe  vorgeschriebene
  Verfahren  statt.

Die  Beschlüsse  der  Generalversammlungen  über  andere  Gegenstände  werden,
vorbehaltlich  der  Bestimmungen  der  S#.  44.  und  45.)  durch  absolute  Majorität
der  erschienenen,  beziehungsweise  vertretenen  stmmberchtigten  Aktionaire  gefaßt.
Im  Falle  der  Stimmengleichheit  entscheidet  bei  derartigen  Beschlüssen  die  Stimme
des  Vorsigender-  Auf  den  Antrag  des  Vorsitzenden,  sowie  auf  den  Antrag  von
wenigstens  fünf  Aktionairen  muß  durch  geheimes  Skrutinium  abgestimmt  werden.

Die  Protokolle  der  Generalversammlungen  werden  von  einem  Notar  oder

(Nr.  6567.)  "  Ge-
        <pb n="470" />
        —  294  —

Gerichtsdeputirten  aufgenommen  und  von  dem  Kommissarius  der  Königlichen
Regierung,  dem  Syndikus,  den  Mitgliedern  des  Aufsichtsrathes  und  der  Direktion,
von  diesen  Allen,  soweit  sie  anwesend  sind,  und  von  den  Aktionairen,  welche  es
wünschen,  unterzeichnet.

Titel  VIII.
Rechnungsablage.  Dividende.  Reservefonds.

S.  39.

Die  Bücher  der  Bank  werden  mit  dem  31.  Dezember  jeden  Jahres  abgeschlossen
  und  wird  die  Bilanz  auf  diesen  Tag  von  der  Direktion  gezogen.  Die
ilanz  wird  vor  dem  1.  März  von  dem  Wpiichrsrath-  geprüft  und  Estzeneint-Binnen

  sechs  Wochen  nach  der  ordentlichen  Generalversammlung  muß  die
Bilanz  den  Revisionskommissarien  4  37.)  zur  Prüfung  vorgelegt  und  diese
Prüfung  von  denselben  im  Laufe  der  nächstfolgenden  vierzehn  Tage  erledigt
werden.  Die  Bilanz  wird,  nachdem  sie  von  den  Revifionskommissarien  geprü
worden,  durch  die  Gesellschaftsblätter  veröffentlicht.

Der  Ueberschuß  der  Aktiva  über  die  Passiva  bildet  den  Reingewinn  der
Gesellschaft.

Bei  Aufnahme  der  Bilanz  müssen  sowohl  die  sämmtlichen  verausgabten
Geschäftsunkosten,  als  auch  alle  vorgekommenen  Verluste  abgesetzt  und  für  die
etwa  vorhandenen  unsicheren  Forderungen  ein  angemessener  Prozentsatz  abgerechnet
werden.  Die  etwa  vorhandenen  Effekten  dürfen  niemals  mit  einem  höheren,  als
dem  Erwerbungetn  e,  und  wenn  der  Börsenkurs  am  Tage  der  Bilanzaufaahme
niedriger,  als  der  Erwerbungskurs  ist,  nur  zu  dem  Börsenkurse  in  der  Bilanz
angesetzt  werden.  Von  dem  auf  diese  Weise  ermittelten  Reingewinne  erhalten
zäch  die  Mitglieder  des  Aufsichtsrathes  die  ihnen  statutmäßig  zustehenden

ntièemen.

Von  dem  Ueberreste  werden  wenigstens  163  Prozent  so  lange  zum  Reservefonds
  zurückgelegt,  bis  letzterer  auf  den  vierten  Theil  des  Grundkapitals  anewachsen

  ist.  ie  übrig  bleibende  Summe  wird  als  Didvidende  unter  die
M  vertheilt.

Sollte  sich  durch  eine  Jahresbilanz  eine  Verminderung  des  Grundkapitals
herausstellen,  6.  dient  zunächst  der  vorgedachte  Reservefonds  zur  Deckung  derselben.
  Reicht  derselbe  dazu  nicht  hin,  so  dienen  die  zunächst  erzielten  Reingewinne
vorzugsweise  zur  Wiederergänzung  des  Grundkapitals  und  ders  bevor  deche  stattgehabt
  hat,  weder  eine  neue  Reserve  angesammelt,  noch  eine  neue  Dividende  vertheilt
  werden.

So  oft  und  so  lange  sich  aber  nach  Wiederergänzung  des  Grundkapitals

·  er
        <pb n="471" />
        —  295  —

der  Reservefonds  erschöpft  oder  angegriffen  findet,  darf  von  den  alsdann  zunächst
erzielten  Reingewinnen  nach  Berichie  der  den  Mitgliedern  des  Aufsichtsrathes
statutmäßig  zustehenden  Tantieme  nur  die  Hälfte  als  Dividende  vertheilt,  und
muß  die  andere  Hälfte  verwendet  werden,  um  den  Reservefonds  wieder  auf  seine
frühere  Höhe  zu  bringen.  Der  Reservefonds  darf  zu  keinem  anderen  Zwecke,
als  zu  der  vorstehend  gedachten  eventuellen  Ergänzung  des  Grundkapitals  und,
wenn  in  einem  Geschäftsjahre  die  gemachten  Gewinne  durch  eingetretene  Verluste
überstiegen  sein  sollten,  zur  Ausgleichung  der  Bilanz  verwandt  werden.

K.  40.

Die  Dividenden  sind  in  Posen  an  der  Kasse  der  Gesellschaft  zahlbar;  dieselben
  können  jedoch  durch  Beschluß  des  Aufsichtsrathes  auch  an  anderen  Orten
zahlbar  gestellt  werden.  «

Die  Dividenden  werden  jährlich  am  1.  Mai  gegen  Einlieferung  der  ausgegebenen
  Dividendenscheine  ausgezahlt.

KC.  41.

Die  Dividenden  verjähren  zu  Gunsten  der  Gesellschaft  nach  Ablauf  von
Hin  Fahren,  von  dem  Tage  an  gerechnet,  an  welchem  dieselben  zahlbar  get
  find.  «

Titel  IX.
Verfahren  bei  der  Auflösung.

K.  42.

Die  Bank  ist  verpflichtet,  jebensalle  bis  zum  Ablauf  der  statutmäßigen
Dauer,  wenn  aber  die  Auflösung  der  Gesellschaft  schon  früher  beschlosse  werden
sollte,  innerhalb  Jahresfrist  nach  dem  Beschlusse  ihre  sämmtlichen  Noten  einzulösen.


Wird  die  Auflösung  der  Gesellschaft  innerhalb  des  letzten  Jahres  vor  dem
Ablaufe  der  statutmä  6  bestimmten  Zeit  beschlossen,  so  müssen  bis  zu  letzterem
Zeitpunkte  sämmtliche  Noten  eingelöst  werden.

K.  43.

Für  die  Auflösung  der  Gesellschaft  kommen  die  Vorschriften  der  §S#§.  242.  f.
des  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuches  zur  Anwendung.  Die  eingelösten
  Roten  sind  unter  Aufsicht  des  Kommissarius  des  Staates  zu  vernichten
und  die  Veriichtung  ist  mittelst  eines  gerichtlich  oder  notariell  außunehmnenden
Dokumentes,  in  welchem  die  Noten  nach  Nummern  genau  bezeichnet  sein  müssen,
zu  beurkunden.

(Nr.  6567)  Die
        <pb n="472" />
        —  296  —

Die  Beträge  der  nicht  eingelösten  und  präkludirten  Noten  werden  nach
näherer  Bestimmung  des  Aufsichtsrathes  zu  mildthätigen  Zwecken  verwandt.

K.  44.

Nach  beendigtem  Liquidationsgeschäfte  ist  eine  Generalversammlung  von
dem  Aufsichtsrathe  nach  der  im  gegenwärtigen  Statut  für  die  Konvokation  gegebenen
  Vorschriften  zum  Zwecke  der  Vorlegusa  der  Schlußrechnung  und  Ertheilung
der  Decharge  zu  berufen.  Die  von  den  in  dieser  Versammlung  anwesenden,
nicht  zur  Verwaltung  gehörenden  Aktionairen  ertheilte  Decharge  befreit  sämmtliche
  Verwaltungsvorstände  dieser  Bank,  den  Aktionairen  gegenüber,  von  allem
und  sedem  ferneren  Nachweis,  sowie  von  jedem  Anspruche  wegen  der  erfolgten
Liquidation.

Eine  gleiche  rechtliche  Folge  tritt  ein,  falls  in  der  Gencraldersammlung
kein  bei  der  Verwaltung  unbetheiligter  Aktionair  erschienen  it  und  sich  dieser  Fa
ku  eiaer  zweiten,  eigens  zu  diesem  Zwecke  berufenen  Generalversammlung  wiederolt
  hat.

«  Zur  Decharge  der  Verwaltungsvorstände  durch  die  Generalversammlung
im  Falle  der  Liquidation  der  Gesellschaft  is  ideh  jedenfalls  eine  Stimmenmehrheit
  von  drei  Vierteln  der  vertretenen  Aktien  erforderlich.

Titel  X.
Abänderung  des  Statuts.

K.  45.

Nur  in  einer  außerordentlichen  Generalversammlung  kann

a)  eine  Abänderung  des  Statuts  resp.  eine  Erhöhung  des  Kapitals  durch
Ausgabe  neuer  Aktien,

b)  die  Auflösung  der  Gesellschaft
beschlossen  werden.

Die  Beschlüsse  ad  a.  und  b.  können  nur  mittelst  einer  drei  Viertheile  der
1  der  Generalversammlung  vertretenen  Aktien  repräsentirenden  Majorität  geaßt
  werden.

Die  Beschlüsse  ad  a.  bedürfen  außerdem  der  landesherrlichen  Genehmigung.

Ti-
        <pb n="473" />
        —  297  —

Titel  XI.
Oberaufsichtsrecht  des  Staates.

K.  46.

Zur  Wahrnehmung  ihres  Oberaufsichtsrechtes  ernennt  die  Staatsregierun
einen  Kommissar,  welcher  befugt  ist,  allen  Sitzungen  der  Direktion  und  des  N’i
sichtsrathes,  sowie  den  Generalversammlungen  ohne  Stimmrecht  beizuwohnen,
desgleichen  von  allen  Büchern,  Skripturen  und  Kassen  der  Gesellcchaut  jederzeit
Einsicht  zu  nesm  auch  die  Organe  der  Gesellschaft  gültig  zusammen  zu  berufen.
Er  hat  ft  tig  darüber  zu  wachen,  daß  die  Vorschriften  des  Statuts  in  allen
Punkten  zur  Ausführung  gelangen.

Sollte  es  die  Staatsregierung  für  nothwendig  befinden,  dem  Staatskommissar
  für  Dieses  Geschäft  eine  fortlaufende  Remuneration  zu  bewilligen,  so
muß  dieselbe  der  Staatskasse  aus  den  Einnahmen  der  Bank  ersetzt  werden.

Ich#rg  1867.  (Nr.  6567.)  41  Pro-
        <pb n="474" />
        —  298  —

Provinzial-Aktien-Gank  des  Großherzogthums  Posen,
gegründet  durch  den  notariellen  Vertrag  vom  24.  Oktober  1856.,
landesherrlich  bestätigt  durch  Königliche  Kabinets-Order  vom  16.  März  1857.

Bank-Aktie

.  .  über
Fübnfhundert  Thaler  Preußisch  Kurant.

De.  N.  N.  (Stand  und  Wohnort)  hat  den  weveir  Ante  mit  Frl
hundert  Thalern  statutenmäßin  4(  und  dadurch  alle  statutenmäßigen  Rechte
und  Pflichten  an  der  auf  2000  Aktien  à  500  Thaler  gegründeten  Provinzial-Aktienbank
  des  Großherzogthums  Posen)  namentlich  an  deren  Gewinne  sowie
an  dem  Beumm-Senkur-  dieser  Gesellschaft  erworben.  Jeder  Nachfolger  im
Eigenthume  dieser  Aktie  ist  den  Statuten  unterworfen.

Posen,  dn  ....  18..

Der  Verwaltungsrath.

Dieser  Aktie  sind  auf  fünf  Jahre  Dividendenscheine,  auf  jeden  Inhaber  lautend,  nebst
Talon  beigegeben,  welche  nach  Ablauf  des  letzten  Jahres  durch  neue  ersetzt  werden.

Eingetragen  sub  Folio  des  Registers.
(Rückseite.)
Uebertragen  a  ..
Follo
Posen,  dd.  .  .  18.

Provinzial-Aktien-Bank  des  Großherzogthums  Posen.
Der  Verwaltungsrath.
(Der  Aufsichtsrath.)

Ta-
        <pb n="475" />
        Talon.

Provinzial-Altien-  Zank  des  Großherzogthums  Posen.

Anweisung  zum  Empfang  der  .  Serie  der  Dividendenscheine  zur
Aktie  W.  .

aber  empfängt  an  ...  egen  diese  Anweisung  nach  F.  5.  des
7½  am  is  der  Gesellschaft  die  9  ..  Serie  der  endenscheine  zur
vorbezeichneten  Aktie.

Geht  diese  Anweisung  verloren,  so  findet  das  im  §.  8.  des  Statuts  vorgeschriebene
  Verfahren  Anwendung.

Posen,  den  ....  18.

Provinzial-Aktien-Bank  des  Großherzogthums  Posen.
Der  Aufsichtsrath.

(Tr.  6667)  41“  Di.
        <pb n="476" />
        —  300  —

Dividendenschein  zu  der  Aktie  ...  ..

der

Provinzial-Aktien  -  Lank  des  Großherzogthums  Posen.

iZ
——
2ZS#
wt  2  Inhaber  dieses  Scheines  empfängt  an  der  Kasse  der  Provinzial-Aktien-.—
  5  Bank  des  Großherzogihums  Posen  oder  nach  seiner  Wahl  an  den  durch
S55  Bsh  des  Verwaltungsrathes  zu  bestimmenden  Orten  die  für  das
2  Jahr  18.  festzustellende  Dividende.  ,
s  Es  Geht  dieser  Dividendenschein  verloren,  so  findet  das  im  8.  8.  des
2Ecz##s  Statuts  vorgeschriebene  Verfahren  Anwendung.
–§  ten  .
Ego;  Posen,den....·.......  18..
ZE;Provinzial-Akticn-BankdesGroßherzogthmnsPosen.
335
ZE;  (Stempel.)

E  Der  Rendant.  Der  Aufsichtsrath.

(Nr.  6568.)
        <pb n="477" />
        —  301  —

(Nr.  6568.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis-Obligationen
des  Kreises  Pr.  Eylau  im  Betrage  von  25,000  Thalern.  Vom  30.  Januar
  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

Nachdem  von  den  Kreisständen  des  Pr.  Eylauer  Kreises  auf  dem  Kreistage
  vom  7.  November  1866.  beschlossen  worden,  die  Geldmittel,  welche  zur
Beschaffung  des  zum  Bau  der  Ostpreußischen  Südbahn  innmerhalb  des  gedachten
Kreises  erssrderlichen  Grund  und  Bodens  außer  der  durch  das  Privilegium  vom
13.  März  1865.  (Gesetz=  Samml.  für  1865.  S.  187.  ff.)  genehmigten  Anleihe
von  80,000  Thalern  noch  erforderlich  sind,  im  Wege  einer  weiteren  Anleihe  zu
beschaffen,  wollen  Wir  auf  den  Antrag  der  gedachten  Kreisstände:  zu  diesem
Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  und  Talons  versehene,  Seitens
der  Gläubiger  unkündbare  Obligationen  zu  dem  angenommenen  Betrage  von
25,000  Thalern  ausstellen  4u  dürfen)  in  Gemähheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom
17.  Juni  1833.  zur  Ausstellung  von  Obligationen  zum  Betrage  von  25,000  Thalern,
  in  Buchstaben:  fünfundzwanzig  tausend  Thalern,  welche  in  250  Apoints  zu
(100  Thalern  nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer
  mit  fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu
bestimmenden  Folgeordnung  vom  Jahre  1869.  ab  mit  wenigstens  Einem  Prozent
des  gesammten  Kapitals  jährlich  unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den  getilgten
Sthirertrebemon  zu  tilgen  sind,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere
landesherrliche  Genehmigung  mit  der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder
Inhaber  dieser  Obligationen  die  daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung
  des  Eigenthums  nachweisen  zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befugt  ist.

Das  vorstehende  Privilegium,  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird)  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

,  Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  30.  Januar  1867.
L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

(Tr.  6568.)  Pro-
        <pb n="478" />
        —  302  —
Provinz  Preußen,  Regierungebezirk  Königsberg.
Obligation
des  Kreises  Pr.  Eylau

II.  Serie
über  Einhundert  Thaler  Preußisch  Kurant.

Auf  Grund  des  unteern  landesherrlich  bestätigten  Kreistagsbeschlusses
  vom  7.  November  1866.  und  des  A  erhöchsten  Privilegiums  vom
...............  wegen  Aufnahme  einer  Schuld  von  25,000  Thalern  bekennt  sich
die  ständische  Kommission  für  Verwaltung  des  Eisenbahnfonds  des  Kreises
Pr.  Eylau  Namens  des  Kreises  durch  diese,  für  jeden  Inhaber  gültige,  Seitens
des  Gläubigers  unkündbare  Verschreibung  zu  einer  Darlehnsschuld  von  100  Chelern,
  in  Buchstaben:  Einhundert  Thalern  Prugzt  ch  Kurant,  nach  dem  gesetich
bestehenden  Münzfuße,  welcher  Betrag  an  den  Kreis  baar  gezahlt  worden  und
mit  fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  ist.

Die  Rückzahlung  der  ganzen  Schuld  von  fünfundzwanzig  tausend  Thalern
Scshbieh  vom  Iche  1869.  6(0“  allmälig  aus  einem  zu  Heirn  Behufe  gebildeten

ilgungsfonds  von  wenigstens  Einem  brr  des  gesammten  Kapitals  jährlich,
unter  QZuwachs  der  Zinsen  von  den  getilgten  Schuldverschreibungen.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibunge  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  ie  Ausloosung  erfolgt  vom  Jahre  1869.  ab  in  dem
Monate  Oktober  jeden  Jahres.  Der  Kreis  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,  den
Ti#un  esonde  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche  noch
umlaufende  Schuldverschreibungen  zu  kündigen.

Die  ausgeloosten,  sowie  die  gekündigten  Schuldverschreibungen  werden  unter
Bezeichnung  ätter  uchstaben,  Nummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,  an
welchem  die  Rüchahlung  erfolgen  soll,  öffntlich  bekamnt  gemacht.

Diese  Bekanntmachung  erfolgt  vier,  drei,  zwei  umd  Einen  Monat  vor  dem
Zahlungstermine  in  dem  Amtsblatte  der  Königlichen  Regierung  zu  Königsberg,
dem  Pr.  Eylauer  Kreisblatte,  dem  Staatsanzeiger,  der  Osusischen  Hetu#
und  der  Hartungschen  Zeitung.

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird
es  in  halbschrigm  Terminen)  am  1.  Gat  und  am  1.  chte  eute  ab
gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  gleicher  Münzsorte  mit  jenem  werinse.

ie
        <pb n="479" />
        —  303  —

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  begen  bloße  Rück-F

  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,  bei
er  Kreis-Kommunalkasse  in  Pr.  Eylau  und  deren  Agentur  zu  Königsberg,  und
zwar  auch  in  der  nach  dem  Eintritt  des  Fälligkeitstermins  folgenden  Zeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  schtench  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.

Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren,  vom
Ablaufe  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  ab  gerechnet,  nicht  erhobenen  Linsen,
verjähren  zu  Gunsten  des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Allgemeinen  Gerichts-Ordnung  Theil  I.
Titel  51.  K.  120.  sequ.  bei  dem  Koniglichen  Kreisgerichte  zu  Bartenstein.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Jinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  der  Kreisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz
der  Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  sonst  in  glaubhafter
  Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
  und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Ouittung  ausgezahlt
  werden.  .

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  albjährige  Zmskupons  bis
.....  ausgegeben.  *  die  weitere  Zeit  werden  Zinskupons  au  si  6
Perioden  ausgegeben.  Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons=  Serie  erfolgt  bei
der  Kreis-Kommunalkasse  zu  Pr.  Eylau  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie
  beigedruckten  Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung
  der  neuen  Zinskupons--Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,
sofern  deren  Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der
Kreis  mit  seinem  Vermögen.

—  zu  Urkunde  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift

VPxr.  Eylau,  du  1  ...  18.

L.  8.)

Die  ständische  Kommission  für  Verwaltung  des  Eisenbahnfonds  des
Pr.  Eylauer  Kreises.

Anmerkung:  Die  Unterschriften  geschehen  eigenhändig.

(Nr.  6568.)  Pro-
        <pb n="480" />
        —  304  —
Provinz  Hreußen,  Regierungebezirk  Königeberg.

r-*i3  Erster  Es  Zins—  Kupon
—
s  !  Kreis-Obligation  bie  u  Cylauer  Kreises
——#2½  Littr.
II.  Ser
r*  über  Einhundert  Khaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen
Seei  über  .  .  .  ..  Thaler  ..  .  ..  Silbergroschen.
’“  Der  Inhaber  dieses  Jinskupons  empfängt  gegen-  dessen  Rückgabe
m  am  nnnn  ,  ..  Und  spaterhin  die  Zinsen  der  vorbe-3.S
  zx  nannten  Kreis-Obli  sg  fir  das  Stbsahr  vgeon  ..  .  ...  bis
—————..—-  mit  (in  Buchstaben)  Thaler  .....  Sibbergroschen  bei  der
Kreis-Kommunalkasse  zu  Pr.  Eylau  oder  deren  Agentur  in  Königsberg.
523  Pr.  Eylau,  den  n  .  .  .  ...
—-=.


56  5.  Die  ständische  Konmissen  omalmnn  des  Eisenbahnfonds

des  Pr.  Ehlauer  Kreises.
(Faksimile  der  Unterschrift.)

Provinz  Preußen,  Negierungebezirk  Königeberg.

Dalon
zur
Kreis=  Obligation  des  Pr.  Eylauer  Kreises
Serie.

aoheber  bieses.  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  Obligatton“
  1.  Eluer  Kr  eises
..........  über  Einhundert  Thaler  zu  füuf  Prozent  Zinsen
die  un  Serie  gmelpen  für  die  fünf  Jahre  18.  bis  18.  bei  der  Kreis-Kammmalllse
  zu  Pr.  Eylau  nach  Maaßgabe  der  diesfälligen  in  der  Obligation
enthaltenen  Bestimmungen.  »»
Pr.Eylau,den..EM.·.............  18..
(L.s.)
Die  staͤndische  Kommission  fuͤr  Verwaltung  des  Eisenbahnfonds  des
Pr.  Eylauer  Kreises.
alfinil  der  Unterschrift.)

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Gehelmen  Ober=  Hofbuchbruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="481" />
        —  305  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  21.  —

(Nr.  6569.)  Verordnung,  betreffend  die  Forterhebung  der  Steuern  und  Zölle  in  dem  ehemaligen
  Königreich  Hannover.  Vom  6.  Februar  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

verordnen  für  den  Umfang  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover)  was  folgt:

Die  bestehenden  Steuern  und  Abgaben  werden  auch  nach  dem  1.  Juli
d.  J.  nach  Maaßgabe  der  darüber  erlassenen  Gesetze  und  Verordnungen  so  lange
forterhoben,  bis  eine  Abänderung  der  betreffenden  Gesetze  und  Verordnungen
erfolgt  ist.

Alle  dieser  Verordnung  entgegenste  enden  Bestimmungen,  insbesondere  die
betreffenden  Bestimmungen  der  §99.  25.  ff.  des  Finanz-Kapitels  vom  24.  März
1857.)  werden  hierdurch  aufgehoben.

Lürbumch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  6.  Februar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

Johrgang  1867.  (Nr.  6569—6570.)  42  (Nr.  6570.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  18.  März  1867.
        <pb n="482" />
        —  306  —

(Nr.  6570.)  Acte  public  relatif  à  la  navigation  des  embouchures  du  Danube.  Du
2  Novembre  1865.

Une  Commission  Européenne  ayant  été  institute  par  Tarticle  16  du
Traité  de  Paris  du  30  Mars  1856,  pour  mettre  la  partie  du  Danube
situke  en  aval  d'Isakteha,  ses  embouchures  et  les  parties  avoisinantes
de  la  mer  dans  les  meilleures  conditions  possibles  de  navigabilité;

Et  ladite  Commission,  agissant  en  vertu  de  ce  mandat,  étant  parvenue,
  après  neuf  années  d’activité,  à  réaliser  Timportantes  améliorations
dans  le  régime  de  la  navigation,  notamment  par  la  construction  de  deux
digues  à  Tembouchure  du  bras  de  Soulina,  lesquelles  ont  eu  pour  effet
Touvrir  Taccès  de  cette  embouchure  aux  bätiments  Tun  grand  tirant
Teau;  par  Texécution  de  travaux  de  correction  et  de  eurage  dans  le
cours  du  méme  bras,  par  Penlèvyement  des  bätiments  naufragés  et  par
Tétablissement  d’un  systeme  de  bouces;  par  la  construction  (’un  phare
à  Tembouchure  de  St.  Georges;  par  Tinstitution  d'un  service  régulier
de  sauvetage  et  par  la  cration  d’un  hoöpital  de  la  marine  à  Soulina;
enfin,  par  la  réglementation  provisoire  des  dilférents  services  de  navigation
  sur  la  section  fluviale  situse  entre  Isaktcha  et  la  mer;

Les  Puissances  qui  ont  signé  le  dit  Traité  conclu  à  Paris  le
30  Mars  1856,  désirant  constater  due  la  Commission  Européenne,  en
accomplissant  ainsi  une  partic  essentielle  de  sa  täche,  a  agi  conformément
  à  Leurs  intentions,  et  voulant  déterminer  par  un  acte  public  les
droits  et  obligations  que  le  nouvel  état  de  choses  établi  sur  le  bas-Danube
  a  créés  pour  les  différents  intéressés  et  notamment  pour  tous  les
Faios  qdui  pratiquent  la  navigation  du  fleuve;  ont  nommé  pour  Leurs

LEnipotentiaires,

Savoir:
Sa  Majesté  I’empereur  d’'Autriche,  roi  de  Hongrie  et  de
Boheme:

Le  Sieur  Alfred  Chevalier  de  Kremer,  Son  Consul  pour
le  littoral  du  bas-Danube,  décoré  de  VOrdre  Imperial  du
Medjidic  de  quatrième  classe;

Sa  Majesté  l’'empereur  des  Français:

Le  Sieur  Edouard  Engelhardt,  Son  Consul  de  première
classe,  Chevalier  de  TOrdre  Impérial  de  la  légion  d'honneur;


Sa  Majesté  la  reine  du  royaume-  uni  de  la  Grande-Bretagne
  et  d’Irlande:

Le  Sieur  John  Stokes,  Major  au  Corps  royal  des  Inge-
        <pb n="483" />
        —  307  —

(Nr.  6570.)  (Uebersetzung.)  Schiffahrts-Akte  für  die  Donau-Mündungen.  Vom  2.  November
  1865.  «

Nachdem  durch  den  Art.  16.  des  Pariser  Vertrages  vom  30.  März  1856.
eine  Europäische  Kommission  eingesetzt  worden  ist,  um  die  stromabwärts  von
Isaktcha  belegene  Strecke  der  Donau,  sowie  die  Mündungen  dieses  Stromes  und
die  daran  stoßenden  Theile  des  Meeres  in  den  für  die  Schiffahrt  möglichst
günstigen  Zustand  zu  bringen;

Und  nachdem  die  genannte  Kommission  in  Ausführung  des  ihr  ertheilten
Auftrages  nach  neunjähriger  Thätigkeit  dahin  gelangt  ist,  wichtige  Verbesserungen
  des  Schiffahrtswesens  zu  verwirklichen,  insbesondere  durch  die  Erbauung
weier  Dämme  an  der  Mündung  des  Sulina-Armes,  welche  sefr  tief  gehenden
Fahrzeugen  den  Zugang  zu  dieser  Mündung  ermöglichen;  durch  die  Ausführung
von  Korrektions=  und  binzerungsarbit  in  denselben  Stromarme;  durch  Entfemun
  der  vorhandenen  Wrackstücke  und  durch  die  Anlegung  eines  Boyensystems;
urch  die  Erbauung  eines  Leuchtthurmes  an  der  St.  Georges-Mündung,  dur
die  Einrichtung  eines  regelmäßigen  Rettungsdienstes  und  die  Erbauung  eines
Marinehospitals  in  Sulina;  mit  einem  Worte  durch  die  vorläufige  Regulirun
der  verschiedenen  Zweige  des  Schiffahrtswesens  auf  der  zwischen  Isaktcha  un
dem  Meer  belegenen  Stromstrecke;

So  haben  diejenigen  Mächte,  welche  am  30.  März  1856.  den  vorgedachten
  Vertrag  zu  Paris  unterzeichnet  haben  —  von  dem  Wunsche  geleitet,  darzuthun,
  daß  die  Europäische  Kommission  bei  Erfüllung  eines  wesentlichen  apeis
ihrer  Aufgabe,  Ihren  Absichten  entsprechend  gehandelt  hat,  und  in  der  Absicht,
durch  eine  öffentliche  Akte  die  Rechte  und  Verbindlichkeiten  zu  bestimmen,  welche
der  auf  der  unteren  Donau  entstandene  neue  Zustand  der  Dinge  für  die  verschiedenen
  Betheiligten  und  insbesondere  für  alle  auf  dem  Strome  Schiffahrt
treibenden  Flaggen  begründet  hat  —  zu  Ihren  Bevollmächtigten  ernannt:

Seine  Majestät  der  Kaiser  von  Oesterreich,  König  von  Ungarn
und  Böhmen:
den  Herrn  Alfred  Ritter  v.  Kremer,  asen  Konsul  für  die
untere  Donauküste,  dekorirt  mit  dem  Kaiserlichen  Medjidie-Orden
  vierter  Klassej

Seine  Majestät  der  Kaiser  der  Franzosen:

den  Herrn  Eduard  Engelhardt,  Ihren.  Konsul  erster  Klasse
en-  des  Kaiserlichen  Glharn  der  hrenlegion;

Ihre  Majestät  die  Königin  des  vereinigten  Königreiches  von
Großbritannien  und  Irland:

den  Herrn  Johann  Stokes,  Major  im  Königlichen  Ingenieur-(Tr.
  6570.)  42“
        <pb n="484" />
        —  308  —

nieurs,  décoré  de  POrdre  Impérial  du  Medjidié  de  quatrieme
  classe,  etc.  etc.;

Sa  Majesté  le  roi  d’ltalie:

Le  Sieur  Annibal  Chevalier  Strambio,  Son  Agent  politiqgue
  et  Consul-  général  dans  les  Principautés--  Unies,
Commandeur  de  Son  Ordre  des  Saints  Maurice  et  Lazare;

Sa  Majesté  le  roi  de  Prusse:

Le  Sieur  Jules  Alexandre  Aloyse  Saint  Pierre,  Chevalier
  de  Son  Ordre  de  I’Aigle  rouge  de  troisième  classe
avec  le  noeud,  de  TOrdre  du  Danebrog  de  Danemark,
officier  de  I’Ordre  royal  de  Léopold  de  Belgique,  décoré
de  TOrdre  Impérial  de  Sainte  Annc  de  Russie,  de  seconde
classe,  Commandeur  de  POrdre  d’Albert  de  la  Saxe  Royale,
de  seconde  classc,  et  de  IOrdre  de  la  Branche  Ernestine
de  Saxe,  Son  Conseiller  actuel  de  légation,  Son  Agent
Politique  et  Consul-général  dans  les  Principautés-Unies;

Sa  Majesté  lI’'empereur  de  toutes  les  Russies:

Le  Sieur  Henri  Baron  d'’Offenberg,  Son  Conseiller  d’Etat
et  Consul-général  dans  les  Principautés-Unics,  Chevalier
de  DPOrdre  de  Saint  Vladimir,  de  troisième  classe,  de
Sainte  Anne  et  de  Saint  Stanislas  de  deuxième  classe,
Chevalier  de  Saint  Jean  de  Jérusalem  et  de  plusieurs
Ordres  étrangers;

Et  Sa  Majesté  I’empereur  des  Ottomans:

Ahmet  Rassim  Pacha,  fonctionnaire  du  rang  de  Mirimiran.
Son  Gouverneur  pour  la  Province  de  Toultcha,  décoré
de  VOrdre  Impérial  du  Medjidic  de  troisième  classe;
Lesquels,  après  avoir  exhibé  leurs  pleins-pouvoirs  trouv#és  en  bonne  et
due  forme,  sont  convenus  des  dispositions  suivantes:

Titre  L.
Dispositions  relatives  aux  conditions  matérielles  de  la
navigation.
Article  1.

Tous  les  ouvrages  et  établissements  créés  en  exéecution  de  Tartiche
  16  du  Traite  de  Paris,  du  30  Mars  1856,  avec  leurs  accessoires
        <pb n="485" />
        —  309  —

korps,  dekorirt  mit  dem  Kaiserlichen  Medjidie=  Orden  vierter
Klasse  u.  s.  w.)

Seine  Majestät  der  König  von  Italien:
den  Herrn  Hannihaal  Ritter  Strambio,  Ihren  politischen  Agenten
  und  Generalkonsul  in  den  Vereinigten  Fürstenthümern,  Kommandeur
  Ihres  St.  Mauritius=  und  St.  Lazarus-Ordens;

Seine  Majestät  der  König  von  Preußen:
den  Herrn  Julius  Alexander  Aloys  Saint=  Pierre,  Ritter
Ihres  Rothen  Adler-Ordens  dritter  Klasse  mit  der  Schleife,
des  Dänischen  Danebrog-Ordens,  Offzier  des  Königlich  Belgischen
  Leopold-Ordens,  dekorirt  mit  dem  Kaiserlich  Russischen
St.  Annen-Orden  zweiter  Klasse,  Komthur  zweiter  Klasse  des
Königlich  Sächsischen  Albrechts-Ordens  und  des  Sachsen-Ernestinischen
  Hausordens,  Ihren  Wirklichen  geattoneran  politischen
Agenten  und  Generalkonsul  in  den  Vereinigten  Fürstenthümern;

Seine  Majestät  der  Kaiser  aller  Reussen:

den  Herrn  Heinrich  Baron  v.  Offenberg,  Ihren  Staatsrath
und  Generalkonsul  in  den  Vereinigten  Fürstenthümern,  Ritter
des  St.  Wladimir-Ordens  dritter  Klasse,  des  St.  Annen=  und
St.  Stanislaus-Ordens  zweiter  Klasse,  Ritter  des  Johanniter-Ordens
  und  mehrerer  fremder  Orden;  und

Seine  Majestät  der  Kaiser  der  Ottomanen:

den  Ahmet  Rassim  Pacha,  Beamten  mit  dem  Mirimiran-Range,
hren  Gouverneur  der  Provinz  Tultcha,  dekorirt  mit  dem  Kaiserlichen
  Medjidie-Orden  dritter  Klasse;

Welche,  nachdem  sie  ihre  Vollmachten,  die  in  guter  und  gehöriger  Form  befunden
  worden,  vorgelegt,  folgende  Bestimmungen  vereinbart  haben:

Titel  I.

Bestimmungen  in  Betreff  der  materiellen  Einrichtungen  für  die
Schiffahrt.
Artikel  1.

Alle,  in  Ausführung  des  Art.  16.  des  Pariser  Vertrages  vom  30.  März
1856.  geschaffenen  Werke  und  Etablissements  sollen  mit  ihrem  Zubehör  und
(Tr.  6570)
        <pb n="486" />
        —  310  —

et  dépendances,  continueront  à  étre  affectés  exclusivement  à  lusag=  de
la  navigation  Danubienne,  et  ne  pourront  jamais  étre  détournés  decette
destination  pour  quelquc  motif  que  ce  soit;  à  ce  titre,  ils  sont  places
sous  la  garantie  ct  la  sauvegarde  du  droit  international.  La  Commission
Européenne  du  Danube,  ou  I-Autorité  dui  lui  succêédera  en  droit,  restera
chargée,  à  Texclusion  de  toute  ingérence  duelcondquc,  d’adminstrer  au
Profit  de  la  navigation  ces  ouvrages  et  établissements,  de  veiller  à  leur
maintien  et  conservation  et  de  leur  donner  tout  le  développement  due
les  besoins  de  la  navigation  pourront  reclamer.

Article  2.

Sera  spéecialement  réserve  à  la  Commission  Européenne,  ou  à
Autorité  dui  lui  succédera,  la  faculté  de  désigner  et  de  faire  exccuter
tous  travaux  qui  seraient  jugés  néecessaires  dans  le  cas  ou  Ton  vondrait
rendre  définitives  les  améliorations,  jusqu'aujourdhui  provisoires,  du
bras  et  de  Tembouchure  de  Soulina,  et  pour  Prolonger  Pendiguement
de  cette  embouchure,  au  für  et  à  mesure  qduc  Pétat  de  la  passe  pourra
Texiger.

Article  3.

II  demeurera  réservées#  ladite  Commission  Européenne  d'entrerendre
  l'amélioration  de  la  bouche  et  du  bras  de  St.  Georges,  arrétée
un  commun  accord  et  simplement  ajournde  quant  à  présent.

Article  4.

La  Sublime-Porte  s’engage  à  préter,  à  Tavenir  comme  par  le
Passé,  à  la  Commission  Européenne  ou  à  I’Autorité  qui  lui  succêédera,
toute  Tassistance  et  tout  le  concours  dont  T’une  ou  l’autre  pourra  avoir
besoin,  pour  Texécution  des  travaux  d’art  et  généralement  pour  tout  ce
qui  concernera  Taccomplissement  de  sa  täche.  Elle  veillera  à  ce  que
les  rives  du  Danube,  depuis  Isaktcha  jusqu’  la  mer,  demeurent  libres
de  toutes  batisses,  servitudes  et  autres  entraves  duelconques,  et  elle
continuera  sous  la  réserve  des  redevances  annuelles  aux  quelles  les
biens  -  fonds  sont  soumis  en  Turquie,  à  laisser  à  la  disposition  de  la
Commission,  dans  le  port  de  Soulina,  la  rive  gauche,  à  partir  de  la
racine  de  la  digue  du  Nord,  sur  une  distance  de  sept  cent  soixante
métres  en  remontant  le  fleuve,  et  sur  une  largeur  de  cent  cinquante
métres  en  partant  de  la  rive.

Elle  consent,  de  plus,  à  concéder  un  emplacement  convenable,
sur  la  rive  droite,  pour  les  constructions  que  ladite  Commission,  ou
Autorité  qdui  lui  succédera,  jugerait  utile  Gélever  pour  le  service  du

ort  de  Soulina,  pour  Thöpital  de  la  marine  et  pour  les  autres  bescins
ee  TAdministration.
        <pb n="487" />
        —  311  —

Anhang  nach  wie  vor  ausschließlich  zum  Gebrauch  der  Donau-Schiffahrt  bestimmt
sein,  und  niemals,  es  sei  aus  welchem  Beweggrunde  es  wolle,  desser  Bestimmung
entzogen  werden  können)  in  dieser  Eigenschaft  sind  sie  unter  die  Gewähr  und  den
Schutz  des  Völkerrechts  gestellt.  Die  Europäische  Donau-Kommission  oder  die
rechtlich  an  ihre  Stelle  tretende  Behörde  wird,  mit  Ausschluß  jedweder  anderen
Einmischung,  damit  beauftragt  bleiben,  diese  Werke  und  Etablissements  zum  Besten
der  Schiffahrt  zu  verwalten,  für  ihren  Bestand  und  ihre  Unterhaltung  Sorge
#  tragen  und  ihnen  diejenige  weitere  Entwickelung  zu  geben,  welche  das  Bedürfniß
er  Schiffahrt  erfordern  möchte.

Artikel  2.

Insbesondere  soll  der  Europäischen  Kommission  oder  der  an  ihre  Stelle
tretenden  Behörde  die  Befugniß  vorbehalten  bleiben,  alle  diejenigen  Arbeiten  zu
bezeichnen  und  ausführen  zu  lassen,  welche  für  den  Fall  nothwendig  erachtet  werden
sollen,  daß  man  die  bis  jetzt  provisorischen  Verbesserungen  des  Sulina-Armes
und  der  Sulina-Mündung  zu  definitiven  machen  wollte,  und  um  die  Eindämmung
dieser  Mündung  zu  verlängern,  je  nachdem  der  Zustand  des  Fahrwassers  dies  etwa
erfordern  wird.

Artikel  3.

Es  bleibt  der  Europäischen  Kommission  vorbehalten,  die  durch  gemeinsames
Uebereinkommen  beschlossene  und  bis  Get  einfach  vertagte  Verbesserung  der
St.  Georges-Mündung  und  des  St.  Georges-Armes  in  Angriff  zu  nehmen.

Artikel  4.

Die  Keh-  Pforte  verpflichtet  sich,  der  Europäischen  Kommission  oder  der
an  ihre  Stelle  tretenden  Behäörde  auch  in  der  Zukunft,  wie  dies  bisher  geschehen
ist,  jeden  Beistand  und  jede  Mitwirkung  zu  Theil  werden  zu  lassen,  deren  die
eine  oder  die  andere  Behufs  Ausführung  der  Korrektionen  (travauk  art)  und
überhaupt  Behufs  Erfüllung  ihrer  Aufgabe  etwa  bedürfen  sollte.  Sie  wird  dafür
sorgen,  daß  die  Ufer  der  Donau  von  Isaktcha  bis  zum  Meere  von  jedemst  Bauwerk,
  jeder  Servitut  und  jeder  anderen  Beschränkung  frei  bleiben  und  sie  wird
auch  ferner  im  Hafen  von  Sulina  das  linke  Ufer,  von  dem  Fuße  des  nördlichen
Hafendammes  an  gerechnet,  in  einer  Entfernung  von  760  Meternsstromaufwärts
und  in  einer  Breite  von  150  Metern  vom  Ufer  an  gerechnet,  der  Kommission
ur  Verfügung  überlassen,  vorbehaltlich  der  jährlichen  Abgaben,  welchen  die  Grundstcr
  in  der  Türkei  unterworfen  sind.  .

Sie  willigt  außerdem  darin  ein,  auf  dem  rechten  Ufer  eine  geeignete  Baustelle
  für  diejenigen  Bauten  abzutreten,  deren  Errichtung  die  ddache  ommission
oder  die  an  ihre  Stelle  tretende  Behörde  fü  den  nön  von  Sulina,  für
das  Marinehospital  und  für  die  anderen  Bedürfnisse  der  Verwaltung  als  zweckmäßig
  erachten  sollte.

Gr.  6570)
        <pb n="488" />
        —  312  —

Article  5.

Pour  le  cas  ou  la  Commission  Européenne  ferait  usage  de  la
réserve  mentionnée  dans  IArticle  3,  touchant  Tamélioration  de  la  bouche
et  du  bras  de  St.  Georges,  la  Sublime-Porte  consent  à  ce  due  ladite
Commission  puisse  disposer,  aussitet  *.“  besoin  sera,  des  terrains  et
emplacements  appartenant  au  domaine  de  TEtat,  qui  auront  été  désignés
et  déterminés  d’avance  comme  nccessaires,  tant  pour  la  construction
des  ouvrages  qduc  pour  la  formation  des  établissements  qdui  devront  étre
c#réés  en  conséquence  ou  comme  complément  de  cette  amélioration.

Article  6.

II  est  entendu  qu’il  ne  sera  construit,  sur  P’unc  ou  sur  Lautre  rive
du  fleuve,  dans  les  ports  de  Soulina  et  de  St.  Georges,  soit  par  IAutorite
  territoriale,  soit  par  les  Compagnies  ou  Sociéctés  de  commerce  et
de  navigation,  soit  par  les  particuliers,  aucuns  débarcadèeres,  quais  ou
autres  établissements  de  méme  nature,  dont  les  plans  n'’auraient  pas  ét6é6
communiqucs  à  la  Commission  Européenne  et  reconnus  conformes  au

rojet  général  des  dquais,  et  Romme  ne  pouvant  compromettre  en  rien
60.  et  des  travaux  d’amlioration.

Titre  II.

Dispositions  relatives  au  régime  administratif  de  la
navigation.

8.  1.

Des  Réglements  en  général.

Article  7.

La  navigation  aux  embouchures  du  Danube  est  régie  par  le
Réglement  de  navigation  et  de  policce,  arrété  par  la  Commission
Européenne  sous  la  date  de  ce  jour,  et  qui  est  demeuré  joint,  sous  la
lettre  A,  au  présent  Acte,  pour  avoir  mémc  force  et  valeur  que  seil  en
faisait  partic  intégrante?).

II  est  entendu  due  ce  Réglement  fait  loi,  non  seulement  en  ce
qui  concerne  la  police  fluviale,  mais  encore  pour  le  jugement  des  contestations
  civiles  naissant  par  suite  de  Texercice  de  la  navigation.

°)  Bemerkung.  Ist  hier  nicht  mit  abgedruckt.
        <pb n="489" />
        –  313

Artikel  5.

Für  den  Fall,  daß  die  Europäische  Kommission  von  dem  im  Art.  3.
erwähnten  Vorbehalte  wegen  Verbesserung  der  St.  Georges-Mündung  und  des
St.  Georges-Armes  Gebrauch  machen  sollte,  willigt  die  Hohe  Pforte  Lorin  ein,
daß  die  gedachte  Kommission  sofort  bei  eintretendem  Bedürfnisse  über  diejenigen,
dem  Staate  gehörigen  Grundstücke  und  Baustellen  verfügen  darf,  welche  sowohl
ur  Ausführung  der  Arbeiten  als  auch  zur  Herstellung  von  Baulichkeiten,  die  in
Foze  jener  Verbesserung  oder  Behufs  Vervollständigung  derselben  anzulegen  sein
werden,  als  erforderlich  im  Voraus  bezeichnet  und  ausgewählt  sein  werden.

Artikel  6.

Man  ist  darüber  einverstanden,  daß  in  den  Hüten  von  Sulina  und
St.  Georges  weder  auf  dem  einen  noch  auf  dem  andern  Ufer  des  Stroms  irgend
eine  Ausladestelle,  ein  Quai  oder  eine  ähnliche  Anlage  weder  von  der  Ortsbehörde,
noch  von  Handels-  und  Schiffahrts-Gesellschaften  und  -Genossenschaften,  noch  von
Privatleuten  errichtet  werden  darf,  bevor  nicht  die  Pläne  der  Europäischen  Kommission
  vorgelegt  und  von  letzterer  anerkannt  worden  ist,  daß  dieselben  mit  dem
allgemeinen  Entwurfe  der  Quais  übereinstimmen  und  in  keiner  Weise  den  Zweck
der  Verbesserungsarbeiten  beinträchtigen.

Titel  II.

Bestimmungen  in  Betreff  der  Verwaltung  der  Schiffahrts-Angelegenheiten.


K.  1.

Von  den  Reglements  im  Allgemeinen.

Artikel  7.

Für  die  Schiffahrt  an  den  Donau  Mündungen  ist  dasjenige  unter  dem
eutigen  Datum  von  der  Europäischen  Kommission  beschlossene  Schiffahrts=  und
olisei.  Roglement  aegebend,  welches  unter  dem  Buchstaben  A.  der  gegenwärtigen

  Akte  beigefügt  bleibt,  um  dieselbe  Kraft  und  Geltung  zu  haben,  als

wenn  es  ein  integrirender  Theil  derselben  wäre.
Man  ist  darüber  einverstanden,  daß  dieses  Neglement  nicht  nur  in  Betreff

der  Strompolizei,  sondern  auch  hinsichtlich  der  Entscheidung  derjenigen  Civilstreitig--keiten

  Gesetzeskraft  hat,  welche  in  Folge  der  Ausübung  der  Schiffahrt  entstehen.

Johrgang  1867.  (Nr.  6570.)  43
        <pb n="490" />
        —  314  —

Article  8.

L’exercice  de  la  navigation  sur  le  bas-Danube  est  placé  sous
Tautorite  et  la  surveillance  de  HInspecteur-général  du  bas-Danube  et
du  Capitaine  du  port  de  Soulina.

Ces  deux  Agents,  nommés  par  la  Sublime-Porte,  devront  conformer
tous  leurs  actes  au  Réglement  dont  Tapplication  leur  est  confiée  et
Pour  la  stricte  observation  duquel  ils  préteront  serment.  Les  sentences
émanant  de  leur  autorité  seront  prononcées  au  nom  de  S.  M.  le  Sultan.

Dans  le  cas  ou  la  Commission  Européenne,  ou  la  Commission
riveraine  permanente,  aura  constaté  un  délit  ou  une  contravention  commis
  par  Pun  ou  Tautre  desdits  Agents  contre  le  Réglement  de  navigation
  et  de  police,  elle  requerra  auprès  de  la  Sublime-Porte  sa  destitution.
  Si  la  Sublime-Porte  croit  devoir  procéder  à  une  nouvelle  enquéte
sur  les  faits  déja  constatés  par  la  Commission,  celle-ci  aura  le  droit  d’y
assister  par  Porgane  dun  Délegue,  et  lorsque  la  culpabilité  de  l’accusé
aura  été  düment  prouyée,  la  Sublime-Porte  avisera  sans  retard  à  son
remplacement.

Sauf  le  cas  prévu  par  le  paragraphe  qdui  précède,  IInspecteur-Gengral
  et  le  Capitaine  du  port  de  Soulina  ne  pourront  étre  eloignés

e  leurs  postes  respectifs  que  sur  leur  demande  ou  par  suite  d’un  accord
entre  la  “  et  la  Commission  Européenne.

Ces  Agents  fonctionneront,  ainsi,  lun  et  I’autre,  Ssous  la  Surveillance
  de  la  Pommission  Européenne.

L'Inspecteur-général,  les  Capitaines  des  ports  de  Soulina  et  de
Toultcha  et  les  surveillants  (dépendant  de  TInspecteur-général)  seront
rétribués  par  le  Gouvernement  Ottoman.

IIs  seront  choisis  parmi  des  personnes  competentes.

Article  9.

En  vertu  des  HPrineipe  de  PActe  du  Congres  de  Vienne  consacrés
ar  IArticle  15  du  Traite  de  Paris,  lautorite  de  TInspecteur-général  et
u  Capitaine  du  port  de  Soulina  s'’exerce  indistinctement  à  T’égard  de

tous  les  pavillons.

T.  Inspecteur-général  est  préposé  spéecialement  à  la  police  du  fleuve,
en  aval  d’'lsaktcha,  à  lexclusion  du  port  de  Soulina;  1l  est  assistée  de
surveillants  répartis  sur  les  diverses  sections  fluviales  de  son  ressort.

Le  Capitaine  du  port  de  Soulina  est  chargé  de  la  police  du  port
et  de  la  rade  extérieure  de  Soulina.

Une  instruction  speciale,  arrétée  Tun  commun  accord,  rgle  dans
ses  détails  Taction  de  UInspecteur-général  et  celle  du  Capitaine  du  port
de  Soulina.
        <pb n="491" />
        —  315  —

Artikel  8.

Die  Ausübung  der  Schiffahrt  auf  der  unteren  Donau  steht  unter  der
Autorität  und  Aufsicht  des  Generalinspektors  der  unteren  Donau  und  des
Hafenkapitains  von  Sulina.

Diese  beiden  Beamten,  die  von  der  Hohen  Pforte  ernannt  werden,  haben
sich  in  ihrer  Wirksamkeit  nach  dem  Reglement  zu  richten,  dessen  Handhabung
ihnen  anvertraut  ist,  und  auf  dessen  strenge  Beobechung  sie  vereidet  sind.  Die
unter  ihrer  Autorität  ergehenden  Entscheidungen  werden  im  Namen  Sr.  Majestät
des  Sultans  verkündet.

In  dem  Falle,  daß  die  Europäische  Kommission  oder  die  permanente  Uferkommission
  ermittelt  haben  sollte,  daß  einer  oder  der  andere  der  gedachten  Beamten
ein  Vergehen  oder  eine  Uebertretung  gegen  das  Schiffahrts=  und  Polizei-Reglement
bezangen  hat,  hat  sie  bei  der  Hohen  Pforte  seine  Absetzung  in  Antrag  zu  bringen.
Glaubt  die  Hohe  Pforte  hinsichtlich  der  von  der  Kommission  bereits  seügese  ten
Thatsachen  noch  eine  neue  Untersuchung  veranlassen  zu  sollen,  so  ist  letztere  befugt,
an  derselben  durch  Abordnung  eines  Bevollmächtigten  Theil  zu  nehmen,  und
obald  als  die  Schuld  des  Angeklagten  gehörig  nachgewiesen  ist,  wird  die  Hohe

forte  unverzüglich  auf  seine  Ersetzung  Sedach  nehmen.

Außer  dem  im  vorstehenden  Absatze  vorgesehenen  Falle  können  der  General-Inspektor
  und  der  Hafenkapitain  von  Sulina  nur  auf  ihren  Antrag  oder  in  Folze
eines  Einverständnisses  zwischen  der  Hohen  Pforte  und  der  Europäischen  Kommission
  von  ihren  betreffenden  Posten  entfernt  werden.

Diese  Beamte  Tien  einer  wie  der  andere)  hinsichtlich  ihrer  amtlichen
Thätigkeit  unter  der  Aufsicht  der  Europäischen  Kommission.

Der  Generalinspektor,  die  Hafenkapitaine  von  Sulina  und  Tultcha  und
die  (dem  Generalinspektor  untergeordneten)  Aufseher  werden  von  der  Ottomanischen
Regierung  besoldet.

Es  sollen  hierzu  geeignete  Persönlichkeiten  ausgewählt  werden.

Artikel  9.

In  Gemäßheit  der  durch  Art.  15.  des  Pariser  Vertrages  bekräftigten
Prinzipien  der  Wiener  Kongreßakte  findet  die  amtliche  Wirksamkeit  des  General-Inspektors
  und  des  Hafenkapitains  von  Sulina  auf  alle  Flaggen  gleichmäßig
Anwendung.

Unter  dem  Generalinspektor  steht  insbesondere  ug  die  Flußpolizei,  stromabwärts
  von  Isaktcha,  mit  Ausschluß  des  Hafens  von  Sulina;  hierbei  wird  er
von  Aufsehern  unterstützt,  welche  auf  die  verschiedenen  Stromstrecken  vertheilt  sind.

Der  Hafenkapitain  von  Sulina  ist  mit  der  Ausübung  der  Polizei  im  Hafen
und  der  äußeren  Rhede  von  Sulina  beauftragt.

Eine  im  gemeinsamen  Einverständnisse  beschlossene  Instruktion  regelt  die
Wirksamkeit  des  Generalinspektors  und  des  Hafenkapitains  von  Sulina  in  ihren
Birelemekl
(Nr.  6570,)  43*
        <pb n="492" />
        —  6  —

Article  10.

Les  Capitaines  marchands,  à  queldue  nationalité  quils  appartiennent,
  sont  tenus  Tobtemperer  aux  ordres  dui  leur  sont  donnés,  en
vertu  du  Réglement  de  navigation  et  de  police,  par  TInspecteur-général,
et  par  le  Capitaine  du  port  de  Soulina.

Article  11.

Liexécution  du  Réglement  de  navigation  et  de  police  est  assurée,
een  outre,  ainsi  que  Tapplication  du  tarif  dont  il  sera  parlé  aux  articles  13
et  suivants  du  présent  Acte,  par  laction  des  bätiments  de  guerre  stationnes
  aux  embouchures  du  Danube,  conforméement  à  Tarticle  19  du
Traité  de  Paris.

Chaque  station  navale  agit  sur  les  bäátiments  de  sa  nationalité  et
sur  ceux  dont  elle  se  trouve  appelce  à  protéger  le  parillon,  soit  en
vertu  des  Traités  ou  des  usages,  soit  par  suite  dune  deélégation  générale
  ou  spéciale.

A  défaut  d’un  batiment  de  guerre  ayant  qualité  pour  intervenir,
les  Autorités  internationales  du  fleuve  peuvent  recourir  aux  bätiments
de  guerre  de  la  Puissance  territoriale.

Article  12.

II  est  entendu  que  le  Réglement  de  navigation  et  de  police  joint
au  présent  Acte  conservera  force  de  loi  jusqu'au  moment  on  les  réglements
  prévus  har  Tarticle  17  du  Traité  de  Paris  auront  été  arrétés  d'un
commun  accord  et  mis  en  vigueur.

II  en  sera  de  méme  pour  les  dispositions  des  articles  8,  9  et  10
ei-dessus,  en  tant  qduelles  concernent  les  attributions  de  TInspecteurgénéral.


§v?2.

Du  tarif  des  droits  de  navigation.

Article  13.

Lyrticle  16  du  Traité  de  Paris  ayant  conféré  à  la  Commission
Européenne  la  faculté  dGimposer  à  la  navigation  une  taxe  d’un  taux  convenable
  pour  couvrir  les  frais  des  travaux  et  établissements  susmentionnés,
  et  la  Commission  ayant  fait  usage  de  cette  faculté  en  arrétant
le  tarif  du  25  Juillet  1860,  revisé  le  7  Mars  1863,  dont  le  produit  lui
a  procuré  les  ressources  nécessaires  pour  Tachèvement  des  travaux  cke
Soulina.  il  est  expressèment  convenu,  par  le  présent  Acte,  que  le  susdit
  tarif,  dont  les  dispositions  vriennent  d’'éetre  oomplétées,  demeureraobligatoire
  pour  Tavenir.
        <pb n="493" />
        —  3217  —

Artikel  10.

Die  Führer  von  Kauffahrteischiffen,  welcher  Nationalität  sie  auch  angehören,
sind  gehalten,  den  Befehlen  zu  gehorchen,  welche  ihnen  von  dem  eneralimspektor
und  dem  Hafenkapitain  von  Sulina  in  Gemäßheit  des  Schiffahrts=  und  Polizei-Reglemente
  ertheilt  werden.

Artikel  11.

Die  Ausführung  des  Schiffahrts=  und  Polizei-Reglements,  sowie  die
Anwendung  des  Tarifs,  von  welchem  in  Art.  13.  ff.  dieser  Akte  die  Rede  seim
wird,  ist  außerdem  durch  das  Eingreifen  der  Kriegsschiffe  gesichert,  welche  gemäß
Art.  19.  des  Pariser  Vertrages  an  den  Mündungen  der  Denau  stationiren.

Jede  Schiffsstation  übt  ihre  Wirksamkeit  auf  die  Fahrzeuge  ihrer  Nation
und  auf  diejenigen  Fahrzeuge  aus,  deren  Flagge  sie  entweder  in  Folge  von  Verträgen
  oder  Gewohnheiten,  oder  eines  allgemeinen  oder  besonderen  Auftrages  zu
schützen  berufen  ist.

Ist  kein  zum  Einschreiten  befugtes  Kriegsschiff  vorhanden,  so  dürfen  die
internationalen  Strombehörden  die  Hülfe  der  Kriegsschiffe  der  Territorialmacht
in  Anspruch  nehmen.

Artikel  12.

Man  ist  darüber  einverstanden,  daß  das  der  gegenwärtigen  Akte  beigefügte
Schiffahrts=  und  Polizei-Reglement  bis  zu  dem  Fukie  Fesezeskraft  behält,
wo  die  im  Art.  17.  des  Pariser  Vertrages  benhesepenen  Reglements  in  gemeinsamem
  Einverständnisse  beschlossen  und  in  Kraft  gesetzt  sind.

Dasselbe  gilt  hinsichtlich  der  Beummungen  der  obigen  Art.  8.  9.  und  10.,
insoweit  dieselben  die  Befugnisse  des  Generalinspektors  betreffen.

G.  2.
Von  dem  Tarif  der  Schiffahrtsabgaben.

Artikel  13.

Der  Art.  16.  des  Pariser  Vertrages  hat  der  Europäischen  Kommission  die
Befugniß  übertragen,  der  Schiffahrt  eine  Abgabe  von  angemessener  Höhe  aufnerlegen,
  um  die  Kosten  der  oben  erwähnten  Arbeiten  und  Etablissements  zu
decen  und  die  Kommission  hat  von  dieser  Befugniß  Gebrauch  gemacht,  indem  sie
den  Tarif  vom  25.  Juli  1860.,  revidirt  am  7.  März  1863.,  beschloß,  dessen
Ertrag  ihr  die  zur  Vollendung  der  Arbeiten  erforderlichen  Geldmittel  verschaffte.

Durch  die  gegenwärtige  Akte  ist  man  ausdrücklich  übereingekommen,  daß
der  vorgedachte  Tarif,  dessen  Bestimmungen  jetzt  vervollständigt  worden  fint,  für
die  Zukunft  verbindlich  bleiben  soll.

(Nr.  6570)
        <pb n="494" />
        —  318  —

cet  effet,  le  tarif  en  question  a  été  joint  au  présent  Acte.  sous
la  lettre  B,  pour  avoir  meéme  force  et  valeur  que  Fil  en  faisait  partie
intégrante.

Article  14.
Le  produit  de  la  taxe  sera  affecté:

1.  Par  priorité  et  préférence,  au  remboursement  des  emprunts
contractés  par  la  Commission  Européenne  et  de  ceux  qdueelle  pourra
contracter  à  Iavenir  pour  L’achevement  des  travaux  d'amélioration  des
embouchures  du  Danube;

2.  A  couvrir  les  frais  d’administration  et  d’entretien  des  travaux
et  établissements;

3.  A  P’amortissement  des  avances  faites  à  la  Commission  par  la
Sublime-Porte;  cet  amortissement  s'opérera  conformément  à  Tarrangement
  spécial  conclu,  à  cet  égard,  entre  la  Commission  Européenne  et
le  Délégué  de  S.  M.  I.  le  Sultan,  sous  la  date  de  ce  jour.

Liexcédant  de  ce  produit,  s’il  y  en  a,  sera  tenu  en  réserve,  pour
faire  face  aux  dépenses  due  pourra  entrainer  le  prolongement  des
digues  de  Soulina  ou  lexéecution  de  tels  autres  travaux  due  la  Commission
  Européenne  ou  l  Autorité  dqui  lui  succédera  jugera  ultérieurement
  utiles.

II  est  expressément  entendu,  au  surplus,  qu’aucune  partie  des
sommes  produites  par  les  taxes  pPrélevées  sur  les  bätiments  de  mer,
ou  des  emprunts  réalisés  au  moyen  de  Taffectation  de  ces  taxes,  ne  pourra
étre  employe  à  couvrir  les  frais  de  travaux  ou  des  dépenses  administratives
  se  rapportant  à  une  section  fluviale  situske  en  amont  d’Isaktcha.

Article  15.

A  Texpiration  de  chaque  délai  de  cinqd  ans,  et  en  vue  de  diminuer,
il  est  possible,  les  charges  imposées  à  la  navigation,  il  sera  procédé
par  les  Déléegués  des  Puissances  qui  ont  arrété  le  susdit  tarif,  à  une
revision  de  ses  dispositions,  et  le  montant  des  taxes  sera  réduit  autant
due  faire  se  pourra,  tout  en  conservant  le  revenu  moyen  jugé  né-Cessaire.


Article  16.

Le  mode  de  perception  de  la  taxe  et  Tadministration  de  la  Caisse
de  navigation  de  Soulina  continueront  à  éetre  régis  par  les  dispositions
actuellement  en  vigueur.

L’Agent-Comptable  préposé  à  la  perception  sera  nommé,  à  la  ma-
        <pb n="495" />
        —  319  —

Zu  diesem  Zwecke  ist  der  fragliche  Tarif  der  gegenwärtigen  Akte  unter  dem
Buchstaben  B.  beigefügt  worden,  um  dieselbe  Kraft  und  Geltung  zu  haben,  als
wenn  er  einen  integrirenden  Theil  derselben  bildete.

Artikel  14.
Der  Ertrag  der  Abgabe  ist  bestimmt:

1)  in  erster  Stelle  und  vorzugsweise  zur  Rückzahlung  der  Anleihen,  welche
die  Europäische  Kommission  gemacht  hat,  und  welche  sie  Behufs  Vollendung
  der  Ameliorations  =  Arbeiten  der  Donau-Mündungen  künftig
etwa  noch  eingehen  wird;

2)  zur  Deckung  der  Kosten  der  Verwaltung  und  Unterhaltung  der  Arbeiten
und  Etabllisemerts,

3)  zur  Tilgung  der  von  der  Hohen  Pforte  der  Kommission  gemachten  Vor-Ghuse)
  diese  Tilgung  wird  nach  Maaßgabe  eines  besonderen  Abkommens
vor  sich  gehen,  welches  in  dieser  Hünsch  unter  dem  heutigen  Datum
hosschen  der  Europäischen  Kommission  und  dem  Bevollmächtigten  Seiner

ajestät  des  Sultans  abgeschlossen  worden  ist.

Sollte  sich  ein  Uberschß  dieses  Ertrages  ergeben,  so  wird  derselbe  in
Reserve  behalten  werden,  um  den  Ausgaben  entgegenzutreten,  welche  die  Verlängerung
  der  Sulina-Dämme  oder  die  Ausführung  sonstiger,  von  der  Europäischen
  Kommission  oder  der  an  ihre  Stelle  tretenden  Behörde  weiter  für  nützlich
  erachteten  Arbeiten  etwa  nach  sich  ziehen  wird.

Man  ist  übrigens  darin  ausdrücklich  einig  geworden,  daß  kein  Theil  der
Geldsummen,  welche  durch  die  von  den  Seefahrzäugen  erhobenen  Abgaben  aufzebracht
  sind,  oder  der  Anlehen,  welche  vermittelst  der  besonderen  Bestimmung
ieser  Abgaben  ermöglicht  worden  sind,  dazu  verwendet  werden  darf,  Kosten  für
Arbeiten  oder  Verwaltungsausgaben  zu  decken,  welche  sich  auf  eine  stromaufwärts
von  Isaktcha  belegene  Stromstrecke  beziehen.

Artikel  15.

Von  fünf  zu  fünf  Jahren  soll  zu  dem  Zwecke,  wo  möglich  die  der  Schifffahrt
  auferlegten  Lasten  zu  vermindern,  von  den  Bevollmächtigten  der  Mächte,
welche  den  vorgedachten  Luf  erlassen  haben,  l  einer  Revision  der  Bestimmungen
  desselben  geschritten  und  der  Betrag  der  Abgaben,  so  viel  als  möglich,  herabgesetzt
  werden,  so  jedoch,  daß  die  für  nöthig  erachtete  Durchschnittseinnahme
erhalten  bleibt.  Z

Artikel  16.

Die  Erhebungsweise  der  Abgabe  und  die  Verwaltung  der  Schiffahrtskasse
von  Sulina  soll  auch  fernerhin  nach  Maaßgabe  der  gegenwärtig  in  Kraft  stehenden
  Bestimmungen  erfolgen.  Der  mit  der  Erhebung  beauftragte  Rechnungsbeamte
  wird  durch  die  Europäische  Kommission  oder  die  an  deren  Stelle  tretende

(Tr.  6570)
        <pb n="496" />
        —  320  —

joritẽ  absolue  des  voix,  par  la  Commission  Européenne  ou  par  lAutorité
  qui  lui  succédera,  et  fonctionnera  sous  ses  ordres  directs.

Le  contröole  général  des  opérations  de  la  Caisse  sera  exercé  par
un  Agent  dont  la  nomination  appartiendra  au  Gouvernement  Ottoman.

II  sera  public  annuellement,  dans  les  journaux  officiels  des  diflérentes
  Puissances  intéressées,  un  bilan  détaille  des  opérations  de  la
Caisse  de  navigation,  ainsi  du’un  Cétat  faisant  connaitre  la  répartition
et  Temploi  des  produits  du  tarif.

Article  17.

Lfadministration  géenérale  des  phares  de  [Empire  Ottoman  s'étant
chargée  de  pourvoir  aux  frais  d'eclairage,  Tadministration  et  Tentretien
des  phares  Ccomposant  le  systme  d’eclairage  des  embouchures  du  Danube,
  la  qduote-part  représentant  les  droits  de  phare  dans  le  montant
des  taxes  perçues  à  Soulina,  sera  versée  auft  mains  de  ladite  administration;
  mais  il  est  entendu  due  ces  droits  ne  pourront  avoir  pour
objet,  en  ce  qui  concerne  les  phares  existants  et  ceux  due  Ton  jugerait
utile  Tétablir  ultérieurement,  due  de  couvrir  les  dépenses  réelles.

8.  3.

Des  Quarantaines.

Article  18.

Les  dispositions  sanitaires  applicables  aux  embouchures  du  Danube
  continueront  à  étre  réglées  par  le  Conseil  supérieur  de  santé  institué
  à  Constantinople,  et  dans  leqduel  les  diffErentes  Missions  etrangeres,
accréditées  aupres  de  la  Sublime-Porte,  sont  représentées  par  des  De-Egués.


Ces  dispositions  seront  conçues  de  manière  à  concilier  dans  une
juste  mesure  les  garanties  sanitaires  et  les  besoins  du  commerce  maritime,
  et  elles  seront  basées,  autant  due  faire  se  Pourra,  sur  les  principes
  détermines  dans  les  articles  19  et  20  ci-apres.

Article  19.

Les  bätiments  descendant  le  Danube  seront  affranchis  de  tout
Contröle  sanitaire;  1  en  sera  de  méme  pour  les  bátiments  venant  de  la
mer,  aussi  longtemps  qdu’aucune  Cpidémie  de  peste  ne  règnera  en  Orient;
ces  bätiments  seront  tenus  simplement  de  presenter  leur  patente  de  santé
aux  Autorités  des  ports  ou  i1ls  mouilleront.
        <pb n="497" />
        —  321  —

Behörde  mit  absoluter  Stirmenmehreit  ernannt  und  hat  sich  in  seiner  Amtsthätigkeit
  nach  den  direkten  Befehlen  derselben  zu  richten.

Die  allgemeine  Kontrole  der  Kassen  scchifte  wird  durch  einen  Beamten
ausgeübt,  dessen  Ernennung  der  Ohemanischen  egierung  zukommt.

In  jedem  Jahre  wird  eine  ins  Einzelne  5  Bilanz  der  Geschäfte
der  Schiffahrtskasse,  sowie  ein  Etat,  aus  welchem  sich  die  Vertzeillme  und  die
Verwendung  der  Erträge  des  Tariss  ersehen  läßt,  in  den  offiziellen  Blättern
der  verschiedenen  betheiligten  Mächte  veröffentlicht  werden.

Artikel  17.

Da  die  Generaladministration  der  Leuchtthürme  des  Ottomanischen  Koaiserreiches
  übernommen  hat,  für  die  Erleuchtungs-,  Verwaltungs=  und  Unterhaltungskosten
  der  das  Erleuchtungssystem  der  Donau-Mündungen  bildenden  Leuchtthürme
  zu  sorgen,  so  wird  von  der  Summe  der  in  Sulina  erhobenen  Abgaben
ein  verhältnißmäßiger  Antheil  als  Leuchtthurmsabgaben  abgesetzt  und  der  obenedachten
  Administration  ausgehändigt  werden;  man  ist  indessen  darin  einverstanben,
  daß  diese  Abgaben,  insoweit  es  sich  dabei  um  die  bestehenden  und  um
diejenigen  Leuchtthürme  handelt,  deren  Errichtung  ferner  etwa  für  nüzlich  erachtet
  werden  sollte,  keinen  anderen  Zweck,  als  die  Deckung  der  wirklichen  Ausgaben
  haben.

g.  3.

Von  den  Quarantainen.

Artikel  18.

Die  an  den  Donau-Mündungen  in  Anwendung  kommenden  gesundheitspolizeilichen
  Vorschriften  werden  auch  fernerhin  von  dem  in  Konstantinopel  einesetzten
  oberen  Gesundheitsrathe  erlassen  werden,  in  welchem  die  verschiedenen,
beL  der  Hohen  Pforte  beglaubigten  fremden  Missionen  durch  Delegirte  vertreten  sind.

Bei  Erlaß  dieser  Vorschriften  soll  darauf  Bedacht  genommen  werden,  die
sanitätspolizeilichen  Interessen  in  billiger  Weise  mit  den  Bedürfnissen  des  Seeandels
  in  Einklang  zu  bringen;  sie  werden,  so  weit  als  dies  möglich  ist,  die
in  den  nachfolgenden  Art.  19.  und  20.  aufgestellten  Grundsätze  zum  Ausgangspunkt
  nehmen.

Artikel  19.

Die  auf  der  Donau  stromabwärts  segelnden  Fahrzeuge  sollen  von  jeder
Sanitätskontrole  befreit  sein;  dasselbe  wird  bei  den  vom  Meere  kommenden
Sahregen  so  lange  der  Fall  sein,  als  keine  ansteckende  Seuche  im  Orient  herrscht;
diese  Fahrzeuge  4  nur  verpflichtet,  ihr  Gesundheitspatent  den  Hafenbehörden
des  Ortes,  wo  sie  vor  Anker  gehen,  vorzuzeigen.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6570.)
        <pb n="498" />
        —  322  —

Article  20.

Si  une  épidémie  de  peste  vient  à  Gclater  en  Orient,  et  si  Ton  juge
nécessaire  de  faire  appliquer  des  mesures  sanitaires  sur  le  bas-Danube,
la  duarantaine  de  Sohhns  Pourra  étre  rétablie;  les  batiments  venant  de
la  mer  seront  tenus,  dans  ce  cas,  daccomplir  à  Soulina  les  formalités

Unrantainaires,  et  si  Iépidémie  n’a  pas  envahi  les  Provinces  de  la
urquie  d’Europe,  ils  ne  pourront  plus  stre  Tobjet  d’aucune  mesure
Sanitaire  en  remontant  le  fleuve.

Mais  si,  au  contraire,  PTépidémie  envahit  une  ou  plusieurs  des
Provinces  riveraines  du  Danube,  des  éEtablissements  quarantainaires
Seront  instituéks  Ià  ou  bescin  sera,  sur  la  partie  du  fleuve  qdui  traverse
le  territoire  de  la  Turquie.

Tltre  III.

Neutraliteé.

Article  21.

Les  ouvrages  et  6tablissements  de  toute  nature  créés  par  la  Commission
  Européenne  ou  par  I'Autorité  dui  lui  succédera,  en  exécution
de  Tarticle  16  du  Traité  de  Paris,  notamment  la  Caisse  de  navigation
de  Soulina,  et  ceux  qu’elle  pourra  créer  à  Tavenir,  jouiront  de  la  neutralité
  stipulée  dans  PTarticle  11  du  dit  Traité  et  seront,  en  cas  de  guerre,
éGgalement  respectés  par  tous  les  belligérants.

Le  bénélice  de  cette  neutralite  s'étendra,  avec  les  obligations  qdui
en  derivent,  à  TIlnspection  générale  de  la  navigation,  à  Tadninistration
du  port  de  Soulina,  au  personnel  de  la  Caisse  de  navigation  et  de  The-Pital
  de  la  marine,  enfin,  au  personnel  technique  chargé  de  la  surveillonce
  des  trawaux.

Article  22.

Le  présent  Acte  sera  ratifé;  Chacune  des  Hautes  Parties  contractantes
  ratiliera  en  un  seul  exemplaire  et  les  ratifications  seront  déposées
dans  un  délai  de  deux  mois,  ou  plus  tét  si  faire  se  peut,  à  la  Chancellerie
  du  Divan  Impérial,  à  Constantinople.
        <pb n="499" />
        —  323  —

Artikel  20.

Wenn  eine  ansteckende  Seuche  im  Orient  ausbrechen  sollte,  und  man  es
für  nothwendig  hält,  gesundgeitspolizellche  Maaßregeln  auf  der  untern  Donau
in  Anwendung  zu  bringen,  kann  die  Quarantaine  von  Sulina  wiederhergestellt
werden)  in  diesem  Falle  sind  die  vom  Meere  kommenden  Fahrzeuge  verpflichtet,
die  Quarantaine-Förmlichkeiten  in  Sulina  zu  erfüllen,  und  wenn  die  Sauche  die
Europäischen  Provinzen  der  Türkei  nicht  ergriffen  hat,  dürfen  sie  bei  der  Bergahrt
  auf  dem  Strome  keiner  gesundheitspolizeilichen  Maaßregel  weiter  unterworen
  werden.

Wenn  aber,  im  Gegentheil,  die  Epidemie  eine  oder  mehrere  am  Donau—-Ufer
  belegene  Provinzen  ergreift,  so  sollen  Quarantaine-Einrichtungen  an  derjenigen,
  das  Gebiet  der  Türkei  durchfließenden  Strecke  des  Stromes  getroffen
werden,)  wo  sich  ein  Bedürfniß  dazu  herausstellt.

Titel  III.
Neutralitdt.

Artikel  21.

Die  von  der  Europäischen  Kommission  oder  von  der  an  ihre  Stelle  tretenden
  Behörde  in  Ausführung  des  Art.  16.  des  Pariser  Vertrages  ausgeführten
oder  später  etwa  no  aussuführenden  Werke  und  Etablissements  jeder  Art,  namentlich
  auch  die  Schiffahrtskasse  von  Sulina,  sollen  der  im  Art.  11.  des  gedachten
Vertrages  verabredeten  Neutralität  theilhaftig  sein  und  im  Kriegsfalle  von  allen
Kriegführenden  gleichmäßig  geschont  werden.

Die  Wohlthat  dieser  Neutralität  wird  sich  mit  den  daraus  entspringenden
Verpflichtungen  auch  auf  die  General  Schiffahrtsinspettion,  auf  die  Hafenverwaltung
  von  Sulina,  auf  das  Personale  der  Schiffahrtskaff  und  das  Marinehospital
  und  endlich  auf  das  mit  der  Beaufsichtigung  der  Arbeiten  beauftragte
technische  Personale  erstrecken.

Artikel  22.

Die  gegenwärtige  Akte  wird  ratifizirt  werden;  jede  der  Hohen  kontrahirenden
  Mächte  wird  in  einem  einzigen  Exemplare  ratif  ziren  und  die  Ratifikationen
werden  innerhalb  einer  Frist  von  zwei  Monaten,  oder  wenn  möglich  früher,  in
der  Kanzlei  des  Kaiserlichen  Divans  in  Konstantinopel  niedergelegt  werden.

(Nr.  6570)  44•
        <pb n="500" />
        —  324

En  foi  de  quoi,  les  Plénipotentiaires  respectifs  Tont  signé  et  y  ont

apposé  le  sceau  de  leurs  armes.

Fait  à  Galatz,  le  deuxièeme  jour  du  mois  de  Novembre  de  IAn

mil  huit  cent  soixante  cing.

.S)
.8)
.8)
.8)
8.)
8.)

S.)

A.  de  Kremer.
Ed.  Engelhardt.
J.  Stokes.
Strambio.
Saint-Pierre.
Offenberg.
Ahmet  Rassim.
        <pb n="501" />
        —  325  —
Zur  Urkund  dessen  been  die  betre  Bevollmächtigten  dieselbe  unterzeichnet
  und  den  Abdruck  ihrer  Wappen  beigefü
Geschehen  zu  Galatz,  am  2.  November  1865.

8.)  A.  v.  Kremer.
S.)  Ed.  Engelhardt.
8.)  J.  Stokes.

.)  Strambio.

S.)  Saint-Pierre.
8.)  Offenberg.

S.)  Ahmet  Rassim.

FEPPPP
□P½

Vorstehende  Akte  ist  von  sämmtlichen  dabei  betheiligten  Souverainen  ratifizirt
  worden.

(Nr.  6570.)
        <pb n="502" />
        Annexe  B.

Tarif
de

droits  de  navigation  à  prélever  d4  Pembouchure  du
Danube.

Préambule.

La  Commission  Européenne  du  Danube,

Vu  Tarticle  16  du  Traité  de  Paris,  du  30  Mars  1856,  portant  qdue  les
frais  des  travanx  exécutés  pour  dégager  les  embouchures  du  Danube
et  les  parties  de  la  mer  y  avoisinantes  des  obstacles  qui  les  obstruent
et  ceux  des  établissements  ayant  pour  objet  d’assurer  et  de  faciliter  la
navigation,  seront  couverts  au  moyen  du  prelèvement  de  droits  fixes
arrétés  par  la  Commission;

WI  le  tarif  provisoire  arrété,  en  conséequence,  le  25  Juillet  1860,
et  le  tarif  rEvisé  en  date  du  7  Mars  1863;

Attendu  que  les  travaux  entrepris  à  Vembouchure  de  Soulina  sont
arrivés  à  leur  terme;  que  par  suite  de  Taugmentation  de  profondeur
dqui  en  a  Cté  le  résultat,  les  obstaches  due  les  bätiments  rencontraient
sur  ce  point  ont  été  Ccartés;

Que  les  travaux  de  correction  et  de  curage  exécutés  dans  le  cours
du  fleuve,  la  construction  d'un  phare  à  Tembouchure  de  St.  Georges,
les  ameliorations  introduites  dans  les  ctablissements  dont  parle  le  Traité,
la  création  Tun  hopital  de  la  marine  à  Soulina,  dans  lequel  les  marins
malades  ou  naufragés  sont  admis  gratuitement,  assurent  également  à  la
navigation  des  avahtages  considérables;

Que  dans  cet  état  des  choses,  et  afin  de  pourvoir,  tant  à  Pamortissement
  des  sommes  consacrées  aux  travaux  qu’aux  frais  que  pourront
entrainer  leur  conservation  et  leur  développement  Cventuel,  ainsi  due
Tentretien  des  établissements  susdits,  iI  y  a  lieu  de  faire  succéder  un
régime  définitif  aux  dispositions  provisoires  du  tarif  actuellement  en
VIgneurT;
        <pb n="503" />
        —  327  —

Auhang  B.

Tarif

der

an  der  Donaumuͤndung  zu  erhebenden  Schiffahrts-Abgaben.

Einleitung.

Die  Europäische  Donaukommission,

ch  Einsicht  des  Art.  16.  des  Pariser  Vertrages  vom  30.  März  1856.,
welcher  besagt,  daß  die  Kosten  der  Arbeiten,  welche  ausgeführt  sind,  um  die
Donaumündungen  und  die  denselben  nahe  gelegenen  Theile  des  Meeres  von  den
sie  versperrenden  Hindernissen  zu  befreien,  sowie  daß  die  Kosten  der  auf  Sicherung
und  Erleichterung  der  Schiffahrt  abzielenden  Einrichtungen  vermittelst  der  Erhebung
  fester,  von  der  Kommission  angeordneter  Abgaben  gedeckt  werden  sollen;

Nach  Einsicht  des  demgemäß  unter  dem  25.  Juli  1860.  verordneten  vorläufigen
  Tarifs  und  des  revidirten  Tarifs  vom  7.  März  1863.;

In  Derücklchtigun  ,daß  die  an  der  Sulinamündung  unternommenen
Arbeiten  zu  ihrem  Abse  zunae  gelangt  sind;  daß  wegen  der  Vermehrung  der  Tiefe
welche  das  Ergebniß  derselben  gewesen  ist,  die  Hunderniss,  denen  die  Fahrzeuge
an  dieser  Stelle  begegneten,  beseitigt  worden  sind;

Daß  die  im  Strombette  ausgeführten  Verbesserungs=  und  Reinigungs-Arbeiten,
  die  Erbauung  eines  Leuchtthurmes  an  der  St.  Georgsmündung,  die
Verbesserungen,  welche  an  den.  in  dem  Vertrage  erwähnten  Anstalten  angebracht
sind,  die  Errichtung  eines  Marinehospitals  in  Sulina,  in  welchem  kranke  oder
schiffbrüchige  Seeleute  kostenfrei  zugelassen  werden,  der  Schiffahrt  gleichermaßen
betrachtliche  Vortheile  zusichern;

Daß  bei  diesem  Sachverhältniß  und  um  sowohl  für  die  Tilgung  der  auf
die  Arbeiten  verwendeten  Gelder  als  für  diejenigen  Kosten  Vorkehrung  zu  treffen,
welche  die  Erhaltung  jener  und  ihre  eventuelle  Weiterführung,  sowie  l  Unterhaltung
  der  vorgedachten  Anstalten  nach  sich  ziehen  dürften)  Veranlassung  dazu
vorliegt,  um  an  die  Stelle  der  vorläufigen  Bestimmungen  des  gegenwärtig  in
Kraft  stehend  n  Tarifs  eine  endgültige  Anordnung  treten  zu  lassen;

(Nr.  6570.)
        <pb n="504" />
        —  328  —

Que  Texpérience  aà  dmontré  qduil  ya  avantage  pour  la  navigation
à  ce  due  les  taxes  imposées  à  raison  de  travaux  d'’amlioration  scient
confondues  en  un  seul  droit  fike  avec  les  taxes  acquittées  pour  les
Phares  et  le  pilotage;

Arréte  le  tarif  dont  la  teneur  suit:

Article  1.

Tout  batiment  à  voiles  jaugeant  plus  de  trente  tonneaux,  quittant
le  port  de  Soulina  pour  prendre  la  mer  et  qui  aura,  d’après  son  manifeste,
  plus  du  tiers  de  sa  charge  pleine,  paiera,  par  tonneau  de  jauge,
un  droit  fixe  de  navigation,  dont  le  montant  sera  déterminé  ci-apres,  à
raison  du  tonnage  total  du  batiment  et  de  la  profondeur  de  la  passe,
à  Tembouchure  du  bras  de  Soulina.

Les  bätiments  qui  auront  remonté  le  fleuve  pour  prendre  leur
cargaison  dans  un  port  de  Tintérieur,  paieront  les  droits  determinés  par
le  tableau  qdui  suit:

 

Montant  des  droits  à  payer  par  tonneau,  avec  une
Profondeur  à  I’embouchure

 

 

Batiments  de  moins0  6  *⅞  r7“  *n“  %½  ½  de  plus
deu  meinssl  piess  12  pieds  13  pieds  pieod  e
10  piecs  11  pieds  4  A  à  15  pieds
au  plus  pieds!1  pieds  14  pieds  15  pieds
frs.  es.  srs.  es.  srs.  es.  srs.  es.  sfra.  es.  srs.  es.  srs.  es.
De  plus  de  30  et  de  moins
de  100  tonneaur  —  80—8O0O0  SOO0
D’'un  tonnage  de  100  tonneaux
  au  moins  et  de  -
150tonneauxauplus.105155205205205205205
De  plus  de  150  tonneaux
et  ne  dépassant  pas  200
tonneauurmrW  ..  105  205  255  2  55255  255
De  plus  de  200  tonneaur
et  ne  dépassant  pas  250
tonnearnmm.  1055155  10  255  280280  280
De  plus  de  250  tonneaux
et  ne  dépassant  pas  300
tonneaunn  .  ..  105  1½5%  2005
Plus  de  300  tonneaur  105555220
        <pb n="505" />
        —  329  —

Daß  die  Erfahrung  erwiesen  hat,  wie  es  der  Schiffahrt  vortheilhaft  ist,
wenn  die  der  Verbesserungs-Arbeiten  wegen  auferlegten  Gebühren  mit  den  für
die  Leuchtthürme  und  das  Lootsen  zu  entrichtenden  Gebühren  in  eine  einzige  feste
Abgabe  verschmolzen  werden

Verordnet  der  Tarif,  dessen  Wortlaut  folgt:

Artikel  1.

Jedes  wehr  als  dreißig  Tonnen  messende  Segelfahrzeug,  das  den  Hafen
von  Sulina  verläßt,  um  in  See  zu  gehen,  und  welches  na  ssine  Aee
mehr  als  ein  Drittheil  seiner  vollen  Ladung  führt,  hat  per  Schiffstonne  eine  feste
Schiffahrts-Abgabe  zu  zahlen,  deren  Betrag  hiernächst  im  Verhältniß  des  Gesammt-Tonnengehaltes
  des  Fahrzeuges  und  der  Tiefe  der  Durchfahrt  an  der
Mündung  des  Sulina-Armes  näher  bezeichnet  ist.

Die  Fahrzeuge,  welche,  um  ihre  Ladung  in  einem  eismene  einzunehmen,
  den  Strom  aufwärts  gefahren  sind,  haben  die  durch  die  nachstehende  Tabelle
näher  bezeichneten  Abgaben  zu  zahlen.

 

Betrag  der  per  Tonne  zu  zahlenden  Abgaben  bei  einer  Tiefe
an  der  Mündung

 

.  von  von  von  von  von
Fahrzeuge  von  wenigstens  mebr  alsmehr  als!  mehr  als!mehr  als
wenie  i  I11  Zus  2  gus  13  uß  14  guß

10  us  höchstensbis  bis  bis  bis
"“  11  Fuß  12  Fuß  13  Fußß  3  Fuß15  Fuß

Frs.  Cts.]  Frs.  Cte.]  Fro#  Cts.  Frs.  Cts.Fro.  Cts.]  Fre.  Cts.

von
mehr  als
15  Fuß

2###

 

Von  mehr  als  30  und  weniger
  als  100  Tonnen—  80  —80  DDSOC  80
Von  einem  Tonnengehalt  von
wenigstens  100  Tonnen  und  «
höchen8150Tonnen15155252
Von  mehr  als  150  Tonnen
und  200  Tonnen  nicht  über-A


S1I
8

steigeend  .  .  ...  11  51  11551  21  5121551  21551  2155
Von  mehr  als  200  Tonnen

und  250  Tonnen  nicht  übersteigennd

  .  .  ...  11  51  11551  215121551  21801  2180
Von  mehr  als  250  Tonnen

und  300  nicht  übersteigen  5ô  %
Von  mehr  als  300  Tonnens55“  25255280  35

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6570.)  45

 

280
        <pb n="506" />
        —  430  —

Les  bätiments  qui  recevront  leur  cargaison  dans  le  port  de  Soulina,
  sans  remonter  le  fleuve  au  dela  dudit  port,  ne  paieront  duc  les
droits  déterminés  par  le  tableau  qui  suit:

 

Montant  des  droits  à  payer  par  tonneau,  avec  une
Profondeur  à  Tembouchure

 

.  ·«  de  de  plusn.de  plusde  plusde  plus
Batiments  de  moins  pieds  4  4  5  de  plus
do  u  isnhll  pied12  piec  3  pieds  14  piee  de

.  .

et  de
10  pieds  I  pieds  4  15  pieds
au  plus5  pieds!3  piels  pieds  pieds

fr.  ces.frs.  cs.frcs.frs.  eces.  frs.  cs.fsfCs.

 

De  plus  de  30  et  de  moins
de  100  tonneaur..  —  50  50—50  —  50  -  50  —  50  50
De  100  tonneaux  au  moins
et  de  150  tonneaux  au
Pbls...  —  99  13018  180  1#8!  0S
De  plus  de  150  tonneaux  "
et  ne  dépassant  pas  200
tonnean...  —  99  1  z0  0800  1%  %  2
De  plus  de  200  tonneaux
et  ne  dépassant  pas  250
tonneaux.  ..  ..  .  .  .  .  .  .  ..  —9190  1130  1½180  21523535
De  plus  de  250  tonneaux
et  ne  dépassant  pas  300

—.———  ...  .  .  ..  —90130]  |80  21523  2  552
De  plus  de  300  tonneaurnt——  99  130  1882  2  50
Btiments  de  300  tonneaux

rou  plus  qui  par  suite

Tuneinsuffisancedeprofondeur

  dans  la  passe,
ne  pourront  pas  recevoir
dans  le  port  la  totalité
de  leur  cargaison.  —90  130)  150  170)  1180°/  11900  2—

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Article  2.

Les  bätiments  à  vapeur  appartenant  à  une  entreprise  publique,
Sspécialement  affectés  au  transport  des  passagers,  et  effectuant  des
Voyages  Périodiques  d’après  un  programme  arrété  d’avance,  paieront,
à  la  sortie  du  fleuve,  un  droit  fixke  de  scixante  centimes  par  tonneau
de  jauge,  sans  du’il  soit  tenu  compte  de  la  charge  pleine  ou  partielle.
        <pb n="507" />
        331  —

Die  Fahrzeuge,  welche,  ohne  den  Strom  oberhalb  des  Hafens  von  Sulina
afen  einnehmen,  haben
bgaben  zu  zahlen.

aufwärts  zu  befahren,  ihre  Ladun
nur  die  in  der  nachstehenden  Tabelle  näher  bezeichneten

Fahrzeuge

in  dem  gedachten

Betrag  der  per  Tonne  zu  zahlenden  Abgaben  bei  einer  Tiefe
an  der  Mündung

 

 

Von  mehr  als  30  und  wenigstens
  100  Tonnen
Von  wenigstens  100  Tonnen
und  hochstens  150  Tonnen
Von  mehr  als  150  Tonnen
und  200  Tonnen  nicht  übersteigndod

Von  mehr  als  200  Tonnen
und  250  Tonnen  nicht  übersteigend

Von  mehr  als  250  Tonnen
und  300  Tonnen  nicht  übersteigend
  .  ...
Von  mehr  als  300  Tonnen
Fahrzeuge  von  300  Tonnen
oder  mehr,  welche  in  Folge
der  unzureichenden  Tiefe  in
der  Durchfahrt  ihre  ganz
Ladung  in  dem  Hafen  nicht
einnehmen  können

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von  werbonene  4brPv  (6#  ol’.  18  *  l8

mehr  a  mehr  a  mehr  a
weriner  8  I11  gzuß2  guß  13  Juß

bis  bis  bis
10  Lusbent25  zus  uz  14  Jus
Frs.  Cts.  K  Fre.  Ctr.  Fre.  Sts.  HEre.  Ets.f  Zra.  Cts.
—  500%  —  150  —  150
—  90  11301  1180  180  80
—  9901  1  2  15
—11Ü8-84%
—910  SO  2  35
—9901  30]  180  2  2  35
EEIXEIEIIEIEIEBEIE
Artikel  2.

 

von
mehr  als

14  Fuß
bis
15  Fuß
S.  Ets.

—  50
180

25

i
E□#

 

 

Dampfboote,  die  zu  einem  öffentlichen  Unternehmen  gehören,  besonders  zur

Beförderung  von  msgeere  bestimmt  sind  und  nach  einem  im

Voraus  festgesetzten

  Plan  regelmäßig  wiederkehrende  Fahrten  bewerkstelligen,  haben,  ohne  daß
auf  die  volle  oder  theilweise  Ladung  Rücksicht  genommen  wird,  bei  dem  Auslaufen
aus  dem  Strom  eine  feste  Abgabe  von  sechszig  Centimen  per  Schiffstonne  zu

zahlen.
r.  6670.)

45*

von
merr  als
15  Jug

—
        <pb n="508" />
        —  432  —

Ce  droit  sera  caleulẽ  sur  le  tonnage  net  du  baãtiment,  tel  quril
sera  indiqué  par  les  papiers  de  bord,  c'est-à-dire,  après  deduction  faite,
sur  le  tonnage  total,  du  poids  de  la  machine  et  du  combustible.

Si  le  nombre  de  tonneaux  afférent  au  moteur  Mest  pas  indiqué
par  les  papiers  de  bord,  il  sera  deduit  sur  le  tonnage  total.  37  %  pour
les  bätiments  à  aubes,  ct  32  %  pour  les  bátiments  à  hélice;  la  deduction
  sera  opérée  après  la  conversion  du  tonnage  du  bätiment  en  tonneaux
  de  registre  anglais,  effectuse  conformément  aux  dispositions  de
Tarticle  14  ci-apres.

Ces  bäátiments  seront  affranchis  de  tout  droit  à  leur  entree  dans
le  fleuve.

Article  3.

Tous  bátiments  à  vapeur  de  commerce  autres  due  ceux  désignés
dans  Tarticle  préceédent,  seront  assujettis  auk  mémes  droits  due  les  badtiments
  à  voiles,  sauf  la  deduction  du  poids  de  la  machine  et  du  combustible,
  qui  sera  également  effectuce  sur  leur  tonnage  total,  d’apres
les  bases  eétablies  dans  Tarticle  précédent.

Le  montant  du  droit  fike  due  ces  bätiments  auront  à  acduitter,
ar  tonneau  de  jauge,  sera  déterminé,  conformément  aux  tableaux  cidessus,
  Suivant  huife  auront  ou  non  remonté  le  fleuve  en  amont  du
Port  de  Soulina,  et  après  la  deduction  qdui  leur  est  assurée  par  le  premier
  alinéa  du  présent  article.

Les  bätiments  à  vapeur  qui  ne  rentreront  pas  dans  la  catégorie
déterminde  par  Tarticle  2  ci-dessus,  ct  qui  feront  le  voyage  du  Danube
aller  et  retour  compris,  plus  de  deux  fois  dans  le  courant  de  la  méme
année,  jouiront  d’une  réduction  de  quarante  pour  cent,  sur  le  montant
des  taxes  dentréee  et  de  sortie,  pour  chacun  des  huit  voyages  quiils
effectueront,  après  les  deux  premiers,  avant  la  fin  de  Tannée;  et  si  le
nombre  des  voyages  annuels  s'clèevc  au-dessus  de  dix,  la  réduction  sera
de  soixante  pour  cent  pour  chacun  des  voyages  de  l’année  qui  suivront
le  dixième.

Ne  seront  pas  comptes  au  nombre  des  voyages  néecessaires  pour
assurer  aux  bätiments  à  vapeur  le  bénéfice  de  cette  réduction  de  taxes,
ceux  qu’ils  auront  effectués  tant  à  Pentrée  qu'’à  la  sortie,  avec  moins
du  tiers  de  leur  chargement.

Article  4.

Les  bätiments  à  voiles  ct  les  bätiments  à  vapeur  de  commerce
autres  due  ceux  désignés  sous  Tarticle  2,  qui  entreront  dans  le  port  de
Soulina,  en  venant  de  la  mer,  et  qui  auront,  d’après  leur  manifeste,
Plus  du  tiers  de  leur  charge,  paieront,  pour  ’entree  dans  le  fleuve,  le
duart  de  la  taxe  qui  leur  est  imposée  pour  la  sortie  par  les  articles  1
et  3  ci-dessus.
        <pb n="509" />
        —  323  —

Diese  Abgabe  wird  nach  dem  gesammten  Netto-Tonnengehalt  des  Fahrgruges,
  so  wie  derselbe  durch  die  Schißepapiere  angezeigt  wird)  d.  h.  nach  Abzug
es  Gewichts  der  Maschine  und  des  Brennmaterials  von  dem  Tonnengehalte  im
Ganzen  berechnet.

Wenn  die  auf  die  Triebkraft  entfallende  Tonnenzahl  durch  die  Schiffspapiere
nicht  angezeigt  ist,  werden  von  dem  Gesammt-Tonnengehalt  für  Raddampfer
37  Prozent  und  für  Schraubenfahrzeuge  32  Prozent  abgezogen;  der  Abjug  wird
nach  der  in  Gemäßheit  der  Bestimmungen  unten  in  Artikel  14.  bewersstelligten
Uebertragung  des  Tonnengehalts  des  Fahrzeuges  in  Englische  Registertonnen
ewirtt.

t  Diese  Fahrzeuge  sind  bei  ihrem  Einlaufen  in  den  Strom  von  jeder  Abgabe

befrei
Artikel  3.

Alle  Handels-Dampfboote,  mit  Ausnahme  der  in  dem  vorstehenden  Artikel
näher  beseichreten,  sind  den  nämlichen  Abgaben  unterworfen,  wie  die  Segelfohrseuge,
  vorbehaltlich  des  Abzuges  für  das  Gewicht  der  Maschine  und  des
remmmaterials,  welcher  gleichermaßen  nach  den  in  dem  vorstehenden  Artikel  aufgestellen
  Grundsätzen  von  ihrem  Gesammt-Tonnmengehalte  stattfindet.  —  Der
etrag  der  festen  Abgabe,  welche  diese  Fahrzeuge  per  Schiffstonne  zu  erlegen
haben,  wird,  je  nachdem  dieselben  den  Strom  oberhalb  des  Hafens  von  Sulina
aufwirts  befahren  haben  oder  nicht,  nur  nach  dem  durch  den  ersten  Absatz  des
egenwärtigen  Artikels  ihnen  zugesicherten  Abzuge  in  Gemäßheit  der  obigen
abellen  bestimmt  werden.  ·

Die  Dampfboote,  welche  nicht  zu  der  oben  in  Artikel  2.  näher  bezeichneten
Gattung  gehören,  und  welche,  Fahrt  und  Rückfahrt  inbegriffen,  die  Donaureise
öfter  als  zweimal  i#in  Laufe  eines  und  desselben  Jahres  machen,  werden  für  jede
der  acht  Fahrten,  welche  sie  nach  den  beiden  ersten  vor  dem  Ablaufe  des  Jahres
bewerkstelligen,  eine  Ermäßigung  von  vierzig  Prozent  von  dem  Betrage  der  Einund
  Ausgangsgebühren  genießen,  und  wenn  die  Zahl  der  jährlichen  Reisen  sich
über  zehn  erhebt,  wird  die  Ermäßigung  für  jede  der  Jahresreisen,  welche  auf
die  zehnte  folgt,  sechszig  Prozent  betragen.

Bei  der  Zahl  der  Reisen,  welche,  um  den  Dampfbooten  den  Vortheil
dieser  Abgabenermäßigung  zu  sichern,  nothwendig  ist,  werden  diejenigen,  die  sie
sowohl  bei  dem  Eingange  wie  bei  dem  Ausgange  mit  weniger  als  einem  Dritttheil
  ihrer  Ladung  bewerkstelligen,  nicht  gerechnet

Artikel  4.

Die  Segelfahrzeuge  und  die  Handels-Dampfboote,  mit  Ausnahme  der  in
Artikel  2.  bezeichneten,  welche,  von  der  See  herkommend,  in  den  Hafen  von
Sulina  einlaufen  und  nach  ihrem  Manifeste  mehr  als  ein  Drittheil  ihrer  Ladung
haben,  zahlen  für  das  Einlaufen  in  den  Strom  ein  Viertheil  der  ihnen  oben
durch  die  Artikel  1.  und  3.  für  den  Ausgang  auferlegten  Gebühr.

(Nr.  6570.)
        <pb n="510" />
        –  334  —

La  taxe  pour  Tentrée  ne  sera  payée  par  les  baátiments  qu'au  moment
  ou  ils  ressortiront  du  fleuve.

Les  dits  bätiments  paieront,  pour  Tentrée,  le  montant  intégral  de
la  taxe  fixce  par  les  articles  1  et  3,  S’ils  ressortent  du  fleuve  avec  moins
du  tiers  de  leur  charge.

Article  5.

Les  alleges  nolisées  pour  le  passage  de  Tembouchure  de  Soulina,
Par  les  bäátiments  qui  auront  acquitté  les  droits  établies  par  les  articles
Precêédents,  ne  paieront  pour  chaque  passage  effectusé  avec  une  charge
compleète  ou  partielle,  que  la  taxe  fixee  ci-apreès  savoir:

Les  alleges  d’'une  portée  de  dix  à  cinquante  tonneaux,  six  francs;

Celles  d’'une  portée  de  plus  de  cinquante  tonneaux  et  ne  dépassant
Pas  cent  tonneaux,  huit  francs;

Et  celles  dune  portée  de  plus  de  cent  tonneaux,  douze  francs.

Article  6.

Les  bätiments  qui  resteront  mouillées  sur  la  rade  de  Soulina,
rour  y  charger  ou  decharger,  au  moyen  des  allèges,  tout  ou  partie  de
eur  cargaison,  sans  entrer  dans  le  port,  ne  seront  pas  assujettis  aux

droits  établis  par  les  articles  1,  3  ou  4  ci-dessus;  ils  ne  paieront
r*m  take  uniforme  de  cent  francs  par  bätiment,  pour  contribuer  aux
éPenses  des  établissements  dont  ils  profttent.

Ceux  des  dits  batiments  qui  seront  entrés  dans  le  port,  mais  sans
tfaire  aucune  opération  de  commerce  qui  serait  de  nature  à  les  assu-Jettir
  au  paiement  des  taxes  Ctablies  par  les  articles  1,  3  ou  4  ci-dessus,
beqitteront=  en  sus  du  droit  fixe  de  cent  francs  établi  par  Talinda  précédent,
  une  taxe  de  cinquante  centimes  par  tonneau  pour  droit  de
Phare  et  de  pilotage.  Cette  taxe  ne  sera  percue  qu'une  fois,  à  la  sortie
  du  port.

Les  alleèges  nolisées  pour  transporter  à  travers  Tembouchure  la
cargaison  des  bätiments  qdul  n’auront  acquitte  d’autres  droits  que  ceux
Etablis  par  le  prsent  article,  paieront,  pour  chaque  passage  de  l'embouchure,
  avec  une  charge  compleète  ou  partielle,  un  droit  fixe  d’un
franc  par  tonneau  sur  leur  tonnage  total.

Les  alleges  employées  au  debarquement  du  lest  seront  affranchies
de  toute  taxe.  .

Les  droits  de  cinquante  centimes  et  d’un  franc  par  tonneau,  resPectivement
  imposés  par  le  présent  article  aux  batiments  de  mer  et
        <pb n="511" />
        —  335  —

Die  Gebühr  für  den  Eingeng  wird  von  den  Fahrzeugen  erst  in  dem  Augenblicke,
  in  welchem  sie  aus  dem  Strome  wieder  auslaufen,  gezahlt  werden.
Die  gedachten  Fahrzeuge  haben,  wenn  sie  mit  weniger  als  einem  Drittheil
Krer  Ladung  aus  dem  Strome  wieder  auslaufen,  gin  den  Eingang  den  vollen
etrag  der  in  den  Artikeln  1.  und  3.  festgesetzten  Gebühr  zu  zahlen.

Artikel  5.

Die  Lichter,  die  von  solchen  Fahrzeugen  für  die  Durchfahrt  der  Sulinamündung
  gechartert  sind,  welche  die  durch  die  vorstehenden  Artikel  aufgestellten
Abgaben  erlegt  haben  werden,  haben  für  jede  mit  einer  vollen  oder  theilweisen
Ladung  bewerkstelligte  Durchfahrt  nur  die  nachstehend  festgesetzte  Gebühr  zu
zahlen,  nämlich:

die  Lichter  von  einer  Tragfähigkeit  von  zehn  bis  funfzig  Tonnen,  sechs
Franks,

solche  von  einer  Tragfähigkeit  von  mehr  als  funfzig  Tonnen  und  Einhundert
  Tonnen  nicht  übersteigend,  acht  Franksz

und  solche  von  einer  Tragfähigkeit  von  mehr  als  Einhundert  Tonnen,
zwölf  Franks.

Artikel  6.

Die  Fahrzeuge,  welche  auf  der  Rhede  von  Sulina  vor  Anker  liegen  bleiben
  werden,  um  daselos  ohne  in  den  Hafen  einzulaufen,  ihre  Ladung  ganz  oder
theilweise  vermittelst  der  Lichter  einzunehmen  oder  zu  löschen,  werden  den  oben
durch  die  Artikel  1.  3.  oder  4.  aufgestellten  Abgaben  nicht  unterworfen  werden;
um  zu  den  Kosten  der  Anstalten,  von  denen  sie  Vortheil  haben,  beijutragen,
haben  sie  nur  eine  gleichförmige  Gebühr  von  Einhundert  Franks  zu  zahlen.

Diejenigen  soccher  Fahrzeuge,  welche  in  den  Hafen  einlaufen,  ohne  daselbst
irgend  eine  Handelsoperation  vorzunehmen,  welche  geeigaet  wäre,  sie  der  Zahlung
  der  oben  in  den  Art.  1.  3.  oder  4.  festgesetzten  Gebühren  zu  unterwerfen,

aben  außer  der  in  dem  vorstehenden  Absatze  aufgestellten  Abgabe  von  Einhundert
anks,  eine  Gebühr  von  L#unssig  Centimen  per  Tonne  als  Leuchtthurm-  und
ootsenabgabe  zu  erlegen.  Diese  Gebühr  wird  nur  einmal  bei  dem  Auslaufen
aus  dem  Hafen  erhoben.

Die  Lichter,  die  gechartert  werden,  um  quer  über  die  Mündung  die  Ladung
  der  Fbreuze  zu  befördern,  welche  nur  die  durch  den  legemwärtigen  Artikel
  aufgestellten  Abgaben  erlegt  haben,  haben  für  jede  Ueberfahrt  über  die
Mündung  mit  einer  vollen  oder  theilweisen  Ladung  eine  feste  Abgabe  von  einem
Frank  per  Tonne  ihres  Gesammt-Tonnengehalts  zu  zahlen.

Die  Lichter,  welche  zum  Ausladen  von  Ballast  verwandt  werden,  sind
von  jeder  Gebühr  befreit.

Die  durch  den  gegenwärtigen  Artikel  beziehungsweise  den  Seefahrzeugen
und  den  Lichtern  auferlegte  Abgabe  von  funfzig  Centimen  und  von  einem  Frank

(r.  6570)
        <pb n="512" />
        —  336  —

aux  allèges,  seront  caleulés,  pour  les  bateaux  à  vapeur,  sur  le  tonnage
net,  contormément  aux  reègles  établies  par  Tarticle  2.

Article  7.

Les  radeaux  et  trains  de  bois  dont  les  dimensions  ne  dépasseront
Pas  cent  pieds  anglais  en  longueur,  et  duarante  pieds  en  largeur,  et  qui
auront  étc  remorqués  en  descendant  le  bras  de  Soulina,  paieront,  à  la
s  ortie  de  PTembouchure,  un  droit  fixe  de  cent  francs.

Le  droit  sera  de  trois  cent  francs  pour  tous  les  radeaux  et  trains
de  bois  qui  n’auront  boint  été  remorqués  à  la  descente  du  bras  de
Soulina,  et  pour  ceux  dont  les  dimensions  excéderont  cent  pieds  anglais
een  longucur  ou  quarante  pieds  en  largeur.

Article  8.

Les  bätiments  de  guerre  sont  affranchis  de  toute  taxe,  tant  à
Tentréee  dun  la  sortie  de  Iembouchure  de  Soulina.

II  en  est  de  meme  pour  les  remorqueurs  lorsquils  ne  sont  pas
eemployés  à  transporter,  comme  alldges,  une  partie  de  la  cargaison  des
bätiments  remorqués.

Artiele  9.

Les  bätiments  de  plus  de  soixante  tonneaux,  qui  entreront  dans
le  port  de  Soulina  et  dui  en  ressortiront  avec  moins  du  tiers  de  leur
charge,  et  qui  seront  affranchis,  en  conséquence,  des  droits,  établis
har  les  articles  1,  3  et  4  ci-dessus,  acquitteront,  à  la  sortic,  une  taxe

e  cinquante  centimes  par  tonncau,  pour  droits  de  phare  et  de  pilotage.

La  méme  taxe  sera  acquittée  par  les  bätiments  de  mer  faisant
exceptionnellement  service  d’allege,  et  ce,  outre  le  droit  Tun  franc  par
tonneau  imposé  Par  Talinda  trois  de  Tarticle  6  ci-  dessus.

Les  bätiments  de  mer  ou  allèges  dui  chercheront  abri  dans  le  port
de  Soulina  contre  le  mauvais  temps,  ceux  qdui,  par  suite  Tun  accident
duelconque,  seront  obliges  de  se  réfugier  dans  le  port  et  se  trouveront
empechés  de  continuer  leur  voyage  de  mer,  seront  affranchis  de  tout
droit,  pourvu  duiils  reprennent  la  mer  sans  faire  aucunc  opération  de
commerce.

Article  10.

Les  bätiments  tant  à  voiles  qu’d  vapeur,  sans  aucune  exception,
venant  de  la  mer  avec  plus  du  tiers  de  leur  charge,  qui  entreront  dans
le  port  de  Soulina  pour  y  décharger  une  partic  seulement  de  leur  cargaison,
  ct  dui  reprendront  la  mer,  pour  continuer  leur  voyage  vVers  un
autre  port,  acquitteront,  par  tonncau  de  jauge  unposable,  un  droit  fixe
de  deux  francs,  lorsque  la  profondeur  de  Tembouchure  excédera  qduinze
Pieds  anglais;  si  la  profondeur  est  de  qduinze  pieds  seulement,  ou  au-
        <pb n="513" />
        —  337  —

per  Tonne  wird  für  Dampfboote  in  Gemäßheit  der  durch  Art.  2.  aufgestellten
Vorschriften  nach  dem  Retto-Tonnengehalt  berechnet.

Artikel  7.

Die  Flöße  und  Holztriften,  deren  Ausdehnung  Einhundert  Fuß  Englisch  in
der  Länge  und  vierzig  Fuß  in  der  Breite  nicht  übersteigt,  und  welche  bei  der
Fahrt  stromabwärts  auf  dem  Sulina-Arm  geschleppt  worden  sind,  haben  bei
dem  Ausgang  aus  der  Mündung  eine  feste  Abgabe  von  Einhundert  Franks  zu  zahlen.

Die  Abgabe  soll  für  alle  Flöße  und  Holztriften,  welche  bei  der  Fahrt
stromabwärts  auf  dem  Sulina-Arm  nicht  geschleppt  worden  sind,  sowie  für  diejenigen,
  deren  Ausbehmung.  Einhundert  Fuß  Englisch  in  der  Länge  oder  vierzig  Fuß
in  der  Breite  übersteigt,  dreihundert  Franks  betragen.

Artikel  8.

Die  Kriegsfahrzeuge  sind  sowohl  bei  dem  Eingange  wie  bei  dem  Ausgange
  aus  dem  Sulina-Arme  von  jeder  Gebühr  befreit.

Dasselbe  gilt  für  Schlepper,  wenn  sie  nicht  verwandt  werden,  um  wie
Lichter  einen  Theil  der  Ladung  der  geschleppten  Fahrzeuge  zu  befördern.

Artikel  9.

Fahrzeuge  von  mehr  als  sechszig  Tonnen,  welche  in  den  Hafen  von  Sulina
  einlaufen  und  mit  weniger  als  einem  Drütheil  ihrer  Ladung  von  da  wieder
auslaufen  und  welche  demgemäß  von  den  oben  durch  die  Art.  I.  3.  und  4.  ut
gestellten  Abgaben  befreit  sind,  haben  bei  dem  Ausgange  eine  Gebühr  von  fun
zig  Centimen  per  Tonne  für  Leuchtthurm-  und  Lootsenabgaben  zu  erlegen.

Die  nämliche  Gebühr  wird  von  den  ausnahmsweise  Lichterdienst  verrichtenden
  Seefahrzeugen  erlegt,  und  zwar  außer  der  oben  durch  Absatz  3.  Art.  6.
auferlegten  Abgabe  von  Einem  Frank  per  Tonne.

Die  Seefahrseuge  oder  Lichter,  welche  in  dem  Hafen  von  Sulina  Schutz
gegen  Unwetter  suchen,  und  diejenigen,  welche  in  Folge  irgend  eines  Unfalles
genöthigt  sind,  sich  in  den  Hafen  zu  flüchten  und  sich  bchinden  nden,  ihre  Seereise
  fortzusetzen,  sind  von  jeder  Abgabe  befreit,  vorausgesetzt,  daß  sie  wieder  in
See  stechen,  ohne  irgend  eine  Handelsoperation  vorzunehmman

 

Artikel  10.

Die  von  der  See  her  mit  mehr  als  einem  Drittheil  ihrer  Ladung  kommenden
  Segelfahrzeuge  sowohl  wie  Dampfboote,  ohne  irgend  welche  Ausnahme,
welche  in  den  HSne  von  Sulina  einlaufen,  um  daselbst  nur  einen  Theil  ihrer
Ladung  zu  löschen,  und  welche  wieder  in  See  Lechen  um  ihre  Reise  nach  einem
andern  Hafen  fortzusetzen,  haben,  wenn  die  Tiefe  der  Mündung  funfzehn  Fuß
Englisch  übersteigt,  per  abgabepflichtige  Schiffstonne  eine  feste  Abgabe  von  zwei
Franks  zu  erlegen;  wenn  diese  Tiefe  nur  funfzehn  Fuß  oder  darunter  beträgt,

Jahrgang  1867.  (Nr.  6570.)  46
        <pb n="514" />
        —  338  —

dessous,  ce  droit  fike  décroitra  dans  la  proportion  Ctablic  par  Particle  1
du  présent  tarif,  pour  les  bátiments  de  plus  de  300  tonneaux,  qdui  ne
remontent  pas  le  fleuve  ct  auxquels  Tinsuflsancc  de  la  profondeur  dans
la  passe  ne  permet  pas  de  recevoir,  dans  TPintérieur  du  port  de  Soulina,
  la  totalité  de  leur  cargaison.

Ce  droit  fike  sera  perçu  sur  le  tiers  du  tonnage  imposable,  si  la
duantitée  de  marchandises  débarquée  à  Soulina  n’excede  pas  le  tiers  de
Ia  portée  totale  et  imposable  du  bätiment;  il  sera  percu  sur  les  deux
tiers  du  tonnage,  si  la  duantité  débarquée  est  de  plus  du  tiers  et  Wexceède
Pas  les  deux  tiers  de  Ia  portee.

Si  elle  excède  les  deux  tiers,  les  droits  seront  exigibles  sur  la
base  des  articles  1  et  3  ci-dessus.

Si  le  bätiment  qui  a  déchargé  à  Soulina,  dans  le  cas  prévu  par
le  présent  article,  moins  des  deux  tiers  de  sa  charge,  prend  des  marchandises
  dans  cc  port,  il  acquittera  en  sus  de  la  taxe  exigible  à  raison
du  déchargement,  le  quart  de  cette  tale,  qdui  sera  perçu  sur  le  tiers  ou
sur  les  deux  tiers  de  son  tonnage  imposable,  suivant  due  la  quantité
de  marchandises  embarquce  sera  restreinte  dans  les  limites  du  tiers  ou
des  deux  tiers  de  la  portée  du  batiment.

Article  11.

Les  droits  établis  par  les  articles  précédents  comprendront:

La  taxe  imposéCe  aux  batiments  pour  couvrir  les  dépenses  des  tra-Vaux
  et  autres  améliorations  effectuées  par  la  Commission  Euro-Péenne;


Les  droits  actuellement  en  vigueur  pour  entretien  des  Ehares  com-Posant
  le  systeme  d’'éclairage  des  bouches  du  Danube;

Les  droits  destinés  à  couvrir  les  dépenses  occasionnées  par  le  service
  du  pilotage  dans  la  passe  de  Soulina,  et  celles  des  autres
Gtablissements  institués  en  vue  de  faciliter  la  navigation.

Indépendamment  de  ces  droits,  les  bätiments  ne  seront  assujettis
à  aucune  autre  take  ou  redevance  quelconque,  sauf  le  salaire  des  pilotes
du  fleuve,  qu’ils  acquitteront,  pour  la  descente,  conformément  à  Tarticle
  ci-apres.

Article  12.

Les  bátiments  à  voiles  de  plus  de  soixante  tonneaux,  qui  auront
remonté  le  fleure,  en  amont  du  port  de  Soulina,  ainsi  dquc  les  radeaux
        <pb n="515" />
        —  339  —

mindert  sich  diese  feste  Abgabe  in  dem  durch  Art.  1.  des  gegenwärtigen  Tarifs  aufgestellen
  Verhältniß  für  die  Fahrzeuge  von  mehr  als  dreihundert  Tonnen,  welche
en  Fluß  nicht  aufwärts  befahren,  und  denen  die  unzureichende  Tiefe  in  der
Durchfahrt  ihre  ganze  Ladung  in  dem  Inneren  des  Hafens  von  Sulina  einzunehmen
  nicht  gestattet.

Dee  feste  Abgabe  wird  von  dem  Drittheil  des  abgabenpflichtigen  Tonnenehalts
  erhoben,  wenn  die  in  Sulina  ausgeladene  Menge  der  Waaren  den
rittheil  der  gesammten  abgabenpflichtigen  Tragfähigkeit  des  Fahrzeuges  nicht

übersteigt;  dieselbe  wird  von  zwei  Drittheilen  des  Tonnengehaltes  arhobhh,  wenn
die  ausgeladene  Menge  mehr  als  ein  Drittheil  ausmacht  und  zwei  Drittheile  der
Tragfähigkeit  nicht  übersteigt.

Wenn  sie  zwei  Drittheile  übersteigt,  so  sind  die  Abgaben  auf  Grund  der
Art.  1.  und  3.  oben  einzuziehen.

Wenn  das  Fahrzeug,  welches  in  dem  durch  den  gegenwärtigen  Artikel
vorgesehenen  Fall  in  Sulina  weniger  als  zwei  Drittheile  feiner  Ladung  ausgeladen
  hat,  Waaren  in  diesem  Hafen  einnimmt,  so  hat  dasselbe  außer  der
wegen  des  Ausladens  einzuziehenden  Gebühr  den  vierten  Theil  dieser  Gebühr
zu  erlegen,  welches  Viertheil  von  dem  Drittheil  oder  den  beiden  Drittheilen
geines  abgabenpflichtigen  Tonnengehaltes  erhoben  wird,  je  nachdem  die  verladene

enge  Waaren  innerhalb  der  Grenzen  des  einen  Drittheils  oder  der  beiden
Drittheile  der  Tragfähigkeit  des  Fahrzeuges  eingeschränkt  bleibt.

 

Artikel  11.

Die  durch  die  vorstehenden  Artikel  aufgestellten  Abgaben  begreifen:

die  Gebühr,  welche  den  Fahrzeugen  auferlegt  ist,  um  die  Kosten  der  durch
die  Europäische  Kommission  bewirkten  Arbeiten  und  anderen  Verbesserungen
  zu  decken;

die  derzeit  bestetenden  Abgaben  für  die  Unterhaltung  der  das  Beleuchtungssystem
  der  Donaumündungen  ausmachenden  Leuchtthürmej;

die  Abgaben,  welche  zur  Deckung  der  Kosten  bestimmt  sind,  die  durch  den
Loo  endienst  in  der  Durchfahrt  von  Sulina  *—  sn  werden,  sowie
der  Kosten  der  Behufs  Erleichterung  der  Schiffahrt  eingerichteten  sonstigen
Anstalten.

Neben  diesen  Abgaben  sollen  die  Fahrzeuge  einer  anderen  Gebühr  oder
Auflage  irgend  welcher  Art  nicht  unterworfen  sein,  vorbehaltlich  des  Lohnes  der
Flußlootsen,  welches  sie  für  die  Fahrt  stromabwärts  in  Gemäßheit  des  nachstehenden
  Artikes  zu  erlegen  haben.

Artikel  12.

Die  Segelfahrzeuge  von  mehr  als  sechszig  Tonnen,  welche  den  Strom
oberwärts  von  en  Lafen  von  Sulina  wieder  müück.  befahren  haben,  some  die
(#r.  6570)
        <pb n="516" />
        —  340  —

ou  trains  de  bois,  acquitteront  à  la  sortie  du  fleuve,  pour  le  pilotage
obligatoire  de  la  descente,  une  taxe  fixée  ainsi  quil  suit:

Pour  le  trajet  de  Galatz,  ou  d’un  port  situk  en  amont  de  ce  point,
à  Soulina,  cent  vingt  francs;

Pour  le  trajet  de  Réni  ou  d'lsmail  à  Soulina,  cent  francs;
Et  pour  le  trajet  de  Toultcha  à  Soulina,  soixante  et  douze  francs.

Cette  taxe  sera  réduite  de  moitié  pour  les  bateaux  à  vapeur.

Les  batcaux  à  vapeur  dont  il  est  fait  mention  à  Tarticle  2  cidessus,
  peuvent  étre  affranchis  de  cette  taxe,  pourvu  due  le  pilote  du
bord  soit  muni  d'un  brevet  de  pilote  de  seconde  classe.  En  ce  qui
conçcerne  le  pilotage  à  la  remonte,  qdui  est  purement  facultatif,  le  salaire
dü  au  pilote  peut  étre  fixé  de  gré  à  gré,  et  il  lui  est  payé  directement
Par  le  Capitaine  du  bätiment  piloté.

Article  13.

Le  montant  des  droits  sera  versé  entre  les  mains  de  PAgent-comptable
  préposé  à  la  gestion  de  la  Caisse  de  navigation  du  port  de  Soulina,
  lequel  en  délivrera  quittance.

Un  Etat  indiquant  la  réduction  en  francs  des  monnaies  en  usage
sur  le  bas-Danube,  sera  constamment  affiché  dans  le  bureau  de  perception.


Cet  état  sera  révisé  périodiquement.

Les  droits  dont  Texigibilité  sera  contestée  ou  la  liquidation  critiquée
  par  les  parties,  seront  versés  à  la  Caisse  de  navigation  à  titre
de  dépöt.

Les  demandes  en  restitution  entière  ou  partielle  des  droits  payes
seront  portées  devant  la  Commission  Européenne  ou  devant  I-Autorité
internationale  qui  la  remplaccra;  elles  devront  étre  formulées  par  Ecrit,
dans  les  trois  mois  du  paiement  ou  du  dépot,  à  peine  de  dechéancc.

Article  14.

On  comprendra  par  la  dénomination  de  tonneau  de  jauge,  le
tonneau  de  registre  anglais.
Le  tonnage  des  bätiments  sera  tiré  des  papiers  de  bord.

La  réduction  des  tonneaux  des  différents  pays,  en  mesures  anglaises,
  sera  faite  d’après  le  tableau  annexé  au  présent  tarif.

Article  15.
Les  bätiments  entrant  dans  le  Danube,  sans  papiers  indiquant
        <pb n="517" />
        —  341  —

Flöße  oder  Hohztriften  haben  bei  dem  Ausgange  aus  dem  Strome  für  das  bei
der  Fahrt  stromabwärts  zwangsweise  stattfindende  Lootsen  eine  Gebühr,  welche,
wie  folgt,  festgesetzt  ist,  zu  erlegen:
für  die  Fahrt  von  Galatz  oder  von  einem  oberhalb  dieses  Punktes
belegenen  Hafen  nach  Sulina  Einhundert  und  zwanzig  Franksz
für  die  Fahrt  von  Reni  oder  Ismaill  nach  Sulina  Einhundert  Franks
und  für  die  Fahrt  von  Tultcha  nach  Sulina  zweiundsiebenzig  Franks.

Diese  Gebühr  wird  für  die  Dampfboote  um  die  Hälfte  herabgesetzt.

Die  Dampfboote,  deren  oben  in  Art.  2.  Erwähnung  geschehen  ist,  dürfen
von  dieser  Gebühr  befreit  werden,  vorausgesetzt,  daß  der  Steuermann  mit  einem
hootsenpatenke  zweiter  Klasse  versehen  ist.  Was  das  lediglich  dem  freien  Belieben
überlassene  Lootsen  stromaufwärts  betrifft,  so  kann  der  dem  Lootsen  gebührewde
Lohn  im  Wege  freier  Vereinbarung  festgesetzt  werden,  und  derselbe  wird  ihm  von
dem  Kapitain  des  gelootsten  Fahrzeuges  unmittelbar  gezahlt.

Artikel  13.

Der  Abgabenbetrag  wird  zu  Händen  des  der  Verwaltung  der  Schiffahrtskasse
  des  Hafens  von  Sulina  vorgesetzten  Rechnungsbeamten,  welcher  darüber
Quittung  zu  ertheilen  hat,  abgeführt.

Eine  Nachweisung)  welche  die  Uebertragung  der  an  der  unteren  Donau
gebräuchlichen  Münzen  in  Franks  anzeigt,  ist  in  dem  Erhebungsbüreau  beständig
ausgehängt.

Diese  Nachweisung  wird  von  Zeit  zu  Zeit  revidirt.

Die  Abgaben,  deren  Einziehbarkeit  von  den  Betheiligten  bestritten  oder
r-  Berechnung  angefochten  wird,  werden  an  die  Schiffahrtskasse  als  Depositum
abgeführt.

Die  Anträge  auf  völlige  oder  theilweise  Erstattung  der  gezahlten  Abgaben
werden  vor  die  Europäische  Kommission  oder  vor  die  internationale  Behörde
welche  an  die  Stelle  jener  treten  wird)  gebracht;  dieselben  müssen  innerhal
dreier  Monate  von  der  Zahlung  oder  Hinterlegung  an,  bei  Strafe  des  Verfalls,
schriftlich  begründet  werden.

Artikel  14.
Man  versteht  unter  der  Benennung  „Schiffstonne  die  Englische  Registertonne.

Der  Tonnengehalt  der  Fahrzeuge  wird  den  Schiffspapieren  entnommen.
Die  Uebertragung  der  Tonnen  der  verschiedenen  Länder  in  Englische  Maaße
erfolgt  nach  der  dem  gegenwärtigen  Tarife  angehängten  Tabelle.
Artikel  15.

Die  Fahrzeuge,  welche  ohne  Papiere,  die  ihren  Tonmengehalt  anzeigen,  in
(Tr.  6570.)
        <pb n="518" />
        —  342  —

leur  tonnage,  seront  soumis,  dans  le  but  exclusif  de  fiker  les  droits  de
navigation  qu’ils  seront  tenus  Tacquitter  conformément  au  présent  tarik,
à  une  Cvaluation  approximative  faite  par  deux  experts,  sous  la  direction
du  Capitaine  du  port  et  avec  le  concours  de  I  Autorité  consulaire  com-Eétente;
  TAgent-Comptable  de  la  Caisse  de  navigation  aura  la  faculté
assister  à  Toperation,  soit  en  personne,  scit  par  Torgane  d’un  délégué.

II  sera  procédé  de  méme,  si  le  tonnage  porté  sur  les  papiers  de
bord  est  notoirement  ineKact,  ou  *’  il  y  a  contestation  sur  Tvyaluation.
de  la  duotitée  du  chargement  dun  bätiment  dans  le  cas  des  articles  1
et  4  ci-dessus.

L’'évaluation  du  tonnage,  à  defaut  des  papiers  de  bord,  sera  fnite
aux  frais  du  bätiment  qdui  en  sera  Tobjet;  il  en  sera  de  méme,  si  l'expertise
  constate  un  excédant  de  plus  de  cinqd  tonneaux  sur  la  capacité
indiquée  par  les  papiers  de  bord,  ou  s'il  est  reconnu,  contrairement  à
la  déeclaration  du  Capitain  ou  patron,  due  le  bätiment  porte  plus  du
tiers  de  sa  charge  pleine;  dans  le  cas  contraire,  les  frais  resteront  à  la
charge  de  la  Caisse  de  navigation.  Dans  aucun  cas,  ces  Cvaluations
ne  pourront  donner  lieu  à  aucun  appel  ou  recours  quelconque.

Article  16.

Les  profondeurs,  d’après  lesquelles  seront  déterminés  les  droits
Etablis  par  le  présent  tarif,  seront  relevées  sur  la  barre  de  Soulina,  en
Pieds  anglais.

Les  sondages  seront  opérés  sous  la  direction  et  la  responsabilité
de  TIngénieur  préposé  aux  travaux  d’amélioration  de  Tembouchure;  les
résultats  en  seront  aflchés  au  bureau  de  la  Caisse  de  navigation  et  à
Toffice  du  Capitaine  du  port.

Si  Pétat  de  la  mer  ne  permet  pas  Teflectuer  les  sondages,  le
montant  des  droits  à  percevoir  sera  uss  sur  la  dernière  profondeur
Constatée.

II  ne  pourra  étre  exigé,  pour  les  taxes  de  sortie,  aucun  paiement
supplémentaire  de  la  part  des  bätiments,  ni,  sauf  le  cas  d’erreur  düment
constatée  dans  les  sondages,  aucune  restitution  partielle  de  la  Caisse  de
navigation,  à  raison  de  la  différence,  quelqdue  grande  qu’elle  puisse  étre,
entre  la  profondeur  de  Tembouchure  au  moment  de  la  sortie  du  batiment,
  et  celle  dui  aura  servi  de  base  à  la  liquidation  des  taxes  pay#es.

Article  17.

Tout  bätiment,  train  de  bois  ou  radeau,  qui  tenterait,  par  un
moyen  quelconqdue,  de  se  soustraire,  en  tout  ou  en  partie,  au  paiement
des  droits  fixés  par  le  présent  tarif,  sera  Passible,  outre  les  droits  du’i
        <pb n="519" />
        —  343  —

die  Donau  einlaufen,  werden  ausschließlich  in  der  Absicht,  die  Schiffahrtsabgaben
festzusetzen,  welche  sie  in  Gemäßheit  des  gegenwärtigen  Tarifs  zu  erlegen  gegalen
sind,  unter  der  Leitung  des  Hafenkapitains  und  unter  der  Mitwirkung  der  zuständigen
  Konsularbehörde  einer  durch  zwei  Sachverständige  zu  bewerkstelligenden
annähernden  Schätzung  unterzogen;  der  Rechnungsbeamte  der  Schiffahrtskasse  ist
befugt,  dem  Geschäfte  entweder  in  Person  oder  vermittelst  eines  Abgesandten
beizuwohnen.

Ebenso  wird  verfahren,  wenn  der  in  den  Schisepieren  angegebene
Tonnengehalt  offenkundig  ungenau  ist,  oder  wenn  über  die  Schäfung  des  Ladungs.
verhältnisses  eines  Fahrzeuges  in  den  Fällen  der  Art.  1.  und  4.  oben  Streit  entsteht.

Die  in  Ermangelung  der  Schiffspapiere  vorzunehmende  Schätzung  des
Tonnengehaltes  erfolgt  auf  Kosten  des  den  Gegenstand  derselben  ausmachenden
Fahrsugest  ebenso  verhält  es  sich,  wenn  die  sachverständige  Ermittelung  einen
Ueberschuß  von  mehr  als  fünf  Tonnen  über  den  durch  die  Schiffspapiere  angezeigten
  Rauminhalt  ergiebt  oder  wenn  im  Widerspruch  mit  der  Deklaration  des
Kapitains  oder  Führers  anerkannt  wird,  daß  das  Fahrzeug  mehr  als  den  dritten
Theil  seiner  vollen  Ladung  führt;  entgegengesetzten  Falles  bleiben  die  Kosten  der
Schiffahrtskasse  zur  Last.  In  keinem  Falle  darf  diesen  Schätzungen  Anlaß  zu
einer  Berufung  oder  zu  einem  Rekurse  irgend  welcher  Art  entnommen  werden.

Artikel  16.

Die  Wassertiefen,  nach  welchen  die  durch  den  gegenwärtigen  Tarif  aufgestellten
  Abgaben  näher  bestimmt  werden,  werden  aus  er  Barre  von  Sulina
in  Englischen  Fußen  aufgenommen.

Die  Sondirungen  werden  unter  der  Leitung  und  Verantwortlichkeit  des
den  Verbesserungsarbeiten  an  der  Mündung  vorgesetzten  Ingenieurs  bewerkstelligt
die  Ergebniss  derselben  werden  in  dem  Büreau  der  Schiffahrtskasse  und  in  dem
Amtslokale  des  Hafenkapitains  ausgehängt.

Wenn  der  Zustand  der  See  Sondirungen  vorzunehmen  nicht  gestattet,  so
wird  der  Betrag  der  zu  erhebenden  Abgaben  auf  Grund  der  zuletzt  gestgeseellen
Waseertiefen  berechnet.

Bei  den  Musgangsabgaben  darf  ween  des  Unterschiedes  zwischen  der  Tiefe
der  Mündung  in  dem  Augenblicke  des  Auslaufens  des  Fahrzeuges  und  derjenigen,
welche  als  Grundlage  für  die  Berechnung  der  gezahlten  Gebühren  gedient  hat,
ohne  Rücksicht  auf  dessen  Größe,  weder  irgend  eine  Zuschlagszahlung  von  Seiten
der  Fahrzeuge,  noch,  den  Fall  eines  gehörig  festgestellten  Irrthums  bei  den  Sondirungen
  ausgenommen,  eine  theilweise  Rüuckzahlung  von  der  Schiffahrtskasse
gefordert  werden.

Artikel  17.

Jedes  Fahrzeug,  Floß  oder  Kohtre  üb  welches  den  Versuch  machen  würde,
durch  irgend  ein  Mittel  sich  der  Zahlung  der  durch  den  Fegenwirtigen  Tarif  fet.
gesetzten  Abgaben  ganz  oder  theilweise  zu  entziehen,  unterliegt  außer  den  Abgaben,

(r.  6570)
        <pb n="520" />
        —  344  —

aura  à  payer  conformément  à  ce  qui  précède,  d'une  amende  égale  au
quadruple  de  ces  droits.

Si  l'indication  du  tonnage  portée  sur  les  papiers  de  bord,  ou  la
dẽclaration  relative  à  la  quantité  de  marehandises  débarquée  ou  embarquée
  à  Soulina  dans  le  cas  de  Tarticle  10  ci-dessus,  parait  frauduleuse,
i.  pourra  étre  procédé,  dans  la  forme  prescrite  par  Tarticle  15  ci-dessus,
à  la  vérification  de  la  capacité  du  bätiment,  ou  de  la  quantité  de  marchandiscs
  sur  laquelle  il  aura  étc  opéré  comparativement  au  tonnage  total.

L’application  de  Tamende  sera  prononcée  en  premier  ressort  par
le  Capitaine  du  port  de  Soulina;  la  sentence  de  condamnation  sera  notitce
  à  la  partie  condamne,  soit  en  personne,  soit  en  chancellerie  de
DAutorité  consulairc  ou  locale  résidant  à  Soulina,  de  laquelle  elle
relevera.

L’appel  des  condamnations  sera  porté  devant  la  Commission  Européenne
  ou  devant  I  Autorité  internationale  dui  la  remplacera.

II  sera  interjeté  dans  les  trois  mois  de  la  notification,  à  peine  de
nullité.

Les  formes  de  procéder  seront  déterminées  ultérieurement  par  des
dispositions  speciales.  Les  jugements  rendus  sur  appel  ne  seront  plus
susceptibles  d’aucun  recours.

Les  condamnations  prononcées  par  le  Capitaine  du  port  seront
eNécutoires  nonobstant  Tappel;  en  cas  de  pourvoi,  le  montant  de
Tamende  sera  consigné,  à  titre  de  dépot,  dans  la  Caisse  de  navigation.

Le  montant  des  condamnations  devenues  définitives  sera  versé
dans  la  dite  caisse,  pour  étre  allecté  aux  dépenses  de  Thopital  de  la
marine.

Article  18.

Les  commandants  des  bätiments  de  guerre  stationnés  aux  embouchures
  du  Danube,  conforméement  à  Tarticle  19  du  Traite  de  Paris,
seront  appelés  à  assurer  le  paicment  des  droits  établis  par  le  présent
tarif  et  des  condamnations  devenues  définitives,  vis-à-vis  des  bátiments
de  leur  nationalité  et  de  ceux  dont  ils  auront  qualité  de  protéger  le

avillon,  Ssoit  en  vertu  des  traités  ou  des  usages,  scoit  en  vertu  Tune
légation  genérale  ou  speciale.

LT’action  des  bätiments  de  gucrre  sera  demandée,  en  reègle,  par
Tentremise  du  Capitaine  du  port  de  Soulina,  sur  la  réquisition  de
TAgent-comptable  préposc  à  la  gestion  de  la  Caisse  de  navigation.

A  deéfaut  d’un  bátiment  de  guerre  ayant  qualité  pour  exercer  une
action  Coércitive  vis-à-vis  dun  bätiment  contrevenant,  le  Capitaine  du
port  aura  recours  à  Tintervention  du  bätiment  de  guerre  Ottoman  stationné
  à  Soulina.
        <pb n="521" />
        —  346  —

welche  dasselbe  in  Gemäßheit  des  Vorstehenden  zu  zahlen  hat,  einer  dem  Vierfachen
  dieser  Abgaben  gleichkommenden  Geldbuße.

Wenn  die  Angabe  des  in  den  Schiffspapieren  verlautbarten  Tonnengehaltes
oder  die  Deklaration  bezüglich  der  in  dem  Falle  des  Artikels  10.  oben  in  Sulina
elöschten  oder  eingeladenen  Waarenmenge  betrügerich  erscheint  dac-  in  der  eben
urch  Artikel  15.  vorgeschucbenen  Form  zur  Richtigstellung  des  Rauminhaltes
des  Fahrzeuges  oder  der  Waarenmenge,  mit  welcher  ein  Verkehr  stattgefunden
hat,  im  Vergleich  zu  dem  Gesammt-Tonnengehalt  geschritten  werden.

Die  Auferlegung  der  Geldbuße  wird  an  erster  Stelle  von  dem  Hafenkapitain
  von  Sulina  ausgesprochen;  das  verurtheilende  Erkenntniß  wird  dem
Verurtheilten  entweder  persönlich  oder  in  der  Kanzlei  derjenigen  in  Sulina
Fse  Konsular=  oder  Ortsbehörde,  unter  welcher  derlelbs  steht,  bekannt
gemacht.

Die  Berufung  *  verurtheilende  Erkenntnisse  wird  vor  die  Europäische
Kommission  oder  vor  die  internationale  Behörde,  welche  an  die  Stelle  jener  treten
wird,  gebracht.

Dieselbe  ist  bei  Strafe  der  Nichtigkeit  innerhalb  dreier  Monate,  von  der
Bekanntmachung  ang  einzulegen.

Die  Formen  des  Verfahrens  werden  später  durch  besondere  Bestimmungen
Sirgel.  Die  auf  Berufung  ergangenen  Erkenntnisse  unterliegen  keinem  weiteren

ekurse.

Die  durch  den  Hasenkapitain  ausgefprochenen  Verurtheilungen  werden,  der
Berufung  ungeachtet,  vollstreckkar;  im  Falle  der  Anfechtung  wird  der  Betrag  der
Geldbuße  als  Depositum  in  der  Schiffahrtskasse  hinterlegt.

Der  Betrag  der  rechtskräftig  gewordenen  Verurtheilungen  wird,  um  zu  den
alusgaben  des  Marinehospitals  verwandt  zu  werden,  in  die  gedachte  Kasse  abgeführt.


Artikel  18.

Die  Befehlshaber  der  in  Gemäßheit  des  Artikels  19.  des  Pariser  Vertrages
  an  den  Donaumündungen  stationirten  Kriegsfahrzeuge  sind  berufen,  die
T  der  durch  den  gegenwärtigen  Kuns  aufgestellten  Abgaben  und  der  rechtskräftig
  gewordenen  Verurtheilungen  den  Fahrzeugen  ihrer  Nationalität,  sowie
solchen  #egenüber  b  deren  Flagge  zu  schützen  sie  entweder  kraft  der  Verträge  oder

es  Herkommens  oder  kraft  eines  allgemeinen  oder  besonderen  Auftrages  befugt
sind,  zu  sichern.

Die  Thätigkeit  der  Kriegsfahrzeuge  wird  der  Regel  nach  auf  das  Erfordern
  des  der  Verwaltung  der  Schiffahrtskasse  vorgesetzten  Rechnungsbeamten
durch  Vermittelung  des  Hafenkapitains  von  Sulina  beantragt.

Bei  dem  Nichtvorhandensein  eines  Kriegsfahrzeuges,  welches  einem  zuwiderhandelnden
  Fahrzeuge  gegenüber  befugt  wäre,  eine  Zwangsmaaßregel  auszuüben,
wird  der  Hafenkapitain  das  Einschreiten  des  in  Sulina  stationirten  Ottomanischen
Kriegsfahrzeuges  veranlassen.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6570.)  47
        <pb n="522" />
        —  346  —

Article  19.

Le  tarif  provisoire  du  7  Mars  1863  cessera  Tetre  appliqué  et  le
Présent  tarif  entrera  en  vigueur  apreès  la  ratification  de  PActe  public
auquel  il  est  annexé,  et  au  jour  gut  sera  fixé  par  une  publication  spéciale
  à  faire  dans  ce  but  par  la  Commission  Européenne.

Fait  à  Galatz,  le  deuxr  Novembre  mil  huit  cent  soixante  cing.

A.  de  Kremer.
Ed.  Engelhardt.
J.  Stokes.
Strambio.
Saint-Pierre.
Offenberg.
Ahmet  Rassim.
        <pb n="523" />
        —  347  —

Artikel  19.

Der  vorläufige  Tarif  vom  7.  März  1863.  goell  aufhören  anwendbar  zu
fen  ,  und  der  gegenwärtige  Tarif  wird  nach  der  Ratifikation  der  Akte,  welcher
erselbe  angehängt  ist,  und  an  dem  Tage  in  Kraft  treten,  der  durch  eine  besondere
  zu  dem  Behuf  von  der  Europäischen  Kommission  zu  erlassende  Bekanntmachung
  festgesetzt  wird.

Geschehen  zu  Galatz,  den  2.  November  1865.

A.  v.  Kremer.
Ed.  Engelhardt.
I.  Stokes.
Strambio.

St.  Pierre.
Offenberg.
Ahmet  Rassim.

C#.  6570))  4“
        <pb n="524" />
        348

Tableau

indiquant

la  proportion  qui  existe  entre  le  tonneau  de  registre  anglais
et  les  mesures  adoptées  dans  les  autres  Pays  pour  le  jaugeage
des  batiments  de  mer.

 

Facteur  por  lequel
Punitc  de  mesure  de
chaquc  Days  doit

 

 

 

 

 

 

Batiments.  etre  multiplicc.  Observations.
Tonncaus  Lasts
Autrichins  ..  0/82  —
Francçais  ........  ...........  1,——
Italins.  0/8%%  —
Ottomaoasss  —  —  1tonneau  anglais  —  Gl  kilos  de  Con-Prussiens
  .  ..  ..  ..  —  1,50  stantinople.
Russes  ..  loos  1/8%
Américains  (Etats-Uniss—  —
Belges  ......  ...  .  .  .  ..  .  .  .  .  .  ..  0%  1,s1
Bréemoss.  —  1,89
Danois.....  ................  1,021,øs
Espagnols.................  ,——
Grecs..........·...........  0,7(;  —
Hambourgeois......».»..  —  2,77
Hanovrjens...»«...»....  0,982,25
Hollandais.................  0,891,75
deLubeck.........·.......  —  1,89
Meklembourgeois..»».....  1,092,44
Nokwögiens................  0,982,08
Oldenbourgeojs............  —  1/50  »
desPrinoipautås-Unjes».»  1,——1cokm.q«gl.-k  ZE  ENGEL-:
suödois....................  1,021,98  ""

Galatz,le2Novemb1-81865.
        <pb n="525" />
        349  —

Tabelle,

das

Verhältniß  zwischen  der  Englischen  Register-Tonne  und  den  in  den
übrigen  Ländern  für  das  Vermessen  von  Seefahrzeugen  angenommenen
Maaßen  anzeigend.

 

(Gortor,  mit  welchem

 

 

 

 

 

die  Maaßeinheit  jedes
Fahrzeuge.  u  h  Bemerkungen.
Tonnen  Lasten
Oesterreichishe  0/8n  —
Fansche  .................  ,——
taltemsche·................  O,ss  —
Ottomanisbhbhe  —  —1Touae1isch-61,szgpnstgnkinp.
Preußische..........·.·.....  —  1/50  polltaner  Kilos.
ussischhe  1,08  1/89
Anerikanische  (Verein.  Staaten1
Belgische  os
Veemische  ..................  —  1,oo
amsche....................  1,021,pz
Spanische..................  1,—  —
Griechische  0%  —
Hamukgtsche...............  —  2,77
Harmoversche.....·..........  0,oa2,25
Holländische  ess
übische  E—  —  1,s0
Mecklenburgische  1,00  24
ch.  .  .  .  .  .  ..  O,ss
enburgische  —  550
Der  verinigten  Fürstenttümer.—  —  i  Tonnt  Enal.  358  Lolade  m
Schwedische  .  ..  102  18  5*

 

Galatz,  den  2.  November  1865.

 

(Nr.  6570—6571.)

Nr.  6671.)
        <pb n="526" />
        —  350  —

(Nr.  6571.)  Gesetz  wegen  Aufhebung  der  durch  den  Zolltarif  vorgeschriebenen  Gebühren
für  Begleitscheine  und  Bleie.  Vom  2.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc.
verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  was  folgt:

K.  1.

Die  Gebühren,  welche  nach  F.  12.  des  Zollgesetzes  vom  23.  Januar  1838.
(Gesetz  Samml.  S.  34.),  F.  57.  der  Jollordnung  vom  23.  Januar  1838.  (Gesetz-Samml.
  S.  42.)  und  Nr.  III.  der  dritten  Abtheilung  des  durch  das  Gesetz  vom
1.  Mai  1865.  (Gesetz=  Samml.  S.  209.)  in  Kraft  gesetzten  Zolltarifs  zu  erheben
sind,  wenn  Waaren  unter  Begleitschein-Kontrole  versandt  werden,  oder  wenn  es
u  dem  Waarenverschlusse  der  Anlegung  von  Bleien  bedarf,  sollen  vom  1.  April
867.  ab  nicht  weiter  erhoben  werden.

G.  2.
Unser  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  2.  März  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6572.)
        <pb n="527" />
        —  351  —

(Nr.  6572.)  Verordnung,  betreffend  die  Ausführung  des  §.  188.  des  Allgemeinen  Berggesetzes
  vom  24.  Juni  1865.,  sowie  der  Verordnungen  vom  22.  Februar
1867.  wegen  Einführung  des  Allgemeinen  Berggesetzes  in  die  ehemals
Nassauischen  und  Großherzoglich  Hessischen,  mit  der  Preußischen  Monarchie
vereinigten  Landestheile.  Vom  6.  März  1867.

Wir  Wilhelm,)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r

verordnen  hierdurch  in  Ausführung  des  F.  188.  des  Allgemeinen  Berggesetzes

vom  24.  Juni  1865.  (Gesetz-Samml.  für  1865.  S.  705.),  sowie  der  Verordnungen

  vom  22.  Februar  d.  J.,  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen

Berggesetzes  in  die  ehemals  Nassauischen  und  Großherzoglich  Hessischen,  mit  der

#eensbnn  Monarchie  vereinigten  Landestheile  (Gesetz-Samml.  für  1867.
237.  und  242.),  was  folgt:

Artikel  I.

Der  Bezirk  des  Oberbergamts  zu  Bonn  umfst  vom  1.  April  d.  J.  an
auch  das  mit  Unserer  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen  Herzogthums
Nassau,  sowie  die  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Landestheile  der  Großherzoglich
  Hessischen  Provinz  Oberhessen  und  die  vormalige  Landgrafschaft  Hessen-Homburg
  einschließlich  des  Oberamtsbezirks  Meisenheim.

Artikel  II.

Mit  dem  gedachten  Tage  gehen  bezüglich  der  Verwaltung  der  Domanial=Bergwerke,
  Hütten=  und  Hammerwerke,  sowie  der  Ermittelung,  Feststellung  und
Einschung  der  Bergwerksabgaben  die  bisherigen  Funktionen  des  Finanzkollegiums
zu  Wiesbaden  auf  das  Oberbergamt  zu  Bonn  über.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insgel

Gegeben  Berlin,  den  6.  März  1867.
(LI.  §.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.

 

(Nr.  6572—6573)  (Nr.  6573.)
        <pb n="528" />
        —  352  —

(Nr.  6573.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  25.  Februar  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der
"  Landgemeinde-Ordnung  für  die  Provinz  Westphalen  vom  19.  März  1856.
an  die  Stadtgemeinde  Hallenberg  im  Kreise  Brilon  des  Regierungsbezirks

Arnsberg.

A#  den  Bericht  vom  20.  Februar  d.  J.  will  Ich  der  Stadtgemeinde  Hallenberg
  im  Kreise  Brilon  des  Regierungsbezirks  Arnsberg  die  Landgemeinde-Ordnung
für  die  Provinz  Westphalen  vom  19.  März  1856.  mit  den  in  der  letzteren  (F.  66.)
für  städtische  Gemein  en  angeordneten  Modifikationen  hierdurch  verleihen.

Berlin,  den  25.  Februar  1867.
Wilhelm.

Gr.  zu  Eulenburg.
An  den  Minister  des  Innern.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministerlums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="529" />
        —  363  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  M.  22  —

 

(Nr.  6574.)  Gesetz,  betreffend  die  Uebernahme  des  Fürstlich  Thurn  und  Tagisschen  Postwesens
  auf  Preußen.  Vom  16.  Februar  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.
verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  was  folgt:

5.  1.
Die  Staatsregierung  ist  ermächtigt,  das  gesammte  Fürstlich  Thurn  und
„Taxissche  Postwesen  nach  Maaßgabe  des  anliegenden  Vertrages  auf  Preußen
zu  übernehmen.

S.  2.

Die  zur  Gewährung  der  Abfindungssumme  in  Höhe  von  drei  Millionen
Thaler  ersorderlichen  Geldmittel  werden  durch  eine  verzinsliche  Staatsanleibe
Lsch  t,  deren  Betrag  vom  Jahre  1868.  ab  mit  mindestens  Einem  Prozent
jährlich  zu  tilgen  ist.

F.  3.

Die  Verwaltung  dieser  Anleihe  wird  der  Hauptverwaltung  der  Staatsschulden
  übertragen.  en  Verwendung  der  durch  allmälige  Abtragung  des
Schuldkapitals  ersparten  Jinsen,  wegen  Verjährung  der  Zinsen  und  wegen  des
Verfahrens  Behufs  der  Tilgungen  aenden  die  Bestimmungen  der  S#.  3.  und  5.
des  Gesetzes  vom  23.  März  1852.  (Gesch=  Samml.  S.  75.)  Anwendung.  Dem
Staate  bleibt  das  Recht  vorbehalten,  den  nach  vorstehenden  Bestimmungen  zu
berechnenden  Tilgungsfonds,  welcher  niemals  verringert  werden  darf,  zu  verstärken,
  oder  auch  die  sämmtlichen  Verschreibungen  der  Anleihe  auf  einmal
zu  künbigen.

K.  4.

Die  zur  Verzinsung  und  Tilgung  der  Anleihe  erforderlichen  Beträge  sind
aus  den  bereitesten  Staatseinkünften  an  die  Staatsschulden-Tilgungskasse  zim
Jahrgang  1867.  (Nr.  6574.)  48  .  5.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  19.  März  1867.
        <pb n="530" />
        —  354  —
S.  5.

Der  Minister  der  auswärtigen  ngelegenheeien,  der  Finanzminister  und  der
Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  sind  mit  der  Ausführung
dieses  Gesetzes  beauftragt.

Gegeben  Berlin,  den  16.  Februar  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

Vertrag
zwischen
der  Königlich  Preußischen  Staatsregierung  und  Sr.  Durchlaucht  dem
Fürsten  von  Thurn  und  Taxis)
betreffend

die  Uebertragung  des  gesammten  Fürstlich  Thurn  und  Taxisschen
Postwesens  auf  den  Preußischen  Staat.
Vom  28.  Januar  1867.

um  Behuf  der  Uebertragung  des  gesammten  Fürstlich  Thurn  und  Taxisschen
ostwesens  auf  den  Pieuyischen  Staat  ist  zwischen  der  Königlich  Preusischen
taatsregierung,  vertreten  durch
den  Heheimen  Legationsrath  Ernst  von  Bülow,
den  Geheimen  Postrath  Hrnrich  Stephan  und
den  Regierungs-Assessor  Otto  Hoffmann,
und  Seiner  Durchlaucht  dem  Fürsten  von  Thurn  und  Taxis,  vertreten  durch
den  Ober-Postrath  und  vortragenden  Rath  Seiner  Durchlaucht,  Frei-Lerrr
  Franz  von  Gruben  und  den  General-Postdirektions-Issessor
  Wilh  elm  Ripperger,
der  nachfolgende  Vertrag  abgeschlossen  worden.
Artikel  1.
Seine  Durchlaucht,  Fürst  Maximilian  Karl  von  Thurn  und  Taxis  für
Sich,  Seine  Nachkommen  und  sämmtliche  zur  Erbfolge  in  die  Postgerechtsame
e-
        <pb n="531" />
        —  355  —

berechtigten  Agnaten  und  sonstigen  Seitenverwandten  überträgt  Seine  gesammten
Postgerechtsame  in  sämmtlichen  Staaten  und  Gebieten,  in  denen  sich  seither  die
Posten  ganz  oder  theilweise  im  Besitze  und  Genusse  des  Fürstlichen  Hauses
befunden  haben,  vom  1.  Juli  1867.  an  auf  den  Preußischen  Staat.

Diese  Staaten  und  Gebiete  sind:
1)  die  Hohenzollernschen  Lande,
2)  das  vormalige  Kurfürstenthum  Hessen,
3)  das  vormalige  Herzogthum  Nassau,
4)  die  vommalige  Landgrafschaft  Hessen-Homburg,
5)  die  vormalige  freie  Stadt  Frankfurt,
6)  die  an  die  Krone  Preußen  abgetretenen  vormaligen  Theile  der  Großberogich
  Hessischen  Provinz  Oberhessen,

  

7)  das  roßersogthum  Lesen  und  bei  Rhein,
8)  das  Großherzogthum  Sachsen,
9)  das  Sachsen-Meiningen,
10)  das  Sachsen-Coburg  und  Gotha,
11)  das  Reuß  älterer  Linie,
12  die  Reuß  lüngeme  Winn  Ob  shaft
)  das  chwarzburg-Rudolstadt  erherrscha
19  das  Stwusturg-Sanhenfone  aschasntn
5)  das  i

ippe,
8  das  Schaumburg-Lippe,
17)  die  freie  und  Hansestadt  Lübeck,

v5  die  Heee  und  Hansestadt  Bremen,

19)  die  freie  und  Hansestadt  Hamburg.

Es  geht  demnach  das  Fürstlich  Thurn  und  Taxissche  Postwesen  in  seinem

anzen  Umfange,  mit  allen  Rechten  und  allem  Zubehör  an  unbeweglichem  und

eweglichem  Eigenthum,  Inwentarien,  Utensilien  u.  s.  w.,  Alles  wie  es  steht  und

liegt,  in  das  Eigenthum,  den  Besitz  und  Genuß  des  Preußischen  Staates  über.
Artikel  2.

Insbesondere  gehen  sämmtliche  Seiner  Durchlaucht  dem  Fürsten  eigenthümlich
  zugehörigen  *  ebäude  und  Hostgrundstücke  und  überhaupt  alle  gegenwärtig
  für  den  tbetwed  bestimmten  Realitäten  im  ganzen  Bereich  des  H.
lichen  Postbezirks  so,  wie  sie  sich  dermalen  im  Besitz  der  ut  Postverwaltung
befinden,  nebst  den  darüber  sprechenden  Urkunden  in  das  Eigenthum  des  Preußischen
  Staates  über.  4  "„  Z

Die  zur  Beurkundung  dieses  Eigenthumsüberganges  bei  den  Gerichten
besiehungsweise  Transskriptions,  oder  sonstigen  Behörden  nöthigen  Schritte  und
Handlungen  werden  beide  Theile  durch  Bevollmächtigte  vornehmen  lassen.  Die
hierdurch  entstehenden  Kosten  übernimmt  die  Königlich  Preußische  Regierung.

Insoweit  sich  in  diesen  Gebäuden  Dienstwohnungen  für  ostbeamte  benden

  oder  Theile  derselben  an  Dritte  vermiethet  sind,  tritt  die  Königlich  Preu-7
  Staatsregierung  in  die  Miethskontrakte  und  die  Verbindlichkeiten  der  Fürstlichen

  Verwaltung  ein.
(r.  6574.)  48“  Aus-
        <pb n="532" />
        Ausgeschlossen  von  der  Uebereignung  bleibt  das  Gasthaus  zu  Meiningen.

In  Frankfurt  a.  M.  beschränkt  sich  dieselbe  auf  das  sogenannte  Rothe  Haus
auf  der  Zeil  mit  Ausschluß  der  Bestandtheile,  welche  zum  Fürstlichen  Palais  in
der  Eschenheimer  Gasse  und  dem  sogenannten  Weidenhof  gehören.

Artikel  3.

Nicht  minder  werden  sämmtliche,  zum  beweglichen  Inventar  der  Fürstlichen
Postverwaltung  gehörigen  Gegenstände,  wie  solche  in  den  Seitens  der  einzelnen
Postanstalten  geführten  Inventarienverzeichnissen  eingetragen  sind  (namentlich  auch
die  Postwagen,  Eisenbahnpostwagen  u.  s.  w.),  desgleichen  die  Pferde  in  den
Regieställen,  und  ebenso  die  gesammten  Materialienvorräthe  (z.  B.  an  Monturen  2c.,
Heizungematerialien  c.)  an  Preußen  übereignet.

Stücke,  welche  in  den  Inventarienverzeichnissen  u.  s.  w.  sich  nicht  aufgeführt
  finden  sollten,  gehen  gleichwohl  mit  über;  umgekehrt  steht  die  Furstliche

erwaltung  nicht  ein  für  irrig  aufgenommene  Stücke.

Ausgeschlossen  von  des  ebereignung  bleibt  die  Einrichtung  besiehn.
—  das-  obiliar  der  Wohnung  des  Fürstlichen  General-Postdirektors  zu  Frankrt

  a.  M.
Artikel  4.

Die  Bibliothek,  die  Kartensammlung  und  die  Akten  der  Fürstlichen  General-Postdirektion
  und  der  Ober-Postkasse,  welche  die  Verwaltung  der  Posten  betreffen
und  für  den  laufenden  Dienst  erforderlich  sind,  gehen  an  Hi  über.  Jedoch
werden  der  Fürstlichen  Verwaltung  in  vorkommenden  Fällen  einzelne  Akten  aus
der  Zeit  des  Fürstlichen  Postbetriebes  auf  Verlangen  zur  Einsicht  oder  Abschriftnahme
  mitgetheilt  werden,  unbeschadet  des  Rechtes  zur  Vernichtung  unbrauchbarer
  Akten.  Andererseits  verpflichtet  sich  die  Fürstliche  Verwaltung,  aus  dem
Fürstlichen  Archive  zu  Regensburg  einzelne  Postakten,  welche  in  Bezug  auf  die
fernere  Führung  der  Verw#  ltung  ein  Interesse  für  die  Königliche  Staatsregierung

arbieten,  derselben  zur  Ein#icht  oder  Abschriftnahme  mihuuthelhn
Artikel  5.

Mit  dem  1ebergange  des  Fürstlich  Thurn  und  Taxisschen  Postwesens
ehen  alle  auf  demselben  ruhenden  Lasten  und  Verwaltungsausgaben  auf
Pruzen  über.

Die  Königliche  Staatsregierung  wird  von  dem  Zeitpunkte  des  Ueberganges
an  das  Fürstliche  Haus  gegen  alle  diesfälligen  Ansprüche  vertreten.

Die  Königliche  Staatsregierung  tritt  ein  in  die  Postverträge  der  Fürstlichen
  Verwaltung  mit  anderen  Deutschen  oder  außerdeutschen  Postverwaltungen,
desgleichen  in  die  mit  den  Eisenbahnverwaltungen  abgeschlossenen  Transportverträge,
  die  Posthaltereiverträge,  sowie  die  in  Beziehung  auf  den  Postdienst  abgeschlossenen
  Mieths-,  Lieferungs=  und  sonstigen  Verträge  dieser  Art.  Sie  erfüllt
die  Verpflichtungen  und  genießt  die  Rechte,  welche  aus  diesen  Verträgen  für  die
Fürstliche  Postverwaltung  entspringen,  vorbehaltlich  anderweiter  Verständigung
mit  den  interessirten  Theilen  Artit

rtikel  6.

Werden  aus  der  Zeit  der  Fürstlichen  Verwaltung  Ansprüche  von  Privaten
oder
        <pb n="533" />
        —  357  —
oder  anderen  Postverwaltungen  geg  die  Postanstalt  erhoben,  so  get  zwar
Seine  Durchlaucht  der  Fürst  für  dieselben  einzustehen;  die  iglich  egierung
wird  jedoch,  so  oft  sie  solches  im  Interesse  der  Postverwaltung  für  angezeigt
erachtet,  nach  vorgängigem  Benehmen  mit  der  Fürstlichen  Verwaltung  zu  Regensburg
  die  Vertretung  der  Postanstalt  in  diesen  Angelegenheiten  übernehmen;  sie
wird  alsdann  dieselben  mit  aller  Sorgfalt  und  nach  bestem  Ermessen,  sei  es  im
Wege  der  Güte,  des  Vergleichs  oder  des  gerichtlichen  Austrages,  vollständig  und
nach  allen  Seiten  hin  für  Rechnung  der  Fürstlichen  Verwaltung  besorgen  und
erledigen,  beziehungsweise  in  eintretenden  Fällen  Zahlung  leisten;  die  Fürstliche
Verwaltung  wird  diese  Geschäftsführung  in  allen  Stücken  anerkennen  und  die
Auslagen  erstatten,  insbesondere  auch  etwa  entstandene  Prozeßkosten  ersetzen,
letzteres,  sofern  der  Prozeß  im  Einverständniß  der  Fürstlichen  Gerwoaltung  aufenommen
  und  fortgeführt  worden  ist.  Zur  Gültigkeit  eines  Vergleiches  ist  die
üustimmng  Seiner  Durchlaucht  des  Fürsten  erforderlich.

In  allen  anderen  Rechts=  und  Streitsachen  der  gedachten  Art,  in  denen
die  Königliche  Regierung  sich  nicht  veranlaßt  sieht,  die  Vertretung  der  Postanstalt
zu  übernehmen,  und  welche  daher  von  der  Fürstlichen  Verwaltung  selbst  auszutragen
  sind,  erklärt  Seine  Durchlaucht  der  Fürst  vor  denjenigen  Werichten  Recht
nehmen  und  geben  zu  wollen,  zu  deren  Kompetenz  die  Stre  lache  gehört  haben
würde,  wenn  die  Fürstliche  Verwaltung  fortbestanden  hätte.

Artikel  7.

Oie  Bücher  und  Rechnungen  über  den  gesammten  Fürstlichen  Postbetrieb
werden  mit  dem  30.  Juni  1867.  abgeschlossen.  Die  in  den  Postkassen  vorhandenen
  Baarbestände  geben  auf  Preußen  mit  über.  Die  Königliche  Staatsregierung
  verpflichtet  sich,  die  bis  zu  jenem  Zeitpunkte  auf  Grund  der  Rechnungslegung
  646%  ergebenden  Reineinnahmen  an  Seine  Durchlaucht  den  Fürsten,  soweit
es  nicht  schon  geschehen  ist,  abzuliefern,  vorbehaltlich  der  nachträglichen  Ausgleichung
  wegen  verbleibender  Resteinnahmen  und  Restausgaben.

Zur  Abscheidung  des  Kassen=  und  Rechnungswesens  werden  noch  folgende
nähere  Bestimmungen  getroffen:

1)  Alle  Verwaltungs=  und  Betriebskosten  werden  bis  ult.  Juni  1867.  Nachts
12  Uhr  von  der  Furstichen  Verwaltung  getragen;  von  da  ab  werden
dieselben  von  der  Königlichen  Regzierung  übernommen.

2)  Die  Einträge  der  Brief=  und  Frachtkarten,  Personenzettel  u.  s.  w.,  welche
unter  dem  Datum  des  letzten  Juni  expedirt  werden,  oder  mit  diesem
Datum  versehen  ankommen,  fallen,  auch  wenn  die  Ankunft  der
Karten  u.  s.  w.  am  Bestimmungsorte  erst  nach  dem  letzten  Juni  erolgt,
  einschließlich  des  internen  Ponro,  in  die  Rechnung  der  Fürstlichen

erwaltung.

3)  Die  Einnahme  für  die  Beförderung  von  Personen,  für  Brief=  und
Fahrpostsendungen,  welche  erst  nach  Ablauf  des  letzten  Juni  expedirt
werden,  sowie  für  die  Zeitungen,  deren  Abonnementsperiode  am  I.  Juli
beginnt,  fallen  in  die  Rechnung  der  Königlichen  Verwaltung,  auch  wenn
die  Erhebung  der  betreffenden  Beträge  vor  dem  1.  Juli  stattgefunden  hat.
Die  von  den  Fürstlichen  Postanstalten  erhobenen  Beträge  für  Zeitungen

(Nr.  6574.)  mit
        <pb n="534" />
        —  358  —

mit  halb=  oder  ganzjährigem  Abommement  werden  pro  rata  an  die  Preu-Kische
  Postverwaltung  vergütet.

4)  Die  bereits  verkauften,  bis  zum  Tage  der  Uebernahme  des  Postwesens
nicht  verwendeten,  Taxisschen  Freimarken  und  Kouverts  sollen  vom  Publikum
  innerhalb  acht  Wochen  nach  dem  Uebergangstermin  bei  den
Königlichen  Poststellen  gegen  baare  Bezahlung  zurückgegeben  werden
können)  ebenso  die  Kouverts  bestellter  Korrespondenzen,  wenn  dabei  durch

Einlage  in  die  Briefkasten  eine,  vom  Tage  der  Uebernahme  an  unstatthafte

  Verwendung  von  dergleichen  Frankomarken  und  Kouverts  stattgesalden

  hat.  Den  Werthbetrag  dieser  Marken  und  Kouverts  stellt  die

Königliche  Postverwaltung  sich  bei  der  von  ihr  zu  bewirkenden  Rechnungslegung

  für  den  letzten  Zeitabschnitt  der  Fürstlichen  Verwaltung  in

Forderung.

Artikel  8.

Die  bei  der  Postverwaltung  in  den  im  Artikel  1.  genannten  Ländern  und
Gebieten  von  Seiner  Durchlaucht  dem  Fürsten  angestellten  Beamten  werden  in
den  Königlich  Preußischen  Postdienst  mit  ihren  dermaligen  Dienstbezügen  und
erworbenen  Ansprüchen  übernommen.  Auch  wird  die  Königliche  Regierung  das
auf  Grund  von  Dienstkontrakten  verwendete  untere  Postperssnal  nach  Maaßgabe
dieser  Kontrakte  übernehmen.  Artikel  9

rtikel  9.

Die  Beamten  der  Fürstlichen  General-Postdirektion  zu  Frankfurt  a.  M.
wird  die  Königlich  Preußische  Staatsregierung  bei  sich  bietender  Gelegenheit  im
Königlich  Preußischen  Postdienst  unter  Forlgewährung  ihrer  gegenwärtigen  Diensteinkünfte
  verwenden,  soweit  sie  eine  solche  Verwendung  wünschen  und  dazu  qualifizirt
  sind.  Es  wird  dabei  auf  ihre  bisherige  Dienststellung  nach  Moglichkeit
billige  Rücksicht  genommen  werden.  Auf  die  ansverfalin  —  dieser  Beamten
finden,  sobald  sie  in  den  Königlichen  Dienst  übergetreten  sind,  die  für  die  Königlich
  Preußischen  Postbeamten  geltenden  Vorschriften  Anwendung.

Denjenigen  Beamten  der  Fürstlichen  General-Postdirektion  in  Frankfurt
a.  M.)  welche  weder  in  Königliche  noch  in  anderweite  Fürstliche  Dienste  übernommen
  werden,  wird  die  Königliche  Staatsregierung  Pensionen  gewähren.  Auch
wird  sie  Seine  Durchlaucht  den  Pürsten  gegen  alle  Ansprüche  vertreten,  welche  von
diesen  Beamten  auf  Grund  ihres  bisherigen  Dienstverhältnisses  gegen  Höchstdenselben
  erhoben  werden  könnten  oder  möchten.

Artikel  10.

Mit  dem  Akte  der  Uebergabe  werden  sämmtliche  in  die  Königliche  Verwaltung
  übertretenden  Beamten  ihrer  Dienstpflichten  gegen  Seine  Durchlaucht
den  Fürsten  von  Thurn  und  Taxis  entbunden.

Artikel  11.

Die  Dienstkautionen  dieser  Beamten,  die  Kautionen  der  Posthalter  und
sonstiger  mit  der  Fürstlihen  Verwaltung  im  Kontraktsverhältnisse  stehenden  Personen
  gehen  auf  die  Königliche  Regierung  über.  Ec  bleiben  jedoch  diese  Kautionen
von  dem  im  Artikel  1.  bestimmten  Zeitpunkt  ab  noch  achtzehn  Monate  zug
        <pb n="535" />
        —  359  —

Fürstlichen  Verwaltung  vehaftei  mit  einem  Vorzugsrechte  derselben  vor  etwaigen
Ansprüchen  der  Königlichen  Regierung.
Artikel  12.

Die  bereits  bewilligten  Pensionen  und  Unterstützungen  für  pensionirte
Beamte  und  für  die  Hinterbliebenen  von  Beamten  übernimmt  die  Königliche
Regierung.

Artikel  13.

.  Die  dereinstigen  Wittwen  und  hinterbliebenen  Kinder  der  in  den  vorhergehenden
  Artikeln  gedachten  Beamten  werden  Preußischer  Seits  in  ähnlicher  Weise
unterstützt  werden,  wie  dies  seither  von  der  Fürstlich  Thurn  und  Wischen  Verwaltung
  geschehen  ist,  und  wird  Seine  Durchlaucht  der  Fürst  von  allen  derartigen
  Leistungen  und  Ansprüchen  durch  die  Königliche  Staatsregierung  befreit.

Artikel  14.
·  Die  zur  Unterstützung  des  Postpersonals  gegründeten  Stiftungen  (namentlich
  die  Bolzsche,  Weidnersche  und  von  Vrintssche  Stiftung),  desgleichen  die
Destillons  Hülscaffe  Die-  auf  die  Königliche  Staatsregierung  über,  und  spricht
eine  Durchlaucht  in  Bezug  auf  die  leßtrr  durch  Fürstliche  Munifizenz  begründete
Kasse  den  Wunsch  aus,  daß  die  Mittel  derselben  zum  Andenken  an  das  Fürstliche
Haus  Thurn  und  Taxis  auch  künftighin  in  ähnlicher  wohlthätiger  Weise  Verwendung
  finden  mögen.
Artikel  15.

Als  Aequivalent  für  die  sämmtlichen  durch  diesen  Vertrag  Seitens
Seiner  Durchlaucht  des  Fürsten  an  Preußen  übereigneten  Gerechtsame  und  Vermögensstücke
  zahlt  die  Königlich  Preußische  Staatsregierung  an  Seine  Durchlaucht
den  Fürsten  als  ein  Pauschquantum  die  Summe  von  drei  Millionen  Thaler

reußisch  Kurant,  und  verspricht  Seine  Durchlaucht  der  Fürst  von  Thurn  und
Faniet  nach  Empfang  dieser  Zahlung  weiter  keine  Ansprüche  irgend  einer  Art,
welche  aus  der  vorbezeichneten  Uebereignung  hergeleitet  werden  könnten,  für  Sich
und  Sein  Haus  erheben  zu  wollen,  sondern  verzichtet  vielmehr  hierauf  ausdrücklich.
  Die  Zahlung  erfolgt  in  Berlin  sofort  nach  bewirkter  Uebergabe  (Artikel  19.).

Artikel  16.

Seine  Durchlaucht  der  Fürst  verzichtet  auf  alle  Forderungen  und  Ansprüche,
welche  Höchstderselbe  aus  der  Zeit  Seiner  Verwaltung  an  den  Fiskus  der  im
Artikel  1.  aufgeführten  Staaten  und  Gebiete  noch  zu  haben  und  geltend  machen
zu  können  vermeinen  sollte.

Artikel  17.

Bezüglich  des  Seiner  Durchlaucht  dem  Fürsten  von  Thurn  und  Taxis  und
den  Mitgliedern  des  Fürstlichen  Hauses,  sowie  den  Fürstlichen  Verwaltungsstellen
und  den  solche  Stellen  repräsentirenden  einzeln  stehenden  Fürstlichen  Beamten
nach  erfolgtem  Uebergange  des  Fürstlichen  Postwesens  für  die  Folge  zustehenden
Portofreithums  sollen  diejenigen  Bestimmungen  grundsätzlich  in  Wwendung  gebracht
  werden,  welche  in  Preußen  bezüglich  des  Portofreithums  der  Mitg  ieder

(Nr.  6574.)  es
        <pb n="536" />
        —  360  —

des  Königlichen  Hauses,  der  Staatsbehörden  und  der  solche  Behörden  repräsentirenden
  einzeln  stehenden  Beamten  jeweilig  maaßgebend  sind.

Die  in  Ausführung  des  vorstehenden  Grundsatzes  zu  erlassenden  Spezialbestimmungen
  werden  besonders  verabredet.

Artikel  18.

Insoweik  es  zu  dem  im  Artikel  1.  stipulirten  lebergange  des  Fürstlich
Thurn  und  Tarisschen  Postwesens  auf  den  Preußischen  Staat  der  Justimmung
der  betressnden  Landesregierungen  bedarf,  übernimmt  deren  Beschaffung  die
Königlich  Preußische  Staatsregierung  Dieselbe  verpflichtet  sich  auch,  Seine  Durchlaucht
  den  Fürsten  gegenüber  allen  Ansprüchen  zu  vertreten,  welche  gegen  Höchstdenselben
  Seitens  der  gedachten  Landesregierungen  wegen  dieser  Uebertragung,  insbesondere
  der  lehnbaren  Postrechte,  erhoben  werden  könnten  oder  möchten.

Die  Konsense  der  Mitglieder  des  Fürstlich  Thurn  und  Taxisschen  Hauses,
soweit  sie  erforderlich  sind,  werden  von  Seiner  Durchlaucht  dem  Fürsten  mit
thunlichster  Beschleunigung  beigebracht  werden.

Artikel  19.

Die  definitive  Uebergabe  beziehungsweise  Uebernahme  des  Postwesens  erfolgt
  zu  dem  im  Artikel  1.  festgesetzten  Termin  durch  beiderseits  zu  ernennende
Kommissarien  mittelst  entsprechender  Erklärungen  in  einem  zu  diesem  Behuf  aufzunehmenden
  Protokoll.

Artikel  20.

Die  Ratifikation  dieses  Vertrages  wird  möglichst  bald  ersolgen,
slattf  Die  Auswechselung  der  Ratifikations-Urkunden  wird  im  Korrespondenzwege

attfinden.

Zu  Urkund  dessen  haben  die  beiderseitigen  Bevollmächtigten  diesen  Vertrag
in  doppelten  Esemplaren  unterzeichnet  und  ihre  Siegel  beigedrückt.

So  geschehen  zu  Berlin,  am  achtundzwanzigsten  Januar  Eintausend  achthundert
  und  siebenundsechszig.

Ernst  v.  Bülow.  Heinrich  Stephan.  Otto  Hoffmann.
(L.  S)  (L.  S.)  (L.  S.)
Frh.  v.  Gruben.  Wilhelm  Ripperger.

(L.  S.)  —

Die  Auswechselung  der  Ratifikationen  hat  im  Korrespondenzwege  stattgefunden.


 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
erlin,  gedrackt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober  Hofbuchdruckerci
(R.  v.  Decker).
        <pb n="537" />
        —  361  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

N.  224—

 

(Nr.  6575.)  Gesetz,  betreffend  die  Aufhebung  der  Einzugsgelder  und  gleichartigen  Kommn
Abgaben.  Vom  2.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r
verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  was  folgt:
S.  1.

Vom  1.  Juli  1867.  ab  darf  in  den  Provinzen  Preußen,  Brandenburg,
Pommern,  Schlesien,  Posen,  Sachsen,  Westpbalen  und  in  der  Rheinprovinz  von
Neuanziehenden  ein  k  Einugs.  oder  Eintrittsgeld  oder  eine  so  sonüüge  besondere  Kommunalabgabe
  wegen  des  Erwerbes  der  Hemeindrangeheriwte  (der  Niederlassung  am
Orte)  nicht  mehr  erhoben,  auch  kein  Rückstand  einer  solchen  Abgabe  mehr  che.
fordert  werden.

Mit  dem  im  F.  1.  festgesetzten  Zeitpunkte  treten  die  auf  die  Erhebung  von
Einzugsgeld  baesüglichen  Besimmmungen  der  Gesetze  vom  14.  Mai  1860.  (Gesetz-Samml.
  für  0.  S.  237.)  und  vom  24.  Juni  1861.  (Gesetz=  Sanml.  7
1861.  S.  416  ebenso  der  F.  14  der  Gemeindeordnung  für  die  Rheinprovinz
vom  23.  Juli  1845.  (Gesetz-  Samml.  für  1845.  S.  523.)  und  der  Artikel  6.  des
Gesetzes  vom  15.  Mai  1856.  betreffend  die  Gemeindeverfassun  in  der  Rheinbroving
  (mGesetz  Sammt,  für  1666.  S.  1352  sowie  alle  in  1  Statuten,

Regulitworn,  reeseen  der  einzelnen  Gemeinden  ffre  Anordnungen  über  die
Entrichtung  von  Kommunalabgaben  der  im  ezeichneten  Art  außer  Kraft.

Llcbenduich  ur  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Uskerschrif  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  2.  März  1867.

(#.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzen  plitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Jehrgang  1857.  (Nr.  6575—6576,)  49  (Xr.  6576.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  23.  März  1867.
        <pb n="538" />
        —  362  —

(Nr.  6576.)  Gesetz,  betreffend  die  Auflösung  des  Lehnsverbandes  in  Alt-  Vor-  und  Hinter.
pommern  und  die  Abänderung  der  Lehnstaxz.  Vom  4.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  ꝛc.

verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  Unserer  Monarchie,
was  folgt:

Erster  Titel.
Von  der  Aufloͤsung  des  Lehnsverbandes.

S.  1.

Der  noch  bestehende  Lehnsverband  in  Alt-  Vor=  und  Hinterpommern  wird
in  Beziehung  auf  sümmmtche  nach  Pommerschen  Lehnrechten  zu  beurtheilende
Lehne,  insbesondere  auch  au  Kunkileno  Afterlehne,  Geldlehne  und  Lehnsstämme
nach  Maaßgabe  dieses  Gesetzes  aufgelöst.

Bei  LIt  Auflösung  werden  nur  Fejenien  Agnaten,  Mitbelehnte  und
andere  Successionsberechtigte,  welche  unter  der  allgemeinen  Bezeichnung  (behne
berechtigte“  begriffen  sein  sollen)  berücksichtigt,  welche  bis  zum  Eintritt  der
Gesetzeskraft  dieses  Gesetzes  geboren  sind,  oder  bis  zum  302.  Tage  von  diesem
Zeitpunkte  an  geboren  werden,  und  welche  zugleich  in  die  Lehns--  und  Successionsregister
  eingetragen  sind,  oder  binnen  zwei  a  hren,  von  dem  Eintritt  der  Gesetzeskraft
  dieses  Eate  an  gerechnet,  zur  Eintragung  in  die  Negsser  angemeldet
werden.  #ee  erisichtung  liegt  zur  Vermeidung  desselben  achtheit  auch
denjenigen  Lehnberechtigten  ob,  deren  Agzendent  in  die  Les-  und  Srrcessionsregister
  eingetragen  ist,  und  wird  für  die  unter  väterlicher
Vater,  für  die  Bevormundeten  durch  den  Vormund  erfüllt.

Bei  der  binnen  jenen  wwei  Jahren  nachgesuchten  Eintragung  tritt  die  in
dem  Gesetz  vom  11.  Juli  1845.  über  die  Lehns=  und  Surcessionsregister  §.  15.,
Absatz  1.)  gewährte  Stempel-  und  Gebührenfreiheit  ein.

ewalt  Stehenden  vom

KC.  2.

Das  noch  im  ordentlichen  Lehngange  befindliche,  sowie  das  durch  einen
Allodialtitel  an  ein  Mitglied  der  lehntragenden  Familie  übergegangene,  aber  in
den  beiden  letzten  Familientheilungen  nach  Lehnrecht  vererbte  Lehn  verliert  die
Lehnseigenschaft:

1)  wenn  bis  zum  Ablauf  der  zweijährigen  Frist  (§.  1.)  kein  Lehnberechtigter
zur  Eintragung  angemeldet  ist;

2)  wem  beim  Ablauf  jener  #5  oder  Falls  nach  #§.  4.  5.  die  Lehnseigenschaft

  noch  über  diese  Frist  hinaus  fortdauert,  auch  späterhin  neben  #een

e-
        <pb n="539" />
        —  363  —

Besitzer  des  Lehns  und  seiner  Deszendenz  keiner  der  nach  §.  1.  zu  berücksichtigenden
  Lehnsberechtigten  mehr  am  Veben  istz

3)  wenn  von  den  außer  dem  Besitzer  vorhandenen  eingetragenen  Lehnberech-Hzten
  diejenigen,  welche  als  Häupter  abgesonderte  Linien  bilden,  hah
ertrag  mit  demselben  in  die  Allodifikation  gewilligt  haben  oder  no
willigen.

ß.  3.

»  Ebenso  verliert  das  im  8.  2.  bezeichnete  Lehn,  auch  wenn  Lehnberechtigte
in  den  Registern  eingetragen  resp.  zu  denselben  angemeldet  sind,  die  Lehnseigenschaft,
  wenn  der  besthende  Lehnsmarm  #  Zeit  der  Gesetzeskraft  dieses  Gesetzes
lehnsfähige  Deszendenz  hat  oder  solche  bis  zum  302.  Tage  von  dieser  Zeit  an
gewinnt.

4.

Hat  der  Lehnsbesitzer  keine  nach  F.  3.  zu  berücksichtigende  Deszendenz,  ist
aber  bei  seinem  Tode  überhaupt  ein  nach  F.  1.  zu  berücksichtigender  Lehnberechugter
am  Leben,  so  vererbt  das  Lehn  als  solches  nach  Recht  und  Ordnung  der  bisgerigen
  Lehnsfolge,  ohne  daß  es  hierbei  auf  die  Zeit  der  Geburt  und  auf  die

intragung  resp.  Anmeldung  des  Lehnberechtigten  ankommt.

Diese  Lehnvererbung  erfolgt  auch  dann,  wenn  der  Besier  zwar  nach  dem
im  §.  3.  gedachten  Zeitpunkte  lehnsfähige  Deszendenz  erhält,  diese  aber  vor  ihm
mit  Tode  abgeht.

Ueberlebt  der  später  geborene  Deszendent  den  Lehnsbesitzer,  so  schließt  er  die
Agnaten  und  Mitbelehnten  von  der  Succeession  aus,  und  das  Lehn  verliert  in
seiner  Hand  die  Lehnseigenschaft.

K.  5.

Hat  der  zur  Succession  gelangende  Agnat  oder  Mitbelehnte  bei  dem  Anfall
des  Lehns  lehnssähige  Dezzendenz,  64  verliert  das  Lehn  in  seiner  Hand  die  Lehnseigenschaft.
  Erhält  er  später  lehnsfähige  Deszendenz,  welche  ihn  überlebt,  so  verliert
  das  Lehn  in  der  Hand  der  letzteren  die  Lehnseigenschaft.  Verstirbt  der
später  geborene  Deszendent  vor  ihm,  so  tritt  eine  fernere  Succession  der  Agnaten
und  Mitbelehnten  unter  den  im  F.  4.  angegebenen  Voraussetzungen  nach  der  dort
bestimmten  Weise  ein.

S.  6.
Der  Lehnsmann,  in  dessen  Händen  nach  §#§.  3.  4.  5.  die  Lehnseigenschaft
aufhört,  hat  die  Wahl,  ob  er  das  Lehn  entweder

1)  gegen  eine  Abfindung  von  vier  Prozent  des  Lehntapwerthes  (bei  Geld-Fnen
  und  Lehnsstämmen  des  Kapitalwerthes)  in  Allode  oder

2)  nach  den  Bestimmungen  der  §#.  1.  3.  des  Gesetzes  vom  10.  Juni  1856.

(Geset=  Samml.  S.  554.)  in  ein  Fideikommiß  für  die  zum  Lehn  berech-(Nr.

  6576.)  49  *  tigte
        <pb n="540" />
        —  364  —

tigte  Familie  dergestalt  verwandeln  will,  daß  er  selber  in  die  Stellung
des  ersten  Fideikommißbesitzers  eintritt.  Einer  Einwilligung  der  Agnaten
und  Mitbelehnten  bedarf  er  dazu  nicht.  Auch  findet  die  beschränkende
Vorschrift  des  F.  56.  Theil  II.  Titel  4.  des  Allgemeinen  Landrechts  nicht  statt.

K.  7.

Steht  der  Lehnsmann  unter  Vormundschaft,  so  erfolgt  die  Wahl  durch
den  Vormund.  9
S.

Die  getroffene  Wahl  ist  bei  dem  Lehnshofe  binnen  vier  Jahren  zu  erklären.
Diese  Frist  läuft  dem  zur  Zeit  der  Gesetzeskraft  des  Lesgten  im  Besitz  befindlichen
Lehnsmanne  von  der  Zeit  der  Gesetzeskraft.  Der  Nachfolger  aber  hat,  sowohl
dann,  wenn  der  Vorgänger  binnen  der  Frist  ohne  Erklärung  der  Wahl  verstirbt,
als  auch  dann,  wenn  a|  unter  ihm  die  Lehnseigenschaft  austäm  (#.  4.  5.),  von
dem  Tage  des  Anfalls  an  eine  zweijährige  Frist.

S.  9.

Innerhalb  dieser  Fristen  ist  auch,  je  nachdem  die  Allodifikation  oder  die
Verwandlung  in  Familienfideikommiß  gewählt  wird,  die  Abfindungssumme  an
das  Depositorium  des  Gerichts,  in  welchem  das  Lehn  belegen,  zu  zahlen,  oder
bei  der  Fideikommißbehörde  eine  solche  Stiftungsurkunde  eitbikeichen  „welche
demnächst  auch  die  Bestätigung  erlangt.

C.  10.

Erfolgt  nnerhe  der  im  9.  9.  bestimmten  Fristen  überhaupt  keine  Wahl,
oder  bei  ewählter  ideikommißstiftung  doch  keine  Einreichung  der  #cbeikommif-Urkunde,
  46  gilt  die  Verwandlung  des  Lehns  in  Allode  (§.  G.  Nr.  1.)  für  gewählt.

S.  11.

Geht  das  Lehn  auf  einen  Agnaten  oder  Mitbelehnten  über,  so  erfolgt  die
Aussinandersehung  zwischen  dem  Lehnsfolger  und  den  Allodialerben,  insbesondere
die  Absonderung  des  Lehns  vom  Allodio,  sowie  die  Abfindung  der  Ehefrau  und
Töchter  des  Lehnsbesitzers  nach  den  bisher  bestehenden  Gesetzen.  Kommt  es  dabeie
auf  die  Aufnahme  einer  Lehnstaxe  an,  so  gelten  die  Vorschriften  S#§.  22.  bis  24.

.  12.
Lehne,  welche  an  dritte,  nicht  zur  lehntragenden  Familie  gehörende  Personen
erblich  und  unwiderruflich  veräußert  sind,  verlieren  die  Lehnseigenschaft,

1)  wenn  bei  einer  vor  dem  1.  Januar  1848.  erfolgten  Veräußermg  bis
zum  1.  Januar  1848,

2)  bei  einer  später  erfolgten  Veräußerung  zur  Zeit  des  Vertragsabschlusses,
keine  Lehnberechtigte  in  die  Lehns=  und  Successionsregister  eingetragen  bewesen  fin.
        <pb n="541" />
        —  365  —

G.  13.
Ist  das  Lehn  erblich  und  unwiderruflich  entweder:
1)  von  einem  lehnsfähig  beerbten  oder
2)  von  einem  zwar  nicht  lehnsfähig  beerbten  Lehnsmann,  aber

a)  an  ein  Mitglied  der  lehntragenden  Familie  oder
b)  mit  Einwilligung  des  nächsten  (resp.  bei  gleicher  Nähe  der  nächsten)
Agnaten

veräußert  worden,  und  ist  beim  Eintritt  der  Gesetzeskraft  dieses  Gesetes  von  den
Personen  des  Veräußerers  oder  seiner  lehnsfähigen  Deszendenz  oder  des  resp.  der
einwilligenden  nächsten  Agnaten  oder  ihrer  lehnsfähigen  Deszendenten  noch  Jemand
am  Leben,  so  verliert  das  Lehn  die  Lehnseigenschaft,  und  hat  der  Besitzer  vier  Prozent
des  Lehnstaxwerthes  zum  gerichtlichen  Depositorium  zu  zahlen.

.  14.

Ist  dagegen  nach  einer  Veräußerung  der  im  §.  13.  gedachten  Art  keine
der  dort  bezeichneten  Personen  beim  Eintritt  der  Gesetzeskraft  dieses  Gesetzes  am
Leben,  so  bleibt  den  Lehnberechtigten  von  diesem  Zeitpunkte  ab  noch  drei  Jahre
die  Revokationsklage  vorbehalten.  Wird  funersale  dieser  Frist  diese  Klage  nicht
angemeldet,  so  verliert  das  die  Lehnseigenschaft,  und  hat  der  Besitzer  sechs  Prozent
des  Lehnstaxwerthes  zu  zahlen.

C.  15.

Ist  die  erbliche  und  unwiderrufliche  Veräußerun  von  einem  nicht  lehnsfähig
  beerbten  bohnsmamne  an  einen  nicht  zur  Lehnsfamilie  gehörigen  Dritten
ohne  die  F.  13.  gedachte  agnatische  Einwilligung  e  —  so  verbleiben  den  nach
.  1.  zu  Mrückschet  tlichen  Ansprüche.

genden  Lehnberechtigten  ihre  lehnre

K.  16.

Hinsichlich  der  auf  Wiederkauf  oder  durch  antichretischen  Pfandvertrag
veräußerten  Lehne  bleibt  es  bei  den  desfallsigen  Verträgen  und  bisherigen  Gesetzen.
Das  agnatische  Reluitions=  und  Wiederkauftrecht  steht  jedoch  nur  den  nach  F.  1.
zu  berücksichtigenden  Lehnberechtigten  zu.

S.  17.

Das  benefücium  taxae  und  das  Revokationsrecht  findet  nach  dem  Eintritt
der  Gesetzeskraft  dieses  Gesetzes  bei  dem  nach  den  Vorschriften  desselben  allodifizirten
Lehne  nicht  ferner  statt.

Sind  vor  diesem  Zeitpunkt  über  die  Ausübung  eines  dieser  beiden  Rechte
Prozesse  durch  Insinuation  der  Klage  anhängig  geworden,  so  wird  deren  Fortsetzung
  durch  dieses  Gesetz  nicht  unterbrochen.

(Tr.  0576.)  Ist
        <pb n="542" />
        —  366  —

Ist  das  Lehn  zur  nothwendigen  Subhastation  gestellt,  so  kann  nur  derjenige
Agnat  das  benel#cium  taxae  ausüben,  welcher,  nachdem  er  zu  dem  Baus
Erklärung  der  Lehnberechtigten  über  die  Ausübung  ihrer  Lehnrechte  anberaumten
Termin  vorgeladen  ist,  sich  an  demselben  nicht  versäumt  hat.

Das  weitere  Verfahren  regelt  sich  nach  den  bisherigen  Gesetzen.

C.  18.

Gelangt  in  Gemäßheit  der  §#.  14.  15.  16.  17.  das  Gut  wieder  in  die  Hände
eines  Mitgliedes  der  lehntragenden  Familie,  so  finden  die  IS#§.  2.  bis  10.  mit  der
Maaßgabe  Anwendung,  daß  die  im  §.  8.  bestimmte  vierjährige  Frist  von  der
Erlangung  des  Besitzes  an  zu  rechnen  ist.

C.  19.

Die  Lehnseigenschaft  des  Gutes  kann  im  Hypothekenbuche  nur  auf  Grund
eines  Zeugnisses  des  Lehnshofes  darüber,  daß  das  Gut  Allode  geworden,  oder
in  ein  Fideikommiß  verwandelt  worden  ist,  gelöscht  werden.  Im  letzten  Falle
maß  gleichzeitig  mit  der  Löschung  die  neue  Eigenschaft  von  Amtswegen  bemerkt
werden.

F.  20.

Die  nach  IF.  6.  13.  und  14.  zu  zahlenden  Allodifikationssummen  dienen

um  Besten  einer  für  die  bisherige  “mmbn  Familie  bestimmten  Stiftung.
er  zur  Bildung  dieser  Stiftung  und  Feststellung  des  Statuts  erforderliche  Beschluß

  wird  in  einer  für  die  Familie  bindenden  Weise  durch  die  in  die  Lehnsund
  Surccessionsregister  eingetragenen  Häupter  der  Linien  der  Familie  gefaßt.

Bis  zur  Bestätigung  der  Stiftung  durch  das  zuständige  Gericht  werden
die  auflaufenden  Zinsen  zum  Kapital  eh  en.

Eine  Stempelabgabe  wird  für  die  Bildung  resp.  Verstärkung  der  Stiftung
nicht  erhoben.  K#

Jeder  der  nach  H.  1.  zu  berücksichtigenden  Lehnberechtigten  hat  das  Recht,
von  dem  Lehnbesitzer  die  Ausnahme  der  n  und  Zahlung  der  Allodifikationssumme
  ad  r*-  zu  fordern,  sobald  die  Verpflichtung  zu  deren  Zahlung,
nach  S#.  6.  13.  14.  eingetreten  ist.

Zweiter  Titel.
Von  der  Cehnstaxe.
§.  22.
Bei  jeder  fortan  i  Feststellung  des  Werthes  eines  Lehngutes  sind

diejenigen  landschaftlichen  Abschätzungsgrundsätze  zum  Grunde  zu  legen,  nach  welchen
die  Pommersche  Wichenn  ie  gungeganlseum  r  anfertigt.  I  E
        <pb n="543" />
        —  367  —

G.  23.

Hat  das  bei  dem  abzuschätzenden  Lehngute  befindliche  Gutsinventarium
Allodia  eigenschaft  so  wird  dessen  Werth,  soweit  es  wirthschaftlich  vorhanden  sein
muß,  nach  lan  shoftlichen  Taxgrundsätzen  festgestellt  und  von  dem  ermittelten
Gutswerth  in  Abzug  gebracht.

S.  24.

Gegen  Lehnstaxen,  welche  nach  vorstehenden  Grundsätzen  durch  die  landschaftliche
  Behörde  aufgenommen  und  durch  die  Generallandschaft  bestätigt  sind,
findet  kein  prozessualisches  Verfahren  statt;  dem  betheiligten  Berechtigten  steht  gegen
eine  solche  Taxe  nur  der  Rekurs  an  den  engeren  Ausschuß  zu,  wenn  er  bestimmte
Ausstellungen  entweder  gegen  das  Verfahren  der  Taxkommissarien,  oder  gegen
die  faktische  Grundlage  der  Taxe,  oder  endlich  gegen  die  zur  Anwendung  gebrachten
Abschätzungsnormen  zu  erheben  hat  und  die  thatsächlichen  Anführungen  gehörig
bescheinigt  sind.  -

Gegen  die  Entscheidung  des  engeren  Ausschusses  findet  eine  weitere  Beschwerde
nicht  statt.

Der  Rekurs  muß,  bei  Verlust  dieses  Rechtsmittels,  binnen  der  im  8  7.
der  Verordnung  vom  5.  Mai  1838.  vorgeschriebenen  Frist  bei  dem  die  Verhandlung
leitenden  Gerichte  angebracht  werden.

Der  Lauf  dieser  Frist  beginnt  mit  dem  auf  die  gerichtliche  Histellung  der
Taxe  oder  mit  dem  auf  Vorlegung  derselben  im  Termine  folgenden  Tage.

g.  25.
Die  Ausführung  dieses  Gesetzes  wird  dem  Justizminister  übertragen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  4.  März  1867.

#  &amp;amp;.)Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Ger.  6576—6577)  (Tr.  6577.)
        <pb n="544" />
        —  3668  —

(Nr.  6577.)  Bestätigungs=  Urkunde,  betreffend  den  von  der  Kurfürst  Friedrich-Wilhelms-Nordbahngesellschaft
  in  der  außerordentlichen  Generalversammlung  vom
27.  Dezember  1866.  beschlossenen  Statutnachtrag.  Vom  18.  Februar
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ucP

Nachdem  die  Kurfürst  Fiichrich  Wilhelms-  Nordhahngesellshaft  in  der  am
27.  Dezember  1866.  abgehaltenen  außerordentlichen  Generalversammlung  ihrer
Aktionaire  den  anliegenden  Nachtra  an  ihrem,  unter  dem  2.  Oktober  1844.
landesherrlich  bestätigten  Statut  "56  ossen  hat,  wollen  Wir  bisen  schu
gamt  dem  Nachtrage  hierdurch  bestätigen,  insbesondere  auch  genehmigen,  da
ie  Verwallung,  des  gesammten  Unternehmens  der  gedachten  Eisenbahngeselsschaft
vom  1.  Wril  dieses  Inhres  ab  unter  den  in  dem  vorerwähnten  Statutnachtrage
näher  festgesetzten  Modalitäten  vom  Staat  übernommen  werde.

Diese  Urkunde  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß
zu  bringen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  18.  Februar  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

Nach-
        <pb n="545" />
        —  369  —

Nachtrag  zum  Statute

der

Kurfuͤrst  Friedrich-Wilhelms-Nordbahn.

K.  1.

Die  Kurfürst  Friedrich-Wilhelms-Nordbahngesellschaft  führt  fortan  die
Benennung:  „Hessische  Nordbahngesellschaft.“

Die  Aktien  der  Gesellschaft  nebst  den  zugehörigen  Dividendenscheinen  werden
mit  Rücksicht  auf  die  veränderte  Firma  nach  dem  beiliegenden  Schema  umgedruckt.

C.  2.

Die  Gesellschaft  überträgt  von  dem  bei  der  landesherrlichen  Bestätigung
dieses  Statutennachtrages  von  Seiner  Majestät  dem  Könige  zu  bestimmenden
Zeitpunkte  ab  die  gesammte  Verwaltung  des  Kurfürst  Friedrich-Wilhelms-Nordbahn=
  resp.  jetzigen  Hessischen  Nordbahn-Unternehmens  an  die  Königlich  Preußische
Staatsregierung  nach  Maaßgabe  der  nachfolgenden  Bestimmungen:

1)  Zur  Leitung  der  Geschäfte  des  knternemmens  wird  eine  Königliche  Verwalungetehörde
  unter  der  Firma  „HKönigliche  Eisenbahndirektion  zu
Kassel“  von  dem  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten
eingesetzt,  welcher  innerhalb  des  ihr  zugewiesenen  Geschäftskreises  die  Rechte
und  Pflichten  einer  öffentlichen  Behörde  zustehen  sollen.  Auf  dieselbe

ehen  alle  in  dem  Statut  der  Direktion,  dem  Verwaltungsrathe  und  der
Generalversammnlung  (mt  Ausnahme  der  unter  Nr.  5.  der  Generalversammlung
  vorbehaltenen  Funktionen)  beigelsgten  Besugriss  über.
Sie  leitet  den  Betrieb  für  Rechnung  der  Gesellschaft  und  führt  die  noch
erforderlichen  Bauarbeiten  für  deren  Rechnung  aus,  so  daß  sie  in  Beder
  von  ihr  einsugehenden  Verträge  und  Verbindlichkeiten  als  Bevollmächtigte
  der  Gesellschaft  zu  betrachten  ist.  Die  Kosten  dieser  Verwaltung,
  insbesondere  auch  die  der  Königlichen  Verwaltungsbehörde  selbst
werden  aus  dem  Fonds  der  Gesellschaft  bestritten.  Seitens  des  Staats
bleibt  vorbehalten,  der  Königlichen  Direktion  auch  die  Leitung  des  Betriebes
  anderer  Bahnen  mit  zu  übertragen,  in  welchem  Falle  die  Gehälter
und  sonstigen  Kosten  der  Königlichen  Direktion  nach  der  Meilenzahl  der
verwalteten  Bahnen  unter  die  verschiedenen  Eisenbahn-Unternehmungen
vertheilt  werden.

Johrang  1867.  (Nr.  6577.)  50  2)  Um
        <pb n="546" />
        —  370  —

2)  Um  der  Geseuschan  eine  Mitwirkung  bei  der  Leitung  des  Unternehmens

3

)

zu  sichern,  soll  von  der  Generalversammlung  eine  Deputation  von  fünf
Mitgliedern,  von  welchen  drei  in  Kassel  wohnen  müssen,  die  beiden  anderen
im  e#derweitigen  Preußischen  Staatsgebiete  Lenni  sen  dürfen,  aus
der  Zahl  der  Aktionaire  zewählt  werden.  Die  Mitglieder  dieser  Deputation
  haben  während  ihrer  Funktion  zehn  Aktien  bei  der  Königlichen
Direktion  zu  deponiren.  Es  werden  ebensoviel  Stellvertreter  mit  denselben
  Bestimmungen  hinsichtlich  des  Domizils  gewählt.  Alljährlich
scheden  abwechselnd  zwei,  respektive  drei  Mitglieder  und  Stellvertreter  aus,
as  erste  Mal  nach  dem  Loose  und  später  nach  dem  Amtsalter.  Die
Stellen  der  Ausscheidenden  werden  durch  die  alljährlich  stattfindende
oivenlih  Generalversammlung  wieder  besetzt;  die  ausscheidenden  Mitglieder
  sind  wieder  wählbar.  Scheiden  Mitglieder  im  Laufe  des  Jahres
aus,  so  treten  für  sie  zunächst  nach  dem  Amtsalter,  wo  dieses  nicht  entscheide
  nach  der  Ordnung  der  anf  sie  bei  der  Wahl  gefallenen  Stimmen,
ie  Stellvertreter  als  wirkliche  Mitglieder  ein.  Die  Deputation  wählt
aus  ihrer  Mitte  einen  Vorsitzenden  und  dessen  Stellvertreter.  Ihre  Beschlüsse
  werden  kollegialisch  gefaßt.  Zur  Fassung  gültiger  Beschlüsse
müssen  mindestens  drei  Mitglieder  mitwirken.
Für  die  erste  Wahlperiode  besteht  die  Deputation  aus  den  Herren:

1)  Obergerichts-Anwalt  Dr.  Weigel  in  Kassel,

2)  Geheime  Kommerzienrath  Bleichröder  in  Berlin,

3)  Ober-Finanzrath  a.  D.  Zuschlag  in  Kassel,

4)  Bankier  Hahlo  daselbst;

5)  Bankier  Kuczynski  zu  Berlin

Ohne  Zustimmung  der  Deputation,  welche  die  Rechte  und  Interessen  der
Gesellschaft  der  Königlichen  Eisenbahndirektion  gegenüber  wahrnimmt,  soll
der  Tarif,  sowohl  für  die  Personen=  als  Güterbeförderung,  nicht  unter
die  zur  Zeit  auf  der  Cöln-Mindener  Eisenbahn  geltenden  Dapssze  ermäßigt
  werden.

Außerdem  muß  die  Deputation  in  allen  wiht  en  Angelegenheiten,
insbesondere  bei  Feststellung  und  Abänderung  der  —  und  Tarife,
sowie  bei  Felsetung  der  Dividende  mit  ihrem  Gutachten  gehört  werden,
und,  dringend  eilige  Fälle  ausgenommen,  deren  abweichende  Ansicht  von
der  Königlichen  Direktion  dem  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche
  Arbeiten  zur  Entscheidung  eingereicht  werden.  Auch  soll  die  Deutation
  über  diejenigen  Propositionen  gutachtlich  gehört  werden,  welche
in  Gemäßheit  des  F.  37.  der  Statuten  zur  Entscheidung  der  Generalversammlung
  werden  gebracht  werden.

Die  Deputation  hat  ihre  Konferenzen  an  dem  Sitze  der  Königlichen
  Direktion  zu  halten.  Die  auswärtigen  Mitglieder  erhalten  für  die
Tage,)  wo  Konferenzen  stattfinden,  drei  Thaler  Diäten  und,  soweit  sie
nicht  auf  der  Bahn  selbst  reisen,  Erstattung  ihrer  Reiseauslagen.

4)  Dieser
        <pb n="547" />
        —  371  —

4)  Dieser  Deputation  (Alinea  2.)  wird  die  Rechnung  über  die  noch  rückständigen
  Bauausführungen  und  sodann  jährlich  innerhalb  der  vier  ersten
Monate  des  folgenden  Jahres  die  Rechnung  über  den  jährlichen  Betrieb
mitgetheilt.  Diesenigen  Erinnerungen  gegen  die  Rechnungen,  welche  nicht
schon  durch  die  Königliche  Direktion  gu  erledigt  werden,  überreicht  die
Deputation  dem  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten
welchem  darüber  die  schließliche  Entscheidung  zusteht.

5)  Der  Generalversammlung  verbleibt  die  ihr  im  §.  37.  des  Statuts  eingeräumte
  Zuständigkeit.
Die  Generalversammlung  hat  in  ihrer  ordentlichen  Jahresversammlung
  die  Wahl  der  Mitgieder  der  Deputation  zu  bewirken  und  den  Bericht
  über  die  Lage  des  Unternehmens  entgegenzunehmen.

Der  Vorsitzende  der  Deputation  4  die  Generalversammlungen
einzuberufen  und  führt  in  denselben  den  Vorsitz.

Das  Unternehmen  der  Hslichen  Nordbahngesellschaft  wird  auf  den.
Bau  und  Betrieb  einer  Bahn  von  Karlshafen  über  Godelheim,  Detmold
  und  Herford  nach  Lemförde,  beziehungsweise  einem  anderen  von
der  projektirten  Bahn  von  Osnabrück  nach  Bremen  berührten  Orte  mit
Abzweigungen  nach  Bielefeld  und  Lemgo  für  den  Fall  ausgedehnt,  daß
dem  Unternehmen  von  der  Sücklich  Lippeschen  Regierung  eine  von  der
Königlichen  Direktion  und  der  Deputation  für  ausreichend  erachtete  Unterstützung
  zu  Theil  wird.

Ob  und  inwieweit  die  Mittel  zum  Bau  dieser  Bahn,  sowie  zu
den  nach  Nr.  8.  neu  zu  bildenden  Reserve=  und  euerungsfonds  im
Betrage  von  500,000  Thalern  durch  Ausgabe  neuer  Aktien,  welche  indeß
nicht  unter  Pari  begeben  werden  dürfen,  oder  duch  Ausgabe  von
Peioritäts-Obsigationen  aufgebracht  und  inwieweit  die  Besitzer  der  alten

ktien  rücksichtlich  des  Bezugsrechtes  der  neuen  Aktien  bevorzugt  werden
sollen,  wird  von  der  Königlichen  Direktion  im  Einvernehmen  mit  der
Deputation  beschlossen.

Während  der  Bauzeit  sind  die  Zinsen  der  Prioritäts-Obligationen
ebenso  wie  dieenigen  der  Stammaktien  aus  dem  Baukonto  zu  entnehmen.
Eine  Verinsung  ieser  Kapitalien  aus  den  Berriebsüberschüssen  darf  erst
von  dem  auf  die  vollständige  Eröffnung  der  neuen  Linien  folgenden
Kalenderjahre  ab  stattfinden.

Bei  Ausführung  der  im  vorigen  Alinea  näher  bezeichneten  Bahnen  kann
das  der  Staatsregierung  im  §.  17.  der  Statuten  eingeräumte  Recht
käuflicher  Ukbtemnahm  des  ganzen  Bahnunternehmens  erst  nach  Ablauf
von  30  Jahren  seit  der  Eröffnung  des  Betriebes  auf  der  neuen  Bahn
ausgeübt  werden.  Das  Ankaufsrecht  kann  aber  überhaupt  nur  ausgeübt
wehen,  nachdem  die  Verwaltung  der  Bahn  durch  den  Staat  aufgehoben
ind  a  Gesellschaft  die  eigene  Verwaltung  sechs  Jahre  lang  zugestanen
  hat.

(Nr.  6577.)  50“  8)  Die

6

7

—
        <pb n="548" />
        —  372  —

8)  Die  Staatsregierung  wird  der  esischen.  Bochbahngsels  hat#  die  bei

9

10)

der  chemaligen  Kurfuͤrstlich  Hessischen  Regierung  als  Pfand  für  das  im
Jahre  1849.  gemachte  unverzinsliche  Darlehen  im  Betrage  von
500,000  Thalern  hinterlegten  Pcsenb  een  Prioritäts-Obligationen
II.  Serie  im  Betrage  von  noch  217,500  Ahalemn  Behufs  Kassation  derselben
  urücgeben.  «

ln  der  Verpflichtung  der  Geselschas,  von  dem  bezeichneten  Darlehen
  resp.  dem  zeitweiligen  Reste  desselben  im  Betrage  von  125/000  Thalern
  alljährlich  25,000  Thaler  abzutragen,  wird  hierdurch  nichts  geändert;
jedoch  sollen  diese  25,000  Thaler  aus  dem  neu  zu  bildenden  Baufonds
genommen  werden.

Ferner  versflichtet  sich  die  Staatsregierung,  der  Hessischen  Nordbahngesellschaft
  auch  den  Rest  der  der  ehemaligen  Kurfürstlich  Hessischen
Regierung  für  den  Antheil  der  Gesellschaft  an  den  Baukosten  der  Bahn
von  Kaftt  nach  Guntershausen  in  Ahtung  gegebenen  3prozentigen
Prioritäts-Obligationen  II.  Serie  zum  Betrage  von  937,50  halern
Behufs  deren  Kassation  zurückkugewähren  und  auf  Höhe  dieser  Summe
Buchgläubigerin  der  Gesellschaft  zu  werden.

Die  Gesellschaft  verpflichtet  sich  dagegen,  diese  Schuld,  welche
während  der  Dauer  der  Verwaltung  der  Bahn  durch  den  Staat  unkündbar
  ist,  mit  jährlich  33  Prozent  zu  verzinsen  und  mit  ½  Prozent
des  Nominalbetrages  zu  amortisiren.  Sollte  die  Verwaltung  der  Bahn
nach  Maaßgabe  der  getroffenen  Bestimmungen  an  die  Gesellschaft  zurückfallen,
  so  hat  der  Staat  das  Recht  ¾  verlangen,  daß  ihm  für  den  Rest
seiner  Forderung  3prozentige  Schuldobligationen  zrrück  ewährt  werden,
welche  gleichfalls  einer  näher  zu  vereinbarenden,  rinenalls  jedoch  Ein
Prozent  des  Nominalbetrages  des  vorerwähnten  Kapitals  übersteigenden
Amortisation  unterliegen  sollen.

dlich  erklärt  sich  die  Staatsregierung  auch  damit  einverstanden,
daß  die  noch  im  Besitz  der  Gesellschaft  befindlichen  33prozentigen  Prioritäts-Obligationen
  II.  Serie  im  Betrage  von  339,000  Thalern,  welche
bisher  die  Reserven  der  Gesellchaft  bildeten,  kassirt  und  von  dem  neu
zu  bildenden  Baufonds  500),000  Thaler  für  den  Reserve=  und  Erneuerungsfonds
  vorweg  abgesetzt  werden.

Für  den  Fall,  daß  in  dem  ehemaligen  Kurfürstenthum  Hessen  die  Gesetze
vom  30.  Mai  1853.  und  21.  Mai  1859.,  betreffend  die  von  den  Eisenbahnen
  zu  entrichtende  Abgabe,  eingeführt  werden  sollten,  wird  der  F.  16.
der  Statuten  aufgehoben.

Die  Dauer  der  Verwaltung  der  Bahn  Seitens  des  Staates  wird  auf
mindestens  zehn  Jahre  festgesetzt.  Nach  Ablauf  derseben  soll  sowohl  dem
Staate  als  der  Gesellschaft  die  Kündigung  des  Verhältnisses  mit  einjährigen
  Frist  zustehen,  der  Gesellschaft  jedoch  nur  dann,  wenn  sie  zuvor
allen  Verbindlichkeiten  gegen  den  Staat  vollständig  Genüge  geleistet  hat.
Eine  Kündigung  kann  von  Seiten  der  Gesellschaft  nur  in  arelhe  Weise
wie  Abänderungen  des  Statuts  beschlossen  werden  (F.  38.  des  Statuts).

K.  3.
        <pb n="549" />
        —  373  —

sie
An  die  Stelle  der  im  F.  20.  der  Statuten  bezeichneten  öffentlichen  Blätter
treten  für  die  Folge:
1)  der  Königlich  Preußische  Staatsanzeiger,
2)  die  Kasseler  Zeitung,
3)  die  Berliner  Börsen-Zeitung,
4)  die  National-Zeitung,
5)  die  Cölnische  Zeitung.
Im  Falle  des  Eingehens  eines  dieser  Blätter  Fngt  die  Bekanntmachung  in  den
ü

übrigen,  bis  die  nächste  Generalversammlung  über  die  Wahl  eines  anderen  Blattes
an  Stelle  des  eingegangenen  Beschluß  gefaßt  hat.

S.  4.

An  die  Stelle  des  §.  32.  der  Statuten  treten  folgende  Bestimmungen:

Bei  allen  Abstimmungen  geben  je  zehn  Aktien  Eine  Stimme,  so  jedoch,
daß  auch  der  größte  Aktienbesitz  zu  nicht  mehr  als  dreißig  Stimmen  berechtigt.

st  ein  Aktionair  mugleih  Bevollmächtigter  eines  anderen  Aktionairs

kann  er,  einschließlich  des  Stimmrechts  des  letzteren,  niemals  mehr  als  sech
Stimmen  haben.

Die  Bestzer  von  weniger  als  zehn  Aktien  sind  zur  Theilnahme  an  der
Generalversammlung  —  seboch  ohne  Stimmrecht  —  befugt.

G.  5.

Die  Präsentation  der  Aktien  resp.  Certifikate  kann  außer  in  dem  Büreau
der  Gesellschaft  auch  an  einem  von  der  Direktion  näher  zu  bezeichnenden  Orte  in
Berlin  und  zwar  in  diesem  Falle  nur  bis  spätestens  fünf  Tage  vor  der  anberaumten
Generalversammlung  gültig  erfolgen.

o
ab

ir.  6577.)  Schema
        <pb n="550" />
        hren  Divich
  Ablauf

Ja

jeder  Aktie  werden
welche  na

l  von

gereicht,

ssene  Anzah
des  letzten  Jahres  durch  neue  ersetzt  werden.

ndenscheine  aus

§.  28.  des  Statuts.  Mit
Bzeine  angeme

"

r  die  Beaniten  der

eine,  welche  innerhalb
erechnet,  nicht  erhoben
nterstützungs-Fonds.

7

9
8

Jahren,
werden,  verfallen

vier

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—  —
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2.
2.S  S#
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—  —
S
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S#s
S

—  374  —
Schema  der  Aktie.

Aktie

der
Hessischen  Nordbahn-Gesellschaft
über

Einhundert  Thaler.

Inhaber  dieser  Aktie  nimmt  auf  Höhe  des  obigen  Betrages  nach

Maaßgabe  des  unter  dem  2.  Oktober  1844.  landesherrlich  bestätigten

Statuts  und  seinen  Nachträgen  vethältuifmäßig  Sheil  an  dem  gee


sammten  Etenthum,  Gewinn  und  Verlust  der  Gesellschaft.
Kassel,  den  ..  ten  .  18..
Königliche  Eisenbahn-Direktion.
(Stempel.)  (Unterschrift  zweier  Mitglieder.)

Eingetragen  im  Register  Fbol

Schema  der  Diovidendenscheine  zu  den  Aktien.

Aktie  4
Dividendenschein  Jahr  18.

Inhaber  dieses  Scheines  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  aus  der
Kasse  der  Hessischen  Nordbahn,  Gdseuschr  diejenige  Dividende,  welche
für  das  Jahr  18.  auf  die  Aktie  #..  4  fallen  und  deren  Betrag
nebst  der  Verfallzeit  von  der  Direktion  bekannt  gemacht  werden  wird.

Kassel,  den  ##  ..#ne  18..

Königliche  Eisenbahn-Direktion.
(Stempel.)  (Unterschrift  zweier  Mitglieder.)
Eingetragen  im  Register  .....

 

(Nr.  6578.)
        <pb n="551" />
        —  375  —

(Nr.  6578.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  6.  März  1867.,  betreffend  die  neue  Berliner  Bahnhofs=Verbindungsbahn.


J.,  genchmize  die  in  Ihrem  Berichte  vom  2.  März  d.  J.  für  die  neue  Berliner
Bahnhofs-Verbindungsbahn  beantragte  Richtungslinie,  deren  Feststellung  im  Einzelnen
  Ihnen  rberlafßen  bleibt,  sowie  die  bauliche  Ausführung  und  üh  Verwaltung
  der  Bahn  durch  die  Direktion  der  Niederschlesisch=  ärkischen  Eisenbahn.
Zugleich  bestimme  Ich,  daß  die  in  dem  Gesetze  über  die  Eisenba

vom  3.  November  1838.  enthaltenen  Vorschriften  über  die  Expropriation  auf
das  neue  Unternehmen  Anwendung  finden.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz.  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Berlin,  den  G.  März  1867.

Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

(Nr.  6576—6579.)  (Nr.  6579.)
        <pb n="552" />
        —  376  —

(Nr.  6579.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  13.  März  1867.)  betreffend  die  Einsetzung  einer
Königlichen  Eisenbahndirektion  und  einer  Königlichen  Kommission  für  den
Bau  der  Bebra--Hanauer  Eisenbahn.

A##  Ihrn  Bericht  vom  10.  März  d.  J.  ermächtige  Ich  Sie,  Behufs  Ausführung
  des  von  Mir  unter  dem  18.  Februar  c.  bestätigten  Nachtrages  zu  dem
Statut  der  Hessischen  Nordbahn,  sowie  in  Gemäßheit  des  daselbst  im  g.  .  dem
Staate  vorbehaltenen  Rechtes,  mit  der  Hessischen  Nordbahn  andere  Eisenbahn-Unternehmungen
  unter  eine  Verwaltung  zu  vereinigen,  für  die  Verwaltung  der
Hessischen  Nordbahn,  sowie  der  Bebra-Hanauer  Eisenbahn,  soweit  dieselbe  sich
im  Betriebe  befindet,  beziehungsweise  in  Betrieb  gesetzt  werden  wird,  eine  Be-Korde
  unter  der  Firma:  „Königliche  Eisenbahndirektion  zu  Kassel“,  sowie  für  den

au  der  noch  zu  vollendenden  Strecke  der  Bebra-Hanauer  Eisenbahn  eine  andere
Behörde  unter  dem  Namen:  „Köniiche  Kommission  für  den  Bau  der  Bebra-Hanauer
  Eisenbahn“)  einzusetzen,  welche  beide  von  Ihnen  unmittelbar  ressortiren,
in  Kassel  ihren  Sitz  nehmen  und  in  Angelegenheiten  der  ihnen  übertragenen  Geschäfte
  alle  eenfs=  und  Pflichten  einer  össmilschen  Behörde  haben  sollen.  Desleichen
  ermächtige  Ich  Sie,  die  bisher  unter  der  Firma:  „Königliche  Direktion
er  Bebra-Hanauer  Eisenbahn“  bestandene  Behörde  aufzulösen.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zu  veröffentlichen.
Berlin,  den  13.  März  1867.

Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Minister  für  Handel)  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Mlnisteriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Oofbuchdruckerei
·  (R.o.Oechet).
        <pb n="553" />
        —  377  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  24.  —

 

(Nr.  6580.)  Vertrag  zwischen  Preußen  und  Sachsen-Weimar-  Eisenach  wegen  Ausführung
einer  Eisenbahn  von  Erfurt  nach  Sangerhausen.  Vom  17.  November  1866.

Se  Majestät  der  König  von  Preußen  und  Seine  Königliche  Hert  der
Großherzog  von  Sachsen-Weimar,  von  dem  Wunsche  geleitet,  die  isenbahn.
verbindungen  zwischen  den  bedverseiigen  Staatsgebieten  zu  erweitern,  haben  zum
Behufe  einer  Hierüber  zu  treffenden  Vereinbarung  zu  Bevollmächtigten  ernannt:

Seine  Majestät  der  König  von  Preußen:
Merzöchsi  en  Geheimen  Oberbaurath  Julius  Alexander
heodor  Weishaupt,  und
Allerhöchstihren  Geheimen  Regierungsrath  Ludwig  August
Listh  Shein

Seine  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Sachsen-Weimar:


i
Alerzech  ihren  Regierungsrath  Dr.  Adolph  Volkmar
einhard,

welche,  unter  dem  Vorbehalte  der  Ratifikation,  folgenden  Vertrag  abgeschlossen
haben.

Artikel  1.

Die  Königlich  Preußische  und  die  Großherzoglich  Sichsiche  Regierung
verpflichten  sich  wechselseitig,  eine  Eisenbahn  von  Erfurt  nach  engerhausen
zuzulassen  und  zu  fördern,  und  wird  die  Großpecho  lich  Sächsische  Negierung  ie
Konzession  für  den  Bau  und  den  Betrieb  der  Bahn  nebst  dem  Rechte  der

propriation  der  zur  Anlage  der  Bahn  erforderlichen  (Grundstücke  für  die  in
Ihrem  Gebiete  belegene  Strecke  derselben  Aktien  esellchaft  ertheilen,  welche  für
die  Königlich  Preußische  Strecke  konzessionirt  werden  wird.

Jobrgang  1867.  (Nr.  6580.)  51  Ar-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  26.  März  1867.
        <pb n="554" />
        —  378  —

Artikel  2.

Die  Großhersogliche  Regierung  wird  in  Bezug  auf  die  in  Ihrem  Gebiete
belegene  Strecke  der  Eisenbahn  von  rfurt  nach  Sangerhausen  die  Bestimmungen
des  Königlich  Preußischen  Gesetzes  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen  vom
3.  November  1838.,  beziehungsweise  die  dazu  ergangenen  und  noch  ergehenden
Abänderungen  und  Ergänzungen  gleichfalls  zur  Anwendung  bringen,  soweit  in
gegenwärtigem  Vertrage  nicht  ein  Anderes  vereinbart  ist.

Artikel  3.

Bei  Ertheilung  der  Konzession  an  die  Gesellschaft  wird  die  Großherzogliche
Regierun  veselben  nach  Maaßgabe  ihres  Könglich  reußischer  Seits  bestätigten
Gesellsche  t-Statuts  auch  in  den  Großherzoglichen  Landen  die  Rechte  einer  Kororation

  zugestehen.  Die  Gesellschaft  hat  jedoch  ihr  Domizil  und  den  Sitz  ihrer

erwaltung  im  Preußischen  zu  nehmen,  besiehungeweise  zu  behalten  und  in  Bezu
auf  alle  Maaßnahmen  und  Festsetzungen,  welche  die  Verhältnisse  der  Gesauscal
als  solcher  und  die  Beaufsichtigung  und  Verwaltung  des  Unternehmens  im  A
gemeinen  betreffen,  lediglich  von  der  Königlich  Preußischen  Regierung  zu  ressortiren.
  Insbesondere  sollen  auch  die  Bestätigung  von  künftigen  Umgesalamgm
und  Abänderungen  der  Gesellschafts-Statuten,  die  Genehmigung  von  Erweiterungen
  des  Unternehmens  und  der  Anlage  neuer  Stationen,  sowie  die  Aufnahme
von  Darlehnen  und  die  Emission  neuer  Stammaktien  oder  Prioritäts-Obligationen
  der  Königlich  Preußischen  Regierung  allein  anheimgestellt  bleiben.

Auf  Verlangen  der  d  Regierung  soll  jedoch  die  Gesellschaft
ver  sechte  sein,  anderen  im  Großherzoglichen  Gebiete  anzuschließenden  Eisenbahnen

auf  dem  Bahnhofe,  welcher  in  diesem  Gebiete  anzulegen  ist  (Art.  4.),  die  Einmündung
  zu  gestatten.

Artikel  4.

Die  Bahn  soll  in  thunlichst  direkter  Richtung  von  Erfurt  über  Stotternheim
  auf  Sömmerda  durch  das  Großherzagliche  Gebiet  geführt  und  in  letzterem
ein  Bahnhof  für  Personen-  und  Güterverkehr  angelegt  werden.

Die  spezielle  Feststellung  der  Bahnlinie  wie  des  gesammten  Bauplanes
und  der  einzelnen  Bauentwürfe  bleibt  der  Königlich  Prabßschm  Regierung  vorbehalten.
  Jedoch  soll  die  landespolizeiliche  Festsetzung  der  Wegeüubergänge,  Brücken,
Durchlässe,  Flußkorrektionen  und  Parallehrege  im  Großherzoglichen  Gebiete  den
dortigen  kompetenten  Behörden  zustehen.  Dasselbe  gilt  von  der  baupolizeilichen
Prütng  der  Bahnhofsgebäude.

Artikel  5.
Der  Königlich  Preußischen  Regierung  bleibt  freigestellt,  dem  Bahnköärder
ie
        <pb n="555" />
        —  379  —

die  für  zwei  Geleise  erforderlichen  Abmessungen  geben  und  zur  Ausführung  des
zweiten  Geleises  nach  eigenem  Ermessen  schreiten  zu  lassen.

Artikel  6.

Der  Großhersoglichen  Rcgierung  verbleibt  die  Landeshoheit  hinsichtlich  der
in  Ihrem  Gebiete  belegenen  Bahnstrecke.  Die  auf  letzterer  zu  errichtenden  Hoheitszeichen
  sollen  daher  die  Großherzoglich  Siächsischen  sein.

Uebertretungen,  Vergehen  und  Verbrechen  in  Bug  auf  die  Bahnanlage
oder  deren  Betrieb  sollen,  femm  sie  im  Großherzoglichen  Gebiete  ausgeübt  sind,
von  den  betreffenden  Großherzoglichen  Behörden  untersucht  und  nach  den  dortigen
Gesetzen  beurtheilt  werden.

Der  Großherzoglichen  Negierung  bleibt  vorbehalten,  zur  Regelung  des
Verkehrs  zwischen  Ihr  und  der  Gesellschaft,  sowie  zur  Hatthah  der  Ihr
über  die  betreffende  Bahnstrecke  nach  diesem  Vertrage  zustehenden  pesü35,D  und
Hoheitsrechte  einen  ständigen  Kommissarius  zu  bestellen.  Derselbe  hat  die  Beziehungen
  seiner  Regierung  zu  der  Eisenbahnverwaltung  in  allen  Fällen  zu  vertreten,
  die  nicht  zum  direkten  gerichtlichen  oder  polizeilichen  Einschreiten  der
kompetenten  Behörden  geeignet  sind.  Die  Eisenbahnverwaltung  hat  sich  bei  Angelegenheiten
  territorialer  Natur,  welche  hiernach  von  jenem  Kommissar  ressortiren,
  an  diesen  zu  wenden.

Artikel  7.

Die  Großherzoglich  Sächsische  Regierung  wird  von  den  auf  der  Bahn  das
Großherzoglich  Sächsische  Gebiet  passirenden  ransporten  niemals  eine  Durchangsabgabe
  erheben,  desgleichen  soll  eintretenden  Falles  hinsichtlich  der  auf  dieser
St#cke  transitirenden  Güter  und  Personen  keine  den  Verkehr  irgendwie  erschwerende
  Kontrolmaaßregel  eintreten.  Auch  wird  die  Großherzogliche  Regierung  von
der  mehrbezeichneten  Eisenbahngesellschaft  weder  Konzessionsgeld  noch  irgend  eine
andere  Abgabe  fordern,  vielmehr  dieser  Gesellschaft  volle  [reihen  von  jeder  Gewerbesteuer
  und  von  Kommunalsteuern  zugestehen.  Die  Piniige  Steuer,  welche
die  Großherzogliche  Regierung  von  der  Gesellschaft  zu  erheben  berechtigt  sein  soll,
ist  die  landesuͤbliche  Grundsteuer.  ·

Artikel  8.

Die  Bahnpolizei  soll  für  das  gesmmte  Bahmumternehmen  von  Erfurt  bis
Sangerhausen  in  Gemäßheit  des  für  jedes  Staatsgebiet  besonders  zu  publizirenden
  ehwolisch.  Reglements  nach  übereinstimmenden  Grundsätzen  gehankhobt
werden.  Die  Großherzogliche  Regierung  wird  zu  diesem  Zwecke  das  von  der
Königlich  Preußischen  Regierung  festzustellende  Bahnpolizei-Reglement,  soweit
nicht  lokale  Verhältnisse  einzelne  Abweichungen  unvermeidlich  machen  möchten

(Fr.  6580)  51“  au
        <pb n="556" />
        —  380  —

auch  für  die  Bahnstrecke  in  Ihrem  Gebiete  in  Kraft  setzen.  Die  Anstellung  und
Beaufsichtigung  nicht  nur  der  Bahnpolizei-Beamten,  sondern  auch  aller  ü  rigen
Betriebsbeamten  soll  lediglich  der  Eisenbahngesellschaft  beziehungsweise  den  zuständigen
  Königlich  Preußischen  Behörden  gebühren,  im  Uebrigen  sollen  die  im  Großherzoglichen
  Gebiete  angestellten  Gesellschaftsbeamten  den  Großherzoglichen  Landesgesetzen
  unterworfen  sein.

Bei  der  Besebung  der  Bahnwärter=  und  Weeichenstellerposten  im  Großherzoglichen
  Gebiete  soll  die  Gesellschaft  verpflichtet  sein,  thunlichst  Großherzogliche
Unterthanen  zu  berücksichtigen.  Die  Königlich  Preußischen  Staatsangehörigen,
welche  bei  dem  Betriebe  im  Großherzoglichen  Gebiete  angestellt  werden  möchten,
scheiden  dadurch  aus  dem  Unterthanenverbande  ihres  Heimathslandes  nicht  aus.

Endlich  sollen  die  von  der  Königlich  Preußischen  Regierung  geprüften
Betriebsmittel  ohne  weitere  Revision  auc  in  dem  Geliele  der  Grochegoogüchen
Regierung  zugelassen  werden.

Artikel  9.

Die  Bestimmung  der  Fahrten,  Fahrzeiten  und  Trans  ortpreisé  steht  ausgargich
  der  Königlich  Preußischen  Regierung  zu.  Es  soll  jedoch  sowohl  im

ersonen-  als  im  Güterverkehr  zwischen  den  beiderseitigen  Unterthanen  weder  hinsichtlich
  der  Beförderungspreise  noch  der  Zeit  der  Abfertigung  ein  Unterschied  gemacht
  werden.

Artikel  10.

Sollte  die  Königlich  Preußische  Regierung  von  der  Gesellschaft,  sei  es  auf
Grund  der  Bestimmungen  des  §.  42.  des  Königlich  Preußischen  Eesetes  über
die  Eisenbahn-Unternehmungen  vom  3.  November  1838.  oder  im  Wege  des  Vertrages
  oder  aus  sonut  em  Rechtstitel,  die  den  Gegenstand  gegemwörtigen  Vertrages
ausmachende  Eisen  ahn  an  Sich  bringen  und  auf  diese  Weise  auch  in  Bezug
auf  die  im  Großhersoglichen.  Gebiete  belegene  Strecke  in  alle  Rechte  und  Verbindlichkeiten
  der  Gesellschaft  eintreten,  so  8  dadurch  die  Stellung  der  Großerzoglichen
  Regierung  zu  dem  Unternehmen  keine  ungünstigere  werden,  als  wenn
asselbe  im  Bcsite  der  Gesellschaft  verblieben  wäre.

Artikel  11.

Die  Großherzogliche  Regierung  gestattet  sowohl  im  eigenen  Namen,  als
auch  in  Vertretung,  bezüglicher  Mnspeche  des  mit  dem  Postwesen  aufs  Großheroglichem
  Gebiete  elnhn  Fürstlichen  Luses  Thurn  und  Taxis,  der  Königlich
zubicen  Postverwaltung  die  auf  der  Eisenbahn  von  Erfurt  nach  Sangerhausen
sich  bewegenden  Züge  in  beliebiger  Weise  und  in  beliebigem  ausan  e  zur  Beförderung
  von  Postsendungen  aller  Art  im  Transit  das  *

e-
        <pb n="557" />
        —  381  —

Gebiet  benutzen  z  lassen,  ohne  daß  diese  Verwaltung  für  dergleichen  Transporte
irgend  welche  Abgabe  zu  entrichten  hätte.

Die  Großherzogliche  Regierung  wird  der  zu  konzessionirenden  Eisenbahngesellshaft
  die  Verist  htung  auferlegen,  der  Königlich  Preußischen  Postverwaltung
ezüglich  des  auf  Großherzo“  lichem  Gebiete  belegenen  Theiles  der  Eisenbahn  dasselbe
zu  leisten,  was  die  Gesel  schaft  der  Königlich  Preußischen  Postverwaltung  gegenüber
  auf  Preußischem  Gebiete  zu  leisten  haben  wird.

Dagegen  gewährt  die  Königlich  Preußische  Postverwaltung  der  Großhervoglichen
  egierung,  beziehungswens  h  rrzische  Poooeran  ao  Miheufn
er  auf  der  in  Rede  stehenden  Eisenbahn  kursirenden  Posttransporte  innerhal
des  Großherzoglichen  Gebietes  zu  Sendungen  nach  und  von  Postanstalten
der  Bahn.  Diese  Benutzung  der  Preußischen  Posttransporte  soll  für  die  bezeich
nete  Strecke  unentgeltlich  und  nur  gegen  Erstattung  etwaiger  baarer  Auslagen
an  Eisenbahn-Frachtgebühren  geschehen.

Artikel  12.

Die  Großherzogliche  Regierung  gestattet  der  Königlich  Preußischen  Regierung
  die  Herstellung  und  Benutzung  von  Telegraphenlinien,  welche  dieselbe  längs
der  Eisenbahn  oberirdisch  oder  unterirdissh  durch  das  Großherzogliche  Gebiet  zu
führen  veranlaßt  sein  möchte,  sichert  den  Königlich  Preußischen  Telegraphenanlagen
auch  den  in  den  Landesgesetzen  begründeten  Schut  u  und  wird  der  Eisenbah.
gesellschaft  bezüglich  der  auf  dem  Großherzoglichen  Gebiete  belegenen  Bahnstrecke
dieselben  Verpflichtungen  gegen  die  Königlich  Preußische  Telegraphenverwaltung
auferlegen,  welche  die  Gesellschaft  bezüglich  der  in  Preußen  belegenen  Bahnstrecken
zu  erfüllen  haben  wird.

Der  Großherzoglichen  Regierung  wird  das  Recht  vorbehalten,  einen  innerhalb
  des  Großherzoglichen  Gebietes  herzustellenden  Telegraphen  anz  oder  streckenweiß
  in  der  vorstchend  angegebenen  Weise  an  die  in  Rede  Krpcnr  Eisenbahn
zu  legen.

Auch  soll  die  Gesellschaft  verpflichtet  werden,  die  Großherzoglichen  Staatsdepeschen
  nach  der  im  Großherzoglichen  Gebiete  anzulegenden  Station  unentgeltlich
zu  befördern,  sofern  und  so  lange  die  Benutzung  des  Bahntelegraphen  auf  der

anzen  Linie  zur  Beförderung  auch  nicht  eisenbah,dienstliher  Depeschen  von  der
Könsgich  Preußischen  Regierung  gestattet  wird.

Artikel  13.

Rücksichtlich  der  Benutzung  der  Eisenbahn  von  Erfurt  sach  Sangerhausen

zu  Zwecken  der  Militairverwaltung  ist  man  über  folgende  Punkte  übereingekommen:


1)  Für  alle  Transporte  von  Militairpersonen  oder  Militaireffekten,  welche

für  Rechnung  der  Königlich  Preußischen  oder  der  Grohherzoglichen

(Nr.  6580.)  W"i-
        <pb n="558" />
        —  382  —

Militairverwaltung  auf  der  vorgenannten  Eisenbahn  bewirkt  werden,
wird  den  beiderseitigen  Militairverwaltungen  völlige  Gleichstellung  zugesichert,
  dergestalt,  daß  die  Zahlung  dafür  an  die  Eisenbahnverwaltung
nach  ganz  gleichen  Grundsätzen  erfolgen  soll.

Wenn  in  Folge  außerordentlicher  Umstände  auf  Anordnung  einer  der
kontrahirenden  Hohen  Regierungen  größere  n.brri  auf  der
mehrgedachten  Eisenbahn  stariin-  en  Pon,  so  liegt  der  Ein  ahnverwaltung
  die  Plcht  ob,  für  diese  und  für  Sendungen  von  Waffen,  Kriegsund
  Verpflegungsbedürfnissen,  sowie  von  Militaireffekten  jeglicher  Art,
insoweit  solche  Sendungen  zur  Beförderung  auf  Eisenbahnen  überhaupt
geeignet  sind,  nohhigen.  alls  auch  außergewöhnliche  Fahrten  zu  veranstalten
  und  für  dergleichen  Transporte  ihre  Transportunttel  u  verwenden
und  in  Stand  zu  setzen,  nicht  minder  die  mit  gilsaairpersenen  besetzten
und  die  mit  illtalef.  en  beladenen,  von  einer  anstoßenden  Eisenbahn
kommenden  Transportfahrzeuge  auf  die  eigene  Bahn  zu  übernehmen  und
mit  ihren  Lokomotiven  weiter  zu  führen.

Die  Leitung  aller  solcher  Transporte  bleibt  jedoch  lediglich  dem  Dienstpersonale
  der  betreffenden  Eisenbahnverwaltung  überlassen,  desen  Anordnungen
während  der  Fahrt  unbedingt  Folge  zu  leisten  ist.  Hinsichtlich  des  an  die  Eisenbahnerwaltung
  zu  entrichtenden  Fahrgeldes  tritt,  wie  unter  1.,  eine  völlige  Gleichstellung
  der  gegenseitigen  Militairverwaltungen  ein.

Als  Fahrpreis  für  den  Transport  von  Truppen,  Militaireffekten  und  sonstigen
  Armeebedürfnissen  sollen  keine  höheren,  als  die  jeweilig  auf  den  Preußischen
Staatsbahnen  geltenden  Sätze  zur  Erhebung  gelangen.

Artikel  14.

Gegenwärtiger  Vertrag  soll  zur  landesherrlichen  Ratifikation  vorgelegt  und
die  Auswechselung  der  darüber  ausgefertigten  Urkunden  sobald  als  möglich,  spätestens
  aber  binnen  vier  Wochen,  in  Berlin  bewirkt  werden.

Dessen  zu  Urkund  ist  dieser  Vertrag  von  den  beiderseitigen  Bevollmächtigten
unterzeichnet  und  besiegelt  worden.

So  geschehen  zu  Berlin,  den  17.  November  1866.
(L.  S.)  Julius  Alexander  Theodor  Weishaupt.

(I.  8.)  Ludwig  August  Wilhelm  Heise.
(L.  S.)  Dr.  Adolph  Volkmar  Reinhard.

2

Vorstehender  Vertrag  ist  ratifizirt  worden  und  die  Auswechselung  der
Ratifikations-Urkunden  hat  stattgefunden.

 

(Fr.  6581.)
        <pb n="559" />
        –  383  —

(Nr.  6581.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  27.  November  1866.)  betreffend  die  Regelung  der
Militair  ·  Rechtspflege  2c.  in  den  neuerworbenen  Landestheilen.

J  bestimme  zur  Beseitigung  vorgekommener  Seisel-  das  Strasgesegbuch
ür  das  Preußische  Heer  vom  3.  April  1845.,  das  Gesetz,  die  Abänderungen
mehrerer  Bestimmungen  in  den  Militair-Strafgesetzen  betreffend,  vom  15.  April
nebst  der  zu  dem  letzteren  erlassenen  Ausführungsverordnung  vom  18.  Mai  1852."
die  beiden  Verordnungen  über  die  Ehrengerichte  im  Preußischen  Heere  und  über
die  Bestrafung  der  Offiziere  wegen  Zweikampfs  vom  20.  Juli  1843.,  die  Verordnung
  über  die  Disziplinarbe  gun  in  der  Armee  vom  21.  Oktober  1841.,
sowie  die  durch  Order  vom  10.  Aprik  1849.  gegebenen  Bestimmungen  über  die
Oissivlinarbestrafung  in  der  Kriegsmarine  und  die  zur  Erläuterung  und
Ergänzung  dieser  Gesetze,  Verordmugen  und  Bestimmungen  später  ergangenen
Verordnungen  und  Bestimmungen  haben  in  den)  in  Folge  des  nunmehr  beendeten
  Krieges  mit  Meinen  Staaten  verbundenen,  vormals  fremdherrlichen  Landes.-theilen
  und  Gebieten  —  unter  Aufhebung  der  bisher  für  Militairpersonen  in
diesen  Landestheilen  und  Gebieten  in  Kraft  gewesenen  Straf.  und  Disziplinaresetze,
  Verordnungen  und  Bestimmungen  —  ausschließlich  gesetzliche  Kraft  und
Gellang.  Zugleich  verordne  Ich,  daß  diejenigen  Personen  in  den  gedachten
Landestheilen  und  Gebieten,  welche  in  irgend  einer  Art  im  Militairverbande
stehen,  ohne  zum  aktiven  Dienst  herangezogen  zu  Fein  f  als  zu  den  Personen  des
Beurlaubtenstandes  gehörig  betrachtet  und  behandelt  werden  sollen.

Ich  beauftrage  das  Kriegs=  und  Marineministerium,  diese  Meine  Willensmeinung
  der  Armee  und  der  Kriegsmarine  bekannt  zu  machen  und  in  den  betesseen
  Landestheilen  zu  Jedermanns  Kenntniß  und  Nachachtung  proklamiren
zu  lassen.

Berlin,  den  27.  November  1866.
Wilhelm.
v.  Roon.

An  das  Kriegs=  und  Marineministerium.

 

Xr.  6581—6582.)  (Nr.  6582.)
        <pb n="560" />
        —  38684  —

(Nr.  6582.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  4.  März  1867.)  betreffend  die  Uebertragung  der  von
den  vormals  Hannoverschen  Militairgerichten  ausgenbten  freiwilligen  Gerichtsbarkeit
  auf  die  ordentlichen  Gerichte.

A#  Ihren  Bericht  vom  18.  Februar  d.  J.  bestimme  Ich,  daß  nach  Aufhebung
der  vormals  Hannoverschen  Militairgerichte  die  Geschäfte  derselben,  soweit  sie  nicht
sin  Kompetenz  der  gegenwärtig  bestehenden  Militairgerichte  gehören,  auf  die
ürgerlichen  Gerichte  übergehen,  und  zwar  nach  den  allgemeinen  Grundsätzen  über
deren  Zuständigkeit,  wobei,  soweit  es  arforderlich  ist,  die  Vorschriften  des  Hannoverschen
Gesches  vom  4.  Mai  1852.)  die  Uebergangsbestimmungen  in  das  neue  Prozeßverfahren
  betreffend,  anzuwenden  sind.  Letztwillige  Verstgungen  und  Depositalbestände
  2c.)  bezüglich  deren  die  ausschließliche  Kompetenz  eines  anderen  Gerichts
nicht  begründet  ist,  sind  von  dem  Amtsgerichte,  in  dessen  Bezirke  das  aufgehobene
Militairgericht  seinen  Sitz  hatte,  zu  übernehmen.

Sie  haben  diese  Meine  Order  in  gewöhnlicher  Weise  zur  öffentlichen  Kenntniß
  zu  bringen.

Berlin,  den  4.  März  1867.
Wilhelm.
v.  Roon.  Gr.  zur  Lippe.

An  den  Kriegsminister  und  den  Justizminister.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="561" />
        —  385  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  25..—

 

(Nr.  6583.)  Gesetz,  betreffend  die  den  gemeinnützigen  Aktien-Baugesellschaften  bewilligte
Sportel-  und  Stempelfreiheit.  Vom  2.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.

verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages,  für  den  Umfang  der
Monarchie,  einschließlich  des  Jadegebiets,  was  folgt:

S.  1.
Gemeinnützigen  Aktien-Baugesellschaften  wird  hierdurch  die  Sportel=  und
Stempelfreiheit  in  dem  Umfange  bewilligt,  wie  dieselbe  den  öffentlichen  Armenanstalten
  zusteht.  2

Unter  gemeinnützigen  Aktien-  Baugesellschaften  sind  solche  Aktiengesellschaften
zu  verstehen,  deren  durch  Statut  bestimmter  Zweck  ausschließlich  darauf  gerichtet
ist,  unbemittelten  Familien  gesunde  und  zweckmäßig  eingerichtete  Wohnungen  in
eigens  erbauten  oder  angekauften  Häusern  zu  billigen  Preisen  zu  verschaffen  und
deren  Statut  die  an  die  Gesellschafter  zu  vertheilende  Dividende  auf  höchstens
gn  Prozent  ihrer  Antheile  beschränkt,  auch  den  Ersellshaftern  für  den  Fall  der
Auflösung  der  Gesellschaft  nicht  mehr  als  den  Nominalwerth  ihrer  Antheile
zusichert,  den  etwaigen  Rest  des  Gesellschaftsvermögens  aber  für  gemeinnügzige

wecke  bestimmt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  2.  März  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Jehrgang  1857.  (Nr.  6583—6584.)  52  (Nr.  6584.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  3.  April  1867.
        <pb n="562" />
        —  386  —
Nr.  6584.)  Gesetz,  betreffend  das  Preußische  Medizinalgewicht.  Vom  16.  März  1867.

ir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preuhen  rc.

verordnen  für  den  Umfang  Unserer  Monarchie,  einschließlich  des  Jadegebiets,  unter
Zustimmung  beider  Häßr  des  Landtages,  was  *

1

e

Das  Pfund,  wie  solches  durch  den  F.  1.  des  Gesetzes  vom  17.  Mai
1856.  (Gesetz-Samml.  von  1856.  S.  545.),  bezie  ungwiise  .  1.  des  Eesetes
vom  26.  März  1860.  (Geseß,  Samme  von  1860.  S.  113.)  als  Einheit  des
Preußischen  Gewichts  festgestellt  ist,  soll  auch  als  Medizinalgewicht  zur  Anwendung
  tan  b  ist  E  Pfund  5r  5  u

ieses  Pfund  ist  hiernach  gleich  Einem  nde  und  5,104579  Unzen
(1  Pfund  5  Unzen  2  Skrupel  10,2  Prh  des  bisherigen  Medizinalgewichts.
.  2.

Das  Pfund  wird  als  Medizinalgewicht  in  fünfhundert  Theile  getheilt  mit
dezimaler  Unterabtheilung.

Der  fünfhundertste  Theil  des  Pfundes  erhält  den  Namen  „Gramm'".

Die  dezimalen  Unterabtheilungen  des  Gramm  werden,  ber  betreffenden
Abstufung  seines  zehnten,  hundertsten  und  tausendsten  Theils  entsprechend,  mit
den  Namen  „Dezigramm"“)  „Centigramm“"“  und  „Milligramm“  bezeichnet.

S.  3.

Die  vorstehenden  Bestimmungen  treten  mit  dem  1.  Januar  1868.  in  Kraft.

Von  diesem  Zeitpunkte  ab  dürfen  andere  als  diesem  Gesetz  entsprechende
Gewichte  in  den  Apotheken  nicht  angewendet  werden.

Die  in  den  Gesetzen  gegen  die  Benutzung  unrichtiger,  zum  Wiegen  bestimmter
  Werkzeuge  und  gegen  den  Besitz  ungestem  elter  Gewichte  angedrohten
Strafen  treten  auch  in  dem  Falle  ein,  wenn  nach  dem  genannten  Zeitpunkt  in
den  Apotheken  dem  gegenwärtigen  Gesetz  nicht  entsprechende,  wenngleich  mit  dem
Stempel  einer  Eichungsbehörde  versehene  Gewichte  benutzt  oder  vorgefunden  werden.

d.  4.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  und  der
Minister  der  geistlichen,  Unterrichts=  und  Medizinalangelegenheiten  werden  mit
der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  16.  März  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismark,  Schongausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6585.)
        <pb n="563" />
        —  387  —

Nr.  6585.)  Verordnung  über  die  vertragsmäßigen  Zinsen  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.
  Bom  18.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #c.

verordnen  für  das  Gebiet  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover,  des  Kurfürstenthums
  Hessen,  des  ehemaligen  Herzogthums  Nafan,  der  Herzogthümer  Schleswig
und  Holstein,  und  für  die  durch  das  Gesetz  vom  24.  hee  1866.  mit  der
Preußischen  Monarchie  vereinigten  bisher  Bayerischen  und  Großherzoglich  Hessischen
ebietstheile,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

F.  1.
.  Die  bestehenden  Beschränkungen  des  vertragsmäßigen  Zinssatzes  und  der
Höhe  der  Konventionalstrafen,  welche  statt  der  Zinsen  für  den  Fall  der  zur
bestimmten  Zeit  nicht  erfolgenden  Rückzahlung  eines  Darlehns  bedungen  werden,
sind  für  Darlehne,  zu  deren  Sicherheit  nicht  unbewegliches  Eigenthum  verpfändet
wird,  aufgehoben.

Dergleichen  Darlehne  kann  der  Schuldner,  auch  wenn  ein  späterer  Zahlungstermin
  verabredet  ist,  jederzeit  kündigen  und  nach  Ablauf  einer  dreimonatlichen
Frist  zurückzahlen,  sofern  der  Zinssatz  oder  die  Konventionalstrafe  sechs  Prozent
übersteigt.  2

Wird  die  Zahlung  eines  solchen  Kapitals  (.  1.)  verzögert,  so  bleibt,
wenn  ein  höherer  als  der  für  Zögerungszinsen  bestehende  Zinssatz  bedungen  war,
dieser  höhere  Zinssatz  auch  für  die  Zögerungszinsen  maaßgebend.

F.  3.

Die  privatrechtlichen  Bestimmungen  in  Ansehung  der  Jinsen  von  Zinsen
und  die  für  die  gewerblichen  Pfandleihanstalten  gegebenen  Vorschriften  werden
durch  dieses  Gesetz  nicht  geändert.

S.  4.

Diese  Berordmun,  tritt  mit  dem  Tage  ihrer  Verkündigung  in  Wirksamkeit.

Lücbmhich  unter  Unserer  Hochsteigenhendigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  18.  März  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck.  Schönhausen.  F.rh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(r.  6585—6586.)  52°  Nr.  6586.)
        <pb n="564" />
        —  388  —

(Nr.  6586.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis-Obligationen
des  Kreises  Namslau  im  Betrage  von  150,000  Thalern.  Vom  18.  Februar
  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.

Nachdem  die  Kreisstände  des  Kreises  Namslau,  Regierungsbezirks  Breslau,
auf  den  Kreistagen  am  12.  Dezember  1865.  und  28.  Juli  1866.  beschlossen
haben,  die  zur  Zeichnung  von  Stammaktien  der  zungce  uae  regbrschtol
schaft  im  Betrage  von  150,000  Thalern  erforderlichen  Geldmittel  im  Wege  einer
Mnleihe  zu  beschofen  6.  wollen  Wir  auf  den  Antrag  der  gedachten  Kreisstände:
#  diesem  Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  versehene,  Seitens
er  Gläubiger  unkündbare  Obligationen  ausstellen  zu  dürfen,  in  Gemäßheit  des
.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  zur  Ausstellung  von  Obligationen  im
etrage  von  150,000  Thalern,  welche  in  solgenden  Apoints:
37,000  Thaler  zu  1000  Thaler,
53,000  „  500  -

22500  100
15000  50
22,500  *  s  25  -

nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer  mit
gent  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu  desere

olgeordnung  vom  Jahre  1868.  ab  mit  wenigstens  jährlich  Einem  Prozent  des
Kapitals  und  dem  Betrage  der  ersparten  Imnsen  der  ausgeloosten  Obligationen
zu  tilgen  sind,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landesherrliche  Genehmigung
  mit  der  rechlüchen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder  Inhaber  dieser  Obligationen
  die  daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung  des  Eigenthums
  nachweisen  zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befugt  ist.

Das  vorstehende  Privilegium,  welches  Wir  vorbehaltich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird,  ist  durch  die  Gesetz=
  Sammlung  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

zbrtundih  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  18.  Februar  1867.

(L.  8.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

2
        <pb n="565" />
        —  389  —
Provinz  Schlesten,  Regierungebezirk  Breslau.

Obligation
des  Namslauer  Kreises

Auf  Grund  der  untten  landesherrlich  bestätigten  Kreistagsbeschlüsse
  vom  12.  Dezember  1865.  und  28.  Juli  1866.  wegen  klshe  einer
Schuld  von  150,000  Thalern  bekennt  sich  die  kreisständische  Eisenbahnkommission
des  Kreises  Namslau  durch  diese,  für  jeden  Inhaber  gilltige  Seitens  des  Gläubigers
  unkündbare  Verschreibung  zu  einer  Darlehnsschuld  von  Thalern
Preußisch  Kurant,  welcher  Betrag  an  den  Kreis  baar  gezahlt  worden  und  mit
fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  ist.

Die  Rückzahlung  der  ganzen  Schuld  von  150,000  Thalern  geschieht  vom
Jahre  1868.  ab  allmälig  aus  einem  zu  diesem  Behufe  gebildeten  Tilgungsfonds
von  wenigstens  Einem  Kre  des  ganzen  Kapitals  jährlich,  unter  Zuwachs  der
Zinsen  von  den  getilgten  Schuldraten.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  ie  Ausloosung  erfolgt  vom  Jahre  1868.  ab  in  dem
Monatet  jeden  Jahres.  Der  Kreie  behält  sich  !*7½  das  Recht  vor,
den  Tilgungsfonds  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  some  sämmtliche
noch  urlanhende  Schusdverschreibungen  zu  kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie  die
gekndigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Beichnung  ihrer  Vuchstaben,

ummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung  erfolgen
  soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.  Diese  Bekanntmachung  erfolgt  sechs,  drei,
jwe  und  Einen  Monat  vor  dem  Jahlungstermine  in  dem  Amtsblatte  der  König.
ichen  Regierung  zu  Breslau,  sowie  in  einer  zu  Breslau  erscheinenden  Zeitung.

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  u  entrichten  ist,  wird  es
in  halbjährlichen  Terminen,  am  2.  Januar  und  am  1.  Juli  jeden  Jahres,  von  heute
an  gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  gleicher  Münzsorte  mit  jenem  verzinset.

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückabe

  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,
ei  der  Kreis-Kommunalkasse  in  Namslau,  und  zwar  auch  in  der  nach  dem  Eintritt
  des  Fälligkeitstermins  folgenden  Zeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung

(Nr.  6586.)  sind
        <pb n="566" />
        —  390  —

sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.

Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren  nach
Ablauf  des  Jahres  der  Fälligkeit  nicht  erhobenen  Zinsen,  verjähren  zu  Gunsten
des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Allgemeinen  Gerichts-Ordnung  Theil  I.
Titel  51.  8  120.  sequ.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Namslau.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Virskuhnons  vor  Ablauf  der  viersährigen  Verjährungsfrist
  bei  der  Kreisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz  der
Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  sonst  in  glaubhafter
Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt  werden.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  halbjährige  Zinskupons  bis  zum
Schlusse  des  Jahres  4  ausgegeben.  Für  die  weitere  Zeit  werden  Zinskupons
auf  fünfjährige  Perioden  ausgegeben.

Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  zu  Namslau  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten
  Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der
neuen  Zinskupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren
Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der  Kreis
mit  seinem  Vermogen.

6  A#  Dessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
ertheilt.

Namslau,  dnn  19nn  18.

Die  kreisständische  Eisenbahn-Kommission  des  Kreises  Namslau.

Pro-
        <pb n="567" />
        —  391  —

Provinz  Schlesien,  Regierungsbezirk  Breslau.

.  Zins-Kupon
.....  Serie
zu  der

Kreis-Obligation  des  Kreises  Namslau
Littr  I.  über  ..  ..  .  Thaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen

ltig,  wenn  dessen  Geldhren,
  vom  Ablaufe  des

a
res  der  Fälligkeit  ab  gerechnet,  erhoben  wird.

über  ..  .  .  .  Thaler  .  .  .  .  .  Silbergroschen.
2
—*  —  —
38  Der  Inhaber  dieses  Iinsbupons,  mpfangt  gegen  dessen  Rückgabe
in  der  Zeit  vom  #nH  bii  .  .  ...  resp.  vom  .  ½
——  .  .  ..  bis.  und  Sätbien  die  Zinsen  der  vorbenannten
W  Kreis-Obligation  für  das  K  albsahr  vor  bis.
&amp;amp;mit  (in  Buchstaben)  halern  ..  ..  .  Silbergroschen  bei  der  Kreis-&amp;amp;Komnmumnalkasse
  in  Namslau.

S

2s  Namslau,  den  nn#  18.

Die  kreisständische  Eisenbahn-Kommission  des  Kreises  Namslau.

Provinz  Schlesien,  Negierungebezirk  Breelau.
Talon

zur
Kreis-Obligation  des  Kreises  Namslau.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Mückgabe  zu  der  Obligation
  des  Kreises  Namslau  Littr.  ...  Über..  Thaler  zu
.....  rozenthsendcerSene  Zinskuponö  für  die  #bert  Jahre  18.  bis
18.  bei  der  Kreis-  Kommunalkasse  zu  Namslau,  sofern  nicht  von  dem  als
seschen  gitimirten  Inhaber  der  Obligation  unl  dagegen  Widerspruch
erhoben  i

Namslau,  den  .  .  ten  ..  .  ...  18..

Die  kreisständische  Eisenbahn-Kommission  des  Kreises  Namslau.

 

(Nr.  6586—6587.)  (Nr.  6587.)
        <pb n="568" />
        —  382  —

(Nr.  6587.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  25.  Februar  1867.,  betreffend  die  Abänderung  des
§S.  4.  des  Regulativs  vom  11.  Mai  1849.  wegen  Abschätzung  des  durch
die  Schlesische  Landschaft  zu  beleihenden,  nicht  inkorporirten  Grundeigenthums.


A##  den  Bericht  vom  9.  Februar  d.  J.  genehmige  Ich,  daß

1)  der  §.  4.  des  unterm  11.  Mai  1849.  (Gesetz-Samml.  von  1849.
S.  183.)  genehmigten  Regulativs  über  die  Beleihung  des  nach  dem
Schlesischen  Landschafts-Reglement  vom  9.  Juli  1770.  von  dem  landschaftlichen
  Kreditverbande  auegeschlo  enen  ländlichen  Grmdeigenchums
und  das  darin  erwähnte,  dem  Reglement  beigefügte  Taxregulativ  aufgehoben
  wird,  und  daß

2)  an  Stelle  des  F.  4.  folgende  Bestimmung  nach  dem  Beschlusse  des
11.  Generallandtages  der  Schlesischen  Landschaft:

„Wenn  der  Darlehnssucher  die  landschaftliche  Mbschätng
beantragt,  so  wird  der  Werth  des  Grundstücks  durch  örtliche  Würdigung
  nach  denselben  landwirthschaftlich-technischen  Grundsäten
und  Vorschriften  gesucht,  welche  zur  Zeit  für  die  Abschätzung  des
der  Landschaft  inkorporirten  Gumdeigenthums  vorgeschrieben  sind.
Die  aus  der  Natur  der  Sache  sich  ergebenden  Abweichungen  hinsichtlich
  des  Verfahrens  sind  durch  von  dem  Engeren  Ausschusse  zu
Lrnehmigene  Instruktionen  vorzuzeichnen.  Die  Ausführung  der

chätzung  wird  nach  dem  Ermessen  der  Landschaftsdirektion  einem
oder  zwei  Kreistaratoren  oder  bei  größeren  Grundstücken  einer  aus
einem  Landesältesten,  einem  Kreistaxator  und  dem  Landschafts-Syndikus
  zu  bildenden  Kommission  übertragen.  Die  Zuordnung
des  Syndikus,  sowie  eines  Subalternbeamten,  steht  bei  jeder  Taxe
in  der  Befugniß  der  Landschaftsdirektion."“
zu  treten  hat.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Berlin,  den  25.  Februar  1867.

Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.
An  den  Justizminister  und  den  Minister  des  Innern.

 

Redigirt  im  Büreau  des  StaatsMinisteriums.

 

 

Verlin,  gedruckt  in  ber  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="569" />
        —  393  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

JNJNr.  26—

 

(Nr.  6588.)  Geseh,  betreffend  die  Vermehrung  des  Betriebsmaterials,  die  Herstellung  doppelter
Bahngeleise  und  nothwendiger  Ergänzungsanlagen  der  Staatsbahnen,  die
Verlegung  der  Verbindungsbahnen  zu  Berlin  und  zu  Breslau  und  die
Herstellung  einer  Eisenbahn  von  Dittersbach  nach  Altwasser  und  von
Saarbrücken  nach  Saargemünd.  Vom  9.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.
verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  was  folgt:

KC.  1.
Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  ist  ermächtigt,
für  Rechmumg  des  Staates:  ,  ’

1)  die  Hauptlinie  der  Ostbahn  von  Küstrin  bis  Eydtkuhnen  mit  einem  zweiten
Geleise  versehen,  die  Bahnhöfe  der  Ostbahn  angemessen  erweitern  und
für  die  Ostbahn  bei  Berlin  eine  Reparaturwerkstätte  ellen,

2)  das  zweite  Geleise  der  Westphälischen  Eisenbahn  auf  der  Strecke  von  Soest
bis  Altenbeken  ausbauen,  .

3)  auf  der  Strecke  der  Saarbrücker  Eisenbahn  vom  Bahnhofe  Neunkirchen
bis  zur  Grube  Reden  ein  drittes  Geleise  herstellen,

4)  eine  Eisenbahn  von  Saarbrücken  nach  Saargemünd  erbauen,

5)  die  Schlefische  Gebirgsbahn  von  Dittersbach  aus  mit  dem  Bahnhofe
sün  er  der  Breslau-Schweidnitz-Freiburger  Eisenbahn  in  Verbindung
ehen,

6)  die  Bahnhöfe  der  Niederschlesisch-Märkischen  Eisenbahn  bei  Berlin,  Breslau,
  Görlitz  und  Kohlfurt,  den  gesteigerten  Verkehrsvexhältnisten  entsprechend,
  umbauen  und  erweitern,

7)  die  Berliner  Bahnhofs-Verbindungsbahn  nach  einem  weiteren  Umkreise
der  Stadt  verlegen,  ·

„Gahrgang  1867.  (Nr.  6588.)  53  8)  die

Ausgegeben  zu  Berlin  den  6.  April  1867.
        <pb n="570" />
        —  394  —
8)  die  Bahnhofs-Verbindungsbahn  zu  Breslau  umbauen,  sowie  endlich

9)  das  Betriebsmaterial  der  Staatsbahnen  angemessen  vermehren  und  die
“32  der  Saarbrücker  Eisenbahn  zu  St.  Johann  erweitern
zu  lassen.

)2

Der  zu  diesen  Anlagen  und  Beschaffungen  erforderliche  Geldbedarf  ist,  soweit
derselbe  nicht  aus  anderweitig  disponiblen  Staatsfonds  gedeckt  werden  kanm,  bis
zur  Höhe  der  veranschlagten  Summe  von  24  Millionen  Thaler  durch  eine  verinsliche
  Anleihe  zu  beschaffen,  welche  vom  Jahre  1867.  an,  nach  Maaßgabe  der
für  die  einzelnen  Baujahre  erforderlichen  Geldmittel,  allmälig  zu  realisiren  ist.

Verwendungen  zu  den  im  F.  1.  aufgeführten  Anlagen  und  Beschaffungen,
welche  aus  anderweitig  disponiblen  Staatsfonds  erfolgen  sollen,  sind  vorher  im
Staatshaushalts-Etat  zum  Ansaß  zu  bringen  und  unterliegen  hier  der  budgetmäßigen
Beschlußnahme.  Der  Betrag  derselben  wird  gleichzeitig  von  der  Anleihesumme
in  Abzug  gebracht.

KC.  3.

Von  dem  auf  die  Eröffnung  des  Betriebes  der  neuen  Berliner  Bahnhofs-Verbindungsbahn
  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  folgenden  Jahre  ab  ist  die  Anleihe
  jährlich  mit  mindestens  Einem  Prozente  zu  tilgen.

K..  4.

Die  sur  Verzinsung  und  Tilung  der  Anleihe  erforderlichen  Beträge  sind
aus  den  etatsmäßigen  Mitteln  der  Staats-Eisenbahnverwaltung  zu  entnehmen.

g.  5.

Die  Verwaltung  der  aufzunehmenden  Anleihe  wird  der  Hauptverwaltung
der  Staatsschulden  übertragen.

Wegen  Verwendung  der  durch  allmälige  Abtragun  des  Schuldkapitals
ersparten  insen  wegen  Verjährung  der  Zinsen,  wegen  —  der  zur  Verinsung
  und  ilgung  erforderlichen  Beträge  an  die  Hauptverwallun  der  Staats-10700,
  sowie  wegen  des  Verfahrens  Behufs  der  Tilgung  finden  die  Bestimmungen
er  §#  3.  4.  und  5.  des  Gesetzes  vom  23.  März  1852.,  betreffend  die  Ueberweisung
  der  in  Gemäßheit  des  Gesetzes  vom  7.  Dezember  1849,  aufzunehmenden
An  9t%  an  die  Hauptverwaltn  der  Staatsschulden,  sowie  die  Tilgung  dieser
Anleihe  Gesck.  amml.  für  1852.  S.  75.),  Anwendung.

Dem  Staate  bleibt  das  Recht  vorbehalten,  sowohl  den  nach  vorstehenden
Bestimmungen  zu  berechnenden  Tilgungsfonds  zu  verstärken,  als  auch  die  sämmtlichen
  Schuldverschreibungen  zur  Rückzahlung  nach  sechsmonatlicher  Fristezu  kündigen,
  wogegen  der  Dlgbngssonds  niemals  verringert  werden  darf.

S.  6.
Jede  Verfügung  der  Staatsregierung  über  die  im  §F.  1.  sub  Nr.  1—  .
        <pb n="571" />
        —  395  —

bezeichneten  Eisenbahnen  resp.  Eisenbahntheile  durch  Veräußerung  bedarf  zu  ihrer
Rechtsgültigkeit  der  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages.  6  zu  ih

S.  7.
Die  Ausführung  dieses  Gesetzes  wird  dem  Finanzminister  und  dem  Minister
für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  übertragen.
Lirbundihh  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  9.  März  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6589.)  Verordnung,  betreffend  die  Prüfung  der  Kandidaten  des  höheren  Schulamts
in  den  neuerworbenen  Landestheilen.  Vom  13.  März  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rcG

verordnen  für  den  Umfang  der  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und
24.  Dezember  v.  J.  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Landestheile,  was  folgt:
I.  Die  Prüfung  der  Kandidaten  des  höheren  Schulamts  in  den  genannten
Landestheilen  ist  nach  den  in  den  älteren  Provinzen  deshalb  bestehenden
Grundsätzen  zu  regeln  und  fernerhin  in  Uebereinstimmung  damit  zu  erhalten.
II.  Unser  Minister  der  Unterrichts-Angelegenheiten  wird  ermächtigt,  die  damit
im  Widerspruche  stehenden  Bestimmungen  in  den  genannten  Ländern,
auch  soweit  dieselben  auf  landesherrlicher  Verordnung  beruhen,  aufzuheben,
und  die  erforderlichen  Poshen  über  die  Husemmensezng  und  die
Aufgaben  der  wissenschaftlichen  Prüfungskommissionen  im  Verwaltungs-.
wege  zu  treffen.
Lccheih  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  13.  März  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
v.  Möhler.

 

(Nr.  6588—6591.)  53°  (Nr.  6590.)
        <pb n="572" />
        —  396  —

(Nr.  6590.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  9.  März  1867.,  betreffend  die  Organisation  des  Eisenbahnwesens
  in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig,  sowie  in  den
neu  erworbenen  ehemals  Bayerischen  und  Großherzoglich  Hessischen
Gebietstheilen.

J.  Verfolg  Meiner  Erlasse  vom  15.  Oktober  und  15.  tn  ember  v.  J.  bel—
  Ich  auf  den  Antrag  des  Staatsministeriums  vom  8.  Mälz  d.  J.,  daß
as  Eisenbahnwesen  in  den  Herz  sogtbümern  olstein  und  Schleswig,  huie  in  den
neu  erworbenen  ehemals  Bayerischen  und  scherh  He#  en  Gebietstheilen
chon  jetzt  dem  Ressort  des  Ministeriums  fl.  fic  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche
lrbeiten  zugewiesen,  auch  die  Frankfurt-Hamburger  Eisenbahn  unter  die  Aufsicht
des  Esenkahmkommssa  —  zu  Cöln  gestellt  werde.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu
bringen.
Berlin,  den  9.  März  1867.

Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck.  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

 

(Nr.  6591.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  18.  März  1867.,  betreffend  die  Abänderung  einiger
Bestimmungen  des  Deichstatuts  für  die  Kulmer  Stadtnlederung  vom

C.  Juli  1853.

A-  Ihren  Bericht  vom  12.  d.  M.  wil  ch  dem  ¾W  des  Deich  amtes
entsprechend  genehmigen,  daß  die  5  41.  ru  2  Deich  ür  2  lmer
Stadtniederung  vom  6.  Juli  1853.  gusgcbchen  werden  echsin  29.  und  36.

der  Algemeinet  Bestimmungen  für  künftig  zu  erlassende  Dei  h0  vom  14.  November
  a853  an  zem  Sielle  kreim  K  g  zu  erlass  4

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  ½  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Berlin,  den  18.  März  1867.

Wilhelm.
v.  Selchow.
An  den  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten.

 

(Nr.  6592.)
        <pb n="573" />
        —  397  —

(Nr.  6592.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  des  von  der  Arenbergschen
  Aktiengesellschaft  für  Bergbau  und  Hüttenbetrieb  zu  Essen  in  der
Generalversammlung  vom  5.  Januar  1867.  beschlossenen  zweiten  Statutnachtrages
  zu  dem  am  9.  Februar  1857.  genehmigten  Gesellschaftsstatute.
Vom  23.  März  1867.

D.  Königs  Masjestät  baben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  18.  März
1867.  den  von  der  Generalversammlung  der  2  venbergschen  ktiengesellschaft  für
Bergbau  und  Hüttenbetrieb  zu  Essen  beschlossenen,  in  dem  notariellen  Protokolle
vom  5.  Januar  1867.  verlautbarten  zweiten  Statutnachtrag  zu  dem  am  9.  Februar
  1857.  genehmigten  Gesellschaftsstatute  zu  genehmigen  geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statutnachtrage  wird  durch  das  Amtsblatt
  der  Königlichen  Regierung  zu  Düsseldorf  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  23.  März  1867.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  bffentliche  Arbeiten.
Gr.  v.  Ictzenplitz.

 

*—  (Nr.  6593.)
        <pb n="574" />
        —  398  —

(Nr.  6593.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  des  zweiten  Nachtrages
  zu  dem  Statute  der  Werschen-Weißenfelser  Braunkohlen-Aktiengesellschaft
  zu  Weißenfels.  Vom  23.  März  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Alerhe  sten  Erlasses  vom  18.  März  1867.
den  von  der  Werschen-Weißenfelser  Braunko  Aktiengesellshaft  zu  Weißenfels
in  der  Generalversammlung  vom  12.  Oktober  v.  J.  beschlossenen  und  von  dem
Verwaltungsrathe  der  Gesellschaft  verlautbarten  „Zweiten  Nachtrag“  zu  dem  unter
dem  20.  Juli  1857.  bestätigten  Geeischaftssttut  die  Erhöhung  des  Grundkapitals
  betreffend,  zu  genehmigen  geruht

Der  Alerßöchste  Erlaß  nebst  dem  Nachtrage  wird  durch  das  Amtsblatt
der  Königlichen  Regierung  zu  Merseburg  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  23.  März  1867.

4

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  offentliche  Arbeiten.
Gr.  v.  Itzenplitz.

 

(Nr.  6594.)
        <pb n="575" />
        —  399  —

(Nr.  6594.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  25.  März  1867.,  betreffend  die  in  Gemäßheit  des  Gesetzes
  vom  16.  Februar  1867.  wegen  Uebernahme  des  Fürstlich  Thurn
und  Taxgisschen  Postwesens  auf  Preußen  aufzunehmende  StaatSanleihe
von  drei  Millionen  Thaler.

A  Ihren  Bericht  vom  21.  d.  Mts.  genehmige  Ich,  daß  die  Staatsanleihe
von  drei  Millionen  Thaler,  welche  in  Gemäßheit  des  aeetes  vom  16.  Februar
d.  I.,  betreffend  die  Uebernahme  des  Fürstlich  Thurn  und  Taxi  schen  ostwesens
auf  Preußen  (Gesetz=  Samml.  S.  353.),  aufzunehmen  ist,  in  Schuldverschreibungen
über  Einhundert  Thaler,  zweihundert  Thaler,  fünfhundert  Thaler  und  Eintausend
Thaler  ausgegeben  und  mit  vier  einhalb  Prozent  jährlich  am  1.  April  und
1.  Oktober  seden  Jahres  verzinst  werde.  Vom  Jahre  1868.  ab  ist  diese  Anleihe
jährlich  mindestens  mit  Einem  Prozent  des  Gesammtkapitals,  sowie  mit  dem

etrage  der  durch  die  fortschreitende  Amortisation  ersparten  und  der  durch  Verjährung
  erloschenen  Zinsen  zu  tilgen.  Dem  Staate  bleibt  das  Recht  vorbehalten,
*  den  hiernach  zu  berechnenden  Tilgungsfonds  zu  verstärken,  als  auch  die
ämmtlichen  Schuldverschreibungen  zur  chluns  nach  sechsmonatlicher  Frist
auf  ein  Mal  zu  kündigen.  Ich  ermächtige
zu  treffen.

Dieser  Mein  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß

  zu  bringen.

Berlin,  den  25.  März  1867.

ie,  hiernach  die  weitere  Anordnung

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.

An  den  Finanzminister.

r.  6694  6586.)  (Nr.  6595.)
        <pb n="576" />
        —  400  —

(Nr.  6595.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Ausführung  des  Hannoverschen  Gesetzes  über
das  Pfandrecht  und  die  Befriedigung  der  Gläubiger  im  Konkurse,  vom
14.  Dezember  1864.  (Hannoversche  Gesetz  Samml.  S.  556.).  Vom
29.  März  1867.

Z.  Ausführung  des  §F.  8.  des  Hannoverschen  Gesetzes  vom  14.  Dezember  1864.

über  das  Pfandrecht  und  die  Befriedigung  der  Gläubiger  im  Konkurse  wird

hierdurch  bekannt  gemacht,  daß  mit  j#ehmigung“  des  Justizministers  vom

1.  Mai  d.  J.  an  auh  für  den  Hypothekenbuchsbezirk  der  Stadt  Vu#9  ude  neben

dem  General-Hypothekenkbuche  ein  Spezial-Hypothekenbuch  geführt  werden  wird.
Berlin,  den  29.  März  1867.  -

Der  Justizminister.
Gr.  zur  Lippe.

 

(Nr.  6596.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  31.  März  1867.)  betreffend  die  in  Gemäßheit  des
Gesetzes  vom  28.  September  1866.  zur  Deckung  des  außerordentlichen
Geldbedarfs  der  Militair-  und  Marineverwaltung  aufzunehmende  Staatsanleihe
  von  30  Millionen  Thaler.

A#  Ihren  Bericht  vom  5.  d.  M.  genehmige  Ich,  daß  in  Gemäßheit  des  Gesetzes
vom  28.  September  v.  J.,  betreffend  den  außerordentlichen  Geldbedarf  der  Militairund
  Marineverwaltung  (Geseh.  Smml  S.  607.),  eine  Staatsanleihe  von
dreißig  Millionen  Thaler  ausgenommen  werde.  Die  Anleihe  ist  in  Schuldverschreibungen
  über  Einhundert  Thaler,  zweihundert  Thaler,  Mishundert  Thaler
und  Eintausend  Thaler  auszugeben,  mit  vier  und  einhalb  Prozent  jährlich  am
1.  April  und  1.  Oktober  jedes  Jahres  zu  verzinsen  und  vom  Jahre  1868.  ab
jährlich  mit  mindestens  Einem  Prozett  des  Gesammtkapitals,  sowie  mit  dem  Betrage
  der  durch  die  fortschreitende  Amortisation  ersparten  und  der  durch  Verjährung
  erloschenen  Zinsen  zu  tilgen.  Dem  Staate  bleibt  das  Recht  vorbehalten,
sowohl  den  hiernach  zu  berechnenden  Tilgungsfonds,  welcher  niemals  verringert
werden  darf,  zu  verstärken,  als  auch  die  sämmtlichen  Schuldverschreibungen  zur
Rückzahlung  nach  chsmonatlicher  Frist  zu  kündigen.  Ich  ermächtige  Sie,  hiernach
  die  weiteren  Anordnungen  zu  nehn
Dieser  Mein  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß

zu  bringen
erlin,  den  31.  März  1867.

Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.
An  den  Finanzminister.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministerlums.
Berlin)  gedruckt  in  der  Königlichen  Grheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(RN.  v.  Decker).
        <pb n="577" />
        —  401  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  27.

.

 

 

 

(Nr.  6597.)  Gemeindeverfaffungs-Gesetz  für  die  Stadt  Frankfurt  a.  M.  Vom  25.  März  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

verordnen  hiermit,  was  folgt:

F.  1.
Das  gegenwärtige  Verfassungsgesetz  soll  Geltung  haben  für  die  Stadtgemeinde
  Frcufurt  a.  M  einsch  ßsnsn  lpel  7  deren  Gemarkung.

.  2.
Der  Stadtgemeinde  Frankfurt  a.  M.  steht  die  Selbstverwaltung  ihrer
Angelegenheiten  nach  näherer  Vorschrift  dieses  Gesetzes  zu.  Sie  wird  durch
einen  Magistrat  und  eine  Stadtverordneten-Versammlung  vertreten.

G.  3.

Durch  übereinstimmenden  Beschluß  des  Magistrats  und  der  Stadtverordneten-Versammlung
  können  für  die  Stabtgemeindo  Frankfurt  a.  M.  mit  Genehmigung
  der  Regierung  statutarische  Anordnungen  getroffen  werden,  welche  jedoch
den  bestehenden  Gesetzen  nicht  widersprechen  dürfen:

1)  über  solche  An  Tegenheiten  der  Stadtgemeinde,  sowie  über  solche  Rechte
und  Pflichten  ihrer  Mitglieder,  hinsichtlich  deren  das  gegenwärtige  Gesetz
Taerschtedenhelten  gestattet,  oder  keine  ausdrücklichen  Bestimmungen
enthält;

2)  über  st  e  eigenthümliche  Verhältnisse  und  Einrichtungen,  insbesondere
auch  "  s  Herstellung  einer  etwa  als  wünschenswerth  sich  herausstellenden
  kommunalen  Verbindung  zwischen  der  Stadtgemeinde  Frankfurt
a.  M.  und  deren  Nachbargemeinden,  vorbehaltlich  der  Zustimmung  der
letzteren.  4

F.  4.

Die  Vereinigung  eines  anderen  Gemeindebezirks  mit  dem  Bezirk  der
Jshenng  1807.  (Nr.  6597,)  54  Stadt-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  9.  April  1867.
        <pb n="578" />
        —  402  —

Stadtgemeinde  Frankfurt  a.  M.  kann  nur  unter  Zustimmung  der  betheiligten
Gemeinden  und  mit  Genehmigung  des  Königs  erfolgen.

Andere  Veränderungen  des  Stadtbezirks  können  vorgenommen  werden:

1)  mit  Genehmigung  der  Regierung,  wenn  die  betheiligten  Gemeinden  und
die  Besitzer  der  betreffenden  Grundstücke  damit  rinwerstnden  sind,  oder  nur

2)  mit  Genehmigung  des  Königs,  wenn  diest  Voraussetzungen  nicht  zutreffen,
  die  Veränderung  gleichwohl  aber  als  ein  im  öffentlichen  Interesse
iegendes  dringendes  Bedürfniß  anzuerkennen  ist.

g.  5.

Die  durch  Veränderungen  des  Stadtbezirks  in  Ermangelung  einer  Einigung
  der  Becheiligten  erforderlich  werdende  Regulirung  der  Verhältnisse  erfolgt,
unbeschadet  aller  aus  privatrechtlichen  Titeln  entspringenden  Rechte  und  Pflichten,
durch  Beschluß  der  Regierung.

Von  den  Rechten  und  Pflichten  der  Einwohner  und  Burger
der  Stadtgemeinde.

)“

Alle  Einwohner  des  Stadtbezirks,  mit  Ausnahme  der  erbienerchüge
Militairdersonen  des  aktiven  Dienststandes,  gehören  zur  Stadtgemeinde  Frank.-furt
  a.  M.

Als  Einwohner  werden  alle  diejenigen  betrachtet,  welche  im  Stadtbezirke
ihren  gesetzlichen  Wohnsitz  haben.

S.  7.

Alle  Einwohner  des  Stadtbezirks  sind,  unbeschadet  der  durch  Stiftungsund
  sonstige  privatrechtliche  Titel  begründeten  besonderen  Rechtsverhältnisse,  zur
Mitbenutzung  derjenigen  öffentlichen  Anstalten  berechtigt,  welche  der  Stattgemeinde
als  solcher  gehören,  und  sind  verpflichtet,  zu  den  Gemeindelasten  nach  Vorschrift
dieses  Gesetzes  beizutragen.

S.  8.

Wer,  ohne  im  Stadtbezirke  zu  wohnen,  daselbst  Grundbesitz  hat  oder  ein
stehendes  Gewerbe  betreibt,  ist  dennoch  verpflichtet,  zu  denjenigen  Gemeindelasten
beizutragen,  welche  auf  den  Grundbesitz  oder  das  Gewerbe)  oder  auf  das  aus  jenen
Quellen  fließende  Einkommen  gelegt  sind.

Dieselbe  Verpflichtung  haben  juristische  Personen,  welche  im  Stadtbezirke
Guumdbesitz  haben,  oder  ein  stehendes  Gewerbe  betreiben.  "
        <pb n="579" />
        —  403  —

5.  9.

Alle  nicht  zu  den  Einwohnern  gehörigen  Personen,  welche  sich  im  Stadtbezirke
  seit  länger  als  drei  Monaten  aufhalten,  um  dort  ihren  Unterhalt  zu  erwerben,
sind  vom  Beginne  des  vierten  Monats  ab  zu  den  Gemeindelasten  beizutragen
verpflichtet.

K.  10.

Zu  den  Gemeindelasten,  welche  auf  den  Grundbesitz  oder  auf  das  stehende
Gewerbe,  oder  auf  das  aus  jenen  Quellen  fließende  Einkommen  gelegt  sind,  müssen
auch  die  im  §F.  6.  erwähnten  Militairpersonen  beitragen,  wenn  "6  im  Stadbtbezirke
Grundbesitz  haben,  oder  ein  stehendes  Gewerbe  betreiben.

Von  anderen  direkten  Gemeinde-Abgaben  und  Lasten  sind  dieselben,  mit  Ausnahme
  der  Militairärzte,  rücksichtlich  ihres  Einkommens  aus  einer  Civilpraxis,  frei;
von  Verbrauchssteuern  bleiben  nur  die  Militair-Speise-Einrichtungen  und  ähnliche
Anstalten  in  dem  bisherigen  Umfange  befreit.

.  11.

Die  Civil=  und  Militairbeamten,  die  auf  Inaktivitätsgehalt  gesetzten  Offiziere,
  die  Geistlichen  und  Elementarlehrer,  die  fänger  von  Wittwen--  und
anderen  Pensionen,  von  Wartegeldern,  Weisen  iehungsgeldern,  Sterbe=  und
Gnadenmonaten  sind  nur  nach  Maaßgabe  des  Wesehes  vom  li.  Juli  1822.
Geß  Samml.  S.  184.),  der  Deklaration  vom  21.  Januar  1829.  (Gesetz-Samml.

1  und  der  Kabinetsorder  vom  14.  Mai  1832.  (Gesetz=  Samml.  S.  145.)
8  den  Gemeindelasten  beizutragen  verpflichtet.  Im  Uebrigen  finden  persönliche
efreiungen  nicht  statt.
G.  12.

Ertragsunfähige,  desgleichen  die  zu  einem  öffentlichen  Dienste  oder  Gebrauche
bestimmten  Grundstücke  und  die  Dienstgrundstücke  der  Geistlichen,  Kirchendiener
und  Elementarlehrer  sind  von  den  Gemeindelasten  befreit.  Im  Uebrigen  sind
nur  zeitweilige  Befreiungen  für  neubebaute  Grundstücke  zulässig.

K.  13.

Das  Bürzerrecht  besteht  in  dem  Rechte  zur  Theilnahme  an  den  Gemeindewchlen,
  sowie  in  der  gsähigung  zur  Uebernahme  unbesoldeter  Aemter  und  Stellen
in  der  Gemeindeverwaltung  in  der  Gemeindevertretung.

Jeder  selbstständige  Preuße  erwirbt  dasselbe,  wenn  er  seit  einem  Jahre
1)  Einwohner  des  Stadtbezirks  ist  und  zur  Stadtgemeinde  gehört  (§.  6.)
2)  keine  Armenunterstützung  aus  öffentlichen  Mitteln  empfangen,

3)  die  ihn  betreffenden  Gemeindeabgaben  bezahlt  hat  und  außerden,
(Tr.  5%  1  *!  8  4*  4)  ent-
        <pb n="580" />
        —  404  —
4)  entweder
a)  ein  Wohnhaus  im  Stadtbezirke  besitzt  (.  24.),  oder
b)  ein  stehendes  Gewerbe  selbstständig  als  Haupterwerbsquelle  mit
wenigstens  zwei  Gehülfen  betreibt,  oder
JP)  ein  Jahreseinkommen  von  700  Gulden  bezieht.
Einkommen  und  Hausbesitz  der  Ehefrau  werden  dem  Ehemanne,  Einkommen

  und  Hausbesitz  der  minderjährigen,  beziehungsweise  der  in  väterlicher  Gewalt
befindlichen  Kinder  dem  Vater  angerechnet.

S.  14.

Als  selbstständig  (§.  13.)  wird  derjenige  angesehen,  der  das  vier  und  zwanste
  Lebensjahr  vollendet  und  einen  eigenen  Hausstand  hat,  sofern  ihm  das
Kecht,  über  sein  Vermögen  zu  verfügen  und  dasselbe  zu  verwalten,  nicht  durch
nichterliches  Erkenntniß  entzogen  ist.

C.  15.

Von  dem  Vorhandensein  einer  einjährigen  Dauer  der  im  HF.  13.  aufgeführten
  Erfordernisse  kann  der  Magistrat  unter  Zustimmung  der  Stadtverordneten-Versammkung
  in  einzelnen  alien  dispensiren.  In  den  Fällen,  wo  ein
Haus  durch  Vererbung  auf  einen  Anderen  übergeht,  kommt  dem  Erben  bei  Berechnung
  der  Dauer  des  einjährigen  Wohnhausbesitzes  die  Besitzzeit  des  Erb.
lassers  zu  Gute.

.  16.

Durch  Beschluß  des  Magistrats  und  der  Stadtverordneten-Versammlung
und  mit  Genehmigung  der  Rege#m  kann  nach  Maaßgabe  der  lamli
des  Gesetzes  vom  14.  Mai  1860.  (Geseh-Samml.  S.  237.)  ein  Bürgerrechtsgeld
  eingeführt  und  von  dessen  vorgängiger  Entrichtung  die  Ausübung  des  Bürgerrechtes
  abhängig  gemacht  werden.

S.  17.

Trr  Bürger  ist  verpflichtet,  eine  unbesoldete  Stelle  (Amt)  in  der  Gemeinde-Verwaltung
  oder  Vertretung  anzunehmen  und  dieselbe  mindestens  drei
Jahre  lang  zu  versehen.

.  18.
Zur  Ablehnung  oder  Niederlegung  einer  unbesoldeten  Stelle  in  der  Gemeinde-Verwaltung
  oder  Vertretung  berechtigen  nur  folgende  Gründe:
1)  anhaltende  Krankheit,
2)  Gesdft,  die  eine  häusige  oder  lange  andauernde  Abwesenheit  mit  sich
ungen,

3)  ein  Alter  von  60  Jahren,  bi
te
        <pb n="581" />
        —  405  —

4)  die  dreijährige  Wahrnehmung  der  betreffenden  oder  einer  anderen  unbesoldeten
  Stelle  für  die  nächsten  drei  Jahre,
5)  die  Verwaltung  eines  anderen  öffentlichen  Amtes,
6)  ärztliche  oder  wundärztliche  Praxis,
7)  sonstige  besondere  Verhältnisse,  welche  nach  dem  Ermessen  der  Stadtverordneten-Versammlung
  eine  gültige  Eutsshuldigung  begründen.
Wer  sich  ohne  einen  dieser  Gründe  weigert,  eine  unbesoldete  Stelle  in  der
Gemeinde-Verwaltung  oder  Vertretung  anzunehmen,  oder  die  noch  nicht  drei  Jahre
lang  wahrgenommene  Stelle  ferner  zu  versehen,  sowie  derjenige,  welcher  sich  der
Verwaltung  solcher  Stellen  thatsächlich  entzieht,  kann  durch  rlv  luß  der  Stadtverordneten-Versammlung
  mit  Genehmigung  ber  Regierung  auf  drei  bis  sechs
Jahre  der  Ausübung  des  Bürgerrechts  verüusig  erklärt  und  um  ein  Achtel  bis
ein  Viertel  stärker  zu  den  direkten  Gemeindeabgaben  herangezogen  werden.

C.  19.

Das  Bürgerrecht  geht  verloren,  sobald  eins  der  zur  Erlangung  desselben
vorgeschriebenen  Erfordernisse  bei  dem  bisher  Berechtigten  nicht  mehr  zutrifft.

Wer  in  Folge  rechtskräftigen  Erkenntnisses  der  bürgerlichen  Ehre  verlustig
geworden  ist  (§.  12.  des  Strafgesetzbuchs),  verliert  dadurch  auch  das  Bürgerrecht
und  die  Befähigung,  dasselbe  zu  erwerben.

Wem  durch  rechtskräftiges  Erkenntniß  die  Ausübung  der  bürgerlichen
Ehrenrechte  untersagt  ist  G.  21.  des  Strafgesetzbuchs),  verliert  damit  auch  das
Bürgerrecht  und  erlangt  dasselbe  erst  mit  dem  Ablauf  der  im  Erkenntnisse
bestimmten  Zeit  von  selbst  wieder.

Wer  in  Konkurs  verfällt,  verliert  das  Bürgerrecht;  dasselbe  kann  ihm
jedoch,  wenn  er  die  Befriedigung  seiner  Gläubiger  nachweist,  von  dem  Magistrate
unter  Zustimmung  der  Stadtverordneten-Versammlung  wieder  verliehen  werden.

KC.  20.

Ist  gegen  einen  Bürger  wegen  eines  Verbrechens  die  Bersezung  in  den
Anklagestand,  oder  wegen  eines  Vergehens,  welches  die  Untersagung  der  Ausübung
  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  nach  sich  ziehen  muß  oder  kann,  die  Verweisung
  an  das  Staasgerict  ausgesprochen,  oder  is  derselbe  zur  gerichtlichen  Haft
zebracht  so  ruht  die  Ausübung  des  Bürgerrechts,  bis  die  gerichtliche  Untersuchung
eziehungsweise  die  gerichtliche  Haft  beendigt  ist.

C.  21.

Der  Verlust  des  Bürgerrechts  zieht  den  definitiven  Verlust  der  das  Bürgerrecht
  als  Bedingung  voraussetzenden  Stellen  und  Aemter,  das  Ruhen  des  Bürgerrechts
  aber  die  Suspension  von  denselben  nach  sich.

6  22.
Der  Magistrat  ist  befugt,  unter  Zustimmumg  der  Stadtverordneten-Versamm-(Nr.

  6597.)  lung
        <pb n="582" />
        —  406  —

lung  Männern,  welche  sich  um  die  Stadt  verdient  gemacht  haben,  ohne  Rücksicht
auf  die  oben  gedachten  besonderen  Erfordernisse,  das  Ehrenbürgerrecht  zu  ertheilen,
wodurch  keine  Verpflichtungen  gegen  die  Stadtgemeinde  entstehen.

Von  der  Zusammensetzung  und  Wahl  der  Stadtverordneten-Versammlung.

C.  23.
Die  Stadtverordneten-Versammlung  besteht,  vorbehaltlich  anderweitiger
statutarischer  Anordnung,  aus  vier  und  fünfzig  Mitgliedern.
*i
Die  Stadtverordneten  müssen  zur  Hälfte  aus  Hausbesitzern  (Eigenthümern,
Nießbrauchern  und  solchen,  die  ein  erbliches  Besitzrecht  haben)  bestehen.
C.  25.

Die  Wahl  der  Stadtverordneten  erfolgt  bezirksweise.  Der  Nagishet
bestimmt  die  Zahl  und  die  Grenzen  der  Wahlbezirke,  sowie,  nach  Maaßgabe  der
Zahl  der  darin  wohnenden  stimmfähigen  Bürger,  die  Zahl  der  von  einem  jeden
derselben  zu  wählenden  Stadtverordneten.

d.  26.

Stadtverordnete  können  nicht  sein:

1)  diejenigen  Beamten  und  die  Mitglieder  derjenigen  Behörden,  durch  welche
die  Aufsicht  des  Staats  über  die  Stadtgemeinde  ausgeübt  wird;

2)  die  Mitglieder  des  Magistrats  und  alle  besoldeten  Gemeindebeamten;
3)  Geistliche,  Kirchendiener  und  Elementarlehrer;

4)  die  richterlichen  Beamten,  zu  denen  jedoch  die  technischen  Mitglieder  der
Handels-,  Gewerbe=  und  ähnlccher  Gerichte  nicht  zu  zählen  sind;

5)  die  Beamten  der  Staatsanwaltschaft;
6)  die  Polizeibeamten.

Vater  und  Sohn,  sowie  Brüder,  dürfen  nicht  Agleich  Mitglieder  der
Stadtverordneten-Versammlung  sein.  Sind  dergleichen  Verwandte  zugleich  gewählt,
  so  wird  der  ältere  allein  zugelassen.  »

§.27.

Die  Stadtverordneten  werden  auf  sechs  Jahre  gewählt.  Alle  zwei  Jcre
scheidet  ein  Drittheil  versesben  aus  und  wird  durch  neue  Wahlen  ersetzt.  Die
das  erste  und  zweite  Mal  Ausscheidenden  werden  durch  das  Loos  bestimmm  26
        <pb n="583" />
        —  407  —

g.  28.

Der  Magistrat  hat  jeder  Zeit  die  noͤthig  Bestimmung  zur  Ergän  ung  der
erforderlichen  Anzahl  von  Hausbesitzern  1.  4)  zu  treffen.  Ist  die  W  der
Hausbesitzer,  welche  zu  wählen  sind,  nicht  durch  die  Zahl  der  Wahlbezirke  theilbar,
so  wird  die  Vertheilung  auf  die  einzelnen  Wahlbezirke  durch  das  Loos  bewirkt.
Mit  dieser  Beschränkung  können  die  ausscheidenden  Stadtverordneten  jederzeit
wieder  gewählt  werden.

K.  29.

Eine  Liste  der  stimmfähigen  Bürger,  welche  die  erforderlichen  Eigenschaften
derselben  nachweist,  wird  vom  Magistrate  geftührt  und  alljährlich  im  Juli  berichtigt.
  Die  Liste  wird  nach  den  Wahlbezirken  eingetheilt.

g.  30.

Vom  I.  bis  15.  Juli  schreitet  der  Magistrat  zur  Berichtigung  der  Liste.

Vom  15.  bis  30.  Juli  wird  die  Liste  in  einem  oder  mehreren  in  ortsüblicher
  Weise  zur  öffentlichen  Kenntniß  gebrachten  Lokalen  in  der  Stadtgemeinde
offen  §  Während  dieser  Zeit  kann  jeder  Einwohner  der  Stadtgemeinde
gegen  die  Richtigkeit  der  Liste  bei  dem  Magistrate  Einwendungen  erheben.

Die  Stadtverordneten-Versammlung  hat  darüber  bis  zum  15.  August  zu
beschließen.  Der  Beschluß  bedarf  der  Zustimmung  des  Magistrats,  versagt  desr
die  Zustimmung,  so  ist  nach  Vorschrift  des  §.  46.  zu  verfahren.

Ist  in  diesem  Falle  über  die  Einwendungen  von  der  Regierung  entschieden,
o  findet  eine  Berufung  an  letztere  von  Seiten  desjenigen,  welcher  die  Einwenungen

  erhoben  hat,  nicht  weiter  statt;  in  allen  anderen  Fällen  steht  demselben
innerhalb  zehn  Tagen  nach  Wittheilung  des  Beschlusses  der  Stadtverordneten-Versammlung
  der  Rekurs  an  die  Regierung  zu,  welche  binnen  vier  Wochen  endültig
  entscheidet.  Soll  der  Name  eines  einmal  in  die  Liste  aufgenommenen
inwohners  wieder  ausgestrichen  werden,  so  ist  ihm  dieses  acht  Tage  vorher  von
dem  Magistrate  unter  Angabe  der  Gründe  mitzutheilen.

⅛  31.

Die  Wahlen  zur  regelmäßigen  Ergänzung  der  Stadtverordneten-Versammlung
  finden  alle  zwei  Jahre  im  November  statt.  Außergewöhnliche  Wahlen  zum
Ersatze  der  innerhalb  der  Wahlperiode  ausgeschiedenen  Mitglieder  müssen  angeordnet
  werden,  wenn  die  Stadtverordneten-  ehnung  oder  der  Magistrat  oder
die  Regierung  es  für  erforderlich  erachten.  er  Ersatzmann  bleibt  nur  bis  zum
Ende  derjenigen  sechs  Jahre  in  Thätigkeit,  auf  welche  der  Ausgeschiedene  gewählt
war.  Alle  Ergänms=  und  Ersatzwahlen  werden  von  denselben  Wahlbezirken
vorgenommen,  von  denen  der  Ausgeschiedene  gewählt  war.

Die  in  den  9  29—  31.  festgesetzten  Termine  können  durch  statutarische
Anordnung  anders  bestimmt  werden.

(Fr.  6597)  S.  32.
        <pb n="584" />
        —  408  —

§.  32.

Vierzehn  Tage  vor  der  Wahl  werden  die  in  der  Liste  verzeichneten  Gäe
durch  den  Magistrat  zu  den  Wahlen  mittelst  ortsüblicher  Bekanntmachung  berufen.
Die  Bekanntmachung  muß  das  Lokal,  die  Tage  und  die  Stunden,  in  welchen  die
Stimmen  bei  dem  Wahlvorstande  abzugeben  sind,  genau  bestimmen.

F.  33.
Der  Wahlvorstand  besteht  in  jedem  Wahlbezirke  aus  dem  Bürgermeister
oder  einem  von  deesem  ernannten  Stellvertreter  als  Vorsitzenden,  und  aus  zwei
von  der  Stadtverordneten-Versammlung  gewählten  Beisitzern.

Für  jeden  Beisitzer  wird  von  der  Stadtverordneten-Versammlung  ein
Stellvertreter  gewählt.  4
§.  34.

Das  Wahlrecht  wird  in  Person  durch  verdeckte,  in  eine  Wahlurne  niederzulegende

  Simmmzettel  ohne  Unterschrift  ausgeübt.

+t.  35.  ,
Gewäht  sind  diejenigen,  welche  bei  der  ersten  Abstimmung  die  meisten
Stimmen  un  ugleich  absolute  Stimmenmehrheit,  mehr  als  die  Häßt  der  Stimmen,
  erhalten  bo  en.

Wenn  sich  bei  der  ersten  Abstimmung  nicht  für  so  viel  Personen,  als  zu
wählen  sind,  die  absolute  Stimmenmehrheik  ergiebt,  so  wird  zu  einer  zweiten
Wahl  geschritten.

Der  Wahlvorstand  stellt  die  Namen  derjenigen  Personen)  welche  nächst
den  gewählten  die  meisten  Stimmen  erhalten  haben)  so  weit  zusammen,  daß  die
doppelte  Zahl  der  noch  zu  wählenden  Mitglieder  erreicht  wird.

Diese  Zusammenstellung  gilt  alsdann  als  die  Liste  der  Wählbaren.

Zu  der  zweiten  Wahl  werden  die  Wähler  durch  eine  das  Ergebniß  der
ersten  Wahl  angebende  Bekanntmachung  des  Wahlvorstandes  sofort  oder  Gtesens
innerhalk  acht  Tagen  aufgefordert.  Bei  der  zweiten  Wahl  ist  die  absolute  Stimmenmehrheit
  nicht  Etrderl  h.

Unter  denjenigen,  die  eine  gleiche  Anzahl  von  Stimmen  erhalten  haben,
giebt  das  Loos  den  lusschlag.  Wer  in  mehreren  Wahlbezirken  gewählt  ist,  hat
zu  erklären,  welche  Wahl  er  annehmen  will.

g.  36.

Die  Wahlprotokolle  sind  vom  Wahlvorstande  zu  unterzeichnen  und  vom
Magistrate  aufzjubewahren.  Der  Magistrat  hat  das  Ergebniß  der  vollendeten
Wahlen  sofort  bermt  zu  machen.  Gegen  das  stattgehabte  Wahlverfahren  kam
von  jedem  stimmfähigen  Bürger  innerhalb  zehn  Tagen  nach  der  Bekanntmachung
bei  der  Regierung  Beschwerde  erhoben  werden.  Bu

ei
        <pb n="585" />
        —  409  —

Bei  erheblichen  Unregelmäßigkeiten  hat  die  Regierung  die  Wahlen  auf
erfolgte  Beschwerde  oder  von  Amtswegen  innmerhalb  wani,  Tagen  nach  der
Bekanntmachung  durch  eine  motivirte  Entscheidung  für  ungültig  zu  erklären.

S.  37.

Die  bei  der  regelmäßigen  Ergingung  neu  gewählten  Stadtverordneten  treten
mit  dem  Anfange  des  nächstfolgenden  Jahres  ihre  Verrichtungen  an;  die  Ausscheidenden
  bleiben  bis  zur  Lurzefeen  der  neu  gewählten  Mitglieder  in  Thätigkeit.

Der  Magistrat  hat  die  Einführumg  der  Gewählten  und  deren  Verpflichtung
durch  Handschlag  an  Eidesstatt  anzuordnen.

Von  der  Zusammensetzung  und  Wahl  des  Magistrats.

KC.  38.

Der  Magistrat  besteht  aus  einem  ersten  Bürgermeister,  einem  zweiten  (Beigeordneten)
  Bürgermeister  als  dessen  Stellvertreter  und  soviel  theils  unbesoldeten,
theils  besoldeten  Stadträthen,  wie  die  Stadtverordneten-Versammlung  bei  ihrem
ersten  Zusammentreten  nach  Verkündigung  dieses  Gesetzes  mit  Genehmigung  der
Regierung  beschließen  wird.  Der  so  gefaßte  Beschluß  kann  demnächst  nur  durch
statutarische  Anordnung  abgeändert  werden.

S.  39.
Mitglieder  des  Magistrats  können  nicht  sein:
1)  alle  sonstigen  Gemeindebeamten;
2)  diejenigen  Beamten  und  die  Mitglieder  derjenigen  Behörden,  durch  welche
die  Aufsicht  des  Staats  über  die  Stadtgemeinde  ausgeübt  wird;
3)  Geistliche,  Kirchendiener  und  Lehrer  an  öffentlichen  Schulen;
4)  die  richterlichen  Beamten,  zu  denen  jedoch  die  technischen  Mitglieder  der
Handels-,  Gewerbe=  und  ähniccher  Gerichte  nicht  zu  zählen  sind;
5)  die  Beamten  der  Staatsanwaltschaft;
6)  die  Polizeibeamten.
Vater  und  Sohn,  Schwiegervater  und  Schwiegersohn,  Brüder  und  Schwäger,
dürfen  nicht  zugleich  Mitglieder  des  Magistrats  sein.
Ensteht  die  Schwägerschaft  im  Laufe  der  Amtsperiode,  4  scheidet  dasjenige
Mitglied  aus,  durch  welches  das  Hinderniß  herbeigeführt  worden  ist.

g.  40.

Der  erste  Bürgermeister  wird  vom  Könige  auf  zwölf  Jahre  ernannt.
Die  Stadtverordneten-Versammlung  hat  zu  dem  Ende  dem  Könige  drei
i

Jahrgang  1887.  (Nr.  6597.)  5  Kan-
        <pb n="586" />
        —  410  —

Kandidaten  zu  präsentiren.  Wird  keiner  der  letzteren  geeignet  befunden,  so  erfolgt
die  Ernennung,  ohne  daß  eine  Wiederholung  der  Präsentation  statthaft  ist.

C.  41.

Der  zweite  Bürgermeister  und  die  belelbete  Stadträthe  werden  auf
zwölf,  die  unbesoldeten  Stadträthe  auf  sechs  Jahre  von  der  Stadtverordneten-Versammlung
  gewählt.  Alle  drei  Jahre  scheidet  die  Hälfte  der  unbesoldeten
Stadträthe  aus  und  wird  durch  neue  Wahlen  ersetzt.  Die  das  erste  Mal  Ausscheidenden
  werden  durch  das  Loos  bestimmt.  Die  Ausscheidenden  können  wieder
ewählt  werden.  Wegen  der  außergewöhnlichen  Ersatzwahlen  kommen  die  Bestmmungen
  in  §.  31.  zur  Anwendung.

g.  42.

Der  gewählte  zweite  Bürgermeister  bedarf  der  Bestätigung  des  Königs.
Wird  die  Be  atigung  versagt,  so  schreitet  die  Stadtverordneten-Versammlung  zu
einer  neuen  Wahl.  Wird  auch  diese  Wahl  nicht  bestätigt,  so  ist  die  Regierung
*“  die  Stelle  einstweilen  auf  Kosten  der  Stadt  kommissarisch  verwalten
zu  lassen.

Dasselbe  findet  statt,  wenn  die  Stadtverordneten  =  Versammlung  die
Wahl  verweigern  oder  den  nach  der  ersten  Wahl  nicht  Bestätigten  wieder  erwählen
  sollte.

Die  kommissarische  Verwaltung  dauert  so  lange,  bis  die  Wahl  der  Stadtverordneten-Versammlung,
  deren  wiederholte  Vornahme  ihr  jederzeit  zusteht,  die
Bestätigung  des  Königs  erlangt  hat.

g.  43.

Für  jeden  zu  der  Stelle  des  ersten  Bürgermeisters  zu  präsentirenden  Kandidaten
  und  für  jedes  zu  wählende  Magistratsmitglied  wird  besonders  abgestimmt.
Die  Wahl  erfolgt  durch  Stimmzettel.  Wird  die  absolute  Stimmenmehrheit
bei  der  ersten  Abstimmung  nicht  erreicht,  so  werden  diejenigen  vier  Personen,
auf  welche  die  meisten  Stimmen  gefallen  sind,  auf  eine  engere  Wahl  gebracht.
Wird  auch  hierdurch  die  absolute  Ebmmenmehehiit  nicht  erreicht,  so  fimdet  unter
denjenigen  zwei  Personen,  welche  bei  der  zweiten  Abstimmung  die  meisten  Stimmen
  erhalten  haben,  eine  engere  Wahl  statt.

Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  das  Loos.

KC.  44.

Die  Mitglieder  des  Magistrats  werden  vor  ihrem  Amtsantritte  durch  den
Bürgermeister  in  öffentlicher  Sitzung  der  Stadtverordneten-Versammlung  in  Eid
und  Pflicht  genommen;  der  erste  Bürgermeister  wird  vom  Regierungspräsidenten
oder  einem  von  dem  letzteren  zu  ernennenden  Kommissar  in  öffentlicher  Sitzung
der  Stadtverordneten-Versammlung  vereidet.

Von
        <pb n="587" />
        —  411  —

Von  den  Versammlungen  und  Geschäften  der  Stadtverordneten.

KC.  45.

Die  Stadtverordneten-Versammlung  hat  über  alle  Gemeinde-Angelegenheiten
  zu  beschließen,  soweit  dieselben  nicht  ausschließlich  dem  Magistrate  überwiesen
  sind.  Sie  giebt  in  Gutachten  über  alle  Gegenstände  ab,  welche  ihr  zu
diesem  Zwecke  durch  die  Aufsichtsbehörden  vorgelegt  werden.  Ueber  andere  als
Gemeinde-Angelegenheiten  darf  sie  nur  dann  berathen)  wenn  solche  durch  besondere
Gesetze  oder  in  einzelnen  Fällen  durch  Aufträge  der  Aufsichtsbehörde  an  sie  gewiesen
  sind.

Die  Stadtverordneten  sind  an  keinerlei  Instruktionen  oder  Aufträge  der
Wähler  oder  der  Wahlbezirke  gebunden.

S.  46.

Die  Beschlüsse  der  Stadtverordneten-Versammlung  bedürfen,  wem  sie

eolche  Angelegenheiten  betreffen,  welche  durch  das  Gesetz  dem  Magistrate  zur

usführung  überwiesen  sind,  der  Zustimmung  des  letzteren.  Versagt  der  Magistrat
  die  Zustinnnung,  so  hat  er  die  Gründe  dieser  Versagung  der  Stadtverordneten-Versammlung
  mitzutheilen.  Erfolgt  bierauf  keine  Verständigung,  zu
deren  Herbeiführung  sowohl  vom  Magistrate  wie  von  der  Stadtverordneten-Versammlung
  die  Einsetzung  einer  gemeinschaftlichen  Kommission  verlangt  werden
kann,  so  ist  die  Entscheidung  der  Regierung  einzuholen.

Die  Stadtverordneten-Versammlumg  darf  ihre  Beschlüsse,  abgesehen  von
den  im  F.  4.  und  im  zweiten  Satze  des  F.  54.  vorgesehenen  Fällen,  niemals
selbst  zur  Ausführung  bringen.

S.  47.

Die  Stadwerordneten-Versammlung  kontrolirt  die  Verwaltung.  Sie  ist
daher  berechtigt,  sich  von  der  Ausführung  ihrer  Beschlüsse  und  der  Verwendung
aller  Gemeinde-Einnahmen  Ueberzeugung  zu  verschaffen.  Sie  kann  zu  diesem
Zwecke  von  dem  Magistrate  die  Einsicht  der  Akten  verlangen  und  Ausschüsse  aus
ihrer  Mitte  ernennen,  zu  welchen  der  Bürgermeister  ein  Mitglied  des  Magistrats
abzuordnen  befugt  ist.

KC.  48.

Die  Stadtverordneten-Versammlung  wählt  jährlich  aus  ihrer  Mitte  einen
Vorsitzenden  und  einen  Stellvertreter  desselben.  Sie  wählt  ebenso  jährlich,  und
war  der  Regel  nach  aus  ihrer  Mitte,  einen  Schriftführer  und  einen  Stellvertreter
vesselden  Wird  der  Schriftführer  nicht  aus  den  Stadtverordneten  gewählt,  so
ist  er  vom  Bürgermeister  in  öffentlicher  Sitzung  der  Stadtverordneten-Versammlung
  auf  sein  Amt  zu  vereidigen.  Alle  diese  Wahlen  erfolgen  in  der  F.  43.  vorgeschriebenen
  Weise.

(Xr.  6597,)  55“  S.  49.
        <pb n="588" />
        —  42  —

KG.  49.

Die  Stadtverordneten  versammeln  sich  so  oft  es  ihre  Geschäfte  erfordern.
Der  Magistrat  wird  z  allen  Versammlungen  eingeladen  und  kann  sich  durch
Abgeordnete  vertreten  lassen.  Die  Stadtverordneten  können  verlangen,  daß  Abeordnete
  des  Magistrats  dabei  anwesend  sind.  Der  Magistrat  muß  gehört  weren,
  so  oft  er  es  verlangt.

Die  Zusammenberufung  der  Stadtverordneten  gelchien.  durch  den  Vore


sitzenden;  sie  muß  erfolgen,  sobald  es  von  einem  Viertel  der  Mitglieder  oder  von
dem  Magistrate  verlangt  wird.

C.  50.

Die  Art  und  Weise  der  Zusammenberufung  wird  ein  für  alle  Mal  von
der  Stadtverordneten-Versammlung  festgestellt.

Die  Zusammenberufung  erfolgt  unter  Angabe  der  Gegenstände  der  Verbangeng
  und  zwar,  mit  Ausnahme  dringender  Fälle,  wenigstens  zwei  freie  Tage
vorher.

.  51.

Durch  Deschluf  der  Stadtverordneten-Versammlung  können  auch  regelmäßige
  Sitzungstage  festgesetzt,  es  müssen  jedoch  auch  dann  die  Gegenstände  der
Verhandlung,  mit  Ausnahme  dringender  Fälle,  mindestens  zwei  freie  Tage  vorher
den  Stadtverordneten  und  dem  Magistrate  angezeigt  werden.

S.  52.

Die  Stadtverordneten-Versammlung  kann  nur  beschließen,  wenn  mehr  als
die  Hälfte  der  Mitglieder  zugegen  ist.  Eine  Ausnahme  hiervon  findet  statt,  wenn
die  Stadtverordneten,  zum  zweiten  Male  zur  Verhandlung  über  denselben  Gegen-T
  zusammenberufen,  dennoch  nicht  in  genügender  A#ihl  erschienen  sind.  Beie

er  zweiten  Zusammenberufung  muß  auf  diese  Folge  des  Ausbleibens  ausdrücklich
hingewiesen  werden.
S.  53.

Die  Beschlüsse  werden  nach  Stimmemmehrhet  gefaßt.  Bei  Stimmengleichheit
  entscheidet  die  Stimme  des  Vorsitzenden.  Wer  nicht  mitstimmt,  wird  zwar
als  anwesend  betrachtet,  die  Stimmenmehrheit  wird  aber  lediglich  nach  der  Scht
der  Stimmenden  berechnet.

b.  54.
An  Verhandlungen  über  Rechte  und  Verpflichtungen  der  Stadtgemeinde
dab  derjenige  nicht  Theil  nehmen,  dessen  Interesse  mit  dem  der  Gemeinde  im
Widerspruche  steht;  kann  wegen  dieser  Ausschließung  eine  beschlußfähige  Versammlung
  nicht  gehalten  werden,  so  hat  der  Magistrat,  oder,  wenn  auch  dieser
aus  dem  vorgedachten  Grunde  einen  gültigen  Beschluß  zu  fassen  nicht  e
r  "  “
        <pb n="589" />
        —  413  —

C.  64.),  die  Regierung  für  die  Wahrung  des  Gemeinde-Interesses  zu  sorgen
und  nöthigenfalls  einen  besonderen  Vertreter  für  die  Stadtgemeinde  zu  bestellen.

Sollte  ein  Prozeß  der  Stadtgemeinde  gegen  alle  oder  mehrere  Mitglieder
des  Magistrats  aus  Veranlassung  ihrer  Amtsführung  nothwendig  werden,  so  hat
die  Regierung  auf  Antrag  der  Stadtverordneten-Versammlung  zur  Führung  des
Prozesses  einen  Anwalt  zu  bestellen.

"  55.
Die  Sitzungen  der  Stadtverordneten-Versammlun  sind  öffentlich.  Für

einzelne  Gegenstände  kann  durch  besonderen  Beschluß,  welcher  in  geheimer  Sitzung
gefaßt  wird,  die  Oeffentlichkeit  ausgeschlossen  werden.

S.  56.

Der  Vorsitzende  leitet  die  Verhandlungen,  eröffnet  und  schließt  die  Sitzungen
und  handhabt  die  Ordnung  in  der  Versammlung.  Er  kann  jeden  Zubuer  aus
dem  Sitzungszimmer  entfernen  lassen,  welcher  öffentliche  Zeichen  des  Beifalls  oder
des  Mißfallens  giebt,  oder  Unruhe  irgend  einer  Art  verursacht.

g.  57.

Die  Beschlüsse  der  Stadtverordneten-Versammlung  und  die  Namen  der
dabei  anwesend  gewesenen  Mitglieder  sind  in  ein  besonderes  Buch  einzutragen.
Sie  werden  von  dem  Vorsitzenden  und  wenigstens  drei  Mitgliedern  unterzeichnet.

Dem  Magistrate  müssen  alke  Beschlüsse  der  Stadtverordneten-Versammlung,
auch  diejenigen,  welche  ihm  durch  das  Gesetz  zur  Ausführung  nicht  überwiesen
sind,  milgethei,.  werden.

G.  58.

Der  Stadtverordneten-Versammlung  bleibt  überlassen,  unter  Zustimmung
des  Magistrats  eine  Geschäftsordnung  abzufassen  und  darin  Zuwiderhandlungen
der  Mitglieder  gegen  die  zur  Aufrechthaltung  der  Ordnung  cgebenen  Vorschriften
mit  Strafen  zu  belegen.  Diese  Strafen  können  nur  in  G#  dbußen  bis  zu  zehn
Gulden,  und  bei  mehrmals  wiederholten  Zuwiderhandlungen  in  der  auf  eine
gewisse  Zeit  oder  für  die  Dauer  der  Wahlperiode  zu  verhängenden  Ausschließung
aus  der  Versammlung  bestehen.

Versagt  der  Magistrat  seine  Zustimmung,  so  tritt  das  in  F.  46.  vorgeschriebene
  Verfahren  ein.

,59.

Die  Stadtverordneten-Versammlung  beschließt  über  die  Benutzung  des
Gemeindevermögens.  Ueber  das  Vermögen,  welches  nicht  der  Gemeinde-Korporation
  als  solcher  gehört,  hat  sie  nur  insoweit  zu  beschließen,  als  sie  dazu
durch  Stiftungs=  oder  sonstige  besondere  Rechtstitel  berufen  ist.

Or.  6597.)  .  60.
        <pb n="590" />
        —  414  —

C.  60.
Die  Genehmigung  der  Regierung  ist  erforderlich:

1)  zur  Veräußerung  von  Grundstücken  und  solchen  Gerechtsamen,  welche
jenen  gesetzlich  gleichgestellt  sind.  Die  Negierung  ist  entstehenden  Falls
befugt,  die  Formen  vorzuschreiben,  in  denen  die  Veräußerung  stattfinden
  soll;

2)  zur  Veräußerung  oder  wesentlichen  Veränderung  von  Sachen)  welche
einen  besonderen  wissenschaftlichen,  historischen  oder  Kunstwerth  haben,
namentlich  von  Archiven;

3)  zu  Anleihen,  durch  welche  die  Gemeinde  mit  einem  Schuldenbestande
belastet  oder  der  bereits  vorhandene  vergrößert  wird,  und

4)  zu  Veränderungen  in  dem  Genusse  von  Gemeindenutzungen  (Wald,
Weide,  Haide,  Torfstich  und  dergleichen).

C.  61.

Die  Theilnahme  an  den  Gemeindenutzungen  G.  60.  Nr.  4.)  kann,  soweit
der  Anspruch  auf  dieselbe  nicht  aus  privatrechtlichen  Titeln  herzuleiten  ist,  durch
Beschluß  des  Magistrats  und  der  Stadtverordneten-Versammlung  und  mit  Genehmigung
  der  Regierung  von  der  Entrichtung  einer  aähriichen  Abgabe  und,
anstatt  oder  neben  derselben,  von  der  Entrichtung  eines  Einkaufsgeldes  abhängig
gemacht  werden.

KG.  62.
Soweit  die  Einnahmen  aus  dem  Gemeindevermögen  zur  Deckung  der

Geldbedürfnisse  der  Stadtgemeinde  nicht  ausreichen,  kann  die  Stadtverordneten-Versammlung
  die  Aufbringung  von  Gemeindesteuern  beschließen.

Diese  könmen  bestehen:
I.  In  Zuschlägen  zu  den  Staatssteuern  mit  folgenden  Maaßgaben:

1)  die  Steuer  für  den  Gewerbebetrieb  im  Umherziehen  darf  nicht
belastet  werden;

2)  bei  Zuschlägen  zur  Klassen=  und  Einkonmnensteuer  muß  derjenige
Theil  des  besteuerten  Gesammteinkommens,  welcher  aus  dem  in  einer
anderen  Gemeinde  gelegenen  Grundbesitz  oder  aus  dem  in  einer
anderen  Gemeinde  betriebenen  stehenden  Gewerbe  fließt,  und  in  dieser
letzteren  Gemeinde  einer  besonderen  Gemeindebesteuerung,  gemäß  F.  S.,
unterworfen  ist,  bis  auf  Höhe  dieses  Steuerbetrages  von  den  Zuschlägen
  in  der  Gemeinde  des  Wohnortes  frei  gelassen  werden;

3)  die  Genehmigung  der  Regierung  ist  erforderlich:

a)  für  Zuschläge  zu  den  direkten  Steuern,  wenn  der  Zuschlag  entweder
        <pb n="591" />
        —  415  —

weder  funfzig  Prozent  der  Staatssteuern  übersteigen,  oder  nicht
nach  gleichen  Sätzen  auf  diese  Steuern  vertheilt  werden  soll.
Zur  Freilassung  oder  geringeren  Belastung  der  letzten  Klassensteuerstufe
  bedarf  es  jedoch  dieser  Genehmigung  nicht;

b)  für  Zuschläge  zu  den  indirekten  Steuern;

II.  in  besonderen  direkten  oder  indirekten  Gemeindesteuern,)  diese  bedürfen  der

Genehonsgur  der  Regierung,  wenn  sie  neu  eingeführt,  erhöht,  oder  in

ihren  Günio  verändert  werden  sollen.  Die  Bestimmung  unter  I.  2.

kommt  auch  bei  besonderen  Gemeinde-Einkommensteuern  zur  Unwenhung.

Die  zur  Zeit  bestehenden  Gemeindesteuern  werden  der  Prüfung  und  Genehmigung

  durch  die  Regierung  unterworfen.  »

Gegen  Uebertretungen  der  über  Erhebung  von  Gemeindesteuern  zu  erlassenden,

  von  der  Regierung  zu  genehmigenden  Regulative  können  durch  besondere

Verordnung  Stüeen  bis  7  Höôhe  von  zwanzig  Gulden  vorgesehen  werden;

solche  Verordnungen  sind  in  der  Form  der  ortspolizeilichen  Verordnungen  bekannt
  zu  machen.

Von  den  Geschäften  des  Magistrats.

F.  63.
Der  Magistrat  hat  insbesondere  folgende  Geschäfte:

1)  die  Gesets  und  Verordnungen,  sowie  die  Verfügungen  der  ihm  vorgesetzten
  Behörden  auszuführen;

2)  die  Beschlüsse  der  Stadtverordneten-Versammlung  vorzubereiten  und,
sofern  er  sich  mit  denselben  einverstanden  erklärt,  zur  Ausführung  zu
bringen.

Der  Magistrat  ist  verpflichtet,  die  Zustimmung  und  Ausführun
zu  versagen,  wenn  von  der  Stadtverordneten-Versammlung  ein  MWinß
gefaßt  ist,  welcher  deren  Befugnisse  überschreitet  oder  sonst  gesetz=  oder
rechtswidrig  ist,  oder  das  Staatswohl  oder  das  Gemeinde-Interesse  verletzt.
In  Fällen  dieser  Art  ist  nach  den  Bestimmungen  in  F.  16.  zu  verfahren;

3)  die  Gemeinde-Anstalten  zu  verwalten  und  diejenigen,  für  welche  besondere
Verwaltungen  eingesetzt  sind,  zu  beaufsichtigen;

4)  die  Einkünfte  der  Stadtgemeinde  zu  verwalten,  die  auf  dem  Etat  oder
auf  besonderen  Beschlüssen  der  Stadtverordneten-Versammlung  beruhenden
Einnahmen  und  Ausgaben  anzuweisen  und  das  Rechnungs-  und  Kassenwesen
  zu  überwachen.  Von  jeder  regelmäßigen  Kassenrevision  ist  der
Stadtverordneten-Versammlung  Kenntniß  zu  geben,  damit  sie  ein  Mitglied
  oder  mehrere  abordnen  könne,  um  derselben  beizuwohnen;  bei  außerordentlichen
  Kassenrevisionen  ist  der  Vorsitzende  oder  ein  von  demselben

(Nr.  6597.)  ein
        <pb n="592" />
        —  416  —

ein  für  alle  Mal  bezeichnetes  Mitglied  der  Stadtverordneten-Versammlung
zuzuziehen;

5)  das  Eigenthum  der  Stadtgemeinde  zu  verwalten  und  ihre  Rechte  zu
wahren;

6)  die  Gemeindebeamten,  nachdem  die  Stadtverordneten-Versammlung  darüber
  vernommen  worden,  anzustellen  und  zu  beaufsichtigen.  Die  Anstellung
  erfolgt,  soweit  es  sich  nicht  um  vorübergehende  Dienstleistungen
handelt,  auf  Lebenszeit;  diejenigen  Unterbeamten,  welche  nur  zu  mechanischen
  Dienstleistungen  bestimmt  sind,  können  jedoch  auf  Kündigung
angenommen  werden.  Die  von  den  Gemeindebeamten  zu  leistenden
Kautionen  bestimmt  der  Magistrat  nach  Anhörung  der  Stadtverordneten-Versammlung;


7)  die  Urkunden  und  Akten  der  Stadtgemeinde  aufzubewahren;

8)  die  Stadtgemeinde  nach  Außen  zu  vertreten  und  Namens  derselben  mit
Behörden  und  Privatpersonen  zu  verhandeln,  den  Schriftwechsel  zu  führen
  und  die  Gemeinde-Urkunden  in  der  Urschrift  zu  vollziehen.  Die  Ausfertigungen
  der  Urkunden  werden  Namens  der  Stadtgemeinde  von  dem

ürgermeister  oder  seinem  Stellvertreter  gültig  unterzeichnet;  werden  in
denselben  Verpflichtungen  der  Stadtgemeinde  übernommen,  so  muß  noch
die  Unterschrift  eines  anderen  Mazistratmitgliches  hinzukommen;  in
Fällen,  wo  die  Genehmigung  der  Regierung  erforderlich  ist,  muß  dieselbe
  in  beglaubigter  Form  der  gedachten  Ausernen  beigefügt  werden;

9)  die  Gemeinde-Abgaben  nach  den  Gesetzen  und  Beschlüssen  auf  die  Verpflichteten
  zu  verbeien  und  die  Beitreibung  zu  bewirken.

C.  64.

Der  Magistrat  kann  nur  beschließen,  wenn  mindestens  die  Hälfte  seiner
Mitglieder  zugegen  ist.  Die  Beschlüsse  werden  nach  Stimmenmehrheit  gefaßt.
Bei  Stimmengleichheit  ist  die  Stimme  des  Vorsitzenden  entscheidend.  Den
Vorsitz  führt  der  erste  Bürgermeister  oder  sein  Stellvertreter.  Der  Vorsitzende
ist  verpflichtet,  wenn  ein  Beschluß  des  Magistrats  dessen  Befugnisse  überschreitet,
esetz=  oder  rechtswidrig  ist,  das  Staatswohl  oder  das  Gemeinde-Interesse  veretzt,
  die  Ausführung  eines  seichen  Beschlusses  zu  beanstanden  und  die  Entscheidung
  der  Regierung  einzuholen.

Der  zweite  Bürgermeister  nimmt  auch  außer  dem  Falle  der  Stellvertretung
  an  den  Verhandlungen  und  Beschlüssen  Theil.

Bei  Berathungen  über  solche  Gegenstände,  welche  das  Privatinteresse
eines  Mitgliedes  des  Magistrats  oder  seiner  Angehörigen  berühren,  muß  dasselbe
sich  der  Theilnahme  an  der  Berathung  und  Abstimmung  enthalten,  auch  sich
während  der  Berathung  aus  dem  Sitzungszimmer  entfernen.

g.  66.
        <pb n="593" />
        g.  65.
Der  Bürgermeister  leitet  und  beaufsichtigt  die  gesammte  Gemeinde-Verwaltung.
In  allen  Fällen,  wo  die  vorherige  Beschlußnahme  durch  den  Magistrat
einen  nachtheiligen  Zeitverlust  verursachen  würde,  muß  der  Bürgermeister  die  dem
Magistrate  obliegenden  Geschäfte  vorläufig  allein  besorgen,  jedoch  dem  letzteren  in
der  nächsten  Sitzung  Behufs  der  Bestätigung  oder  anderweitigen  Beschlußnahme
Bericht  erstatten.
Zur  Erhaltung  der  nöthigen  Disziplin  steht  ihm  das  Recht  zu,  den  Gemeindebeamten
  Geldbußen  bis  zu  sechs  Gulden  und  außerdem  den  unteren  Beamten
Arreststrafen  bis  zu  drei  Tagen  aufzuerlegen.

*

Zur  dauernden  Verwaltung  oder  Beaufsichtigung  einzelner  Geschäftszweige,
sowie  zur  Erledigung  vorübergehender  Aufträge  können  besondere  Deputationen
(#emtter  entweder  blos  aus  Mitgliedern  des  Magistrats  oder  aus  Mitgliedern
eider  Gemeindebehörden  oder  aus  letzteren  und  aus  simmfüähigen  Bürgern  eingelsht
  werden.  —  Zur  Bildung  gemischter  Deputationen  aus  beiden  Gemeindeehörden
  ist  deren  übereinstimmender  Beschluß  erforderlich.

Zu  diesen  Deputationen,  welche  übrigens  in  allen  Beziehungen  dem
Magistrate  untergeordnet  sind,  werden  die  Stadtverordneten  und  Bürger  von  der
Stadtverordneten-Versammlung  gewählt,  die  Magsstratsmitglieder  dagegen  von
dem  Bürgermeister  ernannt,  welcher  auch  unter  letzteren  den  Vorsshende  zu
bezeichnen  hat.

Durch  statutarische  Anordnung  können  besondere  Bestimmungen  über  die
Zusammensetzung  der  dauernden  Verwaltungedeputationen  getroffen  werden.

K.  67.

Der  Bezirk  der  Stadtgemeinde  wird  in  Ortsbezirke  getheilt.  Jedem  Bezirk
wird  ein  Bezirksvorsteher  vorgesetzt,  welcher  von  der  Stadtverordneten-Versammlung
  aus  den  stimmfähigen  Burgern  des  Bgitte  auf  sechs  Jahre  erwählt  und
vom  Magistrate  bestätigt  wird.  gleicher  Weise  wird  für  den  Fall  der  Verhinderung
  des  Be  irssvorstehers  ein  Stellvertreter  desselben  angestellt.  Die

ezirksvorsteher  sind  Organe  des  Magistrats  und  verpflichtet,  seinen  Anordnungen
Foge  zu  leisten,  ihn  namentlich  in  den  örtlichen  Geschäften  des  Bezirks  zu
unterstützen.

C.  68.

Jedes  Jahr,  bevor  sich  die  Stadwerordneten  Versommlung  mit  dem  Hausalts-Etat
  rn  hat  der  Magistrat  in  öffentlicher  Sitzung  derselben  über  die
erwaltung  und  den  Stand  der  Gemeinde-Angelegenheiten  einen  vollständigen

Bericht  zu  erstatten.  Tag  und  Stumde  werden  wenigstens  zwei  freie  Tage  vorher
bekannt  gemacht.
Jahrgang  1867.  (Nr.  6597.)  56  F  69.
        <pb n="594" />
        —  418  —

KG.  69.

4  Der  Bürgermeister  ist  verpflichtet,  die  ihm  von  der  Regierung  etwa  “
übertragenden  Geschäfte  und  Zweige  der  örtlichen  Polizeiverwaltung,  sowie  alle
diejenigen  örtlichen  Geschäfte  der  Kreis-,  Bezirks-,  Provinzial=  und  allgemeinen
Staatsverwaltung  zu  übernehmen,  für  welche  nicht  andere  Behörden  bestimmt
sind.  Einzelne  dieser  Verrichtungen  können  mit  Genehmigung  der  Regierung
einem  anderen  Magistratsmitgliede  übertragen  werden.

S.  70.

insichtlich  der  Befugniß  der  Gemeindebehörden  zum  Erlaß  von  ortspolizeilichen
  Verordnungen,  hinschthch  der  Geschäfte  der  geri  lüchen  Polizei  und  der
Staatsanwaltschaft  bei  dem  Rügegerichte,  sowie  hinsichtlich  der  Geschäfte  der
Standesbuchführung,  kommen  die  darauf  bezüglichen  Gescze  zur  Anwendung.
Die  Anstellung  der  Beamten  der  Standesbuchführung  erfolgt  in  der  F.  63.  Nr.  6.
vorgeschriebenen  Weise.

Von  den  Gehältern  und  ensionen.

KC.  71.

Der  Normal-Etat  aller  Besoldungen  wird  von  dem  Magistrate  entworfen

und  von  der  Stadtverordneten-Versammlung  festgesetzt.  In  Ermangelung  eines
Normal-Besoldungsetats  werden  die  in  solcher  Weise  nicht  vorgesehenen  Besoldungen
  vor  der  Woo  festgestellt.
Hinschtich  der  Bürgermeister  und  der  besoldeten  Magistratsmitglieder
unterliegt  die  Feststellung  der  Pesplhungen  in  allen  Fällen  der  Genehmigung
der  Regierung.  Die  Regierung  ist  ebenso  befugt  wie  verpflichtet,  zu  verlangen,
daß  ihnen  die  zu  einer  zeckmäßigen  Verwaltung  angemessenen  Besoldungsbeträge
bewilligt  werden.  Den  Stadtverordneten  und  unbesoldeten  Magistratsmitgliedern
darf  nur  Entschädigung  für  baare  Auslagen  gewährt  werden,  welche  für  sie  aus
der  Ausrichtung  von  Aufträgen  entstehen.

C.  72.

Den  Bürgermeistern  und  den  besoldeten  Magistratsmitgliedern  sind  kesen
nicht  mit  Genehmigung  der  Regierung  eine  Vereinbarung  wegen  der  Pension
getroffen  ist,  bei  eintretender  Dienstunfähigken  oder  wenn  sie  nach  abgelaufener
mtsperiode  nicht  wiedergewählt,  bezie  bungsweise  die  Bürgermeister  nicht  wieder
ernannt  oder  nicht  wieder  bestätigt  werden,  folgende  Pensionen  zu  gewähren:
des  Gehalts  nach  sechsjähriger  Dienstzeit,
4  des  Gehalts  nach  zwölfjähriger  Dienstzeit,
3  des  Gehalts  nach  vierundzwanzigjähriger  Dienstzeit.  Di
ie
        <pb n="595" />
        —  419  —

Die  auf  Lebenszeit  angestellten  besoldeten  Gemeindebeamten  erhalten,
nicht  mit  ihnen  ein  Anderes  verabredet  worden  ist,  bei  eintretender  Dienstunfähigkeit
Pension  nach  denselben  Grundsätzen,  welche  bei  den  unmittelbaren  Staatsbeamten
zur  Anwendung  kommen.

Ueber  die  Pensionsansprüche  der  Bürgermeister,  der  besoldeten  Magistratsmitglieder
  und  übrigen  besoldeten  Gemeindebeamten  entscheidet  in  streitigen  Fällen
die  Regierung.  Gegen  den  Beschluß  der  Regierung,  soweit  derselbe  sich  nicht  auf  die
Thatsache  der  Dienstunfähigkeit  oder  darauf  bezieht,  welcher  Theil  des  ienstemn
kommens  als  Gehalt  ad  sei,  findet  die  Berufung  auf  richterliche  Entscheidung
statt.  Ungeachtet  der  Berufung  sind  die  festgesetzten  Beub  e  vorläufig  zu  zahlen.

Die  Pension  fällt  fort  oder  ruht  insoweit,  als  der  ####ent  uch  anderweitige
  Anstellung  im  Staats-  oder  Gemeindedienst  ein  Einkommen  oder  eine
neue  Pension  erwirbt,  welche  mit  Zurechnung  der  ersten  Pension  sein  früheres
Einkommen  übersteigen.

Von  dem  Gemeindehaushalte.

K.  73.

Ueber  alle  Ausgaben  und  Einnahmen,  welche  sich  im  Voraus  bestimmen
lassen,  entwirft  der  Magistrat  fährih,  spätestens  im  Oktober,  einen  Haushalts-Etat.
Der  Entwurf  wird  acht  Tage  lang  in  einem  oder  mechreren,  von  dem  Magistrate
4  bestimmenden  und  in  ortsüblicher  Weise  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringenen

  Lokalen  zur  Einsicht  aller  Einwohner  der  Stadtgemeinde  offen  gelegt  und
alsdann  von  der  Stadtverordneten-Versammlung  festgestellt.  Eine  Abchsle  des
Etats  wird  sofort  der  Regierung  eingereicht.

S.  74.

Der  Magistrat  hat  dafür  zu  sorgen,  daß  der  Haushalt  nach  dem  Etat
geführt  werde.

Ausgaben,  welche  außer  dem  Etat  geleistet  werden  sollen,  bedürfen  der
Genehmigung  der  Stadtverordneten-Versammlung.

S.  75.

Die  Gemeindeabgaben,  die  Bürgerrechtsgelder  .-  16.),  die  Mgaben  für
die  Theilnahme  an  den  Gemeindenutzungen  (F.  ö1.)  und  alle  sonstigen  Gemeindegefälle
  werden  von  den  Säumigen  im  Steuer-Exekutionswege  beigetrieben.

S.  76.

Die  Jahresrechnung  ist  von  der  betreffenden  Verwaltungsstelle  vor  dem

1.  Mai  des  folgenden  Jahres  zu  legen  und  dem  Magistrat  einzureichen.  Dieser

9mt  die  Revision  derselben  zu  veranlassen  und  die  Rechnung  demnächst  mit  seinen

rinnerungen  und  Bemerkungen  der  Stadtverordneten-Versammlung  zur  Prüfung,
  Feststellung  und  Entlastung  vorzulegen.

r.  6597.)  56“  .  77.
        <pb n="596" />
        —  420  —

6.  77.

Die  Feststellung  der  Rechnuns  muß  vor  dem  1.  Oktober  bewirkt  sein.

Der  Magistrat  hat  der  Regierung  sofort  eine  Abschrift  des  Feststellungsbeschlusses
  einzureichen.

Durch  statutarische  Anordnung  könmen  die  vorstehend  für  die  Legung  und
Feststellung  der  Rechnung  angeordneten  Fristen  anders  bestimmt  werden.

S.  78.

Ueber  alle  Theile  des  Gemeindevermögens  hat  der  Magistrat  ein  Lagerbuch
  zu  führen.  Die  darin  vorkommenden  Veränderungen  werden  der  Stadtverordneten-Versammlung
  bei  der  Rechnungsabnahme  zur  Erklärung  vorgelegt.

Von  der  Oberaufsicht  über  die  Verwaltung  der  Stadtgemeinde.

C.  79.

Die  Aufsicht  des  Staats  über  die  Verwaltung,  der  Stadtgemeinde  wird
von  der  Regierung  Feitt.  Gegen  die  Entscheidungen  der  Gemeindebehörden  geht
der  Rekurs  an  die  Regierung,  und  gegen  die  Entscheidungen  der  Regierung,  soweit
  sie  nicht  nach  den  Bestimmungen  dieses  Gesetzes  endgültige  sind  an  den
Oberpräsidenten.  Der  Rekurs  muß  in  allen  Iuen  innerhalb  einer  Praklufivfrist
  von  vier  Wochen  nach  der  Zustellung  oder  Bekanntmachung  der  Entscheidung
eingelegt  werden,  insofern  er  nicht  durch  dieses  Gesetz  an  eine  andere  Frist  get

  ist.

Auf  Reklamationen  gegen  die  Heranziehung  zu  den  Gemeinde-Auflagen
kommt  das  Gesetz  über  die  nrlihrunger  en  bei  öffentlichen  Abgaben  vom
18.  Juli  1840.  (Gesetz  Samml.  S.  140.)  zur  Anwendung.

g.  80.

Wenn  die  Stadtverordneten-Versammlung  einen  Beschluß  gefaßt  hat,
welcher  ihre  Befugniß  überschreitet,  oder  sonst  geseg  oder  rechtswidrig  ist,  oder
das  Staatswohl  verletzt,  so  ist  die  Regierung  ebenso  befugt  wie  verpsscche,  den
Magistrat  zur  vorläufigen  Bemmstandung  der  Ausführung  zu  veranlassen.

Der  Magistrat  han  hiervon  die  Stadtverordneten-Versammlung  zu  benachrichtigen
  und  über  den  Gegenstand  des  Beschlusses  sofort  an  die  Regierung  zu
berichten.  Die  Regierung  hat  sodann  ihre  Entscheidung  unter  Anführung  der
Gründe  zu  geben.

G.  S1.

Wenn  die  Stadtverordneten-Versammlung  es  unterläßt  oder  verwei  ert,
die  der  Stadtgemeinde  geseglich  obliegenden  Leistungen  auf  den  Haushalts-Etat
zu  bringen  oder  außerordentlich  zu  genehmigen,  so  hat  die  Regierung,  unter  siu-
        <pb n="597" />
        —  421  —

führung  des  Gesetzes,  die  Eintragung  in  den  Etat  von  Amtswegen  bewirken  zu
lassen,  beziehungsweise  die  außerordentliche  Ausgabe  festzustellen.

g.  82.

Durch  Königliche  Verordnung,  auf  den  Antrag  des  Staatsministeriums,
kann  die  Stadtverordneten-Versammlung  aufgelöst  werden.

Es  ist  sodann  eine  Neuwahl  derselben  anzuordnen  und  muß  diese  binnen
sechs  Monaten  vom  Tage  der  Auflösungs-Verordnung  an  erfolgen.

Bis  zur  Einführung  der  neu  gewählten  Stadtverordneten  sind  deren  Verrichtungen
  durch  besondere  von  dem  Minister  des  Innern  zu  bestellende  Kommissarien
  zu  besorgen.

g.  83.

Auf  die  Dienstvergehen  der  Gemeindebeamten,  einschließlich  der  Bürgermeister
  und  der  übrigen  Magistratsmitglieder,  kommt  das  Gesetz  vom  21.  Jai
1852.,  betreffend  die  Dienstvergehen  der  nicht  richterlichen  Beamten  2c.  (Gesetz-Samml.
  S.  465.),  zur  Anwendung.

Uebergangsbestimmungen.

KG.  84.

Die  zur  Ausführung  dieses  Gesetzes  erforderlichen  Bestimmungen  werden
von  dem  Minister  des  Innern  getroffen.

KG.  85.

Die  zur  Zeit  bestehenden  Gemeindebehörden  und  Gemeinde-Verwaltungs.=ellen,

  insbesondere  auch  das  Rechnungs-Revisionskollegium,  bleiben  als  solche

in  Thätigkeit,  bis  dejerißen  Behörden  und  Verwaltungsstellen  in  ihre  Aemter

eingeführt  sein  werden,  we  8  nach  den  Bestimmungen  dieses  Gesetzes,  beziehungsweise

  auf  demnächstigen  Beschluß  des  Magistrats  und  der  Stadtverordneten-Versammlung
  sie  zu  ersetzen  haben.

g.  86.

Die  Mitglieder  der  bisherigen  Käcken  Kollegien  und  alle  sonstigen  Beamten,
  deren  Stellen  in  Folge  Einführung  dieses  Gesehes  und  der  dadurch
bedingten  neuen  Organisation  zur  Einziehung  kommen,  und  die  sich  nicht  in  der
Lage  befinden,  ihre  Versetzung  in  den  Nuhchard  zu  beantragen,  sind  verpflichtet,
sich  eine  andere  Anstellung  in  ungefähr  gleicher  Kategorie,  falls  sie  zu  einer  solchen
  durch  die  Wahl  berufen  oder  vGal  geeignet  befunden  werden,  gefallen  zu
lassen.  Die  hiernach  etwa  weiter  erforderlich  werdende  Regulirung  der  Verhäf
nisse  bleibt,  in  Ermangelung  einer  gütlichen  Einigung  der  Betzeiligten,  nach
Maaßgabe  des  Gesetzes  vom  21.  Juli  1852.)  betreffend  die  Dienstvergehen  der
nicht  richterlichen  Beamten,  die  Versetzung  derselben  auf  eine  andere  Stelle  oder

(Nr.  6597.)  in
        <pb n="598" />
        —  422  —

in  Ruhestand  (Gesetz  Samml.  S.  465.),  und  der  Allerhöchsten  Erlasse  vom
14.  Juni  und  24.  Oktober  1848.  (Gesetz-Samml.  S.  153.  und  S.  338.),  vorbehalten.
  *’-Die

  zur  Zeit  bestehenden  Gemeindesteuern  werden  bis  auf  Weiteres  (F.  62.)
forterhoben,  mit  Ausnahme  jedoch  der  bisher  bei  Erwerbung  des  Bürgerrechts
zu  entrichten  gewesenen  Abgaben  aller  Art,  soweit  die  letzteren  nicht  in  privatrechtlichen
  Titeln  ihren  Rechtsgrund  haben.

G.  S8.

Die  Regierung  wird  sofort  nach  Verkündigung  dieses  Gesetzes  zum  Behufe
  der  durch  letzteres  angeordneten  Wahlen  das  Erforderliche,  unter  Mitwirkung
der  zur  Zeit  bestehenden  Gemeindebehörden  und  unter  analoger  Anwendung  der
im  F.  30.  enthaltenen  Fristbestimmungen,  veranlassen.

Die  im  F.  27.  für  die  Wahl  und  für  die  Ergänzung  der  Stadtverordneten
  bestimmte  sechsjährige  und  zweijährige  Periode  wird  für  das  erste  Mal  vom
1.  Januar  1867.  ab  berechnet.  Die  für  die  regelmäßige  Ergänzung  der  Stadtverordneten
  im  F.  31.  angeordneten  Wahlen  finden  das  erste  l  im  November
1868.  statt.

K.  89.

Die  Regierung  wird  die  Einführung  des  nach  den  Bestimmungen  dieses
Gesetzes  einzurichtenden  Magistrats  in  sein  Amt  veranlassen  und,  daß  dies  geschehen,
  sofort  durch  das  Amtsblatt  zur  öffentlichen  Kenntniß  bringen.  Mit  dem
Tage  dieser  Bekanntmachung  treten  die  Bestimmungen  dieses  Gesedes  überall  in
Gestung  und  alle  mit  demselben  im  Widerspruch  stehenden  oder  damit  nicht  zu
vereinbarenden  bisherigen  gesetzlichen  Bestimmungen  außer  Kraft.

Lirbundich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  25.  März  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6598.)
        <pb n="599" />
        —  423  —

(Nr.  6598.)  Verordnung,  den  Betrieb  stehender  Gewerbe  im  vormaligen  Kurfürstenthum
Hessen  betreffend.  Vom  29.  März  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r
verordnen  für  das  vormalige  Kurfürstenthum  Hessen,  was  folgt:

S.  1.
Das  den  Zünften  zustehende  Recht,  Andere  von  dem  Betriebe  eines  Gewerbes
  auszuschließen,  wird  aufgehoben.

K.  2.
Die  gesetzlichen  Besimmungen,  nach  welchen  auf  den  Dörfern  einzelne
Gewerbszweige  nicht  betrieben  werden  dürfen,  treten  außer  Anwendung.

g.  3.

Die  Beschränkung  der  Handwerker  auf  den  Verkauf  der  selbst  verfertigten
  Waaren  und  auf  Eine  Verkaufsstätte  (.  182.  der  Zunftordnung  vom
5.  März  1816.)  und  die  Beschränkung  der  Gesellen  in  der  Wahl  der  Meister,
bei  denen  sie  in  Arbeit  treten  wollen,  werden  aufgehoben.

.  4.

Inländern,  welche  sich  in  einer  Gemeinde  als  Ortsfremde  aufpalten  kann
wegen  mangelnder  Gemeinde  Angehörigkei  der  selbstständige  Betrieb  eines  Gewerbes
  nicht  versagt  werden.  Dieselben  sind  jedoch  zur  Tragung  der  den
Gemeinde-Angehörigen  obliegenden  Abgaben  und  Lasten  verpflichtet.

.  ö.
Für  den  stehenden  Betrieb  folgender  Gewerbe:

Bierbrauen,  Liqueurdestilliren,  Essigbrauen,  Bäckerei,  Vichschlachten,
Kicchweihschlachten,  Wollenspinnen,  cbnmefuorsiai  (Tabaksspinnen),
Gypsstampfen,  Pottaschesieden,  Aschesammeln,  Lumpensammeln,  Kesselflicken,
  Zinngießen,  Spenglerei,  Scheeren=  und  Instrumentenschleifen;
andel  mit  Steinkohlen,  Holz,  Theer,  Eiso,  Kupfer  und  Messing,
esselwaaren,  Gyps,  Glas,  Teisch,  Oel,  Wein,  Tabak,  Leder-  und
Ellenwaaren,  desgleichen  den  Branntwein-Großhandel,

wird  die  Konzessionspflichtigkeit,  wo  sie  seither  bestand,  aufgehoben.

Auch  für  den  kaufmännischen  Handelsbetrieb  außerhalb  der  Städte,  sowie
für  die  Krämerei,  soll  die  Konzessionspflichtigkeit  aufhören,  insoweit  dazu  seither
  von  Staatsbehörden  Konzessionen  ertheilt  wurden.

(Nr.  6598.)  Die
        <pb n="600" />
        —  424  —

Die  durch  die  Gesetzgebung  über  die  Presse  eingeführte  Konzessionspflicht
der  Preßgewerbe  wird  tge  nicht  berührt.  se  eingefü  ;  pflich
S.  6.

Alle  den  vorstehenden  Bestimmungen  entgegenstehende  gesetzliche  Vorschriften
  treten  außer  Kraft.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  29.  März  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-  Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerel
(R.  v.  Decker).
        <pb n="601" />
        —  426  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  28  —

 

(Nr.  6599.)  Verordnung,  den  Betrieb  stehender  Gewerbe  im  vormaligen  Königreich  Hannover
  betreffend.  Vom  29.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  urc.

verordnen  für  das  vormalige  Königreich  Hannover,  was  folgt:

S.  1.
Das  den  Zünften  zustehende  Recht,  Andere  von  dem  Betriebe  eines  Gewerbes
  auszuschließen,  wird  aufgehoben.

.  2.

Oertliche  Bestimmungen  „wonach  der  Betrieb  des  Detailhandels  in  den
Städten  von  obrigkeitlicher  Erlaubniß  abhängt  9  219.  der  Gewerbeordnung),
oder  wonach  einzelne  Gattungen  von  Waaren  auf  den  Jahrmärkten  nicht  oder
nur  auf  beschränkte  Zeit  feilgehalten  werden  dürfen,  werden  aufgehoben.

d.  3.

Auf  dem  Lande  dürfen  stehende  Gewerbe  und  Detailhandel  unter  den  allemeinen
  Erfordernissen  des  Abschnitts  II.  der  Gewerbe-Ordnung  vom  I.  Aust
847.,  sofern  nicht  aus  den  Abschnitten  III.  und  IV.  und  dem  F.  195.  derselben

Beschränkungen  hervorgehen,  frei  betrieben  werden.

K.  4.
Jedem  Landhandwerker  steht  es  frei,  sich  in  eine  inländische  Zunft  seines
Gewerbes  aufnehmen  zu  lassen.
S.  5.

Jeder  Gewerbetreibende  darf  hinfort  Gesellen,  Gehülfen,  Lehrlinge  und
Arbeiter  jeder  Art  und  in  beliebiger  Zahl  halten.  Gesellen  sind  in  der  Wahl
ihrer  Meister  unbeschränkt.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6599—6600.)  57  ie

Ausgegeben  zu  Berlin  den  12.  April  1867.
        <pb n="602" />
        —  426  —

g.  6.

Alle  den  vorstehenden  Bestimmungen  entgegenstehende  gesetzliche  Vorschriften
treten  außer  Kraft.

Es  bewendet  jedoch  bei  den  Vorschriften,  welche  in  dem  Gesetze  vom  19.  März
1852.  über  die  Korgesionepflicht  der  Expedienten,  Makler  und  Agenten  für  die
Beförderung  von  Schiffspassagieren  und  in  der  Verordnung  vom  15.  Januar
1855.  über  die  Korzesssonspftich  der  Preßgewerbe  getroffen  gan

ziri  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Infiegel.

Gegeben  Berlin,  den  29.  März  1867.
(I.  §.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6600.)  Verordnung,  betreffend  das  Jagdrecht  und  die  Jagdpolizei  im  ehemaligen
Herzogthum  Nassau.  Vom  30.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.P

verordnen  für  die  durch  Gesetz  vom  20.  September  1866.  Unserer  Monarchie
airirrlelblen  zum  vormaligen  Herzogthum  Nassau  gehörig  gewesenen  Landestheile,
was  folgt:

K.  1.

Das  durch  Eeseg.  vom  9.  Juni  1860.  wiederhergestellte  Jachrccht  auf
fremdem  Grund  und  Boden  ist  mit  dem  Tage  der  Verkündigung  dieser  Verordnung
  aufgehohen.
Mit  demselben  Tage  treten  die  bestehenden  Jagdpachtverträge  außer  Kraft.
Eine  Trennung  des  Jagdrechts  vom  Grund  und  Boden  als  dingliches
Recht  kann  ferner  nicht  mehr  stattfinden.

K.  2.

Für  das  fiskalische  Jagdrecht  auf  fremdem  Grund  und  Boden  wird  den
Grundeigenthümern  die  Entschädigung  erlassen.

Den  zur  Jagd  auf  sseen  Grund  und  Boden  bisher  berechtigten  Gemeinden,
  Korporationen,  Instituten,  Standesherren,  Gutsbesitzern  und  anderen
Privaten  wird  aus  der  Landeskasse  eine  Entschädigung  gewährt,  welche-  nach

aaß  ·
        <pb n="603" />
        —  427  —

„Maaßgabe  der  dieser  Verordnung  beigefügten  Nachweisung  in  Kapitalsbeträgen
von  1  bis  40  Kreuzer  für  den  Metermorgen  festgesetzt  ist.

K.  3.

Die  Ausübung  des  einem  jeden  Grundbesitzer  auf  seinem  Grund  und
Boden  zustehenden  Jagdrechts  wird  nachstehenden  Bestimmungen  unterworfen.

KC.  4.
Jur  eigenen  Ausübung  des  Jagdrechts  auf  seinem  Grund  und  Boden  ist
der  Besitzer  nur  befugt:

a)  auf  solchen  Besitzungen,  welche  in  einem  oder  mehreren  an  einander
renzenden  Gemarkungen  einen  land  oder  forstwirthschaftlich  benuften
lichemaum  von  wenigstens  dreihundert  Metermorgen  einnehmen  und  in

ihrem  Zusammenhange  durch  kein  fremdes  Grundstück  unterbrochen  sind;
die  Trennung,  welche  Wege  oder  Gewässer  bilden,  wird  als  eine  Unterbrechung
  des  Zusammenhanges  nicht  angesehen;

b)  auf  allen  dauernd  und  vollständig  eingefriedeten  Grundstücken.

Darüber,  was  für  dauernd  und  vollständig  eingefriedet  zu  erachten,
entscheidet  der  Landrath;

e)  auf  Seen,  auf  zur  Fischerei  eingerichteten  Teichen  und  auf  solchen  Inseln,
welche  Ein  Betthe  bilden.

KG.  5.

Wenn  die  im  F.  4.  bezeichneten  Grundstücke  mehr  als  dreien  Besitzern  gemeinschaftlich
  gehören,  so  ist  die  eigene  Aussihung  des  Jagdrechts  auf  diesen
Grundstücken  nicht  sämmtlichen  Mitbeüsem  gestattek.

Dieselben  müssen  vielmehr  die  Ausübung  des  Jagdrechts  Einem  bis  bech,
stens  Dreien  unter  ihnen  übertragen.  Doch  steht  ihnen  auch  frei,  das  Jagdrecht
ruhen,  oder  durch  einen  angestellten  Jizer  ausüben  zu  lassen  oder  zu  verpachten.

Gemeinden  oder  Korporationen  dürfen  das  b#gdse  t  auf  solchen  ihnen
gehörenden  Grundstücken  (§.  4.)  nur  durch  Verpachtung  oder  durch  einen  angestellten
  Jäger  ausüben.

g.  6.

Alle  übrigen  Grundstücke  einer  Gemarkung,  welche  nicht  zu  den  im  8.  4.
edachten  gehören,  bilden  —  insofern  sie  mindesst  300  Metermorgen  im  Zuammenhange
  enthalten  —  einen  gemeinschaftlichen  Jagdbezirk.  Es  ist  aber  den
Gemeinderäthen  gestattet,  nach  freier  Uebereinkunft  mehrere  Gemarkungen  ganz
oder  theilweise  mit  anderen  Gemarkungen  zu  einem  gemeinschaftlichen  Jagdbezirke
u  vereinigen.  Aus  dringenden  Gründen  soll  auch  die  Aufsichtsbehörde  befugt
fän  ßf  eine  solche  Vereinigung  anzuordnen.
Der  Gemeinderaht  !  berechtigt,  mit  Genehmigung  der  Aufsichtsbehörde
(Nr.  6600.)  57“  aus
        <pb n="604" />
        —  428  —

aus  Einer  Gemarkung  mehrere  für  sich  bestehende  Jagdbezirke  zu  bilden,  deren
jedoch  keiner  eine  geringere  Fläche  als  300  Metermorgen  umfassen  darf.
Den  Besitzern  der  im  &amp;amp;.  4.  bezeichneten  Grundstücke  ist  es  gestattet,  sich
mit  bese  Grundstücken  dem  Jagdbezirke  ibrer  Gemeinden  anzuschließen.
ie  Beschlüsse  über  alle  dergleichen  Abänderungen  der  gewöhnlichen  Jagdbezirke
  dürfen  sich  auf  keinen  kürzeren  Zeitraum  als  auf  drei  Jahre,  und  auf
keinen  längeren  Zeitraum  als  auf  zwölf  Jahre  erstrecken.

F.  7.

Die  Besitzer  isolirt  belegener  Höfe  sind  berechiigt,  sich  mit  denjenigen
Grundstücken,  welche  zu  kmh  den  Hof  ganz  oder  theilweise  umgeben,
also  nicht  mit  fremden  Grundstücken  im  Gemenge  liegen,  von  dem  Vemeinfchast.
lichen  Jagdbezirke  auszuschließen,  wenn  gleich  die  Grundstücke  nicht  zu  den  im
§.  4.  gedachten  gehören.

K.  8.

Auf  den  nach  &amp;amp;.  7.  aus  dem  gemeinschaftlichen  Jagdbezirke  ausgeschiedenen
  Grundstücken  cae  die  Grundbesitzer,  so  lange  die  #usschlieung  auert,
die  Ausübung  des  Jagdrechts  gänzlich  ruhen  lassen.

Auch  müssen  die  Grenzen  solcher  Grundstücke  stets  erkenmbar  bezeichnet
  werden.

K.  9.

Grundstücke,  welche  von  einem  über  3000  Metermorgen  im  Zusammenhange
  großen  Walde,  der  eine  einzige  Besitzung  bildet,  ganz  oder  größtentheils
eingeschlossen  sind,  werden,  auch  wenn  sie  nicht  unter  die  Bestimmungen  des
7  allen,  dem  gemeinschaftlichen  Jagdbezirke  der  Gemeinde  nicht  zu  hlagen.

ie  Besitzer  solcher  Grundstücke  sind  berpsichtet  die  Ausübung  der  n  d  auf
denselben  dem  Eigenthümer  des  sie  umschließenden  Waldes  auf  dessen  Verlangen
gegen  eine  nach  dem  Jagdertrage  zu  pemehemee  Entschädigung  zeitpachtweise  zu
ubertragen/  oder  die  Jagdausübung  gänzlich  ruhen  zu  lassen.
ie  Festsetzung  der  Entschidigung  olgt  im  Mangel  einer  Einigun
durch  den  Landrath,  vorbehaltlich  der  beiden  Theilen  zustehenden  Berufung  au
richterliche  Entschei  ung-Macht

  der  Waldeigenthümer  von  seiner  Befugniß,  die  Jagd  auf  der  Enklave
  zu  erpachten,  beim  Anerbieten  des  Titere  nicht  Gebrauch,  so  steht  dem
letzteren  die  Ausübung  der  Jagd  auf  dem  enklavirten  Grundstücke  zu.

Stoßen  mehrere  derartige  Grundstücke  an  einander,  so  daß  sie  eine  ununterbrochene
  zusammenhängende  Fläche  von  mindestens  300  Metermorgen  umassen,
  so  bilden  dieselben  einen  für  sich  bestehenden  gemeinscheftichen  Jagbbezirk,

ür  welchen  die  nämlichen  Vorschriften  gelten,  wie  für  die  gewöhnlichen  Jagdbezirke.

K.  10.

In  allen  Festungswerken  ist  allein  die  Militairverwaltung  befugt,  die
Jagd  durch  besonders  dazu  nurnzi  Personen  ausüben  zu  lassen.  un
ußer-
        <pb n="605" />
        —  429  —

Außerhalb  dieser  Werke,  desgleichen  um  die  Pulvemagasie  und  ähnliche
Anstalten  werden  auf  Kosten  der  Militairverwaltung  Umkreise  oder  Rayons
von  zusammenhängender  Fläche  gebildet  und  bezeichnet,  innerhalb  welcher  die
2  mit  Feuergewehren  nicht  ausgeübt  werden  darf,  bei  Vermeidung  einer
Polzzeistrafe  von  fünf  bis  zwanzig  Thalern  oder,  im  Unvermögensfalle,  eines
verhältnißmäßigen  Gefängnisses.

Die  weiteste  Entfernung  der  Außenlinie  von  den  ausspringenden  Winkeln
des  Glacis,  der  Vuermagazine  und  ähnlicher  Anstalten  wird  auf  dreihundert
Schritte  festgesetzt.  Die  Abgrenzung  erfolgt  gemeinschaftlich  von  der  Festungsbehörde,
  einem  Deputirten  des  Stadtvorstandes  und  einem  der  Kreisverwaltung.

C.  11.

Die  Sesher  der  einen  Jagdbezirk  bildenden  Grundstücke  werden  in  allen
Jagd-Angelegenheiten  durch  den  Gemeinderath  vertreten.  Werden  Grundstücke  aus
geshiiedeleen  Gemarkungen  zu  Einem  2  ezirke  vereinigt,  so  bestimmt  die  Aufsichtsbehörde
  denjenigen  Gemeinderath,  welcher  die  Vertretung  zu  übernehmen  hat.

KS.  12.
Nach  Maaßgabe  der  Beschlüsse  des  Gemeinderathes  kann  auf  dem  gemeinschaftlichen
  Jagebägeke  entweder:
a)  die  Ausübung  der  Jagd  gänzlich  ruhen,  oder
b)  die  Jagd  für  Rechnung  der  betheiligten  Grundbesitzer  durch  einen  angestellten
  Jäger  beschossen  werden,  oder
I)  dieselbe,  sei  es  öffentlich  im  Wege  des  Meistgebots,  oder  aus  freier
Hand  verpachtet  werden.
Die  Pachtverträge  dürfen  sich  auf  keinen  kürzeren  Jeitraum  als  auf  drei
Jahre  und  auf  keinen  längeren  Zeitraum  als  auf  zwölf  Jahre  erstrecken.

g.  13.

Die  Pachtgelder  und  Einnahmen  von  der  durch  einen  angestellten  Jäger
beschossenen  Jagd  werden  in  die  Gemeindekasse  gezahlt  und  nach  Abzug  der
etwa  entstehenden  Verwaltungskosten  durch  den  Gemeinderath  unter  die  8.  se
derjenigen  Grundstücke,  auf  welchen  die  gemeinschaftliche  Ausübung  des  Jagdrechts
ftalfin  et,  nach  dem  Verhältis  des  Hccheninhalts  dieser  Grundstücke  vertheilt.

.  14.
Die  Verpachtung  der  Jagd,  sowohl  auf  den  im  §.  4.  erwähnten  Grundfücke
  f  als  auf  gemeinschaftlichen  Jagdbezirken,  darf  bei  Strafe  der  Nichtigkeit
es  Vertrages  niemals  an  mehr  als  höchstens  drei  Personen  gemeinschaftlich

rrolgen.
(Tr.  6600.  Aus-
        <pb n="606" />
        —  430  —

Ausländer  dürfen  nur  mit  Genehmigung  der  Aufsichtsbehörde  als  Jagdpächter
  angenommen  werden.
Afterverpachtungen  sind  ohne  Einwilligung  des  Verpächters  nicht  gestattet.

K..  15.

Sowohl  den  Pächtern  gemeinschaftlicher  SIctbirk  als  auch  den  Besitzern
der  im  §.  4.  bezeichneten  Grundstücke,  ist  die  Anstellung  von  Jägern  für  ihre
Reviere  gestattet.

.  16.

Ein  Jeder,  welcher  die  Jagd  ausüben  will,  muß  sich  einen  für  den  ganzen
Staat  gültigen,  zu  seiner  Legitimation  dienenden,  auf  ein  Jahr  und  auf  die
Person  lautenden  Jagdschein  von  dem  Landrathe  des  Kreises  seines  Wohnsitzes
ertheilen  lassen,  und  selbigen  bei  der  Ausübung  der  Jagd  stets  mit  sich  führmn.

Auch  Ausländern  kann  ein  solcher  Jagschein,  jedoch  nur  gegen  die  Bür
schaft  eines  Inländers,  von  dem  Landrathe  des  Wohnortes  des  Bürgen  ertheilt
werden.  Der  Bürge  haftet  in  Folge  seines  Antrages  für  Strafen,  welche  auf
Grund  der  J/9.  18.  19.  und  21.  gegen  den  Ausländer  verhängt  werden,  sowie
für  die  W

Für  einen  jeden  Jagdschein  wird  auf  das  Jahr  eine  Abgabe  von  Einem
Thaler  zur  Kreis-Kommunalkasse  des  Wohnortes  des  Extrahenten  entrichtet.  Die
eingehenden  Beträge  werden  nach  den  Beschlüssen  der  Kreisvertretung  verwendet.

Die  Ausfertigung  der  Jagdscheine  erfolgt  kosten-  und  stempelfrei.

Die  im  Königlichen  oder  Kommunal-Dienste  angestellten  Forst.  und  Jagdbeamten,
  sowie  die  lebenslänglich  angestellten  Privatfarff.  und  Jagdbedienten  erhalten
  den  Jagdschein  unentgeltlich,  soweit  es  sich  um  die  Ausübung  der  Jagd  in
ihren  Schutzbezirken  handelt.  In  Jagdscheinen,  welche  unentgeltlich  ertheilt  sind,
muß  dies  und  für  welchen  Schutzbezirk  sie  gelten,  angegeben  werden.

.  17.
Die  Ertheilung  des  Jagdscheins  muß  folgenden  Personen  versagt  werden:
a)  solchen,  von  denen  eine  unvorsichtige  Führung  des  Schießgewehrs  oder
eine  Gefährdung  der  öffentlichen  Sicherheit  zu  besorgen  ist;
b)  denen,  welche  durch  ein  Urtheil  des  Rechts,  Waffen  zu  führen,  verlustig
erklärt  sind,  sowie  denen,  welche  unter  Polizei-Aufsicht  stehen  oder  welchen
die  Nationalkokarde  aberkannt  ist.

Außerdem  kann  denjenigen,  welche  wegen  eines  Forst=  oder  Jagdfrevels
oder  wegen  Mißbrauchs  des  Feuergewehrs  bestraft  sind,  der  Jagdschein,  jedoch
nur  innerhalb  fünf  Jahre  nach  verbüßter  Strafe,  versagt  werden.

g.  18.

Die  Nichtbeachtung  der  vorstehenden  Vorschriften  über  Lösung  von  Jagdscheinen
  wird  bestraft  wie  folgt:
er,
        <pb n="607" />
        —  431  —

Wer,  ohne  einen  Jagdschein  gelöst  zu  haben,  die  Jagd  ausübt,
wird  für  eine  jede  Uebertretung  mit  einer  Geldstrafe  von  fünf  bis
zwanzig  Thalern  belegt.

»  Wer  seinen  Jahoschein  bei  Ausübung  der  Jagd  nicht  bei  sich
führt,  den  trifft  eine  Geldstrafe  bis  zu  fünf  Thalern.

Wer  es  versucht,  sich  durch  einen,  nicht  auf  seinen  Namen  ausgestellten,
  fremden  Jagdschein  zu  legitimiren,  um  sich  dadurch  der  verwirkten
  Strafe  zu  entziehen,  der  wird  mit  einer  Strafe  von  fünf  bis
funfzig  Thalern  belegt.

K.  19.

Wer  zwar  mit  einem  Jagdschein  versehen,  aber  ohne  Begleitung  des  Jagdberechtigten,
  oder  ohne  dessen  schriftlich  ertheilte  Erlaubniß  bei  sich  zu  führen,  die
Jagd  auf  fremdem  Jagdbezirke  ausübt,  wird  mit  einer  Strafe  von  zwei  bis  fünf
Thalern  belegt.

Wer  die  Jagd  auf  seinem  Grundstücke  gänzlich  ruhen  zu  lassen  verpflichtet
ist,  dieselbe  demnoch  aber  darauf  ausübt,  hat  eine  Geldstrafe  von  zehn  bis  zwanzig
Thalern  und  die  Konfiskation  der  dabei  gebrauchten  Jagdgeräthe  verwirkt.

Wer  auf  seinem  eigenen  Grundstücke,  auf  dem  die  Ingd  an  einen  Dritten
verpachtet  ist,  oder  auf  dem  ein  Jäger  für  gemeinschaftliche  Rechnung  der  bei
einem  Jagdbezirke  betheiligten  Grundbesitzer  die  Jagd  zu  beschießen  hat,  ohne
Einwilligung  des  Ja  wächters  oder  des  Gemeinderathes  jagt,  ebenso  derjenige,
welcher  auf  fremden  Grundstücken,  ohne  eine  Berechtigung  dazu  zu  haben,  die
Jagd  ausübt)  wird  wegen  Wilddiebstahls  oder  Jagdkontravention  nach  den  allgemeinen
  Gesezen  bestraft.

g.  20.
Die  Hege-  und  Schonzeit  bleibt  geregelt  durch  die  9  29.  pos.  6.  und
30.  31.  des  Nassauischen  Gesetzes  vom  6.  Januar  1860.,  betreffend  die  Bestrafung
  der  Forst.,  Jagd-  und  Fischerei-Vergehen.
+.  21.
Wer  zur  Begehung  einer  Jagdpolizei-Uebertretung  sich  seiner  Angehörigen,
Dienstboten,  Lehrlinge  oder  Tagelöhner  als  Theilnehmer  oder  Gehülfen  bedient,

haftet,  wenn  diese  nicht  zahlungsfähig  sind,  neben  der  von  ihm  selbst  verwirkten
Strafe,  für  die  von  denselben  zu  erlegenden  Geldstrafen  und  den  Schadenersatz.

g.  22.

Wegen  einer  Jagdpolizei-Uebertretung  soll  eine  Untersuchung  nicht  weiter
eingeleitet  werden,  wenn  seit  dem  Tage  der  begangenen  That  bis  zum  Eingange
der  Anzeige  an  die  Staatsanwaltschaft  oder  den  Richter  drei  Monate  verstrichen
  sind.  +#

23.

Durch  Klappern,  aufgestellte  Schreckbilder,  sowie  durch  Zäune,  kann  ein
(Nr.  6600.)  Jeder
        <pb n="608" />
        –  432  —

Jeder  das  Wild  von  seinen  Besitzungen  abhalten,  auch  wenn  er  auf  diesen
ur  Ausübung  des  Jagdrechts  nicht  befugt  ist.  Zur  Abwehr  des  Roth-,
4  amm.  und  Schwarzwildes  kann  er  sich  auch  kleiner  oder  gemeiner  Haushunde
edienen.

C.  24.

Auf  gemeinschaftlichen  Jagdbezirken,  auf  welchen  Wildschäden  vorkommen
darf  der  Gemeinderath,  wenn  auch  nur  ein  einzelner  Grundbesitzer  Widerspruch
dagegen  erhebt,  die  Ausübung  der  Jagd  nicht  ruhen  lassen.

g.  26.

Wenn  die  in  der  Nähe  von  Forsten  belegenen  Grundstücke,  welche  Theile
eines  gemeinschaftlichen  Jagdbezirkes  bilden,  oder  selct  Waldbenklaven  „auf
welchen  die  JIagusübung  dem  Eigenthümer  des  sie  umschließenden  Waldes
überlasse  ist  (G.  9.),  erheblichen  Wildschäden  durch  das  aus  der  Forst  übertretende
  Wild  ausgesetzt  sind,  so  ist  der  Landrath  befugt,  aus  Antrag  der  beschädigten
  Gmundbeßzer  nach  vorhergegangener  Prüfung  des  Bedürfnisses  und  für
die  Dauer  desselben,  den  Jagdpächter  selbst  während  der  Schonzeit  zum  Abschusse
  des  Wildes  aufu  ordern.  Schützt  der  Jagdpächter,  dieser  Aufforderun
ungeachtet,  die  beschädigten  Grundstücke  nicht  genügend,  so  kann  der  Landuath
den  Gamtbestem  selbst  die  Genehmigung  ertheilen,  das  auf  diese  Grundstücke
übertretende  Wild  auf  jede  erlaubte  Weise  zu  fangen,  namentlich  auch  mit  Anwendung
  des  Schießgewehrs  zu  tödten.

Das  Nämliche  gilt  rücksichtlich  der  Besitzer  solcher  Grundstücke,  auf
welchen  sich  die  Kaninchen  bis  zu  einer  der  Feld-  und  Gartenkultur  schädlichen
Menge  vermehren,  in  Betreff  dieser  Thiergattung.  Wird  ggen  die  Verfügung
des  Landrathes  bei  der  vorgesetzten  Verwaltungsbehörde  der  Rekurs  eingelegt,  so
bleibt  erstere  bis  zur  eingehenden  höheren  Engeidung  interimistisch  güttal

Das  von  den  Grundbesitzern  in  Folge  einer  solchen  Genehmigung  des
Landrathes  erlegte  oder  gefangene  Wild  muß  aber  gegen  Bezahlung  des  in  der
Gegend  üblichen  Schußgeldes  dem  Jagdpächter  überlassen  und  die  desfallsige
Anzeige  binnen  vierundzwanzig  Stunden  erstattet  werden.

g.  26.

Auch  der  Besitzer  einer  solchen  Waldenklave,  auf  welcher  die  Jagd  nach
Han-  ar  nicht  ausgeübt  werden  dafs,  ist,  wenn  das  Grundstück  erheblichen
ildschäden  ausgesemt  ist  und  der  Besitzer  des  umgebenden  Wald-Jagdreviers
der  Aufforderung  des  Landrathes,  das  vorhandene  Wild  selbst  während  der  Schonzeit
  abzuschießen,  nicht  genügend  nachkommt,  zu  fordern  berechtigt,  daß  ihm  der
Landroth  nach  vorhergegangener  Prüfung  des  Bedürfnisses  und  a  die  Dauer
desselben  die  Genehmigung  ertheile,  das  auf  die  Enklave  übertretende  Wild  auf
jede  erlaubte  Weise  zu  fangen,  namentlich  auch  mit  Anwendung  des  Schießgewehrs
  zu  tödten.  J
n
        <pb n="609" />
        —  433  —

n  diesem  Falle  verbleibt  das  gefangene  oder  erlegte  Wild  Eigenthum
des  Enklavenbesitzers.
In  den  in  den  25.  und  26.  ghachten  Fällen  vertritt  die  von  dem
Landrathe  zu  ertheilende  Legitimation  die  Stelle  des  Jagdscheins.

S.  27.
Ein  gesetzlicher  Anspruch  auf  Ersatz  des  durch  das  Wild  verursachten
Schadens  Aeede  nicht  statt.  "4n
Den  Jagdverpächtern  bleibt  dagegen  unbenommen,  hinsichtlich  des  Wildschadens
  in  den  JngdpecchtKontrakten  Vorsorglcche  Bestimmung  zu  treffen.

.  28.
In  denjenigen  Städten,  welche  zu  keinem  landräthlichen  huse  gehören,
werden  die  in  diesem  Gesetze  den  hundrähe  übertragenen  Befugnisse  von  den

Ortspolizei.  Behörden  ausgeübt,  und  in  Stelle  der  Kreis-Kommunalkasse  tritt
die  städtische  Kasse.
(.  29.

Wer  die  Jagd  innerhalb  des  abgesteckten  Festungsrayons  von  1300  Schritten
ausüben  will,  muß  vorher  seinen  Jagdschein  von  dem  Festungskommandanten
besonders  visiren  lassen.

Die  Uebertretung  dieser  Vorschrift  wird  mit  einer  Strafe  von  zwei  bis
fünf  Thalern  geahndet.

G.  30.
An  die  Stelle  der  in  den  9  18.  19.  20.  und  29.  angedrohten  Geldstrafen

tritt  für  den  Fall,  daß  der  Uebertreter  zu  deren  Bezahlung  unvermögenkd  ist,  eine
verhältnißmäßige  Gefängnißstrafe.

K.  31.

Alle  diesem  Gesetze  entgeenstchenden  Vorschriften,  insbesondere  auch  die
Nassauische  Verordnung  vom  9.  Juni  1860.)  werden  hiermit  aufgehoben.

G.  32.

Bis  zur  Einsesung  der  landräthlichen  Behörden,  auf  Grund  der  Verordnung
  vom  22.  Februar  1867.,  werden  die  denselben  in  desen  Verordnungen
übertragenen  dienktlichen  Funktionen  von  den  zur  Zeit  bestehenden  Aemtern  verwaltet;
  auch  fließen  bis  zur  Einrichtung  der  Kreis-Kommunalkassen  die  Jagdscheingebühren
  &amp;amp;—  15.)  zur  Lindesstrurp-Kes  und  hat  über  die  Verwendung  der  eingehenden
  Beträge  die  Königliche  Regierung  zu  beschließen.

J.  zang  1867.  (Nr.  6600)  58  .  33.
        <pb n="610" />
        —  434  —

g.  33.

Die  Ausführung  bieses  Gesetzes  wird  bezüglich  der  nach  F.  2.  zu  gewährenden
  Entschädi  atn  iesehrg  wurr  im  Uöbrigen  Unserem  Minister  für  die
landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  übertragen.  -

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  30.  März  1867.

lG.  §.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

Nach-
        <pb n="611" />
        —  435  —

Nachweisung

der

in  den  einzelnen  Gemarkungen  fuͤr  den  Meter-Morgen  zu  entrichtenden

Jagdentschädigungs-Kapitalien.

 

+

Gemeinde.

 

Amt.
Klasse  a.  zu  1  Xr.  Entschädigungskapital
pro  Morgen.
Di  Dörnberg.
Nassau  Dornholzhausen.
Selters  Schnitthahn  mit  Langenbaum  und  Seeburg.
Klasse  b.  zu  7  Kr.  Entschábigungskapital
Idstein  Schwickershausen.
Nassau  Oberwies.
Usingen  Hasselbach.
Klasse  e.  zu  3  Xr.  Cutschädigungskapital
pro  Morgen.
Braubach  Camp.
Diez  Kalkofen,  Laurenburg,  Ruppenrode.
Idstein  Camberg.
Langen-Shwalboch
  Egenroth,  Langschied,  Zorn.
Nassau  Singhofen.
Rüdesheim  Espenschied.
Runke  Heckholzhausen.
St.  Goarshausen
  Kestert.
Wallmerod  Hahn,  Oberhausen,  Rothenbach.

(Nr.  6600.)

 

58“
        <pb n="612" />
        —  436  —

 

 

 

Amt.  Gemeinde.
Klasse  d.  zu  5  Kr.  Entschädigungskapital
PDro  orgen.

Braubach  Lyckershausen.

Diez  Eppenrod,  Geilnau,  Giershausen,  Hoappen  Horhausen,  Isselbach)
  Langenscheid,  Scheid,  Steinsberg.

Eltville  Erbach,  Kiedrich.

Hadamar  Dor  7*  Frickhofen,  Mühlbach,  Waldmannshausen,  Niederiefenbach.



Idstein  Würgers,  Oberselters.

Langen-Schwalbach

  Grebenroth,  Martenroth,  Niedermeilingen,  Obermeilingen.

Montabaur  Siershahn.

Nassau  Seelbach.

Rennerod  Berghahn  Gershasen,  Halbs,  Stahlhofen,  Wengenroth,  Westerurg

  Wilmenroth,  Winnen.
Rüdesheim  Nansel-.  Vollmerschied,  Geisenheim,  Johannisberg,  Preßberg,
inkel.

Runkel  Aumenau,  Blessenbach,  Eschenau,  Gaudernbach,  Hofen,  Laubus,
Eschbach,  Münster,  Obertiefenbach,  Schupbach,  Wirbelau,
Wolfenhausen,  Langhecke.

St.  Goarshau-4

  ee  en

elters  an"#  Dreifelden,  Grenzhausen,  Freilingen,  Hundsdorf,  Linden,

oadrei  /  Duirnbach  b  Selters,  Steinbach,  uleb
Baumbach,  Ransbach,  Nauort.

t  me  d  Jemsbeh,  hlen,  Ca  E  E

allmero  erod,  Dahlen,  Caden,  Eisen,  Elbingen,  Girod,  Herschbach,
Kölbingen,  Meudt,  Ruppach,  Sainscheid,  Salz,  Zehnhausen,
  Weltersburg.
Klasse  e.  zu  10  Kr.  Entschädigungskapital
pro  Morgen.

Braubach  Osterspai,  Frücht.

Diez  Cramberg.

Eltville  Oestrich,  Hallgarten,  Eltville,  Ober-Walluf,  Rauenthal.

Hadamar  Langen-Dernbach,  Heuchelheim,  Nieder-Zeugheim,  Ober  Zeugheim,
  Thalheim.

Idstein  —  Erbach,  Waledorf,  Eisenbach.

Montabaur

Ebernhahn,  Höhr.
        <pb n="613" />
        —  437  —

 

 

Amt.  Gemeinde.
Nassau  Nassau.
Rennerod  Gemünden,  Hergenroth.
Rüdesheim  Aulhausen.
Runke  Arfurt,  Villmar,  Falkenbach,  Seelbach,  Weyer.
St.  Goarshau-Dörscheid.


en
Selters

Usingen
Wallmerod

Braubach

St.  Goarshauen

Sclers
We

Braubach
Diez
Eltue
Hodamar
ontabaur
Nassau
Runkel
Selters
Wallmerod

(Fr.  6600)

 

Alsbach,  Hilgert  mit  Faulbach,  Freirachdorf,  Mogendorf,
Rückerod,  Steinen  (mit  Straße  und  Stahlhofens  /  Vielbach,
  Zürbach.

Wehrheim,  Pfaffenwiesba

Brandscheid,  Girkenrod,  old  ausen,  Guckheim,  Haertlingen,
Hundsangen,  Molsberg,  Pütschbach,  Steinefrenz,  Wallmerod,
  Weroth.

Klasse  f.  zu  15  Kr.  Entschädigungskapital
pro  Morgen.

Filsen.

Biebrich  0  Charlottenberg,  Schaumburg.
Mittelheim.

Kirberg,  Limburg

gerfun,  Steshanshausen,  Aßmannshausen.
Runke

Weisel,  Sauerthal.
Goddert,  Nordhofen.
Obernhein.
Bilkheim.

Klasse  g.  zu  20  Xr.  Entschädigungskapital
pro  Morgen.
Nieder-Lahnstein.
Wasenbach.
Hattenheim,  Neudorf.
Hadamar.
Sitelborn.  D
ergnassau,  Scheuern,  Dienethal.
Schsdel  Steeten.
Stromberg.
Mähren.
        <pb n="614" />
        —  436  —

 

Amt.  Gemeinde.

 

Klasse  n.  zu  20  Xr.  Entschädigungskapital
pro  Morgen.

Braubach  Pechbach,  Miellen,  Nievern.
iez  alduinstein.

Sloile  Aieder,  ei
ö  ieder-Hofheim.

Lecht..  Dehrn.

Rüdesheim  Lorchhausen,  Eibingen.
Klasse  1.  zu  40  Xr.  Entschädigungskapital

pro  Morgen.
#  rbe

 

 

r.  6601.)
        <pb n="615" />
        —  439  —

(Nr.  6601.)  Bekanntmachung,  betreffend  das  Erlöschen  der  Garantie  des  eigenthümlichen
Fonds  der  Schlesischen  Landschaft  für  die  neuen  landschaftlichen  Pfandbriefe.
  Vom  27.  März  1867.

In  H.  22.  des  Regulativs  über  die  Beleihung  des  nach  dem  Schlesischen
Landschaftsreglement  von  dem  landschaftlichen  Kreditverbande  ausgeschlossenen
lndlichen  Grundeigenthums  vom  11.  Mai  1849.  (Gesetz=  Samml.  für  1849.
S.  191.)  ist  bestimmt,  daß  so  lange  der  Sicherheitsfonds  der  neuen  lendschaft
lichen  Pfandbriefe  nicht  fünf  Prozent  der  schwebenden  Pfandbriefschuld  erreicht
  hat,  die  B  von  neuen  landschaftlichen  Pfandbriefen  wegen  Befie
  igung  ihrer  Forderungen  an  Kapital  und  Zinsen,  auch  in  letzter  Linie  auf
ie  eigenthümlichen  Fonds  der  Schlesischen  Landschaft  zurückzugehen  befugt  sind.
Demnächst  ist  in  diesem  F.  22.  verordnet:

„Diese  Garantie  der  eigenthünlichen  Fonds  erlischt  jedoch  von  selbst,  sobald
  der  Sicherheitsfonds  zuerst  auf  jenen  Betrag  von  fünf  Mrozent  der
Schuld  gebracht  ist,  und  bleibt  von  diesem  3n  Hner  Zeit  öffentlich  bekannt
  zu  machenden  Zeitpunkte  ab  das  Recht  der  Pfandbriefs-Inhaber
auf  die  unter  a.  und  b.  bezeichneten  Objekte  (den  Sicherheitsfonds  und
die  von  der  Landschaft  für  bewilligte  Pfandbriefe  erworbenen  Hypotheken-Forderungen)
  eingeschränkt.“
Mit  Bezu  aof  des  Vorschrift  wird  hierdurch  bekannt  gemacht,  daß  die
schwebende  neue  Pfandbriefsschuld  der  Schlesischen  Landschaft  zur  Zeit
2/343,325  Thaler
beträgt,  während  der  Sicherheitsfonds  der  neuen  landschaftlichen
*#  briefe  gegenwärtig  eine  bhe  E—  168,850  Thaler,
also  von  7,2  Prozent  jener  “  d  erreicht  hat.
Die  Garantie  der  eigenthümlichen  Fonds  der  Schlesischen  Landschaft  für
die  schwebende  neue  Pfandbriefsschuld  ist  daher  erloschen.

Berlin,  den  27.  März  1867.

Der  Justizminister.  Der  Minister  des  Innern.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Tr.  6601—6602)  (TNr.  6602.)
        <pb n="616" />
        —  440  —

(Nr.  6602.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  30.  März  1867.,  betreffend  die  Verschmelzung  des
Telegraphenwesens  in  dem  ehemaligen  Herzogthum  Nassau  mit  dem
Preußischen  Telegraphenwesen.

A##  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  16.  März  d.  J.  genehmige  Ich,
daß  das  Telegraphenwesen  in  dem  ehemaligen  Herzogthum  Nassau  vom  1.  April
d.  J.  ab  mit  dem  Preußischen  Telegraphenwesen  verschmolzen  werde.

Berlin,  den  30.  März  1867.
Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-  Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
"  (Wr.  Dik.
        <pb n="617" />
        —  441  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

NNr.  29—

 

(Nr.  6603.)  Vertrag  zwischen  Preußen  und  Oldenburg  wegen  Ausführung  einer  Eisenbahn
von  Leer  nach  Oldenburg.  Vom  17.  Januar  1867.

Sn  Majestät  der  König  von  Preußen  und  Seine  Königliche  Hoheit  der
Großherzog  von  Oldenburg  haben,  zum  Zwecke  einer  Vereinbarung  über  die  Herstellung
  einer  Eisenbahnverbindung  zwischen  Oldenburg  und  Leer  zu  Bevollmächtigten
  ernannt:

Seine  Majestät  der  König  von  Preußen:
Allerhöchstihren  Geheimen  Ober-Regierungsrath  Carl  Wilhelm
Everhard  von  Wolf  und

Allerhöchstihren  Wirklichen  Legationsrath  Paul  Ludwig  Wilhelm
Jordan,

Seine  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Oldenburg:
Allerhöchstihren  Regierungspräsidenten  Albrecht  Johannes
Theodor  Erdmann,
welche,  nach  Auswechselung  ihrer  Vollmachten,  vorbehaltlich  der  Ratifikation,  folgenden
  Staatsvertrag  abgeschlossen  haben.

Artikel  1.

Die  Königlich  Preußische  Regierung  gestattet  der  Großherzoglich  Oldenburgischen
  Regierung,  eine  für  alleinige  Nechmug  der  letztgedachten  Regierung  zu
hauen,o  zu  gereien  n  bobomehee  nmein  go  Olbenbur  Koer  die

reußisch-Oldenburgische  Landesgrenze  bei  Holtgast  durch  das  Königlich  Preußische
—  zum  Waschluc  an  die  Eisenbahn  von  Emden  nach  Rhehne,  nach  Leer

zu  führen.
Artikel  2.
Die  Großherzoglich  Oldenburgische  Regierung  wird  die  im  Artikel  1.  ge-Johegang
  1867.  (Drr.  6603.)  59  nannte

Ausgegeben  zu  Berlin  den  16.  April  1867.
        <pb n="618" />
        —  442  —

nannte  Bahn  von  Oldenburg  nach  Leer  auf  ihre  alleinige  Kosten  *  Ausführung
bringen,  und  so  fördern,  daß  sie  spätestens  Ende  1870.  dem  Betriebe  eröffnet  wird.

Artikel  3.

Ueber  die  zur  Ausführung  kommende  Speziallinie  der  im  Artikel  1.  genannten
  Bahn  wird  unter  den  beiden  kontrahirenden  Hohen  Regierungen  eine
Verständigung  stattfinden.  Im  Uebrigen  bleibt  bei  dieser  Bahn  der  Großherzoglich
  Oldenburgischen  Regierung  die  Feststellung  der  Bauprojekte  überlassen.  Die
Projekte  sollen  jedoch  vor  der  Ausführung  der  Königlich  Preuwsschen  Regierung
mitgetheilt,  auch  dabei  alle  Einrichtungen  und  Anlagen  vermieden  werden,  welche
die  Königlich  Preußische  Regierung  bei  ihren  eigenen  Bahnen  aus  sicherheitspolizeilichen
  Rücksichten  nicht  zuläßt.

Artikel  4.

Die  Spurweite  der  zu  erbauenden  Eisenbahn  soll  in  Uebereinstimmung
mit  den  anschließenden  Bamen  überall  gleichmäßig  vier  Fuß  acht  und  einen
halben  Zoll  Englischen  Maaßes  im  Lichten  der  Schienen  betragen.

Auch  im  Uebrigen  sollen  die  Bahn  und  deren  Betriebsmittel  dergestalt
eingerichtet  werden,  daß  letztere  von  und  nach  den  anschließenden  Bahnen  ungestört
  übergehen  können.

Artikel  5.

Die  Großherzoglich  Oldenburgische  Regierung  wird  im  Königlich  Preußischen
  Gebiete  Stationen  und  Haltestellen  sowohl  für  den  Personen=  als  auch
für  den  Güterverkehr  an  allen  denjenigen  Punkten  anlegen,  an  denen  ein  entsprechendes
  Verkehrsbedürfniß  vorhanden  ist  oder  künftig  sich  herausstellen  wird.

Artikel  6.

Die  Königlich  Preußische  Regierung  ist  bereit,  soweit  es  mit  den  Interessen
  der  Emden-Rheiner  Eisenbahn  verträglich  ist,  den  Bahnhof  dieser  Bahn
u  Leer  der  Großherzoglich  Oldenburgischen  Regierung  zur  Mitbenutzung  zu  gestatten.
  Ueber  den  Umfang  und  die  Bedingungen  deßtr  Mitbenutzung,  insbesondere
  auch  über  die  Großherzoglich  Oldenbergushtr  Seits  dafür  zu  gewährenden
Vergütungen  werden  die  Eisenbahnverwaltungen  beider  Staaten  besondere  Verständigung
  treffen.

Artikel  7.

Insoweit  die  zur  Eisenbahnanlage  erforderliche  vorübergehende  oder  bleibende
  Abtretung  des  Grundes  und  Bodens,  sowie  die  dazu  etwa  nöthige  Aufben
  von  Gerechtsamen  im  Wege  gütlicher  Vereinbarungen  zwischen  der  Großerzoglich
  Oldenburgischen  Regierung  und  den  Betheiligten  nicht  zu  erreichen  ist,
wird  die  Königlich  Preußische  Regierung  das  Enteignungsverfahren  eintreten
lassen,  welches  zur  Zeit  des  Baues  der  im  Artikel  1.  gedachten  Eisenbahn  hwei

n-
        <pb n="619" />
        —  443  —

Anlegung  von  Staats-Eisenbahnen  in  dem  Gebiete  des  ehemaligen  Königreichs
Hannover  zur  Anwendung  kommt.

Artikel  8.

Die  Großherzoglich  Oldemburzische  Regierung  wird  bei  der  im  Königlich
Preußischen  Gebiete  4  bauenden  Bahnstrecke  alle  Vorkehrungen  und  Anlagen
einrichten  und  unterhalten,  welche  an  Wegen,  Ueberfahrten,  Triften,  Einfriedigungen,
Bewässerungs=  und  Vorkluthanlagen  nöthig  sind,  um  die  ungestörte  Verbindung
wischen  den  an  beiden  Seiten  der  Eisenbahn  belegenen  Ortschaften  und  Grund-4
  en  zu  erhalten,  und  die  benachbarten  Grundbesitzer  gegen  Gefahren  und  Nachtheile
  in  Benutzung  ihrer  Grumdstücke  zu  sichem.  Entsteht  die  Nothwendigkeit
solcher  Anlagen  erst  nach  Eröffnung  des  Bahnbetriebes  durch  eine  mit  den
benachbarten  Grundstücken  vorgehende  Veränderung,  so  wird  die  Großherzoglich
Oldenburgische  Regierung  dieselben  zwar  einrichten  und  unterhalten,  jedoch  nur
auf  Kosten  der  Interessenten.  Bestehende  Kommunikationswege  dürfen  nur  unterbrochen
  werden,  nachdem  vorher  provisorische  Einrichtungen  getroffen  sind,  welche
Ven  hrebedůrfnifte  genügen  und  den  sicherheitspolizeilichen  Anforderungen

prechen.

Artikel  9.

Die  Großherzoglich  Oldenburzisch-  Regierung  hat  für  die  Verpflegung  der
erkrankten  Arbeiter  und  nöthigenfalls  für  deren  Fortschaffung  in  die  Heimath
Sorge  zu  tragen.

Artikel  10.

Die  Landeshoheit  bleibt  hinsichtlich  der  von  der  Großherzoglich  Oldenburischen
  Regierung  zu  bauenden  und  zu  betreibenden  Bahnstrecke  im  Königlich
reußischen  Gebiete  der  Königlich  Preußischen  Regierung  auedrücklich  vorbehalten.

Auch  sollen  die  an  der  Bahnstrecke  im  Königlich  Preußischen  Gebiete  zu  errichtenden
Hoheitszeichen  nur  diejenigen  des  Preußischen  Staates  sein.

Alle  innerhalb  des  Königlich  Preußischen  Gebietes  vorkommenden,  die
Bahnanlage  oder  den  Transport  auf  derselben  betreffenden  Verbrechen,  Vergehen
und  Uebertretungen  sollen  den  Königlich  Preußischen  Behörden  r  Untersuchun
und  Bestrafung  angezeigt  und  nach  den  Königlich  Preußischen  Gesetzen  beurtheilt
werden.

Für  die  auf  den  Eisenbahndienst  bezüglichen  Dienstverbrechen  und  Vergehen
der  von  der  Großherzo  lig  Oldenburgischen  Regierung  angestellten  Beamten  sind
jedoch  die  —  ldenburgischen  Behörden  allein  zuständig.

Wird  die  Verhaftung  eines  auf  der  Bahn  innerhalb  des  Königlich  Preußischen
Gebietes  angsstellt  roßherzoglich  Oldenburgischen  Eisenbahnbediensteten  wegen
Verbrechen,  Vergehen  oder  Uebertretungen  von  Königlich  Preußischen  Behörden
verfügt,  8  wird  hierbei  von  denselben  auf  die  Erfordernisse  des  Eisenbahndienstes
gehörige  Rücksicht  genommen  und,  so  weit  es  nach  den  Unwänden  irgend  thunli
ist,  die  nächstvorgcheh  Eisenbahnbehörde  so  zeitig  vor  der  erhaftung  in  Kenntni

(Nr.  6603.)  9  ge-
        <pb n="620" />
        —  444  —

gesetzt  werden,  daß  der  etwa  nöthige  Stellvertreter  noch  rechtzeitig  in  den  Dienst
eingewiesen  werden  kann.

Gesetzliche  Bestimmungen,  welche,  vom  Tage  des  Abschlusses  dieses  Vertrages
  an  gerechnet,  in  Bezug  auf  Eisenbahn-Unternehmungen  von  der  Königlich
Preußischen  Regierung  erlassen  werden,  sollen  für  die  in  Rede  stehende  Eisenbahn,
so  lange  sie  im  Eigenthume  und  im  Betriebe  der  Großherzoglich  Oldenburgischen
Regierung  sich  befindet,  ohne  vorherige  Verständigung  keine  Anwendung  finden.

Artikel  11.

Es  bleibt  der  Königlich  Preußischen  Regierung  vorbehalten,  innerhalb  ihres
Gebietes  an  die  im  Artikel  1.  bezeichnete  Eisenbahn  andere  Bahnen  anzuschließen,
beziehungsweise  darüber  oder  darunter  wegzuführen.

Artikel  12.

Die  Bahn  oligei.  Ordnungen  werden  von  der  Königlich  Preußischen  Rezierung
  für  die  A#usthere  ihres  Gebietes  nach  vorgängiher  Verständigung  mit  der
den  Betrieb  führenden  Großherzoglich  Oldenburgischen  Regierung  erlassen  werden.
Den  Großherzoglich  Oldenburgischen  Eisenbahnbeamten  werden  dabei  in  Bezug
auf  die  Eisenbahnpolizei  dieselben  Befugnisse  eingeräumt  werden,  welche  auf  den
Königlich  Preußischen  Staatsbahnen  die  betreffenden  Königlich  Preußischen  Bahnbeamten
  auszuüben  haben.  Die  von  der  Großherzoglich  Olden  urgischen  Regierung
geprüften  Betriebsmittel  sollen  ohne  weitere  Revision  im  Königlich  Preußischen
Pediele  zugelassen  werden.

Artikel  13.

Die  Großherzoglich  Oldenburfiche  Regierung  verpflichtet  sich,  die  auf  Grund
dieses  Vertrages  von  ihr  im  Königlich  Preußischen  Gebiete  ausgebaute  Bahn  mit
lächer  Sor  Fat  serzwähren  zu  unterhalten  und  zu  betreiben,  wie  ihre  Staatsahnen
  auf  Großherzoglich  Oldenburgischem  Gebiete.

Artikel  14.

Betreff  der  Staats=  und  Gemeindeabgaben  und  Lasten  wird  die  Königlich
  Preußische  Regierung  die  Befreiungen,  welche  sie  der  am  meisten  begünstigten
  Regierung  oder  Eisenbahngesellsca  für  ihre  Eisenbahnen  im  Königlich
Preußischen  Gebiete  eingeräumt  hat,  oder  noch  einräumen  wird,  auch  der  Großberogich
  Oldenburgischen  Regierung  zu  Theil  werden  lassen.  Insbesondere  soll
der  Betrieb  auf  der  im  Königlich  Preußischen  Gebiete  liegenden  Strecke  der
Vah  zwischen  Oldenburg  und  Leer,  so  lange  sie  sich  im  Eigenthume  und  Betriebe
  der  Großherzoglich  Oldenburgischen  Regierung  befindet,  mit  einer  Gewerbeleuer
  oder  ähnlichen  öffentlichen  Abgaben  nicht  belegt  werden,  auch  rücksichtlich
en  Grundsteuer  als  verabredet  gelten,  daß  unter  allen  Umständen  mindestens
die  Schienenwege  von  der  Grundsteuer  befreit  bleiben  müssen.

Ar.
        <pb n="621" />
        —  446  —

Artikel  15.

Für  den  Fall,  daß  die  bestehende  Zolleinigung  zwischen  dem  Königreiche
Preußen  und  dem  Großherzogthume  Oldenburg  aufhören  sollte,  verpflichtet  sich
die  Königlich  Preußische  Regierun  auf  der  Eisenbahn,  welche  Gegenstand  geenwärtigen

  Vertrages  ist,  keine  Durchgangsabgaben  zu  aheben  p,  auch  hinsichtich
  der  darauf  kanstiranden  Güter  die  zollamtlichen  Kontrolmaaßregeln  stets  auf
das  nothwendigste  Maaß  zu  beschränken.

Dagegen  sichert  die  Großherzoglich  Oldenburgische  Regierung  für  denselben
Fall  die  Durchgangszoll-Freiheit  für  alle  diejenigen  Waaren  zu)  welche  im  Eisenbahnverkehr
  von  dem  Königlich  Preußischen  Gebiete  durch  das  Großherzogthum
Oldenburg  nach  dem  Königlich  Preußischen  Gebiete  durchgeführt  werden.

Artikel  16.

Nicht-Preußen,  welche  die  Großhergoglich  Oldenburgische  Regierung  bei
der  Bahnstrecke  im  Königlich  Preußischen  Gebiete  beschisügt  oder  anßell,  scheiden
  dadurch  aus  dem  Unterthanenverbande  ihres  Heimathslandes  nicht  aus.

Artikel  17.

Die  Großherzoglich  Oldenburgische  Regierung  ist  damit  einverstanden,  daß
die  von  ihr  bestellte  Bau.  und  Betriebsverwaltung  wegen  aller  Entschädigungsansprüche,
  welche  aus  Anlaß  der  Eisenbahnanlage  auf  Königlich  renssschem
Gebiete,  oder  des  Betriebes  auf  derselben  erhoben  werden  möchten,  der  Entscheidung
  der  zuständigen  Königlich  Preußischen  Gerichte  sich  zu  unterwerfen  habe,
und  daß  die  gegen  die  vorgedachte  Verwaltung  in  Vertretung  der  Großhersoglich
Oldenburgischen  Regierung  ergehenden  Entscheidungen  ihrersts  als  verbindlich
anzuerkennen  seien.  Artiker  1

rtikel  18.

Die  Feststellung  der  Fahrpläne  und  der  Tarse  wird  der  Großherzoglich
albenburzischen  Negierung  insoweit  und  so  lange  allein  überlassen,  als  die  im
Artikel  1.  gedachte  äon  in  ihrem  Eigenthume  und  eigenen  Betriebe  sich  befindet.

Es  sollen  jedoch  auf  diesei  Bahn  mindestens  zwei  Personenzüge  täglich
4  und  zurück  stattfinden,  welche,  soweit  die  Königlich  Preußische  Regierung  es
ür  Bedürfniß  erkennen  wird,  bei  sämmtlichen  Stationen  un  Haltestellnn  des
Königlich  Preußischen  Gebietes  anhalten.

Aufferdem  wird  die  Großherzoglich  Oldenburgische  Regierung  für  den  gesammten
  Verkehr  von  und  nach  den  im  Königlich  Prerzichs  Gebiete  liegenden
Stationen  und  Haltestellen  keine  ungünstigeren  Tarsessumen  und  keine
höheren  Tarifseinheiten  zur  Anwendung  bringen,  als  für  den  Verkehr  von  und
nach  den  im  Großherzoglich  Oldenburgischen  Gebiete  liegenden  Stationen  und
Haltestellen  jeweilig  in  Geltung  sein  werden.  Die  Königlich  Preußische  Regiezung
  wird  dagegen  für  den  über  die  Rheine,  Emdener  Eisenbahn  nach  der  Oldenburgischen
  Bahn  und  umgekehrt  gehenden  Verkehr  keine  höheren  Tarifbestimmungen
  eintreten  lassen,  als  jeweilig  für  den  Verkehr  nach  und  von  Leer  gelen

(Nr.  6603.)  "
        <pb n="622" />
        —  446  —

Tauffermäßigungen  und  Erleichterungen,  welche  einem  Interessenten  zu
Theil  werden,  sollen  bei  sonst  gleichen  Verhällhisse  auch  anderen  Interessenten
gewährt  werden.

Zwischen  den  gegenseitigen  Unterthanen  sollen  sowohl  bei  Feststellung  der
Fahr=  und  Küachtpreife  als  auch  in  Bezug  auf  die  Zeit  der  Abfertigung  keine
Unterschiede  gemacht  werden,  namentlich  sollen  die  aus  dem  Gebiete  des  einen
Staates  in  das  Gebiet  des  anderen  Staates  übergehenden  Transporte  weder  in
Beziehung  auf  die  Abfertigung,  noch  rücksichtlich  der  Beferderungspreil  ungünstiger
behandelt  werden,  als  die  aus  dem  betreffenden  Staate  abgehenden  und
verbleibenden  Transporte.

arin

Artikel  19.

Ueber  die  Hemuzung  der  Eisenbahn  zwischen  Oldenburg  und  Leer  zu  Postbeförderungen
  werden  die  beiderseitigen  Postverwaltungen  sich  verständigen.  Im
Uebrigen  sollen  bei  Ausübung  des  Eisenbahnbetriebes  auf  der  Königlich  Preußischen
Gebietsstrecke  durch  die  Großherzoglich  Oldenburgische  Regierung  folgende  Bestimmungen
  Anwendung  finden:

1)  Die  Großherzogliche  Regierung  ist  in  Ansehung  des  Postzwanges  denjenigen
  Bestimmungen  unterworfen,  welche  aus  den  allgemeinen  Bestimmungen
  über  das  Verhältniß  der  Ehmkahnen  zu  den  Posten  im  früheren
Königreiche  Hannover  folgen.  Die  Eisenbahn-Dienstkorrespondenz,  sowie
die  Sendungen  von  Akten,  Drucksachen  und  Geldern  in  Dienstangelegenheiten
  der  Großherzoglichen  Eisenbahnverwaltung  sollen  jedoch  durch
die  eigenen  Beamten  mitbefördert  werden  dürfen,  wenn  die  betreffenden
Schreiben  oder  die  Begleitbriefe  zu  dergleichen  Sendungen  mit  dem  Eisenbahndienstsiegel
  bedruckt  oder  verschlossen  und  mit  dem  Rubrum:  „Eisenbahndienstsachen“
  versehen  sind.

2)  Die  Großherzogliche  Regierung,  verpflichtet  sich  der  Köriglich  Preußischen
Postverwaltung  gegenüber  zu  denjenigen  Leistungen,  welche  die  unter  1.
erwähnten  Bestinbrungen  mit  sich  führen,  nämlich  zu  dem  unentgeltlichen
Transport  der  Brief=  und  Fahrpostsendungen,  und  der  dieselben  begleitenden
  Postbediensteten,  sowie  zur  unentgeltlichen  Gestattung  der  dazu
erforderlichen  Behältnisse  oder  Wagen,  wogegen  die  Preußische  Posttaxe
auft  der  betreffenden  Eisenbahnlinie  nicht  unter  das  Doppelte  der  Eisenbahn-Eilfrachttaxe
  herabgesetzt  werden  wird.

Artikel  20.

Das  im  Artikel  9.  des  Staatsvertrages  vom  16.  Februar  1864.,  betreffend
die  weitere  Entwickelung  der  durch  den  Vertrag  vom  20.  Juli  1853.  begründeten
Verhälltnisse,  vorgesehene  Recht  der  Königlich  Preußischen  Regierung  zur  Anlegung
und  zum  Betriebe  ober=  und  unterirdischer  Telegraphenleitungen  langs  der  in  dem
ersterwähnten  Vertrage  näher  bezeichneten  Eiserhahnen  im  Transit  durch  das
Großßergaglich  Oldenburgische  Gebiet  wird  auf  die  Eisenbahn  von  Oldenburg
nach  Leer  dergestalt  ausgedehnt,  daß  der  Königlich  Preußischen  Regierung  bestan

ein
        <pb n="623" />
        —  447  —

sein  soll,  die  auf  Grund  jenes  Vertrages  anzulegenden  und  zu  betreibenden  Telegraphenliuien
  unter  gleichen  Voraussetzungen  und  Bedingungen  von  Oldenburg
is  Leer  fortzusetzen.

Die  Königlich  Preußische  Regierung  räumt  dagegen  der  Großherzoglich
Oldenburgischen  Regierung  isch  Befuc  iß  can  auf  der  e0e  letzterer  gebauten  und
betriebenen  Bahnstucke.  im  Königlich  Preußischen  Gebiete  für  Eisenbahndienstzwecke
eine  Telegraphenleitung  anzulegen  und  zu  unterhalten.  Bei  Ausübung  dieses
Rechtes  wird  die  Hüchzerta  Oldenburgische  Regierung  auf  allen  Eisenbahnstations=
  oder  Haltepunkten,  wo  des  Eise  bahndienste  wegen  ein  Telegraphenbetrieb
  stattfindet,  insoweit  die  Königlich  Preußicche  Regierungess  verlangt,  den
Habntelegraphen  auch  für  dden  telegraphischen  Verkehr  der  Behörden  und  des
Publikums  nutzbar  machen,  und  in  diesem  Falle  keine  höhere  Gebühren  in  Anwendung
  bringen,  als  im  Großherzoglich  Oldenburgischen  Gebiete  für  gleiche  Leistungen
erhoben  werden.

Artikel  21.

Auf  der  im  Artikel  1.  gemannten  Eisenbahn  sollen  für  die  Beförderung
von  Königlich  Preußischen  Militair=  und  Marinemannschaften  keine  höhere  als
die  jeweilig  auf  den  Königlich  Preußischen  Staats-Eisenbahnen  geltenden  Sätze
erhoben  werden.

Einer  jeden  auf  der  Eisenbahn  aus  dem  Preußischen  Gebiete,  gwe  in  entgegengesetzter
  Richtung  durch  das  Großhersoglich  Oldenburgische  Gebiet  zu  bewirkenden
  Truppensendung,  welche  mehr  als  1  Bataillon  oder  1  Eskadron  oder
1  Batterie  beträgt,  soll  eine  Anzeige  und  zweeh  mit  der  Groseh
Oldenburgischen  Regierung  binnen  angemessener  Frist  vorausgehen,  en  Fällen
außerordentlicher  Donnzlich  eit,  wo  ohne  Gefährdung  des  Zweckes  eine  vorgängige
Benehmung  mit  der  Großherzoglichen  Regierung  richt  zu  bewirken  sein  würde,
will  diese  es  geschehen  lassen,  daß  von  dieser  Benehmung  ausnahmsweise  abgesehen
  werde.  Es  soll  jedoch  aac,  in  solchen  Fällen  der  Absendung  der  Transporte
  unter  allen  Umständen  eine  Anzeige  an  die  Großherzogliche  Regierung  oder
an  die  nach  Befinden  deshalb  mit  Anweisung  zu  versehende  Behörde  vorangehen.

Wird  ohne  vorgineiges  Benehmen  mit  der  Großherzoglichen  Regierung
Königlich  Preußischer  Seits  eine  Truppenbeförderung  auf  *  Bahn  verlangt,
ist  die  Großherzogliche  Eisenbahnverwaltung,  insoweit  ihr  die  dazu  erforderichen
  Transportmittel  auf  der  betreffenden  Station  mangeln,  zur  Ausführung
des  Transportes  nur  unter  der  Voraussetzung  gehalten,  daß  die  schlenden  Transportmittel
  Königlich  Preußischer  Seits  gestellt  werden.

Artikel  22.

Die  Großherzoglich  Oldenburgische  Regierung  überläßt  dem  Ermessen  der
Königlich  Preußischen  Negierung,  zur  Ueberwachung  der  Königlich  Preußischen
Interessen  und  Gerechtsame  bei  der  von  der  Großherzoglich  Oldenburgischen  Reierung

  im  Königlich  Preußischen  Gebiete  gebauten  und  betriebenen  Eisenbahn,
43  zur  Verhandlung  mit  der  Großherzoglich  Oldenburgischen  Eisenbahn-Ver.
(Nr.  6603.)  wal-
        <pb n="624" />
        —  448  —

waltung  in  allen  auf  den  Bau  und  Betrieb  sich  beziehenden  Angelegenheiten  einen
besonderen  Kommissarius  zu  bestellen.

Die  von  der  Großherzoglichen  Regierung  eingesetzte  leitende  Bau=  und
Betriebsverwaltung  wird  diesem  ass  jede  ür  seine  Zwecke  nöthige
Einsicht  gestatten,  beziehungsweise  Auskunft  ertheilen.

Artikel  23.

Die  Königlich  Preußische  Regierung  behält  sich  das  Recht  vor,  die  innerhalb
  ihres  Gebietes  belegene  Strecke  der  im  Artikel  1.  genannten  Bahn  nebst
allem  zu  dieser  Strecke  zu  rechnenden  Zubehör  nach  TAblauw,  von  dreißig  Jahren,
vom  Tage  der  Eröffnung  des  Betriebes  an  gerechnet,  in  Folge  einer  mindestens
ein  Jahr  vorher  zu  machenden  Muündigung  gegen  Erstattung  des  Anlagekapitals
  zu  erwerben.  Infosern  zur  Zeit  der  rabung  der  Zustand  der  Bahn
gegen  die  ursprüngliche  Anlage  sich  wesentlich  verschlechtert  haben  möchte,  soll
jedoch  von  dem  zu  erstattenden  Anlagekapital  sach  einem  durch  Sachverständige
zu  bestimmenden  Prozentsüze  ein  dem  dermaligen  Zustande  entsprechender  Abzug
gemacht  werden.

Beide  Hohe  kontrahirende  Regierungen  sind  darüber  einverstanden,  daß
eintretenden  Falles  keine  Unterbrechung  des  Betriebes  stattfinden,  vielmehr  ein
einheitlicher  Betrieb  fortgesetzt  und  zu  dem  Endzwecke  rechtzeitig  die  geeignete
Verständigung  getroffen  werden  soll.

Artikel  24.

Für  den  Fall,  daß  die  Großherzoglich  Olbenburgscche  Regierung  sich  veranlaßt
  sehen  möchte,  die  im  Königlich  Preußischen  Gebiete  hergestellte  Bahn-Heehe
  künftig  an  eine  andere  Regierung  oder  an  Privatunternehmer,  sei  es  im

ege  einer  Konzession  oder  der  Veräußerung  oder  Verpachtung,  ganz  oder  theilweise
  zu  äbcsisin  (so  ist  hierzu  die  Zustimmung  der  Kömidich  Preußischen
Regierung  erforderlich,  und  wird  alsdann  über  die  einer  Abänderung  bedürfenden
  Punkte  des  gegenwärüigen  Vertrages  das  Nähere  zwischen  den  beiderseitigen
Regierungen  verabredet  werden.

Artikel  25.

Etwaige,  aus  gegenwärtigem  Vertrage  oder  über  die  Ausführung  desselben
entstehende  Streitfragen  zwischen  den  beiden  kontrahirenden  Regierungen  sollen
schiedsrichterlich  erledigt  werden.  Zu  diesem  Behufe  ernennt  im  vorkommenden

alle  binnen  sechs  Wochen  nach  beantragter  schiedsrichterlicher  Entscheidung  jeder
heil  zwei,  keinem  der  beiden  Staaten  angehörige  unparteiische  Schiedsmänner,
welche  einen  fünften  sich  beiordnen,  unter  denen  dann  die  Stimmenmehrheit  über
den  Streitpunkt  endgültig  entscheidet.  Können  die  vier  gewähten  Schiedemänner
sich  über  die  Person  des  fünften  nicht  einigen,  so  hat  jede  der  beiden  Regierungen
einen  unparteiischen,  gleichfalls  keinem  der  beiden  Staaten  angehörigen  Mann
u  dem  Zwecke  zu  bezeichnen,  damit  nach  Bestimmung  des  Looses  einer  dieser

eiden  Männer  von  den  vier  Schiedsmännern  als  fünfter  zugezogen  werde.
er
        <pb n="625" />
        —  449  —

Artikel  26.

Der  gegenwirtige  Vertrag  soll  beiderseits  zur  landesherrlichen  Genehmigung
vorgelegt  und  die  Auswechselung  der  Ratifikations-Urkunden  zu  Berlin  binnen
vier  Wochen  vorgenommen  werden.

Dessen  zu  Urkund  haben  die  beiderseitigen  Bevollmächtigten  den  Vertrag
in  zwei  gleichlautenden  Ausfertigungen  unter  Beidrückung  ihrer  Siegel  eigenhändig
unterzeichnet.

So  geschehen  Berlin)  den  17.  Januar  1867.

(L.  S.)  Carl  Wilhelm  Everhard  von  Wolf.
(L.  S.)  Paul  Ludwig  Wilhelm  Jordan.
(L.  S.)  Albrecht  Johannes  Theodor  Erdmann.

Vorstehender  Vertrag  ist  ratifizirt  worden  und  die  Auswechselung  der
Ratifikations-Urkunden  hat  stattgefunden.

 

Jasrgang  1867.  (Nr.  6603—6604.)  60  (Tr.  6604.)
        <pb n="626" />
        —  460  —

(Nr.  6604.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  13.  März  1867.,  betreffend  die  in  Gemäßheit  des
Gesetzes  vom  21.  Mai  1861.  zur  Deckung  der  für  die  Aufhebung  der
Grundsteuer-Befreiungen  und  Bevorzugungen  zu  gewährenden  Entschädigung
  aufzunehmende  Staatsanleihe.

A  Ihren  Antrag  vom  11.  d.  M.  genehmige  Ich,  daß  die  gemäß  §.  20.  des
Gesetzes,  betreffend  die  für  die  Aufhebung  der  Grundsteuer-Befreiungen  und  Bevoriugungen
  zu  gewährende  Entschädigung,  vom  21.  Mai  1861.  (GesetzSamml.
S.  327.)  zachesreben  Staatsanleihe  in  Schuldverschreibungen  über  fünfhundert
Thaler,  Einhundert  Thaler,  funfzig  Thaler  und  jünfundpanzg  Thaler  und  zwar
einstweilen  um  Gesammtbetrage  von  zehn  Millionen  Thaler  ausgegeben  werde.
Hr  den  Fall,  daß  dieer  Betrag  sich  zur  Gewährung  der  sämmtlichen  nach  jenem
esetze  festzustellenden  mischädigunge  nicht  als  ausreichend  ergeben  sollte,  will  Ich
Ihrem  weiteren  Antrage  wegen  Ausgabe  des  erforderlichen  Mehrbetrages  der
Anleihe  seiner  Zeit  eneegensshen,  Ich  ermächtige  Sie,  hiernach  und  in  Gemähheit  der
weiteren  beczüglichen  estimmungen  im  §.  20.  a.  a.  O.  die  erforderlichen  Anordnungen
  zur  Ausführung  der  Anleihe  zu  treffen.
Dieser  Mein  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß
  zu  bringen.

Berlin,  den  13.  März  1867.
Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.
An  den  Finanzminister- 



(Nr.  6605.)
        <pb n="627" />
        —  451  —

(Nr.  6605.)  Statut  der  Rgielskoer  Entwässerungs--Genossenschaft  im  Kreise  Wongrowitz.
Vom  25.  März  1867.

Wir  Wilhelm,)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  urcR

verordnen,  nach  Anhörung  der  Betheiligten,  dem  Antrage  der  Meistbetheiligten  ent-Herrchey
  auf  Grund  des  Artikels  2.  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1853.  und  der
§.  56.  57.  des  Gesetzes  vom  28.  Februar  1843.,  was  folgt:

K.  1.

Die  Besitzer  der  im  Kreise  Wongrowitz  an  den  Seen  von  Rgielsko,  Leckno,
Regdosz  und  Stempuchowo,  wie  an  den  Grabenverbindungen  zwischen  diesen
Seen  belegenen  Grundstücke,  werden  zu  einer  Genossenschaft  unter  dem  Namen:

„Rgielskoer  Entwässerungs-Genossenschaft“
vereinigt,  um  ihre  Grundstücke  durch  Entwässerung  und,  soweit  es  nützlich  und
ausführbar  ist,  durch  Wiederbewässerung  zu  verbessern.  ·

Die  Genossenschaft  hat  Korporationsrechte  und  ihren  Gerichtsstand  bei  dem

Kreisgerichte  zu  Wongrowitz.

g.  2.

Die  Genossenschaft  umfaßt  fuͤr  jetzt  diejenigen  Grundstücke,  welche  in  dem
vom  Feldmesser  Elkner  im  Januar  und  Februar  v.  J.  aufgestellten,  von  dem
Fortschreibungsbeamten  Mies  im  November  v.  J.  vervollständigten  Kataster  der
Rgielskoer  Melioration  unter  der  laufenden  Nr.  38.  bis  88.  97.  99.  bis  211.
214.  bis  221.  223.  bis  226.  und  im  Nachtrage  dazu  unter  Nr.  227.  bis  245.
102  a.  246.  bis  256.  mit  zusammen  2968/8  Morgen  aufgeführt  stehen  und  auf
den  Karten  des  Rieselmeisters  Kiesgen  Sekt.  I.  bis  VII.  und  des  Feldmessers
Elkner  Sekt.  VIII.  verzeichnet  sind.

ß.  3.

Die  Kosten  !7  Ausführung  und  Erhaltung  der  Meliorationsanlagen  werden
  von  den  betheiligten  Grundstucken  nach  Verhältniß  der  Fläche  mit  folgenden
Maaßgaben  aufgebracht:

a)  die  Kosten,  welche  erforderlich  sind,  um  den  Wasserspiegel  der  Seen  von
Rgielsko  und  Leckno  zu  senken  und  die  Seitenthäler  anuschließen,  werden
ausschließlich  von  den  Besitzern  derjenigen  ach  F.  2.  betheiligten  Grundstücke
  getragen,  welche  in  dem  Kataster  Nr.  38.  bis  88.  97.  99.  bis  211.
und  in  den  Nachträgen  Nr.  227.  228.  102  a.  246.  bis  256.  aufgeührt

  sind.
fub  Die  Vertheilung  der  Kosten  erfolgt  nach  der  Fläche  mit  den
sub  e.  und  k.  dieses  Prrographen  festgesesten  Modifkationen;

(Nr.  6605.)  0“  b)  bie
        <pb n="628" />
        —  452  —

b)  die  Kosten,  welche  zur  Senkung  des  Wasserspiegels  des  Sees  von  Regdosz
  und  zur  Grabenregulirung  vom  Regdosz  See  aufwärts  bei  Station
161.  aufgewendet  werden  müsen  fallen  den  Besitzern  der  Grundstücke
e  Last,  welche  im  Kataster  unter  den  laufenden  Nr.  214.  bis  221.

23.  bis  226.  und  in  den  Nachträgen  unter  Nr.  229.  bis  245.  aufgeführt
sind,  mit  der  Maaßgabe,  daß  die  sub  Nr.  214.  215.  und  216.  ausge  hrten,
den  vollen  unter  sich  gleichen  Beitrag  pro  Morgen,  die  sub  Nr.  217.
und  218.  verzeichneten  die  Hälfte,  und  die  übrigen  den  vierten  Theil  des
vollen  Beitrags  für  den  Morgen  zu  bezahlen  haben;

JP)  die  Kosten  der  Senkung  des  Stempuchowoer  Sees  und  der  Hrabemeezu
lirung  oberhalb  desselben  tragen  die  sub  Nr.  219.  bis  221.  223.  bis
226.  des  Katasters  und  229.  bis  245.  des  Nachtrags  ve  gichreten  Grundstücke
  nach  der  Fläche  mit  den  zu  c.  und  k.  gedachten  Modifikationen;

d)  die  allgemeinen  Kosten  der  Aufsicht  und  Verwaltung  haben  alle  Betheiligten
  gemeinschaftlich  nach  der  Fläche  aufzubringen;

Je)  die  in  der  Rubrik  „trocken  gelegte  Seeränder“  verzeichneten  Grundstücke
haben  nur  die  Hälfte  der  Beiträge  der  übrigen  zu  leisten;  «

f)dieindenRubriken»WegeundTriften«und«Gräbenuanümpel«
aufgeführten  bleiben  ganz  von  Beiträgen  frei;

g)  wegen  der  Kosten  der  speziellen  Entwässerung  und  der  Bewässerung  sind
die  Bestimmungen  der  88.  5.  und  6.  zu  berücksichtigen.

K.  4.

Beschwerden  gegen  das  Kataster  und  das  im  vorstehenden  Paragraphen  normirte
  Beitragsverhältniß  können  sowohl  vom  Vorstande  der  Genossenschaft,  als
von  den  Mitgliedern  binnen  drei  Monaten  nach  der  ersten  Ausschreibung  von
Beiträgen  und  hinsichtlich  der  „trocken  gelegten  Seeränder“  binnen  drei  Monaten
nach  ausgeführter  Entwässerung  bei  dem  Landrathsamte  zu  Wongrowitz  angebracht
  werden.

Die  Untersuchung  dieser  Beschwerden  erfolgt  unter  Zuziehung  der  Beschwerdeführer
  und  eines  Deputirten  des  Vorstandes  im  Verwaltungswege  und  steht  die
Entscheidung  und  definitive  Fesstellung  des  Katasters  zunächst  der  Regierung  zu
Bromberg  und  auf  den  binnen  sechs  Wochen  nach  deren  Bekanntmachung  anzumeldenden
  Rekurs  dem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  zu.

Wird  eine  Beschwerde  verworfen,  so  treffen  die  Kosten  der  Untersuchun
den  Beschwerdeführer.  J  st  chung
g.  s.

Der  nächste  Zweck  der  Genosenschaft  ist  die  Entwässerung  der  betheiligten
Grundstücke,  welche  nach  dem  von  dem  Vauinspeklor  Schulemann  im  Mai  und
Juni  v.  J.  aufgestellten  Meliorationsplan  und  Anschlag  mit  der  Maaßgabe  ausge-
        <pb n="629" />
        —  453  —

eführt  werden  soll,  daß  die  im  Anschlag  III.  gedachten  Arbeiten  in  Wegfall
ommen.
stel  In  Streitfällen  wird  der  Meliorationsplan  im  Verwaltungswege  festgestellt.

Als  Regel  gilt  für  denselben,  daß  nur  die  Hauptanlagen  auf  Kosten  der
Genossenschast  emacht  werden,  welche  erforderlich  sind,  den  einzelnen  Interessenten
die  spezielle  Entwässerung  und  weitere  Kultur  ihrer  Wiesen  möglich  zu  machen.

*)

Erst  nach  vollständig  ausgeführter  Entwässerung  hat  der  Vorstand  nach
Anhörung  der  betheiligten  Grundbesitzer  zu  prüfen,  wo  und  in  welchem  Umfange
Bewässerungsanlagen  einzurichten  und  wie  die  Kosten  dafür  aufzubringen  sind,
auch  diese  Einrichtungen  nöthigenfalls  von  Amtswegen  zu  betreiben.

Der  Bewässerungsplan  wie  das  Beitragsverhältniß  zu  den  Kosten  unterliegt
  der  Genehmigung  der  Regierung  in  Bromberg  und  wird  in  Streitfällen
nach  Anhörung  des  Vorstandes  und  der  Betheiligten  in  dem  nach  F.  4.  für  das
Kataster  vorgeschriebenen  Verfahren  festgestellt.

KC.  7.

Die  von  einzelnen  Mitgliedern  der  Genossenschaft  unter  Zustimmung  der
Regierung  vor  der  Statutbestätigung  gemachten  Ausgaben  für  Vorarbeiten  und
Ausführung  der  Anlagen  sind  von  der  Genossenschaft  zu  ersetzen.

KC.  8.

Jedes  Mitglied  der  Genossenschaft  hat  derselben  von  seinen  Grundstücken
diejenigen  Flächen,  welche  zum  Bau  der  Zuleitungs=  und  Ableitungskanäle,  sowie
zur  Anlegung  der  Schleusen,  Dämme  und  sonstigen  Bauwerke  erforderlich  sind,
abzutreten,  und  zwar  insoweit  ohne  Entschädigung,  als  der  bisherige  Nutzungswerth
  nach  voraussichtlicher  Schätzung  durch  die  ihm  demnächst  verbleibende  Grasnutzung
  auf  den  Dammdossirungen  und  Uferrändern  und  durch  die  sonstigen  aus
dem  Bau  erwachsenden  zufälligen  Vortheile  aufgewogen  wird.

Streitigkeiten  hierüber  werden  mit  Ausschluß  des  Rechtsweges  vom  Vorstande,
  event.  schiedsrichterlich  entschieden  (I.  14.).

Die  sonstigen  zur  Ausführung  der  Melioration,  namentlich  zur  Anlegung
der  Kanäle,  Brücken,  Schleusen,  Wehre,  Wärterhäuser  und  Wege  erforderlichen
Grundstücke  werden  im  Mngel  der  Einigung  von  der  Sozietät  nach  den  Vorschriften
  des  Gesetzes  über  die  Benutzung  der  Hrirauntog  vom  28.  Februar  1843.
erworben.

Wegen  Auszahlung  der  Geldvergütigung  für  die  der  Spropriatio  unterworfenen
  Grundstücke  kommen  die  für  den  Etallsseban  hierüber  bestehenden  gesetzlichen
  Bestimmungen  in  Anwendung.

(Nr.  6605.)  S.  9.
        <pb n="630" />
        —  454  —

C.  9.

An  der  Spitze  der  Genossenschaft  steht  der  Landrath  des  Wongrowitzer
Kreises  als  Sozietätsdirektor.  Derselbe  führt  die  Verwaltung  nach  den  Bestimmungen
  dieses  Statuts  und  den  Beschlussen  des  Vorstandes  und  vertritt  die  Genossenschaft
  in  allen  Angelegenheiten  dritten  Personen  und  Behörden  gegenüber,
in  und  außer  Gericht,  wenn  es  nöthig  werden  sollte.  ·

Er  hat  insbesondere:

a)  die  Ausführung  der  gemeinschaftlichen  Anlagen  nach  den  festgesetzten
Plänen  zu  veranlassen  und  Fl  zu  beauffchtigen,

b)  die  Hebelisten  anzulegen,  die  Beiträge  auszuschreiben  und  von  den  Säumigen
  event.  durch  administrative  Exekution  zur  Kreis-Kommunalkasse
einzuziehen,  die  Zahlung  auf  die  Kasse  anzuweisen  und  die  Kassenverwaltung

zu  revidiren;

J)  den  Schriftwechsel  für  die  Genossenschaft  zu  führen  und  die  Urkunden
derselben  zu  unterzeichnen.

In  Behinderungsfällen  läßt  der  bandrath,  die  Angelegenheiten  der  Genossenscast
  durch  einen  von  ihm  aus  der  Zahl  der  Vorstandsmitglieder  zu  ernennenden
tellvertreter  leiten.

S.  10.

Dem  Sozietätsdirektor  wird  ein  Vorstand  von  vier  Mitgliedern  beigeordnet,
welcher  unter  dem  Vorsitze  des  Sozietätsdirektors  nach  Stimmenmehrheit  bindende
Beschlüsse  für  die  Sozietät  14  fassen,  den  Direktor  in  seiner  Geschäftsführung  zu
unterstützen  und  das  Beste  der  Sozietät  überall  wahrzunehmen  hat.

Bei  etwa  vorkommender  Stimmengleichheit  giebt  die  Stimme  des  Sozietätsdirektors
  den  Ausschlag.

KC.  11.

Ein  Vorstandsmitglied  wird  Fwät  von  den  Besitzern  der  Domaine
Rgielsko,  des  Gutes  Rombezyn,  des  Gutes  Leckno  und  der  Probstei  Leckno,  das
weite  von  den  Besitzern  aus  Dorf  Rgielsko,  Tarnowo,  Stadt  Leckno  und

racholin,  das  dritte  von  den  Besitzern  der  Güter  Mrowiniec,  Regdosz,  Zabiszin,
Werkowo  und  Niemczynek,  das  vierte  endlich  von  den  Besitzern  der  Güter
Stempuchowo,  Modrzewiec,  Niemczyn,  Starenzynek  und  den  Betheiligten  aus
Koscielsko,  Dorf  Kopanin  und  Dorf  Niemchyn.

Die  Wahl  erfolgt  auf  sechs  Jahre,  so  jedoch,  daß  alle  drei  Jahre  zwei
Mitglieder  ausscheiden.

Nach  Ablauf  der  ersten  drei  Jahre  entscheidet  das  Loos  zwischen  den  beiden
Vorstandsmitgliedem  aus  dem  ersten  und  zweiten,  und  zwischen  den  beiden  aus
dem  dritten  und  vierten  Wahlbezirk,  wer  von  ihnen  ausscheidet)  später  tritt  jedesmal
  das  ältere  Mitglied  aus.  Er
        <pb n="631" />
        —  455  —

Ergänzungswahlen  gelten  nur  für  die  übrige  Dauer  der  Wahlperiode  des
Ausscheidenden.

Die  Wahlen  werden  von  dem  Landrathe  geleitet.  Bei  der  Wahl  hat  jedes
Sozietätsmitglied,  welches  1  bis  10  Morgen  im  Meliorationsterrain  besitzt,  Eine
Stimme,  wer  10  bis  20  Morgen  beigh,  zwei  Stimmen,  von  20  bis  30  Morgen
drei  Stimmen  u.  s.  w.  Wer  unter  1  Morgen  besitzt,  ferner,  wer  mit  seinen  Beiträgen
  im  Rückstande  ist,  und  endlich,  wem  die  Ausübung  der  bürgerlichen  Ehrenuche
  durch  richterliches  Erkenntniß  untersagt  worden,  #  nicht  stimmberechtigt.

8.  12.

Für  jedes  Vorstandsmitglied  wird  nach  den  Bestimmungen  des  §.  8.  ein
Stellvertreter  gewählt,  welcher  in  Behinderungsfällen  des  Vorstandsmitgliedes
einzutreten  hat.

KC.  13.

Der  Direktor  und  die  Vorstandsmitglieder,  sowie  deren  Stellvertreter  verwalten
  ihr  Amt  unentgeltlich;  der  Erstere  hat  nur  auf  Ersatz  der  baaren  Auslagen
  Anspruch.

Jedes  Sozietätsmitglied  ist  verpflichtet,  die  auf  dasselbe  fallende  Wahl
anzunehmen.

Der  Vorstand  versammelt  sich  jährlich  mindestens  zweimal,  im  Frühjahre
und  im  Herbste.

K.  14.

Streitigkeiten,  welche  zwischen  Mitgliedern  der  Genossenschaft  über  das
Eigenthum  von  Grundstücken,  über  die  Zuständigkeit  oder  den  Umfang  von
Grundgerechtigkeiten  oder  anderen  Nutzungsrechten,  und  über  beeder  auf
speziellen  Rechtstiteln  beruhende  Rechte  und  Verbindlichkeiten  der  Parteien  entbeen,
  gehören  zur  Entscheidung  der  ordentlichen  Gerichte.

Dagegen  werden  alle  anderen,  die  gemeinsamen  Anzelegenheiten  der  Gewssensche
  oder  die  vorgebliche  Beiinträchtigung  eines  oder  des  anderen  Genossen
  betreffenden  Beschwerden  von  dem  olietätsdircktor  in  Gemeinschaft  mit
dem  Vorstande  untersucht  und  nach  Mehrzahl  der  Stimmen  entschieden.

Gegen  die  Entscheidung  steht  jedem  Theile  der  Rekurs  an  ein  Schiedsgericht
frei,  welcher  binnen  gehn  Tagen,  von  Bekanntmachung  des  Bescheides  ab  gerechret,
  bei  dem  Landrathe  angemeldet  werden  muß.  Ein  weiteres  Rechtsmittel
findet  nicht  statt.  Der  unterliegende  Theil  trägt  die  Kosten.

Das  Schiedsgericht  besteht  aus  zwei  vom  Vorstande  auf  drei  Jahre  90t
wählten,  bei  der  Melioration  unbetheiligten  Schiedsrichtern  und  einem  von  der
Regierung  zu  Bromberg  bestellten  Obmann.

K.  15.

Die  Genossenschaft  ist  der  Oberaufsicht  des  Staates  unterworfen,  und  wird
(Fr.  6605.)  das
        <pb n="632" />
        —  456  —

das  Oberaufsichtsrecht  von  der  Regierung  zu  Bromberg  und  von  dem  Minister
für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  ausgeübt  nach  Maaßgabe  dieses
Statuts,  übrigens  in  dem  Umfange  und  mit  den  Befugnissen,  welche  den  Aufsichtsbehörden
  der  Gemeinden  zustehen.
S.  16.

ssol  Abänderungen  dieses  Statuts  können  nur  mit  landesherrlicher  Genehmigung
erfolgen.

Lerkunbu  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin)  den  25.  März  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

 

Redigirt  im  Büreau  deß  Staats-Mlatsteriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Gofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).  .
        <pb n="633" />
        —  457  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

JNr.  30.

 

(Nr.  6606.)  Gesetz,  betreffend  die  Uebernahme  einer  Zinsgarantie  des  Staates  für  das
Anlagekapital  einer  Eisenbahn  von  Cöslin  nach  Danzig.  Vom  13.  März
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc§

verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  was  folgt:

S.  J.

Der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft  wird  Behufs  Abemahme  des
Baues  und  des  Betriebes  einer  Elene  von  Cöslin  nach  Danzig  die  Garantie
des  Staates  für  einen  jährlichen  Reinertrag  von  drei  und  einem  halben  Prozent
  des  in  diesem  Unternehmen  anzulegenden  Kapitals  bis  zur  Höhe  von  *l
Millionen  Thaler,  nach  näherer  Maaßgabe  des  beigedruckten,  unterm  21.  November
  1866.  mit  dem  Direktorium  der  Gesellschaht  abgeschlossenen  Vertrages
hiermit  bewilligt.

.  2.

Eine  Abänderung  oder  Auflosu  des  vom  Staate  mit  der  Berlin-Stettiner
Eisenbahngesellschaft  abgeschlossenen  Garantievertrages,  namentlich  eine  Veräußerung
  der  aus  demselben  dem  Staate  zustehenden  Ansprüche  auf  Eimahmen  oder
eines  Theiles  derselben,  oder  ein  Verzicht  des  Staates  auf  solche  bedarf  zur
Rechtsgültigkeit  der  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages.

S.  3.
Unser  Finanzminister  und  Unser  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und
öffentliche  Arbeiten  sind  mit  der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  In  Sael.  -
egeben  Berlin,  den  13.  März  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Biemard,  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6606.)  61  Ver-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  17.  April  1807.
        <pb n="634" />
        —  458  —

Vertrag

über

die  Erbauung  und  den  künftigen  Betrieb  einer  Eisenbahn  von
Cdslin  nach  Danzig,  durch  die  Berlin-Stettiner  Eisenbahn-Gesellschaft.


Jr  dem  Geheimen  Regierungsrath  Heise  und  dem  Geheimen  Baurath
öch,  als  Kommissarien  des  Ministers  für  Kewdel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten,
  einerseits,  und  der  in  Stettin  domizilirenden  Berlin-Stettiner  Eisenbahnesellschaft,
  vertreten  durch  deren  Direktorium,  andererseits,  ist  heute  unter  Vor-Hehalt
  der  landesherrlichen,  sowie  der  Genehmigung  des  Ministers  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten,  des  Verwaltungsrathes  und  der  Generalversammlung
  der  Aktionaire  der  Berlin=  Stettiner  Eisenbahngesellschaft  folgender
Vertrag  verabredet  worden.

.  1.

h

Die  Berlin-Stettiner  Eisenba  rwgesellschaft  verpflichtet  sich,  die  Erbauung
und  den  Betrieb  einer  Eisenbahn  von  Cöslin  nach  Danzig  im  Anschlusse  an  die
Stargard-Cösliner  Eisenbahn  als  Zweigbahn  und  integrirenden  Theil  des  Berlin-Stettiner
  Eisenbahn-Unternehmens  unter  den  nachstehenden  näheren  Bestimmungen
zu  übernehmen.

5.  2.

Die  Bestimmung  der  Höhenlage  und  Richtungslinie  der  herzustellenden
Bahnstrecke  bleibt  dem  Königlichen  Ministerium  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche
Arbeiten  vorbehalten.  Der  Genehmigung  desselben  unterliegen  auch  die  speziellen
Bauprojekte  und  die  Anschläge,  oie  die  Anstellung  des  den  Bau  leitenden  Technikers.
  Von  dem  festgestellten  Bauplane  darf  nur  unter  besonderer  Genehmigung
des  vorbezeichneten  Ainsteriume  abgewichen  werden.

Von  Seiten  der  Königlichen  Staatsregierung  werden  der  Berlin-Stettiner
Eisenbahngesellschaft  alle  vorzan  enen  Vorarbeiten  die  Cöslin-Danziger  Eisenbahnstrecke
  unentgeltlich  überlassen.

F.  3.

Mit  der  Fertigstellung  der  Baupläne  und  hinlchlige  der  Cöslin-Danziger

Bahnstrecke  soll  sofort  nach  Ertheilung  der  landesherrlichen  Konzession  vorgegangen

  werden.  Nach  Vollendung  und  Genehmigung  derselben  durch  die  König.
        <pb n="635" />
        —  459  —

nigliche  Staatsregierung  soll  mit  dem  Bau  sofort  begonnen  und  derselbe  ununterbrochen
  forteesett  werden  (cfr.  F.  6.).

Die  Königliche  Staatsregierung  wird  fortgesett  ihre  Vermittelung  zu  dem
Iwecke  eintreten  lassen,  daß  der  Gesellschaft  der  zum  Bau  der  Cöslin-Danziger
Bahnstrecke  und  zur  Anlegung  der  Bahnhöfe  erforderliche  Grund  und  Voden
nach  Manbabe  der  von  dem  Königlichen  Ministerium  für  Handel,  Gewerbe  und
öffentliche  Arbeiten  genehmigten  Baupläne  und  Anschlage  von  Seiten  der  betheiligten
  Korporationen  2c.  unentgeltlich  überwiesen  wird.

Bevor  nicht  die  unentgeltliche  Ueberweisung  des  rrsorderlichen  Grund  und
Bodens  gesichert  is  ist  die  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft  nicht  verpflichtet,
den  Bahnbau  zu  beginnen  resp.  fortzusetzen.

*)

Die  rücksichtlich  des  Postdienstes  und  der  Anlage  elektromagnetischer  Telegraphen
  zwischen  dem  Staate  und  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngese  ((aft  abeschlossenen
  Verträge  lolen  auch  für  die  Cöslin-Danziger  Bahnstrecke  Gültigkeit
gaben,  soweit  nicht  lokale  Verhältnisse  eine  Abänderung  bedingen;  ebenso  sollen
auch  die  allgemein  festgestellten  Hedingunen  in  Betreff  der  Benutzung  der  Eisenbahnen
  für  militairische  Zwecke  (Gesetz  Samml.  für  1843.  S.  373.)  auf  die  Cöslin-Danziger
  Bahnstrecke  Anwendung  finden.

G.  5.

Das  zum  Bau  und  zur  vollstärdigen  Ausrü  BB  der  GEöelin-Danziger
Bahmttreck,  serner  zum  entsprechenden  Ausbaue  des  Anschlußbahnhofes  zu  Cöslin
und  *½v  sowie  zur  Beschaffung  der  erforderlichen  Transportmittel  nöthige
Kapital  und  der  zur  Verzinsung  während  der  Bauzeit  erforderliche,  in  Gemäßheit
des  §.  7.  zu  berechnende  Betrag,  welcher,  den  bisherigen  Ermittelungen  entsprechend,
incl.  des  Kursverlustes  auf  10,000,000  Thaler  angenommen.  ist,  wird  durch
Ausgabe  vierprozentiger  Prioritäts-Obligationen  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft

  beschafft.
g.  6.

Die  Realisation  der  Prioritäts-Obligationen  bewirkt  die  Berlin=  Stettiner
Eisenbahngesellschaft  ohne  Rückfrage  bei  der  Königlichen  Staatsregierung,  sobald
die  Realisation  mit  keinem  höheren  Verluste  als  zehn  Thaler  vom  Hundert  verbunden
  ist,  und  zahlt  die  Zinsen  auf  diese  Obligationen  halbjährlich  aus  dem
Reinertrage  des  neuen  Unternehmens.  Bei  einem  höheren  Verluste  als  zehn  Thaler
vom  Hundert  ist  die  Genehmigung  des  Königlichen  Ministeriums  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  zur  Verausgabung  der  Prioritäts-Obligationen
erforderlich.  *

Die  Gesellschaft  behält  sich  vor,  die  Realisation  der  periodisch  zu  verausgabenden
  Prioritäts-Obligationen  durch  die  Königliche  Seehandlung  vermitteln
u  lassen.
hse  #  die  Realisation  der  Prioritäts-Obligationen  nicht  mindestens  zum
Kurse  von  80  Prozent  zu  ermöglichen  sein,  oder  sollte  das  Königliche  Ministerium
Nr.  6606.)  61“  für
        <pb n="636" />
        —  460  —

für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  die  Realisation  der  Obligationen
nicht  zum  Kurse  von  weniger  als  90  Prozent  genehmigen,  so  ist  die  Gesellschaft
nicht  verpflichtet,  den  Bau  durch  anderweilig  zu  beschaffende  Mittel  zu  beginnen
resp.  fortzusetzen  (cfr.  §.  3.  dieses  Vertrages).

S.  7.
Sobald  die  Baurechnung  für  das  neue  Unternehmen  abgeschlossen  ist,  wird
das  Kapital,  welches  sich

a)  für  den  Bau  der  Cöslin-Danziger  Bahnstrecke  nebst  allem  Zubehör,

b)  für  Anschaffung  der  Transportmittel,

c)  für  Bestreitung  der  Direktorial-Generalkosten,  welche,  weil  solche  nicht
abgesondert  verrechnet  und  nicht  direkt  aus  dem  Baufonds  verausgabt
werden  sollen,  mit  einhalb  Prozent  der  Ausgaben  zu  a.  und  b.  der
Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft  zu  erstatten  sind,

4)  für  den  Kurswverlust  bei  Ausgabe  der  Prioritäts-Obligationen,

e)  für  die  Verzinsung  der  Prioritäts-Obligationen  während  der  Bauzeit,
d.  h.  bis  zu  dem  auf  die  Betriebseröffnung  der  Cöslin-Danziger  Bahnstrecke
  folgenden  1.  Januar,

als  nothwendig  ergiebt,  unter  Zuziehung  eines  Kommissarius  des  Königlichen
Ministeriums  nr  Hantel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  definitiv  berechnet
und  festgestellt.  4

.  8.

Der  Reinertrag  der  Cöslin-Danziger  Bahnstrecke  wird  dergestalt  berechnet,
daß  von  den  gesammten  Jahreseinnahmen  des  neuen  Unternehmens:

a)  die  verausgabten  Verwaltungs-,  Unterhaltungs=  und  Transportkosten
(nach  Maaßgabe  der  Bestimmungen  im  §.  17.  dieses  Vertrages),

b)  der  zum  Reserve-Baufonds  fließende  Betrag  nach  F.  21.  der  Statuten
der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft,

c)  der  nach  §F.  24.  der  Statuten  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft
zum  Reservefonds  abzugebende  Betrag,

abgezogen  werden.

K.  9.

Für  den  Fall,  daß  der  Reinertrag  der  Cöslin-Danziger  Gohnsueee  nicht
dazu  hinreichen  sollte,  um  das  aufgewendete  Anlagekapital  mit  vier  Prozent  zu
verzinsen,  leistet  zunächst  und  vor  der  Ws  die  Berlin-Stettiner  Sssenbahn,

Elellschaft  einen  Zuschuß  von  einem  halben  Prozent.  Wird  auch  dadurch  der
r6  etrag  nicht  vollständig  gedeckt,  so  ist  der  Staat  verpsücchtet  für  das  Anlagekapital
  bis  zum  Maximalbetrage  von  10,000,000  Thaler  den  weiter  erforderlichen
  Zuschuß  bis  auf  Höhe  von  drei  und  einem  halben  Prozent  zu  gewahien

er
        <pb n="637" />
        —  461  —

Der  Staat  garantirt  demnach  für  ein  Anlagekapital  bis  zum  Maximalbetrage
  von  10,000,000  Thaler  unbedingt  einen  Zinsengenuß  von  drei  und  einem
Faen  Prozent  und  stellt  die  zu  dieser  ins  ahlung  er  arderlichen  Gelder  zu  den

älligkeitsterminen  dem  Direktorium  der  Verlin  Stettiner  Eisenbahngesellschaft
auf  dessen  Antrag  bei  der  Königlichen  Regierungs-Hauptkasse  zu  Stettin  zur
Disposition.  .

Z.10.

Der  vier  Prozent  des  Anlagekapitals  übersteigende  Reinertrag  des  neuen
Unternehmens  wird  dergestalt  vrriheilt,  daß  zunächst  durch  denselben  die  Gesellschaft
  entschädigt  wird:
1)  für  die  Zuschüsse,  die  sie  zur  Deckung  der  Betriebskosten,
2)  für  die  Zuschüsse,  die  sie  zur  Verzinsung  des  Anlagekapitals  mit  einem
halben  Prozent  etwa  geleistet  haben  sollte.

Der  dann  noch  vorhandene  Ueberschuß  oder  Falls  deraräge  Entschädigungen
  an  die  Gesellschaft  nicht  zu  leisten  sein  sollten,  der  ganze  Ueberschuß  über
vier  Prozent  wird  derart  vertheilt,  daß  derselbe

a)  bis  auf  Höhe  eines  halben  Prozents  des  Anlagekapitals  zur  Amortisation
der  verausgabten  Prioritäts-Obligationen  verwendet.

b)  bis  auf  Höhe  eines  folgenden  halben  Prozents  der  Berlin  Stettiner
Eisenbahngesellschaft  vorweg  überlassen  wird.

Sollte  sich  alsdann  noch  ein  Ueberschuß  ergeben,  so  werden  aus  demselben
zunächst  die  vom  Staate  geleisteten  Zinszuschüsse  erstattet,  der  verbleibende  Rest
wird  zu  #  der  Berlin=  Stettiner  Eisenbahngesellschaft  und  zu  3  der  Staatskasse
überwiesen.

C.  11.
Nach  vollendeter  Amortisation  des  Anlagekapitals  des  neuen  Unternehmens

soll  der  ganze  Reinertrag  desselben  1  4de·r  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft
  und  zu  #  der  Staatskasse  zufallen

S.  12.
Zur  Amortisation  des  Anlagekapitals  für  die  Cöslin-Danziger  Bahnstrecke
werden  jährlich  verwendet:

a)  der  Reinertrag  über  vier  Prozent  des  Anlagekapitals  bis  zur  Höhe  eines
#alen  rozents  desselben,  soweit  nicht  nach  den  Bestimmungen  des
10.  Entschädigungen  an  die  Gesellschaft  zu  leisten  sein  sollten,

b)  die  Zinsen  der  amortisirten  Prioritäts-Obligationen.

So  lange  und  in  den  Nahren  in  welchen  das  Unternehmen  einen  Reinertrag
  über  vier  Prozent  des  Anlagekapitals  nicht  gewährt,  kann  die  Amortisation
der  Foritäts-Obligekionen  ausgesetzt  bleiben.

(Nr.  6606.)  S.  13.
        <pb n="638" />
        —  442  —

KC.  13.

Sollte  die  Berlin=  Stettiner  Eissnbahngeselscht  es  in  ihrem  Interesse
finden,  die  Verwaltung  und  den  Betrieb  der  Cöslin-Danziger  Bahnstrecke  aufzugebeno
  so  soll  der  Staat  verpflichtet  sein,  die  Verwaltung  und  den  Betrieb  nach
lblauf  des  fünften  vollen  Kalenderjahres  nach  Eräffuun  des  Betriebes  zu  jeder
Zeit  nach  einer  sechs  Monate  vorher  dem  Koönigliche  inisterium  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  zu  machenden  Anzeige  zu  übernehmen.  Der
Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  ist  in  diesem  Falle
jedoch  berechtigt,  gleichzeitig  die  Ueberlassung  der  Verwaltung  und  des  Betriebes
er  Stargard-Cöeliner  Bahnstrece  und  der  #weigbah  nach  Colberg  zu  verlangen,
sowie  ihm  auch  das  Recht  zusteht,  die  Verwaltung  und  den  Betrieb  der  Cöslin-Danziger
  Bahnstrecke  in  Anspruch  zu  nehmen,  wenn  die  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft
  auf  Grund  des  F.  13.  des  Vertrages  vom  28.  Februar  1856.,
betumeend  die  Erbauung  und  den  Betrieb  der  Stargard-Cöslin-Colberger  Bahnrecke,
  dem  Staate  den  Betrieb  der  Stargard-Cösliner  Bahnstrecke  und  der
weigbahn  nach  Colberg  überträgt.

Durch  die  Uebernahme  der  Bahnverwaltung  Seitens  des  Staates  wird
die  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft  jedoch  von  der  im  F.  9.  dieses  Vertrages
übernommenen  Verpflichtung  des  Zins  8  es  nicht  entbunden,  wogegen  sie  in
diesem  Falle  einen  Zuschuß  zu  den  Beire  skosten  nicht  zu  leisten  hat.

N.

Sollte  fünf  Jahre  hintereinander  ein  Zuschuß  oder  nach  Verlauf  der
ersten  drei  Kalendeahre  nach  Eröffnung  des  Betriebes  in  einem  Jahre  der  gesammte
  Zuschuß  von  drei  und  einem  halben  Prozent  zu  den  Zinsen  der  Prioritäts-Obligationen
  aus  der  Staatskasse  geleistet  werden  müssen,  so  ist  das  Königliche
Ministerium  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  berechtigt,  die  Verwaltung
  und  den  Betrieb  der  Cöslin-Danziger  Bahnstrecke  nach  vorgängiger
sechsmonatlicher  Kündigung  zu  übernehmen  und  in  diesem  Falle  gleichzeitt  wie-Ueberlassung
  der  Verwaltung  und  des  Betriebes  der  Stargard-Cösliner  Vohnstrecke
  nebst  der  Zweigbahn  nach  Colberg  zu  beanspruchen.

Die  im  F.  14.  des  Vertrages  vom  28.  Februar  1856.,  betreffend  die
Erbauung  und  den  Betrieb  der  Stargard-Cöslin-Colberger  Bahnstrecke,  der
Königlichen  Staatsregierung  eingeräumte  Berechtigung:

die  Verwaltung  und  den  Betrieb  der  Stargard-Cösliner  Bahnstrecke  und
der  Zweigbahn  nach  Colberg  zu  übernehmen,  dafern  fünf  hintereinander
  ein  Zuschuß  oder  nach  Verlauf  der  ersten  drei  Betriebsjahre  in
einem  Jahre  der  gesammte  Zuschuß  von  drei  und  einem  halben  Prozent
*  kinn  üre  der  Prioritäts-Obligationen  aus  der  Staatskasse  zu  leisten
ein  sollte,

wird  dahin  modifizirt,  resp.  erweitert,  daß

1)  die  hier  angegebenen  Fristen  erst  von  der  Eröffnung  des  Betriebes  auf
der  Cöslin-Danziger  Bahnstrecke  ab  lauten,  und  daß
2)  bei
        <pb n="639" />
        —  463  —

2)  bei  Uebernahme  der  Verwaltung  und  des  Betriebes  der  Stargard-Cöslin-Colberger
  Bahnstrecke  auch  die  gleichzeitige  Betriebsüberlassung  der  Cöslin-Danziger
  Bahnstrecke  Seitens  der  Königlichen  Staatsregierung  beansprucht
werden  kann.

Dagegen  soll  die  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft  die  Rückgewähr  der
Verwaltung  und  des  Betriebes  einer  der  beiden  nchrgedachlen  Bahnstrecken  überhaupt
  nicht,  beide  zusammen  aber  nur  dann  und  zwar  nach  vorgängiger  sechsmonatlicher
  Ankündigung  zu  beanspruchen  berechtigt  4#  wenn  drei  Jahre  hintereinander
  ein  Zinszuschuß  für  beide  Bahnstrecken  Stargard-Cöslin-Colberg  und
Cöslin-Danzig  aus  der  Stuatskast  nicht  weiter  erforderlich  gewesen  ist;  dabei
hestt  es  von  selbst,  daß  die  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft  auch
während  der  Staats-Administration  der  bezeichneten  Bahnstrecken  den  Zinszuschuß
von  einem  halben  Pegernt  (§.  9.  dieses  Vertrages)  fortmuzahlen  hat,  wogegen  sie,
wie  im  9.  13.  dieses  Vertrages  bestimmt  ist,  einen  Zuschuß  zu  den  Betriebskosten
nicht  zu  leisten  hat.

S.  15.

Die  Bestimmungen  der  Allerhöchsten  Konzessiens;  und  Bestätigungs-Urkunden
  vom  12.  Oktober  1840.  und  29.  Januar  1847.,  sowie  die  damit  Allerhöchst
  bestätigten  Statuten  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft,  namentlich
alle  hiernach  und  nach  dem  Gesetze  vom  3.  November  1838.  dem  Staate  zustehende
Rechte  und  Befugnisse,  finden  auf  das  Unternehmen  des  Baues  und  des  Betriebes
der  Cöslin-Danziger  Bahnstrecke  Anwendung.  —  Auch  sind  die  Bestimmungen
der  Statuten  für  die  Verwaltung  des  neuen  Unternehmens  maaßgebend.  Insbesondere
  werden  auch  die  Bau=  und  Betriebsrechnungen  von  dem  Verwaltungsrathe
  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellshaft  eprüft  und  endgültig  dechargirt.
Dem  Staate  soll  jedoch  das  Recht  zustehen,  iesiben  prüfen  zu  lassen.

S.  16.

So  lange  das  neue  Unternehmen  nicht  mehr  als  vier  Prozent  des  Anlagekapitals
  abwirs,  soll  die  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft  nicht  angehalten
werden  können,  täglich  mehr  als  zwei  Züge  in  feder  Richtung  der  Bahn  abzulassen;
  im  Uebrigen  bleibt  die  Genehmigung  und  resp.  Abänderung  des  zut
plans,  ingleichen  die  Genehmigung  des  Bahngeld-  und  Frachttarifs  für  die
Cöslin-Danziger  Bahnstrecke  dem  Minister  für  endel,  Gewerbe  und  öffentliche
Arbeiten  mit  der  Beschränkung  vorbehalten,  daß  die  Gesellschaft  nicht  verpsüchttt
werden  darf,  einen  niedrigeren  Tarif,  als  den  für  die  Hauptbahn  Berlin-Stettin
  jeweilig  bestehenden  auf  der  Cöslin-Danziger  Bahnstrecke  in  Anwendung

u  bringen.
6  9  §.  17.

Zur  Vereinfachung  der  Betriebsrechmung  wird  festgesetzt,  daß  die  Cöslin-Danziger
  Bahnstrecke  an  sämmtlichen  Betriebsausgaben  der  von  der  Berlin-Stettiner
  Eisenbahngesellschaft  verwalteten  Bahnstresen  in  folgender  Weise
partizipirt:  «

a)  an  den  Kosten  für  die  allgemeine  Verwaltung  nach  Verhältniß  der
Bahnlänge,
(Nr.  6606.)  b)  an
        <pb n="640" />
        —  464  —

b)  an  den  Kosten  für  die  Bahnverwaltung  nach  Maaßgabe  der  wirklichen
Ausgaben  und  des  Etats  fuͤr  den  Reservebaufonds,

)  an  den  Kosten  für  die  Transportverwaltung  nach  Berhältnß,  der  durchlaufenen
  Lokomotiv=  und  Wagen-Achsmeilen  und  nach  dem  Etat  für  den
Reservebaufonds,  und  zwar:

1)  an  den  Kosten  für  Unterhaltung  der  Lokomotiven  nach  Verhältniß
der  von  den  Lokomotiven  jeder  Strecke  überhaupt  zurückgelegten
Lokomotiv-Achsmeilen,

2)  an  den  Kosten  für  Unterhaltung  der  Wagen  nach  Verhältniß  der
von  den  Wagen  jeder  Strecke  überhaupt  zurückgelegten  Wagen-Achsmeilen,


3)  an  den  übrigen  Transport-Verwaltungskosten  nach  Verhältniß  der
zusammenzurechnenden,  auf  jeder  Bah#steece  durchlaufenen  Lokomotiv-Achsmeilen
  und  Wagen-Achsmeilen,

)  an  den  Beiträgen  zum  Reservefonds  nach  Maaßgabe  der  Bestimmungen
des  §.  24.  der  Statuten  der  Berlin-  Stettiner  Eisenbahngesellschaft.

Zur  Ansammlung  eines  Bestandes  für  künftige  Ausgaben  des  Reservebaufonds
  ist  die  Berlin-Stettiner  subiuifee  nur  insoweit  enhslichtee,
als  die  Einnahmen  der  Cöslin-Stolp-Danziger  Eisenbahn  die  Mitte
gewähren.  ,

Zu  c.  wird  außerdem  festgeset,.  daß  eine  Benutzung  der  Lokomotiven  und
Wagen  der  Cöslin-Danziger  Bahnstrecke  auf  anderen  Strecken  und  fremden
Bahnen  nur  gegen  Entrichtung  einer  Lokomotiv=  resp.  Wagenmiethe  erfolgen  soll,
und  daß  die  #Weuerunesfoften  der  Betriebsmittel  für  jede  Bahnstrecke  zu  deren
Lasten  getrennt  verrechnet  werden.

Stettin,  den  21.  November  1866.

dazu

#.  S.

Heise,  Koch,  Direktorium  der  Berlin-Stettiner
Geheimer  Regierungsrath.  Geheimer  Baurath.  Eisenbahngesellschaft.
"  Fretzdorff.  Zenke.  Stein.
Kutscher.  Ekhaus.  Metzenthin.
Rahm.  Marchand.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Mlnisteriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="641" />
        —  465  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  31.  —

 

(Nr.  6607.)  Gesetz,  betreffend  die  Abgabe  von  allen  nicht  im  Besitze  des  Staates  oder  inländischer
  Eisenbahn  Aktiengesellschaften  befindlichen  Eisenbahnen.  Vom
16.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rrR

verordnen  für  alle  Landestheile,  in  welchen  das  Gesetz,  die  von  den  Eisenbahnen
zu  entrichtende  Abgabe  betreffend,  vom  30.  Mai  1853.  (Gesetz=  Samml.  S.  449.  ff.)
Gecm  hat,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  Unserer  Monarchie,
was  folgt:

K.  1.

Von  dem  Reinertrage  aller  für  den  öffentlichen  Verkehr  benutzten  Eisenbahnen,
  welche  sich  nicht  im  Besitze  des  Staates  oder  inländischer  Eisenbahn-Aktiengesellschaften
  befinden,  haben  die  Besitzer  der  Bahnen,  insoweit  nicht
Staatsverträge  ein  Anderes  bestimmen,  eine  Abgabe  zu  entrichten,  welche  nach
den  Bestimmungen  dieses  Gesetzes  erhoben  wird,  und  zwar  zuerst  im  Jahre  1868.
von  dem  Reinertrage  des  Betriebsjahres  1867.

eol.i
Die  Abgabe  ist  für  jede  Eisenbahn  nach  dem  in  jedem  einzelnen  Kalenderjahre
  aufkommenden  Reinertrage  (I§.  3.  bis  6.)  zu  berechnen  und  stuft  sich  nach
2  desselben  dergestalt  ab,  daß  von  einem  Reinertrage  bis  zu  einschließlich  vier
rozent  des  Aulagekapitals  G.  6.)  dieses  Ertrages,  bei  einem  höheren  Reinertrage
  aber  außerdem  und  zwar
von  dem  Mehrertrage  über  vier  bis  zu  fünf  Prozent  einschließlich  #  dieser
Ertragsquote,
von  dem  Mehrertrage  über  fünf  bis  zu  sechs  Prozent  einschließlich  #  dieser
Ertragsquote-,  «
vondemMehrertrageübersechsProszsdieserErtcagsquote
zu  entrichten  sind.
Jahtgang  1867.  Mr.  6607.)  62  g.  3.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  24.  April  1867.
        <pb n="642" />
        —  466  —

g.  3.

Als  steuerpflichtiger  Reinertrag  ist  diejenige  Summe  anzusehen,  um  welche
die  Betriebs-Roheinnahme  die  in  dem  betreffenden  Kalenderjahre  zur  Verwendung
gekommenen  Verwaltungs-,  Unterhaltungs-  und  Betriebskosten  übersteigt.

Bei  Einrichtung  eines  Reserve-  oder  Eneuerungefonde  für  die  Bahn
unter  Genehmigung  der  Aufsichtsbehörde  des  Staates  werden  die  Rücklagen  in
denselben  als  Unterhaltungs-  und  Betriebskosten  gerechnet,  dagegen  die  aus  dem
Reservefonds  zu  bestreitenden  Ausgaben  außer  Ansatz  gelassen.

§S.  4.

Zur  Betwiebs-Roheeinnahme  sind  auch  die  tarifmäßigen  Frachtbeträge  von
allen  für  Rechnung  der  Bahnbesitzer  und  Betriebsunternehmer  selbst  stattfindenden
Beförderungen  —  mit  Ausschluß  der  Beförderungen  für  die  Zwecke  der  Bahnverwaltung
  —  zu  rechnen.

Ausnahmen  hiervon  können  bei  den  nicht  von  Anfang  für  den  öffentlichen
Verkehr  bestimmten  Bahnen  nachgelassen  werden.

S.  5.

Die  Besitzer  der  Bahn  sind  verpflichtet,  Uüber  Einnahme  und  Ausgabe  sowohl
  des  ganzen  Unternehmens,  als  jeder  einzelnen  Station,  arm  und
unter  Beobachtung  der  ihnen  bekannt  gemachten  Anforderungen  Buch  zu  führen,
und  haben  sich  örtlichen  Revisionen  der  Buchführung  zu  unterwerfen.

Die  Betriebs-Roheinnahme  und  die  zur  Verwendung  gekommenen  Verwaltungs-.,
  Unterhaltungs-  und  Betriebskosten  sind  von  den  Besitzern  der  Bahn
für  jedes  Kalenderjahr  spctestens  bis  zum  folgenden  1.  Mai  zu  deklariren.  Der
Deklaration  müssen  die  zur  Prüfung  derselben  erforderlichen  Rechnungen  und
Beläge,  Abschlüsse  und  Nachweisungen  beigefügt  werden.

Für  jedes  Kalenderjahr,  für  welches  die  vorstehend  bezeichneten  Verpflichtungen
  nicht  erfüllt  werden,  kann  der  bei  der  Berechnung  der  Abgabe  zum

runde  zu  legende  Betrag  der  Betriebs-Roheinnahme  beziehungsweise  der  Verwaltungs.,
  Unterhaltungs-  und  Betriebskosten  von  der  Eisenbahn-Aufsichtsbehörde
nach  pflichtmäßigem  Ermessen  festgesetzt  werden.

S.  6.

Als  Anlagekapital  (§.  2.)  ist  derjenige  Betrag  anzusehen,  welcher  auf  die
Herstellung  der  g  und  deren  Ausrüstung  mit  Einschluß  der  Betriebsmittel
nützlich  verwendet  ist.  Von  den  einzelnen  V.we  während  des  Baues
kommen  die  Zinsen  bis  zum  Tage  der  Betwieberoffnung  mit  fünf  Prozent  insowet
  in  Ansatz,  als  nicht  eine  ungerechtfertigte  Verzögerung  der  Vollendung
es  Baues,  beziehungsweise  der  Betriebseröffnung  stattgefunden  hat.

S.  7.

Die  Höhe  des  Anlagekapitals  ist  von  den  Besitzern  der  Bahn  bis  4
luß
        <pb n="643" />
        —  467  —

Schluß  des  Kalenderjahres,  in  welchem  der  Betrieb  eröffnet  wird,  nachzuweisen
g  hind  von  der  Eisenbahn-Aufsichtsbehörde  nach  Maaßgabe  des  F.  6.  endgültig
estgestellt.

Kommen  die  Bester  der  Bahn  der  desfallsigen  Aufforderung  nicht  nach,
so  schreitet  die  gedachte  Behörde  zur  Hestsellung  des  Anlagekapitals  nach  pflichtmäßigem
  M*'  Die  spätere  Nachweisung  des  Anlagekapitals  bleibt  den  Besitzern
  unbenommen,  ist  jedoch  nur  für  die  Folgezeit  wichsan

Dieselben  Vorschriften  kommen  hinschlich  er  Berechnung  und  Feststellung
einer  Shohung  des  ursprünglichen  Anlagekapitals  zur  Anwendung.

Aufwendungen  für  die  Erneuerung  von  Bahntheilen  und  Petriebemitteln
werden  dem  Anlagekapital  nur  insoweit  zugerechnet,  als  dieselben,  durch  ungewöhnliche
  Ereignif  verursacht,  weder  aus  den  laufenden  Einnahmen,  noch  aus
dem  Reserve=  und  Erneuerungsfonds  zu  bestreiten  sind.

Die  Frist,  innerhalb  welcher  die  Besitzer  der  Bahn  in  diesem  Pele  den
ihnen  obliegenden  Nachweis  beizubringen  haben,  wird  von  der  Eisenbahn-Aufsichtsbehörde
  bestammn.

S.  8.

Mehrere  Eisenbahnen  eines  und  desselben  Besitzers,  welche  in  zusammenhängendem
  Betriebe  stehen,  werden  in  Bezug  auf  die  Berechnung  der  Abgabe
(.  2.)  als  ein  Ganzes  behandelt.

K.  9.

Als  Betriebs-Roheinnahme  solcher  inländischen  Bahnstreckn,  welche  mit
ausländischen  Bahnunternehmungen  zu  gemeinschaftlichem  Betriebe  verbunden
sind,  kann  der  nach  Verhältniß  der  Meilenzahl  berechnete  Antheil  an  der  Betriebs-Roheinnahme
  des  Gesammtunternehmens  oder  eines  gewissen  Theiles  desselben
angenommen  werden.  Befindet  sich  die  Bahn  im  Besitze  einer  ausländischen
Eißnbahn-Aktien  eselschaft,  so  kann  bei  Ertheilung  der  Konzession  oder  durch
Uebereinkommen  gentgest  t  werden,  daß  ein  bestimmter  Theil  des  Aktienkapitals
als  Anlagekapital  (§.  6.)  und  der  hierauf  jährlich  zur  Vertheilung  kommende  Ertrag
  als  steuerpflichtiger  Reinertrag  (I.  3.)  angesehen  und  bei  Berechnung  der
Abgabe  zum  Grunde  gelegt  werde.

S.  10.

Der  Betrag  der  zu  entrichtenden  Abgabe  wird  nach  Ablauf  jeden  Jahres
durch  die  von  dem  Finanzminister  hiermit  beauftragte  Behäörde  festgesetzt  und  ist
sodann  innerhalb  sechs  ***  nach  Behändigung  der  Zahlungsaufforderung  an
ie  in  letzterer  benannte  Kasse  abzuführen.

Derjenigen  Behörde,  welche  den  Betrag  der  Abgabe  festzusetzen  hat,  liegt
auch  deren  exekutivische  Einziehung  ob,  wenn  eine  solche  nöthig  werden  sollte.

G.  11.

Die  Erhebung  der  Abgabe  von  denjenigen  Eisenbahnen)  bei  denen  der
Staat  sich  durch  Uebernahme  einer  Zinsgarantie  betheiligt  hat,  unterbleibt  für
(Fr.  6607—6608.)  62“  ie
        <pb n="644" />
        —  468  —

die  Jahre,  in  welchen  in  Folge  der  übernommenen  Zinsgarantie  Zuschüsse  aus  der
Staatskasse  zu  leisten  sind.
G.  12.

Die  Minister  der  Finanzen  und  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche
Arbeiten  sind  mit  der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt.

zirtunduch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  16.  März  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  6608.)  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  zwei  Nachträge  zu  den  Statuten  der  Rheinischen
  Eisenbahngesellschaft.  Vom  18.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  ꝛ.

Nachdem  von  Seiten  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft  die  Ausdehnun

hrer  Statuten  auf  die  seit  dem  Nachtrage  vom  5.  März  1856.  (Gesetz  Samml.
146.)  ihr  konzessionirten,  zum  Gegenstanke  statutarischer  Bestinmmungen  noch

nicht  gewordenen  neuen  Bahnlinien,  sowie  eine  Erhöhung  ihres  Stammaktien=Kapitals
  um  den  Betrag  von  2)900,000  Thaler  Behufs  der  Fertigstellung  der
im  Baue  und  Umbaue  begriffenen  Bahnstrecken  und  der  Ergänzung  des  Betriebsmaterials
  beschlossen  und  in  Folge  desn  die  beiden  anliegenden  Statutennachträge
  aufgestellt  worden  sind,  wollen  Wir  den  letzteren  die  erbetene  landesherrliche
  Genehmigung  hiermit  ertheilen.

Die  gegenwärtige  Urkunde  ist  nebst  den  beiden  Nachträgen  durch  die
Gesetz-Sammlung  zu  veröffentlichen.

Llrunuch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedruckteim
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  18.  März  1867.

(u.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

Nach-
        <pb n="645" />
        —  469  —

Nachtrag

zu  den

Statuten  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft.

K+.  I.

Das  durch  die  Allerhöchst  bestätigten  Statuten  vom  21.  August  1837.
egründete  und  durch  die  Allerhöchste  Konzessions=  und  Bestätigungs=  Urkunde
sünn  Nachtrag  zu  den  Statuten  vom  5.  Müz  1856.  erweiterte  Unternehmen
er  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft  wurde  ausgedehnt:

a)  durch  den  mittelst  Allerhöchster  Genehmigungs-Urkunde  vom  2.  Juni  1860.
genehmigten  Vertrag  vom  13.  Januar  1860.  und  9.  Juni  1859.  auf
een  Bau  und  Betrieb  der  Bahnstrecke  von  der  festen  Rheinbrücke  bei
Ehrenbreitstein  nach  Oberlahnstein,  im  Anschluss  einerseits  an  den  Bahnbof
  zu  Cobles,  vermittelst  der  zu  erbauenden  Brücke,  andererseits  an  die
ahn  von  Oberlahnstein  nach  Wetzar  vermittelst  Anlage  eines  Bahn
tofts  in  Oberlahnstein  in  unmittelbarem  Ssmmen  mit  der
Nassauischen  Eisenbahn  (Gesetz-Samml.  für  1860.  S.  281.  ff.)

b)  durch  Allerhöchste  Konzessions=  und  Bestätigungs-Urkunde  vom  23.  Februar
  1863.  auf  den  Bau  und  Betrieb  einer  Zweig=  Eisenbahn  von
Cleve  über  Griethausen,  mit  einer  Trajektanstalt  über  den  Rhein  bei
Spiekerfähre,  zum  Anschlusse  an  die  n  nbhee  Rhein-Eisenbahn
unweit  Zevenaer  (Gesetz=  Samml.  für  1863.  S.  107.  ff.)

J)  durch  Allerhöchste  Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde  vom  16.  Juli
1863.  „auf  eine  Zweigbahn  von  Osterath  über  Uerdingen  nach  Essen,
welche  bei  Rheinhausen  mittelst  einer  Trajektanstalt  den  Rhein  und  unterhalb
  Mülheim  mittelst  Ueberbrückung  die  Ruhr  überschreitet“  (Gesetz-Samml.
  für  1863.  S.  477.  ff.)

c  durch  Allerhöchste  Bestätigungs=  und  Konzessions-Urkunde  vom  15.  August
1865.  auf  eine  Zweig-Eisenbahn  von  der  Preußisch-Niederländischen  Grenze
bei  Venlo  nach  Kempen  (Gesetz-Samml.  für  1865.  S.  911.  ff.)

e)  durch  Allerhöchste  Konzessions-Urkunde  vom  28.  Mai  1866.  auf  die  „Fortsetzung
  der  Osterath-Essener  Zweig-Eisenbahn  von  der  Essener  Chaussee  ab
bei  den  Zechen  Königtn  Elisabeth  und  Bonifacius  vorbei  bis  zur  Karolinenglücker
  Bahn,  unweit  der  Zeche  Holland  bei  Bochum  und  an  diese
sich  anschließend,  sowie  auf  die  Anlage  der  zur  Erreichung  des  Zweger

(Nr.  6608.)  ie-
        <pb n="646" />
        —  470  —

dieser  Zweigbahn  erforderlichen  Anschlußbahnen  zu  den  Zechen  und  gewerblichen
  Etablissements  (Gesetz-Samml.  für  1866.  S.  321.  ff.)

s)  durch  Allerhöchste  Konzessions-  und  Deskätigungs  Uriunde  vom  12.  November
  1866.  auf  den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von  der  Rheinstation
  der  Essen-Osterather  Linie  bei  Duisburg  nach  Duisburg  (Gesetz-Samml.
  für  1866.  S.  747.  ff.)

8)  durch  Alerhöchste  Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde  vom  12.  November
  1866.  auf  den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von  Sechtem
oder  Brühl  nach  Euskirchen  (Gesetz  Samml.  für  1866.  S.  745.  ff.)

h)  durch  Allerhöchste  Konzessions=  und  Bestätigungs-Urkunde  vom  24.  Dezember
  1866.  auf  den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von  Ehrenbreitstein
  im  elnschlusse  an  die  Coblenzer  Eisenbahnbrücke  und  an  die
Bahn  nach  Oberlahnstein,  nach  Siegburg  zum  Anschluß  an  die  Cöln-Gießener
  Bahn  mit  einer  Abzweigung  nach  Bonn  mitteelst  Trajekts
En  Anschuß  an  die  linksrheinische  Bahn  (Gesetz-Samml.  für  1867.

deh  Das  Unternehmen  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft  wird  ferner  ausgedehnt:


i)  auf  den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von  Neuß  über  Bedburg,
zum  Anschluß  an  die  Bahn  von  Cöln  nach  Düren.

Für  den  Bau  und  Betrieb  der  sub  a.  bis  i.  bezeichneten  Bahnen  sind
die  Bestimmungen  der  Allerhöchsten  Konzessions=  und  Bestätigungs-Urkunden
maaßgebend  und  verbindlich.

Sämmtliche  vorbezeichneten  Erweiterungen,  welche,  soweit  dieselben  nicht
bereits  ausgeführt,  nach  Maaßgabe  der  beschafften  Geldmittel  zur  Ausführung
zu  bringen  sind,  bilden  einen  integrirenden  Theil  des  Rheinischen  Eisenbahnnternehmens

  und  finden  auf  dieselben  das  Gesetz  vom  3.  November  1838.  und
die  Bestimmungen  der  Allerhöchst  bestätigten  und  durch  Nachtrag  vom  5.  März
1856.  und  Ncheung  vom  24.  Dezember  1866.  ergänzten  Statuten  der  Rheinischen
  Eisenbahngesellschaft  Anwendung.

G.  2.

Für  das  Unternehmen  der  Rheinischen  Essenbahngesellschaft  einschließlich
der  in  den  Statutnachträgen  vom  5.  März  1856.,  vom  24.  Dezember  1866.
und  der  im  gegenwärtigen  Statutnachtrage  bezeichneten  Erweiterungen  desselben
sind  bis  jetzt  kesire  auf  Grund  landesherrlicher  Ermächtigung  für  den  Nominalbetrag
  von  27  Millionen  100,000  Rthlr.  Stammaktien  und  Pliorikäls-Stamm.
aktien  der  Gesellschaft  kreirt  worden;  die  Gesellschaft  wird  ermächtigt,  Behufs
Ausführung  der  gedachten  Erweiterungen  weitere  2  Millionen  900,000  Rthlr.
Stammaktien  auszugeben,  welche  mit  den  bisher  kreirten  Stammaktien  gleiche
Rechte  genießen  und  mit  diesen  und  den  Prioritäts-Stammaktien  zusammen  das

Gesellschaftskapital  im  Betrage  von  30  Millionen  Thaler  bilden.  D
er
        <pb n="647" />
        —  471  —

Der  Zeitpunkt,  von  welchen  ab  die  noch  aus  ugebenden  Stammaktien  an
der  Dividende  Theil  nehmen,  wird  von  der  Direklion  unter  Zustimmung  des
Henbeleministeriume  festg  gessst,

Die  auszugebenden  Aktien  üben  erst  Stimmrecht  in  den  Generalversammlungen,
  nachdem  sie  voll  eingezahlt  sind.

Das  zu  der  Ausführune  anng  und  zum  Betriebe  des  Rheinischen  Eisenbahn-Unternchmen)
  erforderliche  ekapital  wurde,  außer  durch  vorbe  Sechnete  Aktien
und  Prioritäts-Stammaktien,  —  durch  nachfolgende  Anleihen  im  Gesammtbetrage
von  25  Millionen  450/000  Thaler  auf  Grund  landesherrlicher  Leammhe  und
unter  den  in  diesen  Privilegien  näher  bezeichneten  Bedingungen  soccessive  beschafft,
resp.  die  Gesellschaft  zur  Beschaffung  autoristrt:

a)  Thaler  2/500,000.  4%  Piorttits  Oblig  ationen,  durch  Peioil  ium  vom
1640.  (Gesetz  Samml.  für  1840.

5  2
b)  19250000.  33½%  Pierüäts  En  ationen,  durch  Privilegium  vom
E  843.  (Gese-Samml.  für  1843.

c)h)  750,000.  4%  Priorüät,  bli  ationen,  durch  Privilegium  vom
#aunt  st  18  4.  (Gesetz=  Samml.  für  1854.

4)  700/000.  41%  rt  *  ½  Puipile  gun  vom
.  eam  r

e  é.5,000,000.  4%  Fu  F  ationen,  durch  Privilegium  vom
5  ä-  “  2.  Angust  K  888  Gesez  amml.  für  1858.

3)000,000.  45  Peioritäts.  bh  ationen  hdurch  Privilegium  vom
H  5*  2  E*J  860.(G  esetz  Samml.  für  1860.

6
é3,500,000.  41%  Hrioritats  niih  durch  Privilegium  vom
2  ½  1.  Juli  1  (Gesetz=  Samml.  t  1861.

741.
b)  .  3  000,000.  4%  run  ationen,  durch  Privilegium  vom
30.  Dnher  861.  (Gesc-  amml.  für  1862.

i)  7050,000.  4%  *ms  ligationen  durch  Privilegium  vom
"  16..  gten  1863.(Gesetz  Samml.  für  1863.

b)  .  2)000,000.  4%  rpbs  bliga  ationen,  durch  Privilegi  ium  vom
2  Februar  1864.  (Gesetz  Samml.  für  1864.

1  é.  30000,000.  45  -  ationen,  durch  Privilegium  vom
)  5ä5,  "  !  5  (Gesetz.  #.  Heilegiem  vom

 

Thaler  25-450,000.
(Nr.  660c)  Der
        <pb n="648" />
        —  472  —

Der  zur  Fertigstellung  der  in  H.  1.  bezeichneten  Erweiterungen,  sowie  zum
Betriebe  derseiben  über  die  Summe  der  bis  jetzt  und  durch  gegenwärtigen  Nachtrag
ur  Ausgabe  autorisirten  Aktien,  Prioritäts-Stammaktien  und  Obligationen  hinaus
ich  noch  etwa  ergebende,  vorläufig  auf  8  Millionen  100,000  Thaler  angenommene
Bedarf  soll,  nachdem  derselbe  der  Staatsregierung  nachgewiesen  sein  wird,  nach
eingeholter  landesherrlicher  Genehmigung  durch  Ausgabe  weiterer  Stammaktien
der  Gesellschaft  oder  durch  Ausgabe  von  Obligationen  beschafft  werden.

*'

Die  Stammaktien  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft  sind,  resp.  werden
„nach  dem  diesem  Statutnachtrage  beigefügten  Schema  ausgefertigt.

Den  bisher  ausgegebenen  Aktien  ist,  und  den  ferner  noch  auszugebenden
Aktien  wird  eine  Serie  von  Dividendenscheinen  und  eine  Anweisung  zum  Empfang
der  nächstfolgenden  Serie  von  Dividendenscheinen  beigegeben.

Die  Aushändigung  einer  neuen  Serie  erfolgt  an  den  Präsentanten  der
betreffenden  Anweisung  gegen  Ablieferung  derselben,  sofern  nicht  digge  en  von
dem  Inhaber  der  Aktien  bei  der  Direktion  unter  Einsendung  der  Aktien  schriftlich
Widerspruch  erhoben  worden  ist.

Im  Falle  eines  solchen,  rechtzeitig  vor  der  Präsentation  der  Anweisung
erhobenen  Widerspruchs  geschieht  die  Aushändigung  an  den  Inhaber  der  Aktie.
        <pb n="649" />
        Jahrgang  1867.  (Nr.  6608.)

63

 

 

Auszug
aus  dem  Gesellschaftsstatut
S.  30.  und  31.

Vorderseite
in  Französischer  Uebersetzung.

Auszug
aus  dem  Gesellschaftsstatut
H.  30.  und  31.
in  Französischer  Uebersetzung.

 

 

 

 

 

473
        <pb n="650" />
        Sdo  dNqSd  Nlall

—

 

 

 

Uheinische  Eisenbahn-Gesellschaft  in  Cöln

Bestätigt  von  Seiner  Majestät  dem  Könige  von  Preußen  am  21.  August  1837.

 

Aktie  „.

über  250  Thaler  Preußisch  Kurant.
Ausgefertigt  auf  Grund  Allerhöchster  Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde  vo....#
lei  Die  Zahlung  ist  mit  Zweihundert  fünfzig  Thalern  Preußisch  Kurant
*  Der  Inhaber  hat  alle  statutenmäßigen  Rechte  und  Blichten.
Cöln,den  .
Vthtektwndchhctmschkn  Ecsenbahaskakllschafl  Derspezialskikkhtot

(Eigenhändige  Unterschriften  von  drei  (Eigenhändige  Unterschrift  des  Spezial-Direktions-Mitgliedern.)
  Direktors  oder  dessen  Stellvertreters.)

Dieser  Aktie  sind  die  Dividendenscheine  ft...  bis  inkl.
nebst  Talon  beigefügt.

 

 

Eingetragen  sud  Fol....  des  Aktien-Registers.  (Eigenhändige  Unterschrift  eines  Kontrolbeamten.)
        <pb n="651" />
        475

 

Rheinische  Eisenbahn-  Gesellschaft.
Anweisung  zur  Aktie

 

 

 

 

 

 

 

„—F2
Eingetragen  sub  Fol.  des  Registers.  (Eigenhändige  Unterschrift  eines  Kontrolbeamten.)
Serie  I.  Rheinische  Eisenbahn-Gesellschaft.  19.Serie  II.  20.
Diwidendeschein  zu  der  Aktie
Inhaber  empfängt  *  Juli  .  .  ...
gegen  diesen  Schein  bei  der  Lule  gerse  zu  Cöln
die  tmaͤßig  ermittelte  Dividendc  für  das  Be.
Kriebegahr  18  ..
Con,dm..ea.....  18..DieDttcktton.
(Jalfimile.)
Eingetragen  ol.  (Eigenhändige  Unterschrift  eints
Kontrolbeamten.)
Serie  II.  17.  Serie  II.  18.
Serie  I1.  15.  Serie  II.  *  16.
Serie  II.  13.  Berie  II.  14.
Seric  II.  II.  Serie  II.  12.

 

 

 

(Tr.  6608.)
        <pb n="652" />
        —  476  —

 

Inhaber  empfängt  gegen  diese  Anweisung  am  1.  Juli  18.  zur  vorbezeichneten
  Aktie,  welche  auf  Verlangen  zur  Abstempelung  vorzulegen  ist,
die  dritte  Serse  der  Dividendescheine.
Cöln,  den  .  ..  Die  Direktion.
(Jaksimile.)

 

Dioidendeschein
für  das  Betriebsjahr  18.
zahlbar  om  1.  Juli  18.

Dieser  Scheln  ist  nach  dem  1.  Juli  18
ungültig  und  ebenso,  wenn  derselbe  durchlocht,
durchstrichen,  oder  die  Nummer  desselben  nicht  mehr
vollständig  ist.  .

 

 

 

 

 

 

 

 

Wchrreg
        <pb n="653" />
        —  477  —

Nachtrag

zu  den

Statuten  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft.

S.  1.

Das  durch  das  Allerhöchst  bestätigte  Statut  vom  21.  August  1837.  gegründete
  Unternehmen  der  Reunsschen  Eisenbahngesellschaft  wird  unter  den  in
den  9§.  2.  bis  6.  dieses  Nachtrages  bestimmten  Bedingungen  und  Maaßgaben
auf  den  Bau  und  Betrieb  einer  Zweigbahn  von  Call,  resp.  Sötenich  nach  Trier
ausgedehnt  auf  Grundlage  des  mit  der  Staatztegeerung  unterm  10.  April  1866.
abgeschlossenen  Vertrages  (Gesetz=  Samml.  für  1866.  S.  448.  ff.).

S.  2.

Die  Beschaffung  des  zum  Bau  und  Betrieb  der  Bahn  von  Call,  resp.
Sötenich  nach  Trier  erforderlichen  Kapitals  wird  bis  zur  Käe  von  Eilf  Millionen
  Thaler  durch  Ausgabe  von  Aktien  Littr.  B.  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft
  bewirkt.

Die  Besitzer  der  Aktien  Littr.  B.  sind  Mitglieder  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft
  mit  allen  statutmäßigen  Rechten  und  Pflichten  der  übrigen  Aktionaire)
  soweit  nicht  in  diesem  Statutnachtrage  ein  Anderes  bestimmt  ist.

d.  3.

Die  Besitzer  der  Aktien  lettr.  B.  find  für  die  zu  beziehende  Dividende
ausschließlich  auf  den  statut=  und  vertragsmäßig  ermittelten  Reinertrag  der
Strecke  Call  resp.  Sötenich-Trier,  beziehungsweise  auf  die  denselben  vom  Staate
gewährte  Garantie  angewiesen  und  haben  keinen  Anspruch  auf  die  Erträge  aus
den  übrigen  Unternehmungen  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft  und  deren
etwaigen  künftigen  Emwelcrungmn.  ie  Seitens  der  Ncheinischen  Eisenbahn=Gesellschaft
  gemäß  §.  10.  des  Vertrages  vom  10.  April  1866.  übernommene
und  mit  dem  Erlöschen  der  Garantie  des  Staates  ebenfalls  ihr  Ende  erreichende
Verpflichtung,  dem  Staate  event.  ½  Prozent  des  Anlagekapitals  der  Bahn
a  conto  des  vom  Staate  zu  leistenden  Zuschu  es  zu  erstatten,  besteht  lediglich
dem  Staate,  nicht  aber  auch  den  Besitzern  der  Aktien  Littr.  B.  gegenüber.

Die  Gewinnantheil-Berechtigung  des  Staates  und  der  Stamm-Aktionaire
der  Rhbeinischen  Eisenbahngesellscha  an  dem  Reinertrage  der  Zweigbahn  Call,
resp.  Sötenich-Trier  über  fünf  Prozent  des  Anlagekapitals  (§.  11.  des  Vertraes
  vom  10.  April  1866.)  dauert  auch  nach  dem  Erlöschen  der  Zinsgarantie
es  Staates  und  der  daran  geknüpften  vorbezeichneten  Verpflichtungen  der
Stamm-Aktionaire  fort.

(Nr.  6008.)  Nicht
        <pb n="654" />
        —  478  —

Nicht  minder  fließt  während  einer  etwaigen  Staatsadministration  der

Zweigbahn  (5.  12.  des  Vertrages)  der  Ueperschus  des  Reinertrages  über  fünf

Prozemt  nach  der  Vestimmnmg  im  §F.  11.  des  Vertrages  den  Besitzern  der
tammaktien  der  Rheinischen  isenbahngeselsshaft  u.

Im  Falle  einer  etwaigen  Auflösung  der  beinsschen  Esseabahngesellccheft
haben  die  Besitzer  der  Aktien  B.  ausschließlich  Anspruch  auf  den  bei  der  Liquidation
  sich  ergebenden  vertheilungsfähigen  Erlös  der  Zweigbahn  Call,  resp.  Sötenich-Trier.
  4

Es  steht  den  Besitzern  der  Aktien  Littr.  B.  zwar  die  Lefugniß  zu)  an
den  Generalversammlungen  der  Meinischen  Eisenbahngesellschaft  Theil  zu  nehmen,
dieselben  üben  jedoch  in  diesen  Generalversammlungen  ein  Stimmrecht  nur  in
der  Weise  aus,  daß  fünf  Aktien  Littr.  B.  einer  Stammaktie  der  Rheinischen
Eisenbahngesellschaft  glei  gerechret  werden,  und  daß  nur  die  Besitzer  von
wanzig  Aktien  B.  und  mehr  in  den  Generalversammlungen  ftimmberechtigt  sind;
as  Stimmrecht  der  Aktien  B.  wird  demnach  (conf.  ¾l  36.  der  Statuten)  in
folgendem  Verhältniß  ausgeübt:

a)  für  zwanzig  bis  zweihundert  Aktien,  für  jede  20  Aktien  Eine  Stimme;

b)  für  die  Aktien,  welche  Jemand  über  die  Zahl  von  200  bis  zu  2000
besitzt,  für  7#  40  Aktien  Eine  Stimme,  und  soll  für  die  Aktien,  welche
Jemand  über  die  Zahl  von  2000  hinaus  besitzt,  ein  Stimmrecht  nicht
ausgeübt  werden;  die  Aktien  B.  üben  erst  Stimmrecht  in  den
versammlungen,  nachdem  sie  voll  eingezahlt  sind.  ·

eneral-.

  5.

Sollte  die  Zweigbahn  Call,  resp.  Sötenich-Trier,  in  Gemäßheit  der  Bestimmungen
  des  §F.  7.  des  Vertrages  vom  10.  April  1866.  vom  Staate  eigenthümlich
  erworben  werden,  so  erlöschen  alle  im  gegenwärtigen  Statutnachtrage
festgestellten  Rechte  und  Pflichten  der  Haupt-  und  Sweigbahn.

g.  6.

"  Die  Aktien  Littr.  B.  werden  nach  dem  diesem  Statutnachtrage  beigefügten
  Schema  ausgefertigt.  Denselben  wird  eine  Serie  von  Dividendenscheinen
und  eine  Anweisung  zum  Empfang  der  nächstfolgenden  Serie  von  Dividendenscheinen
  beigegeben.  Die  Aushändigung  einer  neuen  Serie  erfolgt  an  den  Präsentanten
  der  betreffenden  Anweisung  gegen  Ablielerung  derselben,  insofern  nicht
hiergegen  von  dem  Inhaber  der  Aktien  bei  der  Direktion  unter  Einsendung  der
Aktie  shuftn  Widerspruch  erhoben  worden  ist.

in  Falle  eines  solchen  rechtzeitig  vor  der  Präsentation  der  Anweisung
erhobenen  Widerspruchs  geschieht  die  Aushändigung  an  den  Inhaber  der  Aktie.
        <pb n="655" />
        —  479  —

 

 

Gesetz,
betreffend

die  Uebernahme  einer  Zinsgarantie  für  das  Anlagekapital
einer  Eisenbahn  von  Trier  durch  die  Eifel  nach  Call.

r-*e  ꝛc.  X.

Außerdem  zu  bedrucken  mit  den  bezüglichen  Paragraphen  aus
dem  Vertrage  vom  10.  April  1866.  und  aus  dem  Statutnachtrage
vom.

 

 

 

 

 

 

 

 

(Tr.  6608)
        <pb n="656" />
        Sdo  gaNas#q  Nram#

480

 

 

 

 

Vierprozentige  Staats-Garantie.

Uheinische  Eisenbahn-  Sesellschaft  in  Cöln.

Bestätigt  von  Seiner  Majestät  dem  Könige  von  Preußen  am  21.  August  1837.

 

Aktie  Littr.  B.  M  ....
über  250  Thaler  Preußisch  Kurant.

Ausgefertigt  auf  Grund  Allerhöchster  Konzessions-  und  Bestätigungs=  Urkunde
vom  12.  November  1866.
Die  Lahlung  ist  mit  Zweihundert  fünfzig  Thalern  Preußisch  Kurant
geleistet.
Der  Inhaber  hat  die  umstehend  näher  angegebenen  Rechte  und  Pflichten.
Cöln,  den  llten  18.
Yie  Direktion  der  Rheinischen  Eisenbahn-Geselschaft.  Der  Spezial-Direktor.

(Eigenhändige  Unterschrift  von  drei  (Eigenhändige  Unterschrift  des  Spezial-Direktions-Mitgliedern.)
  Direktors  oder  dessen  Stellvertreters.)

Dieser  Aktie  sind  die  Kupons  der  garantirten  Dividende-  und  Superdividende  Scheine
bis  inl.  nebst  Talon  beigefügt.

 

Eingetragen  sub  Fol...  des  Registers.  (Eigenhändige  Unterschrift  eines  Kontrolbeamten.)

EEIIILIIIIIIII
        <pb n="657" />
        Jahrgang  1867.  (Nr.  6608.)

 

Serie  I.  Kupon  der  Oividende,  gorantirt  gemäß  Vertrag  vom..  Lit.  T.
zr  Aktie  Lit.  B.  W.4

Fünf  Thaler
at  der  Inhaber  dieses  Divldendekupons  am  1.  April  18..  In  Berlin,
öln  und  in  den  außerdem  von  uns  zu  defignirenden  Städten  bei  den
bekannt  gemachten  Zahlstellen  zu  erheben.  "
Coͤln,  ben  .  .  ten  ..  ...  18..
Hie  Direktion  der  Rheinischen  Eisenbahn-  Geselschaft.
(Fakfimile.)

Kontrole  Fol.4  (Eigenhändige  Unterschrift  eines  Kontrolbeamten.)

Serie  I.

Lit.  U.

 

Serie  I.  Lit.  R.

Serie  I.

Lit.  S.

 

Berie  I.  Lii.  P.

Serie  I.

Lit.  Q.

 

Seric  I.  Lit.  N.

Berie  I.

Lit.  0.

 

 

Serie  I.  Lit.  L.

 

Serie  I.

Lit.  M.

 

 

—  481
        <pb n="658" />
        462  —

 

Kheinische  Eisenbahn-  Gesellschast.

Dieser  Schein  i  hach  bem  1.  April  18.  ungültig  und  werthlos,
und  ebenso)  wenn  derselbe  7*

durch  *i§5*dpv  durchl  oder  die  RNummer
defselben  nicht  mehr  vollständig  kst.

Fünf  Thaler,  zahlbar  am  1.  April  18.
        <pb n="659" />
        483

 

 

 

 

 

 

 

64*

(Nr.  6608.)
        <pb n="660" />
        484

 

 

 

 

 

 

Seric  I.  Lit.  J.  Serie  I.  Lit.  K.  #
Serie  J.  Lit.  G.  Berie  I.  Lit.  H.
Serie  I.  Lit.  E.  Serie  I.  Lit.  F.
gerie  I.  Lit.  C.  Herie  I.  Lit.  D.
Serie  I.  Lit.  A.  Serie  I.  Lit.  B.
        <pb n="661" />
        —  485

 

Rheinische  Eisenbahn-Gesellschaft.
Anweisung  zur  Aktie  Lit.  B.

 

 

 

 

 

 

4  ———□
Eingetragen  sub  Fol.  des  Registers.  (Eigenhändige  Unterschrift  eines  Kontrolbeamten.)
Serie  J.  E—  WI10#
Gerie  I.  7.  Berie  I.  MW.
Serie  I.  5.  erie  I.  W6.
Serie  J.  MW3.Serie  J.  MW4.
Serie  I.  Rheinische  Eisenbahn-Gesellschaft.  I.Gerie  I.  V?

Super-Oividendeschein  zu  der  Aktie  Lit.  B
Inhaber  empfängt  am  1.  Juli  18.  gegen  dieuen
  Schein  bei  der  Direktionskasse  zu  Cöln  die
atutmäßi  ittelte  Super-Dividende  für  das
bbih  W.
.....  18..  Die  Dtrestion.
Ga  alsimi  le)

Kontrolbeamten.

 

————————  Unt  shrist  ein

 

 

 

(Nr.  6608.)
        <pb n="662" />
        486  —

 

Inhaber  sindant  egen  diese  Anweisung  am  1.  Juli  18.  zur  vorbezeichneten

Aktie,  welche  au

erlangen  zur  Abstempelung  vorzulegen  ist,  die  Zweite

Serie  Kupons  der  garantirten  Dividende-  und  Super-Dividendescheine.

 

 

 

 

 

 

 

Cöln,  den.#ee  18.  Die  Direktion.
(Faksimile.)
W  10.  W9.
10.  F9.
.W.#  7.
B.  V.
V6.  W5.
W6.  W5.
M  4.  MW3.
2.  I.
Euper-Dividendeschein
für  das  Betriebsjahr  18.
zahlbar  om  1.  Juli  18.
Dieser  Schein  ist  nach  dem  1.  Juli
ültig  und  —  wenn  derselbe  —  durk.
chen,  od  bie  R  Nummer  desselben  nicht  mehr
vollständig
2  .WI.

 

 

r.  6509)
        <pb n="663" />
        —  487  —

(Nr.  6609.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  5.  April  1867.,  betreffend  die  Vereinigung  des  Postwesens
in  den  durch  das  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.  J.  1.  Nr.  1.  bis  3.
mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  vormals  Bayerischen  Landestheilen
  mit  dem  in  den  alten  Preußischen  Landestheilen.

a  das  Postwesen  in  den  durch  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz-Samml.
  S.  876.)  F.  1.  Nr.  1.  bis  3.  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten
  vormals  Bayerischen  Eandestbelen  auf  die  Preußische  Postverwaltung
1bergögangen  ist,  so  genehmige  Ich  auf  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom
22.  März  d.  I.,  daß  die  #esinne  des  Preußischen  internen  Portotarifs
und  Zeitungsprovisions-Tarifs  auf  den  Austausch  zwischen  den  alten  Preußischen
Provinzen  (denen  in  dieser  Beiiehun  das  vormalge  önigreich  Hannover  und
die  Herzogthümer  Schleswig  un  Vonsstein  hinzutreten)  einerseits  und  den  genannten
  vormals  Bayerischen  Landestheilen  andererseits  ausgedehnt  werden,  daß
die  der  Preußischen  Postverwaltung  gesetzlich  ertheilte  Ermächtigung,  über  gewisse
Gegenstände  des  Versendungs=  und  Reiseverkehrs  im  Wege  des  leglements  die
erforderlichen  Vorschriften  zu  teeffen,  ferner  die  dem  Chef  des  Preußischen  Postwesens
  zustehende  ein  in  nschun  des  Portofreiheitswesens  und  die  von
der  Preußischen  Postverwaltung  geübte  Befugniß  zur  Ernennung  und  Anstellung
von  Beamten  in  gleichem  Umfange  auch  in  den  genannten  vormals  Bayerischen
Landestheilen  in  Anwendung  kommen.

Berlin,  den  5.  April  1867.
Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

 

(Nr.  6609—6610.)  (Nr.  6610.)
        <pb n="664" />
        —  488  —

(Nr.  6610.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  der  unter  der  Firma:
Sieg-Fischerei-Aktiengesellschaft  zu  Wissen  an  der  Sieg,  mit  dem  Sitze
zu  Wissen  errichteten  Aktiengesellschaft.  Vom  5.  April  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  25.  März
1867.  die  Errichtung  einer  Aktiengesellschaft  unter  der  Firma:  „Sieg  Fischerei-Aktiengesellschaft
  zu  Wissen  an  der  Sieg““  mit  dem  Sitze  zu  Wissen,  bKwie  eren
Statut  vom  ##  uz  1866.  zu  genehmigen  gernht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statute  wird  durch  das  Amtsblatt  der
Königlichen  Regierung  zu  Coblenz  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  5.  April  1867.

Der  Minister  für  Handell  Gewerbe  Der  Minister  für  die  landwirth-=und

  öffentliche  Arbeiten.  schaftlichen  Angelegenheiten.
Im  Auftrage:  Im  Auftrage:
Delbrück.  Wehrmann.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlln,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(K  v.  Deckker).
        <pb n="665" />
        —  489  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

NNM.  32.  —

 

(Nr.  6611.)  Verordnung  wegen  Einberufung  der  beiden  Häuser  des  Landtages  der
Monarchie.  Vom  18.  April  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.
verordnen,  in  Gemäßheit  des  Artikels  51  der  Verfassungs-Urkunde  vom  31.  Januar
1850.,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

Die  beiden  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  das  Herrenhaus  und
das  Haus  der  Abgeordneten,  werden  auf  den  29.  April  d.  J.  in  Unsere  Hauptund
  Residenzstadt  Berlin  zusammenberufen.

Das  Staatsministerium  wird  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  18.  April  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Flh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz,.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6611—6612.)  65  (Nr.  6612.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  20.  April  1867.
        <pb n="666" />
        —  490  —

(Nr.  6612.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  5.  November  1866.,  betreffend  die  Organisation  der

Justizpflege  in  den  von  dem  Großherzoge  von  Hessen  und  bei  Rhein  abgetretenen
  Theilen  der  Provinz  Oberhessen.

Ar#  Ihren  Bericht  vom  27.  Oktober  d.  J.  will  Ich  hiermit  bis  auf  Weiteres
bestimmen,  daß

J.

—
—

III.

—

IV.

VI.

—

VII.

VIII.

der  von  dem  Großherhoge  von  Hessen  und  bei  Rhein  in  dem  Friedensvertrage
  vom  3.  September  d.  J.  Mir  abgetretene  nordwestliche  Theil
des  Kreises  Gießen,  welcher  die  Orte  Frankenbach,  Krumbach,  Königsberg,
  Fellingshausen,  Bieber,  Haina,  Rodheim,  Waldgirmes,  Naunheim
und  Hermannstein  mit  ihren  Gemarkungen  umfaßt,  dem  Bezirke  des
Landgerichts  Gladenbach  hinzutreten  soll

.  für  die  Landgerichtsbezirke  Vöhl,  Battenberh,  Biedenkopf  und  Gladena


ch  (letzterer  einschließlich  der  ihm  nach  Nr.  I.  hinzutretenden  Ortschaften)
ein  Bezirksstrafgericht  zu  Biedenkopf  errichtet  werde;

an  Stelle  des  Hofgerichts  zu  Gießen  für  die  ad  II.  genannten  Gerichtsbezirke
  als  Schwurgrichtshol  und  als  Gericht  zweiter  Instanz  das  Hofund
  Appellationsgericht  zu  Dillenburg  treten,  und

in  dritter  Instanz  und  als  Kassationsgericht  über  die  gegen  Urtheile  des
Schwurgerichtshofes  eingelegten  Rechtsmittel  das  Ober-Appellationsgericht
zu  Wiesbaden  entscheiden  sollt  ·

.inCivilprozessenundStrafsachenausdenadlLbezeichnetenBesickm

für  die  zweite  Instanz  die  bisher  daselbst  in  Geltung  gewesenen  Prozeßvorschriften
  der  Gro#berzegich  Hüchen  Gesehhebum  auch  bei  dem
Hof-  und  Appellationsgerichte  zu  Dillenburg  in  Anwendung  zu  bringen;

die  Zuständigkeit  des  Schwurgerichts  nach  der  Strafprozeß  Ordnung
für  die  Großhergoglichen  Propinzen  Starkenburg  und  Oberhessen  vom
13.  September  1865.  zu  beurtheilen;  dagegen

das  Verfahren  bei  Verweisung  der  Sachen  vor  das  Schwurgericht,  die
Doelbemunge  bei  demselben,  die  Wahl  der  Geschworenen,  sowie  das
Verfahren  in  Ansehun  der  Rechtsmittel  nach  dem  Herzoglich  Nassauischen
Gesetze,  betreffend  die  Einführung  des  mündlichen  und  öffentlichen  Strafverfahrens
  mit  Schwurgerichten,  vom  14.  April  1849.  zu  regeln;  endlich

die  ebenfalls  in  dem  Frichensvertrage  vom  3.  September  d.  J.  abetretenen
  Gebietstheile:  Ortsbezirk  SKelheim  und  der  unter  Großgerzoglch
  Hessischer  Souverainetät  gestandene  Theil  des  Ortsbezn

ie-
        <pb n="667" />
        —  491  —

Nieder-Ursel,  dem  Bezirke  des  Gerichts  erster  Instanz  zu  Homburg
einzuverleiben.

Sie,  der  Justizminister,  werden  mit  der  Ausführung  dieser  Meiner  Order
und  dem  Erlasse  der  dazu  erforderlichen  weiteren  Anordnungen  beauftragt.

Berlin,  den  5.  November  1866.
Wilhelm.
Für  den  Minister  der

auswärtigen  Angelegenheiten.

Gr.  zu  Eulenburg.  Gr.  zur  Lippe.

An  die  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten
und  der  Justiz.

(Nr.  6612—6613)  65“  (Nr.  6613.)
        <pb n="668" />
        —  4892  —

(Nr.  6613.)  Bekanntmachung  der  Ministerial-Erklärung  vom  13.  März  1867.,  betreffend
die  mit  der  Großherzoglich  Sachsen-Weimar-Eisenachischen  und  der  Herzoglich
  Sachsen=  Coburg=  und  Gothaischen  Regierung  getroffene  Vereinbarung
  wegen  der  definitiven  Auflösung  des  Amortisationsfonds  der
Thüringischen  Eisenbahn.  Vom  16.  April  1867.

D.  die  Ministerial-Erklärungen  der  Königlich  Preuhicchen  Regierung  vom
3.  Dezember  1862.,  der  Großherzoglich  Sachsen-Weimar  Eisenachischen  Regierung
vom  21.  Oktober  1862.  und  der  Herzoglich  Sachsen-Coburg.  und  Goifal
Regierung  vom  10.  November  1862.  sind  die  in  den  Artikeln  15.  bis  17.  des
die  Thüringische  Eisenbahn  betreffenden  Staatsvertrages  vom  19.  April  1844.
enthaltenen  Bestimmungen  insoweit  provisorisch  außer  Kraft  gesetzt  worden,  als
dieselben  die  Verwendung  der  vom  1.  Januar  1860.  ab  von  der  Thüringischen
Eisenbahn  erhobenen  Abgabe,  sowie  der  von  dem  gedachten  Zeitpunkte  ab  erwachsenen
Dividenden  von  dem  aufgesammelten  Amortisationsfonds  zum  Zwecke  der  Amortisation
  des  in  dem  Unternehmen  angelegten  Aktienkapitals  betreffen.  Jede  der  mitinteressirten
  Regierungen  hatte  sich  jedoch  vorbehalten,  auf  die  Verwendung  der
laufenden  Eisenbahna  gabe  zum  Zwecke  der  Amortisation  der  Eisenbahnaktien  nach
Maaßgabe  der  Verabredungen  des  vorgedachten  Staatsvertrages  surückukommen.
Auf  Grund  der  inzwischen  gepflogenen  weiteren  Verhand  ungen  sind  die
Königlich  Preußische,  die  Großherzoglich  Sachsen-Weimar-Eisenachische  und  die
Herzoglich  Sachsen-  Coburg-  und  Gothaische  Regierung  nunmehr  übereingekommen:
1)  diejenigen  Bestimmungen  der  Artikel  15.  16.  und  17.  des  die  Thüringische
Eisenbahn  betreffenden  Staatsvertrages  vom  19.  April  1844.,  welche  sich
auf  die  Verwendung  der  Eisenbahnabgabe  und  der  Dividende  der  anauften
  Aktien  zum  Zwecke  der  Amortifftion  der  Aktien  beziehen,  definitiv
aufzuheben,  und
2)  den  bis  zum  1.  Januar  1860.  aufgesammelten  Amortisationsfonds  aufzulösen
  und  denselben  nach  Maaßgabe  des  einer  jeden  der  drei  Regierungen
daran  zustehenden  und  in  Gemäßheit  der  Verabredungen  in  dem  Staatsei
  vom  19.  April  1844.,  sowie  der  Uebereinkunft  in  dem  Berliner

 

½·
□

Schlußprotokolle  vom  nämlichen  Tage  nach  dem  Längenverhältnisse  der
Bahnstrecken  zu  berechnenden  #ntzenls  unter  sich  zu  vertheilen.

Die  Königlich  Preußische,  die  Großherzoglich  Sachsen-Weimar  Eisenachische
und  die  Herzoglich  Sachsen-Coburg=  und  Götzasshe  Regierung  sind  darüber  einverstanden,
  za  hiernach  die  Artikel  15.  16.  und  17.  des  die  Thüringische  Eisenbahn
  betreffenden  Staatsvertrages  vom  19.  April  1844.  insoweit  fortdauernde
Gültigkeit  behalten,  als  durch  dieselben  die  nachstehend  bezeichneten  Bestimmungen
getroffen  worden  sind,  nämlich:

a)  daß  außer  der  Abgabe,  welche  in  Folge  der  Bestimmungen  des  für  das
Königreich  Preußen  ergangenen  Gescheo  vom  30.  Mai  1853.)  die  von
den  Eisenbahnen  zu  entrichtende  Abgabe  betreffend,  von  dem  Reinertrage
  der  Thüringischen  Eisenbahn  erhoben  wird,  der  Gesellschaft  keine
besonderen  Abgaben  für  die  in  den  verschiedenen  Gebieten  beltgenen  Bahnen,
        <pb n="669" />
        —  493  —

strecken,  als  Gewerbesteuer,  Konzessionsgeld  und  dergleichen  auferlegt
werden  sollen,  jedoch  vorbehaltlich  der  Entrichtung  der  Grundsteuer  und
anderer  dinglicher  Lasten,  soweit  solche  nach  der  bestehenden  Landesgesetzgebung
  von  der  Gesellschaft  zu  übernehmen  sind;

b)  daß  die  Königlich  Preußische  Regierung  die  Feststellung  der  vorgedachten
Abgabe  übergehmnen  und  diese  Aggabs  alsährüich  an  6  mireiiten
Regierungen,  nach  Maaßgabe  ihrer  Bethei  igin,  Seitens  der  Direktion
der  Thürineischen  Eisenbahngesellschaft  abführen  lassen  wird,  in  Ausehung
welcher  Betheiligung  die  in  dem  vormaligen  gfürstenthum  Hessen  un
dem  Herzogthum  Sachsen-Meiningen  belegenen  Strecken  der  Thüringischen
Eisenbahn  mit  Rücksicht  a  die  Uebereinkunft  in  dem  Berliner  Schluß-Wotofoll
  vom  19.  April  1844.  den  in  dem  Eroßherzogthum  Sachseneimar-Eisenach

  belegenen  Strecken  zugerechnet  werden;  die  über  Herzoglich
  Sachsen-Altenburgisches  Gebiet  führende  Strecke  der  Weißenfels-Geraer
  Zweigbahn  aber  nach  dem  Staatsvertrage  vom  25.  November
1857.  den  in  Preußen  belegenen  Strecken  hinzutritt.

Hierüber  ist  Königlich  Preußischer  Seits  vorstehende  Ministerial-Erklärung
in  zwei  gleichlautenden  Exemplaren  ausgefertigt  worden,  welche  nach  erfolgter
Auswechselung  gegen  übereinstimmende  Erklärungen  des  Großherzoglich  Sa  "4  -
Weimar-Eisena3ifchen  und  des  Herzoglich  Sachsen-Coburg=  und  Gothaischen
Staatsministeriums  Kraft  und  Wirksamkeit  haben  soll.

Berlin,  den  13.  März  1867.

Der  Koniglich  Preußische  Präsident  des  Staatsministeriums  und
Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten.
(L.  S.)  Gr.  v.  Bismarck=  Schönha  usen.

Vorstehende  MinisterialErklärung  wird,  nachdem  fie  gegen  übereinstimmende
Erklärungen  des  Großherzoglich  Ssene  ren  Staatsministeriums
und  des  Herzoglich  esis  und  Gothaischen  Staatsministeriums  ausgewechselt
  worden,  hierdurch  zur  öffentlichen  Kenntniß  gebracht.

Berlin,  den  16.  April  1867.

Der  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten.

Im  Auftrage:
v.  Thile.

 

(Nr.  6613—6614.)  (Nr.  6614.)
        <pb n="670" />
        —  494  —

(Nr.  6614.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  18.  März  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee
von  Zörbig  über  Bitterfeld  nach  Düben,  im  Kreise  Bitterfeld.

N%  Jch  durch  Meinen  Erlaß  vom  beuiigen  Tage  den  Bau  einer  Kreis-Chaussee
  von  Zörbig  über  Bitterfeld  nach  Düben,  im  Kress  Bitterfeld,  Regierungsbezirk
  Merseburg,  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise  Blreerfio
das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen
  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,
nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschuften,  in  Bezug
auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  dem  gedachten  Kreise  gegen  Uebernahme  der
künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des
Chaufergel  es  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Ahausseen  jedesmal
eltenden  Chausseegeld-  Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Besümmungen
  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden
Wnchen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von
Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chauseseegeld-Tarife
  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen
  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  18.  März  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

(Fr.  6615.)
        <pb n="671" />
        —  495  —

(Nr.  6615.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  1.  April  1867.,  betreffend  die  Justig-Organisation  in

der  ehemaligen  Landgrafschaft  Hessen-  Homburg.

Ar  Ihren  Bericht  vom  23.  März  d.  J.  will  Ich  hiermit  bis  auf  Weiteres
Folgendes  bestimmen:

I.  für  das  vormals  Landgräfliche  Amt  Homburg  vor  der  Höhe,  den  vore


1

III.

—

IV.

VI.

.

VII.

(Nr.  6615.)

—

mals  Großherzoglich  Hessischen  Ortsbezirk  Rödelheim  und  den  vormals
Großherzoglich  8  ischen  Theil  des  Ortsbezirks  Nieder-Ursel  tritt  an  die
Stelle  der  Landesregierung  erste  Deputation  in  Homburg  das  Hof.  und
Appellationsgericht  in  Wiesbaden  als  Gericht  zweiter  Instanz  in  Civilsachen,
  sowie  als  Gericht  erster  und  zweiter  Instan  in  Straffachen,  als
Anklagekammer  und  als  Schwurgerichtshof.

Mit  Aufhebung  des  Rechtsmittels  der  Revision  durch  Aktenversendung
entscheidet  als  Gericht  dritter  Instanz  in  Civilsachen,  sowie  als  Gericht
zweiter  Instanz  in  Strafsachen  und  als  Kassationshof  gegen  Erkenmtnisse
der  Anklagekammer  und  gegen  Urtheile  des  Schwurgerichtshofes  das
Ober-Appellationsgericht  in  Wiesbaden.  .

Die  Funktionen  eines  Staatsanwalts  in  den  bei  dem  Justizamte  in
Hamburg  anhängigen  Untersuchungen  werden  dem  Staatsprokurator  in
iesbaden  übertragen.

In  Civilprozessen  und  den  nicht  zur  Zuständigkeit  der  Schwurgerichte
ehörigen  Strafsachen  sind  von  dem  Hof-  und  Appellationsgerichte  in

iesbaden  und  dem  Ober-Appellationsgerichte  daselbst  die  beher  in
Homburg  in  Geltung  gewesenen  Prozeßvorschriften  in  Anwendung  zu
ringen.

Die  Zuständigkeit  des  Schwurgerichts  ist  nach  dem  Landgräflich  Hom-5


burgischen  Kompetenzgesetze  vom  22.  März
1859.  S.  17.)  zu  beurtheilen;  dagegen

das  Verfahren  bei  Verweisung  der  Sachen  vor  das  Schwurgericht,  die
Verhandlung  bei  demselben,  die  Wahl  der  Geschworenen,  die  Zusammensetzung
  des  hwurgernchtehefes,  sowie  die  Zulässigkeit  und  das  Verfahren
in  Wschung  der  Rechtsmittel  gegen  Erkenntnisse  der  Anklagekammer  und
des  Schwurgerichtshofes  vach  dem  Herzoglich  Nassauischen  Gesetze  vom
14.  April  1849.,  betreffend  die  Einführung  des  mündlichen  und  öffentlichen
  Strafverfahrens  mit  Schwurgerichten  (Verordnungsblatt  von  1849.
S.  305.),  zu  regeln.  ·

In  Ansehung  des  äußeren  und  inneren  Geschäftsganges,  der  Disziplin,
der  Ernennung  von  Offizialanwalten,  des  Armenrechts,  der  Insinuationen,
der  Gerichtskosten,  sowie  der  Gebühren  der  Anwalte  finden  bei  dem  Hofund
  Appellationsgerichte  und  dem  Ober-Appellationsgerichte  in  Wiesbaden
die  nach  den  Nassauischen  Gesetzen  geltenden  Vorschriften  Anwendung

9.  (Regierungsblatt  von
        <pb n="672" />
        —  496  —

VIII.  Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  1.  Mai  d.  J.  in  Kraft.  Hat  vor  dieser
Zeit  die  Aktenversendung  Behufs  der  Repvision  in  einer  Sache  an  eine
Rechtsfakultät  bereits  stattgefunden,  so  ist  die  Entscheidung  von  der  Letzteren
abzufassen  und  demnächst  nach  den  bestehenden  Vorschriften  zu  verfahren.

In  den  nach  Artikel  7.  des  Homburgischen  Gesetzes  vom  15.  Oktober
  1850.  (Regierungsblatt  Nr.  14.  von  1850.)  bereits  vor  das
Schwurgericht  verwiesenen,  am  1.  Mai  d.  J.  noch  nicht  abgeurtheilten
Sachen  entscheidet  das  Schwurgericht  in  Wiesbaden.

Sie,  der  Justizminister,  werden  ermächtigt,  die  zur  Ausführung  dieser
Meiner  Order  erforderlichen  Anordnungen  zu  treffen.

Berlin,  den  1.  April  1867.
Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.
An  den  Justigminister.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats=  Ministeriums.
Berlin)  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerci
(R.  v.  Decker).
        <pb n="673" />
        —  497  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr  33.

 

(Nr.  6616.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Vereins-Zolltarifs  in  den  Herzogthümern
  Schleswig  und  Holstein.  Vom  18.  April  1867.

2  -
Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c

verordnen,  was  folgt:

K.  1.

Der  mit  dem  Gesetze  vom  1.  Mai  1865.  (Gesetz  Samml.  S.  209.)  veröffentlichte,
  wischen  den  Regierungen  der  zum  Zollvereine  gehörerden  Staaten
vereinbarte  40#  tarif,  sowie  das  Gesetz  und  die  Verordnung,  betreffend  die  Abänderung
  des  Vereins-Zolltarifs,  vom  17.  Juni  1865.  (Gesetz=  Samml.  S.  558.
und  559.  bis  561.)  und  das  Gesetz  wegen  Aufhebung  der  durch  den  Zolltarif
vorgeschriebenen  Gebühren  für  Begleitscheine  und  Bleie  vom  2.  März  1867.
(Gesetz=  Samml.  S.  350.),  ferner  der  1  4.  der  Verordnung  vom  2.  Juli  1861.
wegen  Verzollung  des  ausländischen  Zuckers  und  Syrops  Gat  Smm  S.  417.)
und  die  Verordnung  wegen  Abänderung  der  Tarasätze  für  Zucker  vom  10.#  April
1866.  (Gesetz-Samml.  -  221.)  treten  mit  den  in  den  §#.  3.  bis  9.  vorgesehenen
Maaßgaben  in  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Heol  ein,  mit  Ausnahme  der
aus  dem  JZollverbande  r#eiden  ausgeschlossenen  Theile,  dergestalt  sofort  in  Kraft
daß  die  Zollstellen  sogleich  nach  Empfang  der  gegenwärtigen  Verordnung  nach
Inhalt  derselben  zu  verfahren  haben.

K.  2.

Zur  richtigen  Anwendung  des  Zolltarifs  dient  das  amtlich  bekannt  zu
machende  Wgarenwerseichniß,  welches  die  einzelnen  Waarenartikel  nach  ihren  im
Handel  und  sonst  üblichen  Benennungen  in  alphabetischer  Ordnung  aufzählt  und
den  auf  jeden  derselben  anwendbaren  Tarifsatz  bezeichnet.  Wo  dennoch  über  die
richtige  Anwendung  des  Tarifs  auf  die  einzelnen  zollpflichtigen  Gegenstände  ein
Speiae  eintritt,  wird  letzterer  im  Verwaltungswege  und  in  letzter  Instanz  von
dem  Finanzminister  entschieden.

Jobegang  1867.  (Tr.  6616.)  66  S.  3.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  23.  April  1867.
        <pb n="674" />
        —  498  —

S.  3.
In  Berücksichtigung  der  Interessen  der  durch  die  angeordnete  Tarifänderung
in  erheblichem  Maaße  berührten  Gewerbe  werden  für  folgende  Waaren  die  Sätze
der  ersten  Tarifabtheilung  vorübergehend  anderweit  festgesetzt,  nämlich:

a)  auf  die  Dauer  von  drei  Monaten,  vom  Ablaufe  des  Monats  an  gerechnet,
in  welchem  der  Vereins-Zolltarif  in  den  Herzogthümern  in  Wirksamkeit
getreten  ist,

1)  für  die  unter  Position  262  der  ersten  Abtheilung  des  Vereins-Zolltarifs
  bezeichneten  baumwollenen  Waaren  auf  25  Rthlr.  für  den
Zollzentner,

2)  für  die  unter  Position  18“  a.  a.  O.  bezeichneten  Kleider,  fertige  Leibwäsche
  und  Putzwaaren  auf  110  Rthlr.,  und  -

3)  für  die  unter  Position  306  und  4  a.  a.  O.  bezeichneten  seidenen
und  halbseidenen  Waaren  auf  110  Rthlr.  für  dem  Jollzentner;

b)  bis  zur  Herstellung  des  zollfreien  Verkehrs  zwischen  den  Herzogthümern
und  den  übrigen  Preußischen  Landestheilen,

1)  für  die  unter  Position  4164  a.  a.  O.  bezeichneten  Waaren  aus  Wolle,
auch  in  Verbindung  mit  Baumwolle,  Leinen  und  Metallfäden,  unter
Ausnahme  der  Fußteppiche  und  Strumpfwaaren,  auf  30  Rthlr.  für
den  Zollzentner,  während

2)  für  getrocknete  Cichoriemwurzeln,  Position  2592  a.  a.  O.,  der
zollfreie  Eingang  für  den  vorstehend  zu  b.  bezeichneten  Zeitraum
nachgelassen  wird.

Von  Steinkohlen,  Position  34  5  a.  a.  O.,  wird  kein  Eingangsgoll
erhoben.
S.  4.

Das  Verbot  der  Einfuhr  und  die  Beschränkung  der  ekühin  von  Satz,
welche  unter  Position  25“  der  ersten  Abtheilung  des  Vereins-Zolltarifs  ausgesprochen
  sind,  treten  nicht  in  Kraft.

Für  Salz  wird  der  Zoll  von  12  Sgr.  (16  Schillinge)  für  den  Zollzentner
erhoben,  unter  Gewährung  einer  Taravergütung  von  10  Prozent  für  Salz  in
Fassern  und  von  3  Prozent  für  Salz  in  Säcken.

S.  5.
Die  durch  die  provisorische  Verordnung  vom  13.  April  1865.  engeführte
Zolftehet.  für  Vieh  bleibt,  jedoch  unter  Beschränkung  auf  den  Eingang  über  die
andgrenze  gegen  Jütland,  bestehen.

S.  6.
Rücksichtlich  der  für  die  Truppen  und  die  Marine  aus  dem  Zollvereinsge-
        <pb n="675" />
        —  499  —

gebiet  nach  den  Herzogthümern  gelangenden  Gegenstände  ist  auch  ferner  nach  den
estehenden  Verfügungen  zu  verfahren.  Die  den  Behörden  in  den  Herzogthümern

aus  dem  Zollvereinsgebiet  zugehenden  Dienstmaterialien  unterliegen  dem
zolle  nicht.
S.  7.

Ven  der  Durchfuhr  werden  Abgaben  nicht  erhoben.

KS.  8.

Die  das  Abfertigungsverfahren  berührenden  Bestimmungen  unter  Nr.  V.
VI.  und  VII.  der  dritten  Abtheilung  des  Vereins-Zolltarifs  bleiben  bis  zur  Herstellung
  des  freien  Verkehrs  mit  den  übrigen  Preußischen  Landestheilen  außer
Anwen  ung.  Auch  treten  die  unter  Nr.  VIII.  a.  a.  O.  enthaltenen  Bestimmungen
über  die  Befugnisse  der  Zollämter  bis  zur  anderweiten  Organisation  der  letzteren
nicht  in  Wirksamkeit,  vielmehr  bleiben  vor  der  Hand  die  gegenwärtigen  Befugnisse
der  Zollstellen  aufrecht  erhalten.

ngangs-K.

  9.

Die  nach  Nr.  IX.  der  dritten  Abtheilung  des  Vereins-Zolltarifs  bei  der
Abgabenerhebung  außer  Betracht  bleibenden  Ge#ilrberaäge  können  bis  zum  Eintritt
  der  Zollfreiheit  zwischen  den  Herzogthümern  und  den  übrigen  Preußischen
Landestheilen,  jedoch  nur  für  den  kleinen  Grenzverkehr,  vom  Finanzminister  dahin
erhöht  werden,  daß  Waarenquantitäten,  von  denen  zusammengenommen  der  Zoll
nicht  über  24  Schillinge  beträgt,  zollfrei  eingebracht  werden  dürfen.

S.  10.

Zollvergütigungen,  welche  außer  denjenigen  für  ausgeführten  Zucker  bisher
für  ausgeführte  Fabrikate  und  für  Hokz  bewilligt  worden  sind,  dürfen  nur  noch
bis  zum  Eintritt  des  freien  Verkehrs  zwischen  den  Herzogthümern  und  den  übrigen
Preußischen  Landestheilen  nach  den  bisher  ergangenen  und  nach  den  von  der
Zollbehörde  darüber  zu  erlassenden  weiteren  Anordnungen  gewährt  werden.

C.  11.

Die  Jollvergütigung  für  ausgeführten  Zucker  wird  in  Gemäßheit  der  im
Zollvereine  bestehenden  Vorschriften  gewährt,  und  zwar  in  dem  für  den  Jollverein
  vorgeschriebenen  Satze  für  Fabrikate  aus  Indischem  Zucker,  soweit  nach
den  dieserhalb  von  der  Zollbehörde  zu  treffenden  Anordnungen  festgestellt  worden
ist,  daß  die  Fabrikate  aus  Rohmaterial  gewonnen  sind,  von  dem  der  Zoll  nach
den  Bestimmungen  des  Vereins-ZJolltarifs  entrichtet  worden.  Für  die  nach
den  bisherigen  Tarifsätzen  verzollten  Bestände  an  Zucker  bleibt  die  provisorische
Verordnung,  betreffend  eine  veränderte  Feststellung  der  Zollvergütigung  für  ausgeführten
  acer,  vom  .  Juli  1866.  in  Gültigkeit.

K.  12.

Es  werden  hiermit  aufgehoben:  die  bisher  in  den  Herzogthümern  gültig
(##r.  6616.  ge-
        <pb n="676" />
        —  500  —

ewesenen  Tarife  für  die  Einfuhr-,  Ausfuhr=  und  Durchfuhrzölle  und  für  die

Zolldeklarirungs-Gebühren,  einstweilen  jedoch  mit  Auschluß  der  darin  in  Bezug
auf  die  Kreditauflagen  enthaltenen  Vorschuiftenf  ferner  die  Bestimmungen  in  den
S.  141.  und  143.  bis  147.  der  Zollverordnung  vom  1.  Mai  1838.  über  die
von  Strandgütern  und  von  den  einzuführenden  Schiffen  zu  entrichtenden  Zölle,
nebst  den  diese  Tarife  und  Bestimmungen  abändernden  Erlassen,  insonderheit  das
Patent  vom  4.  Januar  1854.,  den  Engangzzoll  für  Materialien  und  Geräthen
zu  Wasser=  und  Gasleitungen  betreffend;  endlich  die  Bestimmungen  des  Patents
vom  9.  Juni  1847.  und  der  99.  10.  und  47.  der  Zollverordnung  vom  1.  Mai  1838.
über  die  Rückzahlung  des  Eingangszolls  von  wieder  ausgehenden  Pferden,  sowie
über  die  Rückzahlung  des  erlegten  Ausgangszolls  im  Falle  späteren  Verbleibens
der  Waare  im  Inlande.

.  13.

Der  Finanzminister  wird  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt
  und  zur  Festsetzung  der  Zollbeträge  und  Zollvergütungen  nach  dem
Landesmünzfuße  ermächtigt.

zleiundich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  18.  April  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

NHerlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  Deckerv.
        <pb n="677" />
        —  501  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

JNr.  34.

 

(Nr.  6617.)  Gesetz,  betreffend  die  privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs-  und  Wirthschafts-Genossenschaften.
  Vom  27.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #rc.

brrerh  mit  Zustimmung  der  beiden  Häuser  des  Landtages  Unserer  Monarchie,
was  folgt:

Abschnitt  I.
Von  Errichtung  der  Genossenschaften.

K.  1.

Gesellschaften  von  nicht  geschlossener  Mitgliederzahl)  welche  die  Förderung
des  Kredits,  des  Erwerbes  oder  der  Wirthschaft  ihrer  Mitglieder  mittelst  gemeinschaftlichen
  Geschäftsbetriebes  bezwecken  (Genossenschaften),  namentlich:

1)  Vorschuß=  und  Kreditvereine,
2)  Rohstoff=  und  Magazinvereine,

3)  Vereine  zur  Anfertigung  von  Gegenständen  und  zum  Verkauf  der  gefertigten
  Gegenstände  auf  gemeinschaftliche  Rechnung  (Produktivgenossenschaften),


4)  Vereine  zum  gemeinschaftlichen  Einkauf  von  Lebensbedürfnissen  im  Großen
und  Ablaß  in  kleineren  Partien  an  ihre  Mitglieder  (Konsumvereine)),

5)  Vereine  zur  Herstellung  von  Wohnungen  für  ihre  Mitglieder,
erwerben  die  im  gegenwirtigen  Geseze  bezeichneten  Rechte  einer  eingetragenen
Genossenschaft“)  unter  den  nachstehend  angegebenen  Bedingungen.
Jahrgang  1867.1  (Nr.  6617.)  67  g.  2.
Ausgegeben  zu  Berlin  den  27.  April  1867.
        <pb n="678" />
        —  502  —

.  2.

Zur  Gründung  der  Genossenschaft  bedarf  es:

1)  der  schriftlichen  Abfassung  des  Gesellschaftsvertrages  (Statut),
2)  der  Annahme  einer  gemeinschaftlichen  Firma.

Die  Firma  der  Genossenschaft  muß  vom  Gegenstande  der  Unternehmung
entlehnt  sein  und  die  zusätzliche  Bezeichnung  „eingetragene  Genossenschaft“
enthalten.

Der  Name  von  Mitgliedern  (Genossenschaftern)  oder  anderen  Personen
darf  in  die  Fimna  nicht  aufgenommen  werden.  Jede  neue  Firma  muß  sich  von
allen  an  demselben  Orte  oder  in  derselben  Gemeinde  bereits  bestehenden  Firmen
eingetragener  Genossenschaften  deutlich  unterscheiden.

Jm  Beitritt  der  einzelnen  Genossenschafter  genügt  die  schriftliche  Erklärung.

F.  3.
Der  Gesellschaftsvertrag  muß  enthalten:
1)  die  Firma  und  den  Sitz  der  Genossenschaftz
2)  den  Gegenstand  des  Unternehmens;
3)  die  Zeitdauer  der  Genossenschaft,  im  Falle  dieselbe  auf  eine  bestimmte
Zeit  beschränkt  sein  soll;
4)  die  Bedingungen  des  Ein=  und  Austritts  der  Genossenschafter;

5)  den  Betrag  der  Geschäftsantheile  der  einzelnen  Genossenschafter  und  die
Art  der  Bildung  dieser  Antheile;

6)  die  Grundsätze,  nach  welchen  die  Bilan  aufzunehmen  und  der  Gewinn
*  berechnen  ist,  und  die  Art  und  Weig,  wie  die  Prüfung  der  Bilanz
olgt
7)  die  Art  der  Wahl  und  Zusammensetzung  des  Vorstandes  und  die  Formen
für  die  Legitimation  der  Mitglieder  des  Vorstandes;

8)  die  Form,  in  welcher  die  Zusammenberufung  der  Genossenschafter  geschieht

9)  die  Bedingungen  des  Stimmrechts  der  Genossenschafter  und  die  Form,
in  welcher  dasselbe  ausgeübt  wird;

10)  die  Gegenstände,  über  welche  nicht  schon  durch  einfache  Stimmemmehrheit
der  auf  Zusammenberufung  erschienenen  Genossenschafter,  sondern  nur
durch  eine  größere  Stimmenmehrheit  oder  nach  anderen  Erfordernissen
Beschluß  gefaßt  werden  kann;

11)  die  Form,  in  welcher  die  von  der  Genossenschaft  ausgehenden  Bekanntmachungen
  Frseigen  sowie  die  öffentlichen  Blätter,  in  welche  dieselben
aufzume  men  ind;

12)  die
        <pb n="679" />
        —  503  —

12)  die  Bestimmung,  daß  alle  Genossenschafter  für  die  Verbindlichkeiten  der
Genossenschaft  cfoarssh  und  mit  ihrem  ganzen  Vermögen  haften.

C.  4.

Der  Gesellschaftsvertrag  muß  bei  dem  Handelsgerichte  (Art.  73.  des  Einführungsgesetzes
  zum  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuche  vom  24.  Juni
1861.))  in  dessen  Bezirk  die  Genossenschaft  ihren  Sitz  hat,  in  das  Genossenschaftsregister,
  welches  einen  Theil  des  Handelsregisters  bildet,  eingetragen  und  im
Auszuge  veröffentlicht  werden.

Der  Auszug  muß  enthalten:
1)  das  Datum  des  Gesellschaftsvertrages;
2)  die  Firma  und  den  Sitz  der  Genossenschaft;
3)  den  Gegenstand  des  Unternehmens;
4)  die  Zeitdauer  der  Genossenschaft,  im  Falle  dieselbe  auf  eine  bestimmte  Zeit
beschränkt  sein  soll;
5)  die  Namen  und  den  Wohnort  der  zeitigen  Vorstandsmitglieder;

6)  die  Form,  in  welcher  die  von  der  Genossenschaft  ausgehenden  Bekanntmachungen
  erfolgen,  sowie  die  öffentlichen  Blätter,  in  welche  dieselben
aufzunehmen  sind.

Zugleich  ist  bekannt  zu  machen,  daß  das  Verzeichniß  der  Genossenschafter
jeder  Zeit  bei  dem  Handelsgerichte  eingesehen  werden  könne.

Ist  in  dem  Gesellschaftsvertrage  eine  Form  bestimmt,  in  welcher  der  Vorstand
  seine  Willenserklärungen  kund  giebt  und  für  die  Genossenschaft  zeichnet,  so
ist  auch  diese  Bestimmung  zu  veröffentlichen.

G  5.

Vor  erfolgter  Eintragung  in  das  Genossenschaftsregister  hat  die  Genossenschaft
  die  Rechte  einer  eingetragenen  Genossenschaft  nicht.

S.  6.

Jede  Abänderung  des  Gesellschaftsvertrages  muß  schriftlich  erfolgen  und
dem  Handelsgerichte  unter  Ueberreichung  zweier  Abschriften  des  Gesellschaftsbeschlusses
  angemeldet  werden.

Mit  dem  Abänderungsbeschlusse  wird  in  gleicher  Weise  wie  mit  dem  ursprünglichen
  Vertrage  versahren.  Eine  Veröffentlichung  desselben  findet  nur  in
o  weit  statt,  als  sich  dadurch  die  in  den  früheren  Bekanntmachungen  enthaltenen
7  ändern.

Der  Beschluß  hat  keine  rechtliche  Wirkung,  bevor  derselbe  bei  dem  Handelserichte,

  in  dessen  Bezirk  die  Genossenschaft  ien  Sitz  hat,  in  das  Genossenshafteregiser
  eingetragen  ist.
Grr.  6617.  67“°  S.  7.
        <pb n="680" />
        —  504  —

G.  7.

Bei  jedem  Handelsgerichte,  in  dessen  Bezirk  die  Genossenschaft  eine  Zweigniederlassung
  hat,  muß  diese  Behufs  der  Eintragung  in  das  Geno  enschestsregister
angemeldet  werden  und  ist  dabei  Alles  zu  beobachten,  was  die  S#.  4.  bis  6.  für
das  Hauptgeschäft  vorschreiben.

Abschnitt  II.

Von  den  Rechtsverhältnissen  der  Genossenschafter  unter  einander,
sowie  den  Rechtsverhältnissen  derselben  und  der  Genossenschaft
gegen  Dritte.

S.  8.

Das  Rechtsverhältniß  der  Genossenschafter  unter  einander  richtet  sich  -
nächst  nach  dem  Gesellschaftsvertrage.  Letzterer  darf  von  den  Bestimmungen  der
nachfolgenden  Paragraphen  nur  in  denjenigen  Punkten  abweichen,  bei  welchen  dies
austrüclsich  ür  zulässig  erkkärt  ist.

Der  Gewinn  und  Verlust  wird  in  Ermangelung  einer  anderen  Bestimmung
des  Gesellschaftsvertrages  unter  die  Eenosfenschaster  nach  Köpfen  vertheilt.

K.  9.

Die  Rechte,  welche  den  Genossenschaftern  in  ansenee  der  Genossenschaft,
  insbesondere  in  Beziehung  auf  die  Führung  der  Geschäfte,  die  Einsicht  und
Prüfung  der  Bilanz  und  die  Bestimmung  der  Gewinnvertheilung  zustehen,  werden
von  der  Gesammtheit  der  Genossen  in  der  Generalversammlung  ausgeübt.

Jeder  Genosenschafter  hat  hierbei  eine  Stimme,  wenn  nicht  der  Gesellschaftsvertrag
  ein  Anderes  festsetzt.

K.  10.

Die  eingetragene  Genossenschaft  kann  unter  ihrer  Firma  Rechte  erwerben
und  Verbindlichkeiten  eingehen,  Eigenthum  und  andere  dingliche  Rechte  an  Grundstücken
  erwerben,  vor  Gericht  klagen  und  verklagt  werden.

h  Sr  hadentlicher  Gerichtsstand  ist  bei  dem  Gerichte,  in  dessen  Bezirk  sie
ihren  Sitz  hat.

in  Betreff  der  Kaufleute  im  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuche
und  in  dem  Einführungsgesetze  vom  24.  Juni  1861.  (Gesetz-Samml.  S.  449.)

egebenen  Bestimmungen  gelten  in  gleicher  Weise  in  Betreff  der  Genossenschaften,
srwert  dieses  Gesetz  keine  abweichenden  Vorschriften  enthält.

S.  11,
        <pb n="681" />
        —  505  —

KC.  11.

Für  alle  Verbindlichkeiten  der  Genossenschaft,  insofern  zur  Deckung  derselben
  im  Falle  der  Liquidation  oder  des  Konkurses  das  Vermögen  der  Genossenscast
  nmicht  ausreicht,  haften  alle  Genossenschafter  solidarisch  mit  ihrem  ganzen

ermögen.  -
er  in  eine  bestehende  Genossenschaft  eintritt,  haftet  gleich  den  anderen
Genossenschaftern  für  alle,  von  der  Genossenschaft  vor  seinem  Eintritte  eingegangenen
Verbindlichkeiten.
Ein  entgegenstehender  Vertrag  ist  gegen  Dritte  ohne  rechtliche  Wirkung.

KC.  12.

Die  Privatgläubiger  eines  Genossenschafters  sind  nicht  befugt,  die  zum  Gevossenschaftsvermögen
  gehörigen  Sachen,  Forderungen  oder  Rechte,  oder  einen
Antheil  an  denselben  zum  Behuf  ihrer  Befriedigung  oder  Sicherstellung  in  Anspruch
  zu  nehmen.  egenstand  der  Exekution  des  Arrestes  oder  der  Hechiag.
nahme  kann  für  sie  nur  dasjenige  sein,  was  der  Genossenschafter  selbst  an  98
und  an  Gewinnantheilen  zu  fordern  berechtigt  ist  und  was  ihm  bei  der  Auseinandersetzung
  zukommt.

K..  13.

Die  Bestimmung  des  vorigen  Paragraphen  gilt  auch  in  Betreff  der  Privatgläubiger,
  zu  deren  Gunsten  eine  Hypothek  oder  ein  Pfandrecht  an  dem  Vermögen
  eines  Genossenschafters  kraft  des  ees  oder  aus  einem  anderen  Rechtsgrunde
  besteht.  Ihre  Hypothek  oder  ihr  Pfandrecht  erstreckt  sich  nicht  auf  die
zum  Genossenschaftsvermögen  gehörigen  Sachen,  Forderungen  und  Rechte  oder
auf  einen  Antheil  an  denselben,  sondern  nur  auf  dasjenige,  was  in  dem  letzten
Satze  des  vorigen  Paragraphen  bezeichnet  ist.

Jedoch  werden  die  Rechte,  welche  an  dem  von  einem  Genossenschafter  in
das  Vermögen  der  Genossenschaft  eingebrachten  Gegenstande  bereits  zur  Zeit  des
Einbringens  bestanden,  durch  die  vorstehenden  Bestimmungen  nicht  berührt.

K.  14.

Eine  Kompensation  zwischen  Forderungen  der  Genossenschaft  und  Privatforderungen
  des  Genossenschaftssch  leners  gegen  einen  Genossenschafter  findet
während  der  Dauer  der  Genossenschaft  weder  ganz  noch  bheitweise  statt.  Nach

Auflösung  der  Genossenschaft  ist  sie  mulässig  wenn  und  soweit  die  Genossenschaftsforderung
  dem  Genossenschafter  bei  der  Auseinandersetzung  überwiesen  ist.

K..  15.

Hat  ein  Privatgläubiger  eines  Genossenschafters  nach  fruchtlos  vollstreckter
ekution  in  dessen  Privatvermögen  die  Exekution  in  das  demselben  bei  der  demnächstigen
  Auflösung  der  Genofsenschaft  zukommende  Guthaben  erwirkt,  so  ist  er
berechtigt,  die  Genossenschaft  mag  auf  bestimmte  oder  unbestimmte  Zeit  eingegangen.
(r.  6617)  sein,
        <pb n="682" />
        —  506  —

sein,  Behufs  seiner  Befriedigung  nach  vorher  von  ihm  geschehener  Aufkündigung
das  Ausscheiden  jenes  Genchsenschafens  zu  verlangen.

Die  Aufkündigung  muß  mindestens  sechs  Monate  vor  Ablauf  des  Geschäftsjahres
  der  Genossenschaft  geschehen.

Abschnitt  III.
Von  dem  Vorstande,  dem  Aufsichtsrathe  und  der  Generalversammlung.

KS.  16.

Jede  Genossenschaft  muß  einen  aus  der  Zahl  der  Genossenschafter  zu
wählenden  Vorstand  haben.  Sie  wird  durch  denselben  gerichtlich  und  außergerichtlich
  vertreten.

Der  Vorstand  kann  aus  einem  oder  mehreren  Mitgliedern  bestehen,  diese
können  besoldet  oder  unbesoldet  sein.  Ihre  Bestellung  ist  zu  jeder  Zeit  widerruflich,
  unbeschadet  der  Entschädigungsansprüche  aus  bestehenden  Verträgen.

S.  17.

Die  jeweiligen  Mitglieder  des  Vorstandes  müssen  alsbald  nach  ihrer  Bestellung
  zur  Eintragung  in  das  Handelsregister  angemeldet  werden.  Der  Anmeldung
  ist  ihre  Legitimation  beizufügen.  Die  Mitglieder  des  Vorstandes  haben
ihre  Unterschrift  vor  dem  Handelsgerichte  zu  zeichnen  oder  die  Zeichnung  in  beglaubter
  Form  einzureichen.

K.  18.

Der  Vorstand  hat  in  der  durch  den  Gesellschaftsvertrag  bestimmten  Form
seine  Willenserklärungen  kund  zu  geben  und  für  die  Genossenschaft  zu  zeichnen.
Ist  nichts  darüber  Oünmt,  so  ist  die  Zeichnung  durch  sämmtliche  Mitglieder  des
Vorstandes  erforderlich.  Die  Zeichnung  geschieht  in  der  Weise,  daß  die  Zeichnenden
  zu  der  Firma  der  Genossenschaft  oder  zu  der  Benennung  des  Vorstandes  ihre
Unterschrift  hinzufügen.

*

Die  Genossenschaft  wird  durch  die  vom  Vorstande  in  ihrem  Ramen  geschlossenen
  Achhtegeschäfte  berechtigt  und  verpflichtet.  Es  ist  gleichgültig,  ob  das
Geschäft  ausdrücklich  im  Namen  der  Genossenschaft  geschlossen  worden  ist,  oder
ob  die  Umstände  ergeben,  daß  es  nach  dem  Willen  der  Kontrahenten  für  die  Geossenschaft
  eschlossen  werden  sollte.

ie  Befugniß  des  Vorstandes  zur  Vertretung  der  Genossenschaft  erstreckt

sich  auch  auf  diejenigen  Geschäfte  und  Rechtshandlungen,  für  welche  nach  den

Gesetzen  eine  Spezialvollmacht  erforderlich  ist.  Zur  Legitimation  des  Vorstandes

bei  allen,  das  Hypothekenbuch  betreffenden  Geschäften  und  Anträgen  genügt  ein

Attest  des  Handelsgerichts,  daß  die  darin  zu  bezeichnenden  Personen  als  MBüleder
des  Vorstandes  in  das  Gerossenschaftsregsster  eingetragen  sind.  6?

20.
        <pb n="683" />
        6s07  —

g.  20.

Der  Vorstand  ist  der  Genostenschalt  gegenüber  verpflichtet,  die  Beschränkungen
  einzuhalten,  welche  in  dem  Gesellschaftsvertrage  oder  durch  Beschlüsse  der
Generalversammlung  für  den  Umfang  seiner  Befugniß,  die  enossemschul  zu  vertreten,
  festgesetzt  sind.  Gegen  dritte  Personen  ha  scdoch  eine  Beschränkung  des
Vorstandes,  die  Ernogsenschan  zu  vertreten)  keine  rechtliche  Wirkung.  Dies  gilt
insbesondere  für  den  Fall,  daß  die  Vertretung  sich  nur  auf  gewisse  Arten  von
Geschäften  erstrecken,  oder  nur  unter  gewissen  Umständen,  oder  für  eine  gewisse
Jeit,  oder  an  einzelnen  Orten  stattfinden  soll,  oder  daß  die  Zustimmung  der  Generalversammlung
  eines  schterathes  oder  eines  anderen  Organes  der  Genossenschafter
  für  einzelne  Geschäfte  erfordert  ist.

g.  21.
Eide  Namens  der  Genossenschaft  werden  durch  den  Vorstand  geleistet.

g.  22.

Jede  Aenderung  der  Mitglieder  des  Vorstandes  muß  dem  Handelsgerichte
zur  Eintragung  in  das  Genossenschaftsregister  und  öffentlichen  Bekanntmachung
angezeigt  werden.

ritten  Personen  kann  die  Aenderung  nur  insofern  entgegengesetzt  werden,
als  in  Betreff  dieser  Aenderung  die  in  Artikel  46.  des  Allgemeinen  Deutschen
Handelsgesetzbuches  in  Betreff  des  Erlöschens  der  Prokura  bezeichneten  Voraussetzungen
  vorhanden  sind.

Zur  Behändigung  von  Vorladungen  und  anderen  Zustellungen  an  die  Genossenschaft
  genügt  es,  wenn  dieselbe  an  ein  Mitglied  des  Vorstandes,  welches
zu  zeichnen  oder  mitzuzeichnen  befugt  ist,  geschieht.

g.  24.

Der  Vorstand  ist  verbunden,  dem  Handelsgerichte  am  Schlusse  jedes
Quartals  über  den  Eintritt  und  Austritt  von  Genossenschaftern  schriftlich  Anzeige
zu  machen  und  alljährlich  im  Monat  Januar  ein  vollständiges  alphabetisch  geordnetes
Verzeichniß  der  Genossenschafter  einzureichen.

Das  Handelsgericht  berichtigt  und  vervollständigt  danach  die  Liste  der
Genossenschafter.  E

Der  Vorstand  ist  verpflichtet,  Sorge  zu  tragen,  daß  die  erforderlichen
Bücher  der  Genossenschaft  geführt  werden.  Er  muß  spätestens  in  den  ersten
sechs  Monaten  jedes  Geshästesahe  eine  Bilanz  des  verflossenen  Geschäftsjahres,
die  Zahl  der  seit  der  vorjährigen  Bekanntmachung  aufgenommenen  oder  ausgeschiedenen,
  sowie  die  Zahl  der  zur  Zeit  der  Genossenschet  angehörigen  Genossenschafter
  veröffentlichen.

(Nr.  6617.)  g.  26.
        <pb n="684" />
        —  508  —

K.,  26.

Mitglieder  des  Vorstandes,  welche  in  dieser  ihrer  Eigenschaft  außer  den  Grenzen
ihres  Auftrages  oder  den  orschriften  dieses  Gesetzes  oder  des  Gesellschaftsvertrages
gt  een  handeln,  haften  persönlich  und  solidarisch  für  den  dadurch  entstandenen
Schaden.

Sie  haben,  wenn  ihre  Handlungen  auf  andere,  als  die  in  dem  gegenwärtigen
  Gesetze  (§.  I.)  erwähnten  g-  chäftlichen  Zwecke  gerichtet  sind,  oder  wenn  sie
in  der  Generalversammlung  die  Erörterung  von  Anträgen  gestatten,  oder  nicht
verhindern,  welche  auf  keinen  geschäftlichen  Zweck,  sondern  auf  öffentliche  Angelegenheiten
  (§.  1.  der  Verordnung  über  die  Verhütung  eines  die  gesetzliche  Freiheit
  gelästdenden  Mißbrauches  des  Versammlungsrechtes  vom  11.  März  1850.)
gerichtet  sind,  eine  Geldbuße  bis  zu  200  Thalern  verwirkt.

S.  27.  .

DerGesellschaftsvertragkanndemVorstandeeinenAufsichtsrath(Verwaltungsrath,
  Ausschuß)  an  die  Seite  setzen.

ein  Aufsichtsrath  bestellt,  so  überwacht  derselbe  die  Geschäftsführung
der  Genossenschaft  in  allen  Zweigen  der  Verwaltung,  er  kann  sich  von  dem  Gange
der  Angelegenheiten  der  Gesellschaft  unterrichten,  die  Bücher  und  Schriften  derselben
  jederzeit  einsehen,  den  Bestand  der  Gesellschaftskasse  untersuchen  und  Generalversammlungen
  berufen.  Er  kann,  sobald  es  ihm  nothwendig  erscheint,  Vorstandsmitglieder
  und  Beamte  vorliufg  und  zwar  bis  zur  Entscheidung  der  demnächst
  zu  berufenden  Generalversammlung,  von  ihren  Jesumt  en  entbinden  und
wegen  einstweiliger  Fortführung  der  Geschifte  die  nöthigen  Anstalten  treffen.

Er  hat  die  Jahresrechnungen,  die  Bilanzen  und  die  Vorschläge  zur  Gewinnvershing
  zu  prüfen  und  darüber  alljährlich  der  Generalversammlung  Bericht
zu  erstatten.

Er  hat  eine  Generalversammlung  zu  berufen,  wenn  dies  im  Interesse  der

Gesellschaft  erforderlich  ist.
g.  28.

Der  Aufsichtsrath  ist  ermächtigt,  gegen  die  Vorstandsmitglieder  die  Prozesse
zu  führen,  welche  die  Generalversammlung  beschließt.

Wenn  die  Genossenschaft  gegen  die  Mitglieder  des  Aufsichtsrathes  einen
Prozeß  zu  führen  hat,  so  wird  sie  durch  Bevollmächtigte  vertreten,  welche  in  der
Generalversammlung  gewählt  werden.  Jeder  Gepossenschafter  ist  befugt,  als
Intervenient  in  den  Prozeß  auf  seine  Kosten  einzutreten.

F  29.

Der  Betrieb  von  Geschäften  der  Genossenschaft,  sowie  die  Vertretung  der
Genossenschaft  in  Beziehung  auf  diese  Geschäftsführung  kann  auch  sonstigen  Bevollmächtigten
  oder  Beamten  der  Genossenschaft  zugewiesen  werden.  In  diesem
Falle  bestimmt  sich  die  Befugniß  derselben  nach  der  ihnen  ertheilten  olmacht

e
        <pb n="685" />
        —  509  —

sie  erstreckt  sich  im  Zweifel  auf  alle  Rechtshandlungen,  welche  die  Ausführung
derartiger  Geschäfte  gewöhnlich  mit  sich  bringt.

C.  30.

Die  Generalversammlung  der  Genossenschafter  wird  durch  den  Vorstand
beausfen,  soweit  nicht  nach  dem  Gesellschaftsvertrage  auch  andere  Personen  dazu
efugt  sind.

Eine  Generalversammlung  der  Genossenschafter  ist  außer  den  im  Gesellschaftsvertrage
  ausdrücklich  bestimmten  Fällen  zu  berufen,  wenn  dies  im  Interesse
der  Genossenschaft  erforderlich  erscheint.

Die  Generalversammlung  muß  sofort  berufen  werden,  wenn  mindestens
der  zehnte  Theil  der  Mitglieder  der  Genossenschaft  in  einer  von  ihnen  zu  unterzeichnenden
  Eingabe  an  den  Vorstand  unter  Anführung  des  Zweckes  und  der  Gründe
darauf  entäßt.  Ist  in  dem  Genossenschaftsvertrage  das  Recht  der  Berufung
einer  Generalversammlung  einem  größeren  oder  geringeren  Theile  der  Genossenschaftsglieder
  beigelegt,  so  hat  es  hierbei  sein  Bewenden.

F.  31.

Die  Berufung  der  Generalversammlung  hat  in  der  durch  den  Gesellschaftsvertrag
  bestimmten  Weise  zu  erfolgen.

Der  Zweck  der  Generalversammlung  muß  jederzeit  bei  der  Berufung  bekannt
  gemacht  werden.  Ueber  Gegenstände,  deren  Verhandlung  nicht  in  dieser
Veise  angekündigt  ist,  können  Beschlüsse  nicht  gefaßt  werden;  hiervon  ist  jedoch
der  Beschluß  über  den  in  einer  Generalversammlung  gestellten  Antrag  auf  Be—
rufung  einer  außerordentlichen  Generalversammlung  ausgenommen.

Zur  Stellung  von  Anträgen  und  zu  Verhandlungen  ohne  Beschlußfassung
bedarf  es  der  Ankündigung  nicht.

g.  32.

Der  Vorstand  ist  zur  Beobachtung  und  Ausführung  aller  Bestimmungen
des  Gesellschaftsvertrages  und  der  in  Gemäßheit  derselben  von  der  Generalversammlung
  gültig  gefaßten  Beschlüsse  verpflichtet  und  dafür  der  Genossenschaft
verantwortlich.

Die  Beschlüsse  der  Generalversammlung  sind  in  ein  Protokollbuch  einzutragen,
  dessen  Einsicht  jedem  Genossenschafter  und  der  Staatsbehörde  gestattet
werden  muß.

Abschnitt  IV.

Von  der  Auflösung  der  Genossenschaft  und  dem  Ausscheiden  einzelner
Genossenschafter.
&amp;amp;  33.
Die  Genossenschaft  wird  aufgelöst:
1)  durch  Ablauf  der  im  Gesellschaftsvertrage  bestimmten  Zeitz

Jahrgeng  1867.  (Nr.  6617.)  2)  durch
        <pb n="686" />
        —  510  —
2)  durch  einen  Beschluß  der  Genossenschaft  /
3)  durch  Eröffnung  des  Konkurses  (Falliments).

C.  34.

Wenn  eine  Genossenschaft  sich  gesetzwidriger  Handlungen  oder  Unterlassungen
schuldig  macht,  durch  welche  das  Gemeinwohl  gefährdet  wird,  oder  wenn  sie
andere,  als  die  im  gegenwärtigen  Gesetze  G.  1.)  bezeichneten  #sschäftlichen  Zwecke
verfolgt,  so  kann  sie  aufgelöst  werden,  ohne  daß  deshalb  ein  Anspruch  auf  Entschädigung
  stattfindet.

Die  Auflösung  kann  in  diesem  Falle  nur  durch  gerichtliches  Erkenntniß
auf  Betreiben  der  Bezirksregierung  erfolgen.  Als  das  zuständige  Gericht  ist  dasjenige
  anzusehen,  bei  welchem  die  Genossenschaft  ihren  ordentlichen  Gerichtsstand  hat.

Das  Erkenntnif  ist  von  dem  muständigen  Gerichte  demjenigen  Gerichte,  welches
das  Gepnossenschaftsregister  führt,  zur  Eintragung  und  Veröffentlichung  nach
§.  36.  mitzutheilen.

C.  35.

Die  Auflösung  der  Genossenschaft  muß,  wenn  sie  nicht  eine  Folge  des  eröffneten
  Konkurses  ist,  durch  den  Vorstand  zur  Eintragung  in  das  Genossenschaftsregister
  angemeldet  werden;  sie  muß  zu  drei  verschiedenen  Malen  durch  die  für
die  Bekanntmachungen  der  Genossenschaft  bestimmten  Blätter  bekannt  gemacht
werden.

Durch  die  Bekanntmachung  müssen  die  Gläubiger  zugleich  aufgefordert
werden,  sich  bei  dem  Vorstandè  der  Genossenschaft  zu  melden.

**“

Die  Konkurseröffnung  ist  vom  Konkursgerichte  von  Amtswegen  in  das
Genossenschaftsregister  emzutragen.  Die  Bekanntmachung  der  Eintragung  durch
eine  Anzeige  in  den  im  4  4.  Nr.  6.  bestimmten  Blättern  unterbleibt.  Wenn  das  Genossenst
  aafsgregiler  nicht  bei  dem  Konkursgerichte  geführt  wird,  so  ist  die  Konkurseröffnung
  von  Seiten  des  Konkursgerichtes  dem  Handelsgerichte,  bei  welchem  das
Register  geführt  wird,  zur  Bewirkung  der  Eintragung  unverzüglich  anzuzeigen.

S.  37.

Jeder  Genossenschafter  hat  das  Recht,  aus  der  Genossenschaft  auszutreten,
auch  wenn  der  Gesellschaftsvertrag  auf  bestimmte  Zeit  geschlossen  ist.

Ist  über  die  Kündigungefrist  und  den  Zeitpunkt  des  Austritts  im  Gesellschaftsvertrage
  nichts  festgesetzt,  so  findet  der  Austritt  nur  mit  dem  Schluß  des  Geschäftsjehres
  nach  vorheriger,  mindestens  vierwöchentlicher  Aufkündigung  statt.  Ferner
erlischt  die  Mit  Wlim  durch  den  Tod,  sofern  der  Gesellschaftsvertrag  keine  entgegengesetzten
  Befimmungen  enthält.

n  jedem  Falle  kann  die  Genossenschaft  Genossenschafter  aus  den  im  Gesellschaftsvertrage
  fetgesetzten  Gründen,  sowie  wegen  des  Verlustes  der  bürgerlichen
Ehrenrechte,  ausschlichen.

S.  38.
        <pb n="687" />
        —  511  —

g.  38.

Die  aus  der  Genossenschaft  ausgetretenen  oder  ausgeschlossenen  Genossenschafter,
  sowie  die  Erben  verstorbener  Genossenschafter,  bleiben  den  Gläubigern
er  Genossenschaft  für  alle  bis  zu  ihrem  Ausscheiden  von  der  Genossenschaft  eingegangenen
  Verbindlichkeiten  bis  zum  Ablauf  der  Verjährung  (F.  51.)  verhaftet.

Wenn  der  Golellchastsneneag  nichts  Anderes  bestimmt,  haben  sie  an  dem
Reservefonds  und  an  dem  sonst  vorhandenen  Vermögen  der  Genossenschaft  keinen
Anspruch,  sind  vielmehr  nur  berechtigt,  zu  verlangen,  daß  ihnen  der  eingezahlte
Gsschästeamt  eil  nebst  den  zugeschriebenen  Dividenden  binnen  drei  Monaten  nach
ihrem  Ausscheiden  ausgezahlt  werde.

Gegen  diese  Verpflichtung,  auch  wenn  sich  das  Vermögen  der  Genessen,
schaft  bei  dem  Austritt  oder  der  Ausschließung  eines  gneshte  vermindert
hat,  kann  sich  die  Genossenschaft  nur  dadurch  schützen,  daß  sie  ihre  Auflösung  beschließt
und  zur  Liquidation  schreitet.

Abschnitt  V.
Von  der  Liquidation  der  Genossenschaft.

K.  39.

Nach  Auflösung  der  Genossenschaft  außer  dem  Falle  des  Konkurses  erfolgt
die  Liquidation  durch  den  Vorstand,  wenn  nicht  dieselbe  durch  den  Gesellschaftsvertrag
  oder  einen  Beschluß  der  Genossenschaft  an  andere  Personen  übertragen
wird.  Die  Bestellung  der  Liquidation  ist  schenzen  widerruflich.

K.  40.

Die  Liquidatoren  sind  von  dem  Vorstande  beim  Handelsgerichte  zur  Eintragung
  in  das  Genossenschaftsregister  anzumelden;  sie  haben  ihre  Unterschrift  persönlich
  vor  dieser  Behörde  zu  zeichnen  oder  die  Zeichnungen  in  beglaubigter  Form
einzureichen.

Das  Austreten  eines  Liquidators  oder  das  Erlöschen  der  Vollmacht  eines
solchen  ist  gleichfalls  zur  Eintragung  in  das  Genossenschaftsregister  anzumelden.

KC.  41.

Dritten  Personen  kann  die  Ernennung  von  Liquidatoren,  sowie  das  Austreten
  eines  Liquidators  oder  das  Erlöschen  der  Vollmacht  eines  solchen  nur  insofern
  entgegengesetzt  werden,  als  hinsichtlich  dieser  Thatsachen  die  Voraussetzungen
vorhanden  sind,  unter  welchen  nach  Artikel  25.  und  46.  des  Allgemeinen  Deutschen
Handelsgesetzbuches  hinsichtlich  einer  Aenderung  der  Inhaber  einer  Firma  oder  des
Erlöschens  einer  Prokura  die  Wirkung  gegen  Dritte  eintritt.

(Nr.  6617.)  68“  Sind
        <pb n="688" />
        —  512  —

Sind  mehrere  Liquidatoren  vorhanden,  so  können  sie  die  zur  Liquidation
ehörenden  Handlungen  mit  rechtlicher  Wirkung  nur  in  Gemeinschaft  vornehmen,
aafem  nicht  ausdrücklich  bestimmt  ist,  daß  sie  einzeln  handeln  können.

K.  42.

Die  Liquidatoren  haben  die  laufenden  Geschäfte  zu  beendigen,  die  Verpflichtungen
  der  aufgelösten  Genossenschaft  zu  erfüllen,  die  Forderungen  derselben
einzuziehen  und  das  Vermögen  der  Genossenschaft  zu  versilbern;  sie  haben  die
Genossenschaft  gerichtlich  und  außergerichtlich  zu  vertreten"  sie  können  für  dieselbe
Vergleiche  schließen  und  Kompromisse  eingehen.  Zur  Beendigung  schwebender
Geschäfte  können  die  Liq##idatoren  auch  neie  Geschäfte  eingehen.

Die  Bräufferung  von  unbeweglichen  Sachen  kamn  durch  die  Liquidatoren,
sofern  nicht  der  Gesellschaftsvertrag  oder  ein  Beschß  der  Genossenschaft  anders
bestimmt,  nur  durch  öffentliche  Versteigerung  bewirkt  werden.

*t

Eine  Beschränkung  des  Umfanges  der  Geschäftsbefugnisse  der.  Liquidatoren
(5.  42.)  hat  gegen  dritrs  Personnn  keine  rechtliche  esun  l

**.

Die  Liquidatoren  haben  ihre  Unterschrift  in  der  Weise  abzugeben,  daß  sie
der  bisherigen,  nunmehr  als  Liquidationsfirma  zu  bezeichnenden  Firma  ihren
Namen  besügen

S.  45.  #
Die  Liquidatoren  haben  der  Genossenschaft  gegenütber  bei  der  Geschäftsführung
  den  von  der  Generalversammlumg  gefaßten  Beschlüssen  Folge  zu  geben.

.  16.

Die  bei  Auftösung  der  Genossenschaft  vorhandenen  und  die  während  der
Liquidation  eingehenden  Gelder  werden,  wie  folgt,  verwendet:

a)  es  werden  zunächst  die  Gläubiger  der  Genossenschaft  je  nach  der  Fälligkeit
  ihrer  Forderungen  befriedigt  und  die  zur  Deckung  noch  nicht  fälliger
Forderungen  nöthigen  Summen  zurückbehalten;

b)  aus  den  alsdann  verbleibenden  Ueberschüssen  werden  die  eingezahlten  Geschäftsantheile
  einschließlich  der  denselben  zugeschriebenen  Dividenden
früherer  Jahre  an  die  Genossenschafter  zurückgezahlt.  Reicht  der  Bestand
zur  vollständigen  Deckung  nicht  aus,  so  erfolgt  die  Vertheilung  desselben
nach  Verhältniß  der  Höhe  der  einzelnen  Guthaben,
aus  dem  nach  Deckung  der  Schulden  der  Genossenschaft,  sowie  der  Geschäftsantheile
  der  Genossenschafter,  noch  verbleibenden  Bestande  wird  zunächst
  der  Gewinn  des  letzten  Rechnungsjahres  an  die  Genossenschafter
nach

*1ä§
        <pb n="689" />
        —  513  —

nach  den  Bestimmungen  des  Gesellschaftsvertrages  gezahlt.  Die  Vertheilung
  weiterer  Ueberschüsse  unter  die  Genossenschafter  erfolgt  in  Ermangelung
  anderer  Vertragsbestimmungen  nach  Köpfen.

S.  47.

Die  Liquidatoren  haben  sofort  beim  Beginn  der  Liquidation  eine  Bilanz
aufzustellen.  Ergiebt  diese  oder  eine  später  aufgestellte  Bilanz,  daß  das  Vermögen
der  Genossenschaft  (einschließlich  des  Reservefonds  und  der  Geschäftsantheile  der
Genossenschafter)  zur  Deckung  der  Schulden  der  eesce  nicht  hinreicht,
so  haben  die  Liquidatoren  bei  eigener  Verantwortlichkeit  sofort  eine  Generalversammlung
  #t  berufen  und  hierauf,  sofern  nicht  Genossenschafter  binnen  acht  Tagen
nach  der  abgehaltenen  Generalversammlung  den  zur  Deckung  des  Ausfalles  erforderlichen
  Betrag  baar  einzahlen,  bei  dem  Handelsgerichte  die  Eröffnung  des
kaufmännischen  Konkurses  (Falliments)  über  das  Vermögen  der  Genossenschaft
zu  beantragen.  §l48

Ungeachtet  der  Auflösung  der  Genossenschaft  kommen  bis  zur  Beendigung
der  Liquidation  im  Uebrigen  in  Bezug  auf  die  Rechtsverhältnisse  der  bisherigen
Genossenschafter  untereinander,  sowie  zu  dritten  Pessonen,  die  Vorschriften  des
wweiten  und  dritten  Abschnitts  dieses  Lesehen  zur  Anwendung,  #loweit  sich  aus
en  Bestimmungen  des  gegenwärtigen  Abschnitts  und  aus  dem  Wesen  der  Liquidation
  nicht  ein  Anderes  ergiebt.  Im  Fall  der  Auflösung  der  Genossenschaft
kann  kein  Genossenschafter  wegen  des  etwaigen  geringeren  Betrages  der  statutenmäßigen
  Einzahlung  auf  seinen  Geschäftsantheil  von  anderen  Eenostenschaftern,
welche  auf  ihre  Antheile  meg  eingezahlt  haben,  im  Wege  des  Rückgriffs  in  Anspruch

  genommen  werden.  Der  Gerichtsstand,  welchen  die  Genossenschaft  zur  Zeit

ihrer  Auflösung  hatte,  bleibt  bis  zur  Beendigung,  der  Liquidation  für  die  aufgelöste
  Genossenschaft  bestehen.  Zustellungen  an  die  Genossenschaft  geschehen  mit
rechtlicher  Wirkung  an  einen  der  Ligquidatoren.

g.  49.

Nach  Beendigung  der  Liquidation  werden  die  Bücher  und  Schriften  der
au  östen  Genossenschaft  einem  der  gewesenen  Genossenschafter  oder  einem  Dritten
in  Verwahrung  gegeben.  Der  Genossenschafter  oder  der  Dritte  wird  in  Ermangelung
  einer  gütlichen  Uebereinkunft  durch  das  Handelsgericht  bestimmt.

Die  Genofenschafur  und  deren  Rechtsnachfolger  behalten  das  Recht  auf  Einsicht
  und  Benutzung  der  Bücher  und  Papiere.

g.  50.

Ueber  das  Vermögen  der  Genossenschaft  wird  außer  im  Falle  des  F.  47.
der  kaufmännische  Konkurs  (Falliment)  eröffnet,  sobald  se  ihre  Zahlungen  vor
oder  nach  ihrer  Auflösung  eingestellt  hat.  §.  281.  Nr.  2.  der  Konkursordnung
vom  8.  Mai  1855.,  Rheinisches  Handelsgesetzbuch  Artikel  441.,  Gesetz  vom
9.  Mai  1859.  (Gesetz-Samnil.  S.  208.).

(Nr.  6017.)  Die
        <pb n="690" />
        —  614  —

Die  Verpflichtung  zur  Anzeige  der  Zahlungseinstellung  liegt  dem  Vorstande
der  aesse  sng  und  wenn  die  Zahlun  zeingellug  ma  Auflösung  der  Genossenschaft
  eintritt,  den  Liquidatoren  derselben  ob.

Die  Genossenschaft  wird  durch  den  Vorstand,  beziehungsweise  die  Liquidatoren
  vertreten.  Dieselben  sind  persönlich  zu  erscheinen  und  Auskunft  zu  ertheilen
  in  allen  Fällen  verpflichtet,  in  welchen  dies  für  den  Gemeinschuldner  selbst
vorgeschrieben  ist.  Ein  Akkord  tonkordag,  kann  nicht  geschlossen  werden.

Der  Konkurs  (Falliment)  über  das  Gesellschaftsvermögen  zieht  den  Konkurs
(Falliment)  über  das  Privatvermögen  der  einzelnen  Genossenschafler  nicht  nach  sich.

Der  Beschluß  über  Eröffnung  des  Konkurses  (resp.  die  Erklärung  des
Falliments)  hat  die  Namen  der  solidarisch  verhafteten  Genossenschafter  nicht  zu  enthalten.
  Sobald  der  Konkurs  (Falliment)  beendigt  ist,  sind  die  Gläubiger  berechtigt,
  wegen  des  alnesalg  an  ihren  Forderungen,  jedoch  nur,  wenn  solche  bei
dem  Konkursverfahren  (Falliment)  angemeldet  und  verifizirt  4  einschließlich
Zinsen  und  Kosten,  die  einzelnen,  ihnen  solidarisch  haftenden  Genossenschafter  in
Anspruch  zu  nehmen.

Abschnitt  VI.
Von  der  Verjährung  der  Klagen  gegen  die  Genossenschafter.

C.  51.

Die  Klagen  gegen  einen  Genossenschafter  aus  Anprüchen  gegen  die  Genossenschaft
  verjähren  in  zwei  Jahren  nach  Auflösung  der  Genossenschaft  oder  nach
seinem  Ausscheiden  oder  feiner  Auschliekung  aus  derselben,  sofern  nicht  nach  Beschaffenheit
  der  Rorderung  eine  kürzere  Verjährungefrist  geedlich  eintritt.

Die  Verjährung  beginnt  mit  dem  Tage,  an  welchem  die  Auflösung  der
Genossenschaft  in  das  Gwmossenschaftsregister  eingetragen  oder  das  Ausscheiden,
beziehungsweise  die  Ausschließung  des  Genossenschafters  dem  Handelsgerichte  angezeigt
  ist.  Wird  die  Forderung  erst  nach  diesem  Zeitpunkte  fällig,  so  beginnt
die  Verjährung  mit  dem  Zeitpunkte  der  Fälligkeit.  Ist  noch  ungetheiltes  Genossenschaftsvermögen
  vorhanden,  so  kann  dem  Gläubiger  die  zweijährige  Verjährung
  nicht  entgegengesetzt  werden,  sofern  er  seine  Befriedigung  nur  aus  dem
Gesellschaftsvermögen  sucht.

G.  52.

Die  Verjährung  zu  Gunsten  eines  auzgeschiedenen  oder  ausgeschlossenen
Genossenschafters  wird  nicht  durch  Rechtshand  ungen  gegen  einen  anderen  Genossensch
  ter,  wohl  aber  durch  Rechtehn  lungen  gegen  die  fortbestehende  Genossenschaft
  unterbrochen.

Die  Verjährung  zu  Gunsten  eines  bei  der  Auflösung  der  Genossenschaft
zu  derselben  gehörigen  Genossenschafters  wird  nicht  durch  Rechtshandlungen  gegen
einen  anderen  Genossenschafter,  wohl  aber  durch  Rechtshandlungen  gegen  die
Liquidatoren,  beziehungsweise  gegen  die  Konkursmasse  unterbrochen.  *1

.  53.
        <pb n="691" />
        —  615  —

g.  53.

Die  Verjährung  läuft  auch  gegen  Minderjährige  und  bevormundete  Personen,
  sowie  gegen  juristische  Personen,  denen  gesetzlich  die  Rechte  der  Minderjährigen
  zusteben,  ohne  Zulassung  der  Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand,
14  mit  Vorbehalt  des  Regresses  gegen  die  Vormünder  und  Verwalter.

Schlußbestimmungen.
G.  54.

Das  Handelsgericht  hat  den  Verstand  der  Genossenschaft  zur  Befolgung
der  in  den  §#I.  4.  6.  17.  22.  24.  25.  30.  Absatz  3.  32.  Absatz  2.  35.  40.  enthaltenen
  Vorschriften  von  Amtswegen  durch  Ordnungsstrafen  anzuhalten.

Für  das  hierbei  befolgende  Verfahren  sind  die  im  Artikel  5.  des  Einführungsgesetzes
  zum  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuche  vom  24.  Juni
1861.  getroffenen  Bestimmungen  maaßgebend.

G.  55.
Unrichtigkeiten  in  den  nach  den  Vorschriften  des  gegenwärtigen  Gesetzes  dem
Vorstande  obliegenden  Anzeigen  oder  sonstigen  amtlichen  Angaben  werden  gegen  die
Vorstandsmitglieder  mit  Geldbuße  bis  zu  20  Thalern  geahndet.

!*“

Durch  die  im  F.  55.  enthaltene  Bestimmung  wird  die  Anwendung  härterer
Strafen  nicht  ausgeschlossen,  wenn  dieselben  nach  sonstigen  Gesetzen  durch  die
Handlung  begründet  werden.  5

57.

Die  Eintragungen  in  das  Genossenschaftsregister  erfolgen  kostenfrei.  Die
näheren  geschäftlichen  Anordnungen  über  die  Führung  des  Genossenschaftsregisters
bleiben  einer  von  den  Ministern  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten
und  der  Justiz  zu  erlassenden  Instruktion  vorbehalten.

Die  Minister  1en  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  und  der  Justiz
werden  mit  der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt.  s

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  27.  März  1867.

(#.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Grr.  6617—ee818)  (Nr.  6018.)
        <pb n="692" />
        —  616  —

(Nr.  6618.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  4.  Februar  1867.,  betreffend  die  Einrichtung  und  Zuständigkeit
  des  Stadtamtes  in  Frankfurt  a.  M.

A#  Ihren  Bericht  vom  1.  Februar  d.  J.  bestimme  Ich  über  die  Einrichtung
und  Zuständigkeit  des  Stadtamtes  in  Frankfurt  a.  M.,  unter  Aufhebung  der  Vorschriften
  in  Pestion  1.  des  dortigen  Gesetzes  vom  22.  Oktober  1850.  und  in
F.  20.  erster  Satz  des  Gesetzes  über
ber  1856:
I.  Das  Stadtamt  zerfällt  in  drei  Abtheilungen,  wovon  jede  mit  einem
Richter  besetzt  wird.

II.  Hinsichtlich  aller  zur  Zuständigkeit  des  Stadtamtes  gehörigen  Rechtssachen
wird  die  Stadt  mit  Sachsenhausen  und  den  Gemarkungen  in  drei  Beirke
  eingetheilt.  Ein  Wechsel  dieser  Bezirke  unter  den  drei  Abtheilungen
es  Stadtamtes  findet  nicht  statt.

Sie,  der  Justizminister,  werden  ermächtigt,  die  zur  Ausführung  dieser  Verordnung,
  insbesondere  gur  Bildung  der  Bezirke  und  zur  Festsetzung  der  Kompeten
  einzelnen  Abtheilungen  des  Stadtamtes  erforderlichen  Bestimmungen
zu  erlassen.

Berlin,  den  4.  Februar  1867.

ie  Gerichtsverfassung  daselbst  vom  16.  Septem-Wilhelm.


Gr.  zur  Lippe.
An  den  Justizminister.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="693" />
        Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  35  —

 

(Nr.  6619.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen  der

Stadt  Barmen  im  Betrage  von  150,000  Thalern.  Vom  18.  März  1867.

Fr.
Lir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ##

Nachdem  der  Oberbürgermeister  und  die  Stadwerordneten.  Berlunnmnlung
von  Barmen  darauf  angetragen  haben,  der  Gemeinde  Barmen  zur  Bestreitung
der  Kosten  zur  Ausführung  der  in  nächster  Zeit  erforderlichen  Schul-,  Wegeund
  Brückenbauten  und  sonstigen  Anlagen  die  Aufnahme  einer  weiteren  Anleihe
von  150)000  Thalern,  geschrieben  Einhundert  funfzig  Tausend  Thalern,  gcen
Ausstellung  auf  den  Inhaber  lautender  und  mit  Zinskupons  versehener  Obligationen
  zu  gestatten  und  bei  diesem  Antrage  im  Interesse  der  Stadtgemeinde  sowohl
als  der  Gläubiger  sich  nichts  zu  erinnern  gefunden  hat,  so  ertheilen  Wir  in  Gemäßheit
  des  F.  2.  des  Gesetzes  vom  I7.  #m  1833.  durch  gegenwärtiges  Privilegium
  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  zur  Emission  der  gedachten  Obligationen,
  welche  im  Anschlusse  an  die  nach  dem  Privilegium  für  die  Stadt  Barmen
vom  27.  Jannar  1862.  (Gesetz-Samml.  für  1862.  S.  ö3.  ff.)  ausgesertigten  in
drei  Serien  unter  den  Buchstaben  A.  B.  C.  zu  Apoints  von  500  Thalern,
200  Thalern  und  100  Thalern,  unter  fortlaufender  Nummer  für  jede  Serie,
auszugeben  sind,  und  zwar:  90,,00  Thaler  in  Apoints  zu  500  Thalern  unter
dem  Buchstaben  A.  und  den  fortlaufenden  Nummern  von  501.  bis  680.;
40,000  Thaler  in  Apoints  zu  200  Thalern  unter  dem  Buchstaben  B.  und
den  fortlaufenden  Nummern  501.  bis  700.;  20,000  Thaler  in  Apoints  zu
100  Thalern  unter  dem  Buchstaben  C.  und  den  fortlaufenden  Nummern  von
Nr.  501.  bis  700.  Die  Ausstellung  der  Obligationen,  welche  mit  44  Prozent
jährlich  zu  verzinsen  sind,  erfolgt  nach  dem  durch  das  vorbezeichnete  Privilegium
vom  27.  Januar  1862.  vorgeschriebenen  Schema,  und  ist  denselben  ein  Abdruck
dieses  und  des  Privilegii  vom  27.  Januar  1862.  beizufügen.  Im  Uebrigen
finden  auch  auf  die  nach  gegenwärtigem  Privilegium  zu  emittirenden  150,000  Thaler
städtischer  Obligationen  die  in  dem  mehrgedachten  Prioilegium  vom  27.  Januar
1862.  enthaltenen  Bestimmungen  vollständige  Anwendung)  mit  alleiniger  Ausnahme
  des  F.  3.,  der  dahin  modifizirt  wird,  daß  „die  Mitglieder  der  nach  Vor-Johrgong

  1867.  (Nr.  6619.)  69  schrift

Ausgegeben  zu  Berlin  den  30.  April  1867.
        <pb n="694" />
        —  518  —

schrift  dieses  Paragraphen  bestellten  Schuldentilgungs-Kommission,  welche  auch
mit  den  die  Ausstellung,  Verzinsung  und  Tilgung  *  nach  Sleone  wesche  uuch
zu  emittirenden  Obligationen  betreffenden  Geschäften  zu  betrauen  ist,  für  die  treue
Befolgm  der  Bestunmungen  hinsichtlich  dieses  Privilegil  von  Unserer  Regierung
zu  Oselbork  mit  Verweisung  auf  den  in  ihrer  bezeichneten  Eigenschaft  geleisteten
Eid  zu  verpflichten  sind.“

Das  vorsteherde  Privilegium,  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staates  nicht  übernommen  wird)  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

1lrkundih  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  18.  März  1867.
(I.  .)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  6620.)
        <pb n="695" />
        —  519  —

(r.  6620.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  1.  April  1867.,  betreffend  die  Einführung  verschiedener
Vorschriften  des  Preußischen  Rechts  über  die  Rechtsverhältnisse  der  Militairpersonen
  in  den  durch  das  Geseh  vom  20.  September  1866.  und  die
Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  mit  der  Preußischen  Monarchic  vereinigten
  Landestheilen.

ch  sende  Ihnen  au  den  Bericht  vom  18.  Mätz  d.  J.  anliegend  die  Zusammensselungg

  verschiedener  chriften  des  Praßischch  5  er  die  bürgerlichen
echtsverhältnisse  der  Nr  achhen  des  mit  der  Baestemg  rück,  daß  die  in
die  Zusammenstellung  a  2  Vorschriften  auch  enigen  Landeswel

  e  durch  das  Gesetz  vom  20.  ertenter  1866.

theilen  in  Kraft  treten  leuen
(Gesetz=  Samml.  S.  555.)  ie  beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.
(Gesetz  Samml.  S.  875.  E  876.)  mit  der  Preußischen  MRenaihhe  vereinigt
sind,  indem  die  in  diesen  Landestheilen  geltenden  Gesetze,  soweit  sie  abweichende
Vorschriften  enthalten,  hierdurch  aufgehoben  werden.

Dieser  Mein  Erlaß  mbst  der  Zusammenstellung  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung
bekannt  zu  machen.

Berlin,  den  1.  April  1867.
Wilhelm.
v.  Roon.  Gr.  zur  Lippe.

An  den  Kriegsminister  und  den  Justizminister.

(Nr.  6620)  69°  Zu-
        <pb n="696" />
        —  520  —

Zusammenstellung

verschiedener  Vorschristen  des  Preußischen  Rechts  über  die
bürgerlichen  Rechtsverhältnisse  der  Militairpersonen.

I.  Vorschriften  über  den  bürgerlichen  Gerichtsstand  der  Militairpersonen.

1)  Die  Militairpersonen,  einschließlich  der  minderjährigen  oder  unter  väterlicher
  Gewalt  stehenden  Soldaten,  haben  ihren  ordentlichen  persönlichen
Gerichtsstand  bei  den  Civilgerichten  des  Garnisonorts.

§.  12.  und  13.  Anhang  zum  F.  48.  Titel  2.  Thl.  I.  Allgem.
Gerichtsordnung,  Kabinetsorder  vom  2.  November  1833.
(Gesetz-Samml.  S.  290.).

2)  Bei  minderjährigen,  oder  unter  väterlicher  Gewalt  stehenden  Militairpersonen,
  ingteicen  bei  denjenigen,  welche  lediglich  zur  Erfüllung  der
allgemeinen  Militairpflicht  in  den  Dienst  getreten  sind,  ist,  soweit  es  auf
ihre  persönlichen  Eigenschaften  und  Befugnisse  (zura  status),  sowie  auf
die  Erbfolge  in  ihren  Nachlaß  ankommt,  nicht  der  Ort  ihrer  Garnison,
sondern  ihr  eigentlicher  Wohnsitz,  oder  in  Ermangelung  eines  solchen,  der
Ort  ihrer  Herkunft  zu  betrachten.

Deklaration  vom  31.  März  1839.  (Gesetz-Samml.  S.  155.).

3)  Die  Ehefrauen  und  Kinder  der  Unteroffiziere  und  Soldaten,  welche  sich
nicht  am  Garnisonort  bei  ihren  Ehemännern  oder  Vätern  aufhalten,
bleiben  unter  dem  Gerichtsstand  ihres  Wohnorts.

I.  43.  Titel  10.  Thl.  II.  Allgem.  Landrechts,  §.  13.  Anhang
zum  §9.  48.  Titel  2.  Thl.  I.  Allgem.  Gerichtsordnung.

4)  Die  Rechtsangelegenheiten  der  Ehefrauen  mit  ihren  Ehemännern,  welchen
sie  in  die  Garnison  nicht  gefolgt  sind,  gehören  vor  den  Gerichtsstand  der
Ehemänner.

S.  45.  Titel  10.  Thl.  II.  Allgem.  Landrechts.

II.  Vorschriften  über  die  gerichtlichen  Vorladungen  der  Militairpersonen.

1)  Soll  ein  Unteroffizier  oder  gemeiner  Soldat  vor  ein  Civilgericht  geladen
werden,  so  ist  die  Vorladung  nicht  dem  Vorzuladenden  selbst,  sonderm
dem
        <pb n="697" />
        —–  521  —

dem  Chef  der  Kompagnie  oder  Eskadron  (oder  Batterie)  zur  weiteren
Bestellung  an  den  Vorzuladenden  auszuhändigen.  Von  dem  vorgesetzten
Offizier  wird  der  Empfang  mitdem  Versprechen  bescheinigt,  daß  die
GWorhahng  dem  Vorgeladenen  zur  gehörigen  Zeit  bekannt  gemacht  weren
  soll.

1214

+.  54.  Anhang  zum  §.  19.  Titel  7.  Thl.  I.  Allgem.  Gerichtsordnung.


2)  Bei  Insinuationen  der  Vorladungen  der  aktiven,  bei  Regimentern  oder
Bataillons  angestellten  Offiziere  wird,  sobald  der  Vorzuladende  selbst  erscheinen
  muß,  der  Kommandeur  oder  sonstige  unmittelbare  Vorgesetzte
zugleich  ersucht,  denselben  zur  Abwartung  des  Termins  von  etwaigen
Dienstgeschäften,  insofern  solche  es  gestatten,  zu  entbinden.  Ist  die  Anwesenheit
  des  Offiziers  nicht  durchaus  nöthig,  so  fällt  diese  Venachrichtigung
  weg,  und  der  Vorzuladende  muß,  wenn  er  persönlich  erscheinen
will  und  durch  Dienstgeschäfte  verhindert  wird,  entweder  die  Verlegung
des  Termins  bei  dem  Gerichte  oder  die  Befreiung  von  den  Dienstgeschäften
für  die  Zeit  des  Termins  bei  seinen  Vorgesetzten  nachsuchen.

Kann  die  Vernehmung  des  Offiiers  als  Partei  oder  Zeuge  bei
dem  Militairgericht  leichter  als  bei  dem  kompetenten  Civilgericht  bewirkt
werden,  so  wird  ersteres  deshalb  von  dem  letzteren  regquirirt.

S.  55.  a.  a.  O.

III.  Vorschriften  über  das  Jwangsvollstreckungs-Verfabren  gegen
Militairpersonen.

A.  Allgemeine  Bestimmungen.

1)  Die  Exekution  gegen  Militairpersonen  wird  in  der  Regel  von  den  Civilerichten
  beziehungsweise  von  den  bei  denselben  angestellten  Vollstreckungs-Sromten
  vollstreckt  der  Schuldner  ist  jedoch  vor  der  Vollstreckung  von
dem  Militairgerichte  mit  der  Wessin  zu  versehen,  sich  bei  Vermeidung
der  gesetzlichen  Folgen  nach  den  esing  des  Civilgerichts  zu  achten
(Parttionsbefehl).
Die  Vollstreckung  wird  bis  zur  Rückäußerung,  daß  der  Paritionsbefehl
  erlassen  sei,  ausgesetzt.
d.  4  Anhang  zum  F.  26.  Titel  24.  Thl.  I.  Allgem.  Gerichtsordnun

Kabinetsor  er  vom  4.  Juni  1822.  (Gesetz=  Samml.  S.  209.),
Kabinetsorder  vom  8.  September  1822.  (  5  Samml.  S.  209.),
Kabinetsorder  vom  9.  Januar  1823.  (Gesetz=  Samml.  S.  18.).

2)  Der  an  die  Militairpersonen  zu  erlassende  Paritionsbefehl  ist  auch  dann
erforderlich,  wenn  die  kenen  gegen  ihre  Ehefrauen,  ihre  Kinder  oder
(Nr.  6620.)  ihr
        <pb n="698" />
        4

—  522  —

ihr  Gesinde  vollstreckt  werden  soll,  sofern  dieselben  sich  bei  ihnen  am
Garnisonorte  befinden.
§.  150.  Anhang  zum  F.  26.  Titel  24.  Thl.  I.  Allgem.  Gerichtsordnung.


Der  Paritionsbefehl  wird  von  dem  zuständigen  Militairgericht  erlassen.
Die  Militairbehörden,  an  welche  die  Requisitionen  um  Erlassung  des
Befehls  gerichtet  werden  müssen,  sind  im  Verwaltungswege  bestimmt.
Verfügungen  des  Justizministers  vom  14.  Januar  1825.  und
25.  Februar  1836.  in  v.  Kamptz  Jahrbüchern  für  die  Preu-Sicche,
  Gesetgebung  2c.  (Band  25.  S.  116.  und  Band  47.
S.  325.).

Erekutivische  Maaßregeln  Egien  die  in  Kasernen  und  anderen  ähnlichen
Dienstgebäuden  wohnenden  Militairpersonen,  soweit  sie  überhaupt  zulässig
sind  und  in  der  Kaserne  oder  dem  Dienstgebäude  selbst  vollstreckt  werden
müssen,  werden  nicht  durch  die  Civilgerichte,  sondern  nur  durch  Reguisitionen
  der  Militairgerichte  und  beziehungsweise  des  General-Auditoriats,
insofern  die  Schuldner  der  Gerichtsbarkeit  desselben  unmittelbar  untergeordnet
  gewesen,  vollstreckt.

Kabinetsorder  vom  4.  Januar  1833.  (Gesetz  Samml.  S.  3.).

B.  Vorschriften  über  die  Mobiliaregekution.

Das  Mobiliar  dienstthuender  Offiziere,  welches  sich  an  dem  Orte  befindet,
woselbst  der  Schuldner  in  Garnison  steht,  kann  keiner  Exekution  oder
Auspfändung  unterworfen  werden.  Dieses  gilt  auch  von  dem  Mobiliar
der  auf  halbem  Sold  stehenden  Offiziere,  wenn  sie  sich  an  Orten  aufhalten,
  welche  ihnen  zum  Genuß  von  Servis  und  Brot  angewiesen  und
die  also  gewissermaßen  als  ihre  Garnison  zu  betrachten  sind.
Ausstehende  Forderungen,  öffentliche  Papiere,  ingleichen  baares

Geld,  goldene,  silberne  und  andere  Medaillen,  Juwelen  und  Kleinodien,
welche  ein  Offizier  besitzt,  sind  in  keinem  Falle  von  der  Exekution  und
Auspfändung  befreit.  Jedoch  muß  der  Schuldner  darüber,  ob  er  derleichen
  besitze,  vorher  vernommen  und  bei  vorhandenem  Zweifel  zum
Manifestationseide  verstattet  werden.

J.  155.  Anhang  zum  §.  70.  Titel  24.  Thl.  I.  Allgem.  Gerichtsordnung.



Die  mit  Pension  zur  Disposition  gestellten  Offiziere  stehen  den  früher
mit  Inaktivitätsgehalt  ausgeschiedenen  (auf  halbem  Sold  stehenden)  Offizieren
  gleich.

Kabinetsorder  vom  4.  Mai  1837.  (Gesetz  Samml.  S.  98.).

3)  Die  Vorschrift  (Nr.  1.),  nach  welcher  das  Mobiliar  dienstthuender  Offiziere

  an  ihrem  Garnisonorte  keiner  Auspfändung  unterworfen  —
ann,
        <pb n="699" />
        —  528  —

kann,  findet  auch  auf  das  Mobiliar  der  im  wirklichen  Dienste  stehenden
Unteroffiziere  und  gemeinen  Soldaten  an  ihrem  Garnisonorte  Anwendung.

Kabinetsorder  vom  8.  November  1831.  (Gesetz-Samml.
,250.).

4

–

Wenn  wider  einen  im  deem  oder  auf  Pension  stehenden  Militairbeamten
  zur  Auspfändung  gest  ritten  wird,  so  sollen  ihm  die  zur  Verwaltung
  seines  Dienstes  erforderlichen  Bücher,  das  unentbehrlichste  Hausgeräth,
  Betten,  anständige  Kleider  und  Wäsche  nicht  genommen,  auch
dessen  Frau  und  unerzogenen  Kindern  nothdürftige  Wäsche,  Kleider  und
Betten  gelassen  werden.
Kabinetsorder  vom  8.  November  1831.  (Gesetz-Samml.
S.  250.)  in  Verbindung  mit  §.  156.  Anhang  zum  §.  70.
Titel  24.  Thl.  I.  Allgem.  Gerichtsordnung.

Bei  Schulden,  welche  aus  unerlaubten  Handlungen  entspringen,  wird
die  Exekution  ohne  Rücksicht  auf  die  Person  und  ohne  Ausnahme  irgend
eines  Vermögensstückes  vollstreckt,  so  daß  die  Ausnahmen  Nr.  1.  bis  4.
keine  Anwendung  finden.
§.  157.  Anhang  zum  F.  70.  Titel  24.  Thl.  I.  Allgem.  Gerichtsordnung.


6)  Offizieren  außer  Dienst,  welchen  die  Tragung  der  Armee-Uniform  oder
einer  anderen  Militair-Uniform  erlaubt  ist,  dürfen  die  zu  dieser  Uniform
gehörigen  Stücke  im  Wege  der  Exekution  nicht  abgepfändet  werden.

Kabinetsorder  vom  9.  März  1839.  (Gesetz=  Samml.  S.  93.).

7)  Das  im  Falle  der  Vollstreckung  der  Exekution  gegen  einen  im  Dienst
befindlichen  oder  pensionirten  Offizier  oder  Militairbeamten  sich  vorfirdende
baare  Geld  ist  bis  auf  Höhe  derjenigen  Summe,  welche  dem  Betrage
des  gesetzlich  frei  bleibenden  Theiles  des  Diensteinkommens  oder  der
Pension  für  den  Zeitraum  von  der  Erewution  bis  zum  nächsten  Termine
der  Gehalts=  oder  Pensionszahlung  gleichkommt,  der  Auspfändung  nicht
unterworfen.

Kabinetsorder  vom  11.  Dezember  1831.  (Gesetz-Samml.  von
1832.  S.  2.).

5

—

C.  Vorschriften  über  die  Vollstreckung  der  Exekution  in  Gehalt,
Sold  und  Pension.

1)  Sämmtlichen  Generalen,  Kommandeurs,  Kommandanten,  Stabsoffzieren
und  den  Kompagnie=  und  Eskadronchfo  (Batteriechefs)  müssen  bei  Gehaltsabzügen
  zur  Befriedigung  der  Gläubiger  von  ihrem  jährlichen  Gealte

  400  Thaler  frei  bleiben,  und  von  dem  den  Betrag  von  400  Thalern
übersteigenden  Gehalte  ist  nur  die  Hälfte  zur  Befriedigung  der  Gläubiger

(Tr.  6620)  ver-
        <pb n="700" />
        —  524  —

verwendbar.  Dasselbe  gilt  hinsichtlich  aller  Offiziere,  welche  Pension
oder  Wartegeld  genießen  oder  auf  halben  Sold  gesetzt  sind.

Einem  Premierlieutenant  von  der  Infanterie  können  nicht  mehr
als  3  Thaler,  von  der  Kavallerie,  der  Artillerie  und  dem  Ingenieurkorps
  nicht  mehr  alt  4  Thaler,  einem  Sekondelieutenant  von  der  Infanterie
  nicht  mehr  als  2  Thaler,)  von  der  Kavallerie,  der  Artillerie  und
dem  Ingenieurkorps  nicht  mehr  als  3  Thaler  monatlich  von  dem  Gehalte
abgezogen  werden.

§.  165.  Anhang  zum  §.  108.  Titel  24.  Thl.  I.  Allgem.
Gerichtsordnung.  «  "«

Der  Gchaltsabsug,  welchen  ein  Hauptmam  dritter  Klasse  bei  der  Artillerie
  erleiden  kann,  beträgt  monatlich  5  Thaler.
Könhhlicher  Erlaß  vom  24.  Februar  1853.  (Gesetz-Samml.
T76.).

E

3)  Bei  den  Generalen  und  anderen  Offieren  höheren  Ranges  sind  die
ihnen  für  ihre  Dienstverhältnisse  bewilligten  sogenannten  Tafelgelder  und
sonstigen  Zulagen,  welche  nicht  mit  zum  eigentlichen  Gehalte  gehören,
dem  Abzug  nicht  unterworfen.  Ingleichen  ist  in  Ansehung  aller  ffeer
der  Servis  vom  Abzuge  ausgeschlossen.

S.  167.  Anhang  zum  F.  108.  Titel  24.  Thl.  1.  Allgem.
Gerichtsordnung.

4)  Die  Abzüge,  welche  einem  Offizier  sur  Deckung  und  Wirdererstattung  der
ihm  aus  den  Regiments=  und  Bateillonskassen  gesetzmäßig  vorgeschossenen
Equipagegelder  gemacht  werden,  haben  vor  allen  übrigen,  selbst  früher
kontrahirten  Schulden  den  Vorzug  und  müssen  ungetheilt  den  Darleihern
  verabfolgt  werden.  «"

s.166.(1.a.O.

Die  Besoldungen  und  Emolumente  der  Militairbeamten  unterliegen  nur
in  der  Art  dem  Abzuge,  daß  der  Schuldner  jährlich  400  Thaler  frei
behält.  Gegen  denjenigen,  welcher  nur  400  Thaler,  oder  weniger,  jährliches
  Diensseinkonmnen  hat,  findet  daher  kein  Abzug  statt;  beträgt  das
jährliche  Diensteinkommen  über  400  Thaler,  so  ist  nur  die  Hälfte  des
Ueberschusses  dem  Abzuge  unterworfen.

s.  160.  a.  a.  O.

6)  Wenn  ein  Militairbeamter,  welcher  zur  Bezahlung  von  Schulden  die
gesetzlichen  Gehaltsabzüge  erleidet,  denstunfäht  wird  und  ihm  nach  dem
Ermessen  der  Dienst  chörde  bis  zu  seiner  Penfeontrung  die  Kosten  seiner
Stellvertretung  ganz  oder  theilweise  auferlegt  werden,  so  sind  diese  Kosten
nicht  von  dem  ganzen  Gehalte  vorweg  in  Abzug  zu  bringen,  sondern  aus
dem  abzugsfreien  CTheile  des  Gehalts  zu  entnehmen.

uebiete  vom  21.  April  1841.  (ustiz-Ministerialblatt

7)  Die

5
        <pb n="701" />
        Jahrgang  1867.  (Nr.  6620.)

—–  525  —

7)  Die  Bestimmungen  über  die  Gehaltsabzüge  der  Militairbeamten  gelten
auch  in  Ansehur  der  Pensionen  derselben,  ingleichen  der  Pensonen
„Militairgna  engehalt  oder  Wartegeld)  der  nicht  bei  den  Invalidenompagnien

  stehenden  invaliden  Unteroffiziere  und  gemeinen  Soldaten,
jedoch  mit  der  Einschränkung,  daß  dem  Schuldner  nur  die  Summe  von
200  Thaler  und  von  dem  Ueberschusse  die  Hälfte  frei  bleibt.
§.  162.  Anhans  zum  F.  108.  Titel  24.  Thl.  I.  Allgem.
Gerichtsordnung.

8)  Eine  Verzichtleistung  auf  die  gesetzlichen  Befreiungen  von  dem  Abzuge,
sowie  jede  Verpfändung  und  Anweisung  firirter  Besoldungen,  Emolumente
und  Pensionen  ist  ohne  alle  rechtliche  Wirkung.

§.  163.  a.  a.  O.  «

9)  Die  Militairpersonen  müssen  sich  Abzüge  bis  zur  Haft  ihres  ganzen
Gehalts  oder  Wartegeldes  oder  ihrer  Panson  ohne  Unterschied  des  Betrages
  gefallen  lassen,  wenn  es  auf  Entrichtung  laufender  Alimente
ankommt.

S.  168.  a.  a.  O.

10)  Bei  Anwendung  der  vorstehenden  Bestimmung  (Nr.  9.)  sind  von  dem
Gehalte  derjenigen  Offiziere,  welche  aus  Königlichen  Kassen  einen  Beitrag
  zum  gemeinschaftlichen  Mitgetisch  erhalten,  8  Thaler  monatlich,
und  von  dem  Gehalte  derjenigen  Offiziere,  welche  einen  solchen  Beitra
nicht  erhalten,  10  Thaler  monatlich  vorweg  in  Abzug  zu  bringen  un
o  nur  die  Hälfte  des  Restbetrages  zur  Deckung  leuße  er  Alimente  in
Anspruch  genommen  werden.

Kabinetsorder  vom  6.  Juli  1843.  (Justiz-Ministerialblatt  von
1845.  S.  11.).

1

.—

Die  hinsichtlich  der  Abzüge  von  Besoldungen  und  Pensionen  vorgeschriebenen
  Einschränkungen  benden  bei  solchen  Schulden  keine  Anwendung,
welche  aus  unerlaubten  Handlungen  entstanden  sind,  vielmehr  ist  bei
Schulden  dieser  Art  die  Exekution  ohne  Rücksicht  auf  einen  dem  Schuldner
son  zu  seiner  Subsistenz  zu  belassenden  Theil  seines  Einkommens,  zu
vollstrecken.

S.  169.  Mbang  zum  §F.  108.  Titel  24.  Thl.  I.  Allgem.

Gerichtsordnung.

12)  Die  vorstehende  Bestimmung  (Nr.  11.)  bezieht  sich  auch  auf  die  Kosten
der  gegen  einen  Beamten  eingeleiteten  Untersuchung;  doch  darf  einem
Beamten,  dessen  Diensteinkünfte  in  Besoldung  und  Emolumenten  nur
bis  zur  Summe  von  300  Thaler  betragen,  zur  Tilgung  von  Untersuchungskosten
  kein  Abzug  gemacht  werden,  demjenigen  Beamten  aber,
der  bis  zu  400  Thaler  an  Diensteinkünften  be  ehl,  müssen  300  Thaler
frei  bleiben,  wogegen  die  Untersuchunget  en  bis  zu  100  Thaler

in
        <pb n="702" />
        —  626  —

n  wwbigen  Abzügen  aus  dem  Diensteinkommen  eingezogen  werden
ürfen.
Kabinetsorder  vom  11.  Juni  1829.  (v.  Kamptz  Jahrbücher
Bd.  34.  S.  115.).

13)  Kurrente  öfentiiche  Abgaben  sind  ohne  Unterschied  der  höheren  oder
iebrsgeren  Besoldung  oder  Pension  durch  deren  Beschlagnahme  einzuziehen.


Wenn  andere  Gläubiger  auf  solche  Besoldungen  oder  Pensionen
schon  Beschlag  gelegt  haben,  so  wird  nur  die  eine  Hälfte  der  zu  entrichtenden
  Abgaben  von  dem  freien  Antheil  des  Besoldeten  oder  Pensionisten,
  die  andere  Hälfte  von  dem  den  Gläubigern  angewiesenen  Antheile
  dergestalt  erhoben,  daß  letztere  bis  zur  Tilgung  der  öffentlichen
Abgaben  zurückstehen  müssen.

§.  170.  Anhang  zum  F.  108.  Titel  24.  Thl.  I.  Allgem.
Gerichtsordnung.

14)  Bei  Berechnung  der  Gehalts=  und  Pensionsabzüge  sind  die  zur  Wittwenkasse
  zu  entrichtenden  Beiträge  von  dem  Gehalte  oder  der  Pension  vorweg
in  Abzug  zu  bringen  und  erst  von  dem  Uleberrest  die  gesetzlich  zulässigen
Abzüge  Kal  die  Gläubiger  zu  berechnen.

Kabinetsorder  vom  29.  Mai  1834.  (Gesetz=  Samml.  S.  70.).

15)  Die  Pensionen,  welche  invalide  Offiziere  aus  der  Artillerie-Pensions-Zuschußkasse
  schalten,  können  nur  von  solchen  Gläubigern,  welche  die
Beiträge  zur  Bezahlung  des  Pensionsrechts  vorgeschessen  haben,  zur  Befriedigung
  wegen  dieser  Beiträge  als  Objekt  der  Exekution  vorgeschlagen

werden.
Kabinetsorder  vom  20.  März  1828.  (Gesetz-Samml.  S.  43.).

16)  Der  Sold  der  Unteroffiziere  und  gemeinen  Soldaten  ist  einem  Abzuge
nicht  unterworfen.
§.  83.  Anhang  zum  F.  1015.  Titel  1.  Thl.  II.  Allgem.
Landrechts.

17)  Bei  eintretender  Mobilmachung  der  Armee  können  weder  die  Offiziere,
noch  die  mobilen  Militairbeamten  einen  Gehaltsabzug  erleiden.

Kabinetsorder  vom  22.  Dezember  1817.  (Gesetz-Samml.  von
18.  S.  8).

18)  Die  Behörden  und  Personen,  an  welche  die  Requisitionen  wegen  Vollstreckung
  der  Exekution  gegen  Offziere  und  Militairbeamte  luf  Gehaltsnn
  Pensionsabzüge  gerichtet  werden  müssen,  sind  im  Verwaltungswege

estimmt.

Verfügung  des  Justizministers  vom  9.  August  1853.  (Justi=Ministerialblatt
  S.  303.)  und  vom  8.  Januar  1864.  (Justiz-Ministerialblatt
  S.  14.).

19)  Ge-
        <pb n="703" />
        —  527  —

19  Gehalt,  Sold  und  Pension  der  Militairpersonen  unterliegen  nur  insofern
der  Beschlagnahme  im  Wege  des  Sicherheitsarrestes,  als  die  Vollstreckung
der  Exekution  in  dieselben  zulässig  ist.

§.  197.  Anhang  zum  F.  25.  Titel  29.  Thl.  I.  Allgem.  Gerichtsordnung.


D.  Vorschriften  über  Vollstreckung  des  Personalarrestes.

1)  Der  Personalarrest  findet  gegen  die  im  Dienst  befindlichen  Militairpersonen
  nicht  statt.  Dies  g  gdu  auch  von  dem  Wechselarrest,  welcher
jedoch  gegen  taltte,  Die  nicht  ausgeschlossen  ist.

686.  Titel  11.  Thl.  I.  Allgem.  Landrechts,

174.  Anhang  zum  §.  142.  Titel  24.  Thl.  I.  Allgem.  Gerichtsordnun


Kabinetsorder  vom  6.  Oktober  1823.  6  esetz-  Samml.  S.  167.),

Einführunge  geetuer  zur  Deutschen  We  sed  vom  15.  Februar
  1850  (Gesetz=  Samml.  S.  5

Gesetz,  betreffend  4  Ergänzung  und  grussn  der  Deutsch
Wechselordnung  vom  21.  Mai  1863.  Artikel  2.  Sulel
Samml.  S.  357.).

2)  Den  im  Dienste  be  findlichen  Offizieren  stehen  die  auf  Inaktivitätsgehalt
  gesetzten  und  sn  mit  Pension  zur  Disposition  gestellten  Offiziere
  gleich.

Kabinetsorder  vom  4.  Mai  1837.  (Gesetz-Samml.  S.  98.).

3)  Wegen  verweigerter  Vermögensmanifestation  ist  der  Personalarrest  gegen
Millairpersone  nicht  ausgeschlossen.  *s5
Kabinetsorder  vom  6.  Juni  1823.  (v.  Kamptz  Jahrbücher
Band  21.  S.  262.).

4)  Gegen  Offiziere,  einschließlich  der  zur  Disposition  gestellten  und  der  pen-Konsent
  wird  der  Personalarrest  mittelst  Requisition  der  Militairbehörden
vo

Kabinetsorder  vom  6.  Juni  1823.  a.  a.  O.

5)  Bevor  gegen  einen  im  Dienst  befindlichen  Militairbeamten  der  Personalarrest
  vollstreckt  wird,  ist  die  ihm  unmittelbar  vorgesetzte  Behörde  davon
in  Kenntniß  zu  setzen,  damit  ihr  die  Möglichkeit  aräh  werde,  zur  Versehung
  des  Dienstes  die  nöthigen  Vorkehrungen  zu  treffen.

J.  145.  Titel  24.  Thl.  I.  Allgem.  Gerichtsordnung.

(Nr.  6620.)  70“  IV.  Vor-
        <pb n="704" />
        IV.

.2
4

—–—  528  —

Vorschriften  über  die  bürgerliche  Gerichtsbarkeit  der  Auditeure.

Auditeure  solcher  Truppen,  welche  sich  im  Auslande  befinden  oder  nach
der  Mobilmachung  ihre  Standgquartiere  verlassen  haben,  sind  befugt:

a)  Hmdleungen  der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit,  einschließlich  letztwilliger
erordnungen  der  zu  den  gedachten  Truppentheilen  gehörigen  Personen,
  welche  nach  F.  1.  und  §.  18.  Nr.  1.  2.  3.  Thl.  II.  des
Militair-Strafgesetzbuches  vom  3.  April  1845.  in  Kriegszeiten  den
Militair-Gerichtsstand  haben,  aufzunehmen  und  zu  beglaubigen;
b)  Requisitionen  um  Vornahme  gerichtlicher  Handlungen,  sowie  um
Aufnahme  gerichtlicher  Verhandlungen  zu  erledigen.

Letztwillige  Verordnungen  können  in  dem  vorausgesetzten  Falle  auch
von  einem  kommandirten  Kriegsgericht,  aus  einem  Offizier  und  einem
Auditeur  bestehend,  aufgenommen  werden.

§.  1.  des  Gesetzes  vom  8.  Juni  1860.  (Gesetz  Samml.  S.  240.).

2)  Die  auf  Grund  der  vorstehenden  Bestimmungen  (Nr.  1.)  aufgenommenen

Verhandlungen  sind  so  anzusehen,  als  ob  sie  innerhalb  des  Rechtsgebiets
des  Allgemeinen  Landrechts  von  einem  Civilgericht  aufgenommen  wären.
Erfordern  die  für  diese  Civilgerichte  geltenden  Vorschriften  die  Zuziehung
eines  Protokollführers,  so  kann  dessen  Stelle  ein  zweiter  Auditeur  oder
ein  für  den  speziellen  Fall  oder  ein=  für  allemal  vereideter  Offizier
oder  Unteroffizier  vertreten.

§.  2.  a.  a.  O.

3)  Die  ausgenommenen  Verhandlungen  (Nr.  I.)  der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit,

  sofern  sie  nicht  blos  die  Erledigung  von  Regquisitionen  betreffen,  sind
von  den  Auditeuren,  nachdem  die  etwa  erforderlichen  Ausfertigungen  ertheilt
  sind,  den  Gerichten  erster  Instanz,  in  deren  Bezirk  der  betreffende
Truppentheil  sein  Standquartier  hat,  zur  Aufbewahrung  und  weiteren
gesetzlichen  Veranlassung  zu  übersenden.

Ist  das  Standquartier  im  Bezirke  des  Appellationsgerichtshofes
zu  Cöln,  so  geschieht  die  Uebersendung  an  das  Kreisgericht  zu  Wesel.

g.  3.  a.  a.  O.

V.  Vorschriften  über  die  bürgerliche  Gerichtsbarkeit  über  Preußische

Absatz

Garnisonen  im  Auslande.

Die  durch  die  Allerhöchste  Order  vom  19.  Juli  1834.  und  Artikel  VIII.
1.  des  Gesetzes  vom  26.  April  1851.  wegen  der  Gerichtsbarkeit  über  die
Preu-
        <pb n="705" />
        —  629  —

Preußischen  Garnisonen  der  Bundesfestungen  Mainz  und  Luxemburg  getroffenen
Bestimmungen  können  durch  Königliche  Verordmun  auch  auf  andere  Truppentheile,
  welche  sich  dauernd  im  Auslande  aufhalten,  für  anwendbar  erklärt  werden,
wobei  dasjenige  inländische  Gericht  erster  Instanz  zu  bestimmen  ist,  welchem  die
Gerichtsbarkeit  in  dem  Umfange  des  gedachten  Gesetzes  zustehen  solle.

An  die  Stelle  der  Bestimmung  in  Nr.  3.  der  Allerhöchsten  Order  vom

19.  Juli  1834.)  daß  bei  Testamentsaufnahmen  im  Nothfalle  die  88.  194.  und

200.  Titel  12.  Theil  I.  des  Allgemeinen  Landrechts  zur  Anwendung  kommen

Füens,  lain  die  neueren  Vorschriften  über  privilegirte  militairische  Testamente
r.  ).

.  13.  des  Gesetzes  vom  8.  Juni  1860.  (Gesetz  Samml.  S.  240.).

VI.  Vorschriften  über  die  Sportelfreiheit  der  Militairpersonen.

Die  Militairpersonen  find  nur  rücksichtlich  der  von  ihnen  bei  der  Mobilmachung
  errichteten  einseitigen  und  wechselseitigen  Testamente,  sowie  deren  Zurücknahme
  und  Publikation  von  der  Zahlung  der  Gerichtskosten  und  Gerichtsgebühren
befreit.  Auch  sind  die  Provokationen  auf  Todeserklärung  der  im  Kriege  vermißten
Militairpersonen  frei  von  Gerichtskosten  und  Gebühren  zu  bearbeiten.

Die  Sportelfreiheit  entbindet  nicht  von  Bezahlung  der  baaren
Auslagen.  .

Gesetz  vom  10.  Mai  1851.  (Gesetz  Samml.  S.  622.)  F.  4.  Nr.  5.

VII.  Vorschriften  über  die  privilegirten  militairischen  Testamente.

1)  In  Kriegszeiten  oder  während  eines  Bel  gerungszustandes  können  die
Personen,  welche  nach  F.  1.  und  §.  18.  Nr.  1.  2.  3.  Theil  II.  des
Militair-Strafgesetzbuches  vom  3.  April  1845.  in  Kriegszeiten  den  Militairgerichtsstand
  haben,  unter  den  unter  Nr.  2.  angegebenen  Voraussetzungen
letztwillige  Verordnungen  auch  in  den  unter  Nr.  3.  angegebenen  Formen
ültig  errichten  (privilegirte  militairische  Testamente).  Die  Vorrechte  der
Militairpersonen  in  Beziehung  auf  diese  letztwilligen  Verordnungen  bestehen
  allein  darin,  daß  sie  nach  Maaßgabe  der  nachstehenden  Bestimmungen
den  für  ordentliche  Testamente  vorgeschriebenen  Förmlichkeiten  nicht  unterworfen
  sind.

S.  4.  des  Gesetzes  vom  8.  Juni  1860.  (Gesetz-Samml.  S.  240.).

2)  Die  Befugniß,  in  Kriegszeiten  oder  während  eines  Belagerungszustandes
privilegirte  militairische  Testamente  zu  errichten,  beginnt  für  die  unter
(Nr.  6620.)  N.  I1.
        <pb n="706" />
        —  530  —

Nr.  1.  bezeichneten  Personen  von  der  Zeit,  wo  sie  entweder  ihre  Standquartiere
  oder  im  Fall  ihnen  solche  nicht  angewiesen  sind,  ihre  bisherigen
Wohnorte  im  Dienste  verlassen  oder  in  denselben  angegriffen  oder  belagert
  werden.
Kriegsgefangene  und  Geißeln  haben  diese  Befugniß,  so  lange  sie
sich  in  der  Gewalt  des  Feindes  giner  46
S.  5.  a.  a.  O.

3)  Privilegirte  militairische  Testamente  sind  in  gültiger  Form  errichtet:

a)  wemm  sie  von  dem  Testator  eigenhändig  geschrieben  und  unterschrieben
  sind;

b)  wenn  sie  von  dem  Testator  eigenhändig  unterschrieben  und  von  zwei
Zeugen  oder  einem  Auditeur  oder  Osfhier  mitunterzeichnet  sind;

Jc)  wenn  von  einem  Auditeur  oder  Offizier,  unter  Zuziehung  zweier
Zeugen  oder  eines  zweiten  Auditeurs  oder  Offiziers,  über  die  mündliche
  Erklärung  des  Testators  eine  schriftliche  Verhandlung  auf.
genommen  und  diese  dem  Testator  vorgelesen,  sowie  von  dem  Auditeur
  oder  Offizier  und  den  Zeugen  unterschrieben  ist.

Bei  verwundeten  oder  kranken  Militairpersonen  können  die  unter
b.  und  c.  erwähnten  Auditeure  und  Offiziere  durch  Militairärzte  oder
höhere  Lazarethbeamte  oder  Militairgeistliche  vertreten  werden.

§S.  6.  a.  a.  O.

4)  Die  unter  Nr.  3.  erwähnten  Zeugen  sind  Beweiszeugen;  sie  brauchen
nicht  die  Eigenschaft  von  Instrumentszeugen  zu  haben,  und  es  kann
die  Aussage  eines  derselben  für  vollständig  beweisend  angenommen
werden.

.  7.  a.  a.  O.

5)  Die  nach  Vorschrift  Nr.  3.  c.  aufgenommene  Verhandlung  hat  in  Betreff
ihres  Inhalts  und  der  in  ihr  angegebenen  Zeit  der  Aufnahme  die  Beweiskraft
  einer  öffentlichen  Urkunde.

Ist  in  dem  eigenhändig  geschriebenen  und  unterschriebenen  oder  in
dem  eigenhändig  unterschriebenen  Testamente  (Nr.  3.  a.  und  b.)  die  Zeit
der  Errichtung  angegeben,  so  streitet  die  Vermuthung  bis  zum  Beweise
des  Gegentheils  für  die  Richtigkeit  dieser  Angabe.  Eine  gleiche  Vermuthung
  streitet  dafür,  daß  das  Testament  wehre  des  die  privilegirte
Form  zulassenden  Ausnahmezustandes  errichtet  ist,  wenn  dasselbe  während
dieser  be#  oder  innerhalb  vierzehn  Tage  nach  deren  Aufhören  einer  vorgesetzten
  Militairbehörde  zur  Aufbewahrung  übergeben  ist,  oder  wenn
dasselbe  in  dem  Feldnachlaß  des  Testators  aufgefunden  wird.

.  8.  a.  a.  O.
0)  Pi
        <pb n="707" />
        —  631  —

6)  Privilegirte  militairische  Testamente  verlieren  ihre  Gültigkeit  mit  dem
Ablaufe  eines  Jahres  von  dem  Tage  ab,  an  welchem  der  Truppentheil,
zu  dem  der  Testator  gehört,  demobil  gemacht  ist,  oder  der  Testator  aufgebont
  hat,  zu  dem  mobilen  Tühpenhell  zu  Pehören,  oder  als  Kriegsgefangener
  oder  Geißel  aus  der  Gewalt  des  Feindes  entlassen  ist.

Der  Lauf  dieser  Frist  wird  jedoch  suspendirt  durch  anhaltende
Unfähigkeit  des  Testators  zur  Errichtung  einer  anderweiten  letztwilligen
Verordnung.

Wenn  der  Testator  innerhalb  des  Jahres  vermißt  und  in  einem
Verfahren  auf  Todeserklärung,  oder  in  dem  Bezirke  des  Appellationsgerichtshofes
  zu  Cöln  auf  Abwesenheitserklärung  Fentgeneeht  wird,  daß  er
6  jener  Zeit  verschollen  ist,  so  tritt  die  Ungültigkeit  des  Testaments
nicht  ein.

.  9.  a.  a.  O.

7)  Das  privilegirte  militairische  Testament  verliert  durch  Desertion  des
Testators  seine  Gültigkeit  und  diese  wird  durch  den  erhaltenen  Pardon
nicht  wieder  hergestellt.

S.  10.  a.  a.  O.

8)  Privilegirte  militairische  Testamente  sind  dem  ordentlichen  persönlichen
Gerichte  des  Testators  zur  Aufbewahrung  und  weiteren  gesetzlichen  Veranlassung
  zu  übersenden.  Gehört  dieses  Gericht  zum  Bezirke  des  Appellationserichtshofes

  zu  Cöln,  so  geschieht  die  Uebersendung  an  den  General-Profurarrt

  bei  demselben,  der  durch  den  betreffenden  Landgerichts-Präsidenten

  die  Hinterlegung  bei  einem  Notar  nach  Maaßgabe  der  für  olo-Kahbisce

  Testamente  im  Artikel  1007.  des  Civilgesetzbuches  bestehenden
orschriften  veranlaßt.

S.  1I.  a.  a.  O.

9)  Die  Bestimmungen  Nr.  1  —  B.  finden  auf  alle  zur  Besatzung  eines  in
Dienst  gestellten  Schiffes  oder  Fahrzeuges  gehorenden  tung  ber  der
Königlichen  Marine  und  auf  alle  anderen  auf  einem  solchen  Schiffe  oder
Fahrzeuge  befindlichen  Personen  mit  dem  Augenblicke  Anwendung,  wo
das  Sche  oder  Fahrzeug  wirklich  in  Dienst  gestellt  ist  und  den  Hafen
verlassen  hat.

Die  unter  Nr.  6.  bestimmte  Frist  von  einem  Jahre  wird  von
dem  Tage  an  gerechnet,  an  welchem  das  Schiff  oder  Fahrseug  außer
Dienst  gestellt  ist,  oder  der  Testator  aufgehört  hat,  zu  demselben  zu
gehören.

S.  12.  a.  a.  O.

(Nr.  6620.)  VIII.  Vor-
        <pb n="708" />
        —  532  —

VIII.  Vorschriften  uber  die  Einwilligung  der  Eltern  und  Vormünder
in  das  Fortdienen  und  Kapituliren  der  Kinder  und  Mflegebefohlenen.

Jeder  Soldat  ist  in  Bezug  auf  seine  frei  illige  Entschließung,  im  stehenden
  Heere  noch  fortdienen  zu  wollen,  als  großjährig  zu  betrachten)  die  Zustimmung
  der  Eltern  und  Vormünder  ist  hierzu  nicht  ersoldenl  ch

Kabinetsorder  vom  10.  Februar  1825.  (Gesetz  Samml.  S.  15.).

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Borlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober  Hosbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="709" />
        —  533  —
Gesetz-Sammlung
für  die
Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  36—

 

(Nr.  6621.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  in  dem  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs  Hannover.
Vom  28.  April  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc§

verordnen  für  das  mit  Unserer  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen

Königreichs  Hannover,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:
F.  1.

Vom  I.  Juli  1867.  ab  werden  folgende  zur  Zeit  bestehende  direkte  Staatssteuern
  aufgehoben:

1)  die  Häusersteuer)
2)  die  Personensteuer,
3)  die  Besoldungssteuer,
4)  die  Erwerbsteuer,
5)  die  Gewerbesteuer,
6)  die  Einkommensteuer.

§S.  2.
An  Stelle  der  in  Wegfall  kommenden  Steuern  sind  von  dem  im  8.  1.
bezeichneten  Zeitpunkte  ab  zu  erheben:
1)  dee  durch  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.  für  1861.
S.  317.)  eingeführte  Gebäudesteuer,
2)  die  durch  das  Gesetz  vom  1.  Mai  1851.  (Gesetz=  Samml.  für  1851.
S.  193.)  eingeführte  Klassen=  und  klassiftzirte  Einkommensteuer,

3)  de  durch  das  Gesetz  vom  30.  Mai  1820.  (Gesetz  Samml.  für  1820.
47.)  und  das  einige  Abänverungen  des  letzteren  betreffende  Gesetz
Jahrgang  (Nr.  6621.)  vom

Ausgegeben  zu  Berlin  den  3.  Mai  1867.
        <pb n="710" />
        —  534  —

vom  19.  Juli  1861.  (Gesetz-Samml.  für  1861.  S.  697.)  eingeführte
Gewerbesteuerr
und  werden  zu  diesem  Behufe  die  vorgenannten  Preußischen  Gesetze  nebst  allen
dieselben  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  gesetzlichen  Vorschriften
eingeführt.
.  3.

Die  Grundsteuer  von  den  Liegenschaften  ist  in  Gemäßheit  des  Gesetzes
vom  21.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.  für  1861.  S.  263.),  betreffend  die  anderweite
  Regelung  der  Grundsteuer,  und  der  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden
  und  abändernden  Vorschriften  anderweit  zu  veranlagen,  und  die  Grundsteuer-Hauptsumme
  für  das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  in  verhaältnißmiigen
  Gleichheit  mit  den  Grundsteuer-Hauptsummen  der  altländischen  Provinzen
estzustellen.

Bei  den  zu  letzterem  Zwecke  ausuführenden  Vermessungs-  und  Kartirungs-Arbeiten
  ist  nach  Anleitung  der  bei  Ausführung  des  vorgedachten  Gesetzes  ergangenen
  Vorschriften  zu  verfahren.

Dagegen  bleibt  die  Bestimmung  darüber,  unter  welchen  besonderen  Maaßgaben
  das  mehrgedachte  Gesetz,  sowie  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1861.,  betreffend
die  für  Aufhebung  der  Grundsteuer-Befreiungen  und  Bevorzugungen  zu  gewährende
Entschädigung  (Gesetz  Samml.  für  1861.  S.  327.)),  zur  Ausführung  zu  bringen
und  die  Bestimmung  des  Zeitpunktes,  mit  welchem  die  neu  zu  veranlagende
Grundsteuer  gegen  Wegfall  der  bestehenden  Grundsteuer  in  Hebung  zu  peneinem
  besonderen  Gesetze  vorbehalten.

Bis  zu  diesem  Zeitpunkt  ist  die  bestehende  Grundsteuer  von  den  Liegenschaften
  mit  Einschluß  der  auf  den  Hausgärten  bis  zur  Größe  von  Einem
Preußischen  Morgen  haftenden  Steuerbeträge,  vom  1.  Juli  1867.  ab  jedoch  nur
mit  eilf  Zwölftheilen  ihres  bisherigen  Jahresbetrages,  fort  zu  erheben.

K.  4.

Bis  die  anderweitige  Organisation  der  Verwaltungsbehörden  im  vormaligen
Königreiche  Hannover  erfolgt  sein  wird,  sind  die  Funktionen,  welche  nach  den  im
F.  2.  bezeichneten  Gesetzen  den  Regierungen  obliegen,  von  dem  Ober-Steuerkollegium
  unter  Theilnahme  eines  Kommissars  des  Finanzministers,  welchem  insbesondere
  die  obere  Leitung  der  Veranlagungsarbeiten  obliegt,  wahrzunehmen.

Die  Funktionen  der  Landräthe  fallen  den  Obrigkeiten  (den  Aemtern  und
in  den  selbstständigen  Städten  den  Magisträten,  sowie  im  Lande  Hadeln  den
Kirchspielsgerichten)  beziehungsweise  den  dem  Ober--Steuerkollegium  untergeordneten
Beamten  oder  besonders  zu  berufenden  Kommissarien  zu.

S.  5.

Einstweilen  und  so  lange  eine  kreis=  und  provinzialständische  Verfassung
nach  den  Grundsätzen  der  Preußischen  Gesetzgebung  im  vormaligen  Königreiche
Hannover  nicht  eingeführt  ist,  treten  folgende  Bestimmungen  in  Kraft:

a)  Die  Veranlagung  der  Gebäudesteuer,  sowie  der  Klassen=  und  klassifizirten
Ein-
        <pb n="711" />
        —  635  —

Einkommensteuer  erfolgt  innerhalb  der  zu  diesem  Zwecke  zu  bildenden
Veranlagungsbezirke  unter  Mitwirkung  von  Kommissionen,  welche  unter
dem  Vorsitze  der  die  Funktionen  der  Landräthe  ausübenden  Beamten
(Obrigkeiten)  oder  Kommissarien  ꝛc.  (F.  4.)  oder  von  Stellvertretern
derselben  nach  Maaßgabe  der  bestehenden  Bestimmungen  und  mit  Beachtung
  der  dieserhalb  vom  Finanzminister  zu  erlassenden  besonderen  Vorschriften
  Beschluß  fassen.

Die  Mitglieder  dieser  Kommissionen  werden  durch  die  städtischen
Kollegien,  beziehungsweise  die  Amtsversammlungen  gewählt.

b)  Zur  Entscheidung  über  die  Reklamationen  und  Berüfungen  gegen  die
Einschätzungen  zur  klassifizirten  Einkommensteuer  ist  eine  Bezirkskommission
G.  24.  des  Gesetzes  vom  1.  Mai  1851.)  zu  bilden,  deren  Mitglieder  für
die  nächste  Veranlagung  aus  Emtomnenszeuerpfkichten  des  vormaligen
Königreichs  Hannover  durch  die  Landdrosteien,  demnächst  aber  aus  Einkommensteuerpflichtigen
  der  einzelnen  Regierungsbezirke  durch  die  betreffenden
Regierungen  berufen  werden.

G.  6.
Hinsichtlich  der  Gebäudesteuer  sind  nachstehende  Vorschriften  zu  beachten:

a)  Bei  Veranlagung  der  Gebäude  geschieht  die  Feststellung  der  Nutzungswerthe
  der  ersteren  (F.  4.  des  Gesetzes  vom  21.  Mai  1861.,  betreffend
die  Einführung  einer  allgemeinen  Gebäudesteuer)  ohne  Berücksichtigung
der  dazu  gehörigen  Hausgärten.

b)  Der  mittlere  jährliche  Miethswerth  der  Gebäude  (§.  6.  des  zu  a.  angeführten
  Gesetzes)  ist  nach  dem  Durchschnitt  der  Jahre  1853.  bis  1862.
einschließlich  festzustellen.

J)  Die  Bekanntmachung  des  Ergebnisses  der  Veranlagung  an  die  Eigenthümer
eschieht  durch  Offenlegung  der  Veranlagungs-Nachweisungen  (G.  10.
A###  2.  des  gedachten  Gesetzes)  während  eines  Zeitraums  von  mindestens
vierzehn  Tagen.

4)  Die  vierwöchentliche  Reklamationsfrist  (G.  10.  Absatz  4.  des  gedachten
Gesetzes)  läuft  vom  ersten  Tage  der  Offenlegung  der  Veranlagungs-Nachweisung.


e)  Die  erste  Revision  der  Gebäudesteuer-Veranlagung  (§.  20.  des  gedachten
Gesetzes)  erfolgt  gleichzeitig  mit  der  ersten  Revision  der  Veranlagung  in
den  älteren  Päewischen  Landestheilen.

S.  7.
Behufs  Veranlagung  der  Gewerbesteuer  ist

a)  die  Stadt  Hannover  mit  dem  Königlichen  Schloß-  und  Gartenbezirk,
der  Vorstadt  Glocksee  und  dem  Orte  Linden  der  ersten  Abtheilung  im
(Tr.  6621.)  71“  Sinne
        <pb n="712" />
        536  —

Sinne  des  Gesetzes  vom  30.  Mai  1820.  wegen  Entrichtung  der  Ge—
werbesteuer  und  der  Beilage  B.  zu  demselben  zuzutheilen,  während  die
Städte  Osnabrück,  Hildesheim,  Lüneburg,  Celle  mit  der  Altenceller,
Westceller  und  Hehlen-Vorstadt,  Harburg  mit  dem  Schloß=  und  Hafenbezirk,
  Göttingen,  Emden  und  Leer  der  zweiten  Abtheilung  zu  überweisen
  sind.

b)  Bis  zur  Eintheilung  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  in  Regierungebezirke
  gehört  das  ganze  Gebiet  desselben  zur  ersten  Abtheilung  im
Sinne  der  4.  5.  und  8.  des  Gesetzes  vom  19.  Juli  1861.,  betreffend
  einige  Abänderungen  des  Gesetzes  wegen  Entrichtung  der  Gewerbesteuer
  vom  30.  Mai  1820

Anderweite  Bestimmung  in  dieser  Bezichung  bleibt  nach  erfolgter
beharg  von  Regierungsbezirken  besonderer  Königlicher  Verordnung  vorehalten.


J)  So  lange  die  Eintheilung  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  in  landräthliche
  Kreise  nicht  eingeführt  ist,  treten  Behufs  der  Veranlagung  der
Gewerbesteuer  für  die  nach  Mittelsätzen  in  Gesellschaften  steuernden  Gewerbetreibenden
  in  der  vierten  Abtheilung  an  Stelle  der  Kreise  (§.  26.
zu  b.  des  Gesetzes  vom  30.  Mai  1826.  wegen  Entrichtung  der  Gewerbeeuer

  und  Nr.  8.  der  Beilage  B.  zu  demselben)  die  zu  diesem  Zwecke  zu
bildenden  Veranlagungsbezirke.

4.))  Bei  der  ersten  Veranlagung  der  Gewerbesteuer  erfolgt  die  Wahl  der  Abgeordneten
  für  die  Klase  A.  II.,  sowie  der  Stellvertreter  derselben,  durch
diejenigen  Gewerbetreibenden,  welche  die  Kommunalbehörde,  beziehungsweise
  der  die  Funktionen  des  Landrathes  ausübende  Beamte  oder  Kommissar
  (§.  4.)  bestimmt  (Absatz  3.  im  §.  11.  des  Gesetzes  vom  19.  Juli
1861.,  betreffend  einige  Abänderungen  des  Gesetzes  wegen  Entrichtung  der
Gewerbesteuer  vom  30.  Mai  1820.).

S.  8.

Das  Einkommen  der  Mitglieder  der  Familie  des  Hanmoverschen  Königsbauses
  bleibt  von  Entrichtung  der  klassisizirten  Einkommensteuer  befreit.  AuchZ
sind  die  im  Besitz  derselben  befindlichen  Gebäude,  insoweit  solche  seither  von  der
Häusersteuer  befreit  waren,  der  Gebäudesteuer  nicht  unterworfen.

KC.  9.

Die  Jahlung  der  neu  veranlagten  direkten  Steuern  darf  durch  Reklamationen
  nicht  aufgehalten  werden,  mu  vielmehr,  mit  Vorbehalt  der  späteren  Erstattung
  des  zu  viel  Gezahlten,  zu  den  bestimmten  Fälligkeitsterminen  erfolgen.

S.  10.

In  Betreff  der  Erhebung  und  Beitreibung  der  direkten  Steuern  bleiben,
bis  die  in  dieser  Beziehung  nach  den  Grundsätzen  der  Preußischen  Gesetzgebung
und
        <pb n="713" />
        –  637  —

und  Verwaltung  zu  treffenden  Einrichtungen  ausgeführt  sein  werden,  die  nach
der  Hannoverschen  Verordnung  vom  30.  März  1859.  für  die  Erhebung,  Anzhg
  und  Beitreibung  der  direkten  Steuern  geltenden  Bestimmungen  in
caft.
Die  in  den  F.  J.  bezeichneten  Gesetzen  bestimmten  Hebe=  und  Vererlagun  sgebühren
  von  der  Gebäude-,  Klassen=  und  Gewerbesteuer  fließen  zur  Staa  Hase.
us  denselben  erhalten  die  Gemeinden  Ein  Prozent,  sofern  sie  bei  dem  Veranlagungsgeschäft
  mitgewirkt  haben.

F.  11.
Bis  die  neu  veranlagten  Steuern  (Gebäudesteuer,  Klassen=  und  klassifizirte

Einkommensteuer,  Gewerbesteuer,  4  2.  zu  1.  2.  3.)  wirklich  zur  Hebung  gelangen,
  sind  die  auf  der  bisherigen  Steuergesetzgebung  beruhenden  Steuern  unverändert
  fort  zu  entrichten,  vorbehaltlich  einer  Ausgleichung  der  für  die  Zeit  nach  dem
1.  Juli  1867.  gezahlten  Beträge  mit  den  von  da  ab  zu  entrichtenden  neu  veranlagten
  Steuern.

K.  12.

In  Betreff  der  Verjährung  der  direkten  Steuern  kommen  die  betreffenden
Bestimmungen  des  Gesetzes  vom  18.  Juni  1840.  (Gesetz  Samml.  S.  140.)
nebst  den  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  Bestimmungen
  zur  Anwendung.

Reklamationen  wegen  Steuern,  welche  vor  Publikation  der  gegenwärtigen
Verordnung  entrichtet  worden  sind,  sowie  Nachforderungen  wegen  Steuern  aus
dieser  Zeit  müssen,  bei  Verlust  des  Anspruchs,  bis  zum  1.  Juli  1868.  geltend
gemacht  werden.  Für  die  zur  Zeit  der  Publikation  dieser  Verordnung  vorhandenen
  Steuerrückstände  beginnt  die  im  8  8.  des  gedachten  Gesetzes  festgesetzte
vierjährige  Verjährungsfrist  mit  dem  1.  Januar  1868.

C.  13.
In  Angelegenheiten  der  Veranlagung  und  Handhabung  der  direkten

Steuern  findet  der  Rechtsweg  nur  insoweit  statt,  als  dies  nach  den  allgemeinen
Grundsätzen  der  Preußischen  Gesetzgebung  zulässig  ist.

K.  14.

Mit  dem  1.  Juli  1867.  treten  alle  die  bisherigen  direkten  Steuern  betreffenden
  Hannoverschen  Gesetze  und  Verordnungen,  welche  den  Bestimmungen
der  gegenwärtigen  Verordnung  entgegenstehen  oder  mit  denselben  nicht  zu  vereinigen
  sind,  außer  Kraft.

g.  156.

Die  Bestimmungen  dieser  Verordnung  finden  auf  den  mit  dem  Herzogthume
  Braunschweig  gemeinschaftlichen  Theil  des  Harzes,  den  sogenannten  Kommunionharz,
  keine  Anwendung.

(Nr.  6621—6622.)  K.  16.
        <pb n="714" />
        —  538  —

S.  16.

Die  den  Bewohnern,  insbesondere  den  Bergarbeitern  von  und  mit  dem
Steiger  abwärts,  in  dem  zum  vormaligen  Königreiche  Hannover  ausschließlich
ehörigen  Theile  des  Harzes  und  der  Lem  Staate  gehörigen  Hüttenwerke  bei
lbingerode  nach  den  Hannoverschen  Gesetzen  zustehenden  Befreiungen  von  der
Häuser=  beziehungsweise  Personen=  und  Gewerbesteuer  bleiben  noch  bis  zum
1.  Januar  1868.  in  Kraft  und  sind  die  gedachten  Klassen  von  Einwohnern  bis
dahin  auch  von  der  Entrichtung  der  veranlagten  Gebäude-,  Klassen=  und  Gewerbesteuer
  frei  zu  lassen.

Von  dem  bezeichneten  Zeitpunkte  ab  unterliegen  die  Ersteren  jedoch  der
Steuerpflicht  ebenso,  wie  die  übrigen  Einwohner  gen  ehemaligen  Königreichs
Hannover.

F.  17.

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt
und  hat  die  zur  Ausführung  derselben  erforderlichen  Anweisungen  zu  erlassen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  28.  April  1867.

(.  s.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzen  plitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6622.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  in  dem  Gebiete  des  vormaligen  Kurfürstenthums
Hessen.  Vom  28.  April  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.

verordnen  für  das  mit  Unserer  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums
  Hessen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.
Vom  1.  Juli  1867.  werden  folgende  zur  Zeit  bestehende  direkte  Staatssteuern
  aufgehoben:
1)  die  Grundsteuer  von  den  Gebäuden  nebst  den  dazu  gehörigen  Hofräumen
und  nicht  über  Einen  Morgen  Preußisch  großen  Hausgärten,

2)  die  Gewerbesteuer,

3)  die  Klassensteuer.

)  ssenst  2
        <pb n="715" />
        —  539  —
g.  2.
An  Stelle  der  in  Wegfall  kommenden  Steuern  sind  von  dem  im  F§.  1.
bezeichneten  Zeitpunkte  ab  zu  erheben:
1)  die  durch  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.  für  1861.
S.  317.)  eingeführte  Gebäudesteuer,  -  «
2)  die  durch  das  Gesetz  vom  1.  Mai  1851.  (Gesetz-Samml.  fuͤr  1851.  S.  193.)
eingeführte  Klassen-  und  klassifizirte  Einkommensteuer,
3)  die  durch  das  Gesetz  vom  30.  Mai  1820.  (Gesetz=  Samml.  für  1820.
S.  147.)  und  das  Pinige  Abänderungen  des  letzteren  betreffende  Gesetz
vom  19.  Juli  1861.  (Gesetz=  Samml.  für  1861.  S.  697.)  eingeführte
Gewerbesteuer,
und  werden  zu  diesem  Behufe  die  vorgenannten  Preußischen  Gesetze  nebst  allen
dreeson  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  gesetzlichen  Vorschriften  eingeführt.

.

Die  Grundsteuer  von  den  Liegenschaften  ist  in  Gemäßheit  des  Gesetzes  vom
21.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.  für  1861.  S.  253.),  betreffend  die  anderweite
Regelung  der  Grundsteuer  und  der  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden
und  abändernden  Vorschriften,  anderweit  zu  veranlagen,  und  die  Grundsteuer-Hauptsumme
  für  das  Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hessen  in  verhältnißmäßiger
  Gleichheit  mit  den  Grundsteuer-Hauptsummen  der  altländischen
Provinzen  festzustellen.  4

P.  den  zu  letzterem  Zweck  auszuführenden  Vermessungs=  und  Kartirungsarbeiten
  ist  nach  Anleitung  der  bei  Ausführung  des  vorgedachten  Gesetzes  ergangenen
  Vorschriften  zu  venseheen.

Dagegen  bleibt  die  Bessimmung  darüber,  unter  welchen  besonderen  Maaßgaben
  das  gedachte  Gesetz,  sowie  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.
7  1861.  Seite  327.))  betreffend  die  für  Aufhebung  der  Grundsteuer-Befreiungen
und  Bevorzugungen  zu  gewährende  Entschädigung,  zur  Ausführung  zu  bringen,
und  die  Bestimmung  des  Zeitpunktes,  mit  welchem  die  neu  zu  veranlagende
Grundsteuer  gegen  Wegfall  der  bestehenden  Grundsteuer  in  Hebung  zu  setzen,  einem
besonderen  Gesetze  vorbehalten.

Bis  zu  diesem  Zeitpunkt  ist  die  bestehende  Grundsteuer  von  den  Liegenschaften
  in  demjenigen  Betrage,  in  welchem  Ieselbe  für  das  zweite  Viertelsahr
des  laufenden  Jahres  erhoben  worden,  mit  der  Beschränkung  fort  zu  erheben,  daß
vom  1.  Juli  1867.  ab:

a)  dejentgen  Grundsteuerbeträge,  welche  auf  den  Gebäuden  nebst  den  dazu
gehörigen  Hofräumen  und  nicht  über  Einen  Preußischen  Morgen  großen
Hausgärten  haften,  außer  Hebung  gesetzt  werden  (§.  1.  zu  !rö  ,-b)

  von  der  eigentlichen,  auf  den  Liegenschaften  ruhenden  Grundsteuer  nur
der  Betrag  von  neun  Monaten  in  jedem  Jahre  zur  Hebung  gebracht  wird.

S.  4.
Bis  die  in  der  Verordnung  vom  22.  Februar  1867.  (Gesetz-Samml.
(Tr.  6022)  S.  273.)
        <pb n="716" />
        —  540  —

S.  273.)  bestimmte  anderweite  anation  der  Verwaliungebehörden  im  vormaligen
  Kurfürstenthum  Hessen  erfolgt  sein  wird,  sind  die  Funktionen,  welche  nach
den  im  9.  2.  bezeichneten  Gesetzen  den  Regierungen  obliegen,  von  dem  Ober-Steuerkollegium
  unter  Theilnahme  eines  Kommissars  des  Finanzministers,  welchem
insbesondere  die  obere  Leitung  der  Veranlagungsarbeiten  obliegt,  wahrzunehmen.

Die  Funktionen  der  Landräthe  fallen  bis  auf  Weiteres  den  dem  Ober-Steuerkollegium
  untergeordneten  Beamten  oder  besonders  zu  berufenden  Kommissarien
  zu.

d.

Einstweilen  und  so  lange  eine  kreis=  und  provinzialständische  Verfassung
nach  den  Grundsätzen  der  Preußischen  Gesehgebung  im  vormaligen  Kurfürstenthum
  Hessen  nicht  eingeführt  ist,  treten  folgende  Bestimmungen  in  Kraft:

a)  die  Veranlagung  der  Gebäudesteuer,  sowie  der  Klassen=  und  klassifiürten
Emmkommenlseues  und  der  Gewerbesteuer  erfolgt  innerhalb  der  zu  diesem
Zweck  zu  bildenden  Veranlagungsbezirke,  nach  den  für  die  Veranlagung
der  direkten  Steuern  in  Kurhessen  bestehenden  Gesetzen  und  Grundsätzen,
insbesondere  nach  den  Vorschriften  in  den  §#.  6.  und  7.  des  Gesetzes  vom
15.  Dezember  1853.,  die  Klassensteuer  betreffend  (Kurhessische  Gesetz-Samml.
  für  1853.  S.  156.),  und  im  F.  5.  des  Kurhessischen  Gesetzes
vom  15.  Dezember  1853.  wegen  Besteuerung  des  Grundeigenthums
(Kurhessische  Gesetz-Samml.  für  1853.  S.  155.)  unter  denjenigen  Abänderungen,
  welche  durch  die  Verschiedenheit  der  Steuergesetze  selbst  und
deren  Grundlagen  gebotenm  erscheinen  und  in  der  vom  Finanzminister
dieserhalb  zu  erlassenden  Anweisung  besonders  festzustellen  sind;
zur  Entscheidung  über  Reklamationen  und  Berufungen  gegen  die  Einschätung
  zur  klassifijirten  Einkommensteuer  ist  eine  Bezirkskommission
(§.  24.  des  Gesetzes  vom  1.  Mai  1851.)  aus  Einkommensteuerpflichtigen
durch  Berufung  Seitens  der  Provinzialbehörde  (§.  4.  der  gegenwärtigen
Verordnung)  zu  bilden;
e)  die  bei  der  Veranlagung  mitwirkenden  Kommissionsmitglieder  haben  statt
der  in  den  Preußischen  Gesetzen  bestimmten  Reisekosten  und  Tagegelder
die  bisher  in  Kurhessen  üblichen  Entschädigungen  zu  beziehen.

d.

Hinsichtlich  der  Gebäudesteuer  sind  nachstehende  Vorschriften  zu  beachten:
a)  Der  mittlere  jährliche  Miethswerth  der  Gebäude  (§.  6.  des  Gesetzes  vom
21.  Mai  1861.,  betreffend  die  Einführung  einer  allgemeinen  Gebäudesteuer)
  ist  nach  dem  Durchschnitt  der  Jahre  1853.  bis  1862,  einschließlich

festzustellen.
b)  Die  Bekanntmachung  des  Ergebnisses  der  Veranlagung  an  die  Eigenthümer
#hieht  durch  Offenlegung  der  Veranlagungsnachweis  während  eines

D1

—

 

Zeitraums  von  mindestens  vierzehn  Tagen  (.  10.  Abs.  2.  des  gedachten
Gesetzes).
c)  Die
        <pb n="717" />
        —  541  —

J)  Die  vierwöchentliche  Reklamationsfrist  (C.  10.  Abs.  4.  des  gedachten  Gesetzes)
  läuft  vom  ersten  Tage  der  Offenlegung  der  Veranlagungsnachweisung.

4)  Die  in  den  99.  15.  bis  18.  des  gedachten  Gesetzes  enthaltenen  Vorschriften
  bleiben,  soweit  sie  auf  das  Verfahren  bei  Feststellung  und  Fortschreibung
  eines  Wechsels  in  dem  Eigenthumsverhältniß  an  Gebäuden
und  die  zu  entrichtenden  Fortschreibungsgebühren  sich  beziehen,  einstweilen
außer  Anwendung,  und  statt  derselben  die  in  Betreff  der  Uebergänge  des
Eigenthums  an  den  der  Gebäudesteuer  unterliegenden  Realitäten  und
deren  Eintragung  in  die  gerichtlichen  Währschaftsbücher  sowie  in  die
Steuerkataster  bastegenden  Kurhessischen  Vorschriften  in  Kraft.

e.)  Die  erste  Revision  der  Gebäudesteuer-Veranlagung  (§.  20.  des  gedachten
Gesetzes)  erfolgt  gleichzeitig  mit  der  ersten  Revision  der  Veranlagung  in
den  älteren  Päenßischen  Landestheilen.

F.  7.
Behufs  Veranlagung  der  Gewerbesteuer  sind

a)  die  Städte  Kassel  und  Hanau  der  zweiten  Abtheilung  im  Sinne  des
Gesetzes  vom  30.  Mai  1820.  wegen  Entrichtung  der  Gewerbesteuer  und
der  Beilage  B.  zu  demselben  zuzutheilen;

b)  das  ganze  Gebiet  des  vormaligen  Kirfürstenthums  Hessen  gehört  der
zweiten  Abtheilung  im  Sinne  der  §§.  4.  5.  und  8.  des  (Gee  vom
19.  Juli  18611.,  betreffend  einige  Abaänderungen  des  Gesetzes  wegen  Entrichtung

  der  Gewerbesteuer  vom  30.  Mai  1820.,  an;

Jc)  die  Wahl  der  Abgeordneten  für  die  Klasse  A.  II.  erfolgt  durch  die  in
der  Kurhessischen  Gewerbesteuerrolle  für  das  Jahr  1867.  verzeichneten
Lendeltreibenden  „insoweit  disselben  überhaupt  als  Hundeeltreiben  e  im
Sinne  der  Preußischen  Gewer  esteuer-  Gesesgebung  anzusehen  sind,  nach
Ausscheidung  der  in  den  Klassen  A.  I.  und  B.  zu  Beszeuernden.

*½“  4
Das  Einkommen  der  Mitglieder  des  Kurhessischen  Fürstenhauses  bleibt
von  Entrichtung  der  glasüifuertn  Einkommensteuer  befreit.  Auch  sind  die  im
Besitz  derselben  befindlichen  Gebäude,  insoweit  solche  seither  von  der  Grundsteuer
befreit  waren,  der  Gebäudesteuer  nicht  unterworfen.

G.  9.
Die  Zahlung  der  neu  veranlagten  direkten  Steuern  darf  durch  Reklamationen
  nicht  aufgehalten  werden,  muß  vielmehr,  mit  Vorbehalt  der  späteren  Erstattung
  des  zu  viel  Gezahlten,  zu  den  bestimmten  Fälligkeitsterminen  erfolgen.

G.  10.

In  Betreff  der  Erhebung  und  Beitreibung  der  direkten  Steuern  bleiben,
bis  die  in  dieser  Beziehung  ach  den  Grundsätzen  der  Preußischen  Eeschgebung
umnd  Verwaltung  zu  treffenden  Einrichtungen  ausgeführt  sein  werden,  die  bisherigen
  Kurhessischen  Bestimmungen  mit  der  Maaßgabe  in  Kraft,  daß  die  fälligen
Steuerbeträge  in  den  ersten  acht  Tagen  jeden  Monats  an  die  bestimmte  Hebe-Jobrgang

  1857.  (Nr.  6622)  7  stelle
        <pb n="718" />
        —  542  —

stelle  im  Voraus  einzuzahlen  sind,  daß  es  den  Pflichtigen  jedoch  freisteht,  die
Steuer  auch  für  einen  längeren  Zeitraum  bis  zum  ganzen  Jahresbetrage  im
Voraus  zu  bezahlen.

F.  11.

Bis  die  neu  veranlagten  Steuern  (Gebäudesteuer,  Klassen=  und  klassifzirte
  Einkommensteuer,  Gewerbesteuer,  9  2.  Nr.  1.  2.  3.)  wirklich  zur  Hebung
gelangen,  sind  die  für  das  erste  Vierteljahr  des  laufenden  Jahres  nach  der  bisbert
  en  Steuergesetzgebung  zur  Hebung  gestellten  Steuern  fort  zu  entrichten,  vorbebhaltlich
  einer  Ausgleichung  der  für  die  Zeit  nach  dem  1.  Juli  1867.  gezahlten
Beträge  mit  den  von  da  ab  zu  entrichtenden  neu  veranlagten  Steuern.

6S.  12.

In  Betreff  der  Verjährung  der  direkten  Steuern  kommen  die  betreffenden
  Bestimmungen  des  Gesetzes  vom  18.  Juni  1840.  (Gesetz-Samml.  S.  140.)
nebst  den  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  Bestimmungen
  zur  Anwendung.

Reklamationen  wegen  Steuern,  welche  vor  Prblikation  der  gegenwärtigen
Verordnung  entrichtet  worden  sind,  sowie  Nachforderungen  wegen  Steuern  aus
dieser  Zeit  müssen,  bei  Verlust  des  Anspruchs,  bis  zum  1.  Juli  1868.  geltend
gemacht  werden.

Für  die  zur  Zeit  der  Publikation  dieser  Verordnung  vorhandenen  Steuerrückstinde
  beginnt  die  im  Iaet  des  gedachten  Gesetzes  festgesetzte  vierjährige  Verjährungsfrist
  mit  dem  1.  Januar  1868.

S.  13.

In  Angelegenheiten  der  Veranlagung  und  Handhabung  der  direkten
Steuern  findet  der  Rechtsweg  fortan  nur  insoweit  statt,  als  dies  nach  den  allgemeinen
  Grundsätzen  der  Preußischen  Gesetzebung  zulässig  ist.

Die  Kurhessische  Verordnung  vom  30.  April  1819.,  den  Weg  Rechtens
  wider  Entscheidungen  der  oberen  Steuerbehörde  hinsichtlich  des  Steuersatzes
betreffend  (Kurhessische  Gesetz-Samml.  für  1819.  S.  29.),  wird  hiermit  aufgehoben.


C.  14.

Mit  dem  I.  Juli  1867.  treten  alle,  die  bisherigen  direkten  Steuern  betreffenden
  Kurhessischen  Gesetze  und  Verordnungen,  welche  den  Bestimmungen
der  gegenwärtigen  Verordnung  entgegenstehen  oder  mit  denselben  nicht  zu  vereinigen
  sind,  außer  Kraft.

g.  15.

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  deser  Verordnung  beauftragt

und  hat  die  zur  Ausführung  derselben  erforderlichen  Anweisungen  zu  erlassen.

S.  16.
Die  auf  den  Kurhessischen  Gesetzen  vom  31.  Oktober  1833.  und  26.  Juni
1840.  beruhende  Hundesteuer  ist  als  Staatsabgabe  vom  1.  Juli  1867.  ab  auf-Be-
        <pb n="719" />
        —  643  —
ehoben.  Den  Gemeinden  steht  jedoch  frei,  die  Forterhebung  dieser  Steuer  als
tommunalsteuer  zu  beschließen.

Lertendich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  28.  April  1867.

(L.  8.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6623.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  in  dem  Gebiete  der  Herzogthümer  Schleswig  und
Holstein.  Vom  28.  April  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

verordnen  für  das  mit  Unserer  Monarchie  vereinigte  Gebiet  der  Herzogthümer
Schleswig  und  Holstein,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.
Vom  I.  Juli  1867.  ab  werden  folgende  zur  Zeit  bestehende  direkte  Staatssteuern
  aufgehoben:

1)  die  Magazinkorn=  und  Fouragegelder;
2)  die  Haussteuer;
3)  die  Gewerbe-Rekognitionsgelder;
4)  die  Nahrungssteuer;
5)  die  Rangsteuer;
6)  von  der  unter  der  Benennung  „Kontribution“  bestehenden  Pflugzahlsabgabe

  Tllensge  Theil,  welcher  von  den  Städten  und  Flecken  zu  entrichten
  ist;

7)  von  derselben  zu  6.  bezeichneten  Kontribution,  sowie  von  der  Landsteuer,
diejenigen  Beträge,  welche  auf  solchen  kleinen  Besitzungen  hasten,  welche
lediglich  aus  Gebäuden  nebst  Hofraum  und  einem  nicht  über  Einen  Preu-Ficchen
  Morgen  großen  Hausgarten  bestehen,  endlich

(Nr.  6022—0623.)  72“  8)  von
        <pb n="720" />
        —  644  —

8)  von  den  unter  den  sogenannten  stehenden  Gefällen  befindlichen  Abgaben

diejenigen  Beträge,  welche  nachweislich  den  Karakter

a)  einer  der  vorstehend  unter  Nr.  3.  und  4.  bezeichneten  Abgaben,

oder

b)  einer  haussteuerartigen  Abgabe,  oder

Ja#)  einer  grundsteuerartigen  Abgabe
Lan  sich  tragen,  die  zu  c.  gedachten  jedoch  nur  dann,  wenn  sie  auf  solchen
kleinen  Besitzungen  haften)  die  lediglich  aus  Gebäuden  nebst  Hofraum

und  einem  nicht  über  Einen  Preußischen  Morgen  großen  Hausgarten
bestehen.

S.  2.
Von  dem  im  §N.  1.  bezeichneten  Zeitpunkte  ab  sind  zu  erheben:
1)  die  durch  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.  für  1861.

S.  317.)  eingeführte  Gebäudesteuer,

2)  die  durch  das  Gesetz  vom  1.  Mai  1851.  (Geseh=  Samm.  für  1851.
S.  193.)  eingeführte  Klassen=  und  klassifizirte  Einkommensteuer,

3)  die  durch  das  Gesetz  vom  30.  Mai  1820.  (Gesetz-Samml.  für  1820.
S.  147.)  und  das  einige  Abänderungen  des  letzteren  betreffende  Gesetz
vom  19.  Juli  1861.  (Gesetz  Samml.  für  1861.  S.  697.)  eingeführte

Gewerbesteuer,
und  werden  zu  diesem  Behufe  die  vorgenannten  Preußischen  Gesetze  nebst  allen

dieselben  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  gesetzlichen  Vorschriften  eingeführt.


G.

d.  3.

Die  Grundsteuer  von  den  Liegenschaften  ist  in  Gemäßheit  des  Gesetzes  vom
21.  Mai  1861.,  betreffend  die  anderweite  Regelung  der  Grundsteuer  (Gesetz-Samml.
für  1861.  S.  253.),  und  der  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden
  Vorschriften  anderweit  zu  veranlagen  und  die  Grundsteuer-Hauptsumme
für  das  Gebiet  der  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein  in  verhältnißmäßiger
Gleichhheit  mit  den  Grundsteuer-Hauptsummen  der  altländischen  Provinzen  festzustellen.


Bei  den  zu  letzterem  Zwecke  auszuführenden  Vermessungs=  und  Kartirungsarbeiten
  ist  nach  Anleitung  der  bei  Ausführung  des  vorgedachten  Gesetzes  ergangenen
  Vorschriften  zu  verfahren.

Dagegen  bleibt  die  Bestimmung  darüber,  unter  welchen  besonderen  Maaßgaben
  das  gedachte  Gesetz,  sowie  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1861.,  betreffend  die
ur  die  Aufhebung  der  Grundsteuer-Befreiungen  und  Bevorzugungen  zu  gewährende
Entschädigung  (Gesetz-Samml.  für  1861.  .  327.),  zur  Ausführung  zu  bringen,
und  die  Bestimmung  des  Zeitpunktes,  mit  welchem  die  neu  zu  veranlagende
Grundsteuer  gegen  Wegfall  der  bisherigen  Grundsteuern  und  grundsteuerartigen
Abgaben  in  Hebung  zu  setzen,  einem  besonderen  Gesetze  vorbehalten.

d.  4.
        <pb n="721" />
        —  646  —

S.  4.

Bis  zu  dem  am  Schluß  des  §.  3.  gedachten  Zeitpunkte  ist  die  unter  der
Benennung  „Kontribution“  bestehende  Pflugzahlsabgabe,  sowie  die  Landsteuer,
soweit  diese  Steuern  nicht  durch  die  Vorschriften  im  F.  1.  zu  6.  und  F.  dieser
Verordnung  aufgehoben  sind,  vom  1.  Juli  1867.  ab  jedoch  nur  mit  drei  Viertheilen
  ihres  bisherigen  Jahresbetrages)  fort  zu  erheben.

Dasselbe  gilt  von  denjenigen  unter  den  sogenannten  stehenden  Gefällen
befindlichen  Beträgen,  welche  nachweislich  den  Karakter  einer  direkten  Staatssteyer
  im  Sinne  der  Preußischen  Steuergesetzgebung  an  sich  tragen,  soweit  sie
nicht  ebenfalls  schon  nach  der  Vorschrift  unter  Nr.  8.  im  F.  1.  dieser  Verordnung
aufgehoben  worden  sind.

Die  Regierung  (I.  6.  dieser  Verordnung)  hat  unter  den  sogenannten
stehenden  Gefällen  diejenigen  Beträge  zu  bezeichnen:

a)  welche  nach  der  zuletzt  angeführten  Vorschrift  im  §.  1.  dieser  Verordnung
künftig  ganz  in  Wegfau.  zu  bringen,  und
b)  welche  der  vorstehend  bestimmten  Ermäßigung  auf  drei  Viertheile  ihres
bisherigen  Jahresbetrages  unterliegen  sollen.
.5.

Außer  den  in  den  I#§.  1.  und  4.  dieser  Verordnung  festgestellten  Steuer-Erlassen
  und  Ermäßigungen  sollen  alle  Abgaben  und  Leistungen  für  solche
besonderen  Staatszwecke,  deren  Kosten  nach  den  für  die  altländischen  Provinzen
des  Preußischen  Staats  bestehenden  gesetzlichen  Vorschriften  aus  allgemeinen
Staatemitteln  bestritten  werden,  nach  näherer  Feststellung  im  Wege  besonders  zu
erlassender  Königlicher  Verordnungen  in  Wegfall  gebracht  werden.

S.  6.

Bis  die  anderweite  Organisation  der  Verwaltungsbehörden  in  den  Herzogthümern
  Schleswig  und  Holstein  erfolgt  sein  wird,  sind  die  Funktionen,  wülche
nach  den  im  F.  2.  bezeichneten  Gesetzen  den  Regierungen  obliegen,  von  den  zu
Schleswig  und  Kiel  bepeehenden  Regierungsbehörden  unter  Theilnahme  je  eines
Kommissars  des  Finanzministers,  welchem  insbesondere  die  Leitung  der  Veranlagungsarbeiten
  obliegt,  wahrzunehmen.

Die  Funktionen  der  Landräthe  fallen  den,  den  genannten  Regierungen
untergeordneten  Beamten,  beziehungsweise  besonders  zu  berufenden  Kommüßzurten  zu.

Sämmtliche  Staats=  und  Kommunalbeamte,  Gutsobrigkeiten  u.  s.  w.  sind
verpflichtet,  die  Veranlagung  und  Handhabung  der  direkten  Sienem  im  Bereiche
ihres  Geschäftskreises  in  jeder  Weise  zu  unterstützen,  insbesondere  den  an  sie
ergehenden  Aufforderungen  wegen  Sammlung,  Ordnung  und  Zusammenstellung
der  für  das  Veranlagungsgeschäft  aesonderlichen  Unterlagen,  wegen  Anfertigung
von  Listen  und  Nachweisungen  und  dergleichen  mehr  pünktlich  und  gewissenhaft
nachzukommen.

1

Einstweilen  und  so  lange  eine  kreis-  und  provinzialständische  Verfassung
nach  den  Grundsätzen  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  den  Herzogthümern
(Tr.  6623.)  Schles-
        <pb n="722" />
        —  546  —
Schleswig  und  Holstein  nicht  eingeführt  ist,  treten  folgende  Bestimmungen

in  Kraft:

a)  Die  Veranlagung  der  Gebäudesteuer,  sowie  der  Klassen-  und  klassifizirten
Einkommensteuer  erfolgt  innerhalb  der  zu  diesem  Zwecke  zu  bildenden
Veranlagungsbezirke  unter  Mitwirkung  von  Kommissionen,  welche  unter
dem  Vorsitze  der  die  Funktionen  der  Landräthe  ausübenden  Beamten
oder  Kommissarien  (F.  6.)  oder  von  Stellvertretern  derselben  nach  Maaßgabe
  der  bestehenden  Bestimmungen  und  mit  Beobachtung  der  dieserhalb
vom  Finanzminister  zu  erlassenden  besonderen  Vorschriften  Beschluf  fassen.

Die  Mitglieder  dieser  Kommissionen  werden  von  der  Regierung
(§S.  6.)  berufen.

Die  Annahme  der  Berufung  als  Kommissionsmitglied  darf  nur
aus  Gründen,  welche  zur  Ablehnung  einer  Vormundschaft  berechtigen,
abgelehnt  werden.

Die  Mitglieder  der  Kommissionen  find  zur  gewissenhaften  und

unpartei#schen  Verrichtung  der  ihnen  obliegenden  Geschäfte  mittelst  Handschlags
  an  Eidesstatt  zu  verpflichten.
Zur  Entscheidung  über  die  Reklamationen  und  Berufungen  Geger  die
Einschätzungen  zur  klassifizirten  Einkommensteuer  ist  für  den  Bezirk  der
Regierung  zu  Schleswig  und  für  denjenigen  der  Regierung  zu  Kiel  je
eine  Bezirkskommission  (F.  24.  des  Gesetzes  vom  1.  Mai  1851.)  zu
bilden,  deren  Mitglieder  aus  Einkommensteuerpflichtigen  der  genannten
beiden  Bezirke  Seitens  der  betreffenden  Regierung  (F.  6.  der  gegenwärtigen
  Verordnungh)  berufen  werden.  ·

§.8.

Die  in  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein  vorhandenen  Flecken
sind  bei  der  Veranlagung  der  Gebäudesteuer  und  der  Gewerbesteuer  als  Städte
im  Sinne  der  unter  Nr.  1.  und  3.  im  §.  2.  dieser  Verordnung  angeführten
Gesetze  zu  behandeln.

E

F.  9.
Hinsichtlich  der  Gebäudesteuer  sind  nachstehende  Vorschriften  zu  beachten:
a)  Der  mittlere  jährliche  Miethswerth  der  Gebäude  (K.  6.  des  Gesetzes  vom
21.  Mai  1861.,  betreffend  die  Einführung  einer  allgemeinen  Gebäudesteuer
  z  nach  dem  Durchschnitt  der  Jahre  1853.  bis  1862)  einschließlich
festzustellen.
b)  Die  erste  Revision  der  Gebäudesteuerveranlagung  (§.  20.  a.  a.  O.)  erfolgt
leichzeitig  mit  der  ersten  Revision  der  Veranlagung  in  den  älteren
Prenzisac  Landestheilen.

Behufs  Veranlagung  der  Gewerbesteuer  ist
a)  die  Stadt  Altona  mit  Ottensen  und  Neumühlen  der  erse  Abtheilung
im  Sinne  des  Gesetzes  vom  30.  Mai  1820.  wegen  Entrichtung  der
Gewerbesteuer,  und  der  Beilage  B.  zu  demselben  zuzutheilen,  während  die
Städte  Flensburg,  Hadersleben,  Itzehoe,  Kiel,  Rendsburg  und  Schleswig,

4=
        <pb n="723" />
        —  547  —

sowie  die  Flecken  Elmshorn  mit  Vormstegen  und  Klostersande,  Heide,
Neumünster  und  Wandsbeck  der  zweiten  Abtheilung  zu  überweisen  sind.
b)  Der  Bezirk  der  Regierung  zu  Kiel  gehört  zur  ersten,  der  Bezirk  der  Regierung
  zu  Schleswig  zur  zweiten  Abtheilung  im  Sinne  der  88.  4.  5.
und  J§.  des  Gesetzes  vom  19.  Juli  1861.,  betreffend  einige  Abänderungen
des  Gesetzes  wegen  Entrichtung  der  Gewerbesteuer  vom  20.  Mai  1820.
JO0)  So  lange  die  Eintheilung  der  Herzogthümer  in  landrätbliche  Kreise  nicht
erfolgt  ist,  treten  Behufs  der  Veranlagung  der  Gewerbesteuer  für  die
nach  Mittelsätzen  in  Gesellschaften  steuernden  Gewerbetreibenden  in  der
vierten  Abtheilung  an  Stelle  der  Kreise  (§.  26.  zu  b.  des  Gesetzes  vom
30.  Mai  1820.  wegen  Entrichtung  der  Gewerbesteuer  und  Nr.  8.  der
Beilgge  B.  zu  demselben)  die  zu  diesem  Zwecke  zu  bildenden  Veranlagungsbezirke.

Bei  der  ersten  Veranlagung  der  Gewerbesteuer  erfolgt  die  Wahl  der  Abgeordneten
  für  die  Klasse  A.  II.,  sowie  der  Stellvertreter  derselben,  durch
diesenigen  Gewerbetreibenden,  welche  von  der  Kommunalbehörde,  beziehungsweise
  der  Regierung  oder  nach  deren  Anleitung  von  den  derselben
nachgeordneten  Beamten  oder  Kommissarien  (F.  6.)  bezeichnet  werden.
(Absatz  3.  im  F.  11.  des  Gesetzes  vom  19.  Juli  1861.,  betreffend  einige
Abänderungen  des  Gesetzes  wegen  Entrichtung  der  Gewerbesteuer  vom
30.  Mai  1820.)

S.

—
.

S.  I1I.

Die  Zahlung  der  neu  veranlagten  direkten  Steuern  darf  durch  Reklamationen
  nicht  aufgehalten  werden,  muß  vielmehr,  mit  Vorbehalt  der  späteren  Erstattung
  des  zu  viel  Gezahlten,  zu  den  bestimmten  Fälligkeitsterminen  erfolgen.

S.  12.

Die  Erhebung  der  direkten  Steuern  ist  nach  den  Grundsätzen  der  für  die
Provinzen  Rheinland  und  Westphalen  bestehenden  Bestimmungen  zu  ordnen.
(F.  2.  des  Grundsteuergesetzes  für  die  beiden  westlichen  Provinzen  vom  21.  Januar
  1830.,  Gesetz-Samml.  für  1839.  S.  30.,  und  Kabinetsorder  vom  6.  Februar
  18441.,  Gesetz-Samml.  für  1841.  S.  29.)

Bis  dahin,  daß  die  hiernach  zu  treffenden  Einrichtungen  berghelt  sein
werden,  geschieht  die  Erhebung  der  direkten  Steuern  in  der  bisberigen  Weise  mit
den  vom  Finanzminister  anzuordnenden,  durch  die  Eigenthümlichkeiten  der  im  §.  2.
dieser  Verordnung  bezeichneten,  neu  einzuführenden  Steuern  bedingten  Maaßaben.



8  Die  auf  die  Zeit  bis  zum  1.  Juli  1867.  treffenden,  sowie  die  einstweilen
auch  nach  diesem  Zeitpunkt  fortzuentrichtenden,  bestehenden  Steuern  (I.  1.)  sind
zu  den  hergebrachten  Terminen,  dagegen  ist  die  Gebäudesteuer,  die  Klassen=  und
klassifirte  Einkommensteuer,  sowie  die  Gewerbesteuer,  in  Monatsbeträgen  fälli
und  in  den  ersten  acht  Tagen  jeden  Monats  im  Voraus  einzuzahlen.  Icboch
steht  es  den  Pflichtigen  frei,  die  Steuer  auch  für  einen  längeren  Zeitraum  bis
zum  ganzen  Jahresbetrage  im  Voraus  zu  entrichten.

In  Betreff  der  erekutivischen  Beitreibung  verbleibt  es  bis  auf  Weiteres  bei
den  bestehenden  Bestimmungen.

(Nr.  6623.)  S.  13.
        <pb n="724" />
        —  548  —

K.  13.

Bis  die  neu  veranlagten  Steuern  (Gebäudesteuer,  Klassen=  und  klassifizirte
Einkommensteuer,  Gewerbesteuer,  §.  2.  zu  1.  2.  3.)  wirklich  zur  Hebung  gelangen,
sind  die  auf  der  bisherigen  Steuergesetzgebung  beruhenden,  nach  F.  1.  dieser  Verordnung
  aufgehobenen  oder  nach  —  4.  ermäßigten  Steuern  unverändert  fort  zu
entrichten,  vorbehaltlich  einer  Ausgleichung  der  fur  die  Zeit  nach  dem  1.  Juli  1867.
gezahlten  Beträge  mit  den  von  da  ab  zu  entrichtenden  neuen  Steuern.

S.  14.

In  Betreff  der  Verjährung  der  direkten  Steuern  kommen  die  betreffenden
Bestimmungen  des  Gesetzes  vom  18.  Juni  1840.  (Gesetz  Samml.  S.  140.)  nebst
den  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  Bestimmungen
zur  Anwendung.

Reklamationen  wegen  Steuern,  welche  vor  Publikation  der  gegenwärtigen
Verordnung  entrichtet  worden  sind,  sowie  Nachforderungen  wegen  Steuern  aus
dieser  Zeit  müssen,  bei  Verlust  des  Anspruchs,  bis  zum  1.  Juli  1868.  geltend
gemacht  werden.

Für  die  zur  Zeit  der  Publikation  dieser  Verordnung  vorhandenen  Steuerrückstände
  beginnt  die  im  H.  §.  des  gedachten  Gesetzes  festgesetzte  vierjährige  Verjährungsfrist
  mit  dem  1.  Januar  1868.

S.  15.

In  Angelegenheiten  der  Veranlagung  und  Handhabung  der  direkten  Steuern
findet  der  Rechtsweg  nur  insoweit  statt,  als  dies  nach  den  allgemeinen  Grundsätzen
  der  Preußischen  Gesetzgebung  zulässig  ist.

S.  16.

Mit  dem  1.  Juli  1867.  treten  alle,  die  bisherigen  direkten  Steuern  betreffenden
  Schleswig-Holsteinischen  Gesetze  und  Verordnungen,  welche  den  Bestimmungen
  der  gegenwärtigen  Verordnung  entgegenstehen  oder  mit  denselben  nicht
zu  vereinigen  sind,  außer  Kraft.  *!'*'

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt
und  hat  die  zur  Ausführung  derselben  erforderlichen  Anweisungen  zu  erlassen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insigeel.

·  Gegeben  Berlin,  den  28.  April  1867.

(I.  S..  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-  Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerel
(N.  v.  Decker).
        <pb n="725" />
        —  540  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  37.

 

 

(Nr.  0624.)  Geseh,  betreffend  die  Berichtigung  der  in  dem  Vertrage  mit  Seiner  Königlichen
Hoheit  dem  Großherzog  von  Oldenburg  vom  27.  September  1866.
übernommenen  Entschädigung  von  Einer  Million  Thaler.  Vom  19.  Januar
  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.

verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  Unserer  Monarchie,
was  folgt:
F.  1.

Die  in  dem  Vertrage  mit  Seiner  Könlglichen  Hoheit  dem  Großherzog
von  Oldenburg  vom  27.  September  1866.  übernommene  Entschädigung  von
Einer  Million  Thaler  ist  aus  den  Staatseinnahmen  des  Jahres  1866.  zu
berichtigen.

§S.  2.

Der  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten  und  der  Finanzminister
sind  mit  der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt.

Llrbundich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  19.  Januar  1867.

#.  &amp;amp;.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  FIrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzen  plitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6624—6626.)  73  (Nr.  6625.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  6.  Mai  1867.
        <pb n="726" />
        —  550  —

(Nr.  6625.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  von  beiden  Häusern  des  Landtages  ertheilte
Genehmigung  zu  den  drei  Verordnungen  vom  6.  Januar  1866.  wegen
der  Salzsteuer  und  des  Verkehrs  mit  Salz  im  Jadegebiete,  sowic  wegen
der  Erhebung  einer  Nachsteuer  vom  Salz  im  Jadegebiete,  und  wegen  der
Besteuerung  des  inländischen  Branntweins,  sowie  der  Steuervergütung
für  ausgeführten  Branntwein  und  der  Uebergangsabgabe  vom  zollvereinsländischen
  Branntwein  im  Jadegebiete.  Vom  28.  März  1867.

N  die  unter  Vorbehalt  der  Genehmigung  beider  Häuser  des  Landtages
der  Monarchie  zuassene  drei  Verordnungen  vom  6.  Januar  1866.  wegen  der
Salzsteuer  und  des  Verkehrs  mit  Salz  im  Icdegetiet,  ferner  wegen  der  Erhebung
einer  Nachsteuer  vom  Salz  im  Jadegebiete,  und  wegen  der  Besteuerung  des
inländischen  Branntweins,  sowie  der  üueruergltusn  ür  ausgeführten  Branntwein
  und  der  Uebergangsabgabe  vom  zollvereinsländischen  Branntwein  im  Jadegebiete
  (Gesetz=  Samml.  S.  I.  bis  S.)  von  beiden  Häusern  des  Landtages
genehmigt  worden  sind,  wird  dies  hierdurch  bekannt  gemacht.

Berlin,  den  28.  März  1867.

Das  Staatsministerium.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6626.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  der  von  der  -  Berliner
  gemeinnützigen  Baugesellschaft=  in  der  Generalversammlung  vom
31.  Oktober  1866.  beschlossenen  Abänderungen,  beziehungsweise  Ergänzungen
  des  am  28.  Oktober  1848.  bestätigten  Gesellschaftsstatuts  (Gesetz-Samml.
  für  1848.  S.  355.).  Vom  28.  April  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Alerböchsten  Erlasses  vom  31.  März
1867.  die  von  der  „Berliner  gemeinnützigen  Baugesellschaft"  in  der  Generalversammlung
  vom  31.  Oktober  1866.  laut  notariellen  Protokolls  von  demselben
Tage  beschlossenen  Abänderungen,  beziehungsweise  Ergänzungen  des  am  28.  Oktober
  1848.  bestätigten  Gesellschaftsstatuts  (Gesetz=  Samml.  für  1848.  S.  355.)
zu  genehmigen  geruht.
Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  den  genehmigten  Beschlüssen  wird  durch!  das
L
        <pb n="727" />
        —  561  —

Amtsblatt  der  Königlichen  Regierung  zu  Potsdam  und  der  Stadt  Berlin  bekannt
gemacht  werden.
Berlin,  den  28.  April  1867.
Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  Der  Minister  des  Innern.
und  oͤffentliche  Arbeiten.  Gr.  zu  Eulenburg.
Gr.  v.  Itzenplitz.

 

(Nr.  6627.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  1.  April  1867.,  betreffend  die  Verleihung  des  Rechts
zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  dem  für  die  Staats-Chausseen
geltenden  Chausseegeld-Tarif  auf  der  Strecke  von  Oberwesel  nach  Simmern
an  die  Gemeinden  Oberwesel,  Damscheid  und  Wiebelsheim,  im  Kreise
St.  Goar,  und  die  Gemeinden  Pleizenhausen,  Bergenhausen,  Budenbach,
Steinbach,  Kisselbach  -diesseits=  und  Kisselbach  Zjenseits-,  im  Kreise  Simmern,
  Regierungsbezirk  Koblenz.

A#  Ihren  Bericht  vom  26.  März  d.  J.  will  Ich  den  Gemeinden  Oberwesel,
Damscheid  und  Wiebelsheim,  im  Kreise  St.  Goar,  und  den  Gemeinden  Pleizenhausen,
  Pergenhausen  Budenbach,  Steinbach,  Kisselbach  „diesseits““  und  Kisselbach
O#jenseits“)  im  Kreise  Simmern,  Negierungsbeuirt  Koblenz,  für  die  von  denselben
ausgebaute  Kommunalstraße  von  Oberwesel  nach  Simmern,  gegen  Uebernahme
der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße,  das  Recht  zur  Erhebung
des  Chruftergeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal
  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  enschstegich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen
  über  die  Befreiungen)  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden
Wsiichen  Vorschriften,  wie  dese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von
Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  unter  der  Hedingung  verleihen,  daß  diese
Gemeinden  die  von  der  Aufsichtsbehörde  noch  für  erforderlich  erachteten  Verbesserungen
  der  Straße  spätestens  innerhalb  dreier  Jahre  auf  ihre  Kosten  zur
Ausführung  bringen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar
1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chaussee-Polizeivergehen  auf  die.
gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  1.  April  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6626—6628.)  73°  (TNr.  6628.)
        <pb n="728" />
        Zweck  und
Umfang  der  Sozietät.



—  552  —

(Xr.  6628.)  Statut  für  die  Klosterfelder  Meliorations-Sozietät  im  Kreise  Arnswalde.
Vom  8.  April  1867.

Wu  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

verordnen,  Behufs  Melioration  der  Grundstücke  am  Klosterfelder  Mühlenfließ,
dem  Syringfließ  und  Diebelbrucher  Hauptgraben  im  Kreise  Arnswalde,  nach
Anhörung  der  Betheiligten,  dem  Antrage  der  Mehrzahl  gemäß,  auf  Grund  des
kweletes  vom  11.  Mai  1853.  Artikel  2.  (Gesetz-Samml.  für  1853.  S.  182.),
was  folgt:

Um  die  Thäler  am  Klosterfelder  Mühlenfließ  mit  den  Seitenthälern  des
Oyringfließes  und  des  Diebelbrucher  Hauptgrabens  im  Kreise  Arnswalde  durch
Entwässerung  zu  verbessern,  werden  die  Besitzer  dieser  Bruchgrundstücke  zu  einer
Genossenschaft  vereinigt  unter  dem  Namen:

,  Klosterfelder  Meliorations-Sozietät.“

Die  Sozietät  hat  ihren  Sitz  in  Marienwalde.

§.  2.
Das  Meliorationsgebiet  besteht  für  jetzt  und  vorbehaltlich  näherer  Feststellung
  aus  einer  Fläche  von  2270  Morgen  109  Ouadratruthen.

Die  Grundstücke  sind  auf  der  Karte  des  Geometers  Kosack  aus  den  Jahren
1858/59.  verzeichnet  und  gehören  davon:

a)  zur  Feldmark  Klosterfelde  .  .  76  Morgen  159  Quadratruthen,

b)  .Kolonie  Diebelbrucchr  651  —  24  -  «

e)  zum  Königlichen  Domainenvorwerk

Bernse  ..  331  Q  9

d)  zum  HKöniglichen  Domainenamt
Marienwale  .  .  .  .  .  .  .  .  128  41

e)  zur  Kolonie  Hagelfelde  84  144

4))Soringnge  .  .  .  ..  136  86

6)  .  Feldmark  Kölzig  .  ..  31  173

h)  bäuerlichen  Feldmark  Marienwalde  23  141

i)  zum  Dorfe  Bernsee  .  .  .  .  .  .  6  52

 

in  Summa  2270  Morgen  109  Quadratrukhen-
        <pb n="729" />
        —  303  —

g.  3.

Die  Sozietät  hat  die  im  F.  genannten  Flächen  zu  entwässern.

Zu  dem  Ende  hat  dieselbe  die  Regulirung  der  bereits  vorhandenen  Fließe
und  Gräben,  die  Anlage  der  erforderlichen  neuen  Gräben  und  Brücken,  sowie
die  Tieferlegung  der  Klosterfelder  Mühle  nach  dem  Meliorationsplan,  wie  solcher
bei  der  Superrevision  festgesetzt  ist,  zu  bewirken  und  die  genannten  Entwässerungsund
  Brückenanlagen  zu  unterhalten  (conk.  F.  5.).

Die  bestehenden  Verpflichtungen  für  Unterhaltung  der  bereits  vorhandenen
Brücken  werden  hierdurch  nicht  geändert.  Auch  ändert  ein  bloßer  Umbau,  eine
Erweiterung  oder  Verlegung  der  Brücken  nichts  in  diesen  Verpflichtungen,  vorbehaltlich
  der  Entschädigung  für  die  etwanige  Vergrößerung  der  Unterhaltungslast.

Erhebliche  Veränderungen  des  Regulirungsplans,  welche  im  Laufe  der  Ausführung
  nothwendig  erscheinen,  dürfen  nur  mit  Genehmigung  des  Ministers  für
die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  vorgenommen  werden.

KC.  4.

Das  in  den  gemeinschaftlchen  Gräben  fließende  Wasser  darf  ohne  Genehmigung
  des  Vorstandes  von  einzelnen  Mitgliedern  nicht  abgeleitet  oder  aufgestaut
werden.  Dagegen  hat  jeder  Genosse  das  Recht,  die  Aufnahme  des  Wassers,
desen  er  sich  noch  zur  besonderen  Entwässerung  seiner  Grundstücke  entledigen
will,  in  die  Hauptgräben  zu  verlangen.  Die  Zuleitung  in  die  Gräben  darf
aber  nur  an  den  vom  Vorstande  vorzuschreibenden  Punkten  geschehen.

Sollte  sich  während  der  Ausführung  des  Projekts  ergeben,  daß  ein  Grundück
  ohne  Ziehung  eines  Grabens  über  das  Areal  eines  anderen  Besitzers  nach
en  planmäßig  herzustellenden  Gräben  gar  keinen  Vortheil  haben  würde,  so  hat

die  Genossenschaft  diesen  Graben  anzulegen  und  zu  unterhalten.

Die  Entscheidung  darüber,  ob  ein  solcher  Fall  vorliegt,  gebührt  im  Mangel
der  Einigung  dem  Schiedsgerichte  (ctr.  .  19.),  die  Bestimmung  der  Lage  und
Konstruktion  des  Quergrabens  dem  bei  der  Ausführung  zuzuziehenden  Techniker.

Außerdem  hat  die  Sozietät  Seiten-Entwässerungsanlagen,  welche  nur  durch
Zusammenwirken  mehrerer  Grundbesitzer  ausführbar  sind,  zu  vermitteln  und  nöthigenfall
  auf  Kosten  der  speziell  dabei  Betheiligten  durchzuführen,  nachdem  der  Plan
azu  von  dem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  nach  Anbärung
  der  Betheiligten  festgestellt  worden  ist.  Die  Kosten  solcher  neuen  Anlagen,
sowie  der  Unterhaltung  derselben  werden  nach  Maaßgabe  des  Vortheils  von  den
Betheiligten  getragen.  Auch  hat  die  Sozietät  die  Unterhaktung  derartiger  Nebenanlagen
  zu  beaufsichtigen.

Ueber  die  Seitens  der  Sozietät  oder  von  mehreren  Grundbesitzern  gemein-EW
  fortdauernd  zu  unterhaltenden  Anlagen  ist  ein  Lagerbuch  vom  Vorstande
zu  en.

Nr.  66.  .  5.
        <pb n="730" />
        —  554  —

g.  5.
Austringung  Die  Arbeiten  der  Sozietät  werden  unter  Leitung  des  Vorstandes  aus  der
der  Kosen.  Sozietätskasse  ausgeführt.

Die  Beiträge  sind  den  nachstehenden  Bestimmungen  gemäß  zu  leisten.

»  Die  Kosten  der  Regulirung  und  Unterhaltung  des  Klosterfelder  Mühlenfließes
  inkl.  der  betreffenden  Brücken  werden  nur  von  denjenigen  Interessenten
etragen,  welchen  dieselbe  zum  Vortheil  gereicht,  und  zwar  unter  sich  nach  Ver-Hältatg
  dieses  Vortheils.

Dasselbe  gilt  von  der  Regulirung  und  Unterhaltung  des  Syringfließes
sowie  des  Diebehruchtr  Hauptgrabens,  während  die  Kosten  für  Tieferlegung  des
Klosterfelder  Mühlenstaus  von  allen  drei  Gruppen  gemeinschaftlich  getragen
werden.

In  jeder  dieser  drei  Gruppen  werden  drei  Klassen  angenommen,  von

denen  beiträgt:
Klasse  I.  —  3  Theile,
*  II.  —  2  -

".  III.  1  Theil.

Behufs  Feststellung  der  zu  jeder  der  drei  Gruppen  gehörigen  Genossen
und  des  Beitragsverhältnisses  in  den  einzelnen  Gruppen  soll  ein  vom  Sozietätsvorstande
  zu  führendes  Beitragskataster  aufgestellt  werden.

Die  Ausarbeitung  desselben  unter  Zugrundelegung  des  bereits  aufgestellten
Betheiligungsregisters  (Flächenregister)  liegt  dem  Regierungskommissar,  unter
Zuziehung  zweier  unbetheiligten,  von  der  Regierung  zu  ernennenden  Landwirthe,  ob.

Der  Entwurf  des  Katasters  ist  bei  den  Vorständen  der  betheiligten  Gemeinden
  extraktweise  offen  auszulegen  und  zugleich  in  dem  Amtsblatte  der  Regierung
  zu  Frankfurt  a.  d.  O.  eine  vierwöchentliche  Frist  bekannt  zu  machen,  innerhalb
  welcher  dersebe  bei  den  Gemeindevorständen  eingesehen  und  Beschwerde  dagegen
  bei  dem  Regierungskommissarius  erhoben  werden  kann.

Der  Vorstand  hat  die  erhobene  Beschwerde  unter  Zuziehung  des  Beschwerdeführers
  zu  untersuchen  und  zu  entscheiden.

Wird  gegen  diese  Ensscheidung  binnen  vierzehn  Tagen  präklusivischer  Frist
Rekurs  eingelegt,  so  entscheidet  endgültig  die  Regierung  zu  Frankfurt  a.  d.  O.,
welche  nach  Befinden  eine  neue  Lokaluntersuchung  anordnen  kann.

Das  fentgestele  Kataster  wird  von  der  Regierung  zu  Frankfurt  a.  d.  O.
ausgefertigt  und  dem  Vorstande  des  Verbandes  übergeben.  Auch  schon  vor
ges#htellund  des  Katasters  kann  die  Einziehung  von  Beiträgen  mit  Genehmigun
der  genannten  Regierung  nach  der  Fläche  der  betheiligten  Grundstücke  oder  hach
dem  Kataster-Entwurf,  vorbehaltlich  der  späteren  Ausgleichung,  stattfinden.

S.  6.

Eine  Berichtigung  des  Katasters  tritt  ein  im  Falle  der  Parzellirung  und
Besitzveränderung.  Ueb

eber
        <pb n="731" />
        –555  —

Ueber  den  Antrag  auf  Berichtigung  des  Katasters  aus  diesem  Grunde  entscheidet
  der  Vorstand.

Wenn  fünf  Jahre  nach  der  ersten  Ausstellung  des  Katasters  verflossen

sind,  kann  auf  Antrag  des  Vorstandes  eine  allgemeine  Revision  des  Katasters
von  der  Regierung  zu  Frankfurt  a.  d.  O.  angeordnet  werden.

S.  7.

Die  Verbindlichkeit  zur  Entrichtung  der  Beiträge  für  die  Anlage  und
Unterhaltung  ruht  gleich  den  sonstigen  gemeinen  Lasten  und  Abgaben  als  Reallast
  unablöslich  au  den  verpflichteten  Grundstücken  und  bedarf  keiner  hypothekarischen
  Eintragung.

Die  Beiträge  sind  auf  das  Ausschreiben  des  Vorsitzenden  des  Vorstandes
in  den  darin  zu  bezeichnenden  Terminen  zur  Kasse  der  Sozietät  bei  Vermeidung
der  administrativen  Exekution  einzuzahlen.

Innerhalb  der  Gemeinde  bewirken  deren  Vorstände  die  Einziehung  und
Abführung  zur  Kasse.

Die  Exekution  findet  auch  statt  gegen  Pächter,  Nutznießer,  oder  andere  Besitzer
  der  verpflichteten  Grundstücke,  vorbehaltlich  ihres  Regresses  an  die  eigentlich
Verpflichteten.

Bei  Besitzveränderungen  kann  sich  die  Sozietät  Such  an  den  im  Kataster
genannten  Eigenthümer  so  lange  halten,  bis  ihm  die  Besitzveränderung  zur  Bepih
  des  Katasters  angezeigt  und  so  nachgewiesen  ist,  daß  die  Berichtigung
erfolgen  kann.

g.  8.

Der  Sozietät  wird  zur  vollständigen  Ausführung  des  Meliorationsplans  zrsdas
  Recht  kar  Expropriation  verliehen.  Insbesondere  ist  die  Sozietät  berechtigt,o
gegen  Entschädigung  zu  fordern:

1)  die  Aufhebung  und  Veränderung  von  Stauwerken  und  Schleusen,
2)  den  zeitweisen  Stillstand  von  Mühlen,
3)  die  Abtretung  des  erforderlichen  Grund  und  Bodens,
4)  die  Fortnahme  von  Bäumen  und  Sträuchern,
5)  die  Einräumung  einer  Servitut  und  die  vorübergehende  Benutzung  von
Grundstücken.
Die  Genossen  haben  der  Sozietät  von  ihren  Grundstücken  diejenigen  Flächen,

welche  zum  Bau  der  gemeinschaftlichen  Anlagen  erforderlich  sind,  ohne  Entschädigung
  abzutreten.

Jedoch  sollen  die  bei  Regulirung  und  Geradeltgung  der  Fließe  und  Gräben
trocken  gelegten  Grabenstrecken  denjenigen  als  Ersatz  übereignet  werden,  welche  zur
Herstellung  der  gerade  gelegten  Gräben  Land  abgetreten  haben.

(Tr.  6628.)  Im
        <pb n="732" />
        Innere
fassung.

—  556  —

Im  Falle  aus  diesem  Verfahren  für  den  Einzelnen  eine  offenbare  und  erbebliche
  Härte  erwächst,  soll  eine  billige  Vergütigung  gewährt  werden.
Streitigkeiten  hierüber  werden,  mit  Ausschluß  des  Rechtsweges,  schiedsrichterlich
  entschieden.
§.  9.

Das  Expropriationsverfahren,  welches  erst  dann  eintritt,  wenn  eine  gütliche
Einigung  zwuschen  den  Interessenten  nicht  erreicht  wird,  leitet  die  Regierung  zu
Frankfurt  a.  d.  O.  nach  den  Vorschriften  des  Gesetzes  über  die  Benutzung  der
Privatflüsse  vom  28.  Februar  1843.

S.  10.
An  der  Spitze  der  Sozietät  steht  ein  Vorstand,  bestehend  aus  einem  Vorsitzenden

  und  vier  Mitgliedern.  Ihr  Amt  ist  ein  Ebrenamt.

S.  11.

Stehendes  Mitglied  und  Vorsitzender  des  Vorstandes  ist,  wenn  die  Regierung
  nicht  etwa  ausnahmsweise  einen  anderen  Vorsitzenden  ernennt,  der  Pächter
der  Domaine  Marienwalde,  welcher  sich  selbst  einen  Stellvertreter  zu  ernennen  hat.

Die  übrigen  Vorstandsmitglieder  und  für  jeden  ein  Stellvertreter  werden
auf  sechs  Jahre  gewählt  und  zwar  je  einer  aus  den  Klosterfelder,  Diebelbrucher,
Hagelfelder  und  Syringer  Interessenten.

Alle  drei  Jahre  scheidet  die  Hälfte  aus  und  wird  durch  Neuwahl  ersetzt.
Die  das  erste  Mal  ausscheidenden  zwei  Mitglieder  und  Stellvertreter  werden  durch
das  Loos  bestimmt.

Die  Wiederwahl  der  Ausscheidenden  ist  zulässig.

Wählbar  ist  jeder  großjährige  Genosse  des  Verbandes,  welcher  den  Vollbesitz
  der  bürgerlichen  Rechte  nicht  durch  richterliches  Erkenntniß  verloren  hat.

Wählbar  sind  auch  die  Pächter,  Verwalter  und  Generalbevollmächtigten
derjenigen  Genossen,  welche  selbst  wählbar  sind.

Die  Wirkung  der  Wahl  erlischt  mit  dem  Aufhören  der  Wählbarkeit.

Die  Stellvertreter  nehmen  in  Behinderungsfällen  des  Vorstandsmitgliedes
dessen  Stelle  ein.

Außerdem  tritt,  wenn  ein  Vorstandsmitglied  woährend  seiner  Wahlzeit  stirbt,
oder  aus  dem  Genossenschaftsgebiet  verzieht,  dessen  Stellvertreter  für  die  dauernde
Wahlperiode  ein.

Eine  Ersatzwahl  findet  nur  statt,  wenn  außer  dem  Vorsitzenden  nicht  noch
zwei  Mitglieder  oder  Stellvertreter  vorhanden  sind.

KC.  12.

Stimmfähig  bei  der  Wahl  ist  jeder  großjährige  Besitzer  eines  zur  Sozietät
gehörigen  Grundstücks  von  wenigstens  Einem  Morgen,  welcher  mit  seinen  Beiträgen
        <pb n="733" />
        —  557  —

trägen  zur  Sozietätskasse  nicht  im  Rückstande  und  im  Vollbesitz  der  bürgerlichen
Rechte  ist.  Das  Stimmrecht  von  Frauen  und  Minderjährigen  darf  nur  durch
die  gesetzlichen  Vertreter  resp.  durch  Bevollmächtigte  ausgeübt  werden.  Gehört
ein  Grundstück  mehreren  Genossen  gemeinschaftlich,  so  kann  nur  Einer  derselben
im  Auftrage  der  übrigen  das  Stimmrecht  ausüben.

Die  Liste  der  Wähler  wird  vom  Vorsitzenden  mit  Hülfe  der  Gemeindevor—
steher  aufgestelt.  Dieselbe  wird  je  drei  Tage  lang  ertraktweise  in  jedem  Schulzenamte
  der  bei  der  Melioration  betheiligten  Gemeinden  mit  Ausnahme  des  Dorfes
Bernsee  ausgelegt.

Während  dieser  ganzen  Zeit  kann  jeder  Betheiligte  gegen  die  Richtigkeit  der
Liste  Einwendungen  bei  dem  Vorsitzenden  erheben,  deren  Entscheidung  dem  Vorstande
  zusteht.

Der  Wahltermin  wird  von  dem  Vorsitzenden  abgehalten,  jedoch  ist  derselbe
befugt,  hiermit  ein  anderes  Mitglied  des  Vorstandes  zu  beauftragen.

Die  Wahl  geschieht  nach  Stimmenmehrheit.  Jeder  Genosse,  der  zwanzig
Morgen  und  weniger  (jedoch  mindestens  Einen  Morgen)  in  der  Meliorationsfläche
besitzt,  hat  Eine  Stimme,  jeder  Genosse,  der  vierig  Morgen  und  weniger  besitzt,
hat  zwei  Stimmen  und  so  fort  bei  jeden  zwanzig  Morgen  größeren  Besitzes  Eine
Stimme  mehr.

Im  Uebrigen  sind  bei  dem  Wahlverfahren,  sowie  in  Betreff  der  Verpflichtung
  zur  Annahme  unbesoldeter  Stellen  die  Vorschriften  über  Gemeindewahlen
analogisch  anzuwenden.

F.  13.

Der  Vorstand  versammelt  sich  alle  Jahre  regelmäßig  zur  Frühjahrs=  und
Herbst-Grabenschau  im  Mai  und  Oktober,  um  die  Jahreirchnun  abzunehmen
und  die  nothwendigen  Beschlüsse  zu  fassen.

Im  Falle  der  Nothwendigkeit  kann  der  Vorsitzende  außerordentliche  Versammlungen
  berufen.

Die  Zusammenberufung  erfolgt  unter  Angabe  des  Gegenstandes  der  Verhandlung.
  Mit  Ausnahme  dringender  Fälle  un  dieselbe  wenigstens  sieben  freie
Tage  vorher  erfolgen.

Wer  am  Erscheinen  verhindert  ist,  hat  die  Vorladung  seinem  Stellvertreter
mitzutheilen.

Der  Vorstende,  welcher  bei  Stimmengleichheit  die  entscheidende  Stimme
hat,  beruft  die  Versammlungen,  leitet  die  Verhandlungen  und  handhabt  die
Ordnung  in  den  Sitzungen.

.  14.

Der  Vorstand  hat  über  alle  Angelegenheiten  der  Sozietät  nach  Stimmenmehrheit
  zu  beschließen,  soweit  nicht  der  H.  15.  gewisse  Angelegenheiten  dem  Vorsitzenden
  allein  überweist.

Die  Beschlüsse  des  Vorstandes  verpflichten  dit  Sozietät.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6628.  7  Der
        <pb n="734" />
        —  558  —

Der  Vorstand  ist  nur  beschlußfähig,  wenn  wenigstens  zwei  Mitglieder  oder
Stellvertreter  außer  dem  Vorsitzenden  anwesend  sind.  Eine  Ausnahme  hiervon
findet  statt,  wenn  der  Vorstand,  zum  dritten  Male  zur  Verhandlung  über  denselben
  Gegenstand  berufen,  dennoch  nicht  in  genügender  Anzahl  erschienen  ist.
Bei  der  dritten  Zusammenberufung  muß  auf  diese  Bestimmung  ausdrücklich  hingewiesen
  werden.

Die  Beschlüsse  und  die  Stimmen  der  in  den  Versammlungen  erwesend
gewesenen  Mitglieder  werden  in  ein  besonderes  Buch  eingetragen,  auch  von  dem
Vorsitzenden  und  wenigstens  einem  Mitgliede  der  Versammlung  vollzogen.

Die  Ausführung  der  Beschlüsse  des  Vorstandes  erfolgt  durch  den  Vorsitzenden.
  Der  Vorstand  ist  aber  berechtigt,  von  der  Ausführung  der  Beschlüsse
sich  Ueberzeugung  zu  verschaffen.  Beschlüsse  des  Vorstandes,  welche  der  Vorsitzende
für  gesetzwidrig  oder  dem  Gemeinwohl  nachtheilig  erachtet,  hat  derselbe  zu  beanstanden
  und  die  Entscheidung  der  Regierung  einzuholen.

S.  15.
Der  Vorsitzende  führt  die  Gesammtverwaltung,  vertritt  die  Sozietät  nach
Außen  und  handhabt  die  örtliche  Polizei  zum  Schutz  der  Anlagen.
Insbesondere  hat  derselbe:

1)  für  die  erste  Ausführung  der  Anlagen,  unter  Assistenz  des  vom  Staate
u  remunerirenden  Negirungskommissorius,  sowie  für  die  spätere  Unterhaltung
  der  Anlagen  Sorge  zu  tragen,

2)  die  Meliorations-Kassenbeiträge  nach  den  Beschlüssen  des  Vorstandes
auszuschreiben  und  von  den  Säumigen  im  Wege  der  administrativen
Exekution  einzuziehen,  die  Zahlungen  auf  die  Kasse  anzuweisen  und  diese
zu  revidiren;

3)  die  Voranschläge  und  Jahresrechnungen  dem  Vorstande  in  den  Frühjahrsversammlungen
  vorzulegen;

4)  die  halbjährige  Grabenschau  mit  dem  Vorstande  abzuhalten;

5)  den  Schriftwechsel  für  die  Sozietät  zu  führen  und  die  Urkunden  derselben
zu  unterzeichnen;

6)  Strafen  gegen  die  Mitglieder  der  Sozietät  wegen  Uebertretung  der  im
Interesse  der  Sozietät  erlassenen  polizeilichen  Vorschriften  bis  zu  drei
Thalern  Geldbuße  nach  dem  Gesetze  vom  14.  Mai  1852.  (Gesetz-Samml.
für  1852.  S.  245.)  vorläufig  festzusetzen.

Die  vom  Vorsitzenden  allein,  nicht  vom  Polizeirichter,  festgesetzten  Geldstrafen
  fließen  zur  Sozietätskasse.

C.  16.
Die  Genehmigung  der  Regierung  ist  erforderlich:

a)  zu  den  Projekten  über  den  Bau  neuer  Anlagen,
b)  zu
        <pb n="735" />
        —  560  —

b)  zu  Anleihen,
e)  zur  Veräußerung  von  Grundstücken  der  Sozietät.

S.  17.

Die  Verwaltung  der  Meliorationskasse  ist  vom  Vorstande  einem  Rendanten
zu  übertragen,  welcher  vom  Vorsitzenden  durch  Humschlage  Eidesstatt  in  einer
Versammlung  des  Vorstandes  verpflichtet  wird.  Das  Amt  des  Rendanten  ist
gleichfalls  ein  Ehrenamt.  Eventuell  hat  der  Vorstand  über  dessen  Remuneration
Bechluß  zu  fassen,  resp.  die  Bestimmung  der  Regierung  einzuholen.

S.  18.

An  den  von  der  Sogzietät  zu  unterhaltenden  Hauptentwässerungszügen  Beschräukunmüssen
  drei  Fuß,  vom  oberen  Rande  der  Böschung  ab  gerechnet,  unbeackert  und  en  der  Aemit
  dem  Weidevieh  verschont  bleiben.  Auch  Bäume  und  Hecken  dürfen  auf  die.
ser  Fläche  nicht  geduldet  werden.

Bei  der  Räumung  müssen  die  Eigenthümer  der  angrenzenden  Grundstücke
den  Auswurf,  dessen  Eigenthum  ihnen  dagegen  zufällt,  aufnehmen  und  binnen
vier  Wochen  nach  der  Räumung  —  wenn  aber  die  Räumung  vor  der  Erndte
geschieht,  binnen  vier  Wochen  nach  der  Erndte  —  bis  auf  Eine  Ruthe  Entfernung
  von  dem  Borde  wegschaffen.

Aus  besonderen  Gründen  kann  der  Vorsitzende  diese  Frist  verlängern.

Ausnahmen  von  den  Bestimmungen  dieses  Paragraphen  können  in  einzelnen
  Fällen  vom  Vorstande  mit  Genehmigung  der  Regierung  gestattet  werden.
Die  Grasnutzung  bis  zum  Wasserspiegel  behalten  die  Wisänenten.

K.  10.

Streitigkeiten  zwischen  Mitgliedern  der  Sozietät  über  das  Eigenthum  von  Vorfohren  bei
Grundstücken,  über  die  Zuständigkeit  oder  den  Umfang  von  Grundgerechtigkeiten  Streitigkeiten.
und  über  besondere,  auf  speziellem  Rechtstitel  beruhende  Rechte  oder  Verbindlichkeiten,
  Lehören  zur  Entscheidung  der  ordentlichen  Gerichte.

agegen  werden  alle  anderen,  die  gemeinsamen  Angelegenheiten  der  Sozietät
oder  die  vorgebliche  Beeinträchtigung  eines  Genossen  betreffenden  Beschwerden  von
dem  Vorstande  untersucht  und  entschieden,  soweit  sie  nicht  vorstehend  an  eine  andere
Behörde  verwiesen  sind.

Gegen  die  Entscheidung  des  Vorstandes  steht  jedem  Theile  der  Rekurs  an
ein  Schiedsgericht  frei,  welcher  binnen  zehn  Tagen,  von  der  Bekanntmachung  des
Bescheides  an  gerechnet,  beim  Vorstande  angemeldet  werden  muß.

Das  Schiedsgericht  besteht  aus  einem  Vorsitzenden  und  zwei  Beisitzern.
1  entscheidet  nach  Stimmenmehrheit.  Ein  weiteres  Rechtsmittel  6bn
nicht  statt.

Die  Schiedsrichter  werden  vom  Vorstande  auf  drei  Jahre  gewählt.
Wählbar  ist  jeder  Inländer,  der  in  seiner  Gemeinde  zu  öffentlichen  Gemeindeämtern
  wählbar  und  nicht  Mitglied  der  Sozietät  ist.

(r.  6528.)  S.  20.
        <pb n="736" />
        —  560  —

d.  20.

Die  vollendeten  gemeinschaftlichen  Anlagen  müssen  vom  Kommissarius  der
Regierung  zu  Frankfurt  a.  d.  O.  unter  Zuziehung  eines  Bautechnikers  abgenommen
werden.

S.  21.

Die  Sozietät  ist  dem  Ober-Aufsichtsrechte  des  Staates  unterworfen.  Dieses
Recht  wird  von  der  Regierung  zu  Frankfurt  a.  d.  O.  als  Landes-Polizeibehörde
und  dem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  gehandhabt  in
dem  Umfange  und  mit  den  Befugmisen,  welche  den  Aufsichtsbehörden  der  Gemeinden
  zustehen.

F.

Aenderungen  der  Bestimmungen  dieses  Statuts  können  nur  mit  landesherrlicher
  Genehmigung  erfolgen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  8.  April  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Für  den  Minister  für  die
irthschaftlichen  Angelegenheiten:

Gr.  zur  Lippe.  Gr.  v.  Itzenplitz.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

 

erlin,  gedruckt  in  ber  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="737" />
        —  661  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  38  —

 

(Nr.  6629.)  Konzessions=  und  Bestaͤtigungsurkunde  für  die  Märkisch-Posener  Eisenbahn.
Gesellschaft.  Vom  25.  März  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  urc

Nachdem  sich  zur  Herstellung  einer  Eisenbahn  von  Frankfurt  a.  d.  O.  über
Sternberg  und  Schwiebus  nach  Posen  mut  einer  abweigung  von  Bentschen
über  Züllichau  und  Crossen  nach  Guben  eine  Aktiengesellschaft  gebildet  hat,  wollen
Wir  zum  Bau  und  Betriebe  dieser  Eisenbahn  Unsere  landesherrliche  Genehmigun
hierdurch  ertheilen,  auch  das  Uns  vorgelegte,  am  15.  Dezember  1866.  notarie
vollzogene  Statut  hiermit  lundesheruich  bestätigen.

Zugleich  bestimmen  Wir,  daß  die  in  dem  Gesetze  über  die  Eisenbahn.
Unternehmungen  vom  3.  November  1838.  ergangenen  Vorschriften  über  die  Expropriation
  auf  dieses  Unternehmen  Anwendung  finden  sollen.

Die  gegenwärtige  Genehmigunge.  und  Bestätigungsurkunde  ist  mit  dem
Statute  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen.

Lurtandih  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  25.  März  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6629.)  Sta-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  11.  Mai  1867.
        <pb n="738" />
        Statut

der
Märkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft.

A.
Allgemeine  Bestimmungen.

K.  1.

Name  und  Unter  der  Benennung  „Märkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft“  wird  eine
Zucck  der  Ge-  Akiengesellshaft  errichtet,  welche  den  Bau,  die  vollständige  Ausrüstung  und  den

 

KassotBetrieb  einer  von  der  Allerhöchsten  Bestätigung  dieses  Statuts  in  län
Jahren  zu  vollendenden  Eisenbahn  von  Frankfurt  an  der  Oder  über

ens  vier
ternberg.

und  Schwiebus  nach  Posen  mit  einer  Abzweigung  von  Bentschen  über  Züllichau

und  Crossen  nach  Guben  zum  Zweck  hat.

d.  2.
Art  der  Be-  Die  Gesellschaft  wird  die  Transporte  auf  der  Bahn  durch  Dampfwagen
nuhung.  auf  eigene  Rechnung  betreiben,  auch,  soweit  sie  es  ihrem  Interesse  gemäß  findet,
oder  gesetzlich  dazu  verpflichtet  ist,  Anderen  die  Benutzung  der  Bahn  zu  Personenund

  Gütertransporten  gegen  Entrichtung  eines  bestimmten  Bahngeldes  gestatten.

Sie  kann  auch  unter  Genehmigung  des  Handelsministers  einer  anderen
Eisenbahnverwaltung  den  gesammten  Betrieb  der  Bahn  durch  besonderen  Vertrag

überlassen.

Sollte  in  Folge  weiterer  Vervollkommnung  in  den  Transportmitteln  eine
noch  bessere  und  wohlfeilere  Förderung  der  Transporte,  als  auf  Eisenschienen  und
mittelst  Lokomotiven,  möglich  werden,  so  kann  die  Gesellschaft  auch  das  neue
Beförderungsmittel,  vorbehaltlich  der  Genehmigung  des  Staats,  herstellen  und

benutzen.
g.  3.
Bahnlinle  Die  Bahnlinie  hat  das  Königliche  Ministerium  für  Handel,  Gewerbe  und
und  Bauplan.  öffentliche  Arbeiten  festzustellen;  auc

speziellen  Bauprojekte  und  Anschläge.

unterliegen  der  Genehmigung  desselben  die

Von
        <pb n="739" />
        —  663  —

Von  dem  fesigestellen.  Bauplane  darf  nur  unter  besonderer  Genehmigung
des  vorbezeichneten  Ministeriums  abgewichen  werden.

KC.  4.
Das  Domizil  der  Gesellschaft  und  der  Sitz  ihrer  Verwaltung  ist  Guben.  0  Pail  d
KG.  5.

Das  zum  Bau  der  Märkisch-Posener  Eisenbahn  nebst  Zubehör,  zur  An-  Joos  der
gibaftn  des  Betriebsmaterials  nebst  Zubehör,  zur  Bestreitung  der  Generalkosten  Gesellcheft.
ein  lelich  der  Kosten  der  Vorarbeiten,  sowie  zur  Verzinsung  der  Aktien  bis
-  im  F.  23.  bestimmten  Zeitpunkte  erforderliche  Kapital  der  Gesellschaft

esteht:
in  einem  Grundkapital  von  14,500,000  Thalern  Preußich  Kurant,  in
Worten:  vierzehn  Millionen  fünfhundert  Tausend  Thalern  Preußisch
Kurant,  oder  2/175,000  Pfund  Sterling,  in  Worten:  zwei  Millionen
Einhundert  fünf  und  siebenzig  Tausend.  #emd  Sterling,
und  wird  aufgebracht:
1)  durch  72,500  Stück  Stammaktien  zu  je  100  Rthlr.  oder  15  PMd.  Sterl.,
giebt  ..  .  .  .  ..  7,250000  Rthlr.  =  1,087,500  Pfd.  Sterl.
2)  durch  36,250  Stück  Stamm-Prioritätsaktien
  zu  je  200
Rhhlr.  oder  30  PMd.  Sterl.,

 

gie  t  EEEEE  7,250,000  *-  —  1,087,500  *  2
in  Summa  =  14,500,000  Rthlr.  =  2),175,000  Pfd.  Sterl.
g.  6.

Nach  Ablauf  des  ersten  Betriebsjahres  wird  zunächst  ein  Reservefonds  Reservefonds.
gebildet.  Derselbe  ist  bestimmt  zur  Deckung  der  in  außerordentlichen  Fällen
nõthigen  Ausgaben  und  der  Kosten  der  Vermehrung  der  Betriebsmittel,  welche
na  blauf  des  ersten  Betriebsjahres  nothwendig  befunden  wird.

Diesem  Reservefonds  werden  überwiesen:
a)  der  Betrag  derjenigen  Zinsen  und  Dividenden,  die  nicht  rechtzeitig  erhoben
und  deshalb  gemäß  F.  25.  zu  Gunsten  der  Gesellschaft  verfallen  sind;
b)  ein  Zuschuß  aus  den  Betriebseinnahmen,  der  vom  Verwaltungsrathe  nach
Bedürfniß  fesnzesett  wird,  aber  pro  anno  nicht  mehr  als  ein  Zehntheil
Prozent  des  Anlagekapitals  der  Gesellschaft  betragen  soll,  insofern  der
Verwaltungsrath  nicht  mit  Zustimmung  der  vorgesetzten  Staatsbehörde
eine  Erhöhung  für  nöthig  erachtet;
Ic)  der  nach  vollständigem  Ausbau  und  vollständiger  Ausrüstung  der  Bahn
verbleibende  Rest  des  Bau=  und  Betriebskapitals.
(Nr.  6629.)  75“  Hat
        <pb n="740" />
        —  564  —

Hat  der  Reservefonds  die  Summe  von  250,000  Thalern  Preuß.  Kurant,
in  Worten:  zweihundert  und  funfzig  Tausend  Thaler  Preußisch  Kurant,  erreicht,
so  braucht  er  bloß  auf  dieser  Höhe  erhalten  zu  werden,  und  es  erfolgen  Zuschüsse
nur  dann,  wenn  eine  Verminderung  eingetreten  ist.

So  lange  der  Reservefonds  in  voller  Höhe  vorhanden  ist,  fließen  die  nicht
erhobenen  Zinsen  und  Dividenden,  sowie  die  Zinsen  des  Reservefonds  selbst,  zum
Amortisationsfonds  (§.  8.)  und  nach  dessen  Auflösung  in  die  Betriebskasse.

KS.  7.
Erneuerungs=  Ferner  wird  nach  Ablauf  des  ersten  Betriebsjahres  noch  ein  Erneuerungssonds.
  fonds  gebildet,  welcher  bestimmt  ist  zur  Bestreitung  der  Kosten  der  Exneuerung

von  Schienen,  Schwellen  und  der  kleinen  Eisentheile  des  Oberbaues  der  Eisenbahn
  mit  Einschluß  der  Weichen,  sowie  der  Erneuerung  der  Lokomotiven  nebst
Tendern  und  der  Wagen  aller  Art.

Zu  diesen  Erneuerungen  sind  insbesondere  zu  rechnen:

1)  bei  Lokomotiven  und  Tendern  die  Auswacchselung  der  Feuerkasten,  Kessel,
Cylinder,  Siederöhren,  Federn,  Achsen,  Räder,  Radreifen,  ganzer  Wasserbehälter
  und  Bremsen;

2)  bei  den  Wagen  die  Auswechselung  von  ganzen  Kasten,  Federn,  Achsen,
Rädern,  Radreifen,  Bremsen  und  der  Umbau  des  Innern  ganzer  Koupés.

Alle  diese  Erneuerungen  sind  jedoch  nur  dann  aus  dem  Erneuerungsfonds
zu  bestreiten,  wenn  sie  durch  Abnutzung  nöthig  werden,  nicht  aber,  wenn  sie  den
Bauunternehmern,  Lieferanten  u.  s.  w.  zur  Last  fallen.

Dem  Erneuerungsfonds  werden  überwiesen:

a)  die  Einnahmen  aus  dem  Verkaufe  alter  Materialien  des  Oberbaues  und
der  Betriebsmittel,

b)  ein  Zuschuß  aus  den  Betriebseinnahmen,  der  nach  Prozentsätzen  von  dem
Werthe  der  Schienen  und  Schwellen  und  von  dem  Werthe  der  Lokomotiven,
  Tender  und  Wagen  zu  berechnen  ist.

Diese  Prozentsätze  normirt  der  Verwaltungsrath  nach  Bedürfniß  von  fünf
bis  zu  fünf  Jahren  mit  Genehmigung  der  vorgesetzten  Staatsbehörde.

Wenn  der  Erneuerungsfonds  derartig  angewachsen  ist,  daß  der  Handelsminister
  eine  weitere  Verstärkung  desselben  einstweilen  nicht  für  erforderlich  erachtet,
  so  dürfen  die  unter  u.  benannten  Einnahmen,  sowie  die  Zinsen  des  Erneuerungsfonds
  selbst,  mit  Zustimmung  des  Handelsministers  zum  Amortisationss#nds
  (I.  S.)  und  nach  dessen  Auflösung  zur  Betriebskasse  vereinnahmt  werden.

l.  8.
#mortisations.  Die  Stamm  Prioritätsaktien  (§.  5.  Nr.  2.)  unterliegen  der  Amortisation.
fonds.  Behufs  derselben  wird  nach  dem  Ablaufe  des  ersten  Betriebsjahres  ein  Amortisationsfonds

  gebildet,  welcher  dazu  bestimmt  ist,  die  sämmtlichen  Stamm  Prioritäts-
        <pb n="741" />
        —  565  —

tätsaktien  allmälig  einzuziehen  und  zu  vernichten,  und  daher  geschlossen  wird,
sobald  dieser  Zweck  erreicht  ist.

Dan  Amortisationsfonds  werden  überwiesen:

1)  die  nicht  erhobenen  Zinsen  und  Dividenden,  welche  nach  F.  25.  zu  Gunsten
der  Gesellschaft  verfallen  sind,  sowie  die  Zinsen  des  Reservefonds,  beide
jedoch  nur  in  dem  Falle,  wenn  der  Reservefonds  in  voller  Höhe  vorhanden

  ist  (§.  6.)

2)  die  Einnahmen  aus  dem  Verkaufe  alter  Materialien  des  Oberbaues  und
der  Betriebsmittel  und  die  Zinsen  des  Erneuerungsfonds,  wenn  dieser  so
weit  angewachsen,  daß  der  Handelsminister  eine  weitere  Verstärkung
desselben  einstweilen  nicht  für  erforderlich  erachtet  (§.  7.);

ein  Drittel  des  Ueberschusses,  welcher  von  dem  nach  §.  23.  zu  ermittelnden
  Restbetrage  des  Reinertrages  alljährlich  verbleibt,  nachdem  die  Inhaber
  der  Stamm-Prioritätsaktien  fünf  Prozent  des  Nominalbetrages
ihrer  Aktien  und  die  Inhaber  der  Stammaktien  sechs  und  zwei  Drittel
(63)  Prozent  des  Nominalbetrages  ihrer  Aktien  erhalten  haben.

#

Es  bleibt  dem  Verwaltungsrathe  das  Recht  vorbehalten,  unter  Genehmigung
  des  Handelsministers  den  Amortisationsfonds  durch  Erhöhung  der  Quote
des  Ueberschusses  ad  3.  zu  verstärken  und  dadurch  die  Tilgung  der  Stamm-Prioritätsaktien
  zu  beschleunigen.

Die  Einlösung  der  Stamm  Prioritätsaktien  wird  entweder  durch  den  Ankauf
  an  der  Börse  bis  zum  Nominalwerthe,  oder  in  Folge  der  Kündigung  durch
Zahlung  des  Nominalwerthes,  je  nach  den  Mitteln  des  Amortisationsfonds,  bewirkt.
  Die  Nummern  der  zu  kündigenden  und  zu  amortisirenden  Stamm  Prioritätsaktien
  werden  durch  das  Loos  in  einer  alljährlich  im  April  abzuhaltenden
Versammlung  des  Verwaltungsrathes  unter  Zuziehung  eines  das  Protokoll  aufnehmenden
  Notars  bestimmt  und  sind  darauf  nach  einer  wenigstens  zwei  Monate
vorher  ergangenen  öffentlichen  Anzeige  der  ausgeloosten  Nummern  am  nächsten
1.  Juli  fallig.

Die  Auszahlung  der  ausgeloosten  Stamm-Prioritätsaktien  erfolgt  von
dem  dazu  bestimmten  Tage  ab  aus  der  Gesellschaftskasse  nach  dem  Nominalwerthe
  an  den  Vorzeiger  dieser  Aktien  gegen  Auslieferung  derselben.

Mit  dem  festgesetzten  Zahlungstage  hört  die  Verzinsung  der  ausgeloosten
Stamm  BPrioritätsaktien  auf.  Die  Kupons  über  die  noch  nicht  abgehobenen
Zinsen  und  der  Talon  sind  mit  der  ausgeloosten  Prioritätsaktie  gleichzeitig  zu
übergeben.  Geschieht  dies  nicht,  so  wird  der  Betrag  der  fehlenden,  noch  nicht
fälligen  Zinskupons  von  dem  Kapitale  gekürzt,  um  zur  Einlösung  dieser  Kupons
vorkommenden  Falles  zu  dienen.

Die  fällig  erklärten  und  eingelösten  Stamm  Prioritätsaktien  und  die  noch
nicht  fälligen  Kupons  werden  unter  Beachtung  der  oben  wegen  der  Verloosung
vorgeschriebenen  Form  verbrannt,  und  über  die  Ausführung  der  Tilgung  wird
dem  betreffenden  Eisenbahnkommissariate  alljährlich  ein  Nachweis  vorgelegt.

(Nr.  6629.)  Die
        <pb n="742" />
        —  666  —

Die  Nummern  der  zur  Rückzahlung  fälligen,  nicht  zur  Einlösung  vor-Heeigten
  StummPriorttätsaktien  werden  jährlich  während  zehn  Jahre  von  dem
erwaltungsrathe  Behufs  Empfangnahme  der  Zahlung  offentlich  aufgerufen.
Die  Aktien,  welche  nicht  innerhalb  eines  Jahres  nach  dem  letzten  öffentlichen
Aufrufe  zur  Einlösung  vorgezeigt  werden,  sind  werthlos,  was  unter  Angabe  der
werthlos  gewordenen  Nummern  alsdann  von  dem  Verwaltungsrathe  öffentlich
bekannt  zu  machen  ist.  Die  Gesellschaft  hat  wegen  solcher  Stamm-Prioritätsaktien
  keinerlei  Ver  slichtung  mehr,  doch  kann  sie  deren  gänzliche  oder  theilweise
Bezahlung  vermittelst  eines  Beschlusses  der  Generalversammlung  aus  Billigkeitsgründen
  gewähren.
F.  9.

Brbältaiß  Die  Verhältnisse  der  Gesellschaft  zum  Staate  werden,  außer  durch  die
16%  Bllanst  bestehenden  und  noch  zu  erlassenden  Gesetze,  im  Allgemeinen  durch  die  zu  ertheilende
  landesherrliche  Konzession  und  das  gegenwärtige  Statut  bestimmt.  Insbesondere

  aber  bleibt

1)  dem  Staate  vorbehalten:

a)  die  Genehmigung  des  Bahngeldtarifs  und  des  Frachttarifs,  sowohl
für  die  Güter,  als  für  den  Personenverkehr,  sowie  jeder  Abänderung
der  Tarife;

5o)  die  Genehmigung,  nöthigenfalls  auch  die  Abänderung  des  Fahrplans;

Jc)  die  Bestätigung  der  Wahl  des  blere  Administrationsbeamten
(Spezialdirektors)  und  des  obersten  technischen  Beamten  (Oberingenieurs
  resp.  Betriebsdirektors),  welcher  die  formelle  Qualifikation
#m  Bauinspektor  besitzem  muß,  sowie  die  Genehmigung  der  diesen

eiden  Beamten  zu  ertheilenden  Geschiftsinstruktionen  Auch  die
Qualifikation  des  die  Bauausführung  leitenden  Ingenieurs  unterliegt
  der  Prüfung  des  Handelsministers.

2)  Zur  Ausführung  der  Bestimmung  über  die  Benutzung  der  Eisenbahn  1
militairischen  Zwecken  (Gesetz  Samml.  für  1843.  S.  373.)  ist  die  Gesellschaft
  verpflichtet,  sowohl  sich  den  Bestimmungen  des  Reglements  vom
1.  Mai  1861.,  betreffend  die  Organisation  des  Transports  größerer
Truppenmassen  auf  den  Eisenbahnen,  desgleichen  für  die  Beförderung
von  Truppen,  Militaireffekten  und  sonstigen  Armeebedürfnissen  auf  den
Staatsbahnen,  endlich  der  Instruktion  vom  1.  Mai  1861.  für  den  Transport
  der  Truppen  und  des  Armeematerials  auf  den  Eisenbahnen,  und
den  künftigen  Abänderungen  und  Ergänzungen  dieser  Reglements  und
Instruktion  zu  unterwerfen,  als  auch  Militair-Personen  und  Effekten  jeglicher
  Art  zu  grmöfigten  Preisen  zu  transportiren.  Bei  Normirung  der
Fahrpreise  sollen  die  niedrigsten  Preise  maaßgebend  sein,  welche  die
Militairverwaltung  mit  anderen  Eisenbahnen  vereinbart  hat  oder  noch
vereinbaren  wird.

3)  Außer  der  Uebernahme  der  unentgeltlichen  Beförderung  von  Postsachen
und  Postwagen,  gemäß  §F.  36.  des  Gesetzes  vom  3.  November  6

·  1½½%
        <pb n="743" />
        —  567  —

§  .  des  Gesetzes  vom  5.  Juni  1842.,  §.  5.  des  Gesetzes  vom  21.  Mai
1860.,  ist  die  Gesellschaft  auch  verpflichtet,  die  begleitenden  Postkondukteure
  und  das  expedirende  Postpersonal  unentgeltlich  zu  befördern.

Die  Gesellschaft  gestattet  unentgeltlich  die  Anlage  eines  Staatstelegraphen
längs  der  Bahn  unter  den  von  dem  Handelsminister  festzustellenden  Bedingungen,
  ist  auch  verpflichtet,  nach  Maaßgabe  der  Anordnung  des
Staates  den  Eisenbahntelegraphen  zur  Benutzung  von  Staats=  und
Privatdepeschen  einzuräumen.

Die  Gesellschaft  hat  auch  den  Anordnungen,  welche  wegen  polizeilicher
Beaufsichtigung  der  beim  Eisenbahnbau  beschäftigten  Arbeiter  getroffen
werden,  pünktlich  nachzukommen  und  die  aus  diesen  Anordnungen  erwachsenden
  Ausgaben,  insbesondere  auch  die  durch  die  etwaige  Anstellung
eines  besonderen  Polizei-Aufsichtspersonals  entstehenden  Kosten  zu  tragen.
Sie  ist  verpflichtet,  die  nöthigen  Zuschüsse  zu  der  in  Gemäßheit  des  Gesetzes
  vom  21.  Dezember  1846.  (Gesch  Samml.  für  1847.  S.  21.)  für
die  Bauarbeiter  einzurichtenden  Krankenkasse  zu  leisten.  Nicht  minder
wird  die  Gesellschaft  den  Anforderungen  der  zuständigen  Behörde  wegen
Genügung  des  kirchlichen  Bedürfnisses  der  beim  Bau  beschäftigten  Beamten
  und  Arbeiter  bereitwillig  Folge  leisten  und  erforderlichen  Falles
auch  die  Tragung  der  dadurch  etwa  bedingten  Kosten  übernehmen.

6)  Die  Gesellschaft  ist  verpflichtet,  nach  Maaßgabe  der  jetzt  und  künftig  bestehenden
  Grundsätze  für  die  Staatseisenbahnen  für  ihre  Beamten  und
Arbeiter  Pensions-,  Wittwenverpflegungs=  und  Unterstützungskassen  einzurichten
  und  zu  denselben  die  erforderlichen  Beiträge  zu  leißen.

7)  Die  Gesellschaft  ist  verpflichtet,  die  von  ihr  anzustellenden  Bahnwärter,
Schaffner  und  sonstigen  Unterbeamten,  mit  Ausnahme  der  einer  technischen
Vorbildung  bedürfenden,  vorzugsweise  aus  den  mit  Civil-Anstellungsberechtigung
  entlassenen  Militairs  des  Königlich  Preußischen  Heeres,
soweit  dieselben  das  fünf  und  dreißigste  Lebensjahr  noch  nicht  zurückgelegt
haben,  zu  wählen.

4

—

S#

S.  10.
Die  Interessen  der  Gesellschaft  werden  wahrgenommen:  Verwelbung
1)  durch  die  Gesamuntheit  der  Aktionaire  in  der  Generalversammlung  und  Verfafung
G5.  28.  ff.)

2)  durch  den  Verwaltungsrath,  bestehend  aus  fünfzehn  Mitgliedern,  und
3)  durch  drei  Revisoren.
C.  11.

Rechtsstreitigkeiten  zwischen  der  Gesellschaft  und  den  Aktionairen  wegen  Sohlichtun
rückständig  Ebhliebener  Einzahlungen  auf  die  Aktien  17.)  sind  im  Gerichts=  d#  Etreitig
sande  der  Gesellschaft  anhänzig  zu  machen,  welchem  sich  jeder  Aktienzeichner  und

en  Rechtsnachfolger  durch  die  Jeichnung  resp.  durch  den  Erwerb  der  Rechte
(Nr.  6629.)  aus
        <pb n="744" />
        —  668  —

aus  der  Zeichnung  kraft  des  Legemwärtigen  Statuts  unterwirft.  Sonstige  Streitigkeiten
  in  rellsaaftlien  iugelegenheiten  zwischen  der  Gesellschaft  und  den
Aktionairen,  desgleichen  mit  den  Vertretern  und  Beamten  der  Gesellschaft  sollen
jederzeit  durch  Schiedsrichter,  welche  in  den  von  der  Bahn  berührten  Kreisen
wohnen  müssen,  entschieden  werden,  von  denen  jeder  Theil  Einen  oder  zwei  ernennt,
  und  welche  bei  Meinungsverschiedenheiten  einen  Obmann  wählen.

Gegen  den  schiedsrichterlichen  Ausspruch  ist  kein  ordentliches  Rechtsmittel
zulässig.  Fu  das  Verfahren  des  Schiedsgerichts  sind  die  zur  Zeit  desselben  geltenden
  gesetzlichen  Bestimmungen  maaßgebend.

erzögert  einer  der  streitenden  Theile,  auf  die  ihm  durch  einen  Notar  oder
gerichtlich  R#smir  und  im  Falle  der  Abwesenheit  ohne  Zurücklassung  eines  Bevollmächtigten
  durch  die  im  F.  13.  genannten  Zeitungen  zu  veröffentlichende  zweimalige
  Aufforderung  des  Gegners,  die  Ernennung  eines  Schiedsrichters  länger
als  vierzehn  Tage,  so  ernennt  der  Vorsitzende  des  Kreisgerichts  zu  Guben  den
zweiten  Schiedsrichter.
S.  12.

Können  die  Schiedsrichter  sich  über  die  Wahl  des  Obmannes  nicht  vereinigen,
  so  wird  auch  dieser  von  dem  Vorsitzenden  des  Kreisgerichts  zu  Guben
ernannt.

Das  also  gebildete  Schrdsgericht  entscheidet  nach  Stimmenmehrheit)  bildet
sich  aber  keine  Majorität,  so  gilt  die  Ansicht  des  Obmannes  allein.

C.  13.
Oeffentllche  Die  nach  diesem  Statute  erforderlichen  öffentlichen  Bekanntmachungen,
—  Zahlungsaufforderungen,  Einladungen  oder  sonstigen  Mittheilungen  sind  in  fol-"
  genden  öffentlichen  Blättern:
1)  dem  Preußischen  Staatsanzeiger,
2)  der  Berliner  Börsenzeitung,
3)  der  Schlesischen  Zeitung,
4)  der  Berliner  Vossischen  Zeitung,
5)  dem  Gubener  Wochenblatt,
abzudrucken.

Sofern  für  einzelne  Bekanntmachungen  nicht  ein  Anderes  ausdrücklich  vorgeschrieben,
  genügt  ein  zweimaliger  Abdruck  der  Bekanntmachung  in  jedem  der
vorgenannten  Blätter  zu  deren  rechtsverbindlicher  Publikation.

Bei  dem  Eingehen  des  einen  oder  anderen  der  vorgenannten  Blätter  genügt
  die  Bekanntmachung  in  den  übrigen,  bis  die  nächste  Generalversammlung
über  die  Wahl  eines  anderen  Blattes  an  Stelle  des  eingegangenen  Beschluß  gefaßt
  hat.

S.  14.

Abänderungen  des  gegenwärtigen  Statuts  sind  nur  in  Folge  eines  nach
aaß-
        <pb n="745" />
        —  669  —

Maaßgabe  der  88.  29.  bis  32.  gefaßten  Beschlusses  der  Generalversammlun
unter  —  Gebihungngesaßten.  cchlus  vll

KS.  15.

·  Auch  der  Verkauf  der  Bahn  und  die  Auflösung  der  Gestaschaft  ingleichen  Verkauf  der
die  Vereinigung  des  Unternehmens  mit  einem  anderen  Eisenbahn-Unternehmen  5  gl

könneh  nur  in  Folge  eines  in  gleicher  Weise  gefaßten,  landesherrlich  bestätigten  sellchaft.
Beschlusses  der  aeialversammng  geschehen  G.  22..

B.
Besondere  Bestimmungen.

I.
Von  den  Aktien)  Jinsen  und  Dividenden.

S.  16.

Sämmtliche  im  6.  5.  gedachte  Stamm=  und  Stamm  Prioritätsaktien  der  utien  und
Gesellschaft  werden,  auf  den  Inhober  lautend,  unter  fortlaufender  Nummer,  und  demn  Ausferijwar
  die  Stammaktien  nach  dem  beiliegenden  Schema  A.  und  die  Stamm.
Priorttilsafleen  nach  dem  beiliegenden  Schema  B.  stempelfrei  ausgefertigt,  jedoch
erst  dann  ausgegeben,  wenn  der  volle  Nominalbetrag  derselben  zur  Gesellschaftskasse
  berichtigt  ist.

Jede  Aktie  wird  mit  mindestens  acht  Faksimile-Unterschriften  des  Verwaltungsrathes
  versehen,  dagegen  vom  Rendanten  der  Gesellschaft  unterschrieben.

.  17.

Vom  Aktienkapital,  und  zwar  sowohl  von  dem  Stamm-,  als  von  dem  eiwalung
Stamm-Prioritäts-Aktienkapitale  müssen  innerhalb  vier  Wochen  nach  erfolgter  n
Allerhöchster  Bestätigung  dieses  Statuts  und  Eintragung  in  das  Han  erregsster  «
8  Prozent  und  im  Laufe  des  ersten  Jahres  wenigstens  zwanzig  Prozent  des

ominalbetrages  eingezahlt  werden.

Die  Zahlung  des  übrigen  Betrages  des  Aktienkapitals  geschieht  nach  Bedürfniß,
  worüber  der  kunen  zu  bestimmen  hat,  jedoch  nur  in  der
Weise,  daß  die  Eincschlungen  der  einzelnen  Raten  auf  die  Stamm-Prioritätsaktien
  die  auf  die  Stammaktien  geleisetrn  Einzahlungen  nicht  übersteigen.  Die
Aufforderungen  zu  Einzahlungen,  sowie  die  Bestimmung  der  Ihlungsorte  erfolgt
in  der  13.  vorgeschriebenen  Form,  dergestalt,  daß  jede  Aufforderung  mindestens
zweimal  öffentlich  bekannt  gemacht  wird  und  vom  Tage  der  letzten  Bekanntmachung
  bis  zum  festgesetzten  Einzahlungstermine  eine  mindestens  vierwöchentliche
  Frist  offen  bleibt.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6629.  76  Voll-
        <pb n="746" />
        Folgen  der
Nichtzohlung
der  ausgeschriebenen
  Raten.

OQuittungsogen.


Vollahlungen  auf  Stamm-  und  Stamm-Prioritätsaktien,  resp.  die  Ausgobe
  von  solchen  —  volleingezahlten  —  Mktien  sind  Restatte,  jedoch  bezüglic
der  se  nur  in  dem  Maaße,  als  solche  auf  die  Stammaktien
ewirkt  sind.

K.  18.

Ein  Aktionair,  der  eine  ausgeschriebene  Rate  zur  festges  ten  Zeit  .nicht
einst,  ist  verpflichtet,  außer  der  Nachzahlung  der  rückständigen  Rate  nebst  den
geet  ichen  Berugszinsen  Pro  anno,  eine  Konventionalstrafe  von  zehn  Prozent

er  rückständigen  Rate  zur  Gesellschaftskasse  zu  entrichten,  und  wird  hierzu  vom

Verwaltungsrathe  durch  dreimalige  offentliche  Bekanntmachung,  deren  letzte  wenigstens
  vier  Wochen  vor  dem  für  die  Einzahlung  festgesetzten  Schlußtermine  zu
veröffentlichen  und  in  welcher  nicht  der  Name,  sondern  die  Nummer  des  Qutittungsbogens
  anzugeben  ist,  aufgefordert.

Wid  auch  dieser  Drforderung  nicht  Folge  geleistet,  so  ist  der  Verwaltungsrath
  nach  seiner  Wahl  berechtigt,  entweder  den  säumigen  Aktionair  im
Rechtswege  zur  Erfüllung  seiner  Verbindlichkeiten  anzuhalten,  oder  die  bis  dahin
auf  die  betreffende  Aktie  eingezahlten  Raten  als  verfallen,  die  Ansprüche  auf  den
Empfang  der  gezeichneten  Aktie  durch  öffentliche  Bekanntmachung,  unter  Angabe
der  Nummer  des  Quittungsbogens,  für  erloschen  und  den  Quittungsbogen  selbst
für  null  und  nichtig  zu  erklären.

An  Stelle  der  auf  diese  Veß  unter  Berücksichtigung  der  Bestimmung
des  Artikels  222.  Nr.  2.  des  Heawe  sgesetzbuches  ausscheidenden  Aktionaire  können
  neue  Aktienzeichner  zugelassen  werden,  denen  die  betreffenden  verfallenen
Einzahlungen  der  siumigen  ersten  Aktionaire  anzurechnen  und  mit  denen  die
Bedingungen  für  die  Uebernahme  der  Zeichnungen  durch  den  Verwaltungerach,
unbeschadet  der  Verpflichtung  zur  Volleinschlung  der  Aktie,  zu  vereinbaren  sind.

st  durch  diese,  ledig  l  nach  dem  Ermessen  des  Verwaltungsrathes  festzustellende
  Vereinbarung  die  vollständige  Deckung  des  Restes  des  Nominalbetrages
der  betreffenden  Aktien  nicht  zu  erlangen,  so  bleibt  doch  der  erste  Zeichner  —
ungeachtet  der  geschehenen  Annullirung  seiner  Rechte  aus  der  Zeichnung  —  für
den  Ausfall  persönlich  verhastet.

Die  aus  einer  Vereinbarung  mit  einem  für  einen  säumigen  Aktionair  eintretenden
  neuen  Zeichner  etwa  erwachsenden  Vortheile  fließen  dem  Erneuerungssonds
  (I.  7.)  zu.

K.  19.

Bis  zur  Berichtigung  des  vollen  Rominalbetrages  und  wirklichen  Ausfertigung
  der  Aktien  werden  über  die  geschehene  Einzahlung  der  einzelnen  Raten
Oukkbungsbogen  unter  fortlaufender  Nummer  nach  dem  beiliegenden  Schema  H.
ausgefertigt,  die  auf  den  Namen  des  Aktienzeichners  lauten  und  nach  Ecbehener
Vohahiun  des  Nominalbetrages  der  geaeic  6  bst  ausgetauscht
  werden.

Die  Quittungsbogen  werden  mit  drei  Faksimile-Unterschriften  des  Verwaltungsrathes
  versehen.  g  20

neten  Aktien  gegen  diese  se
        <pb n="747" />
        —  571  —

C.  20.

Dach  x9  Einzahlung  des  ganzen  Nominalbetrages  eines  Quittungs=  #usbndigung
bogens  wird  dem  darin  benannten  Aktionair  oder  dessen  Cessionar  oder  demjenigen,  Aktiewelcher
  sich  als  rechtmäßiger  Besitzer  ausweiset,  gegen  Rückgabe  des  Quittungsbogens
  die  gemäß  §.  16.  ausgefertigte  Aktie  mustehändig!.

Diie  Richtigkeit  der  Cession  eines  Quittungsbogens  zu  prüfen,  ist  die  Gesellschaft
  zwar  berechtigt,  aber  nicht  verpflichtet.

KC.  21.

Kein  Aktionair  ist  über  den  Betrag  der  gezeichneten  Aktien  hinaus  zu  Verhastung
Einzahlungen  für  Verbindlichkeiten  der  Gesellschaft  verpflichtet.  der  Attionair-.

g.  22.

Die  Stammaktien  der  Gesellschaft,  beziehungsweise  die  darauf  geleisteten  Jiusen  der
Einzahlungen  werden  während  der  Bauzeit  mit  vier  Prozent,  die  Stamm-Prio-inzahlungen.
ritätsaktien,  bezichungsweise  die  auf  dieselben  geleisteten  Einzahlungen  mit  fünf
Prozent  pro  anno  bis  zum  Ablaufe  der  Bauzeit  verzinst.  Für  die  hiernach
baar  zu  zahlenden  Zinsen  der  volleingezahlten  Aktien  fertigt  der  Verwaltungsrath
nach  dem  beiliegenden  Schema  C.  Kupons  aus,  welche  mit  den  Aktien  zusammen
ausgehändigt  werden,  und  gegen  deren  Einlieferung  die  Zahlung  der  Iimen  an
den  auf  den  Kupons  bestimmten  Jahlungsorten  und  in  den  gort  bestimmten
Terminen  stattfindet.

.  §.23.
MitAblaufdesSemesters(30.Juni,31.Dezember),inwelemdiewide-»du-Bahn

  —  welche  im  Uebrigen  auch  streckenweise  in  Betrieb  gesetzt  werden  kann  —  beenn  r*
vollständig  ferüg  und  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  in  Betrieb  gesetzt  wird,  hört  ·

die  Verzinsung  der  Aktien  aus  dem  Baufapitale  auft  und  wird  statt  derselben

der,  vom  I.  Sun  resp.  vom  1.  Januar  des  auf  die  Betriebseröffnung  folgenden
Semesters,  aus  dem  Unternehmen  aufkommende  Reinertrag  nach  Maaßgabe  der

folgenden  Bestimmungen  vertheilt:

1)  Aus  dem  Ertrage  des  Unternehmens  werden  zunächst  die  Verwaltungs=Unterhaltungs-,
  Betriebs=  und  sonstigen  Ausgaben,  sowie  alle  auf  dem
Unternehmen  haftenden  Lasten  bestritten;

2)  sodann  werden  die  in  den  §#.  6.  und  7.  gedachten  jährlichen  Beiträge
zum  Reserve=  und  Erneuerungsfonds  vorweg  genommen  und

3)  der  demnächst  verbleibende  Reinertrag  alljährlich  in  folgender  Weise  unter
die  Aktionaire  vertheilt:

a)  vorerst  erhalten  die  Inhaber  der  Stamm  Prioritätsaktien  fünf  Prozent
  des  Nominalbetrages  ihrer  Aktien;

b)  was  nach  Deckung  dieser  fünf  Prozent  noch  übrig  bleibt,  bis  zur

(Nr.  3629.  76“  Höhe
        <pb n="748" />
        —  672  —

Höhe  von  sechs  und  zwei  drittel  Prozent,  wird  unter  die  Inhaber  der
Stammaktien  nach  Verhältniß  des  Nominalbetrages  ihrer  Aktien
vertheilt.

Von  dem  Ueberschusse  über  diese  sechszweidrittel  Proßemt
wird  bis  zur  erfolgten  Tilgung  der  Stamm-Prioritätsaktien  Ein
Drittel  zum  Amortisationsfonds  (§.  8.)  genommen,  wogegen  die
übrigen  zwei  Drittel  auf  die  Stamm=  und  Stamm  Prioritätsaktien
Pro  rata  vertheilt  werden.

J)  Sollte  in  einem  oder  dem  anderen  Jahre  der  Reinertrag  nicht  ausreichen,
  um  den  Inhabern  der  Stamm  Prioritätsaktien  die  unter
a.  gadachte  Dividende  von  fünf  Prozent  zu  gewähren,  so  wird
das  Fehlende  aus  dem  Reinertrage  des  oder  der  folgenden  he
nachgezahlt  und  die  Inhaber  der  Stammaktien  erhalten  nicht  eher
eine  Dividende,  als  bis  diese  Nachzahlung  vollständig  geleistet  ist.:

Die  Zahlung  der  Dividende  aus  der  Gesellschaftskasse  erfolgt  jährlich
vier  Wochen  nach  Publikation  der  Bilanz  (§S.  27.).  Im  Falle  der  Auflösung
der  Gesellschaft  resp.  der  Liquidation  des  Gesellschaftsvermögens  haben  die  Inhaber
der  Stamm-Prioritätsaktien  ein  Prioritäterecht  an  dem  vertheilungsfähigen
Erlöse  für  das  Lnternchment  so  daß  sie  aus  demselben  zunächst  und  vor  den
Inhabern  der  Stammaktien  befriedigt  werden  müssen.

 

§.  24.
Dividenden=  Mit  den  Stammaktien  werden
eine  und  Ta-  „  «  »  ,.
Hab  a)  Dividendenscheine  auf  fünf  Jahre  nach  dem  beiliegenden  Schema  D.  und

b)  Talons  nach  dem  beiliegenden  Schema  E.,
und  mit  den  Stamm  -Prioritätsaktien

a)  Dividendenscheine  nach  dem  beiliegenden  Schema  F.  und
b)  Talons  nach  dem  beiliegenden  Schema  G.

ausgehändigt  und  in  gleicher  Weise  von  fünf  zu  fünf  Jahren  erneuert.

Dividendenscheine  und  Talons  werden  unter  der  Firma  des  Verwaltungs.
rathes  und  zwei  faksimilirten  Unterschriften  der  Mitglieder  desselben,  sowie  dem
Stempel  der  Gesellschaft  ausgefertigt.

Die  Ausreichung  neuer  Dividendenscheine  und  Talons  erfolgt  gegen  Einlieferung
  der  mit  den  abgelaufenen  Dividendenscheinen  und  Kupons  ausgegebenen
Talons  an  den  Inhaber  der  letzteren  ohne  Prufung  seiner  Legitimation.

".  25.

Jahlung  der  Die  Auszahlung  der  Dividenden  erfolgt  von  der  Geselschaftskaft  gegen

Dividende.  Einlieferung  der  betreffenden  Dividendenscheine  nach  geschehener  Feststellung  der
Bilanz  des  betreffenden  Betriebsjahres.

Zinsen  für  die  Aktien  während  der  Bauzeit  und  Dividenden,  di  nicht

imnen
        <pb n="749" />
        —  573  —

binnen  vier  Jahren,  von  den  in  den  88.  22.  und  23.  angegebenen  Zahlungstagen
ab  gerechnet,  erhoben  worden  sind,  verfallen  zum  Vortheil  der  Gesellschaft,  vorbehaltlich
  der  Bestimmung  des  F.  26.

g.  26.

Sind  Aktien,  Dividendenscheine  oder  Talons  beschädigt  oder  unbrauchbar  ¶  Oeffentlichts

geworden  jedoch  in  ihren  wesentlichen  Theilen  dergestalt  erhalten,  daß  über  ihre  dusgetot,  und
ichtigkeit  kein  Zweifel  obwaltet,  so  ist  der  Verwaltungsrath  ermächtigt,  gegen

Einreichung  der  beschädigten  Papiere  auf  Kosten  des  Inhabers  neue  gleichartige

Papiere  auszufertigen  und  auszureichen.

Außer  diesem  Falle  ist  die  Ausfertigung  und  Ausreichung  neuer  Aktien  in
Stelle  beschädigter  oder  verloren  gegungentr  nur  zulässig  nach  gerichtlicher  Amortisation
  derselben,  die  im  Domizil  der  Gesellschaft  bei  dem  dortigen  Gerichte  erster
Instanz  nachzusuchen  ist.

Eine  gerichtliche  Amortisation  beschädigter  oder  verloren  gegangener  Dividendenscheine
  findet  nicht  statt;  der  *-  derselben  wird  jedoch  demjenigen,,  der
die  Beschädigung  oder  den  Verlust  derselben  innerhalb  des  im  F.  25.  gcdachten
vierjährigen  Zeitraums  bei  dem  Verwaltungsrathe  angezeigt  und  seinen  Anspruch
durch  Einreichung  des  in  seinen  wesentlichen  Theilen  Feschäd  ten  Papiers  und,
im  Falle  des  Verlustes,  durch  Vorlegung  der  Aktien  selbst  bescheinigt  hat,  binnen
einer  vom  Ablauf  des  virährigen  Zeitraums  zu  berechnenden  einjährigen  präklusivischen
  Frist,  gegen  Rückgabe  der  über  die  ractzeiige  Anmeldung  vom  Verwaltungsrathe
  zu  ertheilenden  Bescheinigung,  ausgezahlt.  Auch  eine  gerichtliche
zimerie  beschädigter  oder  verlorener  Talons  #err  nicht  statt.

ie  Ausreichung  neuer  Dividendenscheine  geschieht,  wenn  der  Aktieninhaber
den  Talon  nicht  einreichen  kann,  gegen  Produktion  der  Aktie.

st  aber  vor  Ausreichung  der  neuen  Dididendenscheine  der  Verlust  des
Talons  bei  dem  Verwaltungsrathe  von  einem  Dritten  angemeldet,  der  auf  die
neuen  Dividendenscheine  Mnforach  macht,  so  werden  letztere  zurückbehalten,  bis
der  Sitt  zwischen  beiden  Prätendenten  im  Wege  der  Güte  oder  des  Prozesses
erledigt  ist.

II.
Von  der  Aufstellung  der  Bilanzen.

C.  27.

Das  Geschäfts=  oder  Betriebefahr  der  Gesellschaft  ist  das  Kalenderjahr.

Die  Bauzeit  wird  bis  zum  Ende  desjenigen  Halbjahres  gerechnet,  in  welchem
der  Betrieb  der  Bahn  vollständig  eröffnet  ist.

Während  der  Bauzeit  wird  nach  Ablauf  eines  jeden  vollen  Kalenderjahres
eine  Bilanz  aufgestellt,  welche  nachsuwer  en  hat,  wie  weit  das  Aktienkapital  einezogen
  und  verwendet  ist.  Die  Aufstellung  der  Generalbilanz  über  die  ganze
Bmssführung  erfolgt  nach  Beendigung  des  Baues  zur  nächsten  ordentlichen
Generalversammlung.  Nach  Ablauf  der  Bauzeit  ist  am  Schlusse  eines  jeden
(Xr.  6629.)  vollen
        <pb n="750" />
        Ort  der  Berufung.


—  574  —

vollen  Betriebsjahres  das  Resultat  des  Betriebes  durch  eine  Bilanz  darzustellen.
Ist  der  Betrieb  der  Bahn  nicht  im  Anfange,  sondern  im  Laufe  eines  Palenderjahres
  eröffnet,  so  hat  sich  die  erste  Betriebsbilanz  auf  diesen  Theil  des  Jahres
zu  beschränken.

In  der  Bilanz  werden  alle  Einnahmen  des  betreffenden  Jahres  nach  ihrem
Baarbetrage,  etwaige  Ausstände  nach  ihrem  Nominalbetrage,  insofern  sie  aber
unsicher  sein  sollten,  nach  gewissenhafter  Schätzung  von  Seiten  des  Verwaltungsrathes,
  und  vorhandene  Bönmnalerigllen  und  Vorräthe  nach  dem  Kostenpreise  und
bei  eingetretener  Werthsverminderung,  unter  Berücksichtigung  derselben,  als  Aktiva
angesetzt.

Dagegen  kommen  als  Passiva  in  Ansatz  alle  Ausgaben,  die  im  Laufe  des
Jahres  entstanden  und  nicht  aus  dem  Reserve=  oder  Erneuerungsfonds  (§9.  6.
und  7.)  zu  bestreiten  gewesen  sind,  mit  Einschluß  der  etwa  am  Jahresschlusse
verbliebenen  Rückstände.

Die  Jahresbilanzen  werden  innerhalb  der  ersten  drei  Monate  nach  Ablauf
des  betreffenden  Jahres  durch  die  Gesellschaftsblätter  mitgetheilt.

III.

Von  den  Generalversammlungen.

C.  28.

Alle  Generalversammlungen  werden  in  Guben  abgehalten.  Die  Berufung
erfolgt  dazu  unter  vollständiger  Angabe  der  zu  verhandelnden  Gegenstände  durch
den  Verwaltungsrath  mittelst  zweimaliger  #entülcher  Bekanntmachung,  von  denen
die  erste  spätestens  vier  Wochen  vor  dem  Versammlungstage  erscheinen  muß.

S.  29.

Ordentliche  Generalversammlungen  finden  statt:

im  zweiten  Kalenderquartale  eines  jeden  Betriebsjahres  und  zuerst  in  dem
auf  den  Ablauf  der  Bauzeit  und  die  Eröffnung  des  Betriebes  auf  der
ganzen  Bahn  zunächst  folgenden  Jahre.

Regelmäßige  Gegenstände  der  Berathung  und  der  Beschlußnahme  derselben
  sind:

1)  der  Bericht  des  Verwaltungsrathes  über  die  Lage  der  Geschäfte  und  die
Bilanz  (I.  27.)

2)  die  Wahl  der  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes;

3)  die  Wahl  von  drei  Revisoren  zur  Prüfung  und  Dechargirung  der
Bilanz

4)  Bericht  der  Revisoren  über  die  Prüfung  und  Decharge  der  Bilanz  des
verflossenen  Jahres  und  Beschlußnahme  über  gezogene  Monita;  S

5)  e-
        <pb n="751" />
        —  676  —
5)  Beschlußnahme  über  dieienigen  Angelegenheiten,  welche  der  Generalversammlung

  von  dem  Verwaltungsrathe,  den  Revisoren  oder  einzelnen
Aktionairen  zur  Entscheidung  vorgelegt  werden;

6)  Feststellung  der  den  Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  zu  gewährenden
Remuneration.

S.  30.

Besondere  Anträge  einzelner  Aktionaire  müssen  so  zeitig  vor  der  General-  unträge  elnversammlung
  dem  Vorsitzenden  des  Verwaltungsrathes  schrit  ich  mietheit  wer=  ulner  Aktioden,
  daß  dieselben,  gemäß  Artikel  238.  des  Handelsgesetzbuches,  noch  in  die  öffent.
ach  zur  Versammlung  einladende  Bekanntmachung  ausgenommen  werden  können,
widrigenfalls  die  Beßhluznahme  darüber  bis  zur  nächsten  Generalversammlung
zu  vertagen  ist.

E.  31.

Außerordentliche  Generalversannmnlungen  finden  statt  in  allen  Fällen,  in  nuß#ordent
denen  der  Verwaltungsrath,  die  Revisoren  oder  die  Aufsichtshehörde  sie  für  nöthig  uihe  Generel.
erachten,  auf  Antrag  der  Mtionaire  gemäß  Artikel  237.  des  Handelsgesetzbuches,  —-wenn
  ein  solcher  Antrag  unter  Deposttion  des  zehnten  Theiles  der  emittirten  Aktien
at  -u-  Angabe  der  Gründe  und  des  Zweckes  bei  dem  Verwaltungsrathe  geist.


In  der  Einladung  muß  der  Gegenstand  der  zu  verhandelnden  Geschäfte
vollständig  angegeben  werden.

g.  32.
Außer  den  im  §.  29.  genannten  Gegenständen  ist  der  Beschluß  einer  Ge=  netzwerdizneralversammlung
  überhaupt  erforderlich:  keit  einer  Gene.

.Z  «  ralversamm-1)
  zur  Ausdehnung  des  Unternehmens  über  den  im  H.  1.  angegebenen  Zweck  kng"
binaus  und  auf  die  im  F.  2.  vorbehaltene  anderweitige  Benutzungsart;

2)  zur  Vermehrung  des  Grundkapitals  der  Gesellschaft  und  Kontrahirung
von  Anlehen  für  dieselbe;

3)  zur  Fusion  der  Gesellschaft  mit  einer  anderen  und  Feststellung  der  desfallsigen
  Bedingungen;

4)  zur  Uebernahme  des  Betriebes  auf  anderen  Eisenbahnen  und  zur  Uebertragung
  des  Betriebes  der  eigenen  Bahn  an  eine  andere  Gesellschaft
oder  an  den  Staat;

5)  l  Abänderungen  und  Ergänzungen  des  Statuts  auch  in  anderen,  als
en  unter  1.  und  2.  genannten  Hauen

6)  zur  Aufhebung  der  Beschlüsse  früherer  Generalversammlungen;
7)  zur  Auflösung  der  Gesellschaft;

8)  zum  Verkaufe  der  Bahn.
(Nr.  6629.)  Be-
        <pb n="752" />
        Stimmenzähung.



Legitimation

der  Stimmbe.
rechtigten.

Vertretung

—  576  —

Beschlüsse  über  diese  Gegenstände  können  sowohl  in  ordentlichen  als  in
außerordentlichen  Generalversammlungen  gefaßt  werden;  der  Gegenstand  der
Berathung  muß  aber  in  beiden  Fällen  nach  31.  in  der  Vorladung  bezeichnet  sein.

Allle  unter  1.  bis  5.  7.  und  8.  gedachten  Beschlüsse  kedüsen  der  Genehmigung
  des  Staates,  um  für  die  Gesellschaft  verbindlich  zu  werden.
Uieber  die  Art  der  Abstimmung  über  diese  Gegenstände  setzt  §.  37.  das
Nöthige  fest.
C.  33.

Das  Stimmrecht  der  Stammaktionaire  und  der  Stamm  Prioritätsaktionaire
in  den  Generalversammlungen  ist  gleich.

Bei  allen  Abstimmungen  geben  je  fünf  Stamm  Prioritäts=  und  zehn
Stammaktien,  wenn  sich  der  Best  von  fünf  zu  funfig  beziehungsweise  von
kon  bis  Einhundert  Aktien  in  Einer  Person  vereinigt,  Eine  Stimme,  und  für
ie  Aktien,  welche  Jemand  über  die  Zahl  von  funfzig  beziehungsweise  Einhundert
besitzt,  je  zehn  beziehungsweise  zwanzig  Aktien  Eine  Büinm  so  jedoch,  daß  auch
der  größte  Aktienbesitz  zu  nicht  meeh  als  fünfundfunfzig  Stimmen  (das  volle
Stimmrecht  für  wesbanen  ßf  beziehungsweise  Eintausend  Aktien)  berechtigt.  Ist
ein  Aktionair  zugleich  Bevollmächtigter  eines  anderen  Aktionairs,  so  kann  er  einschließlich
  des  Stimmrechts  des  letzteren  niemals  mehr  als  Einhundert  und  zehn
Stimmen  haben.

Die  Besizer  von  weniger  als  fünf,  beziehungsweise  zehn  Aktien  sind  zur
Theilnahme  an  der  Generalversammlung,  jedoch  ohne  Stimmrecht,  befugt.

C.  34.

Zur  Theilnahme  an  der  Generalversammlung  sind  nur  diejenigen  berechtigt,
welche  wenigstens  drei  Tage  vor  der  Versammlung  ihre  Aktien  bei  der  Gesellschaftskasse
  deponiren.  Die  Nummern  der  deponirten  Aktien  werden  in  einem  nach  der
laufenden  Nummer  angelegten  Berkechnise  roth  angestrichen,  und  dies  unter  der
Kontrole  eines  dazu  bestimmten  Beamten  zu  führende  Verzeichniß  wird  vom
Syndikus  der  Gesellschaft  verifi#rt.  Gleichzeitig  muß  jeder  Aktionair  ein  von  ihm
unterschriebenes  Verzeichniß  der  Nummern  seiner  Quittungsbogen  oder  Aktien  in
zwei  Exemplaren  übergeben,  von  denen  das  eine  zu  den  Akten  der  Gesellschaft

eht,  das  andere  mit  dem  Siegel  der  Gesellschaft  unter  dem  Vermerk  der  erfolgten

Depofllion,  sowie  mit  der  Stimmenzahl  versehen,  ihm  zurückgegeben  wird.  Fies
Exemplar  dient  als  Einlaßkarte  zur  Versammlung,  4  Grund  deren  beim  Eintritte
  in  dieselbe  dem  Inhaber  eine  angemessene  Anzahl  von  Stimmzetteln  verabfolgt
  wird,  welche  mit  dem  Stempel  der  Geselsshal  versehen  sind.  Gegen  Rückgabe
  dieses  Duplikatverzeichnisses  erfolgt  die  Rückgabe  der  betreffenden  Aktien.

Die  Stelle  der  wirklichen  Deposition  bei  der  Gesellschaft  vertreten  nur  amtliche
  Bescheinigungen  von  Staats=  und  Kommunalbehörden  über  die  bei  ihnen
erfolgte  Deposition  der  Aktien.

S.  35.
Es  ist  einem  jeden  Aktionair  gestattet,  sich  durch  einen  aus  der  Zahl  der

der  Aktionaite,  übrigen  Aktionaire  gewählten  Bevollmächtigten  vertreten  zu  lassen,  dessen  Vollmachts-
        <pb n="753" />
        —  577  —

machtsauftrag  durch  scheiftliche  (entweder  von  einem  Mitgliede  des  Gesellschaftsvorstandes
  oder  von  einem  Beamten,  der  ein  öffentliches  Siegel  zu  führen  berechtigt
  ist),  beglaubigte  Vollmacht  nachgewiesen  ist.

Diese  Vollmacht  muß  spätestens  einen  Tag  vor  der  Versammlung  im
Büreau  der  Gesellschaft  niedergelegt,  auch  die  Segitimatoon  des  WVollmachtsausstellers
  auf  die  im  F.  34.  vor  Scheiebene  Weise  geführt  werden.

Aktionaire  weiblichen  Geschlechts  dürfen  den  Generalversammlun  en  überzt
  nicht  beiwohnen;  doch  können  sie  sich  durch  ihre  Ehemänner  oder  durch

evollmächtigte  aus  den  Aktionairen  vertreten  lassen.  Ein  Ehemann  bedarf  zur
Vertretung  iner  Ehefrau  keiner  besonderen  Vollmacht.  Juristische  Personen
können  durch  ihre  verfassungsmäßigen  Reprsentanken,  Handlungshäuser  durch
ihre  Prokuristen,  Bevormundete  durch  ihre  Vormünder  vertreten  werden,  ohne
daß  diese  Vertreter  Aktionaire  zu  sein  brauchen.

S.  36.
Die  Entscheidung  etwaiger  Reklamationen  über  das  Stimmrecht  —i*x*x*  J

der  Generalversammlung.  K.  .  —

Der  Vorsitzende  des  Verwaltungsrathes  oder  dessen  Stellvertreter  leitet  die  Gang  der
Verhandlung,  ½  die  Folgeordnung  der  zu  verhandelnden  Gegenstände,  er=  Verhondlungen.
theilt  das  Wort  und  setzt  das  bei  der  Abstimmung  zu  beobachtende  Verfahren
  fest.
Bei  schriftlicher  Abstimmung,  für  welche  nur  gestempelte  Stimmzettel  gültig
sind,  müssen  dieselben,  bei  Vermeidung  der  Ungültigkeit,  vom  Stimmgeber  unterschrieben
  und  mit  der  Zahl  der  Stimmen,  welche  er  repräsentirt,  versehen  sein.
Die  Beschlüsse  werden  in  der  Regel  durch  absolute  Stimmenmehrheit  gefaßt,
  jedoch  findet  davon  eine  Ausnahme  statt  bei  den  nach  32.  ad  1.  bis  5.
.  und  8.  gbdachten  Gegenständen,  über  welche  nur  eine  Majorität  von  zwei
Drittheilen  der  anwesenden  oder  vertretenen  Stimmen  entscheiden  kann.
Bei  Stimmengleichheit  giebt  die  Stimme  des  Vorsitzenden  den  Ausschlag.

S.  38.

Bei  der  Wahl  der  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  resp.  der  Revisoren  ma#t  der
findet  in  den  jährlichen  ordentlichen  Generalversammlungen  folgendes  Verfah-  ter  n
ren  statt:  *  n  bir

a)  die  Wahl  erfolgt  durch  zweifaches  Skrutinium,  so  daß  zunächst  die  Mit-  Redisoren.
glieder  des  Verwaltungsrathes  und  hierauf  die  Revisoren  gewählt
werden;

b)  die  Wahl  erfolgt  durch  Stimmzettel,  auf  deren  jeden  eine  der  Zahl  der
zu  erwählenden  gleiche  Zahl  Namen  wahlfähiger  Gesellschaftsmitglieder

zu  setzen  ist

Jc)  Stimmzettel,  welche  formell  ungültig  sind,  bleiben  ebenso  wie  unstatthafte
  Wahlen  unberücksichtigt;

Jabegong  1867.  (Nr.  6629.)  7  )  der
        <pb n="754" />
        Protololl.

—  578  —

)  der  Vorsitzende  ernennt  aus  der  Versammlung  Kommissarien,  welche
unter  Zuziehung  des  Syndikus  oder  dessen  Stellvertreters  die  Stimmzettel
  sammeln,  nach  dem  jedesmaligen  Skrutinium  die  Unterschriften  der
Stimmzettel  und  die  beigefügte  Stimmenzahl  nach  dem  angefertigten,
von  dem  Syndikus  der  Gee  schaft  zu  verifizirenden  und  von  ihm  und
den  ernannten  Kommissarien  zu  unterschreibenden  Verzeichnisse  der  anwesenden
  Aktionaire  prüfen  und  nach  erfolgter  Verifikation  den  Inhalt
der  Stimmzettel,  unter  Verschweigung  des  Namens  des  Stimmgebers,
laut  verlesen  und  die  Resultate  der  Abstimmung  zusammenstellen;

e)  als  erwählt  werden  diejenigen  erachtet,  welche  nach  Inhalt  der  betreffenden
  Stimmzettel  die  größte  Anzahl  der  Stimmen  und  zugleich  die  absolute
  Stimmenmehrheit  erhalten  haben.  Ist  die  absolute  Majorität
nicht  erreicht,  so  werden  diejenigen,  welche  die  meisten  Stimmen  erhalten
haben,  in  doppelter  Anzahl  der  noch  zu  wählenden  zur  engeren  Wahl
gestellt;

)  das  Resultat  der  Abstimmung  wird  hiernächst  in  das  über  die  Verhandlung
  aufzunehmende  Protokoll  registrirt;  die  Stimmzettel  aber  werden
mit  dem  Siegel  der  Gesellschaft  verschlossen  und  asservirt;

8)  bei  eintretender  Stimmengleichheit  bei  der  Wahl  entscheidet  über  die
Priorität  das  Loos,  nach  einer  vom  Vorsitzenden  in  der  Versammlung
selbst  zu  treffenden  Anordnung.

Sollte  einer  oder  mehrere  der  gewählten  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes
  die  Annahme  des  Amtes,  zu  welchem  überhaupt  ein  Zwang  nicht  stattfindet,
  ausschlagen,  was  angenommen  wird,  sofern  sie  sich  binnen  acht  Tagen
nach  geschehener  Bekanntnachung  der  Wahl  nicht  schriftiich  zur  Annahme  bereit
erklärt  haben,  so  rücken  nach  der  Reihenfolge  diejenigen  ein,  welche  die  meisten
Stimmen  erhalten  haben.

.  39.

Das  über  die  Verhandlung  jeder  Generalversammlung  aufzunehmende
Protokoll  wird  gerichtlich  oder  notariell  aufgenommen  und  von  den  anwesenden
Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  und  zwei  sonstigen  Aktionairen  unterschrieben.

Die  Namen  der  in  der  Generalversammlung  erschienenen  stimmberechtigten
  Aktionaire  und  die  Legitimation  der  Bevollmächtigten  oder  Vertreter  der
abwesenden  stinmmberechtigten  Aktionaire  sind  durch  eine  von  den  in  der  Generalversammlung
  anwesenden  Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  zu  vollziehende
Präsenzliste,  welcher  die  Stimmenzahl  beizufügen  ist,  fehustellen  und  solche  dem
Protokoll  betufügen

Protokoll  und  jhisenuhe  haben  vollkommen  beweisende  Kraft  für  den
Inhalt  der  von  der  Gesellschaft  gefaßten  Bechlosse

Die  namentliche  Aufführung  der  in  der  Generalversammlung  erschienenen
nicht  stimmberechtigten  Aktionaire  in  der  Präsenzliste  ist  nicht  erforderlich.

IV.
        <pb n="755" />
        —  679  —

IV.
Von  den  Repraͤsentanten  und  Beamten  der  Gesellschaft.

A.
Verwaltungsrath.

K.  40.

Der  Verwaltungsrath  bildet  den  Vorstand  der  Gesellschaft,  er  repräsentirt  grec,  Unund
  vertritt  die  Gesellschaft  in  ihren  inneren  und  äußeren  Rechten,  soweit  dies  fons  Sit
nicht  ausdrücklich  der  Generalversammlung  vorbehalten  ist.

Er  besehe  aus  fünfzehn  Mitgliedern,  von  denen  wenigstens  neun  in
Preußen  ihren  Wohnsitz  haben  müssen,  und  ist  beschlußfähig,  wenn  mindestens
sieben  Mitglieder,  mit  Einschluß  des  Vorsitzenden  oder  seines  Stellvertreters,  anwesend
  oder  vertreten  find.

Außerdem  steht  es  den  Verwaltungsraths-Mitgliedern  frei,  sich  durch  einen
schriftlich  Bevollmächtigten  aus  der  Mitte  des  Verwaltungsrathes  vertreten  zu
lassen;  doch  darf  kein  Mitglied  mehr  als  zwei  Vertretungen  gleichzeitig  übernehmen.

S.  41.

Jedes  Mitglied  des  Verwaltungsrathes  muß  im  Besitze  von  dreißig  Stamm.  W.  hhigtet.
oder  fünfen  Stamm-Prioritätsaktien  sein,  welche  für  die  Dauer  des  Amtes
bei  der  Gesellschaftskasse  niederzulegen  sind.  ·

Nicht  wahlfähig  sind:

1)  Beamte  der  Gesellschaft;

2)  Minderjährige  und  unter  Kuratel  seehende  Personen,  sowie  diejenigen,
welche  ihre  Zahlungen  eingestellt  und  sich  nicht  vollständig  mit  ihren
Gläubigern  regulirt  haben;

3)  Personen,  welche  nicht  im  Vollbesitze  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  sind;

4)  Personen,  welche  mit  der  Gesellschaft  in  Kontraktsverhältnissen  stehen.

KG.  4.

Der  Verwaltungsrath  wählt  aus  seinen  in  Preußen  wohnhaften  Mit  Oer  Vorstzende.
gliedern  alljährlich  einen  Vorsitzenden  und  einen  Stellvertreter  für  denselben.
Zur  Gültigkeit  der  Wahl  ist  erforderlich,  daß  sie  mit  absoluter  Stimmenmehrheit
  erfolgt  ist.
Der  Vorsitzende  leitet  die  Geschäfte,  empfängt  und  öffnet  die  eingehenden
Schreiben,  beruft  die  Versammungen,  ladet  zu  denselben  die  Mit  üücher  nach
Befinden  durch  schriftliche,  den  Gegenstand  der  Besprechung  andeutende  Cirkulare
ein,  und  leitet  in  der  Versammlung  selbst  die  Verhandlungen.  "
(Xr.  6629.)  ½  Der
        <pb n="756" />
        —  580  —

»  Der  Stellvertreter  des  Vorsitzenden  hat,  wenn  letzterer  verhindert  ist,
überall  die  gleichen  Rechte  und  Pflichten,  wie  der  Vorsitzende  selbst.

g.  43.

Versonalun  Der  Verwaltungsrath  versammelt  sich  in  der  Regel  allmonatlich  an  einem
und  Beschluss.  vorher  durch  Beschluß  zu  bestimmenden  Tage,  außerdem  aber  so  oft,  als  es  der
Vorsitzende  für  nothwendig  erachtet,  oder  vier  Mitglieder,  unter  Angabe  der
Gründe,  es  verlangen.
·  Die  Sitzungen  finden  in  der  Regel  in  Guben  statt,  können  aber  auch  auf
einer  der  Stationen,  welche  die  nach  §.  1.  zu  erbauende  Eisenbahn  berührt,  abgehalten
  werden.

Gültige  Beschlüsse  können  nur  mit  absoluter  Stimmenmehrheit  Feiat  werden.
  Für  den  Fall  der  Stimmengleichheit  giebt  die  Stimme  des  Vorsitzenden
den  Ausschlag.

Bei  Mehlen  wird  eben  so  verfahren,  wie  im  F.  38.  sub  e.  und  am  Ende
vorgeschrieben  ist.

Mitglieder,  welche  bei  dem  Gegenstande  der  Berathung  ein  Privatinteresse
haben,  müssen  sich  bei  der  Abstimmung  entfernen.

Soll  in  den  Sitzungen
1)  über  Feststellung  der  Inventur,  der  Bilanz  und  der  Dividende,

2)  über  Anstellung  von  Beamten  mit  längerer  als  dreimonatlicher  Kündigung
  oder  über  Entlassung  derselben,

3)  über  Erwerbung  oder  Veräußerung  von  Immobilien,
4)  über  Verträge,  deren  Gegenstand  mehr  als  fünfzehnhundert  Thaler  beträgt,

gültig  Beschluß  gefaßt  werden,  so  muß  den  Mitgliedern  mindestens  vierzehn  Tage
vor  der  Sitzung  schriftlich  angezeigt  worden  sein,  daß  darüber  verhandelt  werden
soll.  Ueber  die  Beschlüsse  des  Verwaltungsrathes  wird  ein  Protokoll  geführt.

C.  44.

Ressort  und  Der  Verwaltungsrath  als  Vorstand  der  Gesellschaft  (§.  40.)  leitet  ins-Besugaise,
  besondere  sämmtliche  Angelegenheiten  der  Gesellschaft,  bringt  seine  eigenen,  sowie
die  Beschlüsse  der  Generalversammlungen  in  Ausführung  und  ernennt  und  entläßt

  die  Beamten  der  Gesellschaft.  Er  verwaltet  den  Gesellschaftsfonds  und  die

künftig  eingehenden  Bahn=  und  Transportgelder,  sowie  alle  sonstigen  Einnahmen

der  Gesellschaft,  erwirbt  die  zur  Erreichung  des  Gesellschaftszweckes  nach  ihren
Beschlüssen  erforderlichen  Grundstücke  und  sonstiges  bewegliches  und  unbewegliches
Eigenthum,  bewirkt  die  vollständige  Erbauung  der  Fohn  nach  dem  genehmigten
Bauplane,  sowie  demnächst  ihre  Unterhaltung,  desgleichen  die  k  nschaffung,
  Unterhaltung  der  erforderlichen  Gebäude,  Materialien,  Transportmittel

und  Utensilien,  oganist  und  leitet  den  Transportbetrieb,  schließt  alle  im  Interesse

der  Gesellschaft  erforderlichen  Kauf-,  Verkauf-,  Tausch-,  Pacht-,  Mieths--,  Engagements-,
  Anleihe-  und  sonstigen  Verträge  Namens  der  Gesellschaft  und  zrder,

en-
        <pb n="757" />
        —  581  —

sentirt  die  letztere  in  allen  Verhältnissen  nach  Außen  auf  das  vollständigste  mit
allen  Befugnissen  und  Verpflichtungen,  welche  die  Gesetze  dem  Vorstande  einer
Aksengesellschaf  (Artikel  227.  bis  241.  des  Handelsgesetzbuches)  beilegen.

Insbesondere  ist  der  Verwaltungerath  legitimirt,  die  Gesellschaft  in  allen

gerchtlichen  andlungen  zu  vertreten,  intragungen  jeder  Art  in  die  Hypothekenücher

  und  Löschungen  in  denselben  zu  bewilligen,  Wiederveräußerungen  vorzunehmen,
  Vergleiche  zu  schließen  und  Streitigkeiten  schiedsrichterlicher  Entscheidung
zu  unterwerfen.

Der  Verwaltungsrath  hat  mit  Genehmigung  des  Handelsministers  nach
Eröffnung  des  Betriebes  einen  Spezialdirektor  als  Generalbevollmächtigten  zu
bestellen,  welcher  die  Gesellschaft  in  allen  auf  die  Ausübung  des  Eisenbahnbetriebes
  bezüglichen  Geschäften,  soweit  dieselben  nicht  von  dem  verantwortlichen
technischen  Betriebsdirektor  (§.  9.  Nr.  1.  c.)  zu  leiten  sind,  zu  vertreten  berechtigt
  und  verpflichtet  ist.  Derselbe  hat  in  Guben  seinen  Wohnsitz  zu  nehmen  und
muß  Preußischer  Unterthan  sein.

Der  Verwaltungsrath  ist  außerdem  ermächtigt,  zur  Ausübung  gewisser
Befugnisse  desselben  anderweit  General=  und  Spezialbevollmächtigte  zu  ernennen
und  denselben  Vollmachten  zu  ertheilen,  welche,  soweit  sie  nicht  für  ein  bestimmtes
Geschäft  oder  auf  einen  bestimmten  Jeitraum  ertheilt  sind,  durch  den  Wechsel  der
Verwaltungsraths-Mitglieder  allein  nicht  erlöschen.
besond  Zur  Berathung  und  Beschlußnahme  des  Verwaltungsrathes  gehören  insesondere:
  «

1)  die  Bestimmung  der  Einzahlungen  auf  die  Aktien  (G.  17.),  Ausfertigung
der  Aktien,  Dividendenscheine,  ons  und  Talons

2)  die  Wahl  sämmtlicher  Beamten  und  Feststellung  der  mit  denselben  abzuschließenden
  Verträge,  sowie  der  ihnen  zu  ertheilenden  Instruktionen;

3)  die  Anlage  eines  zweiten  Bahngeleises,  sowie  alle  im  F.  32.  unter
1.  bis  8.  genannten,  demnächst  noch  zum  Beschlusse  der  Generalversammlung
  zu  bringenden  Gegenstände;

4)  die  Feststellung  der  Inventur  und  Bilanz;

5)  die  Bestimmung  über  die  Höhe  der  jährlichen  Dividende;

6)  die  Normirung  der  Prozentsätze,  welche  aus  der  Betriebskasse  zum  Erneuerungsfonds
  zu  zahlen  find  (G.  7.).

Alle  Erklärungen,  Urkunden,  Verträge  und  Verhandlungen,  die  der  Verwaltungsrath
  Namens  der  Gesellschaft  ausstellt,  resp.  vollzieht,  sind  verbindlich

für  die  Gesellschaft,  sobald  sie  von  dem  Vorsitzenden  oder  dessen  Stellvertreter
und  mindestens  noch  zwei  Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  unterschrieben  sind.

K.  45.

Hur  Ausübung  aller  dem  Verwaltungsrathe  im  F.  44.  ertheilten  Befugnisse
bedarf  derselbe  gegen  dritte  Personen  und  Behörden  keiner  weiteren  Legitimation,
als  eines  auf  Grund  der  von  der  Gerichtsperson  oder  dem  Notar  aufgenommenen

(Nr.  6629.)  Wahl-
        <pb n="758" />
        Wahlverhandlung  ausgefertigten  gerichtlichen  oder  notariellen  Attestes  über  die
Personen  seiner  jedesmaligen  Mitglieder.

KC.  46.

#ichten  undrd  Die  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  verwalten  ihr  Amt  nach  bester
Verantwertlich.  Einsicht  und  sind  der  Gesellschaft  nach  Maaßgabe  des  Gesetzes  (C.  132.  Titel  6.
Theil  2.  des  Allgemeinen  Landrechts)  für  ihre  Hardlungen  verhaftet.

„Die  nicht  in  Preußen  wohuhasten  Mitglieder  nehmen  für  etwaige  Regreß.
ansprüche  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Guben  Domizll.

S.  47.
Dauer  des  Die  Amtsdauer  der  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  ist  eine  vierjährige.
Antes.  In  den  drei  ersten  Jahren  nach  der  fünfjährigen  Amtsdauer  (S.  56.)  des

ersten  Verwaltungsrathes  scheiden  je  vier  Mitglieder,  welche  durch  das  Loos
bestimmt  werden,  aus.  Im  vierten  Jahre  scheiden  die  drei  letzten  der  zuerst  fungirerden
  (fünfzehn)  Mitglieder  aus.  Später  entscheidet  über  das  Ausscheiden  nur
ie  Amtsdauer.

Die  Ausgeschiedenen  sind  sofort  wieder  wählbar.

K.  48.

Austrit  Eul  Jedes  Mitglied  des  Verwaltungsrathes  kann  sein  Amt  nach  vorgängiger
gee  St  vierwöchentlicher  schriftlicher  Aufkündigung  niederlegen.

Ein  solcher  Austritt  ist  nothwendig,  wenn  die  im  §.  41.  erwähnten  Fälle
der  Wahlunfähigkeit  eintreten.

Der  Gesellschaft  steht  aber  das  Recht  zu,  jedes  Mitglied  des  Verwaltungsrathes
  zu  jeder  Zeit  vom  Amte  zu  entfernen,  wenn  dieses  von  der  Staatsregierung
verlangt  oder  auf  den  Antrag  der  übrigen  Verwaltungsraths-Mitglieder  oder  der
Revisoren  in  einer  Generalversammlung  beschlossen  wird.

Ein  solcher  Antrag  muß  zunächst  bei  dem  Verwaltungsrathe  selbst  einebracht

  und  von  diesem  in  einer  unter  Angabe  des  Zweckes  berufenen  Versammlung
sammüicher  Mitglieder  genehmigt,  demnächst  aber  der  Generalversammlung  vorgelegt
  werden.

Auch  kann  in  einer  auf  gleiche  Weise  berufenen  Versammlung  durch  einen
von  mindestens  eilf  Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  gefaßten  Beschluß  die
Suspension  vom  Amte  gegen  ein  Mitglied  dessel  en  bis  zur  definitiven  Entscheidung
  der  nächsten  Generalversammlung  angeordnet  werden,  in  welchem  Falle  der
Verwaltungsrath  zur  interimistischen  Wahl  eines  anderen  Mitgliedes  schreiten  kann.

Das  Protokoll  über  eine  solche  Wahl  muß  gleichfalls  unter  Zuziehung
einer  Gerichtsperson  oder  eines  Notars  aufgenommen  wverben.

KC.  49.

Remuneration  Die  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  erhalten,  außer  der  Erstattung  ihrer
de:  Witlieder  bagren  Auslagen,  eine  Remuneration,  welche  in  ihrem  Gesammtbetrage  durch  die

tungkrathes.  Generalversammlung  festgesetzt  wird.  Di
ie
        <pb n="759" />
        —  663  —

Die  Verhheilung  derselben  unter  die  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes
erfolgt  im  Verhältniß  zur  Zahl  der  Sitzungen,  welen  dieselben  beigewohnt  haben;
dabei  wird  für  den  jedesmaligen  Vorsitzenden  das  Doppelte  angenommen.

B.
Revisoren.

g.  50.

Die  Generalversammlung  wählt  für  jedes  Betriebsjahr  aus  der  Zahl  der  Wahl.
in  Preußen  wohnhaften  Aktionaire  drei  Revisoren.

G.  51.

Diesen  liegt  ob,  die  vom  Verwaltungsrathe  aufzustellenden  Bilanzen  zu  A#ftt.
prüfen  und  zu  dechargiren.

Die  in  der  ersten  ordentlichen  Generalversammlung  nach  Ablauf  der  Baueit
  zu  wählenden  Revisoren  haben  die  Baurechnung,  sowie  die  Bilanzen  für  die

auzeit  und  für  das  erste  Betriebsjahr  zu  prüfen;  die  in  jedem  folgenden  Jahre
zu  waehssen  Revisoren  prüfen  die  Bilanz  desjenigen  Jahres,  in  welchem  sie
gewählt  sind.

Die  Repvisoren  sind  ermächtigt,  dem  Verwaltungsrathe  Decharge  zu  ertheilen,
wenn  sie  gegen  die  Bilanz  nichts  zu  erinnern  finden,  oder  ihre  etwaigen  Erinnerungen
  erledigt  worden  sind.  Entgegengesetzten  Falls  haben  sie  bei  der  nächsten
Generalversammlung,  welcher  das  Feft  tat  der  Prufung  jederzeit  mitzutheilen  ist,
die  Beschlußnahme  über  die  Verfolgung  oder  Beseitigung  der  unerledigten  Erinnerungen
  anheimzustellen.

C.
Beamte  der  Gesellschaft.
GE.  52.

ç  Sollte  der  Betrieb  der  von  der  Gesellshaft  u  erbauenden  Eisenbahn  nicht  Wahl  der
einer  anderen  Gesellschaft  oder  dem  Staate  ü  lasten  werden,  s  der  Ver-  Beamten.
waltungsrath  den  eigenen  Betrieb  den  bestehenden  allgemeinen  und  speziellen  Verordnungen
  gemäß  zu  organisiren  und  nach  Maaßgabe  des  §.  9.  Nr.  I.  sub  C.

des  Statuts  sämmtliche  dazu  erforderliche  höhere  und  niedere  Beamte  zu  erwählen

und  anzustellen,  die  Bedingungen  der  mit  ihnen  abzuschließenden  Kontrakte  und

ihnen  rlpr  ertheilenden  Vollmachten  festzustellen  und  die  ihnen  zu  gebenden  Dienstinstruktionen
  zu  erlassen.  E

Der  Syndikus  wird  aus  der  Zahl  der  in  Preußen  wohnenden,  zum  Dir  Synbilus.
Richteramte  qualifizirten  Personen  gewählt.  Der  Stellvertreter  ist  dazu  bestiimm,  “
(r.  6629))  den
        <pb n="760" />
        —  584  —

den  Syndikus  bei  einzelnen  Behinderungsfällen  zu  vertreten,  und  wird  von  dem
letzteren  selbst,  mit  Genehmigung  des  Verwaltungsrathes,  gewählt.  Seine  Legitimation
  wird  durch  eine  vom  Syndikus  ausgestellte,  mit  der  Genehmigung  des
Verwaltungsrathes  versehene  Substitutionsvollmacht  geführt.

C.  54.

Kassenwesen.  Ueber  die  Einrichtung  und  Verwaltung  des  Kassenwesens  wird  von  dem
Verwaltungsrathe  eine  besondere  Instruktion  festgesetzt.

S.  55.

Alle  in  Bezug  auf  die  Zusammensetzung  des  Verwaltungsrathes  und  der
übrigen  Vertreter  und  der  im  §.  .  Nr.  1.  Sub  C.  bezeichneten  Beamten  der
Gesellschaft  eintretenden  Veränderungen,  sowie  die  Namen  der  Vorsitzenden  und
deren  Stellvertreter  sind  durch  die  Gesellschaftsblätter  rechtzeitig  bekannt  zu  machen.

*i-Vorübergehende

  Für  die  ersten  fünf  Jahre  besteht  der  Verwaltungsrath  der  Gesellschaft,
Bestimmungen.  kraft  dieses  Statuts,  aus  nachstehend  genannten  neun  Personen,  welche  unter
dem  Ehrenpräsidium  Seiner  Königlichen  Hoheit  des  Fürsten  zu  Hohengollern=Sigmaringen
  das  ganze  Aktienunternehmen  ins  Leben  gerufen  haben,  die  jedoch
verpflichtet  sind,  nach  Merhöchster  Bestätigung  dieses  Statuts  ihre  Zahl  unter
Berücksichtigung  der  im  F.  40.  vorgeschriebenen  Nationalität  bis  auf  funfzehn  zu
erhöhen,  nämlich:
1)  Geheimer  Ober-Finanzrath  Ambronn,  Stellvertreter  des  Vorsitzenden,
Sr.  Königlichen  Hoheit  des  Fürsten  zu  Hohenzollern-Sigmaringen,
2)  Charles  E.  Mangles,  in  London  wohnhaft,
3)  John  Chapman,  desgl.,
4)  George  Barnard  Tomnsend,  desgl.,
5)  James  Gilbert  Johnston,  desgl.,
6)  Kaufmann  Annuß  in  Posen,
7)  Bürgermeister  Kühnast  in  Guben,
8)  Bürgermeister  Lorenz  in  Crossen  a.  d.  O.,
9)  Landrath  Wocke  in  Posen.

Dieselben  bleiben  in  Funktion  bis  zu  der  nach  Ablauf  von  fünf  Jahren
stattfindenden  nächsten  ordentlichen  Generalversammlung  (6.  29.).  In  dieser
scheiden  dann  vier  der  Mitglieder  nach  §.  47  aus.

Sollten  sich  bis  zum  Dlaufe  der  Bauzeit  Vakanzen  in  dem  vorgedachten
Verwaltungsrathe  ereignen,  so  haben  die  übrig  gebliebenen  Mitglieder  die  Befugniß,
  ihre  Zahl,  unter  Beobachtung  der  Bestimmung  im  F.  41.  dieses  Statuts,
  durch  eine  in  ihrer  Mitte  zu  vollziehende  Wahl  zu  ergänzen.  Die  solcher-.

  ge-
        <pb n="761" />
        —  585  —

stalt  gewählten  Mitglieder  bleiben  ebenfalls  bis  zu  der  oben  bezeichneten
eneralversammlung  in  Funktion.

Die  Mitglieder  dieses  Verwaltungsrathes  haben  das  Recht,  sich  durch  ein
anderes  Mitglied  kraft  einer  demselben  zu  ertheilenden  Vollmacht  vertreten  zu
lassen;  jedoch  darf  kein  Mitglied  mehr  als  drei  solcher  Vertretungen  gleichzeitig
übernehmen.

.  57.

Während  und  bis  zum  Ablaufe  der  Jauzet  G.  27.)  werden  nach  Maaßgabe
  der  nachstehenden  Bestimmungen  die  F.  56.  aufgeführten  Mitglieder  des
Verwaltungsrathes  zur  Wahrnehmung  der  Geschäfte  desselben  bevollmächtigt.

S.  58.
Vermöge  dieses  Auftrages  sind  die  Herren:  u  —  er
ie  Finanz  ·  An  ·
1)  Charles  E.  Mangles,  Vorsitzender,  gelegeubeiten.

2)  John  Chapman,
3)  George  Barnard  Townsend,
4)  James  Gilbert  Johnston

in  London,

und  die  nach  F.  56.  noch  zu  erwählenden  zwei  Mitglieder,  die  den  Sitz  ihrer
Thätigkeit  in  Berlin  haben,  ermächtigt,  Ramens  des  gesammten  Verwaltungskulfes
  8  der  Gesellschaft  als  Komité  für  die  Finanzangelegenheiten  der  Geellschaft:


1)  die  auf  sämmtliche  Aktien  zu  leistenden  Einzahlungen  nach  Bedürfniß
resp.  nach  Bestimmung  der  Staatsregierung  auszuschreiben,  die  Aktien
auszugeben,  gegen  Vollzahlung  auszuhändigen  und  die  darauf  gezahlten
Gelder  bis  zu  deren  Verwendung  sicher  zu  asserviren,  auch  sich  hierüber
auf  Erfordern  der  Staatsregierung  genügend  auszuweisen;

2)  den  Bau  der  von  der  Gesellschaft  nach  F.  1.  beabsichtigten  Eisenbahn,
sowie  die  Beschaffung  der  gesammten  Betriebsmittel  für  dieselbe,  überhaupt
  alles  dasjenige,  was  zur  vollständigen  Herstellung  der  Bahn  und
ihrer  Zubehörung  bis  zum  Betriebe  derselben  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung
erforderlich  ist,  ganz  oder  bheilwelse  in  Entreprise  zu  geben  und  alle
Kontrakte  selbststindig  abzuschließen,  welche  über  alle  Gegenstände  erforderlich
  sind.  Der  Abschluß  von  Verträgen,  welche  Ueberschreitungen  des
Anschlags  involviren  oder  nach  sich  ziehen,  setzt  die  Zustimmung  des
Revifionskomités  voraus;

3)  endlich  in  Gemeinschaft  mit  dem  Revisionskomité  und  mit  Genehmigun
der  Staatsregierung  den  Betrieb  der  in  Rede  stehenden  Eisenbahn  no

Jahrgang  1867.  (Nr.  6629.)  78  vor
        <pb n="762" />
        Revifions-Komité.


—  586  —

vor  dem  Beginn  desselben  auf  Rechnung  der  Gesellschaft  einer  anderen
Gesellschaft  oder  dem  Staate  zu  übertragen.

S.  59P.
Die  Herren:
1)  Geheimer  Ober-Finanzrath  Ambronn,  Stellvertreter  des  Vorsitzenden,
Seiner  Königlichen  Hahet.  des  Fürsten  zu  Hohenzollern-Sigmaringen,

2)  Kaufmann  Annuß,

3)  Bürgermeister  Kühnast,
4)  Bürgermeister  Lorenz,
5)  Landrath  Wocke,

und  die  laut  F.  56.  noch  zu  erwählenden  vier  Mitglieder,  die  den  Sitz  ihrer
Thätigkeit  gleichfalls  in  Berlin  haben,  bilden  bis  zur  ersten,  nach  Ablauf  der
Bauzeit  stattfindenden  ordentlichen  Generalversammlung  ein  Revisionskomité,  und
sind  ermächtigt,  Namens  und  im  Auftrage  des  gesammten  Verwaltungsrathes:

1)  die  Ausfühmng  der  Bauarbeiten  auf  der  Bahnlinie  und  die  Erfüllung
der  von  dem  Komite  für  Finanzangelegenheiten  oder  den  Bauunternehmern
eingegangenen  Verpflichtungen  in  ihrem  ganzen  Umfange  zu  beaufsichtigen,
auch  darüber  zu  wachen,  daß  das  eingezahlte  Grundkapital  Seitens  des
Finanzkomités  bestimmungsmäßig  verwendet  wird,  die  an  den  etwaigen
Bauunternehmer  geleisteten  Zahlungen  in  richtigem  Verhältnisse  zu  dessen
Leistungen,  wie  den  Anschlagssummen  stehen,  auch  die  ghange  Thätigkeit
des  Finanzkomités  durch  Delegirte  aus  ihrer  Mitte  oder  durch  zu  bevollmächtigende
  Sachverständige  prüfen  und  weiter  verfolgen  zu  lassen;

2)  das  der  Gesellschaft  vom  Staate  zu  verleihende  Expropriationsrecht
Namens  dieser  Gesellschaft  auszuüben.

S.  60.

Die  Mitglieder  beider  Komités  sind,  bei  eigener  Vertretung,  der  Gesellschaft
  gegenüber  verpflichtet,  die  in  den  vorstehenden  IS§.  58.  und  59.  bestimmten
Grenzen  ihrer  Thätigkeit  genau  einzuhalten;  dagegen  sind  in  den  Verhältnissen
zu  dritten  Personen,  der  Theilung  ihrer  Thätigkeit  ungeachtet,  alle  Erklärungen
und  Verhandlungen  eines  jeden  der  beiden  Komites  für  die  Gesellschaft  verbindlich,
wenn  sie  unter  der  Firma  des  Verwaltungsrathes  von  dem  Vorsitzenden  eines  der
beiden  Komités  oder  ihrer  Stellvertreter  und  mindestens  noch  einem  Mitgliede
des  betreffenden  Komites  vollzogen  sind.

Der  Verwaltungsrath  in  seiner  Gesammtheit  ist  übrigens  berechtigt,  auch
schon  vor  Ablauf  der  Bauzeit  durch  Beschluß  die  Theilung  der  Arbeiten  und
Befugnisse  aufzuheben.

Ein  solcher  Beschluß,  mit  welchem  zugleich  die  Wahl  eines  Vorsitzenden

des
        <pb n="763" />
        —  587  —

des  gesammten  Verwaltungsrathes  und  eines  Stellvertreters  verbunden  sein  muß,
bedarf  einer  Mehrheit  von  zwei  Drittheilen  des  vereinigten  Verwaltungsrathes
und  ist  öffentlich  bekannt  zu  machen.

In  Foze  dessen  treten  dann  auch  innerhalb  der  Gesellschaft  die  auf  die
Theilung  der  Arbeiten  und  Befugnisse  beider  Komités  bezüglichen  Bestimmungen
der  §§.  58.  und  59.  außer  Kraft.

In  Fällen,  wo  zwischen  dem  Finanzkomité  und  dem  Revisionskomite  bei
Zusammentritt  beider  zu  gemeinsamer  Berathung  oder  sonst  eine  Einigung  nicht
erzielt  wird,  tritt  das  schiedsrichterliche  Verfahren  nach  den  Vorschriften  dieses

tatuts  ein.
S.  61.

Die  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  aahalten  während  der  Bauzeit  keine
besondere  Remuneration,  vielmehr  haben  dieselben  nur  Anspruch  auf  G  der
bei  Ausübung  ihrer  Funktionen  entstehenden  baaren  Auslagen.

6.  62.

Die  beiden  Komitcs  haben  während  der  Bauzeit  ihre  Bekanntmachungen
durch  die  im  F.  13.  bezeichneten  Blätter  zu  erlassen.  Sollte  eines  oder  das  andere
derselben  in  dieser  Zeit  eingehen,  so  müssen  beide  Komites  gemeinschaftlich  ein
anderes  Blatt  in  Stelle  des  eingegangenen  wählen.

S.  63.

Der  durch  das  gegenwärtige  Statut  im  §.  56.  konstituirte  erste  Verwaltungsrath
  ist  innerhalb  der  daselbst  festgesetzten  fünffährigen  Frist  ermächtigt,  die  von
der  Königlich  Preuischen  Regierung  etwa  als  erforderlich  zu  erachtenden  oder  von
derselben  auf  den  Antrag  des  Verwaltungsrathes  genchmigten  Abänderungen  dieses
Statuts  vorzunehmen  und  in  urkundlicher  Form  selbst  oder  durch  einen  Bevollmächtigten
  mit  verbindlicher  Kraft  für  alle  Aktionaire  der  Gesellschaft  zu  vollziehen.

KS.  64.

Wer  durch  Aktienzeichnung  dem  Unternehmen  beitritt,  unterwirft  sich  damit
den  von  dem  Gründungskomité  verlautbarten  Bestimmungen  dieses  Statuts  und
erkennt  alle  von  dem  Komité  als  Stellvertreter  der  Gesellschaft  innerhalb  der
statutenmäßigen  Grenzen  getroffenen  Maaßnahmen  und  eingegangenen  Verpflichtungen
  als  für  sich  verbindlich  an.

.  65.

Die  Staatsregierung  ist  berechtigt,  zu  spezieller  technischer  Beaufsichtigung
der  Bauausführung  einen  besondern  technischen  Kommissarius  zu  bestellen,  welcher
unbeschadet  des  a  gemeinen  gesetzlichen  Ussichtsrechts  und  der  daraus  entspringenden
  Befugnisse  des  Staates  ermächtigt  sein  soll,  sich  zu  jeder  Zeit,  in  jeder
ihm  geeignet  scheinenden  Weise,  von  der  vorschriftsmäßigen  und  soliden  Ausfüh-O#er.

  6629.)  78“  rung.
        <pb n="764" />
        –—  588  —

rung  des  Baues  nach  den  genehmigten  Plänen  und  Konstruktionen  und  von  der
Beschaffenheit  der  zu  verwendenden  Materialien  und  Betriebsmittel  durch  Einsichtnahme
  und  Proben  Ueberzeugun  *  verschaffen.  Seinen  Anordmugen  ist  die
Gesellschaft  unter  Vorbehalt  des  Rekurses  an  das  Königliche  Ministerium  für
Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  binnen  zehntägiger  präklusivischer  Frist
unbedingt  Folge  zu  leisten  verbunden.

Es  steht  ihm  das  Recht  zu,  in  dringenden  Fällen  sesbstständig,  sonst  aber
mit  Genehmigung  der  vorgesetzten  Aufsichtsbehörde  die  Aufführung  eines  Bauwerkes
  und  die  Benutzung  von  Betriebsmitteln  zu  untersagen.

Die  dem  Staate  durch  die  spezielle  Aufsicht  erwachsenden  Kosten  hat  die
Gesellschaft  nach  Bestimmung  des  Königlichen  Ministeriums  für  Handel,  Gewerbe
und  öffentliche  Arbeiten  vorshuhweis  zu  berichtigen  resp.  zu  erstatten.

Berlin,  den  15.  Dezember  1866.

Beil-
        <pb n="765" />
        –—  689  —

Beilagen.

Schema  A.-Stamm=
  Aktie
der
Märkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft
———  über

Einhundert  Thaler  Preußisch  Kurant.

D.  Inhaber  dieser  Aktie  ist  nach  Verhältniß  des  Betrages  derselben  an  dem
gesammten  Eigenthume  der  Märkisch-Posener  Eisenbahngesillchast  und  an  dem
Gewinne  und  Verluste  derselben  betheiligt.

..........  ,den..""18..
Maͤrkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft.

(I..  S.)  Der  Verwaltungsrath.  Eingetragen  Fol.  .....  des  Aktienbuches.

(Acht  faksimilirte  Unterschriften.)  (Unterschrift  des  Beamten.)

,  Schema  B.
Stamm-Prioritäts-Aktie
der
Märkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft
A4  üÜber

Zweihundert  Thaler  Preußisch  Kurant.

Der  Inhaber  dieser  Aktie  ist  nach  Verhältniß  des  Betrages  derselben  an  dem
gesammten  Eigenthume  der  Märkisch-Posener  eisenbahndeßllsch  und  an  dem
Gewinne  und  Verluste  derselben  mit  allen  denjenigen  Vorrechten  betheiligt,  die
nach  dem  Gesellschaftsstatute  den  Inhabern  der  StammPrioritäts-Aktien  zustehen,
insbesondere  e  mit  dem  prioritätischen  Anspruche  auf  Gewährung  einer  Dividende
  von  fünf  Prozent  pro  anno  aus  dem  Reinertrage  des  Unternehmens  der
Gesellschaft,  ehe  irgend  eine  Dividendenzahlung  an  die  Inhaber  der  Stamm-Aktien
  stattfinden  darf.

..........  ,den.«-s18..
Märkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft.
(II.  S.)  Der  Verwaltungsrath.  Eingetragen  koll4  des  Aktienbuches.
(Acht  faksimilirte  Unterschriften.)  (Unterschrift  des  Beamten.)

(Nr.  6020,)  Schema  C.
        <pb n="766" />
        —  590  —

Schema  C.
Kupon
zur

Stamm-Prioritäts-  „  .  .
Driorittts]  Aktie  15.4  der  Märkisch-Posener
Eisenbahngesellschaft
d  während  der  Bauzeit,  nachdem  die  Aktie  voll  eingezahlt  ist.
7½v#
m*“  Der  Inhaber  dieses  Kupons  empfängt  gegen  Einlieferung  desselben
2#½  5  Khir  Pr.  Krt.,  geschreben  nf  Thaler  Preußisch  Kurant,
Z2  E  als  Zinsen  der  vorgedachten  Aktie  für  das  halbe  Jahr  vom  ..  ....  ....
bis  zu...
*  .  ..  den  .  .  ten  ....  .  ..  18..

-  Der  Verwaltungsrath  der  Marbch  Posener  Eisenbahn-Gesellschaft.


(L.  S.)  (Faksimile  von  zwei  Unterschriften.)  Eingetragen  kol.
(Unterschrift  des  Beamten.)
Schema  D.
Dividendenschein
zur
Stamm-Aktie  %  der  Märkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft.
Der  Inhaber  dieses  Scheins  empfängt  gegen  Einlieferung  desselben  die  auf  obige
Aktie  fallende  Dividende  für  das  Jahr  b  deren  Betrag  vom  Verwaltungsrathe
  bekannt  gemacht  werden  wird.
..........  ,den..""18..

Der  Verwaltungsrath  der  Maͤrkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft.
Eingetragn  in  in  das  8.  Oividendenscheinegister
  Fbol.

(Unterschrift  des  Beamten.)

(I.  S.)  Faksimile  von  zwei  Unterschriften.

Schema  E.
        <pb n="767" />
        Stamm-——

è
2
S.  1#
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Stamm-□—



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p  ——i.
S
*  —
E
+  —
O
—

.

6□

—  591  —

Schema  E.
Talon
zur
Aktie  5  der  Märkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft.
Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  im  Jahre  gegen  Einlieferung

  desselben  die  zu  der  vorbezeichneten  Aktie  auszu  ertigenden.
Dividendenscheine  ro-  bis.  inkl.
....  .  den  EI  18.

Der  Verwaltungsrath  der  Märkisch-Posener  Eisenbahn-Gesellschaft.


(L.  S.)  (Faksimile  von  zwei  Unterschriften.)

Schema  F.
Dividendenschein
zur
Prioritäts-Aktie.  ..  .  ..  der  Maͤrkisch-Posener  Eisenbahn—
Gesellschaft.

Der  Inhaber  dieses  Dividendenscheins  hat  gegen  Einlieferung  desselben
an  dem  laut  Bilanz  sich  ergebenden  Reingewinne  der  Gesellschaft  für
das  Jahr  einen  Prioritätsanspruch  bis  zu  10  Rthlr.  Pr.  Krt.,
eschrieben  Zehn  Thaler  Preußisch  Kurant.  Außerdem  wird  der  Ueberchuß
  des  vertheilungsfähigen  Reingewinnes,  der  sich  nach  Auszahlung
dieser  fünf  Prozent,  sowie  demnächst  fernerer  sechs  und  zwei  Drittel
Prozent  pro  anno  auf  die  Stamm-Aktien  und  nach  Zahlung  eines
Drittels  öess  Ueberschusses  zum  Amortisationsfonds,  herausstellt,  pro
rata  unter  die  Stamm=  und  Stamm-Prioritäts-Aktien  vertheilt.

...  ..  .  .  ...  EI—
Der  Verwaltungsrath  der  Märkisch-Posener  Eisenbahn-Gesellschaft.


(L.  S.)  (Faksimile  von  zwei  Unterschriften.)

(Nr.  6629.)  Schema  6.
        <pb n="768" />
        —  592  —

Schema  G.
Dalon
zur
Stamm-Prioritäts-Aktie  1  .  ..  der  Märkisch-Posener  Eisenbahn-Gesellschaft.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfingt  im  Jahre  egen  Einlieferung
  desselben  die  zu  der  obengenannten  Aktie  ussuseiligenden.
Dividendenscheine  bto  ...  bis.  inkl.
..........  ,den.I-"1d

egister  B.

Der  Verwaltungsrath  der  Märkisch-Posener  Eisenbahn-Gesellschaft.


Fol
(Unterschrift  des  Beamten.)

Eingetragen  in  das  Talon-(L.

  S.)  (Faksimile  von  zwei  Unterschriften.)

Schema  H.
Quittungsbogen
der
Märkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft
——p.

Her  .  ....................................................

-  -  Stamm  Prioritäts-  Zwei  «
hat  sich  durch  Zeichnung  einer  Stamm.  s  Aktie  von  elhe.
Thalern  Preuficch  Kurant  bei  der  Märkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft  betheiligt
und  auf  diesen  Betrag  die  hierunter  von  dem  Verwaltungsrathe  oder  dem  Finanzkomiteé
  der  Eesruschaf  zu  quittirenden  Raten  eingezahlt.  Die  Aushändigung  der
Aktie  gegen  Rückgabe  dieses  Quittungsbogens  geschieht,  nachdem  der  Betrag  der
Aktie  voll  eingezahlt  ist.

Das  Finanzkomite  der  Märkisch-Posener  Eisenbahngesellschaft.
(L.  S.)  (Drei  faksimilirte  Unterschriften.)

 

Redigirt  im  Büreau  des  Stoats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Sofbuchdruckerer
(R.  v.  Decker).
        <pb n="769" />
        —  593  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  39.

 

Nr.  6630.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  in  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und
24.  Dezember  1866.  der  Preußischen  Monarchie  einverleibten,  zum  Regierungsbezirke
  Wiesbaden  vereinigten  Landestheilen,  sowie  in  dem  vor.
mals  Großherzoglich  Hessischen  Kreise  Vöhl  mit  Einschluß  der  Enklaven
Eimelrod  und  Höringhausen.  Vom  11.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.

verordnen  für  die  mit  Unserer  Monarchie  breinigten  gemäß  §.  2.  der  Verordnung
  vom  22.  Februar  d.  (Gelet=  Semm.  273.)  den  Regierungsbezirk
Wiesbaden  bildenden  Landestheile,  sowie  für  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen
Kreis  Vöhl,  einschließlich  der  Enklaven  Eimelrod  und  Höringhausen,  auf  den
Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.
Vom  I.  Juli  1867.  ab  werden  folgende  zur  Zeit  bestehende  direkte  Staatssteuern
  aufgehoben:
1)  im  vormaligen  Herzogthum  Nassau:
a)  die  Gebäudesteuer,
b)  die  Gewerbesteuer;
2)  in  den  zum  Gebiet  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt  gehörigen
vorstädtischen  und  Land-Gemeinden:
a)  die  Gebäudesteuer,
b)  die  Klassensteuer;
3)  in  den  vormals  zum  Großherzogthum  Hessen  gehörig  gewesenen
Gebietstheilen:
a)  die  Gebäudesteuer,
b)  die  Personalsteuer,
JP0)  die  Gewerbesteuer;
Johrgang  1887.  (Nr.  6630.)  79

Ausgegeben  zu  Berlin  den  13.  Mai  1867.

4)  in
        <pb n="770" />
        —  594  —
4)  in  dem  vormals  Landgräflich  Hessen-Homburgischen  Amte  Homburg:

a)  die  Gebäudesteuer,
b)  die  Gewerbe=  und  Viehsteuer.

Hinsichtlich  der  in  dem  Bezirke  der  Stadt  Frankfurt  gegemwärtig  bestchen.
den  Steuern  und  Abgaben  bleibt  das  Weitere  gemäß  §.  62.  des  Gemeinde-Verfasunge
  esetzes  für  die  gedachte  Stadt  vom  25.  März  1867.  (Gesetz  Samml.
S.  4  8  vorbehalten.

Die  nach  8.  2.  des  Nassauischen  Gesetzes  vom  29.  Juni  1861.  (Aassauisches
Verordnungsblatt  für  1861.  S.  77.)  von  den  Unternehmern  der  Hasardspiele  in
Wiesbaden  und  Ems  zu  entrichtende  Gewerbesteuer  ist  bis  zur  gänzlichen  Beseitigung
  der  Spielbanken  fort  zu  entrichten.

KC.  2.

Von  dem  im  2  1H  beseichneten  Zeitpunkte  ab  sind  in  den  im  Eingange
bezeichneten  Landestheilen  zu  erheben:

1)  die  durch  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1861.  (Gesetz  Samml.  für  1861.
S.  317.)  eingeführte  Gebäudesteuer;

2)  die  durch  das  Gesetz  vom  1.  Mai  1851.  (Gese,  Samml.  für  1851.
S.  193.)  eingeführte  Klassen=  und  klassifizirte  Einkommensteuer;  in  dem
Stadtgebiete  von  Frankfurt  a.  M.  an  Stelle  der  Klassensteuer  die  Mahlund
  Schlachtsteuer  nach  dem  Gesetze  vom  30.  Mai  1820.  (Gesetz  Samml.
für  1820.  S.  143.);

3)  die  durch  das  Gesetz  vom  30.  Mai  1820.  (Gesetz=  Samml.  für  1820.
S.  147.)  und  das,  einige  Abänderungen  des  letzteren  betreffende  Gesetz
vom  19.  Juli  1861.  (Gesetz  Samml.  für  1861.  S.  697.)  eingeführte
Gewerbesteuer;

und  werden  zu  diesem  Behufe  die  vorbezeichneten  Preußischen  Gesetze  nebst  allen
dileen  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  gesetzlichen  Vorschriften  eingeführt.


S.  3.

Die  Grundsteuer  von  den  Liegenschaften  ist  in  Gemäßbeit  des  Gesetzes
vom  21.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.  für  1861.  S.  253.),  betreffend  die  anderweite
  Regelung  der  Grundsteuer,  und  der  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänenden
  und  abändernden  Vorschriften  anderweit  2  veranlagen,  und  die  Grundsteuer.
  Hauptsunme  für  die  im  Eingange  dieser  Verordnung  bezeichneten  Landestheile
  in  verhältnißmäßiger  Gleichheit  mit  den  Grundsteuer-Hausksummen  der  altländischen
  Provinzen  sebstellen.

Bei  den  zu  letzterem  Zwecke  auszuführenden  Vermessungs=  und  Kartirungsarbeiten
  ist  nach  Anleitung  der  Behuss  Ausführung  des  vorgedachten  Gesetzes
ergangenen  Vorschriften  zu  verfahren.

Dagegen  bleibt  die  Bestimmung  darüber,  unter  welchen  besonderen  Naß,

gaben
        <pb n="771" />
        —  595  —

aben  das  mehrgedachte  Gesetz,  sowie  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1861.  (Gesetzamml.

  für  1861.  S.  327.),  betreffend  die  für  die  Aufhebung  der  Grundsteuer-Befreiungen
  und  Bevorzugungen  zu  gewährende  Entschädigung,  zur  Ausführung
zu  bringen,  und  die  Bestimmung  des  Zeitpunktes,  mit  welchem  die  neu  zu  veranlagende
  Grundsteuer,  gegen  Wegfall  der  bestehenden  Grundsteuer,  in  Hebung
zu  setzen,  einem  besonderen  Gesetze  vorbehalten.

Bis  zu  diesem  Zeitpunkte  sind  die  für  das  zweite  Vierteljahr  des  laufenden
Ersun  in  Hebung  befindlichen  Grundsteuern  von  den  Liegenschaften,  sowie  die
Gefällsteuer  im  Landbezirke  von  Frankfurt,  jedoch  mit  der  Maaßgabe  fort  zu  erheben,
daß  vom  1.  Juli  1867.  ab:

1)  diöni  en  Grundsteuerbeträge,  welche  speziell  auf  den  Gebäudeflächen
nebst  den  dazu  gehörigen  Hafrcurmn  und  Hausgärten  bis  zur  Größe
von  Einem  HP.#ie  Morgen  haften,  außer  *  7
em  aber

im  Gebiete  des  vormaligen  Herzogthums  Nassau  nur  drei  ein  halb  Simpel,

im  Kreise  Vöhl  nur  zwei  Drittheile,

im  Kreise  Biedenkopf  nur  drei  Viertheile,  und

in  den  feiher  zum  Kreise  Gießen  gehörigen  Gemarkungen  nur  eilf
Zwölftheile

der  bestehenden  Grundsteuer  alljährlich  zur  Staatskasse  eingezogen  werden.

K.  4.

Bis  die  in  der  Verordnung  vom  22.  Februar  1867.  (Gesetz=  Samml.
S.  273.)  bestimmte  anderweite  Organisation  der  Verwaltungsbehörden  in  den  Einangs
  gedachten  Landestheilen  erselgt  sein  wird,  sind  die  Hnktonen,  welche  nach
en  im  8.  2.  der  gegenwärtigen  Verordnung  bezeichneten  Gesetzen  den  Regierungen
#fallen  für  das  Gebiet  des  ehemaligen  Herzogthums  Nassau  von  dem  Finanzollegium
  zu  Wiesbaden  unter  Theilnahme  eines  Kommissars  des  Finanmiristers,
welchem  insbesondere  die  obere  beitung  der  Veranlagungsarbeiten  obliegt,  für
das  Gebiet  der  Stadt  Frankfurt,  das  Amt  Homburg  und  die  ehemaligen  Großperch
  Hessischen  Gebietstheile  aber  von  dem  Oberpräsidenten  zu  Kassel  wahrzunehmen.


Die  Funktionen  der  Landräthe  fallen  bis  auf  Weiteres  besonders  zu
berufenden  Kommissarien  zu.

Die  Vertretung  der  Gemeindebehörden  erfolgt  durch  die  Bürgermeister.

S.  5.

Einstweilen  und  so  lange  eine  kreis=  und  provinzialständische  Verfassung
nach  den  Grundsätzen  der  Preußischen  Gesetzgebung  nicht  eingeführt  ist,  treten
folgende  Bestimmungen  in  Kraft:

a)  Die  Veranlagung  der  Gebäudesteuer,  sowie  der  Klassen=  und  klafistirten
Einkommensteuer  erfolgt  innerhalb  der  zu  diesem  Zwecke  zu  bildenden
(Xr.  6630)  79*  Verebung

  gesetzt,  außer-2
        <pb n="772" />
        —  696  —

Veranlagungsbezirke  unter  Mitwirkung  von  Kommissionen,  welche  aus
Abgeordneten  der  Bezirksräthe  beziehungsweise  der  städtischen  Vertretung
zu  Frankfurt  a.  M.  nach  der  näheren  Anweisung  des  Finanzministers
gebildet  werden.

b)  Zur  Entscheidung  über  Reklamationen  und  Berufungen  gegen  die  Ein.
schätzungen  zur  Leisirte  Einkommensteuer  ist  für  den  Verungsbajirt
Wiesbaden  eine  Bezirkskommission  (G.  24.  des  Gesetzes  vom  I.  Mai
1851.)  zu  bilden,  deren  Mitglieder  aus  Einkommensteuerpflichtigen  der
46  Ersterem  vereinigten  Landestheile  durch  die  Provinzlalbehörde  (§.  4.)

erufen  werden,  der  Kreis  Vöhl  zu  dem  fraglichen  Zweck  aber  der
Bezirkskommission  zu  Kassel  zu  überweisen.

*)2!

Die  in  dem  Herogthume  Nassau  vorhandenen  Flecken  sind  bei  der  Veranlagung
  der  Gebäudesteuer  und  der  Gewerbesteuer  als  Städte  im  Sinne  der
unter  Rr.  1.  und  3.  im  F.  2.  dieser  Verordnung  angeführten  Gesetze  zu  behandeln.


K.  7.

Hinsichtlich  der  Veranlagung  der  Gebäudesteuer  sind  nachstehende  Vorschriften
  zu  beachten:  ·

a)  die  zu  den  Standesherrschaften  der  vormals  reichsunmittelbaren  Fürsten
und  Grafen  gehörigen  Gebäude  bleiben  von  Entrichtung  der  Gebäudesteuer
  nur  in  ao  weit  befreit,  als  sie  schon  nach  der  bisherigen  Gesetzgebung
im  Genusse  dieser  Freiheit  gewesen  sind;

b)  der  mittlere  jährliche  Miethswerth  der  Gebäude  (6.  6.  des  Eesches  vom
21.  Mai  1861.,  betreffend  die  Einführung  einer  allgemeinen  Gebändesiem
  ist  nach  dem  Durchschnitt  der  Jahre  1853.  bis  1862.  einschließlich
estzustellen;

c)  die  Bekanntmachung  des  Ergebnisses  der  Veranlagung  an  die  Eigenthümer
  geschieht  durch  Offenlegung  der  Veranlagungsnachweisimg
G.  10.  Absatz  2.  des  gedachten  Heschn  während  eines  Zeitramms  von
mindestens  vierzehn  Tagen;

4)  die  vierwöchentliche  Reklamationsfrist  E  10.  Absatz  4.  des  Traachten
Gesetzes)  läuft  vom  ersten  Tage  der  Offenlegung  der  Veranlagungsnachweisung;


e)  die  erste  Revision  der  Gebäukesteueroeranlagun  (§.  20.  des  gedachten
Gesetzes)  erfolgt  gleichzeitig  mit  der  ersten  Revision  der  Veränlagung  in
den  älteren  Merhischt  Landestheilen;

f)  die  in  den  15.  bis  18.  des  vorgedachten  Gesetzes  enthaltenen  Vorschriften
  bleiben,  soweit  sie  auf  das  arahren  bei  Feststellung  und  Fortschreibung
  eines  Wechsels  in  dem  Eigenthumsverhältniß  an  Gebäuden

und
        <pb n="773" />
        —  697  —

und  die  zu  entrichtenden  Fortschreibungsgebühren  sich  beziehen,  für  das
Gebiet  des  vormaligen  Lezogtbeme  dassau  einstweilen  außer  Anwendung
  und  statt  derselben  die  in  Betreff  der  Uebergänge  des  Eigenthums
an  den  der  Gebäudesteuer  unterliegenden  Realitäten  und  deren  Eintra-*
  in  die  Stockbücher,  sowie  wegen  der  Steuerveränderungen  bestehenen
  Nassauischen  Vorschriften  in  Kraft.

S.  S.
Behufs  Veranlagung  der  Gewerbesteuer  ist

a)  die  Stadt  Frankfurt  a.  M.)  nach  der  noch  näher  festzustellenden  Abgen
  ung,  der  ersten  Abtheilung  im  Sinne  des  Gesetzes  vom  30.  Mai
820.  wegen  Entrichtung  der  Gewerbesteuer  und  der  Beilage  B.  zu
demselben  —i  während  die  Städte  Wiesbaden  und  Homutg
der  zweiten  Abtheilung  zu  überweisen  sind;

b)  der  ganze  Regierungsbezirk  Wiesbaden  gehört  zur  ersten  Abtheilung  im
Sinne  der  rlr  4.  5.  und  8.  des  Gesehn  vom  19.  Juli  1861.)  betreffend
  einige  Abänderungen  des  Gesetzes  wegen  Entrichtung  der  Gewerbesteuer
  vom  30.  Mai  1820.;

JP)  soweit  die  Einrichtung  der  landräthlichen  Kreise  für  den  Regierungsbezirk
  Wiesbaden  o  ,  nicht  zur  Ausführung  Helangt  ist,  erfolgt  die
Veranlagung  der  Gewerbesteuer  für  die  nach  Mittelsätzen  in  Gesellschaften
  euernden  Gewerbetreibenden  an  Stelle  der  Kreise  (G.  26.  zu  b.
es  Gesetzes  vom  30.  Mai  1820.  wegen  Entrichtung  der  Ceperbz,seuer
und  Nr.  8.  der  Beilage  B.  zu  demselben)  in  den  zu  diesem  Zweck  zu
bildenden  Veranlagungsbezirken;

4)  bei  der  ersten  Veranlagung  der  Gewerbesteuer  geschieht  die  Wahl  der
Abgeordneten  für  die  laß.  A.  II.,  sowie  der  Stellvertreter  derselben
durch  diejenigen  Gewerbetreibenden,  welche  dazu  von  der  Kommunal-=behörde,
  beziehungsweise  von  dem  die  Funktionen  des  Landrathes  ausübenden
  Beamten  oder  Kommissar  4.  dieser  Verordnung)  bestimmt
werden  (Absatz  3.  im  F.  11.  des  Gesetzes  vom  19.  Juli  1861.,  be-Dt-
  einige  Abänderungen  des  Gewerbesteuergesetzes  vom  30.  Mai

G.  9F.

Das  Einkommen  der  Mitglieder  des  Herzoglich  Nassauischen  Fürstenhauses
bleibt  von  Entrichtung  der  Klafsen-  und  klassifizjirten  Einkommensteuer  befreit.
Auch  sind  die  im  Besitze  der  ersteren  besindlichen  Gebäude,  insoweit  solche  bisher
von  der  Gebäudesteuer  befreit  waren,  der  Gebäudesteuer  nicht  unterworfen.

K.  10.

Die  Zahlung  der  neuveranlagten  direkten  Steuern  darf  durch  Reklama-(Nr.
  6630.)  tionen
        <pb n="774" />
        —  598  —

tionen  nicht  aufgehalten  werden,  muß  vielmehr,  mit  Vorbebalt  der  späteren  Erstattung
  des  zu  viel  Gezahlten,  zu  den  bestimmten  Fälligkeitsterminen  erfolgen.

S.  11.

In  Betreff  der  Erhebung  und  Beitreibung  der  direkten  Steuern  bleiben
bis  dahin,  daß  die  in  dieser  Beziehung  nach  den  Grundsätzen  der  Preußischen
Gesetzgebung  und  Verwaltung  zu  treffenden  Einrichtungen  ausgeführt  sein  werden,
  die  beseehenden  Bestimmungen  mit  den  durch  die  Eigenthümlichkeit  der  neuen
Steuern  gebotenen  Abänderungen  und  mit  der  Maaßgabe  in  Kraft,  daß  die
fälligen  Steuerbeträge  in  den  ersten  acht  Tagen  jeden  V  an  die  bestimmte
Hebestelle  im  Voraus  einzuzahlen  sind,  daß  es  den  Pflichtigen  jedoch  freisteht,
die  Steuer  auch  für  einen  längeren  Zeitraum  bis  zum  ganzen  Jahresbetrage  im
Voraus  einzuzahlen.

.  12.

Bis  die  neu  veranlagten  Steuern  (Gebäudesteuer,  Klassen=  und  klassifizirte
Einkommensteuer,  Gewerbesteuer)  wirklich  zur  Hebung  gelangen,  sind  die  bestehene
den  Steuern  fort  zu  entrichten,  vorbehaltlich  einer  Ausgleichung  der  für  die  Zeit
nach  dem  1.  Juli  1867.  gezahlten  Beträge  mit  den  von  da  ab  zu  entrichtenden
neu  veranlagten  Steuern.

§.  13.

In  Betreß  der  Verjährung  der  im  F.  2.  bezeichneten  Steuern  kommen
die  betreffenden  Bestimmungen  des  Gesetes  vom  18.  Juni  1840.  (Gesetz-Samml.
S.  140.)  nebst  den  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden
Bestimmungen  zur  Anwendung.

Reklamationen  wegen  Steuern,  welche  vor  Publikation  der  gegemwärtigen
Verordnung  entrichtet  worden  sind,  sowie  Nachforderungen  wegen  Steuern  aus
dieser  Zeit  müssen,  insoweit  nicht  in  den  bisherigen  Gesetzen  kürzere  Vellährunge.
fristen  bestimmt  sind,  bei  Verlust  des  Anspruchs,  bis  zum  1.  Juli  1868.  geltend
gemacht  werden.

Für  die  zur  Zeit  der  Publikation  dieser  Verordnung  vorhandenen  Steuerrückstände
  beginnt  die  im  F.  I.  des  gedachten  Gesetzes  festgesetzte  vierjährige  Verjährungsfrist
  mit  dem  1.  Januar  1868.

S.  14.

In  Angelegenheiten  der  Veranlagung  und  Handhabung  der  im  F.  2.  bezeichneten
  Steuern  findet  der  Rechtsweg  nur  insoweit  statt,  als  dies  nach  den  allgemeinen
  Grundsäm  der  Preußischen  Gesetzgebung  zulässig  it  insichtlich  der
Schlacht-  und  Mahlsteuer  findet  bei  Kontraventionen  das  aschia  bei  Zoll-Kontraventionen
  Anwendung.

C.  15.

Mit  dem  1.  Juli  1867.  treten  für  die  im  Eingange  bezeichneten  Landesbeie

  alle,  die  bisherigen  im  F.  2.  bezeichneten  Steuern  betreffenden  Gesetze  und
erordnungen,  welche  den  Bestimmungen  der  gegenwärtigen  Verordnung  entgegenstehen)
  oder  mit  denselben  nicht  zu  vereinigen  sind,  mößer  Kraft.
        <pb n="775" />
        —  599  —
F.  16.
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  Lser  Verordnung  beauftragt
und  hat  die  hierzu  erforderlichen  Anweisungen  zu  erlassen.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Infiegel.
Gegeben  Berlin,  den  11.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6631.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  8.  April  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Chaussec  von
Füssenich  nach  Embken  im  Regierungsbezirk  Aachen.

N##  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  chausseemäßigen
Ausbau  der  Straße  von  Füssenich  nach  Embken,  im  Regierungsbezirk  Aachen,  genehmigt
  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  den  Gemeinden  Füssenich,  Juntersdorf  und  Embken
  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen
  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,
nach  Naahgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug
auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Jch  den  genannten  Gemeinden  gegen  Uebernahme
der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung
des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal
  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen
  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Schebung  betreffenden
hiblen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-  ghausserm  von
J  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeldrife
  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen

  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  8.  April  1867.

Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Xr.  6630—6632)  (Tr.  6632.)
        <pb n="776" />
        —  600  —

(Nr.  6632.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  der  unter  der  Firma:
„èktiengesellschaft  Rolandshütte  bei  Siegen-  mit  dem  Sitze  zu  Haardt
errichteten  Aktiengesellschaft.  Vom  2.  Mai  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  24.  April
1867.  die  Erichtg  einer  Miiengeselllcast  unter  der  Firma:  „Aktiengesellschaft
Rolandshütte  bei  Siegen“  mit  dem  Sitze  zu  Haardt,  sowie  deren  Statut  vom
9.  März  1867.  zu  genehmigen  geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statute  wird  durch  das  Amtsblatt  der
Königlichen  Regierung  zu  Arnsberg  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  2.  Mai  1867.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  bffentliche  Arbeiten.
Gr.  v.  Ictzenplictz.

 

Redigirt  im  Büreau  den  Staats-Ministeriums.
Berlin)  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(K.  v.  Decker).
        <pb n="777" />
        Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  a40.  —

 

(Nr.  6633.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen  Berggesetzes  vom
24.  Juni  1865.  in  das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover.
Vom  8.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.

verordnen  für  das  mit  Unserer  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen
Königreichs  Hannover,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

Artikel  I.

Das  Allgemeine  Bersgeset  Er  die  Preußischen  Staaten  vom  24.  Juni
1865.  (Gesetz=  Samml.  für  1865.  S.  705.)  erlangt  im  Gebiete  des  vormaligen
Könsgreiche  Hannover  unter  nachfolgenden  besonderen  Bestimmungen  mit  dem
1.  Juli  1867.  Gesetzeskraft.

Artikel  II.

Von  den  im  H.  1.  des  Allgemeinen  Beszesehes  von  dem  Verfügungs.
rechte  des  Grundeigenthümers  ausgeschlossenen  Mineralien  kommen,  vorbehaltüch
der  bestehenden  Berechtigungen,  Steinsalz  nebst  den  mit  demselben  auf  der  nämlichen
  Lagerstätte  vorkommenden  Salzen  und  die  Soolquellen  in  Wegfall.  Die
§#.  135.  165.  168.  und  196.  des  Allgemeinen  Berggesetzes  finden,  insoweit  sich
dieselben  auf  Salzbergwerke,  Salinen,  Soolleitungen  und  Soolbehälter  beziehen,
keine  Anwendung.

Artikel  III.

Hinsichtlich  der  Feldesgröße  ist  die  Bestimmung  unter  2.  des  F.  27.  des
Allgemeinen  esedes  maaßgebend,  insoweit  nicht  durch  Art.  XV.  J.  1.  etwas
Anderes  bestimmt  ist.  Unter  den  im  Allgemeinen  Berggesetze  in  Bezug  genommenen
  Maaßen  sind  überall  die  Preußischen  Maaße  zu  verstehen.

Artikel  IV.

Insofern  aus  den  vor  dem  1.  Juli  d.  J.  ertheilten  Schurfscheinen  ein
Jahrgang  1867.  (Nr.  6633.)  80  aus-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  15.  Mai  1867.
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        —  602  —

ausschließliches  Schurfrecht  auf  ein  bestimmtes  Feld  herzuleiten  ist,  behalten  dieselben
  ihre  bisherige  Kraft  fü  die  Zeit,  auf  welche  sie  ertheilt  sind.  Schurfscheine
olcher  Brt,  welche  auf  unbestimmte  Zeit  ertheilt  sind,  verlieren  ihre  Kraft  mit
em  1.  Juli  1868.

Artikel  V.

Statt  des  Kreises  und  Regierungsbezirks  ist  bis  zur  Aenderung  der  gegenwärtigen
  unwehn  Verwaltungsorganisation  in  der  Verleihungsurkunde  der
obrigkeitliche  und  der  Landdrosteibezirk  zu  bezeichnen,  in  welchem  das  Feld  liegt.

Ueberhaupt  sind,  wo  im  Allgemeinen  Berggesetze  die  Bezirksregierungen
erwähnt  werden,  darunter,  so  lange  die  gegenwärtige  Hannoversche  Verwaltungsorganisation
  besteht,  die  Landdrosteien  zu  verstehen.

Artikel  VI.

Auf  das  Bergwerkseigenthum  finden  hinsichtlich  der  Veräußerung,  Verbfändung
  und  des  Arrestes  die  allgemeinen  gesetzlichen  Vorschriften,  welche  in
ieser  Beichung  für  das  Grundeigenthum  in  den  vormals  Hannoverschen  Landestheilen
  gelten,  Anwendung.  Ebenst  bleiben  die  Bestimmungen  des  Hannoverschen
echtes  hinsichtlich  der  Exekution,  des  Konkurses  und  der  Rangordnung  der
Shbiger  unverändert,  soweit  nicht  diese  Verordnung  abweichende  Vorschriften
enthält.

Artikel  VII.
Der  §.  108.  des  Allgemeinen  Berggesetzes  erhält  den  Zusatz:
Die  Wirkung  der  erfolgten  Verpfändung  ist  nach  den  in  dem  Hamo,
verschen  Gesetze  über  das  Pfandrecht  und  die  Befriedi  Glüubiger

ung  der
im  onkurs  vom  14.  Dezember  1864.  I#§.  42.  ff.  ler  has  Faustpfand
gegebenen  Vorschriften  zu  beurtheilen.

Artikel  VIII.

Die  Exekution  in  den  Antheil  eines  Gewerken  (F.  109.)  richtet  sich  nach
den  in  den  §#.  552.  und  553.  der  Hmnoverschen  bürgerlichen  Prozeßordnung
vom  8.  November  1850.  enthaltenen  Vorschriften.

Artikel  IX.

Die  im  141.  des  Allgemeinen  Berggesetzes  in  Bezug  genommenen
Grundsätze  der  Preußischen  Gesetzgebung  über  das  den  Eisenbahngesellschaften
gegeng  er  bestehende  Vorkaufs=  und  Wiederverkaufsrecht,  insbesondere  die  .  16.
is  19.  des  Gesetzes  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen  vom  3.  November  1838.
(Gesetz-Samml.  für  1838.  S.  505.),  kommen  für  den  hier  bezeichneten  Fall  auch
in  dem  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  in  Anwendung.

Ar.
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        —  603  —

Artikel  X.

An  die  Stelle  des  ersten  Absatzes  des  §.  166.  des  Allgemeinen  Berggesetzes

tritt  die  folgende  Bestimmung:
Die  bereits  bestehenden  #nabpschastspereine  bleiben  in  Wirksamkeit.  Der
Luenwärtige  Titel  #ict  jedoch  auch  auf  sie  Anwendung  und  sind  ihre
atuten  mit  den  Vorschriften  desselben  in  Uebereinstimmung  zu  bringen.

Artitkel  XI.

Zugleich  mit  den  Strafvorschriften  des  Allgemeinen  Berggesetzes  tritt  auch
das  Gesetz  über  die  Bestrafung  unbefugter  Gewinnung  oder  Aneignung  von
Mineralien  vom  26.  März.  1856.  (Gesetz-Samml.  für  1856.  S.  203.)  in  Kraft.

Bis  zur  Aufhebung  der  gegenwärtig  im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs
Hammover  bestehenden  allgemeinen  strafgesetzlichen  Bestimmungen  ist  jedoch  bei

efängnißstrafen  von  mehr  als  drei  Monaten  statt  der  letzteren  auf  Arbeitshaus
zu  erkennen.

Artikel  XII.

Die  Besitz=  und  Rechtsverhältnisse  in  Bezug  auf  die  Stein=  und  Braunkohlen
  im  Fürstenthum  Calenbers,  einschließlich  der  Grafschaft  Spiegelberg,  sollen
wie  bisher  aufrecht  erhalten  werden.

Artikel  XIII.

Auf  den  im  vorstehenden  Artikel  bezeichneten  Bergbau  auf  Stein=  und
Braunkohlen  kommen  jedoch  der  dritte  Titel  mit  Ausnahme  der  §#.  50  —57.  63.
und  65.,  der  erste  Abschnitt  des  fünften  Titels,  insofern  es  sich  um  die  Grundabtretung
  Behufs  Anlage  von  Wegen,  Eisenbahnen,  Kanälen,  Wasserläufen  und
Hülfsbauen  handelt,  der  zweite  Abschnitt  des  fünften  Titels  mit  Ausnahme  des

152.)  ferner  der  siebente,  achte  und  neunte  Titel,  §.  241.  des  eilften  und
.  242.  des  zwölften  Titels  des  Allgemeinen  Berggesetzes  zur  Anwendung.

Artikel  XIV.

Rücksichtlich  des  Eisesteinbergbaues  in  dem  im  §.  42.  des  Kommunionharz-Theilungsrezesses
  vom  4.  Oktober  1788.  bezeichneten  Bezirke  behält  es  bei
den  Bestimmungen  des  letzteren  sein  Bewenden.

Artikel  XV.

Für  den  Eisensteinbergbau  in  den  im  Art.  XIV.  nicht  ausgenommenen
Theilen  des  Bezirks  des  Berg=  und  Forstamtes  zu  Clausthal,  einschließlich  des
Amtes-sElbingerode,  wird  das  Folgende  bestimmt:

#.  1.  In  Betreff  der  Feldesgröße  ist  die  Bestimmung  unter  1.  des  §.  27.
des  Berggesetzes  maaßgebend.
(Nr.  6683)  80“  G.  2.
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        —  604  —

§.  2.  Die  Eigenthümer  der  vom  1.  Juli  d.  J.  an  verliehenen  Bergwerke  sind
nicht  berechtigt,  die  Lieferung  von  freiem  Grubenhohz  aus  den  Königlichen
  Forsten  oder  die  unentgeltliche  Abtretung  der  Benutzung  von
Königlichem  oder  Gemeinde-Grund  und  Boden  zu  verlangen.

Soweit  dagegen  den  Eigenthümern  der  vor  diesem  Zeitpunkte
verliehenen  Bergwerke  ein  derartiger  Anspruch  zusteht,  bleibt  derselbe
für  diejenigen  Bergwerke  aufrecht  erhalten,  welche  durch  Eigenlöhner
betrieben  werden.

§.  3.  Die  Bergwerksbesitzer  sind  fortan  hinsichtlich  des  Betriebes  der  Bergwerke
  und  der  Verfügung  über  den  gewonnenen  Eisenstein  nur  den
allgemeinen  gesetzlichen  Bestimmungen  unterworfen,  insoweit  nicht  die
Rechte  Dritter  entgegenstehen.

.  4.  Innerhalb  des  Amtes  Elbingerode  steht  den  nach  F.  7.  der  Bergordnung
  vom  k  für  die  Elbingeroder  Eisensteingruben  allein  zum

Muthen  berechtigten  Personen  auch  fernerhin  die  ausschließliche  Befugniß
  zu,  Muthungen  auf  Eisenstein  einzulegen.  Dagegen  findet  eine
Beschränkung  in  der  freien  Befugniß,  erworbene  Muthungsrechte  oder
verliehene  Bergwerke  an  Dritte  zu  veräußern,  nicht  statt.

§.  5.  Das  bisher  bei  dem  Amte  ß;  Elbingerode  geführte  Verleihbuch,  sowie
das  von  der  Rothehütter  Administration  geführte  Lagerbuch  sind  zu
schließen  und  an  das  ordentliche  Gericht  des  Bezirkes  abzugeben.

§.  6.  In  den  Rechtsverhältnissen  der  Mitbetheiligten  der  am  1.  Juli  d.  J.
im  Besitze  mehrerer  Personen  befindlichen  Bergwerke  wird  durch  dieses
Eesch  nichts  geändert.  Jedoch  finden  die  Bestimmungen  des  #.  134.
des  Allgemeinen  Berggesetzes  auch  auf  diese  Bergwerke  mit  der  Maaßgabe
  Anwendung,  daß  der  bisherige  Lehnträger  die  daselbst  bezeichneten
eschäfte  ohne  Neuwahl  eines  Repräsentanten  wahrzunehmen  hat.
Durch  einen  von  einer  Mehrheit  von  wenigstens  drei  Viertheilen
aller  Antheile  gefaßten  Beschluß  konnen  die  Mitbetheiligten  eines  solchen
Verzwerls  die  im  vierten  Titel  des  Allgemeinen  Berggesetzes  (§#.  94.
bis  132.)  enthaltene  gewerkschaftliche  Verfassung  annehmen,  soweit  nicht
vertragsmäßige  Verabredungen  entgegenstehen.
Der  Beschluß  ist  gerichtlich  oder  notariell  aufzunehmen.

Artikel  XVI.

Dem  Königlichen  Fiskus  steht,  vorbehaltlich  der  bereits  erworbenen  Rechte
Dritter,  das  ausschließliche  Recht  zum  Bergbau  auf  alle  von  dem  Verfügungs-*
  des  Grundeigenthümers  ausgeschlossenen  Mineralien  in  dem  nachfolgenden
Felde  zu)  welches  begrenzt  ist:

1)  gegen  Ost  durch  die  Oker  von  der  Einmündung  des  Langethals  in  dieelbe
  bis  an  die  Landesgrenze  oberhalb  der  Rhomker  Brücke;

2)  gegen
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        —  605  —

2)  gegen  Nord,  West  und  Süd  durch  die  Landesgrenze  zwischen  dem
vormaligen  Königreiche  Hannover  und  dem  Herzogthume  Braunschweig
in  ihrer  Erstreckung  von  der  Oker  bis  zur  Innerste,  zum  Lindthalskopf
nördlich  von  Lautenthal,  sowie  weiter  bis  zur  Laubhütte  unterhalb  Grund
und  den  Eichelbach  entlang  bis  zum  Grenzstein  99.  am  Kalten  Born  und
endlich  bis  zum  Grenzstein  Nr.  56.  A.  am  Harzwege;

3)  gegen  Südwest  durch  die  gerade  Linie,  welche  den  Grenzstein  Nr.  56.  A.
am  Harzwege  mit  der  Mitte  der  Chausseebrücke  über  die  Innerste  bei  der
Ziegelhütte  verbindet;

4)  gegen  Südost  durch  die  gerade  Linie  zwischen  der  Mitte  der  Chausseerücke
  über  die  Innerste  bei  der  Ziegelhütte  bis  zum  Vereinigungspunkte
des  Hellerthales  und  Polsterthales;

5)  ferner  gegen  Südwest  und  Südost  durch  die  gerade  Li  ie  von  der
Vereinigung  des  Hellerthales  und  Polsterthales  bis  zur  Mitte  des  Altenauer
Hütten-Teichdammes,  durch  die  ebenfalls  gerade  Linie  von  hier  ab  bis  zur
Vereinigung  des  großen  Gerlachsbaches  mit  der  Röhrenbrunnenkappe,
durch  die  Röhrenbrunnenkappe  thalaufwärts  bis  zum  Dammgraben  und
durch  den  Lauf  des  Dammgrabens  bis  zu  dem  Punkte,  wo  der  erstere
das  Schneidewasser  trifft;

6)  gegen  Ost  durch  die  gerade  Linie  von  diesem  Punkte  bis  zur  Vereinigung
  des  Baches  im  kleinen  Trogthal  und  der  kleinen  Hume;

7)  gegen  Nord  durch  die  gerade  Linie  von  der  Vereinigung  des  Baches
im  kleinen  Trogthal  und  der  kleinen  Hume  bis  zum  Eintritt  des  oberen
Wildschützenthales  in  das  Langethal,  durch  das  Langethal  bis  zu  dessen
Vereinigung  mit  der  Oker.

Artikel  XVII.

Die  Muthung  und  Herleihung  von  Bergschmiede-Gerechtigkeiten  findet  nicht
ferner  statt.  Die  Befugnisse  der  Bergbehörde  gegenüber  den  bestehenden  Bergschmieden
  bleiben  aufrecht  erhalten.

Artikel  XVIII.

Die  künftige  Verfassung  und  Verwaltung  der  Bergbaukasse  zu  Clausthal
ist  durch  ein  von  dem  Finanzminister  und  dem  Minister  für  Handel,  Gewerbe
und  öffentliche  Arbeiten  gemeinschaftlich  zu  erlassendes  Statut  zu  regeln.

Artifel  XIX.

Das  Hannoversche  Gesetz  vom  21.  Mai  1854.  über  Wahrnehmung  der
*  der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit  in  Bergsachen  auf  dem  Oberharze  ist
aufgehoben.

Die  Wahrnehmung  der  bisher  dem  Bergrichter  bezüglich  des  Bergeigenthumes
  im  Bezirke  des  Berg=  und  Forstamtes  zu  Clausthal  zugestandenen  Fun

Mr.  6638.)  willi-
        <pb n="782" />
        —  606  —

willigen  Gerichtsbarkeit  geht  auf  die  ordentlichen  Gerichte  über,  an  welche  die
bisher  von  dem  Bergrichter  geführten  Bergbücher  abzugeben  sind.

Artikel  XX.

Den  Bergarbeitern  steht  in  Beziehung  auf  die  Rückstände  an  Lohn  und
anderen  Emolumenten  das  Vorzugsrecht  des  §.  59.  Nr.  4.  des  Hypothekengesetzes
vom  14.  Dezember  1864.  zu.

Artikel  XXlI.

Rücksichtlich  der  bisherigen  Bergwerksabgaben,  soweit  dieselben  an  die
Staatskassen  zu  entrichten  sind,  treten  die  nachfolgenden  Bestimmungen  mit  dem
1.  Juli  d.  J.  in  Kraft:

§.  1.  Die  von  den  Eisenerzbergwerken  bisher  erhobenen  Bergwerksabgaben
sind  aufgehoben.

§.  2.  Der  Bergwerkszehnte  und  die  sonstigen  Bergwerksabgaben,  wie  das
Lehn=  un  Verschreitgesd  sind  aufgehoben.  An  deren  Stelle  tritt  eine
Bergwerkssteuer  von  zwei  Prozent  von  dem  Werthe  der  Produkte  des
Bergwerkes  zur  Zeit  des  Absatzes  der  letzteren,  ausschließlich  der  Eisenerzbergwerke.

Hinsichtlich  der  Erstattung  eines  verhältnißmäßigen  Antheiles  der
Poch-,  Wasch-,  Hütten=  und  sonstigen  Zubereitungskosten  bei  Exzbergwerken
  durch  den  Staat,  sowie  der  Ermittelung,  Feststellung  und
Einziehung  der  Bergwerkssteuer  kommen  die  in  den  älteren  Provinzen
des  Staates  bestehenden  Vorschriften  zur  Anwendung.

§.  3.  Die  auf  privatrechtlichen  Titeln  beruhenden  Befreiungen  von  den  Bergwerksabgaben
  werden  aufrecht  erhalten.  Ebenso  werden  die  von  dem
Staate  über  Berzwerksabgaben  abgeschlossenen  Verträge  durch  die  Vorschriften
  der  S#.  1.  und  2.  nicht  verändert.
Hinsichtlich  der  Aufhebung  oder  Ermä  iguns  dieser  Bergwerks-Abgaben
  kommt  das  Gesetz  vom  17.  Juni  1863.,  betreffend  die  Abänderung
  des  F.  13.  des  Gesetzes  über  die  Besteuerung  der  Bergwerke
vom  12.  Mai  1851.  (Gesetz  Samml.  für  1863.  S.:  462.),  zur  Anwendung.


Artikel  XX  II.

Mit  dem  1.  Juli  1867.  sind  aufgehoben:  das  gemeine  deutsche  Bergrecht,
die  sämmtlichen  in  den  zum  vormaligen  Königreich  Hannover  gehörenden  Landestheilen
  geltenden  Bergordnungen,  insbesondere  auch  die  Bergordnung  für  den
Eisensteinbergbau  bei  Elbingerode  vom  t..  f  ferner  alle  übrigen  allgemeinen
  und  besonderen.  Gesetze,  Verordnungen  und  Gewohnheiten  über  Gegenstände,
auf  welche  das  Berggesetz  und  die  gegenwärtige  Verordnung  sich  beziehen.

 

T-
        <pb n="783" />
        —  607  —

gikundi  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.  «  «

Gegeben  Berlin,  den  8.  Mai  1867.
(##.  .Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitzt.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6634.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  von  4,000,000  Thalern  Prioritäts-Obligationen
der  Ostpreußischen  Südbahngesellschaft.  Vom  24.  April  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

Nachdem  von  Seiten  der  Ostpreußischen  Südbahngesellschaft  darauf  angetragen
  worden  ist,  ihr  zur  Beschaffung  der  Mittel  für  die  Fortführung  und
Vollendung  der  Ostpreußischen  Südbahn  bis  Lyck  die  Ausgabe  von  Prioritäts-Obligationen
  im  Betrage  von  4,000,000  Thalern  z  gestalten,  wollen  Wir  in
Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  (Gesetz  Samml.  S.  75.)
durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  zur  Emission
der  erwähnten  Obligationen  unter  nachstehenden  Bedingungen  ertheilen.

K.  1.

Die  auf  Höhe  von  4,000,000  Thalern  zu  emittirenden  Obligationen  werden
unter  der  Bezeichnung:

„Prioritäts-Obligationen  der  Ostpreußischen  Südbahngesellschaft“
nach  dem  anliegenden  Schema  A.  in  Apoints  von  500  Thalern  und  100  Thalern
unter  fortlaufenden  Nummern,  und  zwar:
2)500,000  Thaler  in  Apoints  à  500  Thaler  unter  Nr.  I.  bis  5,000.,
1,500,000  —  2  —  d  10  -  —  25001.  -  20,000.,

stempelfrei  ausgefertigt  und  mit  Zinskupons  nach  dem  Schema  B.,  sowie  mit
einem  Talon  nach  dem  Schema  C.  versehen.

Auf  der  Rückseite  der  Obligationen  wird  dieses  Privilegium  abgedruckt.
Dieselben  werden  von  dem  Vorsitzenden  und  zwei  Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes
  und  dem  Hauptrendanten  der  Gesellschaft  unterzeichnet.  Die  Zinskupons
und  Talons  werden  mit  dem  Faksimile  der  Unterschriften  des  Vorsitzenden  und
zweier  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  und  des  Hauptrendanten  versehen.

Die  erste  Serie  der  Zins  bons  für  zehn  Jahre  nebst  Talon  wird  den
Obligationen  beigegeben.  Bei  Ablauf  dieser  und  jeder  folgenden  zehnjährigen

(Fr.  6633—6634.)  ·  get
        <pb n="784" />
        —  608  —

ride  werden  nach  vorheriger  öffentlicher  Bekanntmachung  für  anderweite  zehn
ahre  neue  Zinskupons  ausgereicht.  Die  Ausreichung  g  an  den  Präsentanten
  des  Talons,  durch  dessen  Rückgabe  zugleich  über  den  Empfang  der  neuen
Kupons  quittirt  wird,  sofern  nicht  dagegen  von  dem  Inhaber  der  Obligation  bei
dem  Verwaltungsrathe  der  Gesellschaft  schriftlich  Widerspruch  erhoben  worden  ist.

Im  Falle  eines  solchen  Widerspruchs,  oder  wenn  der  Talon  überhaupt
nicht  beigebracht  werden  kann,  erfolgt  die  Ausreichung  an  den  Inhaber  der  Obligation.
  Diese  Bestimmung  wird  auf  dem  Talon  besonders  vermerkt.

S.  2.

Die  Prioritäts-Obligationen  werden  mit  fünf  Prozent  jährlich  verzinst  und
die  Zinsen  in  balhähriichen  Raten  am  2.  Januar  und  1.  Juli  jeden  Jalre  von
der  Gesellschafts-Hauptkasse  in  Königsberg,  sowie  von  den  durch  den  Verwaltungsrath
  in  WMenlichen  Blättern  namhaft  zu  machenden  Bankiers  oder  Kassen  ausezahlt.

  Zinsen  von  Prioritäts-Obligationen,  deren  Erhebung  innerhalb  vier
ahren,  von  den  in  den  betreffenden  Kupons  bestimmten  Zahlungsterminen  an
gerechnet,  nicht  geschehen  ist,  verfallen  zum  Vortheil  der  Gesellscht.

S.  3.

Die  Prioritäts-Obligationen  unterliegen  der  Amortisation,  die  mit  dem
Ablauf  des  ersten  Betriebsjahres  für  die  geammte  Bahnstrecke  bis  Lyck  beginnt
und  alljährlich  den  Beteag  von  einem  halben  Prozent  oder  20,000  Thalern
unter  Zuschlag  der  durch  die  eingelösten  Obligationen  ersparten  Zinsen  umfaßt.
Die  Amortisation  wird  durch  Ausloosung  zum  Nennwerthe  bewirkt.

Die  Ausloosung  findet  jedesmal  im  Nonat  April  statt  und  die  Auszahlung
des  Nominalbetrages  der  hiernach  zur  Amortisation  gelangenden  Prioritäts-Obligationen
  erfolgt  am  1.  Juli  jeden  Jahres.

Die  Verloosung  geschieht  durch  zwei  von  dem  Verwaltungsrathe  zugezogene
vereidete  Notare  in  einem  mindestens  vierzehn  Tage  vorher  zur  öffentlichen  Kenntniß
  zu  bringenden  Termine,  zu  welchem  den  Inhabern  der  Prioritäts-Obligationen
der  Zutritt  gestattet  wird.

Der  Generalversammlung  der  Eisenbahngesellschaft  bleibt  das  Recht  vorbehalten,
  sowohl  den  Amortisationsfonds  zu  verstärken  und  dadurch  die  Tilgung
der  Prioritäts-Obligationen  zu  beschleunigen,  als  auch  sämmtliche  Prioritäts-Obligationen
  durch  die  Fentichen  Blätter  mit  sechsmonatlicher  Frist  zu  kündigen  und
durch  Zahlung  des  Nennwerthes  einzulösen.  In  beiden  Fällen  bedarf  es  der  Genehmigung
  des  Staates.  Ueber  die  u  ührung  der  Tilgung  wird  dem  betreffenden
  Eisenbahnkommissariate  alljährlich  ein  Nachweis  vorgelegt.

S.  4.
Die  Nummern  der  ausgeloosten  Prioritäts-Obligationen  werden  binnen
vierzehn  Tagen  nach  Abhaltung  des  im  F.  3.  gedachten  Termins  öffentlich  bekannt
emacht;  die  Auszahlung  erfolgt  an  dem  im  F.  3.  dazu  bestimmten  Tage  in
Hnigsberg  von  der  Gesellschafts-Hauptkasse  nach  dem  Nominalwerthe  an  die  Vorzeiger
  der  Obligationen  gegen  A#blieterung  derselben  und  der  zugehörigen,  u
älli-
        <pb n="785" />
        —  609  —

fälligen  Zinskupons.  Werden  die  Kupons  nicht  mit  abgeliefert,  so  wird  der  Be.
trag  der  fehlenden  von  dem  Kapitalbetrage  der  iorttäts-Obligationen  gekürzt
und  zur  Einlösung  der  Kupons  verwendet,  sobald  dieselben  zur  Zahlung  präsentirt
werden.

Die  Verbindlichkeit  der  Gesellschaft  zur  Verzinsumg  jeder  Prioritäts-Obligation
  rrlcht  mit  dem  1.  Juli  desjenigen  Jahres,  in  welchem  dieselbe  ausgeloost
und,  daß  dies  geschehen,  öffentlich  bekannt  gemacht  worden  ist.

Die  im  Wege  der  Amortisation  eingelösten  Obligationen  werden  in  Gegenwart
  zweier  vereideter  Notare  verbrannt  und  es  wird  eine  Anzeige  darüber  durch
öffentliche  Blätter  bekamnt  gemacht.

F.  5.

Die  Nummern  der  zur  Rückzahlung  fälligen,  nicht  zur  Einlösung  vorgezeigten
  Obligationen  werden  jährlich  während  zehn  Jahre  von  dem  Verwaltungsrathe
  der  Gesellschaft  Behufs  Empfangnahme  der  Jahlung  öffentlich  einmal  auferufen.
  Gehen  sie  dessenungeachtet  nicht  spätestens  binnen  Jahresfrist  nach  dem
etzten  öffentlichen  Aufrufe  zur  Realisation  ein,  so  erlischt  ein  jeder  Anspruch  aus
denselben  an  das  Gesellschaftsvermögen,  was  unter  Angabe  der  Nummern  der
tt  giworhenen  Obligationen  von  dem  Verwaltungsrathe  öffentlich  bekannt
zu  machen  ist.

S.  6.

Rücksichtlich  der  Mortifzirung  angeblich  verlorener  oder  vernichteter  Oblisieren
  findet  der  F.  25.  der  Statuten  der  Ostpreußischen  Südbahngesellschaft
nwendung.

Zinskupons  dürfen  nicht  mortifizirt  werden;  jedoch  soll  demjenigen,  welcher
den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  Verjährungsfrist  7.)  bei  dem
Verwaltungsrathe  der  Gesellschaft  anmeldet  und  den  battgehe  ten  Besitz  der
Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Obligationen  oder  sonst  darthut,  nach  Ablauf
der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten  und  bie  dahin  nicht  vorgekonmmenen
  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt  werden.

S.  7.
Die  Ihaber  der  Prioritäts-Obligationen  sind  auf  die  Höhe  der  darin  verschribenen
  apitalbeträge  und  der  dafür  nach  F.  2.  zu  zahlenden  Zinsen  Gläubiger
er  Ostpreußischen  Südbahngesellschaft  und  haben  in  dieser  Sgenscha  an  dem
Gesellschaftsvermögen  ein  unbedingtes  Vorzugsrecht  vor  den  Slamm  -Prioritäts-Aktien
  und  den  Stamm-Aktien  nebst  deren  Divibenden.

f
Die  Inhaber  der  Obligationen  find,  außer  in  den  im  K.  3.  gedachten  Fällen,
nur  dann  berechtigt,  deren  Nennwerth  von  der  Gesellschaft  zu  fordern:
a)  wenn  ein  Jahlungstermin  länger  als  drei  Monate  unberichtigt  bleibt;
b)  wenn  der  Transpombetrieb  auf  der  Eisenbahn  länger  als  sechs  Monate
ganz  aufhört;
Jahenang  1867.  (Nr.  6634.)  81  e)  wenn
        <pb n="786" />
        —  610  —

c)  wenn  gegen  die  Gesellschaft  in  Folge  rechtskräftig  gewordener  Erkenntnisse
Schulden  halber  Exekution  vollstreckt  wird;
d)  wenn  die  im  §.  3.  festgesetzte  Amortisation  nicht  eingehalten  wird.

In  den  Fällen  zu  n.  b.  und  c.  kann  das  Kapital  von  dem  Tage  ab,  an
welchem  einer  dieser  Fälle  eintritt,  zurückgefordert  werden;  in  dem  Falle  zu  d.  ist
dagegen  eine  dreimonatliche  Kündigungsfrist  zu  beobachten.  Das  Recht  zur
Zurückforderung  dauert  in  dem  Falle  zu  a.  bis  zur  Zahlung  des  betreffenden
Zinskupons,  in  dem  Falle  zu  b.  bis  zur  Wiederherstellung  des  unterbrochenen
Transportbetriebes,  in  dem  Falle  zu  c.  bis  zum  Ablauf  eines  Jahres  nach  Aufhebung
  der  Exekution;  das  Recht  der  Kündigung  in  dem  Falle  zu  d.  drei  Monate
von  dem  Tage  ab,  an  welchem  die  Tilgung  der  Obligationen  hätte  erfolgen  sollen.

Die  E#lthationen,  welche  in  Folge  der  Bestimmungen  dieses  Paragraphen
eingelöst  worden,  kann  die  Gesellschaft  wieder  ausgeben.

S.  9.

Zur  Sicherung  der  Verzinsung  und  Tilgung  der  Schuld  wird  festgesetzt:

a)  die  vorgeschriebene  Verzinsung  und  Tigung  der  Obligationen  geht  der
Zahlung  von  Zinsen  und  Dividenden  an  die  Stamm  Prioritäts=  und
Stamm-Aktionaire  der  Gesellschaft  vor;

b)  bis  zur  Tilgung  der  Obligationen  oder  bis  zur  gerichtlichen  Deposition
der  Emssurgsolder  darf  die  Gesellschaft  keine  zur  Eisenbahn  und  zu  den
Bahnhöfen  erforderlichen  Grundstücke  veräußern)  dies  bezieht  sich  jedoch
nicht  auf  die  außerhalb  der  Bahn  und  der  Bahnhöfe  befindlichen  Grundstücke,
  auch  nicht  auf  solche,  welche  innerhalb  der  Bahnhöfe  etwa  an  den
Staat  oder  an  Gemeinden  zu  postalischen,  polizeilichen  oder  steuerlichen
Einrichtungen  oder  zu  Pochäfen  und  Waarenniederlagen  abgetreten  werden
möchten.

C.  10.

Die  in  diesem  Privilegium  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen  erfolgen
durch  den  Preußischen  Staatsanzeiger,  die  Berliner  Börsenzeitung,  die  Berliner
Bank  und  Handelszeitung,  die  Ostpreußische  Jeitung,  die  Königsberger  Hartungsche
Zeitung.

Urkund  dieses  haben  Wir  das  n°  enwärtige  Privilegium  Allerhöchsteigenhändig
  vollogen  und  unter  dem  König  chen  Insiegel  ausfertigen  lassen,  ohne
schoch  dadurch  den  Inhabern  der  Obligationen  in  Ansehung  ihrer  Befriedigung
eine  Gewährleistung  von  Seiten  des  Staats  zu  geben  oder  Rechten  Dritter  zu
präjudiziren.

Des  gegenwärtige  Privilegium  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  bekannt
zu  machen.

Gegeben  Berlin,  den  24.  April  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Schema  A.
        <pb n="787" />
        —  611  —

Schema  A.
Prioritäts-Obligation
der
Ostpreußischen  Suͤdbahngesellschaft
Dieser  Obligation  sind  20  Zins-  M  ...  Verzinsbar
kupons  nebst  Talon  beigefügt.  über  zu  5  Prozent.

Fünfhundert  Thaler  (Einhundert  Thaler)  Preußisch  Kurant.

Inhaber  dieser  Obligation  hat  an  die  Olreußische  Südbahngesellschaft
Fünfhundert  Thaler  (Einhundert  Thaler)  Preußisch  Kurant  zu  fordern  als  Antheil
an  dem  durch  in#he  Privilegium  vo  .  ien  .  .  ..  .  .  ..  18..  autorisirten
  Darlehn  von  4,000,000  Thalern.  Die  Zinsen  sind  gegen  die  ausgegebenen
Kupons  zahlbar.

Königsberg,  den  ..  ten  ...  .  .  ..  18..

Der  Verwaltungsrath  der  Ostpreußischen  Südbahngesellschaft.
CTrockener  Stempel.)
N.  N.  N.  N.  N.  N.
Eingetragen  sub  Fol.  ..  ..  des  Registers.
N.  N.  Rendant.

Mr.  6684.)  81“  Schema  B.
        <pb n="788" />
        —  612  —
Schema  B.

Zins-Kupon

der

zahlbar  am  2.  Januar  (1.  Juli)  18.

Inhaber  dieses  hat  am  2.  Januar  (1.  Juli)  18.  die  balbsährlichen  Zinsen
der  obengenannten  Prioritäts  Obligation  über  fünfhundert  Thaler  (Einhundert
Thaler)  zu  erheben  mit  12  Rthlr.  15  Sgr.  (2  Rthlr.  15  Sgr.).

Königsberg,  den  nnnnn  ...  18.

Der  Verwaltungsrath  der  Ostpreußischen  Südbahngesellschaft.
(Trockener  Stempel.)
N.  N.  N.  N.  N.  N.

N.  N.  Rendant.
Dieser  Kupon  wird  nach  Ablauf  von  vier
Jahren  nach  dem  darin  bezeichneten  Zahlungstage
  ungültig  und  werthlos.  Dasselbe  ist  der
Fall,  wenn  er  durchstrichen,  durchlocht,  oder  wenn
die  auf  ihm  vermerkte  Nummer  nicht  mehr
vollständig  zu  erkennen  ist.

Schema  C.
Talon

der

Inhaber  empfängt  gegen  Rückgabe  dieses  Talons  die  folgende  Serie  von
zwanzig  Stück  Zinskupons  zur  vorbezeichneten  Prioritäts-Obligation,  sofern  nicht
von  dem  Inhaber  der  Obligation  gegen  diese  Ausreichung  protestirt  worden  ist.
Im  Falle  eines  solchen  Widerspruche  oder  wenn  der  Talon  überhaupt  nicht  beigebracht
  werden  kann,  erfolgt  die  Ausreichung  der  neuen  Kupons  an  den  Inhaber
der  Obligation.

Königsberg,  den  n  ...  18.

Der  Verwaltungsrath  der  Ostpreußischen  Südbahngesellschaft.
(Trockener  Stempel.)
N.  N.  JN.  JN.  N.  N.
N.  N.  Rendant.

(Xr.  6635.)
        <pb n="789" />
        —  613  —

(Nr.  6635.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  6.  Mai  1867.,  betreffend  den  Tarif,  nach  welchem
die  Abgabe  für  das  Befahren  des  Saarkanals  zu  erheben  ist.

A#  Ihren  Bericht  vom  29.  v.  Mts.  erkläre  Ich  Mich  mit  der  in  Gemäßheit
des  Art.  III.  des  Vertrages  zwischen  Preußen  und  Frankreich  wegen  Herstellung
des  Saarkohlen-Kanals  vom  4.  April  1861.  (Gesetz-Samml.  S.  733.)  stattgehabten
  Vereinbarung  in  Betreff  der  auf  der  ganzen  Ausdehnung  des  Kanals
in  Preußen  und  in  Frankreich  zu  entrichtenden  Schiffahrtsabgaben  einverstanden.
Den  auf  Grund  dieser  Vereinbarung  aufgestellten  Tarif,  nach  welchem  die  Abgabe
  für  das  Befahren  des  Saarkanals  zu  erheben  ist,  lasse  Ich  von  Mir  vollzogen
  Ihnen  anliegend  zur  weiteren  Veranlassung  mit  der  Bestimmung  wieder
zugehen,  daß  derselbe  mit  dem  15.  Mai  d.  J.  in  Kraft  treten  soll.

Dieser  Erlaß  ist  nebst  dem  Tarife  durch  die  Gesetz-Sammlung  zu  veröffentlichen.


Berlin,  den  6.  Mai  1867.

Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  die  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten,
der  Finanzen  und  für  Handel,  Gewerbe  und
öffentliche  Arbeiten.

Tarif,

nach
welchem  die  Abgabe  für  das  Befahren  des  Saarkanals  zu  erheben  ist.
Vom  6.  Mai  1867.  «

Vorbemerkung.  Der  Saarkanal  ist  Behufs  der  Abgabenentrichtung  in
fünf  Abschnitte  eingetheilt,  deren  Anfangs=  und  Endpunkte  nebst  der  Entfernung
nachstehend  angegeben  sind.

Entfernung.
Abschnitt:  Louisenthal  —  Saarbrückken  0/0  Meilen
-  *ê  Preußisch-Französische  Grenze
II.  Abschnitt:  Saarbrücken  —  eruel  anenn  e  l

Hl.  Abschnitt.  Letreuftich  Firfuh  Grenze  Groß  ·  und  Klein  0%

—

oberhalb  Güdingen  Blittersdorf
IV.  Abschnitt:  Lareßr  und  Klen  —  Wölferdinggen.  -
V.  Abschnitt:  Wölferdingen  —  Saargemünd  ......  0,2o--3,:40Meilen.


(Nr.  6335.)  Es
        <pb n="790" />
        —  614  —

Es  wird  entrichtet:
A.  von  Waaren
a)  der  ersten  Klasse,  wozu  gehören:
1)  Zucker,  Kaffee,  Kolonialwaaren  und
andere  Spezereiwaaren,  Eßwaaren,

Tabak;

2)  Früchte  und  Gemüse)  frisch,  getrocknet,
  eingemacht  oder  gesalzen;
Getreide  aller  Art  in  Körnern  oder
Lmahsen  Kartoffeln,  Reis;

3)  Oel,  ölichte  Früchte,  Butter,  Honig,
Wachs,  Talg,  Schmalz;

4)  Seide,  Baumwolle,  Wolle,  Hanf,
Flachs  und  Roßhaare,  verarbeitet;
Gewebe  aller  Art,  rohe  Wolle  und
Baumwolle;

5)  Quincailleriewaaren,  Kristallwaaren,
Spiegelglas,  Porzellan,  Parfümerien
  und  Posamentierwaaren;

6)  Bearbeitetes  Korkholz,  Elfenbein,
Perlmutter,  Schildpatt,  Hornwaaren,
  Papiertapeten,  Schreibpapier,
Artikel  des  Buchhandels;

7)  Leder  und  Häute,  Marmor  in

en;

8)  Wein,  Branntwein,  Spiritus,  Liqueure,
  Essig,  Obstwein,  Bier  und
andere  Getränke;

9)  Kleine  und  andere  Sämereien;

10)  Metalle,  bearbeitet;

11)  Seife;
12)  Andere  nachstehend  nicht  benannte
Waaren,

für  den  Zener

b)  der  zweiten  Klasse,  wozu  gehören:

1)  Unverarbeitete  Metalle

2)  Außereuropäisches  Tischler=  und
Forbooh,  Farbstoffe;

3)  e  kohlen  Rinden,  Lohe;

3  uckersatz,  Runkelrüben;

5)  Drogueriewaaren,  Pottasche,  Soda,
chem  e  Fabrikate,  gereinigter

chwefel,  Salz;

 

 

 

 

 

 

 

Abschnitte
I.  II.  III.  IV.  V.
Pfennige.
53%  %%  %  /%  %
e)  da-
        <pb n="791" />
        —  615  —

 

 

6)  Fayence,  Fensterglas,  Glaswaaren,  Abschnitte
laschen,  gemeine  Töpferwaaren,  I.  I.  UI.  IV.  V.
uckerformen,  Öfennige.

für  den  Zentter  ½/%  %  %  %%%½%%%%

J%)  der  dritten  Klasse,  wozu  gehören:

¾ê0  Steinkohlen  und  Koaks;

2)  Exrze,  Porzellanerde,  Asphalt  in  Blökken,
  Asphaltmastix,  roher  Schwefel;

3)  Holz  aller  Art,  mit  Ausnahme  des
außereuropäischen  Tischler=  und  Farbbonl
  esReisig,  Holzkohlenabfall,  Torf;

4)  he,  Mi  „Däünger  aller  Art,
Knochenschwärze,  Guano;

5)  Rohe  oder  blos  behauene  Marmorund
  Granitsteine,  Lava,  Sandsteine,
Tuf,  Steine  aller  Art,  Bruchsteine,
Püatten,  Ziegelsteine,  Dachpfannen,

achschiefer,  Kalk,  Gyps,  Cement
Mörth  und  andere  Baumaterialien,
ergel,  Thon,  Sand,  Kieselsteine,

ies;
6)  Futterkräuter,  Oelkuchen,  Luckerrüben-Rückstände;

7)  Drainageröhren;  «
8)  Leere  Fässer,  Abfälle  zur  Papierfabrikation,
  Lumpen,  Glasscherben,
Schlacken,  Pflastersteine,  Kreide,
Erden  und  Ocker,  Spanischweiß  und
handere
ür  den  Zenter  .  ...  5%%%  %%%%%%%%
a#eh  3n  Fudes  Schiff,  auf  welchem  sich  “6%%  ¼%  %
Reisende  befinden,  entrichtet  ohne  Rücksicht
auf  die  Gatung  der  geladenen  Waaren  die
Schiffahrtsabgabe  der  ersten  Klasse  des  Tarifs
von  dem  Gewicht,  welches  die  Einsenkung
der  Aichskala  anzeigt.

B.  von  Holzflößen  jeder  Art  nach  dem
loßverbande,  ohne  Abzug  für  die  leeren
äume,  für  den  Kubikff  5%%  %  %N  %%%

Anmerkung.  Mit  Waaren  beladene  Flöße
haben  das  Doppelte  der  Abgabe  für  nicht
beladene  Flöße  zu  entrichten.  Als  beladen
werden  diejenigen  Flöße  nicht  betrachtet,  auf
welchen  sich  nur  die  Ruderstangen  und  Ersatzwinden
  befinden.

C.  von  Fischkasten  für  den  Kubikfuß  %  %  %  fto  tzonsssqool  ½/9%
(Nr.  6635.)  Be-
        <pb n="792" />
        —  616  —

Befreiungen.

Die  Abgabe  wird  nicht  erhoben:

1)  von  Schiffen  und  Fischkasten  im  ganz  leeren  Zustande;

2)  von  den  für  unmittelbare  Rechnung  der  Militairverwaltung  —  ohne
Dazwischenkunft  von  Lieferanten  oder  Unternehmern  —  verwendeten
Schiffen  und  Fahrzeugen  der  Königlich  Preußischen  oder  der  Kaiserlich
Französischen  Marine;

3)  von  den  Seitens  der  Baubeamten  beider  Staaten  ausschließlich  in  Angelegenheiten
  der  Schiffahrt  und  der  Wasserbauverwaltung  benutzten
Sahszeugen)

4)  von  Fischerfahrzeugen,  welche  lediglich  mit  Gegenständen,  die  auf  den
Fischfang  Bezug  haben,  beladen  sind;

5)  von  Fähren,  Nachen  und  Kähnen,  welche  zum  Uebersetzen  von  einem
Ufer  zum  andern  dienen;

6)  von  den  Fahrzeugen,  welche  Grundbesitzer  und  Pächter  innerhalb  ihres
Wirthschaftsbereiches  zu  halten  berecht  gt  sind,  wenn  sie  für  deren  Rechnung
  mit  Dünger,  Lebensmitteln,  Erntegegenständen  und  Getreide  in
Garben  beladen  sind.

Zusätzliche  Bestimmung.
Ale  vorsthende  Bestimmungen  finden  glechmaßig  auf  Dampftchfe  uwendung.

  Dieselben  sind  den  nämlichen  Vorschriften  und  Abgaben  unterworfen,
wie  andere  Schiffe.

Berlin,  den  6.  Mai  1867.

(u.  §.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  dor  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbachdruckrrei
(N.  v.  Decker].
        <pb n="793" />
        —  617  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

JJNr.  41.—

 

(Nr.  6636.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  I.  April  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  mehrerer  Chausseen  im
Kreise  Ratibor.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  folgender
Chausseen  im  Kreise  Ratibor,  Regierungsbezirks  Oppeln:  1)  von  Bosh  in  der
Rchtung  auf  Gleiwitz  über  Rauden  bis  an  die  Grenze  des  Kreises  Rybnik  mit
einer  A  jweigung  nach  dem  Bahnhofe  Neudza,  2)  von  Ratibor  in  der  Richtung
auf  Cosel  bis  zur  Kreisgrenze,  3)  von  der  Fhestell  Wilhelmsdorf  der  Ratibor-Fobschüter
  Chaussee  über  ein  und  Polnisch-Krawarn  bis  an  die  Kreisgrenze
in  der  Richtung  auf  Ober-Glogau,  4)  von  der  Hebestelle  Neugarten  der  Ratibor-Troppauer
  Chaussee  über  Studzienna,  Bojanow,  Kranowitz,  Kuchelna,  Bolatitz
nach  Deutsch-Krawarn,  5)  von  der  Chaussee  nach  Deutsch-Krawarn  über  Binkowitz
  und  Haatsch  bis  an  die  Landesgrenze  in  der  Richtung  auf  Mährisch-Ostrau
mit  Abzweigungen  nach  Hultschin  und  dem  Bahnhofe  Annaberg,  zur  direkten
Verbindung  der  letztgenannten  beiden  Punkte,  6)  von  der  Landesgrenze  bei
Petrzkowitz  über  Hultschin,  Beneschau  und  Deutsch-Krawarn  bis  an  die  Kreisgrenze
  bei  Troppau,  und  7)  von  der  Ratibor-Rybniker  Chaussee  bei  Lucasine,
abzweigend  über  Lubom  bis  an  die  Kreisgrenze  bei  Klein-Gorzütz  in  der  Richtung
  auf  Bahnhof  Groß-Peterwitz  in  Oeszerres,  genehmigt  habe,  verleihe  Ich
hierdurch  dem  gedachten  Kreise  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  diesen  Chausseen
erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entahme  der  Chausseebauund
  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staate  Chausseen
bestebenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straßen.  Zugleich  will  Ich  dem
Kreise  Ratibor  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemößigen  Unterhaltung
der  Straßen  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chmsege  es  nach  den  Bestimmungen
des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich
  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der
sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen
  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.
  Auch  sollen  die  dem  haussesgerg  Par  vom  29.  Februar  1840.  angehängten
  Bestimmungen  wegen  der  Chaussee-Polizeivergehen  auf  die  gedachten
Straßen  zur  Anwendung  kommen.

Johrgang  1867.  (Nr.  6636—6637.)  82  Der

Ausgegeben  zu  Berlin  den  20.  Mai  1867.
        <pb n="794" />
        —  618  —

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.
Berlin,  den  1.  April  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6637.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis-Obligationen
des  Ratiborer  Kreises  im  Betrage  von  150,000  Thalern.  Vom  1.  April  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

Nachdem  von  den  Kreisständen  des  Ratiborer  Kreises  auf  dem  Kreistage
vom  10.  November  1866.  beschlossen  worden,  die  zur  Ausführung  der  vom
Kreise  unternommenen  Chausseebauten  erforderlichen  Geldmittel  theilweise  im
Wege  einer  Anleihe  zu  beschaffen,  wollen  Wir  auf  den  Antrag  der  gedachten
Kreisstände:  zu  diesem  Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Inskupeme  verschere,
  Seitens  der  Gläubiger  unkündbare  Obligationen  zu  dem  angenommenen

etrage  von  150,000  Thalern  ausstellen  z  da  sich  hiergegen  weder  im
Interesse  der  Gläubiger  noch  der  Schuldner  etwas  zu  erinnern  gefunden  hat,
in  Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  zur  Ausstellung  von
Obligationen  zum  Betrage  von  150,000  Thalern,  in  Buchstaben  Einhundert  und
funfzig  Tausend  Thalern,  welche  in  folgenden  Apoints:

25,000  Thaler  à  1000  Thaler,
25,000  500

40000  100
30000  50
30,000  25

150000  Thaler,

nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer  mit
fünf  Prozent  Ehrli  zu  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu  bestimmenden
jens  een  jährlich  vom  Jahre  1868.  ab  mit  jährlich  einem  halben  Prozent,
vom  Jahre  1887.  ab  aber  mit  wenigstens  jährlich  Einem  Prozent  des  Kapitals
unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den  getilgten  Schuldversch  lungen  zu  tilgen
sind,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  lunbesherrliche  Genehmigung  mit
der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder  Inhaber  dieser  Obligatlonen  die
daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung  des  Eigenthums  nachweisen
zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befugt  ist.

Das
        <pb n="795" />
        —  619  —

Das  vorstehende  Privilegium,  welches  Wir  borbchaltich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird)  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

lundich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  1.  April  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

Provinz  Schlesien,  Regierungebezirk  Oppeln.
Obligation

des
Ratiborer  Kreises
Littr.  M  ..  ..
über  .  .  .  .  .  ..  Thaler  Preußisch  Kurant.
Ar#  Grund  der  untten  bestätigten  Kreistagsbeschlüsse  vom

10.  November  1866.  wegen  Aufnahme  einer  Darlehnsschuld  von  150,000  Thalern
bekennt  sich  die  ständische  Kommission  für  den  Chausseebau  des  Ratiborer  Kreises
Namens  des  Kreises  durch  diese,  für  jeden  Inhaber  gültige,  Seitens  des  Gläubigers
  unkündbare  Verschreibung  zu  einer  Schuld  von#  Thalern  Preußisch
Kurant  nach  dem  gesetzich  bestegenden.  Münzfuße,  welche  für  den  Kreis  kontrahirt
worden  und  mit  fünf  Prozent  sährlich  u  verzinsen  ist.

Die  Rückzahlung  der  ganzen  cund  von  150,000  Thalern  geschieht  vom
Jahre  1868.  ab  allmälig  aus  einem  zu  diesem  Behufe  gebildeten  Tilgungsfonds
von  einem  halben  Prozent,  vom  Jahre  1887.  ab  von  wenigstens  Einem  Prozent
jährlich,  unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den  getilgten  Schuldverschreibungen.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  Die  Ausloosung  erfolgt  vom  Jahre  1868.  ab  in  dem
Monate  September  jeden  Jahres.  Der  Kreis  behält  sich  doch  das  Recht  vor,
den  Tilgungsfonds  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche
noch  unglaussede  Schuldverschreibungen  zu  kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie
die  gekündigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Bezeichnung  ihrer  Buchstaben,

(Nr.  6637.)  82“  Num-
        <pb n="796" />
        —  620  —

Nummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rüchahlung  erfolgen
soll,  Effentlich  bekannt  gemacht.  Diese  Bekanntmachung  ersol  t  sechs,  drei,  zwei
und  Einen  Monat  vor  dem  Zahlungstermine  in  dem  Amtsblatte  der  Königlichen
Regierung  zu  Oppeln,  in  dem  Kreisblatte  des  Ratiborer  Kreises,  sowie  in  zwei
in  der  Prooin  erscheinenden  Zeitungen.

is  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  z4.  wird
es  in  halbjährlichen  Terminen,  am  2.  Januar  und  am  1.  Juli,  von  heute  an
gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  glicher  Münzsorte  mit  jenem  verzinset.

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückzabe
  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,

ei  der  Kreis-Kommunalkasse  in  Ratibor  oder  an  anderen  bekannt  zu  machenden
Lauen,  und  zwar  auch  in  der  nach  dem  Eintritt  des  Fälligkeitstermins  folgenen
  Zeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.

Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreiig  Jahren  nöch  em
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren  nicht
erhobenen  en,  verjähren  zu  Gunsten  des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Allgemeinen  Gerichtsordnung  Theil  I.
Titel  51.  §S.  120.  seq.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Ratibor.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  der  Kreisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz
der  Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  chuldperschreibung  oder  sonst  in  glaub-=hafter
  Weise  darthut,  nach  lblauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angeede
  und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt
  werden.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  halbjährige  Zinskupons  bis  zum
Schlusse  des  Jahres  1870.  ausgegeben.  Für  die  weitere  Zeit  werden  Zinskupons
  auf  fünfläheige  Perioden  ausgegeben.

Die  Musga  e  einer  neuen  Zinskupons.  Serie  erfolgt  bei  der  Kreis-Kommunalkaße
  zu  Ratibor  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie
beigedruckten  Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfollt  die  Aushändigung  der
neuen  Zinskupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schu
Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

HLus  Sihechen  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der
Kreis  mit  seinem  Vermögen.

Dessen  zu  Urkunde  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift

  ertheilt.

—.—.  .7  den.  ...  18..

Die  ständische  Kommission  für  den  Chausseebau  im  Ratiborer  Kreise.

verschreibung,  sofern  deren

Pro-
        <pb n="797" />
        —  621  —
Provinz  Schlesien,  Regierungsbezirk  Oppeln.

Zin  8--Kupon

zu  der
Kreis-Obligation  des  Ratiborer  Kreises
Littr.  über  .  .  .  Thaler  zu  ..  Prozent  Zinsen  über

.  .  ..  Thaler  ..  .  Silbergroschen  ..  Pfennige.

Der  Inhaber  deses  **  Inp  faͤngt  gegen  dessen  Rückgabe  in  der
Zeit  vom  .ten  ....  (.............  bi........  und

späterhin  die  Zinsen  der  ——  uu6.  Shngalien  fuͤr  das  Halbj
.....  bmit(iiiBuchstaben)Thaler.Silbergroschen  »Ehe-ringen
bei  der  Kreis-Kommunalkass  zu  Hatr.

..........  ,en..t«s

Die  staͤndische  Kreiskommission  fir7  den  r  Chauseebau  im  Ratiborer  Kreise.

Dieser  Zinskupon  ist  ungültig,  wenm
dessen  Geldbetrag  nicht  innerhalb  vier  Jahren
nach  der  Fälligkeit,  vom  Schluß  des  betreffenden
Kalendersahres  Lan  gerechnet,  erhoben  wird.

Provinz  Schlesien,  Negierungebezirk  Oppeln.
Dalon

zur

Kreis-Obligation  des  Ratiborer  Kreifes.

Der  Inkaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  ddesen  Nückaabe  u  der
Obligation  des  Ratiborer  Kreises  Llittr.  über.  Tia-  fünf
Prozent  Zinsen  die  ..  te  Serie  Zinskupons  für  die  fünf  lier.  18.  bis  18.  bei
der  Kreis-  Kommunalkasse  u  Ratibor,  falls  der  Inhaber  der  Obligation  nicht
rechtzeitig  Widerspruch  erhoben  hat.

..  ten

Die  ständische  Kreiskommission  für  den  Chauffeebau  im  Ratiborer  Kreise.

 

(Nr.  6637——6639.)  (Nr.  6638.)
        <pb n="798" />
        —  622  —

(Nr.  6638.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  8.  April  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussec  int
Kreise  Groß.  Strehlitz  des  Regierungsbezirks  Oppeln  von  Schlawentschütz
über  Ujest  bis  zur  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Peiskretscham.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Kreis-Chaussee
  im  Kreise  Groß=  Strehlitz  des  Regierungsbezirks  Oppeln  von  Schlawentschütz
  über  Ujest  bis  zur  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Peiskretscham
genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise  Groß-Strehlitz  das  Exprobriationerecht
  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen
as  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,  nach
Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf
diese  Iraze  Zugleich  will  Ich  dem  genannten  Kreise  gegen  Uebernahme  der
künftigen  chausseemäß  en  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung
des  Gmsserge  es  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Charsseen  jedesmal
  geltenden  Chaussergeld-karif,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen
  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden
usätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chauslern  von
hnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseeeld-Tarife
  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Sussee.
Polzewergehen  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.
Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  8.  April  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6639.)  Kenzessions-  und  Bestätigungs=  Urkunde,  betreffend  die  Anlage  einer  Eisenbahn
von  Cöslin  über  Stolp  nach  Danzig  durch  die  Berlin-  Stettiner  Eisenbahn-Gesellschaft,
  und  einen  Nachtrag  zu  den  Statuten  der  letzteren.  Vom
24.  April  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #

Nachdem  die  Berlin=  Stettiner  Eisenbahngesellschaft  in  der  (Generalversammlung
  ihrer  Aktionaire  vom  21.  Januar  1867.  beschlossen  hat,  ihr  Unterneh-
        <pb n="799" />
        —  623  —

nehmen  nach  Maaßgabe  des  dem  Gesetze  vom  13.  März  1867.  beigefn  ten  Vertrages
  vom  21.  November  1866.  auf  den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von
Cöslin  über  Stolp  nach  Danzig  im  Anschlusse  an  die  Stargard-Cösliner
Eisenbahn  aussudehnene  wollen  Wir  der  gedachten  Gesellschaft  Hiesz  Unsere
„landesherrliche  Genehmigung  ertheilen  und  den  anliegenden,  auf  Grund  der  Bechlüsse
  der  Generalversammlung  ausgefertigten  Nachtrag  zu  den  Statuten  der
erlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft  hiermit  bestätigen.  Zugleich  bestimmen

Wir,  daß  die  in  dem  Gesetze  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen  vom  3.  November
  1838.  ergangenen  allgemeinen  Vorschriften,  namentlich  diejenigen  über
die  Expropriation,  auf  das  vorgedachte  Unternehmen  einer  Eisenbahn  von  Cöslin
über  Stolp  nach  Danzig  Anwendung  finden  sollen.

Die  gegenwärtige  Bestätigung  und  Genehmigung  ist  nebst  dem  Statuten-Nachtrage
  durch  die  Gesetz=  Sammlung  bekannt  zu  machen.

Lürhandch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  24.  April  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

Nachtrag
zu  den

am  12.  Oktober  1840.  Allerhöchst  bestätigten  Statuten  der  Berlin-Stettiner
  Eisenbahngesellschaft.
(Gesetz=  Samml.  von  1840.  S.  305.  ff.)

K.  1.

Das  Unternehmen  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft  wird  auf  die
Erbauung  und  den  künftigen  Betrieb  einer  Zweigbahn  von  Station  Cöslin  über
Stolp  nach  Danzig  nach  Maaßgabe  des  zwischen  dem  Geheimen  Regierungsrath
Heise  und  dem  Geheimen  Baurath  Koch,  als  Kommissarien  des  P  inisters  für
Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten,  einerseits,  und  der  Berlin-Stettiner
Eisenbahngesellschaft,  vertreten  durch  deren  Direktorium),  andererseits,  unter  dem
21.  November  vorigen  Jahres  geschlossenen  Vertrages  ausgedehnt.  Die  neue

(Nr.  6639—6640,)  Sweig-
        <pb n="800" />
        —  624  —

Zweigbahn  bildet  einen  integrirenden  Theil  des  Berlin-Stettiner  Eisenbahn-Unternehmens
  und  finden  auf  dieselbe  alle  Bestimmungen  der  Allerhöchst  bestäägten
  Gesellschafts-Statuten,  namentlich  auch  des  Gestes  vom  3.  November
1838.,  Anwendung.  *

Die  spezielle  Richtung  der  neuen  Zweigbahn  wird  von  dem  Königlichen
Handelsnnnlseit  festgestellt.  Von  dem  festgestellten  Bauplane  darf  nur  unter
besonderer  Genehmigung  des  gedachten  Ministeriums  abgewichen  werden.

S.  3.
Das  zur  Ausführung  des  neuen  Unternehmens,  desgleichen  zum  entsprechenden
  Ausbau  der  Anschluß-Bahnhäfe  t  Cöslin  und  Danzig  erforderliche  Anlagekapital
  wird  auf  zehn  Millionen  Thaler  festgesetzt.

K.  4.

Die  Beschaffung  dieses  Anlagekapitals  erfolgt  durch  Ausgabe  von  vierprozentigen,
  vom  Staate  mit  34  Prozent  garantirten  Prioritäts-Obligationen  zum
Eessimat-Romanainrerhh=  von  zehn  Milleen  Thaler.

Die  Bedingungen,  unter  denen  die  Kreirung  und  Emission  dieser  Obligationen
  erfolgt,  werden  durch  ein  besonderes  Allerhöchstes  Privilegium  festgesetzt.

 

(Nr.  6640.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  von  zehn  Millionen  Thaler  in  vierprozentigen
Prioritäts-Obligationen  der  Berlin.  Stettiner  Eisenbahngesellschaft,  Behufs
  des  Baues  einer  Zweigbahn  von  Cöslin  über  Stolp  nach  Danzig.
Vom  24.  April  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Konig  von  Preußen  ꝛc.

Nachdem  von  Seiten  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft  auf  Grund
des  von  der  Generalversammlung  ihrer  Aktionaire  am  21.  Januar  1867.  gefaßten
Beschlusses,  sowie  des  mit  Unserer  Genehmigung  geschlossenen,  dem  Gesetze  vom
13.  März  1867.  beigefügten  Vertrages  vom  21.  November  1866.  über  die  Erbauung
  und  den  künftigen  Betrieb  einer  Zweigbahn  von  Köslin  über  Stolp  nach
Danzig  darauf  angetragen  worden  ist,  ihr  zu  diesem  Zwecke  die  Aufnahme  einer
Anleihe  von  zehn  Millionen  Thaler  gegen  Aesstellung  auf  den  Inhaber  lautender
und  mit  Zinsscheinen  versehener  Prioritäts-Obligationen  zu  gestatten  und  Wir
zur  Ausführung  dieser  Zweigbahn  unter  dem  heutigen  Tage  Unsere  landesherrliche
  Genehmigung  ertheilt  haben,  wollen  Wir  in  Veracksicht  gung  der  Gemeinnützigkeit
  dieses  Unternehmens  und  in  Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom
17.  ##mi  1833.  durch  gegenwärtiges  Privilegium  die  Emission  gedachter  Obligationen
  unter  nachstehenden  Bedingungen  genehmigen.

.  1.
        <pb n="801" />
        —  625  —

K.  1.

Die  Prioritäts-Obligationen,  welche  auf  der  Rückseite  einen  Abdruck  dieses
Privilegiums  zuihalten  von  drei  Mitgliedern  des  Direktoriums  unterzeichnet,  von
dem  Rendanten  der  Gesellshaft  gegengezeichnet  und  mit  dem  Stempel  der  Gesellschaft
  versehen  werden  mussen  werden  im  Gesammtbetrage  von  22,000  Stück,
von  denen  4000  Stück,  jede  über  1000  Thaler,  von  Nr.  1.  bis  4000.,  8000  Stück,
jede  über  500  Khaler  von  Nr.  1.  bis  8000.,  10,000  Stück,  jede  über  200  Thaler,
von  Nr.  1.  bis  d  odo.  lauten,  unter  der  Bezeichnung:

„Berlin-Stettiner  Eisenbahn-Obligation,  VI.  Emission“
„nach  dem  anliegenden  Schema  I,  stempelfrei  ausgefertigt.

Jeder  Obligation  werden  Zinskupons  auf  zehn  Jatre  und  ein  #Galonschein
„zur  Erhebung  fernerer  Kupons  nach  dem  anliegenden  Schema  II.  beigege  en.
Dieselben  werden  von  dem  Direktorium  nicht  unterzeichnet,  sondern  erhalten  nur
den  Staatsstempel,  den  Stempel  der  Gesellschaft  und  die  Unterschrift  des  Kontroleurs.


Diese  Kupons,  sowie  der  Talonschein,  werden  alle  zehn  Jahre  zufolge  besonderer
  Bekanntmachung  erneuert.  Die  Ausreichung  der  neuen  Serie  erfolgt  an
den  Präsentanten  des  Talonscheines,  sofern  nicht  dagegen  von  dem  Inhaber  der
Obligation  bei  dem  Direktorium  schriftlich  Widerspruch  erhoben  worden  ist.  Im
Falle  eines  solchen  Widerspruches  erfolgt  die  Ausreichung  an  den  Inhaber  der
Obligation.  Diese  Bestimmung  wird  auf  dem  Talonschein  besonders  vermerkt.

.  2.

Die  Prioritäts-Obligationen  werden  mit  vier  Prozent  jährlich  verzinst  und
die  Zinsen  in  halbjährlichen  Terminen,  am  1.  April  und  1.  Oktober  jeden  Jahres,
in  Stettin  und  in  Berlin  berichtigt.  Zinsen  von  Prioritäts-Obligat#onen,  deren
Erhebung  innerhalb  vier  Jahren,  von  dem  in  dem  trkffenden  Kupon  bezeichneten
Zahlungstage  an,  nicht  geschehen  ist,  verfallen  der  Gese  scha-  Hat  der  Staat  in
dem  betreffenden  Jahre  zur  Veczinsung  der  Prioritäts-Obligationen  Saschu  leisten
müssen)  so  wird  der  Veirag  er  nicht  abgehobenen  und  verfallenen  Zinskupons
verhältnißmäßig  zwischen  dem  Staate  und  der  Gesellschaft  getheilt.

g.  3.

Die  Inhaber  der  Prioritäts-Obligationen  sind  auf  Höhe  der  darin  verschrietenen.
  K  italbeträge  und  der  dafür  nach  H.  2.  zu  zahlenden  Jiusen  Gläubiger
er  Berlin-Stettiner  Liisenbahngelsellchaft  ie  haben  in  dieser  Eigenschaft  in
Ansehung  der  Zweigbahn  von  Cöslin  über  Stolp  nach  Danzig  und  deren  Betriebsmittel
  ein  unbedingtes  Vorzugsrecht  vor  den  Inhabern  der  Stammaktien
und  der  auf  Grund  der  landesherrlichen  Privilegien  vom  25.  Zmi  1848.  (Gesetz-Samml.
  für  1848.  S.  194.),  vom  18.  August  1856.  (Gesetz-Samml.  für  1856.
S.  756.),  vom  6.  September  1858.  (Gesetz  Samml.  für  1858.  S.  530.),  vom
21.  Juni  1861.  (Gesetz=  Samml.  für  1861.  S.  433.)  und  vom  18.  Juli  1865.
Jahrgang  1867.  (Nr.  6640.)  83  (Ge-
        <pb n="802" />
        —  626  —

(Gesetz=  Samml.  für  1865.  S.  876.)  emittirten  älteren  Prioritäts-Obligationen
der  Berlin=  Stettiner  Eisenbahngesellschaft.  Auch  in  Ansehung  des  übrigen
Gesellschaftsvermögens  haben  sie  ein  Vorzugsrecht  vor  den  Inhabern  der  Stammaktien.
  Den  Inhabern  der  auf  Grund  der  landesherrlichen  Privilegien  vom
25.  Juni  1848.,  vom  18.  August  1856.,  vom  6.  September  1858.,  vom  21.  Juni
1861.  und  vom  18.  Juli  1865.  emittirten  Prioritäts-Obligationen  verbleibt  dagegen
in  Ansehung  des  übrigen  eben  gedachten  Gesellschaftsvermögens  das  denselben  verschriebene
  orsugercht

KC.  4.

Die  Prioritäts-Obligationen  unterliegen  in  dem  durch  F.  10.  und  F.  12.
des  obengedachten  Vertrages  vom  21.  November  1866.  festgesetzten  Umfange  der
Amortisation  von  einem  halben  Prozent  des  Anlagekapitals  unter  Zuschlag  der
durch  die  eingelösten  Prioritäts-Obligationen  ersparten  Zinsen.  Der  Gesellschaft
bleibt  jedoch  vorbehalten,  mit  Genehaigung  Unseres  Handelsministers  nicht  nur
den  Tilgungsfonds  zu  verstärken,  sondern  auch  die  sämmtlichen  noch  nicht  getilgten
  Obligationen  zur  Rückzahlung  mit  Einem  Male  zu  kündigen.

Die  Bestimmung  der  jährlich  zur  Tilgung  kommenden  Obligationen  geschieht
  durch  Ausloofung  Seitens  des  Direktoriums  mit  Zuziehung  eines  das
Protokoll  führenden  Notars  in  einem  vierzehn  Tage  zuvor  einmal  offentlich  bekannt
  gemachten  Termine,  zu  welchem  Jedermann  der  Zutritt  freisteht.

Die  Bekanntmachung  der  Nummern  der  ausgeloosten  Prioritäts-Obligationen,
  sowie  eine  etwaige  allgemeine  Kündigung,  erfolgt  durch  dreimalige  Einrückung
  in  die  öffentlichen  Blätter;  die  erste  Garuckhung  muß  mindestens  drei
Monate  vor  dem  bestimmten  Zahlungstermine  stattfinden.

Die  Einlösung  der  ausgeloosten  Obligationen  geschieht  am  1.  Oktober  des
betreffenden  Jahres;  die  Einlösung  der  gekündigten  Obligationen  kann  sowohl  am
1.  April  als  am  1.  Oktober  jeden  Jahres  stattfinden.

Die  Rückzahlung  erfolgt  in  beiden  Fällen  nach  dem  Nennwerthe  gegen
Auslieferung  der  Obligationen  an  deren  Präsentanten  zu  Berlin  oder  Stettin
nach  der  Wahl  des  Berechtigten.

Die  Perzinsung  der  Obligationen  hört  an  dem  Tage  auf,  an  welchem  sie
zur  Zurückzahlung  fällig  sind.  Wid  diese  in  Empfang  genommen,  so  müssen
zunächst  die  ausgereichten  Zinskupons,  welche  später  als  an  jenem  Tage  verfallen,
mit  der  fälligen  Obligation  eingeliefert  werden;  geschieht  dies  nicht,  6n  wird  der
Betrag  der  fehlenden  Zinskupons  von  dem  Kapitale  gekürzt  und  zur  Einlösung
dieser  Kupons  verwendet.

Die  im  Wege  des  Tilgungsverfahrens  eingelösten  Obligationen  werden
unter  Beobachtung  der  oben  wegn  der  Ausloosung  vorgeschriebenen  Form  verbrannt;
  diejenigen,  welche  im  eß  der  Kündigung  oder  der  Rückforderung
(efr.  §.  7.)  eingelöst  werden,  kann  die  Gesellschaft  wieder  ausgeben.

Ueber  die  Ausführung  der  Tilgung  wird  dem  für  das  Eisenbahn=  Unternehmen
  bestellten  Staatskommissarius  jährlich  Nachweis  geführt.

g.  6.
        <pb n="803" />
        —  627  —

g.  5.

Sollen  angeblich  verlorene  oder  vernichtete  Obligationen  amortifirt  werden,
so  wird  gerichtliches  Aufgebot  nach  den  allgemeinen  gesetzlichen  Bestimmungen  erlassen.
  dergestalt  amortisirte,  sowie  auch  für  zerrissene  oder  dem  unkauch.
bar  gewordene,  an  die  ewrtnl  zurückgelieferte  und  gänzlich  zu  kassirende
Obligationen  werden  neue  dergleichen  angefertigt.

Angeblich  verlorene  oder  vernichtete  Zinskupons  dürfen  nicht  amortisirt
werden.

S.  6.

Die  Nummern  der  zur  Zurückzahlung  fälligen,  nicht  zur  Einlösung  vorgezeigten
  Obligationen  werden  während  zehn  Jahren  nach  dem  Zahlungstermine
K##-  ich  einmal  von  dem  Direktorium  der  Gesellschaft  Behufs  der  Empfangnahme
  der  Zahlung  öffentlich  aufgerufen.  Die  Obligationen,  welche  nicht  innerhalb
  eines  Jahres  nach  dem  letzten  öffentlichen  Aufrufe  zur  Einlösung  vorgezeigt
werden,  sind  werthlos,  welches  von  dem  Direktorium,  unter  Angabe  der  wesihlss
gewordenen  Nummern,  alsdann  öffentlich  zu  erklären  ist.  Die  Gesellschaft  hat
wegen  solcher  Obligationen  keinerlei  Verpflichtung  mehr,  doch  kann  sie  deren
gänzliche  oder  theilweise  Bezahlung  vermittelst  Ies.  Beschlusses  der  Generalversammlung
  aus  Billigkeitsrücksichken  gewähren.

K.  7.

Außer  den  in  F.  4.  gedachten  Fällen  sind  die  Inhaber  der  Obligationen
berechtigt,  deren  Nennwerth  in  folgenden  Fällen  von  der  Gesellschaft  in  Stettin
zurückzufordern:

a)  wenn  fällige  Zinskupons,  ungeachtet  solche  gehörig  zur  Einlösung  präsentirt
  worden,  länger  als  drei  Monate  unberichtigt  bleiben

b)  wenn  der  Transportbetrieb  auf  der  Eisenbahn  mit  Dampfwagen  oder
anderen  dieselben  ersetzenden  Maschinen  länger  als  sechs  Monate  aufhört;

Jc)  wenn  die  F.  4.  festgesetzte  Tilgung  der  Obligationen  nicht  inne  gehalten
  wird.

In  den  Fällen  zu  a.  und  b.  kann  das  Kapital  an  demselben  Tage,  wo
einer  dieser  Fälle  eintritt,  zurückgefordert  werden;  in  dem  Falle  zu  c.  ist  dagegen
eine  dreimonatliche  Kündigungsfrist  zu  beobachten.

Das  Recht  zur  Zllücholderun  dauert  in  dem  Falle  zu  a.  bis  zur  Zahlung
  des  betreffenden  Zinskupons,  in  dem  Falle  zu  b.  bis  sur  Wicdelherstellun
des  unterbrochenen  Transportbetriebes,  das  Recht  der  Kündigung  in  dem  Falle
u  c.  drei  Monate,  von  dem  Tage  ab,  an  welchem  die  Tilgung  der  Obligationen
häte  erfolgen  sollen.  Die  Kündigung  verliert  indessen  ihre  rechtliche  Wirkung,
wenn  die  Geellchaft  die  nccht  eingehaltene  Amortisation  nachholt  und  dem
Ende  binnen  längstens  drei  Monaten  nach  erfolgter  Kündigung  die  Ausloosung
der  zu  amortisirenden  Prioritäts-Obligationen  nachtraglich  ewirkt.

(Nr.  6640)  Bei
        <pb n="804" />
        –  626  —

Bei  Geltendmachung  des  vorstehenden  Rückforderungsrechts  sind  die  Inhaber
  der  Prioritäts-Obligationen  an  das  gesammte  bewegliche  und  unbewegliche
  Vermögen  der  Gesellschaft  zu  halten  befugt.

g.  8.

So  lange  nicht  die  gegenwärtig  kreirten  Peiorätt  Obligationen  eingelöst
sind  oder  der  Einlösungsbetrag  gerichtlich  deponirt  ist,  darf  die  Gesellschaft  keines
ihrer  Grundstücke,  welches  zum  Bahnkörper  oder  zu  den  Bahnhöfen  gehört,  veräußern,
  auch  eine  weitere  Aktien-Emittirung  oder  ein  Mieihegelchä  nur  dann
unternehmen,  wenn  den  gegerwärt  kreirten,  2  den  früher  emittirten  Prioritäts-Obligationen
  für  Kapital  und  Im#-  das  Vorrecht  vor  den  ferner  auszugebenden
Aktien  oder  aufzunehmenden  Anleihen  vorbehalten  und  gesichert  ist.

*)

Alle  in  diesem  Privilegium  vorgeschriebenen  öffentlichen  Bekanntmachungen
müssen  in  den  Preußischen  Stantsmutter  zu  Berlin,  in  die  Neue  Stettiner  Zeitung
  und  in  die  O#tsecheitung  zu  Stettin  eingerückt  werden.  Sollte  eines  dieser
Blätter  eingehen,  so  genügt  die  Bekanntmachung  in  den  beiden  anderen  bis  zur
anderweitigen,  mit  Genehmigung  Unseres  Handelsministers  zu  treffenden  Bestimmungj)
  sie  muß  aber  unter  allen  Umständen  jederzeit  in  einer  der  zu  Berlin  erscheinenden
  Zeitungen  erfolgen.

Zur  Urkunde  dieses  haben  Wir  das  gegenwärtige  Privilegium,  welches
durch  die  Gesetz=  Sammlung  bekannt  zu  mache  ist,  Allerhöchsteigenhändig  vollzogen
  und  unter  Unserem  Königlichen  Inltgel  alsfertigen  lassen.

Gegeben  Berlin,  den  24.  April  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
        <pb n="805" />
        Berlin-Stettiner  Eisenbahn-Obligation

(VI.  Emission)
%  ...  über  1000  Thaler  Preußisch  Kurant.
–%  ...  über  500  Thaler  Preußisch  Kurant.

—ss--  über  200  Thaler  Preußisch  Kurant.

Inhaber  dieser  Obligation  hat  an  die  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft
Eintausend  Thaler  Preußisch  Kurant,
Fünfhundert  Thaler  Preußisch  Kurant,
Zweihundert  Thaler  Preußisch  Kurant
zu  fordern,  als  Antheil  an  dem,  durch  das  umstehend  beigefügte  Allerhöchste  Privilegium
  autorisirten  Darlehne.
Die  Zinsen  mit  vier  Prozent  fü  für  des  Jahr  sind  gegen  Räckgabe  der  Linsscheine

  halbjährlich  am  1.  April  Oktober  bei  unserer  Gesellschaftskasse
zu  erheben.
Stettin,  den  19nnHnHnn  18.

Direktorium  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft.
(Drei  Unterschriften.)
(Trockener  Stempel.)

Eingetragen  Gegengezeichnet.
Obligationsbuch  koll  Der  Hauptkassen-Rendant.
N.

(r.  6640.)
        <pb n="806" />
        (Zwanzig  Zinsscheine  und  Ein  Talonschein.)
20  Thaler  .  3  #
10  n  Zinsschein  Serie  -

zur
Berlin-Stettiner  Eisenbahn-Obligation
(VI.  Emission)

über  1000  Thaler
m—  über  500  Thaler,  (Staatsstempel.)  (Trockener  Stempel.)
—m—s!  über  200  Thaler.

Zwanzig  Thaler  .
Zehn  Thaler  hat  Inhaber  dieses  am  ..  .  ...  -..s.--.......
Vier  Thaler

Dieser  Zinsschein  verfällt  na
Jahren  laut  §&amp;amp;.  2.  des  100

"  bei  unserer  Gesellschaftskasse  zu  erheben.
1  Stettin,  den  1H  .18..
Direktorium  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft.
Ausgefertigt.

(Unterschrift  des  Kontroleurs.)

Ta-
        <pb n="807" />
        —  631  —

Talonschein

zur
Berlin-Stettiner  Eisenbahn-Obligation
(VI.  Emission)

A.  über  1000  Thaler)
—ms  über  500  Thaler,  (Staatsstempel.)  (Trockener  Stempel.)
g  über  200  Thaler.

Gegen  Rückgabe  dieses  Talonscheins,  ist  die  .  Serie  der  Zinsscheine  nach
besonders  dazu  erlassener  Aufforderung  hei  unserer  Gesellschaftskasse  entgegenzunehmen,
  sofern  nicht  von  dem  Inhaber  der  Obligation  gegen  diese  Ausreichung
bei  dem  unterzeichneten  Direktorium  schriftlich  Widerspruch  erhoben  worden  ist.
Im  Falle  eines  solchen  Widerspruchs  erfolgt  die  Ausreichung  an  den  Inhaber
der  Obligation.  :

Stettin,den..tss......  »....«  «1».8·.
Direktorium  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahngesellschaft.

Ausgefertigt.
(Unterschrift  des  Kontroleurs.)

 

(Nr.  6641.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  27.  April  1867.)  betreffend  die  Genehmigung  zur  Herstellung
  einer  Eisenbahn  von  den  Steinbrüchen  bei  Rüdersdorf  nach  dem
Bahnhofe  Petershagen  der  Berlin-Cüstriner  Eisenbahn.

A#  Ihren  Bericht  vom  18.  April  d.  J.  will  Ich  zur  Anlage  einer,  aus  den
verfügbaren  Mitteln  des  Staats  zu  erbauenden  Eisenbahn  von  den  Steinbrüchen
bei  Rüdersdorf  nach  dem  Bahnhofe  Petershagen  der  Berlin-Cüstriner  Eisenbahn
Meine  Genehmigung  ertheilen.  Zugleich  bestimme  Ich,  daß  für  diese  Bahn  das
Expropriationsrecht,  sowie  das  Recht  zur  vorübergehenden  Benutzung  fremder
Grundstücke  nach  den  Vorschriften  der  *  8.  bis  19.  des  Gesetzes  über  die  Eisen-(Nr.

  6640—6642)  bahn-
        <pb n="808" />
        —  632  —
bahn-Unternehmungen  vom  3.  November  1838.  (Gesetz  Samml.  S.  505.)  zur
Anwendung  kommen  soll.

Perlin,  den  27.  April  1867.

Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.
An  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

(Nr.  6642.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  4.  Mai  1867.,  betreffend  die  Behandlung  der  aus  den
Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein  eingehenden  Gesuche  um  Legitimation
  außerehelich  erzeugter  Kinder  und  um  Adoption,  sowie  wegen  Umlegung
  der  Jurisdiktion.

A½#  Ihren  Bericht  vom  30.  April  d.  J.  bestimme  Ich,  daß  die  aus  den
Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig  eingehenden  Gesuche  um  Legitimation
außerehelich  erzeugter  Kinder  und  um  Adoption,  sofern  es  sich  dabei  nicht  um
Annahme  oder  Führung  eines  adeligen  Namens  handelt,  sowie  die  aus  den  gedachten
  Herhosthümern  eingehenden  Gesuche  wegen  Umlegung  der  Jurisdiktion
Meiner  Entscheidung  nicht  ferner  unterbreitet,  vielmehr  von  Ihnen  auf  Grund  dieser
generellen  ächtigung  selbstständig  erledigt  werden  sollen.
7.

Berlin,  den  4.  Mai  186  #
Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.
An  den  Justizminister.

Rebigirt  im  Büreau  des  Staats-  Ministeriums.
Berlin,  gebruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="809" />
        —  633  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  42.—

 

(Nr.  6643.)  Verordnung  wegen  Besteuerung  des  Branntweins  in  den  Regierungsbezirken
Wiesbaden  und  Kassel,  sowie  in  dem  Gebicte  des  vormaligen  Königreichs
Hannover  und  der  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein.  Vom
11.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  P

verordnen  für  die  durch  die  Verordnung  vom  22.  Februar  1867.  (Gesetz-Samml.
S.  273.)  gebildeten  Regierungebezirke  Wiesbaden  und  Kassel,  mit  Ausschluß  des
Kreises  Schmalkalden,  ferner  für  das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,
soweit  dasselbe  dem  Zollvereine  angeschlossen  ist,  und  für  das  Gebiet  der  Herzogthümer
  Schleswig  und  Holstein,  und  zwar  vorläufig  mit  Ausnahme  der  aus
dem  Zollverbande  derselben  ausgeschlossenen  Landestheile,  auf  den  Antrag  Unseres
Staateministeriums,  was  folgt:

I.  Allgemeine  Bestimmungen.

K.  1.

Die  Steuer  von  dem  im  Inlande  erzeugten  Branntwein  soll  für  das  1.  Söhe  #er
Preußische  Quart  Branntwein  zu  50  Prozent  Alkoholstärke  nach  dem  Alkoholo=  Steuer.

meter  von  Tralles  1—#  Silbergroschen  betragen.
S.  2.
Diese  Steuer  wird  erhoben:
a)  bei  der  Bereitung  des  Branntweins  aus  Getreide  oder  anderen  mehli  ens

Stoffen  nach  dem  Rauminhalte  der  zur  Einmaischung  oder  Gährung  der  wice.

Maische  benutzten  Gefäße  (Maeischbottichsteuer);

b)  bei  der  Bereitung  des  Branntweins  aus  nicht  mehligen  Stoffen  nach  der
Menge  der  dazu  zu  verwendenden  Materialien  (ranntwein-Materialsteuer)
Johrgang  1867.  (Nr.  6643.)  8  S  3.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  23.  Mai  1867.
        <pb n="810" />
        3.  Erhebungssaͤbe.


u.  Maischbottich.
  Stener.

b.  Branntwein
  -  Material-Otener.


4.  Dergütung
der  Stener  bei
Versendungen
von  Brannt  ·
wein  ins  Ausland.


1.  Aumelbung
der  Geräthe.

—  634  —

g.  3.

Die  Maischbottichsteuer  (S.  2  a.)  wird  mit  drei  Silbergroschen  für  jede
20  Preußische  Quart  des  Rauminhalts  der  Maischbottiche  und  für  jede  Einmaischung
  erhoben.  .

Von  landwirthschaftlichen  Brennereien,  welche  nur  in  dem  Zeitraume  vom
1.  November  bis  zum  16.  Mai,  diesen  Tag  mit  eingeschlossen,  im  Betriebe  sind,
in  dem  vorhergegangenen  Sommethalbjahre  ganz  geruht  haben,  nur  selbst  gewonnene
  Erzengiss  verwenden  und  an  Einem  Tage  nicht  über  900  Preußische  Quart
Bottichraum  bemeischen,  sollen  jedoch  nur  zwei  Silbergroschen  und  sechs  Pfennige
für  20  Preußische  Quart  Maischraum  erhoben  werden.

Für  die  Dauer  eines  Jahres  vom  Eintritt  der  Wirksamkeit  der  gegenwärtigen
  Verordnung  (I.  74.)  finden  die  Desttammungen  dieses  Paragraphen  in
demjenigen  Theile  des  Regierungebefirts  Kassel,  welcher  aus  dem  ehemaligen
Kurfürstenthum  Hessen,  mit  Ausschluß  der  Grafschaft  Schaumburg  und  des
Kreises  Schmalkalden,  besteht,  mit  der  Maaßgabe  Anwendung,  daß  die  Maischbottichsteuer
  statt  der  Sätze  von  drei  Silbergroschen  und  zwei  Silbergroschen
sechs  Pfennigen  mit  den  Sätzen  von  zwei  Silbergroschen  und  von  Einem  Silbergroschen
  und  acht  Pfennigen  zur  Erkebung  gelangt.

K.  4.
An  Branntwein-Materialsteuer  (C.  2.  b.)  wird  entrichtet:

a)  für  jeden  Eimer  zu  60  Preußischen  Quart  eingestampfte  Weintreber,
Kernobst  oder  acch  Treber  von  Kernobst  und  Beerenfrüchten  aller  Art
vier  Silbergroschen;

b)  für  jeden  Eimer  Trauben=  oder  Obstwein,  Weinhefen  und  Steinobst
acht  Silbergroschen;

e)  bei  anderen  nicht  mehligen  Stoffen,  welche  zur  Branntweinerzeugung  verwendet
  werden  möchten,  wird  die  Steuer  durch  den  Finanzminister  nach
Verhältniß  der  Ausbeute  und  nach  dem  Normalsatze  G.  I.)  festgesetzt.

KC.  5.

Bei  der  Ausfuhr  des  im  Inlande  erzeugten  Branntweins  nach  dem  Auslande
  wird  eine  Vergütung  der  Steuer  nach  den  darüber  vom  Finanzminister
besonders  zu  erlassenden  Bestimmungen  gewährt  werden.

II.  Vorschriften  über  die  Erhebung  und  Kontrolirung  der  Steuer.
KG.  6.

Wer  eine  Brennerei  einrichten  oder  einen  Destillirapparat  anschaffen  will,
ist  gehalten,  solches  vorher  der  betreffenden  Steuerhebestelle  anzuzeigen  und  ver
el-
        <pb n="811" />
        —  635  —

selben  mindestens  acht  Tage  vor  Anfang  des  Betriebs  eine  Nachweisung  nach
einem  besonders  vorzuschreibenden  Muster  einzureichen,  worin  die  Räume  zur  Aufstellung
  der  Geräthe  und  zum  Betriebe  der  Bennerti,  die  Brenn-  und  Maischgefäße,
  als:  Blasen,  Helme,  Maischwärmer,  Kühlapparate,  Maischbottiche,  Vormaischbottiche,
  Kartoffeldämpfer  und  andere  Dampfgefäße,  Kühl-,  Hefen=  und
Shege  äße,  Maisch-,  Lutter-  und  andere  Reservoirs  u.  s.  w.,  ingleichen  der
in  Preußischen  Quarten  ausgedrückte  gesammte  Rauminhalt  jedes  einzelnen  dieser
Geräthe  genau  und  vollständig  angegeben  sein  miifsen,  Dieser  Nachweisung  muß
ein  einfahher  Grundriß  desjenigen  Raumes)  in  welchem  sich  die  Brennereigeräthe
befinden,  und  ihrer  Stellung  in  demselben  nach  einem  von  der  Steuerbehörde
vorzuschreibenden  Muster  beigefügt  und  die  darin  bezeichnete  Stellung  der  Geräthe
  während  jeder  Betriebszeit  so  lange  unverändert  beibehalten  werden,  als
Abänderungen  nicht  durch  Einreichung  eines  anderweiten  Grundrisses  angezeigt
worden  sind.

Ebenso  liegt  dem  Besitzer  einer  Brenmerei  oder  eines  Destillirapparates  ob,
wenn  Geräth  angeschafft  wird,  oder  wenn  das  bereits  angemeldete  ganz  oder  zum
Theil  abgeindert  worden  ist,  binnen  drei  Tagen  nach  der  Empfangnahme  des
Geräths  der  Steuerhebestelle  davon  Anzeige  zu  machen,  und  dasselbe  nicht  ohne
die  von  letzterer  zu  ertheilende  amtliche  Bescheinigung  in  Gebrauch  zu  nehmen.

Zur  Anzeige  binnen  drei  Tagen  ist  derselbe  auch  verpflichtet,  wenn  das
bereits  angemeldete  Geräth  ganz  oder  zum  Theil  in  ein  anderes  Lokal  gebracht
  wird.

Diejenigen,  welche  zur  Zeit  der  Publikation  dieser  Verordnung  eine  Brennerei
  oder  einen  Destillirapparat  bereits  besitzen,  sind  verpflichtet,  den  Steuerhebestellen
  die  vorgeschriebene  Nachweisung  der  Betriebsräume  und  Ereäthe,  wenn
ein  Betrieb  stalis#n  soll,  mindestens  acht  Tage  vor  Anfang  desselben,  genst
aber  jedenfalls  im  Laufe  desjenigen  Monats,  welcher  der  Publikation  dieser  Verordnung
  folgen  wird,  einzureichen,  soweit  dies  nicht  bereits  auf  Grund  der  bisherigen
  gesetzlichen  Vorschriften  geschehen  ist.

S.  7.

Besitzer  von  Brennereien  dürfen  keine  Brennereigeräthe  (g.  6.)  und  andere  2.  ubreldeng
Personen  keine  Destillirgeräthe,  nämlich  Blasen,  lue  und  Kühler,  weder  ganz  der  Gerstz-.
noch  theilweise  aus  ihren  Händen  geben,  bevor  sie  es  der  Steuerhebestelle  Krrs
Bezirks  angezeigt  und  von  dieser  eine  Bescheinigung  darüber  erhalten  haben.

g.  8.

Die  in  den  Brennereien  vorhandenen,  die  künftig  hinzukommenden  und  die  3  Vermefsung
abgeänderten  Brennereigeräthe  und  Gefäße  werden  nach  der  Bestimmung  der  unb  DPic-Steuerbehörde
  numerirt,  auch  von  derselben  nachgemessen  und,  soweit  es  thunlich  ug  der  Geist,
  mit  einem  Stempel  versehen.  Den  ermittelten  Rauminhalt  und  die  Num=  ätzmer
  muß  der  Brennereibesitzer  an  den  Geräthen  deutlich  bezeichnen  und  diese
Bezeichnung  gebörig  erhalten  lassen;  wie  solche  zu  bewirken  und  wo  sie  anzubringen
  sei,  wird  für  jedes  Geräth  von  der  Steuerbehörde  bestimmt.

(Nr.  43)  84“  Bis
        <pb n="812" />
        —  636  —

Bis  zur  amtlichen  Nachvermessung  der  Maischgefäße,  welche  lediglich  im
Interesse  der  Steuerverwaltung  erfolgt,  dienen  die  über  ben  N#umintat  abzugebenden
  Anmeldungen  zur  vorläufigen  Berechnung  der  Steuer.

KC.  9.
4.  Außer  Ge-  Die  vorhandenen  Maisch=  und  Desäilirgeräthe  werden  von  der  Steuerbrauch
  -  Seten  behörde  für  die  Zeit,  während  welcher  ein  Betrieb  nicht  angemeldet  und  gestattet

der  Geräthe.  worden,  auf  angemessene  Weise  außer  Gebrauch  gesetzt.

C.  10.

5.  Vorschrif.  Wer  eine  Brennerei  in  Betrieb  setzen  will,  ist  verpflichtet,  vor  dem  Beten
  für  die  ginn  desselben  den  Betriebsplan  nach  den  näheren  Bestimmungen  der  I#.  24.  ff.
Bamung  der  dem  Steueramte  anzumelden,  diesen  Betriebsplan  in  der  Brennerei  auszuhängen,
S#  solchen  reinlich  aufzubewahren  und  demselben  bei  dem  Betriebe  genau  nachzzukommen.



K.  11.

Wer  Branntwein  aus  nicht  mehligen  Stoffen  bereiten  will,  hat  zuvor
der  Steuer-Hebestelle  nach  näherer  Vorschrift  des  §.  35.  ein  Verzeichniß  seiner
sämmtlichen  Materialvorräthe,  welches  zugleich  den  Ort  ihrer  Aufbewahrung  aneben

  muß,  einzureichen,  auch  jeden  ferneren  Zugang  zur  Nachtragung  in  das

Verzehniß  sogleich  anzumelden.  Der  zur  Verarbeitung  bestimmte  #peil  des
Materials  wird  auf  den  Grund  des  Betriebsplans,  welcher  den  Aufbewahrungsort
  während  der  Betriebszeit  angeben  muß,  in  dem  Vorrathsverzeichnisse  abgeschrieben.
  —

Während  des  Zeitraums,  auf  welchen  der  Betriebsplan  lautet,  und  so
lange  die  Brennerei  nicht  unter  Siegel  gelegt  worden  ist,  darf  in  der  Brennerei
kein  anderer  als  der  in  dem  Betriebsplan  angegebene  Vorrath  von  den  im  8.  4.
bezeichneten  Stoffen  vorhanden  sein.

G.  12.

6.  Verpflich-  Die  vorstehend  zur  Kontrolirung  der  Steuer  ertheilten  Vorschriften  (§§.  6.
tung  zur  Befel=  bis  11.)  und  die  zu  deren  Vervollständigung  getroffenen  reglementairen  Bestim-Kngar
  Ken  mungen  ist  nicht  nur  derjenige,  welcher  die  Brennerei  betreibt,  oder  für  seine
1%%  unschrif  Teechlunh  betreiben  läßt,  sondern  auch  ein  Jeder,  welcher  bei  der  Brennerei  be-·

  schäftigt  ist,  zu  beobachten  schuldig.

g.  13.

7.  Wann  die  Die  Branntweinsteuer  ist,  sofern  nicht  nach  den  vom  Finanzminister  zu
Struer  zu  ent.  erlassenden  Bestimmungen  eine  Stundung  bewilligt  wird,  häeheng  am  letzten
richten  is.  Tage  des  Monats,  in  welchem  ein  Brennereibetrieb  stattgefunden  hat,  zu  entrichten.

  Wer  diesen  Ahlungetermin  einmal  versäumt,  *  die  Steuer  bei  jeder
ferneren  Anmeldung  vorausbezahlen.
.  14.
        <pb n="813" />
        —  637  —

KC.  14.

Ein  Erlaß  der  Steuer  kann  nur  dann  erfolgen,  wenn  durch  einen  außer-  8.  erlaß  der
ordentlichen  Zufall  Branntwein  ·

a)  eine  unvermeidliche  Unterbrechung  des  Betriebs  entsteht,  oder  steuer.

b)  die  Maische  eines  versteuerten  unangebrochenen  Bottichs  gänzlich  unbrauchbar
  geworden  ist.

K.  15.

Zu  viel  erhobene  Gefälle  werden  zurückgezahlt,  wenn  binnen  Jahresfrist,  9.Richtige  Be.
vom  Tage  der  Versteuerung  an  gerechnet,  der  Anspruch  auf  Ersatz  angemeldet  rechnung  und
und  begründet  wird.  Wenn  der  Anfuch  ganz  oder  theilweise  zurückgewiesen  Sbbrng  ber
wird,  so  ist  dagegen  der  Rekurs  an  die  vorgesetzte  Behörde  binnen  einer  Prä.
klusivfrist  von  sechs  Wochen  zulässig.  Wendet  sich  der  Reklamant  an  eine  inkompetente
  Behörde,  so  hat  diese  das  Rekursgesuch  an  die  kompetente  Behörde
  abzugeben,  ohne  daß  dem  Reklamanten  die  Zwischenzeit  auf  die  Frist
anzurechnen  ist.

Zu  wenig  oder  gar  nicht  erhobene  Gefälle  können  gleichfalls  innerhalb
Jahresfrist,  vom  Tage  des  Eintritts  der  Zahlungsverpflichtung  an  gerechnet,
nachgefordert  werden.  Nach  Ablauf  des  Jahres  ist  jeder  Anspruch  auf  Zurückerstattung
  oder  Nachzahlung  der  Gefälle  beziehungsweise  gegen  den  Staat  und
den  Steuerschuldigen  erloschen;  dem  Staate  bleiben  jedoch  seine  Rechte  auf
Schadenersatz  gegen  die  Beamten,  durch  deren  Schuld  die  Gefälle  gar  nicht  oder
unrichtig  erhoben  worden,  jederzeit  vorbehalten,  ohne  daß  die  Beamten  befugt
sind,  den  Steuerschuldigen  wegen  Nachzahlung  der  Gefälle  in  Anspruch  zu  nehmen.

III.  Betriebsvorschriften.
A.  Im  Allgemeinen.

KC.  16.

Die  Einreichung  des  nach  F.  6.  der  Steuerhebestelle  zu  übergebenden  Grund=  J.  unmeldung
risses  der  Brennereiräume  und  Geräthe  muß  in  doppelter  Ausfertigung  geschehen,und  Beaufichund
  ein  Eremplar  von  jener  bescheinigt,  in  derselben  Art,  wie  weiter  unten  im  tigung  der
§.  25.  wegen  des  Betriebsplanes  bestimmt  werden  wird,  in  der  Brennerei  auf-  resirwzte

gehängt  werden.  a.  Unmelbung

6.  17.  der  Geräthe.

Bei  Vermessung  der  Blasen  und  der  Maischbottiche  ist  in  ihrer  waage=  v.  Vermessung
rechten  Stellung  derjenige  innere  Raum,  welchen  sie  vom  Boden  zum  äußersten  der  Cerätze.
Rande  bis  zum  Ueberlaufen  haben,  durch  die  Steuerbeamten  ohne  allen  Abzug
auszumitteln.

(Nr.  6643.)  5.  18.
        <pb n="814" />
        —  63680  —

K.  18.

c.  Amtliche  Die  Steuerhebestelle  ist  verpflichtet,  über  die  Anmeldung,  die  Vermessung
Bescheinigung  und  ihr  Ergebniß  und  die  Art  der  Bezeichnung  eine  Bescheinigung  zu  ertheilen.
rberd  ie  Annell  Aur  durch  diese  Bescheinigung,  welche  nebe  den  Vermessungs-Verhandlungen

dung  der  Ge.  -  ·  «
ung  der  Ge  in  der  Brennerei  aufbewahrt  werden  muß,  kann  der  Nachweis  geführt  werden,

*çrv*⅝i½  daß  die  Geräthe  vorschriftsmäßig  angemeldet  worden.

.  19.
2.  Aufsichtauf  Die  zu  den  Brennereien  gehörigen  Geräthe  müssen  in  den  Betriebsräumen
die  Geräthe.  zusammen  aufbewahrt  werden.  Dahin  nicht  gehörige  Gefäße  dürfen  in  denselben

nicht  vorhanden  sein.

Destillirgeräthe  und  Maischgefäße  stehen  so  lange,  als  sie  nicht  zum  Gewerbebetriebe
  angemeldet  werden,  dergestalt  unter  besonderer  Aufsicht  der  Steuerbehörde,
daß  ihre  Benutzung  zu  einem  außerordentlichen  Zwecke,  namentlich  auch  zur
Bereitung  von  Viehfutter,  aie  Steuerentrichtung  nur  auf  vorgängige  Anmeldung
und  unter  den  von  der  Steuerbehörde  anzuordnenden  Sicherheitsmaaßregeln
erfolgen  darf.

Bei  Personen,  welche  mit  dergleichen  Geräthschaften  blos  handeln,  oder
sie  zum  Handel  verfertigen,  sind  solche  dieser  Aufsicht  nicht  unterworfen.

s.  20.

Wer  Desällirgeräthe  besitzt,  welche  nicht  im  Gebrauch  sind,  ist  dennoch
verbunden,  sie  dem  Steuerbeamten  auf  Erfordern  vorzuzeigen,  damit  er  sich  übereugen
  könne,  daß  sie  noch  in  dem  Zustande  befindlich  sind,  in  welchen  sie  zur

erhütung  ihres  Gebrauchs  versett  worden.

Diejenigen,  welche  Destillirgeräthe  blos  verfertigen,  oder  damit  handeln,
sind  hierunter  nicht  begriffen.

C.  21.

Destillirgeräthe,  welche  ausschließlich  zu  anderem  Gebrauche,  als  zur

Branntweinbrennerei,  gehalten  werden,  sehen  zwar  nicht  unter  der  für  Branntweinbrennereien

  angeordneten  Kontrole  ½.  9.),  bleiben  aber,  zur  Verhütung  von
Mißbräuchen,  der  allgemeinen  Aufsicht  der.  Steuerbehörde  unterworfen.

G.  22.
3.  Verfahren,  Um  für  die  Zeit,  wo  die  Maisch=  und  Destillirgeräthe  nicht  in  Betrieb
um  Geräthe  sein  dürfen,  ihre  unbefugte  Benutzung  für  letzteren  zu  verhindern,  werden
*  entweder
zu  .
a)  die  Geräthe  an  Ort  und  Stelle  durch  einen  Steuerbeamten  unter  Versusß
  gesetzt,  in  welchem  Falle  der  Brennereibesitzer  die  Materialien  zur
Versiegelung  oder  zum  Verschlusse,  und  zwar  in  guter  brauchbarer  Be.-schaffenheit,
  zu  liefern  hat,  oder
b)  es
        <pb n="815" />
        —  639  —

b)  es  muß  ein  Theil  des  Destillirgeräths  am  nächsten  Wochentage  nach
Ablauf  der  Betriebsfrist  an  die  Steuerhebestelle  abgeliefert  werden.  Befindet
  sich  letzteres  nicht  am  Orte,  so  wird  für  den  Transport  des  Geräths
  auf  jede  halbe  Meile  Entfernung  Eine  Stunde  gut  gerechnet.

c)  Kommt  es  darauf  an,  in  Brennereien,  welche  zum  Betriebe  angemeldet
sind,  das  Destillirgeräth  während  einzelner  betriebsloser  Tage  und  Stunden
  außer  Gebrauch  zu  setzen,  und  ist  die  Hebestelle  über  eine  Viertelmeile
  entfernt,  so  kann  auch  gestattet  werden,  daß  ein  von  der  Steuerbehörde
  zu  bestimmendes  Stück  des  Destillirgeräths  entweder  bei  einer
zuverlässigen  Person  im  Orte,  oder,  in  Ermangelung  einer  solchen,  in
einem  von  dem  Brennereilokale  möglichst  entfernten  Raume  im  Gehäft
des  Brhnereibesiters  niedergelegt  werde.

Eine  zur  Aufbewahrung  des  Destillirgeräths  geeignete  und  willfährige
  Person  zu  ermitteln,  ist  Sache  des  Brennereibesitzers;  sie  für  den
Zweck  anzuerkennen  oder  nicht,  hängt  von  der  Steuerbehörde  ab.

d)  Findet  in  Maischbrennereien  zwischen  mehreren  Eimmaischungen  ein  Jwischenraum
  in  der  Art  statt,  daß  in  Maischgefäßen  an  demselben  Tage,  wo  sie
leer  geworden,  nicht  wieder  eingemaischt  wird,  so  kann  die  Steuerbchörde
verlangen,  daß  jene  Maischgefäße  für  den  Tag  oder  die  Tage  des  Nichtgebrauchs
  schief  gestellt  werden.

Wemn  eine  Brennerei  ganz  ruht,  tritt  in  der  Regel  Verschluß  der  Geräthe
an  Ort  und  Stelle  ein,  über  dessen  Anlegung  von  dem  Steuerbeamten  eine  Verhandlung
  aufgenommen  wird,  welche  bis  zur  Wiederabnahme  des  Verschlusses  in
der  Brennerei  aufbewahrt  werden  muß.  Ob  innerhalb  der  Betriebszeit  einzelne
Geräthe  und  welche  außer  Gebrauch  zu  setzen,  und  welches  der  oben  unter  a.
bis  d.  angegebenen  Mittel  dazu  in  Anwendung  kommen  soll,  ist  nach  den  Umständen
  von  der  Steuerbehörde  zu  bestimmen.

g.  23.
Wenn  in  den  im  8.  14.  erwähnten  Fällen  der  Brennereibetrieb  unterbrochen  4.  Verfahren
wird,  so  ist  dies  mit  Beachtung  der  dieserhalb  zu  erlassenden  näheren  Anordnun=  bei  zufälligen

##n  sogleich  der  Steuerbehörde  anzuzeigen,  welche  die  Richtigkeit  der  Angabe  an  Unterbrechune
brt  und  Stelle  untersuchen  läßt  und  die  zu  entrichtende  Steuer  festsetzt.  zin  .  Be-B.

  Vorschriften  für  die  Benutzung  der  Brennereien  und  Geräthe.

g.  24.

Der  im  8.  10.  angeordnete  Betriebsplan  muß  nach  dem  von  der  Steuer-  AA.  Maisch
behörde  vorzuschreibenden  Muster  für  einen  vollen  Kalendermonat,  oder  wenn  der  bremmereien.
Betrieb  erst  im  Laufe  eines  Monats  beginnen  soll,  für  den  noch  übrigen  Theil  1.  Anweldung
des  Kalendermonats  eingereicht  werden,  und  die  Einreichung  mindestens  drei  Tage  bes  Vetriebs.
vor  der  ersten  Einmeischung  erfolgen.

(Nr.  6643.)  Außer
        <pb n="816" />
        —  640  —

Außer  den  im  §.  14.  erwähnten  Fällen  kann  eine  Abänderung  des  angemeldeten
  Betriebs  einmal  im  Monate  dann  gestattet  werden,  wenn  der  Betrieb
dadurch  verstärkt  wird.

g.  25.

2.  Anserti-  Der  Betriebsplan,  zu  dessen  Anfertigung  nur  allein  das  von  der  Steuergung
  und  Er  hebestelle  unentgeltlich  zu  liefernde  Formular  benutzt  werden  darf,  muß  deutlich
sorternise  der  geschrieben  und  ohne  daß  darin  etwas  abgeändert  oder  ausgelöscht  ist,  zweifach
Detriebopläne  der  ersteren  übergeben  werden
und  Verfahren  g  «
mit  benselben.  Mangelhaft  gefertigte  Betriebspläne  giebt  dieselbe  sofort  zur  Berichtigung

zurück,  und  es  wird  in  solchen  Fällen  die  Einreichung  als  nicht  geschehen  betrachtet.

Findet  sich  bei  der  von  der  Hebestelle  vorzunehmenden  Prüfung  des  Betriebsplans
  nichts  zu  erinnern,  so  werden  beide  Lmhunr  von  derselben  genehmigt
und  vollzogen;  das  eine  bleibt  bei  der  Steuerhebestelle,  das  andere  wird  dem
Brennereibesitzer  zurückgegeben,  welcher  gehalten  ist,  noch  vor  Anfang  der  ersten
Eimmaischung  dasselbe  an  einem  hellen  Orte  in  der  Brennerei,  welchen  die  Steuerbehörde
  dazu  auswählt,  anzuheften  und  dort  in  einem  Behältnisse,  über  dessen
Beschaffenheit  die  Steuerbehörde  nähere  Anleitung  geben  wird,  während  der
ganzen  Dauer  des  angemeldeten  Betriebs  unbeschädigt  zu  erhalten,  damit  die
Aufsichtsbeamten  und  Jeder,  der  in  die  Brennerei  eintritt,  alsbald  solches  einsehen
können.

Wenn  die  Betriebszeit  abgelaufen  ist,  muß  dieses  Eremplar  von  dem
Brennereibesitzer  binnen  drei  Tagen  an  die  Hebestelle  zurückgeliefert  und  kann
alsdann  gegen  das  bei  der  Steuerhebestelle  zurückgebliebene  Exemplar  ausgetauscht
werden.

C.  26.

3.  Allgemeine  Für  jeden  zur  Einmaischung  bestimmten  Tag  darf  nicht  unter  600  Preußische
Begeln  sͤr  den  Quart  Maischraum  angemeldet  werden,  auch  sind  kleinere  Maischbottiche  als  von
erieb.  300  Quart  Inhalt  nicht  zulässig.

jmnsd  Die  Eimnaischungen  dürfen  nur  geschehen:
ai  ertitung
  in  Bezug  in  den  Monaten  Oktober  bis  einschließlich  März  von  Morgens  6  Uhr  bis
*i  und  Abends  10  Uhr,

eit.

in  den  übrigen  Monaten  aber  von  Morgens  4  bis  Abends  10  Uhr.
§S.  27.
b.  Negelmä,  Dem  Brennereibesitzer  bleibt  zwar  freigestellt,  wie  ost  und  wann  er  während
ie  angemeldeten  Maischbigkeit

  im  Ge,  des  Monats,  für  welchen  er  den  Betrieb  angemeldet  hat,
brauch  der  bottiche  benutzen  will;  die  Benutzung  dersellen  muß  jedoch  in  einer  regelmäßigen
Neischbottiche  Reihenfolge  dergestalt  geschehen,  daß  in  dem  zuerst  geleerten  Maischbottiche  auch
mit  der  Einmaischung  zuerst  wieder  begonnen  wird.  2

d.  28.
        <pb n="817" />
        —  641  —

gz.  28.

Wenn  die  Bereitung  und  Ausbewahrung  der  Maische  bis  zum  Abbrennen  e.  Benutzug
derselben  nicht  in  den  versteuerten  Maischbottichen  allein  geschehen  soll,  sondern  steuerfreier  Ne
dazu,  oder  zu  einer  mit  der  Branntweinfabrikation  zu  verbindenden  Hefenbereitung  benzefäße.
aus  Maische,  die  steuerfreie  Benutzung  noch  anderer  Gefäße  oder  Geräthe  gewünscht

wird,  so  muß  dazu  die  besondere  Erlaubniß  der  Steuerbehörde  nachgesucht  werden.

G.  29.

Dem  Brennereibesitzer  ist  gestattet,  die  Maische  entweder  am  dritten  oder  d.  Beschränvierten
  Tage  nach  der  Einmaischung,  den  Tag  derselben  mitgerechnet,  abzubren=  ung  de  #-nen
  und  darnach  den  Betriebsplan  einzurichten.  Die  an  Einem  Tage  bereitete  Kasche  auf'-Maische
  zaich  an  Einem  Brenntage  vollständig  abgeluttert  werden.  a  bestimmte

Ein  früheres  oder  späteres  Abbrennen  der  Meische  ist  in  der  Regel  nicht  #oge.
gestattet  wird  in  außerordentlichen  Fällen  eine  Ausnahme  nöthig,  so  muß  zuvor
er  Steuerhebestelle  davon  Anzeige  gemacht,  und  deren  schriftliche  Genehmigung,
welche  jedoch  bei  Anträgen  auf  späteres  Abbrennen  nicht  über  den  vierten  Tag
hinaus  gegeben  wird,  muß  dem  Betriebsplan  beigeheftet  werden.

C.  30.

An  den  Tagen,  wo  Branntweinblasen  zum  Betriebe  angemeldet  sind,  darf  bol.  ouf  Stunin
  der  Regel  von  7  Uhr  Abends  bis  5  Uhr  Vorgens  nicht  gebrannt  werden.  den.
Ist  wegen  der  Stärke  des  Betriebs,  oder  nach  der  Eigenthümlichkeit  des  Brenngeräbbs,
  oder  in  anderen  besonderen  Fällen  eine  Ausnahme  nöthig,  so  ist  darauf
ei  der  Steuerbehörde  anzutragen,  welche  nach  Prüfung  der  für  den  Antrag
Mren  gemachten  Gründe  die  Genehmigung,  den  Umständen  nach,  nicht  veragen
  wird.

g.  31.

Wenn  unter  amtlichen  Verschluß  festte  Maisch=  und  Destillirgeräthe  in  4.  hrei-Betrieb
  kommen  sollen,  so  besiimmt  die  Hebestelle,  wann  sich  ein  Beamter  zur  nochung  der
Abnahme  des  Verschlusses  in  der  Brennerei  einfinden  soll.  Orräthe,

Der  Brenner  ist  nicht  gehalten,  auf  den  Beamten  länger  als  eine  Stunde
über  die  bestimmte  Zeit  zu  warten,  und  kann  nach  deren  Ablauf,  wenn  ein  bekannter
  und  glaubwürdiger  Mam  zegenwärtig  ist,  und  dieser  den  Verschluß  als
unversehrt  anerkannt  hat,  denselben  abnehmen.

C.  32.

Bei  dem  gleichzeitigen  Betriebe  der  Brauerei  und  Brennerei  dars  für  die  5.Vorschriften
letztere,  falls  nicht  die  von  der  Brauerei  zu  entrichtende  Steuer  fixirt  ist,  reines  fur  uun  gleic
Malzschrot  nicht  verwendet  werden.  Das  zur  Brennerei  bestimmte  Malz  muß  5##
vielmehr  vor  dem  Schroten  auf  der  Mühle  wenigstens  zum  vierten  Theile  mit  und  Brenmerel.
ungemalztem  Roggen  vermischt  werden.  Wird  neben  der  Brauerei  Branntwein
aus  Kartoffeln  gebrannt,  so  ist  zu  letzterem  Bchufe  der  Gebrauch  von  reinem

Jahrgang  1867.  (Tr.  6643.)  Malz-
        <pb n="818" />
        —  642  —

Malzschrot  zwar  gestattet,  dasselbe  muß  jedoch  besonders  angemeldet  und  auf—
bewahrt  werden  und  steht  unter  der  Aufsicht  und  Kontrole  der  Steuerbehörde.

§.  33.
BB.  Brenne  ·  Bezüglich  der  Anme  dung  des  Betriebs  kommen  die  Bestimmungen  der
reien  zur  Be  ·  &amp;amp;&amp;amp;.  24.  und  25.  auch  bei  der  Bereitung  von  Branntwein  aus  nicht  mehligen

ng,  von  Stoffen  zur  Anwendung.  Der  Betriebsplan  darf  für  die  Periode,  auf  welche
auo  michrmez,  er  lautet,  in  der  Regel  nur  auf  Stoffe  von  einem  und  demselben  Steuersatze
ligen  Stoffen.  gerichtet  sein;  wer  für  die  ganze  angemeldete  Betriebszeit  den  höheren  Steuersatz
I.  Anmeldung  #  4.  Littr.  D.)  entrichtet,  ist  in  der  Wahl  der  nicht  mehligen  Stoffe  und  deren
des  Betriebes.  Abwechselung  keiner  Beschränkung  unterworfen.

Wer  in  einem  Jahre  nicht  mehr  als  15  Preußische  Eimer  Stoffe  der
ersten  (§.  4.  Littr.  a.)  oder  7  Eimer  der  zweiten  Art  (F.  4.  Littr.  b.)  zu
Branntwein  verwenden  kann  oder  will,  muß  diesen  Vorrath  innerhalb  eines  Kalendermonats
  abbrennen,  auch  darf  überhaupt  nicht  weniger  als  beziehungsweise
15  und  7  Eimer  für  Einen  Monat  angemeldet  werden.

KC.  34.

2.  Bestim-  In  Ansehung  der  Brennzeit  greifen  zwar  die  Bestimmungen  des  F.  30.
mung  der  ebenfalls  Platz,  jedoch  kann  dieselbe,  wenn  die  Anzahl  der  angemeldeten  Blasen-Breunzeit.
  füllungen,  welche  nicht  unter  zwei  an  einem  Tage  sein  darf,  der  Produktionsfähigkeit

  der  Blase  innerhalb  der  vierzehnstündigen  Brennzeit  nicht  entspricht,  durch
die  Steuerbehörde  auf  das  wirkliche  Bedürfniß  vermindert  werden.

C.  35.
.  Material-  Die  im  8.  11.  vorgeschriebenen  Material-Vorrathsverzeichnisse  müssen  in

Kontrole.  doppelter  Ausfertigung  übergeben  werden,  und  die  Art  und  Menge  des  in  jedem

.  Spebee  Gefäße  befindlichen  Materials,  sowie  den  Aufbewahrungsort  enthalten.

maths-Verzeich.  Auf  dieses  Verzeichniß  findet  dasjenige  ebenfalls  Anwendung,  was  im  F.  25.
nissen.  wegen  der  Betriebspläne  vorgeschrieben  ist.

S.  36.
b.  Revision  der  Bei  Revision  der  Vorräthe  an  Material  werden  alle,  dergleichen  Vorräthe
Material.  Ver,  enthaltende  Gefäße  für  voll  angenommen,  bei  eingestampften  Weintrestern,  Kernobst
räthe.  und  Trestern  von  demselben  jedoch  für  die  obere  unbrauchbare  Schicht  zehn  Prozent

  von  dem  Inhalt  des  Gefäßes  in  Abzug  gebracht.
**

Der  Revision  wird  das  nach  F.35.  abzugebende  Verzeichniß  zum  Grunde
gelegt  und  unter  demselben  der  Befund  von  dem  revidirenden  Beamten  bescheinigt.
Ergiebt  sich  hierbei  nach  dem  im  vorigen  Paragraphen  gedachten  Abzuge  gegen
den  angezeigten  Gesammtvorrath  ein  Mehrbetrag  und  beläuft  sich  dieser  nicht  auf
ein  Zehntheil,  so  tritt,  wie  bei  einem  Minderbefund,  nur  eine  Berichtigung  des

er-
        <pb n="819" />
        —  643  —

Verzeichnifses  ein;  wegen  eines  größeren  Mehrbetrages  muß  jederzeit  das  Straf—
verfahren  eingeleitet  werden.  Das  eine  Exemplar  des  mit  der  Revisionsbescheinigung
  versehenen  Verzeichnisses  wird  bei  der  Steuerhebestelle  zurückbehalten,  das
andere  Exemplar  aber  dem  Brennereibesitzer  zurückgegeben,  der  solches  aufbewahrt
und  bei  Aufstellung  der  Betriebspläne  benutzt.

.  38.

Werden  neue  Vorräthe  angeschafft,  so  müssen  solche  der  Hebestelle  angemeldet
  und  unter  gehöriger  Revision  in  dem  Verzeichnisse  (§.  'Pi  Zugang
gebracht  werden.  Ebenso  muß  jede  Verwendung  des  in  diesen  Verzeichnissen
enthaltenen  Materials  zu  anderen  Zwecken,  als  unter  gehöriger  Anmmeldung  zum
Branntweinbrennen,  der  Hebestelle  angezeigt  und  nachgewiesen  werden,  es  müßte
denn  auf  ferneren  Brennereibetrieb  bis  zum  nächsten  Septembermonat  ganz  verzichtet
  werden,  in  welchem  Falle  die  Materialkontrole,  von  der  Verzichtung  ab,
bis  dahin  aufhört.

F.  39.

Der  zum  Brennen  angemeldete  und  von  dem  Vorrathsverzeichnisse  zu  diesem
Zwecke  abgeschriebene  Theil  der  Materialien  wird  aufden  Grund  des  Betriebsplans
  besonders  revidirt  und  unter  demselben  der  Befund  von  der  Hebestelle
bescheinigt.  Bei  Abweichungen  des  Befundes  von  dem  angemeldeten  Betrage
findet  die  dieserhalb  in  dem  37.  gegebene  Vorschrift  Anwendung.

Die  Steuerzeichen  an  den  Gesäßen  müssen,  bis  deren  Inhalt  ganz  abgebrannt
  ist,  unverletzt  erhalten  werden.

E.  40.

Material,  welches  bei  der  Revision  verdorben  und  untauglich  zur  Ver=  1.  Verfahren,
wendung  auf  Branntwein  gefunden  werden  möchte,  ist  von  dem  revidirenden  wenn  Material
Steuerbeamten,  wenn  es  mehr  als  die  oben  nach  F.  36.  zu  vergütende  Schicht  verkorben  itt.
begreift,  entweder  mit  Zustimmnung  des  Brennereibesitzers  aus  dem  Aufbewahrungsgefäß
  sogleich  auszusondern  und  von  dem  Vorrathsverzeichnisse  oder  dem  Betriebsplane
  abzusetzen,  oder  aber,  wenn  der  Brennereibesitzer  dieses  nicht  will,  oder  nicht
ugegen  ist,  das  ganze  Gefäß,  worin  sich  dieses  verdorbene  Material  befindet,  aus
9K2  Vorralhsrrklzeung  aus  zuscheiden.

Außerdem  kann  auf  angebliches  Verdorbensein  von  Material  keine  Rücksicht
  genommen  werden.

K.  41.

Für  Brennereibetrieb,  der  ununterbrochen  wenigstens  sieben  Tage  fortgehen  5.  Jirationder
soll,  kann  auch,  und  zwar  auf  diese  oder  längere  Zeit  innerhalb  jeden  Kalender=  Irennereien.
monats,  Fixation  der  Steuer  eintreten.  Diese  wird  dann  berechnet  nach  Maaßgabe
  der  zu  verwendenden  Materialgattung  und  derjenigen  Menge  dieses  Materials,
welche  während  der  erklärten  Betriebszeit  ohne  Unterbrechung  mit  den  zum  Gebrauch
  bestimmten  Destillirgeräthen  nach  ihrer  Betriebsfähigkeit  (G.  34.)  in  Branntwein
  umgewandelt  werden  kann.  #

(Nr.  6643.)  85“  Die
        <pb n="820" />
        —  644  —

Die  Steuerkontrole  beschränkt  sich  alsdann  allein  darauf,  die  Geräthe  nur
während  der  Betriebszeit  außer  Verschluß  zu  lassen  und  dahin  zu  sehen,  daß  keine
höher  besteuerten  Materialgattungen  zur  Verwendung  auf  Branntwein  kommen.

Die  oben  vorgeschriebene  Materialkontrolle  für  so  *  Brennereien,
und  sie  sind  nicht  gehalten,  besondere  Betriebspläne  abzugeben,  oder  ihre  Materialbestände
  nachzuweisen.  Eine  solche  Steuerfiration  hängt  übrigens  von  dem  freien
Uebereinkommen  der  Verwaltung  mit  dem  Steuerpflichtigen  ab,  und  es  sind  zu
dem  Ende  die  Bedingungen  in  der  Fi  zntionshewiligung  bestimmt  auszudrücken.

Die  Steuerbehörde  kann  zu  jeder  Fet  die  Flmions  ewilligung  zurücknehmen,
wenn  die  Geräthe  verändert  und  die  festgesetzten  Bedingungen  nicht  erfüllt  werden.

K.  42.

6.  Gleichzeiti-  Brennereien,  welche  außer  den  F.  4.  genannten  Stoffen  auch  Getreide,
er  Betrieb  der  Kartoffeln  u.  s.  w.  auf  Branntwein  verarbeiten,  sind  in  dieser  Hinsicht  ganz  nach
Brennerei  aus  den  für  die  Branntweinbereitung  aus  solchen  Materialien  bestehenden  Vorschriften
Getreide  oder  zu  behandeln.

Kartoffeln.
IV.  Rechte  und  Pflichten  der  Steuerbeamten  bei  Ausübung
des  Dienstes.
S.  43.
1.  Revisions-  Das  Gebäude,  in  welchem  eine  Brennerei  betrieben  wird,  wohin  auch  die
befugniß  der  Räume,  in  welchen  die  Gefäße  zum  Einmaischen,  Abkühlen,  Kochen  und  Dämpfen

Steuerbeamten,  des  Materials  aufgestellt  sind,  sowie  die  Gefäße,  in  welchen  nicht  mehlige  Stoffe,
4.  FSeudh  der  und  die  Räume,  in  denen  außer  Gebrauch  gesette  Theile  des  Destillirgeräths
rer  aaubbewahrt  werden,  gehören,  kann,  sobald  die  Brennerei  zum  Betriebe  angemeldet
«  ist,  zu  jeder  Zeit,  sonst  aber  nur  von  Morgens  6  bis  Abends  9  Uhr  von  den
Steuerbeamten  Behufs  der  Revision  besucht,  und  muß  ihnen  zu  dem  Behufe

sogleich  geöffnet  werden.
o  lange  in  der  Brennerei  gearbeitet  wird,  muß  der  Zugang  derselben

stets  unwerschlassen  sein.

K.  44.

In  derselben  erstreckt  sich  die  Revisionsbefugniß  der  Beamten  darauf,
nachzusehen,  daß

bezeichnet  worden,  auch  keine  unangemeldeten  Geräthe  vorhanden  sind,
und  außer  Gebrauch  gesetzte  Geräthe  sich  noch  in  diesem
finden;

b)  der  abgegebene  Betriebsplan  in  allen  Theilen  pünktlich  befolgt  werde,
auch,  insofern  aus  nicht  mehligen  Stoffen  gebrannt  wird,  keine  unangemeldete
  Gefäße  mit  dergleichen  Stoffen  vorhanden  find.

§S.  45.

a)  Überhaupt  die  Brennereigeräthe  unverändert  so  wie  sie  u  und

ustande  be-
        <pb n="821" />
        —  645  —
K.  45.

Ist  gegründeter  Verdacht  vorhanden,  daß  Unterschleife,  um  dem  Staat  d.  Honssrdie
  schuldigen  Gefälle  zu  verkürzen,  begangen  worden,  und  deshalb  eine  förmchungen.
liche  Haussuchung  erforderlich,  es  sei  bei  ee  welche  Brennerei  betreiben,
oder  bei  anderen,  so  muß  dazu  von  einem  Oberbeamten  oder  einer  höheren,  der
Steuerhebestelle  vorgesetzten  Behörde  ein  schriftlicher  Auftrag  ertheilt  werden,  und
sie  dorl  nur  unter  Beachtung  der  für  Haussuchungen  im  Allgemeinen  vorgeschriebenen
  Formen  und  an  solchen  Orten  stattfinden,  die  zur  Begehung  des  Unterschleifs
oder  Verheimlichung  von  Beständen  steuerpflichtiger  Gegenstände  geeignet  sind.

K.  46.

Diejenigen,  bei  welchen  revidirt  wird,  und  deren  Gewerbsgehülfen  sind  e.  Verhalten
verbunden,  den  revidirenden  Beamten  diejenigen  Hülfsdienste  zu  leisten,  oder  Derjenigen,  bei
leisten  zu  lassen,  welche  erforderlich  sind,  um  die  ihnen  obliegenden  Geschäfte,  es  welchem  reoibirt
mögen  solche  in  Revision  des  Betriebs,  Nachmessung  der  Geräthe,  Anlegung  wird.
des  Verschlusses  oder  Feststellung  des  Thatbestandes  bei  vorgefundenen  Unrichtigkeiten
  bestehen,  in  den  vorgeschriebenen  Grenzen  zu  vollziehen.  «

§.47.

DieDienststunden,inwelchendieErhebungsbeamtenandenWochentagenzwei-ostwzur
  Abfertigung  der  Steuerpflichtigen  bereit  sein  müssen,  bestimmt  die  Verwal-den  und  bereite
tung.  Als  Regel  wird  festgesetzt,  daß,  wo  die  Hebestellen  mit  zwei  oder  meh-  Ablertigung.
reren  Beamten  besetzt  sind,  die  Dienststunden  folgende  sein  sollen:

in  den  Wintermonaten  Oktober  bis  Februar  einschließlich  Vormittags
von  8  bis  12  Uhr  und  Nachmittags  von  1  bis  5  Uhr,

in  den  übrigen  Monaten  von  7  bis  12  Uhr  und  von  2  bis  5  Uhr.  —
An  andern  Orten  sind  die  Dienststunden  auf  die  Vormittagszeit  von
9  bis  12  Uhr  eingeschränkt.

Wenn  es  nöthig  ist,  muß  auch  außer  dieser  Zeit  die  Abfertigung  der  Steuerpflichtigen
  möglichst  bewirkt  werden.  Abweichungen  von  vorfsehenden  Bestimmungen
  sollen  an  den  Orten,  wo  dergleichen  stattfinden,  besonders  bekannt  gemacht
werden.  E

Von  den  Steuerschuldigen  dürfen  die  Steuerbeamten  unter  keinen  Umständen  3.  Ublehnen
für  irgend  ein  Dienstgeschäft  ein  Entgelt  oder  Geschenk,  es  sei  an  Geld,  Sachen  von  Ceschenken.
oder  Dienstleistung,  es  habe  Namen,  wie  es  wolle,  verlangen  oder  annehmen.
Andererseits  dürfen  die  Steuerpflichtigen  dergleichen  unter  keinen  Umständen  und
unter  keinerlei  Vorwand  geben  oder  nur  antragen,  ohne  sich  straffällig  zu  machen.

§.  49.
Außer  den  bestimmten  Steuersätzen  wird  nichts  erhoben;  Quittungen  und  4.  unguläsfig=Bescheinigungen
  der  Steuerbehörden  werden  gebührenfrei  ertheilt.  keit  von  Neben-(Nr.

  6643.)  V.  Won  erhebungen.
        <pb n="822" />
        —  646  —

V.  Von  den  Strafen  und  dem  Strafverfahren.

A.  Allgemeine  Strafbestimmungen.

G.  50.
l.  Straf  der  Wer  eine  Gewerbshandlung,  von  deren  Ausühung  die  Entrichtung  der
Defraudatken.  Branntweinsteuer  abhängig  ist,  vornimmt,  hat,  wenn  solche  entweder  in  einem

von  der  Steuerhebestelle  vollzogenen  Betriebsplane  gar  nicht  aangegeen  ist,  oder
von  der  hierin  angegebenen  dergestalt  abweicht,  daß  daraus  eine  Verkürzung  der
Steuer  folgt,  die  Strafe  der  Defraudation  ver  irkt.

G.  51.
a.  im  ersten  Die  Strafe  der  Defraudation  besteht  in  einer  Geldbuße,  welche  dem  vier-Vaolle.
  fachen  Betrage  der  vorenthaltenen  Steuer  gleichkommt.  Die  Steuer  ist  überdem
von  der  Strafe  unabhängig  zu  entrichten.
S

en  Im  Falle  der  Wiederholung  nach  vorhergegangener  Bestrafung  wird  die
Strafe  auf  den  achtfachen  Betrag  der  vorenthaltenen  Steuer  bestimmt.  Außerdem
darf  der  Schuldige,  wenn  er  Brenner  ist,  das  Recht  zu  brennen  in  einem  Zeitraume
  von  drei  Monaten  weder  selbst  ausüben)  noch  durch  einen  Anderen  zu
seinem  Vortheile  ausüben  lassen.

C.  53.

c.  bei  ferneren  Im  dritten  Falle  der  Uebertretung  nach  vorhergegangener  zweimaliger

RNäcsälln.  Bestrafung  ist  der  sechszehnfache  Betrag  der  nicht  erlegten  Steuer  als  Strafe
verwirkt.  Ist  der  Schuldige  ein  Brenner,  so  darf  er  das  Gewerbe  des  Brennens
nie  und  zu  keinen  Zeiten  weder  selbst  ausüben,  noch  durch  einen  Anderen  zu  seinem
Vortheile  ausüben  lassen.

C.  54.

2.  Anwendung  Wenn  Maischgefäße,  welche  von  der  Steuerbehörde  außer  Gebrauch  gesetzt
der  Defrauda  worden,  unbefugter  Wes=  zum  Eimmaischen  benutzt  worden  find,  so  soll  die  Betuonesrafe,
  rechnung  der  Steuer  und  der  Defrandationsstrafe  in  der  Art  geschehen,  daß  auf
krnpuen  n  jeden  dritten  Tag  von  der  Stunde  ab,  wo  die  Maischgefäße  zuletzt  amtlich  unter
Maisch,  eer  Verschluß  gefunden  worden  sind,  bis  zur  Zeit  der  Enkdeckung  eine  Einmaischung
Destilirgerä.  angenommen  wird.
the  unbefugter
Weise  benutzt  d.  55.
werden.  Sind  in  Brennereien,  wo  Branntwein  aus  nicht  mehligen  Stoffen  bereitet
ird,  Destillirgeräthe,  welche  von  der  Steuerbehörde  außer  Gebrauch  gesetzt  worden,
        <pb n="823" />
        —  647  —

den,  unbefugter  Weise  wieder  in  Betrieb  gebracht,  so  werden  die  verkürzte  Steuer
und  der  Betrag  der  Defraudationsstrafe  nach  derjenigen  Materialmenge  zum
höchsten  Steuensze  berechnet,  welche  seit  der  Stunde,  wo  das  unbefugter  Weise
gebrauchte  Destillirgeräth  zuletzt  amtlich  unter  Verschluß  gefunden  worden  ist,  bis
Lr  Heit  der  Entdeckung  auf  diesem  Geräth  hat  zu  Branntwein  verarbeitet  weren
  können.

g.  56.

Wird  den  bei  Fixationsbewilligungen  festge  Den  fihingge  zur  Ver=  3.  Anwendung
Strafe  der

kürzung  der  Steuer  entgegen  gehandelt,  so  tritt  die  efraudation  ein.  der  Defraudationsstrase
  bei

der  Verletzung
.  voaIixatioass
B.  Besondere  Strafbestimmungen.  bewilligungen.

C.  57.

Die  Einmaischung  oder  Zubereitung  von  Maische,  die  dem  Steuerbeamten  1.  Strafe  der
ar  nicht  angesagt,  oder  die  an  anderen  Tagen,  in  anderen  Räumen  oder  in  an.  beialichen  oder
eren  Gefäßen,  als  den  in  dem  amtlich  bestätigten  Betriebsplane  dazu  angemeldeten,  nedune

vorgenommen  wird,  soll  an  und  für  sich  mit  einer  Geldbuße  von  Sinhindert  n  n  as.
Thalern,  von  welcher  dem  Entdecker  zwei  Drittheile  zufallen,  und  mit  der  Konfis-bemahrung  von
kation  der  gebrauchten  Gefäße  besranst  werden,  die  gesetzliche  Defraudationsstrafe  maische.
daneben  aber  nur  alsdann  eintreten,  wenn  die  Absicht  einer  Verkürzung  der

Steuer  nachgewiesen  wird.

KG.  58.

Wenn  der  Vorschrift  des  §.  11.  entgegen  steuerpflichtige  Materialien  ent.  2.  Strafe  der
weder  gar  nicht  angezeigt,  oder  in  größerer  Menge,  als  solche  nach  den  Bestim=  unterlassenen;
mungen  der  §#.  36.  und  37.  straffrei  ist,  oder  an  anderen  Orten,  als  das  Vor=  der  ureichirathsberzeichn
  und  der  Betriebsplan  ergeben,  vorgesinden  werden,  so  findet  euerppichrige
eine  Geldbuße  von  Einhundert  Thalern  bauc,  von  welcher  dem  Entdecker  zwei  S#efe
Drittheile  zufallen.  Wird  bei  Zuwiderhandlungen  obiger  Art  zugleich  die  Absicht
  der  Steuerverkürzung  nachgewiesen,  so  tritt  außerdem  noch  die  Defrudnmionsstrafe
  hinzu.

S.  59.

Wenn  die  Brennereigeräthe  oder  die  damit  vorzunehmenden  oder  vorge=  3.  Strofe  der
nommenen  Veränderungen  nicht,  wie  im  F.  6.  vorgeschrieben  ist,  angezeigt  wor=  unterlassenen
den,  so  tritt  die  Konfiskation  der  verschwiegenen,  veränderten  oder  anderswohin  oder  unrichtigebrachten
  Stücke  und  eine  Geldstrafe  von  25  bis  100  Rthlr.  ein.  gen  Anzeige  der

Geräthe.
C.  60.

Wer  der  Vorschrift  im  I.  7.  zuwider  Brennerei=  oder  Destillirgeräthe,  4.  Strafe  der

ein  Anzeige  bei  der  Steuerhebestelle  und  darüber  erhaltene  Bescheinigung,  einem  unterlassenen

nderen  übergiebt,  verfällt  in  eine  Strafe  von  5  bis  20  Rthlr.,  welche  bei  gace  Kain

Wiederholungen  auf  20  bis  50  Rthlr.  erhöht  wird.  Eerülhrabn
(Nr.  6643.)  F.  61.  dere  Hand.
        <pb n="824" />
        —  648  —

g.  61.

5.  Strafe  der  Werden  die  im  F.  8.  vorgeschriebenen  Bezeichnungen  der  Geräthe  unterirsufe,
  lassen,  so  kommen  die  Strafbestimmungen  des  §.  59.  zur  Anwendung.

zeichnung.
**

C.  Strafe  der  Abweichungen  von  den  Tageszeiten,  in  welchen  gingemassht  werden  soll,

*8  sowie  Abweichungen  von  den  deklarirten  Tagen  des  Blasenbetriebs,  oder  von  der

van  reenhtl  an  diesen  Tagen  gestatteten  Brennfrist  werden  mit  2  Rthlr.  und  bei  Wiederholungen
  mit  5  bis  20  Rthlr.  bestraft.

S.  63.
7.  Straf=  des  Eigenmächtige  Veränderungen  in  dem  von  der  Steuerhebestelle  vollzogenen
ordnungswi.  Betriebsplane  (§.  10.),  insofern  dadurch  nicht  eine  härtere  Strafe  verwirkt  ite  werwrioen

  Dero,  den  mit  2  bis  50  Rthlr.  bestraft.  Im  Wiederholungefale  tritt  Verdoppelung  der
Verichsplänen  Strafe  und  im  dritten  Uebertretungsfalle  überdem  der  Verlust  der  Befügni  zur
und  Material.  Betreibung  der  Brennerei  ein.  Auch  derferige,  welcher  seinen  Betriebsplan  nicht
Vorraths-Ver.,  reinlich  aufbewahrt  oder  nicht  bereit  hält,  solchen  jederzeit  dem  Revisionsbeamten
wiichnissen.  gleich  vorlegen  zu  können,  wird  schon  deshalb  um  Ein  bis  fünf  Thaler  bestraft,
wenn  auch  nicht  erweislich  ist,  daß  derselbe,  um  eine  Kontravention  zu  verbergen,
weggeschafft  oder  beschädigt  worden.
Was  vorstehend  in  Betreff  der  Betriebspläne  angeordnet  worden,  gilt  auch
für  die  Material-Vorrathsverzeichnisse  (S.  11.).

KC.  64.

.  Verlehung  Wer  den  amtlichen  Verschluß,  durch  welchen  Maisch-,  Destillir=  und  andere

desVerschluses  Geräthe  außer  Gebrauch  gesett  worden,  abnimmt,  verletzt,  oder  sonst  unbrauchkoernnr

  #.  bar  macht,  die  vorgeschriebene  Bezeichnung  der  Geräthe  (K.  8.)  zerstört,  verändert

Harathel  oder  nachmacht,  wird,  wenn  auch  eine  Steuerverkürzung  nicht  beabsichtigt  worden,
bei  einer  Veränderung  oder  Zerstörung  der  vorgeschriebenen  Bezeichnungen  mit
der  im  9.  59.  bestimmten  Strafe  und  bei  Verletzung  des  amtlichen  Verschlusses
der  Maisch=  und  Destillirgeräthe  mit  einer  Geldbuße  von  2  bis  20  Rthlr.  belegt,
fals  nicht  glaubwürdig  dargethan  wird,  daß  die  Pernb#  der  Bezeichnung  oder
ie  Verletzung  des  V  schlufes  durch  einen  vom  Steuerpflichtigen  nicht  verschuldeten
  Zufall  entstanden,  und  davon  gleich,  nachdem  solche  wahrgenommen  worden,
Anzeige  geschehen  ist.

g.  65.

v.  Bestrofung  Die  Uebertretung  anderer  in  dieser  Verordnung  enthaltenen  Vorschriften
enftiger  Geset=  und  der  in  Gemäßheit  derselben  erlassenen  und  gehörig  bekannt  gemachten  Ver-Uebertretu.
  waltungsvorschriften,  auf  welche  keine  besondere  Snaß  gesetzt  worden,  soll  mit
gen.  einer  Geldbuße  von  1  bis  10  Rthlr.  geahndet  werden.  *

.  Ver-
        <pb n="825" />
        —  649  —

C.  Vertretungs  verbindlichkeit  für  verwirkte  Geld  strafen.

g.  66.

Wer  Brennerei  treibt,  muß  für  sein  Gesinde  seine  Diener,  Gewerbsghülfen
  und  seine  im  Hause  befindliche  Ehegattin,  Kinder  und  Anverwandten,
was  die  nach  §§.  51.  bis  einschließlich  65.  verhängten  Geldstrafen  und  die  vorenthaltene
  Steuer  betrifft,  mit  seinem  Vermögen  haften,  wenn  die  Geldstrafe
und  die  Steuer  wegen  Unvermögens  des  eigentlich  Schuldigen  nicht  beigetrieben
werden  können.  Der  Steuerverwaltung  bleibt  aber  in  diesem  Falle  vorsthalten,
die  Geldbuße  von  dem  stbsidiarisch  Bechafteten  einzuziehen  oder  statt  dessen,  und
mit  Verzichtung  hierauf,  die  im  Unvermögensfalle  an  die  Stelle  der  Geldbuße
zu  verhängende  Freiheitsstrafe  sogleich  an  den  eigentlich  Schuldigen  vollstrecken  zu
lassen,  n  daß,  letzteren  Falls  die  Verbindlichkeit  der  subsidiarisch  Verhafteten

rücksichtlich  der  Steuern  dadurch  aufgehoben  wird.
D.  Zusammentreffen  mehrerer  Zuwiderhandlungen  gegen  die
Gesetze.
S.  67.

Treten  der  Zuwsderhandlun  gegen  die  Bestimmungen  dieser  Verordnung
andere  Vergehen  oder  Verbrechen  bichs  so  kommen  die  allgemeinen  Strafgesetze
zur  Anwendung.

Ist  mit  einer  Defraudation  zugleich  eine  Verletzung  besonderer  Vorschriften
dieser  Verordnung  verbunden,  so  tritt  die  darauf  gesetzte  Btrnfe  in  der  Regel  der
Strafe  der  Defraudation  hinzu.

Im  Falle  mehrerer  oder  wiederholter  Zuwiderhandlungen  gegen  diese  Verordnung,
  welche  nicht  in  Defraudationen  bestehen,  soll,  wenn  die  Kontraventionen
derselben  Art  sind  und  gleichzeitig  entdeckt  werden,  die  Kontraventionsstrafe,  insbesondere
  die  durch  die  9§.  57.  und  58.  verhängte  Strafe  von  Einhundert  Thalern
  gegen  den  subsidiarisch  Verpflichteten,  gleichwie  gegen  die  eigentlichen  Thäter
und  Theilnehmer,  nur  in  einmaligem  Betrage  festgesetzt  werden.

E.  Strafe  der  Bestechung  der  Beamten.
.  68.

Wer  einem  zur  Wahrnehmung  des  Hierinterests  verpflichteten  Beamten,
mit  welchem  er  im  Amte  zu  thun  hat,  Geld  oder  Geldeswerth  zum  Geschenk
anbietet  oder  wirklich  giebt,  soll  den  vier  und  zwanzigfachen  Betrag  des  angebotenen
  oder  gegebenen  Geschenkes  zur  Strafe  erlegen.  Ist  über  den  Betrag  nichts
auszumitteln,  so  tritt  eine  Geldbuße  von  zehn  Walern  ein.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6643.)  §6  F.  Stra  fe
        <pb n="826" />
        —  650  —

F.  Strafe  der  Widersetzlichkeit  gegen  Beamte.
S.  69.

Eine  jede  Widersetzlichkeit  gegen  die  in  Ausübung  ihres  Amtes  begriffenen
Personen)  mögen  es  Stenerbean#te  oder  andere  zur  Wahrnehmung  des  Steuerinteresses
  verpflichtete  Beamten  seiß,  sowie  auch  die  Versagung  der  im  §.  46.  den
Gewerbtreibenden  zur  Pflicht  gemachten  Hülfsleistung,  soll  un  dem  Schuldigen,
soweit  nicht  nach  den  allgemeinen  Strafgssetzen  eine  härtere  Strafe  Platz  greift,
mit  zehn  bis  funfzig  Thalern  oder  mit  verhältnißmäßiger  (§F.  70.)  Gefängnißstrafe
  geahndet  werden.  «

Die  Wahl  der  Stafgatiung  bleibt  nach  den  Umständen  eines  jeden  einelnen
  Falles  der  Behörde  überlassen,  welche  in  der  Sache  selbst  zu  entscedeen
  hat.  «

G.  Unvermögenheit.

K.  70.

Bei  dem  Unvermögen  zur  Entrichtung  der  Geldstrafe  tritt  in  allen  durch
die  gegenwärtige  Verordnung  mit  Geldstrafe  bedrohten  Fällen  verhältnißmäßige,
nach  den  diesselligen  Bestimmungen  der  allgemeinen  Strafgesetze  zu  bemessende
Gefängnißstrafe  ein.

Dieselbe  darf  im  ersten  Straffalle  die  Dauer  von  Einem  Jahre,  beim
ersten  Rückfalle  die  Dauer  von  zwei  Jahren  und  bei  weiteren  Rückfällen  dje
Dauer  von  vier  Jahren  nicht  übersteigen.

H.  Verwendung  der  Strafgelder.

.  71.

Von  den  auf  Grund  dieser  Verordnung  eingezogenen  Strafen  und  von
dem  Erlöse  aus  Konfiskaten  wird  —  mit  der  in  den  §#.  57.  und  58.  festgesetzten
  Ausnahme  —  ein  Drittheil  den  Steuerbeamten,  ingleichen  den  Polizei-,  Forstbeamten
  und  Gendarmen  als  Belohmmg  zu  Theil,  insofern  sie  die  Zuwiderhandlung
  entdeckt  oder  zu  der  Entdeckung  Hulfe  geleistet  haben.

Die  anderen  zwei  Drittheile  verbleiben  der  Staatskasse.

J.  Verfahren  gegen  die  Kontravenienten.
.  72.

In  Ansehung  des  Verfahrens  bei  Verfolgung  von  Zuwiderhandlungen

Lgen  die  Bestinunungen  dieser  Verordnung  kommen  die  Bestimmungen  über  das
erfahren  bei  Zollkontraventionen  zur  Anwendung.

S.  73.
        <pb n="827" />
        Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung,  insonderbeit
  mit  der  Bestimmung  der  Hebestellen  und  Beamten,  welchen  die  Erhebung
der  Branntweinsteuer  und  die  Kontrole  übertragen  wird,  sowie  dem  Erlasse  der
erforderlichen  Kontrolvorschriften  und  Instruktionen  beauftragt.  Auch  ist  derselbe
ermächtigt,  soweit  nach  den  örtlichen  fehällinissn  das  Bedürfniß  von  Erleichtekungen
  ezüglich  der  in  den  S.  16.  bis  42.  dieser  Verordnung  ertheilten  Betrie
  zorschrien  sich  ergiebt,  solche  Erleichterungen  anzuordnen.

Soweit  die  Vorschriften  dieser  Verordnung  auf  Preußische  Währung  und
Preußich  es  Gemäß  sich  beziehen,  hat  der  Finanzminister,  nach  Bedürfniß,  diese

orschrifun  in  #er  mwendung  auf  die  in  dem  betreffenden  Landestheile  gesetzlich
  bestehende  Mährung  und  das  bestehende  Gemäß  näher  zu  bestimmen.

S.  74.

Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  1.  Juli  1867.  in  Kraft.  Von  demselben
Zeitpunkte  ab  werden  die  gesetzlichen  Vorschriften,  welche  über  die  Besteuerung
des  Brammtweins  in  denjenigen  Landestheilen,  für  welche  diese  Verordnung  ergeht,
zur  Zeit  bestehen,  außer  Wirksamkeit  gesetzt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  11.  Mai  1867.

(d.  .)  WMilhbelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulen  burg

(Nr.  6643  -6644.  86“  (Nr.  6644.)
        <pb n="828" />
        —  652  —

(Nr.  6644.)  Verordnung  wegen  Besteuerung  des  Braumalzes  in  den  Regierungsbezirken
Wiesbaden  und  Kassel,  sowie  in  dem  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs
  Hannover  und  der  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein.  Vom
11.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  .

verordnen  für  die  durch  die  Verordnung  vom  22.  Februar  1867.  eech-eml
S.  273.)  gebildeten  Negierungshezire  Wiesbaden  und  Kassel,  fermner  für  das
Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  soweit  dasselbe  dem  Zollverein
angeschlossen  ist,  und  für  das  Gebiet  der  Herzogthümel  Schleswig  und  Holstein,
und  zwar  vorläufig  mit  Ausnahme  der  aus  dem  Zollverbande  derselben  ausgeschlossenen
  Landestheile,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.

Besteuerung.  Wer  Bier  aus  Getreide  verfertigt,  soll  von  jedem  Zentner  Malzschrot
des  Bronmal  oder  Getreideschrot,  welches  zum  Bierbrauen  verwendet  wird,  20  Sgr.  entrichies.
  ten.  Ist  mit  der  Bierbrauerei  zugleich  eine  Essigbereitung  verbunden,  oder  wird

Essig  aus  Malz  in  eigends  dazu  bestimmten  Anlagen  im  Großen  zum  Verkauf
bereitet,  so  muß  auch  von  dem  Schrote,  welches  zur  Essigbereitung  verwendet
wird,  diese  Steuer  entrichtet  werden.

G.  2.  .
Stempstich  Bei  der  Verwiegung  von  Braumalz  wird  für  den  Sack  nichts  abgerechnet,
ttskeitbes  Brut,  auch  macht  es  keinen  Unterschied,  ob  das  Malz  trocken  oder  angefeuchtet  ist;  datogewichts.

  gegen  wird  bei  einer  Verwiegung  jeder  Malzpost  ein  Uebergewicht  unter  ½  Zentner
  nicht  berücksichtigt.

e
Wann  bie  Die  Versteuerung  des  Braumalzes  muß  erfolgen,  bevor  die  Eimmaischung
Steuer  zu  zah-  geschieht.
len  ist.  C.  4.
Figation.  Die  Versteuerung  kann  nach  Uebereinkommen  mit  der  Steuerbehörde  unter

den  von  derselben  festgesetzten  Bedingungen  durch  Entrichtung  einer  Absindungssumme
  auf  einen  bestimmten  Zeitraum  erfolgen.

S.  5.
Haustrunk.  Die  Verfertigung  des  Haustrunkes  in  gewöhnlichen  Kochkesseln  ist  von
der  Steuerentrichtung  ganz  frei,  wenn  die  #aberzitun  allein  zum  eigenen

Bedarf  in  Familien  von  nicht  mehr  als  zehn  Personen  über  vierzehn  Jahre
eschieht.

8  Wer  von  dieser  Bewilligung  Gebrauch  machen  will,  muß  solches  der
Steuerbehörde  zuvor  in  jedem  Jahre  anmelden  und  darüber  einen  Anmeldeschein
sich  ertheilen  lassen.  g6
        <pb n="829" />
        —  663  —

G.  6.
In  den  Fällen  des  F.  5.  ist  ein  jedes  Ablassen  der  zubereiteten  Getränke  Beschränkung
an  nicht  zum  Haushalte  gehörige  Personen  untersagt.  *  *s
6.  7.  brauereien.

Wegen  Vergütung  der  Steuer  bei  Versendungen  von  Bier  in  das  Vergütung  ber
Ausland  werden  im  Falle  des  Bedürfnisses  besondere  Bestimmungen  vom  Finanz-  Steuer  bei  Ver·

minister  erlassen  werden.  sendung  in  das
Ausland.
.  S.

Wer  Essig  zum  Verlaufz  oder,  ohne  nach  §.  5.  von  der  Steuer  befreit  unzeige  der
zu  sein,  Bier  brauet,  ist  gehalten,  der  Steuerhebestelle  eine  Nachweisung  einzu=  vorhandenen
reichen,  worin  die  Räume  zur  Brauerei,  die  Braupfannen  und  Braubottiche,  Swanpseanen
ingleichen  der  Inhalt  derselben  in  Preußischen  Quarten  genau  und  vollständig  1.  %
angegeben  sein  müssen.  Gleiche  Verpflichtung  zur  Anzeige  binnen  drei  Tagen
liegt  ihm  ob,  wenn  neues  Geräthe  angeschafft,  oder  wenn  das  vorhandene
ganz  oder  zum  Theil  abgeändert  oder  in  ein  anderes  Lokal  gebracht  wird.

Inhaber  von  Brauereien,  sowie  andere  Personen,  wenn  letztere  Braupfannen
  blos  besitzen,  oder  sie  verfertigen,  oder  Handel  damit  treiben,  dürfen  dieselben
  weder  ganz  noch  theilweise,  weder  neu  noch  ausgebessert  aus  ihren  Händen
geben,  bevor  sie  es  der  Steuerhebestelle  ihres  Wohnorts  angezeigt  und  darüber
eine  Bescheinigung  von  dieser  erhalten  haben.

KS.  9.

Jede  Brauerei  soll  mit  einer  gesetzlich  zulässigen  Waage,  worauf  wenig=  erforderniß
ens  fünf  Zentner  auf  einmal  abgewogen  werden  können,  und  mit  den  erforder-  einer  Waage.
ichen  geaichten  Gewichten  versehen  sein.  Bis  solche  angeschafft  worden,  kann
der  Betrieb  der  Brauerei  versagt  werden.

F.  10.

Jeder  Brauer  ist  verbunden,  seinen  Vorrath  an  Mahschrot  nur  an  einem  ünastewaz.
gewissen,  ein=  für  allemal  zu  bestimmenden  Orte  auguhewahren.  rung  unb  Ver-Beim
  gemeinschaftlichen  Betriebe  der  Brauerei  und  Brennerei  darf  zu  letz-  wendung  des
terer  reines  Malzschrot  nicht  verwendet  werden.  Die  Verwendung  8  *  Melischrets.
menges  von  Schrot  aus  gemalztem  und  ungemalztem  Getreide  ist  zulässig,  die
Mischung  muß  jedoch  vor  dem  Schroten  auf  der  Mühle  in  den  Körnern  geschehen.
  Wird  neben  der  Brauerei  Branntwein  aus  Kartoffeln  gebrannt,  so  —
war  der  Gebrauch  von  reinem  Malzschrot  zu  letzterem  Behuf  gestattet  werden;
hierzu  sowohl,  als  zur  Brauerei  zu  verwendende  muß  jeboch  besonders
deklarirt  und  aufbewahrt  werden,  und  find  auch  die  Räume  für  jenes  unter  Aufsicht
  und  Kontrole  der  Steuerbeamten  zu  setzen.

(Fr.  6644.)  #.  11
        <pb n="830" />
        —  664  —

G.  11.

Verfahren  bei  Wer  eine  Brauerei  betreibt,  ist  verpflichtet,  der  Steuerhebestelle  schriftlich
der  Verseue  ·  anzuzeigen,  wie  viel  Malzschrot  er  zu  jedem  Gebräude  nehmen,  an  welchem  Tage
runs.  und  zu  welcher  Stunde  er  einmaischen  wird,  und  die  Steuer  von  der  angemeldeten

  Beschickung  gleichzeitig  zu  entrichten.

Es  steht  dem  Sriphrae  frei,  diese  Anzeige,  so  oft  er  brauet,  zu
machen,  oder  im  Voraus  für  einen  bestimmten  Zeitraum.  Im  letzteren  Falle
kann  er  die  Steuer  für  den  ganzen  Zeitraum  vorausbezahlen,  oder  für  jede
Maischung  besonders  vor  deren  Eintritt.

K.  12.

Dellaration  Die  Deklaration  des  Brauers,  Behufs  der  Versteuerung,  soll  sich  au
bdes  Bieruges.  darauf  erstrecken,  wie  viel  Bier  er  aus  dem  angegebenen  und  3a  bsuschraund

Mahezschrot  ziehen  will.
G.  13.

Anmeldung  Die  Anmeldung  muß,  wenn  des  Vormittags  gemaischt  werden  soll,  spätezud
  beren  Be  stens  am  Nachmittage  des  vorhergehenden  Tages,  und  wenn  Nachmittags  getguns,
  maischt  werden  soll,  spätestens  am  Vormittage  desselben  Tages  drei  Stunden

vorher,  in  beiden  Fällen  auch  während  der  Dienststunden  (F.  20.)  erfolgen.
Berichtigungen  dieser  Amneldungen  bei  der  Hebestelle  sind  zonise  wenn
sie  mindestens  an  dem  der  beabsichtigten  Veränderung  vorhergehenden  Tage  geschehen.


Soll  die  Beschickung  darnach  verstärkt  werden,  oder  sollen  neue  Gebräude
hinzutreten,  so  wird  die  Steuer  davon  gleichzeitig  entrichtet.

Soll  ein  Gebräude  eingestellt  oder  die  Balhckung,  vermindert  werden,  so

bringt  der  Steuerpflichtige  die  schon  entrichtete  Steuer  bei  der  nächsten  Zahlung
in  Anrechnung.
-
Einmaischung.  Die  Einmaischungen  dürfen  nur  geschehen  in  den  Monaten  vom  Oktober

bis  einschließlich  März  von  Morgens  6  bis  Abends  10  Uhr,  in  den  übrigen
Monaten  aber  von  Morgens  4  "s  Abends  10  Uhr.  *  9

S.  15.

Erwarten  ber  Der  Brauer  ist  verpflichtet,  die  Ankunft  eines  Steuerbeamten  zur  ange-Steuerbeamten,
  zeigten  Stunde  des  Einmaischens  (§.  nuöv  abzuwarten.
Findet  sich  derselbe  ein,  so  muß  alsdamm  sogleich  das  Malz  in  dessen
Gegenwart  abgewogen  und  mit  der  Eirmalschung  vorgeschritten  werden,  der
Brauer  darf  aber  die  Einmaischung  erst,  nachdem  eine  Stunde  gewartet  worden,
ohne  dessen  Gegemwart  verrichten.

S.  16.

Nachmaischen.  In  der  Regel  soll  die  ganze  Beschickung  auf  einmal  eingemaischt  werden
so  daß  keine  Nochshaischung  esi#een  *  Bemaisch
Wird
        <pb n="831" />
        Mird  aber  eine  Vrauerei  regelmäßig  mit  Nachmaischen  betrieben,  so  muß
ein=  für  allemal  angezeigt  werden,  in  wie  piel  Abtheilungen  und  mit  welchem
Gewichte  für  jede  Beschickung  gemaischt  werden  soll.

KG.  17.

Das  Gebäude,  in  welchem  eine  Brauerei  betrieben  wird,  kann,  sobald  Neißonsbedarin
  gearbeitet  wird,  zu  jeder  Zeit,  Lonnt  aber  nur  von  Morgens  6  Uhr  bis  fagiß  der
Abends  9  Uhr  von  den  Steuerbeamten  Behufs  der  Revision  besucht,  und  muß  #euerbeamten
ihnen  zu  dem  Behufe  sogleich  geöffnet  werden.  In  demselben  *½  sich  ihre

evisionsbefugniß  demus  nachzusehen,  daß  die  Braupfannen  und  Bottiche  unverändert
  so  dieselben  sind,  wie  sie  angegeben,  auch  bezeichnet  worden,  daß  keine
unangemeldete  Geräthe  vorhanden,  daß  außer  Gebrauch  gesetzte  Geräthe  sich  noch
in  diesem  Zustande  befinden,  daß  das  Malzschrot  nur  an  dem  dazu  besimmten
Orte  aufbewahrt  wird,  und  daß  nur  zur  angemeldeten  Zeit  und  Stunde  eingemaischt,
  auch  die  Einmaischung  gehörig  versteuert  und  daß  keine  größere  als  die
angemeldete  (F.  12.)  Biermenge  gezogen  ist.

K.  18.

Ist  gegründeter  Verdacht  vorhanden,  daß  Unterschleise,  um  dem  Staate  Honssachung.

die  verschuldeten  Gefälle  zu  verkürzen,  begangen  worden  und  deshalb  eine  förmliche
  Haussuchung  erforderlich,  es  sei  bei  Personen,  welche  Brauerei  betreiben,
oder  bei  anderen)  so  ist  dazu  i  schriftlicher  Nisttag  eines  Oberbeamten  oder
einer  noch  höheren,  der  Seesse  estelle  vorgesetzten  Böre  erforderlich,  und  sie
darf  nur  unter  Beachtung  der  für  Haussuchungen  im  Allgemeinen  vorgeschriebe.
nen  Formen  und  an  solchen  Orten  stattfinden,  die  zur  vtutu  des  Unterschleifs
oder  Verheimlichung  von  Beständen  steuerpflichtiger  Gegenstände  geeignet  sind.

K.  19.

Diejenigen,  bei  welchen  revidirt  wird,  und  deren  Gewerbsgehülfen  sind  verpflichtung
verbunden,  den  revidirenden  Beamten  diejenigen  Hülfsdienste  zu  leisten,  oder  der  Süf“-leisten
  zu  lassen,  welche  erforderlich  sind,  um  die  Revision  in  den  vorgeschriebenen  leisung.
Grenzen  zu  vollziehen.

C.  20.

Die  Dienststunden  b  in  welchen  die  Steuerbeamten  an  den  Wochemagen  Verpslichtung
ur  Abfertigung  der  Steuerpflichtgen  bereit  sein  müssen,  bestimmt  die  Verwal-  der  Steuerbe
ng.  Als  Regel  wird  fesnel  t,  daß,  wo  die  Hebestellen  mit  zwei  oder  mehre-  emterren
  Beamten  besetzt  sind,  die  Dienststumden  folgende  sein  sollen:

in  den  Wintermonaten  Oktober  bis  Februar  einschließlich,  Vormittags
von  8  bis  12  Uhr  und  Nachmittags  von  1  bis  5  Uhr.  In  den
übrigen  Monaten  von  7  bis  12  Uhr  und  von  2  bis  5  Uhr.

An  anderen  Orten  sind  die  Dienststunden  auf  die  Vormittagszeit  von  9
bis  12  Uhr  eingeschränkt.
(r.  6644.)  Wenn
        <pb n="832" />
        —  666  —

Wenn  es  noͤthig  ist,  muß  auch  außer  dieser  Zeit  die  Abfertigung  der
Steuerpflichtigen  möglichst  bewirkt  werden.

Abweichungen  von  vorstehenden  Bestimmungen  sollen  an  den  Orten,  wo
dergleichen  stattfinden,  besonders  bekannt  gemacht  werden.

E.  21.

Von  den  Steuerschuldigen  dürfen  die  Steuerbeamten  unter  keinen  Umständen
  für  irgend  ein  Dienstgeschäft  ein  Entgelt  oder  Geschenk,  es  sei  an  Geld,
Sachen  oder  Dienstleistung,  es  habe  Namen,  wie  es  wolle,  verlangen  oder  annehmen.
  Andererseits  dürfen  die  Steuerpflichtigen  dergleichen  unter  keinen  Umständen
  und  unter  keinerlei  Vorwand  geben  oder  nur  antragen,  ohne  sich  straffällig
  zu  machen.

Außer  den  bestimmten  Steuersätzen  wird  nichts  erhoben.
ith  i  Mithungen  und  Bescheinigungen  der  Steuerbehörden  werden  gebührenfrei
ertheilt.

K.  22.

Zu  viel  erhobene  Gefälle  werden  zurückgezahlt,  wenn  binnen  Jahresfrist,
vom  Tage  der  Versteuerung  an  gerechnet,  der  Anfruch  auf  Ersatz  angemeldet
und  begründet  wird.  Wenn  der  Anspruch  ganz  oder  theilweise  zurückgewiesen
wird,  so  ist  dagegen  der  Rekurs  an  die  vorgesetzte  Behörde  binnen  einer  Präklusivfrist
  von  1  Wochen  zulässig.  Wendet  sich  der  Reklamant  an  eine  inkompetente
  Behörde,  so  hat  diese  das  Rekursgesuch  an  die  kompetente  Behäörde
aesgeben  ohne  daß  dem  Reklamanten  die  Hwischenzeit  auf  die  Frist  anzurechnen
  ist.

Zu  wenig  oder  gar  nicht  erhobene  Gefälle  können  gleichfalls  innerhalb
Jahresfrist,  vom  Tage  des  Eintritts  der  Zahlungsverpflichtung  an  gerechnet,  nachgefordert
  werden.  Nach  Ablauf  des  Jahres  ist  jeder  Anspruch  auf  Zurückerstattung
  oder  Nachzahlung  der  Gefälle  beziehungsweise  gegen  den  Staat  und  den
Steuerschuldigen  erloschen,  dem  Staate  bleiben  jedoch  Ueine  Rechte  auf  Schadenersatz
  gegen  die  Beamten,  durch  deren  Schuld  die  Gefälle  gar  nicht  oder  unrichtig
erhoben  worden,  jederzeit  vorbehalten,  ohne  daß  die  Beamten  befugt  sind,  die
Steuerschuldigen  wegen  der  Nachzahlung  der  Gefälle  in  Anspruch  zu  nehmen.

C.  23.

Strafbestim  ·  Wer  eine  Gewerbshandlung,  von  deren  Ausübung  die  Entrichtung  der
mungen.  Braumalzsteuer  abhängig  ist,  vornimmt,  hat,  wenn  solche  entweder  gar  nicht
oder  dergestalt  zunichtig  ungemmeldet  ist,  daß  daraus  eine  Verkürzung  der  Steuer

folgt,  die  Strafe  der  Defraudation  verwi

K.  24.

Defrauda-  Die  Strafe  der  Defraudation  besteht  in  einer  Geldbuße,  welche  dem  viertionsstrase.
  fachen  Betrage  der  vorenthaltenen  Steuer  gleichkommt.  Die  Steuer  ist  überdem
erster  zal.  von  der  Strafe  unabhängig  zu  entrichten.  5

K.  25.
        <pb n="833" />
        —  657  —

G.  25.

Im  Falle  der  Wicdecholung  nach  vorhergegangener  Bestrafung  wird  die  gweiter  Fall.
Strafe  auf  den  achtfachen  Betrag  der  vorenthaltenen  Steuer  bestimmt.  Außerdem
  darf  der  Schuldige,  wenn  er  Brauer  ist,  das  Recht,  zu  brauen,  in  einem
Zeitraume  von  drei  Mnann  weder  selbst  ausüben,  noch  durch  einen  Anderen  zu
seinem  Vortheile  ausüben  lassen.  K  ·

Im  dritten  Falle  der  Uebgtetung  nach  vorhergegangener  zweimaliger  oritter  Fal.
Bestrosung  ist  der  scchs  ehnfache  Betrag  der  nicht  erlegken  Steuer  als  Strafe
verwirkt,  und  ist  der  chaldige  ein  Brauer,  so  darf  er  das  Gewerbe  des  Brauens
nie  und  zu  keinen  Zeiten  weder  selbst  ausüben,  noch  durch  einen  Anderen  zu  seinem
Vortheile  ausüben  lassen.  '

Wenn  die  Braupfannen  und  Bottiche  oder  die  damit  vorgenommenen  Ver=  Ubterlassene
änderungen  nicht,  wie  H.  8.  vorgeschrieben  ist,  angezeigt  werden,  so  tritt  die  Kon=  Aumeldung  der
fiskation  der  verschwiegenen,  veränderten  oder  anderswohin  Febrachten  Gerät  ertd
ein.  Ueberdem  hat  der  Brauer  eine  Geldstrafe  von  25  bis  100  Rthlr.  verwirkt,  r
welche  im  Wiederholungsfalle  verdoppelt  wird.

Sind  unangezeigte  Braupfannen  und  Bottiche  zum  Brauen  auch  benutzt
worden,  so  wird  die  dadurch  begangene  Defraudation  noch  besonders  nach  §g.  24.

25.  und  26.  bestraft.  E

Hat  ein  Brauer  ohne  vorhergegangene  Anmeldung  und  Versteuerung  ein-  Einmaischung
gemaischt,  so  wird  die  Steuer  und  die  Strafe  nach  der  Beschickung,  die  zu  einem  ohne  Aumelganzen
  Gebräude  genommen  zu  werden  pflegt,  voll  berechnet.  Hat  er  aber  blos  dung  und  Nacheine
  Nachmaischung  unbefugter  Weise  vorgenommen,  so  wird  er,  es  mag  eine  oslch  ehne
Verkürzung  der  Gefälle  ermittelt  werden  oder  nicht,  allemal  in  eine  Strafe  vo
5  Rthlr.  genommen,  welche  bei  Wiederholungen  verdoppelt  wird.  Die  Strafe
der  Defraudation  besteht  unabhängig  hiervon,  wenn  eine  Verkürzung  der  Gefälle
stattgefunden  hat.  20

Wer  blos  zum  eigenen  Hausbedarf  zu  brauen  die  Befugniß  erhalten  Blerverkauf
hat,  und  Bier  gegen  Bezahlung  im  Hause  ausschänkt,  oder  außer  seiner  aus  Haus-Wohnung
  an  Personen,  welche  nicht  zum  Hausstande  rechnen  sind,  gegen  bravereien.
Bezahlung  oder  Vergeltung  überläßt,  bat,  sofern  die  Steuer  und  gewöhnliche
a  nicht  höher  ermittelt  wird,  10  Rthlr.  Strafe  zu  erlegen  und
wird  mit  Rücksicht  hierauf  bei  Wiederholungen  nach  den  allgemeinen  Bestimmungen
  (5P.  25.  und  26.)  bestraft.

g.  30.
Wem  die  freie  Zubereitung  von  Bier  aus  Malzschrot  verstattet  ist,  der  Unterlassene

verfällt,  wenn  er  es  unterläßt,  jährlich  einen  Anme  dungzsschein  sich  deshalb  aus-  aumeldung  der
u

Jahrgang  1867.  (Nr.  6644.)  zu-  —
        <pb n="834" />
        —  658  —

zuwirken  (§.  52,  in  eine  Ordnungsstrafe  von  1  bis  3  Rthlr.)  die  bei  Wiederholungen
  von  2  bis  10  Rthlr.  steigt.

E.  31.

Abweichungen  Hat  ein  Brauer  zu  einer  anderen  Zeit,  als  welche  vorgeschrieben  (90.  11.

von  der  Dekla  und  14.)  und  von  ihm  angezeigt  worden,  oder  vor  Ablauf  der  Stunde,  welche

i’R  auf  den  Steuerbeamten  gewartet  werden  muß  (§.  15.),  eingemaischt,  so  verfällt

scungezt  vad  er  in  eine  Strafe  von  2  Rthlr.,  welche  bei  Wiederholung  auf  5  bis  20  Rthlr.

Bierpg.  erhöht  wird.  Außerdem  muß,  wenn  nicht  die  Beschickung  für  ein  volles  Gebräude
  angemeldet  sein  sollte,  die  Steuer  und  die  Strafe  #  so  viel  Malzschrot
erlegt  werden,  als  zu  einem  vollen  Gebräude  mehr  genommen  zu  werden  "r  egt,
wie  im  vorliegenden  Falle  angemeldet  worden.  Abweichungen  von  dem  deklarirten
  Bierzuge,  welche  10  Prozent  übersteigen,  sollen  ebenso,  wie  Abweichungen  von
der  angemeldeten  Zeit  der  Einmaischung,  bestraft  werden.

E.  32.

Mehrbefund  Alles  Malzschrot,  welches  sich  sowohl  an  dem  dazu  bestimmten  Orte  (G.  10.),
von  Maschret  als  anderwärts  bei  dem  Brauer  über  die  zur  Einmaischung  längstens  für  den
#c-folgenden  Tag  deklarirte  und  versteuerte  Menge  vorfindet,  soll,  ohne  Rücksicht  auf

·  die  angebliche  Bestimmung,  als  Gegenstand  einer  beabsichtigten  Defraudation
angesehen,  und  die  Aufbewahrung  an  einem  anderen  als  dem  dazu  deklarirten
Orte,  abgesehen  von  der  Defraudationsstrafe,  mit  einer  Ordnunasstrafe  von  Einem
Thaler  für  den  Zentner  geahndet  werden.

K.  33.

Aushändigung  Brauerei-Inhaber  und  andere  im  F.  8.  erwähnte  Personen,  besonders
von  Brauerei.  Kupferschmiede,  welche  Braupfannen  ahne  Anzeige  bei  der  Steuerhebestelle  und
gräthen  ahn  darüber  erhaltene  Bescheinigung  einem  Anderen  übergeben,  fallen  in  eine  Strafe
zeihe.  von  5  bis  20  Rthlr.,  welche  bei  Wiederholungen  auf  20  bis  50  Rthlr.  zu
erhöhen  ist.
g.  34.

Vertretungs  ·  Wer  Brauerei  als  Gewerbe  betreibt,  muß  für  sein  Gesinde,  seine  Diener,
verbindlichkelt  Gewerbsgehülfen  und  seine  im  Hause  befindliche  Ehegattin,  Kinder  und  Anverfür
  verwirkte  wandten,  was  die  auf  Grund  dieser  Verordnung  verhängten  Geldstrafen  und  die
Geldfrafen.  vorenthaltenen  Steuerbeträge  betrifft,  mit  seinem  Vermögen  haften,  wenn  die

Geldstrafe  und  die  Steuern  wegen  Unvermögens  des  eigentlich  Schuldigen  nicht
beigetrieben  werden  können.  Der  Steuerverwaltung  bleibt  aber  in  diesem  Falle
vorbehalten,  die  Geldbuße  von  dem  subsidiarisch  Verhafteten  einzuziehen  oder  statt
dessen,  und  mit  Verzichtleistung  hierauf,  die  im  Unvermögensfalle  an  die  Stelle
der  Geldbuße  zu  verhängende  Füeshetssttaf  sogleich  an  dem  eigentlich  Schuldigen
vollstrecken  zu  lassen,  ohne  daß  letzteren  Falles  die  Verbindlichkeit  des  subsidiarisch
Verhafteten  rücksichtlich  der  Steuer  dadurch  aufgehoben  wird.  "
35.
        <pb n="835" />
        —  659  —

KC.  35.

Treten  der  Luwerhendlum  gegen  die  Bestimmungen  dieser  Verordnung  Zusammenandere
  Vergehen  oder  Verbrechen  1  so  kommen  die  allgemeinen  Strafgesetze  treffen  mehrerer
in  Anwendung.  Jawiberhant=Ist

  mit  einer  Defraudation  zugleich  eine  Verletzung  besonderer  Vorschriften
dieser  Verordnung  verbunden,  so  tritt  die  darauf  gesetzte  Strafe  in  der  Regel  der
Strafe  der  Defraudation  hinzu.  Im  Falle  mehrerer  oder  wiederholter  Zuwiderhandlungen
  Hegen  diese  Verordnung,  welche  nicht  in  Defraudationen  bestehen,
Holl,  wenn  die  Kontraventionen  derselben  Art  sind  und  gleichzeitig  entdeckt  werden,
ie  Kontraventionsstrafe  gegen  den  subsidiarisch  Verpflichteten  gleichwie  gegen
den  E“  Thäter  oder  Theilnehmer  nur  im  einmaligen  Betrage  festgesetzt
werden.

*½

Wer  einem  zur  Wahrnehmung  des  Steuerinteresses  verpflichteten  Beamten,  Strafe  der
mit  welchem  er  im  Amte  zu  thun  bar,  Geld  oder  Geldeswerth  zum  Geschenke  Beeechung  der
anbietet  oder  wirklich  macht,  soll  den  vier  und  zwanzigfachen  Betrag  des  ange-Sieuerbramten.
botenen  oder  gegebenen  Geschenke  zur  Strafe  erlegen.  Ist  über  den  Betrag  nichts
auszumitteln,  so  tritt  eine  Geldbuße  von  zehn  Thalern  ein.

C.  37.

Eine  jede  Widersetzlichkeit  gegen  die  in  Ausübung  ihres  Amtes  begriffenen  Strafe  ber  Wi·
Personen,  mögen  es  Steuer=  oder  andere  zur  Wahrnehmung  des  Steuerinteresses  dersetlichteit
verpflichtete  Beamten  sein,  sowie  auch  eine  Versagung  der  Hülfsleistung,  deren  betent  Steuer·
die  Beamten  bei  ihrem  Rewvisionsgeschäfte  abseiten  der  Gewerbtreibenden  bedürfen  ub-G.
  19.),  soll  an  dem  Schuldigen,  soweit  nicht  nach  den  allgemeinen  Strafgesetzen
eine  härtere  Strafe  Platz  greift,  mit  zehn  bis  funfzig  Thalern  oder  mit  verhältnißmäßiger
  (F.  39.)  Gefängnißstrafe  geahndet  werden.

Die  Wahl  der  Strafgattung  bleibt  nach  den  Umständen  eines  jeden  einzelnen
Falles  der  Behörde  überlassen,  welche  in  der  Sache  selbst  zu  entscheiden  hat.

g.  38.

Die  Uebertretung  aller  anderen  in  dieser  Verordnung  gegebenen  Vorschriten-  Strafe  der
und  der  in  Gemäßheit  derselben  erlassenen  und  gehörig  bekannt  gemachten  Ver=  Uebertretung
waltungsvorschriften,  auf  welche  keine  besondere  Staß  gesetzt  worden,  soll  mit  sonstger  Voreiner
  Geldbuße  von  1  bis  10  Thalern  geahndet  werden.  schriften

C.  39.

Bei  dem  Unvermögen  zur  Entrichtung  der  Geldstrafen  tritt  in  allen  durch  unvermsgen.
die  gegenwärtige  Verordnung  mit  Gelsstras.  bedrohten  Fällen  verhältnißmäßige,  heit.
nach  den  diesfälligen  Bestimmungen  der  allgemeinen  Siaafgesete  zu  bemessende
Gefängnißstrafe  ein.  Dieselbe  darf  im  ersten  Straffalle  die  Dauer  von  Einem
Jahre,  beim  ersten  Rückfalle  die  Dauer  von  zwei  Jahren  und  bei  weiteren  Rückfällen
  die  Dauer  von  vier  Jahren  nicht  übersteigen.“

r.  6544.)  87“  §.  40.

lungen  gegen
bie  Gesetze.
        <pb n="836" />
        —  660  —

KG.  40.

Verwendung  Von  den  auf  Grund  dieser  Verordnung  eingezogenen  Strafen  und  von
ber  Strafgelber.  dem  Erlöse  aus  Konfiskaten  wird  ein  Orüthei  den  Steuerbeamten,  ingleichen
den  Polizei-,  Forstbeamten  und  Gendarmen  als  Belohnung  zu  Theil,  in  ofern  sie
die  Zuwiderhandlung  entdeckt  oder  zur  Entdeckung  Hülfe  geleistet  haben.  Die

anderen  zwei  Drittheile  verbleiben  der  Staatskasse.

G.  41.
Verfahren  ge.  In  Ansehung  des  Verfahrens  bei  Verfolgung  von  Zuwiderhandlungen
gen  die  Kontra-  #gen  die  Bestimmungen  dieser  Verordnung  kommen  die  Bestimmungen  über  das
venienten.  erfahren  bei  Zollkontraventionen  zur  Anwendung.

s.  42.

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Berordeumg,  insonderheit
mit  der  Bestimmung  der  Hebestellen  und  Beamten,  welchen  die  Erhebung  der
Braumalzsteuer  und  die  Kontrole  übertragen  wird,  sowie  mit  dem  Erlasse  der
erforderlichen  Kontrolvorschriften  und  Instruktionen  beauftragt.

Soweit  die  Vorschriften  dieser  Verordnung  auf  Preußiigze  Währung  und
Preußisches  Gemäß  sich  beziehen,  hat  der  Finanzminister,  nach  Bedürfniß,
diese  Vorschriften  in  ihrer  Anwendung  auf  die  in  dem  betreffenden  Landestheile
gesetzlich  bestehende  Währung  und  das  bestehende  Gemäß  näher  zu  bestimmen.

C.  43.

Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  1.  Juli  1867.  in  Kraft.  Von  demselben
Zeitpunkte  ab  werden  die  gesetzlichen  Vorschriften,  welche  über  die  Besteuerung
des  Bieres  und  Essigs  und  des  Malzes  in  denjenigen  Landestheilen,  für  welche
diese  Verordnung  ergeht,  zur  Zeit  bessehen,  außer  Wirksamkeit  gesetzt.

sichunich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedruckteim
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  11.  Mai  1867.

(I.  &amp;amp;.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6645.)
        <pb n="837" />
        —  661  —

(Nr.  6645.)  Verordnung  wegen  Erhebung  der  Steuer  vom  inländischen  Taback  in  den  Regierungsbezirken
  Wiesbaden  und  Kassel,  sowie  in  dem  Gebiete  des  vormaligen
  Königreichs  Hannover  und  der  Herzogthümer  Schleswig  und
Holstein.  Vom  11.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #c

verordnen  für  die  durch  die  Verordnung  vom  22.  Februar  1867.  (Gesetz=  Samml.
S.  273.)  gebildeten  Regierungsbezirke  Wiesbaden  und  Kassel,  ferner  für  das
Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  soweit  dasselbe  dem  Zollvereine
angeschlossen  ist,  und  für  das  Gebiet  der  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein,
und  zwar  vorläufig  mit  Ausnahme  der  aus  dem  Zollverbande  derselben  ausgeschlossenen
  Landestheile,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.

Die  Steuer  vom  inländischen  Taback  wird  nach  der  Größe  der  alljährlich
mit  Taback  bepflanzten  Grundfläche  in  vier  Abstufungen  entrichtet.

S.  2.
Sie  soll  von  je  sechs  Preußischen  Quadratruthen  (einem  Dreißigtheil  Morgen)
  mit  Taback  bepflanzten  Bodens

in  der  ersten  Klasse  ..  ...  6  Sgr.,
zweiten  5
*  duritter  4
=  vierten  3
jährlich  betragen.
§.  3.

Nach  welchem  dieser  Sätze  die  Steuer  zu  entrichten  ist,  soll  auf  erstattetes
Gutachten  der  Provinzial-Verwaltungs=  und  Steuerbehörden  durch  den
Finanzminister  im  Einverständniß  mit  dem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen
Angelegenheiten  zeitweise  festgesetzt  werden.

K.  4.
Wo  die  Quadratruthenzahl  der  Gesammtfläche,  von  welcher  die  Steuer
erhoben  wird,  durch  sechs  nicht  theilbar  ist,  bleibt  das  unter  sechs  Ruthen  betragende
  Maaß  bei  der  Steuer  unberücksichtigt.

g.  5.

Der  Inhaber  einer  mit  Taback  beflanzten  Grundfläche  von  sechs  und  mehr
Quadratruthen  ist  verbunden,  vor  Ablauf  des  Monats  Juli  der  Steuerbehörde
die  bepflanzten  Grundstücke  einzeln  nach  ihrer  Lage  und  Größe  in  Morgen  und
Quadratruthen  Preußisch  genau  und  wahrhaft),  schriftlich  oder  auch  mündlich  anzugeben
  und  erhält  darüber  von  derselben  eine  Bescheinigung.  K

(Nr.  6645.  ..
        <pb n="838" />
        —  662  —

*)

Die  Steuerbehörde  prüft  diese  Angaben  auf  dem  einfachsten  und  zuverlässigsten
  Wege,  ohne  daß  dadurch  jedoch  dem  Tabackspflanzer  besondere  Vermessungskosten
  verursacht  werden  dürfen.  Die  Gemeindebeamten  sind  verpflichtet,
sie  bei  dieser  Prüfung  zu  unterstützen.

KC.  7.

Wer  bei  einem  auf  einer  Grundfläche  von  sechs  oder  mehr  Quadratruthen
betriebenen  Tabacksbau  die  vorschriftsmäßige  Anzeige  ganz  unterläßt,  macht  sich
einer  Steuerdefraudation  schuldt  und  wird  nach  den  weiter  unten  folgenden  Besimmumgen
  (P.  17.  ff.)  bestraft.  Wer  dagegen  diese  Anzeige  zwar  macht,

abei  aber  die  Grundfläche  dergestalt  unrichtig  angiebt,  daß  das  verschwiegene
Flächenmaaß  bei  einer  120  Quadratruthen  erreichenden  oder  übersteigenden  Ausdehnung
  der  mit  Taback  bepflanzten  Grundfläche  mehr  als  den  zwanzigsten  Theil
der  letzteren,  oder  bei  einer  geringeren  Ausdehnung  des  mit  Taback  berstanzen
Bodens  6  Quadratruthen  oder  mehr  ausmacht,  verfällt  nur  in  eine  Ordnungs-=strafe,
  welche  bis  zur  Höhe  der  doppelten  Steuer  von  dem  verschwiegenen  Flächenmaaß
  festgesetzt  werden  kann.  Ist  der  Unterschied  zwischen  der  Angabe  und
dem  Befunde  geringer,  so  wird  die  gesetzliche  Steuer  ohne  weitere  Strafe  nacherhoben.


g.  8.

Der  Eigenthümer,  Pächter  oder  andere  Inhaber  eines  mit  Taback  be—
pflanzten  Grundstücks  haftet  für  den  vollen  Betrag  der  Steuer,  auch  wenn  er
den  Taback  gegen  einen  bestimmten  Anthell  oder  unter  sonstigen  Bedingungen
durch  einen  -  ern  hat  anpflanzen  und  behandeln  lassen.

K.  9.

Nach  Grlchchener  Prüfung  der  Angaben  wird  dem  Tabackspflanzer  die  zu
entrichtende  Steuer  berechnet  bekannt  gemacht.  Die  Zahlung  muß  zu  Ente
Julius  des  nach  der  Erndte  folgenden  Jahres  erfolgen.

K.  10.

Eine  Vergütung  der  Steuer  für  den  ins  Ausland  verkauften  Taback  findet
nicht  statt.  Treten  dagegen  gänzlicher  Mißwachs  oder  andere  Unfälle  ein,  die
außerhalb  des  gewöhnlichen  itterungswechses  liegen,  und  die  Erndte  ganz  oder
um  größten  Theil  verderben,  so  soll  die  Steuer  nach  dem  Umfange  des  Schadens
  erlassen  werden  können.  Ueber  die  Bedingungen  und  das  Verfehren  bei
diesr  Remision  wird  durch  den  Finanzminister  das  Nähere  besonders  angeordnet
und  bekannt  gemacht  werden.

iee
So  lange  der  Steuerbetrag  noch  nicht  fällig  ist,  kann  die  Steuerbehoͤrde
*
        <pb n="839" />
        —  663  —

die  vorhandenen  Bestände  an  Tabacksblättern  ig  owen.  nachsehen,  wie  erforderlich
ist,  um  sich  von  der  Große  des  Vorraths  in  Beziehung  auf  die  Sicherheit  der
verschuldeten  Steuer  zu  überzeugen.

K.  12.

Ist  gegründeter  Verdacht  vorhanden,  daß  Unterschleife,  um  dem  Staate
die  verschuldeten  Gefälle  zu  verkürzen,  begangen  worden,  und  deshalb  eine  förmliche
  Haussuchung  erforderlich,  es  sei  bei  Personen,  welche  Tabacksbau  betreiben,
oder  bei  anderen,  so  ist  dazu  ein  schriftlicher  Auftrag  eines  Oberbeamten,  oder
einer  noch  höheren,  der  Steuerhebestelle  vorgesetzten  Behörde  erforderlich,  und  sie
darf  nur  unter  Beachtung  der  für  Haussuchungen  im  Allgemeinen  vorgeschriebenen
  Formen  und  an  solchen  Orten  stattfinden,  die  zur  Verheimlichung  von
Beständen  steuerpflichtiger  Gegenstände  geeignet  sind.

.  13.

Diejenigen,  bei  welchen  revidirt  wird,  und  deren  Gewerbsgehülfen  sind
verbunden,  den  revidirenden  Beamten  diejenigen  Hülfsdienste  zu  leisten  oder
leisten  zu  lassen,  welche  erforderlich  sind,  um  die  Revision  in  den  vorgeschriebenen
Grenzen  zu  vollziehen.

S.  14.

Die  Dienststunden,  in  welchen  die  Steuerbeamten  an  den  Wochentagen
zur  Abfertigung  der  Steuerpflichtigen  bereit  sein  müssen,  bestimmt  die  Verwaltung.
  Als  Regel  wird  festgesetzt,  daß  wo  die  Hebestellen  mit  zwei  oder  mehreren
  Kassenbeamten  besetzt  sind,  die  Dienststunden  folgende  sein  sollen:

in  den  Wintermonaten  Oktober  bis  Februar  einschließlich,  Vormittags
von  8  bis  12  Uhr,  Nachmittags  von  1  bis  5  Uhr.  In  den  übrigen
Monaten  von  7  bis  12  Uhr  und  von  2  bis  5  Uhr.

An  anderen  Orten  sind  die  Dienststunden  auf  die  Vormittagszeit  von
9  bis  12  Uhr  eingeschränkt.

Wenn  es  nöthig  ist,  muß  auch  außer  dieser  Zeit  die  Abfertigung  der
Steuerpflichtigen  möglichst  bewirkt  werden.

Abweichungen  von  vorstehenden  Bestimmungen  sollen  an  Orten,  wo  dergleichen
  stattfinden,  besonders  bekannt  gemacht  werden.

K.  15.

Von  den  Steuerschuldigen  dürfen  die  Steuerbeamten  unter  keinen  Umständen
  für  irgend  ein  Dienstgeschäft  ein  Entgelt  oder  Geschenk,  es  sei  an  Geld,
Sachen  oder  ienstleistung  es  habe  Namen  wie  es  wolle,  verlangen  oder  annehmen.
  Steuerpflichtige  dürfen  dergleichen  dagegen  unter  keinen  Umständen  und
unter  keinerlei  Vorwand  geben  oder  nur  antragen,  ohne  sich  straffällig  zu  machen.

Außer  den  bestimmten  Steuersätzen  wird  nichts  eshoben.  Quittungen  und
Bescheinigungen  der  Steuerbehörden  werden  gebührenfrei  ertheilt.  1

(Nr.  6645.)  16.
        <pb n="840" />
        —  664  —

K.  16.

Zuviel  erhobene  Gefälle  werden  zurückgezahlt,  wenn  binnen  Jahresfrist,
vom  Tage  der  Versteuerung  an  gerechnet,  der  Anspruch  auf  Ersatz  angemeldet
und  begründet  wird.  Wenn  der  Anspruch  ganz  oder  theilweise  zurückgewiesen
wird,  so  ist  dagegen  der  Rekurs  an  die  vorgesetzte  Behörde  binnen  einer  Präklusiofrist
  von  sechs  Wochen  zulässig.  Wendet  sich  der  Reklamant  an  eine  inkompetente
  Behörde,  so  hat  diese  das  Rekursgesuch  an  die  kompetente  Behörde
aeuageben,  ohne  daß  dem  Reklamanten  die  Zwischenzeit  auf  die  Frist  anzurechnen
  ist.

Ju  wenig  oder  gar  nicht  erhobene  Gefälle  können  gleichfalls  innerhalb
Jahresfrist,  vom  Tage  des  Eintritts  der  Zahlungsverpflichtung  an  gerechnet,
nachgefordert  werden.  Nach  Ablauf  des  Jahres  ist  jeder  Anspruch  auf  Zurückerstattung
  oder  Nachzahlung  der  Gefälle  beziehungsweise  gegen  den  Staat  und
den  Steuerschuldigen  erloschen,  dem  Staate  bleiben  jedoch  seine  Rechte  auf
Schadenersatz  gegen  die  Beamten,  durch  deren  Schuld  die  Gefälle  gar  nicht  oder
unrichtig  erhoben  worden,  jederzeit  vorbehalten,  ohne  daß  die  Beamten  befugt
sind,  die  Steuerschuldigen  wegen  der  Nachzahlung  der  Gefälle  in  Anspruch
zu  nehmen.  *-v

.  7.

Die  Strafe  der  Defraudation  (§.  (7  besteht  in  einer  Geldbuße,  welche
dem  vierfachen  Betrage  der  vorenthaltenen  Steuer  gleichkommt.
Die  Steuer  ist  überdem  von  der  Strafe  unabhängig  zu  entrichten.

KC.  18.

Im  Falle  der  Wiederholung  nach  vorhergegangener  Bestrafung  wird  die
Strafe  auf  den  achtfachen  Betrag  der  vorenthaltenen  Steuer  bestimmt.

K.  19.

Im  dritten  Falle  der  Uebertretung  nach  vorhergegangener  zweimaliger  Bestrafung
  ist  der  sechszehnfache  Betrag  der  nicht  erlegten  Steuer  als  Strafe  verwirkt.

K.  20.

Wer  Tabacksbau  betreibt,  muß  für  sein  Gesinde,  seine  Diener,  Gewerbsgehülfen
  und  seine  im  Hause  befindliche  Ehegattin,  Kinder  und  Anverwandten,
was  die  auf  Grund  dieser  Verordnung  verhängten  Geldstrafen  und  die  vorentbaltene
  Steuer  betrifft,  mit  seinem  Vermögen  haften,  wenn  die  Geldstrafe  und
die  Steuer  wegen  Unvermögens  des  eigentlich  Schuldigen  nicht  beigetrieben  werden
  können.  Den  Steuerverwaltung  bleibt  aber  in  diesem  Falle  vorbehalten,  die
Geldbuße  von  dem  subsidiarisch  Verhafteien  einzuziehen,  oder  statt  dessen,  und  mit
Verzichtleistung  hierauf,  die  im  Unvermögensfalle  an  die  Stelle  der  Geldbuße  zu
verhängende  Freiheitsstrafe  sogleidh  an  dem  eigentlich  Schuldigen  vollstrecken  zu
lassen,  ohne  daß  letzteren  Falles  die  Verbindlichkeit  des  subsidiarisch  Verhafteten
rücksichtlich  der  Steuer  dadurch  aufgehoben  wird.

5.  21.
        <pb n="841" />
        —  665  —

g.  21.

Treten  der  Zuwiderhandlung  gegen  die  Besiimmungen  dieser  Verordnung
andere  Vergehen  oder  Verbrechen  hinzu,  so  kommen  die  Vorschriften  der  allgemeinen
  Strafgesetze  in  Anwendung.

K.  22.

Im  Falle  wiederholter  Zuwiderhandlungen  gegen  diese  Verordnung  (§.  7.))
welche  nicht  in  Defraudationen  bestehen,  soll,  wenn  die  Kontraventionen  gleichzeitig
entdeckt  werden,  die  Kontawentionsstrafe  gegen  die  subsidiarisch  Verpflichteten,
gleichwie  gegen  die  eigentlichen  Thäter  oder  Theilnehmer  nur  im  einmaligen  Betrage
  festgesetzt  werden.

g.  23.

Wer  einen  zur  Wahrnehmung  des  Steuerinteresses  verpflichteten  Beamten,
mit  welchem  er  im  Amte  zu  thun  hat,  Geld  oder  Geldwerth  zum  Geschenke  anbietet,
  oder  wirklich  macht,  soll  den  vier  und  zwanzigfachen  Betrag.des  angebotenen
oder  gegebenen  Geschenks  zur  Strafe  erlegen.

st  über  den  Betrag  nichts  auszumitteln,  so  tritt  eine  Geldbuße  von  zehn
Thalern  ein.

K.  24.

Eine  jede  Widersetzlichkeit  gegen  die  in  Ausübung  ihres  Amtes  begriffenen
Personen,  mögen  es  Steuer=  oder  andere  zur  Wahrnehmung  des  Steuerinteresses
verpflichtete  Beamte  sein,  sowie  auch  eine  Versagung  der  Hülfsleistung,  deren  die
Beamten  bei  ihrem  Revisionsgeschäfte  abseiten  der  Gewerbtreibenden  bedürfen
G.  13.),  soll  an  dem  Schuldigen,  soweit  nicht  nach  den  allgemeinen  Strafgesetzen
eine  härtere  Strafe  Platz  greift,  mit  zehn  bis  funfzig  Thalern  oder  mit  verhältnißmäßiger
  .  26.)  Ge  iingrifstrafe  geahndet  werden.  Die  Wah)  der  Strafgattung
bleibt  nach  den  Umständen  eines  jeden  einzelnen  Falles  der  Behörde  überlassen,
welche  in  der  Sache  selbst  zu  entscheiden  hat.

C.  25.

Die  Uebertretung  der  in  Gemäßheit  dieser  Verordnung  erlassenen  und
gehörig  bekannt  gemachten  Verwaltungsvorschriften,  auf  welche  keine  besondere
trafe  gesetzt  worden,  soll  mit  einer  Geldbuße  von  1  bis  10  Thalern  geahndet
werden.
g.  26.

Bei  dem  Unvermögen  zur  Entrichtung  der  Geldstrafe  tritt  in  allen  durch
die  gegenwärti  ee  Verordnung  mit  Geldstrafe  bedrohten  Fällen  verhältnißmäßige,
nach  den  diesfälligen  Bestimmungen  der  allgemeinen  Strafgesetze  zu  bemessende
Gefängnißstrafe  ein.

Dieselbe  darf  jedoch  im  ersten  Straffalle  die  Dauer  von  Einem  ahre
beim  ersten  Rückfalle  die  Dauer  von  zwei  Jahren  und  bei  weiteren  Rückfä
die  Dauer  von  vier  Jahren  nicht  übersteigen.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6645.)  *88  GF  27.
        <pb n="842" />
        g.  27.

Von  den  auf  Grund  dieser  Verordnung  ei  n  Strafen  wird  ein
Drittheil  den  Steuerbeamten,  ingleichen  den  Pollhetn  Woist  kamten  und  Gendarmen
als  Belohnung  zu  Theil,  luschern  sie  die  Zuwiderhandlung  entdeckt,  oder  zur
Entdeckung  Hülfe  geleistet  haben.

Die  anderen  zwei  Drittheile  verbleiben  der  Staatskasse.

**i'

In  Ansehung  des  Verfahrens  bei  Verfolgung  von  Zuwiderhandlungen
Leen  die  Bestimmungen  dieser  Verordnung  kommen  die  Bestimmungen  über  das
erfahren  bei  Jollkontraventionen  zur  Anwendung.

ie
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung)  insonderheit
  mit  der  Besümmung  der  Hebestellen  und  Beamten,  welchen  die  Erhebung
der  Tabackssteuer  und  die  Kontrole  übertragen  wird,  sowie  dem  Erlasse  der  erforderlichen
  Kontrolvorschriften  und  Instruktionen  beauftragt.
oweit  die  Vorschriften  dieser  Verordnung  auf  Preußische  Währung  und
Preußisches  Pagß  si  besichen,  hat  der  Finanzminister,  nach  Bedürfniß,  diese
Vorschriften  in  ihrer  Anwendun  aah  die  in  dem  betreffenden  Landestheile  gesetzlich
  bestehende  Währung  und  *  bestehende  Maaß  näher  zu  bestimmen.

K.  30.

Diese  Verordmmg  tritt  mit  dem  1.  Juli  1867.  in  Krast.  Von  diesem
Zeitpunkte  ab  werden  die  gesegzlichen  Vorschriften,  welche  über  die  Besteuerung  des
inländischen  Tabacks  in  denienigen  Landestheilen,  für  welche  diese  Verordnung
ergeht,  zur  Zeit  bestehen,  außer  Wirksamkeit  gesetzt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  11.  Mai  1867.

(#.  §S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(TNr.  6646.)
        <pb n="843" />
        —  667  —

(FNr.  6646.)  Verordnung,  betreffend  die  Kompetenz  des  Ministers  der  geistlichen,  Unterrichts=
  und  Medizinal-Angelegenheiten  zur  Verfügung  über  Gegenstände
der  Unterrichts-  und  der  Medizinal--Verwaltung  in  den  neuerworbenen
Gebietstheilen.  Vom  13.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  x.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  den  Umfang  der  durch
die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  v.  J.  mit  der  Monarchie
vereinigten  Landestheile,  was  folgt:

Unser  Minister  der  geistlichen,  Unterrichts=  und  Medizinal-Angelegenheiten
wird  gumachig  innerhalb  der  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember

  v.  J.  (Gesetz  Samml.  S.  555.  875.  600r  mit  Unserer  Monarchie  verzürtete
  Landestheile  in  Angelegenheiten,  welche  die  nachstehenden  Gegenstände
etreffen:

das  Prüfungswesen  an  Schulen  jeden  Grades  einschließlich  der  Universitäten,
  die  Festsellun  der  an  die  Prüfungen  Gensften  Berechtigungen,
die  Normirung  der  Lesrerbesoltungen  und  des  Schulgeldes,  die  Feststellung
der  Lehrpläne  für  Schulen  jeden  Grades,  einschließlich  der  Schullehrer-Seminarien,
  die  Regulirung  des  Privatschulwesens,  die  Pensionirung
und  Emeritirung  der  Lehrer,  das  Prüfungswesen  sämmtlicher  Medizinalbersonen,
  die  Niederlassung  derselben  und  die  erbung  des  Rechts  zur
usübung  der  ärztlichen,  wundärztlichen,  #bburtshülflichen  und  zahnärztlichen
  Praxis,  die  Bedingungen  für  die  Anlegung  und  den  Geschäftsbetrieb,
  sowie  für  die  Visstation  der  Apotheken,  die  Beaufsichtigung  des
Medizinalwesens,  die  Medizinal-,  Sanitäts=  und  Veterinairpolizei,  die
Feststellung  der  Arzneitaxe,  den  Debit  der  A#neingaren  „sowie  die  Zulassung
  un  Beaufichtigung  der  Privat-Krankenanstalten,
in  demselben  Maaße  Verfügung  “-  treffen,  wie  ihm  solches  in  den  älteren  Landestheilen
  der  Monarchie  ressortmäßig  zukommt.
Die  vorstehende  Verordnung  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Berlin,  den  13.  Mai  1867.

d.  S)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6646—6647.)  (Nr.  664  7.)
        <pb n="844" />
        —  668  —

(Nr.  6647.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  24.  April  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  an  den  Grafen  zu  Stolberg  ·  Roßla  in  Bezug  auf  den
Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Chaussee  von  Roßla  uͤber  Sittendorf
bis  zum  Anschluß  an  die  von  Artern  über  Tilleda  nach  Kelbra  führende
fiskalische  Straße  im  Regierungsbezirk  Merseburg.

9—  Ich  durch  Meinen  Eraß  vom  heutigen  Tage  den  von  dem  Grafen
zu  Stolberg-Roßla  im  Negierungsbezir  Merseburgauszuführenden  Bau  einer  Chaussee
von  Roßla  über  Sittendorf  bis  zum  Anschluß  an  die  von  Artern  über  Tilleda
nach  Kelbra  führende  fiskalische  Straße  genehmigt  baie  verleihe  Ich  hierdurch
demselben  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  C.  aussee  erforderlichen  Grundstücke,
  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,
  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,
in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Jch  dem  Grafen  zu  Stolberg-Roßla
egen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das
Ret  zur  Erhebung  des  Haussecgeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die
Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Ehausee-  eld-Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben
  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Besreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung
  betresenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den
Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen
die  dem  Lhausee  eld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Besimmungen
wegen  der  C  nasterpolgzei  Vergehen  auf  die  gedachte  kurße  zur  Anwendung
kommen.

.Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  24.  April  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Berichtigung.

In  dem  im  34.  Stück  der  Geset-Sammlung  pro  1867.  abgedruckten  Gesetz

vom  27.  März  1867.),  die  privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs-  und  Wirthschaftsgenossenschaften

  betreffend,  ist  S.  511.  in  der  letzten  Zeile  des  F.  39.  statt:
Liquidation“  zu  setzen:  Liquidatoren.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Sofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="845" />
        —  669  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

–  Nr.  43.  —

 

(Nr.  6648.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Allgemeinen  Deutschen  Wechselordnung
  in  die  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig.  Vom  13.  Mai
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  die  Herzogthümer
Holstein  und  Schleswig,  was  folgt:

s.  1.

Die  in  der  Anlage  A.  abgedruckte  Allgemeine  Deutsche  Wechselordnung
tritt  nebst  den  nachstehenden  Emführungsbestinmmungen  in  den  Herzogthümern
Holstein  und  Schleswig  am  1.  Juli  1867.  in  Kraft.

iie
Die  Vollstreckung  des  Wechselarrestes  wird  gemäß  des  letzten  Absatzes  des
Artikels  2.  der  Wechselordnung  ausgeschlossen:

1)  gegen  die  Mitglieder  der  beiden  Häuser  des  Landtages  nach  Maaßgabe
des  Artikels  84.  der  Verfassungs-Urkunde  für  den  Preußischen  Staat
vom  31.  Januar  1850.  (Gesetz=  Samml.  S.  17.)

2)  gegen  Personen  des  Soldatenstandes,  so  lange  sie  dem  Dienststande  angehören,
  Militair=  und  Civilbeamte  sind  dem  Wechselarrest  unterworfen;
gegen  einen  Beamten  darf  der  Arrest  lebech  erst  dann  vollstreckt  werden,
wenn  der  vorgesetzten  Dienstbehörde  Anzeige  erstattet  ist  und  dieselbe  für
die  Vertretung  des  Beamten  zu  sorgen  vermocht  hat;

3)  gegen  den  Schiffer,  die  Schiffsmannschaft,  sowie  alle  übrigen  auf  dem
Schiffe  angestellten  Personen,  wenn  das  Seeschiff  zum  Abgehen  fertig
(segelfertig)  ist

4)  gegen  diejenigen,  über  deren  Vermögen  der  Konkurs  eröffnet  ist,  oder
welche  zur  Güterabtretung  zugelassen  worden  sind,  wegen  der  früher  entstandenen
  Forderungen.  #

Jahtgang  1867.  (Nr.  6648.)  89  d.  3.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  28.  Mai  1867.
        <pb n="846" />
        –  670  —

g.  3.

Hat  ein  Wechselschuldner  fünf  Jahre  hindurch  im  Personalarrest  sich  befunden,
  so  kann  er  wegen  der  vor  Ablauf  der  fünf  Jahre  entstandenen  Forderungen
desjenigen  Gläubigers,  auf  dessen  Antrag  der  Personalarrest  vollstreckt  worden
ist,  nicht  länger  in  Haft  behalten  werden.  Eine  Verlängerung  der  Haft  über
den  erwähnten  Zeitraum  ist  nur  dann  zulässig,  wenn  der  Gläubiger  nachweist,
daß  dem  Schuldner  Befriedigungsmittel  zu  Gebote  stehen.  Die  fünfjährige  Dauer
des  Personalarrestes  hat  auf  das  Recht  eines  anderen  Wechselgläubigers,  wegen
der  ihm  zustehenden  Wechselforderungen  die  Fortdauer  des  Pnhtes  zu
fordern,  keinen  Einfluß.  Dasselbe  gilt  von  dem  Gläubiger,  auf  dessen  Antrag
er  Personalarrest  vollstreckt  worden  ist,  wegen  der  erst  nach  Beendigung  des
fünfjährigen  Arrestes  entstandenen  Forderungen.

.  1.

Die  Amortisation  eines  Wechsels  ist  bei  dem  Wechselgericht  des  Zahlungsortes
  nachzusuchen.  Der  Antragende  muß  eine  Adbschrift  des  Wechsels  beibringen
oder  doch  den  wesentlichen  Inhalt  desselben  und  alles  das,  was  das  Gericht  zur
vollständigen  Erkennbarkeit  für  nöthig  hält,  angeben,  auch  den  Besitz  und  Verlast
glaubhaft  machen.  Das  Gericht  erläßt  eine  ösrrntlichr  Aufforderung,  in  welcher
der  Wechsel  näher  beschrieben  wird  und  der  unbekannte  Inhaber  desselben  aufzufordern
  ist,  binnen  einer  bestimmten  Frist  den  Wechsel  dem  Gerichte  vorzulegen,
mit  der  Verwarnung,  daß  sonst  der  Wechsel  werde  für  kraftlos  erklärt  werden.
Die  Aufforderung  wird  dreimal  in  drei  verschiedene  Zeitungen  und  zwar  in  zwei
inländische  und  in  eine  ausländische  eingerückt.  —  Das  Gericht  ist  befugt,  die  Aufforderung
  in  mehrere  Zeitungen  einrücken  zu  lassen,  wenn  dies  nach  den  Umständen
  angemessen  erscheint.  Die  Frist  zur  Meldung  wird  auf  mindestens  sechs
Monate  und  böchstens  Ein  Jahr,  vom  Verfalltage  ab  gerechnet,  bestimmt.  Wird
von  einem  Inhaber  der  Wechsel  vorgelegt,  so  ist  dem  Antragsteller  biervon
Kenntniß  zu  #bben  und  ihm  zu  überlassen,  sein  Recht  gegen  den  Inhaber  geltend
zu  machen.  Meldet  sich  kein  Inhaber,  so  erklärt  das  Gericht  auf  weiteren  Antrag
  des  Antragstellers  den  Wechsel  für  amortisirt.

C.  ö.

Der  Wechselprotest  ist  durch  einen  öffentlichen  Notar  oder  durch  einen  das
Richteramt  bekleidenden  Beamten,  oder  den  Stadtsekretair  in  den  Städten,  oder
einen  mit  landesherrlicher  Bestallung  versehenen  Aktuar  in  den  Landdistrikten  aufzunehmen.


S.  6.
Proteste  dürfen  nur  von  9  Uhr  Vormittags  bie  6  Uhr  Aberos,  zu  einer

früheren  oder  spateren  Tageszeit  aber  nur  mit  Zustimmung  des  Protestaten  erhoben
  werden.
S.  V.
        <pb n="847" />
        —  671  —

KC.  7.

Auf  Altona  gezogene  Bankowechsel  sind  durch  Abschreiben  an  die  Hamburger
  Bank  zu  bezahlen.
iie

Bei  einem  in  Altona  in  Hamburger  Banko  zahlbaren  Wechsel  vertritt  die
auf  denselben  besege  Anweisung,  an  welches  Bankokonto  der  Betrag  abgeschrieben
  werden  soll  (#  anko.  Indorf,  die  Stelle  der  vor  dem  Empfange  vorzunehmenden
  Quittirung  des  Wechsels.

*)

Ein  auf  Altona,  zahlbar  Hamburg,  gezogener  Wechsel  gilt,  wenn  nicht
ein  bestimmter,  in  Hamburg  wohnhafter  Domsziliat  darauf  benannt  ist,  nicht  als
Domizilwechsel  und  ist  daher  in  Altona  zur  Zahlung  zu  präsentiren.  Dasselbe
gilt  auch  im  umgekebrten  Falle,  wenn  ein  Wechee  an  Lumbrg,  zahlbar  Altona,
gezogen  werden  sollte.

K.  10.

Die  in  den  Artikeln  56.  und  62,  der  We  selordnung  enthaltene  Vorschrift
der  Präsentation  des  Wechsels  an  die  auf  den  Zahlungsort  lautenden  Nothadressen
gilt  auch  für  Hamburgsche  Nothadressen,  welche  sich  auf  einem  auf  Altona  gezogenen,
  sowie  für  Altonger  Nothadressen,  welche  sich  auf  einem  auf  Hamburg
gezogenen  Wechsel  befinden.

KC.  11.

In  Altona  ist  es  nach  Maaßgabe  des  daselbst  bestehenden  Gebrauchs  dem
Ehrenacceptanten  gestattet,  die  Inhlung  auf  Verfall  auch  bereits  vor  erhobenem
rotest  zu  leisten.  Er  tritt  durch  so  4  Zahlung  ebenfalls  in  die  Rechte  des
raenn  gegen  den  Honoraten,  dessen  Vormänner  und  den  Acceptanten  und  hat
sodann  die  zur  Ausübung  dieser  Rechte  von  der  Wechselordnung  vorgeschriebenen
Förmlichkeiten  an  der  Stelle  des  Inhabers  seinerseits  zu  erfüllen.

ß.  12.

Verfällt  ein  in  Altona  in  Banko  zahlbarer  Wechsel  während  der  Zeit  des
Hamburger  Bankschlusses,  so  ist  der  nächste  Werktag,  an  welchem  die  Bank  wieder
  geöffnet  ist,  der  Zahltag.

C.  13.

In  Altona  muß  der  Betrag  in  Diskonto  genommener  Bankowechsel  am

Tage  der  Ueberlieferung,  der  Betrag  geknufter  Wechsel  auf  auswärtige  Plätze  am

nächstfolgenden  Werktage  bezahlt  werden.  gen  die  Säumigen  findet,  vorbehaltlich

  eines  nach  den  Umständen  eintretenden  Strafverfahrens,  die  schleunigste  gerichtliche
  Prozedur  statt.

(Nr.  664#0)  89°  S.  14.
        <pb n="848" />
        —  672  —

S.  14.

Die  zur  Zeit  in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig  geltenden
wechselrechtlichen  Vorschriften,  insbesondere  die  Wechselordnung  r  das  Herzogthum
  Holstein  vom  23.  Februar  1854.  nebst  dem  Gesetze  über  die  Aenderungen
derselben  vom  4.  Juli  1863.,  die  Wechselordnung  für  die  Stadt  Flensburg  vom
17.  August  1843.,  sowie  das  Wechselrecht  der  Stadt  Friedrichstadt,  treten  außer
Kraft.  Es  bleiben  jedoch  die  auf  das  Verfahren  in  Wechselsachen  sch  beziehenden
Vorschriften  der  S§.  101.  bis  121.  der  Wechselordnung  für  das  Herzogthum
Holstein  vom  23.  Februar  1854.,  unbeschadet  des  F.  3.  der  gegenwärtigen  Verordnung
  und  unbeschadet  der  in  Ansehun  der  Zuständigkeit  der  Oberbeamten
der  Aemter  und  Landschaften  in  einzelnen  Gebieten  durch  spätere  Verordnungen
eingetretenen  Aenderungen,  ingleichen  die  auf  Verwendung  des  Stempelpapiers
sich  beiehenden  Vorschriften  der  IF.  4.  und  87.  der  erwähnten  Wechselordnung
in  Geltung.

Die  in  der  letzteren  über  das  Verfahren  in  Wechselsachen  in  den  88.  103.
bis  inkl.  119.  enthaltenen,  in  der  Anlage  B.  abgedruckten  Vorschriften  treten
auch  für  das  Herzogthum  Schleswig  in  Gr#g.  ie  Zuständigkeit  in  Wechselsachen
  wird  für  die  Landdistrikte  des  Herzogthums  Schleswig  denjenigen  Gerichten
  beigelegt,  welche  für  die  liquiden,  z1u  Urkunden  beruhenden  summarischen
'  zuständig  sind,  für  die  Städte  des  Herzogthums  Schleswig  dem
Bürgermeister  oder  Vadtldentem,  und  wenn  mehrere  Bürgermeister  angestellt
sind,  dem  ersten  Bürgermeister.

Lerbenh  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  13.  Mai  1867.
1.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
vr.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

Anlage  A.
        <pb n="849" />
        —  673  —
Anlage  A.

Allgemeine  Deutsche  Wechselordnung.

Erster  Abschnitt.
Von  der  Wechselfähigkeit.

Artikel  1.
Wechselfähig  ist  Jeder,  welcher  sich  durch  Verträge  verpflichten  kann.

Artikel  2.

Der  Wechselschuldner  haftet  für  die  Erfüllung  der  übernommenen  Wechselverbindlichkeit
  mit  seiner  Person  und  seinem  Vermögen.  Dem  Wechssehläubiger
ist  gestattet,  neben  der  Spkutien.  gegen  die  Person  Emes  Schuldners  gleichzeitig
die  Exekution  in  dessen  Vermögen  zu  suchen.

Jedoch  ist  der  Wechselarrest  nicht  zulässig:

1)  gegen  die  Erben  eines  Wechselschuldners;

2)  aus  Wechselerklärungen,  welche  für  Korporationen  oder  andere  juristische
Personen,  für  Aktiengesellschaften  oder  in  Angelegenheiten  eols  er  Personen,
  welche  zu  eigener  Vermögensverwaltung  unfähig  sind,  von  den
Vertretern  derselben  ausgestellt  werden;

3)  gegen  Frauen,  wenn  sie  nicht  Handel  oder  ein  anderes  Gewerbe  treiben.

Den  Landeeßesehen  bleibt  vorbehalten,  die  Vollstreckung  des  Wechselarrestes
auch  noch  auszuschließen:

a)  die  Mitglieder  der  Ständeversammlung  während  der  Dauer  der
etzteren;

b)  gegen  Offiziere  und  Soldaten,  Auditeure  und  Militairärzte  und  sonstige

ilitairbeamte,  so  lange  sie  sich  im  aktiven  Dienst  befinden;

e)  gegen  Civilstaatsdiener  im  aktiven  Dienste;

d)  gegen  ordinirte  Geistliche;

ee)  gegen  den  Schiffer,  die  Schiffsmannschaft,  sowie  alle  übrigen  auf  dem

chiffe  angestellten  Personen,  wenn  das  Seeschiff  zum  Abgehen  fertig

(segelfertig)  ist

t)  wenn  über  das  Vermögen  des  Schuldners  der  Konkurs  eröffnet,  oder

(Nr.  6648.)  der
        <pb n="850" />
        —  674  —

der  Schuldner  zur  Güterabtretung  zugelassen  worden  ist,  wegen  der  früher
entstandenen  Forderungen,  und

8)  wenn  der  Schuldarrest  wenigstens  Ein  Jahr  hindurch  vollstreckt  worden
ist,  wegen  der  früheren  Fordemungen  desjenigen  Gläubigers,  welcher  den
Arrest  beantragt  hat,  sesem  derselbe  nicht  nachweist,  daß  dem  Schuldner
Befriedigungsmittel  zu  Gebote  stehen.

Artikel  3.

Finden  sich  auf  einem  Wechsel  Unterschriften  von  Personen,  welche  eine
Wechselverbindlichkeit  überhaupt  nicht,  oder  nicht  mit  vollem  Erfolge  eingehen
können,  so  hat  dies  auf  die  Verbindlichkeit  der  übrigen  Wechselverpflichteten
keinen  Einfluß.

Zweiter  Abschnitt.
Von  gezogenen  Wechseln.

1.  Erfordernisse  eines  gezogenen  Wechsels.
Artikel  4.
Die  wesentlichen  Erfordernisse  eines  gezogenen  Wechsels  sind:

1)  die  in  den  Wechsel  selbst  aufnmehmende  Bezeichnung  als  Wechsel),  oder,
wenn  der  Wechsel  in  einer  fremden  S  Vache  ausgestellt  ist,  ein  jener
Bezeichnung  entsprechender  Ausdruck  in  der  fremden  Sprache;

2)  die  Angabe  der  zu  zahlenden  Geldsumme;

3)  der  Name  der  Person  oder  die  Firma,  an  welche  oder  an  deren  Order
gezahlt  werden  soll  (des  Remittenten)

4)  die  Angabe  der  Zeit,  zu  welcher  gezahlt  werden  soll;  die  Zahlungszeit
kann  für  die  gesammte  Geldsumme  nur  eine  und  dieselbe  sein  und  nur
festgesetzt  werden

auf  einen  bestimmten  Tag,

auf  Sicht  (Vorzeigung,  à  vista  2c.)  oder  auf  eine  bestimmte  Zeit
nach  Sigt,

auf  eine  beskimmte  Zeit  nach  dem  Tage  der  Aussteklung  (nach  (lato),

auf  eine  Messe  oder  einen  Markt  (Meß,  oder  Markteechleh,

5)  *  Unterschrift  des  Ausstellers  (Trassanten)  mit  seinem  Ramen  oder  seiner

irma;

6)  die  Angabe  des  Ortes,  Monatstages  und  Jahres  der  Ausstellung

7)  der  Name  der  Person  oder  die  Firma,  welche  die  Jahlung  leisten  soll
(des  Bezogenen  oder  Trassaten);
8)  die
        <pb n="851" />
        —  675  —

8)  die  Angabe  des  Ortes,  wo  die  Jahlem  schehen  soll;  der  bei  dem

Ramen  oder  der  Firma  des  Bezo  2  Agegebene  On  gilt  afr  den

Wechsel,  insoferm  nicht  ein  eigener  —  angegeben  ist,  als  Zahlungsort
  und  zugleich  als  Wohnort  des  Bezogenen.

Artikel  5.

Ikk  die  zu  zahlende  Geldfumme  (Art.  4.  Nr.  2.)  in  Buchstaben  und  in
Jiffern  ausgedruckt,  so  gilt  bei  Abweichungen  die  in  Buchstaben  ausgedrückte
Summe.

st  die  Summe  mehxmals  mit  Buchstaben  oder  mehrmgls  mit  Ziffern
geshriel,  so  gilt  bei  *  die  geringere  Summe.
Artikel  6.

Der  Aussteller  kann  sich  selbst  als  Remittenten  (Art.  4.  Nr.  3.)  bezeichnen
(Wechskl  an  eigene  Order).
esgleichen  kann  der  Aussteller  sich  selbst  als  Bezogenen  gert  4.  Nr.  7.)
bezeichnen,  ½  die  Zahlung  an  einem  anderen  Orte  als  dem  der  Ausstellung
geschehen  soll  (trassirt-eigene  Wechsel).

Artikel  7.

Aus  einer  Schrift,  welcher  eines  der  wesentlichen  Erfordernisse  eines  Wechsels
(Art.  4.)  fehlt,  entsteht  keine  wechselmäßige  Verbindlichkeit.  Auch  haben  die  auf
eine  chrift  gesetzten  Exklärungen  (Indossament,  Accept,  Ayal)  keine  Wechselkraft.
  Das  in  einem  Wechsel  enthaltene  Zinsversprechen  gilt  als  nicht  geschrieben.

II.  Verpflichtungen  des  Ausstellers.

Artikel  8.
Der  Aussteller  eines  Wechsels  haftet  für  dessen  Annahme  und  Zahlung
wechselmäßig.
III.  Indossament.

Artikel  9.

Der  Remittent  kann  den  Wechsel  an  einen  Anderen  durch  Indossament
(Giro)  übertragen.
Hat  jedoch  der  Aussteller  die  Uebertragung  im  Wechsel  durch  die  Worte
„nicht  an  Order“  oder  durch  einen  gleichbede  en  Ausdruck  untersagt,  so  hat
das  Indossament  keine  wechfelrechtliche  irkung.

Artikel  10.
Durch  das  Indossamen  gehen  alle  Rochte  aus  dem  Wechsel  auf  den  In-(Nr.

  6646)  dossatar
        <pb n="852" />
        —  676  —

dossatar  über,  insbesondere  auch  die  Befugniß,  den  Wechsel  weiter  zu  indosfiren.
Auch  an  den  Aussteller,  Bezogenen,  Acceptanten  oder  einen  früheren  Indossanten
kann  der  Wechsel  gültig  indossirt  und  von  denselben  weiter  indossirt  werden.

Artikel  11.

Das  Indossament  muß  auf  den  Wechsel,  eine  Kopie  desselben  oder  ein
mit  dem  Wechsel  oder  der  Kopie  verbundenes  Blatt  (Alonge)  geschrieben  werden.

Artikel  12.

Ein  Indossament  ist  Fhltig,  wenn  der  Indossant  auch  nur  seinen  Namen
oder  seine  Firma  auf  die  Rückseite  des  Wechsels  oder  der  Kopie,  oder  auf  die
Alonge  schreibt  (Blanko-Indossament).

Artikel  13.

Jeder  Inhaber  eines  Wechsels  ist  befugt,  die  auf  demselben  befindlichen
Blanko-Indossamente  auszufüllen;  er  kann  den  Wechsel  aber  auch  ohne  diese
Ausfüllung  weiter  indossiren.

Artikel  14.

Der  Indossant  haftet  jedem  späteren  Inhaber  des  Wechsels  für  dessen
Annahme  und  Zahlung  wechselmäßig.  Hat  er  aber  dem  Indossamente  die  Bemerkung
  )ohne  erahrlelshang0  ohne  „Obligo"“  oder  einen  gleichbedeutenden
Vorbehalt  hinzugefügt,  so  ist  er  von  der  Verbindlichkeit  aus  seinem  Indossamente

befreit.
Artikel  15.

Ist  in  dem  Indossamente  die  Weiterbegebung  durch  die  Worte  „nicht  an
Order“  oder  durch  einen  gleichbedeutenden  Ausdruck  verboten,  so  haben  diejenigen,
an  welche  der  Wechsel  aus  der  Hand  des  Indossatars  gelangt,  gegen  den  Indossanten
  keinen  Regreß.

Artikel  16.

Wemnn  ein  Wechsel  indossirt  wird,  nachdem  die  für  die  Protesterhebung
Mangels  Zahlung  bestimmte  Frist  abgelaufen  ist,  so  erlangt  der  Indossatar  die
Rechte  aus  dem  etwa  vorhandenen  Accepte  gegen  den  Bepogenen  und  Re.
Ffpreche  gegen  diejenigen,  welche  den  Wechsel  nach  Ablauf  dieser  Frist  inossirt
  haben.

st  aber  der  Wechsel  vor  dem  Indossamente  bereits  Mangels  Zahlung

vrotepiit  worden,  so  bat  der  Indossatar  nur  die  Rechte  seines  Indossanten  gegen

den  Acceptanten,  den  Aussteller  und  diejenigen,  welche  den  Wechsel  bis  zur  Protesterhebung

  indossirt  haben.  Auch  ist  in  einem  solchen  Falle  der  Indossant  nicht
wechselmäßig  verpflichtet.  Artikel  17
rtikel  17.

Ist  dem  Indossamente  die  Bemerkung  „zur  Einkaffirung“,  „in  Prokura“,
oder  eine  andere,  die  Bevollmächtigung  ausdrückende  Formel  beigefügt  worden
o
        <pb n="853" />
        —  677  —

so  überträgt  das  Indossament  das  Eigenthum  an  dem  Wechsel  nicht,  ermächtigt
aber  den  Indossatar  zur  Einziehung  der  Wechselforderung,  Protesterhebung  und
Benachrichtigung  des  Vormannes  seines  Indossanten  von  der  unterbliebenen
Zahlung  (Art.  45.),  so  wie  zur  Einklagung  der  nicht  bezahlten  und  zur  Erhebung
der  deponirten  Wechselschuld.  Ein  solcher  Indossatar  ist  auch  berechtigt,  diese
Befugniß  durch  ein  weiteres  Prokura-Indossament  einem  Anderen  zu  übertragen.
Dagegen  ist  derselbe  zur  weiteren  Begebung  durch  eigentliches  Indossament  selbst
demn  achn  befugt,  wenn  dem  Prokura-Indossamente  der  Zusatz  joder  Order“  hinzugefügt
  ist.

IV.  Präsentation  zur  Annahme.

Artikel  18.

Der  Inhaber  eines  Wechsels  ist  berechtigt,  den  Wechsel  dem  Bezogenen
sofort  zur  Annahme  zu  präsentiren  und  in  Ermangelung  der  Annahme  Protest
#cheben  zu  lassen.  Eine  entgegenstehende  Uebereinkunft  hat  keine  wechselrechtliche

irkung.

Nur  bei  Meß  oder  Markt-Wechseln  findet  eine  Ausnahme  dahin  statt,
daß  solche  Wechsel  erst  in  der  an  dem  Meß-  oder  Markt-Orte  gesetzlich  bestimmten
  Präsentationszeit  zur  Annahme  prälentirt  und  in  Ermangelung  derelben
  protestirt  werden  können.  Der  bloße  Besitz  des  Wechsels  ermächtigt  zur

räsentation  des  Wechsels  und  zur  Erhebung  des  Protestes  Mangels  Annahme.

Artikel  19.

Eine  Verpflichtung  des  Inhabers,  den  Wechsel  zur  Annahme  zu  präsentiren,
  findet  nur  bei  Wechseln  statt,  welche  auf  eine  bestimmte  Zeit  nach  Sicht
lauten.  Solche  Wechsel  müssen  bei  Verlust  des  wechselmäßigen  Anspruchs  gegen
die  Indossanten  und  den  Aussteller,  nach  Maaßgabe  der  besonderen  im  Wechsel
enthaltenen  Bestimmung  und  in  Ennangelung  derselben  binnen  zwei  Jahren  nach
der  Ausstellung  zur  Annahme  präsentirt  werden.  Hat  ein  Indossant  auf  einen
Wechsel  dieser  Art  seinem  Indossamente  eine  besondere  Präsentationsfrist  hinzugefügt,
  so  erlischt  seine  wechselmäßige  Verpflichtung,  wenn  der  Wechsel  nicht
innerhalb  dieser  Frist  zur  Annahme  präsentirt  worden  ist.

Artikel  20.

Wenn  die  Annahme  eines  auf  bestimmte  Zeit  nach  Sicht  gestellten  Wechsels
nicht  zu  erhalten  ist,  oder  der  Bezogene  die  Datirung  seines  Acceptes  verweigert,
so  muß  der  Inhaber  bei  Verlust  des  wechselmäßigen  Anspruchs  gegen  die  Indossanten
  und  den  Aussteller  die  rechtzeitige  Präsentation  des  Wechsels  durch  einen
innerhalb  der  Präsentationsfrist  (Art.  19.)  erhobenen  Protest  feststellen  lassen.

Der  Protesttag  gilt  in  diesem  Falle  für  den  Tag  der  Präsentation.

Ist  die  Protesterhebung  unterblieben,  so  wird  ##en  den  Acceptanten,
welcher  die  Datirung  seines  Acceptes  unterlassen  hat,  die  Verfallzeit  des  Wechsels
vom  letzten  Tage  der  Präsentationsfrist  an  gerechnet.

Jehrgeng  1867.  (Tr.  6648)  90  V.  An-
        <pb n="854" />
        —  678  —

V.  Annahme  (Acceptation).

Artikel  21.

Die  Annahme  des  Wechsels  muß  auf  dem  Wechsel  schriftlich  geschehen.

Jede  auf  den  Wechsel  geschriebene  und  von  dem  Bezogenen  unterschriebene
Erklärung  gilt  für  eine  znbefhränte  Annahme,  sofern  nicht  in  derselben  ausdrücklich
  ausgesprochen  ist,  daß  der  Bezogene  entweder  überhaupt  nicht  oder  nur
unter  gewissen  Einschränkungen  annehmen  wolle.

Gleichergsstalt  gilt  es  für  eine  unbeschränkte  Annahme,  wenn  der  Bezogene
alne  weiteren  Beisatz  seinen  Namen  oder  seine  Firma  auf  die  Vorderseite  des

echsels  schreibt.

Die  einmal  erfolgte  Annahme  kann  nicht  wieder  zurückgenommen  werden.

Artikel  22.
Der  Bezogene  kann  die  Annahme  auf  einen  Theil  der  im  Wechsel  verschriebenen
  Summe  beschränken.
Werden  dem  Accepte  andere  Einschränkungen  beigefügt,  so  wird  der  Wechsel
einem  solchen  gleichgeachtet,  dessen  Annahme  gänzlich  verweigert  worden  ist,  der
Acceptant  haftet  aber  nach  dem  Inhalte  seines  Acceptes  wechselmäßig.

Artikel  23.
Der  Bezogene  wird  durch  die  Annahme  wechselmäßig  verpflichtet,  die  von
ihm  acceptirte  Summe  zur  Verfalleet  tu  zahlen.
Auch  dem  Aussteller  haftet  der  Bezogene  aus  dem  Accepte  wechselmäßig.
Dagegen  steht  dem  Bezogenen  kein  Wechselrecht  gegen  den  Aussteller  zu.

Artikel  24.

Ist  in  dem  Wechsel  ein  vom  Wohnorte  des  Bezogenen  verschiedener
Dblungsort  (Art.  4.  Nr.  *r  angegeben  (Domizilwechsel),  so  ist,  insofern  der
Wechsel  nicht  schon  ergiebt,  durch  wen  die  Zahlung  am  Jahlungsorte  erfolgen
soll,  dies  vom  Bezogenen  bei  der  Annahme  auf  dem  Wechsel  zu  bemerken.  st
dies  nicht  geschehen,  8  wird  angenommen,  daß  der  Bezogene  Feooft  die  Zahlung
am  Zahlungstage  leisten  wolle.

Der  Aussteller  eines  Domizilwechsels  kann  in  demselben  die  Präsentation
ar  Annahme  vorschreiben.  Die  Nichtbeobachtung  dieser  Vorschrift  hat  den

erlust  des  Regresses  gegen  den  Aussteller  und  die  Indossanten  zur  Folge.

VI.  Regreß  auf  Sicherstellung.
1.  Wegen  nicht  erhaltener  Annahme.

Artikel  25.

Wenn  die  Anmahme  eines  Wechsels  überhaupt  nicht,  oder  unter  Einschränkungen,
  oder  nur  auf  eine  geringere  Summe  erfolgt  ist,  so  sind  die  Indossanten
        <pb n="855" />
        —  679  —
dossanten  und  der  Aussteller  wechselmäßig  verpflichtet,  gegen  Aushändigung  des,
Mangels  Annahme  aufgenommenen  Protestes  genügende  Sicherheit  t•  zu
leisten,  daß  die  Bezahlung  der  im  e  berschriebenen  Summe  oder  des  nicht
angenommenen  Betrages,  sowie  die  Erstattung  der  durch  die  Richtannahme  veranlaßten
  Kosten  am  Verfalltage  erfolgen  werde.

Jedoch  sind  diese  Peofenen  auch  befugt,  auf  ihre  Kosten  die  schuldige
Summe  bei  Gericht  oder  bei  einer  anderen,  zur  Annahme  von  Depositen  ermächtigten
  Behörde  oder  Anstalt  niederzulegen.

Artikel  26.

Der  Remittent,  so  wie  jeder  Indossatar  wird  durch  den  Besitz  des,  Mangels
  Annahme  aufgenommenen  Protestes  ermächtigt,  von  dem  Aussteller  und
den  übrigen  Vormännern  Sicherheit  zu  fordern  und  im  Wege  des  Wechhselprozesses
  darauf  zu  klagen.

Der  Regreßnehmer  ist  hierbei  an  die  Folgeordnung  der  Indofsamente  und
die  einmal  getroffene  Wahl  nicht  gebunden.  -

Der  cibringung  des  Wechsels  und  des  Nachweises,  daß  der  Regreßnehmer
seinen  Nachmännern  selbst  Sicherheit  bestellt  habe,  bedarf  es  nicht.

Artikel  27.

Die  bestellte  Sicherheit  haftet  nicht  blos  dem  Regreßnehmer,  sondern  auch
allen  übrigen  Nachmännern  des  Bestellers,  insofern  sie  gegen  ihn  den  Regreß
auf  Sicherstellung  nehmen.  Dieselben  sind  weitere  Sicherheit  zu  verlangen  nur
in  dem  Falle  berechtigt,  wenn  sie  gegen  die  Art  oder  Größe  der  bestellten  Sicherheit
  Einwendungen  zu  begründen  vermögen.

Artikel  28.
Die  bestellte  Sicherheit  muß  zurückgegeben  werden:
1)  sobald  die  vollständige  Annahme  des  Wechsels  nachträglich  erfolgt  ist;
2)  wenn  gegen  den  Regreßpflichtigen,  welcher  sie  bestellt  hat,  binnen  Jahresfrist,
  vom  WVerfalltage  des  Wechsels  an  gerechnet,  Jahlung  aus  dem
Wechsel  nicht  geklagt  worden  ist;
3)  wenn  die  Jahlung  des  Wechsels  erfolgt  oder  die  Wechselkraft  desselben
erloschen  ist.
2.  Wegen  Unsicherheit  des  Acceptanten.
Artikel  29.

Ist  ein  Wechsel  ganz  oder  theilweise  angenommen  worden,  so  kann  in
Betreff  der  acceptirten  Summe  Sicherheit  nur  gefordert  werden:

1)  wenn  über  das  Vermögen  des  Acceptanten  der  Konkurs  (Debitverfahren,
Falliment)  eröffnet  worden  ist  oder  der  Acceptant  auch  nur  seine  Zahlungen

  ei  at/
Mir.  6bis  zen  eingestellt  hat,  90“  2)  wenn
        <pb n="856" />
        —  680  —

2)  wenn  nach  Ausstellung  des  Wechsels  eine  Exekution  in  das  Vermögen
des  Acceptanten  fruchtios  ausgefallen  oder  wider  denselben  wegen  Er
füllung  einer  Zahlungsverbindlichkeit  die  Vollstreckung  des  Personalarrestes
  verfügt  worden  ist.

Wenn  in  diesen  Fällen  die  Sicherheit  von  dem  Acceptanten  nicht  geleistet
und  dieserhalb  Protest  gegen  denselben  erhoben  wird,  auch  von  den  auf  dem
Wechsel  etwa  benannten  Nothadressen  die  Annahme  nach  Ausweis  des  Protestes
nicht  zu  rahalten  ist,  so  kann  der  Inhaber  des  Wechsels  und  jeder  Indossatar
»  Lepen  Auslieferung  des  Protestes  von  seinen  Vormännern  Sicherstellung  fordern
rtikel  25—28.).  Der  bloße  Besitz  des  Wechsels  vertritt  die  Stelle  einer  Vollmacht,
  in  den  Nr.  1.  und  2.  genannten  Fällen  von  dem  Acceptanten  Sicherheitszu
  sordern,  und  wenn  solche  nicht  zu  erhalten  ist,  Protest  erheben
zu  lassen.

Der  Wechselinhaber  ist  berechtigt,  in  den  Nr.  1.  und  2.  genannten  Fällen
auc  von  dem  Acceptanten  im  Wege  des  Wechselprozesses  Sicherheitsbestellung
zu  fordern.

VII.  Erfüllung  der  Wechselverbindlichkeit.
1.  Zahlungstag.
Artikel  30.

Ist  in  dem  Wechsel  ein  bestimmter  Tag  als  Zahlungstag  bezeichnet,  so
tritt  die  Verfallzeit  an  diesem  Tage  ein.  Ist  die  Zahlungszeit  auf  die  Mitte
eines  Monats  gesetzt  worden,  so  ist  der  Wechsel  am  15.  dieses  Monats  fällig.
Ist  die  Zahlungszeit  auf  Anfang  oder  ist  sie  auf  Ende  eines  Monats  gesetzt
worden,  so  ist  darunter  der  erste  oder  letzte  Tag  des  Monats  zu  verstehen.

Artikel  31.

Ein  auf  Sicht  gestellter  Gechsel  ist  bei  der  Vorzeigung  fällig.  Ein  solcher
Wechsel  muß  bei  Verlust  des  wechselmäßigen  Anspruchs  gegen  die  Indossanten
und  den  Aussteller  nach  Maaßgabe  der  besonderen  im  Wechsel  enthaltenen  Bestimmung,
  und  in  Ermangelung  derselben  binnen  zwei  Jahren  nach  der  Ausstellung
  zur  Zahlung  präsentirt  werden.  Hat  ein  Indossant  auf  einem  Wechsel
dieser  Art  seinem  Indossamente  eine  besondere  Präsentationsfrist  hinzugefügt,)#so
erlischt  seine  wechselmäßige  Verpflichtung,  wenn  der  Wechsel  nicht  inkcald  dieser
Frist  präsentirt  worden  ist.

Artikel  32.

Bei  Wechseln,  welche  mit  dem  Ablaufe  einer  bestimmten  Frist  nach  Sicht
oder  nach  Dato  zahlbar  sind,  tritt  die  Verfallzeit  ein:
1)  wenn  die  Frist  nach  Tagen  bestimmt  ist,  an  dem  letzten  Tage  der  Frist;
bei  Berechnung  der  Frist  wird  der  Tag,  an  welchem  der  nach  die
3  :
        <pb n="857" />
        681  —

zahlbare  Wechsel  ausgestellt  oder  der  nach  Sicht  zahlbare  zur  Annahme
präsentirt  ist,  nicht  mitgerechnet;

2)  wenn  die  Frist  nach  Wochen,  Monaten,  oder  einem,  mehrere  Monate
umfassenden  Zeitraume  (Jahr,  halbes  Jahr,  Vierteljahr)  bestinmnt  ist,  an
demjenigen  Tage  der  Zahlungswoche  oder  des  Zahlungsmonats,  der
durch  seine  Benennung  oder  Zahl  dem  Tage  der  Ausstellung  oder  Präsentation
  entspricht;  Pen-  dieser  Tag  in  dem  Zahlungsmonate,  so  tritt
die  Verfallzeit  am  letzten  Tage  des  Zahlungsmonats  ein.

Der  Ausdruck  „halber  Monat““  wird  einem  Zeitraume  von  15  Tagen
leichgeachtet.  Ist  der  Wechsel  auf  einen  oder  mehrere  ganze  Monate  und  einen
Hhalben  Monat  gestellt,  so  find  die  15  Tage  zuletzt  zu  zeählen

Artikel  33.
Respekttage  finden  nicht  statt.

Artikel  34.

Ist  in  einem  Lande,  in  welchem  nach  altem  Style  gerechnet  wird,  ein  im
Inlande  zahlbarer  Wechsel  nach  Dato  ausgestellt,  und  dabei  nicht  bemerkt,  daß
der  Wechsel  nach  neuem  Style  datirt  sei,  oder  ist  derselbe  nach  beiden  Stylen
datirt,  so  wird  der  Verfalltag  nach  demjenigen  Kalendertage  des  neuen  Styls
berschuet  welche-  dem  nach  altem  Stle  sich  ergebenden  Tage  der  Ausstellung
entspricht.

Artikel  35.

Meß=  oder  Marktwechsel  werden  zu  der  durch  die  Gesetze  des  Meß=  oder
Marktortes  bestimmten  Jahlungszeit,  und  in  Ermangelung  einer  solchen  Festetzung
  an  dem  Tage  vor  dem  gesetzlichen  Schlusse  der  Mese  oder  des  Marktes
älig.  Dauert  die  Messe  oder  der  Markt  nur  Einen  Tag  so  tritt  die  Verfallzeit
  des  Wechsels  an  diesem  Tage  ein.

2.  Zahlung.
Artikel  36.

Der  Inhaber  eines  indossirten  Wechsels  wird  durch  eine  zusammenhängende,
bis  auf  ihn  binuntergehend  Reihe  von  Indossamenten  als  Eigenthümer  des
Wechsels  legitimirt.  Das  erste  Indossament  muß  demnach  mit  dem  Namen  des
Remittenten,  jedes  folgende  Indossament  mit  dem  Namen  desjenigen  unterzeichnet
sein,  welchen  das  unmittelbar  vorhergehende  Indossament  als  Indossatar  benennt.
Wenn  auf  ein  Blanko-Indossament  ein  weiteres  Indossament  folgt,  so  wird
angenommen,  daß  der  Aussteller  des  letzteren  den  Wechsel  durch  das  lanko-Indossament
  erworben  hat.  Ausgestrichene  Indosamente  werden  bei  Prüsing
der  Legitimation  als  nicht  geschrieben  angesehen.  Die  Echtheit  der  Indossamente
zu  prüfen,  ist  der  Zahlende  nicht  verpflichtet.

(Tr.  6648.  Ar-
        <pb n="858" />
        —  682  —

Artikel  37.

Lautet  ein  Wechsel  auf  eine  Münzsorte,  welche  am  Thlungeorte  keinen
Umlauf  hat,  oder  auf  eine  Rechnungswährung,  so  kann  die  Wechselsumme  nach
ihrem  Werthe  r  Verfallzeit  in  der  Landesmunze  gezahlt  werden,  sofern  nicht
der  Aussteller  durch  den  Gebrauch  des  Wortes  „eseel  oder  eines  ähnlichen

usatzes  die  Zahlung  in  der  im  Wechsel  benannten  Münzsorte  ausdrücklich  beimmt
  hat.
Artikel  38.

Der  Inhaber  des  Wechsels  darf  eine  ihm  angebotene  Theilzahlung  selbst
dann  nicht  zurückweisen,  wenn  die  Annahme  auf  den  ganzen  Betrag  der  verschriebenen
  Summe  erfoldgt  ist.

Artikel  39.

Der  Wechselschuldner  ist  nur  gegen  Aushändigung  des  quittirten  Wechsels
#  zahlen  verpflichtet.  Hat  der  Wechselschuldner  eine  Theilzahlung  geleistet,  so
ann  derselbe  nur  verlangen,  daß  die  Sohlung  auf  den  Wechsel  abgeschrieben  und
ihm  Quittung  auf  einer  Abschrift  des  Wechsels  ertheilt  werde.

Artikel  40.

Wird  die  Zahlung  des  n  ur  Verfallzeit  nicht  gefordert,  so  ist  der
Acceptant  nach  Ablauf  der  für  die  zursrte  Mange.  8  Kahlung  bestimmten
Frist  befugt,  die  Wechselsumme  auf  Gefahr  und  Kosten  des  Inhabers  bei  Gericht
oder  bei  einer  anderen  zur  Annahme  von  Depositen  ermächtigten  Behörde  oder
Anstalt  niederzulegen.  c#-  Vorladung  des  Inhabers  bedarf  es  nicht.

VIII.  Regreß  Mangels  Zahlung.

Artikel  41.
Zur  Ausübung  des  bei  nicht  erlangter  Zahlung  statthaften  Regresses  gegen
den  Aussteller  und  die  Indossanten  ist  erforderlich:  8  zes
1)  daß  der  Wechsel  zur  Zahlung  präsentirt  worden  ist,  und
2)  daß  sowohl  diese  Präsentation,  als  die  Ni  berlangung  der  Zahlung  durch
einen  rechtzeitig  darüber  aufgenommenen  Protest  dargethan  wird.
Die  Erhebung  des  Protestes  ist  am  Zahlungstage  zulässig;  sie  muß  aber
spätestens  am  zweiten  ge  nach  dem  Shlung#tant  05
Artikel  42.
Die  Aufforderung,  keinen  Protest  erheben  zu  lassen  Cpohne  Protest“,  „ohne
Kosten“  2c.),  gilt  als  Erlaß  des  Protestes,  nicht  aber  als  Erlaß  der  07  zur
recht.
        <pb n="859" />
        —  683  —

rechtzeitigen  Präsentation.  Der  Wechselverpflichtete,  von  welchem  jene  Aufforderung
  ausgeht,  muß  die  Beweislast  übernehmen,  wenn  er  die  rechtzeitig  geschehene
Präsentation  in  Abrede  stellt.  Gegen  die  Pflicht  zum  Ersatze  der  K.terkkoften
schützt  jene  Aufforderung  nicht.  -

Artikel  43.

Domizilirte  Wechsel  sind  dem  Domiziliaten,  oder  wenn  ein  solcher  nicht
benannt  ist,  dem  Bezogenen  selbst  an  demjenigen  Orte,  wohin  der  Wcchsel
domizilirt  ist,  zur  Zahlung  zu  präsentiren,  und  wenn  die  Zahlung  unterbleibt,
dort  zu  protestiren.  Wird  die  rechtzeitige  Protesterhebung  beim  Domiziliaten
verabsäumt,  so  geht  dadurch  der  wechselmäßige  Anspru  nicht  nur  gegen  den
Aussteller  und  die  Indossanten,  sondern  auch  gegen  den  Acceptanten  verloren.

Artikel  44.

Zur  Erhaltung  des  Wechselrechts  gegen  den  Acceptanten  bedarf  es,  mit
Ausnahme  des  im  Artikel  43.  erwähnten  Fales,  weder  der  Präsentation  am
Zahlungstage,  noch  der  Erhebung  eines  Protestes.

Artikel  45.

Der  Inhaber  eines  Mangels  Zahlung  protestirten  Wechsels  ist  verpflichtet,
seinen  ummittelbaren  Vormann  innerhalb  zweier  Tage  nach  dem  Tage  der  Protesterhebung
  von  der  Nichtzahlung  des  Wechsels  schriftlich  zu  benachrichtigen,  zu
welchem  Ende  es  genügt,  wenn  das  Benachrichtigungsschreiben  innerhalb  dieser
Frist  zur  Post  gegeben  ist.  Jeder  benachrichtigte  Vormann  muß  binnen  derselben,
  vom  Tage  des  empfangenen  Berichts  zu  berechnenden  Frist  seinen  nächsten
Vormann  in  gleicher  Weise  benachrichtigen.  Der  Inhaber  oder  Indossatar,
welcher  die  Benachrichtigung  unterläßt  oder  dieselbe  nicht  an  den  unmittelbaren
Vormann  ergehen  läßt,  wird  hierdurch  den  sämmtlichen  oder  den  übersprungenen
Vormännern  zum  Ersatze  des  aus  der  unterlassenen  Benachrichtigung  entstandenen
Schadens  verpflichtet.  Auch  verliert  derselbe  gegen  diese  Personen  den  Anpruch
auf  Zinsen  und  Kosten,  so  daß  er  nur  die  Wechselsumme  zu  fordern  berechtigt
  ist.

Artikel  46.

Kommt  es  auf  den  Nachweis  der  dem  Vormanne  rechtzeitig  gegebenen
schriftlichen  Benachrichtigung  an,  so  genügt  zu  diesem  Zwecke  der  durch  ein  Postattest
  geführte  Beweis  daß  ein  Brief  von  dem  Betheiligten  an  den  Adressaten
an  dem  angegebenen  Tage  abgesandt  ist,  sofern  nicht  dargethan  wird,  daß  der
angekommene  Brief  einen  anderen  Inhalt  gehabt  hat.  Auch  der  gdes  Empfanges
der  eehaltenen  schriftlichen  Benachrichtigung  kann  durch  ein  Postattest  nachgewicsen
werden.

Artikel  47.

Hat  ein  Indofsant  den  Wechsel  ohne  Hinzufügung  einer  Ortsbezeichnung
(Nr.  6648.)  wei-
        <pb n="860" />
        684  —

weiter  begeben,  so  ist  der  Vormann  desselben  von  der  unterbliebenen  Zahlung
zu  benachrichtigen.
Artikel  48.
Jeder  Wechselschuldner  hat  das  Recht,  gegen  Erstattung  der  Wechselsumme
nebst  Zinsen  und  Kosten  die  Auslieferung  des  quittirten  Wechsels  und  des  wegen
Nichtzahlung  erhobenen  Protestes  von  dem  Inhaber  zu  fordern.

Artikel  49.

Der  Inhaber  eines,  Mangels  Zahlung  protestirten  Wechsels  kann  die
Wechselklage  gegen  alle  Wechselverpflichtete  oder  auch  nur  gegen  Einige  oder
Einen  derselben  anstellen,  ohne  dadurch  seinen  Anspruch  gegen  die  nicht  in  Anspruch
  genommenen  Verpflichteten  zu  verlieren.  Derselbe  ist  an  die  Reihenfolge
er  Indossamente  nicht  gebunden.

Artikel  50.
Die  Regreßansprüche  des  Inhabers,  welcher  den  Wechsel  Mangels  Zahlung
  hat  protesiren  lassen,  beschränken  sich  auf:
1)  die  nicht  bezahlte  Wechselsumme  nebst  6  Prozent  jährlicher  Zinsen  vom
Verfalltage  ab,
2)  die  Protestkosten  und  anderen  Auslagen,

3)  eine  Provision  von  3  Prozent.

Die  vorstehenden  Beträge  müssen,  wenn  der  Regreßpflichtige  an  einem
anderen  Orte  als  dem  Zahlungsorte  wohnt,  zu  demienigen  Kurse  gezahlt  werden,
welchen  ein  vom  Hhlungerte  auf  den  Wobnon,  des  Regreßpflichtigen  gezogener
Wechsel  auf  Sicht  hat.  Besteht  am  Ahlungsorte  kein  Kurs  auf  jenen  Wohnort,
  so  wird  der  Kurs  nach  demjenigen  Platze  genommen,  welcher  dem  Wohnorte
des  Regreßpflichtigen  am  nächsten  liegt.  Der  Kurs  ist  auf  Verlangen  des  Rereßpflichtigen

  durch  einen  unter  öffentlicher  Autorität  ausgestellten  Kurszettel  oder
urch  das  Attest  eines  vereideten  Mäklers  oder,  in  Ermangelung  derselben,  durch
ein  Attest  zweier  Kaufleute  zu  bescheinigen.

Artikel  51.

Der  Indossant,  welcher  den  Wechsel  eingelöst  oder  als  Rimesse  erhalten
hat  in  von  einem  früheren  Indossanten  oder  von  dem  Aussteller  zu  fordern
berechtigt:

1)  die  von  ihm  gezahlte  oder  durch  Rimesse  berichtigte  Summe  nebst
6  Prozent  jährl  er  Zinsen  vom  4  der  Zahlung,

2)  die  ihm  entstandenen  Kosten,
3)  eine  Provision  von  3  Prozent.
Die  vorstehenden  Beträge  müssen,  wenn  der  Regreßpflichtige  an  einem
an  ·
        <pb n="861" />
        —  685  —

anderen  Orte  als  der  Regreßnehmer  wohnt,  zu  demjenigen  Kurse  gezahlt  werden,
welchen  ein  vom  Woßnorte  des  Regreßnehmers  auf  den  Wohnort  des  Regreßpflichtigen
  gezogener  Wechsel  auf  Sicht  hat.  Besteht  im  Wohnorte  des  Regreßnehmers
  kein  Kurs  auf  den  Wohnort  des  Regrefpslichigen  so  wird  der  Kurs
nach  demjenigen  Platze  genommen,  welcher  dem  Wohnorte  bes  Regreßpflichtigen
am  nächsten  liegt.  Wegen  der  Bescheinigung  des  Kurses  kommt  die  Bestimmung
des  Art.  50.  zur  Anwendung.

Artikel  52.

Durch  die  Bestimmungen  der  Art.  50.  und  51.  Nr.  1.  und  3.  wird  bei
einem  Regresse  auf  einen  ausländischen  Ort  die  Berechnung  höherer,  dort  zulässiger
  Sätze  nicht  ausgeschlossen.

Artikel  53.

Der  Regreßnehmer  kann  über  den  Betrag  seiner  Forderung  einen  Rückwechsel
  Bsr  Regreßpflichtigen  ziehen.  Der  Forderung  treten  in  diesem  Falle
noch  die  Mäklergebühren  für  Negozirung  des  Rückwechsels,  sowie  die  etwaigen
Stenpelhehührent  hinzu.  Der  Rückwechsel  muß  auf  Sicht  zahlbar  und  unmittelbar
  (a  drittura)  gestellt  werden.

Artikel  54.
Der  Regreßpflichtige  ist  nur  gegen  Auslieferung  des  Wechsels,  des  Protestes
  und  einer  anhichn  Retour-Rechnung  Zahlung  zu  leisten  verbunden.
Artikel  55.

Jeder  Indossant,  der  einen  seiner  Nachmänner  befriedigt,  hat,  kann  sein
eigenes  und  seiner  Nachmänner  Indossament  ausstreichen.

IX.  Intervention.
1.  Ehrenannahme.
Artikel  56.

Befindet  sich  auf  einem  Mangels  Annahme  protestirten  Wechsel  eine  auf
den  Jahlungsort  lautende  Nothadresse,  so  muß,  ehe  Sicherstellun  verlangt  werden
  kann,  die  Annahme  von  der  Nothadresse  gefordert  werden.  Unter  mehreren
Nothadressen  gebührt  derjenigen  der  Vorzug,  durch  deren  Jahlung  die  meisten
Verpflichteten  befreit  werden.

Artikel  57.

Die  Ehren-Annahme  von  Seiten  einer  nicht  auf  dem  Wechsel  als  Nothadresse
  benannten  Person  braucht  der  Inhaber  nicht  zuzulassen.
Jahrgong  1867.  (Nr.  6648.)  91  Ar-
        <pb n="862" />
        —  686  —

Artikel  58.

Der  Ehren-Acceptant  muß  sich  den  Protest  Mangels  Unnahme  gegen  Erstatiung
  der  Kosten  aushändigen  und  in  einem  Anhange  zu  demselben  die  Ehren-Annahme
  bemerken  lassen.  Er  muß  den  Honoraten  unter  Uebersendung  des
Pootestes  von  der  geschehenen  Intervention  benachrichtigen  und  diese  Benachrichtigung
  mit  dem  Proteste  innerhalb  zweier  Tage  nach  dem  Tage  der  Protesterhebung
zur  Post  geben.  Unterläßt  er  dies,  so  haftet  er  für  den  durch  die  Unterlassung

entstehenden  Schaden.
isteh  4  Artikel  59.

Wenn  der  Ehren-Acceptant  unterlassen  hat,  in  seinem  Accepte  zu  bemerken,
zu  besen  Ehren  die  Annahme  geschieht,  so  wird  der  Aussteller  als  Honorat
angesehen.

Artikel  60.

Der  Ehren-Acceptant  wird  den  sämmtlichen  Nachmännern  des  Honoraten
durch  die  Annahme  wechselmäßig  verpflichtet.  Diese  Verpflichtung  erlischt,  wenn
dem  Ehren-Acceptanten  der  Wechsel  nicht  spätestens  am  zweiten  Werktage  nach  dem
Zahlungstage  zur  Zahlung  vorgelegt  wird.

Artikel  61.

Wenn  der  Wechsel  von  einer  Nothadresse  oder  einem  anderen  Intervenienten
  zu  Ehren  angenommen  wird,  so  Laben-  der  Inhaber  und  die  Nachmänner
  des  Honoraten  keinen  Regreß  auf  Sicherstellung.  Derselbe  kann  aber
von  dem  Honoraten  und  dessen  Vormännern  geltend  gemacht  werden.

2.  Ehrenzahlung.
Artikel  62.

Befinden  sich  auf  dem  von  dem  Begenen  nicht  eingelösten  Wechsel  oder
der  Kopie  Nothadressen  oder  ein  Ehren-Accept,  welche  auf  den  Zahlungsort
lauten,  so  muß  der  Inhaber  den  Wechsel  spätestens  am  zweiten  Werktage  nach
dem  Zahlungatage  den  sämmtlichen  Nothadressen  und  dem  Ehren-Acceptanten
zur  Zahlung  vorlegen,  und  den  Erfolg  im  Proteste  Mangels  Zahlung  oder  in
einem  Anhange  zu  demselben  bemerken  lassen.  Unterläßt  er  dies,  so  verliert  er
den  Regreß  gegen  den  Adressanten  oder  Honoraten  und  deren  Nachmänner.
Weist  der  Inhaber  die  von  einem  anderen  Intervenienten  angebotene  Ehrenzahlung
  zurück,  so  verliert  er  den  Regreß  gegen  die  Nachmänner  des  Honoraten.

Artikel  63.

Dem  Ehrenzahler  muß  der  Wechsel  und  der  Protest  Mangels  Zahlung
gegen  Erstaiung  der  Kosten  ausgehändigt  werden.  Er  tritt  durch  die  Ehrentr
  in  die  Rechte  des  Inhabers  (Art.  50.  und  52.)  gegen  den  Honoraten,
essen  Vormänner  und  den  Acceptanten.  -

Ar-
        <pb n="863" />
        —  687  —

Artikel  64.

Unter  Mehreren,  welche  sich  zur  Ehrenzahlung  erbieten,  gebührt  demjenigen
der  Vorzug,  durch  dessen  Zahlung  die  meisten  Wechselverpflichteten  befreit  werden.
Ein  Intervenient,  welcher  zahlt,  obgleich  aus  dem  Wechsel  oder  Proteste  ersichtlich
  ist,  daß  ein  Anderer,  dem  er  hiernach  nachstehen  mußte,  den  Wechsel  einzulösen
  bereit  war,  hat  keinen  Regreß  gegen  diejenigen  Indoffanten,  welche  durch
Leistung  der  von  dem  Anderen  angebotenen  Zahlung  befreit  worden  wären.

Artikel  65.

Der  Ehren-Acceptant,  welcher  nicht  zur  Zahlungsleistung  gelangt,  weil  der
Begogene  oder  ein  anderer  Intervenient  bahahltg  hat,  !  berechtigt,  von  dem  Zahlenden
  eine  Provision  von  „  Prozent  zu  verlangen.

X.  Vervielfältigung  eines  Wechsels.
1.  Wechselduplikate.
Artikel  66.

Der  Aussteller  eines  gezogenen  Wechsels  ist  verpflichtet,  dem  Remittenten
auf  Verlangen  mehrere  gleichlautende  Exemplare  des  Wechsels  zu  überliefern.
Dieselben  müssen  im  Kontegte  als  Prima,  Sekunda,  Tertia  u.  L.  bezeichnet
sein,  widrigenfalls  jedes  Exemplar  als  ein  für  sich  bestehender  Wechsel  (Sola-Wechsel)
  erachtet  wird.  Auch  ein  Indossatar  kann  ein  Duplikat  des  Wechsels
verlangen.  Er  muß  sich  dieserhalb  an  seinen  unmittelbaren  Vormann  wenden,
welcher  wieder  an  seinen  Vormann  zurückgehen  muß,  bis  die  Anforderung  an
den  Aussteller  gelangt.  Jeder  Indossatar  kann  von  seinem  Vormanne  verlangen,
daß  die  früheren  Indossamente  auf  dem  Duplikate  wiederholt  werden.

Artikel  67.

Ist  von  mehreren  ausgefertigten  Exemplaren  das  eine  bezahlt,  Eelenn
dadurch  die  anderen  ihre  Kraft.  Jedoch  bleiben  aus  den  übrigen  Exemplaren
verhaftet:

1)  der  Indossant,  welcher  mehrere  Exemplare  desselben  Wechsels  an  verschiedene
  Personen  indossirt  hat,  und  alle  späteren  Indossanten,  deren  Unterschriften
  sich  auf  den,  bei  der  Zahlung  nicht  zurückgegebenen  Exemplaren
befinden,  aus  ihren  Indossamenten;

2)  der  Acceptant,  welcher  mehrere  Exemplare  desselben  Wechsels  acceptirt

at,  aus  den  Accepten  auf  den  bei  der  Zahlung  nicht  zurückgegebenen
emplaren.
Artikel  68.

Wer  eines  von  mehreren  Exemplaren  eines  Wechsels  zur  Annahme  versandt
(Nr.  6648.)  91°  hat,
        <pb n="864" />
        —  688  —

hat,  muß  auf  den  übrigen  Exemplaren  bemerken,  bei  wem  das  von  ihm  zur  Annahme
  versandte  Exemplar  anzutreffen  ist.  Das  Unterlassen  dieser  Bemerkung
entzieht  jedoch  dem  Wechsel  nicht  die  Wechselkraft.  Der  Verwahrer  des  zum
Accepte  versandten  Exemplars  ist  verpflichtet,  dasselbe  demjenigen  auszuliesern,
der  sich  als  Indossatar  (Art.  36.)  oder  auf  andere  Weise  zur  Empfangnahme
legitimirt.

Artikel  69.

Der  Inhaber  eines  Duplikats,  auf  welchem  angegeben  ist,  bei  wem  das
um  Accepte  versandte  Exemplar  sich  befindet,  kann  Mangels  Annahme  desselben
den  Regreß  auf  Sicherstellung  und  Mangels  Zahlung  den  Regreß  auf  Zahlung
nicht  eher  nehmen,  als  bis  er  durch  Protest  hat  feststellen  lassen:

1)  daß  das  zum  Accepte  versandte  Exemplar  ihm  vom  Verwahrer  nicht
verabfolgt  worden  ist,  und

2)  daß  auch  auf  das  Duplikat  die  Annahme  oder  die  Jahlung  nicht  zu
erlangen  gewesen.

2.  Wechselkopien.
Artikel  70.

Wechselkopien  müssen  eine  Abschrift  des  Wechsels  und  der  darauf  beßindlichen
  Indossamente  und  Vermerke  enthalten  und  mit  der  Erklärung:  „bis  hierher
Abschrift  (Kopie)“  oder  mit  einer  ähnlichen  Bezeichmng  versehen  sein.  In  der
Kopie  ist  zu  bemerken,  bei  wem  das  zur  Annahme  versandte  Original  des  Wechsels
anzutreffen  ist.  Das  Unterlassen  dieses  Vermerkes  entzieht  jedoch  der  indossirten
Kopie  nicht  ihre  wechselmäßige  Kraft.

Artikel  71.

Jedes  auf  einer  Kopie  befindliche  Original-Indossament  verpflichtet  den
Indossanten  eben  so,  als  wenn  es  auf  einem  Original-Wechsel  stünde.

Artikel  72.

Der  Verwahrer  des  Original-Wechsels  ist  verpflichtet,  denselben  dem  Besitzer
  einer  mit  einem  oder  mehreren  Original-Indossamenten  versehenen  Kopie
auszuliefern,  sofern  sich  derselbe  als  Indossatar  oder  at  andere  Weise  zur
Empfangnahme  legitimirt.  Wird  der  Original-Wechsel  vom  Verwahrer  nicht  auseliefert,

  so  ist  der  Inhaber  der  Wechselkopie  nur  nach  Aufnahme  des  im  Art.  69.
Rr.  1.  erwähnten  Protestes  Regreß  auf  Sicherstellung  und  nach  Eintritt  des  in
der  Kopie  angegebenen  Verfalltages  Regreß  auf  Zahlung  gegen  diejenigen  Indossanten
  zu  nehmen  berechtigt,  deren  Original  Indossamente  auf  der  Kopie
befindlich  sind.

XI.  Ab-
        <pb n="865" />
        —  689  —

XI.  Abhanden  gekommene  Wechsel.

Artikel  73.

Der  Eigenthümer  eines  abhanden  gerommenen  Wechsels  kann  die  Amor—-tisation
  des  Wochsel  bei  dem  Gerichte  des  Zahlungsortes  beantragen.  Nach
Einleitung  des  Amortisations-Verfahrens  kann  derselbe  vom  Acceptanten  Jahlung
fordern,  wenn  er  bis  zur  Amortisation  des  Wechsels  Sicherheit  bestellt.  Ohne
eine  solche  Sicherheitsstellung  ist  er  nur  die  Deposition  der  aus  dem  Accepte
schuldigen  Summe  bei  Gericht  oder  bei  einer  anderen  zur  Annahme  von  Depositen
  ermächtigten  Behörde  oder  Anstalt  zu  fordern  berechtigt.

Artikel  74.

Der  nach  den  Bestimmungen  des  Art.  36.  legitimirte  Besitzer  eines
Wechsels  kann  nur  dann  zur  Herausgabe  desselben  angehalten  werden,  wenn  er
den  Wechsel  in  bösem  Glauben  erworben  hat  oder  ihm  bei  der  Erwerbung  des
Wechsels  eine  grobe  Fahrlässigkeit  zur  Last  fällt.

XII.  Falsche  Wechsel.
Artikel  75.
Auch  wenn  die  Unterschrift  des  Ausstellers  eines  Wechsels  falsch  oder  verfälscht

  ist,  behalten  dennoch  das  echte  Accept  und  die  echten  Indossamente  die
wechselmäßige  Wirkung.

Artikel  76.

Aus  einem,  mit  einem  falschen  oder  verfälschten  Wepte  oder  Indossamente
versehenen  Wechsel  bleiben  sämmtliche  Indossanten  und  der  Aussteller,  deren
Unterschriften  echt  sind,  wechselmäßig  verpflichtet.

XIII.  Wechselverjährung.

Artikel  77.

Der  wechselmäßige  Anspruch  gegen  den  Acceptanten  verjährt  in  drei  Jahren
vom  Verfalltage  des  Wechsels  an  gerechnet.

Artikel  78.
Die  Regreßansprüche  des  Inhabers  (Art.  50.)  gegen  den  Aussteller  und
die  übrigen  Vormänner  verjähren:
1)  in  3  Monaten,  wenn  der  Wechsel  in  Europa,  mit  Ausnahme  von  Island
und  den  Faröern,  zahlbar  war;  "
(Tr.  6648.)  2)  in
        <pb n="866" />
        —  690  —

2)  in  6  Monaten,  wenn  der  Wechsel  in  den  Küstenländern  von  Asien  und
Afrika  längs  des  Mittelländischen  und  Schwarzen  Meeres,  oder  in  den
dazu  gehörigen  Inseln  dieser  Meere  zahlbar  war;

3)  in  18  Monaten,  wenn  der  Wechsel  in  einem  andern  außereuropäischen
Lande  oder  in  Island  oder  den  Faröern  zahlbar  war.

Die  Verjährung  beginnt  gegen  den  Inhaber  mit  dem  Tage  des  erhobenen
Protestes.

Artikel  79.

Die  Regreßansprüche  des  Indossanten  (Art.  51.)  gegen  den  Aussteller  und
die  übrigen  Vormänner  verjähren:
1)  in  3  Monaten,  wenn  der  Regreßnehmer  in  Europa,  mit  Ausnahme  von
Island  und  den  Faröern,  wohnt;)

2)  in  6  Monaten,  wenn  der  Regreßnehmer  in  den  Küstenländern  von  Asien
und  Afrika  längs  des  Mittelländischen  und  Schwarzen  Meeres,  oder  in
den  dazu  gehörigen  Inseln  dieser  Meere  wohnt;

3)  in  18  Monaten,  wenn  der  Regreßnehmer  in  einem  anderen  außereuropäischen
  Lande  oder  in  Island  oder  den  Faröern  wohnt.

Gegen  den  Indossanten  läuft  die  Frist,  wenn  er,  ehe  eine  Wechselklage
gegen  ihn  angestellt  worden,  gezahlt  hat,  vom  Tage  der  Zahlung,  in  allen
uͤbrigen  Fällen  aber  vom  Tage  der  ihm  geschehenen  Behändigung  der  Klage
oder  Ladung.

Artikel  80.

Die  Verjährung  (Art.  77—  79.)  wird  nur  durch  Behändigung  der  Klage
unterbrochen,  und  nur  in  Beziehung  auf  denjenigen,  gegen  welchen  die  Klage
grichtt  ist.  Jedoch  vertritt  in  dieser  Hinsicht  die  von  dem  Verklagten  geschehene

treitverkündigung  die  Stelle  der  Klage.

XIV.  Klagerecht  des  Wechselgläubigers.

Artikel  81.

Die  wechselmäßige  Verpflichtung  trifft  den  Aussteller,  Acceptanten  und
Indossanten  des  Wechsels,  so  wie  einen  Jeden,  welcher  den  Wechsel,  die  Wechselkopie,
  das  Accept  oder  das  Indossament  mitunterzeichnet  hat,  selbst  dann,  wenn
er  sich  dabei  nur  als  Bürge  (per  aval)  benannt  hat.  Die  Verpflichtung  dieser
Personen  erstreckt  sich  auf  Alles,  was  der  Wechselinhaber  wegen  Nichtelsüllung
der  Wechselverbindlichkeit  zu  fordern  hat.  Der  Wechselmhabel  kann  sich  wegen
seiner  ganzen  Forderung  an  den  Einzelnen  halten;  es  steht  in  seiner  Wahl,
welchen  Wechselverpflichteten  er.  zuerst  in  Anspruch  nehmen  will.  A
1n
        <pb n="867" />
        —  691  —

Artikel  82.

Der  Wechselschuldner  kann  sich  nur  solcher  Einreden  bedienen,  welche  aus
dem  Wechselrechte  selbst  hervorgehen  oder  ihm  unmittelbar  gegen  den  jedesmaligen

Kläger  zustehen.
Artikel  83.

Ist  die  wechselmäßige  Verbindlichkeit  des  Ausstellers  oder  des  Acceptanten
durch  Verjährung  oder  dadurch,  daß  die  zur  Erhaltung  des  Wechselrechts  gesehlich
vorgeschriebenen  Handlungen  verabsäumt  sind,  erloschen,  so  bleiben  dieselben  dem
Inheber  des  Wechsels  nur  so  weit,  als  sie  sich  mit  dessen  Schaden  bereichern
würden,  verpflichtet.  Gegen  die  Indossanten,  deren  wechselmäßige  Verbindlichkeit
erloschen  ist,  findet  ein  solcher  Anspruch  nicht  statt.

XV.  Ausländische  Gesetzgebung.

Artikel  84.

Die  Fähigkeit  eines  Ausländers,  wechselmäßige  Verpflichtun  en  zu  übernehmen,
  wird  nach  den  Gesetzen  des  Staats  beurthein,  welchem  enschor  angehört.
Jedoch  wird  ein  nach  den  Gesetzen  seines  Vaterlandes  nicht  wechselfähiger  Ausländer
  durch  Uebernahme  von  Wechselverbindlichkeiten  im  Inlande  verpflichtet,
insofern  er  nach  den  Gesetzen  des  Inlandes  wechselfähig  ist.

Artikel  85.

Die  wesentlichen  Erfordernisse  eines  im  Auslande  ausgestellten  Wechsels,
sowie  jeder  anderen  im  Auslande  ausgestellten  Wechselerklärung,  werden  nach
den  Gesetzen  des  Ortes  beurtheilt,  an  welchem  die  Erklärung  erfolgt  ist.  Entsprechen
  jedoch  die  im  Auslande  geschehenen  Wechselerklärungen  den  Anforderungen
es  inländischen  Geseaes  b  so  kann  daraus,  daß  sie  nach  ausländischen  gen
mangelhaft  sind,  kein  Einwand  gegen  die  Rechtsverbindlichkeit  der  später  im  Inlande
  auf  den  Wechsel  gesetzten  Erklärungen  entnommen  werden.  Ebenso  haben
Wechselerklärungen,  wodurch  sich  ein  Inländer  einem  anderen  Inländer  im  Auslande
  verpflichtet,  Wechselkraft,  wenn  sie  auch  nur  den  Anforderungen  der  inländischen
  Gesetzgebung  entsprechen.

Artikel  86.

Ueber  die  Form  der  mit  einem  Wechsel  an  einem  ausländischen  Platze  zur
Ausübung  oder  Ehaltmg  des  Wechselrechts  vorzunehmenden  Handlungen  entscheidet
  das  dort  geltende  Recht.

XVI.  Protest.
Artikel  87.

Jeder  Protest  muß  durch  einen  Notar  oder  einen  Gerichtsbeamten  auf-(Nr.
  6648.)  ge-
        <pb n="868" />
        —  692  —

genommen  werden.  Der  Zuziehung  von  Zeugen  oder  eines  Protokollführers
edarf  es  dabei  nicht.

Artikel  88.
Der  Protest  muß  enthalten:

1)  eine  wörtliche  Abschrift  des  Wechsels  oder  der  Kopie  und  aller  darauf
befindlichen  Indossamente  und  Bemerkungen;

2)  den  Namen  oder  die  Firma  der  Personen,  für  welche  und  gegen  welche
der  Protest  erhoben  wird;

3)  das  an  die  Person,  gegen  welche  protestirt  wird,  gestellte  Begehren,  ihre
Antwort  oder  die  Bemerkung,  daß  sie  keine  gegeben  habe  oder  nicht  anzutreffen
  gewesen  sei;

4)  die  Angabe  des  Ortes,  sowie  des  Kalendertages,  Monats  und  Jahres,
an  welchem  die  Aufforderung  (Nr.  3.)  geschehen,  oder  ohne  Erfolg  versucht
  worden  ist;

5)  im  Falle  einer  Ehrenannahme  oder  einer  Ehrenzahlung  die  Erwähnung,
von  wem,  für  wen  und  wie  sie  angeboten  und  geleistet  wird

6)  die  Unterschrift  des  Notars  oder  des  Gerichtsbeamten,  welcher  den  Proteft
aufgenommen  hat,  mit  Beifügung  des  Amtsfiegels.

Artikel  89.

Muß  eine  wechselrechtliche  Leistung  von  mehreren  Personen  verlangt  werden,
so  ist  über  die  mehrfache  Aufforderung  nur  eine  Protesturkunde  erforderlich.

Artikel  90.

Die  Notare  und  Gerichtsbeamten  sind  schuldig,  die  von  ihnen  aufgenommenen
  Proteste  nach  deren  ganzem  Inhalte  Tag  für  Tag  und  nach  Ordnung  des
Datums  in  ein  besonderes  Fuister  einzutragen,  das  von  Blatt  zu  Blatt  mit
fortlaufenden  Zahlen  versehen  ist.

XVII.  Ort  und  Zeit  für  die  Präsentation  und  andere  im  Wechselverkehr
  vorkommende  Handlungen.

Artikel  91.

Die  Präsentation  zur  Annahme  oder  Zahlung,  die  Protesterhebug,  die
Abforderung  eines  Wechselduplikats,  sowie  alle  sonstigen,  bei  einer  bestimmten
Person  vorzunehmenden  Akte  müssen  in  deren  Geschäftslokal,  und  in  Ermangelung
eines  solchen,  in  deren  Wohnung  vorgenommen  werden.  An  einem  anderen  Orte,
.  B.  an  der  Börse,  kann  dies  nur  mit  beiderseitigem  Einverständnisse  geschehen.
Daß  das  Geschäftslokal  oder  die  Wohnung  nicht  zu  ermitteln  sei)  ist  dann
        <pb n="869" />
        —  693  —

als  festgestellt  anzunehmen,  wenn  auch  eine  dieserhalb  bei  der  Polizeibehörde  des
Orts  geschehene  Nachfrage  des  Notars  oder  des  Gerichtsbeamten  fruchtlos  geblieben
ist,  welches  im  Proteste  bemerkt  werden  muß.

Artikel  92.

Verfällt  der  Wechsel  an  einem  Sonntage  oder  allgemeinen  Feiertage,  so
ist  der  nächste  Werktag  der  Zahlungstag.  Auch  die  Herausgabe  eines  Wechselduplikats,
  die  Erklärung  über  die  Annahme,  sowie  jede  andere  Handlung,  können
nur  an  einem  Werktage  gefordert  werden.  Fällt  der  Zeitpunkt,  in  welchem  die
Vornahme  einer  der  vorstehenden  Handlungen  spätestens  gefordert  werden  mußte,
auf  einen  Sonntag  oder  allgemeinen  Feiertag,  so  muß  diese  Handlung  am  nächsten
Werktage  gefordert  werden.  Dieselbe  Bestimmung  findet  auch  auf  die  Protesterhebung
  Anwendung.

Artikel  93.

Bestehen  an  einem  Wechselplatze  allgemeine  Zahltage  (Kassirtage),  so  braucht
die  Zahlung  eines  zwischen  den  Zahltagen  fällig  gewordenen  Wechsels  erst  am
nächsten  Zahltage  geleistet  zu  werden,  sofern  nicht  der  Wechsel  auf  Sicht  lautet.
Die  im  Artikel  41.  für  die  Aufnahme  des  Protestes  Mangels  Zahlung  bestimmte
Frist  darf  jedoch  nicht  überschritten  werden.

XVIII.  Mangelhafte  Unterschriften.

Artikel  94.

Wechselerklärungen,  welche  statt  des  Namens  mit  Kreuzen  oder  anderen
Zeichen  vollzogen  sind,  haben  nur  dann,  wenn  diese  Zeichen  gerichtlich  oder  notariell
beglaubigt  worden,  Wechselkraft.

Artikel  95.

Wer  eine  Wechselerklärung  als  Bevollmächtigter  eines  Anderen  unterzeichnet,
ohne  dazu  Vollmacht  zu  haben,  haftet  persönlich  in  gleicher  Weise,  wie  der  angebliche
  Machtgeber  gchasee!  haben  würde,  wenn  die  Vollmacht  ertheilt  gewesen
wäre.  Dasselbe  gilt  von  Vormündern  und  anderen  Vertretern,  welche  mit  Ueberschreitung
  ihrer  Befugnisse  Wechselerklärungen  ausstellen.

Dritter  Abschnitt.
Von  eigenen  Wechseln.

Artikel  96.
Die  wesentlichen  Erfordernisse  eines  eigenen  (trockenen)  Wechsels  sind:
1)  die  in  den  Wechsel  selbst  aufzunehmende  Bzeichnung  als  Wechsel,  oder,
Johrgong  1867.  (Nr.  6648.  9  wenn
        <pb n="870" />
        —  694  —
wenn  der  Wechsel  in  einer  fremden  Sprache  ausgestellt  ist,  ein  jener
Bezeichnung  entsprechender  Ausdruck  in  der  fremden  Sprachej;
2)  die  Angabe  der  zu  zahlenden  Geldsumme;
3)  der  Name  der  Person  oder  die  Firma,  an  welche  oder  an  deren  Order
der  Aussteller  Zahlung  leisten  will
4)  die  Bestimmung  der  Zeit,  zu  welcher  gezahlt  werden  soll  (Art.  4.  Nr.  4.)
5)  die  Unterschrift  des  Ausstellers  mit  seinem  Namen  oder  seiner  Firma;
6)  die  Angabe  des  Ortes,  Monatstages  und  Jahres  der  Ausstellung.

Artikel  97.

Der  Ort  der  Ausstellung  gilt  für  den  eigenen  Wechsel,  Hnsofen  nicht  ein
besonderer  Zahlungsort  angegeben  ist,  als  Zahlungsort  und  zugleich  als  Wohnort
des  Ausstellers.

Artikel  98.

Nachstehende,  in  diesem  Gesetze  für  gezogene  Wechsel  gegebene  Vorschriften
gelten  auch  für  eigene  Wechsel:

1)  die  Artikel  5.  und  7.  über  die  Form  des  Wechsels;

2  die  Artikel  9.  bis  17.  über  das  Indossament;

3)  die  Artikel  19.  und  20.  über  die  Präsentation  der  Wechsel  auf  eine  Zeit
nach  Sicht  mit  der  Maaßgabe,  daß  die  Präsentation  dem  Aussteller

geschehen  muß;  -.  *

4)  der  Artikel  29.  über  den  Sicherheitsregreß  mit  der  Maaßgabe,  daß  derselbe
  im  Falle  der  Unsicherheit  des  Ausstellers  stattfindet;

5)  die  Artikel  30.  bis  40.  über  die  Zahlung  und  die  Befugniß  zur  Depo.
siton  des  fälligen  Wechselbetrages  mit  der  Maaßgabe,  daß  letztere  durch

en  Aussteller  geschehen  kann  ·

6)  die  Artikel  41.  und  42.,  sowie  die  Artikel  45.  bis  55.  über  den  Regreß
Mangels  Zahlung  gegen  die  Indossanten;

7)  die  Artikel  62.  bis  65.  über  die  Ehrenzahlung;

8)  die  Artikel  70.  bis  72.  über  die  Kopien;

9)  die  Artikel  73.  bis  76.  über  abhanden  gekommene  und  falsche  Wechsel
mit  der  Maaßzabe,  daß  im  Falle  des  Artikel  73.  die  Zahlung  durch  den
Aussteller  erfolgen  muß;  «-10)

  die  Artikel  78.  bis  96.  über  die  allgemeinen  Grundsätze  der  Wechselverjährung,
  die  Versährung  der  Regreßansprüche  gegen  die  Indossanten,
das  Küßerccht  des  Wechselgläubigers,  die  ausländischen  Wechselgesetze,
den  Prokest,  den  Ort  und  die  Zeit  für  die  Präsentation  und  e  im

sel-
        <pb n="871" />
        —  695  —

Wechselverkehr  vorkommende  Handlungen,  sowie  über  mangelhafte
Unterschriften.
Artikel  99.

Eigene  domizilirte  Wechsel  sind  dem  Domiziliaten  oder,  wenn  ein  solcher
nicht  benannt  ist,  dem  Aussteller  selbst  an  demjenigen  Orte,  wohin  der  Wechsel
domizilirt  ist,  zur  Zahlung  zu  präsentiren  und,  wenn  die  Zahlung  unterbleibt,
dort  zu  protestiren.  Wird  die  rechtzeitige  Protesterhebung  beim  Domiziliaten  verabsäumt,
  so  geht  dadurch  der  wechselmäßige  Anspruch  gegen  den  Aussteller  und
die  Indossanten  verloren.  s-Bei

  nicht  domizilirten  eigenen  Wechseln  bedarf  es  zur  Erhaltung  des
Wechselrechtes  gegen  den  Aussteller  weder  der  Präsentation  am  Zahlungstage,  noch
der  Erhebung  eines  Protestes.

Artikel  100.

Der  wechselmäßige  Anspruch  gegen  den  Aussteller  eines  eigenen  Wechsels
verjährt  in  drei  Jahren,  vom  Versollünge  des  Wechsels  an  gerechnet.

1

Aulage  B.

Die  in  den  88.  103.  bis  119.  der  Wechselordnung  für  das  Herzogthum
Holstein  vom  23.  Februar  1854.  über  das  Verfahren  in  Wechselsachen
enthaltenen  Vorschriften.

*“-Die

  Wechselklage  kann  mündlich  oder  schriftlich  von  dem  Kläger  in  Person
oder  durch  einen  Bevollmächtigten  angebracht  werden.  Die  zur  Begründung  der
Klage  dienenden  Urkunden,  namentlich  Wechsel  und  Proteste,  sind  gleichzeitig  mit
der  Klage  im  Original  und  in  Abschrift  zu  übergeben.

er  Antrag  ist  darauf  zu  richten,  den  Beklagten  zur  Anerkennung  seiner
Unterschrift,  demnächst  aber  zur  Schlang  oder  Erfüllung  seiner  sonstigen  Verbindlichkeit
  nach  Wechselrecht  anzuhalten.

K.  104.

Wird  nicht  der  Wechselprozeß  sofort  vom  Gericht  für  unstathat  erklärt,
und  daher  die  Klage  angebrachtermaßen  abgewiesen,  so  it  ein  mög  icht  naher,
auf  keinen  Fall  aber  in  den  Städten  über  2  und  in  den  Landdistrikten  über
8  Tage  auszusetzender  Termin  anzuberaumen,  und  der  Slise  unter  abschriftlicher
  Mittheilung  der  eingereichten  oder  bei  der  Behörde  zu  Protokoll  gegebenen
Klage  und  deren  Anlagen  vorzuladen,  um  sich  in  dem  Termin  über  seine  Unter-(r.

  6648.)  927  schrift
        <pb n="872" />
        —  696  —

schrift  zu  erklären  und  gerichtlichen  Spruch  zu  gewärtigen.  Der  Antrag  auf
Verhängung  eines  vorläufigen  Personal=  oder  Real-Arrestes  zur  Sicherheit  ist
auch  wegen  Wechselforderungen  nur  dann  statthaft,  wenn  die  nach  allgemeinen
Rechtsgrundsätzen  dazu  erforderlichen  Voraussetzungen  vorhanden  sind.

K.  105.

Auf  Antrag  des  Betlagten  darf  der  anberaumte  Termin  nur  dann  ausgesetzt
  werden,  wenn  derselbe  Umstände  bescheinigt,  welche  ihm  nicht  allein  das
versönliche  Erscheinen,  sondern  auch  die  Bevollmächtigung  und  Instruirung  eines
nderen  unmöglich  machen.
S.  106.

Erscheint  der  Beklagte  in  dem  Termine  nicht,  so  wird  unter  Verurtheilung
desselben  in  die  Terminskosten  eine  zweite  Citation,  in  den  Städten  auf  den
folgenden  Tag,  in  den  Landdistrikten  aber  auf  längstens  dreimal  24  Stunden  unter
er  Verwarnung  wider  ihn  abgegeben,  daß  beim  abermaligen  Ausbleiben  seine
Unterschrift  für  anerkannt  unghehen  und  er  seiner  Einreden  wider  den  Wechsel
für  verlustig  erklärt  werden  wird.

Beim  Ausbleiben  in  diesem  Termin  ist  der  Beklagte  auf  Antrag  des
Klägers  zur  Erfüllung  seiner  Verbindlichkeit  innerhalb  dreier  Tage  bei  Vermeidung
der  Wechselexekution  unter  Erstattung  der  in  dem  Erkenmtniß  zu  bestimmenden
Kosten  zu  verurtheilen.  "-§·107.



Im  Termine  müssen  beide  Theile  persönlich  oder  durch  hinlänglich  Be-Fnch
  erscheinen.  Die  Vertretung  durch  Advokaten  ist  den  Parteien  zu
gestatten.

K.  108.

Erscheint  der  Beklagte  und  erkennt  er  ohne  Einreden  die  Richtigkeit  seiner
Unterschrift  an,  so  wird  er  sofort  zur  Erfüllung  seiner  Verbindlichkeit  unter  Erstattung
  der  in  dem  Erkenntniß  zu  bestimmenden  Kosten  innerhalb  dreier  Tage
bei  Vermeidung  der  Wechselexekution  verurtheilt.

C.  109.

Leugnet  dagegen  der  Beklagte,  ohne  Einreden  vorzuschützen,  seine  Unterschrift
  des  Wechsels,  des  Indossaments,  oder  des  Accepts  ab,  und  erbietet  sich
zur  eidlichen  Diffession  derselben,  so  wird  zur  Leistung  des  Eides  ein  anderweitiger
  naher,  nicht  über  3  Tage  zu  erstreckender  Termin  angesetzt,  nach  abgeleistetem
  Eide  aber  der  Beklagte  von  der  Wechselklage  entbunden  und  der  Kläger
in  die  Kosten  verurtheilt.  ill  der  Kläger  den  Beklagten  den  Diffsionseid
nicht  schwören  lassen,  so  steht  ihm  frei,  unter  Erstattung  der  Kosten  das  Wechselverfahren
  fallen  zu  lassen  und  sein  Recht  im  ordentlichen  Prozesse  auszuführen.
Beweis  durch  Vergleichung  der  Handschrift  ist  im  Wechselprozesse  vnzuläsig  0
        <pb n="873" />
        —  697  —

S.  110.

Von  verzögerlichen  Einreden  sind  nur  diejenigen  zulässig,  welche  auf  die
Inkompetenz  des  Gerichts,  die  mangelnde  Legitimation  zur  Sache  oder  zum
Prozeß,  auf  wesentliche  Fehler  der  Klage  oder  der  Ladung,  oder  endlich  auf  die
mangelnde  Fälligkeit  der  Forderung  selbst  gestützt  werden,  insofern  sie  sofort  erweislich
  sind.

Die  Einrede  der  fehlenden  Sicherheit  wegen  der  Prozeßkosten  und  Widerklage
  ist  unstatthaft.

.

Von  zerstörlichen  Einreden  sind  nur  zulässig,  insofern  dieselben  aus  dem
Wechsel  oder  sonst  liquide  oder  durch  Urkunden,  Augenschein  oder  Geständniß
sofort  erweislich  sind:

1)  diejenigen,  welche  aus  der  Unvollständigkeit  des  Wechsels,  oder  aus  der
unterlassenen  Beobachtung  des  zur  Aufrechthaltung  der  Gultigkeit  der
Wechselforderung  vorgeschriebenen  Verfahrens  erwachsen;

2)  die  Einrede  der  mangelnden  Wechselfähigkeit;

3)  die  Einrede  der  vorgenommenen  Fälschung  des  Wechsels  nach  geschehener
Unterschrift  des  Beklagten;

4)  sonstige  zerstörliche  Einreden,  welche  aus  der  Person  des  Beklagten  unmittelbar
  gegen  den  Kläger  selbst  gerichtet  sind.

Alle  anderen  peremtorischen  Einreden  werden  zur  besonderen  Ausführung
verwiesen,  ohne  daß  deshalb  dem  Kläger,  insofern  er  nicht  ein  Ausländer  ist,
eine  Kaution  auferlegt  werden  darf.

Beweis  durch  Abhörung  von  Zeugen  und  Eidesdelationen  wider  den  Kläger
sind  in  diesem  Verfahren  nicht  statthaft.

K.  112.

Eine  Verpflichtung  des  Klägers  zur  Urkunden-Edition  oder  zur  Ableistung
des  Editionseides  findet  im  Wechselprozeß  nicht  statt.

S.  113.

Ein  schriftliches  Verfahren  zwischen  den  Parteien  ist  nicht  zuzulassen,  doch
darf  der  Beklagte  im  Termin  eine  schriftliche  Vernehmlassung  übergeben,  die  vom
Gericht  zu  verlesen  und  dem  Protokoll  anzulegen  ist.

Nach  beendigter  mündlicher  Verhandlung,  deren  wesentlicher  Inhalt  zu
Mootokoll  zu  nehmen,  ist  das  Erkenntniß  sofort,  oder  in  einem  neuen,  den  Par.
teien  sogleich  bekannt  zu  machenden  Termine  abzugeben,  welcher  jedoch  auch  in
verwickelten  Fällen  nicht  über  3  Tage  binautsgesegt  werden  darf.

In  dem  Erkenntniß  ist  zugleich  über  die  Kosten  zu  entscheiden  und  der
Betrag  zu  erstattender  Kosten  ist  im  Termin  zu  liquidiren.

(Nr.  6648.)  5.  114.
        <pb n="874" />
        —  698  —

KC.  114.

Wird  der  Beklagte  zur  Zahlung  oder  Erfüllung  einer  sonstigen  Wechselverbindlichkeit
  verurtheilt,  so  ist  dem  Erkenntnisse  innerhalb  dreier  Tage  bei  Vermeidung
  der  Wechselexekution  Folge  zu  leisten.

S.  115.

Die  Wechhselexekution  besteht  in  der  persönlichen  Haft  des  Beklagten,
welche  nach  fruchtlosem  Ablauf  der  3  Tage  (G.  114.)  auf  Antrag  des  Klägers
sofort  zu  vollziehen  ist.

Der  Beklagte  ist  in  diesem  Falle  in  bürgerlichen  Arrest  zu  setzen.

Kantionslehlung  oder  theilweise  Bezahlung  befreit  nicht  vom  Arreste.

Kann  der  Schuldner  sich  selbst  im  Dre  nicht  unterhalten,  so  hat  der
Gläubiger  die  nach  richterlichem  Ermessen  zu  bestimmenden  Unterhaltungskosten
von  Zeit  zu  Zeit  vorzuschießen,  auch  zu  dem  Ende  Fepleich  Anfangs  Kaution  zu
bestellen.  Sobald  der  Gläubiger  den  Vorschuß  nicht  mehr  lesst,  wird  der
Schuldner  aus  dem  Arrest  entlassen.

K.  116.

Der  Wechselarrest  dauert  in  der  Regel  so  lange,  bis  der  Gläubiger  vollständig
  befriedigt  ist,  oder  in  die  Aufhebung  desselben  einwilligt,  oder  mit  der
eistung  des  beimntten  Vorschusses  zu  den  Unterhaltungskosten  inne  hält.
Wenn  jedoch  der  Schuldner  seine  Güter  den  Gläubigern  abtritt,  oder  über
das  Vermögen  desselben  Konkurs  erkannt  wird,  so  ist  er  aus  dem  Wechselarreste
zu  entlassen.

C.  117.

Auf  die  Exekution  in  das  Mobiliar  oder  Immobiliarvermögen  des  Beklagten
  nach  den  darüber  bestehenden  gesetzlichen  Vorschriften  kann  der  Kläger
auch  dann  antragen,  wenn  er  persönlichen  Arrest  verlangt  hat,  und  ist  dieser  dann
unverzüglich  zu  vollstrecken.

He  Lulässigkeit  der  Verhängung  des  Realarrestes  ist  nach  den  Vorschriften
des  §.  104.  zu  beurtheilen.

Wider  Wechselschuldner,  welche  vom  persönlichen  Arrest  befreit  sind  (§.  2.),
ist  nur  die  Exekution  in  das  Vermögen  zulässig.

.  118.

Wider  Erkenntnisse  im  Wechselprozesse  ist  nur  das  Rechtsmittel  der  Supplikation
  an  das  betreffende  Oberdikasterium  zulässig,  welches  entweder  gleich  nach
Publikation  des  Erkenntnisses  mündlich,  oder  innerhalb  dreier  Tage,  vom  Tage  der
Publikation  desselben  erechnet,  schriftlich  zu  interponiren  und  bei  Verlust  deseelben
binnen  einer,  keiner  Verlängerung  fähigen  Frist  von  drei  Wochen  zu  prosequiren
ist.  Die  Rekursschrift  das  vor  Ablauf  der  Frist  bei  dem  judicio  a  quo  zur
Beförderung  an  das  Obergericht  eingereicht  werden.  9

t
        <pb n="875" />
        —  699  —

Für  Altona  ist  wider  solche  Erkenntnisse  nur  die  Provokation  an  den  dortigen
  Ait  nach  den  näheren  Vorschriften  der  Verfügung  vom  21.  Oktober
gestattet.
enn  die  Wechselsumme  8  Thlr.  R.  M.  nicht  übersteigt,  findet  überhaupt
kein  Rekurs  wider  das  Erkenntniß  statt.  ·  ·-§.119.



Das  Rechtsmittel  der  Supplikation  oder  die  Provokation  von  Seiten  des
verurtheilten  Beklagten  hat  nur  dann  Suspenfiveffekt,  wenn  der  Beklagte  die
Wechselsumme  nedt  Kosten  und  Zinsen  bis  zur  Erledigung  des  eingewandten
Rechtsmittels  gerichtlich  deponirt  oder  in  dieser  Beziehung  eine  nach  richterlichem
Ermessen  ausreichende  Kaution  leistet.  —

 

(Nr.  6649.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  6.  Mai  1867.,  betreffend  die  Ausübung  der  Gerichtsbarkeit
  in  den  an  die  Kronc  Preußen  abgetretenen,  vormals  Königlich
Bayerischen  Gebietstheilen,  außer  der  Enklave  Kaulsdorf.

Aw½  Ihren  Bericht  vom  29.  April  d.  J.  bestimme  Ich  im  Ancschlusse  an
Meine  Order  vom  22.  Dezember  v.  J.  (Gesetz-Samml.  für  1867.  S.  6.  und  7.)
was  folgt:  »

1)  Die  Landgerichte  in  Orb,  Weyhers  und  Hilders  werden  unter  der  Bezeichnung
  Königlicher  Justizämter,  das  erstere  dem  Bezirke  des  Obergerichts
  zu  Hanau,  die  beiden  letzteren  dem  des  Ober  nüsche  zu  Fulda
dergestalt  einverleibt,  daß  über  die  Zuständigkeit  der  Gerichte,  ihre  Zusammensetzung
  und  das  rozessnalische  Verfahren  in  Civil=  und  Strafsachen
  diejenigen  Gesetze,  Verordnungen  und  sonstigen  Normen  entscheiden,
welche  in  den  Bezirken  der  genannten  Obergerichte  gelten.

2)  Die  Wahl  der  zur  Verhandlung  und  Aburtheilung  untergerichtlicher
Strafsachen  heranzuziehenden  Schöffen  erfolgt  bis  auf  Weieeres  durch  die
Ortsvorstände  des  Gerichtsbezirks  unter  dem  Vorsitz  des  Justizbeamten.

3)  In  Betreff  der  Anwaltsgebühren,  der  Stempel=  und  soligen  Gerichtskosten
  in  Straf-  und  Prozeßsachen,  sowie  der  Art  und  Weise  ihrer  Erhebung
  kommen  die  unter  1.  bezeichneten  Vorschriften  gleichfalls  zur
Anwendung.

Sie,  der  Justhmirister  b  werden  ermächtigt,  die  zur  Ausführung  dieser
Meiner  Order  erforderlichen  Anordnungen  zu  erlassen.
Berlin,  den  6.  Mai  1867.

Wilhelm.

Gr.  zur  Lippe.
An  den  Justizminister.

 

(Nr.  6648—6650.)  (Nr.  6650.)
        <pb n="876" />
        (Nr.  6650.)  Verordnung,  betreffend  die  Justizverwaltung  und  die  Einführung  der  im
Landgerichtsbezirk  Coblenz  geltenden  Gesetze  in  dem  vormals  Hessen-Homburgschen
  Oberamt  Meisenheim.  Vom  13.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

verordnen  hiermit  Folgendes:
F.  1.

Das  bisher  zur  Landgrafschaft  Hessen-Homburg  gehörige  Oberamt  Meisenheim
  soll  vom  1.  Juli  d.  J.  ⅛  einen  besonderen  idenssgerschtsbeir  bilden
und  in  Beziehung  auf  Kompetenz  und  Verfahren  der  Justisbegörden  so  angesehen
und  behandelt  werden,  wie  ein  bisher  schon  zum  Landgerichte  Coblenz,  beziehungsweise
  zum  Untersuchungsamte  Simmern  getöriges  Friedensgericht.

§.  2.

Alle  seit  dem  5.  April  1815.  ergangenen,  das  Civil=  und  Strafrecht,  sowie
die  Civil=  und  Strafrechts  flege  siuchnen  Gesetze,  Verordnungen  und.  Bestimmungen,
  welche  in  dem  Landgerichtsbezirk  Coblenz  Gesetzeskraft  haben,  werden
hierdurch  mit  derselben  Wirkung  vom  I.  Juli  d.  J.  ab  in  dem  bisherigen  Bezirk
des  Oberamts  Meisenheim  für  eingeführt  erklärt  und  dagegen  die  seit  jenem  Zeitunkte

  von  der  Landgräflich  Homburgischen  und  der  Großherzoglich  Hessischen
Regierung  in  den  angegebenen  Beziehungen  erlassenen  Gesetze,  Verordnungen  und
Besimmm#ngen  aufarl  en.

K.  3.

Mit  der  Ausführung  der  hiernach  erforderlichen  Anordnungen  wird  der
Justizminister  beauftragt.

Lerhndih  Uu#ter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  13.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.

·.  ——  —

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hefbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="877" />
        —  701  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

e  se  Nr.  44.  —

(Nr.  6651.)  Verordnung,  betreffend  die  Küstenfrachtfahrt  in  den  Herzogthümern  Schleswig
und  Holstein.  Vom  9.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.
Preußischen  Schiffen  jeder  Größe  ist  fortan  die  Küstenfrachtfahrt  im  Herzogthum
  Holstein  gestattet.
§.  2.
Die  in  dem  Königlich  Dänischen  Plakate  vom  1.  September  1819.  und
im  F.  18.  der  Königlich  Dänischen  Zollverordnung  vom  1.  Mai  1838.  vorgeschriebenen
  Beschränkungen  der  Küstenfrachtfahrt  treten  in  den  Herzogthümern
Schleswig  und  Holstein  zu  Gunsten  derjenigen  Länder  außer  Anwendung,  deren
Schiffe  zur  Ausübung  der  Küstenfrachtfahrt  in  den  älteren  Provinzen  Unserer
Monarchie  zugelassen  —8
zerhunh  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Infiegel.
Gegeben  Berlin,  den  9.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Jahezang  1867.  (Nr.  6651—6652.)  93  (Nr.  6652.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  26.  Mai  1867.
        <pb n="878" />
        —  702  —

(Nr.  6652.)  Verordnung,  betreffend  die  Wahl  der  Geschworenen  im  Gebiete  der  ehemaligen
  freien  Stadt  Frankfurt.  Vom  11.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc§

verordnen  für  das  Gebiet  der  seitherigen  freien  Stadt  Frankfurt,  was  folgt:

Artikel  1.

Die  Bestimmungen  in  Artikel  185.  186.  und  187.  des  Frankfurter
Gesetzes  über  das  Verfahren  in  Strafsachen  vom  16.  September  1856.  werden
aufgehoben.

Artikel  2.

Zum  Zwecke  der  Wahl  der  Geschworenen  wird  von  dem  Regierungs-Präsidenten
  eine  Liste  von  vierhundert  zum  Amte  eines  Geschworenen  tauglichen
Personen  aufgestellt.  Artikel  3

rtikel  3.

Diese  Liste  wird  dem  Präsidenten  de5  Appellationsgerichts  übersendet,
welcher  daraus  zweihundert  Geschworene  zu  wählen  hat.

Artikel  4.
Das  Ergebniß  der  Wahl  ist  sofort  dem  Appellationsgericht  mitzutheilen
und  von  diesem  in  dem  Amtsblatt  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen.
Artikel  5.

Die  Aufstellung  der  Liste  der  Geschworenen  für  das  Jahr  1867.  durch
den  Regierungspräsidenten  erfolgt  soott  nach  Verkündigung  dieser  Verordnung.
Der  Regierungspräsident  hat  diese  Liste  binnen  8  Tagen  dem  Präsidenten  des
Appellationsgerichts  zuzustellen,  welcher  die  Auswahl  der  Geschworenen  sofort
vorzunehmen  hat.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  11.  Mai  1867

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Xr.  6653.)
        <pb n="879" />
        —  703  —

Jr.  6653.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Gesetzes  vom  25.  April  1853.  in
die  neu  erworbenen  Landestheile.  Vom  23.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.
verordnen  für  die  mit  Unserer  Monarchie  durch  die  Gesetze  vom  20.  September
und  24.  Dezember  1866.  vereinigten  Landestheile,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,
  was  folgt:

Das  Geleh  für  die  Preußischen  Staaten  vom  25.  April  1853.  (Gesetz-Samml.
  für  1853.  S.  162.)  erlangt  in  den  mit  Unserer  Monarchie  durch  die
Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  vereinigten  hawdestheilen
mit  dem  Tage,  an  welchem  das  diese  Verordnung  enthaltende  Stück  der  Gesetz-Sammlung
  ausgegeben  wird,  Gesetzeskraft  und  tritt  das  Kammergericht  an  die
Stelle  der  in  genen  Landestheilen  bis  dahin  mit  der  Untersuchung  und  Entscheidung
der  Staatsverbrechen  befaßten  Behörden.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  23.  Mai  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6654.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  13.  Mai  1867.,  betreffend  die  Ermäßigung  des  in  dem
Hafen  von  Pillau  zu  entrichtenden  Hafengeldes.

A#  Ihren  Bericht  vom  3.  Mai  d.  J.  bestimme  Ich,  daß  das  in  dem  Hafen

von  Pillau  nach  dem  Tarife  vom  18.  Oktober  1838.  (Gesetz=  Samml.  S.  524.)

und  Meinem  Erlaß  vom  10.  April  1865.  (Gesetz-Samml.  S.  276.)  zu  entrichtende
afengeld  vom  15.  Mai  d.  J.  ab  von  allen  seewärts  ein=  und  ausgehenden
chiffen  und  Fahrzeugen:

beim  Eingange  mit  4  Sgr.,

wenn  sie  beladen  find  beim  Ausgange  mit  4  Sgr.,

*  im  Ei  it  2
wenn  sie  Ballast  führen  oder  leer  sind  beim  ange,  atxp  2  #

für  die  Last  Tragfähigfeit  erhoben  werde.  In  denjenigen  Fällen,  in  welchen  nach
Meinem  Erlaß  vom  13.  April  1863.  (Gesetz  Samml.  S.  168.)  unter  1  a.  und  b.
die  Ermäßigung  des  Hafengeldes  in  Pillau  auf  ein  Drittheil  des  bisherigen
tarifmäßigen  Betrages  eintreten  soll,  ist  fortan  nur  eine  Ermäßigung  auf  die

(Xr.  6653—6655.)  Hälfte
        <pb n="880" />
        —  704  —
älfte  des  nunmehrigen  Hafengeldes  zu  gewähren.  Im  Uebrigen  bleiben  die  begaalhten
  l—5  nn

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß
zu  bringen.

Berlin,  den  13.  Mai  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6655.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  13.  Mai  1867.,  betreffend  die  Ermäßigung  der  Schifffahrtsabgaben
  in  der  Stadt  Königsberg.

A#  Ihren  Bericht  vom  3.  Mai  d.  J.  bestimme  Ich,  was  folgt:

1)  das  nach  dem  Tarife  vom  10.  April  1865.  (Gesetz-Samml.  S.  277.)
unter  Nr.  I.  in  der  Stadt  Königsberg  zu  entrichtende  Pregelmündungsgeld
  wird  vom  15.  Mai  d.  J.  ab  nicht  ferner  erhoben;

2)  das  nach  dem  vorgedachten  Tarife  unter  Nr.  II.  zu  entrichtende  Stromund
  Pfahlgeld,  sowie  das  nach  Nr.  III.  desselben  Tarifs  zu  erlegende
Brückenaufzugsgeld  wird  vom  15.  Mai  d.  J.  ab  auf  die  Hälfte  der  bisher
  vorgeschriebenen  Sie  ermäßigt.  Im  Uebrigen  behält  es  bei  den
Bestimmungen  des  Tarifs  vom  10.  April  1865.,  dessen  Revision  von
fünf  zu  fünf  Jahren  vorbehalten  bleibt,  sein  Bewenden.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß
zu  bringen.  n.
Berlin,  den  13.  Mai  18607.

Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Käniglichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="881" />
        —  705  —

Gesetz-Sammlung
für  die
Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

JNr.  45.  —

 

(Nr.  6656.)  Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  des  Finanz-Etats  für  die  im  §.  1.  unter
Nr.  1.  bis  3.  des  Gesetzes  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz.  Samml.
S.  876.)  bezeichneten  ehemals  Königlich  Bayerischen  Gebietstheile  auf  das
Jahr  1867.  Vom  II.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:
e
Der  dieser  Verordnung  als  Anlage  beigefügte  Finanz-Etat  für  die  ehemals
Königlich  Bayerischen  Gebietstheile  auf  das  Saht  1867.  wird  ·
in  Einnahme
auf  296,750  Gulden,
in  Ausgabe
a  296,750  Gulden,  nämlich
auf  280,079  Gulden  an  fortdauernden  und
auf  16,671  Gulden  an  außerordentlichen  und  künftig  wegfallenden
  Ausgaben,
vorbehaltlich  der  nachträglichen  Zustimmung  der  beiden  Häuser  des  Landtages  für
die  Zeit  vom  1.  Oktober  bis  31.  Dezember  d.  J.,  hierdurch  festgestellt.
5.  2.
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.
Lechemhch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  11.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.
Jahrgang  1867.  (Nr.  6656.)  94  Fi-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  29.  Mai  1867.
        <pb n="882" />
        Finanz-Etat

für
die  im  §.  1.  unter  Nr.  1.  bis  3.  des  Gesetzes  vom  24.  Dezember
1866.  (Gesetz  Samml.  S.  876.)  bezeichneten  ehemals  Königlich
Bayerischen  Gebietstheile  auf  das  Jahr  1867.

 

 

 

 

Betrag
*  Einnahmec.  für
2  1867.
8
3..
I.  Steuerverwaltung.
1.  Direkte  Steuern.
1.)Grundsteuer219999  ..  .  .  ...  34,710
2.  Läuser  eeeer  ..  .  .  .  .  3,329
3.Gewerbesteueerraa  .  ...  .  ...  4,151
4.Kapitalrentensteener  ..  ..............  1,148
5.Einkommensteeer  1,290
Summa  Kapitel  1  44,628
2.  Indirekte  Steuern.
1.  ZSöleleleleleeleennnnnnn  31,675
2.Rübenzuckerstueer  ..  12,600
3.Stembbee  ...  2,835
4.Branntwein=  und  Biersteer  .  ..  10,318
5.  Uebergangs-Abgabe  von  Branntweieien  .  .  ...  2,275
6.Uebergangs-Abgabe  von  Beeer  ....  525
7.  Cheußergulder  ........................................  760
8.Schiffahrtsabgaben  auf  der  Sall  ...  254
Summa  Kapitel  2.  .  .  ..  .  4619242
Summa  I.  .....  105,870
        <pb n="883" />
        707  —

 

 

 

 

 

 

Betrag
25  Einnahme.  für
1867.
5
J1.
II.  Domainen  und  Forsten.
3.  Eigentliche  Domanial-Einkünfte.
1.Ständige  und  unständige  Gefälll  .  .  .  ...  16,844
2.|Pachtzinen  2,259
3.Von  Triften  und  Schäferei-Gerechtigkeitien  354
Summa  Kap.  3  19,457
4.  Forsten.
1.Forstnutzungen,  einschließlich  des  Hauerlohnes,  der  Strafen
  und  des  Werth-  und  Schadenersatzs  105,875
2.Eingezogenes  Diensteinkommemen  439
Summa  Kapitel  4  106,314
5.  Jagden............................·...............  238
6.  Fischereien  ..  .  .  ...  147
«  Summall......  126,156
III.  Berg-,  Salz-Werke.
7..Ausbeute-Ablieferungen  von  Privatwerkr..  ...  322
2.  Von  der  Saline  zu  Ob  .  .  ...  ...  .  ...  42,970
Summa  III.  .....  43,292
IV.  Sonstige  Einnahmen.
8..Straf=  und  Konfiskationsgelder  außer  den  unter  Kapitel  4.  4
Titel  1.  aufgeführten  Forststrafrffen  ..  1,372
2.rsetzte  Kosten:
a)  Vorschußkosten  in  Strafsahen  222
b)  Atzungskofsfeenn  152
Seite.  1/746

Tr.  6656.)
        <pb n="884" />
        —  708  —

 

 

 

 

 

Betrag
**i*-*  Einnahme.  für
352  1867.
—
02—
Uebertrag  ..  .  ..  1,746
3.Vermischte  Einnahmen:
a)  *  des  Gerichts,  Notars-,  Bezirks  und  Rentums..........................................
  15,306
b)  Kreisumlaggeen  .  ...  .  .  .  4,218
c)  Sonstige  und  zufällige  Einnahmen  ..  .  .  .  ..  .  .  .  .  .  .  ..  162
Summa  IV.  ..  ...  21432
Wiederholung.
I.  Steuerverwaltgngngng  .  .....  .  .  .  .  .  ...  105,870
II.  Domainen  und  Forsten  .  ...  126,156
III.  Berg=  und  Salzwerkkeeee  ...  .  .  .  .  .  .  ..  13,292
IV.  Sonstige  Einnahmen  21,432

296,750
        <pb n="885" />
        709

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Betrag  für  1867.
Fort.  os
rt·  tli
2  7  Aus  9  0#  be.  dauernde  zrse
—  h  wegfallende
5  Ausgaben.  Abspabeme
gl.  zl.
I.  Obere  Landesverwaltung.
1.  Besoldungen,  Remunerationen  und  ver-  .
schiedene  andere  Ausgaben  50000  —
II.  Rechtspflege.
2.  Besoldungen  bei  den  Landgerichten  15,724  —
3.  Kosten  der  Geschäfts-  und  Gefängniß—
Lokale.
1.)Brandsteeerrr  ..  .  .  .  .  .  .  .  ..  44  —
2.  Baukosten  ..  .  .  ..  656  —
Summa  Kapitel  3.  .  .  .  ..  700  —
4.  Unständige  Dienstkoten  .  ..  4,812  —
5.  Besondere  Kosten  der  Strafrechtspflege.

1.]  Verpflegungs=  2c.  Kosten  1,435  —
2.Untersuchungskosen  901  —
Summa  Kapitel  S.  2/336  —
6.  Unvorhergesehene  Ausgaben  .  .  ..  525  —
Summa  II.  .  .  .  .  .  *——  —
III.  Innere  Landesverwaltung.
7.  Kreis=  und  Bezirks-Beamte.
1.)Besoldungen,  Diäten  und  Dienstaufwandskosten  5/446  2,905
2.Rekrutirungskosten  .  ...  151  —
Summa  Kapitel  7  5595
8.  Kosten  der  Gendarmerie  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  4,620  —
9.  Beiträge  zu  den  Dotationen  der  Prediger
und  sonstigen  Kirchendienerstellen  2c.  7/,984  —

 

 

(Nr.  6656.)
        <pb n="886" />
        Betrag  für  1867.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Außer-—
  Fort.  dentli
—*  Aus  9##  be.  dauernde  rarenche
Ausgaben.  wegfallende
S  Ausgaben.
gI.  ͤl
10.  Medizinalverwaltung.
1.Physiker  1,916  —
2.  eis-Thierärzte  ....  ..  .  ..  .  ......  ...  ...  .  ..  775  —
Summa  Kapitel  10  2,691  —
11.1  Staats-Bauwesen.
1.)Besoldungen  der  Baubeamten  2,090
2./  Unständige  Dienstkosten  für  dieselbbern.  88  166
3.  Unterhaltung  der  Gebäude.  ....  ..  .  .  .  .  .  .  .  ..  .  ...  569  —
4.  Unterhaltung  des  Straßen=  und  Brückenbaues.  9,879  —
5.|Kosten  des  Landwegebaes  ...  7,999  —
Summa  Kapitel  11  20/625  166
12.,  Lehranstalten.
1.  Beiträge  zu  den  Besoldungen  der  bei  niederen
Volksschulen  angestellten  Lehrner  .  8,102  —
2.Beiträge  zu  Schulhausbauten  ..  1,750  —
Summa  Kapitel  12  10152  —
Summa  III.  .  .  ..  .  51,669  3,071
IV.  Finanzverwaltung.
13.  Domainen.
1.|]  Besoldungen  und  Diäten  der  Rentbeamten.  5,075  —
2.  Abgahen  1/390  —
3.Verwaltungskotten  3,459
Summa  Kapitel  13  —
14.  Direkte  Steuern.
1.]Besoldungen  und  Erhebungskosten  61—
2.Veranlagungskosten  .  .  ..  210  —
Summa  Kapitel  14  823  —
15.  Indirekte  Steuern.
1.]  Besoldungen  2c.  der  Beamten  für  die  Erhebung
der  indirekten  Abgaben  2)592
2.  Kosten  der  Stempelverwaltung  .  ..  .  .  ..  44—
3.Dienstkossen  .  .  .  .  .  ..  7
Summa  Kapitel  15  —
        <pb n="887" />
        —  711

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Betrag  für  1867.
Fort  kuufer.
—  Fork-  ordentli
—  Aus  9  à  be.  dauernde  nbie
S  wegfalle
S  8  Ausgaben.  Wiegabengi.
  gi.
16.1  Forsten.
1.Besoldungen  und  Diäten  15/738  —
2.|Kulturkosten  .  .  .  ..  .  .  ..  3,500  1,400
3.Kosten  des  außerordentlichen  Forstschutzege  —  700
4.)  Unterstützungen  für  Forstschutzdiener  .  ..  88  —
5.Holz  merlöhne  17,500  —
6.]Sonstige  Verwaltungskosten  ..  2/405
Summa  Kapitel  16  39,231  2,100
17.  Jagden  «.............................  149—
18..  Berg-,  Salzwerke.
I.  Besoldungen  und  Diäten  4,435  —
2.  Zu  Bohrversuchen  auf  der  Saline  Orb  ..  .  .  .  .  .  —  3,500
Summa  Kapitel  18.  4,435  3,500
19.  Baukosten.
1.  Zu  Domanial-Landbauten  (Unterhaltungskosten)  2,849  —
2.ZuNeubauten.................·............  —  8,000
SummaKapitc119.  2,8498,000
20.  Zu  BauUnterstützungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  256  —
Summalv......  60,31013/600
21.  V.  Für  Zwecke  der  Militoirverwaltung  127,000l—
VI.  Penfsionen  und  Unterstützungen.
22.  Zu  Pensionen  ..  4,000  —
23.  Zu  Unterstützunen  2,500  —
Summa  VV.  6/500
24.  VII.  Zu  unvorhergesehenen  und  vermischten
  Ausgaben  und  zur  Abrundung  5/453  —

 

 

(TNr.  6656.)
        <pb n="888" />
        Betrag  für  1867.
vdort.  artig
ri-·  ordentliche
Aus  9  ##  be.  dauernde  und  künftig  Ueberhaupt.

Ausgaben.  swegfallende
Ausgaben.

zl.  g.  gi.

Wiederholung.

I.  Obere  Landesverwaltunng  5,00  5,000
II.  Rechtspfleg  ..  .  ...  .  .  .  ..  .  ..  24,0971  —  24,097
III.  Innere  Landesverwaltuung  ..  .  51,669  3,07114,740
IV.  Finanzverwaltng  .  ..  60,103,600
V.  Für  Zwecke  der  Militairverwaltung  127,050  —  127,050
VI.  Pensionen  und  Unterstützunggen  .  6,500  —  6,500

VII.  Zu  unvorhergesehenen  und  vermischten
Ausgahnn  ...  540ö—  3,453
Summa  der  Ausgaben  280,07914
Abschlus.
Es  betragen:
1)  die  Einnahmngnmen  —  —  296,750
2)  die  Ausgaben  .  ..  —  —  296,750
Balancirt.
Berlin,  den  11.  Mai  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismar  k  Schönhausen,  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

Verkin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Gehelmen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="889" />
        —  713  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  46.

 

(Nr.  6657.)  Verordnung,  betreffend  die  Pensionsansprüche  der  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen
  angestellten  und  der  mit  diesen  Gebieten  übernommenen  unmittelbaren
  Civil-  Staatsbeamten.  Vom  6.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

verordnen  in  Betreff  der  Pensionsansprüche  der  in  den  neu  erworbenen  Landesheilen
  angestellten  und  der  mit  dem  Gebieten  übernommenen  ummittelbaren
Civil-Staatsbeamten,  was  folgt:

d.  1.

Das  Pensionsreglement  für  die  Civil-Staatsdiener  vom  30.  April  1825.
nebst  den  zu  demselben  ergangenen  ergänzenden  und  abändernden  Bestimmungen
findet  fortan  auch  in  den  durch  die  Geste  vom  20.  September  und  24.  Dezember
  v.  J.  (Gesetz  Samml.  S.  555.  875.  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie
vereinigten  Landestheilen  Anwendung.

Die  mit  diesen  Landestheilen  übernommenen  Beamten  unterliegen  den
Vorschriften  der  gegenwärtigen  Verordnung  auch  für  den  Fall  einer  inzwischen
erfolgten  Versetzung  in  die  älteren  Provinzen.

+.  2.

Die  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  (§.  1.)  vor  deren  Vereinigung
mit  Preußen  im  Staatsdienste  zurückgelegte  Dienstzeit  wird  bei  der  Pensionirung
rbenso  angerechnet,  als  wenn  dieselbe  im  Preußischen  Staatsdienste  zurückgelegt
worden  wäre.

g.  3.

Die  zu  bewilligenden  Pensionen  duͤrfen  hinter  demjenigen  Betrage  nicht
zurückbleiben,  welcher  als  Pension  hätte  gewährt  werden  müssen,  wenn  die  Beamten
  zur  Zeit  der  Gesetzeskraft  dieser  Verordnung,  oder  im  Falle  einer  früheren
Versetzung  in  die  älteren  Provinzen  zur  Zeit  der  Versetzung  nach  den  bis  dahin
für  sie  geltenden  Bestimmungen  penstpnict  worden  wären.

Jahrgong  1867.  (Nr.  6657.)  95  Eine

Ausgegeben  zu  Berlin  den  31.  Mai  1867.
        <pb n="890" />
        —  714  —

Eine  Pension  in  Höhe  des  gedachten  Betrages  ist  auch  in  dem  du  zu
gewähren,  wenn  der  Beamte  zur  Zeit  der  Pensionirung  sich  in  einer  zur  Pension
nicht  berechtigenden  Stelle  besnder

C.  4.

Der  Verpslichtung  zur  Zahlung  der  reglementsmäßigen  Pensionsbeiträge
unterliegen  die  Beamten  mit  der  Maaßgabe,  daß  derjenige  Gehaltsbetrag,  den
sie  bis  zu  dem  im  §.  3.  bezeichneten  Zeitpunkte  pensionsabzugsfrei  bezogen  haben,
hierdurch  nicht  geschmälert  werden  darf.

§.  5.

Die  Wittwen  und  Waisen  der  Beamten  erhalten,  insofern  ihnen  nach  der
bisherigen  Gesetzgebung  Pensionen  aus  der  Staatskasse  gebühren  würden,  diese
Pensionen  in  Slte  desjenigen  Betrages,  welcher  ihnen  aus  der  Staatskasse  hätte
gewährt  werden  müssen,  wenn  der  Beamte  zur  Zeit  der  Gesetzeskraft  dieser  Verordnung
  oder  seiner  früheren  Versetzung  in  die  älteren  Provinzen  mit  Tode  abgegangen
  wäre.

In  den  Bestimmungen  über  die  aus  selbstständigen  Beamten-Wittwen=  und
Waisenkassen  zu  gewährenden  Pensionen  und  über  die  zu  diesen  Kassen  zu  entrichtenden
  Beiträge  wird  durch  gegenwärtige  Verordnung  nichts  geändert.

S.  6.
Sofern  in  besonderen  Verträgen  hinsichtlich  der  Pensionsansprüche  der
übernommenen  Beamten  Festsetzungen  getroffen  worden  sind,  bewendet  es  bei
den  letzteren.

S.  7.

Auf  Hofbeamte,  Geistliche  und  Lehrer  findet  diese  Verordnung  keine  Anwendung.


Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  6.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6658.)
        <pb n="891" />
        —  715  —

(Nr.  6658.)  Verordnung,  betreffend  die  Form  der  Diensteide.  Vom  6.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #P

verordnen  für  das  Gebiet  der  Preußischen  Monarchie,  mit  Ausschluß  derjenigen
Landestheile,  auf  welche  sich  die  Verordnung  vom  22.  Januar  d.  J.  4
Samml.  S.  132.)  bezieht,  was  folgt:

.  1.

Die  Form  des  Diensteides,  welcher  von  den  im  unmittelbaren  oder  im
mittelbaren  Staatsdienste  stehenden  Beamten  fortan  zu  leisten  ist,  wird  dahin
festgestellt,  „Ich  N.  N.  schwöre  zu  Gott  dem  Almächüen  und  Allwissenden,  daß
Seiner  Königlichen  Majestät  von  Preußen,  meinem  Allergnädigsten  Herrn,  ich
unterthänig,  treu  und  gehorsam  sein  und  alle  mir  vermöge  meines  Amtes  obliegenden
  Pflichten  nach  meinem  besten  Wissen  und  Gewissen  genau  erfüllen,  auch  die
Verfassung  gewissenhaft  beobachten  will,  so  wahr  mir  Gott  velse  u.  s.  w.“  Dem
Schwörenden  bleibt  es  überlassen,  den  vorstehend  festgestellten  Eidesworten  die
seinem  religiösen  Bekenntniß  entsprechende  Bekräftigungsformel  hinzuzufügen.

Bei  den  im  mittelbaren  Staatsdienste  stehenden  Beamten  tritt  denselben
diejenige  Eidesnorm  hinzu,  mittelst  deren  diese  Beamten  sich,  den  bestehenden  Bestimmungen
  und  den  beonderen  Verhältnissen  gemäß,  dem  unmittelbaren  Dienstherrn
  zu  verpflichten  haben.

.  2.

Der  im  1  1.  gedachte  Eid  verpflichtet  den  Schwörenden  nicht  nur  für  die
zur  Zeit  der  Eidesleistung  von  ihm  bekleideten,  sondern  auch  für  alle  ihm  etwa
später  zu  übertragenden  Aemter.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  6.  Mai  1867.

(##.  §.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6658—6659.)  95  (Nr.  6659.)
        <pb n="892" />
        —  716  —

(Nr.  6659.)  Verordnung,  betreffend  die  Ablösung  der  Servituten,  die  Theilung  der  Gemeinschaften
  und  die  Zusammenlegung  der  Grundstücke,  für  das  vormalige
Kurfürstenthum  Hessen.  Vom  13.  Mai  1867.

Wur  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.
verordnen  für  das  vormalige  Kurfürstenthum  Hessen,  was  folgt:

S.  1.
Nach  den  Vorschriften  dieser  Verordnung  findet  statt:
I.  die  Ablösung  der  als  Dienstbarkeit  (Servitut)  auf  dem  Grundeigenthum
lastenden  Nutzungsberechtigungen
1)  zur  Weide,
2)  zur  Waldmast,  zum  Bezuge  von  Holz,  Lohe  und  Streuzeug,
3)  zum  Plaggen-,  Rasen=  und  Bültenhieb,
4)  zum  Grasschnitt  und  n#t  Nutzung  von  Schilf,  Binsen  oder  Rohr
ri

auf  Ländereien  und  Privatgewässern  aller  Art;

II.  die  Theilung  von  Grundstücken,  welche  von  mehreren  Mit=  oder  Gesammteigenthümern
  oder  von  Genossenschaften  ungetheilt  besessen  und  durch
gemeinschaftliche  Ausübung  einer  oder  mehrerer  dernachbenannten  Nutzungen:

Weide,  Grasschnitt,  Waldmast,  Holz=  und  Streunutzungen,  Plaggen-Rasen-
  und  Böältenhieb,  Torfnutzung  Plaggen.,
benutzt  werden;

III.  die  wirthschaftliche  Zusammenlegung  der  Grundstücke.

C.  2.

Zu  dem  Antrage  auf  Theilung  des  im  F.  I.  unter  II.  gehachten  Eigenthums
  ist  ein  jeder  Interessent  unbeschadet  der  Fortdauer  der  Gemeinschaft  für
die  übrigen  Interessenten  berechtigt.

Zu  dem  Antrage  auf  Ablösung  einer  Dienstbarkeit  ist  sowohl  der  Berechtigte
  als  der  Eigenthümer  des  verpflichteten  Grundstücks  befugt.

Das  Recht  zum  Mntrage  auf  Ablösung,  Theilung  oder  Zusammenlegung
der  Grundstücke  steht  dem  nutzbaren  Eigenthümer  ebenso  wie  dem  vollen  Eigenthümer
  zu)  nicht  aber  namentlich  dem  persönlichen  Nießbraucher  oder  dem  antichretischen
  Pfandbesitzer.

Gemeinschaftliche  Eigenthümer  eines  berechtigten  oder  verpflichteten  Grundstückes
  können  nur  gemeinschaftlich  die  Ablösung,  Theilung  oder  Zusammenlegun
beantragen;  die  nach  den  Antheilen  zu  berechnende  Minderzahl  von  ihnen  muß
sich  aber  dem  in  dieser  Beziehung  gefaßten  Beschlusse  der  Mehrzahl  unterwerfen.

g.  3.
        <pb n="893" />
        —  717  —

K.  3.

Gleichzeitig  mit  der  Ablösung  einer  Servitut,  welche  über  eine  Gemarkung
oder  einen  Theil  derselben  sich  erstreckt,  muß  die  wirthschaftliche  Zusammenlegung
der  der  gemeinschaftlichen  Benutzung  unterliegenden  Grundstücke  erfolgen,  sofern
eine  Absindung  in  Grund  und  Boden  stattfindet  und  die  Auseinandersetzungsbehörde
hierzu  die  Zusmmenlegung  für  erforderlich  erachtet.

Werden  von  dem  Umtauch-  Ackerländereien  betroffen,  so  muß  der  Antrag
auf  Servitutablösung,  sofern  derselbe  von  Besitzern  der  in  der  betheiligten  Gemarkung
  liegenden  Grundstücke  gestellt  wird,  von  den  Besitzern  mindesens  des
vierten  Theiles  der  nach  dem  Grundsteuerkataster  berechneten  Fläche  dieser  Ackerländereien
  ausgehen.

Grundstücke,  welche  einer  gemeinschaftlichen  Benutzung  nicht  unterliegen,
müssen  bei  solcher  Zusammenlegung  auf  den  Antrag  ihrer  Eigenthümer  zum
Umtausch  angenommen  werden,  wenn  sie  in  den  Auseinandersetzungsplan  passen.
Ihre  Umlegung  kann  aber  gegen  den  Willen  der  Eigenthümer  nicht  erzwungen
werden.

S.  4.

Die  wirthschaftliche  Zusammenlegung  der  Grundstücke  ganzer  Gemarkungen
oder  Gemarkungsabtheilungen  kann  selbst  ändi  stattfinden,  wenn  dieselbe  von
den  Besitzern  von  mehr  als  der  Hälfte  der  nach  dem  Grundsteuerkataster  berech—
neten  Fläche  der  dem  Umtausch  unterliegenden  Grundstücke  beantragt  wird.  Werden
von  solcher  Zusammenlegung  Grundstücke  betroffen,  welche  einer  gemeinschaftlichen
Benutzung  unterliegen,  die  nach  der  gegenwärtigen  Verordnung  mfgehoben  werden
kann,  so  muß  die  Servitutablösung  oder  Theilung  gleichzeitig  mit  der  Zusammenlegung
  bewirkt  werden.

§.  5.

Das  zur  Bestreitung  der  Lasten  und  Ausgaben  der  Gemeinden  bestimmte
Vermögen  (in  Städten  Kämmereivermögen  Genann  kann  durch  eine  Gemeinheitstheilung
  niemals  in  Privatvermögen  der  Gemeindeglieder  verwandelt  werden.

Ebensowenig  darf  derjenige  Theil  des  Vermogens  einer  Gemeinde,  dessen
Nutzungen  den  einzelnen  Gemeindegliedern  oder  Einwohnern  vermöge  dieser  ihrer
Eigenschaft  zukommen  (das  Gemeindeglieder-Vermögen,  in  Städten  Bürgervermöögen
  genannt),  durch  eine  Gemeinheitstheilung  in  Privatvermögen  der  Mitglieder
oder  Einwohner  verwandelt  werden.  Diese  Bestimmung  findet  auch  dann  Anwendung,
  wenn  die  den  Mitgliedern  oder  Einwohnern  als  solchen  zustehenden
Nutzungsrechte  noch  außerdem  durch  den  Besitz  eines  Grundstücks  oder  durch  besondere
  persönliche  Verhältnisse  bedingt  sind.

Die  Abfindung  für  solche  Nutzungsrechte  fällt  daher  der  Gemeinde  als
Korporation  zu,  während  die  berechtigten  Gemeindemitglieder  oder  Einwohner  die
Benutzung  dieser  Abfindung  für  die  Dauer  iheer  Nutzungerechte  erhalten.

Dagegen  gehören  Nutzungsrechte  der  Gemeindemitglieder  oder  Einwohner
am  Gemeindeglieder-Vermögen,  welche  denselben  nicht  vermöge  dieser  ihrer  Eigenschaft,
  sondern  aus  einem  anderen  Rechtstitel  gebühren,  nicht  zum  Gemeinde-(Tr.

  6659)  ver-
        <pb n="894" />
        —  718  —

vermögen,  sondern  zum  Privatvermögen  der  Nutzungsberechtigten,  in  welches
daher  00c0h  die  auf  diese  Rechte  bei  der  Gemeinheitstheilung  fallenden  Abfindungen
übergehen.

gz.  6.

Andere  als  die  im  &amp;amp;.  1.  genannten  Nutzungsberechtigungen,  welche  als
Dienstbarkeit  auf  dem  Grundeigenthum  lasten,  7  auf  einseitigen  Antrag  nicht
selbstständig  ablösbar,  sondern  die  Ablösung  derselben  kann  nur  bei  Gelegenheit
einer  anderen  nach  dieser  Verordnung  vorkommenden  Ablösung,  Theilung  oder
Zusammenlegung  auf  Antrag  eines  im  Verfahren  Betheiligten  stattfinden,  insofern
sie  der  wirthschaftlich  zwechmäßigen  Benutzung  des  dem  Verfahren  unterworfenen
Grundstücks  hinderlich  sind.
S.  7.

Das  Recht,  auf  Servitutablösung,  Theilung  oder  Zusammenlegung  anzutragen,
  wird  durch  entgegenstehende  Verträge,  Willenserklärungen  oder  Audikate
nicht  ausgeschlossen  und  erlischt  nicht  durch  Verjährung.  Verträge  oder  Willenserklärungen,
  welche  eine  Ausschließung  dieses  Rechts  festsetzen,  sind  auf  keine
längere  Leit  b,  als  auf  zehn  Jahre  verbindlich.  Nach  dem  Ablauf  dieser  Periode
steht  es  jedem  Betheiligten  frei,  sein  Recht  auf  Theilung,  Ablösung  oder  Zusammenlegung
  geltend  zu  machen.

*“

Ueber  das  Vorhandensein,  die  Beschaffenheit  und  den  Umfang  der  in  Betracht
  kommenden  Rechte  und  Pflichten  ist  lediglich  nach  den  bestehenden  Rechtsnormen
  zu  entscheiden.

In  Ermangelung  rechtsbeständiger  Willenserklärungen,  rechtskräftiger  Erkenntnisse,
  Latutarscher  Rechte  oder  festen  Herkommens  ist  die  zur  Weidetheilnahme
berechtigte  Viehzahl:

1)  bei  den  Interessenten,  welche  zur  Erzeugung  von  Winterfutter  geeignete
Grundstücke  besitzen,  nach  dem  Futterertrage  dieser  Grundstücke,

2)  bei  anderen  Interessenten  und  soweit  die  nach  Nr.  1.  festzustellende  Viehzahl
  eine  geringere  ist,  auf  anderthalb  Kühe

festzusetzen.
S.  9.

Bei  jeder  Ablösung,  Theilung  und  Zusammenlegung  bleibt  die  Bestimmung
der  Art  und  Größe  der  Absindung,  welche  einem  jeden  Theilnehmer  gebührt,  sowie
die  Ausführung  der  Auseinandersetzung  zunächst  dem  freien  Uebereinkommen  der
Parteien  überlassen.  Doch  haben  dicelben  dabei  die  Vorschriften  der  S#§.  14.
und  23.  zu  beachten;  auch  müssen  die  Servitut-,  Ablösungs-,  Theilungs=  und
Zus  legungsverträge  zur  Prüfung  und  Bestätigung  der  Auseinandersetzungsbehörde
  vorgelegt  werden.

Kommt  eine  Uebereinkunft  der  Parteien  nicht  zu  Stande,  so  finden  folgende
Regeln  Anwendung.  l#

.  10.
        <pb n="895" />
        —  719  —

K.  10.

Die  Theilung,  Ablösung  und  Zusammenlegung  wird  dadurch  bewirkt,  daß
jedem  Theilnehmer  an  Stelle  seines  Eigenthums=  oder  Nutzungsrechts  eine  angemessene
  Abfindung  an  fester  Geldrente,  Kapital  oder  Grundstücken  überwiesen  wird.

KC.  1I.

Zu  diesem  Behuf  ist  der  Werth  der  Theilnehmungsrechte  durch  Sachverständige
  abzuschätzen.

Dabei  wird  der  Grund  und  Boden  nach  seinem  gemeinen  Werth  veranschlagt.
  Der  neueste  Düngungszustand,  d.  h.  derjenige  Dünger,  welcher  die  örtlich
bllchen  Saaten  noch  nicht  getragen  hat,  ist  gleich  den  übrigen  auf  periodische
Nutzungen  schon  verwendeten  Bestellungskosten  Gegenstand  besonderer  Abschätzung
und  muß  dem  Abtretenden  von  dem  Empfänger  in  Geld  besonders  vergütet  werden.

ie  Schätzung  der  abzulösenden  Berechtigungen  erfolgt  nach  der  landüblichen,
örtlich  anwendbaren  Art  ihrer  Benutzung  und  dem  durchschnittlichen  Ertrage  derselben
  mit  Rücksicht  auf  die  Theilnahme  anderer  Mitberechtigter.  Der  abgeschätzte
Werth  dar  niemals  den  gesammten  gemeinen  Werth  dieser  Art  von  Nutzung  des
belasteten  Grundstücks  übersteigen.

Bei  den  auf  Forsten  haftenden,  nach  dieser  Verordnung  ablösbaren  Dienstbarkeiten
  hat  jedoch  der  Besitzer  des  belasteten  Waldes,  wenn  er  Provokat  ist,
die  Wahl)  ob  er  den  Dienstbarkeitsberechtigten  nach  dem  Nutzungsertrage  der
Dienstbarkeit  oder  nach  dem  Vortheile,  welcher  den  Belasteten  aus  deren  Aufhebung
  erwächst,  entschädigen  will.  Im  letzteren  Falle  darf  aber  die  Höhe  der
Entschädigung  den  Nutzungswerth  der  Berechtigung  nicht  übersteigen.

S.  12.

Bei  Ablösung  der  Weide=  und  Gräsereiberechtigung  in  Forsten  ist  ein
mittelmäßiger  Holzbestand  zum  Grunde  zu  legen,  wenn  nicht  der  Forst  zur  Zeit
der  Auseinandersetzung  besser  als  mittelmäßig  bestanden  oder  die  Befugniß  des
Waldbesitzers,  die  Forstkultur  bis  zum  mittelmäßigen  Holzbestande  zu  treiben,  durch
Verträge,)  Verjährung  oder  Judikate  verloren  gegangen  ist.

GeeD  den  sogenannten  Pflanzwaldungen  (  der  mittelmäßige  Holzbestand
nach  denjenigen  Grundsätzen  zu  bemessen,  welche  für  die  Wiederkultur  vor  Erlaß
der  gegenwärtigen  Verordnung  maaßgebend  gewesen  sind.

S.  13.

Bei  Ermittelung  und  Feststellung  des  Werthes  der  Nutzungsrechte  kommen
die  dem  Berechtigten  für  diese  Nutzungsrechte  obliegenden  Gegenleistungen  in
Abzug.  Der  Werth  wechselseitiger  Dienstbarkeiten  wird  insoweit,  als  dies  möglich
ist,  durch  Kompensation  ausgeglichen.

r.  6659.)  F.  14.
        <pb n="896" />
        —  720  —

S.  14.

Jeder  Miteigenthümer  kann  in  der  Regel  die  Theilung  des  gemeinschaftlichen
  Grundstückes  in  Natur  verlangen.

Die  Naturaltheilung  eines  gemeinschaftlichen  Waldes  aber  ist  ganz  oder
theilweise  nur  dann  zulässig,  wenn  die  einzelnen  Antheile  entweder  zur  fochnüzigen
Benutzung  geeignet  bleiben,  oder  in  anderer  Kulturart  mit  rölerent  Vortheile,
wie  zur  Holzzucht  benutzt  werden  können.  Außer  diesen  Fällen  kann  die  Auseinandersetzung
  der  Miteigenthümer  eines  Waldes  nur  durch  öffentlichen  Verkauf
an  den  Meistbietenden  bewirkt  werden.

K.  15.

Die  Abfindung  für  Dienstbarkeitsrechte  zur  Mast,  sowie  für  urkundlich
verliehene  feste  Brennholzabgaben  ist  in  fester  Geldrente  zu  gewähren  und  anzunehmen.
  Derartige  feste  Brennholzabgaben  sind  auch  in  dem  Falle  nach  den
Vorschriften  der  gegenwärtigen  Verordnung  ablösbar,  wenn  sie  keine  Dienstbarkeiten,
  sondern  Reallasten  bilden.  Von  der  Ablösbarkeit  sind  jedoch  ausgeschlossen
—  Reallasten  beruhenden  Holzabgaben  an  Kirchen,  Pfarren,  Küstereien  und

ulen.
S.  16.

Die  Abfindung  für  die  übrigen,  nach  den  §#.  1.  und  6.  abzulösenden
Dienstbarkeiten  erfolgt  in  der  Regel  durch  Abtretung  von  verhältnißmäßigen  Theilen
des  belasteten  Grundstücks  oder  durch  anderes  dazu  geeignetes  Land,  wenn  solches
von  dem  Verpflichteten  angeboten  wird.

Das  abzutretende  Grundstück  muß  einen  Kapitalwerth  haben,  welcher  dem
zwansigfachen  Betrage  der  jährlichen  nach  §#.  11.  ff.  zu  berechnenden  Entschädigung
gleichkommt.

Wenn  eine  bmdentschädigung  dem  wirthschaftlichen  Interesse  entweder  des
Berechtigten  oder  des  Verpflichteten  nach  sachverständigem  Ermessen  nicht  entspricht,
  so  muß  die  Abfindung  auch  für  diese  Dienstbarkeiten  ganz  oder  theilweise
in  fester  Geldrente  gegeben  und  angenommen  werden.  Das  Letztere  muß  bei  den
auf  Forsten  haftenden  Dienstbarkeitsrechten  zur  Weide,  zum  Grasschnitt,  zum
Beuge  von  Holz,  Lohe  und  Streuzeug,  sowie  zum  Plaggen-,  Rasen--  und  Bültenhieb
  —  vorbehaltlich  der  auch  hier  zulässigen  anderweiten  Einigung  der  Betheiligten
  —  auch  dann  geschehen,  wenn  die  Landabfindung  bei  ihrer  Benutzung  in
anderer  Kulturart  nachhaltig  keinen  höheren  Ertrag,  als  bei  der  Benutzung  zur
Holzzucht  zu  Lewähren  vermag.  Ist  dieses  dagegen  der  Fall,  so  wird  die  Abseiedung
  dem  Berechtigten  in  solcher  anderen  Kulturart  unter  Berücksichtigung  der
erforderlichen  Kulturkosten  angerechnet,  aber  niemals  zu  einem  geringeren  Werthe,
als  das  Land  bei  der  Benutzung  zur  Holzzucht  haben  würde.

Die  auf  dem  Abfindungslande  bestnwlichen  Holzbestände  verbleiben  dem
Forsteigenthümer.  Er  muß  deßloen  vor  der  Uebergabe  des  Landes  im  Mangel
einer  Einigung  nach  der  Bestimmung  der  Auseinandersetzungsbehörde  binnen  einer
Frist,  welche  drei  Jahre  nicht  übersteigen  darf,  abräumen.

is
        <pb n="897" />
        —  721  —

Bis  zur  vollständigen  Abräumung  und  Uebergabe  des  Entschädigungslandes
hat  der  Forsteigenthümer  eine  dem  Ertragwerthe  der  noch  nicht  abgetretenen  Fläche
entsprechende  Geldrente  dem  Berechtigten  zu  zahlen.

Hür-  Dienstbarkeitsrechte  zum  Nüzenusse  von  Holz  und  zum  Streuholen
ist  jedoch  der  belastete  Gumdbester  befugt,  die  Entschädigung  des  Berechtigten
in  auch  nur  zur  Holzzucht  geeignetem  bestandenen  Forstlande  mit  Mrechmung  der
darauf  befindlichen  GEottescme  u  gewähren,  wenn  letztere  zu  einer  nachhaltigen
forstmäßigen  Benutzung  geeignet  sind.  In  diesem  Falle  muß  aber  die  Abfindungsfläche,
  wenn  fie  einen  nur  zur  Hochwalkwirthschaft  geeigneten  Holzbestand  enthält,
mindestens  einen  Umfang  von  dreißig  Magdeburger  Morgen  haben.

F.  17.

Findet  der  belastete  Eigenthümer  einzelne  Dienstbarkeitsberechtigte  ab,  so
ist  er  befugt,  nach  Verhältniß  des  Theimehmungerechts  des  Abgefundenen  einen
Theil  des  benutzten  Gegenstandes  der  WMithenuhum  er  übrigen,  noch  nicht  abgefundenen
  Theilnehmer  zu  entziehen  und  darüber  frei  zu  verfügen.

S.  18.

Bei  der  Zusammenlegung  muß  jeder  Theilnehmer  für  seine  zum  Umtausch
  gelangenden  Grundstücke  durch  Land  abgefunden  werden.  Er  muß  jedoch
für  einen  Ausfall  in  der  Güte  einen  Zusatz  in  der  Fläche  annehmen,  ach  eine
Austauschung  von  Grundstücken  der  einen,  gegen  Grundstücke  von  einer  anderen
Gattung  sich  gefallen  lassen.  Zur  Ergänzung  der  Landentschädigung  muß  ausnahmsweise,
  wo  es  erforderlich  ist,  selbst  Geld  gegeben  und  angenommen  werden.

C.  19.

Eine  Enschädigung,  welche  eine  Veränderung  der  ganzen  bisberigen  Art
des  Wirthschaftsbetriebes  des  Hauptgutes  nöthig  macht,  kann  keinem  Theilnehmer
aufgedrungen  werden.

Für  solche  Veränderungen  sind  zu  achten:

1)  wenn  eine  bisherige  Ackerwirthschaft  in  eine  Vichüchterei  verwandelt  werden
müßte  und  umgekehrt,  oder  wenn  eine  von  beiden  die  Hauptsache  war,
solche  aber  künftig  nur  Nebensache  werden  würde;

2)  wenn  ein  ouptweig  der  Wirthschaft,  der  im  überwiegenden  Verhältnisse
zu  den  übrigen  stand,  ganz  oder  grö  bentheis  aufgegeben  werden  müßte,
voer  doch  nur  durch  Anlegung  neuer  Fabrikationsanstalten  erhalten  werden
önnte;

3)  wenn  ein  Gespann  haltender  Ackerwirth  solches  fernerhin  nicht  mehr
halten  könnte  und  seine  Ländereien  mit  der  Hand  bauen  müßte,  oder
umgekehrt.

Andere  Veränderun  in  der  bisherigen  Art  des  Wirthschaftsbetriebes
*-  nur  insofern  in  Betracht,  als  sie  von  gleicher  und  größerer  Erheblicheit
  sind.

Johrgang  1867.  (Nr.  6659.)  96  .  20.
        <pb n="898" />
        —  722  —

g.  20.

Eine  jede  Landabfindung  ist  in  derjenigen  Lage  auszuweisen,  welche  den
gegeneinander  abzuwägenden  wirthschaftihen  Interchsen  aller  Betheiligten  am
meisten  entspricht.  Eine  Verloosung  findet  nur  insoweit  statt,  als  die  wirthschaftliche
  Lage  der  Abfindungen  dadurch  nicht  beeinträchtigt  wird.

iem  Theilnehmer  müssen  die  erforderlichen  Wege  und  Triften  zu  dem
ihm  als  Abfindung  zugewiesenen  Grundbesitz  verschafft  werden,  auch  ist  für  die
nöthigen  Gräben  zu  sorgen,  ohne  welche  der  Boden  denjenigen  Ertrag,  zu  dem
er  abgeschätzt  worden  ist,  nicht  gewähren  kann.  Dessleichen  ist  jeder  Theilnehmer
zu  verlangen  befugt,  daß  ihm  die  unentbehrliche  Mitbenutzung  der  Tränkstätten
auf  den  auseinandergesetzten  Grundstücken  vorbehalten  und  diese  Stätten  so  ausgewiesen
  werden,  wie  es  für  alle  Betheiligten  am  bequemsten  ist.  ,

Die  vor  der  Auseinandersetzung  schon  gemeinschaftlich  benutzten  Lehm-Sand-,
  Kalk=  und  Mergelgruben,  Kalk=  und  andere  Steinbrüche  bleiben  zur  gemeinschaftlichen
  Benutzung  auch  ferner  vorbehalten,  insofern  die  Theilnehmer  desgabd
  nicht  durch  Ueberweisung  besonderer  Vorräthe  dieser  Art  ausgeglichen  werden
önnen.

Die  zur  Herstellung  und  Unterhaltung  aller  deser  Anlagen  zu  machenden
Verwendungen  sind  von  allen  Betheiligten  nach  Verhältniß  ihrer  Theilnehmungsrechte
  aufzubringen.

KC.  21.

Die  über  die  betheiligten  Grundstücke  führenden  Wege  können,  insoweit  es
für  die  zweckmäßige  Einrichtung  des  Auseinandersetzungsplans  nöthig  erscheint,
verlegt  und  selbst  aufgehoben  werden,  ohne  daß  den  bei  dem  Gebrauche  dieser
Wege  Betheiligten,  sobald  ihnen  nicht  ein  erheblicher  Nachtheil  aus  der  Veriderung
  entsteht,  ein  Widerspruch  dagegen  gestattet  ist.

asselbe  gilt  in  Betreff  der  Verlegung  von  Gräben,  Flüssen  und  Brücken.

g.  22.

Gebäude,  Hofraithen,  Hausgärten,  brrie  und  solche  Anlagen,  deren
Huotbestimmung  die  Gewinnung  von  Obst,  Hopfen  oder  die  Gartenkultur  ist,
Weinberge,  forstmäßig  bewirthschasten  Waldgrundstücke,  sowie  solche  Lehm-,  Sand.,
Kalk=  und  Mergelgruben,  Kalk=  und  andere  Steinbrüche,  welche  einer  gemeinschaftlichen
  Benutzung  nicht  unterliegen,  ferner  Gansige  *“  Gewinnung  von
Fossilien  oder  zu  gewerblichen  Anlagen  dienende  Grundstücke,  ingleichen  Gund
stücke,  auf  welchen  Mineralquellen  sich  befinden,  können  nur  mit  Einwilligung
aller  Betheiligten  in  die  Zusammenlegung  gezogen  werden.

KC.  23.

Eine  Vereinigung  der  Parteien  über  eine  andere  Rente,  als  eine  feste  Geldrente,

  ist  unzulässig.
Alle  Entschädigungsrenten  sind  auf  den  Antrag  sowohl  des  Berechtigten
als
        <pb n="899" />
        —  723  —

als  des  Verpflichteten  nach  vorhergegangener  sechsmonatlicher  Kündigung  durch
Baarzahlung  des  zwanzigfachen  Betrages  derselben  ablösbar.  Dem  Verpflichteten
ist  es  gestattet,  das  Kapital  in  vier  auf  einander  folgenden  einjährigen  Terminen,
von  dem  Ablaufe  der  Kündigungsfrist  an  gerechnet,  zu  gleichen  Theilen  abzutragen;
doch  ist  der  Berechtigte  nur  solche  Theilzahlungen  anzunehmen  verbunden,  welche
mindestens  Einhundert  Thaler  betragen.  Der  sedesmalige  Rückstand  ist  mit  fünf
Prozent  jährlich  zu  verzinsen.

Den  Parteien  steht  es  frei,  sich  über  andere  Zahlungstermine  und  einen
anderen  Ablösungssatz  zu  vereinigen,  jedoch  darf  der  letztere  nie  den  fünfundzwanzigfachen
  Betrag  der  Jahresrente  übersteigen.  Verabredungen,  welche  dieser
Vorschrift  zuwiderlaufen,  haben  die  Wirkung,  daß  der  Berechtigte  auf  Grund  derselben
  nur  den  fünfundzwanzigfachen  Betrag  der  Jahresrente  zu  fordern  befugt  ist.

C.  24.

Sind  bei  einer  Servitutablösung,  Theilung  oder  Zusammenlegung  dritte
Personen,  namentlich  Obereigenthümer,  Lehns=  und  Fideikommiß-Interessenten,
Wiederkaufsberechtigte,  hypothekarische  Gläubiger,  Nießbrauchsberechtigte,  Leibzüchter,
  Pächter,  betheiligt,  so  steht  denselben  ein  Widerspruchsrecht  gegen  die  Auseinandersetzung
  nicht  zu.

G,  25.

Die  Abfindung,  welche  jeder  Theilnehmer  durch  die  Auseinandersetzun
erhält,  tritt  an  die  Stelle  der  dafür  aufgehobenen  Theilnahmerechte,  der  dakurch
abgelösten  Berechtigungen  oder  der  dafür  abgetretenen  Grundstücke  und  überkommt
in  rechtlicher  Beieun  alle  Eigenschaften  derselben.

Wenn  die  Landabfindung  eine  Entschädigung  für  mehrere,  verschiedenen
Rechtsverhältnissen  unterliegende  Grundstücke  oder  Berechtigungen  eines  Theilnehmers
  bildet,  so  ist  aus  der  Gesammtabfindung  für  ein  jedes  dieser  Gu#mdstücke
oder  eine  jede  dieser  Berechtigungen  ein  besonderes  Stück  auszuweisen.  Der  Auseinandersetzungsbehörde
  bleibt  es  aber  überlassen,  eine  solche  Ausweisung  bis  zum
Eintritte  eines  Bedürfnisses  oder  bis  zum  Antrage  eines  Betheiligten  ausaseten.
und  inzwischen  nur  die  Quoten  der  Gesammtabfindung  zu  bestimmen,  welche  die
Stelle  der  einzelnen  zu  ersetzenden  Grundstücke  oder  Berechtigungen  vertreten.

K.  26.

Renten  und  Kapitalien,  welche  zur  Abfindung  für  eine  abgelöste  Dienstbarkeit
  zu  entrichten  sind,  haften  mit  dem  Rechte  gesetzlicher  Hypothek  auf  demjenigen
  Grundstücke,  welches  der  abgelösten  Dienstbarkeit  unterlag,  und  genießen
vor  allen  bopothekarst  hen  Forderungen  dasselbe  Vorzugsrecht,  welches  dem  abgelösten
  Rechte  zustand.  Desgleichen  haften  Renten  und  Kapitalien,  welche  an
die  Stelle  aufgehobener  Theilnahmerechte  oder  abgetretenen  Grundeigenthums
treten,  kraft  gesetzlicher  Hypothek  auf  denjenigen  Grundstücken,  auf  welche  sie  durch
den  Auseinanbeersegungeplm  gelegt  werden,  und  zwar  mit  dem  Vorzugsrechte  vor
allen  übrigen  Hypotheken.

(Tr.  0059)  96°  §.  27.
        <pb n="900" />
        —  724  —
K.  27.

Die  Grundsteuern  und  öffentlichen  Lasten  verbleiben  auf  den  Grundstücken,
auf  welchen  sie  vor  der  Auseinandersetzung  gehaftet  haben.

Erfolgt  ein  Umtausch  Nüudseuerfreir  oder  bevorzugter  Grundstücke  gegen
vollbesteuerte  Grundstücke,  so  kreten  die  letzteren  dadurch  in  die  Klasse  der  grundsteuerfreien
  oder  bevorzugten  über.

In  denjenigen  Gemarkungen,  in  welchen  eine  Zusammenlegung  von  Grundstücken
  stattfindet,  kann  gleichzeitig  mit  der  Ausführung  derselben  unter  Genehmngung
  der  Regierungsbehörde  der  Gesammtbetrag  erjenigen  Grundsteuer,  welcher
von  den  der  Zusommenlegug  unterworfenen  Grundstücken  bis  dahin  entrichtet
worden  ist,  auf  die  Land-Abfindungspläne  anderweitig  nach  den  für  die  Auseinandersetzung
  angewandten  Reinerträge  vertheilt  werden.

C.  28.

Nießbraucher  müssen  sich  mit  dem  Genusse  der  Abfindun  beguüen.  Pächter
müssen  sich  mit  der  Nutzung  der  Landabfindung  begnügen)  ihnen  fallen  die  Entschädigungen
  für  vorübirgchende  Nachtheile  zu,  insofern  sie  sich  nicht  über  die
Pachtzeit  ensteecken  auch  müssen  die  Verpächter  die  Anlegung  der  erforderlichen
Wege,  Gräben,  Tränken  und  Einfriedigungen  der  Grundstucke  bewirken  oder  den
Pächtern  die  dafür  gemachten  Auslagen  eistaten  Eine  Rentenentschädigung  bezieht
  während  der  Facht  eit  der  Pächter,  und  bei  einer  Kapitalentschädigung  ist
er  berechtigt,  deren  Zins  etrag  zu  fünf  Prozent  von  der  jährlichen  Pochgahsing
nach  Verhältniß  der  kontraktlichen  Zahlungstermine  abzuziehen.  Will  sich  der
Pächter  mit  diesen  Entschädigungen  nicht  begnügen,  so  steht  ihm  frei,  binnen  drei
Monaten,  nachdem  ihm  der  Auseinandersetzungsplan  bekannt  gemacht  worden  ist,
die  Pacht  zu  kündigen.  Die  Pacht  hört  alsdann  mit  dem  Ende  des  laufenden
Pachtjahres  auf;  wenn  aber  seit  dem  Tage  der  Kündigung  bis  zu  diesem  Termine
  nicht  mindestens  drei  Monate  verstrichen  sind,  so  währt  das  Pachtverhältniß
noch  für  das  nächste  Jahr  fort.

Der  Nießbraucher  desjenigen  Grundstückes,  welches  die  Abfindung  gewährt,
hat  die  Abfindungsrente  während  der  Dauer  des  Nießbrauches  zu  entrichten  und
muß  im  Fall  einer  Kapitalentschädigung  dem  Eigenthümer,  welchem  die  Baarahlung
  derselben  obliegt,  die  Zinsen  des  Kapitals,  zu  fünf  Prozent  gerechnet,  vom
Bahlum  stage  ab  vergüten.

D#r  Nämliche  gilt  von  dem  Pächter  eines  solchen  Grundstückes.  Doch
steht  es  dengelen  auch  in  diesem  Falle  frei,  die  Pacht  nach  den  obigen  Bestimmungen
  zu  kündigen.

Das,  dem  Pächter  in  diesem  Paragraphen  eingeräumte  Recht  der  Kündig
  findet  nicht  statt,  wenn  nach  dem  Ermessen  der  Auseinandersetzungsbehörde

ei  Servitutablösungen  das  abgelöste  Recht  im  Verhältniß  zur  ganzen  Wirthschaft
so  unbedeutend  ist,  daß  aus  der  Ablösung  keine  merkliche  Veränderung  der  Wirthschaftsverhältnisse
  entstehen  kann,  und  bei  Theilung  oder  Zusammenlegung  von
Grundstücken  durch  dieselbe  weder  ein  erheblicher  Mochteil  für  den  Pächter  erwächst,
  noch  eine  erhebliche  Aenderung  der  Wirthschaftsverhältnisse  des  verpachteten
  Gutes  zu  erwarten  ist.

Sind
        <pb n="901" />
        —  725  —

Sind  für  den  Fall  einer  Theilung,  Ablösung  oder  Zusammenlegung  zwischen
dem  Pächter  und  aehte  in  dem  Pachtvertrage  andere  Abreden  über  die
Auseinan  Fnnebung  auf  rechtsverbindliche  Weise  getroffen  worden,  so  behält  es  bei
diesen  sein  Bewenden.

K.  29.

Die  Ausführung  der  gegenwärtgen  Verordnung  wird  der  in  Kassel  zu
errichtenden  Generalkommission  und  dem  Revisionskollegium  für  Landeskultursachen
zu  Berlin  übertragen.

In  Ansehung  der  Rechte  dritter  Personen  und  des  ganzen  Auseinandersetzungsverfahrens,
  sowie  des  Kostenwesene,  finden  dabei  Wselten.  Vorschriften
T#wendung,  welche  für  Gemeinheitstheilungen  in  der  Provinz  Westphalen  gelten.
Jedoch  findet  bei  der  Würdigung  von  baulichen  Anstalten,  Forsten  und  Torf-23
  een  schiedsrichterliches  ers  nur  mit  Einverständniß  aller  Betheiligen
  statl.

K.  30.

In  Streitigkeiten  über  Theilnehmungsrechte  und  deren  Umfans,  sowie
überhaupt  wegen  solcher  Rechtsverhältnisse,  welche,  abgesehen  von  den  Bestimmungen
  dieser  Verordnung,  Gegenstand  eines  Prozesses  im  ordentlichen  Rechtswege
  *  werden  können,  hat  in  letzter  Instanz  das  Ober-Appellationsgericht
in  Kassel  zu  entscheiden.  Dabei  kommen  die  für  dieses  Gericht  geltenden  Bestimmungen
  über  die  Rechtsmittel  und  die  dafür  bestehenden  Prozeßvorschriften  zur
Anwendung.

g.  31.

Nutzungsberechtigungen,  welche  durch  F.  1.  der  gegenwärtigen  Verordnung
für  ablösbar  erklärt  sind,  können  in  Zukunft  nur  durch  gerichtlichen  Vertrag  errichtet
  werden.

Der  fortgesetzte  Besitz  und  eine  auf  denselben  gestützte  Verjährung  reicht  in
Zukunft  zu  ihrer  erbung  nicht  hin.  Der  Lauf  der  erwerbenden  Verjährung
wird  in  Ansehung  solcher  Rutzungsberechtigungen  mit  dem  Tage,  an  welchem  die
gegenwärtige  Verordnung  in  Kraft  tritt,  unterbrochen.

In  Ansehung  der  Befugniß  zur  Ausschli  des  Antrages  auf  Ablösung
ist  auch  für  Nutzungsrechte,  welche  in  Zukunft  errichtet  werden,  die  Bestimmung
des  §.  7.  maaßgebend.

g.  32.

Gemeinschaftliches  Eigenthum  der  im  F.  I.  bezeichneten  Art,  welches  nach
Verkündung  der  gegenwärtigen  Verordnung  entsteht,  kann  nur  nach  Vorschrift
der  allgemeinen  Gesetze  getheilt  werden.

G.  33.
Von  den  Kosten  der  Ablösung  einseitiger  Forstservituten  werden  die  der
Vermessung  und  Bonitirung  des  belafteten  Waldes)  insofern  dieselben  unvermeid-(Nr.
  6659.)  lich
        <pb n="902" />
        —  726  —

lich  sind,  von  allen  Theilnehmern  nach  Verhältniß  der  Theilnehmungsrechte  getragen.
  Die  übrigen  Auseinandersetzungskosten  tragen  die  Theilnehmer  nach  Verhältniß
  des  Vortheils,  welcher  ihnen  aus  der  Auseinandersetzung  erwächst.  Das
ungefähre  Verhältniß  dieses  Vortheils  wird  von  dem  Auseinandersetzungskommissarius
  ermessen  und  der  Kostenpunkt  von  der  Auseinandersetzungsbehörd
festgesetzt.  «  ·  »

In  anderen  Theilungs-,  Servitutablösungs=  und  Zusammenlegungssachen
werden  die  Kosten  der  Vermessung  und  Bowieirung  ebenso  wie  die  übrigen  Auseinandersetzungskosten
  unter  alle  Theilnehmer  nach  Verhältniß  des  Vortheils  verleitt,
  welcher  jedem  Einzelnen  aus  der  Auseinandersetzung  erwächst.  Ist  dieser

ortheil  nicht  zu  ermitteln,  so  soll  statt  seiner  der  Be  des  Theilnehmungsrechts
zum  Grunde  gelegt  werden.

Die  Kosten,  welche  durch  Weiterungen  einzelner  Theilnehmer  oder  durch
Proazesse  entstanden  sind,  fallen  nach  den  Regeln  über  die  Prozeßkosten  dem  unterliegenden
  Theile  zur  Last.  .

Alle  bisherigen  Vorschriften  über  Gegenstände,  worüber  diese  Verordnung
Bestimmungen  enthält,  werden,  insoweit  sie  mit  derselben  unvereinbar  sind,  außer
Kraft  gesetzt.

Or

O  7

6G.  35.

Das  Gesetz  vom  25.  Oktober  1834.  über  die  Theilung  der  Gemeinschaften,
welche  hinsichtlich  der  Viehhute  bestehen,  wird  hiermit  aufgehoben.  Die  auf
Grund  desselben  auf  rechtsbeständige  Weise  erfolgten  Festsetzungen  über  die  Art
und  t  der  Entschädigung  und  über  das  Kostenbeitrags-Verhältniß  bleiben
in  Kraft.

Die  schwebenden  Hutungs-Theilungssachen  gehen  in  derjenigen  Lage,  in
welcher  sie  sich  befinden,  in  das  neue  Verhren  uogr.  nenig  8

Das  Gesetz  vom  28.  August  1834.,  die  Verkoppelung  der  Grundstücke  betreffend,
  bleibt  nur  insoweit  in  Krft,  als  es  sich  auf  eine  solche  Vertauschung
einzelner  Grundstücke  bezieht,  welche  den  Vorschriften  der  gegenwärtigen  Verordnung
  nicht  unterliegt.

S.  36.

Das  Recht  zur  Ertheilung  von  Schäfereikonzessionen  fällt  mit  dem  Zeitpunkte
  der  Rechtskraft  der  gegenwärtigen  Verordnung  ohne  Entschädigung  fort.
Das  Halten  und  Austreiben  von  Schaafen  ist  von  dem  Besitze  einer  solchen  Konzession
  ferner  nicht  abhängig.

llchundich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  In  igen

Gegeben  Berlin,  den  13.  Mai  1867.

(I.  S.)  WMilhelm.

Gr.  v.  Bismarc-  Schönzausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  0060.)
        <pb n="903" />
        —  727  —

(Nr.  6660.)  Verordnung,  betreffend  die  Aufhebung  des  Güterschlusses  in  den  Provinzen
Fulda  und  Hanau  des  ehemaligen  Kurfürstenthums  Hessen  und  der
Kurhessischen  Verordnung  vom  4.  Mai  1858.  zur  Verhütung  gemeinschädlicher
  Handelsspekulationen  mit  Grundeigenthum.  Vom  13.  Mai
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rG
verordnen  für  das  ehemalige  Kurfürstenthum  Hessen,  was  folgt:

F.  1.

Das  in  den  Provinzen  Fulda  und  Hanm  auf  Grund  des  8.  22.  des
Kurhessischen  Gesetzes  vom  26.  August  1848.  über  die  Auseinandersetzung  der
Lehns-,  Meier=  und  anderen  gutsherrlichen  Verhältnisse  bestehende  Verbot  der
Theilung  der  geschlossenen  Güter  wird  aufgehoben  und  insoweit  der  S.  22,  des
Gesetzes  vom  26.  August  1848.  außer  Kraft  gesetzt.

ii

Wenn  jedoch  auf  diesen  geschlossenen  Gütern,  als  solchen,  Mblösungs.  oder
Entschädigun  —*  für  abgelöste  oder  durch  das  Gesetz  vom  26.  August
1848.  ausgehobene  eallasten  oder  zu  deren  Berichtigung  gewährte  Darlehne
ruhen,  oder  Leistungen  an  Gemeinden,  Kirchen,  Pfarreien  oder  Schulen  (C.  2.
des  Mblosungsgesetzs  vom  23.  Juni  1832.  unter  2.)  haften,  so  muß  dem  Gerichte
  vor  der  Bes  atiguns  der  Verträge  über  die  Abtrennung  einzelner  Theile
nachgewiesen  werden,  daß  entweder  eine  Einigung  mit  den  Berechtigten  über  die
Vertheilung  der  Schuldt  keiten  auf  die  einzelnen  Trennstücke  erfolgt  r  oder  die
Berechtigten  wegen  der  Hortentrichlung  der  Leistungen  sichergestellt  sind.

KC.  3.

Die  Kurhessische  Verordnung  vom  4.  März  1858.  zur  Verhütung  gemeinschädlicher
  Spekulationen  mit  Grundeigenthum  wird  aufgehoben.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  13.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

 

(r.  6650  —6662)  (XNr.  6661.)
        <pb n="904" />
        –  72  —

(Nr.  6661.).  Allerhöchster  Erlaß  vom  8.  Mai  1867.,  betreffend  die  Pensionirung  und  Bestätigung,
  bezichungsweise  Ernennung  der  städtischen  Beamten  im  ehemaligen
  Königreich  Hannover.

A##  den  Bericht  vom  3.  Mai  d.  J.  bestimme  Ich  im  Anschluß  an  Meinen
Erlaß  vom  17.  Januar  d.  J.  (Gesetz-Samml.  S.  31.),  daß  es  im  ehemaligen
Königreich  Hannover  zur  Pensionirung  städtischer  Beamten  Meiner  Genehmigung
nicht  mehr  bedürfen  und  daß  wegen  der  Bestätigung  beziehungsweise  Ernemung
solcher  Beamten  fortan  nur  dann  an  Mich  berichtet  werden  soll,  wenn  es  sich
um  Bürzermeistr  und  deren  regelmäßige  Stellvertreter  in  Städten  von  mehr
als  10,000  Einwohnern  handelt.

Berlin,  den  8.  Mai  1867.

Wilhelm.

Gr.  zu  Eulenburg.
An  den  Minister  des  Innern.

(Nr.  6662.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  11.  Mai  1867.,  betreffend  die  Vermehrung  der  Mitgliederzahl
  bei  der  Handelskammer  zu  Hagen.

Auf  den  Bericht  vom  8.  Mai  d.  J.  bestimme  Ich,  daß  die  Lunea  er
des  Kreises  Hagen  zu  Augen  fernerhin  statt  aus  neun,  aus  achtzehn  Mitgliedern
bestehen  soll.  egen  des  Wechsels  der  Mitglieder  und  Stellvertreter  hat  der
Handelsminister  Anordnung  zu  khen.

Dieser  Mein  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß
  zu  bringen.

Berlin,  den  11.  Mai  1867.

Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.
An  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Redigirt  im  Bürean  des  Staats-Mlnisteriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober  Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="905" />
        —  729  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  47.

 

(Nr.  6663.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen  Gesetze  und  die  Justigverwaltung
  in  der  vormals  Bayerischen  Enklave  Kaulsdorf.  Vom  22.  Mai
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u§

verordnen  für  die  ehemals  Bareriche  durch  das  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.
Gesetz-Samml.  für  1866.  S.  876.)  mit  Unseren  Staaten  vereinigte  Enklave
aulsdorf,  was  folgt:

Artikel  I.

Alle  Preußischen  Gesetze,  Verordnungen  und  Bestimmungen,  welche  in  dem
Kreise  Ziegenrück  des  Regierungsbezirks  Erfurt  Gesehestraft  haben,  werden  hierdurch
  mit  derselben  Wirkung  vom  1.  Juni  d.  J.  ab  in  der  Enklave  Kaulsdorf
unter  gleichzeitiger  Aufhebung  der  entgegenstehenden  Gesetze,  Verordnungen  und
Bestimmungen  nach  Maaßgabe  der  Patente  wegen  Einführung  der  Allgemeinen
Gerichts=  und  Kriminalordnung  und  des  Allgemeinen  Landrechts  in  die  mit  den
Preußischen  Staaten  vereinigten  ehemals  Sächsischen  Provinzen  und  Distrikte
vom  22.  April  und  15.  November  1816.  (Gesetz  Samml.  für  1816.  S.  124.
und  233.)  eingeführt.  Hinsichtlich  der  Einführung  der  Verfallungs  ülreunde  ver-—–e
  dem  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  für  1866.

Artikel  II.

Die  Enklave  Kaulsdorf  wird  dem  Departement  des  Appellationsgerichts
zu  Naumburg,  insbesondere  dem  Bezirke  des  Kreisgerichts  zu  Erfurt  einverleibt.
Artikel  III.

Die  Staatsminister  werden,  ein  jeder  für  sein  Ressort,  ermächtigt,  die  zur
Ausführung  dieser  Verordnung  erforderlichen  Anordnungen  zu  erlassen.
Johrgang  1867.  (Ne.  6663—6664.)  97  Ur-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  1.  Juni  1867.
        <pb n="906" />
        Lerbindich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  22.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplit.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6664.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  8.  April  1867.,  betreffend  Veränderungen  in  den  Be.
zirken  einiger  unteren  Verwaltungsbehörden  und  Amtsgerichte  im  Gebiete
des  vormaligen  Königreichs  Hannover.

uf  en  Bericht  vom  26.  März  d.  J.  bestinune  bei  Rückgabe  der  Anlagen
  hinstchtlich  der  Bezirke  der  unteren  Verwaltungsbehörden  und  der  Amtsgerichte
  im  Gebiete  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover  hierdurch  was  folgt:
Es  wird  festestelt,  1)  die  neu  geregelte  Grenze  der  Stadt  Wunstorf  gegen  die
benachbarten  Landgemeinden  als  Grenze  der  Stadt  Wunstorf  8  Amt
Neustadt  a.  R.;  2)  die  neu  geregelte  Grenze  der  Gemeinde  Machtsum  gegen
die  Gemeinde  Kemme  als  Grenze  des  Amts  Hildesheim  gegen  das  Amt  Marienburg;
  ¾  die  neu  geregelte  Grenze  der  Gemeinde  Ostendorf  gegen  die  Gemeinde
Armstorf  bei  der  Poppeschen  Anbaustelle  an  der  Mehe  als  Prenze  des  Amts
und  des  Amtsgerichts  Bremervörde  gegen  das  Amt  und  das  Amtsgericht  Osten;
4)  die  neu  geregelte  Grenze  der  Gemeinde  Kirchwistedt  gegen  die  Gemeinde  Appeln
als  Grenze  des  Amts  und  des  Amtsgerichts  Bremervörde  gegen  das  Amt  Lebe
und  das  Amtsgericht  Geestemünde;  5)  die  Grenze  des  Amts  und  des  Amtsgerichts
  Aschendorf  gegen  die  Stadt  und  das  Amtsgericht  Papenburg  wird  so  fel.
estellt,  wie  sie  in  der  von  der  Landdrostei  zu  Osnabrück  und  der  Kronanwalt
chaft  des  Obergerichts  zu  Meppen  vom  29.  August  v.  J.  vollzogenen,  bei  dem
Amte  Achendem  zu  hinterlegenden  Grenzbeschreibung  dargestellt  ist)  6)  die  neu
geregelte  Grenze  der  Gemeinden  Haselünne  und  Lotten  ainerseis  gegen  die  Gemeinde
  Haverbeck,  Klosterholle  andererseits,  als  Grenze  des  Amts  und  des  Amtsgerichts
  Haselünne  gegen  das  Amt  und  das  Amtsgericht  Meppen.

Berlin,  den  8.  April  1867.  "
Wilhelm.

Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.
An  die  Minister  der  Justiz  und  des  Innern.

.

(Nr.  6665.)
        <pb n="907" />
        —  731  —

(Nr.  6665.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  24.  April  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreit-  resp.  Aktien-Chaussee
  von  Breslau  über  Schwoitsch  nach  Groß-  Nädlitz.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  8.  August  1866.  den  Bau  einer
Chaussee  von  Breslau  über  Schwoitsch  nach  Groß-Nädlitz  durch  die  Stadt  Breslau
  und  eine  zu  diesem  Zwecke  zusammengetretene  Aktiengesellschaft,  desgleichen
unter  heutigem  Tage  die  Errichtung  der  letzteren  unter  der  Firma:  „Breslau-Schwoitsch-Groß-Nädlitzer
  Chausseebau-Aktiengesellschaft"“,  endlich  die  Beschlüsse
der  Breslauer  Kreisstinde  vom  12.  Dezember  1864.  resp.  30.  Oktober  1866.
in  Betreff  der  Uebernahme  der  Garantie  für  die  dauernde  Unterhaltung  der
event.  bis  zur  Kreisgrenze  auszubauenden  Chaussee  von  Breslau  nach  Groß-Nädlitz
genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  der  Stadt  Breslau  beziehungsweise  der
gedachten  Aktiengesellschaft  resp.  dem  Kreise  Breslau,  jedem  Theile  hinsichts  der
ihm  obliegenden  Verpflichtungen,  das  Erpropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee
erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebauund
  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen
bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  den  gedachten
  Bauverpflichteten  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung
  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmumgen
  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,
euncchltehlch  der  in  demselben  enaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,
sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  etreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese
Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch
verleihen.  #u  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.  angebängten
  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachte
Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  24.  April  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6665—4667.)  97“  (Nr.  6666.)
        <pb n="908" />
        —  732  —

(Nr.  6666.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  4.  Mai  1867.,  betreffend  die  Anwendung  der  Vorschriften
  des  Gesetzes  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen  vom  3.  November
  1838.  auf  die  von  dem  Bahnhofe  Dürrenberg  der  Thüringischen
Eisenbahn  nach  der  gleichnamigen  Saline  herzustellende  Eisenbahn.

A#  Ihren  Bericht,  vom  30.  April  d.  J.  bestimme  Ich,  daß  die  Vorschriften  des
Gesetzes  über  die  Eisenbahn-  eUmternehmungen  vom  3.  November  1838.,  namentlich
  soweit  dieselben  das  Recht  zur  Expropriation  der  für  den  Eisenbahnbau  erforderlichen
  Grundstücke,  sowie  das  gpu  sur  vorübergehenden  Benutzung  fremder
Grundstücke  betreffen,  auf  die  von  der  Sall  ine  Dürren!  erg  nach  dem  gleichnamigen
Bahnhofe  der  Thüringischen  Eisenbahn  herzustellende  Esendapn  zur  Anwendung
kommen  sollen.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zu  veröffentlichen.

Berlin,  den  4.  Mai  1867.

Wilhelm.

Gr.  v.  Itzenplitz.
An  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6667.)  Genehmigungs-Urkunde,  betreffend  einen  Nachtrag  zum  Statut  der  Thüringischen
Eisenbahngesellschaft.  Vom  8.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

Nachdem  die  Thüringische  Essenbahnge  elschast  in  der  Generalversammlung
ihrer  Aktionaire  vom  28.  Marz  1867.  B  hert  er  Erweiterung  und  Verbesserung
der  Bahnanlagen  und  Jeerieolh  ncunoeht  der  erleluung  von  Doppelgeleisen
und  der  Vermehrung  der  Betriebsmittel  die  Erhöhung  ihres  Anlagekapitals  um
(2,250,000  Thaler  und  in  Folge  dessen  den  anliegenden  Statutnachtrag  beschlossen
hat,  jwolln  Wir  dem  letzteren  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  hierdurch
ertheilen

Die  gegenwärtige  Urkunde  ist  nebst  dem  Statutnachtrage  durch  die  Gesetz-Sammüung
  t  veröffentlichen.

risndlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem

gönigllten  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  8.  Mai  1867.

(I.  )Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

Drei-
        <pb n="909" />
        —  733  —

Dreizehnter  Nachtrag

zum

Statut  der  Thuͤringischen  Eisenbahngesellschaft.

Artikel  J.

Zur  Dechung  der  Kosten  der  für  nothwendig  erkannten  Erweiterung  und
Verbesserung  der  Bahnanlagen  und  Betriebseinrichtungen,  der  Herstellung  von
Doppelgeleisen,  sowie  der  Vermehrung  der  Betriebsmittel  sol-  das  im  "  ʒ.  des
Statuts  der  Thüringischen  Eisenbahngesellschaft  auf  9,000,000  Thaler  festgesetzte
Anlagekapital  um  2,250,000  Thaler  durch  Ausgabe  von  22,500  Stück  neuer
Aktien  à  100  Thaler  erhöht  werden.

Artikel  II.

Die  neuen  Aktien  werden  in  der  für  die  älteren  Aktien  und  die  datn  66
hörigen  Dividendenscheine  nebst  Talons  festgesetzten  Form  unter  Nr.  67)/568.  bis
90,067.  ausgefertigt.

Artikel  III.

Den  Inhabern  der  älteren  Stammaktien  steht  das  Recht  zu)  auf  je  vier
Aktien  die  Lieferung  einer  neuen  zum  Parikurse  zu  beanspruchen,  ebenso  den  Inhabern
  der  nach  §F.  6.  des  Gesellschaftsstatuts  ausgefertigten  drei  Staatsaktien,  zusammen
  die  Lieferung  von  5625  Stück  neuen  Aktien  zum  Parikurse  zu  verlangen.

Artikel  IV.

Jeder  Uebernehmer  einer  neuen  Aktie  hat  an  dem  von  der  Direktion  durch
öffentliche  Bekanntmachung  festzusetzenden  Termine  eine  Anzahlung  von  40  Prozent
  zu  leisten  und  empfängt  einen  auf  diesen  Betrag  lautenden  Quittungsbogen.

Die  Jahlungsaufforderung  muß  durch  dreimalige  Insertionen  in  die  statutenmäßigen
  Blätter  erfolgen,  und  zwar  dergestalt,  daß  die  erste  mindestens  sechs
Wochen,  die  letzte  mindestens  vier  Wochen  vor  dem  Zahlungstermine  stattfinden
  muß.

Artikel  V.

Diejenigen  Aktionaire,  welche  bis  zu  diesem  Zahlungstermine  das  ihnen  nach
Artikel  III.  zustehende  Recht  nicht  ausüben,  gehen  desselben  verlustig  und  die  unabgenommenen
  neuen  Aktien  werden  zum  Besten  der  Gesellschaft  verwerthet

Mr.  6667.)  r-
        <pb n="910" />
        —  734  —

Artikel  VI.

Die  Höhe  und  den  Zeitpunkt  der  weiteren  Einzahlungen  setzt  die  Direktion
nach  Einvernehmen  mit  dem  Verwaltungsrathe  fest.  Bezüglich  der  Verhaftung
der  ursprünglichen  Zeichner,  der  Uebertragung  der  Quittungsbogen  an  Andere,
des  Verfallens  in  Konventionalstrafen,  bezüglich  des  Verletes  er  eingezahlten
Beträge  bei  Versäumniß  der  weiteren  Zahlungstermine  und  der  Aushändigung
der  neuen  Aktien,  sind  lediglich  die  Bestimmungen  der  13.  bis  17.  des  Gesellschaftsstatuts
  mit  den  durch  die  Porschriften  der  Artikel  220.  sequ.  des  Deutschen
Handelsgesetzbuches  gegebenen  Modifikationen  maaßgebend.

Artikel  VII.

Die  auf  die  neuen  22),500  Stück  Aktien  geleisteten  Einzahlungen  werden  bis
um  31.  Dezember  des  Jahres,  in  welchem  die  letzte  Theilzahlung  eingssorden  ist,  aus
en  Betriebseinnahmen  jedes  laufenden  Jahres  von  dem  in  der  Ausschreibung  bestimmten

  Schlußeinzahlungstage  an  mit  fünf  Prozent  verzinst.

Die  letzte  Theilzahlung  muß  spätestens  im  Jahre  1870.  eingefordert  werden.

Mit  dem  I.  auf  die  letzte  Theilzahlung  folgenden  Januar,  spätestens  mit
dem  1.  Januar  1871.  treten  die  neuen  Aktien  in  völlig  gleiche  Rechte  mit  den
alten  Aktien  und  finden  auf  sie  resp.  ihre  Inhaber  alle  statutenmäßige  Bestimmungen
  gleichmäßig  Anwendung.

Artikel  VIII.

Die  statutarischen  Bestimmungen  über  das  Stimmrecht  der  drei  Staatsregierungen
  von  Preußen,  Sachsen  eiiar  Eifenach  und  Sachsen-Coburg-Gotha
in  den  Generalversammlungen  werden  durch  den  gegenwärtigen  Statutnachtrag
nicht  geändert.

Den  Staatsregierungen  wird  demnach  auch  ferner  in  jeder  Generalversammlung
  ein  Viertheil  der  gesammten  bei  der  jedesmaligen  Beschlußfassung  gültig
abgegebenen  Stimmen  zustehen.

 

(Nr.  6668.)
        <pb n="911" />
        —  735  —

(Nr.  6668.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  der  unter  der  Firma:
„  Breslau-  Schwoitsch.  Groß-  Nädlitzer  Chausseebau-Aktiengesellschaft  mit
dem  Sitze  zu  Breslau  errichteten  Aktiengesellschaft.  Vom  11.  Mai  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  24.  April
d.  J.  die  Errichtung  einer  A  snerealchost  unter  der  Firma:  „Breslau-Schwoitsch=Groß-Nädlitzer
  Chausseebau-Aktiengesellschaft“  mit  dem  Sise  zu  Breslau,  sowie
—“*3s  vom  25.  Oktober  1865.  resp.  15.  September  1866.  zu  genehmigen
geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statute  wird  durch  das  Amtsblatt  der
Königlichen  Regierung  zu  Breslau  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  11.  Mai  1867.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  Der  Minister  des  Innern.
und  öffentliche  Arbeiten.  Im  Auftrage:
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Klützow.

——-G  ——

(Nr.  6669.)  Verordnung,  betreffend  die  Ausführung  des  §.  188.  des  Allgemeinen  Berggesetzes
  vom  24.  Juni  1865.,  sowie  der  Verordnung  vom  8.  Mai  1867.
wegen  Einführung  des  Allgemeinen  Berghgesetzes  in  das  Gebiet  des  vormaligen
  Königreichs  Hannover.  Vom  25.  Mai  18607.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  x.

verordnen  hierdurch  in  Ausführung  des  F§.  188.  des  Allgemeinen  Berggesetzes
vom  24.  Juni  1865.  (Gesetz-Samml.  für  1865.  S.  705.),  sowie  der  Verordnung
  vom  8.  Mai  d.  J.,  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen  Berggesetzes
vom  24.  Juni  1865.  in  das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  (Gesetz-Samml.
  für  1867.  S.  601.),  was  folgt:

Artikel  I.

Der  Bezirk  des  Oberbergamtes  4  Dortmund  umfaßt  vom  1.  Juli  d.  J.
an  auch  die  Landdrostei-Bezirke  Osnabrück  und  Aurich  des  vormaligen  Königreiches
  Hannover,  wogegen  alle  übrigen  Landestheile  des  letzteren  von  dem  bezeichneten
  Zeitpunkte  an  den  Bezirk  des  Berg=  und  Forstamtes  zu  Clausthal
bilden.  Dem  Berg=  und  Forstamte  zu  Clausthal  werden  in  neiner  Eigenschaft
als  Bergbehörde  alle  Befugnisse  und  Obliegenheiten  eines  Oberbergamtes  bis
auf  Weiteres  beigelegt.

(Nr.  6668—66569.)  Ar-
        <pb n="912" />
        Artikel  II.

Mit  dem  1.  Juli  d.  J.  sind  die  Verwaltungen  der  Domanial--Bergwerke,
Steinbrüche,  Hütten-,  Hammerwerke  und  Salinen  in  den  durch  Artikel  I.  bezeichneten
  Bezirken  den  für  dieselben  eingesetzten  Oberbergämtern  unterworfen.

Der  Handelsminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  25.  Mai  1867.
(1u.  &amp;amp;.)Wilhelm.

Gr.  v.  Itzenplitz.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="913" />
        —  737  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

N.  48.  —

 

(Nr.  6670.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Allgemeinen  Deutschen  Wechselordnung
  in  das  vormalige  Kurfürstenthum  Hessen.  Vom  13.  Mai  1867.

Wur  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc

verordnen  für  das  vormalige  Kurfürstenthum  Hessen,  auf  den  Antrag  Unseres
Staatsministeriums,  was  folgt:

KC.  1.

Die  in  der  Anlage  abgedruckte  Allgemeine  Deutsche  Wechselordnung  tritt
nebst  den  nachstehenden  Einführun  Sbestimungen  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum
  Hessen  mit  dem  Tage  der  Gesetzeskraft  dieser  Verordnung  in  Kraft.

5.  2.
Die  Vollstreckung  des  Wechselarrestes  wird  gemäß  dem  letzten  Absatze  des
Artikels  2.  der  Wechselordnung  ausgeschlossen:

1)  gegen  die  Mitglieder  der  beiden  Lser  des  handtages  nach  Maaßgabe
es  Artiels  84.  der  Preußischen  Verfassungs-Urkunde  vom  31.  Januar
1850.,

2)  gegen  die  Personen  des  Soldatenstandes,  so  lange  sie  dem  Dienststande
angehören;  Militair-  und  Civilbeamte  sind  dem  Wechselarrest  unterworfen;
gegen  einen  Beamten  darf  der  Arrest  jeboch  erst  dann  vollstreckt  werden,
wenn  der  vorgesetzten  Dienstbehörde  Anzeige  erstattet  ist  und  dieselbe  für
die  Vertretung  des  Beamten  zu  sorgen  vermocht  hat;

3)  Eege  den  Schiffer  b  die  Schiffsmannschaft,  sowie  alle  übrigen  auf  dem

lise,  angestellten  Personen,  wenn  das  Seeschiff  zum  Abgehen  fertig
Vegelfertig)  ist,
4)  gegen  die  Personen,  über  deren  Vermögen  der  Konkurs  eröffnet  ist,  wegen
er  früher  entstandenen  Forderungen,  seboch  nur  während  der  Dauer  des
Konkurses  und  ohne  Berücksichtigung  der  Rechtswohlthat  der  Kompetenz
nach  Beendigung  desselben;
Jahrganz  1867.  (Nr.  6670.)  98  5)  wenn

Ausgegeben  zu  Berlin  den  6.  Juni  1867.
        <pb n="914" />
        —  736  —

5)  wenn  der  Schuldarrest  wenigstens  Ein  Jahr  hindurch  vollstreckt  worden
ist,  wegen  der  früheren  Forderungen  desjenigen  Gläubigers,  welcher  den
Arrest  beantragt  hat,  sofern  derselbe  nicht  nachweist,  daß  dem  Schuldner
Befriedigungsmittel  zu  Gebote  stehen.

S.  3.

Die  Kurbessssche  Wechselordnung  vom  26.  Oktober  1859.  nebst  dem,  die
Ergänung  derselben  betreffenden  Gesetze  vom  10.  August  1864.  treten  außer  Kraft.
Es  bleiben  jedoch  die  nachstehenden  Bestimmungen  der  Kurhessischen  Wechselordnung
  vom  26.  Oktober  1859.  in  Geltung:

die  Bestimmungen  im  letzten  Absatz  des  Artikels  2.  über  die  Bereitstellung
  der  Mittel  zur  Unterhaltung  des  Schuldners;

die  Bestimmungen  im  zweiten  Absatz  des  Artikels  18.  und  im  ersten
Absatz  des  Artikels  35.  über  die  Präsentation  zur  Annahme  und  die  Zahlungszeit
  bei  Meß=  oder  Marktwechseln,  wenn  der  Meß  oder  Marktort
im  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  liegt;

die  Bestimmungen  im  zweiten  Absatz  des  Artikels  73.  über  das  Verfahren
  zum  ZQweck  der  Amortisation  abhanden  gekommener  Wechsel)

die  Bestimmungen  im  dritten  und  vierten  Absatz  des  Artikels  87.  über
die  Stempelverwendung  und  die  Gebühren  der  Aktuare  und  Notare  beie
der  Aufnahme  von  Wechselprotesten.

Lirbdh  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Infiegel.

Gegeben  Berlin,  den  13.  Mai  1867.
(I.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

All-
        <pb n="915" />
        739  —

Allgemeine  Deutsche  Wechselordnung.

Erster  Abschnitt.
Von  der  Wechselfähigkeit.

Artikel  1.
Weckselähig  ist  Jeder,  welcher  sich  durch  Verträge  verpflichten  kann.

Artikel  2.

Der  Wechselschuldner  haftet  für  die  Erfüllung  der  übernommenen  Wechselverbindlichkeit
  mit  seiner  Person  und  seinem  Vermögen.  Dem  Wechselgläubiger
ist  gestattet,  neben  der  Exekution  gegen  die  Person  seines  Schuldners  gleichzeitig
die  Exekution  in  dessen  Vermögen  zu  suchen.

Jedoch  ist  der  Wechselarrest  nicht  zulässig:

1)  gegen  die  Erben  eines  Wechselschuldners;

2)  aus  Wechselerklärungen,  welche  für  Korporationen  oder  andere  juristische
Personen,  für  Aktiengesellschaften  oder  in  Angelegenheiten  solcher  Personen,
  welche  zu  eigener  Vermögensverwaltung  unfähig  sind,  von  den
Vertretern  derselben  ausgestellt  werden;

3)  gegen  Frauen,  wenn  sie  nicht  Handel  oder  ein  anderes  Gewerbe  treiben.

Den  Landesgesetzen  bleibt  vorbehalten,  die  Vollstreckung  des  Wechselarrestes
auch  noch  auszuschließen:
a)  gegen  die  Mitglieder  der  Ständeversammlung  während  der  Dauer  der
etzteren

b)  “-  Offiziere  und  Soldaten,  Auditeure  und  Militairärzte  und  sonstige
ilitairbeamte,  so  lange  sie  sich  im  aktiven  Dienst  befinden;

P)  gegen  Civilstaatsdiener  im  aktiven  Dienste;
)  gegen  ordinirte  Geistliche;
e)  gegen  den  Schiffer,  die  Schiffsmannschaft,  sowie  alle  übrigen  auf  dem
*rb  58  Personen,  wenn  das  Seeschif  zum  Abgehen  fertig
Cigelfertig)  ist

s)  wenn  über  das  Vermögen  des  Schuldnerz  der  Konkurs  eröffnet,  veer

(Nr.  6670.)  e
        <pb n="916" />
        —  740  —

der  Schuldner  zur  Güterabtretung  zugelassen  worden  ist,  wegen  der  früher
entstandenen  Forderungen,  und

8)  wenn  der  Schuldarrest  wenigstens  Ein  Jahr  hindurch  vollstreckt  worden
ist,  wegen  der  früheren  Porderungen  desjenigen  Gläubigers,  welcher  den
Arrest  beantragt  hat,  sesen  derselbe  nicht  nachweist,  daß  dem  Schuldner
Befriedigungsmittel  zu  Gebote  stehen.

Artikel  3.
Finden  sich  auf  einem  Wechsel  Unterschriften  von  Personen,  welche  eine
Wechselverbindlichkeit  überhaupt  nicht,  oder  nicht  mit  vollem  Erfolge  eingehen

können,  so  hat  dies  auf  die  Verbindlichkeit  der  übrigen  Wechselverpflichteten
keinen  Einfluß.

Zweiter  Abschnitt.
Von  gezogenen  Wechseln.

I.  Erfordernisse  eines  gezogenen  Wechsels.

Artikel  4.
Die  wesentlichen  Erfordernisse  eines  gezogenen  Wechsels  sind:

1)  die  in  den  Wechsel  selbst  aufumehmende  Bezeichnung  als  Wechsel,  oder,
wenn  der  Wechsel  in  einer  fremden  Sbrac-e  ausgestellt  ist,  ein  jener
Bezeichnung  entsprechender  Ausdruck  in  der  fremden  Sprache;

2)  die  Angabe  der  zu  zahlenden  Geldsumme;

3)  der  Name  der  Person  oder  die  Firma,  an  welche  oder  an  deren  Order
gezahlt  werden  soll  (des  Remittenten);

4)  die  Angabe  der  Zeit,  zu  welcher  gezahlt  werden  soll;  die  Zahlungszeit
kann  für  die  gesammte  Geldsumme  nur  eine  und  dieselbe  sein  und  nur
festgesetzt  werden

auf  einen  bestimmten  Tag,

auf  Sicht  (Vorzeigung,  à  vista  2c.)  oder  auf  eine  bestimmte  Zeit
nach  Sicht,

auf  eine  bestimmte  Zeit  nach  dem  Tage  der  Ausstellung  (nach  dato),

auf  eine  Messe  oder  einen  Markt  (Meß.  oder  m  3  ß

5)  g  Unterschrift  des  Ausstellers  (Trassanten)  mit  seinem  Namen  oder  seiner
irma
6)  die  Angabe  des  Ortes,  Monatstages  und  Jahres  der  Ausstellung;

7)  der  Name  der  Person  oder  die  Firma,  welche  die  Zahlung  leisten  soll
(des  Bezogenen  oder  Trassaten)
8)  die
        <pb n="917" />
        —  741  —

8)  die  Angabe  des  Ortes,  wo  die  Zahlung  geschehen  soll;  der  bei  dem
Namen  oder  der  Firma  des  Bezogenen  angegebene  Ort  gilt  für  den
Wechsel,  insofern  nicht  ein  eigener  ahlungsort  angegeben  ist,  als  Zahlungsort
  und  zugleich  als  Wohnort  des  Bezogenen.

Artikel  5.
Ist  die  zu  zahlende  Geldsumme  (Art.  4.  Nr.  2.)  in  Buchstaben  und  in
Affen  ausgedrann  so  gilt  bei  Abweichungen  die  in  Buchstaben  ausgedrückte
umme.
Ist  die  Summe  mehrmals  mit  Buchstaben  oder  mehrmals  mit  Ziffern
geschrieben,  so  gilt  bei  Abweichungen  die  geringere  Summe.

Artikel  6.

Der  Aussteller  kann  sich  selbst  als  Remittenten  (Art.  4.  Nr.  3.)  bezeichnen
(Wechsel  an  eigene  Order).

Desgleichen  kann  der  Aussteller  sich  selbst  als  Bezogenen  (Art.  4.  Nr.  7.)
bezeichnen)  sofern  die  Zahlung  an  einem  anderen  Orte  als  dem  der  Ausstellung
gestehen  soll  (trassirt-eigene  Wechsel).

Artikel  7.

Aus  einer  Schrift,  welcher  eines  der  wesentlichen  Erfordernisse  eines  Wechsels
(Art.  4.)  fehlt,  entsteht  keine  wechselmäßige  Verbindlichkeit.  Auch  haben  die  auf
eine  solche  Schrift  gesetzten  Erklärungen  (Indossament,  Accept,  Aval)  keine  Wechselkraft.
  Das  in  einem  Wechsel  enthaltene  Zinsversprechen  gilt  als  nicht  geschrieben.

II.  Verpflichtungen  des  Aus  kellers.

Artikel  8.
Der  Aussteller  eines  Wechsels  haftet  für  dessen  Annahme  und  Zahlung
wechselmäßig.
III.  Indossament.

Artikel  9.
Der  Remittent  kann  den  Wechsel  an  einen  Anderen  durch  Indossament
(Giro)  übertragen.
Hat  jedoch  der  Aussteller  die  Uebertragung  im  Wechsel  durch  die  Worte
nicht  an  Order“  oder  durch  einen  gleichbedeutenden  Ausdruck  untersagt,  so  hat
das  Indossament  keine  wechselrchllice  irkung.

Artikel  10.

Durch  das  Indossament  gehen  alle  Rechte  aus  dem  Wechsel  auf  den  In-(Ne.
  6670.)  dossatar
        <pb n="918" />
        —  742  —

dossatar  über,  insbesondere  auch  die  Befugniß,  den  Wechsel  weiter  zu  indossiren.
Auch  an  den  Aussteller,  Bezogenen,  Acceptanten  oder  einen  früheren  Indossanten
kann  der  Wechsel  gültig  indossirt  und  von  denselben  weiter  indossirt  werden.

Artikel  11.

Das  Indossament  muß  auf  den  Wechsel,  eine  Kopie  desselben  oder  ein
mit  dem  Wechsel  oder  der  Kopie  verbundenes  Blatt  (Alonge)  geschrieben  werden.

Artikel  12.

Ein  Indossament  ist  Fültig  wenn  der  Indossant  auch  nur  seinen  Namen
oder  seine  Firma  auf  die  Rückseite  des  Wechsels  oder  der  Kopie,  oder  auf  die
Alonge  schreibt  (Blanko-Indossament).

Artikel  13.

Jeder  Inhaber  eines  Wechsels  ist  befugt,  die  auf  demselben  befindlichen
Blanko-Indossamente  auszufüllen;  er  kann  den  Wechsel  aber  auch  ohne  diese
Ausfüllung  weiter  indossiren.

Artikel  14.

Der  Indossant  haftet  jedem  späteren  Inhaber  des  Wechsels  für  dessen
Annahme  und  Zahlung  wechselmäßig.  Hat  er  aber  dem  Indossamente  die  Bemerkrung
  ohne  Gewährleistung“,  ohne  „Obligo"“  oder  einen  gleichbedeutenden
Vorbehalt  hinzugefügt,  so  ist  er  von  der  Verbindlichkeit  aus  seinem  Indossamente

befreit.
Artikel  15.

st  in  dem  Indossamente  die  Weiterbegebung  durch  die  Worte  nicht  an
Order“  oder  durch  einen  gleichbedeutenden  Ausdruck  verboten,  so  haben  diejenigen,
an  welche  der  Wechsel  aus  der  Hand  des  Indossatars  gelangt,  gegen  den  Indossanten
  keinen  Regreß.
Artikel  16.

Wenn  ein  Wechsel  indossirt  wird,  nachdem  die  für  die  Protesterhebung
Mangels  Zahlung  bestimmte  Frist  abgelaufen  ist,  so  krlingt  der  Indossatar  die
Rechte  aus  dem  etwa  vorhandenen  Accepte  gegen  den  Bezogenen  und  Regreßrechte
  gegen  diejenigen,  welche  den  Wechsel  nach  Ablauf  dieser  Frist  indossirt
  haben.

s  st  aber  der  Wechsel  vor  dem  Indossamente  bereits  Mangels  Zahlung
rotestirt  worden,  so  hat  der  Indossatar  nur  die  Rechte  seines  Indossanten  gegen
"es  Acceptanten,  den  Aussteller  und  diejenigen,  welche  den  Wechsel  bis  zur  Protesterhebung
  indossirt  haben.  Auch  ist  in  einem  solchen  Falle  der  Indossant  nicht
wechselmäßig  verpflichtet.
·  Artikel  17.

dem  Indossamente  die  Bemerkung  „zur  Einkassirung“,  „in  Prokura“,
oder  eine  andere,  die  Bevollmächtigung  ausdrückende  Formel  beigefügt  worden
o
        <pb n="919" />
        —  743  —

so  überträgt  das  Indossament  das  Eigenthum  an  dem  Wechsel  nicht,  ermächtigt
aber  den  #ssarn  zur  Einziehung  der  Wechselforderung,  Protesterhebung  und
Benachrichtigung  des  Vormannes  seines  Indossanten  von  der  unterbliebenen
Zahlung  (Art.  45.),  so  wie  zur  Einklagung  der  nicht  bezahlten  und  zur  Erhebung
der  deponirten  Wechselschuld.  Ein  solcher  Indossatar  ist  auch  berechtigt,  diese
Befugniß  durch  ein  weiteres  Prokura-Indossament  einem  Anderen  zu  übertragen.
Dagegen  ist  derselbe  zur  weiteren  Begebung  durch  eigentliches  Indossament  selbst
dannn  befugt,  wenn  dem  Prokura-Indossamente  der  Zusatz  Hoder  Order“  hinzugefügt
  ist.

IV.  Präsentation  zur  Annahme.

Artikel  18.

Der  Inhaber  eines  Wechsels  ist  berechtigt,  den  Wechsel  dem  Bezogenen
sofort  zur  Annahme  zu  präsentiren  und  in  Ermangelung  der  Annahme  Protest
##cheben  zu  lassen.  Eine  entgegenstehende  Uebereinkunft  hat  keine  wechselrechtliche

irkung.
N  bei  Meß-  oder  Markt  -Wechseln  findet  eine  Ausnahme  dahin  statt,
daß  solche  Wechsel  erst  in  der  an  dem  Meß-  oder  Markt-Orte  gesetzlich  bestimmten
  Präsentationszeit  zur  Annahme  präsentirt  und  in  Ermangelung  derelben
  protestirt  werden  können.  Der  bloße  Besitz  des  Wechsels  ermächtigt  zur
räsentation  des  Wechsels  und  zur  Erhebung  des  Protestes  Mangels  Mnhine.

Artikel  19.

Eine  Verpflichtung  des  Inhabers,  den  Wechsel  zur  ach  zu  präsentiren,
  findet  nur  bei  Wechseln  statt,  welche  auf  eine  bestimmte  Zeit  nach  Sicht
lauten.  Solche  Wechsel  müssen  bei  Verlust  des  wechselmäßigen  Anspruchs  gegen
die  Indossanten  und  den  Aussteller,  nach  Maaßgabe  der  besonderen  im  Wechsel
enthaltenen  Bestimmung  und  in  Ermangelung  derselben  binnen  zwei  Jahren  nach
der  Ausstellung  zur  Annahme  präsentirt  werden.  Hat  ein  Indossant  auf  einen
Wechsel  dieser  Art  seinem  Indossamente  eine  besondere  Präsentationsfrist  hinzugefügt,
  so  erlischt  seine  wechselmäßige  Verpflichtung,  wenn  der  Wechsel  nicht
innerhalb  dieser  Frist  zur  Annahme  präsentirt  worden  ist.

Artikel  20.

Wenn  die  Annahme  eines  auf  bestimmte  Zeit  nach  Sicht  gestellten  Wechsels
nicht  zu  erhalten  vo  oder  der  Bezogene  die  Datirung  seines  Acceptes  verweigert,
t  muß  der  Inhaber  bei  Verlust  des  wechselmäßigen  Anspruchs  gegen  die  Inossanten

  und  den  Aussteller  die  rechtzeitige  Präsentation  des  Wechsels  durch  einen
innerhalb  der  Präsentationsfrist  (Art.  19.)  erhobenen  Protest  feststellen  lassen.

Der  Protesttag  gilt  in  diesem  Falle  für  den  Tag  der  Präsentation.

Ist  die  Protesterhebung  unterblieben,  so  wird  gegen  den  Acceptanten,
welcher  die  Datirung  seines  Acceptes  unterlassen  hat,  die  Verfallzeit  des  Wechsels
vom  letzten  Tage  der  Präsentationsfrist  an  gerechnet.

(ur.  6670)  V.  An-
        <pb n="920" />
        —  744  —

V.  Annahme  (Acceptation).

Artikel  21.

Die  Annahme  des  Wechsels  muß  auf  dem  Wechsel  schriftlich  geschehen.

Jede  auf  den  Wechsel  geschriebene  und  von  dem  Bezogenen  unterschriebene
Erklärung  gilt  für  eine  unbeschränkte  Annahme,  sofern  nicht  in  derselben  ausdrücklich
  ausgesprochen  ist,  daß  der  Bezogene  entweder  überhaupt  nicht  oder  nur
unter  gewissen  Einschränkungen  annehmen  wolle.

Gleichergestalt  gilt  es  für  eine  unbeschränkte  Annahme,  wenn  der  Bezogene
ohne  weiteren  Beisatz  seinen  Namen  oder  seine  Firma  auf  die  Vorderseite  des
Wechsels  schreibt.

Die  einmal  erfolgte  Annahme  kann  nicht  wieder  zurückgenommen  werden.

Artikel  22.
Der  Bezogene  kann  die  Annahme  auf  einen  Theil  der  im  Wechsel  verschriebenemn
  Summe  beschränken.
Werden  dem  Accepte  andere  Einschränkungen  beigefügt,  so  wird  der  Wechsel
einem  solchen  gleichgeachtet,  dessen  Annahme  gänzlich  verweigert  worden  ist,  der
Acceptant  haftet  aber  nach  dem  Inhalte  seines  Acceptes  wechselmäßig.

Artikel  23.
Der  Bexgen-  wird  durch  die  Annahme  wechselmäßig  verpflichtet,  die  von
ihm  acceptirte  Summe  zur  Verfallzeit  4  zahlen.
Auch  dem  Aussteller  haftet  der  gecene  aus  dem  Accepte  Gechseimei.
Dagegen  steht  dem  Bezogenen  kein  Wechselrecht  gegen  den  Aussteller  zu.

Artikel  24.

Ist  in  dem  Wechsel  ein  vom  Wohnorte  des  Bezogenen  verschiedener
Zahlungsort  (Art.  4.  Nr.  8.)  angegeben  (Domizilwechsel),  so  ist,  insofern  der
Wechsel  nicht  schon  ergiebt,  durch  wen  die  Zahlung  am  Ihhlunggorte  erfolgen
soll,  dies  vom  Bezogenen  bei  der  Annahme  auf  dem  Wechsel  zu  bemerken.  8
dies  nicht  geschehen,  so  wird  angenommen,  daß  der  Bezogene  9*.  die  Zahlung
am  Zahlungsorte  leisten  wolle.

Der  Aussteller  eines  Domizilwechsels  kann  in  demselben  die  Präsentation
zur  Annahme  vonschrehen  Die  Nichtbeobachtung  dieser  Vorschrift  hat  den
Verlust  des  Regresses  gegen  den  Aussteller  und  die  Indossanten  zur  Folge.

VI.  Regreß  auf  Sicherstellung.
1.  Wegen  nicht  erhaltener  Annahme.

Artikel  25.
Wenn  die  Annahme  eines  Wechsels  überhaupt  nicht,  oder  unter  Einschränkungen,
  oder  nur  auf  eine  geringere  Summe  erfolgt  ist,  so  fdue  In.
ossanten
        <pb n="921" />
        —  745  —

dossanten  und  der  Aussteller  wechselmäßig  verpflichtet,  gegen  Aushändigung  des,
Mangels  Annahm-  aufgenommenen  Protestes  genügende  Sicherheit  dahin  zu
leisten,  daß  die  Bezahlung  der  im  Wechsel  verschriehenen  Summe  oder  des  nicht
zenommenen  Berrages  b  sowie  die  Erstattung  der  durch  die  Nichtannahme  veraßten
  Kosten  am  Verfalltage  erfolgen  werde.
Jedoch  sind  diese  Personen  auch  befugt,  auf  ihre  Kosten  die  schuldige
Summe  bei  Gericht  oder  bei  einer  anderen,  zur  Annahme  von  Depositen  eimech
tigten  Behörde  oder  Anstalt  niederzulegen.

Artikel  26.

Der  Remittent,  so  wie  jeder  Indossatar  wird  durch  den  Besitz  des,  Mangels
  Annahme  ausgenommenen  Protestes  ermächtigt,  von  dem  Aussteller  und
den  übrigen  Vormännern  Sicherheit  zu  fordern  und  im  Wege  des  Wechselprozesses
  darauf  zu  klagen.

Der  Regreßnehmer  ist  hierbei  an  die  Folgeordnung  der  Indossamente  und
die  einmal  getrofsene  Wahl  nicht  gebunden.

Der  Beibringung  des  Wechsels  und  des  Nachweises,  daß  der  Regreßnehmer
seinen  Nachmännern  selbst  Sicherheit  bestellt  habe,  bedarf  es  nicht.

Artikel  27.

Die  bestellte  Sicherheit  haftet  nicht  blos  dem  Regreßnehmer,  sondern  auch
allen  übrigen  Nachmännern  des  Bestellers,  insofern  sie  gegen  ihn  den  Regreß
auf  Sicherstellung  nehmen.  Dieselben  sind  weitere  Sicherheit  zu  verlangen  nur
in  dem  Falle  berechtigt,  wenn  sie  gegen  die  Art  oder  Größe  der  bestellten  Sicherheit
  Einwendungen  zu  begründen  vermögen.

Artikel  28.
Die  bestellte  Sicherheit  muß  zurückgegeben  werden:

1)  sobald  die  vollständige  Annahme  des  Wechsels  nachträglich  erfolgt  ist;

2)  wenn  gegen  den  Regreßpflichtigen,  welcher  sie  bestellt  hat,  binnen  Jahresfrist,
  vom  Verfalltage  des  Wechsels  an  gerechnet,  auf  Zahlung  aus  dem
Wechsel  nicht  geklagt  worden  ist;

3)  wenn  die  Zahlung  des  Wechsels  erfolgt  oder  die  Wechselkraft  desselben
erloschen  ist.

an
an

2.  Wegen  Unsicherheit  des  Acceptanten.
Artikel  29.
Ist  ein  Wechsel  ganz  oder  theilweise  angenommen  worden)  so  kann  in
Betreff  der  acceptirten  Summe  Sicherheit  nur  gefordert  werden:

1)  wenn  über  das  Vermögen  des  Acceptanten  der  Konkurs  (Debitverfahren,
Falliment)  eröffnet  worden  ist  oder  der  Acceptant  auch  nur  seine  Zahlungen
  eingestellt  hat;

Johrgang  1867.  (Tr.  6670.)  99  2)  wenn
        <pb n="922" />
        —  746  —

2)  wenn  nach  Ausstellung  des  Wechsels  eine  Exekution  in  das  Vermögen
des  Acceptanten  fruchtlos  ausgefallen  oder  wider  denselben  wegen  Erfüllung
  einer  Zahlungsverbindlichkeit  die  Vollstreckung  des  Personalarrestes
  verfügt  worden  ist.

Wenn  in  diesen  Fällen  die  Sicherheit  von  dem  Acceptanten  nicht  geleistet
und  dieserhalb  Protest  gegen  denselben  erhoben  wird,  auch  von  den  auf  dem
Wechsel  etwa  benannten  Nothadressen  die  Annahme  nach  Ausweis  des  Protestes
nicht  zu  erhalten  ist,  so  kann  der  Inhaber  des  Wechsels  und  jeder  Indossatar
gegen  Auslieferung  des  Protestes  von  seinen  Vormännern  Sicherstellung  fordern
*  rtikel  25—28.).  Der  bloße  Besitz  des  Wechsels  vertritt  die  Stelle  einer  Vollmacht,
  in  den  Nr.  1.  und  2.  genannten  Fällen  von  dem  Acceptanten  Sicherheits-Leilag
  zu  sordern,  und  wenn  solche  nicht  zu  erhalten  ist,  Protest  erheben
zu  lassen.

Der  Wechselinhaber  ist  berechtigt,  in  den  Nr.  1.  und  2.  genannten  Fällen
aug  don  dem  Acceptanten  im  Wege  des  Wechselprozesses  Sicherheitsbestellung
zu  fordern.

VII.  Erfüllung  der  Wechselverbindlichkeit.
1.  Zahlungstag.
Artikel  30.

Ist  in  dem  Wechsel  ein  bestimmter  Tag  als  Zahlungstag  bezeichnet,  so
tritt  die  Verfallzeit  an  diesem  Tage  ein.  Ist  die  Zahlungszeit  auf  die  Mitte
eines  Monats  gesetzt  worden,  so  ist  der  Wechsel  am  15.  dieses  Monats  fällig.
Ist  die  Zahlungszeit  auf  Anfang  oder  ist  sie  auf  Ende  eines  Monats  geseßzt
worden,  so  ist  darunter  der  erste  oder  letzte  Tag  des  Monats  zu  verstehen.

Artikel  31.

Ein  auf  Sicht  gestellter  Wechsel  ist  bei  der  Vorzeigung  fällig.  Ein  solcher
Wechsel  muß  bei  Verlust  des  wechselmäßigen  Anspruchs  gegen  die  Indossanten
und  den  Aussteller  nach  Maaßgabe  der  besonderen  im  Wechsel  enthaltenen  Bestimmung,
  und  in  Ermangelung  derselben  binnen  zwei  Jahren  nach  der  Ausstellung
  zur  Zahlung  präsentirt  werden.  Hat  ein  Inboffmt  auf  einem  Wechsel
ieser  Art  seinem  Indossamente  eine  besondere  Präsentationsfrist  hinzugefügt,  so
erlischt  seine  wechselmäßige  Verpflichtung,  wenn  der  Wechsel  nicht  innirhalt  dieser
Frist  präsentirt  worden  ist.

Artikel  32.

Bei  Wechseln,  welche  mit  dem  Ablaufe  einer  bestimmten  Frist  nach  Sicht
oder  nach  Dato  zahlbar  sind,  tritt  die  Verfallzeit  ein:

1)  wenn  die  Frist  nach  Tagen  bestimmt  ist,  an  dem  letzten  Tage  der  Frist;
bei  Berechnung  der  Feit  wird  der  Tag,  an  welchem  der  nach  Dato
zahlbare  Wecbft  ausgestellt  oder  der  nach  Sicht  zahlbare  zur  Annahme
präsentirt  ist,  nicht  mitgerechnet;

2)  wenn
        <pb n="923" />
        —  747  —

2)  wenn  die  Frist  nach  Wochen,  Monaten,  oder  einem,  mehrere  Monate
umfassenden  Zeitraume  (Jahr,  halbes  Jahr,  Vierteljahr)  bestimmt  ist,  an
denijenigen  Tage  der  Zahlungswoche  oder  des  Zahlungsmonats,  der
durch  seine  Benennung  oder  Zahl  dem  Tage  der  Ausstellung  oder  Präsentation
  entspricht;  Gon  dieser  Tag  in  dem  Zahlungsmonate,  so  tritt
die  Verfallzeit  am  letzten  Tage  des  Zahlungsmonats  ein.

Der  Ausdruck  „halber  Monat“  wird  einem  Zeitraume  von  15  Tagen
leichgeachtet.  Ist  der  Wechsel  auf  einen  oder  mehrere  ganze  Monate  und  einen
gokes  Monat  gestellt,  so  sind  die  15  Tage  zuletzt  zu  zählen

Artikel  33.
Respekttage  finden  nicht  statt.

Artikel  34.

Ist  in  einem  Lande,  in  welchem  nach  altem  Style  gerechnet  wird,  ein  im
Inlande  zahlbarrr  Wechsel  nach  Dato  ausgestellt,  und  babei  nicht  bemerkt,  daß
der  Wechsel  nach  neuem  Style  datirt  sei,  oder  ist  derselbe  nach  beiden  Stylen
datirt,  so  wird  der  Verfalltag  nach  demjenigen  Kalendertage  des  neuen  Styls
berechnet,  welcher  dem  nach  altem  Stle  sich  ergebenden  Tage  der  Ausstellung

entspricht.
Artikel  35.

Meß=  oder  Marktwechsel  werden  zu  der  durch  die  Gesetze  des  Meß=  oder
Marktortes  bestimmten  Jahlungszeit,  und  in  Ermangelung  einer  solchen  Festsetzung
  an  dem  Tage  vor  dem  gesetzlichen  Schlusse  der  Mese  oder  des  Marktes
fällig.  Dauert  die  Messe  oder  der  Markt  nur  Einen  Tag,  so  tritt  die  Verfallzeit
  dea  Wechsels  an  diesem  Tage  ein.

2.  Zahlung.
Artikel  36.

Der  Inhaber  eines  indossirten  Wechsels  wird  durch  eine  zusammenhängende,
bis  auf  ihn  hinuntergehende  Reihe  von  Indossamenten  als  Eigenthüner  des
Wechsels  legitimirt.  Das  erste  Indossament  muß  demnach  mit  dem  Ramen  des
Remittenten,  jedes  folgende  Indossament  mit  dem  Namen  dessenigen  unterzeichnet
sein,  welchen  das  unmittelbar  vorhergehende  Indossament  als  Indossatar  benennt.
Wenn  auf  ein  Blanko-Indossament  ein  weiteres  Indossament  folgt,  so  wird
angenommen,  daß  der  Aussteller  des  letzteren  den  Wechsel  durch  as  lanko-Indossament
  erworben  hat.  Ausgestrichene  Indossamente  werden  bei  Prüfung
der  Legitimation  als  nicht  geschrieben  angesehen.  Die  Echtheit  der  Indossamente
zu  prüfen,  ist  der  Zahlende  nicht  verpflichtet.

Artikel  37.

Lautet  ein  Wechsel  auf  eine  Münzsorte,  welche  am  Thlungsorte  keinen
Umlauf  hat,  oder  auf  eine  Rechnungswährung)  so  kann  die  Wechselsumme  nach
(Nr.  6670)  99°  ihrem
        <pb n="924" />
        —  748  —

ihrem  Werthe  zur  Verfallzeit  in  der  Landesmünze  gezahlt  werden,  sofern  nicht
der  Aussteller  durch  den  Gebrauch  des  Wortes  „schto,  oder  eines  ähnlichen
Zusatzes  die  Zahlung  in  der  im  Wechsel  benannten  Münzsorte  ausdrücklich  bestimmt
  hat.

Artikel  38.

Der  Inhaber  des  Wechsels  darf  eine  ihm  angebotene  Theilzahlung  selbst
dann  nicht  zurückweisen,  wenn  die  Annahme  auf  den  ganzen  Betrag  der  verschriebenen
  Eumme  erfolgt  ist.

Artikel  39.

Der  Wechhselschuldner  ist  nur  gegen  Aushändigung  des  quittirten  Wechsels
4  zahlen  verpflichtet.  Hat  der  Wechselschuldner  eine  Theilzahlung  geleistet,  so
ann  derselbe  nur  verlangen,  daß  die  Zahlung  auf  den  Wechsel  abgeschrieben  und
ihm  Quittung  auf  einer  Abschrift  des  Wechsels  ertheilt  werde.

Artikel  40.

Wird  die  Zahlung  des  echele  zur  Verfallzeit  nicht  gefordert,  so  ist  der
Acceptant  nach  Ablauf  der  für  die  Protesterhebung  Mangels  Zahlung  bestimmten
Frist  befugt,  die  Wechselsumme  auf  Gefahr  und  Kosten  des  Inhabers  bei  Gericht
oder  bei  einer  anderen  zur  Annahme  von  Depositen  ermächtigten  Behörde  oder
Anstalt  niederzulegen.  *  Vorladung  des  Inhabers  bedarf  es  nicht.

VIII.  Regreß  Mangels  Zahlung.
Artikel  41.
Zur  Ausübung  des  bei  nicht  erlangter  Zahlung  statthaften  Regresses  gegen
den  Aussteller  und  die  Indossanten  ist  elsonderlich
1)  daß  der  Wechsel  zur  Zahlung  präsentirt  worden  ist,  und
2)  daß  sowohl  diese  Präsentation,  als  die  Nichterlangung  der  Zahlung  durch
einen  rechtzeitig  darüber  aufgenommenen  Protest  dargethan  wird.

Die  Erhebung  des  Protestes  ist  am  Zahlungstage  zulässig;  sie  muß  aber
spätestens  am  zweiten  Werktage  nach  dem  Zahlungstage  geschehen.

Artikel  42.

Die  Aufforderung,  keinen  Protest  erheben  zu  lassen  (pohne  Protest“,  ohne
Kosten““  2c.),  gilt  als  Erlaß  des  Protestes,  nicht  aber  als  Erlaß  der  Pfllcht  zur
rechtzeitigen  Präsentation.  Der  Wechselverpflichtete,  von  welchem  jene  Aufforderung
  ausgeht,  muß  die  Beweislast  übernehmen,  wenn  er  die  rechtzeitig  geschehene
Prasentation  in  Abrede  stellt.  Gegen  die  Pflicht  zum  Ersatze  der  Ferzestkoften
schützt  jene  Aufforderung  nicht.

Artikel  43.

Domizilirte  Wechsel  sind  dem  Domiziliaten,  oder  wenn  ein  solcher  nicht
be-
        <pb n="925" />
        —  749  —

benannt  ist,  dem  Bezogenen  selbst  an  demjenigen  Orte,  wohin  der  Wechsel
domizilirt  ist,  zur  Zahlung  zu  präsentiren,  und  wenn  die  Zahlung  unterbleibt,
dort  zu  protestiren.  Wird  die  rechtzeitige  Protesterhebung  beim  Domiziliaten
varabsäumt,  so  geht  dadurch  der  wechselmäßige  Anspruch  nicht  nur  gegen  den
Aussteller  und  die  Indossanten,  sondern  auch  gegen  den  Acceptanten  verloren.

Artikel  44.
Zur  Erhaltung  des  Wechselrechts  gegen  den  Acceptanten  bedarf  es,  mit
Ausnahme  des  im  Artikel  43.  erwähnten  Kaaes,  weder  der  Präsentation  am
Zahlungstage,  noch  der  Erhebung  eines  Protestes.

Artikel  45.

Der  Inhaber  eines  Mangels  Zahlung  protestirten  Wechsels  ist  verpflichtet,
seinen  unmittelbaren  Vormann  innerhalb  zweier  Tage  nach  dem  Tage  der  Protesterhebung
  von  der  Nichtzahlung  des  Wechsels  schriftlich  zu  benachrichtigen,  zu
welchem  Ende  es  genügt,  wenn  das  Benachrichtigungsschreiben  unnerhal  dieser
Frist  zur  Post  gegeben  ist.  Jeder  benachrichtigte  Vormann  muß  binnen  derselben,
  vom  Tage  des  empfangenen  Berichts  zu  berechnenden  Frist  seinen  nächsten
Vormann  in  gleicher  Beist  benachrichtigen.  Der  Inhaber  oder  Indossatar,
welcher  die  Benachrichtigung  unterläßt  oder  dieselbe  nicht  an  den  ummittelbaren
Vormann  ergehen  läßt,  wird  hierdurch  den  sämmtlichen  oder  den  übersprungenen
Vormännern  zum  Ersatze  des  aus  der  unterlassenen  bhenhchi  entstandenen
Schadens  verpflichtet.  Auch  verliert  derselbe  gegen  diese  Personen  den-  Anfruch
auf  Zinsen  und  Kosten,  so  daß  er  nur  die  Wehfelsumme  zu  fordern  berechtigt

  ist.
Artikel  46.

Kommt  es  auf  den  Nachweis  der  dem  Vormanne  rechtzeitig  gegebenen
schriftlichen  Benachrichtigung  an,  so  genügt  zu  diesem  Zwecke  der  durch  ein  Postattest
  geführte  Beweis  daß  ein  Brief  von  dem  Betheiligten  an  den  Adressaten
an  dem  angegebenen  Tage  abgesandt  ist,  sofern  nicht  dargethan  wird,  daß  der
angekommene  Brief  einen  anderen  Inhalt  gehabt  hat.  Auch  der  Tag  des  Empfanges
der  erhaltenen  schriftlichen  Benachrichtigung  kann  durch  ein  Postattest  nachgewicsen

werden.
Artikel  47.

Hat  ein  Indossant  den  Wechsel  ohne  Hinzufügung  einer  Ortsbezeichnung
weiter  begeben,  so  ist  der  Vormann  desselben  von  der  unterbliebenen  Zahlung
zu  benachrichtigen.

Artikel  48.

Jeder  Wechselschuldner  hat  das  Recht,  gegen  Erstattung  der  Wechselsumme
nebst  Zinsen  und  Kosten  die  Auslieferung  des  quittirten  Wechsels  und  des  wegen
Nichtzahlung  erhobenen  Protestes  von  dem  Inhaber  zu  fordern.

Artikel  49.

Der  Inhaber  eines,  Mangels  Zahlung  protestirten  Wechsels  kann  die
Wechselklage  gegen  alle  Wechselverpflichtete  oder  auch  nur  gegen  Einige  oder
(Nr.  6670)  Einen
        <pb n="926" />
        —  750  —

Einen  derselben  anstellen,  ohne  dadurch  seinen  Anspruch  gegen  die  nicht  in  Anspruch
  genommenen  Verpflichteten  zu  verlieren.  Derselbe  E  an  die  Reihenfolge
der  Indossamente  nicht  gebunden.  ·

Artikel  50.

Die  Regreßansprüche  des  Inhabers,  welcher  den  Wechsel  Mangels  Zah—-lung
  hat  protesiven  lassen,  beschränken  sich  auf:
1)  die  nicht  bezahlte  Wechselsumme  nebst  6  Prozent  jährlicher  Zinsen  vom
Verfalltage  ab,
2)  die  Protestkosten  und  anderen  Auslagen,
3)  eine  Provision  von  3  Prozent.

Die  vorstehenden  Beträge  müssen,  wenn  der  Regreßpflichtige  an  einem
anderen  Orte  als  dem  Zahlungsorte  wohnt,  zu  demenen  Kurse  gezahlt  werden,
welchen  ein  vom  Zahlungsorte  auf  den  Wohnort  des  Regreßpflichtigen  gezogener
Wechsel  auf  Sicht  hat.  Besteht  am  Zahlungsorte  kein  Kurs  auf  jenen  Wohnort,
  so  wird  der  Kurs  nach  demjenigen  Platze  genommen,  welcher  dem  Wohnorte
des  Regreßpflichtigen  am  nächsten  liegt.  Der  Kurs  ist  #nn  erlangen  des  Regreß
  süchtigen  durch  einen  unter  öffentlicher  Autorität  ausgestellten  Kurszettel  oder
durch  das  Attest  eines  vereideten  Mäklers  oder,  in  Ermangelung  derselben,  durch
ein  Attest  zweier  Kaufleute  zu  bescheinigen.

Artikel  51.

Der  Indossant,  welcher  den  Wechsel  eingelöst  oder  als  Rimesse  erhalten
hat,  ist  von  einem  früheren  Indossanten  oder  von  dem  Aussteller  zu  fordern
berechtigt:

1)  die  von  ihm  g  ahlte  oder  durch  Rimesse  berichtigte  Summe  nebst
6  Prozent  jährlicher  Zinsen  vom  Tage  der  Zahlung,

2)  die  ihm  entstandenen  Kosten,

3)  eine  Provision  von  3  Prozent.

Die  vorstehenden  Beträge  müssen,  wenn  der  Regreßpflichtige  an  einem
anderen  Orte  als  der  Regreßnehmer  wohnt,  zu  demjenigen  Kurse  gezahlt  werden,
welchen  ein  vom  Wohnorte  des  Regreßnehmers  auf  den  Wohnort  des  Regreßpflichtigen
  gezogener  Wechsel  auf  Sicht  hat.  Besteht  im  Wohnorte  des  Regreßnehmers
  kein  Kurs  auf  den  Wohnort  des  Regreßpflichtigen,  so  wird  der  Kurs
nach  demjenigen  Platze  genommen,  welcher  dem  Wohnorte  des  Regreßpflichtigen
am  nächsten  liegt.  Wegen  der  Bescheinigung  des  Kurses  kommt  die  Bestimmung
des  Art.  50.  zur  Anwendung.

Artikel  52.

Durch  die  Bestimmungen  der  Art.  50.  und  51.  Nr.  1.  und  3.  wird  bei
einem  Regresse  auf  einen  ausländischen  Ort  die  Berechnung  höherer,  dort  zu.
lässiger  Sätze  nicht  ausgeschlossen.

Ar-
        <pb n="927" />
        —  751  —
Artikel  53.

Der  Regreßnehmer  kann  über  den  Betrag  seiner  Forderung  einen  Rückwechsel
  auf  den  Regreßpflichtigen  ziehen.  Der  Forderung  treten  in  diesem  Falle
noch  die  Mäklergebühren  für  Negozirung  des  Rückwechsels,  sowie  die  etwaigen
Stempelgebühren,  hinzu.  Der  Rückwechsel  muß  auf  Sicht  zahlbar  und  unmittelbar
  (a  drittura)  gestellt  werden.

Artikel  54.

Der  Regreßpflichtige  ist  nur  gegen  Auslieferung  des  Wechsels,  des  Protestes
  und  einer  quittirten  Retour-Rechnung  Zahlung  zu  leisten  verbunden.

Artikel  55.

#  Jeder  Indossant,  der  einen  seiner  Nachmänner  befriedigt  hat,  kann  sein
eigenes  und  seiner  Nachmänner  Indossament  ausstreichen.

IX.  Intervention.
1.  Ehrenannahme.
Artikel  56.

Befindet  sich  auf  einem  Mangels  Annahme  protestirten  Wechsel  eine  auf
den  Zahlungsort  lautende  Nothadresse,  so  muß,  ehe  Sicherstellung.  verlangt  werden
  kann,  die  Annahme  von  der  Nothadresse  gefordert  werden.  Unter  mehreren
Nothadressen  gebührt  derjenigen  der  Vorzug,  durch  deren  Zahlung  die  meisten
Verpflichteten  befreit  werden.

Artikel  57.

Die  Ehren-Annahme  von  Seiten  einer  nicht  auf  dem  Wechsel  als  Nothadresse
  benannten  Person  braucht  der  Inhaber  nicht  zuzulassen.

Artikel  58.

Der  Ehren-Acceptant  muß  sich  den  Protest  Mangels  Annahme  gegen  Erstattung
  der  Kosten  aushändigen  und  in  einem  Anhange  zu  demsselben  die  Ehren-Anahne
  bemerken  lassen.  Er  muß  den  Honoraten  unter  Uebersendung  des
Protestes  von  der  geschehenen  Intervention  benachrichtigen  und  diese  Benachrichtigung
  mit  dem  Proteste  innerhalb  zweier  Tage  nach  dem  Tage  der  Protesterhebung
zur  pont  geben.  Unterläßt  er  dies,  so  haftet  er  für  den  durch  die  Unterlassung
entstehenden  Schaden.

Artikel  59.

Wenn  der  Ehren-Acceptant  unterlassen  hat,  in  seinem  Accepte  zu  bemerken,
zu  wessen  Ehren  die  Annahme  geschieht,  so  wird  der  Aussteller  als  Honorat
angesehen.

Artikel  60.

Der  Ehren-Acceptant  wird  den  sämmtichen  Nachmämdern  des  Honoraten
durch  die  Annahme  wechselmäßig  verpflichtet.  Diese  Verpflichtung  erlischt,  wenn
(Nr.  6670.  em
        <pb n="928" />
        —  752  —

dem  Ehren-Acceptanten  der  Wechsel  nicht  spätestens  am  zweiten  Werktage  nach  dem
Zahlungstage  zur  Zahlung  vorgelegt  wird.
Artikel  61.

Wenn  der  Wechsel  von  einer  Nothadresse  oder  einem  anderen  Intervenienten
  zu  Ehren  angenommen  wird,  so  #ben  der  Inhaber  und  die  Nachmänner
  des  Honoraten  keinen  Regreß  auf  Sicherstellung.  Derselbe  kann  aber
von  dem  Honoraten  und  dessen  Vormännern  geltend  gemacht  werden.

2.  Ehrenzahlung.
Artikel  62.

Befinden  sich  auf  dem  von  dem  Beogenen  nicht  eingelösten  Wechsel  oder
der  Kopie  Nothadressen  oder  ein  Ehren-Accept,  welche  auf  den  Zahlungsort
lauten,  so  muß  der  Inhaber  den  Wechsel  spärestens  am  zweiten  Werktage  nach
dem  Zahlungstage  den  sämmtlichen  Nothadressen  und  dem  Ehren-Acceptanten
zur  Zahlung  vorlegen,  und  den  Erfolg  im  Proteste  Mangels  Zahlung  oder  in
einem  Anhange  zu  demselben  bemerken  lassen.  Unterläßt  er  dies,  so  verliert  er
den  Regreß  gegen  den  Adressanten  oder  Honoraten  und  deren  Nachmänner.
Weist  der  Inhaber  die  von  einem  anderen  Intervenienten  angebotene  Ehrenzahlung
  zurück,  so  verliert  er  den  Regreß  gegen  die  Nachmänner  des  Honoraten.

Artikel  63.

Dem  Ehrenzahler  muß  der  Wechsel  und  der  Protest  Mangels  Zahlung
gegen  Erstattung  der  Kosten  muegehändigt  werden.  Er  tritt  durch  die  Ehrenzahlung
  in  die  Rechte  des  Inhabers  (Art.  50.  und  52.)  gegen  den  Honoraten,
dessen  Vormänner  und  den  Acceptanten.

Artikel  64.

Unter  Mehreren,  welche  sich  zur  Ehrenzahlung  erbieten,  gebührt  demjenigen
der  Vorzug,  durch  dessen  Zahlung  die  meisten  Wechselverpflichteten  befreit  werden.
Ein  Intervenient,  welcher  zahlt,  obgleich  aus  dem  Wechsel  oder  Proteste  ersichtlich
  ist,  daß  ein  Anderer,  dem  er  hiernach  nachstehen  mußte,  den  Wechsel  einzulösen
  bereit  war,  hat  keinen  Regreß  gegen  diejenigen  Indossanten,  welche  durch
Leistung  der  von  dem  Anderen  angebotenen  Zahlung  befreit  worden  wären.

Artikel  65.

Der  Ehren-Acceptant,  welcher  nicht  zur  Zahlungsleistung  gelangt,  weil  der
Bezogene  oder  ein  anderer  Intervenient  beuahst  hat,  F  berechtigt,  von  dem  Zahlenden
  eine  Provision  von  3  Prozent  zu  verlangen.

X.  Vervielfältigung  eines  Wechsels.
1.  Wechselduplikate.
Artikel  66.

Der  Aussteller  eines  gezogenen  Wechsels  ist  verpflichtet,  dem  Remittenten
auf  Verlangen  mehrere  gleichlautende  Exemplare  des  Wechsels  zu  uberliefemn
ie
        <pb n="929" />
        —  763  —

Dieselben  müssen  im  Kontexte  als  Prima,  Sekunda,  Tertia  u.  s.  w.  bezeichnet
sein,  widrigenfalls  jedes  Exemplar  als  ein  für  sich  bestehender  Wechsel  (Sola-Wechsel)
  erachtet  wird.  Auch  ein  Indossatar  kann  ein  Duplikat  des  Wechsels
verlangen.  Er  muß  sich  dieserhalb  an  seinen  unmittelbaren  Vormann  wenden,
welcher  wieder  an  seinen  Vormann  zurückgehen  muß,  bis  die  Anforderung  an
den  Aussteller  gelangt.  Jeder  Indossatar  kann  von  seinem  Vormanne  verlangen,
daß  die  früheren  Indossamente  auf  dem  Duoplikate  wiederholt  werden.
Artikel  67.

Ist  von  mehreren  ausgefertigten  Exemplaren  das  eine  bezahlt,  so  verlieren
dehtd  anderen  ihre  Kraft.  Jedoch  bleiben  aus  den  übrigen  Exemplaren
verhaftet:

1)  der  Indossant,  welcher  mehrere  Exemplare  desselben  Wechsels  an  verschiedene
  Versnen  indossirt  hat,  und  alle  späteren  Indossanten,  deren  Unterschriften
  sich  auf  den,  bei  der  Zahlung  nicht  zurückgegebenen  Exemplaren
befinden,  aus  ihren  Indossamenten;

2)  der  Acceptant,  welcher  mehrere  Exemplare  desselben  Wechsels  acceptirt
at,  aus  den  Accepten  auf  den  bei  der  Zahlung  nicht  zurückgegebenen
Sxemplaren.

Artikel  68.

Wer  eines  von  mehreren  Exemplaren  eines  Wechsels  zur  Annahme  versandt
hat,  muß  auf  den  übrigen  Exenweenen  bemerken,  bei  wem  das  von  ihm  zur  Annahme
  versandte  Exemplar  anzutreffen  ist.  Das  Unterlassen  dieser  Bemerkung
entzieht  jedoch  dem  Wechsel  nicht  die  Wechselkraft.  Der  Verwahrer  des  zum
Accepte  versandten  Exemplars  ist  verpflichtet,  dasselbe  demjenigen  muszuliesmm,
der  sich  als  Indossatar  (Art.  36.)  oder  auf  andere  Weise  zur  Empfangnahme
legitimirt.
Artikel  69.

Der  Inhaber  eines  Duplikats,  auf  welchem  angegeben  ist,  bei  wem  das
zum  Accepte  versandte  Exemplar  sich  befindet,  kann  Mangels  Anmahme  desselben
den  Regreß  auf  Sicherstellung  und  Mangels  Jahlung  den  Regreß  auf  Zahlung
nicht  eher  nehmen,  als  bis  er  durch  Protest  hat  feststellen  lassen:

1)  daß  das  zum  Accepte  versandte  Exemplar  ihm  vom  Verwahrer  nicht
verabfolgt  worden  ist,  und
2)  daß  auch  auf  das  Duplikat  die  Annahme  oder  die  Zahlung  nicht  zu
erlangen  gewesen.
2.  Wechselkopien.
Artikel  70.

Wechselkopien  müssen  eine  Abschrift  des  Wechsels  und  der  darauf  befindlichen
  Indossamente  und  Vermerke  enthalten  und  mit  der  Erklärung;  „bis  hierher
Abschrift  (Kopie)“  oder  mit  einer  ähnlichen  Bezeichnung  versehen  sein.  In  der
Kopie  ist  zu  bemerken,  bei  wem  das  zur  Annahme  versandte  Original  des  Wechsels
anzutreffen  ist.  Das  Unterlassen  dieses  Vermerkes  entzieht  jedoch  der  indossirten
Kopie  nicht  ihre  wechselmäßige  Kraft.

Johrgang  1867.  (Nr.  6670.)  100  Ar-
        <pb n="930" />
        —  754  —

Artikel  71.

Jedes  auf  einer  Kopie  befindliche  Original-Indossament  verpflichtet  den
Indossanten  eben  so,  als  wenn  es  auf  einem  Original-Wechsel  stünde.

Artikel  72.

Der  Verwahrer  des  Original-Wechsels  ist  verpflichtet,  denselben  dem  Besitzer
  einer  mit  einem  oder  mehreren  Original-Indossamenten  versehenen  Kopie
auszuliefern,  sofern  sich  derselbe  als  Indossatar  oder  auß  andere  Weise  zur
Empfangnahme  legitimirt.  Wird  der  Original-Wechsel  vom  Verwahrer  nicht  auseliefert,
  so  ist  der  Inhaber  der  Wechselkopie  nur  nach  Aufnahme  des  im  Art.  69.
*êv*  1.  erwähnten  Protstes  Regreß  auf  Sicherstellung  und  nach  Eintritt  des  in
der  Kopie  angegebenen  Verfalltages  Regreß  auf  Zahlung  gegen  diejenigen  Indossanten
  zu  nehmen  berechtigt,  deren  Hiiginal  Indossintehe  uu  der  Kopie
befindlich  sind.

XI.  Abhanden  gekommene  Wechsel.

Artikel  73.

Der  Eigenthümer  eines  abhanden  gekommenen  Wechsels  kann  die  Amortisation
  des  Wechsels  bei  dem  Gerichte  des  Zahlungsortes  beantragen.  Nach
Einleitung  des  Amortisations-Verfahrens  kann  derselbe  vom  Acceptanten  Zahlung
fordern,  wenn  er  bis  zur  Amortisation  des  Wechsels  Sicherheit  bestellt.  Ohne
eine  solche  Sicherheitsstellung  ist  er  nur  die  Deposition  der  aus  dem  Accepte
schuldigen  Summe  bei  Gericht  oder  bei  einer  anderen  zur  Annahme  von  Depositen
  ermächtigten  Behörde  oder  Anstalt  zu  fordern  berechtigt.

Artikel  74.

Der  nach  den  Bestimmungen  des  Art.  36.  legitimirte  Besitzer  eines
Wechsels  kann  nur  dann  zur  Herausgabe  desselben  angehalten  werden,  wenn  er
den  Wechsel  in  bösem  Glauben  erworben  hat  oder  ihm  bei  der  Erwerbung  des
Wechsels  eine  grobe  Fahrlässigkeit  zur  Last  fällt.

XII.  Falsche  Wechsel.

Artikel  75.

Auch  wenn  die  Unterschrift  des  Ausstellers  eines  Wechsels  falsch  oder  verfälscht
  ist,  behalten  dennoch  das  echte  Accept  und  die  echten  Indossamente  die
wechselmäßige  Wirkung.

Artikel  76.

Aus  einem,  mit  einem  falschen  oder  verfälschten  Bte  oder  Indossamente
versehenen  Wechsel  bleiben  sämmtliche  Indossanten  und  der  Aussteller,  deren
Unterschriften  echt  sind,  wechselmäßig  verpflichtet.

XIII.  Wech.
        <pb n="931" />
        —  755  —

XIII.  Wechselverjährung.

Artikel  77.

Der  wechseimäßige  Anspruch  gegen  den  Acceptanten  verjährt  in  drei  Jahren,
vom  Verfalltage  des  Wechsels  an  gerechnet.

Artikel  78.

Die  Regreßansprüche  des  Inhabers  (Art.  50.)  gegen  den  Aussteller  und
die  übrigen  Vormänner  verjähren:

1)  in  3  Monaten,  wenn  der  Wechsel  in  Europa,  mit  Ausnahme  von  Island
und  den  Faröern,  zahlbar  war;

2)  in  6  Monaten,  wenn  der  Wechsel  in  den  Küstenländern  von  Asien  und
Afrika  längs  des  Mittelländischen  und  Schwarzen  Meeres,  oder  in  den
dazu  gehörigen  Inseln  dieser  Meere  zahlbar  war;

3)  in  18  Monaten,  wenn  der  Wechsel  in  einem  andern  außereuropäischen
Lande  oder  in  Island  oder  den  Farbern  zahlbar  war.

Die  Verjährung  beginnt  gegen  den  Inhaber  mit  dem  Tage  des  erhobenen
Protestes.

Artikel  79.

Die  Regreßansprüche  des  Indossanten  (Art.  51.)  gegen  den  Aussteller  und
die  übrigen  Vormänner  verjähren:

1)  in  3  Monaten,  wenn  der  Regreßnehmer  in  Europa,  mit  Ausnahme  von
Island  und  den  Faröern,  wohnt;

2)  in  6  Monaten,  wenn  der  Re  res  mer  in  den  Küstenländern  von  Asien
und  Afrika  längs  des  Mittelländischen  und  Schwarzen  Meeres,  oder  in
den  dazu  gehörigen  Inseln  dieser  Meere  wohnt;

3)  in  18  Monaten,  wenn  der  Regreßnehmer  in  einem  anderen  außereuropäischen
  Lande  oder  in  Island  oder  den  Faröern  wohnt.

Gegen  den  Indossanten  läuft  die  Frist,  wenn  er,  ehe  eine  Wechselklage
gegen  ihn  angestellt  worden,  gezahlt  hat,  vom  Tage  der  Zahlung,  in  allen
übrigen  Fällen  aber  vom  Tage  der  ihm  geschehenen  Behändigung  der  Klage
oder  Ladung.

Artikel  80.

Die  Verjährung  (Art.  77—  79.)  wird  nur  durch  Behändigung  der  Klage
unterbrochen,  und  nur  in  Beziehung  auf  denjenigen,  gegen  welchen  die  Klage
erichtet  ist.  Jedoch  vertritt  in  dieser  Hinsicht  die  von  dem  Verklagten  geschehene
Virriwerkündihung  die  Stelle  der  Klage.
(Nr.  6670.)  100“  XV.  Klage-
        <pb n="932" />
        XIV.  Klagerecht  des  Wechselgläubigers.

Artikel  81.

Die  wechselmäßige  Verpflichtung  trifft  den  Aussteller,  Acceptanten  und
Indossanten  des  Wechsels,  sowie  einen  Jeden,  welcher  den  Wechsel,  die  Wechselkopie,
  das  Accept  oder  das  Indossament  mitunterzeichnet  hat,  selbst  dann,  wenn
er  sich  dabei  nur  als  Bürge  (per  aval)  benannt  hat.  Die  Verpflichtung  dieser
Personen  erstreckt  sich  auf  Alles,  was  der  Wechselinhaber  wegen  Nichterfüllung
der  Wechselverbindlichkeit  zu  fordern  hat.  Der  Wechselinhaber  kann  sich  wegen
seiner  ganzen  Forderung  an  den  Einzelnen  halten;  es  steht  in  seiner  Wahl,
welchen  Wechselverpflichteten  er  zuerst  in  Anspruch  nehmen  will.

Artikel  82.

Der  Wechhselschuldner  kann  sich  nur  solcher  Einreden  bedienen,  welche  aus
dem  Wechselrechte  selbst  hervorgehen  oder  ihm  unmiktelbar  gegen  den  jedesmaligen
Kläger  zustehen.

Artikel  83.

Ist  die  wechselmäßige  Verbindlichkeit  des  Ausstellers  oder  des  Acceptanten
durch  Verjährung  oder  dadurch,  daß  die  zur  Erhaltung  des  Bechsclrechte  gesetzlich
vorgeschriebenen  Handlungen  verabsäumt  sind,  erloschen,  so  bleiben  dieselben  dem
Inhebern  des  Wechsels  nur  so  weit,  als  sie  sich  mit  dessen  Schaden  bereichern
würden,  verpflichtet.  Gegen  die  Indossanten,  deren  wechselmäßige  Verbindlichkeit
erloschen  ist,  findet  ein  solcher  Anspruch  nicht  statt.

XV.  Ausländische  Gesetzgebung.

Artikel  84.

Die  Fähigkeit  eines  Ausländers,  wechselmäßige  Verpflichtungen  zu  übernehmen,
  wird  nach  den  Gesetzen  des  Staats  beurtheilt  welchem  derselbe  angehört.
Jedoch  wird  ein  nach  den  Gesetzen  seines  Vaterlandes  nicht  wechselfähiger  Ausländer
  durch  Uebernahme  von  Wchsetverbindlichteiten  im  Inlande  verpflichtet,
insofern  er  nach  den  Gesetzen  des  Inlandes  wechselfähig  ist.

Artikel  85.

Die  wesentlichen  Erfordernisse  eines  im  Auslande  ausgestellten  Wechsels,
sowie  jeder  anderen  im  Auslande  ausgestellten  Wechselerklärung,  werden  nach
den  Gesetzen  des  Ortes  beurtheilt,  an  welchem  die  Erklärung  erfolgt  ist.  Ent.
sprechen  jedoch  die  im  Auslande  geschehenen  Wechselerklärungen  den  Anforderungen
des  inländischen  Gesetzes,  so  kann  daraus,  daß  sie  nach  ausländischen  Gesetzen
mangelhaft  sind,  kein  Einwand  gegen  die  Rechtsverbindlichkeit  der  später  im  Inlande
  auf  den  Wechsel  gesetzten  Erklärungen  entnommen  werden.  Ebenso  haben
Wechselerklärungen,  wodurch  sich  ein  Inländer  einem  anderen  Inländer  im  Auslande
        <pb n="933" />
        —  757  —
lande  verpflichtet,  Wechselkraft,  wenn  sie  auch  nur  den  Anforderungen  der  inländischen
  Gesetzgebung  entsprechen.
·  Artikel  86.
Ueber  die  Form  der  mit  einem  Wechsel  an  einem  ausländischen  Platze  zur

Ausübung  oder  Ehaltung  des  Wechselrechts  vorzunehmenden  Handlungen  entscheidet
  das  dort  geltende  Recht.

XVI.  Protest.

Artikel  87.
Jeder  Protest  muß  durch  einen  Notar  oder  einen  Gerichtsbeamten  aufgenommen
  werden.  Der  Zuziehung  von  Zeugen  oder  eines  Protokollführers
edarf  es  dabei  nicht.
Artikel  88.
Der  Protest  muß  enthalten:

1)  eine  wörtliche  Abschrift  des  Wechsels  oder  der  Kopie  und  aller  darauf
befindlichen  Indossamente  und  Bemerkungen)

2)  den  Namen  oder  die  Firma  der  Personen,  für  welche  und  gegen  welche
der  Protest  erhoben  wird;

3)  das  an  die  Person,  gegen  welche  protestirt  wird,  gestellte  Begehren,  ihre
Antwort  oder  die  Bemerkung,  daß  sie  keine  gegeben  habe  oder  nicht  anzutreffen
  gewesen  sei;

4)  die  Angabe  des  Ortes,  sowie  des  Kalendertages,  Monats  und  Jahres,
an  welchem  die  Aufforderung  (Nr.  3.)  geschehen,  oder  ohne  Erfolg  versucht
  worden  ist;

5)  im  Falle  einer  Ehrenannahme  oder  einer  Ehrenzahlung  die  Erwähnung,
von  wem,  für  wen  und  wie  sie  angeboten  und  geleistet  wird;

6)  die  Unterschrift  des  Notars  oder  des  Gerichtsbeamten,  welcher  den  Protest
aufgenommen  hat,  mit  Beifügung  des  Amtssiegels.

Artikel  89.

Mufß  eine  wechselrechtliche  Leistung  von  mehreren  Personen  verlangt  werden,
so  ist  über  die  mehrfache  Aufforderung  nur  eine  Protesturkunde  erforderlich.

Artikel  90.

Die  Notare  und  Gerichtsbeamten  sind  schuldig,  die  von  ihnen  aufgenommenen
  Proteste  nach  deren  ganzem  Inhalte  Tag  für  Tag  und  nach  Ordnung  des
Datums  in  ein  besonderes  Register  einzutragen,  das  von  Blatt  zu  Blatt  mit
fortlaufenden  Zahlen  versehen  v'.

(Nr.  6670.)  XVII.  Ort
        <pb n="934" />
        —  708  —

XVII.  Ort  und  Zeit  für  die  Präsentation  und  andere  im  Wechsel—
verkehr  vorkommende  Handlungen.

Artikel  91.

Die  Präsentation  zur  Annahme  oder  Zahlung,  die  Protesterhebung,  die
Abforderung  eines  Wechselduplikats,  sowie  alle  sonstigen,  bei  einer  bestimmten
Person  vorzunehmenden  Akte  müssen  in  deren  Geschäftslokal,  und  in  Ermangelung
eines  solchen,  in  deren  Wohnung  vorgenommen  werden.  An  einem  anderen  Orte,
z.  B.  an  der  Börse,  kann  dies  nur  mit  beiderseitigem  Einverständnisse  geschehen.
Daß  das  Geschäftslokal  oder  die  Wohnung  nicht  zu  ermitteln  sei,  ist  erst  dann
als  festgestellt  anzunehmen,  wenn  auch  eine  !——i  bei  der  Polizeibehörde  des
Orts  geschehene  Nachfrage  des  Notars  oder  des  Gerichtsbeamten  fruchtlos  geblieben
ist,  welches  im  Proteste  bemerkt  werden  muß.

Artikel  92.

Verfällt  der  Wechsel  an  einem  Sonntage  oder  allgemeinen  Feiertage,  so
ist  der  nächste  Werktag  der  Zahlungstag.  Auch  die  Herausgabe  eines  Wechselduplikats,
  die  Erklärung  über  die  Annahme,  sowie  jede  andere  Handlung,  können
nur  an  einem  Werktage  gefordert  werden.  Fällt  der  Zeitpunkt,  in  welchem  die
Vornahme  einer  der  vorstehenden  Handlungen  spätestens  gefordert  werden  mußte,
auf  einen  Sonntag  oder  allgemeinen  Feiertag,  so  muß  diese  Handlung  am  nächsten
Werktage  Fesorder-  werden.  Dieselbe  Befstmmung  findet  auch  auf  die  Protesterhebung
  Anwendung.

Artikel  93.

Bestehen  an  einem  Wechselplatze  allgemeine  Zahltage  (Kassirtage),  so  braucht
die  Zahlung  eines  zwischen  den  Zahltagen  fällig  gewordenen  Wechsels  erst  am
nächsten  Zahltage  geleistet  zu  werden,  sofern  nicht  der  Wechsel  auf  Sicht  lautet.
Die  im  Artikel  41.  für  die  Aufnahme  des  Protestes  Mangels  Zahlung  bestimmte
Frist  darf  jedoch  nicht  überschritten  werden.

XVIII.  Mangelhafte  Unterschriften.

Artikel  94.

Wechselerklärungen,  welche  statt  des  Namens  mit  Kreuzen  oder  anderen
Zeichen  vollzogen  sind,  haben  nur  dann,  wenn  diese  Zeichen  gerichtlich  oder  notariell
beglaubigt  worden,  Wechselkraft.

Artikel  95.

Wer  eine  Wechselerklärung  als  Bevollmächtigter  eines  Anderen  unterzeichnet,
ohne  dazu  Vollmacht  zu  haben,  haftet  persönlich  in  gleicher  Weise,  wie  der  angebliche
  Machtgeber  ghaster  haben  würde,  wenn  die  Vollmacht  ertheilt  gewesen
wäre.  Dasselbe  gilt  von  Vormündern  und  anderen  Vertretern,  welche  mit  Ueberschreitung
  ihrer  Befugnisse  Wechselerklärungen  ausstellen.

rit=
        <pb n="935" />
        —  759  —

Dritter  Abschnitt.
Von  eigenen  Wechseln.

Artikel  96.
Die  wesentlichen  Erfordernisse  eines  eigenen  (trockenen)  Wechsels  sind:

1)  die  in  den  Wechsel  selbst  aufsimehmende  Bezeichnung  als  Wechsel,  oder,
wenn  der  Wechsel  in  einer  fremden  Sprache  ausgestellt  ist,  ein  jener
Bezeichnung  entsprechender  Ausdruck  in  der  fremden  Sprache;

2)  die  Angabe  der  zu  zahlenden  Geldsumme)

3)  der  Name  der  Person  oder  die  Firma,  an  welche  oder  an  deren  Order
der  Aussteller  Zahlung  leisten  will;

4)  die  Bestimmung  der  Zeit,  zu  welcher  gezahlt  werden  soll  (Art.  4.  Nr.  4.);
5)  die  Unterschrift  des  Ausstellers  mit  seinem  Namen  oder  seiner  Firma;
6)  die  Angabe  des  Ortes,  Monatstages  und  Jahres  der  Ausstellung.

Artikel  97.

Der  Ort  der  Ausstellung  gilt  für  den  eigenen  Wechsel,  kusafen  nicht  ein
besonderer  Zahlungsort  angegeben  ist,  als  Jahlungsort  und  zugleich  als  Wohnort
des  Ausstellers.

Artikel  98.

Nachstehende,  in  diesem  Gesetze  für  gezogene  Wechsel  gegebene  Vorschriften
gelten  auch  für  eigene  Wechsel:

1)  die  Artikel  5.  und  7.  über  die  Form  des  Wechsels;

2)  die  Artikel  9.  bis  17.  über  das  Indossament;

3)  die  Artikel  19.  und  20.  über  die  Präsentation  der  Wechsel  auf  eine  Zeit
nach  Sicht  mit  der  Maaßgabe,  daß  die  Präsentation  dem  Aussteller
geschehen  muß

4)  der  Artikel  29.  über  den  Sicherheitsregreß  mit  der  Maaßgabe,  daß  derselbe
  im  Falle  der  Unsicherheit  des  Ausstellers  stattfindet;

5)  die  Artikel  30.  bis  40.  über  die  Zahlung  und  die  Befugniß  zur  Deposition
  des  fälligen  Wechselbetrages  mit  der  Maaßgabe,  daß  letztere  durch
den  Aussteller  geschehen  kann;

6)  die  Artikel  41.  und  42.,  sowie  die  Artikel  45.  bis  55.  über  den  Regreß
Mangels  Zahlung  gegen  die  Indossanten;

7)  die  Artikel  62.  bis  65.  über  die  Ehrenzahlung;

(Nr.  6670.)  8)  die
        <pb n="936" />
        —  760  —
8)  die  Artikel  70.  bis  72.  über  die  Kopien;

9)  die  Artikel  73.  bis  76.  über  abhanden  gekommene  und  falsche  Wechhsel
mit  der  Maßgbe,  daß  im  Falle  des  Artikel  73.  die  Zahlung  durch  den
Aussteller  erfolgen  muß;

10)  die  Artikel  78.  bis  96.  über  die  allgemeinen  Grundsätze  der  Wechselverjährung,
  die  Verjährung  der  Regreßansprüche  gegen  die  Indossanten,
das  Klaßerecht  des  Wechselgläubigers,  die  ausländischen  Wechselgesetze,
den  Protest,  den  Ort  und  die  Zeit  für  die  Präsentation  und  andere  im
Wechselverkehr  vorkommende  Handlungen,  sowie  über  mangelhafte
Unterschriften.

Artikel  99.

Eigene  domizilirte  Wechsel  sind  dem  Domiziliaten  oder,  wenn  ein  Toicher
nicht  benannt  ist,  dem  Aussteller  selbst  an  demjenigen  Orte,  wohin  der  Wechsel
domizilirt  ist,  zur  bhlung  zu  präsentiren  und,  wenn  die  Zahlung  unterbleibt,
dort  zu  protestiren.  Wird  die  rechtzeitige  Protesterhebung  beim  Domiziliaten  verabsäumt)
  so  geht  dadurch  der  wechselmäßige  Anspruch  gegen  den  Aussteller  und
die  Indossanten  verloren.  ·"

Bei  nicht  domizilirten  eigenen  Wechseln  bedarf  es  zur  Erhaltung  des
Wechselrechtes  gegen  den  Aussteller  weder  der  Präsentation  am  Zahlungstage,  noch
der  Erhebung  eines  Protestes.

Artikel  100.

Der  wechselmäßige  Anspruch  gegen  den  Aussteller  eines  eigenen  Wechsels
verjährt  in  drei  Jahren,  vom  Verfalltage  des  Wechsels  an  gerechnet.

 

Berichtigung.

In  der  Anlage  A.  zu  der  im  43.  Stück  der  Gesetz  Sammlung  für  1367.
abgedruckten  Verordnung  vom  13.  Mai  1867.,  die  Einführung  der  Allgemeinen
Deutschen  Wechselordnung  in  die  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig  betreffend,
ist  Seite  678.  im  Artikel  24.  Zeile  4.  v.  u.  statt  zam  Zahlungstage“  zu  setzen:
am  Zahlungs  orte.

 

Redigirt  im  Büreau  bes  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="937" />
        —  761  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  49.  —

 

(Nr.  6671.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  in  dem  Gebiete  des  vormals  Landgräflich  Hessen-Homburgischen
  Oberamtsbezirks  Meisenheim.  Vom  4.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛ.
verordnen  für  das  mit  Unserer  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormals  Landgräflich
  Hessen-Homburgischen  Ober-Amtsbezirks  Meisenheim,  auf  den  Antrag
Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.

Vom  l.  Juli  1867.  ab  werden  folgende  zur  Zeit  bestehende  direkte  Staatssteuern
  aufgehoben:

1)  die  Fenster=  und  Thürensteuer;
2)  die  Personal=  und  Mobiliensteuer;
3)  die  Patentgebühr.

.  2.

An  Stelle  der  in  Wegfall  kommenden  Steuern  sind  von  dem  im  F.  1.
bezeichneten  Zeitpunkte  ab  zu  erheben:

1)  die  durch  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.  für  1861.
S.  317.)  eingeführte  Gebäudesteuer;

2)  die  durch  das  Gesetz  vom  1.  Mai  1851.  (Gesetz  Samml.  für  1851.
S.  193.)  eingeführte  Klassen=  und  klassifizirte  Einkommensteuer;

3)  die  durch  das  Gesetz  vom  30.  Mai  1820.  (Gesetz-Samml.  für  1820.
S.  147.)  und  das  einige  Abänderungen  des  letzteren  betreffende  Gesetz
vom  19.  Juli  1861.  (Gesetz  Samml.  für  1861.  S.  697.)  eingeführte
Gewerbesteuer;

und  werden  zu  diesem  Behufe  die  vorgenannten  Preußischen  Gesetze  nebst  allen
Jehrgang  1867.  (Nr.  6607I.)  101  die-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  7.  Juni  1867.
        <pb n="938" />
        —  762  —

dieselben  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  gesetzlichen  Vorschriften  hierdurch
  eingeführt.
F.  3.

Die  Grundsteuer  von  den  Liegenschaften  ist  in  Gemäßheit  des  Gesetzes
vom  21.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.  fir  1861.  S.  253.))  betreffend  die  anderweite
  Regelung  der  Grundsteuer,  und  der  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden
  und  abandernden  Vorschriften  anderweit  zu  veranlagen  und  die  Grundsteuerauptsumme
  für  das  Gebiet  des  Oberamts  Meisenheim  in  verhältnißmäßiger
leichheit  mit  den  Grundsteuer-  Hauptsummen  der  altländischen  Provinzen  festzustellen.
  Bei  den  zu  letzterem  Zweck  auszuführenden  Vermessungs=  und  Kartirungsarbeiten
  ist  nach  Anleitung  der  bei  Ausführung  des  vorgedachten  Gesetzes  ergangenen
  Vorschriften  zu  verfahren.  Dagegen  bleibt  die  Bestimmung  darüber,  unter
welchen  besonderen  Maaßgaben  das  gedachte  Gesetz,  sowie  das  Gesetz  vom  21.  Mai
1861.  (Gesetz=  Samml.  für  1861.  S.  327.),  betreffend  die  für  Aufhebung  der
Grundsteuer-Befreiungen  und  Bevorzugungen  zu  gewährende  Entschädigung,  zur
Ausführung  zu  bringen,  und  die  Bestimmung  des  Zeitpunktes,  mit  welchem  die
neu  zu  veranlagende  Grundsteuer  gegen  Wegaall  der  bestchenden  Grundsteuer  in
Hung  zu  setzen,  einem  besonderen  Gese  vorbehalten.  Bis  zu  diesem  Zeitpunkte
ist  die  bestehende  Grundsteuer  von  den  Liegenschaften,  mit  Einschluß  der  auf  den
Hausgärten  bis  zur  Größe  von  Einem  Preußischen  Morgen  haftenden  Steuerbeträge,
  mit  der  Beschränkung  fortzuerheben,  daß  vom  1.  Juli  1867.  ab:

a)  diejenigen  Grundsteuerbeträge,  welche  auf  den  Gebäuden  nebst  den  dazu
gehörigen  Hofräumen  haften,  außer  Hebung  gesetzt  werden,

b)  von  der  eigentlichen,  auf  den  Liegenschaften  ruhenden  Grundsteuer  nur
der  Betrag  von  fünf  Sechstheilen  zu  erheben  ist.

F.  4.

Die  Funktionen,  welche  nach  den  im  F.  2.  bezeichneten  Gesetzen  den  Regierungen
  obliegen,  sind  bis  auf  etwaige  anderweite  Bestimmung  von  der  Regierung
  zu  Coblenz  wahrzunehmen.  Die  Funktionen  der  Landräthe  fallen,  bis  über
die  Kreisangehörigkeit  des  Oberamts  Meisenheim  bestimmt  sein  wird,  dem  von
der  gedachten  Regierung  besonders  zu  berufenden  Veranlagungskommissar  zu.

.  5.
Einstweilen  und  so  lange  eine  kreis=  und  provinzialständische  Verfassung
nach  den  Grundsätzen  der  Preußischen  Gesetzgebung  für  das  Oberamt  Meisenheim
nicht  eingeführt  ist,  treten  folgende  Bestimmungen  in  Kraft:

a)  Die  Veranlagung  der  Gebäudesteuer,  sowie  der  Klassen=  und  klassifizirten
Einkommensteuer  erfolgt  unter  Mitwirkung  von  Kommissionen,  deren
Mitglieder  zu  zwei  Drittheilen  von  dem  Bezirksrathe  des  Oberamtsbezirks
  Messenbhim  in  der  von  der  Regierung  näher  zu  bestimmenden
Weise  gewählt,  zu  einem  Drittheile  aber  von  der  Regierung  aus  dem
altländischen  Kreise  Kreuznach  berufen  werden.

b)  Ueber
        <pb n="939" />
        —  763  —

b)  Ueber  Reklamationen  und  Berufungen  gegen  die  Einschätzungen  zur  klassifizirten
  Einkommensteuer  entscheidet  die  für  den  Regierungsbezirk  Coblenz
bestehende  Bezirkskommission  (G.  24.  des  Gesetzes  vom  1.  Mai  1851.).

G.  6.
Hinsichtlich  der  Gebäudesteuer  sind  nachstehende  Vorschriften  zu  beachten:

a)  bei  Veranlagung  der  Gebäude  geschieht  die  Feststellung  der  Nutzungswerthe
  der  ersteren  (§.  4.  des  Eesches  vom  21.  Mai  1861.)  betreffend
die  Einführung  einer  allgemeinen  Gebäudesteuer)  ohne  Berücksichtigung
der  dazu  gehörigen  Hausgärten;

b)  der  mittlere  jährliche  Miethswerth  der  Gebäude  (F.  6.  des  zu  a.  angeführten
  goesset  ist  nach  dem  Durchschnitt  der  Jahre  1853.  bis  1862.
einschließlich  festzustellen;

)  die  Bekanntmachung  des  Ergebnisses  der  Veranlagung  an  die  Eigenthümer
  geschieht  durch  Offenlegung  der  Veranlagungs-Nachweisungen
(S.  10.  Absatz  2.  des  gedachten  Gestger)  während  eines  Zeitraums  von
mindestens  vierzehn  Tagen;

4)  die  vierwöchentliche  Reklamationsfrist  8  10.  Absatz  4.  des  gedachten
Gesetzes)  läuft  vom  ersten  Tage  der  Offenlegung  der  Veranlagungs-Nachweisungen)


e)  die  erste  Revision  der  Gebäudesteuer-Veranlagung  (§.  20.  des  gedachten
Gesetzes)  erfolgt  gleichzeitig  mit  der  ersten  Revision  der  Veranlagung  in
den  älteren  Päeßischen  Landestheilen.

S.  7.
Die  Zahlung  der  neu  veranlagten  direkten  Steuern  darf  durch  Reklamationen
  nicht  aufgehalten  werden,  iin  vielmehr,  mit  Vorbehalt  der  späteren  Erstattung
  des  zu  viel  Gezahlten,  zu  den  bestimmten  Fälligkeitsterminen  erfolgen.

s.  8.

In  Betreff  der  Erhebung  und  Beitreibung  der  direkten  Steuern  bleiben
bis  dahin,  daß  die  in  dieser  Beziehung  für  die  Rheinprovinz  bestehenden  Einrichtungen
  ausgeführt  sein  werden,  die  stälherigen  Bestimmungen  mit  den  durch
die  Eigenthümlichkeit  der  neuen  Steuern  etwa  gebotenen  Abänderungen  und  mit
der  Maaßgabe  in  Kraft,  daß  die  fälligen  Steuerbeträge  in  den  ersten  acht  Tagen
jeden  Monats  an  die  bestimmte  Hebestele  im  Voraus  einzuzahlen  sind,  daß  es
den  Pflichtigen  jedoch  freisteht,  die  Steuer  auch  für  einen  längeren  Zeitraum  bis
zum  ganzen  Jahrezbernete  im  Voraus  einzuzahlen.

S.  9.
Bis  die  neu  veranlagten  Steuern  (Gebäudesteuer,  Klassen=  und  klassipzirte
Einkommensteuer  und  Gewerbesteuer)  wirklich  zur  Hebung  gelangen,  sind  die
(Nr.  6671.)  101“  be-
        <pb n="940" />
        764  —

bestehenden  Steuern  fort  zu  entrichten,  vorbehaltlich  einer  Ausgleichung  der  für  die
Zeit  nach  dem  1.  Juli  1867.  gezahlten  Beträge  mit  den  von  da  ab  zu  entrichtenden
  neu  veranlagten  Steuern.

K.  10.

In  Betreff  der  Verjährung  der  direkten  Steuern  kommen  die  betreffenden
Bestimmungen  des  Gesetzes  vom  18.  Juni  1840.  (Gesetz.  Samml.  S.  140.)
nebst  den  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  Bestimmungen
  zur  Anwendung.

Reklamationen  wegen  Steuern,  welche  vor  Publikation  der  gegenwärtigen
Verordnung  entrichtet  worden  sind  —  soweit  solche  nach  der  bisherigen  Gefel
gebung  am  1.  Juli  1367.  überhaupt  noch  angebracht  werden  können  —  sowie
Nachforderungen  von  Steuern  aus  dieser  Zeit  müssen,  bei  Verlust  des  Anspruchs,
bis  zum  1.  Juli  1868.  geltend  gemacht  werden.

Für  die  zur  Zeit  der  Publikation  dieser  Verordnung  vorhandenen  Steuerrückstände
  beginnt  die  im  §.  8.  des  gedachten  Gesetzes  festgesetzte  vierjährige  Verjährungsfrist
  mit  dem  1.  Jannar  1868.  —

§.11.

In  Angelegenheiten  der  Veranlagung  und  Handhabung  der  direkten  Steuern
findet  der  Rechtsweg  nur  in  so  weit  statt,  als  dies  nach  den  allgemeinen  Grundsätzen
  der  Preußischen  Gesetzgebung  zulässig  ist.

E.  12.

Mit  dem  I.  Juli  1867.  treten  alle  die  bisherigen  direkten  Steuern  betreffenden
  Gesetze  und  ordnungen,  welche  den  Bestimmungen  der  gegenwärtigen
Verordnung  entgegenstehen  oder  mit  denselben  nicht  zu  vereinigen  sind,  außer  Kraft.

S.  13.

Der  Finmmminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt
und  hat  die  zur  Ausführung  derselben  erforderlichen  Anweisungen  zu  erlassen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  4.  Juni  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Xr.  6:2)
        <pb n="941" />
        —  765  —

(Xr.  6672.)  Vertrag  zwischen  Preusien  und  Braunschweig  wegen  der  Fuͤhrung  der  Nordhausen-Northeimer
  Eisenbahn  durch  das  Braunschweigische  Amt  Walkenried.
Vom  18.  April  1867.

—

Deine  Majestät  der  König  von  Preußen  und  Seine  Hobei  der  Hersag  von
Braunschweig  und  Lüneburg  haben  beschlossen,  die  durch  die  Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger
  Giastalsschusean  u  erbauende  Eisenbahn  von  Nordbausen  in
der  Richtung  auf  Northeim  durch  das  Herzoglich  Braunschweigische  Gebiet  bei
Walkenried  sühen  zu  lassen  und  zum  Zwecke  der  deshalb  erforderlichen  Verhandlungen
  zu  Bevollmächtigten  ernannt:

Seine  Majestät  der  König  von  Preußen:

Allerhöchstihren  Wirklichen  Geheimen  Ober-Regierungsrath  und
Ministerialdirektor  Freiherrn  August  von  der  Reck,

Seine  Hoheit  der  Herzog  von  Braunschweig  und  Lüneburg:

Höchstihren  Generaldirektor  der  Eisenbahnen  und  Posten,  August
von  Amsberg,

von  welchen  Bevollmächtigten,  unter  Vorbehalt  der  Ratifikation,  der  nachstehende
Vertrag  verabredet  und  abgeschlossen  worden  ist.

Artikel  1.

Die  Königlich  Preuzische  Regierung  wird  die  Anordnung  treffen,  daß  die
von  Nordhausen  nach  Northeim  zu  bauende  Eisenbahn  von  der  Preußisch-Braunschweigischen
  Landesgrenze  bei  Ellrich  durch  das  Herzoglich  Braunschweigische
Gebiet  des  Amtsbezirks  Walkenried  geführt  werde.

Die  speziellere  Feststellung  der  Bahnlinien  bleibt  zwar  der  Königlich  Preu-Kischen
  Regierung  vorbehalten,  es  soll  jedoch  die  Linie  im  Kerpoolic  Braunschweigischen
  Gebiete  in  einer  vor  Beginn  des  Baues  mitzutheilenden  Karte  bezeichnet
werden  und  eine  Abweichung  davon  nur  unter  Zustimmung  der  Herzoglich  Braunschweigischen
  Regierung  zulässig  sein.

Artikel  2.
Die  Königlich  Preußische  Regierung  wird  auf  einen  baldigen  Beginn  des
Baues  der  Bahn  hinwirken  und  die  Ausführung  desselben  demnächst  thunlichst
beschleunigen  lassen.

Artikel  3.

Die  Königlich  Preußische  Regier  wird  dem  Bahnkörper  die  für  zwei
Geleise  ersorderliche  reite  geben,  zur  Ausführung  des  zweiten  Geleises  aber  nach
eigenem  Ermessen  schreiten  lassen.

(Nr.  6672.)  Ar-
        <pb n="942" />
        —  766  —

Artikel  4.

Die  Herzoglich  Braunschweigische  Regierung  verpflichtet  sich,  das  zur  Ausführung
  der  Bahn  und  deren  Nebenanlagen  an  Gräben  b  Parallelwegen,  Ueberängen
  u.  s.  w.  im  Herfaglich  Braunschweigischen  Gebiete,  sowie  .  Bahnhofe
fär  das  Gebiet  von  Walkenried  zu  verwendende  Terrain,  soweit  solches  nach  dem
Ermessen  der  Königlich  Preußischen  Regierung  nothwendig  ist,  der  Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger
  Eisenba  afrrht  unentgeltlich  und  so  zeitig  zu  überweisen,
daß  dadurch  für  den  Fortschritt  der  Bahnarbeiten  keine  indernist  entstehen.
Die  ausführende  Gesellschaft  soll  über  den  Terrainbedarf  spätestens  drei  Monate
vor  der  Inanspruchnahme  deselben  die  nöthigen  Situationskarten  und  Flächenberechnungen
  der  Herzoglich  Braunschweigischen  Regierung  einreichen.

Die  landespolizeiliche  Prüfung  der  Wegeübergänge,  Brücken,  Durchlässe
und  Parallelwege  im  Herzoglich  Braunschweigischen  Gebiete  steht  ben  dortigen
kompetenten  Bezörden  zu.

Die  Ausführung  dieser  Nebenanlagen  sowie  der  Bahn  selbst  erfolgt  durch
die  genannte  Gesellschaft  und  auf  deren  Kosten.

Artikel  5.

In  Rücksicht  auf  die  aus  der  Wahl  der  Bahnlinie  über  Walkenried  erwachsenden
  Mehrkosten  wird  die  Herzoglich  Braunschweigische  Regierung  der  ausführenden
  Gesellschaft  neben  der  im  vorigen  Artikel  bedungenen  ainabtretun
einen  baaren  Zuschuß  von  80,000  Thalern,  buchstäblich  ache  Tausend  Thalern
gewähren,  eine  weitere  Betheiligung  an  den  Kosten  des  iusger  aber  nicht
Übernehmen.  Die  Zahlung  dieses  Zuschusses  wird  sur  Hälfte  bei  Vollendung  der
Erdarbeiten  im  Braunschweigischen  Gebiete,  aussch  fchlich  des  dort  zu  erbauenden
Tunnels,  zur  Hälfte  bei  Eröffnung  des  Betriebes  der  Bahn  erfolgen.

Artikel  6.

Die  Herzoglich  Braunschweigische  Regierung  heschte  auf  eine  Theilnahme
an  den  Betriebseinnahmen  der  Bahn  und  ist  dagegen  auch  von  jeder  Betheiligung
an  den,  dem  Bahneigenthümer  aus  dem  Betriebe  erwachsenden  Schäden  und
Nachtheilen  entbunden.  Artikel?

rtikel  7.

Der  Herzoglich  Braunschweigischen  Regierung  verbleibt  die  Landeshoheit
hinsichtlich  der  in  I#ren  Gebiete  belegenen  Bahnstrecke.

Die  auf  der  letzteren  zu  errichtenden  Hoheitszeichen  sollen  daher  die  Braunschweigischen
  sein.

Uebertretungen,  Vergehen  und  Verbrechen  in  Bezug  auf  die  Bahnanlage
oder  deren  Betrieb  sollen,  sofern  sie  im  Braunschweigischen  Bobie-  ausgeubt  sind,
von  den  betreffenden  Herzoglich  Beaunschweigischen  ehörden  untersucht  und  nach
den  dortigen  Gesetzen  beurtheilt  werden.  8  eßen  aller  Entschädigu  anfprüchet
welche  aus  Anlaß  des  Baues  und  Betriebes  der  im  Braunscwesisten  Gebiete
belegenen  Bahnstrecke  von  Braunschweigischen  Unterthanen  gegen  die  Verwaltung,

der
        <pb n="943" />
        —  767  —

der  Bahn  erhoben  werden,  hat  sich  letztere  der  Entscheidung  der  zuständigen  Herzoglich
  Braunschweigischen  Gerichte  zu  unterwerfen.

Artikel  8.

Die  Bahnpolizei  soll  für  die  ganze  Bahn  in  Gemäßheit  des  für  jedes
Staatsgebiet  besonders  zu  publizirenden  Bahnpolizei-Reglements  nach  übereinstimmenden
  Grundsätzen  gehandhabt  werden.  Die  Herzoglich  Braunschweigische
Regierung  wird  zu  diesem  #wecze  das  von  der  Königlich  Preußischen  Regierung
festzustellende  Bahnpolizei-Reglement,  soweit  nicht  lokale  Verhältnisse  einzelne  Abweichungen
  unvermeidlich  machen  möchten,  auch  für  die  Bahnstrecke  in  Ihrem
Gebiete  in  Kraft  setzen.

Den  auf  der  Strecke  fungirenden  Eisenbahnbeamten  werden  dabei  in  Bezug
auf  die  Eisenbahnpolizei  dieselben  Befugnisse  eingeräumt  werden,  welche  auf  den
Herhogiich  Braunschweigischen  Staatsbahnen  die  betreffenden  Braunschweigischen

ahnbeamten  auszuüben  haben.  Die  von  der  den  Betrieb  führenden  Eisenbahnverwaltung
  nach  Maaßgabe  der  im  Königreiche  Preußen  bestehenden  Vorschriften
geprüften  Betriebsmittel  sollen  ohne  weitere  Revision  auf  der  Braunschweigischen
Gebiessstregt  zugelassen  werden.

Artikel  9.

Die  Bestimmung  der  Fahrzeiten  und  Transportpreise  wird  der  im  Eigenthum

  der  Vahn  befindlichen  Eisenbahngesellschaft  unter  Einwirkung  der  Königlich
reußischen  Regierung  überlassen.

Iwischen  den  beiderseitigen  Staatsangehörigen  soll  bei  Feststellung  der  Beförderungspreise

  und  der  Zeit  der  Abfertigung  kein  Unterschied  gemacht  werden.

Artikel  10.

·  In  Betreff  der  Staats-  und  Gemeindeabgaben  und  Lasen  ist  verabredet,
daß  der  Betrieb  auf  der  betreffenden  Bahnstrecke  mit  einer  Gewerbesteuer  oder
ähnlichen  öfentlichen  Abgabe  nicht  belegt  werden,  auch  daß  der  Schienenweg  von
der  Grundsteuer  befreit  sein  soll.

Artikel  11.

Da  die  Bahnstrecke  innerhalb  des  Herzoglich  Braunschweigischen  Gebiets
mit  der  im  Königlich  Preußischen  Gebiete  belegenen  Bahn  ein  Ganzes  ausmacht
und  nur  im  Zusammenhange  damit  zu  benutzen  ist,  so  sollen  etwaige  neue  gesetzliche
  Bestimmungen  über  Eisenbahn-Unternehmungen  im  Braunschweigischen
Staate  nur  nach  vorgängiger  Genehmigung  der  Königlich  Preußischen  Regierung
auf  die  in  Rede  stehende  Bahnstrecke  in  Anwendung  gebracht  werden.

Artikel  12.

Die  Herzoglich  Braunschweigische  Regierung  wird  den  Brief-,  Geld=  und
Packetsendungen,  welche  Seitens  der  Königlich  Preußischen  Postverwaltung  auf
der  vorgenannten  Eisenbahn  befördert  werden,  den  ungehinderten  Transit  durch

(Nr.  6672.)  das
        <pb n="944" />
        –  768  —

das  Braunschweigische  Gebiet  gestatten,  auch  eine  Transitgebühr  dafür  nicht  beanspruchen.
  Die  Herzoglich  Braunschweigische  Regierung  verzichtet  bezüglich  der
in  Ihrem  Gebiete  belegenen  Bahnstrecke  auf  die  Ausübung  des  Postzwanges  für
Gelder  und  Packete.

Artikel  13.

Die  Herzoglich  Braunschweigische  Regierung  gestattet  der  Königlich  Preußischen
  Regierung,  wie  auch  der  Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger  Eisenbahn-Erlellchaft
  eine  elektro-magnetische  Telegraphenlinie  durch  das  Braunschweigische

ebiet  neben  oder  auf  dem  Bahntraktus  zu  führen,  dieselbe  zu  Zwecken  des
öffentlichen  Verkehrs  und  Bahnbetaiehes  nach  Maaßgabe  der  im  Königiich  Preußischen
  Gebiete  bestehenden  Bestimmungen  nutzbar  zu  machen  und  die  Drabtleitungen
  nach  Bedürfniß  zu  vermehren.

Alles  dasjenige,  was  in  den  vorstehenden  Artikeln  7.  S.  10.  und  11.  über
das  Verhältniß  der  Bahn  der  Herzoglich  Braunschweigischen  Regierung  gegenüber
festgestellt  worden  ist,  soll  auch  für  diese  Telegraphenlinie  zur  Geltung  kommen.

Artikel  14.

Dieser  Vertrag  soll  in  zwei  gleichlautenden  Original-Exemplaren  ausgefertigt
und  unverzüglich  zur  Ertheilung  der  Allerhöchsten  und  Höchsten  Ratifikation  vorgelegt
  werden,  deren  Auswechselung  binnen  vierzehn  Tagen  stattfinden  wird.

Urkundlich  ist  dieser  Vertrag  von  den  Bevollmächtigten  unterzeichnet  und
besiegelt  worden.

So  geschehen  Berlin,  den  18.  April  1867.

(L.  S.)  v.  d.  Reck.
(L.  S.)  v.  Amsberg.

Der  vorstehende  Vertrag  ist  ratifizirt  und  die  Auswechselung  der  Ratifikations-Urkunden
  in  Berlin  bewirkt  worden.

Redigirt  um  Büreau  des  Staats=  Ministeriums.

 

 

 

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckere-(R.
  v.  Decker).
        <pb n="945" />
        —  769  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  50.

 

(Nr.  6673.)  Verordnung,  betreffend  die  Bildung  von  Genossenschaften  zu  Entwässerungsund
  Bewässerungsanlagen  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.  Vom
28.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

verordnen  für  die  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  (Gesetz=  Samml.
S.  555)  und  die  beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz=  Samml.  S.  875.
und  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Landestheile,  was  folgt:

G.  I.

Wenn  Entwässerungs=  oder  Bewässerungsanlagen,  deren  Vortheile  einer
ganzen  Gegend  zu  Gute  kommen,  nur  durch  ein  gemeinsames  Wirken  zu  Stande
u  Kingen  und  fortzuführen  sind,  so  können  die  Betheiligten  zu  gemeinsamer

usführung  und  Unterhaltung  solcher  Anlagen  durch  brecherut  erordnung
verpflichtet  und  zu  besonderen  Genossenschaften  vereinigt  werden.

G.  2.

Für  jede  solche  Genossenschaft  sollen,  nachdem  die  Betheiligten  mit  ihren
Anträgen  und  Erinnerungen  gehört  worden,  folgende  Punkte  durch  ein  landes.
herrlich  vollzogenes  Statut  näher  bestimmt  werden:

a)  der  Umfang  der  hemeinsamen  Zwecke  und  der  Plan,  nach  welchem  verfahren
  werden  soll;

b)  die  Vertheilung  der  zur  Anlegung  und  Unterhaltung  der  Anstalten  erforderlichen
  Beiträge  und  Leistungen  nach  dem  Verhältnisse  der  hieraus
erwachsenden  Vortheile;

J)  die  innere  Verfassung  des  Verbandes.

Ist  eine  Genossenschaft  unter  freiwilliger  Zustimmung  aller  Betheiligten
zu  Stande  gekommen,  so  ist  der  Minister  für  die  fendwirthschufllichen  Angelegenheiten
  ermächtigt,  das  vereinbarte  Statut  zu  genehmigen  und  zur  Ausführung
zu  bringen.  ¾s

Der  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  wird  die  Verwaltungsbehörden
  wegen  Bildung  solcher  Genossenschaften  und  wegen  Vorbereitung
der  Statute  mit  näherer  Anweisg  versehen.

Johrgang  1867.  (Nr.  6673—6674.)  02  S.  4.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  8.  Juni  1867.
        <pb n="946" />
        —  770  —
KC.  4.

Genossenschaften  für  HDrainanlagen  sollen  für  jetzt  nur  bei  freiwilliger  Zustimmung

  aller  Betheiligten  gebildet  werden.
G.  5.

Wo  dergleichen  Genossenschaften  (F.  1)  unter  origertlcher  Autorität  bereits
vorhanden  sind,  verbleibt  es  bei  den  für  sie  bestehenden  Statuten  oder  Reglements
bis  zu  deren  Revision  und  Abänderung  im  ordnungsmäßigen  Wege.

#.  6.

Für  Entwässerungs=  und  Gevässerungs.Unternehmungen,  auf  welche  diese
Verordnung  angewendet  wird,  haben  die  dersekben  entgegenstehenden  gesetzlichen
Vorschriften  keine  Geltung.

Urrkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Iseel,  «  ’  -"-Gegeben

  Berlin,  den  28.  Mai  1867.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6674.)  Verordnung)  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen  Berggesetzes  vom  24.  Juni
1865.  in  das  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen
  Kurfürstenthums  Hessen  und  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt,
  sowie  der  vormals  Königlich  Bayerischen  Candestheile.  Vom  1.  Juni
1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  »c.
verordnen  für  das  mit  Unserer  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums
  He  und  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt,  sowie  der  vormals
  Königli  ayerischen  Landestheile,  auf  den  Antrag  Unseres  Staateministeriums,
  was  folgt:  Artikel

rtikel  I.

Das  Allgemeine  Berggesetz  für  die  Preußischen  Staaten  vom  24.  Juni
1865.  (Gesetz  Samml.  für  1865.  S.  705.)  erlangt  in  dem  mit  Unserer  Monarchie
vereinigten  Gebiete  des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hese  und  der  vormaligen
freien  Stadt  Fuunkfrt,  sowie  der  vormals  Königlich  Bayerischen  Landestheile
unter  nachfolgenden  besonderen  Bestimmungen  mit  dem  I.  Juli  1867.  Gesetzeskraft.

Artikel  II.

Die  von  der  Bergbehörde  ertheilten  Konzessionen  oder  geschehenen  Verpachtungen
  zur  Gewinnung  solcher  Mineralien,  welche  nach  §.  1.  des  Berggesetzes
dem
        <pb n="947" />
        —  771  —

dem  Verfü  ungsrechte  des  Grundeigenthümers  unterworfen  sind,  bleiben  bis  zu
dem  durch  die  Konzessions=  oder  Pacht-Urkunde  festgesetzten  Endtermine  in  Kraft.
Die  Ertheilung  neuer  Konzessionen  findet  nicht  ferner  statt.

Artikel  III.

«  Jnsofernausdenvordem1.Julid-..ertheiltenSuifscheineneinauss
schließliches  Schurfrecht  auf  ein  bestimmtes  Feld  herzuleiten  i  t  behalten  dieselben
ihre  bisherige  Kraft  für  die  Zeit,  auf  welche  sie  ertheilt  sind.  Schursscheine  solcher
Art  wel  sauf  unbestimmte  Zeit  ertheilt  sind,  verlieren  ihre  Kraft  mit  dem

1.  Juli
Artikel  IV.
Hinsichtlich  der  Feldesgröße  ist  die  Bestimmung  unter  2.  des  §.  27.  des
Berggesetzes  znfebe.  Unter  den  im  Berggesetze  in  Bezug  genommenen  Maaßen
sind  überall  die  Preußischen  Maaße  zu  verstehen.

Artikel  V.
Auf  das  Bergwerkseigenthum  finden  hinsichtlich  der  Veräußerung,  Verbfändung
  und  des  Arrestes  die  allgemeinen  gesetzlichen  Vorschriften,  welche  in
ieser  Beziehung  Hür  das  Grundeigenthum  in  den  im  Artikel  I.  bezeichneten  Landestheilen
  gelten,  Anwendung.  Ebenso  bleiben  die  Bestimmungen  der  allgemeinen
Gesetze  jener  Landestheile  hinsichtlich  der  Exekution,  des  Konkurses  und  der  Rangordnung
  der  Gläubiger  unverändert,  soweit  nicht  diese  Verordnung  abweichende
Vorschriften  enthält.
Artikel  VI.

Das  Bergwerkseigenthum  wird  durch  die  vom  Oberbergamte  ertheilte  Verleihung
  oder  gr  te  Konsolidation,  Theilung  oder  Vertauschung  von  Grubenfeldern
  und  Fel  zahheien  erworben  (§9.  50.  41.  51.  des  Berggesetzes)  und  bildet
einen  gelestständigen  Gegenstand  der  Eintragung  in  die  Spezlal-  und  General-Währschafts=
  und  Hypothekenbücher.  Die  Führung  dieser  Bücher  richtet  sich  auch
bezüglich  des  Verzwerkseigenthums  nach  den  für  das  Grundeigenthum  gegebenen
allgemeinen  gesetzlichen  Bestimmungen,  jedoch  genügt  bei  der  Eintragung  von
Verleihungen,  Konsolidationen,  Theilungen  und  dem  Austausch  von  Feldestheilen
die  Vorlegung  der  oberbergamtlichen  Verleihungs=  und  Bestätigungs=  Urkunden.
Erstreckt  sich  das  Feld  eines  Bergwerkes  in  kepert  Gerichtsbezirke,  so  hat  hinsichtlich
  der  Kompetenz  zur  Führung  der  Währschafts=  und  Hypothekenbücher,
sowie  zur  Aufnahme  der  das  Bergwerkseigenthum  oder  dingliche  Berechtigungen
an  demselben  betreffenden  Akte  der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit  das  den  verschis  e—
nen  Gerichten  zunächst  gemeinsame  höhere  Gericht  die  erforderliche  Entscheidung

zu  treffen.
Artikel  VII.
Die  bisher  von  den  Bergbehörden  geführten  Berggewährschafts.)  Berglehn-
  und  Berggegenbücher  find  zu  schließen  und  an  die  ordentlichen  Gerichte  abugeben.

*7v  Artikel  pum.
Die  im  §.  141.  des  Berggesetzes  in  Bezug  genommenen  Grundsat  der
(Nr.  6674.)  102“  Preu-
        <pb n="948" />
        —  772  —

Preußischen  Gesetzgebung  über  das  den  Eisenbahngesellschaften  gegenüber  bestehende
Vorkaufs=  und  Wiederkaufsrecht,  insbesondere  die  *.  16.  bis  19.  des  Gesetzes
über  die  Eisenbahn-Unternehmungen  vom  3.  November  1838.  (Gesetz=  Samml.
für  1838.  S.  505.),  kommen  für  den  hier  bezeichneten  Fall  gleichfalls  in  Anwendung.


Art

ikel  IX.
An  die  Stelle  des  ersten  Absatzes  des  F.  166.  des  Berggesetzes  tritt  die
folgende  Bestimwung:
Die  bereits  bestehenden  Knappschaftsvereine  bleiben  in  Wirksamkeit.
Der  gegenwärtige  Titel  findet  auch  auf  sie  Anwendung,  und  sind
ihre  Statuten  mit  den  Vorschriften  desselben  in  Uebereinstimmung  zu

bringen.
Artikel  X.
Zugleich  mit  den  Strafvorschriften  des  Berggesetzes  tritt  auch  das  Gesetz
über  die  lasuig  unbefugter  isten  oder  Aneignung  von  Mineralien
vom  26.  März  1856.  (Gesetz=  Samml.  für  1856.  S.  203.)  in  Kraft.

Artikel  Xl.

Den  Verzarbeitern  steht  in  den  Fällen  des  F.  249.  des  Berggesetzes  in
Beziehung  auf  die  Rückstände  aus  dem  letzten  Jahre  an  Lohn  und  anderen
Emolumenten  das  dem  Gesinde  und  den  vom  Schuldner  beköstigten  Dienern
eingeräumte  Vorzugsrecht  zu.

Artikel  XII.

Die  Insinuation  von  Verfügungen  der  Bergbehörde  kann  rechtsgültig
durch  die  Post  bewirkt  werden.  Wird  die  Verfügung  als  unbestellbar  von  der
Post  zurü  gellefert,  so  erfolgt  die  Insinuation  durch  öffentlichen  Aushang  am
Amtslokale  der  betreffenden  Bergbehörde.  Hat  die  Verfügung  während  vierzehn
Tagen  ausgehangen,  so  ist  die  ustellung  für  bewirkt  zu  erachten.

Artikel  XIII.

Privat-Hüttenwerke,  Wassergefälle  und  Aufbereitungsanstalten  und  andere
Anlagen,  welche  nicht  unter  die  Vorschriften  des  Berggesetzes  fallen,  gehören
fortan  zum  Ressort  der  gewöhnlichen  Verwaltungsbehörden.

Artifel  XIV.

Für  das  Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hessen  werden  die  folgenden
  besonderen  Bestimmungen  getroffen:

.  1.  Die  nach  den  Bestimmungen  des  Berggescdes  eintretende  Subhastation
eines  Bergwerkes  oder  eines  Antheiles  desselben  erfolgt,  je  nach  den  Voraussetzungen
  des  vorliegenden  Falles,  entweder  im  Wege  der  Zwangs-=versteigerung,
  insoweit  sich  nicht  eine  Modifikation  des  hierbei  vorgeschriebenen
  Verfahrens  aus  dem  Berggesetze  ergiebt,  oder  in  Gemäßheit  des
bei  sonstigen  nothwendigen  gerichtlichen  Versteigerungen  oder  freiwilligen
gerichtlichen  Versteigerunger  hergebrachten  Varsahrenh.

Die  gerichtliche  Mobiliarversteigerung  ist,  insoweit  nicht  in  dieser
Beziehung  besondere  Bestimmungen  durch  das  Berggesetz  (.  238.)  *
troffen
        <pb n="949" />
        —  773  —

troffen  sind,  zwar  nach  den  bestehenden  Vorschriften  des  Kurhessischen
Rechts,  jedoch  ausschließlich  Seitens  des  Aktuariates  zu  vollziehen;  auch
soll  die  Bestimmung  in  Ansehung  der  Anberaumung  des  Verkaufstermines,
  sowie  der  #et  der  öffentlichen  Bekanntmachung  dem  Ermessen
des  Gerichtes  überlassen  sein.
§.  2.  Das  nach  F.  129.  des  Berggesetzes  stattfindende  gerichtliche  Verfahren  ist
unter  Beobachtung  der  im  6.  des  Karhesschen  Gesetzes  vom  30.  Oktober
  1834.  über  die  Abtretungen  zu  öffentlichen  Zwecken  festgesetzten
Fristen  und  Termine  zur  schleunigen  Erledigung  zu  bringen.
§.  3.  Bei  der  zwangsweisen  Grundabtretung  findet,  außer  dem  durch  §.  146.
des  Berggesetzes  vorgesehenen  Falle,  die  gerichtliche  Deposition  auch  in
den  durch  §.  11.  des  Kurhessischen  Gesetzes  vom  30.  Oktober  1834.  über
die  Abtretungen  zu  öffentlichen  Zwecken  festgesetzten  Fällen  statt.
.  4.  Die  Vorschriften  des  F.  14.  des  letzteren  Gesetzes  finden  auf  die  zwangsweise
  Grundabtretung  zu  bergbaulichen  Zwecken  gleichfalls  Anwendung.
.  5.  Die  Ueberschreibung  in  die  Währschafts=  und  Hypothekenbücher  geschieht
auf  Grund  der  Vorlage  des  im  9.  144.  des  Berggesetzes  erwähnten,  im
Verwaltungswege  rechtskräftigen  Expropriationsbeschlusses.
Artikel  XV.
Den  im  F§.  1.  des  Berggesetzes  aufgeführten  Mineralien  wird  für  die  Herrschaft
  Schmalkalden  der  Schwerspath  hinzugefügt.
Artikel  XVI.
Das  ausschließliche  Recht  zur  Gewinnung  der  Steinkohlen  in  der  Grafschaft
  Schaumburg  bleibt  den  aach  dem  Exekutionsabschiede  vom  12.  Dezember
1647.  zum  Bergbau  auf  Steinkohlen  Berechtigten  allein  vorbehalten.

Artifel  XVII.

Rücksichtlich  der  bisherigen  Bergwerksabgaben,  soweit  dieselben  an  die
Staatskassen  zu  entrichten  sind)  treten  die  nachfolgenden  Bestimmungen  mit  dem
1.  Juli  d.  J.  in  Kraft:

§.  1.  Die  von  den  Eisenerzbergwerken  bisher  erhobenen  Bergwerksabgaben  sind
vorbehaltlich  der  Bestinncungen  des  §.  3.  dieses  Artikels  aufgehoben.

§.  2.  Der  Bergwerkszehnte,  die  Rezeß-  und  Quatembergelder,  die  nach  dem
Königlich  Bayerischen  Gesetze  vom  1.  Juli  1856.  zu  entrichtende  Bergwerksabgabe
  von  fünf  Prozent  der  Verlagserstattung  oder  Ausbeute  und
die  sonstigen  Bergwerksabgaben  sind  aufgehoben.  An  deren  Stelle  tritt
für  sämmtliche  Bergwerke  ausschließlich  der  Eisenerzbergwerke  eine  Bergwerkssteuer
  von  zwei  Prozent  von  dem  Werthe  der  Produkte  des  Bergwerkes
  zur  Zeit  des  Absatzes  der  letzteren.

Hinsichtlich  der  Erstattung  eines  verhältnißmäßigen  Antheiles  der

Poch-,  Wasch-)  Hütten-  und  sonstigen  Zubereitungskosten  bei  Erzbergwerken
  durch  den  Staat,  sowie  der  ittelung,  gesistellung.  und  Einziehung
  der  Bergwerkssteuer  kommen  die  in  den  älteren  Provinzen  des
Staates  bestehenden  Vorschriften  zur  Anwendung.

(Nr.  6674.)  .  3.
        <pb n="950" />
        —  774  —

6  3.  Die  auf  privatrechtlichen  Titeln  beruhenden  Befreiungen  von  den  Bergwerksabgaben
  werden  aufrecht  erhalten.

Ebenso  werden  die  von  dem  Staate  über  Bergwerksabgaben  abgeschlossenen
  Verträge  durch  die  Vorschriften  der  ¾  1.  und  2.  nicht
verändert.  Dasselbe  gilt  rücksichtlich  der  in  der  Herrschaft  Schmalkalden
von  einzelnen  Eisensteinbergwerken  bisher  erhobenen  Zug-  und  Verkauf-,
Zug=  und  Meßgelder,  der  Zettelgelder,  sowie  der  Ersatzabgabe  für  die
durch  die  Gewerbeordnung  vom  14.  Februar  1827.  aufgehobenen  Abgaben.

Hinsichtlich  der  gänzlichen  Aufhebung  oder  Ermäßigung  dieser
Bergwerksabgaben  kommt  das  Gesetz  vom  17.  Juni  1863.,  betreffend
die  Abänderung  des  F.  13.  des  Gesches  über  die  Besteuerung  der  Bergwerke
  vom  12.  Mai  1851.  (Gesetz-Samml.  für  1863.  S.  462.),  zur
Anwendung.

§  4.  Die  von  der  Bergbehörde  bisher  erhobenen  Konzessionsgelder  von  Steinbrüchen,
  Thon-,  Lehm-  und  Sandgruben  u.  s.  w.)  sowie  die  von  einzelnen
  Steinbrüchen  erhobenen  besonderen  Abgaben  sind  für  die  Dauer
der  ertheilten  Berechtigung  fort  zu  entrichten,  soweit  nicht  die  letzteren
Steinbrüche  auf  Grund  des  F.  222.  des  Ber  gesches  als  Bergwerke
anzusehen  und  demgemäß  der  durch  F.  2.  dieses  Artikels  bestimmten
Bergwerkssteuer  in  Zukunft  unterworfen  sind.

Artikel  XVIII.

Mit  dem  1.  Juli  1867.  sind  ausgehoben  das  gemeine  deutsche  Bergrecht,
die  sämmtlichen  in  den  im  Artikel  I.  bezeichneten  Landestheilen  geltenden  Bergfreiheiten
  und  Bergordnungen,  insbesondere  auch  die  Hessische  Bergfreiheit  vom
21.  März  1616.,  die  Hesische  Bergordnung  vom  Jahre  1616.,  die  Bergordnung
für  Schmalkalden  vom  14.  November  1726.,  die  Hanauische  Bergordnung  vom
Jahre  1542.)  die  Markgräflich  Brandenburgische  Bergordnung  vom  1.  Dezember
1619.)  die  bergrechtiichen  Vorschriften  des  Preußischen  Allgemeinen  Landrechts,
die  Bayerische  Bergordnung  vom  6.  Mai  1784.),  das  Bayerische  organische  Edikt
vom  14.  September  1809.),  die  Berggerichtsverfassung  betreffend,  die  S#.  3.  bis
10.  der  Vorschriften  über  den  Vollzug  des  Hopothekengesetes  vom  1.  Juni  1822.
in  Beziehung  auf  Bergbaurealitäten  vom  31.  Juli  1830.)  das  Bayerische  Gesetz
vom  1.  Juli  1856.  über  die  Abgaben  von  den  Bergwerken,  die  gesetzlichen  Vorschriften
  über  die  Verfassung  der  Bergbehörden,  ferner  alle  übrigen  allgemeinen
und  besonderen  Gesetze,  Verordnungen  und  Gewohnheiten  über  Gegenstände,  auf
welche  das  Berggesetz  und  die  gegenwärtige  Verordnung  sich  beziehen.

Urkundlch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.  ·

Gegeben  Berlin,  den  1.  Juni  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6675.)
        <pb n="951" />
        —  775  —

(Nr.  6675.)  Verordnung,  betreffend  die  in  Frankfurt  a.  M.  zu  erhebende  Mahl-Schlachtsteuer.
  Vom  3.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  pon  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.
verordnen,  in  Berücksichtigung  örtlicher  Verhältnisse,  was  folgt:

F.  1.

Die  gesetzlichen  Vorschriften  über  die  Erhebung  der  Mahl=  und  Schlachtsteuer,
  welche  durch  den  9.  2.  der  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der
Preußischen  Gesetzgebung  wegen  der  direkten  Steuern  im  Regierungsbezirke  Wiesbaden,
  sowie  in  dem  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Kreise  Vöhl  vom  11.  Mai
1867.  (Gesetz=  Samml.  S.  593.)  in  Frankfurt  a.  M.  eingeführt  worden  sind,
sollen  daselbst  mit  den  nachstehend  in  den  §#.  2.  bis  4.  bezeichneten  Abänderungen
zur  Ausführung  gebracht  werden.

C.  2.

Statt  der  im  F.  3.  des  Gesetzes  vom  30.  Mai  1820.  wegen  Entrichtung
einer  Mahl=  und  Schlachtsteuer  (Gesetz-Samml.  S.  143.)  für  die  Mahlsteuer
vorgeschriebenen  Sätze  von  20  Sgr.  für  den  Zentner  Weizen  und  von  5  Sgr.
für  den  Zentner  anderer  Getreidearten  und  Hülsenfrüchte,  sollen  in  Frankfurt  a.  .
für  alle  Getreidearten  und  Hülsenfrüchte  an  Mahlsteuer  16  Sgr.  für  den  Zentner
erhoben,  und  nach  diesem  Satze,  und  nach  dem  im  vorgedachten  Gesetze  F.  15.c.
unter  aa.  bb.  und  cc.  angegebenen  Verhältnisse  die  Stenerste  für  Fabrikate
und  Backwerk  bei  deren  Einbringung  in  die  Stadt  bemessen  werden.

S.  3.

Die  Schlachtsteuer  von  den  im  F.  8.  des  Mahl=  und  Schlachtsteuer-Ge.
setzes  vom  30.  Mai  1820.  gegannten  Viehgattungen  muß,  wenn  dergleichen  Vieh
in  den  steuerpflichtigen  Stadtbezirk  von  Frankfurt  a.  M.  eingebracht  wird,  beim
Eingange  nach  dem  Stücksatze  (6.  11.  des  vorgedachten  Gesetzes)  entrichtet
werden.

G.  4.

Die  Bestimmungen  im  9.  1.  des  Gesetzes  vom  2.  April  1852.  zur  Eränzung
  des  Mahl-  und  Schlachtsteuergesetzes  vom  30.  Mai  1820.  (Gesetzamml.
  für  1852.  S.  107.)  über  die  Erhebung  der  Mahl=  und  Schlachtsteuer

von  Gewerbetreibenden  im  halbmeiligen  Umkreise  mahl=  und  schlachtsteuerpflichtiger
Städte  bleiben  in  Bezug  auf  Frankfurt  a.  M.  bis  auf  Weiteres  außer  Anwendung.


g.  5.
Der  Finanzminister  wird  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.


(Nr.  6675—6676.)  Ur-
        <pb n="952" />
        —  776  —
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  3.  Juni  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.

 

(Nr.  6676.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Gesetze  über  Zölle  und  innerc  indirekte
  Steuern  und  Abgaben  in  dem  vormals  Hessen=  Homburgischen
Oberamt  Meisenheim.  Vom  3.  Juni  18607.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  7.

verordnen  hiermit  Folgendes:
.  1.

Alle  seit  dem  5.  April  1815.  ergangenen,  die  Zölle  und  innern  indirekten
Steuern  und  Abgaben  betreffenden  Gesetze,  Verordnungen  und  Bestimmungen,
welche  im  Regierungsbezirke  Coblenz  Gesetzeskraft  haben,  werden  hierdurch  mit
derselben  Wirkung  vom  1.  Juli  d.  J.  ab  in  dem  bisher  zur  Landgrafschaft
Hessen-Homburg  gehörigen  Oberamt  Meisenheim  für  eingeführt  erklärt  und  daegen

  die  seit  jenem  Fi  unkte  von  der  Landgräflich  Homburgischen  und  der
Prozerzo“  lich  Hessischen  Regierung  in  den  angegebenen  Beziehungen  erlassenen
Gesetze,  Verordnungen  und  Bestimmungen  aufgehoben.

G.  2.
Mit  der  Ausführung  der  hiernach  erforderlichen  Anordnungen  wird  der
Finanzminister  beauftragt.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.“
Gegeben  Berlin,  den  3.  Juni  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.

Redigtrt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Sofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="953" />
        —  777  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  51.  —

 

(Nr.  6677.)  Verordnung,  betreffend  die  Organisation  der  Landgendarmerie  in  den  neu.
erworbenen  Landestheilen.  Vom  23.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  c.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.
In  den  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  (Gesetz-Samml.  für  1866.

S.  555.)  und  durch  die  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  für  1866.
S.  875.  876.)  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Gebieten  ½  zur  Erhaltung
der  öffentlichen  Sicherheit,  Ruhe  und  Ordnung  eine  mit  dem  Gendarmerie-Korps
in  den  übrigen  Theilen  der  Monarchie  gleichförmig  eingerichtete  und  mit  diesem
Korps  vereinigte  Landgendarmerie  be  che  und  sollen  Lagegen  die  in  diesen
Landestheilen  bis  jetzt  bestandenen  Gendarmerie=  resp.  Landjä
gelöst  werden.

S.  2.

Diese  Gendarmerie  soll  in  Rücksicht  auf  Oekonomie,  Disziplin  und  übrige
innere  Verfassung  militairisch  organisirt  und  unter  dem  Oberbefeh  des  Chefs  der
Landgendarmerie  Unserer  Monarchie  dem  Kriegsminister,  in  Ansehung  ihrer
Wirksamten  und  Dienstleistung  aber,  unter  den  betreffenden  Civilbehörden,  dem
Minister  des  Innern  untergeordnet  sein.

C.  3.

Sie  wird  in  Brigaden  eingetheilt.  Jede  Brigade  besteht  aus  einem  Briadier,
  welcher  ihr  vorfeeh.,  und  aus  der  erforderlichen  Anzahl  von  Offizieren,
#berwachnmesstem  und  berittenen  sowie  Fuß-Gendarmen.

S.  4.

Die  militairische  Aufsicht  über  die  Gendarmen  wird  von  ihren  Militairvorgesetzten
  einschließlich  der  Oberwachtmeister  geführt.  An  der  Perrichtung  der
civildienstlichen  Geschäfte  der  Gendarmerie  nehmen  die  Offfziere  keinen  Theil,  sofern
  sie  nicht  in  wichtigen  Fällen  persönlich  zur  Anführung  eines  Kommandos
oder  zu  anderen  Dienstleistungen  für  das  Civil  kommandirt  sind.  Die  Oberwachtmeister
  und  Gendarmen  haben  den  Civildienst  der  Gendarmerie  unter  der

Jahrgang  1867.  (Nr.  6677.)  103  Leidjäger-Korps

  auf-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  11.  Juni  1867.
        <pb n="954" />
        Leitung  der  Civilbehörden,  denen  sie  zur  Dienstleistung  überwiesen  sind,  zu  versehen.
  Die  Oberwachtmeister  sind  jedoch,  damit  sie  ihre  Funktionen  als  Militairvorgesetzte
  der  Gendarmen  erfüllen  können,  zu  dem  Civildienste  nicht  regelmäßig,
sondern  nur  in  besonderen  dazu  geeigneten  Fällen  heranzuziehen.

G.  5.

Die  Vertheilung  der  Gendarmerie  im  Lande  nach  Maaßgabe  des  Bedürfnisses
  und  der  örtlichen  Verhältnisse,  die  Bestimmung  des  Stationsortes
ihrer  Mitglieder  einschließlich  der  Offizierc,  sowie  die  Bezeichnung  derjenigen  Civilbehörden,
  welchen  die  Oberwachtmeister  der  Gendarmerie  und  die  Gendarmen  in
en  civildienstlichen  Verrichtungen  unterzuordnen  sind,  bleibt  dem  Minister  des

mnnern  unter  Rücksprache  mit  dem  Chef  der  Gendarmerie  überlassen.

S.  6.
Die  Anstellung  der  Offiziere  bei  der  Gendarmerie  behalten  Wir  Uns  vor.
Der  Militair-Chef  soll  Uns  aber  dazu  die  Vorschläge  machen.  Die  Entlassung
und  Pensionirung  der  Offiziere  bei  der  Gendarmerie  erfolgt  nach  denselben  Grundsätzen,
  wie  die  der  Offiziere  des  stehenden  Heeres.

S.  J.

Die  Oberwachtmeister  und  Gendarmen  werden  von  dem  Chef  der  Gendarmerie,
  die  ersteren  vorzugsweise  aus  den  dazu  geeigneten  Gendarmen,  die  letzteren
aus  der  Zahl  dersenigen  nteroffziere  angenommen  und  bestellt,  welche  die  als
Bedingung  er  Anstellungsfähigkeit  vorgeschriebene  Dienstzeit  im  stehenden  Heere
erfüllt  haben  und  außerdem

a)  den  unverletzten  auf  der  Treue,  Ehrlichkeit,  Nüchternheit  und  eines  untadelhaften
  Lebens  besitzen,

b)  zganz  fertig  lesen,  verständlich  schreiben  und  in  den  vier  Species  rechnen

önnen,  und

Jc)  von  starkem  gesundem  Körperbau  und  von  guten  natürlichen  Geistesanlagen
  sind.

Der  Chef  der  Gendarmerie  hat  die  hierauf  zu  richtenden  Prüfungen  zu
veranlassen,  die  Brigadiers  deshalb  mit  Anweisung  zu  versehen  und  demnächst
über  die  Tüchtigkeit  und  Anstellung  des  geprüften  Subjekts  zu  entscheiden,  der
Brigadier  aber  dafür  zu  haften,  daß  die  Prüfung  gewissenhaft,  streng  und  zweckmäßig
  erfolge.

*½*

Die  Anstellung  eines  Gendarmen  ist  für  die  ersten  seit  dem  Tage  des
Dienstantritts  zu  rechnenden  sechs  Monate  nur  provisorisch,  wenn  er  während
dieses  Zeitraums  der  Erwartung  nicht  entspricht,  kann  er  ohne  Weiteres  vom
Chef  entlassen  werden.  Bei  ihrer  Anstellung  werden  die  Gendarmen  durch  Diensteid
  verpflichtet.

S.  9.

Die  Entlassung  nach  Ablauf  der  vorgedachten  ersten  sechs  Monate  kann
nicht  allein  durch  Kriegsrecht,  sondern  mit  gleicher  rechtlicher  Wirkung  auch
durch
        <pb n="955" />
        —  779  —

durch  Standrecht,  alsdann  jedoch  nur  unter  Bestätigung  des  Chefs,  verhängt
werden.
S.  10.

Oberwachtmeister  und  Gendarmen  können  wegen  solcher  Handlungen,
welche  zwar  nicht  in  den  Strafgesetzen  vorgesehen  sind,  durch  welche  sie  aber  die
Pflichten  verletzen,  welche  ihnen  ihr  Amt  auferlegt,  oder  wenn  sie  sich  durch  ihr
Verhalten  in  oder  außer  dem  Dienste  der  Achtung,  des  Ansehens  oder  des  Vertrauens,
  die  ihr  Beruf  erfordert,  unwürdig  zeigen,  im  Wege  der  Disziplinar-Untersuchung
  durch  einen  Beschluß  des  Chefs  der  Gendarmerie  aus  dem  Oienste
entfernt  werden.  Gegen  diese  Entscheidung  steht  ihnen  der  Rekurs  an  das  Staatsministerium
  binnen  einer  Frist  von  vier  Wochen  nach  Empfang  der  Entscheidung
  zu.

S.  11.

Oberwachtmeister  und  Gendarmen,  welche  durch  körperliches  Gebrechen  oder
wegen  Schwäche  ihrer  körperlichen  und  geistigen  Kräfte  zu  der  Erfüllung  ihrer
Dienstpflichten  dauernd  unfähig  sind,  werden  sowohl  dann,  wenn  sie  selbst  ihre
Pensionirung  nachsuchen,  als  wenn  sie  dieselbe  nicht  nachsuchen,  durch  Verfügung
des  Ministers  des  Innern  in  dem  für  die  freiwillige,  beziehungsweise  unfreiwillige
Pensionirung  der  Civilbeamten  vorgeschriebenen  Verfahren  mit  Pension  in  den
Ruhestand  versetzt.  Die  Vorschriften  des  Preußischen  Civil-Pensionsreglements
vom  30.  April  1825.  und  die  dazu  ergangenen  und  ergehenden  abändernden  und
ergänzenden  Bestimmungen  finden  auf  die  Oberwachtmeister  und  Gendarmen  mit
der  Maaßgbe  Anwendung,  daß  die  Höhe  der  Pension  nach  der  Dienstdauer,
vom  Tage  des  wirklichen  Eintritts  in  den  Dienst,  ohne  Rücksicht  auf  das  damalige
Lebensalter  des  betreffenden  Oberwachtmeisters  oder  Gendarmen,  sowie  nach  dem
Betrage  des  Gehalts,  in  dessen  Genuß  der  betreffende  Oberwachtmeister  oder
Gendarm  sich  zur  Zeit  seiner  Entlassung  befindet,  berechnet  wird.  Diejenigen
Oberwachtmeister  und  Gendarmen,  welche  bei  eintretender  Invalidität  noch  nicht
volle  fünfzehn  Jahre  gedient  und  sich  unbescholten  geführt  haben,  erhalten,  jedoch
erst  nach  zurückgelegter  sechsmonatlicher  Probezeit,  ohne  Rücksicht  auf  die  in  der
Gendarmerie  selbst  zugebrachte  längere  oder  kürzere  Dienstzeit,  und  zwar  der  Oberwachtmeister
  jährlich  84  Thaler,  der  Gendarm  aber  jährlich  54  Thaler  an  Pension.
  Die  Oberwachtmeister  und  Gendarmen,  welche  früher  in  den  neu  erworbenen
  Landestheilen  dem  Staate  gediemt  haben  und  mit  denselben  übernommen
worden  sind,  werden  nach  den  Vorschriften  für  die  aus  diesen  Landestheilen
übernommenen  Civilbeamten  pensionirt.

S..  12.

Außer  der  Besoldung  und  den  vom  Staate  gewährten  Emolumenten  haben
die  Offiziere,  Oberwachtmeister  und  Gendarmen  weder  in  ihrem  Standquartier,
noch  außerhalb  desselben  Anspruch  auf  Naturalquartier,  Servis  oder  Beköstigung.  Die
Gemeinden  sind  jedoch  verpflichtet,  an  Orten,  wo  keine  Militairmagazine  sind  und
der  Fouragebedarf  der  daselbst  stationirten  Gendarmerie  auch  im  Weg.  der  Verdingung
  zu  einem  angemessenen  Preise  nicht  zu  erlangen  ist,  die  Lleferung  der
Fourage  gegen  Erstattung  des  mittleren  Marktpreises  am  Orte  der  eferang,

r.  6677,  103“  falls
        <pb n="956" />
        —  780  —

falls  aber  von  der  Gemeindebehörde  erweislich  die  Fourage  in  der  erforderlichen
Qualität  für  den  laufenden  mittleren  Marktpreis  nicht  zu  beschaffen  ist,  gegen
Erstattung  der  wirklich  gezahlten  höheren  Preise  aus  der  Staatskasse,  zu  leisten.
S.  13.
Mehrjähriger  ausgezeichneter  Dienst  in  der  Gendarmerie  gewährt  den
Offizieren,  #onach  meeistein  und  Gendarmen  einen  vorzüglichen  Anspruch  auf
Anstellung  in  solchen  Civilämtern,  zu  welchen  sie  geeignet  iin.

S.  14.

Das  Korps  der  Gendarmerie  hat,  wenn  es  gemeinschaftlich  mit  den  Linienteuppen
  in  Dienstthätigkeit  ist,  den  Vorrang.  Das  Kommando  führt  in  solchen
Fällen  zwar  immer,  Rücksicht  auf  das  Korps,  zu  welchem  es  gehört,  der
im  Dienst  ältere  Offizier;  ist  dies  aber  der  Anführer  der  Linientruppen,  so  ist
derselbe  den  Anträgen  des  Gendarmerie-Anführers  nachzukommen  verpflichtet.  Die
Gendarmen  selbst  haben  einzeln  den  Rang  der  Unterofsiziere  in  den  Linientruppen.

S.  15.

Die  Mitglieder  der  Gendarmerie  gehören  zu  den  Personen  des  Soldatenstandes
  und  haben  den  Gerichtsstand  des  stehenden  Heeres.  Auf  dieselben  finden
die  Vorschriften  der  Militair-Strafgesetze  Amnwendung.  Das  nächste  Militairgrricht
  ist  verpflichtet,  die  Dienst=  und  gemeinen  Vergehen  der  Gendarmen  auf
Requisition  ihrer  Vorgesetzten  zu  untersuchen  und  darüber  zu  erkennen.  Auch  die
dem  Gendarmen  in  seinen  Dienstverrichtungen  vorgesetzte  Civilbehörde  (F.  5.)  ist
befugt,  gegen  ihn  wegen  eines  Dienst=  oder  anderen  Vergehens  oder  eines  Verbrechens
  eine  vorläufige  Untersuchung  einzuleiten,  auch  nach  Befinden  in  dringenden
  Fällen  ihm  vorläufig,  bis  zur  Entscheidung  der  kompetenten  Militairbehörde
über  seine  Suspension  vom  Dienste,  die  Ausübung  aller  Dienstverrichtungen  zu
untersagen,  demnächst  aber  verbunden,  die  Akten  dem  vorgesetzten  Distriktsoffipier
zum  weiteren  Verfahren  zu  übersenden,  und  hat  der  Distriktsoffizier  den  Ausfall
der  Untersuchung  der  vorgedachten  Dienstbehörde  bekannt  zu  machen.  In  Ansehung
  der  Juriediktion  und  Strafgewalt  soll  dem  r  er  Gendarmerie  der
Wirkungskreis  eines  Divisionskommandeurs,  dem  Brigadier  der  eines  Regimentskommandeurs
  und  den  Distriktsofsizieren  der  eines  detachirten  Bataillonskommandeurs
  zustehen.  Für  den  Fall  der  Konkurrenz  von  Gendarmen  bei  Vergehen
anderer  Militairpersonen  erfolgt  die  Bestätigung  des  Erkenntnisses  ohne  Unterschied
  durch  den  Kriegsminister.  Ist  in  Folge  des  eingeleiteten  gerichtlichen  oder
Disziplinar-Verfahrens  die  Entfernung  eines  Gendarmen  aus  dem  Korps  vorherzusehen,
  so  hat  der  Chef  der  Gendarmerie  die  Suspension  desselben  vom  Dienste
mit  Einbehaltung  der  Hälfte  des  Gehalts  während  der  Untersuchung  und  bis  zur
Entscheidung,  jedoch  mit  Belassung  des  Unterhaltes  des  Pferdes  bei  berittenen
Gendarmen,  zu  verfügen.

C.  16.

Die  Gendarmerie  ist  im  Allgemeinen  bestimmt,  die  Polizeibehörden  in  Erhaltung
  der  öffentlichen  Ruhe,  Sicherdelt  und  Ordnung  im  Innern  des  Staates
und  in  Handhabung  der  deshalb  bestehenden  Gesetze  und  Anordnungen  zu  unterstützen.
        <pb n="957" />
        —  781  —

stützen.  Ihr  liegt  daher  als  ordentliche  #Leentleisung.  mithin  ohne  besondere
Requisition  und  Unweisung,  ob,  über  die  Befolgung  der  oben  gedachten  Gesetze
und  Anordnungen  zu  wachen,  Verbrechen,  Vergehen  und  anderen  Rerafbaren  Handlungen
  nachzuforschen  und  den  Behörden  und  sonstigen  öffentlichen  Beamten,  wenn
dieselben  zur  Asibeng  ihres  Dienstes  Schutz  bedürfen,  solchen  auf  Ansuchen  zu
gewähren.  Die  Mitglieder  der  Gendarmerie  sind  befugt,  auch  ohne  Auftrag  bei
gesetzmäßiger  Veranlassung  und  unter  Beobachtung  der  in  den  Gesetzen  vorgeschriebenen
  Formen  Personen  festzunehmen  oder  in  polizeiliche  Verwahrung  zu
nehmen,  in  Wohnungen  einzudringen  und  Haussuchungen  vorzunehmen.  Deserteure
  haben  sie  aufzugreifen  und  an  die  nächste  Garnison  abzuliefern.  Die  Gendarmen
  können  dan  verwandt  werden,  Verbrecher  und  Vagabonden  in  Gemäß-=heit
  der  darüber  bestehenden  Vorschriften  zu  transportiren  und  deren  Transport
#  decken.  Zur  bloßen  Beförderung  von  Vearfüguna  und  Kurrenden  der  Civilehörden
  und  zu  Boten=  oder  anderen  ähnlichen  Diensten  dürfen  die  Gendarmen
nur  ausnahmsweise  in  solchen  Fällen  gebraucht  werden,  wo  solches  gelegentlich
neben  ihren  anderen  Dienstgeschäften  ohne  Nachtheil  für  dieselben  geschehen  kann.
Die  Mitglieder  der  Gendarmerie  versehen  in  der  Regel  ihren  Dienst  in  den  ihnen
überwiesenen  Dienstbezirken.  In  Anlaß  besonderer  Aufträge  aber  haben  sie  ihre
Thätigeet  auch  über  diese  Bezirke  hinaus  auszudehnen  und  ebenso  sind  sie  auch
ohne  Anweisung  Seitens  der  ihnen  vorgestzen  Civilbehörden  verpflichtet,  in  eilien
  oder  sonst  dringenden  Fällen  der  Ortsobrigkeit  oder  der  Gendarmerie  eines
Renachbarten  Bezirks  Hülfe  zu  leisten  und  nöthigenfalls  flüchtige  Verbrecher,
Transportaten  rc.  so  weit  zu  verfolgen,  bis  sie  die  zur  weiteren  Nachsetzung  erforderliche
  Anzeige  einer  Ortsobrigkeit  oder  einem  anderen  Gendarmen  gemacht
haben  und  von  diesem  die  nöthigen  Anstalten  zur  weiteren  Nacheile  getroffen
werden.  R

Außerdem  liegt  der  Gendarmerie  ob,  nöthigenfalls

a)  die  Posten,  den  Transport  öffentlicher  Gelder  oder  anderer  Gegenstände
und  die  Fortschaffung  von  Pulvervorräthen  und  anderen,  eine
Vorsicht  erfordernden  und  bei  deren  Vernachlässigung  gefährlichen  Gegenständen

  zu  decken;

b)  den  Verwaltungs-  und  Justizbehörden  zur  Unterstützung  und  Sicherung
der  Erekution  in  denjenigen  Fallen  als  bewaffnete  Macht  zu  dienen,  in
welchen  Widersetzlichkeit  zu  besorgen  ist,  oder  sonst  Militair-Exekution
eintreten  würde)

J.)  bei  Truppemmärschen  die  Nachzügler  und  Excedenten  anzuhalten  und  an
ihre  Korps  abzuliefern.

S.  18.

Jedermann  ist  schuldig,  unter  Vorbehalt  der  nachher  zu  führenden  Beschwerde,
den  Aufforderungen  und  Anordnungen  der  Gendarmen  sofort  unbedingt  Folge
zu  leisten,  und  steht  die  Gendarmerie  überhaupt,  sowie  jeder  einzelne  zu  derselben
gehörige  Offizier,  Oberwachtmeister  und  Gendarm,  der  im  Dienste  ist,  sowohl  in
dieser  Rücksicht,  als  insonderheit  auch  in  Beziehung  auf  Unverletzbarkeit  und  auf

(Kr.  6677.)  Be-
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        Bestrafung  der  ihr  widerfahrenen  Widersetzlichkeit  und  Beleidigungen  zu  Jedermann,
und  namentlich  auch  zu  allen  Militairpersonen  jeden  Grades  in  dem  Verhältnisse
des  kommandirten  Militairs  und  der  Schildwachen.  Um  ihren  Anordnungen
Folge  zu  verschaffen,  sind  die  Mitglieder  der  Gendarmerie  auch  ohne  Autorisation
der  vorgesetzten  Behörde  befugt,  sich  der  ihnen  anvertrauten  Waffen  zu  bedienen:

a)  wenn  Gewalt  oder  Thätlichkeit  gegen  sie  selbst,  indem  sie  sich  in  Dienstfunktion
  befinden,  ausgeübt  wird;

b)  wenn  auf  der  That  entdeckte  Verbrecher,  Diebe,  Schleichhändler  u.  s.  w.
ihren  Aufforderungen,  um  zur  nächsten  Obrigkeit  geführt  zu  werden,
thätlichen  Widerstand  entgegensetzen  oder  sich  der  Beschlagnahme  der
Effekten  oder  Waaren  und  Fuhrwerke  oder  ihrer  persönlichen  Verhaftung
mit  offener  Gewalt  oder  mit  gefährlichen  Drohungen  widersetzen;

JP)  wenn  sie  auf  andere  Weise  den  ihnen  angewiesenen  Posten  nicht  behaupten
oder  die  ihnen  anvertrauten  Personen  nicht  beschützen  können.

Es  liegt  ihnen  sedoch  auch  in  diesen  Fällen  ob,  die  Waffen  nur,  nachdem
elinde  Mittel  fruchtlos  angewandt  sind,  und  nur,  wenn  der  Widerstand  so  stark
ist,  daß  er  nicht  anders  als  mit  bewaffneter  Hand  überwunden  werden  kann,  und
auch  dann  noch  mit  möglichster  Schonung  zu  gebrauchen.  Uebrigens  hat  die
Gendarmerie  bei  Ausrichtung  ibres  Dienstes  überhaupt  und  namenifch  in  Bezug
auf  den  öffentlichen  Glauben  ihrer  amtlichen  Anzeigen  und  Berichte  die  Rechte
der  übrigen  öffentlichen  Beamten.

S.  19.

Ein  Jeder,  besonders  aber  jede  Militair-,  Civil=  und  Gemeindebehörde  ist
schuldig,  die  Gendarmerie  und  die  einzelnen  Mitglieder  derselben  auf  deren  Er.
fordern  und  Requisition  in  Ausübung  iheer  Pflichten  kräftigst  zu  unterstützen  und
ihr  die  zur  Aufrechthaltung  ihres  Ansehens  und  Erreichung  ihrer  Bestimmung
nöthige  Hülfe  unweigerlich  und  augenblicklich  zu  leisten.  Insonderheit  aber  sind
auch  alle  öffentliche  und  zumal  die  Folizel-Behreen  und  Dorsshulen  „sowie  die
Gastwirthe,  Schänker  und  Krüger  verbunden,  den  Gendarmen  vollständig  und
unweigerlich  alle  Nachweisungen  und  Mittheilungen  zu  geben,  welche  ihnen  die
Erfüllung  ihrer  Dienstobliegenheit  erleichtern  können.  Namentlich  müssen  ihnen
die  eingegangenen  Steckbriefe  allemal  schleunigst  vorgezeigt  und  auf  Erfordern
mitgetheilt  werden.

G.  20.

Die  Militair-Vorgesetzten  haben  über  die  Führung  und  Erfüllung  der
Dienstobliegenheiten  der  Genzammen  von  den  denselben  vorgesetzten  Civilbehörden,
besonders  in  Rücksicht  auf  Pünktlichkeit,  Zuverlässigkeit  und  Umsicht  genaue  Aus.
kunft  einzuzieben,  die  befundenen  Mängel  abzustellen  und  dabei  die  Bemerkungen
dieser  Behörden  pflichtmäßig  zu  berücksichtigen.

Wenn  ein  Gendarm  zu  einer  ihn  aus  seinen  Dienstverrichtungen  entfernen.
den  Untersuchung  oder  Stase  geiogen  werden  soll,  so  muß  der  Militair-Vorgesetzte
mit  der  Dienstbehörde  des  Gendarmen  wegen  dessen  Ersetzung  Rücksprache  und
auf  ihre  Erklärung  Rücksicht  nehmen.

5.  21.
        <pb n="959" />
        —  783  —

E.  21.

Da  übrigens  die  Gendarmerie  in  ihren  Dienstobliegenheiten  und  in  Beziehung
  auf  deren  Anordnungen  und  Ausführung  lediglich  unter  den  betreffenden
Civilbehörden  und  jeder  einzelne  Gendarm  zunächst  unter  derfenigen  steht,  welcher
er  zur  Unterstützung  zugewiesen  ist  (F.  5.),  so  steht  dieser  Behörde  zu,  die  Gendarmen
in  ihrer  Dienstführung  unmittelbar  mit  Anweisung  zu  versehen  und  zu  leiten,  sie,
wo  sie  gefehlt  haben,  zu  belehren  und  zurechtunveisen  und  darauf  zu  halten,  daß
jeder  ihr  zugewiesene  Gendarm  mit  seinen  Pflichten  immer  bekannter  werde,  und
letzterer  ist  schuldig,  den  Anweisungen  dieser  Behörde  unbedingt  Folge  zu  leisten.
Die  Militairvorgesetzten  haben  daher  die  Amtsverrichtungen  der  den  Civilbehörden
überwiesenen  Gendarmen  nicht  anders,  als  wenn  etwa  bei  den  Dienstleistungen
selbst  ein  Ofsizier  das  Kommando  führt,  zu  leiten;  im  Allgemeinen  müssen  sie
jedoch  die  Gendarmen  auch  in  Ansehung  der  Pünktlichkeit,  Angemessenheit  und
Pflichttreue  in  ihrer  Dienstführung  sorgfältig  kontroliren  und  darauf  achten,  daß
sie  den  Gesetzen  und  den  Anweisungen  der  Dienstbehörde  vollständig  Folge  leisten.

Die  Civil-Dienstbehörde  zut  zwar  auch  selbst  bei  bloßen  Disziplinarvergehungen
  kein  Strafrecht  über  die  Gendarmen,  wohl  aber  die  Befugniß,  wenn
Zurechtweisungen  nicht  gefruchtet  haben,  oder  bei  Ungehorsam  und  Verletzung  der
ihr  schuldigen  Achtung  und  Folgsamkeit,  zur  Disziplinarbestrafung  durch  den
Militairvorgesetzten  die  nöthige  Einleitung  zu  treffen,  oder  bei  demselben  auf  Abberufung
  des  Gendarmen  anzutragen,  und  es  muß,  sobald  im  ersteren  Falle  die
Schuld  erwiesen  ist,  dem  Antrage  genügt,  im  zweiten  aber  die  Abberufung  unbedingt
  veranlaßt  werden.

§.  22.

Die  Civilbehörden  und  die  Militairvorgesetzten  der  Gendarmerie  stehen  zu
einander  überall  nicht  in  subordinirtem  Vechölmu,  sondern  die  Offiziere  der
Gendarmerie  sind  als  solche,  insofern  sie  nicht  in  wichtigen  Fällen  persönlich  zur
Anführung  eines  Kommandos  oder  zu  anderen  Diensteistungen  für  das  Civil
kommandirt  und  deshalb  an  die  näheren  Anordnungen  der  Civilbehörden  verwiesen
  sind,  als  welchen  Falles  sie  denselben  pünktlich  zu  folgen  haben,  blos  ihrem
Militairvorgesetzten  untergeordnet.  Die  Dienstbehörde  ist  allein  für  die  Rechtmäßigkeit
  und  Zweckmäßigkeit  der  von  ihr  den  Gendarmen  ertheilten  Aufträge
und  Anweisungen,  die  Gendarmen  aber  sind  nur  für  deren  pünktliche  Erfüllung
und  Ausführung  verantwortlich.

Alle  anderen  als  die  unmittelbar  vorgesetzten  Civilbehörden  müssen,  wenn
sie  der  Unterstützung  der  Gendarmerie  bedürfen,  mit  snahme  der  Fälle,  wo
Gefahr  im  Verzuge  ist,  ihre  Requisitionen  und  resp.  Befehle  an  die  obgedachte
Dienstbehörde  richten,  welche  denselben  aber  vollständig  zu  genügen  verpflichtet  ist.

*ivimus

Obgleich  die  Gendarmerie  eine  militairische  Organisation  hat,  so  steht  sie
doch  nicht  unter  dem  General-Kommando  oder  einem  anderen  Militairbefehlshaber
  der  Provinz  oder  des  Bezirks,  in  welchem  sie  dislocirt  ist,  mithin  auch  die
in  einer  Stadt  befindliche  Gendarmerie  nicht  unter  dem  Gouverneur  oder  Kommandanten
  dieser  Stadt,  sondern  lediglich  unter  ihren  eigenen  Militairvorgesetzten

(Nr.  6077.)  und
        <pb n="960" />
        —  784  —

und  unter  der  Civildienstbehörde.  Es  versteht  sich  aber  von  selbst,  daß  die  Gendarmerie
  gleichwohl  auf  die  Befolgung  auch  derjenigen  Befehle  zu  achten  verbunden
  ist,  welche  in  einer  großen  Stadt  oder  Festung  von  dem  Gorwerneur
oder  Kommandanten  ausgehen.

*i

Alle  in  den  in  F.  1.  bezeichneten  Landestheilen  bisher  bestandenen  Gesetze
und  Verordnungen  über  die  Einrichtung  der  Gendarmerie,  beziehungsweise  der
Landjäger-Korps,  treten  außer  Kraft.  In  denjenigen  Landestheilen,  in  welchen
die  Gendarmen  bisher  in  ihrer  civildienstlichen  Thätigkeit  nicht  unter  Civilbehörden,
sondern  auch  in  dieser  Beziehung  unter  der  Leitung  ihrer  Militairvorgesetzten  gestanden
  haben,  ist  diese  Einrichtung  auch  bei  der  durch  die  gegenwärtige  Verordnung
  errichteten  handgendammere  bis  dahin  beizubehalten,  wo  Her  Ueberweisung
der  Gendamnen  an  Civilbehörden  in  Gemäßheit  des  F.  5.  dieser  Verordnung  erfolgt
  sein  wird.

C.  25.

Ueber  die  Dienstverhältnisse  der  Gendarmerie  haben  Wir  heute  eine  besondere
  Instruktion  für  dieselbe  erlassen.

Lerienhuit  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  23.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-HSofbuchdruckeren
(R.  v.  Decker).
        <pb n="961" />
        —  785  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

JNr.  52.

 

(Nr.  6678.)  Verordnung,  betreffend  die  Feststellung  des  Finanz-Etats  für  die  im  §.  1.  unter
Nr.  5.  bis  .  des  Gesetzes  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz.  Samml.
S.  876.)  bezeichneten  ehemals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheile,  auf
das  Jahr  1867.  Vom  28.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.
Der  dieser  Verordnung  als  Anlage  beigefügte  Fina  Etat  *  die  ehemals
Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheile  auf  das  Jahr  1867.  wird
in  Einnahme
auf  473,800  Gulden,
in  Ausgabe
auf  473,800  Gulden,
vorbehaltlich  der  nachträglichen  Zustimmung  der  beiden  Häuser  des  Landtages

für  die  Zeit  vom  1.  Oktober  bis  31.  Dezember  d.  J.,  hierdurch  festgestellt.
K.  2.
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Infeegel
Gegeben  Berlin,  den  28.  Mai  1867.

(1I.  .)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.
Jahrgang  1867.  (Nr.  6678.)  104  Fi-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  13.  Juni  1867.
        <pb n="962" />
        —  766  —

Finanz-Etat

für

die  im  §.  1.  unter  Nr.  5.  bis  9.  des  Gesetzes  vom  24.  Dezember  1866.
(Gesetz=  Samml.  S.  876.)  bezeichneten  ehemals  Großherzoglich  Hessischen

Gebietstheile)

auf  das  Jahr  1867.

 

 

Betrag
*  Einnahme.  für
1867.
#
Fl.  Et.
J.  Domainen.
1.)  Güter,  Häuser  und  Mühhn  14,627.  —
2.Gülten,  Renten  und  Zinsen  174.  —
3.Landdämme  und  Weidenpflanzunggen  10.  —
Summa  Kapitel  1  14,811.  —
2.  Forsten
1.Hozz.  137,003.  —
2.|Nebennutzungen  und  sonstige  vermischte  Einnahmen.  9740.  7
Summa  Kapitel  2..  146,743.  7
3.  Regalien.  «
1·Wasserefalle..................·.................  426.  32
2.  Bergwerls  Abgahen  .  ..  547.  15
Summa  Kapitel  3.  973.  47
4.  Direkte  Steuern.
1./Grundsterer  .  ...  79/788.  30
2.  Personalsterrrr  .  .  ..  .  .  ..  25,091.  45
3.Gewerbesteeeernrnnnn  ..  .  ...  10,778.  12
Summa  Kapitel  4  115,658.  27
        <pb n="963" />
        Betrag
.  Einnahme.  für
1867.
5
gi.  Kr.
5.  Indirekte  Steuern.
1.  Tranksteuer  ꝛc.  ....  ...  .  ...  .  .  .  ....  ...  ..  ...  ..  .  .  .  .  .  .  ..  22,800.  —
2.Salzregegee  ..  38400.  —
3.  Stemdhbel..  28,000.  —
4.  Lollateralgelder  ..................................  2,740.—
IF.Zoefae......................................  60,400.  —
6.  Spolkteln  und  verschiedene  Abgaben  .  .  ..  3,105.  40
Summa  Kapitel  5.  155/,445.  40
6.  Verschiedene  andere  Einnahmen.
1.Geldstrafen  5/184.  34
2.ndere  vermischte  Einnahhzem  .  2/130.  —
Summa  Kapitel  6.4  7/314.  34
7.  An  Renten,  und  an  Ueberschüssen  aus
dem  Jahre  1866.  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ...  ....  .  ...  32,853.  25
Wiederholung.
Kapitel  1.  Domaunen  ..  14,811.  —
2.  Forstrnn  .  ...·  146,743.  7
3.  Regallen  973.  47
4.  Direkte  Steuuern  115,658.  27
5.  Indirekte  Steuieeern  155/445.  40
6  Verschiedene  andere  Einnahmen  7,314.  34
7  enten  und  an  Ueberschüssen  aus
dem  Jahre  18686.  32,853.  25
Summa  der  Einmnahmen  473,800.  —
104“

(Nr.  6678.)
        <pb n="964" />
        Betrag
*  Aus  gabe.  für
2  1867.
858
Fl.  Xr.
1  Domainen-Verwaltung.
1.  Grundlasten  ..  229.  —
2.  Direkte  Steen  .  .  .  ..  1,329.  —
3.Gemeinde=  und  Gemarkungslasten  676.  —
4.Kür  Kirchen=  und  Schulzwekcee  .  ...  196.  —
5.  Vranddersicherungs  Beitrüääüggg  .  .  .  .  .  .  .  .  ...  90.  —
6.Ausfälle,  Abgänge  und  Nachlässe  4.  350.  —
7.  Besoldungen,  Büreau=  und  Dienstaufwandskosten  6/702.  —
8.Sonstige  Verwaltungskosten  der  Domainen  1,386.  —
9.Baukosten  2ii.  1,690.  30
Summa  Kapitel  1.  12/648.  30
2.  Forst.  Verwaltung.
1.Grundlasen  .  ..  .  .  ..  2,495.  30
2.|Direkte  Steernrn  ..  .  ..  ..  .  .  .  .  .  ..  3,531.  27
3.Gemeinde=  und  Gemarkungslasten  2,6657.  —
4.  Kür  Kirchen  und  Schulzweeke  ..  .  .  ...  931.  43
5.)Brandversicherungs-Beitrüüeee  .  .  ...  67.  —
6.  Ausfälle,  Abgänge  und  Nachlässee  410.  45
7.|Besoldungen,  Remunerationen,  Büreaukosten,  Miethsund
  ienstauswands  Emtschädigungen  der  Forst-Verwaltungs=
  und  Forstschutz  Beamten  38,142.  54
8.  Holawerlöhne,  Kultur=  und  sonstige  Betriebskosten  2..230.  48
9.Baukosten:::  :  :  :  :  ::  2,351.  —
Summa  Kapiteb,  2..  103,118.  7
3.  Verwaltung  der  direkten  und  indirekten
Steuern  und  Regalien.
1.)Besoldunnnen  ..  13,807.  30
2.  Hebe  eouhen  ....................................  4,710.  —
3.  Kanzleibedürfnisse  und  Druckkosten  1,480.  —
4.Salzankaufskotetn  .  .  ...  .  .  ..  .  .  .  .  14,000.  —
5.Salztransportkossteeon  .  .  2,380.  —
6.  Zu  verschiedenen  anderen  Zwecken  .  8,060.  —

 

 

Summa  Kapitel  3.
        <pb n="965" />
        —  789  —

 

 

Betrag
Ausgabe.  für
2  1667.
F.  r.
Pensionen  ꝛc.  .  .  .  .  ..  .  .  ..  .  .  .  .  .  .  ..  .  .  .  .  .  .  ...  3,000.  —
Verschiedene  andere  Ausgaben.
1.  Prozchkosten  .....................................  200.  —
2.  Kosten  der  Landesvermessung  und  Anfertigung  definitiver
  Katastrr  ..  .  .  .  .  .  .  .  ..  2,000.  —
3.Kosten  der  Arbeiten  zum  Behufe  der  Grundrenten-Ablösuggaga
  100.  —
Summa  Kapitel  5.  2/300.  —
6.  Obere  Landes-Verwaltung.
Besoldungen  0Remunerationen  und  verschiedene  andere
  Ausgaenn  ..  .  .  ..  .  .  ..  .  .  .  .  16,890.  —
7.  Innere  Landes-Verwaltung.
1.Kriminalkosttten  .  ...  7,500.  —
Arcis-  und  Verwaltungsämter.
2.Besoldungen,  Büreau=  und  Dienstaufwandskosten  7,973.  —
3.  Remunerationen,  Diäten  und  Reisekosten  .  900.  —
Aultus  und  össentlicher  Unterricht.
4.Geistlihheennn  ..  .  .  .  .  .  .  .  .  .  1,340.  25
5.  Elementarschulwesen  ....  .  ....  ..  ..  .  ..  ..  .  ...  ...  .  .  .  ..  8,827.  15
6.  Real-  und  Handwerksschlen  .  .  ..  1,001.  —
7.Gendarmerie-Kors.  5,000.  —
8.Armenpfleeennnn  .  ...  .  .  ..  500.
Medizinalwesen.
9.Besoldungen  2c.  der  Kreis=  2c.  Aerzte  ..............  3,393.  45
10.  Besoldungen  ꝛc.  der  Kreis-Veterinär-Aerzte  1,112.  30
11.]  Maaß-  und  Gewichtswesen  .  ..  279.  —
12.Zur  Austheilung  des  Amtsblatts  an  Geistliche
  und  Gemeinden.  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  342.  —
Summa  Kapitel  7.  38,168.  55

 

 

(Nr.  6678.)
        <pb n="966" />
        Betrag
zZJ.  Ausgabe.  für
*  1867.
—#

Fl.  Kr.
8.  Justiz-Verwaltung.
Landgerichte  und  Scezirksstrasgericht.
1.]Besoldungen,  Remmmerationen  und  Büreaukosten  2c.  25,402.  32
2.Reisekosten  und  Diäten  ..  400.  —
Summa  Kapitel  8.  25,802.  32
9.  Bauwesen.
1.]  Besoldungen,  Bürcau=  und  Fuhrkostenvergütigung
für  Kreisbaumeistrr  ..  .  .  ..  1,827.  30
2.  Besoldungen  für  Kreisbauaufseher  ..  ...  ..  ....  .  .  .  ...  475.  —
3.]  Besoldung  und  Büreaukosten  eines  Bergmeisters  260.  —
4.  Zur  baulichen  Unterhaltung  der  Bezirksgefängnisse  .  530.  —
5.]  Zum  Bau  und  zur  Unterzaltng  er  Staats-  und
Provinzialstraaoen  33,505.  —
6.Zur  Untrrhaltung  der  Kammerschleuse  in  der  Lahn
und  der  dazu  gehörigen  Wärterwohnung  355.  —
Summa  Kapitel  9  37,057.  30
10.  Für  Zwecke  der  Militair-Verwaltung3,645.  —
11.  Zu  unvorhergesehenen  und  vermischten
Ausgaben  und  zur  Abrundung  6/731.  56
        <pb n="967" />
        791  —

 

 

 

 

Betrag
Ausgabe.  für
1867.
dl.  Er.
Wiederholung.
Kapitel  1.  Domainen-Verwaltuing  .  .  .  ..  12,648.  30
.  2.  Forst-Verwaltunnnng  103,118.  7
3.  Verwaltung  der  direkten  und  indirekten
Steuern  und  Regallen  .  .  .  .  ..  44,437.  30
4.  Pensionen  2c.  .  ..  .  .  .....  .....  .  ..  ..  .  .  ..  3,000.  —
5.  Verschiedene  andere  Ausgaben  ...  2,300.  —
6.  Olbere  Landesverwaltungg  .  .  .  ..  16,890.  —
.  Irnnere  Landesverwaltunng  .  .  .  .  ..  38,168.  55
8.  Justizverwaltung  ............  25,802.  32
9D9.  Bauwesen  ..  37,057.  30
l.10.  Fr  Zwecke  der  Militairverwaltung  183/,645.  —
.11.  Zu  unvorhergesehenen  und  vermischten
Ausgaggenrn  6/731.  56
Summa  der  Ausgaben  473,800.  —
Abschluß.
Die  Einnahmen  betragen  473,800.  —
Die  Ausga.heen  .  .  ..  473,800.  —
Balancirt.
Berlin,  den  28.  Mai  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck.  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.
O#.  6678-—6680)  (Tr.  6679.)
        <pb n="968" />
        —  792  —

(Nr.  6679.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  der  Umwandlung
des  Danziger  Sparkassenvereins  in  eine  Aktiengesellschaft  unter  der  Firma:
:  Danziger  Sparkassen  -  Aktienverein  mit  dem  Sitze  zu  Danzig.  Vom
24.  Mai  1867.

D.  HKönifs  Mazjestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  13.  Mai  1867.
die  Umwandlung  des  Deniiger  Sparkassenvereins  in  eine  Aktiengesellschaft  unter
der  Firma:  „Oenziger  Sparkassen-Aktienverein“  mit  dem  Sitze  zu  Danzig,  sowie
deren  Statut  vom  29.  März  1867.  zu  genehmigen  geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statute  wird  durch  das  Amtsblatt  der
Königlichen  Regierun  zu  Danzig,  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  24.  Mai  18
Der  Minister  des  Innern.  Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe
Gr.  zu  Eulenburg.  und  öffentliche  Arbeiten.
Im  Auftrage:
Schede.

(Nr.  6680.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  der  unter  der  Firma:
/,  Rheinisch-Westfälischer  Lloyd,  Transportversicherungs-Aktiengesellschaft“
mit  dem  Sitze  zu  M.  Gladbach  errichteten  Aktiengesellschaft.  Vom  3.  Juni
1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  1.  Juni  1867.
die  Errichtung  einer  Attiengesellschaft  unter  der  Firma:  „Rheinisch-Westfälischer
Lloyd,  Transportversicherungs-Aktiengesellschaft“  mit  dem  Site  zu  M.  Gladbach,
sowie  deren  Statut  vom  1.  Juni  1867.)  letzteres  mit  der  Maaßgabe  zu  genehmigen
geruht,  daß  der  Eingang  des  dritten  Satzes  im  F.  21.  zu  lauten  hat:
„Die  Gesellschaft  wird  durch  Annahme  der  Anzeige  von  dem  Verluste
  eines  Dividendenscheines  nicht  verpflichtet,  die  Legitimation“  u.  s.  w.
Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statute  wird  durch  das  Amtsblatt  der
Königlichen  Regierung  zu  Düsseldorf  bekannt  gemacht  werden.
erlin,  den  3.  Juni  1867.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  offentliche  Arbeiten.
Im  Auftrage:
Delbrück.

 

 

Redigirt  im  Büreau  bes  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="969" />
        —  793  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  53.—

 

(Nr.  6681.)  Statut  des  Perleberger  Wiesenverbandes.  Vom  13.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

verordnen,  auf  Grund  des  Gesetzes  vom  28.  Februar  1843.  S#.  56.  57.  (Geset.
Samml.  vom  Jahre  1843.  S.  51.),  nach  Anhörung  der  Betheiligten,  was  folgk:

e
Bei  der  Spezialseparation  der  Stadtfeldmark  Perleberg  ist  ein  Weiderevier
von  129  Morgen  78  Quadratruthen  am  rechten  Ufer  des  Stepenitzflusses  unterhalb
  der  Stadt  Perleberg,  in  unmittelbarer  Nähe  der  Stadtforst  auf  der  Wittenberger
  Seite,  außer  Theilung  geblieben.

Dasselbe  ist  den  im  F.  1.  des  am  31.  Januar  1856.  bestätigten  Separationsrezesses
  unter  1.  bis  390.  aufgeführten  Interessenten,  mit  Ausschluß  der  im  §.  17.
genannten  Besitzer  kleinerer  Grundstücke,  gemeinschaftlich  ausgewiesen  und  in  Rieselwiesen
  umgewandelt  worden.

Die  Besitzer  der  Pläne  hinter  jenem  Revier,  welches  auf  der  durch  den
Vermessungsrevisor  Röstel  im  Februar  1865.  angefertigten  Uebersichtskarte  von
den  einzelnen  Abtheilungen  der  Rieselwiesen  zu  Perleberg  mit  der  Abtheilung  I.
bezeichnet  ist,  ebenfalls  am  rechten  Ufer  der  Stepri  in  den  Abtheilungen  II.
und  III.  belegen,  und  die  Besitzer  der  Pläne  am  linken  Ufer  der  Stepenitz,  in
den  Abtheilungen  IV.  und  V.  belegen,  haben  ihre  Pläne,  soweit  sie  auf  derselben
Karte  farbig  markirt  sind,  gleichfalls  zu  Rieselwiesen  umgeschaffen.  Die  bis  jetzt
zu  Rieselwiesen  in  den  gedachten  fünf  Abtheilungen  umgeschaffenen  Grundstücke
enthalten  nach  dem  ry-i  Röstel  aueserigten  und  berichtigten  Kataster  vom
23.  März  1865.  712  Morgen  04  Quadratruthen.  Die  Eigenthümer  dieser
Grundstücke  werden  zu  einer  Genossenschaft  mit  Korporationsrechten  unter  dem
Namen:

„Perleberger  Wiesenverband“
vereinigt.  ç
Johrgang  1867.  (Nr.  6681.)  105  Die

Ausgegeben  zu  Berlin  den  15.  Juni  1867.
        <pb n="970" />
        —  794  —

Die  Genossenschaft  hat  ihren  Sitz  in  Perleberg  und  ihren  Gerichtsstand
bei  dem  Kreisgerichte  daselbst.

g.  2.

Die  auf  der  im  9.  1.  gedachten  Uebersichtskarte  nicht  farbig  verzeichneten
Grundstücke  eignen  sich  ebenfalls  zur  Umschaffung  in  Rieselwiesen  und  find  die
Besitzer  derselben,  falls  sie  ihre  Gnundstück  ganz  oder  theilweise  in  Rieselwiesen
umschaffen  wollen,  berechtigt,  der  Genossenschaft  unter  den  in  diesem  Statut  angegebenen
  Bedingungen  beizutreten.

i

Oberhalb  der  Rieselwiesen  im  Stepenitzflusse  ist  ein  Stauwerk  (Hauptschleuse)
  und  vor  dieser  ist  von  der  Stepenitz  aus  auf  jeder  Seite  derselben  ein
Hauptkanal  angelegt.

Zur  Bestreitung  der  Kosten  dieser  Anlagen,  sowie  der  Kosten  zur  Herstellung
  der  Rieselwiesen  in  der  Abtheilung  I.,  sind  Kapitalien  darlehnsweise  aufgenommen
  und  bilden  diese  eine  gemeinschaftliche  Schuld  der  Besitzer  der  Abtheilung

  I.
eber  die  Verwaltung  dieser  Abtheilung  wird  eine  besondere  Kasse  geführt.

KC.  4.

Im  Jahre  1863.  sind  die  vorgedachte  Hauptschleuse  und  der  dazu  erforderliche
  Fangdamm  neu  erbaut.  Diese  Anlagen  #oobe  einen  Kostenaufwand  von
1807  Rthlr.  13  Sgr.  verursacht,  welchen  die  Besitzer  sämmtlicher  Rieselwiesen
nach  Verhältniß  ihres  Besitzstandes  in  denselben,  der  Fläche  nach,  aufgebracht
haben.

Von  jeder  späteren  neuen  Anlage  von  Rieselwiesen  haben  die  Eigenthümer
derselben  pro  Morgen  Fläche  27  Rthlr.  an  die  Kasse  des  ganzen  Verbandes  zum
Schleusenbaufonds  zu  entrichten,  bevor  ihnen  Wasser  zur  Berieselung  zugeführt
  wird.

Von  diesen  Nachzahlungen  wird  ein  Reservefonds  zur  Reparatur  der
Hauptschleuse  gebildet.

G.  5.

Zur  Führung  resp.  Verwaltung  der  in  den  §#.  3.  und  4.  gedachten  beiden
Kassen  wird  ein  Rendant  von  der  Generalversammlung  gewählt.

Derselbe  erhält  eine  seiner  Arbeit  nach  angemessene,  von  den  gesammten
Deputirten  zu  bestimmende  Remuneration,  hat  dagegen,  wenn  es  verlangt  wird,
eine  Kaution  zu  bestellen  und  ist  verpflichtet,  bei  den  Auktionen  der  Futterverkäufe
der  Rieselwiesen  in  der  I.  Abtheilung  stets  anwesend  zu  sein.  56
        <pb n="971" />
        —  795  —

gz.  6.

Von  den  Besitzern  der  Rieselwiesen  in  den  Abtheilungen  II.  III.  IV.  und  V.
sind  die  Kosten  der  gemeinschaftlichen  Anlagen  darin,  als:  Herstellung  und  Räumung
  der  Hauptkanäle,  zu  got  räben,  Schleusen,  Ueberfällen,  Küpen,  Brücken
u.  s.  w.,  nach  Verhältniß  ihres  Besitzstandes  in  der  betreffenden  Mtheiling,  der
Fläche  nach,  aufgebracht  worden,  und  haben  die  in  der  II.  Abtheilung  214  Rthlr.

III.  2
.IV.  und  V.  4  4
pro  Morgen  beigetragen.

Von  jeder  späteren  neuen  Anlage  von  Rieselwiesen  haben  die  Eigenthümer
derselben,  je  nachdem  sie  in  der  einen  oder  anderen  Abtheilung  liegt,  den  von  den
Besitzern  der  Rieselwiesen  der  betreffenden  Abtheilung  geleisteten  Beitrag  zu  den
Kosten  der  gemeinschaftlichen  Anlagen  überdies  an  die  Kasse  der  betreffenden  Abtheilung,
  die  für  jede  Abtheilung  besonders  und  unentgeltlich  von  den  gewählten
Deputirten  geführt  wird,  zu  entrichten,  bevor  jenen  Waseer  ur  Berieselung  zugeführt
  wird.  Von  diesen  Nach  ahlungen  werden  ebenfalls  Heeservefonds  zu  Reparaturen
  der  gemeinschaftlichen  Anlagen  in  den  bezüglichen  Abtheilungen  gebildet.

Bei  zu  großem  Bestande  dieser  Abtheilungskassen  kann  derselbe  auch  nöthigenfalls,
  nach  Beschluß  des  Vorstandes,  an  die  Abtheilungsmitglieder  nach  ihrem
Besitzstande  vertheilt  werden.

K.  7.

Aauf  Grund  des  im  §.  1.  erwähnten  Rezesses  und  der  Nachträge  deseelben,
sowie  des  Lagerbuches  und  der  Mutterrolle  zur  Grundsteuerregelung  und  des
Hypothekenbuches  von  Perleberg,  ist  von  den  berieselten  Gesammtflächen  der  einzelnen
  Genossen  in  allen  fünf  Abtheilungen  ein  besonderes  Kataster,  vom  19.  Mai
1866.,  angefertigt.
JIp  diesem  Kataster,  welches  von  dem  im  F.  5.  bezeichneten  Rendanten  geführt
  wird,  soll  jede  Veränderung  vermerkt  werden.

Die  darin  angegebenen  berieselten  Flächen  bilden  die  Norm  zur  Ermittelung
von  Beiträgen.  »

s.8·

Die  Anlage  in  der  Abtheilung  J.  ist  eine  ihren  Besitzern  gemeinschaftlich
geberin  und  der  Antheil  eines  jeden  Interessenten  an  derselben  ist  weder  auf
er  Karte,  noch  in  Wirklichkeit  abgetheilt  und  begrenzt,  vielmehr  ideell.

.  9.
An  der  Spitze  der  Sozietät  der  Abtheilung  I.  haben  bisher  Deputirte  ge
(Nr.  6681))  105“  standen,
        <pb n="972" />
        —  796  —

standen,  welche  von  den  Interessenten  in  der  unterm  10.  November  1841.  von
dem  damaligen  Kommissar  der  Separation  aufgenommenen,  *  dem  am
31.  Januar  1856.  bestätigten  Rezesse  annektirten  Voimacht  erwählt  worden  sind.
Diese  Deputirten  haben  *  Mandat  gekündigt  und  werden  mit  dem  Tage,  an
welchem  dieses  Statut  in  Wirksamkeit  tritt,  unter  Aufhebung  der  ien  ertheilten
Vollmacht  aus  ihrem  Amte,  ihrem  Antrage  gemäß,  une  ie  haben  die
Uebergabe  durch  Rechnungslegung  an  den  V.  Kandsborstan  zu  bewirken.

Die  Rechnung  ist  bis  dahin  so  vorzubereiten,  daß  dann  auch  die  Decharge
ertheilt  werden  kann.

K.  10.

Die  Angelegenheiten  des  gesammten  Wiesenverbandes  werden  geleitet  von
Deputirten,  welche  zusammen  den  Vorstand  bilden  und  aus  ihrer  Mitte  einen
Vorsteher  wählen.

Dieselben  bekleiden  dies  Ehrenamt  unentgeltlich  und  werden  nur  baare
Auslagen  aus  der  Genossenschaftskasse  ersetzt.

Es  werden  für  die  I.  Abtheilung  5  und  für  jede  der  übrigen  vier  Abtheilungen
  2  Deputirte  gewählt.

Sollten  späterhin  noch  mehr  Abtheilungen  gebildet  werden,  so  werden  für
jede  dieser  neuen  Abtheilungen  2  Deputirte  gewählt,  die  dem  Vorstande  als  Mitglieder
  desselben  beitreten.

K.  11.

Die  Mitglieder  des  Vorstandes  werden  von  den  Wisengenossen  jeder
Abtheilung  aus  ihrer  Mitte  auf  drei  Jahre  zewähll.  Bei  der  Wahl  hat  jeder
Wiesengenosse  bei  einem  Besitzstande  bis  zu  4  Morgen  179  Quadratruthen  berieselter
  Fläüche  Eine  Stimme.

Wer  von  5  Morgen  bis  )  Morgen  179  Quadratruthen  besitzt,  hat  zwei
Stimmen,  wer  von  10  Morgen  bis  14  Morgen  179  Quadratruthen  besitzt,  hat
drei  Stimmen,  wer  von  15  Morgen  bis  19  Morgen  179  Quadratruthen  besitzt,
hat  vier  Stimmen  und  wer  20  Morgen  und  mehr  besitzt,  hat  fünf  Stimmen.

Der  Kommissarius  der  Auseinandersetzungs-Behörde  beruft  durch  Bekanntmachung
  im  Perleberger  Lokalblatt  die  erste  ahlversammlung  und  führt  den
Vorsitz  in  derselben.  Er  verpflichtet  die  Gewählten  durch  Handschlag  an  Eidesstatt.

Minderjährige  und  moralische  Personen  können  durch  ihre  gesetzlichen  Vertreter,
  Ehemänner  für  ihre  Ehefrauen  mitstimmen.

Wählbar  ist  decienizet  welcher  eine  Wiese  im  Verbande  besitzt  und  den
Vollbesitz  der  bürgerlichen  Rechte  nicht  durch  rechtskräftiges  Erkenntniß  verloren  hat.

Als  gewählt  ist  derjenige  zu  betrachten,  wer  die  absolute  Stimmenmebr.
heit  hat.

Die  künftigen  Wahlen  hat  der  zeitige  Vorsteher  zu  berufen  und  die  Neugewählten
  zu  verpflichten.

S.  12.
        <pb n="973" />
        —  797  —

K.  12.

Der  Wiesenvorstand  ist  die  Verwaltungsbehörde  des  Verbandes  und  vertritt
denselben  anderen  Behörden  und  Personen  gegenüber.  Der  Vorsteher  hat  insesondere:


a)  Konferenzen  des  Vorstandes,  sowie  Generalversammlungen  zu  veranlassen.
Konferenzen  des  Vorstandes  müssen  auf  Antrag  zweier  Deputirten
stattfinden;

b)  die  von  dem  Vorstande  bestimmten  Beiträge  auszuschreiben  und  die
Kassenverwaltung  mit  Zuziehung  zweier  Deputirten  zu  revidiren;

J)  die  Voranschläge  und  Jahresreshnungen  dem  Vorstande  zur  Feststellung
und  Abnahme  vorzulegen;  die  Rechnungen  müssen  der  Generalversammlung
  gelegt  werden  und  diese  ertheilt  auch  Decharge;

0)  den  Schriftwechsel  für  den  Wiesenverband  zu  führen.

In  Behinderungsfällen  läßt  sich  der  Vorsteher  durch  einen  Deputirten
vertreten.

.  13.

Der  Wiesenvorstand  ist  befugt,  Ordnungsstrafen  gegen  Mitglieder  des
Verbandes  wegen  Verletzung  des  Statuts  und  der  dazu  noch  besonders  zu  erlassenden
  Reglements  bis  zur  Höhe  von  Einem  Thaler  festzusetzen  und  zur  Genossenschaftskasse
  einzuziehen.

N

Zur  Bewachung  und  Bedienung  der  Wiesen  stellt  der  Vorstand  die  erforderliche
  Zahl  von  Wiesenwärtern,  die  weder  Rieselwiesen  besitzen,  noch  dergleichen
  pachten  dürfen  und  in  Perleberg  wohnen,  auf  dreimonatlich-  Kündigung
an.  Den  Lohn  derselben  bestimmt  die  Generalversammlung  der  Genossen  nach
dem  Vorschlage  des  Vorstandes.

Den  Wiesenwärtern  liegt  die  Bewässerung  unter  Aufsicht  des  Vorstandes
  ob.

Sie  müssen  so  wässern,  daß  alle  Parzellen  den  verhältnißmäßigen  Antheil
am  Wasser  erhalten,  worüber  sie  Behufs  der  Kontrole  ein  Tagebuch  zu  führen.
haben.

Kein  Eigenthümer  darf  die  Schleusen  öffnen  oder  zuseen,  oder  überhau.  pt
die  Bewässerungsanlagen  eigenmächtig  verändern,  bei  Vermeidung  einer  der  (Genossenschaftskasse
  anhemmfallenden  Konventionalstrafe  von  zwei  Thalern  für  jeden
Kontraventionsfall.

Die  Wiesenwärter  müssen  den  Anweisungen  des  Wiesenworstandes  pünkt-(Nr.

  GG1.)  lich
        <pb n="974" />
        —  798  —

lich  Folge  leisten  und  können  von  demselben  mit  Verweis  und  Geldbußen  bis
zu  Einem  Thaler  bestraft  werden.

K..  15.

Dee  ganze  Anlage  der  fünf  Abtheilungen  ist  vom  Vorstande  einer  genauen
Revision  zu  unterwerfen  und  anderweitig  dahin  zu  reguliren,  daß  das  Wasser
allen  betheiligten  Wiesen  verhältnißmäßig  zu  Gute  kommt.  Der  Regulirungsplan
  unterliegt,  wenn  er  bei  den  Genossen  Widerspruch  findet,  der  Entscheidung
der  im  §.  18.  genannten  Aufsichtsbehörden.

Die  durch  diese  Regulirung  entstehenden  Kosten,  sowie  die  Kosten  der  Unterhaltung,
  werden  in  der  Art  getragen,  daß  sie,  je  nachdem  sie  auf  der  einen  oder
der  anderen  Seite  der  Stepenitz  entstehen,  von  den  Besitzern  der  Rieselwiesen  auf
der  betreffenden  Seite  der  Stepenitz  aufzubringen  sind.

g.  16.

Die  Streitigkeiten,  welche  zwischen  Mitgliedern  des  Verbandes  über  das
Eigenthum  von  Grundstücken,  über  die  Zuständigkeit  und  den  Umfang  von  Grundgrrchtigkeiten
  oder  anderen  Nutzungsrechten,  und  über  besondere,  auf  speziellen

echtstiteln  beruhende  Rechte  und  Verbindlichkeiten  der  Parteien  entstehen,  gehören
  zur  Entscheidung  der  ordentlichen  Gerichte.

Dagegen  werden  alle  anderen,  die  gemeinsamen  Anzelegenheiten  des  Verbandes
  oder  die  vorgebliche  Beeinträchtigung  eines  oder  des  anderen  Genossen
betreffenden  Beschwerden  von  dem  Vorstande  untersucht  und  entschieden.

«  Gegen  die  Entscheidung  des  Vorstandes  steht  jedem  Theile  der  Rekurs  an
ein  Schiedsgericht  frei,  welcher  binnen  zehn  Tagen,  von  der  Bekanntmachung  des
Bescheides  an  gerechnet,  bei  dem  Wiesenvorstande  angemeldet  werden  muß.  Ein
weiteres  Rechtsmittel  findet  nicht  statt.  Der  unterliegende  Theil  trägt  die  Kosten.
Das  Schiedsgericht  besteht  aus  drei  Mitgliedern,  und  zwar  dem  Landrathe  des
Westpriegnitzer  Kreises  und  zwei  Schiedsrichtern,  von  welchen  jede  Partei  Einen
wählt.  Unterbleibt  die  Wah  binnen  vier  Wochen  nach  der  vom  Landrathe  erlassenen
  Aufforderung  oder  einigen  sich  die  verschiedenen  Mitglieder  einer  Partei
binnen  gleicher  Frist  nicht  über  die  Wahl,  erfolgt  die  Ernennung  des  -
richters  fin  die  betreffende  Partei  durch  die  Regierung  in  Potsdam.  Das  Schiedsgericht
  entscheidet  nach  Stimmenmehrheit.

C.  17.

Wegen  der  Wässerungsordnung  und  der  Grabenräumung  hat  der  Vorstand
die  nöthigen  Bestimmungen  zu  treffen,  und  kann  derselbe  Uebertretungen  mit
Ordnungsstrafen  bis  zu  drei  Thalern  bedrohen  und  diese  einziehen.

§.  18.
        <pb n="975" />
        —  799  —

K.  18.

Der  Verband  sicht  unter  Aufsicht  des  Staates,  welche  von  der  Regierung
in  Potsdam  und  dem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  ausgeübt
  wird  mit  der  Befugniß,  welche  den  Aufsichtsbehörden  der  Gemeinden
zusteht.

F.  19.

ffol  Aenderungen  dieses  Statuts  können  nur  unter  landesherrlicher  Genehmigung
erfolgen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  13.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

(Nr.  6682.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  1.  Juni  1867.,  betreffend  die  Aufhebung  der  Schlacht.,
Fleisch-  und  Mehl.Accise  im  vormals  Hessen-Homburgischen  Amte  Homburg.

Auf  Ihren  Bericht  vom  31.  Mai  d.  J.  bestimme  Ich  hierdurch  mit  Bezug
auf  die  Verordnung  vom  11.  Mai  d.  J.,  betreffend  die  Einführung  der  Preu-Kßischen
  Gesetzgebung  in  den  zum  Regierungsbezirke  Wiesbaden  vereinigten  neuen
Landestheilen  2c.  (Gesetz  Samml.  S.  593.),  daß  die  in  dem  vormals  Landgräflich
  Hessen=  Homburgischen  Amte  Homburg  noch  bestehende,  für  den  Staat  erhobene
  Schlacht-,  Fleisch=  und  Mehl-Accise  vom  1.  Juli  d.  J.  ab  aufgehoben  wird.
Ich  beauftrage  Sie,  hiernach  das  Erforderliche  zu  veranlassen.
Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  bekannt  zu  machen.

Berlin,  den  1.  Juni  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.

An  den  Finanzminister.

(Nr.  6681  6688.)  (Nr.  6683.)
        <pb n="976" />
        —  800  —

(Nr.  5683.)  Verordnung)  betreffend  die  Ausdehnung  der  Wirksamkeit  der  General-Brandkasse
  zu  Kassel  auf  die  Bezirke  Gersfeld,  Orb  und  Vöhl.  Vom  I.  Juni
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

verordnen  für  den  Umfang  derjenigen  ehemals  Bayerischen  und  ehemals  Großherzoglich
  Lülien  Gebietstheile,  welche  nach  der  Verordnung  vom  22.  Februar
d.  J.  (Gesetz=  Samml.  S.  273.)  mit  dem  ehemaligen  Kstirstentzume  Hessen
zusammen  den  „Regierungsbezirk  Kassel“  bilden,  was  folgt:

Die  nesce  General-Brandkasse  *.  Kassel  wird  ermächtigt,  nach  Maaßgabe
  der  für  ihre  Verwaltung  geltenden  Vorschriften  aus  nachgenannten,  durch
das  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz=  Samml.  S.  876.)  mit  der  Preußischen
  Monarchie  vereinigten  Gebietstheilen:

a)  dem  Bezirksamte  Gersfeld,
b)  dem  Landgerichtsbezirke  Orb,  ohne  Aura,
J)  dem  Kreise  Vöhl,  einschließlich  der  Enklaven  Eimelrod  und  Höringhausen,

vom  1.  Oktober  d.  J.  Versicherungen  von  Gebäuden  gegen  Feuersgefahr  anzunehmen.


Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  1.  Juni  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  zu  Eulenburg.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="977" />
        —  801  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Stauaten.

 

—  Nr.  534  —

 

 

(Nr.  6684.)  Verordnung,  betreffend  eine  Ergänzung  des  Hannoverschen  Gesetzes  uͤber  die
Verhältnisse  der  Königlichen  Diener  vom  24.  Juni  1858.  Vom  27.  Mai
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Kdnig  von  Preußen  r.

verordnen  für  das  vormalige  Königreich  Hannover,  was  folgt:

S.  I1.
Die  in  dem  Gesetze  über  die  Verhälmisse  der  Königlichen  Diener  vom
24.  Juni  1858.  (G.  49.  52.)  vorgesehene  Obliegenheit  des  Staatsrathes  wird
Unserem  Staatsministerium  übertragen.
Llrtundich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  27.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

Jahrzang  1867.  (Nr.  6684—6685.)  106  (Nr.  6685.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  17.  Juni  1867.
        <pb n="978" />
        —  802  —

(Nr.  6685.)  Verordnung,  betreffend  die  Besteuerung  der  Bergwerke  im  Gebiete  des  vormaligen
  Herzogthums  Nassau,  der  vormals  Großherzoglich  Hessischen
Landestheile  und  der  vormaligen  Landgrafschaft  Hessen.  Homburg,  einschließlich
  des  Oberamtsbezirks  Meisenheim.  Vom  1.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

Artikel  I.

iä  dem  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Gebiete  des  vormaligen  Herzogthums
  Lasa,  der  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Landestheile  und  der  vormaligen
  Landgrafschaft  Hessen=  Homburg,  einschließlich  des  Oberamtsbezirks
Mei  anheim,  treten  rücksichtlich  der  Bergwerks-Abgaben,  soweit  dieselben  an  die
Staatskassen  zu  entrichten  sind,  die  nachsolgenden  Vestiumungen  in  Kraft:

S.  1.  Die  von  den  Eisenerz-Bergwerken  bisher  erhobenen  Abgaben  sind  ohne
Unterschied  aufgehoben.

S.  2.  Der  Bergwerkszehnte  oder  Zwanzigste,  die  Rezeß=  und  Quatembergelder,
die  Grubenfeld-Abgaben,  die  von  den  Bergwerken  zu  entrichtenden  Gewerbesteuern,
  fixen  und  proportionellen  Steuern,  die  Sporteln  und  Gebühren
  in  Verwaltungs-Angelegenheiten  der  Vasefürden  mit  Ausnahme
  der  baaren  Auslagen  und  Stempel,  sowie  alle  sonstigen  Bergwerks-Abgaben
  sind  aufgehoben.

An  deren  Stelle  tritt  für  sämmtliche  Bergwerke,  ausschließlich  der
Eisenerz-Bergwerke,  eine  Bergwerkssteuer  von  zwei  Prozent  von  dem
Werthe  der  Prod  e  des  Bergwerkes  zur  Zeit  des  Absatzes  der  letzteren.

Hinsichtlich  der  Erstattung  eines  verhältnißmäßigen  Antheils  der
Poch-,  Wasch-,  Hütten=  und  sonstigen  Zubereitun  sier  bei  Erzbergwerken
  durch  den  Staat,  sowie  der  Ermittelung,  Feststellung  und  Einziehung
  der  Bergwerkssteuer  kommen  die  in  den  älteren  Provinzen  des
Staates  bestehenden  Vorschriften  zur  Anwendung.

§.  3.  Die  auf  privatrechtlichen  Titeln  beruhenden  Befreiungen  von  den  Bergwerks-Abgaben
  werden  aufrecht  erhalten.  Ebenso  werden  die  von  dem
Staate  über  Bergwerks-Abgaben  abgeschlossenen  Verträge  durch  die  Vorschriften
  der  §#.  1.  und  2.  nicht  verändert.

Hinsichtlich  der  Aufhebung  oder  Ermäßigung  dieser  Berpwerks  Abgaben
  kommt  das  Gesetz  vom  17.  Juni  1863.)  betreffend  die  Abänderung
des  §.  13.  des  Gesetzes  über  die  Besteuerung  der  Bergwerke  vom  12.  Mai
1851.  (Gesetz  Samml.  für  1863.  S.  462.),  zur  Anwendung.

Artikel  II.
Die  vorstehenden  Bestimmungen  treten  mit  dem  1.  Juli  d.  J.  in  t
Rück.
        <pb n="979" />
        —  803  —

Rücksichtlich  der  im  vormaligen  Hergogtkume  Nassau  gelegenen  Braunkohlengruben
wird  jedoch  eine  besondere  Verordnung  den  Zeitpunkt  bestimmen,  von  welchem  an
dieselben  die  Bergwerkssteuer  zu  entrichten  haben.

Artikel  III.

Alle  beeherigen,  für  die  im  Artikel  I.  bezeichneten  gandestzeit  ergangenen
Gesetze  und  Verordnungen,  die  Bergwerks-Abgaben  betreffend,  sind  uufgrlsorn.
Artikel  IV.

Mit  der  Ausführung  der  gegenwärtigen  Verordnung  ist  der  Finanzminister
und  der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  beauftragt.

Lürbunhig  unter  Unserer  Hochsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  1.  Juni  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6685-—6s86.)  106“  (Nr.  6686.)
        <pb n="980" />
        —  804  —

(Nr.  6686.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis-Obligationen
des  Danziger  Landkreises  im  Betrage  von  70,000  Thalern  II.  Emission.
Vom  6.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  2c.

Nachdem  von  den  Kreisständen  des  Danziger  Landkreises  auf  dem  Kreistage
  vom  16.  Mai  1866.  beschlossen  worden,  die  zur  Ausführung  der  vom  Kreise
unternommenen  Chausseebauten  gaforderlichen  Geldmittel  neben  der  durch  das
Allerhöchste  Privilegium  vom  20.  Dezember  1865.  (Gesetz-Samml.  für  1866.
S.  26.  #  genehmigten  Ausgabe  von  Kreis-Obligationen  im  Betrage  von
60,000  Thalern  #m  Wege  einer  weiteren  Anleihe  zu  beschaffen,  wollen  Wir  auf  den
Antrag  der  gedachten  Kreisstände:  zu  diesem  Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,
mit  Zinskupons  versehene,  Seitens  der  Gläubiger  unkündbare  Obligationen  zu  dem
angenommenen  Betrage  von  70,000  Thalern  ausstellen  #t  dürfen,  da  sich  hiergegen
  weder  im  Interesse  der  Gläubiger  noch  der  Schuldner  etwas  zu  erinnern

enenden  hat,  in  Gemäßheit  des  F.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  zur
usstellung  von  Obligationen  zum  Betrage  von  70,000  Thalern,  in  Buchstaben:
siebenzig  tausend  Thalern,  welche  in  folgenden  Apoints:
30,000  Thaler  àa  500  Thaler,
100000.  à  200
20,0000.  à  100.
10,0000  c  50
=  V0,000  Thaler,
„nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer  mit
fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu  bestimmenden
  Folgeordnung  jährlich  vom  Jahre  1868.  ab  mit  wenigstens  jährich  zwei  Prozent
des  Kapitals  unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den  amortisirten  Schuldverschreibungen
zu  tilgen  sind,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landesherrliche  Genehmigung
  mit  der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder  Inhaber  dieser  Obligationen
  die  daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung  des  Eigenthums
nachweisen  zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befagt  ist.
as  vorstehende  Privilegium,  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird,  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung.
  r  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.  -  ·

Urkun  4h  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  6.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

Pro-
        <pb n="981" />
        —  805  —

Provinz  Preußen,  Negierungebezirk  Danzig.

Obligation
des  Danziger  Landkreises
Littr
über  .  Thaler  Preußisch  Kurant,
II.  Emission.

Auf  Grund  des  unten  genehmigten  Kreistagsbeschlusses  vom
16.  Mai  1866.  wegen  Aufnahme  einer  Schuld  von  70),000  Thalern  bekennt  sich
die  ständische  Kommussion  für  den  Chausseebau  des  Danziger  Landkreises  Namens
des  Kreises  durch  diese,  für  jeden  Inhaber  gültige,  Seitens  des  Gläubigers  unkündbare
  Verschreibung  zu  einer  Darlehnsschuld  von  Thalern  Preuzsch
Kurant,  welche  an  den  Kreis  baar  gezahlt  worden  und  mit  fünf  Prozent  jährlich
  zu  verzinsen  ist.  .

DieRückzahltkngdergqnzenSchuldvon70,000Tatemgeschiehtvom
Jahre  1868.  ab  allmälig  aus  einem  zu  diesem  Behufe  gebildeten  Tilgungsfonds
von  wenigstens  zwei  Prozent  des  ganzen  Kapitals  jährlich,  unter  Zuwachs  der
Zinsen  von  den  getilgten  Schuldraten.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  ie  Ausloosung  erfolgt  vom  Jahre  1868.  ab  in  dem
Monate  Juli  jeden  Jahres.  Der  Kreis  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,
den  Tilgungsfonds  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche
noch  amiangene  Schuldverschreibungen  zu  kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie  die
gekundigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Bezeichnung  ihrer  Buchstaben,
Nummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung  erfolgen
  soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.  Diese  Bekamtmachung  erfolgt  drei  Monate
vor  dem  Zahlungstermine  in  dem  Amteblatte  der  Königlichen  Regierung  zu  Danzig,
dem  Kreisblatte  des  Danziger  Landkreises,  in  dem  Königlich  Preußischen  Staatsanzeiger,
  der  Westpreußischen  Zeitung  und  der  Danziger  Zeitung.

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird  es
in  halbjährlichen  Terminen,  postnumerando  am  2.  Januar  und  am  I.  Juli
jeden  Jahres,  von  heute  an  gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  gleicher  Münzsorte
  mit  jenem  verzinset.

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückgabe
  der  fällig  gewordenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldvers  reihung,

(Xr.  66886.)  ei
        <pb n="982" />
        —  806  —

bei  der  Kreis-Kommunalkasse  in  Danzig,  und  zwar  auch  in  der  nach  dem  Eintritt
  des  Fälligkeitstermins  folgenden  Jeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.

Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren,  vom
Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  an  gerechnet,  nicht  erhobenen  Zinsen,
verjähren  zu  Gunsten  des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Allgemeinen  Gerichts-Ordnung  Theil  I.
Titel  51.  S#.  120.  sequ.  bei  dem  Königlichen  Stadt=  und  Kreisgerichte  zu  Danzig.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen  Verjährungsfrist
  bei  der  Lerrisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz  der
Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  sonst  in  glaubhafter
Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verfährungefrss  der  Betrag  der  angemeldeten
und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt  werden.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  halbjährige  Zinskupons  bis  zum
Schlusse  des  Jahres  ausgegeben.  Für  die  weitere  Zeit  werden  Zinskupons
auf  fünfjährige  Perioden  ausgegeben.

Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt  bei  der  Kreis-Kommmalkasse
  zu  ig  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten
  Talons.  eim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der
neuen  Zinskupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  *
Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der  Kreis
mit  seinem  Vermögen.

Dessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
ertheilt.

Danzig,  den#rnn  .  .  .  ..  18..

ren

Die  ständische  Kommission  für  den  Kreis-Chausseebau  im  Danziger
Landkreise.
        <pb n="983" />
        —  807  —
Provinz  Preußen,  Regierungsbezirk  Danzig.

Zins-Kupon

(I.  Serie)
zu  der
Kreis-Obligation  des  Danziger  Landkreises  1I.  Emission
I.ittr.  —8—
über  Thaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen
über  .  .  .  ..  Thaler  .  .  .  .  .  Silbergroschen.

Der  Inhaber  dieses  Zinskupons  empfängt,  sofern  nicht  rechtzeitig  dagegen
Widerspruch  erhoben  ist,  gegen  dessen  Rückgabe  in  der  Zeit  vom  .........
b

...............  resp.vom.s»l  ...
und  späterhin  die  Zinsen  der  vorbenannten  Kreis-  Obligation  "-C  das  Halbjahr
vgen  ...  bis.  mit  (in  Buchstaben)  Thalern
Silbergroschen  bei  der  Kreis-Kommunalkasse  zu  Danzig.

Danzig,  den  n  ...  18.
Die  ständische  Kommission  für  den  Kreis-Chausseebau  im  Danziger
Landkreise.

Dieser  Zinskupon  ist  ungültig,  wenn  dessen
Geldbetrag  nicht  innerhalb  vier  Jahren  nach
der  Fiilligreit,  vom  Schluß  des  betreffenden
Kalenderjahres  an  gerechnet,  erhoben  wird.

Provinz  Preußen,  Negierungebezirk  Oanzig.

Talon

zur
Kreis-Obligation  des  Danziger  Landkreises  II.  Emission.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  Obligation
  des  Danziger  Landkreises  II.  Emission

Littr..  .  ..  über  Thaler  à  fünf  Prozent  Zinsen

die  .#  Serie  Zinskupons  für  die  fünf  Jahre  18.  bis  18.  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  zu  Danzig  nach  Maaßgabe  der  diesfälligen,  in  der  Obligation
enthaltenen  Bestimmungen.

Danzig,  denn  .  ..  18.
Die  ständische  Kommission  für  den  Kreis-Chausseebau  im  Danziger
Landkreise.

 

(Nr.  6686—6687.)  (Nr.  6687.)
        <pb n="984" />
        —  808  —

(Nr.  6687.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  13.  Mai  1867.,  betreffend  die  Verleihung  des  Rechts
an  die  Stadt  Teltow,  im  Regierungsbezirk  Potsdam,  zur  Erhebung  eines
Chausseegeldes  für  eine  halbe  Meile  nach  dem  doppelten  Betrage  der  in
dem  Chausseegeld-  Tarife  vom  29.  Februar  1840.  bestimmten  Sätze  für
die  Teltow-  Zehlendorfer  Chaussec  auf  fernere  fünf  Jabre.

A##  Ihren  Bericht  vom  2.  Mai  d.  J.  verleihe  Ich  hierdurch  der  Stadt  Teltow,
im  Regierungsbezirk  Potsdam,  fernerweit  auf  fünf  Jahre  das  Recht  zur  Erhebung
  eines  Chausseegeldes  für  eine  halbe  Meile  nach  dem  doppelten  Betrage
der  in  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.  bestimmten  Sätze  für
die  Teltaw-  Lehlewdorfer  Chaussee.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  bekannt  zu  machen.
Berlin,  den  13.  Mai  1867.

Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

 

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="985" />
        —  809  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

 

JNr.  55.

 

(Nr.  6688.)  Gesetz  wegen  Ausführung  des  Gesetzes  vom  28.  September  1866.  (Gesetz-Samml.
  für  1866.  S.  607.),  betreffend  den  durch  den  Krieg  von  1866.
hervorgerufenen  außerordentlichen  Geldbedarf  der  Militair-  und  Marineverwaltung
  und  die  Dotirung  des  Staatsschatzes.  Vom  31.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm),  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u§
verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  was  folgt:

Einziger  Artikel.

Die  Bestimmung  im  9.  7.  des  Gesetzes  vom  28.  September  1866.  (Gesetz
  Samml.  für  1866.  S.  607.),  betreffend  den  durch  den  Krieg  von  1866.  hervorgerufenen
  außerordentlichen  Geldbedarf  der  Militair=  und  Marineverwaltung
und  die  Dotirung  des  Staatsschatzes,  wird  dahin  erweitert,  daß  über  die  Ausführung
  des  gedachten  Gesetzes  dem  Landtage  erst  bei  dessen  nächster  peeemä  er
Jusam#enturß  (Art.  76.  der  Verfassung)  Rechenschaft  zu  geben  ist.  Bis  soht
bleibt  auch  die  in  den  S#§#.  1.  bis  3.  a.  a.  O.  der  Staatsregierung  ertheilte
mächtigung  in  Kraft.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  31.  Mai  1867.

(1.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

Jahrzang  1867.  (Nr.  (688—6689.)  107  (Nr.  6689.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  18.  Juni  1867.
        <pb n="986" />
        Umfang  und

Zweck  des
Deichverbandes.


—  810  —

(Nr.  6689)  Statut  des  DeutschWartenberger  Deichverbandes.  Vom  6.  Mai  1867

Wir  Wilhelm,)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  x.

Nachdem  es  für  erforderlich  erachtet  worden,  die  Grundbesitzer  der  linksseitigen
  Oderniederung  vom  Dorfe  Kusser  bis  einschließlich  des  Stromdeiches  des
Deutsch-Wartenberger  Polders  Behufs  der  gemeinsamen  Anlegung  und  Unterhaltung
  eines  Deiches  gegen  die  Ueberschwemmung  der  Oder  zu  einem  Deichverbande
  zu  vereinigen,  und  nachdem  die  gesetzlich  vorgeschriebene  Anhörung  der
Betheiligten  erfolgt  ist,  genehmigen  Wir  hierdurch  auf  Gr#und  der  §.  11.  und  15.
des  Gesetzes  über  das  echwefen  vom  28.  Januar  1848.  (Gesetz-Samml.  für
1848.  S.  54.)  die  Bildung  eines  Deichverbandes  unter  der  Benennung:

„Deutsch-Wartenberger  Deichverband“,
und  ertheilen  demselben  das  nachstehende  Statut.

S.  1.

In  der  auf  dem  linken  Ufer  der  Oder  belegenen  Niederung,  welche  von
der  Neusalz-Grünberger  Chaussee  beim  Dorfe  Kusser  bis  zu  dem  Punkte  des
Deutsch-Wartenberger  Polders,  wo  dieser  die  Richtung  des  Oderstromes  verläßt,
sich  erstreckt,  werden  die  Eigenthümer  aller  eingedeichten  und  noch  einzudeichenden
Grundstücke,  soweit  sie  ohne  Verwallung  bei  den  bekannten  höchsten  Wasserständen
der  Ueberschwemmung  durch  die  Oder  unterliegen  würden,  zu  einem  Sh
vereinigt.

Der  Verband  bildet  eine  Korporation  und  hat  seinen  Gerichtsstand  bei  dem
Kreisgerichte  zu  Freistadt.

El  2.
Dem  Deichverbande  liegt  ob:

1)  den  jetzt  bestehenden  Deich  von  Kusser  bis  Modritz  resp.  bis  am  Brunke's
Loch  zu  normalisiren  und  z  unterhalten  und  denselben  oberhalb  seines
jetzigen  Anfanges  bis  an  die  wasserfrei  gelegene  Grünberg-Neusalzer
Chaussee  zu  führen,

2)  den  Deich  unter  Durchbauung  des  Brunke'schen  Loches  bis  an  den
Deutsch-Wartenberger  Polder  fortzuführen  und  zu  unterhalten,  und

3)  den  Deutsch-Wartenberger  Polderdeich,  soweit  derselbe  dem  Oderstrorne.
entlang  läuft,  in  der  Länge  von  circa  380  Ruthen  in  die  Deichverbandslinie
  mit  aufumehmen,  zu  normalisiren,  auf  einer  gefährdeten  Strecke
zurückzulegen  und  zu  unterhalten.

Die  Ausführung  der  Reu=  und  Normalisirungsbauten  erfolgt  nach  Maaß.
abe  des  vom  Regierungsbaurath  Bergmann  in  Liegnitz  unterm  31.  März
866.  aufgestellten  Meliorationsplanes,  so  wie  derselbe  bei  der  Prüfung  durch  die
Staats-Verwaltungsbehörden  festgestellt  ist.
Soll.
        <pb n="987" />
        —  811  —

Sollten  sich  im  Laufe  der  Bauausführung  Abweichungen  von  der  ursprünglich
  genehmigten  Deichlinie  als  wünschenswerth  oder  nothwendig  herausstellen,  so
bleibt  an  den  betreffenden  Punkten  die  nähere  Feststellung  der  Baulinie  auf  den
Antrag  des  Deichamtes  den  Staats-Verwaltungsbehörden  vorbehalten.

Wo  die  Deichkrone  sich  mehr  als  sechs  Fuß  über  das  Terrain  erhebt,  ist
nach  Bestimmung  der  Staats-Verwaltungsbehörden  an  der  inneren  Seite  des
Deiches  ein  zehn  Fuß  breites  Bankett  sechs  Fuß  unter  der  Krone  anzulegen.

Ebenso  hat  der  Verband  für  die  Anschüttung  von  Rampen  und  Triften
an  den  schon  bestehenden,  nicht  entbehrlichen  oder  in  Folge  der  Deichanlagen
nothwendig  werdenden  Uebergangspunkten  zu  sorgen.  Die  Unterhaltung  dieser
Uebergänge  verbleibt  den  zur  Unterhaltung  der  korrespondirenden  Zugangswege
Verpflichteten,  beziehungsweise  bei  Uebertriften  den  Besitzern  der  betreffenden
Hutungsländereien,  welche  in  letzterem  Falle  die  Rampen  zur  Verhütung  des
Viehübertrittes  auf  ihre  Kosten  mit  Barrieren  zu  versehen  haben.  Wenn  zur
Ehaltung  des  Deiches  eine  Uferdeckung  nothwendig  wird,  so  hat  der  Deichverband
  dieselbe  auszuführen,  vorbehaltlich  seiner  #n#rüche  an  andere  Verpflichtete.


G.  3.

Die  alten  Dämme  in  der  Niederung,  welche  nicht  zum  neuen  Deichsystem
gthoren  oder  nicht  nach  dem  Urtheile  der#  ierung  als  Wehrdennme  oder  Quelleiche
  nützlich  oder  nothwendig  sind,  in  welchem  Falle  deren  Unterhaltung  den
Betheiligten  nach  dem  Deichkataster  obliegt,  können  nach  vollständiger  Herstellung
der  neuen  Deiche  und  mit  Genehmigung  der  Regierung  auch  schon  fihe  von
den  bisherigen  Eigenthümern  weggeschafft  werden.  Die  Erde  von  den  kassirten
Deichstrecken  muß  jedoch  dem  Deichverbande  unentgeltlich  überlassen  werden,  falls
letzterer  sie  im  allgemeinen  Interesse  verwenden  will.

Die  um  alte  Kolke  erforderlichen  Quelddeiche,  über  deren  Nothwendigkeit
und  Dimensionen  die  Regierung  nach  Anhörung  des  Deichamtes  zu  entscheiden
hat,  werden  auf  Kosten  des  Deichverbandes  angelegt  und  von  demselben  unterhalten.
  .4

Der  Verband  ist  gehalten,  diejenigen  Hauptgräben  neu  anzulegen,  welche
etwa  noch  erforderlich  sind,  um  das  den  Gehroßticn  der  Niederung  schädliche
Binnenwasser  aufzunehmen  und  abzuleiten.  Etwaige  Streitigkeiten  darüber,  ob
eine  Entwässerungsanlage  als  ein  Hauptgraben  zu  erachten  sei,  oder  nicht,  werden
  von  der  Regierung  nach  Anhörung  beider  Theile  entschieden.  Die  fernere
Unterhaltung  dieser  Gräben  liegt  den  speziell  dabei  Betheiligten  nach  einem
nöthigenfalls  von  der  Regierung  festzusetzenden  Beitragsverhältniß  ob.

Die  bereits  bestehenden  Hauptgräben  und  Flche  werden  von  den  bisher
Verpflichteten  ferner  unterhalten.

Die  regelmäßige  Räumung  der  Hauptgräben  und  Fließe  wird  unter  die
Kontrole  und  Schau  der  Deichverwaltun  gan

Die  über  neue  Hauptgräben  auf  Landstraßen  und  Kommunikationswegen
etwa  anzulegenden  Brücken  werden  von  dem  Deichverbande  gebaut  und  unterhalten.


(r.  6689.)  107“  Die
        <pb n="988" />
        —  812  —

Die  aub  Wichhschaftewegen  erforderlichen  Brücken  über  neue  gutgräbn
werden  vom  Deichverbande  gebaut  und  von  Denjenigen,  in  deren  Interesse  sie
nöthig  sind,  unterhalten.

Das  Wasser  der  Hauptgräben  und  Fließe  darf  ohne  widerrufliche  Genehmigung
  des  Deichhauptmanns  weder  aufgestaut,  noch  abgeleitet  werden.

Dagegen  hat  jeder  Grundbesitzer  der  Niederung  das  Recht,  die  Aufnahme
des  Wassers,  dessen  er  sich  entledigen  will,  in  die  Hauptgräben  und  Fließe  zu
verlangen.  Die  Zuleitung  muß  aber  an  den  vom  Deichhauptmann  vorzuschreibenden
  Punkten  geschehen.

Die  Anlage  und  Unterhaltung  der  Zuleitungsgräben  bleibt  Sache  der  nach
den  allgemeinen  Vorfluthgesetzen  hierbei  Betheiligten.

G.  5.
Verpslichtun-  Die  Arbeiten  des  Verbandes  sollen  zwar  in  der  Regel  unter  Leitung  der
gen  der  Deich  Deichbeamten  für  Geld  aus  der  Deichkasse  ausgeführt  werden,  doch  können  auch
z  „sämmtliche  Deichgenossen  im  Falle  eines  Bedürfnisses  durch  einen  Beschluß  des
*  Deichamtes  mit  grerimizun  der  Regierung  zu  Naturalarbeiten  unter  Zugrundemng
  der  Höhe  legung  des  Katasters,  insbesondere  auch  die  Gespann  haltenden  Deichgenossen  verderselben
  und  pflichtet  werden,  auf  Erfordern  der  Deichverwaltung  die  nentbehrlichen  Fuhren
*  gegen  Pine  angemessene,  vom  Deichamte  im  Voraus  zu  bestimmende  Vergütigung
nan  em  Vei  zu  geste  en.
-  Die  in  baarem  Gelde  aufuöringenden  Mittel  r  Herstellung  und  Unterhaltung
  der  Sozietätsanlagen  und  zu  den  sonstigen  edürfnissen  des  Verbandes
werden  nach  dem  von  der  Regierung  in  Liegnitz  auszufertigenden  Deichkataster
aufgebracht.
In  diesem  Kataster  werden  lämmtliche  von  der  neuen  Verwallung  geschützten
  ertragsfähigen  Grundstücke,  welche  entweder  vollständig  egn  Ueberschwemmun
esichert  werden  oder  wenigstens  Schutz  gegen  schädliche  Strömung  erhalten,  na
erhältniß  des  Vortheils  oder  abzuwendenden  Schadens  in  folgenden  Klassen  veranlagt:

I.  Klasse  zum  vollen  Beitrage:
a)  Hof-  und  Baustellen,
b)  Gärten,
J%)  der  bessere  sömmerungsfähige  Ackerboden;
II.  Klasse  zu  /0  eines  vollen  Beitrags:
der  nicht  mehr  sömmerungsfähige  leichte  Acker  und  sämmtliche  besseren
Tichen
III.  Klasse  zu  ½/0  eines  vollen  Beitrags:
tiefe  lachenartige  Wiesen  mit  saueren  Schilfgräsern;
IV.  Klasse  zu  /0  eines  vollen  Beitrags:
das  Forstland  und  die  mit  ihm  in  der  Suagesäh  keit  gleichzustellenden,
  durch  Versandung  verschlechterten  Aecker,  icee  und  Hutungen.

*
        <pb n="989" />
        —  813  —

V.  Wege,  Gräben,  Kirchhöfe  und  das  absolut  ertragslose  Unland  bleiben
unveranlagt.

g.  6.

stel  Das  Deichkataster  ist  von  dem  Deichregulirungs-Kommissarius  aufzustellen.


Behufs  der  Feststellung  ist  dasselbe  dem  Deichamte  vollständig,  den  einzelnen
  Gemeindevorständen  und  den  Besitzern  der  Güter,  welche  einen  besonderen
Gutsbezirk  bilden,  ertraktweise  zuzustellen  und  sugleih  ist  im  Amtsblatte  eine
vierwochentliche  Frist  bekannt  zu  machen,  innerhalb  welcher  das  Kataster  bei  dem
Deichamte,  den  Gemeindevorständen  und  dem  Kommissaeius  eingesehen  und  Beschwerde
  dagegen  bei  dem  letzteren  angebracht  werden  kann.

Diese  Beschwerden,  welche  auch  gegen  die  im  §.  5.  enthaltenen  Grundsäfe
der  Katastrirung  gerichtet  und  auch  vom  Peichunte  erhoben  werden  können,  sind,
sofern  sie  nicht  durch  ein  angemessenes  Abkommen  beseitigt  werden,  von  dem
Deichregulirungs-Kommissarius  unter  Zuziehung  der  Beschwerdeführer,  eines  Deputirten
  des  Deichamtes  und  der  erforderlichen  Sachverständigen  zu  untersuchen.
Die  Sachverständigen  sind  hinsichtlich  der  Grenzen  des  Inundationsgebietes  und
der  sonstigen  Vermessungen  ein  vereideter  Feldmmesser  oder  nöthigenfalls  ein  Vermessungsrevisor,
  hinsichtlich  der  Katasterklassen  und  der  Einschätzung  in  diselben
wei  ökonomische  Sachverständige,  denen  erforderlichen  Falls  auch  noch  ein
Wasierbau,  Suchverständ  er  beigeordnet  werden  kann.

Alle  diese  Sachvechtändigen.  werden  von  der  Regierung  ernannt.

Mit  dem  Resultate  der  Untersuchung  werden  der  Beschwerdeführer  und
der  betreffende  Deichamts-Deputirte  bekannt  gemacht.

Sind  beide  Theile  mit  dem  Resultate  einverstanden,  oder  kommt  sonst  eine
Einigung.  !  Stande,  so  wird  das  Kataster  danach  berichtigt.  Andernfalls  werden
  die  Akten  der  Regierung  zur  Entscheidung  über  die  Beschwerde  eingereicht.

Wird  dieselbe  Urworse  so  treffen  die  Kosten  den  Beschwecdefühtel.

Binnen  vier  Wochen  nach  erfolgter  Bekanntmach  ung  der  Entscheidung  ist
Fariun  dagegen  an  den  Minister  für  die  landwirtgscha  ichen  Angelegenheiten
ulässig.

Nach  erfolgter  Feststellung  des  Deichkatasters  ist  dasselbe  von  der  Regierung
  in  Liegnitz  auszufertigen  und  dem  Deichamte  zuzustellen.

Die  genannte  Regierung  kann  das  Deichamt  ermächtigen,  auf  Grund  des
Katasters  schen  Beiträge  vorbehaltlich  der  späteren  Ausgleichung  auszuschreiben
und  einzuziehen,  sobald  das  Kataster  von  dem  Kommissarius  aufgestellt  und  den
Betheiligten  zugefertigt  ist.

S.  7.

Der  gewöhnliche  Deichkassenbeitrag  wird  für  jetzt  auf  jährlich  fünf  Silberroschen
  für  den  Normalmorgen  und  die  Höhe  des  anzusammelnden  Reserve-8
  s  auf  3000  Thaler  festgesetzt.

g.  8.
Den  Besitzern  derjenigen  Grundstücke,  welche  durch  Rückstau,  aufgestautes
(Nr.  6689.)  Bin-
        <pb n="990" />
        —  814  —

Binnen=  oder  Druckwasser  überschwemmt  werden,  sind  für  das  betreffende  Jahr
die  Fewöhnlichen  Deichkassenbeiträge  der  beschädigten  Flächen  zu  erlassen,  wenn
dieselben  in  Folge  der  Ueberschwemmung  nach  dem  Ermessen  des  Deichamtes
weniger  als  den  halben  Ertrag  einer  gewöhnlichen  Jahresnutzung  geliefert  haben.

K.  9.

Beschränkuu.  Dieschon  bestehenden  Deiche,  deren  Unterhaltung  der  Deichverband  übergen
  des  Eigen  nimmt,  gehen  gleich  den  neuen  Anlagen  in  dessen  Eigenthum  und  Nutung  über,
merchts  un  auss  ließlich  jedoch  der  darauf  stehenden  Bäume,  Sträucher  und  Gebäude,  die
füken.  den  Eigenthümern  verbleiben.

Ob,  wann  und  unter  welchen  Modalitäten  diese  von  den  bisherigen  Eigenthümern
  weggeschafft  werden  müssen,  hat  die  Regierung  nach  Anhörung  des
Deichamtes  und  der  Betheiligten  endgültig  zu  bestimmen.

K.  10.
Der  Deich  bildet  Einen  Aussichtsbezirk.

S.  11.

Wahl  ber  Die  Zahl  der  Repräsentanten  und  ihrer  Stellvertreter  im  Deichamte  wird
v#rn  der  für  jetzt  auf  vier  festgestellt.

re  Die  Stimmen  im  Deichamte  führen:

u  1)  die  Gemeinde  Modritz  ..  ..  .  ...  .  .  .  ..  .  ..  ..  .  ..  .  ..  .  .  .  .  .  ...  1  Stimme,
2)  Boberig  .  .  .  .  ..  .  .  ..  1

3)  .  Landgemeinden  Kusser,  Nittritz,  Lippen,  die  Interessenten
  in  Aufhalt  und  Neusalz  und  die  Stadtgemeinde  Deutsch-Wartenberg
  zusamhbhen  1
durch  einen  gemeinschaftlichen  Abgeordneten  oder  dessen
Stellvertreter,  bei  deren  Wahl  die  Gemeinde  Kusser  drei,
die  Gemeinden  Nittritz,  Lippen  und  Deutsch-Wartenberg
je  zwei  Stimmen  haben;

4)  die  Dominien  Deutsch-Wartenberg,  Nieder-Siegersdorf
Gräflich  Kalkreuthschen  Antheils  und  Nieder-Siegersdorf
Schwerdtfegerschen  Wnheis,  Lippen  und  der  Königliche
Forst-  und  Domainenfiskus  zusamhem  .  ...  1
durch  einen  gemeinschaftlichen  Abgeordneten  oder  dessen  Stellvertreter,  bei
deren  Wahl  das  Dominium  Deutsch-Wartenberg  drei  Stimmen,  die
Dominien  Nieder-Siegersdorf  und  Lippen  je  Eine  und  der  Königliche
Forst=  und  Domninenßekus  zwei  Stimmen  haben.

Die  Wahl  des  Repräsentanten  und  eines  Stellvertreters  für  denfelben  erfolgt
  bei  den  sub  3.  und  4.  zufgeführeen  Gemeinden  resp.  Dominien  durch  ab.
solute  Stimmenmehrheit.  Bei  Gleichheit  der  Wahlstimmen  entscheidet  unter  den
Gewählten  das  Loos.

Die
        <pb n="991" />
        —  815  —

Die  Wahlperiode  ist  eine  sechsjährige,  der  Repräsentantenwechsel  tritt  nach
Berlauf  derselben  mit  der  regelmäßig  im  Juni  abzuhaltenden  Deichamtsitzung

  ein.

Die  Ausscheidenden  können  wieder  gewählt  werden.  Wehlbar  ist  jeder
groffährige  Deichgenosse,  welcher  den  Vollbesitz  der  bürgerlichen  Rechte  nicht
*  htskräftiges  Urtheil  verloren  hat  und  nicht  Unterbeamter  des  Verbandes
  ist.  «

Mit  dem  Aufhören  der  Wählbarkeit  verliert  die  Wahl  ihre  Wirkung.
Vater  und  Sohn  dürfen  nicht  zugleich  Mitglieder  des  Deichamtes  sein.
Sind  dergleichen  Verwandte  zugleich  durch  Wahl  bestellt,  so  wird  der  Aeltere
allein  zugelassen.

Nach  erfolgter  Feststellung  des  Katasters  bleibt  es  dem  Minister  für  die
landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  vorbehalten,  sowohl  die  Zahl  der  Repräsentanten
  und  Stellvertreter,  als  auch  das  Stimmenverhältniß  nach  der  ungefähren
Maaßgabe  der  zu  zahlenden  Beiträge  nach  Anhörung  des  Deichamtes  und  der
Regierung  anderweit  feshzustellen  In  gleicher  Weise  kann  später  eine  anderweite
Stimmeneintheilung  erfolgen,  wenn  eine  erhebliche  Veränderung  im  Besitzstande
dieselbe  nöthig  machen  sollte.

.  12.

Die  Dominien,  der  Königliche  Fiskus  und  die  Stadtgemeinde  Deutsch-Wartenberg
  können,  wenn  ihnen  die  Funktion  eines  Deichrepräsentanten  aufgetragen
  wird,  sich  in  dieser  Funktion  durch  einen  Gutspächter,  Administrator
oder  Beamten  vertreten  lassen.

K.  13.

Die  Stimmen,  welche  nach  F.  11.  den  zum  Deichverbande  gehörigen  Gemeinden
  im  Deichamte  oder  bei  der  Wahl  eines  Repräsentanten  usstehen  werden
für  die  betreffenden  Landgemeinden  von  den  Gemeindevorstehern,  für  die  Stadtgemeinde
  Wartenberg  von  dem  zeitigen  Bürgermeister,  resp.  deren  gewöhnlichen
Stellvertretern  geführt.

Die  Deichgenossen  sub  4.  des  F.  11.  können  ihre  Zeitpächter,  Administratoren,
  Beamten  oder  einen  anderen  Deichgenossen  zur  Ausübung  ihres  Stimmrechts
  bevollmächtigen.

Gehört  ein  Gut  mehreren  Besitzern,  so  kann  nur  Einer  derselben  im  Auftrage
  der  übrigen  das  Stimmrecht  ausüben.

Frauen  und  Minderjährige  dürfen  ihr  Stimmrecht  durch  ihre  gesetzlichen
Vertreter  oder  durch  Bevollmächtigte  ausüben.

Wenn  ein  stimmberechtigter  Gutsbesitzer  den  Vollbesitz  der  bürgerlichen
Rechte  durch  rechtskräftiges  Urtheil  verloren  hat,  so  ruht  während  seiner  Besitzzeit
  das  Stimmrecht  des  Gutes.

Im  Uebrigen  sind  bei  dem  Wahlverfahren,  für  welches  die  Regierung
nöthigenfalls  einen  Wahlkommissarius  bestellen  und  eine  nähere  Wahlinstruktion
ertheilen  kann,  sowie  in  Betreff  der  Verpflichtung  zur  Annahme  unbesoldeter
Stellen  die  Vorschriften  über  die  Gemeindewahlen  analogisch  anzuwenden.

Die  Prüfung  der  Wahlen  steht  dem  Deichamte  zu.

(Nr.  6689.)  5.  14.
        <pb n="992" />
        —  816  —

C.  14.

Der  Stellvertreter  nimmt  in  ufeu.  oder  Behinderungsfällen  des
Repräsentanten  dessen  Stelle  ein  und  tritt  für  denselben  ein,  wenn  der  Repräsentant
  während  seiner  Wahlzeit  stirbt,  seinen  deichpflichtigen  Grundbesitz  aufgiebt,

dder  seinen  bleibenden  Wohnsitz  an  einem  entfernten  Orte  wählt.

KC.  15.

ullgemeine  Die  allgemeinen  Bestimmungen  für  künftig  zu  erlassende  Deichstatute  vom

Gestimmangen,  14.  November  1853.  (Gesetz-Samml.  vom  Jahre  1853.  S.  935.  *  sollen
auch  hier  Gültigkeit  haben,  insoweit  sie  nicht  in  dem  vorstehenden  Statut  abgeändert
  sind.

.  16.

Abänderungen  des  vorstehenden  Statuts  können  nur  unter  landesherrlicher
Genehmigung  erfolgen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  6.  Mai  1867.
(1I.  .Wilhelm.

Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Mlnisteriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="993" />
        –  87  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  56.

 

(Nr.  6690.)  Publikations  ·  Patent  über  die  Verfassung  des  Norddeutschen  Bundes.  Vom
24.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.
thun  kund  und  fügen  hiermit  zu  wissen:

Nachdem  die  Verfassung  des  Norddeutschen  Bundes  von  den  verbündeten
Grten  und  freien  Städten  mit  dem  Reichstage  vereinbart  worden  ist  und  die
ustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Mochie  erhalten  hat,  verkünden
Wir  nachstehend  die  #üachte  Verfassung  und  bestimmen  zugleich,  daß  dieselbe  im
gaone  mfange  der  Monchie,  einschließlich  des  Jadegebiets  und  der  durch  die
esetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  mit  derselben  vereinigten
Landestheile  am  1.  Juli  d.  J.  in  Kraft  treten  soll.

Verfassung
des
Norddeutschen  Bundes.

Seine  Majestät  der  König  von  Preußen,  Seine  Majestät  der  König  von
Sachsen,  Seine  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Mecklenburg-Schwerin,  Seine
Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Sachsen-Weimar-Eisenach,  Seine  Königliche
  Hoheit  der  Großherzog  von  Mecklenburg-Strelitz,  Seine  Königliche  Hoheit
der  Großherzog  von  Oldenburg,  Seine  Hoheit  der  Herzog  von  Braunschweig  und
Lüneburg,  Seine  Hoheit  der  Herzog  von  Sachsen-Meiningen  und  Hildburghausen,
Seine  Hoheit  der  Herzog  zu  Sachsen-  Mierburg,  Seine  Hoheit  der  Herzog  zu

Jahrgang  1867.  (Nr.  6690.)  Sach-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  25.  Juni  1867.
        <pb n="994" />
        818  —

Sachsen-Coburg  und  Gotha,  Seine  Hoheit  der  Herzog  von  Anhalt,  Seine  Durchlaucht
  der  Fürst  zu  Schwarzburg-Rudolstadt,  Seine  Durchlaucht  der  Fürst  zu
Schwarzburg-Sondershausen,  Seine  Durchlaucht  der  Fürst  zu  Waldeck  und  Pyrmont,
  Ihre  Durchlaucht  die  Fürstin  Reuß  älterer  Linie,  Seine  Durchlaucht  der
Fürst  Reuß  jüngerer  Linie,  Seine  Durchlaucht  der  Fürst  von  Schaumburg-Lippe,
Seine  Durchlaucht  der  Fürst  zur  Lippe,  der  Senat  der  freien  und  Hansestadt
Lübeck,  der  Senat  der  freien  Hansestadt  Bremen,  der  Senat  der  freien  und  Hansestadt
  Hamburg,  jeder  für  den  gesammten  Umfang  ihres  Staatsgebietes,  und  Seine
Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Hessen  und  bei  Rhein,  für  die  nördlich
vom  Main  belegenen  Theile  des  Großherzogthums  Hessen,  schließen  einen  ewigen
Bund  zum  Schutze  des  Bundesgebietes  und  des  innerhalb  desselben  gültigen
Rechtes,  sowie  zur  Pflege  der  Wohlfahrt  des  Deutschen  Volkes.  Dieser  Bund
wird  den  Namen  des  Norddeutschen  führen  und  wird  nachstehende

Verfassung
haben.

J.
Bundesgebiet.

Artikel  1.

Das  Bundesgebiet  besteht  aus  den  Staaten  Preußen  mit  Lauenburg,
Sachsen,  Mecklenburg-Schwerin,  Sachsen-Weimar,  Meckenburg=  Streliz  Oldenburg,
  Braunschweig)  Sachsen-Meiningen,  Sachsen-Altenburg,  Sachsen-Coburg.-Gotha,
  Anhalt,  Schwarzburg-Rudolstadt,  Schwarzburg-Sondershausen,  Waldeck,
Reuß  älterer  Linie,  Reuß  jüngerer  Linie;  Schaumburg-Lippe,  Lippe,  Lübeck,
Bremen,  Hamburg,  und  aus  den  nördlich  vom  Main  belegenen  Theilen  des
Großherzogthums  Hessen.

II.
Bundesgesetzgebung.

Artikel  2.

Innerhalb  dieses  Bundesgebietes  übt  der  Bund  das  Recht  der  Gesetzgebung
nach  Maaßgabe  des  Inhalts  dieser  Bhastus  und  mit  der  Wirkung  aus,  daß
die  Bundesgesetze  den  Landesgesetzen  vorgehen.  Die  Bundesgesetze  erhalten  ibre
verbindliche  Kraft  durch  ihre  Verkündigung  von  Bundes  wegen,  welche  vermittelst
eines  Bundesgesetzblattes  geschiebt.  Sofern  nicht  in  dem  publizirten  Gesetze  ein
anderer  Anfangstermin  seiner  verbindlichen  Kraft  bestimmt  ist,  beginnt  die  letzteremit
        <pb n="995" />
        —  819  —

mit  dem  vighnten  Tage  nach  dem  Ablauf  desjenigen  Tagen,  an  welchem  das
betreffende  Stück  des  Bundesgesetzblattes  in  Berlin  ausgegeben  worden  ist.

Artikel  3.

Für  den  ganzen  Umfang  des  Bundesgebietes  besteht  ein  gemein  sames
Indigenat  mit  der  Wirkung)  daß  der  Angehörige  (Unterthan,  Staatsbürger)
eines  jeden  Bundesstaates  in  jedem  anderen  Bundesstaate  als  Inländer  zu  behandeln
  und  demgemäß  zum  festen  Wohnsitz,  zum  Gewerbebetriebe,  zu  öffentlichen
Aemtern,  zur  Erwerbung  von  Grundstücken,  zur  Erlangung  des  Staatsbürgerrechts
  und  zum  Genusse  aller  sonstigen  bürgerlichen  Rechte  unter  denselben  Vor.
aussetzungen  wie  der  Einheimische  zuzulassen,  auch  in  Betreff  der  Rechtsverfolgung
und  des  Rechtsschutzes  demselben  gleich  zu  behandeln  ist.

In  der  Ausübung  dieser  Befugniß  darf  der  Bundesangehörige  weder  durch
die  Obrigkeit  seiner  Heimath,  noch  durch  die  Obrigkeit  eines  anderen  Bundesstaates
beschränkt  werden.

Diejenigen  Bestimmungen,  welche  die  Armenversorgung  und  die  Aufnahme
in  den  lokalen  Gemeindeverband  betreffen,  werden  durch  den  im  ersten  Absatz  ausgesprochenen
  Grundsatz  nicht  berührt.

Ebenso  bleiben  bis  auf  Weiteres  die  Verträge  in  Kraft,  welche  zwischen
den  einzelnen  Bundesstaaten  in  Beziehung  auf  die  Uebernahme  von  Auszuweisen-*m

  g  Verpflegung  erkrankter  und  die  Beerdigung  verstorbener  Staatsangehörigen
estehen.

Hinsichtlich  der  Erfüllung,  der  Militairpflicht  im  Verhältniß  zu  dem  Heimathslande
  wird  im  Wege  der  Bundesgesetzgebung  das  Nöthige  geordnet  werden.

Dem  Auslande  gegenüber  haben  alle  Bundesangehörigen  gleichmäßig  Anspruch
  auf  den  Vondesfchu.

Artikel  4.

Der  Beaufsichtigung  Seitens  des  Bundes  und  der  Gesetzgebung  desselben
unterliegen  die  nachstehenden  Angelegenheiten:

1)  die  Bestimmungen  über  Freizügigkeit,  Heimaths=  und  Niederlassungsverhältnisse,
  Staatsbürgerrecht,  Pszwesen.  und  Fremdenpolizei  und  über  den
Gewerbebetrieb,  einschlic  ich  des  Versicherungswesens,  soweit  diese  Gegensände
  nicht  schon  durch  den  Artikel  3.  dieser  Verfassung  erledigt  sind,

esgleichen  über  die  Kolonisation  und  die  Auswanderung  nach  außerdeutschen
  Ländern;

2)  die  Zoll-  und  Handelsgesetzgebung  und  die  für  Bundeszwecke  zu  verwendenden
  Steuern;  «
mk.6690.)  108“  3)  die
        <pb n="996" />
        —  820  —

3)  die  Ordnung  des  Maaß.,  Münz=  und  Gewichtssystems,  nebst  Feststellung
der  Grundsätze  über  die  Emission  von  fundirtem  und  unfundirtem
Papiergelde;

4)  die  allgemeinen  Bestimmungen  über  das  Bankwesen;

5)  die  Erfindungspatente;

6)  der  Schutz  des  geistigen  Eigenthums;

7)  Organisation  eines  gemeinsamen  Schutzes  des  Deutschen  Handels  im
Auslande,  der  Deutschen  Schiffahrt  und  ihrer  Flagge  zur  See  und  Anordnung

  gemeinsamer  konsularischer  Vertretung,  welche  vom  Bunde  ausgestattet
  wird;

8)  das  Eisenbahnwesen  und  die  Herstellung  von  Land=  und  Wasserstraßen
im  Interesse  der  Landesvertheidigung  und  des  allgemeinen  Verkehrs;

9)  der  Flößerei=  und  Schiffahrtsbetrieb  auf  den  mehreren  Staaten  gemeinsamen
  Wasserstraßen  und  der  Zustand  der  letzteren,  sowie  die  Fluß=  und
sonstigen  Wasserzölle;

10)  das  Post=  und  Telegraphenwesen;

11)  Bestimmungen  über  die  wechselseitige  Vollstreckung  von  Erkenmtnissen  in
Civilsachen  und  Erledigung  von  Regquisitionen  überhaupt,

12)  sowie  über  die  Beglaubigung  von  öffentlichen  Urkunden;

13)  die  gemeinsame  Gesesgebung  über  das  Obligationenrecht,  Strafrecht,
Handels=  und  Wechselrecht  und  das  gerichtliche  Verfahren;

14)  das  Militairwesen  des  Bundes  und  die  Kriegsmarine;
15)  Maaßregeln  der  Medizinal-  und  Veterinairpolizei.

Artikel  5.

Die  Burdeegeschgebung  wird  ausgeübt  durch  den  Bundesrath  und  den
Reichstag.  Die  Uebereinstimmung  der  Mehrheitsbeschlüsse  beider  Versammlungen
ist  zu  einem  Bundesgesetze  erforderlich  und  ausreichend.

Bei  Gesetzesvorschlägen  über  das  Militairwesen  und  die  Kriegsmarine  giebt,
wenn  im  Bundesrathe  eine  Meinungsverschiedenheit  stattfindet,  die  Stimme  des
Präsidiums  den  Ausschlag,  wenn  sie  sich  für  die  Aufrechterhaltung  der  bestehenden
  Einrichtungen  ausspricht.
        <pb n="997" />
        —  821  —

III.
Bundesrath.

Artikel  6.

Der  Bundesrath  besteht  aus  den  Vertretern  der  Mitglieder  des  Bundes,
unter  welchen  die  Stimmführung  sich  nach  Maaßgabe  der  Vorschriften  für  das
Plenum  des  ehemaligen  Deutschen  Bundes  vertheilt,  so  daß  Preußen  mit  den
ehemaligen  Stimmen  von  Hannover,  Kurhessen,  Holstein,  Nassau  und  Frankfurt

17  Stimmen
führt,

Sachsen  .  ..  4
Hessen  .  .  .  .  .  .  ..  1
Mecklenburg-Schwerin  2
Sachsen-Weimre  .  .  .  ...  1
Mecklenburg=  Strelitz  1
Oldenburg  ..  ..  ..  .  ..  ..  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  1
Braunschwig  2
Sachsen-Meiningen  1
Sachsen-Altenbuteg  .  .  ..  1
Sachsen-Coburg-Gothoaoa  .  .  1
Anhalt  ...  .  ..  ..  .  ..  .  .  .  .  .  .  ..  .  .  .  .  .  ..  1
Schwarzburg-Rudolstddt  1
Schwarzburg.=  Sondershausen  1
Waldck  .  ..  .  .  .  ..  1
Reußält.Linie..................  1
Reußjüng.Linie.·...............  1
SchaumburgiLippe...............  1
Lippe.....·.....,................  l
Lübeck...........................  1
Bremen..........................  l
Hamburg....·.........·...·....  1

Summa.·...  43

Artikel  7.
Jedes  Mitglied  des  Bundes  kann  so  viel  Bevollmächtigte  zum  Bundesrathe
  ernennen,  wie  es  Stimmen  hat;  doch  kann  die  Gesammtheit  der  zuständigen
(Nr.  6690)  Stim.
        <pb n="998" />
        —  822  —
Stimmen  nur  einheitlich  abgegeben  werden.  Nicht  vertretene  oder  nicht  instruirte
Stimmen  werden  nicht  gezählt.
Jedes  Bundesglied  ist  befugt,  Vorschläge  zu  machen  und  in  Vortrag  zu
bringen,  und  das  Präsidium  ist  verpflichtet,  dieselben  der  Berathung  zu  übereben.
  Die  Beschlußfassung  erfolgt  mit  einfacher  Mehrheit.  Bei  Stimmengleichhen
  giebt  die  Präsidialstimme  den  Ausschlag.  -

Artikel  8.
Der  Bundesrath  bildet  aus  seiner  Mitte  dauernde  Ausschüsse

1)  für  das  Landheer  und  die  Festungen;

2)  für  das  Seewesen;

3)  für  Zoll=  und  Steuerwesen;

4)  für  Handel  und  Verkehr;

5)  für  Eisenbahnen)  Post  und  Telegraphen;
6)  für  Justizwesen;

7)  für  Rechnungswesen.

In  jedem  dieser  Ausschüsse  werden  außer  dem  Präsidium  mindestens  zwei
Bumndesstaaten  vertreten  sein,  und  führt  innerhalb  derselben  jeder  Staat  nur
Eine  Stimme.  Die  Mitglieder  der  Ausschüsse  zu  1.  und  2.  werden  von  dem
Bundesfeldherrn  ernannt,  die  der  übrigen  von  dem  Bundesrathe  gewählt.  Die
Zusammensetzung  dieser  Ausschüsse  ist  #i  jede  Session  des  Bundesrathes  resp.

mit  jedem  Jahre  zu  erneuern,  wobei  die  ausscheidenden  Mitglieder  wieder  wählbar
  sind.  en  Ausschüssen  werden  die  zu  ihren  Arbeiten  nöthigen  Beamten  zur

Verfügung  gestellt.
Artikel  9.

Jedes  Mitglied  des  Bundesrathes  hat  das  Recht,  im  Reichstage  zu  erscheinen
  und  muß  daselbst  auf  Verlangen  ichereit  gehört  werden,  um  die  Ansichten
  seiner  Regierung  zu  vertreten,  auch  dann,  wenn  dieselben  von  der  Majorität
  des  Bundesrathes  nicht  adoptirt  worden  sind.  Niemand  kann  gleichzeitig
Mitglied  des  Bundesrathes  und  des  Reichstages  sein.

Artikel  10.
Dem  Bundespräsidium  liegt  es  ob,  den  Mitgliedern  des  Bundesrathes  den
üblichen  diplomatischen  Schutz  zu  gewähren.

IV.
        <pb n="999" />
        –  823  —

IV.
Bundespräsidi

Artikel  11.

Das  Präsidium  des  Bundes  steht  der  Krone  Preußen  zu,  welche  in  Ausübung
  desselben  den  Bund  völkerrechtlich  zu  vertreten,  im  Namen  des  Bundes
Krieg  zu  erklären  und  Frieden  zu  schließen,  Bündnisse  und  andere  Verträge  mit
fremden  Staaten  einzugehen,  Gesandte  zu  beglaubigen  und  zu  empfangen  berechtigt  ist.

Insoweit  die  Verträge  mit  fremden  Staaten  sich  auf  solche  Ge  ensinde
beziehen,  welche  nach  Artikel  4.  in  den  Bereich  der  Bundesgesetzgebung  gchören  ist
u  ihrem  Abschluß  die  Zustimmung  des  Bundesrathes  und  zu  ihrer  Gültigkeit

ie  Genehmigung  des  Reichstages  erforderlich.

Artikel  12.

Dem  Präsidium  steht  es  zu,  den  Bundesrath  und  den  Reichstag  zu  berufen,
  zu  eröffnen,  zu  vertagen  und  zu  schließen.

Artikel  13.

Die  Berufung  des  Vundesrathes  und  des  Reichstages  findet  alljährlich
statt,  und  kann  der  Bundesrath  zur  Vorbereitung  der  Arbeiten  ohne  den  Reichs,
tag,  letzterer  aber  nicht  ohne  den  Bundesrath  berufen  werden.

Artikel  14.

Die  Berufung  des  Bundesrathes  muß  erfolgen,  sobald  sie  von  einem  Drittel
der  Stimmenzahl  verlangt  wird.

Artikel  15.

Der  Vorsitz  im  Bundesrathe  und  die  Leitung  der  Geschäfte  steht  dem
Bundeskanzler  zu,  welcher  vom  Präsidium  zu  ernennen  ist.
aueihe  kann  sich  durch  jedes  andere  Mitglied  des  Bundesrathes  vermöge
schriftlicher  Substitution  vertreten  lassen.

Artikel  16.

Das  Präsidium  hat  die  erforderlichen  Vorlagen  nach  Maaßgabe  der  Be-Schlusse
  des  Bundesrathes  an  den  Reichstag  zu  bringen,  wo  sie  durch  Mitglieder
es  Bundesrathes  oder  durch  besondere  von  letzterem  zu  ernennende  Kammiffarie
vertreten  werden.

Artikel  17.
Dem  Präsidium  steht  die  Ausfertigung  und  Verkündigung  der  Bundesgesetze

  und  die  Ueberwachung  der  Ausführung  derselben  zu.  Die  Anordnungen
(Nr.  6690)  und
        <pb n="1000" />
        —  824  —

und  Verfuͤgungen  des  Bundespräsidii  werden  im  Namen  des  Bundes  erlassen
und  bedürfen  zu  ihrer  Gültigkeit  der  Gegenzeichnung  des  Bundeskanzlers,  welcher
dadurch  die  Verantwortlichkeit  übernimmt.

Artikel  18.

Das  Präsidium  ernennt  die  Bundesbeamten,  hat  dieselben  für  den  Bund.
zu  vereidigen  und  erforderlichen  Falles  ihre  Entlassung  zu  verfügen.

Artikel  19.

Wenn  Bundesglieder  ihre  verfassungsmäßigen  Bundespflichten  nicht  erfüllen,
  so  können  sie  dazu  im  Wege  der  Exekution  angehalten  werden.  Diese
ekution  ist
a)  in  Betreff  militairischer  Leistungen,  wenn  Gefahr  im  Verzuge,  von  dem
Bundesfeldherrn  anzuordnen  und  zu  vollziehen;
b)  in  allen  anderen  Fällen  aber  von  dem  Bundesrathe  zu  beschließen  und
von  dem  Bundesfeldherrn  zu  vollstrecken.

Die  Exekution  kann  bis  zur  Seguestration  des  betreffenden  Landes  und
seiner  Regierungsgewalt  ausgedehnt  werden.  In  den  unter  a.  bezeichneten  Fällen
ist  dem  Bundesrathe  von  Anordnung  der  Exekution,  unter  Darlegung  der  Beweggründe,
  ungesäumt  Kenntniß  zu  geben.

V.
Reichstag.

Artikel  20.

Der  Reichstag  geht  aus  allgemeinen  und  direkten  Wahlen  mit  geheimer
Abstimmung  hervor,  welche  bis  zum  Erlaß  eines  Reichswahlgesetzes  nach  Maaßabe
  des  Gesetzes  zu  erfolgen  haben,  auf  Grund  dessen  der  erste  Reichstag  des

orddeutschen  Bundes  gewählt  worden  ist.

Artikel  21.

Beamte  bedürfen  keines  Urlaubs  zum  Eintritt  in  den  Reichstag.

Wenn  ein  Mitglied  des  Reichstages  in  dem  Bunde  oder  einem  Bundesstaat
  ein  besoldetes  Staatsamt  annimmt  oder  im  Bundes-  oder  Staatsdienste  in
ein  Amt  eintritt,  mit  welchem  ein  höherer  Rang  oder  ein  höheres  Gehalt  verbunden
  ist,  so  verliert  es  Sitz  und  Stimme  in  dem  Reichstag  und  kann  seine
Stelle  in  bemselben  nur  durch  neue  Wahl  wieder  erlangen.

Artikel  22.

Die  Verhandlungen  des  Reichstages  sind  öffentlich.
Wahr-
        <pb n="1001" />
        —  825  —

Wahrheitsgetreue  Berichte  über  Verhandlungen  in  den  öffentlichen  Sitzungen
des  Reichstages  bleiben  von  jeder  Verantwortlichkeit  frei.

Artikel  23.

Der  Reichstag  hat  das  Recht,  innerhalb  der  Kompetenz  des  Bundes  Gesetze
  vorzuschlagen  und  an  ihn  gerichtete  Petitionen  dem  Bundesrathe  resp.
Bundeskanzler  zu  überweisen.

Artikel  24.

Die  Legislaturperiode  des  Reichstages  dauert  drei  Jahre.  Zur  Auflösung
  des  Reichstages  n  derselben  ist  ein  Beschluß  des  Bundesrathes
unter  Zustimmung  des  Präsidiums  erforderlich.

Artikel  25.
Im  Falle  der  Auflösung  des  Reichstages  müssen  innerhalb  eines  Zeitraumes
  von  60  Tagen  nach  derselben  die  Wähler  und  innerhalb  eines  Zeitraumes
von  90  Tagen  nach  der  Auflösung  der  Reichstag  versammelt  werden.

Artikel  26.
Ohne  Zustimmung  des  Reichstages  darf  die  Vertagung  desselben  die  Frist
von  30  Tagen  nicht  übersteigen  und  während  derselben  Session  nicht  wiederholt
  werden.

Artikel  27.

Der  Reichstag  prüft  die  Legitimation  seiner  Mitglieder  und  entscheidet
darüber.  Er  regelt  seinen  Geschäftsgang  und  seine  Dieziplin  durch  eine  Geschäftsordnung
  und  erwählt  seinen  Präsidenten,  seine  Vizepräsidenten  und  Schriftführer.


Artikel  28.

Der  Reichstag  beschließt  nach  absoluter  Stimmenmehrheit.  Zur  Gültigkeit
der  Beschlußfassung  ist  die  Anwesenheit  der  Mehrheit  der  gesetzlichen  Anzahl  der
Mitglieder  erforderlich.

Artikel  29.

Die  Mitglieder  des  Reichstages  sind  Vertreter  des  gesammten  Volkes  und
an  Aufträge  und  Instruktionen  nicht  gebunden.

Artikel  30.

Kein  Mitglied  des  Reichstages  darf  zu  irgend  einer  Zeit  wegen  seiner  Abstimmung
  oder  wegen  der  in  Ausübung  seines  Berufes  gethanen  Aeußerungen
gerichtlich  oder  disziplinarisch  verfolgt  oder  sonst  außerhalb  der  Versammlung
zur  Verantwortung  gezogen  werden.

Jehrgang  1867.  (Nr.  6690.)  109  Ar-
        <pb n="1002" />
        —  826  —

Artikel  31.

Ohne  Genehmigung  des  Reichstages  kann  kein  Mitglied  desselben  während
der  Sitzungsperiode  wegen  einer  mit  Strafe  bedrohten  Handlung  zur  Untersuchung
  gejogen  oder  vethafter  werden,  außer  wenn  es  bei  Ausübung  der  That
oder  im  aue  des  nächstfolgenden  Tages  ergtisfen  wird.

d  Gleiche  Genehmigung  ist  bei  einer  Verhaftung  wegen  Schulden  erforerlich.


Auf  Verlangen  des  Reichstages  wird  jedes  Strafverfahren  —ix.  ein
Mitglied  desselben  und  jede  Untrrsuchmgs  oder  Civilhaft  für  die  Dauer  der
Slüungsperiode  aufgehoben.

Artikel  32.

Die  Mitglieder  des  Reichstages  dürfen  als  solche  keine  Besoldung  oder
Entschädigung  beziehen.

VI.
Joll=  und  Handelswesen.

Artikel  33.

Der  Bund  bildet  ein  Joll=  und  Handelsgebiet,  umgeben  von  gemeinschaftlicher
  Zollgrenze.  Ausgeschlossen  bleiben  die  wegen  brer  Lage  zur  Einschließung
  in  die  Zollgrenze  nicht  geeigneten  einzelnen  Gebietstheile.

e  Gegenstänbe,  welche  im  freien  Verkehr  eines  Bundesstaates  befindlich
find,  können  in  jeden  anderen  Bundesstaat  eingeführt  und  dürfen  in  letzterem
einer  Abgabe  nur  in  so  weit  unterworfen  werden,  als  daselbst  gleichartige  inländische
  Erzeugnisse  einer  inneren  Steuer  unterliegen.

Artikel  34.

Die  Hansestädte  Lübeck,  Bremen  und  Hamburg  mit  einem  dem  Zweck  entsprechenden
  Bezirke  ihres  oder  des  umliegenden  Gebietes  bleiben  als  Freihäfen
außerhalb  der  gemeinschaftlichen  Zollgrenze,  bis  sie  ihren  Einschluß  in  dieselbe
beantragen.

Artikel  35.

Der  Bund  ausschließlich  hat  die  Gesetzgebung  über  das  gesammte  Jollwesen,
  über  die  Besteuerung  des  Verbrauches  von  einheimischem  Jucker,  Branntwein,
  Salz,  Bier  und  Taback,  sowie  über  die  Maaßregeln,  welche  in  den  Joll.
ausschlüssen  zur  Sicherung  der  gemeinschaftlichen  Zollgrenze  erforderlich  sind.

Artikel  36.
Die  Erhebung  und  Verwaltung  der  Zölle  und  Verbrauchssteuern  (Art  *8
bieibt
        <pb n="1003" />
        —  827  —

bleibt  jedem  Bundesstaate,  soweit  derselbe  sie  bisher  ausgeübt  hat,  innerhalb  seines
Gebietes  überlassen.

Das  Bundespräsidium  überwacht  die  Einhaltung  des  gesetzlichen  Verfahrens
  durch  Bundesbeamte,  welche  es  den  Zoll-  oder  Steuerämtern  und  den
Direktivbehörden  der  einzelnen  Staaten,  nach  Vernehmung  des  Ausschusses  des
Bundesrathes  für  Zoll-  und  Steuerwesen,  beiordnet.

Artikel  37.
Der  Bundesrath  beschließt:

1)  über  die  dem  Reichstage  vorzulegenden  oder  von  demselben  angenommenen
  unter  die  Bestimmung  des  Art.  35.  fallenden  gesetzlichen  nor
nungen  einschließlich  der  Handels=  und  Schiffahrtsverträge;

2)  über  die  zur  Ausführung  der  gemeinschaftlichen  Gesetzgebung  (Art.  35.)
dienenden  Verwaltungsvorschriften  und  Einrichtungen

3)  über  Mängel,  welche  bei  der  Ausführung  der  gemeinschaftlichen  Gesetzgebung
  (Art.  35.)  hervortreten;

4)  über  die  von  seiner  Rechnungsbehörde  ihm  vorgelegte  schließliche  Feststellung
  der  in  die  Bunkezkasß  fließenden  Abgaben  (Art.  39.).

Jeder  über  die  Gegenstände  zu  1.  bis  3.  von  einem  Bundesstaate  oder
über  die  Gegenstände  zu  3.  von  einem  kontrolirenden  Beamten  bei  dem  Bundesrathe
  gestellte  Antrag  unterliegt  der  gemeinschaftlichen  Beschlußnahme.  Im
Falle  der  Meinungsverschiedenheit  giebt  die  Stimme  des  Präsidiums  bei  den  zu
I.  und  2.  bezeichneten  alsdann  den  Ausschlag,  wenn  sie  sich  für  Aufrechthaltung
der  bestehenden  Vorschrift  oder  Einrichtung  ausspricht,  in  allen  übrrigen  Fällen
entscheidet  die  Mehrheit  der  Stimmen  nach  dem  in  Artikel  6.  dieser  Verfassung
festgestellten  Stimmverhältniß.

Artikel  38.

Der  Ertrag  der  Zölle  und  der  in  Art.  35.  bezeichneten  Verbrauchsabgaben
fließt  in  die  Bundeskasse.
Dieser  Ertrag  besteht  aus  der  gesammten  von  den  Zöllen  und  Verbrauchsabgaben
  aufgekommenen  Einnahme  nach  Abzug:
1)  der  auf  Gesetzen  oder  allgemeinen  Verwaltungsvorschriften  beruhenden
Steuer-Vergütungen  und  Ermäßigungen;
2)  der  Erhebungs=  und  Verwaltungskosten  und  zwar:
a)  bei  den  Zöllen  und  der  Steuer  von  inländischem  Zucker,  soweit
diese  Kosten  nach  den  Verabredungen  unter  den  Mitgliedern  des
Deutschen  Zoll.  und  Handelsvereins  der  Gemeinschaft  aufgerechnet
werden  konnten;
b)  bei  der  Steuer  von  inländischem  Salze  —  sobald  solche,  sowie  ein
(Tr.  6690.  109“  Zoll
        <pb n="1004" />
        —  828  —

Zoll  von  ausländischem  Salze  unter  Aufhebung  des  Salzmonopols
eingeführt  sein  wird  —  mit  dem  Betrage  der  auf  Salzwerken  er—
wachsenden  Erhebungs=  und  Aussichtskosten;

WO0)  bei  den  übrigen  Steuern  mit  funfzehn  Prozent  der  Gesammteinnahme.

Die  außerhalb  der  gemeinschaftlichen  Zollgrenze  liegenden  Gebiete  tragen
zu  den  Bundesausgaben  durch  Zahlung  eines  Aversums  bei.

Artikel  39.

Die  von  den  Erhebungsbehörden  der  Bundesstaaten  nach  Ablauf  eines
jeden  Vierteljahres  aufustellenden  Quartalextrakte  und  die  sach  dem  Jahres-  und
Böcherschsse  aufzustellenden  Finasabschlüfs  über  die  im  Laufe  des  Vierteljahres
beziehungsweise  während  des  Rechnungsjahres  fällig  gewordenen  Einnahmen  an
Zöllen  und  Verbrauchsabgaben  werden  von  den  Ji  sbeivbehrden  der  Bundesstaaten,
  nach  vorangegangener  Prüfung,  in  Hauptübersichten  zusammengestellt
und  diese  an  den  Ausschuß  des  Bundesrathes  für  das  Rechnungswesen  eingesandt.

Der  Letztere  stellt  auf  Grund  dieser  Uebersichten  von  drei  zu  drei  Monum
den  von  der  Kasse  jedes  Bundesstaates  der  Bundeskasse  schuldigen  Betrag  vorläufig
  fest  und  setzt  von  dieser  Feststellung  den  Bundesrath  und  die  Bundesstaaten
in  Kenntniß,  legt  auch  alljährlich  die  Roltezuiche  Feststellung  jener  Beträge  mit
seinen  Bemerkungen  dem  Bundesrathe  zur  Beschlußnahme  vor.

Artikel  40.

Die  Bestimmungen  in  dem  Jolvvereinigungs-Vertrage  vom  16.  Mai  1865.,
in  dem  Vertrage  über  die  gleiche  Besteuerung  innerer  Erzeugnisse  vom  28.  Juni
1864.,  in  dem  Vertrage  über  den  Verkehr  mit  Taback  und  Wein  von  demselben
Tage  und  im  Artikel  2.  des  Zoll=  und  Anschlußvertrages  vom  11.  Juli  1864,,
desgleichen  in  den  Thüringischen  Vereinsverträgen  bleiben  zwischen  den  bei  diesen
Verträgen  betheiligten  Bundesstaaten  in  Kraft,  soweit  sie  nicht  durch  die  Vorschriften
  der  gegenwärtigen  Verfassung  abgeändert  sind  und  so  lange  sie  nicht  auf
dem  im  Arti  Tf  37  vorgezeichneten  Vin  abgeändert  werden.

Mit  diesen  Beschränkungen  finden  die  Bestimmungen  des  Zollvereinigungsvertrages
  vom  16.  Mai  1865.  auch  auf  deesenigen  Bundesstaaten  und  Gebietstheile
  Anwendung,  welche  dem  Deutschen  Joll=  und  Handelsvereine  zur  Zeit
nicht  angehören.

VII.
Eisenbahnwesen.

Artikel  41.

Eisenbahnen,  welche  im  Interese  der  Vertheidigung  des  Bundesgebietes
oder  im  Interesse  des  gemeinsamen  Verkehrs  für  nothwendig  erachtet  werden,
können  kraft  eines  Bundesgesetzes  auch  gegen  den  Widerspruch  der  Bundesglieder,

deren
        <pb n="1005" />
        —  829  —

deren  Gebiet  die  Eisenbahnen  durchschneiden,  unbeschadet  der  Landeshoheitsrechte,
für  Rechnung  des  Bundes  angelegt  oder  an  Privatunternehmer  zur  Ausführung
konzessionirt  und  mit  dem  Expropriationsrechte  ausgestattet  werden.

Jede  bestehende  Eisenbahnverwaltung  ist  verpflichtet,  sich  den  Anschluß  neu
angelegter  Eisenbahnen  auf  Kosten  der  letzteren  gefallen  zu  lassen.

Die  gesetzlichen  Bestimmungen,  welche  bestehenden  Eisenbahn-Unternehmungen
ein  Widerspruchsrecht  gegen  die  Anlegung  von  Parallel-  oder  Konkurrenzbahnen
einräumen,  werden,  unbeschadet  bereits  erworbener  Rechte,  für  das  ganze  Bundesgeoc
  hierdurch  aufgehoben.  Ein  solches  Widerspruchsrecht  kann  auch  in  den

ünftig  zu  ertheilenden  Konzessionen  nicht  weiter  verliehen  werden.

 

Artikel  42.

Die  Bundesregierungen  verpflichten  sich,  die  im  Bundesgebiete  belegenen
Eisenbahnen  im  Interesse  des  allgemeinen  Verkehrs  wie  ein  einheitliches  Netz
verwalten  und  zu  diesem  Behuf  auch  die  neu  herzustellenden  Bahnen  nach  einheitlichen
  Normen  anlegen  und  ausrüsten  zu  lassen.

Artikel  43.

Es  sollen  demgemäß  in  thunlichster  Beschleunigung  übereinstimmende  Betriebseinrichtungen
  getroffen,  insbesondere  gleiche  Bahnpolizei-Reglements  eingeführt
werden.  Der  Bund  hat  dafür  Sorge  zu  tragen,  daß  die  Eisenbahnverwaltungen
die  Bahnen  jederzeit  in  einem,  die  nöthige  Sicherheit  gewährenden  baulichen  *
stande  erhalten  und  dieselben  mit  Betriebsmaterial  so  ausrüsten,  wie  das  Verkehrsbedürfniß
  es  erheischt.

Artikel  44.

Die  Eisenbahnverwaltungen  sind  verpflichtet,  die  für  den  durchgehenden
Verkehr  und  zur  Herstellung  ineinander  greifender  Fahrpläne  nöthigen  Personenzüge
mit  entsprechender  Fahrgeschwindigkeit,  desgleichen  die  zur  Bewältigung  des  Güterverkehrs
  nöthigen  Güterzüge  einzuführen,  auch  direkte  Expeditionen  im  Personenund
  Güterverkehr  unter  Gestattung  des  Leeberganges  er  Transportmittel  von
einer  Bahn  auf  die  andere,  gegen  die  übliche  Vergütung  einzurichten.

Artikel  45.

Dem  Bunde  steht  die  Kontrole  über  das  Tarifwesen  zu.  Derselbe  wird
namentlich  dahin  wirken:

1)  daß  baldigst  auf  den  Eisenbahnen  im  Gebiete  des  Bundes  übereinstimmende
Betriebsreglements  eingeführt  werden;

2)  daß  die  möglichste  Gleichmäßigkeit  und  Herabsetzung  der  Tarife  erzielt,
insbesondere,  daß  bei  größeren  Entfernungen  für  den  Transport  von
Kohlen,  Koaks,  Holz,  Erzen,  Steinen,  Salz,  Roheisen,  Düngungsmitteln

und  ähnlichen  Gegenständen  ein  dem  Bedürfniß  der  Landwirthschaft  zun

In---(r.

  66900.)
        <pb n="1006" />
        —  830  —

Industrie  entsprechender  ermäßigter  Tarif,  und  zwar  zunächst  thunlichst
der  Ein-Pfennig-Tarif  eingeführt  werde.

Artikel  46.

Bei  eintretenden  Nothständen,  insbesondere  bei  ungewöhnlicher  Theuerung
der  Lebensmittel,  sind  die  Eisenbahnverwaltungen  verpflichtet,  für  den  Transport,
namentlich  von  Getreide,  Mehl,  Hülsenfrüchten  und  Kartoffeln,  zeitweise  einen
dem  Bedürfniß  entsprechenden,  von  dem  Bundespräsidium  auf  Vorschlag  des
betreffenden  Bundesraths-Ausschusses  festzustellenden,  niedrigen  Spezialtarif  einuführen,
  welcher  jedoch  nicht  unter  den  niedrigsten  auf  der  betreffenden  Bahn
für  ohprodukte  geltenden  Satz  herabgehen  darf.

Artikel  47.

Den  Anforderungen  der  Bundesbehörden  in  Betreff  der  Benugtzung  der
Eisenbahnen  zum  Zweck  der  Vertheidigung  des  Bundesgebietes  haben  sammtliche
Eisenbahnverwaltungen  unweigerlich  Folge  zu  leisten.  Insbesondere  ist  das
Militair  und  alles  Kriegsmaterial  zu  gleichen  ermäßigten  Sätzen  zu  befördern.

VIII.
Post--  und  Telegraphenwesen.

Artikel  48.

Das  Postwesen  und  das  Telegraphenwesen  werden  für  das  gesammte
Gebiet  des  Norddeutschen  Bundes  als  einheitliche  Staatsverkehrs-Anstalten  eingerichtet
  und  verwaltet.

Die  im  Artikel  4.  vorgesehene  Gesetzgebung  des  Bundes  in  Post=  und
Telegraphen  Angelegenheiten.  erstreckt  sich  nicht  auf  diejenigen  Gegenstände,  deren
Rezelung  nach  den  gegenwärtig  in  der  Preußischen  Post=  und  legraphenrr
waltung  maaßgebenden  Grundsätzen,  der  reglementarischen  Festsetzung  oder  administrativen
  Anordnung  überlassen  ist.

Artikel  49.

Die  Einnahmen  des  Post.  und  Telegraphenwesens  sind  für  den  ganzen
Bund  gemeinschaftlich.  Die  Ausgaben  werden  aus  den  gemeinschaftlichen  "
nahmen  bestritten.  Die  Ueberschüsse  fließen  in  die  Bundeskasse  (Abschnitt  XII.).

Artikel  50.

Dem  Bundespräsidium  gehört  die  obere  Leitung  der  Post=  und  Telegraphenverwaltung
  an.  Dasselbe  au  die  Pflicht  und  das  Recht,  dafür  zu  sorgen,
daß  Einheit  in  der  Organisation  der  Verwaltung  und  im  Betriebe  des  Dienstes,
sowie  in  der  Qualifikation  der  Beamten  hergestellt  und  erhalten  wird.
        <pb n="1007" />
        —  831  —

Das  Präsidium  hat  für  den  Erlaß  der  reglementarischen  Festsetzungen  und
allgemeinen  administrativen  Anordnungen,  sowie  für  die  ausschließliche  Wahrnehmung
  der  Beziehungen  zu  anderen  Deutschen  oder  außerdeutschen  Post=  und
Telegraphenverwaltungen  Sorge  zu  tragen.

ämmtliche  Beamte  der  Post=  und  Telegraphenverwaltung  sind  verpflichtet,
den  Anordnungen  des  Bundespräsidiums  Folge  zu  leisten.  Diese  Verpflichtung
ist  in  den  Diensteid  aufuunehmen,  ·

Die  Anstellung  der  bei  den  Verwaltungsbehörden  der  Post  und  Teleraphie
  in  den  verschiedenen  Bezirken  erforderlichen  oberen  Beamten  (z.  B.  der
irektoren,  Räthe,  Ober-Inspektoren),  ferner  die  Anstellung  der  zur  Wahrnehmung

des  Aufsichts=  u.  s.  w.  Dienstes  in  den  einzelnen  Bezirken  als  Organe  der  erwähnten
  Behörden  fungirenden  Post=  und  Telegraphenbeamten  (z.  B.  Inspektoren,
Kontroleure)  geht  für  das  ganze  Gebiet  des  Norddeutschen  Bundes  von  dem
Präsidium  aus,  welchem  diese  Beamten  den  Diensteid  leisten.  Den  einzelnen
Landesregierungen  wird  von  den  in  Rede  stehenden  Ernennungen,  soweit  dieselben
ihre  Gebiete  betreffen,  Behufs  der  landesherrlichen  Bestätigung  und  Publikation
rechtzeitig  Mittheilung  gemacht  werden.

Die  anderen  bei  den  Verwaltungsbehörden  der  Post  und  Telegraphie  erforderlichen
  Beamten,  sowie  alle  für  den  lokalen  und  technischen  Betrieb  bestimmten,
  mithin  bei  den  Sigemlichen  Betriebsstellen  fungirenden  Beamten  u.  s.  w.
werden  von  den  betreffenden  Landesregierungen  an  cbell

Wo  eine  selbstständige  Landes-Post=  resp.  Telegraphen-Verwaltung  nicht
besteht,  entscheiden  die  Besimmumgen  der  besonderen  Verträge.

Artikel  51.

Zur  Beseitigung  der  Zersplitterung  des  E  und  Telegraphenwesens  in
den  Hansestädten  wird  die  Verwaltung  und  der  Betrieb  der  verschiedenen  dort
befindlichen  staatlichen  Post=  und  Telegraphen-Anstalten  nach  näherer  Anordnung
des  Bundespräsidiums,  welches  den  Senaten  Gelegenheit  zur  Aeußerung  ihrer
Hiraul  bezüglichen  Wünsche  geben  wird,  vereinigt.  Hinsichts  der  dort  befindlichen
eutschen  Anstalten  ist  diese  Vereinigung  sofort  auszuführen.
Mit  den  außerdeutschen  Regierungen,  welche  in  den  Hansestädten  noch
Postrechte  besitzen  oder  ausüben,  werden  die  zu  dem  vorstehenden  Zweck  nöthigen
ereinbarungen  getroffen  werden.

Artikel  52.

Bei  Ueberweilung  des  Ueberschusses  der  Postverwaltung  für  allgemeine
Bundeszwecke  (Artikel  49.)  soll,  in  Betracht  der  bisherigen  Verschiedenheit  der
von  den  Landes-Postverwaltungen  der  einzelnen  Gebiete  erzielten  Rein-Einnahmen,
zum  Zwecke  einer  entsprechenden  Ausgleichung  während  der  unten  festgesetzten
lebergangszeit  folgendes  Verfahren  beobachtet  werden.

Aus  den  Postuberschussen,  welche  in  den  einzelnen  Postbezirken  während
der  fünf  Jahre  1861.  bis  1865.  ausgekommmen.  sind,  wird  ein  durchschnittlicher
Jahresüberschuß  berechnet,  und  der  Antheil,  welchen  jeder  einzelne  Postbezirk

(Nr.  6690.  an
        <pb n="1008" />
        —  832  —

an  dem  für  das  gesammte  Gebiet  des  Norddeutschen  Bundes  sich  darnach  herausstellenden
  Postüberschusse  gehabt  hat,  nach  Prozenten  festgestellt.

Nach  Maaßgabe  des  auf  diese  Weise  festgestellten  Verhältnisses  werden  aus
den  im  Bunde  aufkommenden  Postüberschüssen  während  der  nächsten  acht  Jahre
den  einzelnen  Staaten  die  sich  für  dieselben  ergebenden  Quoten  auf  ihre  sonstigen
Beiträge  zu  Bundeszwecken  zu  Gute  gerechnet.

ach  Ablauf  der  acht  Jahre  hört  jene  Unterscheidung  auf,  und  fließen  die
Postüberschüsse  in  ungetheilter  Aufrechnung  nach  dem  in  Artikel  49.  enthaltenen
Grundsatz  der  Bundeskasse  zu.

Von  der  während  der  vorgedachten  acht  Jahre  für  die  Hansestädte  sich  herausstellenden
  Quote  des  Postüberschusses  wird  alljährlich  vorweg  die  Hälfte  dem
Bundespräsidium  zur  Disposition  gestellt  zu  dem  Zwecke,  daraus  zunächst  die
Kosten  für  die  Herstellung  normaler  Posteinrichtungen  in  den  Hansestädten  zu
bestreiten.

IX.

Marine  und  Schiffahrt.

Artikel  53.

Die  Bundes  -Kriegsmarine  ist  eine  einheitliche  unter  Preußischem  Oberbefehl.
  Die  Organisation  und  Zusammensetzung  derselben  liegt  Seiner  Majestät
dem  Könige  von  Preußen  ob,  welcher  die  Offiziere  und  Beamten  der  Marine
ernennt,  und  für  welchen  dieselben  nebst  den  Mannschaften  eidlich  in  Pflicht  zu
nehmen  sind.

Der  Kieler  Hafen  und  der  Jadehafen  sind  Bundes-Kriegshäfen.

Der  zur  Gründung  und  Ehaltung.  der  Kriegsflotte  und  der  damit  zusammenhängenden
  Anstalten  erforderliche  Aufwand  wird  aus  der  Bundezskasse
bestritten.

Die  gesammte  seemännische  Bevölkerung  des  Bundes,  einschließlich  des
Maschinenpersonals  und  der  Schiffshandwerker,  ist  vom  Dienste  im  Landheere
befreit,  dagegen  zum  Dienste  in  der  Bundesmarine  verpflichtet.

Die  Vertheilung  des  Ersatzbedarfes  findet  nach  Maaßgabe  der  vorhandenen
seemännischen  Bevölkerung  statt,  und  die  hiernach  von  jedem  -*n-  gestellte  Quote
kommt  auf  die  Gestellung  zum  Landheere  in  Abrechnung.

Artikel  54.

Die  Kauffahrteischiffe  aller  Bundesstaaten  bilden  eine  einheitliche  Handelsmarine.


Der  Bund  hat  das  Verfahren  zur  Ermittelung  der  Ladungsfähigkeit  der
Seeschiffe  zu  bestimmen,  die  Ausstellung  der  Meßbriefe,  sowie  der  Schiffscertifikate
zu  regeln  und  die  Bedingungen  festusteul,  von  welchen  die  Erlaubniß  zur  Führung
  eines  Seeschiffes  abhängig  ist.  3

In
        <pb n="1009" />
        —  833  —

In  den  Seehäfen  und  auf  allen  natürlichen  und  künstlichen  Wasserstraßen
der  einzelnen  Bundesstaaten  werden  die  Kauffahrteischiffe  simmtcher  Bundesstaaten
gleichmäßig  zugelassen  und  behandelt.  Die  Abgten  welche  in  den  Seehäfen  von
den  Seeschiffen  oder  deren  Ladungen  für  die  Benutzung  der  Schiffahrtsanstalten
erhoben  werden,  dürfen  die  zur  Unterhaltung  und  gewöhnlichen  Herstellung  dieser
Anstalten  erforderlichen  Kosten  nicht  übersteigen.  «

Auf  allen  natürlichen  Wasserstraßen  dürfen  Abgaben  nur  für  die  Benutzung
besonderer  Anstalten,  die  zur  Erleichterung  des  Verkehrs  bestimmt  sind,  erhoben
werden.  Diese  Abgaben,  sowie  die  Abgaben  für  die  Befahrung  solcher  künstlichen
Wasserstraßen,  welche  Staatseigenthum  sind,  dürfen  die  zur  Unterhaltung  und
gewöhnlichen  88  ellung  der  Anstalten  und  Anlagen  erforderlichen  Kosten  nicht
Übersteigen.  uf  die  Scberei  finden  diese  Bestimmungen  insoweit  Anwendung,
als  dieselbe  auf  schiffbaren  Wasserstraßen  betrieben  wird.

Auf  fremde  Schiffe  oder  deren  Ladungen  andere  oder  höhere  Abgaben  zu
legen,  als  von  den  Schiffen  der  Bundesstaaten  oder  deren  Ladungen  zu  entrichten
sind,  steht  keinem  Einzelstaate,  sondern  nur  dem  Bunde  zu.

Artikel  55.
Die  Flagge  der  Kriegs=  und  Handelsmarine  ist  schwarz=  weiß  roth.

X.
Konsulatwesen.

Artikel  56.

Das  gesammte  Norddeutsche  Konsulatwesen  steht  unter  der  Aufsicht  des
Bundespräsidiums,  welches  die  Konsuln,  nach  Vernehmung  des  Ausschusses  des
Bundesrathes  für  Handel  und  Verkehr,  anstellt.

In  dem  Amtsbezirk  der  Bundeskonsuln  dürfen  neue  Landeskonsulate  nicht
errichtet  werden.  Die  Bundeskonsuln  üben  für  die  in  ihrem  Bezirk  nicht  vertretenen
  Bundesstaaten  die  Funktionen  eines  Landeskonsuls  aus.  Die  sämmtlichen
bestehenden  Landeskonsulate  werden  aufgehoben,  sobald  die  Organisation  der  Bundeskonsulate
  dergestalt  vollendet  ist,  dah  die  Vertretung  der  Einzelinteressen  aller
Budestaten.  als  durch  die  Bundeskonsulate  gesichert  von  dem  Bundesrathe  anerkannt
  wird.

XI.
Bundes  Kriegswesen.

Artikel  57.

Jeder  Norddeutsche  ist  wehrpflichtig  und  kann  sich  in  Ausübung  dieser
Plicht  nicht  vertreten  lassen.
JNargang  1867.  (Dr.  000)  110  Ar—
        <pb n="1010" />
        —  834  —

Artikel  58.

Die  Kosten  und  Lasten  des  gesammten  Kriegswesens  des  Bundes  sind  von
allen  Bundesstaaten  und  ihren  Angehörigen  gleichmäßig  zu  tragen,  so  daß  weder
Bevorzugungen,  noch  Prägravationen  einzelner  Staaten  oder  Klassen  grundsätzlich
zulässig  a##  Wo  die  gleiche  Vertheilung  der  Lasten  sich  in  nutura  nicht  herselen
  läßt,  ohne  die  öffentliche  Wohlfahrt  zu  schädigen,  ist  die  Ausgleichung  nach

en  Grundsätzen  der  Gerechtigkeit  im  Wege  der  Gesetzgebung  festzustellen.

Artikel  59.

Jeder  wehrfähige  Norddeutsche  gehört  sieben  Jahre  lang,  in  der  Regel  vom
vollendeten  20.  bis  zum  beginnenden  28.  Lebensjahre,  dem  stehenden  Herre  —
und  zwar  die  ersten  drei  Jahre  bei  den  Fahnen,  die  letzten  vier  Jahre  in  der
Reserve  —  und  die  folgenden  fünf  Lebensjahre  der  Landwehr  an.  In  denjenigen
  Bundesstaaten,  in  denen  bisher  eine  längere  als  wolflährige  Gesammt.
dienstzeit  gesetzlich  war,  findet  die  allmälige  Herabsetzung  der  erpflichtung  nur
in  dem  Maaße  statt,  als  dies  die  Rücksicht  auf  die  Kriegsbereitschaft  des  Bundesheeres
  zuläßt.

In  Bezug  auf  die  Auswanderung  der  Reservisten  sollen  leoigüich  diejenigen
Bestimmungen  maaßgebend  sein,  welche  für  die  Auswanderung  der  Landwehr.
männer  gelten.

Artikel  60.

Die  Friedens-Präsenzstärke  des  Bundesheeres  wird  bis  zum  31.  Dezember
1871.  auf  Ein  Prozent  der  Bevölkerung  von  1867.  normirt,  und  wird  pro  rata
derselben  von  den  einzelnen  Bundesstaaten  gestellt.  Für  die  spätere  Fit  wird
die  Friedens-Präsenzstärke  des  Heeres  im  Wege  der  Bundesgesetzgebung  fest.
gestellt.

Artikel  61.

Nach  Publikation  dieser  Verfassung  ist  in  dem  ganzen  Bundesgebiete  die
esammte  Preußische  Militairgesetzgebung  ungesäumt  einzuführen,  sowohl  die

Gesetz  selbst,  als  die  zu  ihrer  Ausführung,  Erläuterung  oder  Ergänzung  erlassenen
  Reglements,  Instruktionen  und  Restepte,  namentlich  also  das  Militair.
Strafgesetzbuch  vom  3.  April  1845.)  die  Militair-Strafgerichtsordnung  vom
3.  April  1845.,  die  Verordnung  über  die  Ehrengerichte  vom  20.  Juli  184  3.,  die
Bestimmungen  über  Aushebung,  Dienstzeit,  Servis=  und  Verpflegungswesen,  Einquartierung,
  Ersatz  von  Flurbeschädigungen,  Mobilmachung  u.  s.  w.  für  Krieg
und  Frieden.  Die  Militair-Kirchenordnung  ist  jedoch  ausgeschlossen.

Nach  gleichmäßiger  Durchführung  der  Bundes-Kriegsorganisation  wird  das
Bundespräsidium  ein  umfassendes  Bundes-Militairgesetz  dem  Nechstage  und  dem
Bundesrathe  zur  verfassungsmäßigen  Beschlußfassung  vorlegen.

Ar.
        <pb n="1011" />
        —  835  —

Artikel  62.

Zur  Bestreitung  des  Aufwandes  für  das  gesammte  Bundesheer  und  die

8  demselben  gehörigen  Einrichtungen  sind  bis  zum  31.  Dezember  1871.  dem

undesfeldherrn  jährlich  sovielmal  225  Thaler,  in  Worten  zweihundert  fünf

und  zwanzig  Thaler,  als  die  Kopfzahl  der  Friedensstärke  des  Heeres  nach  Artikel  60.
beträgt,  zur  Verfügung  zu  stellen.  Vergl.  Abschnitt  XIl.

Die  Zahlung  dieser  Beiträge  beginnt  mit  dem  ersten  des  Monats  nach
Publikation  der  Bundesverfassung.

Nach  dem  31.  Dezember  1871.  müssen  diese  Beträge  von  den  einzelnen
Staaten  des  Bundes  zur  Bundeskasse  serbhezh  werden.  Zur  Berechnung  derselben
  wird  die  im  Artikel  60.  interimistisch  festgestellte  Friedens-  Präsenzstärke  so
lange  festgehalten,  bis  sie  durch  ein  Bundesgesetz  abgeändert  ist.

Die  Verausgabung  dieser  Summe  für  das  gesammte  Bundesheer  und
dessen  Einrichtungen  wird  durch  das  Etatsgesetz  festgesiell

Bei  der  Feststellung  des  Militair-Ausgabe-Etats  wird  die  auf  Grundlage
dieser  Verfassung  gesetzlich  feststehende  Organisation  des  Bundesheeres  zu
Grunde  gelegt.

Artikel  63.

Die  gPesanmte  Landmacht  des  Bundes  wird  ein  einheitliches  Heer  bilden,
welches  in  Krieg  und  Frieden  unter  dem  Befehle  Seiner  Majestät  des  Königs
von  Preußen  als  Bundesfeldherrn  steht.

Die  Regimenter  „c.  führen  fortlaufende  Nummern  durch  die  ganze  Bundes-Armee.
  Für  die  Bekleidung  sind  die  Grundfarben  und  der  Schnitt  der  Königlich
Preußischen  Armee  maaßgebend.  Dem  betreffenden  Kontingentsherrn  bleibt  es
überlassen,  die  äußeren  Abzeichen  (Kokarden  2c.)  zu  bestimmen.

Der  Bundesfeldherr  hat  die  Pflicht  und  das  Recht,  dafür  Sorge  zu  tragen,
daß  innerhalb  des  Bundesheeres  alle  Truppentheile  vollzählig  und  kriegstüchtig
vorhanden  sind  und  daß  Einheit  in  der  Organisation  und  Vormation,  in  Bewaffnung
  und  Kommando,  in  der  Ausbildung  der  Mannschaften,  sowie  in  der
Qualifikation  der  Offziere  hergestellt  und  erhalten  wird.  Zu  diesem  Behufe  ist
der  Bundesfeldherr  berechtigt,  sich  jederzeit  durch  Inspektionen  von  der  Verfassung
der  einzelnen  Kontingente  zu  überzeugen  und  die  Abstellung  der  dabei  vorgefundenen
  Mängel  anzuordnen.

Der  Bundesfeldherr  bestimmt  den  Präsenzstand,  die  Gliederung  und  Eintheilung
  der  Kontingente  der  Bundesarmee,  sowie  die  Organisation  der  Landwehr,
  und  hat  das  Recht,  innerhalb  des  Bundesgebietes  die  Garnisonen  zu  bestimmen,
  sowie  die  kriegsbereite  Aufstellung  eines  jeden  Theils  der  Bundesarmee
anzuordnen.

(Nr.  6690.)  110“  Be-
        <pb n="1012" />
        —  836  —

Behufs  Erhaltung  der  unentbehrlichen  Einheit  in  der  Administration,  Verpflegung,
  Bewaffnung  und  Ausrüstung  aller  Truppentheile  des  Bundesheeres
sind  die  bezüglichen  künftig  ergehenden  Anordnungen  für  die  Preußische  Armee  den
Kommandeuren  der  übrigen  Bundeskontingente,  durch  den  Artikel  8.  Nr.  I1.  bezeichneten
  Ausschuß  für  das  Landheer  und  die  Festungen,  zur  Nachachtung  in
geeigneter  Weise  mitzutheilen.

Artikel  64.

Alle  Bundestruppen  sind  verpflichtet,  den  Befehlen  des  Bundesfeldherrn
inbeninnt  Folge  zu  leisten.  Diese  Verpflichtung  ist  in  den  Fahneneid  aufzunehmen.
  .

Der  Höchstkommandirende  eines  Kontingents,  sowie  alle  Offiziere,  welche
Truppen  mehr  als  eines  Hontingents  befehligen,  und  alle  Festungskommandanten
  werden  von  dem  Bundesfeldherrn  ernannt.  Die  von  Demselben  ernannten
Offiziere  leisten  Ihm  den  Fahneneid.  Bei  Generalen  und  den  Generalstellungen
versehenden  Offizieren  innerhalb  des  Bundeskontingents  ist  die  Ernennung  von
der  jedesmaligen  Zustimmung  des  Bundesfeldherrn  abhängig  zu  machen.

Der  Bundesfeldherr  ist  berechtigt,  Behufs  Versetzung  mit  oder  ohne  Beförderung
  für  die  von  ihm  im  Bundesdienste,  sei  es  im  Preußischen  Heere,  oder
in  anderen  Kontingenten  zu  besetzenden  Stellen  aus  den  Offizieren  aller  Kontingente
des  Bundesheeres  zu  wählen.  ·  "

Artikel  65.

Das  Recht,  Festungen  innerhalb  des  Bundesgebietes  anzulegen,  steht  dem
Bundesfeldherrn  zu,  welcher  die  Vewilligung  der  dazu  erforderlichen  Mittel,  soweit
das  Ordinarium  sie  nicht  gewährt,  nach  Abschnitt  XII.  beantragt.

Artikel  66.

Wo  nicht  besondere  Konventionen  ein  Anderes  bestimmen,  ernennen  die
Bundesfürsten,  beziehentlich  die  Senate  die  Offiziere  ihrer  Kontingente,  mit  der  Ein.
schränkung  des  Artikels  64.  Sie  sind  Chefs  aller  ihren  Gebieten  angehörenden
barnee  und  genießen  die  damit  verbundenen  Ehren.  Sie  haben  namentlich
  das  Recht  der  Inspizirung  zu  jeder  Zeit  und  erhalten,  außer  den  regelmäßigen
Rapporten  und  Meldungen  über  vorkommende  Veränderungen,  Behufs  der  nöthigen
landesherrlichen  Publikation,  rechtzeitige  Mittheilung  von  den  die  betreffenden
Truppentheile  berührenden  Avancements  und  Ernennungen.

·  Auch  steht  ihnen  das  Recht  zu,  zu  polizeilichen  Zwecken  nicht  blos  ihre

eigenen  Truppen  zu  verwenden,  sondern  auch  alle  anderen  Truppentheile  der

Bundesarmee,  welche  in  ihren  Ländergebieten  dislocirt  sind,  zu  requiriren.  u
1.
        <pb n="1013" />
        —  837  —

Artikel  67.

Ersparnisse  an  dem  Militairetat  fallen  unter  keinen  Umständen  einer  einzelnen
  Regierung,  sondern  jederzeit  der  Bundeskasse  zu.

Artikel  68.

Der  Bundesfeldherr  kann,  wenn  die  öffentliche  Sicherheit  in  dem  Bundesgebiete
  bedroht  ist,  einen  jeden  Theil  desselben  in  Kriegszustand  erklären.  Bis
ge  Erlaß  eines  die  Voraussetzungen,  die  Form  der  Verkündigung  und  die

irkungen  einer  solchen  Erklärung  regelnden  Bundezgesetzes  gelten  dafür  die

Vorsrsten  des  Preußischen  Gesetzes  vom  4.  Juni  1851.  (Gesetz-Samml.  für
1851.  S.  451.  ff.)
XII.
Bundesfinanzen.

Artikel  69.

anschlagt  und  auf  den  Bundeshaushaltsetat  gebracht  werden.  Letzterer  wird
omns  egimn  des  Etatsjahres  nach  folgenden  Grundsätzen  durch  ein  Geset  festgestellt.


Alle  Einnahmen  und  ono  des  Bundes  müssen  für  jedes  Jahr  ver-Artikel

  70.

Zur  Bestreitung  aller  gemeinschaftlichen  Ausgaben  dienen  zunächst  die
etwaigen  Ueberschüsse  der  Vorjahre,  sowie  die  aus  den  Jöllen,  den  gemeinschaftlichen
  Verbrauchssteuern  und  aus  dem  Post=  und  Telegraphenwesen  fließenden
gemeinschaftlichen  Einnahmen.  Insoweit  dieselben  durch  diese  Einnahmen  nicht
gedeckt  werden,  find  sie,  so  lange  Bundessteuern  nicht  eingeführt  sind,  durch  Beiträge
  der  einzelnen  Bundesstaaten  nach  Maaßgabe  ihrer  Bevölkerung  aufzubringen,
welche  bis  zur  Höhe  des  budgetmäßigen  Betrages  durch  das  Präsidium  ausgeschrieben
  werden.

Artikel  71.

Deie  gemeinschaftlichen  Ausgaben  werden  in  der  Regel  für  ein  Jahr  bewiligt
  können  jedoch  in  besonderen  Fällen  auch  für  eine  längere  Dauer  bewilligt
werden.

(Nr.  660.)  Wäh-
        <pb n="1014" />
        —  838  —

Während  der  im  Art.  60.  normirten  Uebergangszeit  ist  der  nach  Titeln
geordnete  Etat  über  die  Ausgaben  für  das  Bundesheer  dem  Bundesrathe  und
dem  Reichstage  nur  zur  Kenntnißnahme  und  zur  Erinnerung  vorzulegen.

Artikel  72.

Ueber  die  Verwendung  aller  Einnahmen  des  Bundes  ist  von  dem  Präsidim
  dem  Bundesrathe  und  dem  Reichstage  zur  Entlastung  jährlich  Rechnung
zu  legen.

Artikel  73.

In  Fällen  eines  außerordentlichen  Bedürfnisses  können  im  Wege  der
Bundesgesetzgebung  die  Aufnahme  einer  Anleihe,  sowie  die  Uebernahme  einer
Garantie  zu  Lasten  des  Bundes  erfolgen.

XIII.
Schlichtung  von  Streitigkeiten  und  Strafbestimmungen.

Artikel  74.

Jedes  Unternehmen  gegen  die  Geisten,  die  Integrität,  die  Sicherheit  oder
die  Verfassung  des  Norddeutschen  Bundes,  endlich  die  Beleidigung  des  Bundes.
rathes,  des  Reichstages,  eines  Mitgliedes  des  Bundesrathes  oder  des  Neichstages,
einer  Behörde  oder  eines  öffentlichen  Beamten  des  Bundes,  während  dieselben
in  der  Ausübung  ihres  Berufes  begriffen  sind  oder  in  Beziehung  auf  ihren
Beruf,  durch  Wort,  Schrift,  Druck,  Zeichen,  bildliche  oder  andere  Darstellung,
werden  in  den  einzelnen  Bundesstaaten  beurtheilt  und  bestraft  nach  Maaßgabe  der
in  den  letzteren  bestehenden  oder  künftig  in  Wirksamkeit  tretenden  Gesetze,  nach
welchen  eine  gleiche  gegen  den  einzelnen  Bundesstaat,  seine  Versassung  seine
Kammern  oder  Stände,  seine  Kammer=  oder  Ständemitglieder,  seine  Behörden
und  Beamten  begangene  Handlung  zu  richten  wäre.

Artikel  75.

Für  dejenigen  in  Art.  7  4.  bezeichneten  Unternehmungen  gegen  den  Norddeutschen
  Bund,  welche,  wenn  gegen  einen  der  einzelnen  Bundesstaaten  gerichtet,
als  Hochverrath  oder  Landesverrath  zu  qualifijiren  wären,  ist  das  gemennschast

liche
        <pb n="1015" />
        —  839  —

liche  Ober-Appellationsgericht  der  drei  freien  und  Hansestädte  in  Lübeck  die  zuständige
  Spruchbehörde  in  erster  und  letzter  Instanz.

Die  näheren  Bestimmungen  über  die  Zuständigkeit  und  das  Verfahren  des
Ober-Appellationsgerichts  erfolgen  im  Wege  der  Bundesgesetzgebung.  Bis  zum
Erlasse  eines  Bundesgesetzes  bewendet  es  bei  der  seitherigen  Zuständigkeit  der
Gerichte  in  den  einzelnen  Bundesstaaten  und  den  auf  das  Verfahren  dieser
Gerichte  sich  beziehenden  Bestimmungen.

Artikel  76.

Streitigkeiten  zwischen  verschiedenen  Bundesstaaten,  sofern  dieselben  nicht
privatrechtlicher  Natur  und  daher  von  den  kompetenten  Gerichtsbehörden  zu
entscheiden  sind,  werden  auf  Anrufen  des  einen  Theils  von  dem  Bundesratbe
erledigt.

Verfassungsstreitigkeiten  in  solchen  Bundesstaaten,  in  deren  Verfassun
nicht  eine  Behörde  zur  Entscheidung  solcher  Streitigkeiten  bestimmt  ist,  hat  au
Anrufen  eines  Theiles  der  Bundesrath  gütlich  auszugleichen  oder,  wenn  das
nicht  gelingt,  im  Wege  der  Bundesgesetzgebung  zur  Erledigung  zu  bringen.

Artikel  77.

Wenn  in  einem  Bundesstaate  der  Fall  einer  Justizverweigerung  eintritt,
und  auf  gesetzlichen  Wegen  ausreichende  Hülfe  nicht  erlangt  werden  kann,  so  liegt
dem  Bundesrathe  ob,  erwiesene,  nach  der  Verfassung  und  den  bestehenden  Gesetzen
  des  betreffenden  Bundesstaates  zu  beurtheilende  Beschwerden  über  verweigerte
oder  gehemmte  Rechtepflege  anzunehmen,  und  darauf  die  gerichtliche  Hülfe  bei
der  Bundesregierung,  die  zu  der  Beschwerde  Anlaß  gegeben  hat,  zu  bewirken.

XIV.
Allgemeine  Bestimmung.

Artikel  78.

Veränderungen  der  Verfassung  erfolgen  im  Wege  der  Gesetzgebung,  jedoch
ist  zu  denselben  im  Bundesrathe  eine  Mebchen  von  zwei  Dritteln  der  vertretenen
Stimmen  erforderlich.

(Nr.  6690)  XV.
        <pb n="1016" />
        —  810  —

XV.
Verhältniß  zu  den  Süddeutschen  Staaten.

Artikel  79.

Die  Beziehungen  des  Bundes  #u  den  Süddeutschen  Staaten  werden  sofort
nach  Feststellung  der  Verfassung  des  Norddeutschen  Bundes,  durch  besondere  dem
Reichstage  zur  Genehmigung  vorzulegende  Verträge,  geregelt  werden.

Der  Eintritt  der  Süddeutschen  Staaten  oder  eines  derselben  in  den  Bund
erfolgt  auf  den  Vorschlag  des  Bundespräsidiums  im  Wege  der  Bundesgesetzgebung.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  24.  Juni  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1017" />
        —  841  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  57,  —

 

(Nr.  6691.)  Verordnung,  betreffend  die  Aufhebung  des  §.  27.  Ziffer  2.  der  Königlich
Hannoverschen  Verordnung  vom  9.  Mai  1823.  über  die  bäuerlichen  Verhältnisse
  in  der  niedern  Grafschaft  Lingen.  Vom  I.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ##
verordnen,  was  folgt:

Die  Vorschrift  im  §.  27.  unter  Ziffer  2.  der  Königlich  Hannoverschen  Verordnung
  vom  9.  Mai  1823.,  betreffend  die  bäuerlichen  Verhältnisse  in  der  niedern
Grafschaft  Lingen,  wird  hierdurch  aufgehoben.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  1.  Juni  1867.

(#.  )Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

Jehrzon  1807.  (Nr.  6691—092)  111  (Nr.  6692,)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  26.  Juni  1867.
        <pb n="1018" />
        —  842  —

(Nr.  6692.)  Verordnung)  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen  Gesetzgebung  in  Betreff
der  direkten  Steuern  in  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen,  Bezirksamt
Gersfeld  und  Landgerichtsbezirk  Orb  ohne  Aura.  Vom  24.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u1V

verordnen  für  die  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten,  durch  F.  1.  der  Verordnung
vom  22.  Februar  1867.  (Gesetz  Samml.  für  1867.  S.  58  dem  Regierungsbezirke
  Kassel  zugetheilten,  vormals  Baperischen  Gebietstheile,  Bezirksamt  Gersfeld
und  h  tsbezirk  Orb  ohne  Aura,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,
was  folgt:

S.  1.
Vom  1.  Juli  1867.  ab  werden  folgende  zur  Zeit  bestehende  direkte  Staatssteuern
  aufgehoben:
1)  die  Häusersteuer,
2)  die  Einkommensteuer,
3)  die  Kapitalrentensteuer,
4)  die  Gewerbesteuer.

KC.  2.

An  Stelle  der  in  Wegfall  kommenden  Steuern  sind  von  dem  im  (.  1.
bezeichneten  Zeitpunkte  ab  zu  erheben:

1)  die  durch  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.  für  1861.
S.  317.)  eingeführte  Gebäudesteuer;

2)  die  durch  das  Gesetz  vom  1.  Mai  1851.  (Geses.  Sammi.  für  1851.
S.  193.)  eingeführte  Klassen-  und  klassifzirte  Einkommensteuer;

3)  die  durch  das  Gesetz  vom  30.  Mai  1820.  (Gesetz  Samml.  für  1820.
S.  147.)  und  das  einig  Abänderungen  des  letzteren  betreffende  Geset
vom  19.  Juli  1861.  (Gesetz-Samml.  für  1861.  S.  697.)  eingeführte
Gewerbesteuer;

und  werden  zu  diesem  Behufe  die  vorbezeichneten  Preußischen  Gesetze  nebst  allen  die.
selben  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  gesetzlichen  Vorschriften  eingefühn.

K.  3.

Die  Grundsteuer  von  den  Liegenschaften  ist  in  Gemäßheit  des  Gesetzes  vom

21.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.  für  1861.  S.  253.),  betreffend  die  anderweite
Regelung  der  Grundsteuer,  und  der  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden  und
abändernden  Vorschriften,  anderweit  zu  veranlagen,  und  die  Gründsteuer-Hauptumme
        <pb n="1019" />
        —  843  —

summe  für  die  vormals  Bayerischen  Gebietstheile  in  verhältnißmäßiger  Gleichheit
mit  den  Grundsteuer-Hauptsummen  der  altländischen  Provinzen  festzustellen.

Bei  den  zu  letzterem  Zweck  auszuführenden  Vermessungs=  und  Kartirungsarbeiten
  ist  nach  Anleitung  der  Behufs  Ausführung  des  vorgedachten  Gesehes
ergangenen  Vorschriften  zu  verfahren.

Dagegen  bleibt  die  Bestimmung  darüber,  unter  welchen  besonderen  Maaßgaben
  das  mehrgedachte  Gesch  sowie  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1861.,  betreffend
ie  für  die  Mubetung  der  Grundsteuer-Befreiungen  und  Bevorzugungen  zu  gewährende
  Entschädigung  (Gesetz-Samml.  für  1861.  S.  327.),  zur  Ausführung
zu  bringen,  und  die  Bestimmung  des  Zeitpunktes,  mit  welchem  die  neu  zu  veranlagende
  Grundsteuer  gegen  Wegfau  der  bestehenden  Grundsteuer  in  Hebung
zu  setzen,  einem  besonderen  Gesetze  vorbehalten.

Bis  zu  diesem  Zeitpunkt  ist  die  bestehende  Grundsteuer  mit  der  Beschränkung
  fort  zu  erheben,  daß  vom  1.  Juli  1867  ab

a)  diejenigen  Grundsteuerbeträge,  welche  speziell  auf  den  Grundflächen  der
Gebäude  nebst  den  dazu  gehörigen  Hofräumen  und  nicht  über  Einen
Preußischen  Morgen  großen  Hausgärten  haften,  außerdem  aber

b)  die  zu  der  eigentlichen,  auf  den  Liegenschaften  ruhenden,  zu  2  3.  Simpel
bemessenen  Grundsteuer  seither  für  Staatszwecke  erhobenen  Zuschläge

außer  Hebung  gesetzt  werden.
S.  4.

Bis  die  in  der  Verordnung  vom  22.  Februar  1867.  (Gesetz  Samml.
S.  273.)  bestimmte  anderweite  Organisation  der  Verwaltungsbehörden  im  Reierungsbezirk
  Kassel  erfolgt  sein  wird,  sind  die  Funktionen,  welche  nach  den  im
2.  bezeichneten  Gesetzen  den  Regierungen  obliegen,  von  dem  Ober-Steuerollegium
  zu  Kassel  unter  Theilnahme  eines  Kommissars  des  Finanzministers,
welchem  insbesondere  die  obere  Leitung  der  Veranlagungsarbeiten  obliegt,  wahrzunehmen.


Die  Funktionen  der  Landräthe  fallen  bis  auf  Weiteres  den  dem  Ober-Steuerkollegium
  untergeordneten  Beamten  oder  besonders  zu  berufenden  Kommissarien
  zu.

2

Einsweien  und  so  lange  eine  kreis=  und  provinzialständische  Verfassung

nach  den  Grundsätzen  der  Preußsschen  Gesetzgebung  im  vormaligen  Kurfürstenthum

Kesien  und  den  vormals  Bayerischen  Gebieten  nicht  eingeführt  ist,  treten  folgende
estimmungen  in  Kraft:

a)  die  Veranlagung  der  Gebäudesteuer,  sowie  der  Klassen=  und  klafsifizirten
Einkommensteuer  erfolgt  innerhalb  der  zu  diesem  Zweck  zu  bildenden
Veranlagungsbezirke  nach  den  für  die  Veranlagung  der  direkten  Steuern

(Xr.  6692.)  111“  in
        <pb n="1020" />
        –  844  —

in  Kurhessen  bestehenden  Gesetzen  und  Grundsätzen,  insbesondere  nach
den  Vorschriften  in  den  §§6.  6.  und  7.  des  Gesetzes  vom  15.  Dtymbe
1853.,  die  Klassensteuer  betreffend  (Kurhessische  Gesetz-Samml.  für
1853.  S.  156.),  und  im  §.  5.  des  hessischen  Gesetzes  vom  15.  Dezember
  1853.  wegen  Besteuerung  des  Grundeigenthums  (Kurhessische
Gesch  Samml.  für  1853.  S.  155.)  unter  denjenigen  Abänderungen,
welche  durch  die  Verschiedenheit  der  Steuergesetze  selbst  und  deren  Grundlagen
  geboten  erscheinen  und  in  der  vom  Finanzminister  dieserhalb  zu
erlassenden  Anweisung  besonders  festzustellen  sind;

b)  die  nach  F.  5.  zu  b.  der  Verordnung  vom  28.  April  1867.  betreffend
die  Einführung  der  Preußischen  rgn  in  Betreff  der  direkten
Steuern  im  Gebiete  des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hessen  (Gesetz-Samml.
  für  1867.  S.  538.),  zur  Entscheidung  über  Reklamationen  und
Berufungen  gegen  die  Einschätzung  zur  klassifizirten  Einkommensteuer  zu
bildende  Bezirkskommission  hat  zugleich  die  Funktionen  der  letzteren  fm
die  vormals  Bayerischen  Gebietstheile  wahrzunehmen

J)  die  bei  der  Veranlagung  mitwirkenden  Kommissionsmitglieder  haben  statt
der  in  den  Preußischen  Gesetzen  bestimmten  Reisekosten  und  Tagegelder
die  bisher  in  Kurhessen  üblichen  Entschädigungen  zu  beziehen.

C.  6.
Hinsichtlich  der  Gebäudesteuer  sind  nachstehende  Vorschriften  zu  beachten:

a)  der  mittlere  fähriiche  Miethswerth  der  Gebäude  (F.  6.  des  Gesetzes  vom
21.  Mai  1861.,  betreffend  die  Einführung  einer  allgemeinen  Gebäudese,
  ist  nach  dem  Durchschnitt  der  Jahre  1853.  bis  1862.  einschließlich
estzustellen;

b)  die  Bekanntmachung  des  Ergebnisses  der  Veranlagung  an  die  Eigenthümer
  geschieht  durch  Offenlegung  der  Veranlagungs-Nachweisungen
während  eines  Zeitraumes  von  mindestens  14  Tagen  (F.  10.  Absatz  2.
des  gedachten  Gesetzes);

IP)  die  vierwöchentliche  Reklamationsfrist  E  10.  Absatz  4.  des  gedachten
Gesetzes)  läuft  vom  ersten  Tage  der  Offenlegung  der  Veranlagungs-Nachweisung;


d)  die  in  den  HF.  15.  bis  18.  des  gedachten  Gesetzes  enthaltenen  Vorschriften
  bleiben,  soweit  sie  auf  das  Verfahren  bei  goee  und  Fortschreibung
  eines  Wechsels  in  dem  Eigenthumsverhältniß  an  Gebäuden
und  die  zu  entrichtenden  Fortschreibungsgebühren  sich  beziehen,  einstweilen
außer  Anwendung,  und  statt  derselben  die  Bayerischen  Vorschriften  unt
den  sich  etwa  als  nothwendig  ergebenden,  vom  Finanzminister  festzustellenden
  Maaßgaben  in  Kraft

e)  die  erste  Revision  der  Gebäudesteuer-Veranlagung  #  20.  des  gedachten
Gesetzes)  erfolgt  nn.-  mit  der  ersten  Revision  der  Veranlagung  in
den  älteren  Preußischen  Landestheilen.

g.  *
        <pb n="1021" />
        —  846  —
KC.  7.

Behufs  Veranlagung  der  Gewerbesteuer  werden

a)  die  Eingangs  bezeichneten  Bayerischen  Gebietstheile  in  Gemeinschaft  mit
dem  vormaligen  Kurfürstenthume  Hessen  ¾9l  .  zu  B.  der  Verordnung
vom  28.  April  1867.  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen  Gesetzebung

  in  Betreff  der  direkten  Steuern  im  Gebiete  des  vormaligen  Kursuenn

  Hessen,  Gesetz  Samml.  für  1867.  S.  538.),  der  zweiten
lbtheilung  im  Sinne  der  F  4.  5.  und  8.  des  Gesetzes  vom  19.  Juli
1861.,  betreffend  einige  Abänderungen  des  Gesetzes  wegen  Entrichtung
der  Gewerbesteuer  vom  30.  Mai  1820.,  zugetheilt;

b)  bei  der  ersten  Veranlagung  der  Gewerbesteuer  für  die  nach  Mittelsätzen
in  Gesellschaften  steuernden  Gewerbetreibenden  in  der  vierten  Abtheilung
treten  an  Stelle  der  Kreise  (6.  26.  zu  B.  des  Gesetzes  vom  30.  Mai
1820.  wegen  Entrichtung  der  Gewerbesteuer  und  Nr.  8.  der  Beilage  B.
zu  demselben)  die  zu  desm  Zwecke  zu  bildenden  Veranlagungsbezirke;

Jc)  die  Wahl  der  Abgeordneten  für  die  Klasse  A.  II.  ertzigt  urch  die  in
den  bisherigen  Gewerbesteuerrollen  für  das  Jahr  1867.  vecheichneten
Handeltreibenden  insoweit  dieselben  überhaupt  als  Handeltreibende  im

inne  der  Preußischen  Gewerbesteuer-Gesehebung  anzusehen  sind,  nach
Ausscheidung  der  in  den  Klassen  A.  I.  und  B.

+.  8.
Die  Lahlung  der  neu  veranlagten  direkten  Steuern  darf  durch  Reklamationen
nicht  aufgehalten  werden,  muß  vielmehr,  mit  Vorbehalt  der  späteren  Erstattung
des  zuviel  Gezahlten,  zu  den  bestimmten  Fälligkeitsterminen  erfolgen.

K.  9.

In  Betreff  der  Erhebung  und  Beitreibung  der  direkten  Steuern  kommen,
bis  die  in  dieser  Beziehung  nach  den  Grundsätzen  der  Preußischen  Gesetgebung
und  Verwaltung  zu  treffenden  Einrichtungen  ausgeführt  sein  werden,  die  bisherigen
  Kurhessischen  Bestimmungen  mit  der  Maaßgabe  zur  Anwendung,  daß  die
iue  een  Steuerbeträge  mit  Einschluß  der  noch  in  Hebung  bleibenden  Grundsteuer
.  J.)  in  den  ersten  acht  Tagen  jeden  Monats  an  die  bestimmte  Hebestelle  im

oraus  einzuzahlen  sind,  daß  den  Pflchtigen  jedoch  freisteht,  die  Steuer  auch  für
einen  längeren  Zeitraum  bis  zum  ganzen  Jahresbetrage  im  Voraus  zu  bezahlen.

K.  10.

Bis  die  neu  veranlagten  Steuern  (Gebäudesteuer,  Klassen=  und  klassifizirte
Einkommensteuer,  Gewerbesteuer,  §.  2.  zu  1.  2.  3.)  wirklich  zur  Hebung  gelangen,
sind  die  bestehenden  Steuern  unverändert  fort  zu  entrichten,  vorbehaltlich  einer  Ausgleichung
  der  für  die  Zeit  nach  dem  1.  Juli  1867.  gezahlten  Beträge  mit  den
von  da  ab  zu  entrichtenden  neu  veranlagten  Steuern.

(ir.  6692.)  KS.  11.

zu  Besteuernden.
        <pb n="1022" />
        —  846  —

K.  11.

In  Betreff  der  Verjährung  der  direkten  Steuern  kommen  die  betreffenden
Bestimmungen  des  Gesetzes  vom  18.  Juni  1840.  (Gesetz-Samml.  für  1840.
S.  140.))  nebst  den  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden
Bestimmungen  zur  Anwendung.

Reklamationen  wegen  Steuern,  welche  vor  Publikation  der  gegenwärtigen
Verordnung  entrichtet  worden  sind,  sowie  Nachforderungen  wegen  Steuern  aus
dieser  Zeit,  müssen  bei  Verlust  des  Anspruchs  bis  zum  1.  Juli  1868.  geltend
gemacht  werden.

Für  die  zur  Zeit  der  Publikation  dieser  Verordnung  vorhandenen  Steuerrückstände
  beginnt  die  im  8  8.  des  gedachten  Gesetzes  festgesetzte  vierjährige  Verjährungsfrist
  mit  dem  1.  Januar  1868.

S.  12.

In  Angelegenheiten  der  Veranlagung  und  Handhabung  der  direkten  Steuem
findet  der  Rechtsweg  fortan  nur  insoweit  statt,  als  dies  nach  den  allgemeinen
Grundsätzen  der  Preußischen  Gesetzgebung  zulässig  ist.

-

Mit  dem  1.  Juli  1867.  treten  alle,  die  bisherigen  direkten  Steuern  betreffenden
  Bayerischen  Gesetze  und  Verordnungen,  welche  den  Bestimmungen  der
gegenwirtigen  Verordnung  entgegenstehen,  oder  mit  denselben  nicht  zu  vereinigen
sind,  außer  Kraft.

C.  14.

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt
und  hat  die  zu  diesem  Behufe  erforderlichen  Anweisungen  zu  erlassen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  24.  Juni  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6693.)
        <pb n="1023" />
        –  847  —
(Nr.  6693.)  Gesetz  wegen  Erhebung  der  Maischsteuer  im  Kreise  Wetzlar.  Vom  24.  Inni
1867.

rD  .  *
Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Konig  von  Preußen  rc.
verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  was  folgt:

S.  I.

Statt  des  Steuersatzes  von  Einem  Silbergroschen  von  zwanzig  Quart
Maischraum  bei  jeder  Einmaischung,  welcher  nach  den  Erlassen  vom  3.  Oktober
1826.  (Gesetz  Samml.  S.  87.)  und  7.  Juni  1828.  (Gesetz  Samml.  S.  72.)  im
Kreise  Wetzlar  ausnahmsweise  zur  Erhebung  kommt,  sollen  deklhd  vom  I.  Juli
dieses  Jahres  an  die  durch  die  Verordnung  vom  1.  Juni  1854.  (Gesetz-Samml.
S.  266.)  vorgeschriebenen  Maischsteuersätze  von  drei  Silbergroschen  und  zwei
Silbergroschen  sechs  Pfennigen  für  die  Bereitung  des  Branntweins  aus  Getreide
und  anderen  mehligen  Stoffen  erhoben  werden.

G.  2.

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  24.  Junmi  1867.

(I.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bis  marck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6694.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  8.  April  1867.)  betreffend  die  Einrichtung  von  Königlichen
  Ober-  Postdirektionen  in  Kassel,  Frankfurt  a.  M.  und  Darmstadt.

A##  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  11.  März  d.  J.  genehmige  Ich,
daß  zum  1.  Juli  d.  J.  in  Kassel,  Frankfurt  und  Darmstadt  Königliche  Ober-Postdirektionen
  mit  den  Pflichten  und  Befugnissen  der  gleichartigen,  anderwärts
schon  bestehenden  Behörden  eingerichtet  und  dem  Ministerium  für  Handel,  Gewerbe
  und  öffentliche  Arbeiten  unmittelbar  untergeordnet  werden.
Berlin,  den  8.  April  1867.  "
Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzen  plitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

 

(Nr.  6693—6695.)  (Nr.  6695.)
        <pb n="1024" />
        —  848  —

(Nr.  6695.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  25.  Mai  1867.,  betreffend  die  Vereinigung  des  bisherigen
  Thurn  und  Taxisschen  Postbezirks  mit  dem  gegenwärtigen  Preußischen
  Postgebiete.

Auf  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  15.  d.  M.  genehmige  Ich,  daß
mit  der  vom  1.  Juli  1867.  ab  stattfindenden  Vereinigung  des  Thurn  und
Taxisschen  Postbezirks  mit  dem  gegenwärtigen  Preußischen  Postgebiete  die  Besümmungn
  des  Preußischen  internen  Portotarifs  und  Zeitungsprovisions-Tarifs
auf  den  Austausch  zwischen  dem  gegenwärtigen  Preußischen  #stgebtete  und  dem
bisherigen  Thurn  und  Taxisschen  Postbezirke  ausgedehnt  werden,  daß  die  der
Preußischen  Postverwaltung  beiwohnende  Bestchnit  „über  gewisse  Gegenstände
des  Versendungs-  und  Reiseverkehrs  im  Wege  des  Reglements  die  erforderlichen
Vorschriften  zu  treffen,  ferner  die  dem  Chef  des  Preußischen  Postwesens  zustehende
Befugniß  in  Ansehung  des  Portofreiheitswesens  entsprechend  bei  der  Erweiterun
des  Luit  ens  auch  auf  den  bisherigen  Thurn  und  Taxisschen  Postbezirk  sh
eziehen  sollen.

Berlin,  den  25.  Mai  1867.
Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-  Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdrucker#ei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1025" />
        —  849  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

—  r  58.  —

 

 

(r.  6696.)  Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde  für  die  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft.
  Vom  24.  April  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.

Nachdem  sich  zur  Herstellung  einer  Eisenbahn  von  Nordhausen  über  Sondershausen
  nach  Erfurt  eine  Aktiengesellschaft  gebildet  hat,  wollen  Wir  zum  Bau
und  Betriebe  dieser  Eisenbahn  besüglich  des  diesseitigen  Gebietes  Unsere  landesherrliche
  Konzession  hierdurch  ertheilen,  auch  das  anliegende,  am  19.  Februar  1867.
notariell  vollzogene  Statut  hiermit  bestätigen.

«  Zugleich  bestimmen  Wir,  daß  die  in  dem  Gesete  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen
  vom  3.  November  1838.  ergangenen  orschriften,  insbesondere  diejenigen
  über  die  Expropriationen  und  über  das  Recht  zur  vorübergehenden  Benutzung
  fremder  Grundstücke,  auf  das  vorgedachte  Eisenbahn-Unternehmen  Anwendung
  fünten  sollen.

Die  gegenwärtige  Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde  ist  mit  dem
Statute  durch  die  Gesetz  Sammlung  bekannt  zu  machen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Deicher

Gegeben  Berlin,  den  24.  April  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

Johrgang  1867.  (Nr.  6696.)  112  Sta-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  29.  Juni  1867.
        <pb n="1026" />
        —  850  —

Statut

der

Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft.

A.

Allgemeine  Bestimmungen.

K.  1.
Name  und  Zweck  der  Gesellschaft.

Unter  der  Benennung  „Nordhausen-Erfurter  Esnkahngesellchaftt  wird
eine  Aktiengesellschaft  errichtet,  welche  den  Bau,  die  vollständige  Ausrüstung  und
den  Betrieb  einer  von  der  Allerhöchsten  Bestätigung  dieses  Statuts  in  längstens
zwei  und  einem  viertel  Jahre  zu  vollendenden  Eisenbahn  durch  das  nördliche
Thüringen  von  Nordhausen  über  Sondershausen  nach  Erfurt  zum  Zweck  hat.

S.  2.

Die  Gesellschaft  ist  allen  Bestimmungen  unterworfen,  welche  in  dem  zwischen
der  Königlich  Preußischen  und  der  Fürstlich  Schwarzburg=  Sondershausener  Regierung
  vereinbarten  Staatsvertrage  in  Betreff  dieser  Bahnanlage  festgesett
worden  sind.

F.  3.

Art  der  Benutzung.

Die  Gesellschaft  wird  die  Transporte  auf  der  Bahn  durch  Dampfwagen
auf  eigene  Rechnung  betreiben,  auch,  soweit  sie  es  in  ihrem  Interesse  gemäß  findet
oder  gesetlich  dazu  verpflichtet  ist,  Anderen  die  Benutzung  der  Vahn  zu  Versenen
und  Gütertransporten  gegen  Entrichtung  eines  Bahngeldes  gestatten.  Sie  kann
auch  mit  Gmeh#gung  der  durch  den  abgeschlossenen  Staatsvertrag  mit  der
Oberaufsicht  über  das  Unternehmen  betrauten  Staatsregierung  einer  anderen  Eisenbahnverwaltung
  den  gesammten  Betrieb  der  Bahn  überlassen.

C.  4.
Domizil  und  Gerichtsstand.
Das  Domizil  der  Gesellschaft  und  der  Sitz  ihrer  Verwaltung  ist  Nordh
E
        <pb n="1027" />
        —  851  —

G.  5.
Fonds  der  Gesellschaft.

Das  zum  Bau  der  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahn  nebst  Zubehör,  zur
Anschaffung  des  Betriebsmaterials  nebst  Zubehör,  zur  Bestreitung  der  Generalkosten,
  einschließlich  der  Kosten  der  Vorarbeiten  und  der  Aktienunterbringung,  sowie
  zur  Verzinsung  der  Aktien  bis  zu  dem  im  F.  22.  bestimmten  Zeitpunkte,  und
endlich  zur  ersten  Bildung  des  Reservefonds  erforderliche  Kapital  der  Gesellschaft
  besteht  in  einem  Grundkapitale  von  2,750,000  Thalern,  buchstäblich:  zwei
Millionen  siebenhundert  und  funfzigtausend  Thalern  Preußisch  Kurant.

Dieses  Kapital  wird  aufgebracht:

a)  durch  12,500,  buchstäblich:  zwölftausend  fünfhundert  Stück  Stammaktien
je  100  Thaler,  buchstäblich:  Einhundert  Thaler,  giebt  1,250,000  Thaer)
  buchstäblich:  Eine  Million  zweihundert  und  funbigtaufend  Thaler;

b)  durch  15,000,  buchstäblich:  funfzehntausend  Stück  Stamm  Prioritätsaktien
u  je  100  Thaler,  buchstäblich:  Einhundert  Thaler,  giebt  1,500,000  Thaer,
  buchstäblich:  Eine  Million  fünfhunderttausend  Thaler.

F.  6.
Reservefonds.

Bei  Eröffnung  des  Bahnbetriebes  wird  zur  Deckung  der  in  außerordentlichen
  Füllen  —  in  Brand=  und  anderen  Unglücksfällen  —  nöthigen  Ausgaben
ein  Reservefonds  in  geg  von  20,000  Thalern,  buchstäblich:  zwanzigtausend  Thalern
gebilde,  Die  erste  Bildung  desselben  geschieht  aus  dem  Grundkapital.  Werden  aus

em  Reservefonds  Ausgaben  bestritten,  64  ist  derselbe  aus  den  michten  Jahreserträgen

wieder  in  seiner  statutenmäßen  Höhe  herzustellen,  wobei  die  Gesellschaft  nicht  verküche
  ist,  die  Beträge  eines  Jahrganges  mit  mehr  als  dreitausend  Thaler  zu
elasten.

So  lange  der  Reservefonds  die  statutenmäßige  Höhe  nicht  hat,  fließen  die
Eme  seines  Kapitals  ihm,  bei  statutenmäßiger  Haße  desselben  aber  der  Betriebsasse
  zu.

Der  Gesellschaft  steht  zu,  eine  Erhöhung  des  Reservefonds  zu  beschließen
und  zu  ordnen.

K.  7.
Erneuerungsfonds.

Ferner  wird  nach  Ablauf  des  ersten  Betriebsjahres  noch  ein  Erneuerungsfonds
  gebildet,  welcher  bestimmt  ist  zur  Bestreitung  der  Kosten  der  Erneuerung
von  Schienen,  Schwellen  und  der  kleinen  Eisentheile  des  Oberbaues  der  Eisenbahn
mit  Einschluß  der  Weichen,  sowie  der  Erneuerung  der  Lokomotiven  nebst
und  der  Wagen  aller  Art.

(Nr.  6686.)  112“  Zu

endern
        <pb n="1028" />
        —  852  —
Zu  diesen  Erneuerungen  sind  insbesondere  zu  rechnen:

1)  bei  Lokomotiven  und  Tendern  die  Muswechselung.  der  Feuerkasten,  Kessel,
Cylinder,  Siederöhren,  Federn,  Achsen,  Räder,  Radeisen,  ganzer  Wasserbehälter
  und  Bremsen;

2)  bei  den  Wagen  die  Auswechselung  von  ganzen  Kasten,  Federn,  Achsen,
Rädern,  Radeisen,  Bremsen  und  der  Umbau  des  Innern  ganzer  Coupés.

Alle  diese  Erneuerungen  find  jedoch  nur  dann  aus  dem  Erneuerungsfonds

zu  bestreiten,  wenn  sie  durch  Abnutzung  nöthig  werden,  nicht  aber,  wenn  sie  den
Bauunternehmern,  Lieferanten  u.  s.  w.  zur  Last  fallen.

Dem  Erneuerungsfonds  werden  überwiesen:

a)  die  Einnahme  aus  dem  Verkauf  alter  Materialien  des  Oberbaues  und
der  Betriebsmittel;

b)  ein  Zuschuß  aus  den  Betriebseinnahmen,  der  nach  Prozentsätzen  von  dem
Werthe  der  Schienen  und  Schwellen  und  von  dem  Werthe  der  Lokomotiven,
  Tender  und  Wagen  zu  berechnen  ist;

e)  die  Zinsen  des  Erneuerungsfonds  selbst.

ee  Prozentsätze  normirt  der  Verwaltungsrath  nach  Bedürfniß  von  fünf
bis  zu  fünf  Jahren  mit  Genehmigung  der  borgesegen  Staatsbehörde.

—ge
Verhältniß  der  Gesellschaft  zu  den  Staaten  Preußen  und  Schwarzburg.

Die  Verhältnisse  der  Gesellschaft  zu  den  beiden  Staaten  werden  außer  durch
die  bestehenden  und  noch  zu  erlassenden  Gesetze  im  Allgemeinen  durch  den  zwische
beiden  egierungen  abzuschließenden  Staatsvertrag  und  durch  die  zu  ertheilende
landesherrliche  Konzession  und  das  gegenwärtige  Statut  bestimmt.

Insbesondere  aber  bleibt

1)  derjenigen  Staatsregierung,  welcher  der  abuschließerde  Staatsvertrag  die
Kontrole  über  die  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahn  überträgt,  vorbehalten:
a)  die  Genehmigung  des  Bahngeldtarifs  und  des  Frachttarifs,  sowobl
für  die  Güter,  als  für  den  Personenverkehr,  sowie  jeder  Abänderung

der  Tarife;
b)  die  Genehmigung  des  Fahrplans  und  zu  jeder  Abänderung  desselben
J)  die  Bestätigung  der  Wahl  des  obersten  Administrationsbeamten
(Spezialdirektors)  und  des  obersten  technischen  Beamten  (Ober-Inzenieurs
  und  resp.  Betriebsdirektors))  welcher  die  formelle  Qualif,
ation  zum  Bauinspektor  besitzen  muß,  sowie  die  Genchmigung  der,
diesen  Beamten  zu  ertheilenden  Geschäftsinstruktion.  Auch  die  Quali—
fikation  des  die  Bauausführung  leitenden  Ingenieurs  unterliegt  der
Prüfung  der  Staatsregierung.  5
2)  Zur
        <pb n="1029" />
        —  853  —

2)  Zur  Ausführung  der  Bestimmung  über  die  Benutzung  der  Eisenbahn  zu
militairischen  Zwecken  ist  die  Gesellschaft  verpflichtet,  sowohl  sich  den  Bestimmungen
  des  Reglements  vom  1.  Mai  1861.,  betreffend  die  Organisation
  des  Transports  größerer  Truppenmassen  auf  den  Eisenbahnen,  desgleichen
  für  die  Beförderung  von  Truppen,  Militaireffekten  und  sonstigen
Anmebed  issen  auf  den  Staatsbahnen,  endlich  der  Instruktion  vom
1.  Mai  1861.  für  den  Transport  der  Truppen  und  des  Armeematerials
auf  den  Eisenbahnen,  und  den  künftigen  Abänderungen  und  Ergänzungen
dieser  Reglements  und  Instruktionen  nach  Maaßgabe  der  vorhandenen
Betriebsmittel  zu  unterwerfen,  als  auch  sowohl  Königlich  Preußische  als
Fürstlich  Schwarzburg-Sondershausener  Militair-Personen  und  Effekten
jeglicher  Art  zu  ermaßigten  Preisen  zu  transportiren.  Bei  Normirung
der  Fahrpreise  sollen  die  niedrigsten  Peeis  maaßgebend  sein,  welche  die
Preußische  Militairverwaltung  mit  anderen  Privateisenbahnen  vereinbart
hat  und  noch  vereinbaren  wird.

3)  Außer  der  Uebernahme  der  unentgeltlichen  Beförderung  von  Postsachen
und  Postwagen,  gemäß  des  Gesetzes  vom  5.  November  1838.,  K.  9.  des
Gesetzes  vom  5.  Juni  1852.)  H.  5.  des  Gesetzes  vom  21.  Mai  1860.),
ist  die  Gesellschaft  auch  verpflichtet,  die  begleitenden  Postkondukteure  und
das  expedirende  Postpersonal  zu  befördern.  «

H  Die  Gesellschaft  gestattet  unentgeltlich  die  Anlage  eines  Staatstelegraphen
längs  der  Bahn  unter  den,  von  dem  Preußischen  Handelsminier  estzustellenden

  Bedingungen,  ist  auch  verpflichtet,  nach  Maaßgabe  der  Anordnungen

  des  Staates  den  Eisenbahntelegraphen  zur  Benutzung  von

Staats=  und  Privatdepeschen  einzuräumen.

Die  Gesellschaft  hat  auch  den  Anordnungen,  welche  wegen  polizeilicher

Beaufsichtigung  der  beim  Eisenbahnbau  beschäftigten  Arbeiter  getroffen

werden,  pünktlichst  nachzukommen  und  die  aus  diesen  Anordnungen  erwachsenden

  Ausgaben,  insbesondere  auch  die  durch  die  etwaige  Mnfeellung
eines  besonderen  Polizei-Aufsichtspersonals  entstehenden  Kosten  zu  tragen.

Sie  ist  verpflichtet,  die  nöthigen  Zuschüsse  zu  der  in  Gemäßheit  des

Gesetzes  vom  21.  Dezember  1846.  (Gesetz-Samml.  für  1847.  S.  21.)

für  die  Bauarbeiter  einzurichtenden  Krankenkasse  zu  leisten.  Nicht  minder

wird  die  Gesellschaft  den  Anforderungen  der  muständigen  Behörde  wegen

Genügung  des  kirchlichen  Bedürfnisses  der  beim  Bau  beschäftigten  Beamten

  und  Arbeiter  bereitwillig  Folge  leisten  und  erforderlichen  Falls  auch

die  Tragung  der  dadurch  bedingten  Kosten  übernehmen.

6)  Die  Geselshalt  ist  verpflichtet,  nach  Maaßgabe  der  jetzt  und  künftig  bestehenden
  Grundsätze  für  die  Stutseisenbahaen  b  für  ihre  Beamten  und
Arbeiter  Pensions-,  Wittwenverpflegungs=  und  Unterstützungskassen  einzurichten
  und  zu  denselben  die  erforderlichen  Beiträge  zu  leisten.

Soweit  es  sich  bei  Festsetzung  von  Pensionen  u.  s.  w.  um  das

Dienstalter  handelt,  wird,  sofern  nicht  durch  Verträge  ein  Anderes  vereinbart

  ist,  nur  die  Dauer  der  Dienstzeit  bei  der  Nordhausen-Erfurter
Eisenbahngesellschaft  in  Anrechnung  gebracht.

(r.  6696.)  7)  Die

5

4
        <pb n="1030" />
        —  854  —

7)  Die  Gesellschaft  ist  verpflichtet,  die  von  ihr  anzustellenden  Bahnwärter,
Schaffner  und  sonstigen  Unterbeamten,  mit  Ausnahme  der  einer  technischen
  Vorbildung  bedürfenden,  vorzugsweise  aus  den  mit  Civilanstellungs-Berechtigung
  entlassenen  Militairs  des  Königlich  Preußischen  und  Fürstlich
  Schwarzburgischen  Heeres,  soweit  dieselben  das  35ste  Lebensjahr  noch
nicht  zurückgelegt  haben,  zu  wählen.

8)  Die  Gesellschaft  ist  verpflichtet,  binnen  drei  Monaten  nach  Ertheilung  der
Konzession  den  Bau  der  Bahn  zu  beginnen  und  alsdann  binnen  2  Cwei)
Jahren  zu  vollenden.

KS.  9.

Verwaltung  und  Verfassung.
Die  Interessen  der  Gesellschaft  werden  wahrgenommen:
1)  durch  die  Gesammtheit  der  Aktionaire  in  der  Generalversammlung
(§§.  27.  ff.);

2)  durch  den  Verwaltungsrath,  bestehend  aus  zwölf  Mitgliedern,  und
3)  durch  die  Direktion;
4)  durch  drei  Revisoren.

S.  10.
Schlichtung  von  Streitigkeiten.

Rechtsstreitigkeiten  zwischen  der  Gsselschaft  und  den  Aktionairen  wegen  rückständig
  gebliebener  Einzahlung  auf  die  Aktien  (I.  16.)  sind  im  Gerichtsstande  der
Gesellschaft  anhängig  zu  machen,  welchen  sich  jeder  Aktienzeichner  und  dessen  Rechtsvachfolger
  durch  die  Zeichnung  resp.  durch  den  Erwerb  der  Rechte  aus  der  Zeichnung
  Kraft  des  gegenwärtigen  Statuts  unterwirft.

Sonstige  Streitigkeiten  in  gesellschaftlichen  Angelegenheiten  zwischen  der
Gesellschaft  und  den  Aktionairen,  desgleichen  mit  den  Vertretern  und  Beamten
der  Gesellschaft,  sollen  jederzeit  durch  Schiedsrichter  entschieden  werden.  Sofern
sich  die  Parteien  nicht  über  mehrere  Schiedsrichter  einigen,  ernennt  jeder  Theil
einen  Schiedsrichter.  Diese  erwählen  bei  Meinungsverschiedenheiten  einen  Obmamn.

sn  Gegen  den  schiedsrichterlichen  Ausspruch  ist  kein  ordentliches  Rechtsmittel
zulässig.

Für  das  Verfahren  des  Schiedsgerichts  sind  die  zur  Zeit  desselben  geltenden
gesetzlichen  Bestimmungen  maaßgebend.

Verzögert  einer  der  streitenden  Theile  "ah  die  ihm  durch  einen  Notar  oder
gerichtlich  insinuirte  und  im  Falle  der  Abwesenheit  ohne  Zurücklassung  eines  Bevollmächtigten
  durch  die  im  F.  12.  genannten  Zeitungen  zu  veröffentlichende  zweimalige
  Aufforderung  des  Gegners  die  Ernenmung  eines  Schiedsrichters  länger
als  14  Tage,  so  ernennt  der  Vorsitzende  des  Kreisgerichts  zu  Nordhausen  einen

cchen.
solchen  KS.  I1.
        <pb n="1031" />
        Können  die  Schiedsrichter  sich  über  die  Wahl  des  Obmannes  nicht  vereinigen,
  so  wird  auch  dieser  von  dem  Vorsitzenden  des  Kreisgerichts  zu  Nordhaufen
  ernannt.

Das  also  gebildete  Schiedsgericht  entscheidet  nach  Stimmenmehrheit;  bildet
sich  aber  keine  Majorität,  so  gilt  die  Ansicht  des  Obmannes  allein.

S.  12.
Oeffentliche  Bekanntmachungen.

Die  nach  diesem  Statute  erforderlichen  öffentlichen  Bekanntmachungen,
Zahlungsaufforderungen,  Einladungen  oder  sonstigen  Mittheilungen  sind  in  folgenden
  öffentlichen  Blättern:

1)  dem  Preußischen  Staatsanzeiger,

2)  der  Berliner  Börsenzeitung,

3)  der  Nordhäuser  Zeitung,

4)  derjenigen  Sondershauser  Zeitung,  welche  die  amtlichen  Inserate  der

Schwarzburgischen  Regierung  abzudrucken  erhält,

5)  der  Thüringer  Zeitung  in  Erfurt,

6)  und  7)  der  Erfurter  Zeitung  und  dem  Nordhäuser  Courier,
abzudrucken.

Sofern  für  einzelne  Bekanntmach  ungen  nicht  ein  Anderes  ausdrücklich  vorgeschrieben,
  genügt  ein  zweimaliger  Abdruck  der  Bekanntmachungen  in  jedem  der
vorgenannten  Blätter  zu  deren  rechtsverbindlicher  Publikation.

Bei  Behinderung  der  Peröffentlichung  durch  eines  oder  das  andere  der
vorgenannten  Blätter  wegen  Eingehens  oder  Nichtverausgabung  solchen  Blattes
oder  wegen  Insertionsverweigerung  genügt  die  Bekanntmachung  in  den  übrigen.

S.  13.
Abänderung  des  Statuts.
Abänderungen  des  gegemvärtigen  Statuts  sind  nur  in  Foge  eines  nach

Maaßgabe  der  §#9.  28.  bis  31.  gefaßten  Beschlusses  der  Generalversammlung
unter  gale  der  -  Genehmigung  zulässig.

F.  14.
Verkauf  der  Bahn  und  Auflösung  der  Gesellschaft.

Auch  der  Verkauf  der  Bahn  und  die  Auflösing  der  Gesellschaft,  ingleichen
die  Vereinigung  des  Unternehmens  mit  einem  anderen  Eisenbahn-Unternehmen,
können  nur  in  Folge  eines  in  gleicher  Weise  gefaßten,  landesherrlich  bestätigten
Beschlusses  der  Generalversammlung  geschehen.

(Nr.  6600.)  B.
        <pb n="1032" />
        —  856  —

B.

Besondere  Bestimmungen.

J.
Von  den  Aktien,  Zinsen  und  Dividenden.
C.  15.

Aktien  und  deren  Ausfertigung.

Sämmtliche  im  F.  5.  gedachten  Stamm=  und  Stamm  Prioritätsaktien  der
Gesellschaft  werden  auf  den  Inhaber  lautend  unter  fortlaufender  Nummer,  und
war  die  Stammaktien  nach  dem  beiliegenden  Schema  A.  und  die  Stamm-Hortätsaktien
  nach  dem  beiliegenden  Schema  B.,  stempelfrei  ausgefertigt,  jedech
erst  dann  ausgegeben,  wenn  der  volle  Nominalbetrag  derselben  zur  Gesellschaftskasse
  berichtigt  ist.

Jede  Aktie  wird  mit  mindestens  sechs  Faksimile-Unterschriften  des  Verwaltungsrathes
  versehen  und  auch  vom  Rendanten  der  Gesellschaft  unterschrieben.

S.  16.
Einzahlung  des  Aktienkapitals.

Vom  Aktienkapital  müssen  innerhalb  sechs  Wochen  nach  erfolgter  Allerböchster
  Bestätigung  dieses  Statuts  und  Eintragung  in  das  Handelsregister  in
Nordhausen:  «

15  Prozent  (funfzehn  Prozent)  auf  jede  Aktienklasse,  nach  anderen  sechs
Wochen  fernere  15  Prozent  und  im  Laufe  der  Bauzeit  der  ganze  Betrag
des  gezeichneten  Kapitals  in  Raten  von  je  10  Prozent  eingezahlt  werden.
Mit  diesen  Beschränkungen  steht  dem  Verwaltungsrathe  frei,  die  Einzahlungen
  zu  bestimmen  und  auszuschreiben.

Die  Aufforderungen  zu  Einzahlungen,  sowie  die  Bestimmung  der  Zahlungsorte)
  erfolgen  in  der  in  §.  12.  vorgeschriebenen  Form  dergestalt,  daß  jede  Aufforderung
  mindestens  zweimal  öffentlich  bekannt  gemacht  wird  und  vom  Tage  der
letzten  Bekanntmachung  bis  zum  festgesetzten  Einzahlungstermine  eine  mindestens
vierwöchentliche  Frist  offen  bleibt.  Vollzahlungen  sind  mit  Genehmigung  des
Verwaltungsrathes  gestattet.

S.  17.
Folge  der  Nichtzahlung  der  ausgeschriebenen  Raten.

Ein  Aktionair,  der  eine  ausgeschriebene  Rate  zur  festgesetzten  Zeit  nicht  einzahlt,
  ist  verpflichtel,  außer  der  Nachzahlung  der  kständigen  Rate  nebst  den
gesetzlichen  Verzugszinsen  pro  anno  eine  Konventionalstrafe  von  zehn  Proten

tr
        <pb n="1033" />
        —  857  —

der  rückständigen  Rate  zur  Gesellschaftskasse  8  entrichten  und  wird  hierzu  vom
Verwaltungsrathe  durch  dreimalige  öffentliche  Bekanntmachung,  deren  letzte  späte—
stens  acht  Wochen  nach  dem  für  die  betreffende  Rate  nesigesetten.  Schlußtermine
zu  veröffentlichen,  und  in  welcher  nicht  der  Name,  sondern  die  Nummer  des
Quittungsbogens  anzugeben  ist,  aufgefordert.

Wird  auch  dieser  Aufforderung  nicht  Folge  geleistet,  9  ist  der  Verwaltungsrath
  nach  seiner  Wahl  berechtigt,  entweder  den  säumigen  Aktionair  im  Rechtswege
zur  Erfüllung  seiner  Verbindlichkeiten  anzuhalten,  oder  die  bis  dahin  auf  die  betreffende
  Aktie  eingezahlten  Raten  als  verfallen,  die  Ansprüche  auf  den  Empfang
der  gezeichneten  Aktie  durch  öffentliche  Bekanmimachung  unter  Angabe  der  Num-—
  des  Quittungsbogens  für  erloschen  und  diesen  selbst  für  null  und  nichtig  zu
erklären.

An  Stelle  der  auf  diese  Weise  unter  Berücksichtigung  der  Bestimmung  des
Artikels  222.  Nr.  2.  des  Handelsgesetzbuches  ausscheidenden  Aktionaire  können
neue  Aktienzeichner  zugelassen  werden,  denen  die  betreffenden  verfallenen  Einzahlungen
  der  säumigen  ersten  Aktionaire  anzurechnen  und  mit  denen  die  Bedingunen

  für  die  Uebernahme  der  Zeichnungen  durch  den  Verwaltungsrath,  unbeschadet
er  Verpflichtung  zur  Volleinzahlung  der  Aktie,  zu  vereinbaren  sind.

Ist  durch  diese,  lediglich  nach  dem  Ermessen  des  Verwaltungsrathes  festzustellende
  Vereinbarung  die  vollständige  Deckung  des  Restes  des  Nominalbetrages
er  betreffenden  Aktien  nicht  zu  erlangen)  so  bleibt  doch  der  erste  Zeichner  —
ungeachtet  der  geschehenen  Annullirung  seiner  Rechte  aus  der  Zeichnung  —  für
den  Ausfall  persönlich  verhaftet.

 

S.  18.
Quittungsbogen.

Bis  zur  Berichtigung  des  vollen  Nominalbetrages  und  wirklichen  Ausfertigung
  der  Aktien  werden  über  die  geschehenen  Einzahlungen  der  einzelnen  Raten
Quiktungsbogen  unter  fortlaufender  Rummer  nach  dem  beiliegenden  Schema  H.
ausgefertigt,  die  auf  den  Namen  des  Aktienzeichners  lauten  und  nach  geschehener
Vollzahlung  des  Nominalbetrages  der  gezelchneten  Aktien  gegen  diese  9**  ausgetauscht
  werden.

Die  Quittungsbogen  werden  mit  drei  Faksimile-Unterschriften  des  Verwaltungsrathes
  versehen.

S.  19.
Aushändigung  der  Aktien.

Nach  erfolgter  Einzahlung  des  ganzen  Vominalbetrages  eines  Quittungsbogens
  wird  dem  darin  benannten  Aktionair  oder  dessen  Cessionar,  oder  demjenigen,
  welcher  sich  als  rechtmäßiger  Besitzer  ausweist,  gegen  Rückgabe  des
Qutittungsbogens  die  gemäß  F.  15.  ausgefertigte  Aktie  ausgehändigt.

Die  Richtigkeit  der  Cession  eines  Quittungsbogens  zu  prüfen  ist  die  Ge.
sellschaft  berechtigt,  aber  nicht  verpflichtet.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6696.)  113  F  20.
        <pb n="1034" />
        —  858  —

.  20.
Haftbarkeit  der  Aktionaire.

Kein  Aktionair  ist  über  den  etag  der  gezeichneten  Aktie  hinaus  zu  Einzahlungen
  für  Verbindlichkeiten  der  Gesellschaft  verpflichtet.

§S.  21.
Zinsen  der  Einzahlungen.

Die  geleisteten  Einzahlungen  auf  die  Stammaktien  der  Gesellschaft  werden
während  der  Bauzeit  mit  vier  Hrotent  aus  dem  Baufonds  vom  Zeitpunkt  der
statutenmäßigen  Zahlungspflicht  verzinst,  ebenso  werden  die  Einzahlungen  auf  die
Stamm-Prioritätsaktien  mit  fünf  Prozent  Pro  anno  bis  zum  Ablaufe  der  Bauzeit
  verzinst.

Für  die  hiernach  baar  zu  zahlenden  Zinsen  der  voll  eingezahlten  Aktien
fertigt  der  Verwaltungsrath  nach  dem  beiliegenden  Schema  C.  Kupons  aus,
welche  mit  den  Aktien  zusammen  ausgehändigt  werden  und  gegen  deren  Einlieferung
  die  Zahlung  der  Zinsen  an  den  auf  den  Kupons  bestimmten  Jahlungsorten
  und  in  den  dort  bestimmten  Terminen  stattfindet.

BPxt
Dividenden  und  deren  Feststellung.

Mit  Ablauf  des  Semesters  (30.  Juni,  31.  Dezember),  in  welchem  die  Bahn
vollständig  fertig  und  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  in  Betrieb  gesetzt  wird,  bört
die  Verzinsung  der  Aktien  aus  dem  Baukapitale  auf  und  wird  Kn  derselben  der
vom  1.  Juli  resp.  vom  1.  Januar  des  auf  die  Betriebseröffnung  folgenden
Sewestere  aus  dem  Unternehmen  aufkommende  Reinertrag  nach  Maaßgabe  der
folgenden  Bestimmungen  über  die  Ertragsverwendung  vertheilt:

1)  Aus  dem  Ertrage  des  Unternehmens  werden  zunächst  die  Verwaltungs,
Unterhaltungs-,  Betriebs=  und  sonstigen  Ausgaben,  sowie  alle  auf  dem
Unternehmen  haftenden  Lasten  bestritten;

2)  sodann  werden  die  in  den  I§.  6.  und  7.  gedachten  Beiträge  zum  Reserveund
  Erncuerungsfonds  vorweg  genommen;

3)  der  demnächst  verbleibende  Jahresüberschuß  bildet  den  Reinertrag.

Derselbe  wird  nach  Vorabnahme  derjenigen  Tantièmen,  welche  vom  Reinertrag
  gewährt  werden  sollen,  unter  die  Aktionaire  resp.  Unternehmer  einer  Zins.
garantie  folgendermaßen  vertheilt:

a)  vorerst  erhalten  die  Inhaber  der  Stamm  -Prioritätsaktien  ihre  Diwidende
bis  zu  fünf  Prozent  des  Nominalbetrages  ihrer  Aktien.  Sollte  in  dem
einen  oder  dem  anderen  Jahre  der  Reinertrag  nicht  ausreichen,  um  den
Inhabern  der  Stamm  Prioritätsaktien  die  vorgedachte  Dividende  von
fünf  Prozent  zu  gewähren,  so  wird  das  Fehlende  aus  dem  Reinerin
        <pb n="1035" />
        —  859  —

des  oder  der  folgenden  Jalre  nachgezahlt  und  die  Inhaber  der  Stammaktien
erhalten  nicht  eher  eine  Dividende,  als  bis  diese  Nachzahlung  vollständig
geleistet  ist;

b)  was  nach  Deckung  dieser  fünf  Prozent  noch  übrig  bleibt,  wird  an  die
Inhaber  der  Stammaktien  bis  zur  Höhe  von  fünf?  rozent  des  Nominalbetrages
  ihrer  Aktien  vertheilt.  Der  Ueberschuß  über  diese  fünf  Prozent
wird  auf  die  Stamm=  und  Stamm-Prioritätsaktien  pDro  rata  vertheilt,
soweit  solcher  nicht  zur  Deckung  der  etwaigen  Vorschüsse  der  ad  c.  aufgeführten
  Garantien  ersorderlich  ist;

c)  den  Stammaktien  wird  von  der  Fürstlich  Schwarzburg-Sondershausener
Staatsregierung  und  den  interessirten  Städten  und  Kreisen  nach  untenstehendem
  Theilnahmeplan  für  die  Dauer  der  ersten  zehn  Jahre  nach  der
Betriebseröffnung  vier  Prozent  Zinsen  garantirt.  Sind  dergleichen  Leistungen
  erfolgt,  so  werden  sie  pro  rata  zurückgezahlt,  sobald  das  Gesammtunternehmen
  mehr  als  fün  Prozent  abwirft.

Nach  Ablauf  der  ersten  zehn  Jahre  nach  der  Betriebseröffnung  fällt  die
Garantie  unter  allen  Umständen  weg,  in  dem  Falle  aber  auch  schon  früher,  wenn
die  Bahn  drei  Jahre  hintereinander  mehr  als  fünf  Prozent  Zinsen  trägt.

Die  Zinsgarantie  für  die  auszugebenden  12,500  Stück  Stammaktien
übernimmt.:

die  urstlich  Schwarzburgische  Regierung  mit  25/000  Thaler,
die  Stadt  Nordhausen  nit  .  .  .  .  ..  9,500  „
die  Stadt  *
die  Stadt  Greußen  .  ..  .  .  .  .  .  .  ..
Stadt.  und  Landkreis  Sonders.  mit  950  „

hausen  und  Ebeleben
der  Kreis  Weißensee  nit  .  .  ...  6,000  „

Summa  50,000  Thaler.

Die  Zahlung  der  Dividende  aus  der  Gesellschaftskasse  erfolgt  jährlich  vier
Voche  nach  Publikation  der  Bilanz  (§.  26.).  Im  Falle  der  Auflösung  der
Gese  schaft  respe  der  Liquidation  des  Gesellschaftsvermögens  haben  die  Inllber.
beider  Aktienklassen  gleiche  Rechte  an  dem  vertheilungsfähigen  Erlöse  für  das
Unternehmen.  E

Dividendenscheine  und  Talons.
Mit  den  Stammaktien  werden:
a)  Dividendenscheine  für  die  Stammaktien  auf  zehn  Jahre  nach  dem  beiliegenden
  Schema  D.  und
b)  Talons  nach  dem  beiliegenden  Schema  E.,
und  mit  den  Stamm  Prioritätsaktien
a)  Dividendenscheine  nach  dem  beiliegenden  Schema  F.  je  zehn  Jahre,  und
b)  Talons  nach  dem  beiliegenden  Schema  G.
ausgehändigt  und  in  gleicher  Weise  von  zehn  zu  zehn  Jahren  erneuert.  Di-(Tr.
  6696.)  113°  viden-
        <pb n="1036" />
        —  860  —
videndenscheine  und  Talons  werden  unter  der  Firma  des  Verwaltungsrathes  und
zwei  faksimilirten  Unterschriften  der  Mitglieder  desselben,  sowie  dem  Stempel  der
Gesellschaft  ausgefertigt.

Die  Ausreichung  neuer  Dividendenscheine  und  Talons  erfolgt  gegen  Einlieferung
  der  mit  den  abgelaufenen  Dividendenscheinen  und  Kupons  ausgegebenen
Talons  an  den  Inhaber  der  letzteren  ohne  Prüfung  seiner  Legitimation.

§.  24.
Zahlung  der  Dividende.

Die  Auszahlung  der  Dividenden  erfolgt  von  der  Gesellschaftskasse  gegen
Einlieferung  der  entsprechenden  Dividendenscheine  nach  geschchener  Feststellung
der  Bilanz  des  betreffenden  Betriebsjahres.  Zinsen  für  die  Aktien  während  der
Bauzeit  und  Dividenden,  die  nicht  binnen  vier  Jahren,  von  den  in  den  S#.  21.
und  22.  angegebenen  Zahlungstagen  ab  gerechnet,  erhoben  worden  sind,  verfallen
zum  Vortheile  der  Gssellsche,  vorbehaltlich  der  Bestimmung  des  F.  25.

d.  25.
Oeffentliches  Aufgebot  und  Mortifizirung.

Sind  Aktien,  Dividendenscheine  und  Talons  beschädigt  oder  unbrauchbar
gewordent  jedoch  in  ihren  wesentlichen  Theilen  dergestalt  erhalten,  daß  über  ihre
Richtigkeit  kein  Zweifel  obwaltet,  so  ist  der  Verwaltungsrath  ermächtigt,  gegen
Einreichung  der  beschädigten  Papiere  auf  Kosten  des  Inhabers  neue  gleichartige
Papiere  auszufertigen  und  auszureichen.

Außer  diesem  Falle  ist  die  Ausfertigung  und  Ausreichung  neuer  Aktien  in
Stelle  beschädigter  und  verloren  gegangener  nur  zulässig  nach  gerichtlicher  Amortisation
  derselben,  die  im  Domizil  der  Peellschaft  bei  dem  dortigen  Gericht  erster
Instanz  nachzusuchen  ist.

Eine  gerichtliche  Amortisation  beschädigter  oder  verloren  gegangener  Dividendenscheine
  findet  nicht  statt;  der  Jättag  derselben  wird  jedoch  demjenigen,
der  die  Beschädigung  oder  den  Verlust  derselben  innerhalb  des  im  F.  24.  gedachten
  vierjährigen  Zeitraumes  bei  dem  Verwaltungsrathe  angezeigt  und  seinen
Anspruch  durch  Einreichung  des  in  seinen  wesentlichen  Theilen  beschädigten  Papiers
und,  im  Falle  des  Verlustes  durch  Vorlegung  der  Aktien  selbst  bescheinigt  ha,
binnen  einer  von  Ablauf  des  einjährigen  Fricchums  zu  berechnenden  einjährigen
präklusivischen  Frist  gegen  Rückgabe  der  über  die  rechtzeitige  Anmeldung  vom
Verwaltungsrathe  zu  ertheilenden  Bescheinigung  ausecawtt.

Auch  eine  gerichtliche  Amortisation  beschädigter  oder  verlorener  Talons
findet  nicht  statt.

Die  Ausreichung  neuer  Dividendenscheine  geschieht,  wenn  der  Aktieninhaber
den  Talon  nicht  einreichen  kann,  gegen  Produktion  der  Aktie.  Ist  aber  vor  Ausreichung
  der  neuen  Dividendenscheine  der  Verlust  des  Talons  bei  dem  Verwaltungsrathe
  von  einem  Dritten  angemeldet,  der  auf  die  neuen  Dividendenscheine
MW  rrach  macht,  so  werden  letztere  zurückbehalten,  bis  der  Streit  zwischen  beiden
Prätendenten  im  Wege  der  Güte  oder  des  Prozesses  beendigt  ist.  A
        <pb n="1037" />
        —  861  —

II.
Von  der  Aufstellung  der  Bilanzen.

E.  26.

Das  Geschäfts=  oder  Betriebsjahr  der  Gesellschaft  ist  das  Kalenderjahr.
Die  Bauzeit  wird  bis  zum  Ende  desjenigen  Halbjahres  gerechnet,  in  welchem  der
Betrieb  der  Bahn  volstand  eröffnet  *

Die  Bahn  kann  streckenweise  in  Betrieb  gesetzt  werden.

Während  der  Bauzeit  wird  nach  Ablauf  eines  jeden  vollen  Kalenderjahres
eine  Bilanz  aufgestellt,  welche  nachureisen  hat,  wie  weit  das  Aktienkapital  ein-Froagen
  und  verwendet  ist.  Die  Aufstellung  der  Generalbilanz  über  die  zanze

auausführung  erfolgt  nach  Beendigung  des  Baues  zur  nächsten  ordentlichen
Generalversammlung.  Nach  Ablauf  der  Bauzeit  ist  am  Schlusse  eines  jeden
vollen  Betriebsjahres  das  Resultat  des  Betriebes  durch  eine  Bilanz  darzustellen.

st  der  Betrieb  der  Bahn  nicht  im  Anfange,  sondern  im  Laufe  eines
Kalenderjahres  rüöfrnet,  so  hat  sich  die  erste  Betriebsbilanz  auf  diesen  Theil  des
Jahres  zu  beschränken.

der  Bilanz  werden  alle  Einnahmen  des  betreffenden  Jahres  nach  ihrem
Baarbetrage,  etwaige  Ausstände  nach  ihrem  Nominalbetrage,  insofern  sie  aber
unsicher  sein  sollten,  nach  gewissenhafter  Schätzung  von  Seiten  des  Verwaltungsrathes,
  und  vorhandene  Baumaterialien  und  Vorräthe  nach  dem  Kostenpreise  und
bei  “  Werthverminderung  unter  Berücksichtigung  derselben  als  Aktiva
angesetzt.

8  Dagegen  kommen  als  Passiva  in  Ansatz  alle  Ausgaben,  die  im  Laufe  des
Jahres  entstanden  und  nicht  aus  dem  Reservefonds  oder  Erneuerungsfonds
(G.  6.  und  7.)  zu  bestreiten  gewesen  sind,  mit  Einschluß  der  etwa  am  Jahresschluß
  verbliebenen  Rückstände.

Die  Jahresbilanzen  werden  innerhalb  der  ersten  drei  Monate  nach  Ablauf
des  betreffenden  Jahres  durch  die  Gesellschaftsblätter  mitgetheilt.

III.
Von  den  Generalversammlungen.

S.  27.
Ort  der  Berufung.

Alle  Generalversammlungen  werden  in  Erfurt,  Nordhausen  und  Sonders.
hausen  abgehalten.  Die  Berung  dazu  erfolgt  unter  Mittheilung  der  Tagesordnung
  durch  den  Verwaltungsrath  mittelst  zweimaliger  rPe  Bekanntmachung,
  von  denen  die  erste  spätestens  drei  Wochen  vor  dem  Versammlungstage
erscheinen  muß.

(Nr.  6696.  §.  28.
        <pb n="1038" />
        —  862  —

S.  28.
Ordentliche  Generalversammlungen.
Ordentliche  Generalversammlungen  finden  statt
im  April  eines  jeden  Betriebsjahres,  zuerst  aber  in  dem  auf  den  Ablauf

der  Bauzeit  und  die  Eröffnung  des  Betriebes  auf  der  ganzen  Bahn
zunächst  folgenden  Monat.

Regelmäßige  Gegenstände  der  Berathung  und  der  Beschlußnahme  derselben
  sind:

1)  der  Bericht  des  Verwaltungsrathes  und  der  Direktion  über  die  Lage  der
Geschäfte  und  die  Bilanz  (F.  26.);

2)  die  Wahl  der  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes;

3)  die  Wahl  von  drei  Revisoren  zur  Prüfung  und  Dechargirung  der  Bilanz,

4)  Bericht  der  Revisoren  über  die  Prüfung  und  Decharge  der  Bilanz  des
verflossenen  Jahres  und  Beschlußnahme  über  gezogene  Monita;

5)  Beschlußnahme  über  diejenigen  Angelegenheiten,  welche  der  Generalversammlung

  von  dem  Verwaltungsrathe,  den  Revisoren  oder  einzelnen  Aktionairen
vorkgelegt  werden.

§.  29.
Anträge  einzelner  Aktionaire.

Besondere  Anträge  einzelner  Aktionaire  müssen  so  zeitig  vor  der  Generalversammlung
  dem  Vorsitzenden  des  Verwaltungsrathes  schriftlich  mitgetheilt  werden,
daß  dieselben,  gemäß  Artikel  238.  des  Handelsgesetzbuchs,  noch  in  die  zur  Versammlung
  einladende  öffentliche  Bekanntmachung  aufgenommen  werden  können,
widrigenfalls  die  Beschlußnahme  darüber  bis  zur  nächsten  Generalversammlung
zu  vertagen  ist.

S.  30.
Außerordentliche  Generalversammlungen.

Außerordentliche  Generalversammlungen  finden  statt  in  allen  Fällen,  in
denen  der  Verwaltungsrath,  die  Revisoren  oder  die  Aufsichtsbehörde  sie  für  nöthig
erachten,  auf  Antrag  der  Aktionaire,  gemäß  Artikel  237.  des  Handelsgesetzbuchs,
wenn  ein  solcher  Antrag  unter  Deposition  des  zwölften  Theils  aller  emittirten
Aktien  und  unter  Angabe  der  Gründe  und  des  Zweckes  bei  dem  Verwaltungsratbe
gestellt  ist.

In  der  Einladung  muß  der  Gegenstand  der  zu  verhandelnden  Geschäfte
kurz  angedeutet  werden.

L
        <pb n="1039" />
        g.  31.
Nothwendigkeit  einer  Generalversanimlung.

Außer  den  im  F.  28.  genannten  Gegenständen  ist  der  Beschluß  der  Generalversammlung
  überhaupt  erforderlich:

1)  zur  Ausdehnung  des  Unternehmens  über  den  im  §.  1.  angegebenen  Zweck
hinaus  und  auf  die  im  F.  2.  vorbehaltene  anderweite  Benutzungsart;

2)  zur  Vermehrung  des  Grundkapitals  der  Gesellschaft  und  Kontrahirung
von  Anlehen  für  dieselbe;

3)  zur  Fusion  der  Gesellschaft  mit  einer  anderen  und  Feststellung  der  desfallsigen
  Bedingungen;

4)  zur  Uebernahme  des  Betriebes  auf  anderen  Eisenhahnen.  und  zur  Uebertragung
  des  Betriebes  der  eigenen  Bahn  an  eine  andere  Gesellschaft  oder
an  den  Staat;

5)  zu  Abänderungen  und  Ergänzungen  des  Statuts  auch  in  anderen,  als
unter  den  Sub  1.  und  2.  genannten  Fällen;

6)  zur  Aufhebung  der  Beschlüsse  früherer  Generalversammlungen;
7)  zur  Auflösung  der  Gesellschaft;
8)  zum  Verkaufe  der  Bahn.

Beschlüsse  über  diese  Gegenstände  können  sowohl  in  den  ordentlichen,  als
in  den  außerordentlichen  Generalversammlungen  gefaßt  werden)  der  Gegenstand
dean  eruuhmng  muß  aber  in  beiden  Fällen  nach  F.  30.  in  der  Vorladung  bezeichnet
  sein.

Alle  unter  1.  bis  5.  7.  und  8.  gedachten  Beschlüsse  bedürfen  der  Genehmigung
  des  Staats,  um  für  die  Gesellschaft  verbindlich  zu  werden.

Ueber  die  Art  der  Abstimmung  über  diese  Gegenstände  setzt  §.  36.  das
Nöthige  fest.  g  32

Stimmenzählung.

Das  Stimmrecht  der  Stammaktionaire  und  der  Stamm-Prioritätsaktionaire
in  der  Generalversammlung  ist  gleich.  Bei  allen  Abstimmungen  geben  je  fünf
Aktien,  wenn  sich  der  Besitz  von  fünf  bis  funfzig  Aktien  in  Einer  Penen  vereinigt,
Eine  Stimme  und  für  die  Aktien,  welche  Jemand  über  die  Zahl  von  funßzig
besitzt,  je  zehn  Aktien  Eine  Stimmes  so  jedoch,  daß  auch  der  größte  Aktienbesitz
zu  nicht  mehr  als  funfzig  Stimmen  berechtigt.

st  ein  Aktionair  zugleich  Bevollmächtigter  anderer  Aktionaire,  so  kann  er
aehehüch  des  Stimmrechts  der  letzteren  niemals  mehr  als  Einhundert  Stimmen
  haben.

Die  Bester  von  weniger  als  fünf  Aktien  sind  zur  Theilnahme  an  der
Generalversammlung  —  jedech  ohne  Stimmrecht  —  befugt.

(Nr.  6096.)  C.  33.
        <pb n="1040" />
        —  864  —
KG.  33.

Legitimation  der  Stimmberechtigten.

Zur  Theilnahme  an  der  Generalversammlung  sind  nur  diejenigen  berechtigt,
  welche  wenigstens  fünf  Tage  vor  der  Versammlung  ihre  Aktien  bei  der
Gesellschaftskasse  deponiren.  Die  Nummern  der  deponirten  Aktien  werden  in
einem  nach  der  laufenden  Nummer  angelegten  Verzeichnisse  roth  angestrichen  und
dies  unter  der  Kontrole  eines  dazu  beshämumnten.  Beamten  zu  führende  Verzeichniß
wird  vom  Syndikus  der  Gesellschaft  verifizirt.

Gleichzeitig  muß  jeder  Aktionair  ein  von  ihm  unterschriebenes  Verzeichniß
der  Nummern  seiner  Quittungsbogen  oder  Aktien  in  zwei  Exemplaren  übergeben,
von  denen  das  eine  zu  den  Akten  der  Gesellschaft  geht,  das  andere  mit  dem
Siegel  der  Gesellschaft  unter  dem  Bemerke  der  erfolten  Deposition,  sowie  mit
der  Stimmenzahl  versehen,  ihm  zurückgegeben  wird.  Dies  Eremplar  dient  als
Einlaßkarte  zur  Versammlung,  auf  Grund  deren  beim  Eintritt  in  dieselbe  dem
Inhaber  eine  angemessene  Anzahl  von  Stimmzetteln  verabfolgt  wird,  welche  mit
dem  Stempel  der  Gesellschaft  versehen  sind.

Gegen  Rückgabe  dieses  Duplikat-Verzeichnisses  erfolgt  die  Rückgabe  der  betreffenden
  Aktien.

Die  Stelle  der  wirklichen  Deposition  bei  der  Gesellschaft  vertreten  nur
amtliche  Bescheinigungen  von  Staats=  und  Kommunalbehörden  über  die  bei  ihnen
erfolgte  Deposition  der  Aktien.  K  4

Vertretung  der  Aktionaire.

Es  ist  einem  jeden  Aktionair  gestattet,  sich  durch  einen  aus  der  Zahl  der
übrigen  Aktionaire  gewählten  Bevollmächtigten  vertreten  zu  lassn  dessen  Vollmachtsauftrag
  durch  schriftliche  (entweder  von  einem  Mitgliede  des  Gesellschaftsvorstandes
  oder  von  einem  Beamten,  der  ein  öffentliches  Siegel  zu  führen  berechtigt
  ist)  beglaubigte  Vollmacht  nachgewiesen  ist.

Diese  Vollmacht  muß  spätestens  einen  Tag  vor  der  Versammlung  im
Büreau  der  Gesellschaft  niedergelegt,  auch  die  Legitimation  des  Vollmachtsausstellers
  auf  die  im  F.  33.  vorgeschriebene  Weise  geführt  werden.

Aktionaire  weiblichen  Gecheechts  dürfen  den  Generalversammlungen  in
Person  nicht  beiwohnen,  doch  können  sie  sich  durch  ihre  Ehemänner  oder  durch
Bevollmächtigte  aus  den  Aktionairen  vertreten  lassen.  Ein  Ehemann  bedarf  zur
Vertretung  1  Ehefrau  keiner  besonderen  Vollmacht.  Juristische  Personen
können  durch  ihre  verfassungsmäßigen  Repräsentanten,  Handlungshäuser  durch
ihre  Prokuristen,  Bevormundete  durch  ihre  Vormünder  vertreten  werden,  ohne
daß  die  Vertreter  Aktionaire  zu  sein  brauchen.

6.  35.
Entscheidung  über  das  Stimmrecht.

Die  Entscheidung  etwaiger  Reklamationen  über  das  Stimmrecht  gebühn
der  Generalversammlung.  E
36.
        <pb n="1041" />
        Gang  der  Verhandlungen.

Der  Vorsitzende  des  Verwaltungsrathes  oder  dessen  Stellvertreter  leitet  die
Verhandlung,  bestimmt  die  Folgeordnung  der  zu  verhandelnden  Gegenstände,
ertheilt  das  Kon  und  setzt  das  keiser  Abstimmung  zu  beobachtende  Verfahren  fest.

Bei  schriftlicher  Abstimmung  sind  nur  geskeiwelle  Stimmzettel,  welche  die
Jahl  der  Stimmen,  zu  welchen  der  Stimmende  brechüt  ist,  angeben,  fültg.
Bet  einzelnen  Abstimmungen  ist  die  Generalversammlung  berechtigt  zu  beschließen,
daß  die  Stimmzettel  vom  Stimmgeber  deutlich  mit  seinem  Namen  unterschrieben
und  bei  mangelnder  oder  nicht  fechusteuender  Unterschrift  ungültig  sind.

Die  Beschlüsse  werden  in  der  Regel  durch  gewöhnliche  absolute  Mehrheit
der  gültig  abgegebenen  Stimmen  gefaßt,  bei  welchem  Verfahren  im  Fale  einer
Stimmendleichhet  die  Stimme  des  Vorsitzenden  den  Ausschlag  giebt.  Eine  Ausnahme
  findet  bei  den  im  F.  31.  gedachten  Gegenständen,  über  welche  nur  eine
Majorität  von  zwei  Drittel  der  gültig  abgegebenen  Stimmen  entscheiden  kann,  statt.

Der  Vorsitzende  ernennt  aus  der  Bersmmumg.  Kommissarien,  welche  unter
Zuziehung  des  Syndikus  oder  dessen  Stellvertreters  die  Stimmzettel  sammeln,
nach  dem  jedesmaligen  Skrutinium  die  etwa  beschlossene  unterschriftliche  Volliehung
  und  die  beigefügte  Stimmenzahl  nach  dem  angefertigten,  von  dem  Sendikus
er  Gesellschaft  zu  verifizirenden  und  von  ihm  und  den  genannten  Kommissarien
zu  unterschreibenden  Verseichniße  der  anwesenden  Aktionaire  prüfen,  über  die
Gültigkeit  der  Stimnzzettel  entscheiden  und  nach  erfolgter  Verifikation  den  Inhalt
der  Stimmzettel,  unter  Verschweigung  des  Namens  des  Stimmgebers,  laut  vorlesen
  und  die  Refultate  der  Abstimmung  zusammenstellen.

K.  37.
Wahl  der  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  und  der  Revisoren.

Bei  der  Wahl  der  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  resp.  der  Revisoren
findet  in  den  jährlichen  ordentlichen  Generalversammlungen  folgendes  Verfahren
  statt:

a)  die  Wahl  erfolgt  durch  zweifaches  Skrutinium,  so  daß  zunächst  die  Mitglieder
  des  Verwaltungsrathes  und  hierauf  die  Revisoren  gewählt  werden;

b)  die  Wahl  erfolgt  durch  Stimmzettel,  auf  deren  jeden  eine,  der  Zahl  der
zu  Erwählenden  gleiche  Zahl  Namen  wahlfähiger  Gesellschaftsmitglieder
zu  setzen  ist

J0)  Stimmzettel,  welche  formell  ungültig  sind,  bleiben  ebenso,  wie  unstatthafte

Wahlen  unberücksichtigt;  v
d)  als  erwählt  werden  deesem  en  erachtet,  welche  nach  Inhalt  der  betreffenden
Stimmzettel  die  größte  Anzahl  der  Stimmen  und  zugleich  die  absolute
Stimmenmehrheit  erhalten  haben.  Ist  die  absolute  Majorität  nicht  erreicht,
  so  werden  diejenigen,  welche  die  meisten  Stimmen  erhalten  haben,
in  doppelter  Anzahl  der  noch  zu  Wählenden  zur  engeren  Wahl  gestellt;
Jahrgeng  1867.  (Nr.  6696.)  114  e)  das
        <pb n="1042" />
        —  866  —

e)  das  Resultat  der  Abstimmung  wird  hiernächst  in  das  über  die  Verhandlung
  aufzunehmende  Protokoll  registrirt,  die  Stimmzettel  aber  werden  mit
dem  Siegel  der  Gesellschaft  verschlossen  und  asservirt;

l)  bei  eintretender  Stimmengleichheit  bei  der  Wahl  entscheidet  über  die
Priorität  das  Loos  nach  einer  vom  Vorsitzenden  in  der  Versammlung
selbst  zu  treffenden  Anordnung.

Sollte  einer  oder  mehrere  der  gewählten  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes
die  Annahme  des  Amtes,  zu  welchem  überhaupt  ein  Jwang  nicht  stattfindet,  ausschlagen,
  was  angenommen  wird,  sofern  sie  sich  binnen  acht  Tagen  nach  geschehener
Bekanntmachung  der  Wahl  nicht  schriftlich  zur  Annahme  bereit  erklärt  haben,  so
rücken  nach  der  Reihenfolge  diejenigen  ein,  welche  die  meisten  Stimmen  erhalten
haben.

F.  38.
Protokoll.

Das  über  die  Verhandlungen  jeder  Generalversammlung  aufzunehmende
Protokoll  wird  gerichtlich  oder  notariell  aufgenommen  und  von  den  anwesenden
Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  und  von  drei  Aktionairen  unterschrieben.

Die  Namen  der  in  der  Generalversammlung  erschienenen  stimmberechtigten
Aktionaire  und  die  Legitimation  der  Bevollmächtigten  oder  Vertreter  der  abwesenden
  stimmberechtigten  Aktionaire  sind  durch  eine,  von  den  in  der  Generalversammlung
  anwesenden  Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  zu  vollziehende
Präsenzliste,  welcher  die  Stimmzahl  beizufügen  ist,  festzustellen  und  solche  dem
Protokoll  beizufügen.

Protokoll  und  Präsenzliste  haben  vollkommen  beweisende  Kraft  für  den
Inhalt  der  von  der  Gesellschaft  gefaßten  Beschlüsse;  die  namentliche  Auführung
der  in  der  Generalversammlung  erschienenen,  nicht  stimmberechtigten  Aktionaire
in  der  Präsenzliste  ist  nicht  erforderlich.

IV.
Von  den  Repräsentanten  und  Beamten  der  Gesellschaft.

A.
Verwaltungsrath.

S.  39.
Zweck,  Umfang,  Si.

Der  aus  zwölf  Mitgliedern  bestehende  Verwaltungsrath  bildet  den  Vorstand
der  Gesellschaft;  er  repräsentirt  und  vertritt  die  Gesellschaft  in  ihren  inneren  und
äußeren  Rechten,  soweit  dies  nicht  ausdrücklich  der  Generalversammlung  und  der
Direktion  vorbehalten  ist,  deren  Befugnisse  #n  S.  53.  näher  bestimmt  zad  1

"#.
        <pb n="1043" />
        —  867  —

5.  40.
Wahlfähigkeit.

Jedes  Mitglied  des  Verwaltungsrathes  mit  Ausnahme  der  im  §.  58.  der
transitorischen  fimmomnee  bezeichneten  Mitglieder  muß  im  Besitze  von  vierzig
Aktien  sein,  welche  für  die  Dauer  des  Amtes  bei  der  Gesellschaftskasse  niederzulegen
  sind.

Nicht  wahlfähig  sind:

1)  Beamte  der  Gesellschaft;

2)  Minderjährige  und  unter  Kuratel  stehende  Personen,  sowie  diejenigen,
welche  ihre  Zahlungen  eingestellt  und  sich  nicht  vollständig  mit  ihren
Gläubigern  regulirt  haben;

3)  Personen,  welche  nicht  im  Vollbesitz  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  sind;

4)  Personen,  welche  mit  der  Gesellschaft  in  Kontraktsverhältnissen  stehen.

Treten  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  mit  der  Gesellschaft  in  irgend
ein  Kontraktsverhältniß,  so  -*r  ihre  Funktionen  als  Verwaltungsräthe  vom
Beginn  des  Wertengen  chlusses  bis  Lur  völligen  Abwickelung  desselben  und  werden

für  die  Dauer  dieser  Zeit  einem  Stellvertreter  übertragen,  der  von  den  andern
Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  ernannt  wird.

KC.  41.
Der  Vorsitzende.

Der  Verwaltungsrath  wählt  aus  seinen  Mitgliedern  einen  Vorsitzenden
und  einen  Stellvertreter  für  denselben.

Zur  Gültigkeit  der  Wahl  ist  erforderlich,  daß  sie  mit  absoluter  Stimmenmehrheit
  erfolgt  ist.

Der  Vorsitzende  leitet  die  Geschäfte,  empfängt  und  öffnet  die  eingehenden
Schreiben,  beruft  die  Versammlungen,  ladet  zu  denselben  die  Mitglieder,  nach
Befinden  durch  schriftliche,  den  Gegenstand  der  Besprechung  andeutende  Cirkulare
ein  und  leitet  in  der  Versammlung  selbst  die  Verhandlungen.

Der  Stellvertreter  des  Vorsitzenden  hat,  wenn  letzterer  verhindert  ist,  überall
die  gleichen  Rechte  und  Pflichten,  wie  der  Vorsitende  selbst.

S.  42.
Versammlungen,  Befugnisse  und  Beschlüsse.

Der  Verwaltungsrath  versammelt  sich  in  der  Regel  alle  drei  Monate  an
einem  vorher  durch  Beschluß  zu  bestimmenden  Tage  zußerdem  aber  so  oft,  als
der  Vorsitzende  es  für  nöthig  erachtet  oder  sechs  Mitglieder  unter  Angabe  der
itzungen  finden  abvechseind  in  Nordhausen,  Sonders-Gründe

  es  verlangen.  Die
hausen

(Nr.  6696.)
        <pb n="1044" />
        —  868  —

hausen  und  Erfurt  statt,  könmen  aber  auch  auf  einer  der  Stationen,  welche  die
nach  F.  1.  zu  erbauende  Eisenbahn  berührt,  abgehalten  werden.

Gültige  Beschlüsse  können  nur  mit  absoluter  Stimmenmehrheit  und  wem
mindestens  acht  Mitglieder,  mit  Einschluß  des  Vorsitzenden  oder  dessen  Stellvertreters,
  anwesend  oder  vertreten  sind,  gefaßt  werden.  Für  den  Fall  der  Stimmengleichheit
  giebt  die  Stimme  des  Vorsitzenden  den  Ausschlag.

Bei  Wahlen  wird  eben  so  verfahren,  wie  im  F.  37.  sub  e.  und  am  Ende
vorgeschrieben  ist.

Mitglieder,  welche  bei  dem  Gegenstande  der  Berathung  ein  Privatinteresse
haben,  müssen  sich  bei  der  Abstimmung  entfernen.

Soll  über  Inventur  und  Bilanz,  sowie  über  Verträge  mit  anderen  Gesellschaften
  gültig  Beschluß  gefaßt  werden,  so  muß  den  Mitgliedern  mindestens
zehn  Tage  vor  der  Sitzung  schriftlich  angezeigt  worden  sein,  daß  darüber  verhandelt
  werden  soll.

Ueber  die  Beschlüsse  des  Verwaltungsrathes  wird  ein  Protokoll  geführt.

Der  Verwaltungsrath  als  Vorstand  der  Gesellschaft  (6.  39.)  leitet  insbesondere
  sämmtliche  Angelegenheiten  der  Gokeschat,  bringt  seine  eigenen,  sowie
die  Beschlüsse  der  Generalversammlung  in  Aus  lhan  und  ernennt  und  entläßt
die  Direktion  und  die  oberen  Beamten  der  Gese  #cas
Der  Verwaltungsrath  ist  ermächtigt,  zur  Ausübung  geisser  Befugnisse
desselben,  Spezialbevollmächtigte  zu  ernennen  und  denselben  Vollmachten  zu  er.
theilen,  welche,  soweit  sie  nicht  für  ein  bestimmtes  Geschäft  oder  auf  einen  bestimmten
  Zeitraum  ertheilt  sind,  durch  den  Wechsel  der  Verwaltungsraths-Mitglieder
  allein  nicht  erlöschen.

S.  43.
Zur  Berathung  und  Beschlußnahme  des  Verwaltungsrathes  gehören  insbesondere:

1)  die  Bestimmung  der  Einzahlung  auf  die  Aktien  (§.  16.),  Ausfertigung
der  Aktien,  Dividendenscheine,  Kpors  und  Talons;  I  8

2)  die  Wahl  sämmtlicher  Beamten  mit  mehr  als  500  Thaler  Gehalt,  mit
Ausnahme  der  Diätarien,  und  Feststellung  der  mit  denselben  abzuschlie
ßenden  Verträge,  sowie  der  ihnen  zu  ertheilenden  Instruktionen;

3)  die  Anlage  eines  zweiten  Bahngeleises,  sowie  alle  im  S.  31.  unter  1.  bis  8.
genanntent  demnächst  noch  zum  Beschlusse  der  Generalversammlung  zu

ringenden  Gegenstände;

4)  die  Feststellung  der  Inventur  und  Bilanz;

5)  die  Bestimmung  über  die  Höhe  der  jährlichen  Dividende

6)  die  Normirung  der  Prozentsätze,  welche  aus  der  Betriebskasse  zum  Erneuerungsfonds
  zu  zahlen  sind  (§.  7.)

7)  Er-
        <pb n="1045" />
        —  869  —
7)  Erwerbung  und  Veräußerung  von  Immobilien;

8)  Verträge  mit  anderen  Gesellschaften,  wozu  jedoch  auch  die  Direktion
beauftragt  werden  kann;

9)  die  Entlassung  von  Direktionsmitgliedern,  wozu  jedoch  ein  Beschluß  des
gesammten  Verwaltungsrathes  und  eine  Majorität  von  neun  Stimmen
gehört.

Alle  Erklärungen,  Urkunden,  Verträge  und  Verhandlungen,  die  der  Verwaltungsrath
  Namens  der  Gesellschaft  ausstelr,  resp.  vollzieht,  sind  verbindlich
für  die  Gesellschaft,  sobald  sie  von  dem  Vorsitzenden  oder  dessen  Stellvertreter
und  mindestens  noch  zwei  Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  unterschrieben  sind.

.  44.
Cegitimation.

Zur  Ausübung  aller  dem  Verwalnmgsrathe  im  F.  43.  ertheilten  Befugnisse
bedarf  derselbe  gegen  dritte  Personen  und  Behörden  keiner  weiteren  Legitimation,
als  eines  auf  Grund  der  von  der  Gerichtsperson  oder  dem  Notar  aufgenommenen
Wahlverhandlung  ausgefertigten  gerichtlichen  oder  notariellen  Attestes  über  die
Personen  seiner  jedesmaligen  Mitglieder.

K.  45.
Pflichten  und  Verantwortlichkeit.

Die  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  verwalten  izr  Amt  nach  bester  Einsicht
  und  sind  der  Gesellschaft  nach  Maaßgabe  des  Gesetzes  (C.  132.  Titel  6.
Theil  II.  des  Allgemeinen  Landrechts)  für  ihre  Handlungen  verhaftet.

Die  nicht  in  Preußen  wohnhaften  Mitglieder  nehmen  für  etwaige  Regreßansprüche
  bei  dem  Königlichen  Kreisgericht  in  Nordhausen  Domizil  zn  sind  den
Entscheidungen  Preußischer  Gerichte  aller  Orts  mit  voller  Wirkung  unterworfen,
so  daß  aus  denselben  auch  im  Auslande  gegen  sie  ohne  Weiteres  die  Exekution
vollstreckt  werden  kann.

K.  46.
Dauer  des  Amtes.

Die  Amtedauer  der  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  ist  eine  vierjährige.
In  den  ersten  Jahren  nach  der  vierjährigen  Amtsdauer  (§F.  58.)  des  ersten
Verwaltungsrathes  scheiden  nur  drei  von  den  gewählten  Mitgliedern,  welche  durch
das  Loos  bestimmt  werden,  aus.  Im  sechsten  Jahre  scheiden  die  vier  letzten  der
zuerst  gewählten  Mitglieder  aus.  Später  entscheidet  über  dies  Ausscheiden  nur
die  Amtsdauer.
Die  Ausgeschiedenen  find  sofort  wieder  wählbar.
Mr.  6696.)  S.  47.
        <pb n="1046" />
        —  870  —

S.  47.
Austritt,  Entsetzung,  Suspension.

Jedes  Mitglied  des  Verwaltungsrathes,  mit  *#*  des  Vorsitzenden,
welcher  einer  sechsmonatlichen  Kündigung  bedarf,  kann  sein  Amt  nach  vorgängiger
vierwöchentlicher  schriftlicher  Aufkündigung  niederlegen.

Ein  solcher  Austritt  ist  nothwendig,  wenn  die  im  F.  40.  erwähnten  Fälle
der  Wahlunfähigkeit  eintreten.  Der  Gesellschaft  steht  aber  das  Recht  zu,  jedes
Mitglied  des  Verwaltungsrathes  zu  jeder  Zeit  vom  Amte  zu  entfernen,  wenn
solches  auf  den  Antrag  der  übrigen  Verwaltungsraths-Mitglieder  oder  der  Revisoren
  in  einer  Generalversammlung  beschlossen  wird.

Ein  solcher  Antrag  muß  zunächst  bei  dem  Verwaltungsrathe  selbst  einebracht
  und  von  diesem  in  einer  unter  Angabe  des  Zweckes  berufenen  Versammung
  sämmtlicher  Mitglieder  genehmigt,  demnächst  aber  der  Generalversammlung
vorgelegt  werden.

Auch  kann  in  einer  auf  gleiche  Weise  berufenen  Versammlung  durch  einen
von  mindestens  neun  Mitgliedern  des  Verwaltungsrathes  gefaßten  Beschluß  die
Suspension  vom  Amte  gegen  ein  Mitglied  desselben  bis  zur  definitiven  Entscheidung
  der  nächsten  Generalversammlung  angeordnet  werden,  in  welchem  Falle  der
Verwaltungsrath  zur  interimistischen  Wahl  eines  anderen  Mitgliedes  schreiten  kann.

Das  Protokoll  über  eine  solche  Wahl  muß  gleichfalls  unter  Zuziehung
einer  Gerichtsperson  oder  eines  Notars  aufgenommen  werden.

K.  48.

Remuneration  der  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes.

Die  Mitglieder  des  Verwaltungerathes  werden  nicht  fest  besoldet,  sie  beziehen
  aber  außer  dem  Ersatze  der  baaren  Auslagen  in  Geschätssachen  und  einem
Präsen  gelde  von  fünf  Thalern  pro  Sitzung  und  Mitglied  eine  Tantieme  von
zwei  Prozent  des  Reinertrages,  deren  Vertheilung  dem  Verwaltungsrathe  überlassen
  bleibt.

Sämmtliche  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  erhalten  freie  Fahrt  auf
der  Bahn.

B.
Revisoren.

.  49.
Wahl.

Die  Versammlung  wählt  für  jedes  Berriebsfahr  aus  der  Zahl  der  in
Preußen  wohnhaften  Aktionaire  einen  Revisor  und  aus  der  Zahl  der  in  Schwarzburg
  wohnhaften  Aktionaire  zwei  Repvisoren.

d.  50.
        <pb n="1047" />
        —  871  —

5.  50.
Ressort.

Diesen  liegt  ob,  die  vom  Verwaltungsrathe  aufzustellenden  Bilanzen  zu
prüfen  und  zu  dechargiren.
Die  in  der  ersten  ordentlichen  Generalversammlung  nach  Ablauf  der  Baug
  zu  wählenden  Revisoren  haben  die  Baurechnung,  sowie  die  Bilanzen  für  die
auzeit  und  für  das  erste  Betriebsjahr  zu  prüth  die  in  jedem  folgenden  Jahre
zu  wählenden  Revisoren  prüfen  die  Bilanz  desjenigen  Jahres,  in  welchem  sie  gewählt
  sind.
Die  Revisoren  sind  ermächtigt,  dem  Verwaltungsrathe  Decharge  zu  erbbeilen,
  wenn  sie  gegen  die  Bilanz  nichts  zu  erinnern  finden  oder  ihre  etwaigen
innerungen  erledigt  worden  sind.  6
Ertzegen  esetzten  Falles  haben  sie  bei  der  nächsten  Generalversammlung,
welcher  das  eFgelkot  der  Prüfung  jederzeit  mitzutheilen  ist,  die  Beschlußnahme
über  die  Verfolgung  oder  Beseitigung  der  unerledigten  Erinnerungen  anheimzustellen.

Die  Rechnungsreuisoren  erhalten  eine  vom  Verwaltungsrathe  vorab  festzustellende
  Pauschalentschädigung  für  ihre  Bemühungen.

C.
Beamte  der  Gesellschaft.

S.  51.
Wahl  der  Beamten.

Sollte  der  Betrieb  der  von  der  Gesellschaft  zu  erbauenden  Eisenbahn  nicht
einer  anderen  Gesellschaft  oder  dem  Staate  überlassen  werden,  so  hat  der  Verwaltungsrath
  den  eigenen  Betrieb  den  bestehenden  allgemeinen  und  speziellen  Verordnungen
  gemäß  zu  organisiren  und  nach  Maaßgabe  des  F.  8.  Nr.  I.  sub  o.
des  Statuts  eine  Direktion  und  die  höheren  Beamten  zu  erwählen  und  anzustellen,
die  Bedingungen  der  mit  ihnen  abzuschließenden  Kontrakte  und  ihnen  zu  erthei-Luads„
  Vollmachten  festzustellen  und  die  ihnen  zu  gebenden  Dienstinstruktionen  zu
erlassen.

§.  52.
Die  Direktion.

Insoweit  nicht  laut  I#§.  39.  und  42.  die  Vertretung  der  Gesellschaft  dem
Verwaltungsrathe  übertragen  ist,  wird  sie  von  der  aus  fünf  Mitgliedern  bestehenden
Direktion  wahrgenommen.

(Nr.  6696.)  Die
        <pb n="1048" />
        —  872  —

Die  Direktoren  werden  vom  Verwaltungsrathe  mit  sechsjähriger  Amtsdauer
ernannt.

Die  Direktion  besteht  aus  einem  Betriebsdirigenten,  welcher  gleichzeitig
Vorsitzender  derselben  ist,  einem  Syndikus,  welcher  die  Qualifikation  zum  Richteramte
  besitzen  muß,  und  drei  unbesoldeten  Mitgliedern.

Der  Sitz  der  Direktion  ist  Nordhausen.

Kein  Mitglied  der  Direktion  darf  Bauten  oder  Lieferungsgeschäfte  für  die
Gesellschaft  übernehmen  oder  deren  Bankier  sein.

Zum  gültigen  Zeichnen  der  Firma  der  Gesellschaft  sind  die  Unterschriften
des  Vorsitzenden  der  Direktion  und  mindestens  noch  eines  Mitgliedes  erforderlich.

Innerhalb  ihrer  Befugnisse  beschließt  und  verfügt  die  Direktion  kollegialisch
nach  einer  von  ihr  selbst  zu  entwerfenden,  vom  Verwaltungsrathe  gut  zu  beszenden
Geschäftsordnung.  Die  laufenden  Betriebsgeschäfte  dagegen  hat  der  Betriebsdirigent
  allein  zu  besorgen.

S.  53.

Die  Direktion  verwaltet  den  Gesellschaftsfonds  und  die  künftig  eingehenden
Bahn=  und  Traneportgelder,  sowie  alle  sonstigen  Einnahmen  der  Gesellschaf,
erwirbt  die  zur  Vervollständigung  des  Gesellschaftszweckes  nach  ihren  Beschlüssen
noch  erforderlichen  Grundstücke  und  sonstiges  bewegliches  und  unbewegliches  Eigenthum,
  bewirkt  die  Unterhaltung  der  Bahn,  desgleichen  die  Aufführung,  Anschaffung,
  Unterhaltung  der  nach  der  Betriebseröffnung  noch  erforderlichen  Gebäude,
Materialien,  Transportmittel  und  Utensilien,  organisirt  und  leitet  den  Transportbetrieb,
  schließt  alle  im  Interesse  der  Gesellschaft  erforderlichen  Kauf-,  Tausch-,
Pacht-,  Mieths-,  Engagements=  und  sonstige  Verträge  Namens  der  Gesellschaft
ab  und  repräsentirt  die  letztere  in  allen  Verhältnissen  nach  Außen  auf  das  Vollständigste
  mit  allen  Befugnissen  und  Vekbslichungen,  welche  die  Gesetze  dem
Vorstande  einer  Aktiengesellschaft  (Artikel  227.  bis  241.  des  Handelsgesetzbuches)
beilegen,  Alles,  insoweit  diese  Befugnisse  nicht  laut  F.  42.  dem  Verwaltungsrathe
vorbehalten  sind,  auch  hat  sie  die  Fahrpläne  und  Tarife  festzustellen;  ferner  die
Wahl  und  Entlassung  von  Beamten  mit  500  Rthlr.  oder  weniger  Gehalt  und
weniger  als  dreimonatlicher  Kündigung.  Ankäufe  und  Verträge  ist  dieselbe  befugt,
  bis  zum  Betrage  von  10,000  Rthlr.  abzuschließen.  Größere  Objekte  gehören
  zum  Ressort  des  Verwaltungsrathes.

Insbesondere  ist  die  Direktion  legitimirt,  die  Gersalsschast  in  allen  gerichtlichen
  Handlungen  zu  vertreten,  Eintragungen  jeder  Art  in  die  Hypotbekenbücher
und  Löschungen  in  denselben  zu  bewilligen,  Wiederveräußerungen  vorzunehmen,
Vergleiche  zu  schließen  und  Streitigkeiten  schiedsrichterlicher  Entscheidung  zu  unterwerfen.


Der  Vorsitzende  (Präsident)  der  Direktion  ist  nach  Eröffnung  des  Betriebes
gleichzeitig  Generalbevollmächtigter  der  Gesellschaft  und  hat  solche  in  allen  auf
die  Wasübung  des  Eisenbahnbetriebes  bezüglichen  Geschäften  zu  vertreten.

Die  Direktion  versammelt  sich  alle  Woche  einmal  regelmäßig  und  außerdem
  so  oft  sie  in  wichtigen  Veranlassungen  vom  Vorsitzenden  berufen  wird.

Der
        <pb n="1049" />
        —  873  —

Der  Vorsitzende  und  der  Syndikus  erhalten  ein  festes  Gehalt.

Sämmtliche  Mitglieder  der  Direktion  erhalten  neben  freier  Fahrt  auf  der
Bahn  eine  Tantieme  von  14  Prozent  vom  Reingewinn  des  Unternehmens,  welche
gleichmäßig  unter  die  Mitglider  vertheilt  wird.

Die  auswärts  wohnenden  Mitglieder  erhalten  für  jede  wahrgenommene
Sitzung  der  Direktion  ein  Präsenzgeld  von  5  Thalern.

G.  54.

Der  Syndikus  hat  in  Fällen  Aersönlicher  Behinderung  für  Rechtsgeschäfte
auf  seine  Kosten  einen  qualifizirten  Vertreter  zu  bestimmen  und  durch  eine  vom
Verwaltungsrathe  zu  genehmigende  Substitutionsvollmacht  zu  legitimiren.

G.  55.

Zur  Leitung  der  technischen  Angelegenheiten  bestellt  die  Gesellschaft  einen
Betriebsdirektor  resp.  Oberingenieur,  welcher  der  Staatsregierung  gegenüber  für
die  Sicherheit  des  Betriebes  verantwortlich  ist.  Derselbe  muß  die  solmelle  Qualifikation
  zum  Bauinspektor  besitzen  (#.  8.).

Ob  der  Betriebsdirektor  resp.  Oberingenieur  den  Direktionsmitgliedern
koordinirt  oder  subordinirt  werden  soll,  wird  vom  Verwaltungsrathe  bestimmt.

d.  56.
Kassenwesen.

Ueber  die  Einrichtung  und  Verwaltung  des  Kassenwesens  wird  von  dem
Verwaltungsrathe  eine  besondere  Instruktion  Hngeeset.

C.  57.

Alle  in  Bezug  auf  die  Zusammensetzung  des  Verwaltungsrathes  und  der
übrigen  Vertreter  und  der  im  F.  8.  Nr.  1.  sub  o.  bezeichneten  Veemten  der  Gesellschaft
  eintretenden  Weränderungen,  sowie  die  Namen  der  Vorsitzenden  und  deren
Stellvertreter  sind  durch  die  Gesellschaftsblätter  rechtzeitig  bekannt  zu  machen.

.  58.
Vorübergehende  Bestimmunßen.

Für  die  Dauer  der  Bauzeit  und  bis  zum  Schlusse  desjenigen  Jahres,  in
welchem  der  Betrieb  eröffnet  wird,  erwählt  sich  der  von  der  ersten  General-=versammlung
  erwählte  Verwaltungsrath  ein  Finanzkomité  und  eine  Baukommission,
die  letztere  bestehend  aus  dem  Vorsitzenden  des  erwltungerathes,  einem  rechtsverständigen
  Mitgliede  und  einem  gqualifizirten  Techniker.  Letztere  Beide  brauchen
nicht  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  zu  sein.

Das  Finanzkomité  und  die  Baukommission  leiten  für  die  Dauer  der  obengenannten
  Zeit  nach  Manßete  einer  besonderen  ihnen  vom  Verwaltungsrathe  zu
gebenden  Instruktion  den  Bau  und  die  ersten  Geschäfte  der  Inbetrieb  teung  der

Jahrgang  1867.  (Nr.  6696.)  115  ahn,
        <pb n="1050" />
        —  874  —

Bahn,  engagiren  sich  die  hierzu  nöthigen  Hülfsarbeiter  und  werden  nach  besonderer
  Vereinbarung  hierfür  honorirt.

g.  so.

Für  die  Dauer  der  Bauzeit  sowohl,  als  für  die  Dauer  der  ganzen  Garantiezeit
  der  Stammaktien,  ist  ein  Kommissar  der  Fürstlich  Schwarzburgischen
Regierung,  ferner  je  ein  Magistratsdeputirter  derjenigen  Städte  und  der  Vorsitenee
  derjenigen  Kreise  und  Bezirksvertretungen,  welche  einen  Theil  der  Garantie
überyehmen,  in  den  Verwaltungsrath  aufzunehmen.  Es  soll  für  die  Dauer  dieser
  Zeit  der  Verwaltungsrath  nicht  aus  zwölf,  sondern  aus  funfzehn  Mitgliedern
bestehen.  Auch  in  das  Finanzkomité  kann  die  Fürstlich  Schwarzburgische  Regierung
  einen  Vertreter  bestellen.

C.  60.

Von  den  eigentlichen  sieben  Proponenten  der  Bahn  werden  gleichfalls
mindestens  zwei  in  den  ersten  Verwaltungsrath  gewählt.  Die  Proonzenten  erhalten
  als  Präme  ihrer  Bemühungen  für  das  Zustandekommen  der  Bahn,  sowie
namentlich  für  ihre  Auslagen  und  Arbeiten,  eine  von  der  ersten  Generalversammlung
  zu  bestimmende  Remuneration,  welche  jedoch  erst  dann  liquide  wird,
wenn  die  Bn  völlig  gesichert  und  im  Bau  begonnen  ist.

Auch  soll  ein  Pauschguantum  ausgeworfen  werden,  um  den  andern  Mitgliedern
  des  Hauptkomités  ihre  baaren  Auslagen  und  Bemühungen  zu  erstatten.
G.  61.

Die  Staatsregierung  ist  berechtigt,  zu  spezieller  technischer  Beaufsichtigung,
der  Bauausführung  einen  besonderen  technischen  Kommissarius  zu  bestellen,
welcher,  unbeschadet  des  allgemeinen  gesetzlichen  Aufsichtsrechtes  und  der  daraus
entspringenden  Befugnisse  des  Staates,  ermächtigt  sein  soll,  sich  zu  jeder  Zeit,  in
jeder  ihm  geeignet  schelnenden  Weise  von  der  vorschriftsmäßigen  und  soliden
Ausführung  des  Baues  nach  den  genehmigten  Plänen  und  Konstruktionen  und
von  der  Beschaffenheit  der  zu  verwendenden  Materialien  und  Betriebsmittel  durch
Einsichtnahme  und  Proben  Ueberzeugung  zu  verschaffen.

Seinen  Anordnungen  ist  die  Gesellschaft  unter  Vorbehalt  des  Rekurses  an
das  Königliche  Ministerium  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten,  binnen
zehntägiger  präklusivischer  Frist  unbedingt  Folge  zu  leisten  verbunden.

steht  ihm  das  Recht  zu,  in  dringenden  Fällen  nele  ändig,  sonst  aber
mit  Genehmigung  der  vorgesetzten  Aufsichtsbehörde  die  Aufführung  eines  Bauwerkes
  und  die  Benutzung  von  Betriebsmitteln  zu  untersagen.

Nordhausen,  den  19.  Februar  1867.

Bei-
        <pb n="1051" />
        —  875  —

Beilagen.

Schema  A.
Stamm-Aktie

der

Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft

über
Einhundert  Thaler  Preußisch  Kuraut.
Der  Inhaber  dieser  Aktie  ist  nach  Verhältniß  des  Betrages  derselben  an

dem  gelammien.  Eigenthume  der  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft  und  an
dem  Gewinne  und  Verluste  derselben  betheiligt.

f,  den  IH8.
Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft.

(L.  S.)  Der  Verwaltungsrath.  Eingetragen  kol.  des  Aktienbuches.
(Sechs  faksimilirte  Unterschriften.)  (Unterschrift  des  Beamten.)

(Nr.  ##s.)  115“  Schema  B.
        <pb n="1052" />
        —  876  —

Schema  B.
Stamm-Prioritäts-Aktie
der
Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft
%e%  .
über

Einhundert  Thaler  Preußisch  Kurant.

Der  Inhaber  dieser  Aktie  ist  nach  Verhältniß  des  Betrages  derselben  an
dem  gesammten  Eigenthume  der  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft  und
an  dem  Gewinne  und  Verluste  derselben  mit  allen  denjenigen  Por#cchuen  betheiligt,
  die  nach  dem  Geschäftsstatut  den  Inhabern  der  Stamm  Prioritätsaktien
zustehen;  insbesondere  also  mit  dem  prioritätischen  Anspruche  auf  Gewährung  einer
Dividende  von  fünf  Prozent  pro  anno  aus  dem  Reinertrage  des  Unternehmens
der  Gesellschaft,  ehe  irgend  eine  Dividendenzahlung  an  die  Inhaber  der  Stammaktien
  stattfinden  darf.

Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft.

(L.  S.)  Der  Verwaltungsrath.  Eingetragen  Pol.4  des  Aktienbuches.
(Sechs  faksimilirte  Unterschriften.)  (Unterschrift  des  Beamten.)

Scema  C.
        <pb n="1053" />
        Schema  C.
Kupon
zur

Stamm=  Prioritäts-  Aktie  6.
Stamm=  «

der

Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft,
während  der  Bauzeit,  nachdem  die  Aktie  voll  eingezahlt  ist.

..  nicht  erhoben  ist.

Der  Inhaber  dieses  Kupons  empfängt  gegen  Enlieferung  desselben
3  Toalr  Preußisch  Kurant,  geschrieben:  zwei  und  einen  halben  Thaler
Preußisch  Kurant,  als  Zinsen  der  vorgedachten  Aktie  für  das  halbe  Jahr
v  hs.on:  s  m  ...

ten.

Der  Verwaltungsrath  der  Nordhausen-Erfurter
Eisenbahngesellschaft.

Dieser  Kupon  wird  ungültig,  wenn  dessen  Geldbetrag  bis  einschließlich

  den.

(L.  8.)  Faksimile  von  zwei  Unterschriften.

Eingetragen  Fkol.
(Unterschrift  des  Beamten.)

(Ne.  6696.)  Schema  D.
        <pb n="1054" />
        —  878  —
Schema  D.

Dividendenschein..#...

über
Einhundert  Thaler  Preußisch  Kurant.
Der  Inhaber  dieses  Scheines  empfingt  am  1.  Mai  18.  gegen  Einlieferung
  desselben  aus  der  Gesellschaftskasse  die  auf  obige  Mktie  fallende  gemäß  §.  22.
des  Statuts  festzusetzende  und  bekannt  gemachte  Dividende  für  das  Jahr  18..,
resp.  diejenigen  vier  Thaler  Dro  anno,  welche  ihm  statutenmäßig  in  den  ersten
zehn  Betriebsjahren  garantirt  sind.
Nordhausen,  den..  .  18.
Der  Verwaltungsrath  der  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft.
(Trockener  Stempel.)
(Faksimile  zweier  Unterschriften  nach  F.  23.)

Eingetragen  Fol.4  des  Registers  A.  der
Dividendenscheine.
(Ulfnterschrift  des  Beamten.)

Dividendenschein.  .  .  .  ..

Schema  E.

Einhandert  Thaler  Preußisch  Kurant.

Der  Inhaber  dieses  Scheines  hat  gegen  Einlieferung  desselben  an  dem  laut
Bilanz  sich  ergebenden  Reingewinn  der  Gesellschaft  für  das  Jahr  18.  einen
Prioritätsanspruch  bis  zu  fünf  Thalern  Preußich  Kurant.  Außerdem  wird  der
Ueberschuß  des  Reingewinnes,  der  sich  nach  Auszahlung  dieser  fünf  Prozent,  sowie
  demnächst  fernerer  fünf  Prozent  pro  anno  auf  die  Stammaktien  und  der
zur  Deckung  etwaiger  Vorschüsse  der  Geranten  laut  §.  22.  des  Statuts  benöthigten
Summen  heraustein,  gleichmäßig  auf  die  sämmtlichen  Prioritäts-Stamm-  und
Stammaktien  vertheilt.  -

Nordhausen,den..«"........·......  18..

Der  Verwaltungsrath  der  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft.
(Trockener  Stempel.)
(Faksimile  zweier  Unterschriften  nach  F.  23.)
Eingetragen  Fol.  des  Registers  B.  der

Dividendenscheine.
(lnnterschrift  des  Beamten.)

Schema  F.
        <pb n="1055" />
        —  879  —

Schema  F.
Talon
zur
Stamm-Aktie  der  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft
..g
über

Einhundert  Thaler  Preußisch  Kurant.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfingt  im  Jahre  18.  gegen  Einlieferung
desselben  die  zur  obenbezeichneten  Aktie  auszufertigenden  Dividendenscheine  .4  Serie
für  die  nächsten  fünf  Jahre  für  18.  bis  einschließlich  18.

Nordhausen,  den.  H  t  18.

Der  Verwaltungsrath  der  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft.
(Trockener  Stempel.)
(Faksimile  zweier  Unterschriften  nach  F.  23.)
Eingetragen  kol.  des  Talonregisters  A.
(Unterschrift  des  Beamten.)

Schema  6.
Talon

zur
Prioritäts-Stamm-Aktie  der  Nordhausen-Erfurter

über
Einhundert  Thaler  Preußisch  Kurant.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  im  Jahre  18..  gegen  Einlieferung
desselben  die  zu  der  obenbezeichneten  Prioritäts-Stammaktie  auszufertigenden  Di.-iderdenscheine
  .  .  Serie  für  die  nächsten  fünf  Jahre  für  18..  bis  einschließi
  ..

Der  Verwaltungsrath  der  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft.
(Trockener  Stempel.)

(Faksimile  zweier  Unterschriften  nach  F.  23.)
Eingetragen  Fol.4  des  Talonregisters  B.

(Unterschrift  des  Beamten.)

Schema  H.

(Nr.  6696.)
        <pb n="1056" />
        Schema  H.

Quittungsbogen

der
Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft

Herr.......................·......

hat  sich  durch  Zeichnung  einer  Stamm.  Proritäts-  Aktie  von  Einhundert  Thalern

  Preußisch  Kurant  bei  der  Nordhausen-Erfurter  Eisenbahngesellschaft  betheiligt
und  auf  diesen  Betrag  die  hierunter  von  dem  Verwaltungaratze  oder  dem  Finanz.
komité  der  Gesellhaft  zu  quittirenden  Raten  eingezahlt.  Die  Aushändigung  der
Aktie  gegen  Rückgabe  dieses  Quittungsbogens  geschieht,  nachdem  der  Betrag  der
Aktie  voll  eingezahlt  ist.

Das  Finanzkomité  des  Verwaltungsrathes  der  Nordhausen-Erfurter
Eisenbahngesellschaft.

(L.  S.)  Drei  faksimilirte  Unterschriften.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober.  Hosbuchdruckerei
(R  ecker).
        <pb n="1057" />
        —  881  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

N.  59.  —

(Nr.  6697.)  Uebereinkunft  zwischen  Prcußen  und  Oldenburg,  den  Beitritt  Oldenburgs  zu
dem  Vertrage  vom  28.  Juni  186.1.  über  die  gleiche  Besteuerung  innerer

Erzeugnisse  betreffend.  Vom  r.  1867.

Sze  Majestät  der  König  von  Preußen  und  Seine  Königliche  Hoheit  der
Großherzog  von  Oldenburg  Kaben  in  der  Absicht,  die  Freiheit  des  Verkehrs  mit
den  einer  inneren  Besteuerung  unterliegenden  Erzeugnissen  weiter  zu  fördern,  zur
Verhandlung  über  eine  veserkalb  zu  schließende  Uebereinkunft,
Seine  Majestät  der  König  von  Preußen:
Allerhöchstihren  Geheimen  Ober-Finangrath  Friedrich  Leopold
Henning,
Seine  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Oldenburg:
Allerhöchstihren  Ministerialrath  Friedrich  Andreas  Ruhstrat
bevollmächtigt,  von  welchen  Bevollmächtigten,  unter  Vorbehalt  der  Ratifikation,
solgende  Uebereinkunft  abgeschlossen  worden  ist.

Artikel  1.

Seine  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Oldenburg  tritt  für  das
Herzogthum  Oldenburg,  soweit  dasselbe  dem  Zollverein  angeschlossen  ist,  dem  Vertrage
  zwischen  Preußen,  Sachsen,  den  zum  Thüringischen  Zoll-  und  Handelsvereine
  verbundenen  Staaten  und  Braunschweig  vom  28.  Juni  1864.  über  die
gleiche  Besteuermm  innerer  Erzeugnisse  mit  den  in  den  folgenden  Artikeln  bezeichneten
  Maaßgaben  und  Beschränkungen  bei.

Dieser  Beit#  erfolgt  unter  der  Voraussetzung  der  Zustimmung  der
außer  Preußen  bei  dem  genannten  Vertrage  betheiligten  Staaten  und  unbeschadet
der  Aenderungen,  welche  durch  die  Ausführung  der  Verfassung  des  Norddeutschen
Bundes  demnächst  herbeigeführt  werden.

Artikel  2.

Die  gegenwärtige  Uebereinkunft  soll  sich  zugleich  auf  das  Jd
Jahrgang  1867.  (Nr.  6697.)  110  reu-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  30.  Juni  1867.
        <pb n="1058" />
        —  6882  —

Preußens,  auf  die  von  Preußen  seit  dem  Abschluß  des  Vertrages  vom  28.  Juni
1864.  erworbenen  Gebiete  und  auf  das  Herzogibum  Lauenburg  erstrecken,  jedoch
für  jedes  dieser  Gebiete  ersft  von  dem  Tage  ab,  an  welchem  dasselbe  mit
den  älteren  Preußischen  Landen  in  freien  Verkehr  bezüglich  des  Branntweins
treten  wird.

Artikel  3.

Zur  Ausführung  der  im  Artikel  9.  des  Vertrages  vom  28.  Juni  1864.
getroffenen  Verabredung  wird  Oldenburg  mit  dem  Tage  des  Eintritts  der  Wirksamkeit
  des  gegenwärtigen  Vertrages  die  nämlichen  gesetzlichen  und  administrativen
Anordnungen  über  die  Besteuerung  der  Branntweinfabrikation  in  Kraft  setzen,
welche  Preußen  für  das  vormalige  Königreich  Hannover  zu  dem  Zwecke  erlassen
wird,  um  daselbst  die  Uebereinstimmung  mit  den  in  seinen  älteren  Landen  für
diese  Besteuerung  zur  Zeit  bestehenden  Einrichtungen  herbeizuführen.  Preußischer
Seits  wird  über  die  zu  erlassenden  Anordnungen  der  Großherzoglich  Oldenburgischen
  Regierung  Mittheilung  gemacht  werden.

Artikel  1.

Bis  zu  dem  Zeitpunkte,  an  welchem  die  Bestimmung  im  Artikel  38.  der
Verfassung  des  Norddeutschen  Bundes  in  Wirksamkeit  treten  wird,  wird  der
Antheil  für  das  Herzogthum  Oldenburg  an  der  gemeinschaftlichen  Fabrikationsund
  Uebergangsabgabe  von  Branntwein  durch  eine  besondere  Abrechnung  zwischen
Preußen  und  Oldenburg  festgestellt.  Dabei  wird  nach  den  Verabredungen  verfahren,
  welche  in  den  Artikeln  1.  bis  9.  der  Uebereinkunft  zwischen  Hannover  und
Oldenburg  vom  30.  März  1865.,  die  Gemeinschaftlichkeit  der  inneren  Steuern
betreffend,  enthalten  sind.  Als  der  Ertrag  aus  der  Besteuerung  des  Branntweins,
  welcher  bei  dieser  Abrechnung  in  Ansatz  zu  bringen  ist,  wird  derjenige
Antheil  an  den  gemeinschaftlichen  Steuern  von  Branntwein  angenommen,  welcher
bei  der  Abrechnung  unter  den  Theilnehmern  an  dem  Vertrage  vom  28.  Juni
1864.,  Oldenburg  eingeschlossen,  nach  dem  Maapstabe  der  Bevölkerung  auf  die
der  Steuergemeinschaft  zwischen  dem  vormaligen  önigreich  annover  und  Oldenburg
  gehörigen  Hannoverschen  und  mit  denselben  im  Spezialverbande  gestandenen
Landestheile  und  auf  das  Herzogthum  Oldenburg  fällt.

Artikel  5.

Mit  Rücksicht  auf  die  Mindereinnahme,  welche  Oldenburg  in  Folge  der
im  Artikel  4.  über  die  Revenüentheilung  getroffenen  Verabredung,  gegenüber
seiner  bisherigen  Einnahme  aus  der  Branntweinsteuer  und  der  Uebergangsabgabe
von  Branntwein  erleiden  möchte,  wird  ihm,  für  die  Dauer  dieser  Revennentheilung,
  ein  Erlaß  an  derjenigen  Entschädigung  gewährt  werden,  welche  es  durch
den,  in  Verbindung  mit  der  Uebereinkunft  vom  30.  März  1865.  an  demselben
Tage  mit  Hannover  abgeschlossenen  Vertrag  für  die  Aufhebung  des  Brunshauser
Zolles  übernommen  hat.  Dieser  Erlaß  soll  nach  dem  Verhältniß  von  2500  Kthlr.
für  jeden  Monat  berechnet  werden,  jedoch  im  Ganzen  den  Betrag  der  beiden  für
1868.  und  18690.  zu  zahlenden  Entschädigungsraten  von  je  7000  Rthlr.,  also

zusammen  14,000  Rthlr.  nicht  übersteigen.
Jede
        <pb n="1059" />
        —  s883  —

Jede  ebengedachte  Rate  von  2500  Rthlr.  tilgt  mit  ihrem  Fälligwerden  am
Schlusse  des  betreffenden  Monats  einen  entsprechenden  Theil  der  Entschädigungsraten
  für  den  Brunshauser  Zoll,  so  daß  für  jeden  dergestalt  getilgten  Theil  vom
Tage  der  Tilgung  an  Zinsen  nicht  weiter  zu  bezahlen  sind.

Artikel  6.
Die  Wirksamkeit  der  gegenwärtigen  Uebereiukunft  begiunt  mit  dem  Tage,

an  welchem  zwischen  dem  vormaligen  Königreich  Hannover  und  den  älteren
Preußischen  Landen  der  freie  Verkehr  mit  Branntwein  eintritt.

Artikel  7.

Seine  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Oldenburg  behält  Sich  vor,
auch  den  auf  die  Besteuerung  des  Braumalzes  bezüglichen  Verabredungen  in  dem
im  Artikel  1.  bezeichneten  Vertrage  für  das  Herzogthum  Oldenburg,  soweit  dasselbe
dem  Zollvereine  angeschlossen  ist,  beimutreten,  und  zwar  mit  der  Wirkung,  daß
die  in  Preußen  gesetzlich  bestehende  Besteuerung  des  Braumalzes  in  Oldenburg
zur  Anwendung  kommt.

Für  deßen  Beitritt  gelten  die  in  den  Artikeln  1—  3.  der  gegenwärtigen
Uebereinkunft  enthaltenen  Voraussetzungen  und  Maaßgaben.

Bis  zur  Ausführung  desselben  bleibt  Preußen  die  Erhebung  einer  Uebergangsabgabe
  von  dem  aus  Oldenburg  eingehenden  Bier  vorbehalten.

Artikel  8.
Preußen  wird  die  übrigen  Theilnehmer  an  dem  Vertrage  vom  28.  Juni
1864.  einladen,  die  im  Artikel  1.  erwähnte  Zustimmung  zu  ertheilen.
Artikel  9.

Die  ges  eärtige  Uebereinkunft  soll  ratifizirt  und  es  sollen  die  Ratifikationen
  zu  Berlin  sobald  wie  möglich  ausgewechselt  werden.

So  geschehen  Berlin,  den  27.  April  1867.
und
Oldenburg,  den  30.  April  1867.
(L.  S.)  Henning.  (L.  S.)  Ruhstrat.

Vorstehende  Uebereinkunft  ist  ratifizirt  worden  und  der  Austausch  der  Ratifkkations-Urkunden
  hat  stattgefunden.  ·

 

(Nk.ss97—6698)  (Nk.6698.)
        <pb n="1060" />
        —–—  884  —

(Nr.  6698.)  Verordnung,  betreffend  die  Ausführung  des  §.  188.  des  Allgemeinen  Berggesetzes
  vom  24.  Juni  1865.,  sowie  der  Verordnung  vom  1.  Juni  1867.
wegen  Einführung  des  Allgemeinen  Berggesetzes  in  das  mit  der  Preußischen
  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums
Hessen  und  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt,  sowie  der  vormals
Königlich  Bayerischen  Landestheile.  Vom  24.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  x.
verordnen  hierdurch  in  Ausführung  des  HF.  188.  des  Allgemeinen  Dercgsesches
vom  24.  Juni  1865.  (Gesetz  Samml.  für  1865.  S.  705.),  sowie  der  Verordnung
vom  1.  Juni  d.  J.,  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen  Berggesetzes  in
das  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen  ürsten.
thums  Hessen  und  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt,  sowie  der  vormals

öniglich  Bayerischen  Landestheile  (Gesetz  Samml.  für  1867.  S.  770.),  was  folgt:

Artikel  I.

Der  Bezirk  des  Oberbergamtes  zu  Bonn  umfaßt  auch  das  Gebiet  der  vormaligen
  freien  Stadt  Frankfurt  und  der  Bezirk  des  Oberbergamtes  zu  Halle  die
vormals  Königlich  Bayerische  Enklave  Kauledorf.

Artikel  II.

Der  Oberberg-  und  Salzwerksdirektion  zu  Kassel  werden  bis  auf  Weiteres
alle  Befugnisse  und  Obliegenheiten  eines  Oberbergamtes  beigelegt.  Der  Bezirk
derselben  umfaßt  das  mit  Unserer  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen
Kurfürstenthums  Hessen  und  der  vormals  Königlich  Bayerischen  Landestheile,
ausschließlich  der  Enklave  Kaulsdorf.

Artikel  III.

Die  Verwaltungen  der  Domanial.  Bergwerke,  Hütten=  und  Hammerwerke,
Salinen,  Thongruben  und  Steinbrüche  bleiben,  wie  bisher,  der  denselben  vorgesetzten
  Oberbergbehörde  unterstellt.

Artikel  IV.

Die  gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  1.  Juli  d.  J.  in  Kraft  und
ist  der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  mit  der  Ausfüh.
rung  derselben  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  24.  Juni  1867.  ç

(I.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1061" />
        <pb n="1062" />
        —  885  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

JNr.  60  —

 

(Nr.  6699.)  Verordnung  über  das  Verfahren  in  Civilprozessen  für  die  durch  das  Geseh
vom  20.  September  1866.  und  die  beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.
der  Preußischen  Monarchie  einverleibten  Landestheile,  mit  Ausnahme  des
Gebiekes  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  sowie  der  vormaligen
freien  Stadt  Frankfurt,  des  vormaligen  Oberamtsbezirks  Meisenheim  und
der  Enklave  Kaulsdorf.  Vom  24.  Juni  18067.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

verordnen  für  die  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  und  die  beiden.
Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  Geseh.  Samml.  S.  555.  875.  und  300)  der
Preußischen  Monrchie  einverleibten  Landestheile,  mit  Ausnahme  des  Gebietes
des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  sowie  der  vormaligen  geeien  Stadt  Frankfurt,
  des  vormaligen  Oberamtsbezirks  Meisenheim  und  der  Enklave  Kaulsborf
auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums  über  das  Verfahren  in  Civilprozessen,
  was  folgt:

Erster  Abschnitt.
Mandatsprozeß.

S.  1.
Der  unbedingte  Mandatsprozeß  findet  statt:

1)  wegen  einer  Forderung  aus  einem  einseitigen  oder  aus  einem  zweiseitigen
Rochtsgeschäste  sofern  dieselbe  in  einer  Urkunde  gründet,  ohne  Unterschied,
  ob  diese  eine  öffentliche  Urkunde  oder  eine  Privaturkunde  ist,  wegen

einer  Forderung  aus  einem  zweiseitigen  Oeshifte  jedoch  nur  dann,  wenn

entweder  in  derselben  oder  in  einer  anderen  Urkunde  die  Erfüllung  der
Gegenleistung  beurkundet  ist.  Die  Urkunden  müssen  im  Original  mit
der  Klage  überreicht  werden.  Den  Original-Schuldurkunden  sind  gleich  zu

Jahrgang  1867.  (Tr.  6699.)  117  a  hten

Ausgegeben  zu  Berlin  den  5.  Juli  1867.
        <pb n="1063" />
        —  886  —

achten  die  an  Stelle  der  Schuldbriefe  ertheilten  Atteste  der  Hypothekenbehörden
  über  Forderungen,  welche  in  das  Hypothekenbuch  eingetragen  sind.

Auch  alle  übrigen  zur  Begründung  der  Klage  etwa  noch  erforderlichen
Thatsachen  müssen  in  gleicher  Art  wie  die  Forderung  durch  im  Original
beizubringende  Urkunden  bescheinigt  werden;

2)  wegen  Forderungen  der  Geistlichen,  der  gerchlichen  Anwalte,  der  Notare,
der  Feldmesser,  sowie  der  Kirchen=  und  Schulbedienten  für  ire.  Gebühren
und  Auslagen  schoch,  soferm  das  Gesetz  nicht  ein  Anderes  besimnt,  nur
für  den  Fall,  daß  die  Forderung  durch  die  vorgesetzte  Behörde  festgesetzt
ist  und  das  Festsetzumngsdekret  mit  der  Klage  überreicht  wird;

3)  wegen  der  aus  dem  letzten  Jahre,  vom  Tage  der  Anbringung  der  Klage
zurückgerechnet,  lerrührenden  Forderungen  der  ordnungsmäßig  konzessionirten
  Privat-,  Schul-  und  Erziehungsanstalten  an  rückständigem,  durch
ihren  Einrichtungsplan  festgesetzten  Schul-  oder  Pensionsgelde,  der  Medizinalpersonen
  für  ihre  ärztlichen  Dienstleistungen,  wenn  sie  solche  speziell
  angeben,  und  der  Apotheker  für  Arzneimittel,  wenn  ihre  Rechnungen
mit  den  ärztlichen  Rezepten  und  einem  Festsetzungsdekret  belegt  sind.

g.  2.

.Das  Mandat  wird  mit  Bestimmung  einer  14tägigen  Frist  erlassen,  binnen
welcher  der  Verklagte  seine  Einwendungen  vorzubringen  hat.  Die  Einwendungen
sind  entweder  mün  üch  zu  Protofoll  oder  schriftlich  anzubringen;  üm  letztern  Falle
ist  die  Unterzeichnung  des  chriftsah  durch  einen  Rechtsanwalt  nach  Maaßgabe
der  Bestimmungen  des  §.  .  erforderlich.  ·

Beltreitet  der  Verklagte  die  Aechtheit  einer  zur  Begründung  der  Forderung
beigebrachten  Privaturkunde,  so  hat  er  sich  zugleich  zur  Ableistung  des  Diffessionseides
  zu  erbieten.

Einwendungen,  in  Betreff  welcher  dem  Verklagten  die  Beweislast  obliegt,
sind  nur  insofern  zulässig,  als  sie  sofort  durch  Urkunden,  Eideszuschiebung  oder
Zeugen,  deren  unverzüglicher  Abhörung  kein  Hinderniß  entgegensteht,  erwiesen
werden  können.

Werden  von  dem  Verklagten  rechtzeitig  Einwendungen  erhoben,  in  Betreff
welcher  er  entweder  den  vorstehenden  Bestnmungen  genügt  hat  oder  nicht  beweispflichtig
  ist,  so  sind  beide  Parteien  und  die  vom  Verklagten  etwa  benannten
Zeugen  zur  mündlichen  Verhandlung  (S#.  18.  l  vorzuladen.

Die  Vorschriften  über  den  Beweis  der  Einwendungen  gelten  auch  für  den
Beweis  der  Thatsachen,  auf  welche  die  eine  oder  andere  Partei  sich  im  weiteren
Verfahren  beruft.

Findet  der  Richter  eine  Eimwendung  begründet,  so  wird  auf  Zurücknahme
des  Mandats  erkannt;  durch  das  Erkenntniß  wird  die  Vollstreckbarkeit  des  Mandats
bis  dahin  gehemmt,  daß  eine  abweichende  Entscheidung  der  höheren  Instanz  rechtskräftig
  4heworden.  ist.  -  ,  «

erden  die  Einwendungen  unbegründet  befunden,  so  wird  auf  Vollstreckung

des  Mandats  erkannt;  die  Appellation  gegen  ein  nolches  Erkenntniß  hat  keine
aufschiebende  Wirkung.  3
n
        <pb n="1064" />
        —  887  —

In  beiden  Fällen  bleibt  dem  unterliegenden  Theile  die  Verfolgung  seiner
Ansprüche  im  ordentlichen  Prozesse  vorbehalten.

Eine  Rekonvention,  in  soweit  solche  sich  nicht  zu  einer  Kompensations-Einrede
  eignet,  hat  nur  die  Begründung  des  Gerichtsstandes  zur  Folge.

g.  3.
Durch  Einwendungen,  welche  nach  Ablauf  der  im  Mandate  festgesetzten
d  vorgebracht  werden,  wird  die  Vollstreckbarkeit  des  Mandats  unbeschadet  der
estimmungen  des  F.  101.  nicht  gehemmt;  dieselben  sind  mittelst  einfacher  Verfügung
  zum  Separatverfahren,  im  geeigneten  Wege  des  Prozesses,  zu  verweisen.
Dasselbe  gilt  von  rechtseiiig  angebrachten,  jedoch  nach  den  Bestimmungen  des
K.  2.  wegen  mangelhafter  Beweisantretung  nicht  zulässigen  Einwendungen.

.  4.

Der  bedingte  Mandatsbroseß  findet  statt,  sofern  nicht  der  unbedingte  Mandatsprozeß
  gerechtfertigt  ist  G.  1.),  wegen  der  auf  Zahlung  einer  Geldsumme
oder  Gewährung  anderer  vertretbarer  (fungibler)  Sachen  gerichteten,  die  Summe
oder  den  Werth  von  Einhundert  Thalern  nicht  übersteigenden  Forderungen.  Das
unter  d  Mittheilung  der  Klage  an  den  Verklagten  zu  erlassende  Mandat
muß  die  Bestimmung,  was  der  Verklagte  dem  Kläger  zu  zahlen  oder  zu  leisten
hat,  und  die  Verwarnung  enthalten,  daß,  wenn  der  Verklagte  binnen  einer  vierzehntägigen
  oder  bei  schleunigen  Sachen  nach  richterlichem  Ermessen  noch  kürzer
u  bestimmenden  Frist  weder  mündlich  zu  Protokoll,  noch  schriftlich  Widerspruch
bem  Gerichte  erhebt,  das  Mandat  die  Kraft  eines  Erkenntnisses  erlange,  ird  auf
den  Antrag  des  Klägers  ohne  Weiteres  werde  zur  Vollstreckung  gebracht  werden.
Der  Kläger  ist  von  der  Insinuation  des  Mandats  zu  benachrichtigen.

Wenn  innerhalb  der  bestimmten  Frist  Widerspruch  angebracht  wird,  so  sind
beide  Theile  zur  vollständigen  Klagebeantwortung  und  weiteren  mündlichen  Verhandlung
  nach  Maaßgabe  des  F.  #37.  vorzuladen.

Zweiter  Abschnitt.
Ordentlicher  Prozeß.

.  5.

In  den  nicht  zum  Mandatsprozeß  geeigneten  Prozesen  bestimmt  sich  das  Verfahren,
  vorbehaltlich  der  Bestimmungen  über  die  besonderen  Prozesse,  nach  folgenden
  Vorschriften.

S.  6.

Findet  das  Gericht  die  Klage  vollständig  und  begründet,  so  ist  der  Verklagte

  unter  abschriftlicher  Mittheilung  derselben  und  ihrer  Anlagen,  mit  An-(Xr.
  6699.)  117“  drohung
        <pb n="1065" />
        –  888  —

drohung  der  in  den  §#§.  10.  12.  dieser  Verordnung  bestimmten  Nachtheile,  zur
Klagebeantwortung  vorzuladen.
S.  V.

Der  Termin  ist  berssstalt  anzuberaumen,  daß  dem  Verklagten  eine  Frist
von  vierzehn  Tagen  bis  sechs  Wochen,  von  dem  Tage  der  Insinuation  der  Klage
an  gerechnet,  zur  Vorbereitung  seiner  Einlassung  frei  bleibt.

Der  Richter  kann  diese  Frist  bei  besonders  verwickelten  Rechtsstreitigkeiten
oder  aus  anderen  in  der  Sache  liegenden  Gründen,  sowie  nach  Verhältniß  der
Entfernung  des  Wohnortes  des  Verklagten  verlängern,  auch  den  Termin  auf
Antrag  des  Verklagten,  jedoch  ohne  Vostimmung  des  Klägers  nur  einmal,
verlegen.

S.  8.

Dem  Kläger  ist  von  dem  Termine  zur  Klagebeantwortung  Nachricht  zu
geben  und  ihm  zu  überlassen,  auch  seinerseits  im  Termine  zu  erscheinen.  Wenn
er  nicht  erscheint,  so  wird  angenommen,  daß  er  auf  dem  Klageantrag  bestehe  und
die  weitere  Entscheidung  oder  Verfügung  des  Richters  nach  Hn  abe  der  Klage
und  der  erfolgten  oder  nicht  erfolgten  Einlassung  des  Verklagten  (§#.  10.  11.  18.)
erwarten  wolle.

e

Der  Verklagte  ist  befugt,  entweder  in  dem  Termine  zu  erscheinen  und  die
Klage  mündlich  zu  Protokoll  zu  beantworten,  oder,  statt  in  dem  Termine  zu  erscheinen,
  schon  vor  oder  in  demselben  eine  schriftliche  Klagebeantwortung  einzureichen.
Die  schriftliche  Beantwortung  muß  jedoch  von  einem  Rechtsanwalte  unterzeichnet
sein,  widrigenfalls  sie  für  nicht  angebracht  erachtet  und  sofort  zurückgegeben  wird.
Nur  den  öffentlichen  Behörden  und  solchen  Privatpersonen,  welche  die  für  die
Anstellung  als  Richter  oder  Anwalt  eingeführte  Prüfung  bestanden  haben,  ist  die
Einreichung  einer  schriftlichen  Klagebeantwortung  ohne  Zuziehung  eines  Rechtsanwalts
  gestattet.

§S  10.

Wenn  der  Verklagte  in  dem  Termine  nicht  erschienen,  auch  eine  schriftliche
Klagebeantwortung  nicht  eingegangen  ist,  so  nimmt  das  Gericht  die  in  der  Klage
angeführten  Thatsachen  für  richtig  an  und  erkennt,  so  weit  es  die  Klage  für
rechtlich  begründet  erachtet,  durch  Kontumazial-Erkenntniß  gegen  den  Verstagun
nach  dem  Antrage  der  Klage.

S.  11.

Wird  der  Anspruch  von  dem  Verklagten  anerkannt,  so  ist  derselbe  durch
Agnitions-Erkenntniß  seinem  Anerkenntniß  gemäß  zu  verurtheilen.

C.  12.

Insoweit  der  Verklagte  den  Anspruch  des  Klägers  bestreiten  will,  muß  derselbe
  sämmtliche  Einwendungen,  auch  diejenigen,  welche  die  in  der  Klage  vorge
schla-
        <pb n="1066" />
        —  889  —

schlagenen  Beweismittel  betreffen,  in  der  Klagebeantwortung  vorbringen.  Thatsachen
  und  Urkunden,  worüber  er  sich  nicht  erklärt,  werden  für  zugestanden  beziehungsweise
  anerkannt  erachtet.  Fernere  Einwendungen,  welche  an  Thatsachen
beruhen,  dürfen  im  Laufe  der  ersten  Instanz  nicht  mehr  vorgebracht  werden.

K.  13.

Vermeint  der  Verklagte,  dem  Anspruche  des  Klägers  eine  der  nachstehenden
Einreden:

a)  der  Unzulässigkeit  eines  gerichtlichen  Verfahrens  über  den  Gegenstand
der  Klage,

b)  der  Inkompetenz  des  Gerichts,
c)  der  Rechtshängigkeit,
d)  der  dem  Kläger  mangelnden  Fähigkeit,  vor  Gericht  aufzutreten,

JO)  der  nicht  erfolgten  Kautionsbestellung  für  die  Kosten  des  Prozesses,  wenn
der  Kläger  ein  Ausländer  ist,

entgegenstellen  zu  können,  und  vermag  der  Verklagte  eine  solche  Einrede,  insofern
es  eines  Beweises  derselben  bedarf,  sofort  zu  bescheinigen,  so  kann  er  seine  Klagebeantwortung
  auf  diese  Einrede  beschränken  und  darauf  antragen,  daß  zurr
über  dieselbe  verhandelt  und  erkannt  werde.  Die  vollständige  Einlassung  auf  ie
Klage  darf  jedoch  wegen  solcher  Einreden  nur  einmal  ausgesetzt  werden.  Der  Verklagte
  muß  daher,  wenn  er  mehrere  derselben  zur  Vermeidung  der  vollständigen
Einlassung  geltend  machen  will,  dieselben  gleichzeitig  vorbringen.

K.  14.

Findet  das  Gericht  den  Antrag  des  Verklagten,  daß  zunächst  über  die  vorgebrachten
  Einreden  (F.  13.)  verhandelt  und  erkannt  werde,  nicht  begründet),  so
liegt  dem  Verklagten  ob,  die  Klage  in  dei  von  dem  Gerichte  zu  bestimmenden
neuen  Termine  oder  bis  zu  demselben  anderweit  vollständig  zu  beantworten.

Auf  die  vorläufige  Klagebeantwortung  wird  alsdann  nur  insoweit  Rücksicht
genommen,  als  der  Verklagte  sich  auf  dieselbe  in  der  neuen  Klagebeantwortung
bezieht.

F.  15.

Werden  in  der  Klagebeantwortung  Thatsachen  angeführt,  die  in  der  Klage
nicht  vorgekommen  sind,  oder  werden  darin  Einreden  angebracht,  so  kann  das
Gericht  in  schwierigen  und  verwickelten  Fällen  die  Parteien  vor  der  mündlichen
Verhandlung  noch  mit  ihrer  Replik  und  Duplik  hören.  Wenn  die  Parteien
Rechtsanwalte  zu  ihren  Bevollmächtigten  bestellt  haben,  so  sind  die  letzteren  zur
Einreichung  einer  schriftlichen  Replik  oder  Duplik  innerhalb  einer  nach  F.  7.  abzumessenden
  Frist  aufzufordern.  Diejenige  Partei,  welche  einen  solchen  Bevollmächtigten
  nicht  besteit.  hat,  wird  dagegen  innerhalb  glecher  Frist  zu  einem
Termine  Behufs  der  Aufnahme  der  Replik  oder  Duplik  unter  Androhung  der

(Nr.  6699.)  un
        <pb n="1067" />
        —  890  —

im  §.  16.  bestimmten  Nachtheile  vorgeladen.  Jede  Partei  kann,  statt  in  diesem
Termine  zu  erscheinen,  vor  Ablauf  desselben  die  Replik  oder  Duplik  in  einem
Schriftsatze  einreichen.  Auf  diese  Schriftsätze  finden  die  Bestimmungen  Anwendung,
welche  nach  §.  H.  für  die  schriftliche  Klagebeantwortung  gelten.

Sind  beide  Parteien  im  Termine  zur  Klagebeantwortung  erschienen,  so
sind  sie  in  diesem  Termine  mit  der  Replik  und  Duplik  zu  hören,  wenn  sie  bereit
sind,  sich  sofort  zu  erklären.  K

Die  Replik  muß  eine  vollständige  Beantwortung  der  Klagebeantwortung
und  die  Duplik  eine  vollständige  Beantwortung  der  Kb  enthalten.  Erfolgt
die  Beantwortung  gar  nicht  oder  nicht  vollständig,  so  werden  die  von  dem  Gegner
angeführten  Thatsachen  und  beigebrachten  Urkunden,  worüber  keine  Erklärun
abgegeben  ist,  für  zugestanden  briiehungsswese  anerkannt  erachtet.  Fernere  au
Thatsachen  beruhende  Entgegnungen  (Replikationen,  Duplikationen)  können  in
erster  Instanz  nicht  mehr  vorgebracht  werden.

g.  17.

Die  Parteien  haben  bei  Anführen  oder  Bestreiten  der  Thatsachen  zugleich
die  Beweismittel  oder  Gegenbeweismittel  anzugeben.  Werden  Zeugen  und  Goch.
verständige  vorgeschlagen,  "6  sind  die  Thatsachen,  worüber  sie  vernommen  werden
ollen,  bestimmt  zu  bezeichnen)  die  besondere  Aufstellung  von  Artikeln  und  Frageücken

  ist  unzulässig.  Bestehen  die  Beweismittel  oder  Gegenbeweismittel  in  Ur.

nden,  so  sind  dieselben  sofort  im  Original  oder  in  Abschrift  einp#meichen,  oder
es  ist  unter  Angabe  der  Hinderungsgründe  anzuzeigen,  wo  sich  dieselben  befinden.
Befindet  sich  die  Urkunde  in  den  Händen  des  Gegners,  so  ist  das  Editionsgesuch
gleichzeitig  mit  der  Behauptung,  zu  deren  Unterstützung  sie  dienen  soll,  anzubringen;
  über  das  Editionsgesuch  wird  zugleich  mit  der  Hauptsache  verhandelt.

E.  18.

Nach  Beantwortung  der  Klage  und,  wenn  die  Parteien  gemäß  F§.  15.  mit
der  Replik  und  Duplik  gehört  werden  sollten,  nach  Erledigung  des  zu  dem  Ende
eingeleiteten  Verfahrens  werden  die  Parteien  oder  deren  Trrollsdächtigte  zur
mündlichen  Verhandlung  der  Sache  in  eine  Sitzung  des  Gerichts  vorgeladen,
unter  Androhung  der  nach  den  §§.  25.  bis  27.  den  Ausbleibenden  treffenden
Nachtheile  und  mit  der  Aufforderung,  die  in  Bezug  genommenen  oder  nur  in
Abschrift  eingereichten  Dokumente  znstsh  zur  Stelle  zu  bringen)  sowie  alle
sonstigen  Beweis=  und  Gegenbeweismittel  nach  Vorschrift  des  F.  28.  bei  der
mündlichen  Verhandlung  anzugeben.

K.  10.

Eine  Verlegung  des  Termins  zur  mündlichen  Verhandlung  kann  auf  den
einseitigen  Antrag  einer  Partei  nur  einmal  und  auch  nur  dann  erfolgen,  wenn
erhebliche  Hinderungsgründe  bescheinigt  sind.  Hindernisse  in  der  Person  eines
bevollmächtigten  Rechtsanwalts  dürfen  in  der  Regel  nicht  beachtet  werden  20

.  20
        <pb n="1068" />
        —  591  —

KC.  20.

Eine  Verzichtleistung  auf  die  mündliche  Verhandlung  findet  nicht  statt;
das  Gericht  kann  aber  aur  übereinstimmenden  Antrag  der  Parteien  noch  vor  der
mündlichen  Verhandlung  Beweisaufnahmen,  über  deren  Erheblichkeit  kein  Streit
obwaltet,  verfügen,  sowie  jede  Art  von  Beweisaufnahme  mit  der  mündlichen
Verhandlung  verbinden.

g.  21.

Drei  Tage  vor  der  Sitzung  ist  ein  Verzeichniß  der  zur  mündlichen  Verbandlung
  in  derselben  bestimmten  Sachen  vor  dem  Sitzungssaale  auszuhängen.
Die  Verhandlung  der  einzelnen  Sachen  geschieht  nach  der  Rechenfoste  dieses
Verzeichnisses;  das  Gericht  ist  jedoch  befugt,  von  dieser  Reihenfolge  abzuweichen,
wenn  dringende  Ursachen  eine  Ausnahme  rechtfertigen.

Die  Parteien  sind  zur  Vermeidung  des  Kontumazialverfahrens  zu  der  in
der  Vorladung  bestimmten  Stunde  zu  erscheinen  verpflichtet.

g.  22.

Die  Leitung  der  mündlichen  Verhandlung,  die  Sorge  für  gehörige  Erörterung
  der  Sachel  die  Befugniß  zur  Schließung  der  Verhandlung  gebühren
dem  Vorsitzenden  des  Gerichts.  Der  Vorsitzende  ist  befugt,  bei  der  mündlichen
Verhandlung  von  jeder  Partei  oder  deren  Bevollmächtigten  diejenigen  Aufklärungen
zu  fordern,  welche  zum  Verständniß  ihrer  Anführungen  und  Anträge,  zur  Beseitigung
  von  Dunkelheiten  und  Zweifeln,  wozu  dieselben  Anlaß  geben,  sowie
überhaupt  Behufs  vollständiger  Ermittelung  des  Sachverhalts  dienlich  erscheinen.
Der  Vorsitzende  kann  einem  beisitzenden  Richter  gestatten,  das  Fragerecht  auszuüben.
  ie  Stellung  einer  Frage  muß  erfolgen,  wenn  das  Gericht  sie  für
angemessen  erachtet.

G  23.

Die  mündliche  Verhandlung  wird  durch  ein  Mitglied  des  Gerichts  auf
Grund  eines  vor  dem  Termine  aus  den  bisherigen  Verhandlungen  zu  gefertigten
schriftlichen  Referats  mittelst  einer  kurzen  mündlichen  Darstellung  der  Sache  eingeleitet.
  Hierauf  werden  die  Parteien  oder  deren  Bevollmächtigte  mit  ihren
möndlichen  Vorträgen  gehört,  wobei  dem  Verklagten  das  letzte  Wort  gebührt.
Die  Partei,  welche  nicht  durch  einen  bei  dem  Gerichte  zur  Prozeßpraxis  befugten
Rechtsanwalt  vertreten  ist,  kann  im  Beistande  eines  solchen  auftreten,  eb  er
auf  ihren  Antrag  zum  Vortrag  zu  verstatten  ist.

§.  24.
Ueber  die  mündlichen  Verhandlungen  wird  ein  Protokoll  aufgenommen,
welches  enthält:
1)  die  Namen  der  anwesenden  Gerichtsmitglieder;

2)  die  Namen  der  Parteien  und  ihrer  Sachwalter,  und  ob  sie  erschienen

sind;
Vr.  6699.)  3)  den
        <pb n="1069" />
        —  892  —
3)  den  Gegenstand  des  Rechtsstreites;
4)  den  Gang  der  stattgefundenen  Verhandlungen  im  Allgemeinen;

5)  die  Zugeständnisse  der  Parteien,  deren  Aufzeichnung  vom  Gegner  verlangt
  wird,  und  diejenigen  Erklärungen  der  Parteien,  welche  das  Gericht
für  erheblich  hält.

Ueber  die  Fassung  des  letzten  Theils  des  Protokolls  (Nr.  5.),  welcher  den
Parteien  vorzulesen  ist,  sind  diese  mit  ihren  Bemerkungen  zu  hören.

g.  25.

Erscheinen  beide  Parteien  in  der  zur  mündlichen  Verhandlung  bestimmten
Sitzung  nicht,  so  bleibt  die  Sache  bis  auf  weiteres  Anrufen  der  einen  oder
anderen  Partei  beruhen.

KC.  26.

Erscheint  die  eine  der  Parteien  nicht  oder  läßt  sie  sich  auf  die  Sache  nicht
ein,  so  kann  die  andere  Partei  auf  Kontumazialverhandlung  antragen.

g.  27.

Im  Fall  der  Kontumazialverhandlung  werden  alle  streitigen,  von  der  nicht
erschienenen  oder  sich  nicht  einlassenden  Partei  angeführten,  mit  Beweismitteln
nicht  unterstützten  Thatsachen  für  nicht  angeführt,  sowie  alle  von  derselben  vor—
zulegenden  Urkunden  als  nicht  beigebracht  erachtet,  alle  von  dem  Gegentheile  angeführten
  Thatsachen  aber,  welchen  noch  nicht  ausdrücklich  widersprochen  worden
ist,  für  zugestanden,  ingleichen  die  von  dem  Gegentheil  beigebrachten  Urkunden
für  anerkannt  erachtet.  Dasselbe  gilt,  wenn  eine  der  erschienenen  Parteien  auf
ein  neues  Vorbringen  der  anderen  Partei,  soweit  dasselbe  bei  der  mündlichen
Verhandlung  noch  zulässig  ist,  sich  nicht  einläßt.

g.  28.

Bei  der  mündlichen  Verhandlung  muß  jede  Partei,  soweit  es  noch  nicht
geschehen  ist,  Hinichtich  der  Thatsachen,  welche  ihr  zu  beweisen  obliegt,  alle  Beweismittel
  und  hinsichtlich  der  Thatsachen,  welche  der  Gegner  zu  beweisen  hat
und  bbei  welchen  sie  den  Gegenbeweis  führen  will,  alle  Gegenbeweismittel
angeben.

8  Urkunden,  durch  welche  eine  streitige  Thatsache  bewiesen  werden  soll,  müũssen
in  der  Sitzung  im  Original  vorgelegt  werden.  Wird  eine  Urkunde  von  der
Partei,  welche  sich  auf  dieselbe  zur  Beweisführung  beruft,  nicht  vorgelegt,  so
7  die  Partei  des  Beweismittels  für  diese  Instanz  verlustig.  Wenn  eine  Urunde,
  deren  Edition  der  Gegner  verlangt  hatte,  von  der  Partei  nicht  vorgelegt
wird  und  diese  auch  zur  Ableistung  des  Editionseides  sich  nicht  erbietet,  so  wird
die  Edition  als  verweigert  angesehen.

Eine  spätere  Vervollständigung  der  Beweisantretung  ist  im  Falle  des
Widerspruchs  des  Gegners  nur  dann  zulässig,  wenn  die  neuen  Beweismittel  en
a
        <pb n="1070" />
        –  893  —

aus  der  stattgehabten  Beweisaufnahme  sich  ergeben  haben.  Die  Eideszuschiebung
ist  jedoch  bis  zur  Erlassung  des  Endurtheils  zulässig.

Durch  die  Verpflichtung  der  Parteien,  den  Beweis  oder  Gegenbeweis
unaufgefordert  anzutreten,  wird  die  Befugniß  des  Richters  nicht  ausgeschlossen,
die  Preir  bei  der  mundlichen  Verhandlung  auf  Mängel  und  Unvollständigkeiten
  der  Beweisantretung  aufmerksam  zu  machen.

G.  29.

Nach  dem  Schluß  der  mündlichen  Verhandlung  hat  das  Gericht  das  Endurtheil
  oder,  wenn  die  Sache  hierzu  noch  nicht  re  ist,  den  zur  Vorbereitung
desselben  nach  Lage  der  Sache  erforderlichen  Vorbescheid  erlassen.

Das  Endurtheil  oder  der  Vorbescheid  ist  in  derselben  oder  in  einer  anderen,
  in  der  Regel  nicht  über  acht  Tage  hinauszusetzenden,  sofort  zu  bestimmenden
  Sitzung  und  zwar  das  Endurtheil  mit  den  Entscheidungsgründen  durch  den
Vorsitzenden  zu  publiziren.

g.  30.

Wird  bei  der  mündlichen  Verhandlung  von  einer  Partei  eine  erhebliche
und  noch  zulässige  neue  Thatsache  oder  ein  erhebliches  neues  Beweismittel  geltend
  gemacht,  auf  welche  die  andere  Partei  nicht  vorbereitet  sein  konnte  und  sich
nicht  zu  erklären  vermag,  so  ist  durch  Vorbescheid  des  Gerichts,  welcher  den
Erschienenen  statt  besonderer  Vorladung  mündlich  zu  eröffnen  ist,  die  Fortsetzung
der  Verhandlung  in  einer  anderen  Gzung  anzuordnen.  Gegen  die  in  dieser
nicht  erscheinende  Partei  treten  die  in  den  #.  25.  bis  27.  bestimmten  Nachtheile
  ein.

S.  31.

Der  Richter  hat  auch  die  von  ihm  für  zulässig  und  erheblich  erachtete
Beweisaufnahme  durch  einen,  ohne  Beifügung  von  Grüunden  zu  erlassenden  Vorbescheid
  (Beweisresolut)  anzuordnen,  in  welchem  die  Thatsachen,  worüber  Beweis
erhoben  werden  soll  und  die  zu  erhebenden  Beweise  zu  bezeichnen  sind.

g.  32.

An  die  dem  Beweisresolut  zum  Grunde  liegenden  Entscheidungen  über  die
Beweislast,  sowie  über  die  Zulässigkeit  und  Erheblichkeit  einer  Beweisaufnahme
ist  der  Richter  nicht  gebunden.

g.  33.

Soll  nach  dem  Beweisresolut  von  der  Partei,  welche  am  Orte  des  Gerichts
  oder  in  dessen  Nähe  wohnt,  ein  Eid  geleistet  werden,  so  ist  derselbe  in  der
Gerichtssitzung,  jedoch,  mit  Ausnahme  schleuniger  Fälle,  in  der  Regel  nicht  früher
als  acht  Tage  nach  der  Publikation  des  Beweisresoluts  abzunehmen.

Andernfalls  ist  das  zuständige  Gericht  des  Orts,  wo  die  Partei  wohnt,
um  die  Abnahme  des  Eides  zu  ersuchen.

Ichrgens  1867.  (Tr.  6699)  118  d.  34.
        <pb n="1071" />
        —  894  —

gz.  34.

Soll  eine  andere  Baeeis  ufnahme  erfolgen,  so  ist  entweder  einem  Kommissarius
  des  Gerichts  die  Erhebung  des  Beweises  aufzutragen  oder  um  dieselbe
das  zuständige  Gericht  zu  ersuchen.

Das  Gericht  ist  befugt,  die  Erhebung  des  Beweises  in  einer  neuen,
zugleich  ur  Fortsetzung  der  mündlichen  Verhandlung  zu  bestimmenden  Sitzung
zu  bewirken.

C.  35.

Die  Vorladung  der  zu  vernehmenden  Zeugen  und  Sachverständigen  erfolgn,
insofern  die  beweisführende  Partei  sich  nicht  zu  deren  Gestellung  erbietet,  durch
das  Gericht.  Ihre  Vernehmlassung  ist  nicht  nach  Artikeln,  sondern  in  geordnetem
  zusammenhängenden  Vortrage  über  ihre  Wissenschaft  von  den  zu  beweisenden
  Thatsachen  zu  protokolliren.  Die  Parteien  sind  befugt,  der  Vernehmung
entweder  in  Person  oder  durch  Bevollmächtigte  beizuwohnen.  Haält  eine  Leri
oder  deren  Bevollmächtigter  bei  der  Abhörung  eine  Vervollständigung  derselben
oder  die  Vorlegung  bestimmnter  Fragen  für  elsorderich,  so  müssen  bei  dem  vernehmenden
  Richter  sofort  die  geeigneten  Anträge  gestellt  werden.  Der  Richter
hat  den  Anträgen  stattzugeben,  oder  die  Gründe  der  Ablehnung  zu  protokolliren.
Das  Vemeelemungeprotoko  l  wird  den  Parteien,  insofern  sie  anwesend  sind,
sofort  durch  Vorlesung  bekannt  gemacht,  andernfalls  abschriftlich  mitgetheilt.
Die  Zeugen  und  Sachverständigen  werden  erst  nach  der  Abhörung  beeidigt.
Der  Zeugeneid  ist  dahin  zu  leisten:
„daß  Zeuge  von  Allem)  worüber  er  vernommen  worden,  nach  seinem
besten  Wissen  die  reine  Wahrheit  gesagt  und  wissentlich  weder  ctwas
verschwiegen,  noch  hinzugesetzt  habe.“
In  Fällen,  in  welchen  der  Zeuge  die  Befugniß  zur  Verschweigung  einiger
Umstände  in  Anspruch  genommen  hat,  ist  vor  den  Worten:
„wissentlich  nichts  verschwiegen“,
binzuzufügen:
„außer  den  im  Protokoll  bemerkten  Umständen,  zu  deren  Offenbarung
Zeuge  sich  nicht  schuldig  halte."“
Der  Eid,  welchen  Sachverständige,  wenn  sie  nicht  ein=  für  allemal  verpflichtet
  sind,  abzuleisten  haben,  ist  dahin  zu  leisten:
„daß  sie  das  von  ihnen  erforderte  Gutachten  ihrer  Kenntniß  und  Erfahrung
  gemäß  nach  sorgfältiger  Prüfung  unpartei#sch  und  gewissenhaft
abgegeben  haben.“
Bei  Taxratoren  ist  hinter  dem  Worte:  „Gutachten“  hinzuzufügen:  „über
den  Werth  des  abzuschätzenden  Gegenstandes.“
Dolmetscher  haben  den  Eid  vorher  dahin  zu  leisten:
daß  sie  die  Uebersetzung  unparteiisch  und  gewissenhaft  abgeben  ween
        <pb n="1072" />
        —  895  —

g.  36.

Nach  Beendigung  der  Beweisaufnahme  sind  die  Parteien,  insofern  dieselbe
nicht  in  einer  zugleich  zur  mündlichen  Verhandlung  der  Sache  anstehenden
Sitzung  erfolgt  ist,  zur  mündlichen  Schlußverhandlun  und  Entscheidung  in  eine
Gerichtssitzung  unter  der  Verwarnung  vorzuladen,  das  egen  den  Ausbleibenden
angenommen  werden  würde,  er  habe  zur  Unterstützung  1%  Behauptungen  und
Anträge  nichts  weiter  anzuführen  und  wolle  die  Entscheidung  der  Sache  nach
Lage  der  Akten  erwarten.

C.  37.

In  Arrestsachen,  welche  getrennt  von  der  Hauptsache  verhandelt  werden,
in  Bausachen,  wenn  über  die  Fortsetzung  eines  bereits  angefangenen  Baucs
gesteiten  wird,  in  Miethssachen,  wenn  die  sofortige  oder  in  naher  Zeit  zu
ewirkende  Einräumung  oder  Verlassung  einer  Wohnung  Gegenstand  des  Streits
ist,  in  possessorischen  Sachen,  ingleichen  in  anderen,  nach  der  Muschr  des  Gerichts,
ein  besonderes  schleuniges  Verfahren  erheischenden  Sachen  ist  auf  die  Klage  sofort
ein  Termin  zur  Beantwortung  derselben  und  zur  weiteren  mündlichen  VBerha.
lung  in  der  Gerichtssitzung  anzuberaumen.  Wenn  in  dem  Termine  beide  Parteien
nicht  erscheinen,  so  bleibt  die  Sache  bis  auf  weiteres  Anrufen  des  Klägers  auf
sich  beruhen.  Erscheint  nur  der  Verklagte,  so  it  er  auf  seinen  Antrag  durch
ein  den  Kläger  in  die  Prozeßkosten  verurtheilendes  Erkenntniß  von  der  Klage
zu  entbinden  (die  Klage  angebrachtermaßen  abzuweisen).

Die  Beweise  können  sogleich  im  ersten  Termine  aufgenommen,  und  Zeugen
und  Sachverständige,  welche  sich  am  Orte  des  Gerichts  befinden,  unverzüglich
zur  Gerichtsstelle  beschieden  werden.

C.  38.

Bei  Anberaumung  der  Termine  kann  in  den  schleunigen  Sachen  die  im
##r  .  bezeichnete  Frist  nach  dem  Ermessen  des  Gerichts  Pbgetürk  werden.  Eine
Verlegung  des  Termins  findet  in  schleunigen  Sachen  ohne  Tustimmung  des
Klägers  nicht  statt.

.  39.

Das  im  §.  37.  bestimmte  Verfateen  findet  in  allen  Sachen  Anwendung,
welche  vor  die  Einzelrichter  gehören.  ie  Anfertigung  eines  Referats  bleibt  in
den  vor  die  Einzelrichter  gehörenden  Sachen  ausgeschlossen.

KC.  40.

In  Rechnungssachen,  Bausachen  und  anderen  dazu  geeigneten  Sachen  ist
das  Gericht  befugt,  über  bestimmte,  von  ihm  zu  bezeichnende  Gegenstände  noch
eine  nähere  Erörkerung  vor  einem  von  ihm  dazu  bestellten  Kommissarius  anzuordnen.
  Die  Anordnung  ist  in  jeder  Lage  des  Prozesses,  jedoch  erst  nach  Beantwortung
  der  Klage  zulässig.  Nach  Beendigung  der  kommissarischen  Erörterung,

(Nr.  6699.)  118“  wer-
        <pb n="1073" />
        —  896  —

werden  die  Parteien  zur  mündlichen  Schlußverhandlung  und  Entscheidung  der
Sache  nach  Maaßgabe  des  F.  36.  vorgeladen.

KC.  41.

Alle  Erkenntnisse  find  sofort  nach  deren  Erlafsung  auszufertigen  und  in
der  Regel  binnen  acht  Tagen  zu  insfinuiren.

Die  Insinnation  sowohl  der  Erkenntnisse  als  aller  Verfügungen  erfolgt
unmittelbar  an  die  Parteien,  wenn  diese  in  Person  aufgetreten  sind,  andernfalls
an  ihre  Bevollmächtigten,  in  allen  Fällen  ohne  Vermittelung  besonderer  Prokuratoren.


Die  Insinuationen  können  durch  die  Post  nach  Maaßgabe  der  im  Gebiete
des  Preußischen  Rechts  über  die  Post--Insinuationen  geltenden  Vorschriften
geschehen.

In  Ansehung  der  Insinuation  der  Erkenntnisse  gelten  folgende  nähere
Bestimmungen:

1)  Sind  Streitgenossen  vorhanden,  so  ist  die  Ausfertigung  des  Erkenntnisses
nur  Einem  derselben  zu  insinuiren.  Die  übrigen  Streitgenossen  sind
hiervon  unter  Beifügung  einer  Abschrift  des  Tenors  des  Erkenntnisses
zu  benachrichtigen.  Die  Berachrichtigung  kann  auch  durch  eine  Kurrende
geschehen.  Haben  die  Streitgenossen  zur  Prozeßführung  Deputirte  aus
brer  Mitte  bestellt,  so  wird  die  Insinuation  nur  an  die  Deputirten
ewirkt.

2)  Ist  der  Aufenthalt  einer  Partei,  welcher  das  Erkenntniß  unmittelbar  zu
insinuiren  ist,  unbekannt,  hat  insbesondere  die  Partei  im  Laufe  des  Prozesses
  nach  der  Anzeige  des  mit  der  Insinuation  beauftragten  Beamten
ihre  bisherige  Wohnung  aufgegeben  und  über  ihren  neuen  Aufenthalt
keine  Nachricht  zurückgelassen,  oder  kommt  im  Falle  der  Post-Insinuation.
die  zu  insinuirende  Ausfertigung  des  Erkenntnisses  als  unbestellbar  zurück,
so  wird  die  für  die  Partei  bestimmte  Ausfertigung  des  Erkenntnisses  an
der  Gerichtsstelle  ausgehangen.  Die  Insinuation  gilt  als  bewirkt,  wenn
die  Ausfertigung  14  Tage  lang  ausgehangen  hat.

3)  Eine  gleiche  Art  der  Insinuation  findet  statt  bei  Kontumazial-Erkenntnissen,
welche  auf  eine  Ediktalladung  ergangen  sind.

4)  Wohnt  die  Partei  im  Auslande,  wohin  rekommandirte  Zusendungen
gegen  Empfangsschein  durch  die  Post  stattfinden,  so  kann  die  Insinuation
mittelst  der  Post  durch  rekommandirte  Zusendung  gegen  Empfangsschein
geschehen.

5)  Wenn  die  Partei  im  Publikationstermine  oder  nach  dessen  Abhaltung
erklärt,  daß  sie  die  Zustellung  einer  Ausfertigung  des  Erkenntnisses  nicht
verlange,  ingleichen,  wenn  sie  die  Ausfertigung  anzunehmen  oder  einen

Em-
        <pb n="1074" />
        —  897  —

Empfangsschein  zu  ertheilen  verweigert,  so  vertritt  im  ersten  Falle  die
über  die  Erklärung  aufzunehmende  Registratur,  im  zweiten  Falle  die
Anzeige  des  mit  der  Insinuation  beauftragten  Beamten  die  Stelle  der
Insinuation.

Dritter  Abschnitt.

Von  den  Rechtsmitteln  und  Beschwerden  gegen  erlassene  Entscheidungen,
Bescheide  und  Verfügungen.

I.  Einleitende  Bestimmungen.

§S.  42.
Die  zulässigen  Rechtsmittel  sind:

die  Appellation,

die  Revision,

die  Nichtigkeitsbeschwerde,
der  Rekurs,

die  Restitution.

bs  Andere  Rechtsmittel  werden  nicht  gestattet,  vorbehaltlich  der  Bestimmungen
es  8.  103.

g.  43.

Die  Rechtsmittel  der  Appellation,  der  Revision,  der  Nichtigkeitsbeschwerde
und  des  Rekurses  sind  nur  gegen  die  Endurtheile,  einschließlich  der  auf  die  Ableistung
  eines  Eides  lautenden,  die  Endentscheidung  bedingt  enthaltenden  Urtheile,
sowie  der  gemäß  F.  13.  über  prozeßhindernde  Einreden  erlassenen  Urtheile,  nicht
auch  gegen  Vorbescheide  und  insbesondere  nicht  gegen  Beweisresolute  zulässig.

II.  Gemeinsame  Bestimmungen  über  die  Rechtsmittel  der
Appellation,  Revision  und  Nichtigkeitsbeschwerde.

g.  44.

Die  Rechtsmittel  der  Appellation,  der  Revision  und  Nichtigkeitsbeschwerde
sind  in  allen  Fällen  bei  dem  Gerichte  erster  Instanz  anzumelden.

Für  die  Anmeldung  genügt  die  Erklärung,  daß  der  Anmeldende  sich  über
das  ergangene  Erkenntniß  beschwert.  Dieselbe  ist  an  keine  Form  gebunden  und
kamm  sowohl  mündlich  zu  Protokoll,  als  schriftlich  ohne  Zuziehung  eines  Rechtsanwaltes
  erfolgen.

Auch  auf  den  Namen,  mit  welchem  das  Rechtsmittel  bezeichnet  wird,  kommt
es  nicht  an.  ·

mk.0699.)  §.4D.
        <pb n="1075" />
        —  898  —

g.  45.

Die  Anmeldung  muß  bei  Verlust  des  Rechtsmittels  binnen  sechs  Wochen,
vom  Tage  der  Insinuation  des  Erkenntnisses  an  gerechnet,  erfolgen.  Diese  Frist
wird  für  den  Fiskus,  die  Korporationen  und  die  unter  Vormundschaft  oder
Kuratel  stehenden  Personen  verdoppelt.  Die  cura  sexus  wird  als  eine  Kuratel
im  Sinne  der  vorstehenden  Bestimmung  nicht  angesehen.  Eine  Verlängerung
der  Anmeldungsfrist  findet  nicht  statt.

KC.  46.

Das  Gericht  prüft  nur,  ob  die  Anmeldung  rechtzeitig  erfolgt  und  das
Rechtsmittel  dem  Gegenstande  nach  zulissig  ist,  und  sendet,  wenn  beides  der  Fall
ist,  die  Akten  unter  Benachrichtigung  der  Parteien  sofort  an  das  Gericht  der
höheren  Instanz.

S.  47.

Das  Rechtsmittel  muß  bei  Barlust  desselben  innerhalb  vier  Wochen  nach
Ablauf  der  im  F.  45.  bestimmten  Anmeldungsfrist  mittelst  einer  bei  dem  Gerichte
der  höheren  Instanz  einzureichenden  Schrift  eingeführt  und  gerechtfertigt  werden,
ohne  daß  es  einer  Aufforderung  dazu  bedarf.  Nur  aus  bescheinigten  Hinderungsgründen,
  die  in  der  Sache  selbst  liegen,  kann  diese  Frist  verlängert  werden.

*)

Jede  Einführungs-  und  Rechtfertigungsschrift  muß  die  Beschwerdepunkte
angeben.  Soweit  in  dieser  Schrift  oder  in  einem  Nachtrage  derselben  das  ergangene
  Erkenntniß  vor  Ablauf  der  im  F.  47.  vorgeschriebenen  Frist  nicht  durch
bestimmte  Beschwerden  angegriffen  ist,  tritt  dasselbe  in  Rechtskraft.

Nur  in  Ansehung  derjenigen  Bestimmungen  des  Erkenntnisses,  welche  durch
das  eingeführte  Rechtsmittel  angegriffen  werden,  steht  es  dem  andern  Theile  frei,
eine  Abänderung  zu  seinen  Gunsten  auch  nach  Ablauf  der  Ammeldungs-  und
Einführungsfristen  zu  beantragen.  Diese  Adhäsion  muß  aber  spätestens  mit  der
Beantwortungsschrift  ausdrücklich  erklärt  und  gerechtfertigt  werden.

III.  Bestimmungen  über  die  Appellation.

C.  49.

Die  Appellation  findet  gegen  die  in  erster  Instanz  erlassenen  Erkenntnisse
statt.  Dieselbe  ist  jedoch  ausgeschlossen  in  allen  durch  Mandat  ohne  kontradiktorisches
  Verfahren  beendigten  Tachen  und  in  allen  Fällen,  in  welchen  der  Gegenand

  der  Beschwerde  nach  Gelde  zu  schätzen  ist  und  den  Betrag  von  funfzig
halern  nicht  übersteigt,  sowie  gegen  Entscheidungen  über  den  Kostenpunkt,  inso.
fern  die  Beschwerde  nur  dessen  Bestinmnung  betrifft.

Gegen  Kontumazial-Erkenntnisse  findet  die  dem  Gegenstande  nach  an  sich

zu-
        <pb n="1076" />
        —  899  —

ulässige  Appellation  von  Seiten  des  Verklagten  nur  insoweit  statt,  als  die  Beschwerde
  darin  sich  gründet,  daß  der  Richter  aus  den  für  zugestanden  erachteten
Tbatsachen  unrichtige  Folgen  hergeleitet  habe.

C.  50.

In  der  Appellationsinstanz  können  beide  Theile  neue  Thatsachen  und  Beweismittel
  vorbringen.

Die  Einführungs=  und  Rechtfertigungsschrift  muß  außer  der  Angabe  der
Beschwerdepunkte  die  Angabe  der  zur  Unterstützung  derselben  etwa  anzuführenden
neuen  Thatsachen  enthalten.  Thatsachen  zur  Begründung  der  Appellation,  welche
bei  der  Appellationsrechtfertigung  nicht  vorgebracht  sind,  dürfen  im  ferneren  Verlaufe
  nicht  mehr  vorgebracht  werden.

G.  51.

Nach  dem  Eingange  der  Einführungs-  und  Rechhtfertigungsschrift  und  der
Akten  beschließt  der  Appellationsrichter  über  die  Zulassung  des  Rechtsmittels.
Im  Falle  der  Zulassung  des  Rechtsmittels  hat  der  Appellationsrichter  die  Schrift
dem  Anppellaten  abschriftlich  zur  Beantwortung  unter  Androhung  der  in  dem
K.  52.  bestimmten  Nachtheile  mitzutheilen.  Die  Beantwortung  ist  schriftlich  binnen
einer  vierwöchentlichen,  nur  aus  den  im  F.  47.  angegebenen  Gründen  zu  verlängernden
  Frist  bei  dem  Appellationsrichter  einzureichen.

G.  52.

Der  Appellat  muß  die  Appellation  vollständig  beantworten  und  alle  zu
deren  Widerlegung  dienenden  neuen  Thatsachen  vorbringen.  Thatsachen  und  Urkunden,
  worüber  er  sich  nicht  erklärt,  sind  für  zugestanden  beziehungsweise  anerkannt
  zu  erachten.  Neue  Thatsachen  dürfen  vom  Appellaten  im  ferneren  Verlaufe
  des  Verfahrens  nicht  mehr  vorgebracht  werden.

Geht  die  Beantwortungsschrift  nicht  in  der  bestimmten  Frist  ein,  "  werden
  die  vom  Appellanten  angeführten  neuen  Thatsachen  für  zugestanden,  die  von
ihm  zur  Unterstützung  der  in  erster  Instanz  bereits  angeführten  Thatsachen  vorgelegien
  Urkunden  für  anerkannt  erachtet,  auch  gehen  dem  Appellaten  die  Einwendungen
  gegen  die  vom  Appellanten  angegebenen  Beweismittel  verloren.

ie
Nur  öffentliche  Behörden  und  solche  Personen,  welche  die  für  die  Anstellung
  als  Richter  oder  Anwalt  eingeführte  Prüfung  bestanden  haben,  können  die
Einführung  und  Rechtfertigung  sowie  die  Beantwortung  der  Appellation  ohne
Zuziehung  eines  Rechtsanwaltes  schriftlich  einreichen.
Die  Schriften  anderer  Parteien  müssen  von  einem  Rechtsanwalt  unterzeichnet
  sein.

S.  54.
Ist  die  Beantwortung  eingereicht,  oder  darauf  Verzicht  geleistet,  oder  die
(Nr.  Esgg.)  da-
        <pb n="1077" />
        —  900  —

dazu  bewilligte  Frist  abgelaufen,  so  werden  die  Parteien  oder  deren  Bevollmächtigte
  zur  mündlichen  Verhandlung  vor  dem  Appellationsrichter  vorgeladen.  Wenn
beide  Parteien  in  dem  Termine  nicht  erscheinen,  so  hat  der  Appellationsrichter
nach  Lage  der  Akten  die  Entscheidung  zu  erlassen.  Wenn  nur  eine  der  Parteien
nicht  erscheint,  so  tritt  gegen  dieselbe  das  Kontumazialverfahren  dahin  ein,  daß
alle  streitigen,  von  dem  Nichterschienenen  in  zweiter  Instanz  vorgebrachten,  mit
Beweismitteln  nicht  unterstützten  Thatsachen  für  nicht  angeführt,  alle  von  demselben
  vorzulegenden  Urkunden  als  nicht  beigebracht  erachtet,  alle  von  dem  Gegentheile
  angeführten  Thatsachen  aber,  denen  noch  nicht  ausdrücklich  widersrochen
worden  .  für  zugestanden,  ingleichen  die  von  dem  Gegentheil  beigebrachten  Ulrkunden
  Aur  anerkannt  erachtet  werden.

ie  vorstehend  bestimmten  Nachtheile  sind  den  Parteien  bei  der  Vorladung
bekannt  zu  machen.

Die  Vorladung  der  Parteien  zur  mündlichen  Verhandlung  und  Entscheidung
  der  Sache  kann  in  Ermangelung  anderer  zur  Empfangnahme  bestellter
Bevollmächtigten  gültig  zu  Händen  der  Rechtsanwalte  insinuirt  werden,  welche
die  eingereichten  Schriftsätze  unterzeichnet  haben,  wenn  dieselben  bei  dem  erkennenden
  Gericht  zur  Prozeßpraxis  befugt  sind,  oder  an  dem  Sitze  dieses  Gerichts
wohnen.

ßh  Bei  Anbermumung  des  Termins  wird  zugleich  ein  Referent  bestellt,  welcher
das  schriftliche  Referat  nach  Vorschrift  des  §.  23.  anfertigt  und  in  der  Sitzung
dem  Vortrage  der  Parteien  eine  Darstellung  der  bisherigen  Verhandlungen  vorausschickt.

S.  55.

Wird  von  beiden  Theilen  appellirt,  so  ist  über  beide  Appellationen  gleichzeitig
  zu  verhandeln  und  in  einem  Urtheile  zu  entscheiden.

C.  56.

Die  Ausfertigungen  des  Erkenntnisses  sind  mit  den  Akten  beider  Instanzen
dem  Gerichte  erster  Instanz  zur  ungesäumten  Insinuation  zuzufertigen.

g.  57.

Insoweit  für  das  Verfahren  in  der  Appellationsinstanz  nicht  besondere
Vorschriften  ertheilt  sind,  dienen  die  für  das  Verfahren  in  der  ersten  Instanz
geltenden  Bestimmungen  zur  Richtschnur.

S.  58.

Aus  einem  Erkenntniß,  gegen  welches  die  Appellation  eingelegt  oder  noch
zulässig  ist,  kann,  sofern  das  Gesetz  nicht  ein  Anderes  bestimmt,  die  Exekution
nicht  vollstreckt  werden;  es  sei  denn,  daß  die  Aussetzung  der  Vollstreckung  dem
Ghiubiger  einen  unersetzlichen  oder  unverhältnißmäßigen  Nachtheil  zu  bringen
roht.

Ueber  die  Zulässigkeit  der  vorläufigen  Vollstreckung  wird  von  dem  Gericht
erster  Instanz  geeignetenfalls  nach  Anhörung  des  Schuldners  entschieden.  Wi  de

Oll-
        <pb n="1078" />
        —  901  —

Vollstreckung  für  zulässig  erklärt,  so  ist  der  Schuldner  befugt,  vor  der  wirklichen
  Vollstreckung  sich  dadurch  zu  schützen,  daß  er  die  streitige  Summe  oder
Sache  in  gerichtliche  Gewahrsam  giebt,  oder,  wenn  die  Verurtheilung  auf  andere
  Berdflichtungen  sich  bezieht,  eine  von  dem  Gerichte  zu  bestimmende  Sicherbeit
  leistet.

Das  Gericht  kann  die  Vollstreckung  davon  abhängig  machen,  daß  der
Gläubiger  eine  angemessene  Sicherheit  leistet.

ie  Verfügungen  des  Gerichts  sind  nur  im  Wege  der  Beschwerde  nach

den  Bestimmungen  der  §#.  83.  und  84.  anfechtbar.

IV.  Bestimmungen  über  die  Revision.
S.  59.

Die  Revisson  findet  gegen  die  in  der  Appellationsinstanz  erlassenen  Erkenntnisse
  statt.  Dieselbe  ist  jedoch  nur  zulässig:

1)  in  denjenigen  Fällen,  in  welchen  die  Revisionsbeschwerde  andere  als  vermögensrechtliche
  Verhältnisse,  insbesondere  Familien=  oder  Standesverhälmisse,
  Ehrenrechte,  Ehesachen  oder  Ehegelöbnisse,  sofern  über  dieselben
in  der  Urtheilsformel  selbst  eine  dispositive  Bestimmung  ausgesprochen  ist,
allein  oder  in  Verbindung  mit  anderen  daraus  hergeleiteten  Ansprüchen
zum  Gegenstande  hat;

in  denjenigen  Fällen,  in  welchen  die  Beschwerde  lediglich  das  Vermögen
betrifft,  nur  dann,  wenn  die  beiden  ersten  Erkenntnisse  ganz  oder  zum
Theil  verschiedenen  Inhalts  sind,  und  wenn  zugleich  der  dieser  Verschiedenheit
  unterliegende  Gegenstand  der  Beschwerde  fünfhundert  Thaler
beträgt.

1#

g.  60.

In  der  Revisions-Instanz  sind  neue  Thatsachen  und  Beweise  nicht  zuläsig.
  Werden  Einreden  vorgebracht,  die  noch  in  der  Exekutions.  Instanz  zulässig
sind,  so  wird  von  dem  Revisionsrichter  unter  Vorbehalt  derselben  in  der  Art
erkannt,  daß  er  die  Verhandlung  und  Entscheidung  über  diese  Einreden  in  die
erste  Instanz  verweist.

Wenn  der  Revisionsrichter  eine  neue  Beweisaufnahme  für  nöthig  hält,
so  hat  er  das  Erkenntniß  zweiter  Instanz  durch  Erkenntniß  aufzuheben  und  die
Sache  zur  Beweisaufnahme  und  anderweiten  Entscheidung  in  die  betreffende
Instanz  zurückzuweisen.

Bei  dem  ferneren  Verfahren  und  der  anderweiten  Entscheidung  haben  sich
die  Vorrichter  nach  den  durch  Erkenntniß  des  Revisionsrichters  festgestellten  Rechts—
grundsätzen  zu  richten.

g.  61.

Im  Uebrigen  bestimmt  sich  das  Verfahren  in  der  Revisions-Instanz  nach
den  Vorschriften  über  das  Verfahren  in  der  Appellations-Instanz.
Jahrgang  1867.  (Nr.  6699.)  119  Zur
        <pb n="1079" />
        Zur  Anfertigung  der  Schriftsätze  in  der  Revisions-Instanz  sind  jedoch  nur
die  Rechtsamvalte  befugt,  welche  bei  dem  zur  Entscheidung  in  dieser  Instanz
zuständigen  Gerichte  angestellt  sind.

Die  Bestimmungen  des  H.  58.  finden  auch  auf  die  Revision  Anwendung.

V.  Bestimmungen  über  die  Nichtigkeitsbeschwerde.
C.  62.

Die  Nichtigkeitsbeschwerde  findet  statt  gegen  die  in  der  Appellations.  Instanz
erlassenen  Erkenntnisse,  welche  nach  den  Bestimmungen  des  §.  59.  der  Revision
nicht  unterliegen.  Die  Nichtigkeitsbeschwerde  ist  jedoch  ausgeschlossen  in  Beug
auf  die  Entscheidung  über  den  Kostenpunkt)  sofern  nicht  die  Beschwerde  zugleich
die  Hauptsache  betrifft.

g.  63.

Die  Anfechtung  des  Erlenntnisses  mittelst  der  Nichtigkeitsbeschwerde  kann
nur  darauf  gegründet  werden:

1)  daß  das  Erkenntniß  einen  Rechtsgrundsatz  verletzt,  dieser  möge  auf  einer
ausdrücklichen  Vorschrift  des  Gesetzes  beruhen,  oder  aus  dem  Sinne  und
Zusammenhange  der  Gesetze  hervorgehen,  oder  wenn  dasselbe  einen  solchen
Grundsatz  in  Fällen,  wofür  er  nicht  bestimmt  ist,  in  Amvendung  bringtz

2)  daß  das  Erkemntniß  auf  der  Verletzung  ciner  nach  dem  in  den  betreffenden
  Landestheilen  geltenden  Rechte  cinschließlich  dicser  Verordnung  als
wesentlich  zu  betrachtenden  Prozezworschrit  crubt.

C.  64.

Die  Einlegung  der  Nichtigkeitsbeschwerde  hält  die  Vollstreckung  des  angefochtenen
  Ertenctnmts  nicht  auf,  es  sei  denn,  daß  durch  die  Vollstreckung  ein
unersetzlicher  Schaden  entstände.

Der  Verurtheilte  ist  jedoch  befugt,  vor  der  wirklichen  Vollstreckung  sich
dadurch  zu  schützen,  daß  er  die  streitige  Summe  oder  Sache  in  gerichtlichen  Gewahrsam
  giebt  oder,  wenn  die  Verurtheilung  auf  andere  Verpflichtungen  sich  bezieht,
  eine  von  dem  Gerichte  zu  bestimmende  Sicherheit  leissct.

Wird  die  Nichtigkeitsbeschwerde  verworfen,  so  ist  der  Tag  der  Insinnation
des  angefochtenen  Erkenntnisses  als  der  Tag  der  Rechtskraft  anzusehen.

g.  65.

Im  Uebrigen  bestimmt  sich  das  Verfahren  nach  den  Vorschriften  über  das
Verfahren  in  der  Revisions-Instanz.

C.  66.
Bei  der  Entscheidung  legt  der  Richter  das  in  dem  angefochtencn.  Erkenntniß
als
        <pb n="1080" />
        —  903  —

als  feststehend  angenommene  Sachrethältuiß  lediglich  zum  Grunde,  insofern  letzteres
  nicht  den  Gegenstand  der  Nichtigkeitsbeschwerde  selbst  ausmacht.

Wird  die  Beschwerde  gegründet  gefunden,  so  vernichtet  das  Gericht  das
angefochtene  Erkenntniß,  schlägt  die  Kosten  desselben  nieder,  bestimmt,  daß  die
Kosten  des  Nichtigkeitsverfahrens  zu  kompensiren  besiehungsweie  von  jedem  Theile
zur  Hälfte  zu  tragen  seien,  verordnet  zugleich  die  Erstattung  des  Geleisteten  und
erkennt  in  der  Sache  selbst,  sowie  über  die  Kosten  des  früheren  Verfahrens
anderweitig  definitiv,  oder  verweist,  wenn  in  Folge  der  ausgesprochenen  Vernichtung
  eine  neue  Ermittelung  nothwendig  wird)  die  Sache  zu  dieser  Ermittelun
und  zur  nochmaligen  Entscheidung  in  die  betreffende  Instanz  zurück.  Hinsichtlich
der  Verpflichtung  der  Vorrichter,  sich  nach  den  durch  das  Erkenntniß  festgegelen
  Rechtsgrundsätzen  zu  richten,  gilt  die  Bestimmung  im  letzten  Absatz  des

VI.  Bestimmungen  über  den  Rekurs.
S.  67.

Der  Rekurs  findet  statt  gegen  diejenigen  in  erster  Instanz  erlassenen  Erkenntnisse,
  welche  nach  den  Bestanlmungtn  des  §F.  40.  der  Appellation  deshalb
nicht  unterliegen,  weil  der  Gegenstand  der  Beschwerde  den  Betrag  von  funßzig
Thalern  nicht  übersteigt  oder  weil  die  Beschwerde  nur  die  Entscheidung  über  den
Kostenpunkt  betrifft.

Die  Anrfechtung  des  Erkenntnisses  mittelst  des  Rekurses  kann  nur  darauf
gegründet  werden:  "

1)  daß  gegen  die  klare  Lage  der  Sache  gesprochen  ist,  oder  erhebliche
Thatsachen  unbeachtet  gelassen,  oder  wesentliche  Prozeßvorschriften  verletzt
  sind;

2)  daß  die  Entscheidung  einen  Rechtsgrundsatz  verletzt,  er  möge  aus  einer
ausdrücklichen  Vorschrift  des  Gesetzes  oder  aus  dem  Sinne  und  Zusammenhange
  der  Gesetze  hervorgehen,  oder  wenn  dieselbe  einen  solchen
Grundsatz  in  Fällen,  wofür  er  nicht  bestimmt  ist,  in  Anwendung  bringt.

Der  Rekurs  ist  ausgeschlossen  in  allen  durch  Mandat  ohne  kontradiktorisches
  Verfahren  beendigten  Sachen.  Gegen  Kontumazial-Erkenntnisse  findet  er
von  Seiten  des  Verklagten  nur  insoweit  statt,  als  die  Beschwerde  darin  sich
gründet,  daß  der  Richter  aus  den  für  zugestanden  ecrachteten  Thatsachen  unrichtige
Folgen  hergeleitet  habe.

F.  68.

Der  Rekurs  muß  bei  Verlust  des  Rechtsmittels  binnen  der  im  F.  45.
bestimmten  Frist  bei  dem  Gerichte  erster  Instanz  entweder  mündlich  zu  Protokoll
oder  schriftlich,  ohne  daß  es  der  Zuziehung  eines  Rechtsamwalts  bedarf,  angebracht
  werden  und  die  Angabe  der  Beschwerdepunkte  enthalten.  Es  bleibt  der
Partei  überlassen,  cine  nähere  Ausführung  der  Beschwerden  damit  zu  verbinden.
Auf  den  Namen,  womit  das  Rechtsmittel  bezeichnet  wird,  kommt  es  nicht  an.

(Nr.  6699.)  119°  S.  69.
        <pb n="1081" />
        —  904  —

g.  60.

Das  Gericht  erster  Instanz  hat  nur  zu  prüfen,  ob  die  Anmeldung  rechtzeitig
  erfolgt  und  das  Rechtsmittel  dem  Gegenstande  nach  zulässig  ist,  und  sendet,
wenn  beides  der  Fall,  die  Rekursbeschwerde  mit  den  Akten  an  das  Gericht  der
höheren  Instanz.  Findet  das  letztere  nach  Prüfung  der  Verhandlungen  die  Rekursbeschwerde
  unzulässig  oder  ungegründet,  so  ist  dieselbe  durch  eine  unter  Beifügung
  der  Gründe  sofort  zu  erlassende  Resolution  zurückkuweisen.  Andernfalls
wird  die  Rekursbeschwerde  dem  Gegentheil  zur  Gegenausführung  binnen  einer
Frist  von  14  Tagen  mitgetheilt  und  zugleich  der  Termin  zur  Entscheidung  über
den  Rekurs  anberaumt.  In  der  hierüber  an  beide  Theile  zu  erlassenden  Verfügung
  ist  denselben  zu  eröffnen,  daß  ihnen  freisteht,  in  dem  Termine  persönlich
oder  durch  einen  legitimirten  Vertreter  zu  erscheinen,  daß  jedoch  auch  in  ihrer
Abwesenheit  die  Entscheidung  nach  Lage  der  Verhandlungen  erfolgen  werde.

S.  70.

Das  Gericht  der  höheren  Instanz  kann  noch  vor  Anberaumung  des  Termins
eine  in  erster  Instanz  unterbliebene  Beweisaufnahme,  sowie  eine  sonstige  Ergänzung
  der  Verhandlungen,  wenn  es  dieselbe  für  nothwendig  erachtet,  unter  Benachrichtigung
  der  Parteien  anordnen  oder  in  dem  Termine  selbst  den  Beweis
aufnehmen  und  die  deshalb  erforderlichen  Verfügungen  erlassen.  Im  ersteren
Falle  kann  die  Mittheilung  der  Rekursbeschwerde  an  den  Gegentheil  zur  Gegen-Ausführung
  bis  nach  stattgefundener  Beweisaufnahme  oder  Ergänzung  der  Verhandlungen
  ausgesetzt  bleiben.  Beiden  Theilen  wird  bei  Anberaumung  des  Termins
Abschrift  der  nachträglich  stattgefundenen  Verhandlungen  mitgetheilt.

S.  71.

Die  Entscheidung  erfolgt  auf  mündlichen  Vortrag  eines  Mitgliedes  des
Gerichts.  Der  Vortrag,  sowie  die  Verklndung  des  Bescheides  findet  in  öffentlicher
  Sitzung  statt;  die  Parteien  oder  deren  Vertreter  können  dabei  zur  weiteren
Ausführung  ihrer  Rechte  das  Wort  nehmen.  Ueber  die  Verhandlung  ist  ein
Protokoll  nach  Maaßgabe  des  F.  24.  aufzunehmen.

G.  72.

Wird  die  Rekursbeschwerde  gegründet  befunden,  so  hebt  das  Gericht  das
angefochtene  Erkenntniß  auf,  bestimmt,  daß  die  Kosten  des  Rekursverfahrens  zu
kompensiren  beziehungsweise  von  jedem  Theile  zur  Hälfte  zu  tragen  seien  und
erkennt  anderweit  in  der  Sache  selbst,  sowie  über  die  Kosten  erster  Instanz.

S.  73.

Die  Bestimmungen  des  F.  61.  finden  auch  auf  den  Rekurs  Anwendung.
Der  Rekursrichter  ist  befugt,  die  Aussetzung  der  Vollstreckung  des  angefochtenen
Erkenntnisses  auch  dann  anzuordnen,  wenn  er  es  nach  den  Umständen  des  Falles
angemessen  findet.

In
        <pb n="1082" />
        —  905  —

In  Ansehung  der  Remission  der  Akten  ist  auch  in  der  Rekursinstanz
der  §.  56.  maaßgebend.

VII.  Bestimmungen  über  die  Restitution.

S.  74.

Das  Rechtsmittel  der  Restitution  findet  unbeschadet  der  Bestimmung  im
weiten  Absatz  des  §.  103.  nur  wegen  Versäumung  einer  Frist  oder  eines  Termins
statt  Die  Restitution  kann  vorbehaltlich  der  Bestimmungen  des  F.6.  von  dem
Prozeßgericht  nur  ertheilt  werden,  wenn  Naturbegebenheiten  oder  andere  unabwendbare
  Zufälle  den  Restitutionssucher  verhindert  haben,  die  Frist  oder  den
Termin  wahrzunehmen.  Der  Restitutionssucher  muß  die  Thatumstände,  welche
das  Hinderniß  begründen,  wenn  der  Gegentheil  die  Restitution  nicht  bewilligt,
beweisen,  oder  auf  Erfordern  des  Gerichts  eidlich  erhärten.  Ein  Rechtsmittel
wird  gegen  die  durch  Verfügung  des  Prozeßgerichts  auszusprechende  Restitution
nicht  Pettel.

.  75.

Das  Restitutionsgesuch  muß  binnen  zehn  Tagen  nach  Ablauf  der  Frist
oder  nach  angestandenem  Termine,  wenn  aber  das  Hinderniß  erst  später  gehoben
wird,  von  der  Zeit  der  Wegräumung  desselben  an  gerechnet,  unter  Angabe  der
Hinderungsgründe  und  der  Veweisn#el,  und  insofern  die  Einreichung  einer
Schrift  versäumt  ist,  unter  Beifügung  derselben  angebracht  werden.

S.  7.

Wird  gegen  Kontumazial-Erkenntnisse  bei  nicht  erfolgter  Klagebeantwortung
und  gegen  die  in  Kraft  der  Erkenntnisse  übergehenden  Mandate  (.  4.)  Restitution
nachgesucht,  so  muß  das  Gesuch  binnen  zehn  Tagen,  vom  Tage  der  Insinuation
des  Ltennerse  oder  vom  Ablauf  der  im  Mandate  bestimmten  Frist  ab  gerechnet,
mundlich  zu  Protokoll,  oder  mittelst  eines  von  einem  Rechtsanwalt  zu  unterzeichnenden
  Schriftsatzes  angebracht  werden  und  damit  zugleich  die  Klagebeantwortung
  verbunden  sein.  Die  Restitution  muß  ertheilt  werden,  auch  wenn  ein
Restitutionsgrund  nicht  angegeben  und  nicht  vorhanden  ist.

S.  7.
Liegt  ein  Erkenntniß  vor,  so  ist  dasselbe  im  Falle  der  Ertheilung  der
Restitution  in  dem  folgenden  Erkenntniß  aufzuheben.
§.  78.
Dem  Restitutionssucher  fallen  auch  im  Falle  der  Ertheilung  der  Restitution
die  durch  die  Versäumniß  entstandenen  Kosten  zur  Last.

(Nr.  6609.)  VIII.  Be-
        <pb n="1083" />
        —  906  —

VIII.  Bestimmungen  über  die  Konkurrenz  verschiedener
Rechtsmittel.

S.  79.

Treffen  in  einem  Prozeß,  sei  es  bei  einem  und  demselben  Streitpunkte,
oder  bei  solchen  mehreren  Streitpunkten,  welche  entweder  aus  einem  und  demselben
  Geschäfte  hervorgegangen  sind  oder  mehrere  in  Gemäßheit  der  Bestimmung
  8.  90.  Nr.  2.  zusammen  zu  rechnende  Forderungen  betreffen,  Seitens  einer
oder  beider  Parteien  der  Rekurs  und  die  Appellation  oder  die  Nichtigkeitsbeschwerde
  und  die  Revision  zusammen,  so  zieht  die  Appellation  den  Rekurs,  die
Revision  die  Nichtigkeitsbeschwerde  nach  sich,  so  daß  im  ersteren  Falle  der  Rekurs
als  Appellation,  im  anderen  Falle  die  Nichtigkeitsbeschwerde  als  Revision  zu  behandeln
  und  in  demselben  Erkenntnisse  zu  erledigen  sind.

g.  80.

Sind  bei  dem  Zusammentreffen  der  Rechtsmittel  die  Voraussetzungen  des
8.  79.  nicht  vorhanden,  so  unterliegt  jedes  Rechtsmittel  den  für  dasselbe  geltenden
Vorschriften;  es  ist  jedoch,  wenn  fär  die  verschiedenen  Rechtsmittel  dasselbe
Gericht  zuständig  ist,  von  diesem  in  Einem  Erkenntniß  über  dieselben  zu  entscheiden.

C.  81.

Wenn  das  Rechtsmittel  der  Nestiution  mit  einem  anderen  Recchtsmittel
zusammentrifft,  so  ist  das  Rechtsmittel  der  Restitution  zuerst  zu  erledigen.

g.  82.

Eine  Partei,  welche  darüber  zweifelhaft  ist,  welches  von  mehrercn  Rechtsmitteln
  stattfinde,  ist  befugt,  zur  Wahrung  ihrer  Rechte  die  mehreren  Rechtsmittel
  gleichzeitig,  unter  Beobachtung  der  für  jedes  vorgeschriebenen  Förmlichkeiten,
  einzulegen.  Das  Gericht  hat  über  die  Zulässigkeit  des  einen  oder  anderen
Rechtsmittels  vorläufig  zu  entscheiden  und  die  dieser  Entscheidung  entsprechenden
Verfügungen  zu  aelals

IX.  Bestimmungen  über  Beschwerden.
S.  83.

Beschwerden  gegen  gerichtliche  Verfügungen,  welche  die  verweigerte  Einleitung
  einer  Klage  oder  eines  Rechtsmittels,  oder  das  Prozeßverfahren  im  Laufe
der  Instanzen,  oder  das  Exekutionsverfahren  zum  Gegenstande  haben,  folgen  dem
Instanzenzuge  der  gegen  Erkenntnisse  in  diesen  Angelegenheiten  zulässigen  Rechtsmittel.
  Die  Beschwerde  an  das  Gericht  dritter  Instan  ist,  sofern  nicht  gegen
das  Erkenntniß  erster  Instanz  in  der  Hauptsache  nur  das  Rechtbmittel  des  Rekurses
  stattfindet,  auch  dann  zulässig,  wenn  die  Revision  ausgeschlossen  waͤre.  g

e-
        <pb n="1084" />
        —  907  —

Beschwerden  gegen  Verfügungen,  durch  welche  ein  Rechtsmittel  zurückgewiesen
  wird,  könmen  nur  innerhalb  serhs  Wochen  bei  den  zur  definitiven  Entscheidung
  über  die  Zulässigkeit  des  Rechtsmittels  berufenen  Gerichten  der  höheren
Instanz  angebracht  werden.

§.  84.
#  Durch  die  Beschwerde  wird  die  Ausführung  der  angefochtenen  Berfügung
nicht  gehemmt,  es  sei  denn,  daß  das  zur  Entscheidung  berufene  höhere  Gericht
die  Hemmumg  noch  vor  der  Entscheidung  anordnet.

G.  85.

Beschwerden,  welche  die  Disziplin,  den  Geschäftsbetrieb  oder  Verzögerungen
betreffen,  sind  bei  der  vorgesetzten  Aufsichtsbehörde  anzubringen;  für  sie  ist  in
letzter  Instanz  der  Justizminister  zuständig.

Vierter  Abschunitt.
Besondere  Prozesse.

KC.  86.

In  Ebesachen  hat  es  hinsichtlich  des  Beweises  namentlich  durch  Geständniß
und  Kontumazial-Verfahren  bei  den  bestehenden  Vorschriften  sein  Bewenden.

.  S7.
In  Wechselsachen  kommen  folgende  Bestimmungen  zur  Anwendung:

1)  Wechselklagen  können  sowohl  bei  dem  Gerichte  des  Zahlungsortes,  als
bei  dem  Gerichte,  bei  welchein  der  Verklagte  seinen  versönlichen  Gerichtsstand
  hat,  erhoben  werden.  Wenn  mehrere  Wechselschuldner  zusammen
belangt  werden,  so  ist  außer  dem  Gerichte  des  Zablungsortes  jedes  Gericht
  kompetent,  welchem  Einer  der  Beklagten  versönlich  unterworfen  ist.
Bei  dem  Gerichte,  bei  welchem  hiernach  eine  Wechselklage  anhängig  gemacht
  ist,  mussen  sich  demnächst  alle  Wechselverpflichteten  einlassen,
welche  von  einer  Partei  nach  gehörig  geschehener  Streitverkündigung  belangt
  werden.

2)  Auf  Einwendungen,  welche  der  Verklagte  erhebt,  ist,  soweit  es  eines
Beweises  derselben  bedarf,  auch  wenn  sie  an  sich  zulassig  sind,  nur  dann
Rücksicht  zu  nehmen,  wenn  dieselben  durch  Urkunden,  Eideszuschiebung
oder  Aussagen  solcher  Zeugen,  die  sogleich  zur  Stelle  gebracht  sind,  dargethan
  werden.

Auswärtige  Zeugenverhöre,  wenngleich  sie  im  Termine  beigebracht
werden,  gelten  nur  soweit,  als  fsie  mit  Zuziehung  des  Gegentheils  oder
eines  von  ihm  dazu  bestellten  Bevollmächtigten  aufgenommen  sind.

Nr.  C00.)  Ein-
        <pb n="1085" />
        —  908  —

Einwendungen,  welche  in  Gemäßheit  der  vorstehenden  Bestimmung
im  Wechselprozeß  nicht  berücksichtigt  sind,  kann  der  Verklagte  in  besonderem
  Verfahren  geltend  machen;  dasselbe  gilt  von  Einwendungen,  welche
der  Verklagte  im  Wechselprozeß  nicht  vorgeschützt  hat.

3)  Auf  die  Wechselklage  ist  sofort  ein  Termin  zur  mündlichen  Verhandlung
und  Entscheidung  anzuberaumen  und  so  abzumessen,  daß  dem  Verklagten
.  )  /
eine  Frist  von  höchstens  drei  Tagen  zur  Vorbereitung  frei  bleibt.

4)  In  demselben  Maaße  sind  auch  die  Fristen  der  etwa  nothwendig  wer—
denden  ferneren  Termine  abzukürzen.

5)  Die  Anmeldung  der  Appellation  und  deren  Rechtfertigung  muß  spä—
testens  binnen  drei  Tagen,  mit  Ausschließung  der  Restitution,  bei  dem
Gerichte  erster  Instanz  angebracht  werden.  Sie  kann  mündlich  zu  Protokoll
  erklärt,  oder  schriftlich  in  der  für  die  Appellations-Rechtfertigung
vorgeschriebenen  Form  eingercicht  werden.

Das  Gericht  erster  Instanz  schickt  die  Akten  sofort  nach  Eingang
der  Appellations-Rechtfertigung  an  den  Appellationsrichter  und  setzt  die
Parteien  gleichzeitig  davon  in  Kenntniß,  den  Appellaten  unter  Mittheilung
  der  Appellations-Rechtfertigung.

Der  Appellationsrichter  setzt  einen  möglichst  kurzen  Termin  zur
Entgegnung  auf  die  Appellations-Rechtfertigung  und  zur  mündlichen
Verhandlung  an  und  ladet  die  Parteien  unter  der  in  den  9.  52.  und
54.  vorgeschriebenen  Verwarnung  vor.

Dem  Appellaten  steht  frei,  vor  dem  Termine  eine  Entgegnung
auf  die  Appellations-Rechtfertigung,  welche  an  keine  Form  gebunden  ist,
dem  Appellationsgericht  einzureichen.

6)  Für  die  Revision  und  Nichtigkeitsbeschwerde  treten  in  Ansehung  der  Frist
u  deren  Anbringung,  der  Form,  in  welcher  die  Erklärungen  anzubringen
san,  und  des  Verfahrens  dieselben  Vorschriften  ein.  Auch  die  Frist  zur
Anbringung  des  Rekurses  und  die  zur  Beantwortung  der  Rekursbeschwerde
  beträgt  nur  drei  Tage.

7)  Das  Rechtsmittel  sowohl  der  Appellation  als  der  Revision  gegen  ein
Erkenntniß,  welches  den  Verklagten  wechselmäßig  verurtheilt,  hat  keine
aufschiebende  Wirkung.

Wenn  nicht  binnen  drei  Tagen,  vom  Tage  der  Publikation  des  Erkenntnisses
  an,  die  Erfüllung  der  wechselmäßigen  Verbindlichkeit  erfolgt,  so
kann  der  Gläubiger  den  Schuldner  durch  das  Gericht,  ohne  daß  es  eines
monitorischen  Zahlungsbefehls  bedarf,  sofort  zur  persönlichen  Haft  bringen
lassen.  Dem  Gläubiger  wird  durch  die  Vollstreckung  des  tt  das
Recht  auf  Vollstreckung  der  Erekution  in  das  Vermögen  des  Schuldners
nicht  beschränkt.

9)  Im  Uebrigen  kommen  die  Bestimmungen  dieser  Verordnung  auch  in
Wechselsachen  zur  Anwendung.  r
S.  88.

-
        <pb n="1086" />
        Die  Besimmumgen  des  §.  87.  unter  Nr.  5.  und  6.  finden  auch  auf  die
im  F.  37.  bezeichneten  Arrest.,  Bau=  und  Miethssachen  Anwendung.

*

In  Ansehung  der  Todes-.,)  Blödsinnigkeits=  oder  Wahnsinmigkeits=  und
Prodigalitäts-Erklärungen,  der  Moratorien-,  Konkurs-,  Liquidationsprozesse,  des
Verfahrens  bei  der  cessio  bonorum  und  der  Subhaftationen  verblelbt  es  für
das  Verfahren  in  erster  Instanz  bei  den  bisherigen  Vorschriften;  in  Ansehung
der  Rechtsmittel,  sofern  solche  nach  den  bisherigen  Vorschriften  gegen  die  Erkenntnisse
  statthaft  sind,  finden  dagegen  die  Vorschriften  dieser  Verordnung  Anwendung.
  Kommen  in  den  erwähnten  Sachen  Specialprozesse  vor,  welche  sich
zu  einer  abgesonderten  Verhandlung  und  Entscheidung  eignen,  so  flnd  dieselben
nach  den  Vorschriften  dieser  Veror  mung  zu  behandeln:  Insbesondere  bleibt  die
Einlegung  von  Rechtsmitteln  gegen  die  der  Definitiv-Entscheidung  vorhergehenden
Vorbescheide  ausgeschlossen.

Fünfter  Abschnitt.
Allgemeine  Bestimmungen.

S.  90.

Für  die  Berechnung  des  Werths  des  Streitgegenstandes  gelten  folgende
Vorschriften:

1)  Der  Werth  des  Gegenstandes  eines  Rechtsstreis  wird  durch  den  Kapitalwerth
  desselben  und  die  rückständigen  utzungen  „Zinsen  und  Früchte
bestimmt,  soweit  der  ursprüngliche  oder  im  Laufe  der  ersten  Instanz
veränderte  Klageantrag  darauf  gerichtet  ist,  oder  die  Nutzungen,  Zinsen
und  Früchte  von  Amtswegen  zuerkannt  werden  müssen.

Der  Zeitpunkt,  bis  zu  welchem  die  rückständigen  NAutungen,  Zinsen
und  Früchte  zu  berechnen  ind  wird  durch  den  Tag  der  Einreichung  der
Klage  und,  wenn  eine  Vervollständigung  derselben  verfügt  worden  ist,
durch  den  Tag  der  Einreichung  der  vervollständigten  Klage  bestimmt.

Dagegen  bleiben  von  der  Berechnung  ausgeschlossen:

a)  die  Nutzungen,  Zinsen  und  Früchte  aus  der  späteren  Zeit;

b)  die  während  des  Prozesses  entstandenrn  Schäden  und  Kosten,  sowie
  alle  im  Werthe  des  streitigen  Gegenstandes  eingetretenen
Veränderungen.

2)  Mehrere  in  demselben  Prozesse  geltend  gemachte  Forderungen,  welche  auf
Zahlung  einer  Geldsumme  oder  Gewährung  anderer  vertretbarer  Sachen
Joehrzeng  1867.  (Tr.  6699.)  120  ge-
        <pb n="1087" />
        —  910  —

gerichtet  sind,  werden  auch  dann,  wenn  sie  aus  verschiedenen  Geschäften
entsprungen  sind,  zusammengerechnet.

Bei  Einlegung  eines  Rechtsmittels  wird  außerdem  von  der  Berechnung
ausgeschlossen,  was  in  diesem  Zeitpunkt  unter  den  Parteien  nicht  mehr
streitig  ist.

Bei  wiederkehrenden  immerwährenden  Nutzungen  wird  der  25  fache,  bei
Nutzungen,  deren  künftiger  Wegfall  gewiß,  deren  Dauer  aber  unbestimmt
ist,  der  123  fache  Betrag  einer  Jahresleistung  als  deren  Kapitalwerth
angenommen.  Auf  eine  bestimmte  Zeit  eingeschränkte  periodische  Nutzungen
werden  für  die  ganze  Zeit  ihrer  Dauer  zusammengerechnet,  jedoch  nur
so  weit,  daß  der  Kapitalwerth  der  immerwährenden  Nutzungen  niemals
überschritten  werden  darf.

Rückstände  verioddscher  Nutzungen  werden  jederzeit  zusammengerechnet.

Sie  treten  dem  Kapitalwerth  hinzu,  wenn  die  Nutzungen  selbst  mit  den
Rückständen  Gegenstand  des  Prozesses  sind.
Die  Ermittelung  des  Werths  des  Streitgegenstandes  erfolgt,  während
der  Prozeß  in  erster  Instanz  schwebt.  Das  Prozeßgericht  hat,  wenn  der
Werth  nicht  klar  vorliegt,  die  Parteien  darüber  zu  hören.  Dieselben  sind
verpflichtet,  eine  Erklärung  abzugeben.  Gegen  denjenigen,  welcher  sich  nicht
erklärt,  gilt  die  Angabe  des  anderen  Theils.  Sind  die  Angaben  in  dem
Maaße,  als  es  darauf  im  Prozesse  zur  Bestimmung  der  von  der  Höhe
des  Streitgegenstandes  abhängigen  Wirkungen  ankonnnt,  verschieden,  so
gilt  in  Ermangelung  einer  Einigung  die  höhere  Angabe  bis  dahin,  daß
von  dem  Gegner  der  Minderwerth  bewiesen  wird.

6)  Ist  der  Beweis  des  Minderwerthes  angetreten,  so  ist  die  Veranschlagung,
nach  den  allgemeinen  Vorschriften  über  die  Aufnahme  gerichtlicher  Taxen
zu  bewirken,  jedoch  mit  folgenden  Maaßgaben:

a)  Leistungen,  deren  Werth  sich  nach  jährlichen  Durchschnitten  bestim.
men  läßt,  find  nach  den  Grundsäden  der  für  den  betreffenden
Landestheil  geltenden  Ablösungsordnungen  zu  veranschlagen  auf
Verlangen  einer  Partei  ist  hierüber  das  Gutachten  der  Auseinandersetzungsbehörde
  einzuholen.

b)  Der  Werth  von  Bergwerkseigenthum  wird  durch  Gutachten  des
Oberbergamts  festgestellt.

c)  Auf  den  außerordentlichen  Werth  ist  bei  der  Abschätzung  nur  dann
Rücksicht  zu  nehmen,  wenn  derselbe  Gegenstand  des  Streites  ist.

7)  Eine  wiederholte  Abschätzung  kann  nur  auf  Antrag  und  nur  von  dem
in  höherer  Instanz  erkennenden  Richter  veranlaßt  werden,  welcher  über
die  Erheblichkeit  der  neuen  Ermittelungen  zu  entscheiden  hat.

8)  In  allen  Fällen,  in  welchen  mehrere  Personen  als  Kläger  oder  Verklagte
  in  einem  Prozesse  zugelassen  worden  sind,  ist  die  asictei  der
Rechtsmittel  nach  dem  Gesammtbetrage  der  Forderungen  oder  Leistungen
der  mehreren  Streitgenossen  zu  beurtheilen.  Koen

3

4

4

5
        <pb n="1088" />
        —  911  —

KS.  91.

Die  Verhandlungen  vor  dem  erkennenden  Gerichte  und  die  Verkündun
der  Urtheile  sind  öffentlich.  Die  Oeffentlichkeit  kann  jedoch  durch  einen  öfentlich
zu  verkündenden  Beschluß  des  Gerichts  ausgeschlossen  werden,  wenn  sie  der  Ordnung
  oder  den  guten  Sitten  Gefahr  droht.  Bei  allen  Rechtsstreitigkeiten  in  Ehesachen
  ist  die  Oeffentlichkeit  ausgeschlossen.

C.  92.

Die  Urtheile  sind  in  der  Art  aus  zufertigen,  daß  sie  in  der  Ueberschrift  die
Worte:  „Im  Namen  des  Königs“,  sodann  die  Aufführung  der  Parteien  und
die  Bezeichnung  des  erkennenden  Gerichts  enthalten.  Ist  das  erkennende  Gericht
ein  Kollegium)  so  müssen  aus  der  Ausfertigung  auch  die  Namen  der  Richter,
welche  bei  der  Abfassung  des  Erkentnisses  mitgewirkt  haben,  ersichtlich  sein.

S.  93.
Der  allgemeine  Gerichtsstand  des  Fiskus  wird  durch  den  Sitz  der  Behörde
bestimmt,  welche  berufen  ist,  den  Prozeß  für  den  Fiskus  zu  führen.
Korporationen  und  andere  jurslsche  Personen  haben  in  Ermangelung

einer  anderweiten  rechtsgültigen  Regelung  ihren  allgemeinen  Gerichtsstand  bei
dem  Gerichte,  in  dessen  Bezirk  der  Vorstand  derselben  seinen  Sitz  hat.

C.  94.

Klagen  auf  gerichtliche  Entscheidung  über  den  Werth  der  Cur  eine  Eisenbahn
  erpropriirten  Grundstücke,  sowie  Klagen  wegen  aller  sonstigen  Entschädigungsansprüche,
  welche  Grundbesitzer  als  solche  aus  Veranlassung  einer  Eisenbatz  -
anlage  gegen  den  Unternehmer  erheben,  können  bei  dem  Gerichte  erhoben  werden,
in  dessen  Bezirke  das  exproprürte  oder  beschädigte  Grundstück  belegen  ist,  wenn
der  Kläger  nicht  vorzieht,  im  persönlichen  Gerichtsstand  die  Klage  anzustellen.

Klagen  der  Grundbesitzer  gegen  die  Unternehmer  von  Eisenbahnanlagen
wegen  Besttstreits  können  bei  demjenigen  Gerichte  angebracht  werden,  in  dessen
Bezirke  das  Grundstück,  auf  welches  der  Besitzstreit  sich  bezieht,  belegen  ist.

Die  vorstehenden  Bestimmungen  finden  auch  auf  die  entsprechenden  Klagen
gegen  andere  mit  Erpropriationsrechten  versehene  Unternehmer  Anwendung.

.  95.

Personen,  welche  sich  im  Dienste  Anderer  befinden,  ingleichen  Lehrlinge,
Gesellen,  Handlungsdiener,  Kunstgehülfen,  Hand-  und  Fabrikarbeiter  sind  auch
im  Falle  ihrer  Minderjährigkeit,  oder  wenn  sie  noch  unter  väterlicher  Gewalt
stehen  und  deshalb  nach  dem  maaßgebenden  bürgerlichen  Recht  ungeachtet  der
Großjährigkeit  im  Allgemeinen  nicht  prozeßfähig  sind,  in  Alimenten=  und  Entschädigungsprozessen,
  sowie  in  allen  Rechtsstreitigkeiten,  welche  aus  ihren  Dienst.,
Erwerbs-  und  Kontraktsverhältnissen  entspringen,  dem  persönlichen  Gerichtsstande
ihres  Aufenthaltsorts  unterworfen.

(Nr.  66909.)  120“  Im
        <pb n="1089" />
        —  912  —

Im  Falle  der  Großjährigkeit  sind  sie  befugt  und  verpflichtet,  ihre  Gerechtsame
  selbst  wahrzunehmen,  ohne  daß  es  der  Ayzichung  oder  Benachrichtigung
ihrer  Väter  bedarf.

Den  Minderjährigen  ist,  wenn  die  Väter  oder  Vormünder  nicht  an  demselben
  Orte  wohnen,  von  dem  Prozeßgerichte  ein  Rechtsbeistand  als  Litiskurator
uzuordnen,  dessen  Pflicht  es  ist,  den  Vater  oder  Vormund  von  dem  Gegenstände
  des  Rechtsstreits  in  Kenntniß  zu  setzen.

Die  Bestimmungen  des  2.  und  3.  Absatzes  kommen  auch  dann  zur
Anwendung,  wenn  die  gedachten  Personen  in  solchen  Prozessen  als  Kläger
auftreten.

S.  96.

Ein  Kläger,  welcher  zu  den  Inländern  gehört,  ist  nicht  verpflichtet,  dem
Verklagten  wegen  der  Prozeßkosten  Sicherheit  zu  leisten.

S.  97.
Wenn  auf  einen  Eid  erkannt  ist,  so  hat,  sobald  das  Erkenntniß  die  Rechtskraft

  erlangt  hat,  das  Gericht  erster  Instanz  einen  Termin  zur  Ausschwörung
des  Eides  anzuberaumen  und  das  Purifikations-Erkenntniß  zu  erlassen.

g.  98.

Zu  Prozeßbevollmächtigten  können  außer  den  bei  dem  Gerichte  zur  Prozeßpraxis
  befugten  Rechtsanwalten  nur  Personen  bestellt  werden,  welche  die  Vermuthung
  einer  Vollmacht  für  sich  haben;  nur  in  Ermangelung  von  Rechtsanwalten
  ist  die  Bestellung  einer  anderen  geschäftsfähigen  Person  zum  Prozeßbevollmächtigten
  zulässig.

Jeder  Richter  hat  bei  den  vor  ihm  stattfindenden  Verhandlungen  für  die
Aufrechterhaltung  der  Ruhe  und  Ordnung  zu  sorgen.  Sollten  sich  Parteien,  deren
Stellvertreter  oder  Beistände,  Zeugen,  Sachverständige,  oder  andere  anwesende
Personen  eine  Störung  za  Schulden  kommen  lassen,  so  hat  der  Richter  das
Recht  und  die  Pflicht,  den  Ruhestörer  zur  Ordnung  zu  verweisen,  wenn  die
Ermahnung  fruchtlos  bleibt,  ihm  die  Entfernung  aus  dem  Gerichtszimmer  anudrohen
  und  diese  Drohung  nöthigenfalls  zur  Waefübrng  zu  bringen.  Wenn
ich  auch  diese  Maaßregel  als  unzureichend  ergiebt,  so  ist  der  Richter  befugt,  den
Ruhestörer  für  die  Dauer  der  Verhandlung,  jedoch  nicht  über  6  Stunden  lang,
vorbehaltlich  der  sonst  noch  verwirkten  härteren  Strafe,  zur  gefänglichen  Haft
bringen  zu  lassen.

Der  Richter  hat  über  einen  solchen  Vorfall  eine  vollständige  Registratur
zu  den  Akten  zu  bringen.

Macht  sich  Jemand  bei  der  mündlichen  Verhandlung  vor  einem  fkollegialichen
  Gericht  der  Beleidigung  des  Gegners  oder  des  Gerichts  schulbfg,  so  ist  der

orsitzende  befügt,  nach  vorgängiger  Berathung  mit  den  übrigen  Richtern  und
nach  dem  Beschluß  der  Mehrbenn  eine  Orde#ungestuufe  von  1  bis  5  Thalern  oder
von  6  bis  24  stündigem  Gefängniß  gegen  denselben  festzusetzen  und  sofon  —
recken
        <pb n="1090" />
        —  913  —

strecken  zu  lassen,  unter  Vorbehalt  der  härteren  Strafen,  welche  nach  den  allgemeinen
  Gesetzen  durch  die  Beleidigung  verwirkt  sind.

S.  100.

Rechtsanwalte,  welche  als  Bevollmächtigte  eine  Prozeßschrift  übergeben,
haben  bei  einer  Ordnungsstrafe  von  1  bis  5  Thalern  die  zur  Mittheilung  an  den
Gegner  erforderlichen  Abschriften  beizufügen.

Die  Klagebeantwortung,  die  unter  Anberaumung  besonderer  Termine  erforderte
  Replik  und  Duplik  können  von  einem  bevollmächtigten  Rechtsanwalt  nicht
zu  Protokoll  gegeben,  sondern  nur  schriftlich  angebracht  werden.

S.  101.

In  der  Exekutions-Instanz  sind  nur  solche  Einreden  zulässig,  welche  in
Thatsachen  sich  gründen,  die  so  spät  sch  zugetragen  haben,  daß  sie  in  dem  der  Exekution
  vorausgegangenen  Prozeßverfahren  nicht  mehr  vorgebracht  werden  konnten.
Es  gilt  dies  auch  von  den  Einreden  der  Zahlung,  der  Kompensation,  des  Erlasses
und  des  Vergleichs.  Sie  hemmen  die  Exekution  nur  dann,  wenn  sie  durch  Urkunden
  liquid  gemacht  sind.  .  10

.102.

Alle  zu  einer  Leistung  verurtheilende  Erkenntnisse  sollen  die  Bestimmung
einer  Frist  enthalten,  binnen  welcher  bei  Vermeidung  der  Exekution  dem  Erkenntnisse
  Genüge  geleistet  werden  muß.  Ist  das  Erkenntniß  vollstreckbar,  so  wird
nach  Ablauf  der  Frist  auf  Antrag  des  Gläubigers  sofort  die  Exekution  verfügt
und  der  Schuldner  davon  benachrichtigt.  Der  Vollstreckung  soll  *  Erlaß  eines
weiteren  monitorischen  Zahlungsbefehls  nicht  vorhergehen.  Die  Exekutionsvollstreckung
  durch  Einlegung  des  Exekutors  findet  nicht  statt.

di  Beobachtung  besonderer  Exekutionsgrade  ist  nicht  erforderlich;  der
Personalarrest,  sofern  er  zulässig  ist,  kann  jedoch  in  Ermangelung  eines
andern  Exekutions-Objekts  sachgesucht  werden.  Diese  Bestimmung  findet  auf  den
Wechselarrest  keine  Anwendung.

5.  103.

Die  bisherigen  Vorschriften  über  die  Nullitätsquerel  treten  außer  Kraft.
Es  findet  jedoch  die  Anfechtung  eines  rechtskräftigen  Erkenntnisses  mittelst  der
Nullitätsquerel  nach  Maaßgabe  der  bisherigen  Vorschriften  noch  statt,  wenn  eine
Partei  im  Prozesse  nicht  gehörig  vertreten  war  und  zugleich  mit  einem  anderen
Rechtsmittel  Möhllfe  zu  verlangen  nicht  vermochte  oder  im  Stande  ist.

Die  bisherigen  Vorschiten  über  die  Zulässigkeit  der  Anfechtung  eines
rechtskräftigen  Erkenntnisses  mittelst  des  Antrages  auf  Wiedereinsetzung  in  den
vorigen  Stand  wegen  neu  entdeckter  Beweismittel  u.  s.  w.  bleiben  in  Geltung.

C.  104.

In  Ansehung  des  Gerichtsstandes  der  im  Auslande  fungirenden  Beamten
und  der  im  Inlande  fungirenden  fremden  Gesandten,  sowie  der  zu  den  fremden
([Nr.  6699.)  e-
        <pb n="1091" />
        —  914  —

Gesandtschaften  gehörenden  Personen,  ferner  in  Ansehung  der  Zulässigkeit  der  Beschlagnahme
  der  Besoldungen  und  Pensionen  der  im  Dienst  befindlichen  und
pensionirten  Beamten,  sowie  der  Zulässigkeit  des  Personalarrestes  gegen  dieselben,
sofern  dieser  gegen  andere  Personen  statthaft  sein  würde,  treten  die  Vorschriften
des  Preußischen  Rechts  in  Geltung.

C.  105.

Alle  dieser  Verordnung  engegenstehenden  Vorschriften  treten  außer  Kraft.

Die  Bestimmungen  des  Holsteinischen  Gesetzes  vom  14.  Juli  1863.  über
das  Beweisverfahren  im  Civilprozeß,  soweit  ihnen  nicht  die  Bestimmungen  dieser
Verordnung  entgegenstehen,  werden  hiermit  auch  in  das  Herzogthum  Schleswig
eingeführt.

*  Das  nach  der  provisorischen  Verordnung  vom  3.  Januar  1865.  in  vormals
Dänischen  Gebietstheilen  des  Herzogthums  Schleswig  noch  geltende  Dänische
Prozeßrecht  wird  aufgehoben;  an  dessen  Stelle  tritt  das  im  Herzogthum  Schleswig
geltende  Proehuecht  mit  den  aus  dieser  Verordnung  sich  ergebenden  Aenderungen.

Das  Prozeßrecht  des  Herzogthums  Nassau  mit  den  aus  dieser  Verordnung
sich  ergebenden  Aenderungen  tritt  in  den  zu  den  Regierungsbezirken  Wiesbaden
und  Kassel  gehörenden  vormals  Großherzoglich  Hessischen  und  Hesen  Homburg.
schen  Gebietstheilen  an  Stelle  des  Prozeßrechts,  welches  bisher  in  diesen  Gebietstheilen
  gegolten  hat.

Sechster  Abschnitt.
Uebergangs-Bestimmungen.

**

Die  gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  1.  September  1867.  in  Wirksamkeit.
  Was  die  bereits  vor  diesem  Zeitpunkte  eingeleiteten  Prozesse  betrifft,  so
bleiben  jeder  Partei  diejenigen  Rechte,  welche  sie  durch  die  Versäumnisse  des
Gegentheils  an  Sätzen,  Ausflüchten,  Handlungen,  einzelnen  Beweismitteln  oder
am  ganzen  Beweise  oder  Gegenbeweise  bereits  erworben  hat,  vorbehalten;  im
Uebrigen  treten  die  folgenden  Unterscheidungen  und  Bestimmungen  ein.

C.  107.

Ist  in  der  Instanz,  in  welcher  die  Sache  schwebt,  weder  definitiv  noch
interlokutorssch  erkannt,  so  wird  in  allen  Fällen,  in  welchen  die  Akten  dem  Gerichte
zum  Spruch  oder  zur  Verfügung  vorliegen,  oder  die  Partei  einen  Antrag  stellt,
oder  ein  Termin  ansteht,  nach  dessen  Abhaltung  nicht  ein  Kontumazial=  oder
Agnitions-Erkenntniß  abgefaßt  werden  kann  (§9.  10.  und  11.),  ein  Termin  zur
mündlichen  Verhandlung  der  Sache  in  der  Gerichtssitzung  anberaumt,  zu  welchem
die  Parteien  mit  der  Aufforderung  vorzuladen  sind,  alle  Angriffs=  und  Vertheidigungsmittel,
  einschließlich  der  Beweis=  und  Gegenbeweismittel,  soweit  sie

d-
        <pb n="1092" />
        —  915  —

damit  nicht  bereits  vor  dem  1.  September  1867.  auszeschtosten  sind,  vorzubringen,
und  zwar  unter  der  nach  88.  27.  bis  31.  dieser  Verordnung  zu  bestimmenden
Verwarnung.

S.  108.

In  gleicher  Art  ist  zu  verfahren,  wenn  in  erster  Instanz  zwar  bereits  interlokutorisch
  erkannt,  das  Erkenntniß  oder  der  Bescheid  aber  weder  rechtskräftig  geworden,
  noch  in  zweiter  Instanz  darüber  definitiv  erkannt  ist,  also  auch  dann,
wenn  nur  erst  Awppellationsprozesse  erkannt  sind.  Akten,  welche  bei  dem  Appellationsrichter
  zum  Spruch  über  einen  interlokutorischen  Bescheid  vorliegen,  sind
an  das  Gericht  erster  Instanz  zu  remittiren,  welches  ohne  weiteren  Antrag  den
Termin  zur  mündlichen  Verhandlung  der  Sache  anzubermunen  hat.

i

st  in  zweiter  Instanz  bereits  auf  die  Appellation  gegen  einen  interlokutorischen
  Bescheid  vollständig  erkannt,  das  Erkenntniß  aber  vor  jenem  Zeitpunkte
nicht  in  Rechtskraft  übergegangen,  so  bebält  es  dabei,  insofern  kein  Rechtsmittel
eingewendet  wird,  sein  Bewenden)  die  Zulässigkeit  des  Rechtsmittels  an  sich  ist
nach  den  bisherigen  Vorschriften  zu  beurtheilen.
In  Rücksicht  auf  das  Verfahren  und  die  Fristbestimmungen  kommen  aber
die  unten  gegebenen  Bestimmungen  (§.  112.)  zur  Anwendung.

K.  110.

Ist  ein  Interlokut  rechtskräftig  geworden,  in  der  Sache  aber  nicht  definitiv
erkannt,  so  ist  auf  den  Antrag  einer  Partei)  insofern  ein  Termin  zur  Beweisaufnahme
  bereits  anberaumt  ist,  jedoch  erst  nach  Abhaltung  desselben  ein  Termin
zur  mündlichen  Verhandlung  nach  Vorschrift  des  §.  107.  anzuberamnen  und
darin  nach  Maaßgabe  dieser  Verordnung  zu  verfahren.  Eben  dieses  findet  statt,
wenn  gemäß  §.  109.  von  dem  Richter  dritter  Instanz  über  cin  den  interlokutorischen
  Bescheid  bestätigendes  oder  abänderndes  Appellations-Erkenntniß  noch  zu
erkennen  ist.

C.  111.

Sind  die  Verhandlungen  der  Instanz  bereits  vor  dem  im  §.  106.  bezeichneten
  Zeitpunkte  bis  zum  Oefinitiv-Erkenntniß  geschlossen,  so  ist  entweder  das
Erkenntniß  nach  den  bisherigen  Vorschriften  abnusaaen  ,  oder,  wenn  das  Gericht
beim  Vortrage  der  Sache  findet,  daß  noch  nicht  definitiv  erkannt  werden  kann,
ein  Termin  zur  mündlichen  Verhandlung  und  Entscheidung  der  Sache  anzuberaumen.


S.  112.

Ist  ein  Definitiv-Erkenntniß  bereits  vor  jenem  Zeitpunkte  publizirt,  so
wird  die  Zulässigkeit  des  Rechtsmittels  an  sich  nach  den  bisherigen  Vorschriften
beurtheilt.  Wenn  die  Anmeldungsfrist  noch  nicht  abgelaufen  ist,  so  wird  solche
nach  den  Vorschriften  dieser  Verordnung  bemessen,  insofern  nicht  das  bisberige

(Nr.  6599.)  ·  Recht
        <pb n="1093" />
        —  916  —

Recht  eine  weitere  Frist  gewährt.  Ist  das  Rechtsmittel  bereits  angemeldet,  aber
noch  nicht  eingeführt  und  justifizirt,  so  bestimmt  sich  die  betreffende  Frist,  insofern
nicht  bereits  eine  weitere  Frist  läuft,  gleichfalls  nach  dieser  Verordnung,  so  daß
mit  deren  Ablauf  das  Rechtsmittel  ohne  Weiteres  für  desert  zu  erachten  ist.
Wenn  das  Rechtsmittel  bereits  gerechtfertigt  und  die  Rechtfertigungsschrift  zur
Beantwortung  mitgetheilt  ist,  so  wird  nach  deren  Eingange,  oder  nach  Ablauf
der  Beantwortungsfrist  auf  eingebenden  Antrag,  ein  Termin  zur  mündlichen  Verhandlung
  und  Entscheidung  der  Sache  anberaumt.

C.  113.

Die  Vernehmung  der  Zeugen  und  Sachverständigen  erfolgt  in  allen  Fällen
von  jenem  Zeitpunkte  ab  nach  den  Bestimmungen  des  §.  35.  dieser  Verordnung.
Bei  Anberaumung  eines  Termins  zur  mündlichen  Verhandlung  werden  alle  noch
nicht  den  Parteien  eröffnete  Vernehmungsprotokolle  auf  Antrag  ohne  Weiteres
abschriftlich  mitgetheilt,  unbeschadet  ihrer  Berechtigung  zur  Benennung  und  Vernehmlassung
  fernerer  Zeugen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  24.  Juni  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

Redigirt  im  Bürcau  des  Staats-Ministeriums.

gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hefbuchdruckerei
N.  v.  Decker).
        <pb n="1094" />
        —  917  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  61.  —

 

(Jr.  6700.)  Verordnung,  betreffend  die  Einrichtung  einer  Königlichen  Polizeiverwaltung
zu  Frankfurt  a.  M.  Vom  29.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.
verordnen  hiermit,  was  folgt:

.  1.

Die  örtliche  Polizeiverwaltung  in  der  Stadt  Frankfurt  a.  M.  und  den
nachbenannten  Ortschaften:  Bornheim,  Oberrad,  Niederrad,  Hausen,  Niederursel,
Bonames,  Bockenheim  und  Rödelheim,  wird  einem  von  Uns  ernannten  Polijzeipräsidenten
  übertragen.

Der  Polizeipräsident  ist  befugt,  sich  der  Gemeindevorstände  in  den  obengenannten
  Außenortschaften  als  seiner  Organe  bei  der  Ausübung  der  Polizei  zu
edienen.  &amp;amp;

Der  Minister  des  Innern  ist  befugt  einzelne  Zweige  der  örtlichen  Polizeiverwaltung
  den  Gemeinden  zur  eigenen  Verwaltung  unter  Aufsicht  des  Staates
zu  überweisen,  auch  die  Einrichtungen  zu  bestimmen,  welche  in  diesem  Falle  den
betreffenden  Geschäftshmweigen  zu  geben  sind.  Die  Ernennung  aller  derjenigen
Polizeibeamten,  deren  Anstellung  den  Gemeindebehörden  überlassen  wird,  bedarf
der  Bestätigung  der  Staatsregierung.

F.  3.

Die  Kosten  der  Polizeiverwaltung  sind,  mit  Ausnahme  der  Gehälter  der
von  der  Staatsregierung  angestellten  besonderen  Beamten,  von  den  Gemeinden
zu  bestreiten.

Den  Maaßstab  für  das  Theilnahmeverhältniß  der  einzelnen  Gemeinden
an  den  obigen  Kosten  bestimmt  der  Minister  des  Innern.

S.  4.
Der  Minister  des  Innern  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt.
Jobrgang  1867.  (Nr.  6700—6702.)  121  Ur-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  5.  Juli  1867.
        <pb n="1095" />
        —  918.  —

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Aseel.
Gegeben  Berlin,  den  29.  Juni  1867.

.  §.)Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydpt.  v.  Ropon.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6701.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Verordnung  über  die  Besteuerung
des  im  Inlande  erzeugten  Rübenzuckers  vom  7.  August  1846.  in  den
Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein.  Vom  24.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u§

verordnen  für  die  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein,  mit  Ausnahme  der
von  dem  d  Pslden  anölschlossenen  ale.  was  folgt:

.1.

Die  Verordnung,  betreffend  Besteuerung  des  im  Inlande  erzeugten
Rübenzuckers  vom  7.  August  1846.  (Gesetz  Samml.  S.  335.),  sammt  den  diese
Verordnung  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  Vorschriften,  tritt  in  den
Eingangs  Shachten  Lan  setheisn  mit  der  Publikation  der  gegenwärtigen  Verordnung
  in  Kraft.  2"

Der  Finanzminister  wird  mit  der  Ausführung  der  gegenwärtigen  Verordnung
  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  5#  den  24.  Juni  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.

 

(Nr.  6702.)  Verordnung)  betreffend  die  Aufhebung  der  Tranksteuer  und  Zapfgebühr  von
Wein,  Traubenmost,  Obstwein  und  Obstmost  in  den  vormals  Großherzoglich
  und  Landgräflich  Hessischen  Landestheilen.  Vom  24.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ucr

verordnen,  was  folgt:

F.  1.
Die  Abßaben/  welche  in  den  nach  der  Verordnung  vom  22.  Februar  1867.
r  -  355)  t  d  Mecierungsbh  W  ind  iesbaden  ge
örigen,  vormals  Großherzoglich  Hessischen  und  räflich.  Hessen-Homburgischen
andeslheilen  von  dem  Wet  dem  Traubenmoste,  dem  Ob  aen  **  "
moste
        <pb n="1096" />
        —  919  —

moste  an  Tranksteuer  und  Japfgebühr  bisher  erhoben  worden  sind,  sollen  vom
1.  Juli  dieses  Jahres  ab  nicht  weiter  erhoben  werden.  Die  wegen  der  Erhebung  dieser
Abgaben  ergangenen  gesetzlichen  Vorschriften  werden  von  dem  bezeichneten  Tage
ab  hiermit  außer  Wirksamkeit  gesetzt.

5
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Achfüt  dieser  Verordnung  beauftragt.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  24.  Juni  1867.

(I.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.

 

(Nr.  6703.)  Verordnung,  betreffend  die  evangelischen  militairkirchlichen  Angelegenheiten  im
ehemaligen  Königreich  Hannover.  Vom  24.  Juni  1867.

Wi  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rG
verordnen  für  das  Gebiet  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover,  was  folgt:

.  J.

Zur  Wahrnehmung  der  evan-  Mchen  Militairseelsorge  wird  die  erforderliche
Anzahl  von  Divisions=  und  Gamnihen#ldigem  angestellt.  Dieselben  führen  ir
Amt  nach  den  Vorschriften  der  Militair-Kirchenordnung  vom  12.  Februar  1832.
(Gesez=  Samml.  für  1832.  S.  69.  ff.)  und  den  dichelbe  ergänzenden  oder  aba#ndernden
  späteren  Bestimmungen.  Einer  der  evangelischen  Militairgeistlichen  in
der  Stadt  Hannover  versieht  zugleich  die  Funktionen  eines  Militar-  Oberprentgers,

g.  2.
Die  nach  9.  der  Militair-Kirchenordnung  den  Konsistorien  zustehenden
Befugnisse  und  obliegenden  Pflichten  gehören  bis  auf  Weiteres  zu  dem  Geschäftskreise
  des  evangelischen  Feldprobstes  der  Armee,  welcher  insbesondere  die  Anstellung,
Versetzung  und  Entlassung  der  Divisions=  und  Garnisonprediger  mit  Genehmigun
des  instrs  der  geistlichen  Angelegenheiten  zu  bewirken  hat,  vorbehaltlich  jedoch
der  in  dem  vorgedachten  Paragraphen  den  Militairbefehlshabern  zugewiesenen
Mitwirkung.

3.

In  Beziehung  auf  Beichte,  ldnt  nahl  „Einsegnung  der  Kinder  und  ihre
Vorbereitung  dazu  bedarf  es  zur  Verrichtung  durch  einen  anderen  Geistlichen  nach
den  Vorschriften  der  Militair-Kirchenordnung  einer  besonderen  Erlaubniß  von
Seiten  des  Militairgeistlichen  nicht,  eben  so  wenig  zum  Besuche  des  Gottesdienstes
in  anderen  Kirchen;  für  Taufen  und  Trauungen  ist  ein  Erlaubnißschein  des  zu—
ständigen  Militairgeistlichen  erforderlich,  welcher  jedoch  auf  Verlangen  unentgeltlich
  ertheilt  werden  muß.

S.  4.
Die  bisherigen  Garnisongemeinden  sind  aufgehoben.  Die  Verfügung  über
(Nr.  6702—6703.3)  ihr
        <pb n="1097" />
        —  920  —

ihr  Vermögen  und  über  die  Ansprüche  der  Garnisongeistlichen  und  Kirchenbeamten
bleibt  näherer  Prüfung  und  Entscheidung  vorbehalten.

5.

In  denjenigen  Garnisonorten,  9.  denen  kein  Divisions=  oder  Garnisonprediger
  stationirt  ist,  wird  die  evangelische  Militairseelsorge  einem  der  Ortsgeistlichen
durch  dessen  kirchliche  Bestallungsbehörde  im  Einverständniß  mit  dem  betreffenden
Militairbefehlshaber  und  unter  Genehmigung  des  Ministers  der  geistlichen  Angelegenheiten
  übertragen  und  werden  seine  Amtsverrichtungen  als  Militairseelsorger
im  Einklang  mit  den  für  sein  geistliches  Hauptamt  bestehenden  kirchlichen  Ordnungen
  geregelt.

Derselbe  bleibt  in  Ansehung  seiner  geistlichen  Amtsverrichtungen  in  der
Militairseelsorge  seiner  ordentlichen  kirchlichen  Aufsichtsbehörde  untergeben.  Im
Uebrigen  finden  die  Bestimmungen  der  Militair=  Kirchenordnung  über  das  Unterordnungsverhältniß
  auf  ihn  Anwendung.

erlin,  den  24.  Juni  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
v.  Roon.  v.  Mühler.

 

(Nr.  6703.a.)  Verordnung  wegen  Aufhebung  der  in  Frankfurt  a.  M.  als  Staatssteuern  bestehenden
  Accisen  von  Gerste,  Hafer,  Heu,  Stroh,  Brennstoffen,  Wein
und  Obstwein.  Vom  2)9.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.
verordnen,  was  folgt:
S.  I.
Die  in  der  Stadt  Frankfurt  a.  M.  bisher  erhobenen  Accisen  von  Hafer

und  Gerste  in  Halmen  und  Körnern,  von  Heu,  Stroh,  Brennstoffen,  Wein  und
Obstwein  werden,  als  Staatssteuern  vom  1.  Juli  d.  J.  aufgehoben.
§.  2.
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedruckten
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  29.  Juni  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1098" />
        —  921  —

Gesetz-Sammlung
sür  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  62  —

 

(Nr.  6704.)  Verordnung,  betreffend  das  Strafrecht  und  das  Strafverfahren  in  den  durch
das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  und  die  beiden  Gesetze  vom
24.  Dezember  1866.  mit  der  Monarchie  vereinigten  Landestheilen,  mit
Ausnahme  des  vormaligen  Oberamtsbezirks  Meisenheim  und  der  Enklave
Kaulsdorf.  Vom  25.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.
verordnen  für  die  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  und  die  beiden
Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  555.  875.  876.)  mit
IIsese-  Monarchie  vereinigten  Lmdestleile,  mit  Ausnahme  des  vormaligen
Oberamtsbezirks  Meisenheim  und  der  Enklave  Kaulsdorf,  auf  den  Antrag  Unseres
Stzalsminlsteriums)  was  folgt:

Artikel  I.

In  den  vorstehend  bezeichneten  Landestheilen  erlangt
das  Strafgesetzbuch  für  die  Preußischen  Staaten  nach  dem  Terxte  der  in
Gemäßheit  Unseres  Erlasses  vom  14.  Juni  1859.  veranstalteten  dritten
amtlichen  Ausgabe  —  im  Gebiete  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt
  der  dritte  Theil  dieses  Gesetzbuch  —
mit  dem  1.  September  1867.  Gesetzeskraft.  «
Mit  demselben  Zeitpunkte  treten  in  ee  Landestheilen  die  in  der
Anlage  enthaltene  Stsesorezehordnung  nebst  den  ihr  beigefügten  Bestimmungen
  über  die  Berufung  zum  Schöffenamte,

ingleichen  die  nachfolgenden  Vorschriften  in  Wirksamkeit.

1I.  Vorschriften)  die  Ergänzung  des  Strafgesetzbuchs  und  der  Strafprozeßordnung
  betreffend.
Artikel  H.
Neben  dem  Strafgesetzbuch  und  der  Strafprozeßordnung  erlangen  Gesetzeskraft:
A.  die  Verordnung  über  die  Verhütung  eines  die  gesetzliche  Freiheit  und
Jairgung  1867.  (Nr.  6704.)  122  Ord-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  15.  Juli  1807.
        <pb n="1099" />
        —  922  —

Ordnung  gefährdenden  Mißbrauchs  des  Versammlungs=  und  Pereinigungsrechts
  vom  11.  März  1850.  (Gesetz  Samml.  S.  277.),  mit  Ausschiuß
der  S#§#.  20.  und  23.;

B.  das  Gesetz  über  die  Presse  vom  12.  Mai  1851.  (Gesetz  Samml.  S.  273.)
mit  Ausschluß  der  §#.  27:  und  56.  und  unter  folgenden  näheren  Bestimmungen:
  "  ·««"·«  «

1)  Gegen  die  im  F.  1.  genannten  Gewerbetreibenden  ist  nur  von  dem
uständigen  Richter,  und  nur  in  Gemäßheit  des  S.  54.  auf  den
Verlust  der  Besugiig  zun  Gewerbebetriebe  zu  erkennen.

2)  Wer  eines  der  im  F.  1.  aufgeführten  Gewerbe  ohne  die  vorschriftseige
  -“6  selbstständig  betreibt,  oder,  nachdem  er  der
Befugniß  zum  Betriebe  dieser  Gewerbe  durch  rechtskräftiges  Erkenntniß
  für  verlustig  erklärt  worden  ist,  diesem  Erkenntnisse  zuwiderhandelt,
  wird  mit  Geldbuße  bis  zu  zweihundert  Thalern  oder  Gefängniß
  bis  zu  drei  Monaten  bestraft.

3)  Die  Bestellung  der  Jeitungekautionen  (§§.  11.  5%  sowie  deren
Versilberung,  erfolgt  nach  den  Vorschriften  der  §#§.  1.  bis  4.  des
Gesetzes  wegen  anderweitiger  Einrichtung  des  Amts-=  und  Zeitungskautionswesens
  vom  21.  Mai  1860.  (Gesetz  Samml.  S.  211.)

C.  das  Gesetz  über  das  unerlaubte  Kreditgeben  an  Minderjährige  vom
2.  März  1857.  (Gesetz=  Samml.  S.  111.)).

D.  das  Gesetz  vom  2.  Juni  1852.)  den  Diebstahl  an  Holz  und  anderen
Waldprodukten  betreffend  (Gesetz  Samml.  S.  305.),  mit  Ausnahme  der
S.  53.  und  54.  und  mit  der  Maaßgabe,  daß  an  Stelle

1)  der  in  den  I#.  21.  und  49.  angezogenen  Eesses-  vom  12.  Februar

"3850.  und  31.  Januar  1845.  die  euprechen.  en  Vorschriften  der
Titel  8.  und  9.  und  des  Titels  21.  Abschnitt  5.  der  Strafprozeßordnung,


2)  der  8  24.  und  38.  die  nachstehenden,  mit  denselben  Nummern
bezeichneten  Paragraphen
treten:
C.  24.

Die  Zuständigkeit  der  Gerichte  und  das  Verfahren  wegen
der  im  §.  16.  vorgesehenen  Holzdiebstähle  richtet  sich  nach  den  wr
das  Vergehen  des  Knfachen  Diebstahls  (Strafgesetzbuch  §.  216.)
in  der  Staftrezesordmeng  egebenen  Vorschriften.  Bei  litheilen
die  in  Abwesenheit  des  Bhenennrn  verkündet  worden  sind,  ist

demselben  nur  der  Tenor  zuzustellen.  4
Hinsichtlich  der  übrigen,  durch  das  gegenwirtige  Gesetz  vorgesehenen
  strafbaren  Handlungen  kommen  die  Vorschriften  s  “*
U-"b
        <pb n="1100" />
        —  923  —

Zuständigkeit  der  Gerichte  und  das  Verfahren  bei  Uebertretungen,
ohne  daß  es  zur  Hauptverhandlung  und  Entscheidung  der  Mitwirkung
  von  S  9  bedarf,  und  mit  nachstehenden  Abänderungen
und  näheren  Bestimmungen  zur  Anwendung.

g.  38.

Das  Rechtsmittel  der  Berufung  steht  dem  Beschuldigten  nur
zu)  wenn  er  zu  einer  Geldbuße  von  wenigstens  fünf  Thalern  oder
unmittelbar  zu  einer  Gefängnißstrafe  (§.  9.)  verurtheilt  worden  ist;
dem  Polizeianwalte,  wenn  auf  Freisprechung  erkannt,  oder  wenn
das  Strafgesetz  verletzt  oder  meichtig  angewendet  worden  ist.

Hat  der  Polizeirichter  sich  mit  Unrecht  für  zuständig  oder  für
unzuständig  erklärt,  so  ist  das  Rechtsmittel  in  allen  Fällen  zulässig;

E.  die  Bestimmungen  der  W.  1.  bis  6.  des  Gesetzes  über  die  Strafe  der
Widersetzlichkeit  bei  Forst=  und  Jagdverbrechen  vom  31.  März  1837.
(Gesetz  Samml.  S.  67.);

F.  die  IH.  1.  bis  5.  des  Gesetzes  von  demselben  Tage  über  den  Waffengebrauch
  der  Forst=  und  Jagdbeamten  (Gesetz-Samml.  S.  65.),  nebst
en  in  Erweiterung  der  Kategorien  der  zum  Waffengebrauch  berechtigten
  Personen  ergangenen  Allerhöchsten  Erlassen,  mit  der  Maaßgabe,
daß  an  Stelle  der  im  §.  1.  angezogenen  Vorschrift  des  Gises  vom
7.  Juni  1821.  der  F.  32.  des  Gesetzes  vom  2.  Juni  1852.  (oben  zu  D.)
tritt;
G.  das  Gesetz  über  den  Waffengebrauch  des  Militairs  vom  20.  März  1837.
(Gesetz  Samml.  S.  60.)#
I.  das  Gesetz  über  den  Belagerungszustand  vom  4.  Juni  1851.  (Gesetz-Bn
  S.  451.);  ·  "«  J
.  das  Gesetz  über  die  vorläufige  Straffestsetzung  wegen  Uebertretungen
vom  14.  Mai  1852.  (Gesez  Gamml,  S.  245.);  P

K.  das  Gesetz  vom  11.  April  1854.,  betreffend  die  Beschäftigung  der  Strafgefangenen
  außerhalb  der  Anstalt  (Gesetz  Samml.  S.  143.).

Artikel  III.

Auf  die  in  nachfolgenden  Bestimmungen  unter  Strafe  gestellten  Feldfrevel
kommen  die  Vorschriften  der  §#.  215.  bis  2241.  349.  Nr.  3.  und  7.,  und  281.
des  Strafgesetzhuchs  nur  insoweit  zur  Anwendung,  als  auf  dieselben  nachstehend
verwiesen  wird:  1

Mit  Geldbuße  von  fünf  Silbergroschen  bis  zu  drei  Thalern  wird
bestraft,  wer  unbefugter  Weise
1)  in  Gärten,  Obstanlagen,  Weinbergen  oder  auf  Aeckern  eine  Nachlese
  hält;
(Fr.  0701.  se  hätt,  122°  2)  auf

1—
        <pb n="1101" />
        —  924  —

2)  auf  Grabangen  oder  Hecken  Leinwand,  Wäsche  oder  andere  Gegen—
stände  zum  Bleichen,  Trocknen  u.  s.  w.  ausbreitet  oder  niederlegt

3)  in  Privatgewässern  oder  auf  fremdem  Grund  und  Boden  Flachs
oder  Hanf  röthet,  oder  Privatgewässer  durch  Aufweichen  von  Fellen
darin  oder  sonst  verunreinigt;

4)  fremde,  auf  dem  Felde  zurückgelassene  Ackergeräthe  gebraucht;

5)  das  auf  Grenzrainen,  Gräben,  Wegen  oder  Triften  wachsende  Gras
oder  sonstige  Viehfutter  abschneidet  oder  abrupft;

(0)  Dünger  von  Aeckern,  Wiesen  oder  Weiden  aufsammelt;

7)  Knochen  gräbt  oder  sammelt;

8)  die  zur  Sperrung  von  Wegen  oder  von  Eingängen  in  eingefriedigte
Plätze  dienenden  Gatterthore,  Pforten,  Hecken  u.  s.  w.  8  oder
nach  dem  Hindurchgehen  nicht  wieder  schließt;

9)  Steine,  Scherben,  Schutt  oder  Unrath  auf  fremde  Grundstücke  oder
Privatwege  wirft.

G.  2.

.  Mit  Geldbuße  von  zehn  Silbergroschen  bis  zu  zwanzig  Thalern

wird  bestraft,  wer  unbefugter  Weise:

1)  von  Allee=  oder  Feldbäumen,  oder  von  Hecken  Laub  abpflückt,  oder
Zweige  abbricht;

2)  aus  Gärten,  Weinbergen,  Obstanlagen  oder  Alleen  oder  von  Feldern,
Aeckern  oder  Wiesen  Gartenfrüchte,  Feldfrüchte  oder  andere  Bodenerzeugnisse
  von  unbedeutendem  Werthe  oder  in  geringer  Quantität
entwendet

3)  Bäume  oder  Sträuche,  welche  in  Gärten,  Obstanlagen,  Alleen,  auf
Aeckern  oder  sonst  außerhalb  eines  Forstes  stehen,  oder  Hecken  und
andere  zur  Einfassung  von  Grundstücken  dienende  Wupftmnpumaen
abhaut,  abbricht,  ausreißt,  ausrodet  oder  beschädigt.

S.  3.
Mit  Geldbuße  von  funfzehn  Silbergroschen  bis  zu  zwanzig  Thalern
  wird  bestraft,  wer  unbefugter  Weise

1)  Einfriedigungen,  Baum=  oder  Prellpfähle,  oder  Brücken  auf  Privatwegen
  beschädigt  oder  zerstört;

2)  Steine,  Pfähle,  Tafeln,  Strohwische,  Gräben  oder  ähnliche  uur
Absperrung,  Abgrenzung,  oder  Vermessung  von  Grundstücken  oder
Wegen  dienende  Merk=  oder  Warnungszeichen  fortnimmt,  vernichtet
oder  sonst  unkenntlich  macht

3)  das  zur  Bewässerung  von  Grundstücken  dienende  Wasser  ableitet;

4)  Gräben,  Wälle,  Rinnen  oder  andere  zur  Ab-  oder  Zuleitung  des
Wassers  dienende  Anlagen  beschädigt.

Glei-
        <pb n="1102" />
        —  925  —

Gleicher  Bestrafung  unterliegt:

5)  wer  ohne  Erlaubniß  der  Ortspolizeibehörde  Torfmoore  abbrennt
oder  Heidekraut,  Bülten  oder  ähnliche  Gegenstände  auf  dem  Felde
anzündet.

Sind  Handlungen  der  unter  Nr.  4.  und  5.  bezeichneten  Art  mit
gemeiner  Gefahr  verbunden,  wie  z.  B.  die  Beschädigung  von  Deichen
oder  Dämmen,  so  unterliegen  sie  den  im  Strafgesetzbuch  bestimmten
strengeren  Strafen  der  gemeingefährlichen  Beschädigung.

e

Ist  in  den  Fällen  der  .  1.  bis  3.  eine  Beschädigung  fremden
Eigenthums  aus  Rache  oder  Bocheit  verübt,  so  trifft  den  Thäter  die
Strafe  der  Vermögensbeschädigung.

Wenn  in  den  Fällen  der  G.  1.  bis  3.  eine  Wegnahme  in  gewinnsüchtiger
  Absicht  stattgefunden  hat,  so  kommen  die  Strafen  des
Diebstahls  zur  Anwendung.

Artikel  IV.
Der  Strafe  des  F.  268.  des  Strafgesetzbuchs  verfällt:

1)  wer  in  auswirügen  Lotterien  (Absatz  2.  a.  a.  O.),  die  nicht  mit  Unserer
Genehmigung  in  Unseren  Staaten  besonders  zugelassen  werden,  spielt,  wer
sich  dem  Verkaufe  der  Loose  zu  dergleichen  auswärtigen  Lotterien  unterzieht,
  oder  einen  solchen  Verkauf  als  Mittelsperson  befördert;

2)  wer  sich  schriftlich  zur  Ueberlassung  von  Gewinnen,  Gewinnantheilen
oder  irgend  welchen  anderen  Vortheilen  für  den  Fall  anheischig  macht,
daß  bei  der  Prämienverloosung  einer  in=  oder  ausländischen  Staatsoder
  anderen  Anleihe  eine  gewisse  Serien  oder  Obligationsnummer
gezogen  werden  würde;  ingleichen  wer  Scheine,  die  eine  solche  Zusicherung
enthalten,  kauft,  verkauft  oder  feilbietet,  oder  zum  Zwecke  des  Absatzes
an  sich  bringt,  versendet  oder  sonst  verbreitet.

Artikel  V.
Die  Anwendung  der  Bestimmungen  der  §9.  266.  267.  und  340.  Nr.  11.

des  Strafgesetzbuchs  auf  die  öffentlichen  Spielbanken  zu  Wiesbaden,  Ems  und
Homburg  bleibt  bis  auf  weitere  Bestimmung  ausgesetzt.

II.  Vorschriften,  die  Aufbebung,  Aufrechterhaltung  und  Abänderung
bisberiger  Gesetze  betreffend.
a.  in  Hinsicht  auf  das  Strafrecht.
Artikel  VI.
Es  treten  außer  Kraft:

alle  Strafbestimmungen,  die  Materien  betreffen,  auf  welche  sich  die  nach
(Nr.  6704.)  Ar-
        <pb n="1103" />
        —  926  —

Artikel  I.  bis  IV.  in  Wirksamkeit  tretenden  Strafgesetze  beziehen;  namentlich
  das  allgemeine  Kriminalgesetzbuch  für  das  Königreich  Hannover
vom  8.  August  1840.  und  das  Gesetz  über  polizeiliche  Aufsicht  u.  s.  w.
vom  22.  November  1850.,  die  gemeinen  Deutschen  Kriminalgesetze,  das
Strafgesetzbuch  für  das  Herzogthum  Nassau  vom  14.  April  1849.)  die
Strafgesetzbücher  für  das  Königreich  Bayern  und  für  das  Großherzog-=thum
  Hessen  vom  10.  Juli  1861.  und  17.  September  1841.,  und  das
Frankfurter  Polizeistrafgesetz  vom  16.  September  1856.),  nebst  allen  dieselben
  abändernden,  ergänzenden  und  erläuternden  Bestimmnungen.

Es  bleiben  in  Kraft:

1)  alle  Strafbestimmungen,  die  Materien  betreffen,  in  Hinsicht  deren  die  in
Wirksamkeit  tretenden  Strafgesetze  nichts  bestimmen,  insbesondere  alle
strafrechtlichen  Vorschriften  der  Zoll-,  Steuer=  und  anderer  die  Erhebun
öffentlicher  Abgahen  und  Gefälle  betreffender  Gesetze;  desgleichen  die  au
die  Gesinde.)  Gewerbe-.,  Forst-,  Feld-,  Jagd-  und  Fischerei-Polizei  bezüglichen
  Strafbestimmungen,  soweit  hierüber  die  gegenwärtige  Verordnung
  keine  Anordnungen  trifft;

2)  polizeiliche  Vorschriften,  die  einen  Gegenstand  betreffen,  hinsichtlich  dessen
das  Strafgesetzbuch  auf  besondere  W  Anordnungen  veweik.

Artikel  VII.

Wo  in  irgend  einem  Gesetze  auf  Bestimmungen  des  bisherigen  Strafrechts,
welche  nach  dem  Artikel  VI.  ihre  Geltung  verlieren  Ba  genommen  wird,
kommen  die  in  Gemäßheit  der  Artikel  I.  bis  IV.  an  bie  Stelle  tretenden  Strafgesetze

  zur  Anwendung.  Arlilel  VIl.
«  rtike  .

Wenn  Strafbestimmungen,  welche  neben  dem  Strasgeschbuch  gelten,  eine
Freiheitsstrafe  von  mehr  als  fünf  Jahren  androhen,  so  ist  die  Handlung  ein
Verbrechen  (G.  1.  des  Strafgesetzbuchs).

Ist  die  Handlung  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  mehr  als  Hecs  Wochen,
jedoch  nicht  über  fünf  Jahre,  oder  mit  einer  Geldbuße  von  mehr  als  W
Thalem  bedroht,  oder  ist  auf  den  Verlust  von  Aemtern  oder  auf  den  Verlu
des  Rechts  zum  Gewerbebetriebe  für  immer  oder  auf  Zeit,  oder  auf  Stellung
unter  Polizeiausfict  zu  erkennen,  so  ist  die  Handlung  ein  Vergehen  G.  1.
a.  a.  O.).

Besteht  die  Strafe  nur  in  einer  Freiheitsstrafe  bis  zu  sechs  Wochen,  in
Geldbuße  bis  ju  funfsig  Thalern“  oder  in  Verweis  oder  ist  die  Strafe  in  den
Gesetzen  unbestimmt  gelassen,  so  ist  die  Handlung  eine  Uebertretung  (§.  1.
a.  a.  Es  wacht  dabei  keinen  Unterschied,  ob  neben  der  eigentlichen  Strafe
noch  auf  die  Konfiskation  einzelner  Gegenstände  zu  erkennen  ist  oder  nicht.

Artikel  IX.
Auf  Luchthausstrafe  (§§.  10.  und  11.  des  Strafgesetzbuchs)  soll  mus  bei
er-
        <pb n="1104" />
        —  927  —

Verbrechen  (Artikel  VIII.),  überall  aber  nur  dann  erkannt  werden,  wenn  in
den  neben  dem  Strafgesetzbuch  zur  Anwendung  kommenden  Strafbestimmungen
Zuchthaus-,  Ketten-,  Eisen,  oder  Karrenstrafe  ausschließlich  angedroht  ist.

In  allen  anderen  Fällen,  sowie  bei  Vergehen,  tritt  Gefängnifstrafe  oder
Einschließung  ein,  auch  wenn  in  den  Gesetzen  eine  andere  Art  von  Frasbeitsstrafe
angedroht  ist.  Auch  kann  neben  der  Gefänguißstrefe  auf  zeitige  Untersagung  der
Ausübung  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  erkannt  werden,  wenn  die  angedrohte
Freiheitsstrafe  in  Zuchthaus-,  Ketten-,  Eisen=  oder  Karrenstrafe,  oder  in  Korrektionshaus
  von  einjähriger  oder  längerer  Dauer  besteht.

Artikel  X.

In  keinem  dieser  Fälle  (Artikel  VIII.  und  Artikel  IX.)  kamm,  wenn  die
Handlung  nach  dem  1.  September  1867.  begangen  worden  ist,  auf  andere  Strafen,
als  fie  in  dem  Strafgesetzbuch  angedroht  sind,  erkannt  werden.  Insofern  jedoch
in  den  neben  dem  Strafgesetzbuch  zur  Anwendung  kommenden  Strafbestimmungen
anstatt  der  Gefängnißstrafe  oder  der  Geldbuße  die  Leistung  von  Arbeiten  (Strafarbeit)
  angeordnet  ist,  behält  es  hierbei  sein  Bewenden.

An  die  Stelle  der  in  solchen  Strafbestimmungen  angeordneten  Strafe  des
Verweises  tritt  Geldbuße  von  zehn  Silbergroschen  bis  zu  Einem  Thaler.

Artikel  X!I.

Vergehen  und  Uebertretungen,  welche  durch  Zuwiderhandlung  gegen  die
Vorschriften  über  die  Entrichtumg  der  Steuern)  Zölle,  Postgefälle,  Kommunikationsabgaben
  und  aller  übrigen  öffentlichen  Abgaben  und  Gefälle  begangen
werden,  verjähren  in  fünf  Jahren.

b)  in  Hin  sicht  auf  das  Strafverfahren,  das  Gefängnißwesen  und
Reguisitionssachen.

Artikel  XII.
Es  treten  außer  Kraft:

alle  die  Zuständigkeit  und  das  Verfahren  in  Strafsachen,  einschließlich
der  Injuriensachen,  betreffenden  Bestimmungen,  welche  den  Vorschriften
der  Strafprozeßordnung  und  der  gegenwärtigen  Verordnung  entgegenstehen
  oder  sichz#mit  denselben  nicht  vereinigen  lassen.

Zu  den  hiernach,  nebst  allen  dazu  ergangenen  ergänzenden,  abändernden
und  erläutermden  Bestimmungen  außer  Wirksamkeit  tretenden  Gesetzen  gehören
insbesondere:

für  das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover:  die  Strafprozeßordnung
  vom  5.  April  1859.,  das  Gesetz  über  die  Bildung  der
Schwurgerichte  vom  24.  Dezember  1849.  und  das  Gesetz  über  die  Untersuchung
  und  Aburtheilung  von  Polizeivergeben  durch  die  Verwaltungsbehörden
  vom  28.  April  1859  »

(Nr.  6704.)  für
        <pb n="1105" />
        —  928  —

für  das  Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hessen  und  der
vormals  Bapverischen  Landestheile:  das  Gesetz  über  das  Strafverfahren
vom  28.  Oktober  1863.  und  die  Vorschriften  über  die  Zuziehung  von
Gerichtsschöppen  bei  der  untergerichtlichen  Strafrechtspflege  von  demselben
Tages

für  das  Gebiet  des  vormaligen  Herzogthums  Nassau  und  der
vormals  Großherzoglich  Hessischen  Landestheile:  das  Herzoglich  Nassauische
Strafprozeßgesetz  vom  14.  April  1849.,  die  Großherzoglich  Hessische
Strafprozeßordnung  vom  13.  September  1865.  und  das  Hessen-Homburgische
  Gesetz  vom  22.  März  1859)

für  das  Gebiet  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt:  das  Gesetz
über  das  Verfahren  in  Strafsachen  vom  WE  Wa  1856.

eplember
Nur  insoweit,  als  in  der  Strafprozeßordnung  oder  in  der  gegenwärtigen
  Verordnung  auf  Bestimmungen  der  bisherigen  Landesgesetze
ausdrücklich  verwiesen  wird,  kommen  die  vorstehend  angezogenen  Gesetze
noch  zur  Anwendung.
Es  bleiben  in  Kraft:

1)  die  Vorschriften  der  Militairgesetze  über  den  Militairgerichtsstand  in  Strafsachen,
  einschließlich  der  Injuriensachen,  und  über  das  Verfahren  in
Untersuchungssachen  gegen  Militairpersonen

2)  das  Gesetz  vom  25.  April  1853.,  betreffend  die  Kompetenz  des  Kammergerichts
  zur  Untersuchung  und  Entscheidung  der  Staatsverbrechen;

3)  die  Vorschriften  der  bisherigen  Landesgesetze  über  die  Form  der  Eidesleistungen
  der  Zeugen,  Sachverständigen  und  Dolimtscher,  insbesondere
hinsichtlich  der  Eingangsworte  des  Eides  und  der  am  Schlusse  binzuzufügenden
  Beträftigungsformec,  ingleichen  die  Bestimmungen  über  die  Befugniß
  gewisser  Religionsgesellschaften,  sich  an  Stelle  der  Eidesleistung
einer  anderen  Betheuerungsform  zu  bedienen.

Arrifel  XIII.

Die  Verwaltung  der  Gefängnisse  wird  unter  der  obersten  Aufsicht  des
Justizministers  durch  den  Staatsanwalt  beim  Kollegialgerichte  erster  Instanz  geleitet.
  Hinsichtlich  der  zu  den  Polizeigerichten  gehörigen  Gefängnisse  steht  die
Verwaltung  dem  Einzelrichter  zu.  In  Ansehung  der  Gefangenen,  gegen  welche
noch  nicht  rechtskräftig  erkannt  ist,  sind  die  Untersuchungsrichter,  und  nach  Lage
der  Sache  die  Vorsitzenden  der  Strafkammern  und  Schwurgerichtshöfe  zur  Vornahme
  von  Gefängnißbesichtigungen  befugt.  Die  von  ihnen  im  Interesse  der
Untersuchung  getroffenen  Anordnungen  hinsichtlich  der  Behandlung  solcher  Gefangenen,
  insbesondere  wegen  Erleichterungen  und  Verschärsungen  der  Haft,  wegen
Zulassung  von  Besuchen  und  wegen  der  Korrespondenz,  müssen  zur  Ausführung
gebracht  werden.  A
r-
        <pb n="1106" />
        —  929  —

Artikel  XIV
Die  Oberaufsicht  über  die  Strafanstalten  soll,  insoweit  sie  zur  Zeit  noch
dem  Justizminister  zusteht,  auf  den  Minister  des  Innern  übergehen.  Die  Be—
stimmung  des  Zeitpunktes,  mit  welchem  diese  Uebertragung  zur  Ausführung
kommen  soll,  bleibt  Unserer  Anordnung  vorbehalten.

III.  Vorschriften  fuͤr  einzelne  Landestheile.

Artikel  XV
Für  das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  ird  Folgendes
bestimmt:
S.  1.

Das  Polzzeistrafgesetz  vom  25.  Mai  1847.  wird  außer  Wirksamkeit
gesetzt.  Es  bleiben  jedoch  bis  auf  Weiteres  aufrecht  erhalten:

die  Anordnungen  der  9#.  51.  und  52  über  die  Verwendung  der
Strafgelder  und  Konftskationserträge  in  polizeigerichtlichen  Strafsachen;

die  Bestimmungen  der  §#.  59.  bis  61.  70.  bis  72.  119.  bis
121.  125.  132.  bis  135.  153.  bis  157.  169.  170.  172.  173.
197.  244.  bis  251.  256.  bis  262.  263.  bis  267.  soweit  nicht  der
letztere  Paragraph  durch  den  F.  199.  des  Stüasgeszbuche  ersetzt  wird,
ferner  der  §##.  273.  274.  285.  und  286.  293.  bis  298.  und  300.
bis  302.;
endlich  die  Strafbestimmungen  der  §#.  92.  und  93.  in  nachstehender
  Fassung:
Frauenspersonen,  welche  sich  unzüchtig  umhertreiben,  sind  mit
Gefängniß  bis  zu  14  Tagen,  beim  Rückfall  bis  zu  sechs
Wochen  zu  bestrafen;
und  die  Vorschriften  der  I#§.  232.  bis  234.  mit  der  Maaßgabe,  daß
die  Strafe  in  Geldbuße  bis  zu  funfzig  Thalern  oder  Gefängniß
bis  zu  sechs  Wochen  besteht.

S.  2.
In  den  Fällen  der  I#.  42.  bis  46.  des  Forststrafgesetzes  vom  25.  Mai
1847.  tritt  die  am  Schlusse  des  vorstehenden  Paragraphen  bezeichnete
Strafe  ein.  "

Wegen  des  Ersatzes,  welcher  Folge  einer  von  Mehreren  gemeinschaftlich
  ausgeführten,  oder  von  dem  Einen  angestifteten  und  von  den
Andern  ausgeführten  strafbaren  Handlung  ist,  haften  die  Einzelnen  für
das  Ganze.

Jahezanz  1887.  (Nr.  6704)  123  Dies
        <pb n="1107" />
        —  930  —
Dies  gilt  auch  von  der  Theilnahme  im  Sinne  des  §.  34.  Nr.  2.

des  Strafgesetzbuchs  und  von  der  Begünstigung,  sofern  der  Theilnehmer
oder  Begünstiger  einen  Vortheil  aus  dem  Vergehen  erlangt  hat.

S.  4.
Die  in  der  nalsusueomee  vorgesehenen  Verrichtungen  der
Gerichte  erster  und  zweiter  Instanz  werden,  wie  folgt,  wahrgenommen:
des  Polizeirichters
durch  die  Amtsrichter,
der  Strafkammer  und  der  Rathskammer
durch  die  kleinen  Senate  der  Obergerichte;

der  Berufungskammer
durch  die  großen  Senate  der  Obergerichte;

der  Anklagekammer
durch  das  Appellationsgericht.
Wo  das  Gesetz  von  Kollegialgerichten  erster  Instanz  redet,  sind
darunter  die  Obergerichte  zu  verstehen.
8.  5.
Hinsichtlich  der  Gerichtsbarkeit  der  Universität  Göttingen  in  polizeizeeichtlichen
  Strafsachen  behält  es  bei  der  Verordnung  vom  29.  Angust
852.,  auch  hinsichtlich  des  Verfahrens,  sein  Bewenden.

.  6

Der  §.  391.  der  bürgerlichen  Prozeßordnung  vom  8.  November
1850.  tritt  außer  Kraft.

Artikel  XVI.

Der  §.  34.  des  Kurhessischen  Gesetzes  über  das  Verfahren  in  bürgerlichen
Rechtsstreitigkeiten  vom  28.  Oktober  1863.  wird  aufgehoben.

Kischülch  der  Staofrerfolgung  wegen  Nachdrucks  verbleibt  es  bei  dem
6.  Nr.  7.  des  Kurhessischen  Gesetzes  über  das  Strafverfahren  von  demselen
  Tage.

Artikel  XVII.

Für  das  Gebiet  der  vormals  freien  Stadt  Frankfurt  behält  es  bei  den
Artikeln  3.  und  14.  des  Gesetzes  über  das  Verfahren  in  Strafsachen  vom

u  1856.  mit  der  aus  Artikel  I.  Unserer  Verordnung  vom  3.  Oktober

1866.  (Gesetz=  Samml.  S.  606.)  sich  ergebenden  Magabe  ingleichen  bei  der
durch  den  Artikel  III.  derselben  Verordnung  erfolgten  Bestellung  Unseres  Obertribunals
  zum  obersten  Gerichtshof  sein  Bewenden.

Es
        <pb n="1108" />
        —  931  —

Es  werden  die  Verrichtungen
des  Polizeirichters
durch  den  Rügerichter;
der  Strafkammer  und  der  Rathskammer
durch  das  Stadtgericht;

der  Berufungskammer  und  der  Anklagekammer
durch  das  Appellationsgericht

wahrgenommen.

Die  beisitzenden  Richter  der  Schwur  erichtshöfe  werden  von  dem  Präsidenten
  des  Appellationsgerichts  aus  den  Mitgliedern  des  letzteren  oder  des
Stadtgerichts  ernannt.

IV.  Uebergangs-Bestimmungen.
a.  in  Hinsicht  auf  das  Strafrecht.

Artikel  XVIII.

Die  Strafbarkeit  einer  Handlung,  welche  vor  dem  1.  September  1867.
begangen  ist,  wird  nach  den  bisherigen  Gesetzen  beurtheilt.  Ist  aber  eine  solche
Handlung  in  den  neu  eingeführten  Gesetzen  mit  keiner  Strafe,  oder  mit  einer
gelinderen  als  der  bisher  vorgeschriebenen  bedroht,  so  soll  diese  Handlung  nach
dem  neuen  Strafrecht  beurtheilt  werden.  Ist  es  zweifelhaft,  ob  die  Handlung
vor  dem  1.  September  1867  begangen  worden,  so  ist  bei  der  Entscheidung  das
mildere  Gesetz  anzuwenden.

Artikfel  XIX.

Die  Vollendung  der  Verjährung  einer  vor  dem  1.  September  1867.  begangenen
  strafbaren  Handlung  wird  nach  den  bisherigen  Staafgesehen  oder  nach
dem  neuen  Strafrecht  beurtheilt,  je  nachdem  das  eine  oder  das  andere  dem
Thäter  am  günstigsten  ist.

Artikel  XX.

Bei  Verhängung  der  Strafe  des  Rückfalls  auf  Grund  der  neu  in  Kraft
tretenden  Gesetze  macht  es  keinen  Unterschied,  ob  die  früheren  Straffälle  vor  oder
nach  dem  1.  September  1867.  vorgekommen  sind,  ob  die  frühere  Strafe  eine
ordentliche  oder  außerordentliche  war,  ob  die  Strafe  vollstreckt  worden  ist
oder  nicht.

b)  in  Hinsicht  auf  das  Strafverfahren.
Artikel  XXI.

Anhängige  Strafsachen,  in  welchen  am  1.  September  1867.  ein  End-(Tr.
  6704.)  123“  urtheil
        <pb n="1109" />
        —  932  —

urtheil  erster  Instanz  bereits  ergangen  ist,  werden  nach  den  bisherigen  Vorschriften
über  die  Zuständigkeit  und  das  Verfahren  zu  Ende  geführt.

Ebendasselbe  gilt  von  allen  am  1.  September  1867.  anhängigen  Civilprozessen
  wegen  Injurien,  auch  wenn  in  denselben  bis  dahin  ein  Uhze  erster
Instam  noch  nicht  ergangen  ist.

Artikel  XXlI.

In  den  Landestheilen,  in  welchen  ein  Untersuchungsverfahren  mit  Geschworenen
  schon  bisher  bestanden  hat,  bleibt  die  für  das  Jahr  1867  festgestellte
Jahresliste  der  Geschworenen  noch  bis  zum  Schlusse  des  Jahres  in  Kraft;  auch
erfolgt  bis  dahin  die  Ernennung  der  Vorsitzenden  der  Schwurgerichtshöfe,  die
Auswahl  der  Geschworenen  zu  den  noch  stattfindenden  Sitzungsperioden  und  die
Bildung  des  Schwurgerichts  in  den  einzelnen  Sachen,  einschließlich  der  Vereidigung
  der  Geschworenen,  nicht  nach  den  Vorschriften  der  Strafprozeßordnung
§.  272.  und  Titel  13.  Abschnitt  2.  und  3.,  sondern  nach  den  bisherigen  Landesgesetzen.


Artifel  XXIII.

Die  nach  der  Anlage  zur  Strafprozeßordnung  zu  berufenden  Schäöffen
beginnen  ihre  Wirksamkeit  mit  dem  1.  Januar  1868.  Bis  dahin  behält  es  in
den  Landestheilen,  in  welchen  die  Mitwirkung  von  Schöffen  in  dem  Verfahren
vor  dem  Einzelrichter  schon  bisher  bestanden  hat,  bei  der  für  das  Jahr  1867.
getroffenen  Auswahl  der  Schöffen,  und  bei  den  Bestimmungen  der  bisherigen
Landesgesetze  über  die  Berufung  der  Schöffen  zu  den  einzelnen  Sitzungen  und
über  die  Vereidigung  derselben  sein  Bewenden.  In  allen  anderen  Landestheilen
bleiben  die  Vorschriften  der  Strasprozeßorhnung=  über  die  Nothwendigkeit  der
Mitwirkung  von  Schöffen  in  polizeigerichtlichen  Strafsachen  bis  zum  1.  Januar
1868.  außer  Anwendung.  .

Artikel  XXIV.

Insoweit  eine  Vertretung  der  Staatsanwaltschaft  in  dem  Verfahren  vor
dem  Einzelrichter  schon  bisher  stattgefunden  hat,  bleiben  die  mit  dieser  Vertretung
beauftragten  Beamten  bis  auf  Weiteres  als  Polizeianwalte  in  Wirksamkeit.

Lertunuh  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  25.  Juni  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

An-
        <pb n="1110" />
        —  933  —
Anlage.

Strafprozeß-Ordnung
für  die
durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  und  die  beiden
Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  mit  der  Monarchie  vereinigten
Landestheile,  mit  Ausschluß  des  vormaligen  Oberamtsbezirks
Meisenheim  und  der  Enklave  Kaulsdorf.

Erster  Titel.
Allgemeine  Bestimmungen.

K.  1.

Eine  Bestrafung  wegen  Verbrechen,  Vergehen  oder  Uebertretungen  kann
nicht  anders  als  auf  den  Grund  gesetzmäßiger  Untersuchung  und  Entscheidung
eintreten.

S.  2.

Die  Verfolgung  der  Verbrechen,  Vergehen  und  Uebertretungen  vor  Gericht
geschieht  von  Amtswegen  durch  die  Staatsanwaltschaft,  welche  Kraft  ihres  Berufes
  die  Verpflichtung  hat,  die  Schuldigen  zu  ermitteln  und  deren  gesetzliche  Bestrafung
  zu  betreiben.

n  welchen  Fällen  diese  Verfolgung  von  dem  Antrage  des  Verletzten  oder
von  einer  Ermächtigung  abhängt,  ist  in  den  Strafgesetzen  bestimmt.

S.  3.

Die  Staatsanwaltschaft  erhebt  die  Strafklage  nach  Verschiedenheit  der  Fälle
entweder  unmittelbar  bei  dem  für  die  Ulrtheilsfällung  zuständigen  Richter,  oder
durch  Stellung  des  Antrages  auf  Voruntersuchung.

Nach  erhobener  Strafklage  ist  die  Staatsanwaltschaft  nicht  ferner  befugt,
über  den  Fortgang  der  Sache  einseitig  zu  bestinmnnen;  das  Gericht  hat  vielmen,
ohne  an  die  Antraäge  der  Siantsanwaheschaft  gebunden  zu  sein,  die  Verpflichtung,
das  Sachverhältniß  durch  alle  gesetzlichen  Mittel  aufzuklären,  und  nach  dem  Ergebnisse
  dieser  Untersuchung,  was  Rechtens  ist,  zu  befinden.

S.  4.
Gegenstand  der  Untersuchung  und  Entscheidung  ist  die  That  des  Ange-(Der.
  6704t.)  schul-
        <pb n="1111" />
        —  934  —

schuldigten,  nicht  blos  von  demjenigen  Gesichtspunkte  aus,  unter  welchem  sie  von
der  Staatsanwaltschaft  verfolgt  wird,  sondern  in  ihrer  wirklichen,  im  Laufe  der
Untersuchung  ermittelten  Beschaffenheit,  auch  wenn  sich  diese  ihre  Gestalt  aus
Thatsachen  ergiebt  oder  zusammensetzt,  welche  von  der  Staatsanwaltschaft  in
anderem  Zusammenhange  oder  gar  nicht  geltend  gemacht  worden  sind.

Fälle,  wo  die  That  sich  als  eine  Gesetzesverletzung  einer  anderen,  selbst
schwereren  Gattung  darstellt,  sind  nicht  ausgeschlossen.

S.  5.
Alle  in  dem  Strafverfahren  thätigen  Behörden  haben  innerhalb  rer  verschiedenen
  Wirkungskreise  die  Verpflichtung,  die  für  und  wider  den  Beschuldigten
sprechenden  Umstände  mit  gleicher  Sorgfalt  zu  berücksichtigen.

F.  6.

Der  Fällung  des  Urtheils  muß,  bei  Vermeidung  der  Nichtigker,  ein  mündliches
  Verfahren  vor  dem  erkennenden  Gerichte  (Hauptverhandlung)  vorhergehen,
in  welchem  der  Beweis  aufzunehmen  und  die  Staatsanwaltschaft,  sowie  der  Angeklagte
  und  dessen  Vertheidiger  zu  hören  ist.

S.  7.

Bei  der  Prüfung  der  vorgebrachten  Beweise  sind  die  Gerichte  an  positive
Regeln  über  die  Wirkungen  derselben  nicht  gebunden;  sie  haben  über  das  Ergebniß
  der  Beweisführung  nach  ihrer  freien,  aus  dem  Inbegriffe  der  vor  ihnen
siarlgehabmen  Verhandlungen  geschöpften  Ueberzeugung  zu  entscheiden.

d.  8.

Hängt  die  Entscheidung  von  dem  Bestehen  oder  Nichtbestehen  eines  Rechtsverhältnisses
  ab,  so  hat  auch  hierüber  der  Strafrichter  nach  den  für  das  Verfahren
und  den  Beweis  in  Strafsachen  geltenden  Vorschriften  zu  befinden.

st  jedoch  der  Thatbestand  der  strafbaren  Handlung  durch  die  Gültigkeit
einer  Ehe  bedingt,  und  ein  auf  Anfechtung  der  letzteren  gerichtetes  Verfahren  bei
dem  bürgerlichen  Richter  bereits  anhängig,  so  muß  der  Strafrichter  das  rechtskräftige
  Endurtheil  des  bürgerlichen  Richters  abwarten  und  bei  Entscheidung  der
Strafsache  als  maaßgebend  anerkennen.  Wäbhrend  der  Aussetzung  des  Strafverfahrens
  ruht  die  Verjährung.

C.  9.

Entschädigungsansprüche  aus  strafbaren  Handlungen  können  im  Strafverfahren
  nicht  verfolgt  werden.  Sind  jedoch  Gegenstände,  welche  dem  Beschädigten
  durch  die  strafbare  Hondlung  entzogen  worden,  oder  die  aus  solchen
erlösten  oder  angeschafften  Sachen  in  gerichtliche  Gewahrsam  gekommen,  so  ist
deren  Herausgabe  an  den  Betheiligten,  falls  sie  kein  Dritter  beansprucht,  in  dem
Strafurtheile  zu  verordnen.

Auch  soll  die  Ausmittelung  des  aus  der  strafbaren  Handlung  ’

Scha-
        <pb n="1112" />
        —  935  —

Schadens  im  Strafverfahren  insoweit  erfolgen,  als  sich  dieselbe  bei  Gelegenheit
der  für  den  Zweck  der  Untersuchung  erforderlichen  Verhandlungen  bewirken  läßt.

“*

Rechtskräftige  Strafurtheile,  welche  auf  Schuldbekenntniß  oder  Beweiserhebung
  gegründet  sind,  stellen  auch  für  den  Rechtsstreit  über  die  privatrechtlichen
Folgen  der  Krafbaren  Handlung  den  Thatbestand  und  die  Thäterschaft  gegen  den
Verurtheilten  dergestalt  fest,  daß  ein  Gegenbeweis  nicht  stattfindet.

Freisprechende  Urtheile  des  Strafrichters  sind  für  den  bürgerlichen  Richter
nicht  maaßgebend.

Zweiter  Titel.
Von  den  Gerichten  in  Strassachen.

C.  11.

Vor  die  Polizeigerichte  gehört  die  Hauptverhandlung  und  Entscheidung  1.  Ertennende

in  Ansehung  aller  Uebertretungen  und  derjenigen  Vergehen,  deren  gesetzliche  #ericht,  #fer
Strafe  nur  in  Freiheitsstrafe  von  höchstens  sechs  Monaten  oder  Geldbuße  von?  e  bdcy
böchstens  fünfhundert  Thalern,  allein  oder  in  Verbindung  mit  einander,  besteht.
Es  macht  dabei  keinen  Unterschied,  ob  das  Maaß  der  Strafe  wegen  Rückfalls
überschritten  werden  kann,  oder  neben  der  eigentlichen  Strafe  auf  Konfiskation
einzelner  Gegenstände,  Einsperrung  in  ein  Arbeitshaus  oder  Landesverweisung  zu
erkennen  ist.

Verzehen“  welche  durch  die  Presse  begangen  worden,  sind  von  der  Zuständigkeit
  des  Polizeigerichts  ausgenommen.

C.  12.

Die  Polizeigerichtsbarkeit  wird  durch  Einzelrichter  wahrgenommen.

Die  Hauptverhandlung  und  Entscheidung  erfolgt,  soweit  das  Gest  nicht
Ausnahmen  bestimmt,  unter  Mitwirkung  zweier  Schöffen  als  beisitzender  Richter,
bei  Vermeidung  der  Nichtigkeit.

Die  Berufung  zum  Schöffenamte  erfolgt  nach  den  in  der  Anlage  beigefügten
  Bestimmungen.

C.  13.
Vor  die  aus  drei  Mitgliedern  bestebenden  Strafkammern  der  Kollegial=  2.  S#este#,
gerichte  erster  Instanz  gehört  die  Hauptverhandlung  und  Entscheidung  in  Ansehung:
A.  aller  Vergehen,  insoweit  dieselben  nicht  nach  §.  11.  von  dem  Polizeigerichte
  abzuurtheilen  sind;
B.  der  nachbenannten  Verbrechen:
1)  des  schweren  Diebstahls  und  der  schweren  Hehlerei  (Strafgesetzbuch
99.  218.  und  238.),  insofern  nicht  Rückfall  vorliegt;
(Ne.  6704.)  2)  des
        <pb n="1113" />
        —  946  —
2)  des  einfachen  Diebstahls  und  der  einfachen  Hehlerei  in  den  Fällen
der  .  219.  und  240.  a.  a.  O.)
3)  der  gewohnheitsmäßigen  Hehlerei  (§.  239.  a.  a.  O.)

C.  aller  Verbrechen  solcher  Personen,  welche  zur  Zeit  der  That  das  sechszehnte
  Lebensjahr  noch  nicht  vollendet  haben.

K.  14.
-  Vor  die  aus  fünf  richterlichen  Mitgliedern  bestehenden  Schwurgerichts-¾haöfe
  gehört  die  Hauptverhandlung  und  Entsteiung  in  Ansehung  der  Verbrechen,

insoweit  nicht  einzelne  derselben  vom  Gesetz  einer  anderen  Zuständigkeit  überwiesen  sind.

Die  Schwurgerichtshöfe  verhandeln  und  entscheiden,  insoweit  nicht  eine  Erledigung
  durch  Schuldbekenntniß  eintritt,  unter  Mitwirkung  von  zwölf  Geschworenen,
bei  Vermeidung  der  Nichtigkeit.

2.  Erkennend=  Die  Berufung  geht:
Lchte  Gw.o  1)  von  den  Urtheilen,  Beschlüssen  und  Verfügungen  der  Polizeigerichte
stong.  an  die  Strafkammer;

2)  von  den  Urtheilen,  Beschlüssen  und  Verfügungen  der  Strafkammern
an  die  aus  fünf  Mitgliedern  des  Appellationsgerichts  bestehende
Berufungskammer.

S.  16.

3.  Gerichte  in  In  der  Voruntersuchung  und  in  dem  die  Erhebung  der  Strafklage  vor-Dun

  Wernter  bereitenden  Verfahren  (Ermittelungsverfahren)  wirken  mit:

u-  1)  bei  jedem  Kollegialgerichte  erster  Instanz  ein  Untersuchungs  richter,  und
in  den  gesetzlich  bestimmten  Fällen  der  Polizeirichter;
2)  als  beschlußfassende  Behörden:
die  aus  dem  Untersuchungsrichter  und  zwei  anderen  Mitgliedern  des
Kollegialgerichts  erster  Instanz  bestehende  Ratbskammer.  Dieselbe
  ist  insbesondere  zur  Entscheidung  berufen,  wenn  bei  ihr  gegen
Anordmmngen  des  Untersuchungsrichters  oder  des  Polizeirichters  Einspruch
  von  Seiten  der  Staatsanwaltschaft,  des  Beschuldigten  oder
eines  anderen  Betheiligten  erhoben  wird

die  aus  fünf  Mülicdern  bestehende  Anklagekammer  des  Appellationsgerichts,
  welche  insbesondere  über  alle  Berufungen  gegen  ##e

schlüsse  der  Rathskammer  zu  entscheiden  hat.
Die  Rathskammer  und  die  Strafkammer,  ingleichen  die  Anklagekammer
und  die  Berufungskammer  können  aus  denselben  Mitgliedern  des  Gerichts  bestehen.

S.  17.

Der  Untersuchungsrichter  wird  auf  den  Vorschlag  des  Appellationsgerichts
von  dem  Justizminister  jedesmal  auf  Ein  Jahr  ernannt.  wo
o
        <pb n="1114" />
        —  937  —

Wo  das  Bedürfniß  es  erfordert,  sind  von  dem  Präsidenten  oder  Direktor
des  Kollegialgerichts  erster  Instanz  andere  Richter  als  ständige  Vertreter  des
Untersuchungsrichters  zu  bestellen,  unter  welchen  der  letztere  die  Geschäfte  nach
eigenem  Ermessen  vertheilt.

d.  18.

Der  Untersuchungsrichter  ist  befugt,  den  außerhalb  des  Ortes,  an  welchem
das  Kollegialgericht  erster  Instanz  seinen  Sitz  hat,  bestellten  Polizeirichtern
einzelne  Handlungen  der  Voruntersuchung,  und  auf  den  Antrag  der  Staatsanwaltschaft
  die  selbstständige  Führung  einer  Voruntersuchung  aufzutragen.  Letzteren
Falls  tritt  der  beauftragte  Richter  in  unmittelbaren  Geschäftsverkehr  mit  der
Staatsanwaltschaft.

K.  19.

Der  oberste  Gerichtshof  erledigt  die  Nichtigkeitsbeschwerden  und  anderen  4.  Obarsster
in  Gemäßbeit  dieses  Gesetzes  an  ihn  gelangenden  Rechtsangelegenheiten  unter  Oerichtshof.
Mitwirkung  von  sieben  Mitgliedern.

g.  20.

Die  Entscheidungen,  durch  welche  die  Hauptverhandlung  beendigt  wird,  er=  5.  Allzemeine
folgen  in  Form  eines  Urtheils  (Erkenntnisses),  alle  anderen  Entscheidungen  in  Besimmungerder
  Gestalt  von  Beschlüssen)  dies  gilt  von  den  auf  die  Untersuchungshaft  bezüglichen
  Entscheidungen  selbst  dann,  wenn  sie  gleichzeitig  mit  dem  Urtheil  berathen
  und  verkündet  werden.

g.  21.

Bei  allen  Abtheilungen  der  Gerichte  und  bei  den  Schwurgerichtshöfen
kommen  die  nachstehenden  Bestimmungen  zur  Anwendung:

1)  Beschlüsse  außerhalb  der  Hauptverhandlung  werden  in  berathender  Sitzung
auf  den  mündlichen  Vortrag  des  Vorsitzenden  oder  eines  von  ihm  ernannten
  Berichterstatters,  in  der  Rathskammer  auf  den  Vortrag  des
Untersuchungsrichters  oder  eines  Vertreters  desselben,  gefaßt.

Kein  Urtheil  und  kein  Beschluß  darf,  bei  Vermeidung  der  Nichtigkeit,
unter  Mitwirkung  einer  anderen  als  der  gesetzlich  vorgeschriebenen  Richterzahl
  erlassen  werden.

Die  Urtheile  und  Beschlüsse  werden  nach  der  Mehrheit  der  Stimmen  gefaßt.
  Der  Berichterstatter,  wenn  ein  solcher  ernannt  ist,  stimmt  zuerst,
der  Vorsitzende  zuletzt  abö;  im  Uebrigen  geschieht  die  Stimmabgabe  nach
der  umgekehrten  Folgeordnung  des  Dienstalters.  Etwaige  -  en
sind  einzeln  vor  der  Hauptsache,  und  die  Festsetzung  des  Strafmaaßes
erst  nach  beschlossener  Anwendung  des  Strafgesetzes  zur  Abstimmung  zu
bringen.  Kein  Richter  darf  sich  der  Stimmahgabe  aus  dem  Grunde  entziehen,
  weil  er  bei  einer  vorausgegangenen  Abstimmung  in  der  Minderheit
  geblieben  ist.  Bilden  sich  über  die  nämliche  Frage  mehr  als  zwei
Jahrgong  1807.  (Nr.  6704.)  124  ver-2



—

W
—
        <pb n="1115" />
        –  938  —

verschiedene  Meinungen,  deren  keine  die  Mehrheit  für  sich  hat,  so  werden
die  dem  Beschuldigten  nachtheiligsten  Stimmen  den  zunächst  minder  nachtheiligen
  so  lange  binuugerechnet,  bis  sich  eine  Mehrheit  ergiebt.  Ist  es
zweifelhaft,  welche  der  Meinungen  die  nachtheiligere  ist,  so  muß  hierüber
besonders  abgestimmt  werden.  Eben  dasselbe  tritt  ein,  wenn  über  die
Stellung  der  Fragen  oder  über  das  Ergebniß  der  Abstimmung  eine
Meinungsverschiedenheit  entsteht.

E  22.

Beschlüsse,  gegen  welche  Rechtsmittel  stattfinden,  müssen  mit  Gründen  versehen
  sein.

Beschlüsse,  welche  außerhalb  der  Hauptverhandlung  ergehen,  sollen  von  den
Richtern,  welche  bei  der  Beschlußfassung  mitgewirkt  haben,  unterzeichnet  werden.

E.  23.

6.  Otrichts-  Zur  Hauptverhandlung,  zu  allen  Beweiserhebungen  und  zu  den  Verhören

schreib

1.
Meiten

er.

Un
ründe.

fähig

des  Beschuldigten  in  der  Voruntersuchung  und  im  Ermittelungsverfahren  muß
ein  vereideter  Gerichtsschreiber  Behufs  Aufnahme  des  Protokolls  zugezogen  werden.
Hinsichtlich  aller  anderen  Erklärungen,  welche  vor  Gericht  abzugeben  sind,  genügt
es,  wenn  das  Protokoll  von  dem  Richter  allein,  oder,  insoweit  nicht  das  Gesetz
die  Aufnahme  durch  einen  Richter  erfordert,  von  dem  Gerichtsschreiber  allein
aufgenommen  wird.

Die  Geschäfte  des  Gerichtsschreibers  können  auch  durch  einen  Beamten,
welcher  bei  dem  Gerichte  zu  seiner  Ausbildung  für  das  Richteramt  beschäftigt
wird,  wahrgenommen  werden.

Dritter  Titel.

Von  der  Unfähigkeit  der  Richter  und  Gerichtsschreiber  zur  Mitwirkung
in  einer  Strafsache  und  von  der  Zulässigkeit  ihrer  Ablebnung.

g.  24.

Unfähig,  als  Richter  oder  Gerichtsschreiber  in  einer  Strafsache  mitzuwirken,
  ist:

1)  wer  mit  dem  Beschuldigten  in  auf=  oder  absteigender  Linie,  oder  bis  zum
vierten  Grade  der  Seitenlinie  einschließlich  verwandt  oder  verschwägert,
oder  der  Ehegatte,  Verlobte,  Vormund,  Kurator,  Pflege=  oder  Adoptivvater,
  Pflege=  oder  Adoptivsohn  des  Beschuldigten  ist.  Eine  früher  bestandene
  Ehe  wird  bei  Anwendung  dieser  Vorschrift  einer  noch  bestehenden
gleich  geachtet

2)  Jer  durch  die  strafbare  Handlung,  welche  den  Gegenstand  dern  ziner

uchung
        <pb n="1116" />
        —  939  —

suchung  bildet,  unmittelbar  verletzt  worden  ist.  Beleidigungen  eines  Gerichts
  enthalten  eine  derartige  Verletzung  in  Bezug  auf  dessen  Mitglieder
  nicht;

3)  wer  in  der  Sache  Rath  oder  ein  Gutachten  ertheilt  hat;

4)  wer  in  der  Sache  als  Zeuge  oder  Sachverständiger  vernommen  worden,
oder  als  Polizeibeamter,  als  Beamter  oder  Vertreter  der  Staatsanwaltschaft,
  als  Vertheidiger  oder  als  Dolmetscher  thätig  gewesen  ist;

5)  wer  als  Richter  bereits  in  einer  anderen  Instanz  an  der  Urtheilsfällung
Theil  genommen  hat.

Wenn  ein  Richter  in  der  Instanz)  in  welcher  er  zur  Mitwirkung  bei  der
Urtheilsfällung  berufen  ist,  als  Zeuge  vorgeschlagen  wird,  so  muß  in  allen  Fällen
vor  seiner  Vernehmung  über  die  Erheblichkeit  der  Thatsache,  worüber  sein  Zeugniß
verlangt  wird,  Beschluß  gefaßt  werden.  Der  betheiligte  Richter  ist  von  der  Mitwirkung
  hierbei  nicht  ausgeschlossen,  und  seine  Vernehmung  bleibt  selbst  dann,
weim  die  Erheblichkeit  bejaht  wird,  ausgesetzt;  falls  er  zu  gerichtlichem  Protokoll
auf  seinen  Diensteid  versichert,  daß  ihm  von  jener  Thatsache  aus  eigener  Wissenschaft
  nichts  bekannt  sei.

§.  25.

In  folgenden  Fällen  können  Richter  und  Gerichtsschreiber,  von  der  Staats=  2.  ablehnungs,
anwaltschaft  oder  von  dem  Beschuldigten,  abgelehnt  werden:  gründe.

1)  wenn  sie  mit  dem  Vertheidiger  des  Beschuldigten  oder  mit  demjenigen,

welcher  durch  die  strafbare  Handlung  unmittelbar  verletzt  worden  ist)  in
auf=  oder  absteigender  Linie  verwandt  oder  verschwägert,  oder  als  Geschwister
  verwandt  sind;  «

2)  wenn  durch  den  Ausgang  der  Sache  ihr  Privatinteresse  berührt  wird,

3)  wenn  wegen  ihrer  Freundschaft  oder  Feindschaft  mit  dem  Beschuldigten

oder  aus  anderen  Gründen  das  Vertrauen  in  ihre  Unbefangenheit  beeinträchtigt
  ist.

Der  Gerichtsschreiber  kann  auch  abgelehnt  werden,  wenn  er  mit  dem  Richter,
welcher  die  Verhandlung  zu  leiten  hat,  in  auf=  oder  absteigender  Linie  oder  in  der
Seitenlinie  bis  zum  vierten  Grade  einschließlich  verwandt  oder  verschwägert,  oder
wenn  er  Pfflege-oder  Adoptivvater,  Pflege-oder  Adoptivsohn  desselben  ist.

C.  2.

Im  Falle  der  Unfähigkeit  9.  24.)  muß  sich  der  Richter  oder  Gerichts=  z.  Versahrenschreiber
  aller  Amtshandlungen  enthalten  und  wegen  seiner  Ersetzung  durch  eine  ünitwegen,
andere  Gerichtsperson  das  Erforderliche  unverzüglich  veranlassen.

F.  27.

Ein  Richter,  welchem  ein  bei  ihm  eintretender  Ablehnungsgrund  (§.  25.)
r.  6704)  121%  be-
        <pb n="1117" />
        b.  in  holgt  tinet
Ablebhnungs,
gesoches.

4.  Allgemeine
Bestimmung.

940  —

bekannt  ist,  muß  denselben  dem  mit  der  Sache  befaßten  Gerichte  mittheilen.  Von
Seiten  des  Untersuchungsrichters  und  des  Polizeirichters  geschieht  diese  Anzeige
an  die  Rathskammer.

Der  Vorsitzende  kann  die  Entbindung  des  Richters  von  seinen  Verrichtungen
verfügeen.  falls  der  betheiligte  Richter  selbst  auf  seine  Ausschließung  anträgt.  Kommt
diese  Befugniß  nicht  zur  Anwendung,  so  hat  das  Gericht  in  Abwesenheit  des  betheiligten
  Richters  über  dessen  Ausschließung  Beschluß  zu  fassen.  Läßt  sich  bei
einem  Kollegialgerichte  erster  Instanz  die  hierzu  erforderliche  Richterzahl  aus  den
Mitgliedern  desselben  nicht  berstellen,  so  entscheidet  die  Anklagekammer,  oder  wenn
der  Fall  bei  einem  Appellationsgerichte  vorkommt,  der  oberse  Gerichtshof.

Die  Berathung  über  die  Ausschließung  eines  Richters  kann,  auch  ohne  eine
Anzeige  von  Seiten  des  letzteren,  durch  den  Vorsitzenden,  oder  durch  den  Präsidenten
  oder  Direktor  des  Gerichts,  welchem  dieser  Richter  angehört,  veranlaßt
werden.

Gerichtsschreiber  können  in  allen  Fällen  durch  den  Vorsitzenden,  oder  wenn
sie  dem  Untersuchungerichter  oder  Polizeirichter  beigegeben  sind,  durch  diesen  Richter
von  der  Mitwirkung  ausgeschlossen  werden.  Im  Uebrigen  finden  auf  sie  die  Bestimmungen
  dieses  Paaguaphen  gleichfalls  Anwendung.

d.  28.

Wird  gegen  einen  Richter  oder  Gerichtsschreiber  ein  Ablehnungsgesuch  von
Seiten  der  Staatsanwaltschaft  oder  des  Beschuldigten  angebracht,  so  ist  dasselbe,
geeigneten  Falls  nach  vorgängiger  Anhörung  des  Auszuschließenden,  auf  die  im
vorhergehenden  Paragraphen  bezeichnete  Weise  zu  erledigen.  Der  Vorsitzende  kann
jedoch  das  Ablehnungsgesuch  ohne  Weiteres  zurückweisen,  falls  ein  gesetzlicher  Unfähigkeits=
  oder  Ablehnungsgrund  nicht  angeführt  oder  nicht  unter  Beweis  gestellt
  ist.

Auf  ein  Ablehnungsgesuch,  welches  erst  in  der  Hauptverhandlung  in  Bezug
  auf  die  mitwirkenden  Gerichtspersonen  angebracht  wird,  ist  keine  Rücksicht  zu
behmen,  wenn  es  nicht  vor  dem  ersten  Vortrage  der  Anklage,  oder  in  den  höheren
Instanzen  vor  dem  Vortrage  des  Berichterstatters  begründet  worden  ist.

d.  29.

Die  über  Ablehnungsgesuche  getroffenen  Entscheidungen  unterliegen  einer
Anfechtung  durch  Rechtsmittel  nicht,  unbeschadet  der  Befugniß,  die  Rechtsbeständigkeit
  des  unter  Mitwirkung  des  abgelehnten  Richters  oder  Gerichtsschreibers  ergangenen
  Urtheils  anzugreifen.  Daraus,  daß  eine  Gerichtsperson  zu  Unrecht  ausgeschlossen
  worden  sei,  kann  ein  Grund  zur  Anfechtung  des  Urtheils  nicht  entnommen
  werden.

§S.  30.

Die  Handlungen  eines  unfähigen  Richters  oder  Gerichtsschreibers  sind
nichtig.  Durch  das  Vorhandensein  eines  bloßen  Ablehnungsgrundes  darf  sich  eine
Gerichtsperson  nicht  abhalten  lassen,  die  ihr  obliegenden,  keinen  Aufschub  gestattenden
  Verrichtungen  wahrzunehmen.  Das  Gericht,  welches  über  die  Auseschließung

zu
        <pb n="1118" />
        —  941  —

zu  befinden  hat,  kann,  falls  dieselbe  erfolgt,  gleichzeitig  verordnen,  daß  die  unter
Mitwirkung  der  ausgeschlossenen  Gerichtsperson  erfolgten  Untersuchungsverhandlungen,
  soweit  es  geschehen  kann,  zu  wiederholen  seien.

Vierter  Titel.
Von  der  Staatsanwaltschaft.

K.  31.

Die  Verrichtungen  der  Staatsanwaltschaft  werden  wahrgenommen:  I.  Organisation
  der  Staats=1)

  bei  dem  obersten  Gerichtshof  durch  einen  General--Staatsanwalt  und  anwaltschet.
dessen  Vertreter;

2)  bei  den  Appellationsgerichten  durch  einen  Ober-Staatsanwalt  und  dessen
Vertreter;

3)  bei  den  Kollegialgerichten  erster  Instanz  durch  seinen  Staatsanwalt  und
dessen  Vertreter;

4)  bei  den  Polizeigerichten  durch  einen  Polizeianwalt.
§.  32.

Die  Geschäfte  des  Polizeiamnwalts  können  von  dem  Justizminister  einem
Beamten  der  Staatsanwaltschaft  bei  dem  Kollegialgerichte  erster  Instanz  oder
einem  bei  dem  Polizeigerichte  neben  dem  Polizeirichter  angestellten  oder  beschäftigten
richterlichen  Beamten,  oder  auch  einem  in  der  Ausbildung  für  das  Richteramt
begriffenen  Beamten  widerruflich  übertragen  werden.

Insoweit  diese  Befugniß  nicht  zur  Anwendung  kommt,  erfolgt  die  Ernennung
  des  Polizeianwalts  kommissarisch  durch  den  Regierungspräsidenten,  nach
Anhörung  des  Ober-Staatsanwalts.

Vorsteher  der  Gemeindeverwaltung  (Bürgermeister)  am  Sitze  des  Polizeigerichts
  sind  verpflichtet,  die  Verrichtungen  eines  Polizeianwalts  gegen  eine,  von
den  Gemeindeverbänden  des  Polizeigerichtsbezirks  zu  gewährende,  von  der  Aufsichtsbehörde
  festzusetzende  Entschädigung  zu  übernehmen.

S.  33.
Sämmtliche  Beamte  der  Staatsanwaltschaft  haben  den  Anweisungen  ihrer
Vorgesetzten  Folge  zu  leisten.
Die  Aufsichtsführung  steht  zur
dem  Justizminister  über  alle  Beamten  der  Staatsanwaltschaft;

dem  Ober-Staatsanwalt  über  sämmtliche  Beamte  der  Staatsanwaltschaft  im
Sprengel  des  Appellationsgerichts;
(Nr.  6704.)  dem
        <pb n="1119" />
        —  942  —

dem  Staatsanwalt  über  sämmtliche  Beamte  der  Staatsanwaltschaft  im
Sprengel  des  Kollegialgerichts  erster  Instanz.

g.  34.

Der  vorgesetzte  Beamte  der  Staatsanwaltschaft  ist  jederzeit  befugt,  einzelne
Geschäfte  eines  ihm  untergebenen  Beamten  selbst  zu  übernehmen  oder  durch  einen
anderen  Beamten  seines  Amtsbezirks  versehen  zu  lassen.

g.  35.

Tritt  im  Laufe  einer  Sitzung  oder  in  Bezug  auf  Angelegenheiten,  die
keinen  Aufschub  gestatten,  die  Verhinderung  eines  Beamten  der  Staatsanwaltschaft
  ein,  so  hat  nöthigenfalls  der  Vorstan  des  Gerichts  einen  Richter  mit  der
Vertretung  zu  beauftragen.

G.  36.
2.  A#ttsver.  Die  Staatsanwaltschaft  ist  in  ihren  Amtsverrichtungen  von  den  Gerichten
itunnen  ber  unabhängi
Staatsanwalt=  gig.
schaft  Sie  hat  darüber  zu  wachen,  daß  bei  dem  Strafverfahren  den  gesetzlichen
Vorschriften  überall  genügt  werde.

Sie  kann  bezüglich  aller  Handlungen  der  Untersuchung  und  in  jeder  Lage
der  Sache  die  ihr  erforderlich  scheinenden  Anträge  stellen.  Auf  jeden  Antrag  derselben
  muß  richterliche  Verfügung  oder  Beschlußnahme  erfolgen.

 

*-Die
  Staatsanwaltschaft  hat  die  Befugniß,  bei  allen  polizeilichen  und  gerichtlichen
  Unters  gegenwärtig  zu  sein,  und  von  allen  polizeilichen

  und  gerichtlichen  Akten,  wesche  sich  auf  einen  zu  ihrem  Geschäftskreis  gehörigen
  Gegenstand  beziehen,  Einsicht  zu  nehmen.  Sie  kann  die  Mittheilung  der
gerichtlichen  Untersuchungsakten  jederzeit  verlangen.

*
3.  Ablehnung  Ueber  Ablehnungsgesuche  gegen  Beamte  der  Staatsanwaltschaft  hat  der
ren  Accutn  vorgesetzte  Beamte  zu  entscheiden.
anwaltschaft.  Mit  der  hieraus  sich  ergebenden  Maaßgabe  findet  der  K.  26.  und  der  erste

Absatz  des  F.  27.  auch  auf  Beamte  der  Staatsanwaltschaft  Anwendung.

Fünfter  Titel.
Von  der  örtlichen  Zuständigkeit  der  Gerichte  und  der  Staatsanwaltschaft.
C.  39.
I.  Begrü#dung  Der  Gerichtsstand  ist  gleichmäßig  begründet:

der  örtlichen  Zuständigkeil.

  1)  bei  dem  Gerichte  des  Sprengels,  in  welchem  die  strafbare  Handlung  began-
        <pb n="1120" />
        —  943  —

gangen  ist,  und  wenn  sie  im  Auslande  begangen  ist,  bei  demjenigen  inländischen
  Gerichte,  welches  dem  Orte  der  That  zunächst  belegen  ist.  Gehören
  mehrere  Handlungen  zum  Thatbestande  und  sind  dieselben  in  verschiedenen
  Sprengeln  begangen,  so  ist  das  Gericht  eines  jeden  dieser
Sprengel  zuständig;

2)  bei  dem  Gerichte  des  Sprengels,  in  welchem  der  Veschuldige  wohnt,  oder
sich  gewöhnlich  aufhält,  und  wenn  derselbe  im  Inlande  keinen  Wohnsitz
oder  Fewöhnlichen  Aufenthaltsort  hat,  bei  dem  Gerichte,  in  dessen  Sprengel
er  sich  auch  nur  vorübergehend  aufhält

3)  bei  dem  Gerichte  des  Sprengels,  in  welchem  der  Beschuldigte  ergriffen  wird.

Hinsichtlich  der  auf  Preußischen  Seeschiffen  in  offener  See  oder  in  ausländischen
  Häfen  und  Gewässern  begangenen  strafbaren  Handlungen  ist  derjenige
Inlandshafen,  aus  welchem  das  Schiff  zuletzt  ausgelaufen  war,  und  derjenige,
welchen  es  nach  der  That  zuerst  erreicht  hat,  gleichmäßig  als  Begehungsort  der
letzteren  anzusehen.

G.  40.

Ist  in  Gemäßheit  des  F.  39.  der  Gerichtsstand  bei  mebreren  Gerichten  begründet,
  so  erfolgt  die  Untersuchung  und  Entscheidung  durch  dasjenige  derselben,
bei  welchem  die  Staatsanwaltschaft  die  Strafklage  zuerst  erhoben  hat.

So  lange  jedoch  ein  Urtheil  erster  Instanz  nicht  ergangen  ist,  kann  die
Sache  durch  Beschluß  des  höheren  Gerichts  (G.  42.)  auf  einen  der  anderen  Gerichtsstände
  übertragen  werden,  sofern  dies  mit  Rücksicht  auf  den  Wohnort  der
zu  vernehmenden  Zeugen  oder  sonst  zur  Erleichterung  des  Verfahrens  als  zweckmäßig
  erscheint.

S.  41.

In  folgenden  Fällen  muß  an  Stelle  des  an  sich  zuständigen  Gerichts  das
gleichstehende  Gericht  eines  anderen,  möglichst  nahe  belegenen  Sprengels  mit  der
Untersuchung  und  Entscheidung  beauftragt  werden:

1)  wenn  wegen  irgend  eines  Hindernisses  eine  Sache  bei  dem  ersteren  Gericht
  nicht  erledigt  werden  kann;

2)  wenn  von  der  Verhandlung  bei  demselben  eine  Störung  der  öffentlichen
Ordnung  zu  befürchten  ist;

3)  wenn  gegründete  Besorgniß  vorliegt,  daß  die  bei  diesem  Gerichte  zur
Mitwirkung  berufenen  Geschworenen  für  die  besondere  Sache  der  genügenden
  Unbefangenheit  entbehren  würden.

*

Die  Fassung  der  in  dem  vorhergehenden  Paragraphen  und  in  dem  zweiten
Absatze  des  §.  40.  vorgesehenen  Beschlüsse  erfolgt,  wenn  sich  Gerichte  des  nämlichen
Appellationsgerichtsbezirks  in  ihren  Verrichtungen  ablösen  sollen,  durch  die
Anklagekammer  dieses  Appellationsgerichts,  in  allen  anderen  Fällen  durch  den

(Nr.  670“.)  obersten
        <pb n="1121" />
        2.  Ersrterung

—  944  —

obersten  Gerichtshof.  Vor  der  Beschlußnahme  muß  die  Staatsanwaltschaft  bei
dem  beschließenden  Gerichte  mit  ihrem  Antrage  gehört  werden.

d.  13.
Die  Gerichte  haben  bei  Eröffnung  der  Voruntersuchung  und  des  Haupt—

.  Ichstllung  versahrne  ihre  örtliche  Zuständigkeit  von  Amtswegen  zu  prüfen.  Dagegen  dürfen

3.  Unterfu-4enolgtess

lungen  eineß  unzuhsendigen.
  Gerichts.



4.  ndig
keit  der  en
anwaltschaft.

sie  nach  Eröffnung  des  Hauptverfahrens  eine  Unzuständigkeitserklärung  dieser  Art
nicht  mehr  von  Amtswegen  aussprechen.

d.  H.

Der  Angeschuldigte  muß,  wenn  er  das  Gericht  in  der  gedachten  Beziehung

für  unzuständig  erachtet,  diese  Einrede,  bei  Verlust  derselben,  bei  seiner  ersten  nach

erhobener  Strafklage  stattfindenden  verantwortlichen  Vernehmung,  und  falls  dieselbe

  erst  in  der  Hauptverhandlung  erfolgt,  vor  dem  Beginne  des  Beweisverfahrens

geltend  machen.  In  der  Voruntersuchung  wird  darüber  im  Wege  der  Beschlußfassung

  entschieden.  Ist  die  Einrede  durch  einen  endgültigen  Beschluß  verworfen

worden,  so  ist  damit  die  örtliche  Zuständigkeit  des  Gerichts  auch  für  die  Hauptverhandlung
  und  Urtheilsfällung  festgestellt.

F.  15.
Untersuchungsverhandlungen  eines  unzuständigen  Gerichts  sind  aus  diesem
Grunde  allein  nicht  ungültig,  vorbehaltlich  der  Befugniß  des  zuständigen  Gerichts,
eine  Wiederholung  oder  Ergänzung  derselben  zu  veranlassen.

S.  46.
Die  Zuständigkeit  der  Beamten  der  Staatsanwaltschaft  bestimmt  sich  nach
derjenigen  des  Gerichts,  bei  welchem  sie  angestellt  sind.  In  Bezug  auf  Handlungen,

  die  keinen  Aufschub  gestatten,  ist  ein  jeder  Beamte  der  Staatsanwaltschaft
zuständig,  in  dessen  Amtsbezirke  solche  vorzunehmen  sind.

Sechster  Titel.

Von  der  Regelung  der  sachlichen  Juständigkeit  der  Polizeigerichte)
Strafkammern  und  Schwurgerichtshöfe.

C.  47.

Der  Richter  hat  in  jeder  Lage  des  Verfahrine  von  Amtswegen  zu  prüfen,
ob  der  Gegenstand  der  Untersuchung  in  den  Kreis  seiner  sachlichen  Zuständigkeit
falle.  Nach  Eröffnung  des  Hauptverfahrens  darf  jedoch  eine  Unzuständigkeitserklärung
  dieser  Art  niemals  aus  dem  Grunde  erfolgen,  weil  die  Sache  vor  ein
Gericht  geringerer  Zuständigkeit  gehöre.  Einen  solchen  Ausspruch  hat  der  Richter

viel—
        <pb n="1122" />
        —  945  —

vielmehr  nur  dann  zu  fällen,  wenn  er  eine  That  als  erwiesen  annimmt,  welche
den  Kreis  seiner  Zuständigkeit  überschreitet,  in  welchem  Falle  er  zugleich  den—
jenigen  anderen  Richter  in  dem  Urtheile  zu  bezeichnen  hat,  vor  welchen  die  That
gehört.  Die  wesentlichen  Merkmale  dieser  That  und  die  Beweise  für  dieselben
müssen  aus  dem  Urtheile  hervorgehen,  und  es  muß  in  den  Gründen  desselben
ersichtlich  gemacht  sein,  ob  und  inwiefern  die  abweichende  Beurtheilung  der
Zustindigkeit  auf  einer  verschiedenen  Auffassung  der  Thatsachen  oder  des  Rechtspunktes
  beruht.

K  48.

Dieses  Urtheil  (§.  4½2  wird  hinsichtlich  seiner  Wirkungen  eben  so  angesehen,
  wie  ein  das  Hauptverfahren  vor  dem  darin  bezeichneten  Richter  eröffnender
  Verweisungsbeschluß  der  zuständigen  Raths=  oder  Anklagekammer.  Dasselbe
ist  unmittelbar  nach  der  Verk#ndung  von  Amtswegen  demjenigen  Beamten  der
Staatsanwaltschaft  nebst  den  Verhandlungen  mitzutheilen,  welchem  nach  Inhalt
desselben  die  Abfassung  der  Anklageschrift  obliegl  3.  87.).  Derselbe  ist  zur  Einlegung
  der  Nichtigkeitsbeschwerde  befugt)  im  Uebrigen  findet  ein  Rechtsmittel
gegen  das  Urtheil  nicht  statt.

Hat  jedoch  das  Polizeigericht  seine  Unzuständigkeit  deshalb  ausgesprochen,
weil  die  Sache  vor  den  Schwurgerichts  hof  gehöre,  so  wird  das  Urtheil  lediglich
dem  im  zweiten  Absatze  des  F.  81.  bezeichneten  Beschlusse  der  Rathskammer
gleichgeachtet.  Wenn  demnächst  die  Anklagekammer  dahin  entscheidet,  daß  das
Hauptverfahren  wiederum  vor  dem  Polzzeigerichte  zu  eröffnen  sei,  so  hebt  sie
gleichzeitig  das  Unzuständigkeitsurtheil  auf,  und  verweist  die  Sache  geeignetenfalls
vor  ein  anderes  Politeigericht.

d.  40.

In  allen  Fällen,  in  denen  die  Zuständigkeit  von  einer  rechtlichen  Beurtheilung
  abhüngt,  ist  die  von  dem  obersten  Gerichtshof  erlassene  Entscheidung,
gleichviel,  ob  sie  im  Wege  der  Urtheilsfällung  oder  der  Beschlußfassung  ergangen
ist,  in  der  Art  maaßgebend,  daß  das  Gericht,  welchem  die  Sache  zugewiesen  ist,
sich  nicht  im  Widerspruche  mit  den  von  jenem  Gerichtshof  festgestellten  Rechtsgrundsätzen
  für  unzuständig  erklären  darf.

Siebenter  Titel.

Von  der  Behandlung  zusammenhängender  Strafssachen.

d.  50.
Ein  Zusammenhang  zwischen  mehreren  Strafsachen  ist  vorhanden:

.  ,  »  ,  «  b
1)  wenn  die  nämliche  Person  verschiedener  strafbarer  Handlungen  beschul=  soendigt

  wird;
Jahrgong  1867.  (Nr.  6704.)  125  2)  wenn

1.  Jusammenängende
  Straf-
        <pb n="1123" />
        —  946  —

2)  wenn  verschiedene  Personen  als  Thäter,  Theilnehmer  oder  Begünstiger
einer  strafbaren  Handlung  oder  als  Hehler  beschuldigt  werden.

S.  51.
2.  Julässgkeit  Zusammenhängende  Strafsachen  (§F.  50.)  können  Behufs  der  gleichzeitigen
E  Vereini.  Untersuchung  und  Entscheidung  mit  einander  vereinigt  werden.
Zu  diesem  Behufe  können  auch  Fälle  dieser  Art,  welche  einzeln  betrachtet
vor  die  Gerichte  verschiedener  Sprengel  gehören  würden,  vereinigt  vor  eines  derselben
  gebracht  werden.

C.  52.

Von  dem  Eintritt  einer  solchen  Vereinigung  ab  ist  der  schwerste  unter  den
verbundenen  Straffällen  für  das  Verfahren  in  allen  anderen,  namentlich  für  die
sachliche  Zuständigkeit  maaßgebend.

g.  53.
3.Versahrungs-  Die  Vereinigung  zusammenhängender  Strafsachen  tritt  entweder  von  selbst,
weise  bei  diefer  indem  die  Staatsamwaltschaft  bei  Erhebung  der  Strafklage  von  den  Befug-Bereiniguns.
  nissen  des  H.  51.  Gebrauch  inacht,  oder  auf  Grund  einer  Anordnung  des  Gerichts
  ein.
d.  54.
Jedes  Gericht  ist,  auch  von  Amtswegen,  befugt,  bei  ihm  anhängige,
bisher  getrennte  Strafsachen  auf  Grund  ihres  Zusammenhanges  zu  vereinigen.
Der  Strafkammer  steht  dies  auch  in  Ansehung  von  Strafsachen  zu,  welche  theils
bei  ihr,  theils  bei  einem  Polizeigerichte  ihres  Sprengels  anhängig  sind.
Diese  Befugnisse  werden  im  Hauptverfahren  vom  Voishenden  in  Ansehung
  von  Voruntersuchungen  vom  Untersuchungsrichter  ausgeübt
Die  Vereinigung  einer  bei  der  Strafkammer  oder  dem  Polizeigerichte  anhängigen
  Sache  mit  einer  vor  den  Schwurgerichtshof  verwiesenen  kann  nur  in
dem  A  die  Verweisung  einer  Sache  vor  den  Schwurgerichtshof  vorgeschriebenen
Verfahren  erfolgen.  Vo  das  Verfahren  vor  der  Strafkammer  oder  dem  Polizeigerichte
  durch  Beschluß  der  Rathskammer  eröffnet  worden,  so  bedarf  es  einer
nochmaligen  Veschlusasstn  derselben  (§.  81.  Abs.  2.)  nicht.

d.  55

Sind  die  zusammenhängenden  Straffälle  bei  den  Gerichten  verschiedener
Sprengel  anhängig  gemacht,  so  kann  ihre  Vereinigung  nur  durch  einen  Beschluß
des  höheren  Gerichts  (F.  15  Verfolgen.

Zur  Vereinigung  von  Voruntersuchungen  bedarf  es  eines  solchen  Beschlusses
nicht,  wenn  die  verschiedenen  Untersuchungsrichter  über  die  Zulässigkeit  und
ZIweckmäßigkeit  dieser  Maaßregel  und  über  dasjenige  Gericht,  bei  welchem  sie  in
Uueführung  zu  bringen  sei,  unter  sich  und  mit  der  Staatsanwaltschaft  einverstanden
  sin

Kommt
        <pb n="1124" />
        —  947  —

Kommt  es  auf  eine  Vereinigung  der  im  letzten  Absatze  des  §.  54.  bezeichneten
  Art  an,  so  ist  zu  der  Beschlußfassung  die  Anklagekammer,  in  deren  Sprengel
der  Schwurgerichtshof  belegen  ist,  auch  dann  zuständig,  wenn  die  anderen  Strafsachen
  bei  dem  Gerichte  eines  anderen  Appellationsgerichtsbezirks  anhängig  sind.

C.  56.

Es  können  auch  Strafsachen,  zwischen  denen  ein  Zusammenhang  im  Sinne  4.  Verfahren,
des  F.  50.  nicht  besteht,  aus  Gründen  der  Zweckmäßigkeit  mit  einander  vereinigt,,  V#en
werden,  sofern  dadurch  keine  dieser  Sachen  an  einen  Gerichtsstand  gebracht  wird,  enderen  Grünwelchem
  sie  einzeln  betrachtet  nicht  hätte  überwiesen  werden  können.  Diese  Ver=  den  weckäßg
einigung  setzt  stets  eine  ausdrückliche  richterliche  Anordnung  voraus,  auf  welche
die  Be  immungen  der  S##.  54.  und  55.  Anwendung  finden.

C.  57.

Wenn  die  gleichzeitige  Verhandlung  und  Entscheidung  sich  als  nicht  aus=  5.  Wiederauf
führbar  oder  als  nicht  zweckmäßig  herausstellt,  so  kann  die  Vereinigung  wieder  bnner  Vir·
aufgehoben  werden.  «

Das  Recht,  diese  Trennung  anzuordnen,  stebt  sowohl  der  Ratbskammer
oder  Anklagekammer  bei  Eröffnung  des  Hauptverfahrens,  als  auch  dem  Gerichte
in  der  Hauptverhandlung  zu.  Es  kann  auch  im  Laufe  der  Voruntersuchung  und
im  Hauptverfahren  außerhalb  der  Hnuptrerhandlung  durch  einen  nach  Anhörung
der  Staatsanwaltschaft  zu  fassenden  Beschluß  jene  Anordnung  getroffen  werden,
jedoch  nur  dann,  wenn  die  Vereinigung  nicht  durch  den  Beschluß  eines  höheren
Richters  herbeigeführt  worden  war;)  entgegengesetzten  Falls  kann  nur  dieser
Richter  die  Trennung  beschließen.

Nach  erfolgter  Aufhebung  der  Vereinigung  sind  die  verschiedenen  Straffälle
  bei  demjenigen  Richter  weiter  zu  verhandeln,  vor  welchen  sie  einzeln  betrachtet
  nach  Lage  des  Verfahrens  gehören.

C.  58.

Liegen  gegen  den  nämlichen  Beschuldigten  mehrere  strafbare  Handlungen  6.  Beru#en.
vor,  und  fällt  ein  Theil  derselben  dergestalt  ins  Gewicht,  daß  die  Feststellung  losen  einzelder
der  übrigen  Straffälle  voraussichtlich  eine  wesentliche  Erhöhung  der  Strafe  nicht  lwffüe
zur  Folge  haben  würde,  so  kann  die  Verfolgung  der  letzteren  einstweilen  ruhen
bleiben.  Nach  erhobener  Strafklage  beschließt  hierüber  auf  den  Antrag  der
Staatsanwaltschaft  das  Gericht.

Ueber  die  Wiederaufnahme  der  Verfolgung  entscheidet  das  Ermessen  der
Staatsanwaltschaft)  diese  muß  jedoch,  wenn  die  vorläufige  Einstellung  durch
gerichtlichen  Beschluß  erfolgt  ist,  die  endgültige  Erledigung  derjenigen  Straffälle
abwarten,  hinsichtlich  deren  das  Verfahren  fortgesetzt  worden  ist.

(Nr.  6704.)  1255  Ach—
        <pb n="1125" />
        —  948  —

Achter  Titel.
Von  dem  Gange  des  dem  Hauptverfahren  vorausgehenden  Verfahrens.

Erster  Abschnitt.

Von  der  Erforschung  und  Anzeige  strafbarer  Handlungen  und  von
dem  Ermittelungsverfahren.

KG.  59.

(uall.  Werbfich  o.  Den  Polizeibehörden  und  den  anderen  Sicherheitsbeamten  liegt  die  Verlueh
  und  pflichtung  ob,  strafbaren  Handlungen  nachzuforschen  und  auf  die  erlangte  erste
sentlicen  Kenntniß  von  einer  strafbaren  Handlung  alle  keinen  Aufschub  gestattenden  Anchorden.
  ordnungen  zu  treffen,  welche  erforderlich  sind,  um  die  Verdunkelung  der  Sache
und  die  Flucht  der  Thäter  zu  verhüten  und  die  Spuren  und  Gegenstände  der
That  unverändert  zu  erhalten.

Die  Anzeigen  und  Verhandlungen  sind  ohne  Verzug  dem  zur  Erhebung

der  Strafklage  zuständigen  Beamten  der  Staatsanwaltschaft  zu  übersenden.

E.  60.

Alle  anderen  öffentlichen  Behörden  einschließlich  der  Gerichte  sind  verpflichtet,
  von  strafbaren  Handlungen,  welche  amtlich  zu  ihrer  Kenntniß  kommen,
dem  zuständigen  Beamten  der  Staatsanwaltschaft  sogleich  Mittheilung  zu  machen
und  ihm  alle  darauf  bezüglichen  Verhandlungen  mitzutheilen.

l  61.
2.  Anzeige  von  Die  Anzeige  strafbarer  Handlungen  von  Seiten  einer  Privatperson  kann
Privatpersonen,  bei  der  Staatsanwaltschaft  und  den  Polizeibehörden  schriftlich  oder  mundlich  erfolgen.
  In  dem  letzteren  Falle  muß  darüber  ein  Vermerk  aufgenommen  werden.
Halt  die  Staatsanwaltschaft  die  gerichtliche  Vernehmung  des  Anzeigenden
für  erforderlich,  so  erfolgt  das  Verhör  auf  ihr  Ersuchen  durch  den  Polizeirichter.
Hierbei  ist  der  Anzeigende  über  alle  Umstände,  welche  auf  seine  persönliche  Glaubwürdigkeit
  und  die  Wahrscheinlichkeit  seiner  Anzeige  von  Einfluß  sind,  sowie  über
die  etwa  vorhandenen  Beweiemittel,  nach  Befinden  auch  über  die  Beweggründe
seiner  Anzeige,  zu  befragen,  und  auf  die  Strafen  der  wissentlich  falschen  Anschuldigung
  hinzuweisen.
"5  &amp;amp;  62.
3.  Ermitte.  Die  Aufklärung  des  Thatbestandes,  die  Erforschung  der  Beweise  für  die
—  Thäterschaft,  und  die  sonst  zur  Vorbereitung  der  Strafklage  erforderlichen  Schritte
liegen  der  Staatsanwaltschaft  ob.
Dieselbe  kann  zu  diesem  Behufe  von  allen  öffentlichen  Behörden  Auskunft
verlangen  und  Ermittelungen  jeder  Art,  jedoch  mit  Ausschluß  eidlicher  Vernebmun-
        <pb n="1126" />
        —  949  —

mungen,  entweder  selbst  vornehmen  oder  durch  die  Polizeibehörden  veranlassen,
welche  dem  Ersuchen  der  Staatsanwaltschaft  Folge  zu  leisten  verpflichtet  sind.
In  dringenden  Fällen  kann  letztere  von  jedem  Polizeibeamten  unmittelbar  Hülfeleistung
  oder  Beistand  verlangen.

Auch  nach  erhobener  Strafklage  kann  die  Staatsanwaltschaft  ihre  gedachten
  Befugnisse  noch  ausüben.  Zu  Beschlagnahmen  und  Haussuchungen  darf
sie  jedoch  von  dem  genannten  Zeitpunkt  ab  nur  dann  schreiten,  wenn  neue  Verdachtsgründe,
  welche  dies  Einschreiten  erfordern,  unter  solchen  Umständen  zum
Vorschein  kommen,  daß  der  Erfolg  desselben  durch  die  vorgängige  Antretung  des
Richters  voraussichtlich  vereitelt  werden  würde.

S.  63.

Hält  die  Staatsanwaltschaft  es  für  erforderlich,  daß  die  Einnahme  des
gerichtlichen  Augenscheins,  insbesondere  die  Besichtigung  und  Oeffnung  einer
Leiche,  oder  die  gerichtliche  Vernehmung  des  Beschuldigten,  eines  Zeugen  oder
Sachverständigen  erfolge,  so  kann  sie  den  Polizeirichter  des  Sprengels,  in  welchem
die  Handlung  voruunchmen  ist,  darum  ersuchen.

Der  angegangene  Richter  hat  dem  Antrage  zu  genügen.  Inwiefern  zu
der  beantragten  Vereidung  eines  Zeugen  oder  Sachverständigen  zu  schreiten  sei,
hat  er  selbst  zu  ermessen.  Seine  Thätigkeit  hört  auf,  sobald  der  Antrag  erledigt
oder  zurückgezogen  ist.

Die  Staatsanwaltschaft  kann  von  diesen  Befugnissen  auch  nach  erhobener
Strafklage  einen  Gebrauch  machen,  falls  ohne  denselben  das  betreffende  Beweismittel
  verloren  gehen  würde.

**iie

So  oft  Gefahr  im  Verzuge  obwaltet,  hat  der  Polizeirichter  die  Anträge
der  Staatsanwaltschaft  nicht  erst  abzuwarten,  sondern  in  jeder  Lage  der  Sache
von  Amtswegen  alle  diejenigen  Beweiserhebungen,  Verhaftungen  oder  sonstigen
Anordnungen  vorzunehmen,  deren  Erfolg  durch  längeren  Aufschub  vereitelt  werden
  würde.

Die  Verhandlungen  sind  demnächst  unverzüglich  dem  zuständigen  Beamten
der  Staatsanwaltschaft  zu  übersenden.

S.  65.

Weunn  die  Staatsanwaltschaft  einen  ihr  zugegangenen  Antrag  auf  Be=  4.  Virhalten
strafung  oder  die  sonstige  Anzeige  eines  Betheiligten  nicht  dam  angethan  findet,  —  #
die  Strafklage  zu  erheben,  so  hat  sie  den  Antragsteller  oder  Betheiligten  unter  undegründeten
Angabe  der  Gründe  zu  bescheiden.  Anträgen  oder

.  Anzeigen  Betheiligter.


Fweiter  Abschnitt.

Von  der  Voruntersuchung.
F.  66.
Der  Verweisung  eines  Beschuldigten  vor  den  Schwurgerichtshof  muß  eine  1.  Jäl',  in
Voruntersuchung  vorausgehen,  unbeschadet  der  Bestimmungen  des  F.  48.  dene  bie  er
Nr.  6704.)  In  uochwenbigoße
statthaft  .
        <pb n="1127" />
        —  950  —

In  polizeigerichtlichen  Straffällen  findet  eine  Voruntersuchung  niemals,  und
in  Sachen,  welche  vor  die  Strafkammer  gehören,  nur  dann  statt,  wenn  die  Staatsanwaltschaft
  dies  aus  besonderen,  ihrer  Erwägung  unterliegenden  Gründen  für
nöthig  erachtet.

F.  67.
2.  Antrog  auf  Die  Voruntersuchung  wird  auf  den  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  von
sNN  dem  Untersuchungsrichter  eingeleitet.  Dieser  Antrag  muß  die  Person,  gegen
vwelche,  und  die  That,  wegen  welcher  die  Voruntersuchung  geführt  werden  soll,
bezeichnen.  Er  kann  nur  in  Gemäßbeit  eines  Beschlusses  der  Rathskammer  und
blos  in  folgenden  Fällen  zurückgewiesen  werden:

1)  wenn  das  Gericht  in  örtlicher  Beziehung  nicht  zuständig,  oder  die  Gerichtsbarkeit
  der  ordentlichen  Gerichte  überhaupt  ausgeschlossen  ist

2)  wenn  die  Sache  vor  das  Polizeigericht  gehört  und  hieran,  auch  durch
den  Zusammenhang  mit  einer  anderen  Sache  (F.  50.),  nichts  geändert
wird)

3)  wenn  das  Gesetz  die  Verfolgung  der  That  oder  der  Person  von  dem
rechtzeitigen  Antrage  des  Verletzten,  von  einer  Ermächtigung  oder  von
einer  Zustimmung  abhängig  macht,  und  diese  Vorbedingung  nicht  erfüllt
  ist;

4)  wenn  die  That  verjährt  ist,  oder  ihrer  Verfolgung  eine  rechtskräftige  Entscheidung
  im  Wege  steht.

d.  68.

3.  Gegenstand  Der  Gegenstand  der  Voruntersuchung  wird  durch  den  Antrag  (F.  67.)  be-—
  stimmtj  sie  bewegt  sich  jedoch  innerhalb  dieen  Begrenzung  in  dem  ihr  durch  den
"  9.  4.  gsgebenen.  Umfange.

Richtet  sich  im  Laufe  der  Voruntersuchung  der  Verdacht  gegen  eine  andere
  als  die  in  dem  Antrage  bezeichnete  Person,  oder  stellen  sich  Anzeigen  dafür
beraus,  daß  mit  dem  Gegenstande  der  Voruntersuchung  noch  andere  strafbare

Handlungen  im  Zusammenhange  stehen  (I.  50.),  so  sind  die  Verhandlungen  der
S  zur  anderweiten  Antragstellung  vorzulegen.  Bei  obwaltender
Gefahr  im  Verzuge  hat  der  Untersuchungsrichter  nach  F.  64.  zu  verfahren.

d.  69.
4.  Iweck  der-  #weck  der  Voruntersuchung  ist:  die  Grundlage  dafür  zu  gewinnen,  ob  zur
selben.  Hauptverhandlung  zu  schreiten,  oder  die  weitere  Verfolgung  einzustellen  sei.  Zu

diesem  Behufe  musssen  nicht  blos  das  Dasein  und  die  Beschaffenheit  der  ungezeigten
strafbaren  Handlung,  sondern  auch  die  wesentlichen,  für  und  wider  den  Angeschuldigten
  sprechenden  Thatsachen  und  Beweiemittel  erforscht  und  festgestellt

werden.
Der  Angeschuldigte  ist  nicht  berechtigt,  den  Verhandlungen  der  Voruntersuchung
  anzuwohnen)  er  soll  aber,  falls  er  nicht  flüchtig  ist,  vernommen  werden,
und
        <pb n="1128" />
        —  951  —

und  es  müssen  seine  Anführungen,  insoweit  sie  für  den  Zweck  der  Voruntersuchung
für  erheblich  zu  erachten  sind,  berücksichtigt  werden.  Ist  derselbe  geständig,  so“
kann  von  einer  weiteren  Beweisaufnahme  über  seine  Thäterschaft  abgesehen  werden;
  es  bedarf  jedoch  auch  in  diesem  Falle  einer  Feststellung  des  Thatbestandes.

S.  70.

Der  Untersuchungsrichter  hat  nach  eingeleiteter  Vomumtersuchung  die  Ver=  5.  Vorfahpflichtung,
  bis  zur  Erschöpfung  ihres  Zwecks  alle  hierzu  erforderlichen  Mittel  von  neee
Amtswegen  in  Mnwendung  zu  bringen,  und  ist  in  Bezug  auf  die  Art  seines  rigters.
Vorschreitens  an  die  etwaigen  Anträge  der  Staatsanwaltschaft  nicht  gebunden.

Er  hat  jedoch  die  Staatsanwaltschaft,  falls  er  ohne  deren  Antrag  einen  Haftbefehl

  gegen  den  Angeschuldigten  erläßt,  hiervon  zu  benachrichtigen,  auch  derselben

wo  möglich  Gelegenheit  zu  geben,  der  Einnahme  des  Augenscheins  oder  anderen

an  Ort  und  Stelle  stattfindenden  Untersuchungshandlungen  anzuwohnen.

S.  VI.

Der  Untersuchungsrichter  erläßt  alle  ergehenden  Verfügungen  und  Vorladungen
  in  seinem  Namen.

Die  Mitwirkung  der  Rathskammer  tritt  nur  in  den  vom  Gesetz  bezeichneten
  Fällen,  insbesondere  da  ein,  wo  dasselbe  die  Fassung  eines  gerichtlichen  Beschlusses
  vorschreibt.

S.  72.

Der  Untersuchungsrichter  kann  auch  Personen  zu  ihrer  Vernehmung  vor
sich  laden,  die  im  Sprengel  eines  anderen  Untersuchungerichters  wohnen.  Es  ist
jedoch  der  letztere  um  die  Vernehmung  zu  ersuchen,  wenn  deren  Zweck  durch  ihn
mit  geringerem  Kostenaufwand  erreicht  werden  kann.  Eine  Versendung  der  Untersuchungsakten
  ist  in  diesem  Falle  nur  dann  zulässig,  wenn  eine  Darstellung  des
Sachverhältnisses  aus  besonderen  Gründen  nicht  dazu  ausreicht,  dem  ersuchten
Richter  die  erforderliche  Anleitung  zu  gewähren.  Die  von  dem  ersuchten  Richter
aufgenommenen  Verhandlungen  sind  in  Urschrift  dem  ersuchenden  Richter  zu
übersenden.

In  dringenden  Fällen  kann  der  untersuchungführende  Richter  auch  selbst
Untersuchungshandlungen  in  dem  Sprengel  eines  anderen  Untersuchungsrichters
vornehmen)  er  ist  jedoch  verpflichtet,  hiervon  den  Vorstand  des  betreffenden  Gerichts
  im  Voraus  zu  benachrichtigen.

S.  73.

Der  Untersuchungsrichter  hat  das  Recht,  sich  zur  Vornahme  von  Nachforschungen
  oder  zur  Ausführung  einzelner  Maaßregeln,  namentlich  von  Haussuchungen,
  der  Hülfe  oder  des  Beistandes  der  Polizeibehöorden  zu  bedienen.

In  dringenden  Fällen  kann  er  sich  zu  demselben  Zweck  an  jeden  Polizeibeamten
  unmittelbar  wenden.

(Xr.  6704)  d.  74.
        <pb n="1129" />
        —  952  —

S.  74.
Nach  Abschluß  der  Voruntersuchung  erfolgt  die  Abgabe  der  Verhand—
lungen  an  den  Staatsanwalt.  Der  verhaftete  Angeschuldigte  ist  hiervon  zu  be—
nachrichtigen.

Dritter  Abschnitt.

Von  der  Prüfung  der  Ergebnisse  der  Voruntersuchung  und  von  der
Eröffnung  des  Hauptverfahrens.

I.  Ullgemeine  Die  Eröffnung  des  Hauptverfahrens  erfolgt,  wenn  eine  Voruntersuchung
Bestimmungen,  vorausgegangen  ist,  durch  die  Rathskammer  oder  Anklagekammer,  andernfalls
durch  den  für  die  Hauptverhandlung  zuständigen  Richter.

S.  76.

Als  Grundlage  für  das  Hauptverfahren  dient  eine  von  der  Staatsanwaltschaft
  abzufassende  Anklageschrift.  Dieselbe  muß  den  Angeschuldigten  benennen,
dessen  persönliche  Verhältnisse  angeben,  in  Kürze  das  Sachverhältniß  darstellen,
auf  welchem  die  Anschuldigung  beruht,  und  die  strafbare  Handlung,  worauf  diese
gerichtet  ist,  bezeichnen.  Aus  dieser  Bezeichnung  müssen  bervorgehemt

1)  alle  diejenigen  Merkmale  der  That,  deren  Gesammtheit  die  Anwendung
des  anzuführenden  Strafgesetzes  begründet,  nebst  den  unterscheidenden
Nebenumständen,  namentlich  Ort  und  Zeit  der  That;

2)  etwaige  Thatumstände,  welche  nach  besonderer  gesetzlicher  Vorschrift  eine
Erschwerung  der  Strafe  zur  Folge  haben.

Die  Beweismittel  für  die  vorgetragenen  Thatsachen,  namentlich  die  Zeugen,
deren  Abhörung  erfolgen  soll,  sind  am  Schlusse  oder  in  einer  Anlage  anzuführen.


S.  77.

2.  Verfahren,  Hält  der  Staatsanwalt  eine  Ergänzung  der  Voruntersuchung  für  erforder-Fesn
  ert  lich,  so  hat  er  die  hie#  geeigneten  Handlungen  zu  bezeichnen  und  bei  dem
ftotgefunden  Untersuchungsrichter  in  Antrag  zu  bringen.  Tragt  dieser  Bedenken,  dem  Antrage
dat.  Antnne  da  oͤll  entsprechen,  so  hat  er  die  Entscheidung  der  Rathskammer  einzuholen.

Santnt,  .  7#r.
Erachtet  der  Staatsanwalt  die  Sache  für  reif  zur  endgültigen  Beschlußfassung,
  so  stellt  er  die  entsprechenden  Anträge  bei  der  Rathskammer,  und  fügt,
wenn  er  sich  für  die  Verweisung  der  Sache  vor  die  Strafkammer  oder  den
Schwurgerichtshof  ausspricht,  ersteren  Falls  die  Anklageschrift,  letzteren  Falls  den

Entwurf  derselben  bei.
.  79.
        <pb n="1130" />
        —  953  —

K.  79.

Erachtet  die  Rathskammer  eine  Ergänzung  der  Voruntersuchung  für  er=  #.  Lhue
forderlich,  so  hat  sie  dieselbe  anzuordnen.  Nch  Erledigung  dieses  Beschlusses.
Legen  welchen  ein  Rechtsmittel  nicht  stattfindet,  sind  ihr  die  Verhandlungen  durch
Vermittelung  der  Staatsanwaltschaft  wieder  vorzulegen.

G.  80.

Findet  die  Rathskammer,  daß  gegen  den  Angeschuldigten  hinreichende  Verdachtsgründe
  nicht  vorliegen,  daß  die  ihm  zur  Last  gelegte  That  unter  kein  Strafgesetz
  falle,  daß  ein  gesetzlicher  Strafausschließungsgrund  feststehe,  daß  der  erforderliche
  Strafantrag  des  Verletzen  nicht  gestellt  oder  wieder  zurückgenommen
sei,  oder  daß  es  an  einer  anderen  Vorbedingung  der  Bestrafung  fehle,  so  setzt  sie
den  Angeschuldigten  außer  Verfolgung,  oder  spricht,  wenn  sie  die  Verfolgung  nur
zur  Zeit  für  unstatthaft  erachtet,  dieses  in  dem  Beschlusse  aus.

G.  81.

Findet  die  Rathskammer,  daß  der  Angeschuldigte  einer  strafbaren  That
hinreichend  verdächtig  sei,  so  eröffnet  sie  gegen  densesten  das  Hauptverfahren,
und  verweist  die  Sache  vor  den  zuständigen  Richter,  den  sie  zu  bezeichnen  hat.

Erachtet  sie  Ichoch  die  Verweisung  der  Sache  vor  den  Schwurgerichtshof
für  begründet,  so  hat  sie  die  Eröffnung  des  Hauptverfahrens  nicht  selbst  auszusprechen,
  sondern  die  Abgabe  der  Verhenolunden  an  die  Anklagekammer  anzuordnen.
  In  Folge  dieses  Beschlusses,  gegen  welchen  ein  Rechtsmittel  nicht
stattfindet,  sind  die  Verhandlungen  unverzüglich  dem  Ober-Staatsanwalt  einzureichen.


.  S2.

Die  Anklagekammer  hat,  nachdem  ihr  die  Verhandlungen  von  dem  Ober-  46  uhnebne
Staatsanwalt  vorgelegt  worden  sind,  nach  Maaßgabe  der  §#.  79.  80.  und  des.  rtlagitanersten
  Absatzes  im  §.  8.  Beschluß  zu  fassen.

**

In  der  Anklagekammer  erfolgt  der  Vortrag  der  Sache  in  Gegenwart  des  A.  2#uee
Ober-Staatsanwalts,  welcher  befugt  ist,  nach  Beendigung  desselben  seine  Ansicht,
mündlich  zu  entwickeln  und  die  Verkündung  des  demnächst  gefaßten  Beschlusses
matergenzunehmen.  Dieselbe  Befugniß  hat  der  Staatsanwalt  in  Bezug  auf  den

Vortrag  in  der  Rathskammer.  Sind  von  der  Staatsanwaltschaft  neue  Anträge
zu  stellen,  so  muß  dies  schriftlich  geschehen.

g.  84.

Die  Rathskammer  hat  über  alle  von  der  Voruntersuchung,  die  Anklage—
kammer  über  alle  von  dem  Vorbeschluß  der  Rathskammer  zuntten  Personen
und  Handlungen  gleichzeitig  zu  befinden.  Die  Anklagekammer  muß  auch  dann,

Johrgong  1867.  (Nr.  6701.)  126  wenn
        <pb n="1131" />
        954  —

wenn  sie  findet,  daß  die  Strafkammer  oder  das  Polizeigericht  zuständig  sei,  selbst,
was  Rechtens  ist)  beschließen,  und  darf  die  Sache  weder  ganz,  noch  theilweise
an  die  Rathskammer  zurückverweisen.

Die  Befugniß  des  beschließenden  Richters,  eine  Trennung  des  Hauptverfahrens
  anzuordnen,  wird  hierdurch  nicht  berührt.  Das  Verfahren  gegen
einen  Angeschuldigten,  welchem  keine  andere  Handlung  als  eine  Uebertretung
zur  Last  fällt,  sol  "  niemals  an  den  Schwurgerichtshof  gewiesen  werden.

d.  85.

Der  Erlassung  eines  Beschlusses  über  das  Ergebniß  der  Voruntersuchung
steht  es  nicht  im  Wege,  wenn  die  Vernehmung  des  Angeschuldigten  nicht  hat
bewirkt  werden  können.

Es  kann  jedoch  verordnet  werden,  daß  bis  zu  ihrer  Ermöglichung  das
Verfahren  ruhen  bleibe.

Dasselbe  gilt,  wenn  ein  in  der  Sache  wichtiger  Zeuge  nicht  hat  ermittelt
werden  können.
8.  86.

Ein  jeder  Verweisungebeschluß  muß  die  strafbare  Handlung,  wegen  deren
er  erfolgt,  auf  die  im  §.  76.  Nr.  1.  und  2.  angegebene  Weise  bezeichnen.  Diese
Bezeichnung  kann,  wenn  der  A#n  auf  das  Schriftstück  gesetzt  wird,  welches
die  Anklageschrift  oder  den  Emwurf  derselben  (I.  (§.)  enthält,  durch  Hinweisung
auf  die  in  diesem  hervorgebobenen  Merkmale  erfolgen.

Ein  jeder  Beschluß,  durch  welchen  ein  Angeschuldigter  außer  Verfolgung
gesetzt  wird,  muß  angeben,  ob  dieses  wegen  Unzulänglichkeit  der  Verdachtsgründe
oder  aus  welchem  anderen  Grunde  geschehen  ist.

Ein  jeder  mit  den  Anträgen  der  Staatsanwaltschaft  nicht  übereinstimmende
Beschluß  mub  ersehen  lassen,  ob  und  inwiefern  diese  Abweichung  auf  einer
verschiedenen  Beurtheilung  der  Thatsachen  oder  des  Rechtspunktes  beruht.

Der  Vorbeschluß  der  Rathskammer  (§.  81.  Abs.  2.)  bedarf  derselben  Begründung,
  wie  ein  Verweisungsbeschluß.

*

Sazelnag  und  Die  Beschlüsse  der  Rathskammer  und  der  Anklagekammer  sind  in  Urschrift
Woss  t  der  Staatsanwaltschaft  bei  dem  beschließenden  Gerichte  nebst  den  Verhandlungen
mitzutheilen.  Der  weitere  Betrieb  liegt  der  Staatsamwaltschaft  bei  dem  Gerichte
ob,  vor  welches  die  Verweisung  erfolgt  ist.  Diese  hat,  wenn  der  Verweisungsbeschluß
  ohne  die  Grundlage  einer  mit  ihm  übereinstimmenden  Anklageschrift

ergangen  ist,  letztere  sofort  abzufassen.

Ist  eine  Verweisung  vor  den  Schwurgerichtshof  erfolgt,  so  liegt  die  Abfassung
  der  Anklageschrift  dem  Ober-Staatsanwalt  ob,  welcher  dieselbe  zum
weiteren  Betriebe  der  Sache  dem  Staatsanwalt  am  Sihe  des  Schwurgerichtshofes
  zuzufertigen  hat.

.  88.
        <pb n="1132" />
        g.  88.

Wenn  ein  Angeschuldigter  endgültig  außer  Verfolgung  gesetzt  worden  ist,
soll  ihm  hiervon  durch  die  Staatsanwaltschaft  Kenntniß  gegeben  werden.

S.  S9.

Wenn  eine  Voruntersuchung  nicht  stattgefunden  hat,  die  Strafklage  viel-  3.  Verfabren,
mehr  unmittelbar  bei  der  Strafkammer  oder  dem  Polizeigerichte  erhoben  worden  kieneiVorist,
  so  kann  die  Eröffnung  des  Hauptverfahrens,  sofern  die  Anklageschrift  den.  e  stertgom.
gesetzlichen  Erfordernissen  entspricht,  nur  dann  abgelehnt  werden,  wenn  einer  der  den  borim
  §.  67.  unter  Nr.  1.  3.  und  I.  bezeichneten  Fälle  vorliegt,  oder  wenn  die
in  der  Anklageschrift  bezeichnete  Handlung  in  sachlicher  Beziehung  vor  einen
anderen  Richter  gehört  oder  durch  kein  Strafgesetz  vorgesehen  ist.

Wenn  in  dieser  Beziehung  Bedenken  nicht  obwalten,  so  verfügt  der  Vorsitzende
  der  Strafkammer  die  Eröffnung  des  Hauptverfahrens,  ohne  daß  es  einer
Berathung  mit  den  anderen  Mitgliedern  bedarf.

Neunter  Titel.

Von  den  einzelnen  Maaßregeln  der  Untersuchung.

d.  90.

Die  Bestimmungen  dieses  Titels  finden,  insoweit  aus  denselben  nicht  ein  cEinletende
Anderes  hervorgeht,  auf  das  Hauptverfahren  und  die  Voruntersuchung  gleich=  Bestimmung.
mäßig  Anwendung.  Die  auf  die  Voruntersuchung  zur  Anwendung  kommenden
Vorschriften  gelten,  insoweit  nicht  ein  Anderes  bestimmt  ist,  auch  für  das  Ermittelungsverfahren.


Erster  Abschnirt.

Von  der  Aufsuchung  und  Beschlagnahme  der  Ueberführungsstücke
und  von  anderen  Arten  der  Beschlagnahme.

C.  91.

Sobald  die  Anzeige  einer  strafbaren  Handlung  geschehen  ist,  muß  dafür  11.  Aue
Sorge  getragen  werden,  daß  alle  Ueberführungsstücke  in  Beschlag  genommen  und  Beschlagund
  in  gerichtliche  Gewahrsam  gebracht  werden.  9

Unter  Ueberführungsstücken  werden  verstanden:  Sachen,  welche  dem  An=  sück.
scheine  nach  zur  Begehung  der  strafbaren  Handlung  gedient  haben  oder  gebraucht
werden  sollten,  oder  durch  dieselbe  erlangt  oder  hervorgebracht  worken  sind.
Schriftstücke,  welche  den  Gegenstand  der  Untersuchung  bilden  oder  über  denselben
Aufschluß  gewähren,  und  alle  sonstigen  Gegenstände,  welche  für  die  Ermitte-Nr.
  6704.)  120°  lung
        <pb n="1133" />
        —  966  —

ling  der  Wahrheit  oder  für  die  Auffindung  des  Schuldigen  von  Bedeutung  sein
önnen.

K  22.

Ausgeschlossen  von  der  Beschlagnahme  sind  die  Briefe,  welche  Jemand  mit
seinem  Beichtvater  oder  Vertheidiger  gewechselt  hat,  vorausgesetzt,  daß  sich  diese
Briefe  noch  in  den  Händen  der  #  oder  der  Personen  besindmn,  an  welche  sie
gerichtet  waren.

AAuf  Fälle,  wo  gegen  den  Beichtvater  oder  Vertheidiger  der  Verdacht  der
Mitschuld  vorliegt,  findet  diese  Bestimmung  keine  Anwendung.

K.  93.

2.  Mittel  zu  Die  Durchsuchung  einer  Wohnung  oder  einer  anderen  zu  einem  Wohnresienn

  hause  gehörigen  Räumlichkeit  ohne  Einwilligung  ihres  Inhabers  (Haussuchung)

ist  nur  gestattet,  wenn  mit  Wahrscheinlichkeit  anzunehmen  ist,  daß  dieselbe  zur
Auffindung  von  Ueberführungsstucken  führen  werde.

In  Räumlichkeiten,  deren  Inhaber  oder  Mitbewohner  nicht  selbst  als
Thäter,  Theilnehmer  oder  Begünstiger  der  strafbaren  Handlung  oder  als  Hehler
verdächtig  sind,  darf  eine  Haussuchung  erst  dann  abgehalten  werden,  wenn  die
mündliche  oder  schriftliche  Aufforderung  zur  Herausgabe  der  Ueberführungsstücke
ohne  Erfolg  geblieben  ist.

C.  94.

Die  Beschränkung  im  zweiten  Absatze  des  vorhergehenden  Paragraphen
bezieht  sich  nicht  auf  die  Wohnungen  oder  anderen  Räume,  in  denen  der  Beschuldigte
  ergriffen  wird,  oder  welche  er  betreten  hat,  nachdem  er  bei  Ausführung
der  strafbaren  That  oder  gleich  nach  derselben  verfolgt  worden.

Sie  findet  keine  Anwendung:

1)  auf  die  Wohmungen  der  Personen,  welche  durch  richterliches  Erkenntniß
unter  Polizeiaufsicht  gestellt  sind;

2)  auf  Orte,  welche  der  Polizei  als  Schlupfwinkel  des  Hafardspies  als
Herbergen  und  Versammlungsorte  von  Verbrechern,  als  Niederlagen
estohlener  oder  auf  ähnliche  Weise  erlangter  Sachen,  oder  als  Aufentbalisonte
  liederlicher  Frauenzimmer  bekannt  sind

3)  auf  die  Orte,  in  welchen  das  Publikum  ohne  Unterschied  #gelassen
wird,  so  lange  diese  Orte  dem  Publikum  zum  ferneren  Verweilen
geöffnet  sind.

d.  95.

Die  Vornahme  von  Haussuchungen  steht  dem  Richter,  nach  Bewandtniß
des  gegebenen  Falles  (9P.  62.  und  59.)  auch  der  Staatsanwaltschaft  und  den
Polizeibehörden  zu.  Polizeikommissarien  können  selbstständig,  andere  Pollee,  gad

icher-
        <pb n="1134" />
        —  957  —

Sicherheitsbeamte  nur  unter  Mitwirkung  der  Gemeinde=  oder  der  Ortspolizeibehörde
  zu  Haussuchungen  schreiten.
§.  96.

In  den  Wohnungen  der  in  F.  94.  Nr.  1  —  3.  bezeichneten  Art  können
Haussuchungen  auch  zur  Nachtzeit  abgehalten  werden.  In  andere  Wohnungen
darf  das  Eindringen  zur  Nachtzeit  nur  dann  erfolgen,  wenn  dringende  Gründe
dafur  sprechen,  daß  bei  längerer  Zögerung  die  vorhandenen  Ueberführungsstücke
bei  Seite  gebracht  oder  vernichtet  werden  möchten.

Die  Nachtzeit  umfaßt  für  die  Zeit  vom  1.  Oktober  bis  31.  März  die
Stunden  von  6  Uhr  Abends  bis  6  Uhr  Morgens,  und  für  die  Zeit  vom  1.  April
bis  30.  September  die  Stunden  von  9  Uhr  Abends  bis  4  Uhr  Morgens.

S.  97.

Bei  Ausführung  der  Haussuchung  muß  mit  möglichster  Schonung  verfahren
  werden.

Zur  Anwesenheit  bei  derselben  ist  der  Bewohner  oder  Inhaber  der  zu  durchsuchenden
  Räume,  oder  falls  derselbe  nicht  zur  Stelle  oder  von  seiner  Zuziehung
eine  Gefährdung  des  Zweckes  der  Haussuchung  zu  besorgen  ist,  ein  erwachsenes
Mitglied  seiner  Familie,  in  dessen  Ermangelung  aber  ein  Hausgenosse  oder  ein
Nachbar  aufzufordern.

Zu  einer  gewaltsamen  Eröffnung  verschlossener  Thüren,  Fenster  oder  Behältnisse
  darf  erst  dann  geschritten  werden,  wenn  eine  gütliche  Aufforderung  dazu
ohne  Erfolg  geblieben  oder  wenn  Niemand  aufgefunden  worden  ist,  an  welchen
die  Aufforderung  gerichtet  werden  kann.

K.  98.

Finden  sich  bei  der  Haussuchung  Ueberführungsstücke,  so  sind  dieselben  dem
Beschuldigten,  sowie  demjenigen,  der  t"-  in  Gewahrsam  hat,  sofern  dieselben  bei
der  Haussuchung  zugezogen  sind,  zur  Anerkennung  vorzulegen.

Bei  der  Durchsuchung  und  Beschlagnahme  von  Papieren  ist  dafür  zu
sorgen,  daß  der  Inhalt  derselben  nicht  zur  Kenntniß  unbefugter  Personen  gelange.

C.  9%

Von  den  in  Beschlag  genommenen  Gegenständen  muß  bei  der  Haussuchung,
oder  falls  besondere  Schwierigkeiten  entgegenstehen,  möglichst  bald  nach  derselben,
ein  genaues  Verzeichniß  angefertigt  werden.

Abschrift  desselben  ist  auf  Verlangen  dem  Betheiligten  zu  ertheilen.

S.  100.

Ist  bei  der  Haussuchung  nichts  Verdächtiges  vorgefunden  worden,  so  kann
der  Betheiligte  verlangen,  daß  ihm  hieruber  eine  Bescheinigung  kostenfrei  ausgestellt
  werde.

(Nr.  6704.)  S.  101.
        <pb n="1135" />
        —  958  —

C.  101.  1

Werden  bei  Gelegenheit  einer  Luusuchung  oder  anderen  Durchsuchung
Gegenstände  gefunden,  welche  auf  die  Begehung  einer  anderen  strafbaren  Handlung
  schließen  lassen,  so  können  sie  in  Beschlag  genommen  werden,  es  muß  jedoch
sofort  eine  besondere  Verhandlung  darüber  ausgenommen  und  der  Staatsanwaltschaft
  mitgethei  werden.  Schreitet  diese  in  Bezug  auf  jene  Gegenstände  nicht
ein,  so  sind  dieselben  unverzüglich  zurückzugeben.

&amp;amp;  10.

Die  Befugniß  der  Zoll=  und  Steuerbeamten  zur  Vornahme  von  Revisionen,
Haussuchungen  und  anderen  Durchsuchungen  regelt  sich  nach  den  Bestimmungen
der  Zoll=  und  Steuergesetze.

Das  Verbot,  in  eine  Wohnung  zur  Nachtzeit  einzudringen,  bezieht  sich
nicht  auf  diejenigen  Räume,  welche  die  Zoll=  und  Steuerbeamten  zur  Vollziehung
der  ihnen  obliegenden  Revisionen  zu  betreten  berechtigt  sind,  ohne  durch  die  Bestimmungen
  der  Zoll=  und  Steuergesetze  auf  die  Tageszeit  beschränkt  zu  sein.

S.  103.
.  Sateicheffung.  Amtliche  Urkunden  oder  andere  in  amtlicher  Verwahrung  befindliche  Ueber-Pndon
  edn  führungsstücke  müssen  von  den  Behörden  oder  Beamten,  denen  diese  Verwahrung
4  obliegt,  auf  schriftliches  Ersuchen  zu  den  Zwecken  der  Untersuchung  herausgegeben
werden.  Die  Mittheilung  einer  Urkunde  kann  verweigert  werden,  wenn  das  Bekanntwerden
  ihres  Inhaltes  dem  Staatswohle  Nachtheil  bereiten  würde.  Die
endgültige  Feststellung  dieses  Weigerungsgrundes  steht,  wenn  die  Vorlegung  der
Urkunde  durch  gerichtlichen  Beschluß  für  erforderlich  erachtet  wird,  nur  dem
Staatsministerium  zu.
S.  104.
inlenbabeit  Be.  Die  Beschlagnahme  von  Briefen  auf  der  Post  und  von  noch  unbestellten

schlagnabme  ro#n

gihheäde  en.  Telegrammen  auf  den  Telegraphen-Anstalten  steht  nur  dem  Richter,  oder  nach

men.

chand  Telegian  Bewandtniß  des  Falles  (F.  62.)  der  Staatsanwaltschaft  zn.  Sie  muß  stets

schriftlich  und  darf  nur  dann,  wenn  gegen  einen  Beschuldigten  der  dringende
Verdacht  eines  Verbrechens  oder  Vergehens  vorliegt,  und  bloß  in  Bezug  auf
solche  Briefe  und  Telegramme  erfolgen,  welche  an  den  Beschusdigten  gerichtet
oder  als  von  ihm  herrührend  mit  Wahrscheinlichkeit  zu  erkennen  sind.

Die  in  Beschlag  genommenen  Briefe  und  Telegramme  müssen  längstens
binnen  acht  Tagen  an  die  Post=  oder  Telegraphenbehörde  zur  Bestellung  zurückegeben
  oder  es  muß  binnen  dieser  Frist  dem  Absender  oder  dem  Adressaten
Nahhrit  von  der  Beschlagnahme  gegeben  werden.

S.  105.

3.  Wiederauf·  Eine  jede  Beschlagnahme  muß,  wenn  sich  ihre  Fortdauer  nach  Lage  der

hebung  der  B
schlagnahme.

"z.  Sache  nicht  mehr  rechtfertigen  läßt,  wieder  aufgehoben  werden.  In  der  Vorun-
        <pb n="1136" />
        959  —

untersuchung  hat  hierüber  der  Untersuchungsrichter,  falls  aber  die  Staatsanwaltschaft
  der  Wiederaufhebung  widerspricht,  die  Rathskammer  zu  entscheiden.

Die  Befugniß,  eine  Entscheidung  des  Richters  zu  verlangen,  steht  dem
Betheiligten  auch  im  Ermittelungsverfahren  zu.  Wird  ein  solcher  Antrag  gestellt,
  so  ist  die  Staatsanwaltschaft,  wenn  sie  nicht  selbst  die  Freigabe  verfügt,
LPhatten,  binnen  vierzehn  Tagen  entweder  die  Strafklage  zu  erheben,  oder  die
Verhandlungen  der  Rathskammer,  in  deren  Sprengel  die  Beschlagnahme  erfolgt
ist,  zur  Beschlußfassung  über  die  Fortdauer  der  Beschlagnahme  vorzulegen.

C.  106.

Was  in  diesei  Abschnitte  hinsichtlich  der  Ueberführungestucke  bestimmt  ist,  4.  Veschlaggilt
  auch  in  Ansehung  von  Gegenständen,  welche  nach  Vorschrift  der  Strafgesetze  veahme  von  Ge.
der  Konftiskation  unterliegen.  HPrarsenzen.

er  I.  105.  kommt  auch  auf  die  Beschlagnahme  von  Reisepässen  und  Le-tion  unterltegen,
girimationspapieren,  welche  zu  dem  Zwecke  erfolgt,  um  die  Entfernung  des  Ver-  wrs

dächtigen  zu  verhindern,  in  Anwendung.

F.  107.

Die  Beschlagnahme  des  Vermögens  in  Untersuchungen  wegen  Hochverrathes  5.Vermögensoder
  Landesverrathes  (Strafgesetztuch  F.  73.)  erfolgt  bei  Einleitung  der  Vor=  ,
untersuchung  mittelst  gerichtlichen  Beschlusses.  Auf  den  Grund  desselben  können  zen  wegen  Hochin
  Ansehung  der  einzelnen  Theile  des  in  Beschlag  genommenen  Vermögens  alle,
diejenigen  Maaßregeln  ergriffen  werden,  welche  zur  Vollstreckung  eines  von  dem  u#..  *

bürgerlichen  Richter  verhängten  Sicherheitsarrestes  zulässig  sind.

zweiter  Abschuitt.
Von  der  Untersuchungshaft  und  von  anderen  Beschränkungen  der
persönlichen  Freibeit.
S.  108.

.  DiellntersuchungshaftdarfnurinKtafteineSschriftlichen-dicBefchul-1«u»k«ksp.
digungunddenBeschUldigtcnbestinnntbezeichnendenrichterlicheichfehlsver-chcissgsboft:
bängt  werden.  —mn-nmpne

Dieser  Befehl  muß  bei  der  Verhaftung  oder  spätestens  im  Laufe  des  folgenden
  Tages  dem  Beschuldigten  zugestellt  werden.

S.  109.

Bedingung  einer  jeden  Untersuchungshaft  ist  die  Wahrscheinlichkeit,  daß  eine
strafbare  Handlung  begangen  worden  sei.  Unter  dieser  Voraussetzung  tritt  die
Verhaftung  des  Verdächtigen  ein,  wenn  nach  Lage  der  Sache  und  in  Betracht
seiner  personlichen  Verhältnisse  zu  besorgen  steht,  daß  er  die  Untersuchung

1)  durch  die  Flucht,  wohin  auch  die  Verheimlichung  seines  Aufenthaltes  zu
rechnen  ist,  oder
(Nr.  6704.)  2)  durch
        <pb n="1137" />
        —  960  —

2)  durch  Einwirkung  auf  Zeugen-  Verabredung  mit  Mitschuldigen  oder  durch
Vernichtung  der  Spuren  der  That,
vereiteln  oder  erschweren  werde.

Insbesondere  sind  Beschuldigte,  welche  nach  Lage  des  gegebenen  Falles  voraussichtlich
  eine  längere  als  einjährige  Gefingatzstrafe  zu  erwarten  haben,  oder
zu  einer  sechsmonatlichen  oder  längeren  Gefängnißstrafe  bereits,  wenn  auch  noch
nicht  rechtskräftig,  verurtheilt  sind,  stets  in  San-  zu  nehmen,  insofern  die  Gefahr
der  Flucht  (Nr.  1.)  nicht  durch  besondere  Umstände  ausgeschlossen  erscheint.

Besteht  die  Strafe,  welche  der  Beschuldigte  nach  Lage  des  gegebenen  Falles
voraussichtlich  zu  erwarten  hat,  oder  zu  welcher  er  bereits  verurtheilt  ist,  in
Zuchthaus  oder  in  einer  noch  schwereren  Strafe,  so  kann  unter  keinen  Umständen
von  seiner  Verhaftung  abgesehen  werden.

Wegen  Uebertretungen  und  wegen  solcher  Vergehen,  bei  deren  Bestrafung
  auch  außer  dem  Fall  der  mildernden  Umstände  von  Verhängung  einer
Freiheitsstrafe  abgesehen  werden  kann,  darf  die  Untersuchungshaft  niemals  blos
deshalb  verfügt  werden,  weil  die  Gefahr  einer  Verdunkelung  der  Sache  (Nr.  2.)
vorliegt.

(.  110.

Wenn  es  sich  um  eine  Schlägerei,  bei  welcher  ein  Mensch  getödtet  worden,
oder  eine  schwere  oder  erhebliche  Körperverletzung  erlitten  hat,  oder  um  einen
Aufruhr  oder  einen  als  Aufruhr  zu  bestrafenden  Vaflauß,  oder  um  andere  straf.
bare  öffentliche  Zusammenrottungen  handelt,  so  kann  gegen  alle  Personen,  welche
in  die  Schlägerei  verwickelt  gewesen  oder  in  der  Rotte  sich  befunden  haben  und
von  dem  Verdacht  einer  Krostarnen  Betheiligung  sich  nicht  sofort  reinigen  können,
die  Untersuchungshaft  bis  auf  Weiteres  verhängt  werden.

K.  111.

Wemn  die  Anklagekammer  gegen  einen  Angeschuldigten  das  Hauptverfahren
eröffnet  und  ihn,  wenn  auch  nur  wegen  eines  Vergehens,  vor  den  Schwurgerichtshof
  verweist,  so  muß  sie  die  Verhaftung  desselben  stets  dann  beschließen,
wenn  aus  seinem  Ausbleiben  in  der  Hauptverhandlung  ein  Nachtheil  für  einen
Mitangeklagten  entstehen  kann.

Sie  kann  icbech  wenn  sie  den  Haftbefehl  nur  aus  dieser  Rücksicht  beschließt,
bestimmen,  daß  die  Vollstreckung  desselben  erst  nach  Anberaumung  der  Hauptverhandlung
  erfolgen  solle.

K.  112.

—-.  Ein  Haftbefehl  muß  wieder  aufgehoben  werden,  sobald  die  Gründe  wegus
  bedt  fallen,  welche  die  Untersuchungshaft  rechtfertigen.
er  Haftbefehl  im  Ermittelungsverfahren  ergangen,  4K4  ist  die  Staatsanwaltschaft
  gehalten,  binnen  14  Tagen  nach  der  Vollstreckung  desselben  entweder
de  8  ufhebung  zu  beantragen,  oder  die  Strafklage  gegen  den  Verhafteten  zu
erheben.
KC.  113.
        <pb n="1138" />
        —  961  —

C.  113.

Die  Aufhebung  des  Haftbefehls  muß  insbesondere  stets  dann  erfolgen,
wenn  der  Angeschuldigte  nach  dem  Abschlusse  der  Voruntersuchung  außer  Verfolgung
  gesetzt  wird,  oder  wenn  in  dem  Hauptverfahren  ein  Aeelsprechendes
Urtheil  ergeht.

S.  114.

Die  Aufhebung  eines  Haftbefehls  hat  die  sofortige  Fllassung  des  Verhafteten
  zur  Folge,  insofern  nicht  ein  anderer  Grund  für  die  Verhaftung  besteht.
Rechtsmittel  der  Staatsanwaltschaft  gegen  die  im  vochergehenden  Paragraphen
  beseichneten  Entscheidungen  sind  in  dieser  Beziehung  ohne  influß.
s  kann  jedoch  in  allen  Fällen  die  Wiederverhaftung  des  Beschuldigten,
insbesondere  beim  Hervortreten  neuer  Verdachtsgründe,  beschlossen  werden.

E.  115.

Gegen  Sicherheitsbestellung  kann  der  Beschuldigte  seine  Befreiung  von
der  Unte  uchungshaft  nur  dann  verlangen,  wenn  eine  Befayr  der  Verdunkelung
der  Sache  (F.  109.  Nr.  2.)  nicht  obwaltet,  und  wenn  mit  Wahrscheinlichkeit
anzunehmen  ist,  daß  ihm  der  Verlust  der  Geldsumme,  mit  welcher  die  Sicherheit
zu  bestellen  ist,  empfindlicher  sein  würde,  als  die  Erduldung  der  Folgen,  welche
er  im  Falle  seiner  rechtskräftigen  Verurtheilung  zu  gewärtigen  hat.

Ausgeschlossen  ist  diese  Befreiung,  wenn  ein  Haul  der  im  vorletzten  Absatze
des  G.  109.  bezeichneten  Art  vorliegt.

S.  116.

Bei  Festsetzung  der  Größe  der  Sicherheitssumme  sind  die  Höhe  der  zu
erwartenden  Strafe,  der  wahrscheinliche  Betrag  der  Untersuchungskosten  und  die
Vermögensverhältnisse  des  Beschuldigten  in  Betracht  zu  ziehen.

ie  7  Summe  muß  der  Beschuldigte,  bevor  seine  Befreiung  von
der  Untersuchungshaft  eintritt,  in  baarem  Gelde  oder  in  inlandischen  Staatspapieren,
  welche  nach  dem  Tageskurse,  aber  nicht  über  den  Nennwerth  zu  berechnen
find,  bei  der  zur  Empfangnahme  bestimmten  öffentlichen  Kasse  erlegen  und  gleichzeitig,
  falls  er  nicht  selbst  eine  eigene  Wohnung  am  Sitze  des  Gerichts  hat,  einen
daselbst  wohnhaften  Bevollmächtigten  bezeichnen,  zu  dessen  Händen  fortan  alle
Zustellungen  an  ihn  zu  bewirken  sind.  Zu  dem  hierüber  aufzunehmenden  Protokolle
  sollen  dem  Beschuldigten  die  Voraussetzungen  bekannt  gemacht  werden,
unter  welchen  die  Sicherheitssumme  verfällt  (§.  119.  Nr.  1.  bis  3.),  ohne  daß
jedoch  die  Verabsäumung  dieser  Vorschrift  den  Eintritt  jener  Folge  ausschließt.

S.  117.

Wenn  der  Beschuldigte  Anstalten  zur  Flucht  trifft,  oder  wenn  andere  Umstände
  eintreten,  welche  seine  Verhaftung  erforderlich  machen,  so  ist  der  Haftbefehl,
  der  Sicherheitsbestellung  ungeachtet,  wieder  in  Vollzug  zu  setzen.

Jahrgeng  1867.  (Nr.  6704.)  127  S.  118.

Befteiun
de  ui

tham  dan
        <pb n="1139" />
        —  962  —

.  118.

Eine  noch  nicht  verfallene  Sicherheitssumme  wird  frei,  wenn  der  Haftbefehl
  im  Falle  des  vorhergehenden  Paragraphen  zur  Vollstreckung  gelangt,  oder
wenn  er  endgültig  aufgehoben  wird,  oder  wenn  die  Vollstreckung  der  erkannten
Freiheitsstrafe  begonnen  hat.

KC.  119.

Eine  noch  nicht  wieder  frei  gewordene  Sicherheitssumme  verfällt  der
Staatskasse,  wenn  der  Beschuldigte

1)  die  Flucht  ergreift,  oder

2)  auf  die  Vorladung  zur  Hauptverhandlung  erster  Instanz  ungehorsam
ausbleibt,  oder

3)  kun  andere  Aufforderung  zur  persönlichen  Gestellung  nicht  rechtzeitig
efolgt.

Der  Verfall  der  Sicherheitssumme  zieht  die  Wiedervollstreckung  des  Haftbefehls
  von  selbst  nach  sich.  Die  Zurücknahme  des  Beschlusses,  durch  welche
diese  Folgen  ausgesprochen  worden,  findet  blos  in  den  Fällen  der  Nr.  2.  und  3.,  und
nur  dann  statt,  wenn  der  Beschuldigte  durch  Naturbegebenheiten  oder  andere
unabwendbare  Zufälle,  welche  eine  vorgängige  Anzeige  oder  Bescheinigung  derselben
  nicht  zuließen,  am  Erscheinen  zur  rechten  Zeit  verhindert  war  und  dies
binnen  zehn  Tagen  nach  diesem  Zeitpunkte  oder  nach  der  Hebung  des  Hindernisses
  schriftlich  oder  zu  Protokoll  geltend  macht  und  nachweist,  und  sich  im
Falle  der  Nr.  3.  zugleich  persönlich  zur  weiteren  Verfügung  über  ihn  gestellt.

KC.  120.

Die  VWollstreckung  des  ergehenden  Urtheils  erfolgt  unabhängig  von  dem
Verfall  der  Sicherheitssumme.

K.  121.

4,  densihee4  Die  Aufhebung  des  Haftbefehls  außer  den  Fällen  des  F.  113.,  die  Befür

  die  auf  die  Un

eiickespafde  freiung  von  der  Haft  gegen  Sicherheitsbestellung,  die  Verfallerklärung  der  Sichertagchen

  ECntschei
ungen.

heitssumme  und  die  Zurucknahme  dieses  Ausspruchs  darf  nicht  eher  eintreten,  als
nachdem  die  Staatsanwaltschaft  mit  ihrem  mündlichen  oder  schriftlichen  Antrage
gehört  worden  ist.

Die  Entscheidung  hierüber,  sowie  über  den  Erlaß  des  Haftbefehls  gebührt
dem  Gerichte,  bei  welchem  die  Sache  anhängig  ist.  Schweben  die  Verhandlungen
bei  dem  obersten  Gerichtshofe,  so  verweist  derselbe  die  Erledigung  an  das  Gericht
  der  betreffenden  Instanz.

In  der  Voruntersuchung  steht  dem  Tntersuchungsrichter  in  dem  Ermit—-telungsverfahren
  dem  Polizeirichter  die  Entscheidung  über  den  Erlaß  des  Haftbesehlt,
  über  dessen  Wiederaufhebung  und  über  die  Befreiung  von  der  Haft
gegen  Sicherheitsbestellung  insofern  zu)  als  die  Entscheidung  nicht  in  vig

pruch
        <pb n="1140" />
        —  963  —

spruch  mit  den  Anträgen  der  Staatsanwaltschaft  tritt.  Andernfalls  hat  der
Richter  ohne  Verzug  den  Beschluß  der  Rathskammer  einzuholen.  Das  letztere
liegt  ihm),  unheschadet  der  einstweiligen  Vollstreckung  seiner  Entscheidung,  auch
dann  ob,  wenn  gegen  dieselbe  von  Seiten  des  Beschuldigien  Einspruch  erhoben
  wird-  bes  P  7

on  Seiten  des  Polizeirichters  erfolgt  die  Einholung  des  Beschlusses  der
Rathskammer  schriftlich.  «

G.  122.

Wenn  ein  Gericht  sich  in  örtlicher  oder  sachlicher  Bejichung  für  unzuständig
  erklärt,  so  hat  es  dessenungeachtet  erforderlichen  Falls  die  im  F.  121.  bezeichneten
  Entscheidungen  zu  kesfen  "  kann  auch  bestimmen,  daß  die  Wiederaufhebung
  der  Umsgsuchunee  aft  eintrete,  falls  über  deren  Fortdauer  die
Entscheidung  des  zuständigen  Richters  bis  zu  einem  gewissen  Zeitpunkte  nicht  ergangen
  sei.

5.  123.

Die  Ergreifung  und  Festnahme  einer  Person  kann  ohne  richterlichen  Be.  2  Vorläufige
fehl  vorläufig  erfolgen:  Festnahme.

1)  wenn  die  Person  bei  Ausführung  einer  strafbaren  Handlung  oder  gleich
nach  derselben  betroffen  oder  werfolgt  wird)

2)  wenn  sich,  selbst  später,  Umstände  ergeben,  welche  die  Person  als  Thäter
oder  Theilnehmer  einer  strafbaren  Handlung  und  zugleich  der  Flucht
(.  109.  Nr.  I.)  dringend  verdächtig  machen.

KG.  124.

Die  Befugniß,  zur  vorläufigen  Ergreifung  und  Festnahme  einer  Person
zu  schreiten,  Kt  der  Staatsanwaltschaft  und  den  Polizeibeamten,  sowie  allen
anderen  zur  Nachforschung  nach  strafbaren  Hondlungen  verpflichteten  Beamten,
und  im  Falle  des  P.  123.  Nr.  1.  auch  den  Wachtmannschaften  zu.

Wenn  im  Falle  des  §.  123.  Nr.  1.  der  Thäter  flieht  oder  der  Flucht
dringend  verdächtig  ist,  oder  Grund  zu  der  Besorgniß  vorliegt,  daß  die  Identität
der  Person  sonst  nicht  festzustellen  sein  werde,  so  ist  jede  Privatperson  ermächtigt,
den  Thäter  zu  ergreifen.  Der  Ergriffene  muß  sofort  einem  der  oben  bezeichneten
Beamten  Behufs  Bestimmung  über  die  vorläufige  Festnahme,  oder  einer  Wachtmannschaft
  zugeführt  werden.

C.  125.

Eine  jede  vorläufige  Festnahme  muß  dem  zuständigen  Beamten  der  Staatsanwaltschaft
  angezeigt  werden,  und  zwar,  wenn  sie  von  dem  letzteren  selbst  verfügt
  worden,  unverzüglich.  Andernfalls  muß  diese  Anzeige),  tusofenn  der  Festhenommene

  nicht  sofort  wieder  in  Freiheit  gesetzt  wird,  binnen  24  Stunden  nach
lem  Beginne  der  gefänglichen  Verwahrung  erfolgen,  und  zugleich  das  Protokoll
über  die  polizeiliche  Vernehmung  des  Jestgenommen

en,
(Nr.  6704.)  27°

und  falls  die  sonstigen
Vr.
        <pb n="1141" />
        3.  Vorfuͤ
rungsbefehl.

—  964  —

Berhemdlungen  noch  nicht  geschlossen  sind,  wenigstens  eine  Mittheilung  über  den
Stand  der  Sache  beigefügt  werden.

C.  126.

Die  Staatsanwaltschaft  hat  binnen  24  Stunden  nach  dem  Empfange
der  Anzeige  entweder  die  Freilassung  zu  verfügen,  oder  bei  dem  zuständigen
Richter  (I.  121.)  den  Antrag  zu  stellen,  daß  uber  den  Erlaß  des  Haftbefehls
Entscheidung  getroffen  werde.

Diese  Entscheidung  muß,  wenn  die  vorgängige  Vernehmung  des  Festgenommenen
  für  erforderlich  erachtet  wird,  und  beestt  sich  nicht  am  Wohnsitze  des
Richters  befindet,  binnen  24  Stunden  nach  der  sofort  u  veranlassenden  Ablieferung
desselben  in  das  Untersuchungsgefängniß,  andernfalls  aber  binnen  24  Stunden
nach  dem  Eingange  des  Antrags  der  Staatsanwaltschaft  ergehen.

KC.  127.

Die  Befugniß  der  Polizeibehörden  und  Wachtmannschaften,  Personen  in
polizeiliche  Verwahrung  zu  nehmen,  wenn  der  eigene  Schutz  dieser  Personen
oder  die  Aufrechthaltung  der  öffentlichen  Sittlichkeit,  Scherdet  und  Ruhe  dies
Maaßregel  dringend  erfordern,  wird  durch  die  vorstehenden  Bestimmungen  nicht
berührt.  Die  polizeilich  in  Verwahrung  genommenen  Personen  müssen  jedoch
spätestens  im  Laufe  des  folgenden  Tages  in  Freiheit  gesetzt  oder  es  muß  in
dieser  Zeit  das  Erforderliche  veranlaßt  werden,  um  sie  ger  zuständigen  Behörde
zu  überweisen.

K.  128.

Ein  Vorführungsbefehl  wird  von  dem  Richter  erlassen,  um  Personen  zu
ihrer  Vernehmung  zwangsweise  zu  gestellen;  er  muß  stets  schriftlich  erfolgen,  und
wenn  die  Vorführung  zu  einer  bestimmten  Zeit  geschehen  soll,  dieselbe  nach  Tag
und  Stunde  bezeichnen.  Gegen  einen  Beschuldigten  kann  dieser  Befehl  insbesondere
  dann  erlassen  werden,  wenn  die  Voraussetzungen  eines  Haftbefehls  (59.  109.
110.)  vorliegen,  oder  wenn  der  Beschuldigte  auf  eine  an  ihn  ergangene  Aufforderung
  zum  persönlichen  Erscheinen  ungehorsam  ausgeblicben  ist.

er  Vorzuführende  muß  unmittelbar  vor  den  Richter  gebracht  und  vernommen
  werden.  Eine  vorgängige  gefängliche  Verwahrung  desselben  ist  nur
dann  zulässig,  wenn  die  Ergreifung  zur  Nachtzeit  oder  sonst  unter  Umständen
ausgeführt  werden  mußte,  welche  die  Möglichkeit  der  unmittelbaren  Zuführung
zifülchen  In  keinem  Falle  darf  diese  Verwahrung  länger  als  24  Stunden
auern.

FS.  129.
Nach  beendigtem  Verhöre  muß  der  Vorgeführte  sofort  auf  freien  Fuß  gesetzt
  werden.  Liegt  jedoch  gegen  den  vorgeführten  Beschuldigten  der  Antrag  auf

Erlaß  des  Haftbefehls  vor,  und  steht  die  Entscheidung  hierüber  dem  verhandelnden
  Richter  nicht  zu,  so  ist  der  Beschuldigte  einstweilen,  nöthigenfalls  im  k
U-
        <pb n="1142" />
        —  966  —

suchungsgefängnisse,  zu  verwahren,  bis  der  sofort  einzuholende  und  demnächst
binnen  24  Stunden  zu  erlassende  Beschluß  des  zuständigen  Richters  ergangen  ist.

S.  130.

Zur  Vollstreckung  eines  Haft=  oder  Vorführungsbefehls  muß  dem  damit
-auftragten  Beamten  von  allen  Polizeibehörden  und  nöthigenfalls  von  den
Militairbehörden  der  geeignete  Beistand  auf  die  bloße  Vörzeigung  des  Befehls
geleistet  werden.

C.  131.

In  eine  Wohnung  ist  das  Eindringen  selbst  zur  Nachtzeit  statthaft,  wenn
es  die  vorläufige  Ergreifung  und  Festnahme  einer  Person,  welche  bei  Ausführung
einer  strafbaren  Handlung  oder  gleich  nach  derselben  verfolgt  worden,  oder  die
Wiederergreifung  eines  entsprungenen  Gefangenen  zum  Zweck  hat.

Außerdem  darf  in  eine  Wohnung,  welche  der  Verfolgte  nicht  selbst  inne
bat  oder  mitbewohnt,  zum  Zweck  der  Vollstreckung  eines  Haft=  oder  Vorführungsefehls

  oder  einer  vorläufigen  Festnahme  nur  dann  eingedrun  en  werden,  wenn

mit  Wahrscheinlichkeit  anzunehmen  ist,  daß  der  Verfolgte  sich  in  derselben  verborgen
  halte,  und  es  dar  das  Eindringen,  selbst  in  die  Wohnung  des  Verfolgten,
niemals  zur  Nachtzeit  (F.  96.)  erfolgen,  es  sei  denn,  daß  dringende  Gründe  dafür
sprechen,  daß  bei  längerer  Verzögerung  der  Verfolgte  sich  der  Festnahme  ganz
entziehen  werde.

Auf  die  Räume,  in  welchen  nach  §.  94.  Laussuchune  jederzeit  abge.
halten  werden  können,  finden  die  Einschränkungen  des  vorstehenden  Absatzes  keine
Anwendung.

.  132.
Zum  Erlaß  von  Steckbriefen  ist  der  Untersuchungsrichter  und  der  Polizeirichter,

  sowie  die  Staatsanwaltschaft,  die  letztere  jedoch  nur  auf  Grund  eines
richterlichen  Haftbefehls,  befugt.
S.  133.

Gegen  einen  entwichenen  Gefangenen  hat  diejenige  Behörde,  unter  deren
nächster  Aufsicht  das  Gefängniß  steht,  den  Steckbrief  und  die  sonst  zur  Wiederergreifung
  geeigneten  Verfügungen  zu  erlassen.  Geschieht  die  Entweichung  auf
dem  Transporte,  so  hat  eine  jede  Polizeibehörde,  welche  hiervon  die  erste  Nachricht
  erhält,  die  nämliche  Verpflichtung.

*-In

  jedem  Steckbriefe  muß  die  Veranlassung  der  Verfolgung  und  die  verfolgte
  Person  bezeichnet,  eine  Beschreibung  der  letzteren  nach  ihren  Hauptkenn-5
  *  begisfũgt  und  das  Gefängniß  angegeben  werden,  in  welches  die  Ablieferung
erfolgen  soll.

(Nr.  6704.)  5.  135.

4.  Vollstreckungs-
        <pb n="1143" />
        5.  Behandlung
der  Untersuchungbgefange-



Schluß

6.
stimmung

—  966  —

K.  135.

Ist  Jemand  außerhalb  des  Bezirks  des  zuständigen  Gerichts  ergriffen
worden,  so  kann  er  verlangen,  zunächst  der  Staatsanwaltschaft  des  Bezirks,  in
welchem  er  angehalten  worden,  überwiesen  zu  werden  (GF.  125.).  Diese  kann  den
Ergriffenen,  auch  wenn  die  Ergreifung  durch  einen  richterlichen  Befehl  veranlaßt
war,  auf  freien  Fuß  sete  falls  nachgewiesen  wird,  daß  die  Ergreifung  auf
einem  Mißverständnisse  erhter  Andernfalls  hat  sie  dessen  Ablieferung  an  die
zuständige  Behörde  zu  veranlassen.

C.  136.

Ein  jeder  Untersuchungsgefangene  muß,  gleichviel  ob  eine  vorläufige  Festnahme
  stattgefunden  hat  oder  nicht,  binnen  24  Stunden  nach  seiner  Einbringung
in  das  Untersuchungsgefängniß  durch  einen  Richter,  unter  Mittheilung  des  Gegenstandes
  der  Anschuldigung,  vernommen  werden,  insofern  diese  Vernehmung
nicht  bereits  dem  Erlasse  des  Haftbefehls  vorausgegangen  ist  (§6.  126.  128.  129.).

S.  137.

Bei  Vollziehung  der  Untersuchungshaft  dürfen  dem  Verhafteten  nur  diejenigen
  Beschränkungen  auferlegt  werden,  welche  zur  Sicherung  seiner  Person,
zur  Erreichung  des  Untersuchungszweckes  und  zur  Aufrechthaltung  der  Gefängnißordnung
  erforderlich  sind.

vversuchum  sgefangene,  in  Ansehung  deren  die  Besorgniß  einer  Verdungein
  der  Sache  K  109.  Nr.  2.)  obwaltet,  sind,  soweit  es  geschehen  kann,  in
Einzelhaft  zu  halten.

Die  Gelegenheit,  Rechtsmittel  und  Beschwerden  in  der  anhängigen  Untersuchungssache
  bei  den  zuständigen  Behörden  anzubringen,  muß  einem  jeden  Untersuchungsgefangenen
  gewährt  werden.

C.  138.

Fesseln  dürfen  dem  Verhafteten  außer  den  Fällen  eines  Transportes  nur
dann  angelegt  werden,  wenn  er  einen  Entweichungs=  oder  Selbstentleibungsversuch
  gemacht,  oder  durch  sein  Verhalten  die  hierauf  gerichtete  Absicht  zu  erkennen
  gegeben  hat,  oder  wenn  wegen  besonderer  Gefährlichkeit  seiner  Persan  die
Sicherheit  anderer  Personen,  namentlich  der  Gefängnißbeamten,  diese  Maaßregel
erfordert.

Bei  Verhören  soll  der  Gefangene,  wenn  es  irgend  geschehen  kann,  ungefesselt
  sein.

C.  139.

Die  Vorschriften,  durch  welche  das  Hauptverfahren  gegen  verhaftete  Agzeklagte
  abweichend  geregelt  ist,  finden  auch  in  Ansehung  solcher  Angeklagten  Anwendung,
  welche  sich  in  einer  anderen  Sache  in  Untersuchungshaft)  oder  welche
sich  in  Straf=  oder  Schuldhaft  befinden.  OD
rit-
        <pb n="1144" />
        —  907  —

Dritter  Abschnitt.

Von  den  Verhören  im  Allgemeinen  und  von  Aufnahme
der  Protokolle.

K.  140.

Eine  jede  Person,  welche  gerichtlich  verhört  wird,  ist  zunächst  über  ihre  1.  Verfahr  ns
Vor=  und  Zunamen,  ihren  Wehren.  oder  Aufenthaltsort,  Stand,  Gewerbe  odere
Beschäftigung,  über  ihr  Alter  und  ihre  Religion  zu  befragen.
Zeugen  und  Sachverständige  sind  zugleich  darüber  zu  vernehmen,  ob  und
wie  nahe  der  Beschuldigte  mit  ihnen  verwandt  oder  verschwägert,  und  ob  ihnen
in  Bezug  auf  ihre  Aussage  etwas  gegeben,  versprochen  oder  angeboten,  oder  der
Versuch  gemacht  worden  sei,  sie  über  das,  was  sie  aussagen  nollen,  zu  unterrichten.
  Geeigneten  Falls  werden  ihnen  auch  über  ihre  Beziehungen  zu  dem
durch  die  strafbare  Handlung  Verletzten,  über  ihr  Interesse  zur  Sach-  und  über
ander  persönliche,  auf  ihre  Glaubwürdigkeit  einwirkende  Umstände  Fragen  vorgelegt.


K.  141.

Demnächst  ist  der  Aussagende  aufzufordern,  sich  mündlich  über  den  Gegenstand
  seiner  Vernehmung  zu  äußern,  insbesondere,  wenn  es  sich  um  Thatsachen
handelt,  deren  Verlauf  im  Zusammenhange  zu  erzählen.  Sind  Dunkelheiten  oder
Widersprüche  in  seiner  Darstellung,  so  E  er  zur  Hebung  derselben  zu  veranlassen.
Aus  der  Aussage  muß  sich  überall  der  Grund  ergeben,  auf  welchem  das  Wissen
des  Aussagenden  beruht.

Fragen,  durch  welche  dem  Befragten  Thatsachen  vorgehalten  werden,  die
durch  seine  Aussage  erst  festgestellt  werden  sollen,  sind  möglichst  zu  vermeiden.

Sollen  dem  Aussahenden.  zum  Behufe  der  Anerkennung  Personen  vorgestelt
  oder  Sachen  vorgelegt  werden,  so  ist  er  zuvor  zur  Angabe  und  Beschreiung
  aller  unterscheidenden  Kennzeichen  derselben  zu  veranlassen.

K.  142.

Ein  jeder  Zeuge  und  Beschuldigte  wird  einzeln,  in  der  Voruntersuchung
ohne  Beisein  der  sonst  zu  verhörenden  Personen  vernommen.

Eine  Gegenüberstellung  zwischen  mehreren  Personen  findet  statt,  so  oft  dies
zum  Zwecke  der  Anerkennung  nothwendig  oder  zur  Hebung  von  Widersprüchen
sachdienlich  erscheint.

.  143.

In  der  Voruntersuchung  werden  Personen,  welche  wegen  Krankheit,  Gebrechlichkeit
  oder  Mersschach  vor  Gericht  nicht  erscheinen  können,  in  ihren
Wohnungen  vernommen.  Auch  in  anderen  Fällen  kann  der  Richter  aus  besonderen
  Gründen  das  Verhör  außerhalb  der  Gerichtsstelle  abhalten.

(Nr.  6704.)  S.  144.
        <pb n="1145" />
        —  968  —

KC.  144.

.Ochun  ·  Ist  die  ze  wernehmemde  Person  taub  oder  stumm  oder  beides  zugleich,  und

1otn  et·  eine  scheiftliche  erständigung  mit  ihr  nicht  ausführbar,  so  muß  bei  dem  Verhöre

shern.  derselben  und  bei  allen  anderen  unter  ihrer  Mitwirkung  stattfindenden  Verhandlungen
  ein  geeigneter  Dolmetscher  zugezogen  werden.

Eben  dasabe  ilt  in  Ansehung  von  Personen,  welche  der  Deutschen  Sprache
nicht  mächtig  sind.  I  der  Voruntersuchung  ist  jedoch  die  Zuziehung  des  Dolmetschers
  nicht  erforderlich,  wenn  beide  Gerichtspersonen  der  fremden  Sprache
mächtig  sind.  In  polizeigerichtlichen  Strafsachen  kann  sie,  selbst  in  der  Hauptverhandlung,
  schon  dann  unterbleiben,  wenn  der  Polizeirichter  oder  der  Gerichtsschreiber
  diese  Kunde  besitzt.

S.  145.
Der  Dolmetscher  G.  144.)  hat,  wenn  er  nicht  ein  für  allemal  vereidet
ist,  einen  Eid  dahin  zu  leisten:
daß  er  die  Uebersetzung  unparteiisch  und  gewissenhaft  abgeben  werde.
Er  darf  nicht  aus  der  Zahl  der  Zeugen  und  der  bei  Gericht  mitwirkenden
Personen  ernannt  werden.  Es  kann  zu  dieser  Verrichtung  auch  ein  binee

der  zu  vernehmenden  Person  genommen  werden,  wenn  ein  anderer  hierzu  Befähigter
  nicht  herbeizuschaffen  ist.

.  146.
3.  Aufnahme  Die  Aussage  muß  in  der  ersten  Person  und,  soweit  es  geschehen  kann,
der  Verhörs=  mit  den  eigenen  Worten  des  Vernommenen  zu  Protokoll  genommen  werden.

Protokolle.
·  §.147·

In  der  Voruntersuchung  wird  das  Protokoll  den  vernommenen  oder  sonst
mitwirkenden  Personen,  soweit  es  sie  betrifft,  vorgelesen  oder  geeigneten  Falls
zum  eigenen  Durchlesen  vorgelegt.

Werden  hierbei  die  Aussagen  geändert  oder  vervollständigt,  oder  gegen
deren  richtige  Aufnahme  Erinnerungen  erhoben,  so  ist  das  Nöthige  nachzutragen.

Nach  erfolgter  Genehmigung  wird  das  Protokoll  von  den  vernommenen,
sowie  von  den  anderen  mitwirkenden  Personen  unterzeichnet,  oder  es  muß  von
den  Gründen,  weshalb  die  Unterzeichnung  nicht  erfolgt  ist,  Erwähnung  geschehen.

g.  148.

Die  Aussage  von  Personen,  welche  der  Deutschen  Sprache  nicht  mächtig
find,  muß  in  der  Vormmtersuchun  auch  in  der  fremden  Sprache,  in  das  Protokoll
  oder  eine  Anlage,  niedergeschrieben  werden,  wenn  dies  der  Vernommene
verlangt,  oder  wenn  der  Richter  es  bei  der  Wichtigkeit  der  Sache  oder  sonst  aus
besonderen  Gründen  für  erforderlich  erachtet.

Es
        <pb n="1146" />
        —  959  —

Es  kann  auch  das  Protokoll  nur  in  der  fremden  Sprache  ifühtt  und
nachträglich  in  das  Deutsche  übertragen  werden,  wenn  Richter  und  Gerichtsschreiber
  jener  Sprache  mächtig.  sind.

K.  149.  »

Ein  sehts  Protokoll  muß  die  Bezeichnung  des  Ortes  ENiô  und  Jahres  4.  u#ugerssne
der  Vethaudlung  enthalten,  und  die  amtliche  Sßenshaft  ber  erichtspersonen,  arsrin
welche  zu  bessen,  Aufnahtte  mitgetvirkt  häben,  ersehen  lassen.  nahme  der  Prr-In

  den  Protokollen  darf  nichts  ausradirt  oder  bis  zur  Unleserlichkeit  duch.  olele
strichen  werden.  Wird  etwas  Wepntiches  durchstrichen,  zwischen  die  Seilen  oder
zur  Seite  geschrieben,  so  müssen  die  Gerichtspersonen  die  Aenderung  oder  den
Zusatz  besonders  beglaubigen.

K.  150.

In  der  Voruntersuchung  wird  das  Protokoll  von  dem  Richter  dem  Gerichtsschreiber
  diktirt  und  am  Schlusse  von  beiden  Gerichtspersonen  vollzogen.
Deer  Gerichtsschreiber  ist  verpflichtet,  Vedenken  gegen  die  Richtigkeit  oder
Vollständigkeit  der  Fassung  dem  Nichter.  segleich  mitzutheilen  und)  soweit  sie  nicht
gehoben  werden,  unter  dem  Protokolle  zu  bemerken.

vierter  Abschnitr.

Vom  Verhöre  des-Veschuldt  gten  und  von  der  Ermittelung.
seiwer  persönlichen  Verhältuisse.
5611314
Das  Verhör  bes  Veschuldigten  muß  in  der  Weise  erfolgen,  däß  ihm  vollständige
  Gelegenheit  zur  Beseitigung  der  gegen  ihn  sprechenden  Verdachtsgründe
und  zu  seiner  sonstigen  Rechtfertigung  gegeben  wird.

6  152.

Lwatie  stitlttel-jeber  Art.  oder  Versprechtangen,  dürch  welche  der  Beschuldigter
zu  itgend  Dict  Erktärmig  vermocht  werden  soll,  siab  imzulaͤssig.

g.  168.

Entstehen  bei  dem  Richter  Zweifel,  ob  der  Beschuldigte  sich  in  zurchnungefähigem
  Zustande  besinde  oder  zur  Zeit  der  That  befunden  habe,  so  ist  die
Beobachtung  und  Untersuchung  desselben  durch  den  Geri  lerrst  oder  durch  einen
anberen#k  approbliten  Arzt)  ober  in  besonders  zwessehefte  Fällen  durch  mehrere
Aerzte  zu  vetänlb  ei  undg.  deten  Gutachteit  nach  Metaßgabe  der  Vorschrifken  int.
sechsten  Abschnitte  einzuholeit:.

Jstizing  1867.  (Nr.  6704.)  128  F.  154.
        <pb n="1147" />
        —  970  —

KC.  154.

In  einer  jeden  Untersuchungssache  muß,  und  zwar,  wenn  möglich,  schon
vor  Eroͤffnung  des  Hauptverfahrens,  mittelst  Bestns  des  Beschuldigten,  jowie
Ermittelung  und  Heechasun  der  betreffenden  Akten  festgestellt  werden,  ob  der
Beschuldigte  sich  im  Rückfalle  befinde.  In  allen  nicht  blos  polizeigerichtlichen
Strafsachen  muß  sich  diese  Ausmittelung  auch  auf  alle  anderen  von  dem  Beschuldigten
  erlittenen  Vorstrafen,  auf  den  etwaigen  Besz  von  Orden  und  Ehren-Fichen,
  den  Bezug  von  Gehältern  und  Pensionen,  und  wenn  sich  der  Beschuligte

  im  militairpflichtigen  Alter  befindet,  auf  seine  Militairverhältnisse  erstrecken.

Fünfter  Abschnitt.
Vom  Verhöre  der  Zeugen.

K.  155.
1.  Zeugmpflicht.  Beim  Vorhandensein  der  Wahrscheinlichkeit,  daß  eine  strafbare  Handlun
begangen  worden  sei,  kann  an  Jedermann  im  Staate  ohne  Unterschied  die

forderung  gerichtet  werden,  ein  gerichtliches  Zeugniß  Behufs  Ermittelung  der
Wahrheit  abzulegen.

Die  Verbindlichkeit,  sich  als  Zeuge  vernehmen  zu  lassen,  erstreckt  sich  nicht
auf  die  Personen,  mit  welchen  der  Beschulddgte  in  auf-  oder  absteigender  Linie
verwandt  ist,  noch  auf  seine  Stief-,  Schwieger.,  3  e-  und  Adoptiv-Eltern,  Stief-,
Schwieger-,  Pflege-  und  Adoptiv-Kinder,  seine  hwiseer  und  deren  Ehegatten,
seinen  Ohegatten  und  dessen  Geschwister,  gleichviel  ob  diese  Ehen  noch  bestehen
oder  getrennt  sind.

Sie  begreift  nicht  die  Offenbarung  solcher  Umstände,  welche  den  Zeugen
selbst  als  foskr  erscheinen  lassen,  oder  welche  einem  Geistlichen  unter  dem
Siegel  der  Deiche  oder  sonst  in  seiner  Eigenschaft  als  Seelsorger,  oder  einem
Vertheidiger  in  Beziehung  auf  diesen  seinen  Beruf  anvertraut  worden  sind.

g.  156.

Die  Pücht  öffentlicher  Beamten  zur  Dienstverschwiegenheit  bildet  kein
Hinderniß  isrer  ernehmlassung  als  Zeugen.  Der  Beamte  kann  aber  von  der
vorgesegten  ehörde  zur  Verweigerung  des  Zeugnisses  ermächtigt  werden,  wenn
die  Ab  ung  desselben  dem  Staatswohle  Nachtheil  bereiten  würde.  Die  endhälige
  rtheilung  dieser  Ermächtigung  steht,  wenn  die  Vernehmung  des  Beamten
urch  gerichtlichen  Beschluß  für  erforderlich  erachtet  wird,  nur  dem  Staatsministerium
  zu.
.  157.

2.  Versahren  Wenn  ein  gehörig  vorgeladener  Zeuge  ingchorsam  ausbleibt,  so  kann  ihn

gn  Jshet  der  Richter,  vor  welchem  die  Vernehmung  erfolgen  soll,  mittelst  Vorführungsbefehls
  entweder  sofort,  oder  zu  einem  neuen  Termine  gestellen  lassen.

ußer-
        <pb n="1148" />
        —  971  —

Außerdem  verfällt  der  Zeuge  in  eine  Geldbuße  bis  zu  funfzig  Thalern
und  ist  zur  Tragung  aller  Kosten  verpflichtet,  welche  durch  sein  Ausbleiben  veranlaßt
  werden.

Die  Zurücknahme  der  Verfügung)  durch  welche  diese  Folgen  festgesetzt
werden,  ist  von  dem  Richter  nur  dann  8  bewilligen,  wenn  der  Zeuge  binnen
zehn  Tagen  von  deren  Zustellung  ab  sein  Ausbleiben  genügend  entschuldigt.

K.  138.

Verweigert  ein  erschienener  Zeuge  ohne  gesetzlichen  Grund  die  Ablegung
des  Zeugnisses  oder  die  Ableistung  des  Eides,  so  können  egen.  ihn,  außer  der
Auferlegung  aller  aus  der  Weigerung  entstehenden  Kosten,  die  folgenden  Bestimmungen
  zur  Anwendung  gebracht  werden:

1)  in  polizeigerichtlichen  Strafsachen  wird  gegen  den  Zeugen  eine  Geldbuße
bis  zu  funfzig  Thalern  festgesetzt,  und  zu  seiner  Vernehmung  eine  neue
Situng  oder  ein  neuer  Termin  bestimmt.  Verharrt  hier  der  Zeuge  bei
seiner  Weigerung,  so  tritt  das  unter  Nr.  2.  bezeichnete  Verfahren  ein;

2)  in  anderen  Strafsachen  verordnet  das  Gericht,  daß  der  Zeuge  in  das
Untersuchungsgefängniß  abzuführen  und  daselbst  bis  zur  erfolgten  Erfüllung
  seiner  Zeugenpflicht  zu  verwahren  sei)  das  Gericht  ist  jedoch  befügt
  eeigneten  Falls  das  unter  Nr.  1.  gedachte  Verfahren  vorausgehen
zu  lassen.

Die  Wiederaufhebung  der  Zwangshaft  ist  jederzeit  zulässig.  Sie  muß  erfolgen,
  wenn  die  Ha  sechs  Monate  gedauert  hat.  Handelt  es  sich  jedoch  um
ein  Verbrechen,  so  kann  sie  bis  zu  Einem  Jahre,  und  wenn  die  gesetzliche  Strafe
des  Verbrechens  zehn  Jahre  Zuchthaus  übersteigt,  bis  zu  zwei  Jahren  fortdauern.


Die  Zwan  ast  hört  auf,  sobald  der  Zeuge  seiner  Verbindlichkeit  nachgekommen
  ist.  Erklärt  er  sich  hierzu  im  Laufe  des  Hauptverfahrens  außerhalb
einer  Hauptverhandlung  alin  bereit,  so  erfolgt  seine  Vernehmung  in  den  Formen
des  Voruntersuchungsverfahrens,  ohne  daß  es  der  Zuziehung  der  Staatsanwaltschaft
  oder  des  Angeklagten  bedarf.

C.  159.

Die  Befugniß  zu  den  im  vorhergehenden  Paggaphe  bezeichneten  Anordnungen
  regelt  sich  nach  den  Bestimmungen  des  F.  121.  Die  Zuständigkeit  in
örtlicher  Beziehung  bestimmt  sich  im  Ermittelungsverfahren  nach  dem  Orte,  wo
das  Verhör  erfolgen  soll.

S.  160.

Die  eidliche  Bestärkung  des  Zeugises  darf  bei  keiner  Zugenvernehmung  3.  Nothwendig  ·
unterbleiben,  insofern  nicht  ein  diese  Unterlassung  rechtfertigender  Grund  fest-  la  grdüe
lit  i  .  e

r  die  bevorstehende  Eidesleistung  ist  der  Zeuge  schon  vor  dem  Beginne  u
Et.  6704.)  128“  des
        <pb n="1149" />
        –  972  —

des  Verhörs  hinzuweisen,  an  die  Heilighaltung  dieser  Handlung  und  die  Strafen
des  salschen.  Zeugnisses  zu  erinnern,  und  darauf  gufmerksam  zu  machen,  i.

der  Eid  sich  auch  auf  die  Beantwortung  der  allgemeinen  Fragen  G.  140.
beziehe.  «  "««
ISJBL
4.  Aubnahmen  Es  dürfen  als  Zeugen  nicht  vereidet  werden:

von  derselb
aliben  1)  die  in  Folge  sunerichnicher  Verurtheilung  zur  Ableistung  des  Zeugeneides
  unfähigen  Personen;
2)  Personen,  welche  am  Zeit  ihrer  Vernehmung  das  vierzehnte  Lebensjahr
noch  nicht  zurückgelegt  hoben;  6  -
3)  Personen,  welche  hinsichtlich  der  in  —  befangenen  That  als
Thäter,  Theilnehmer,  Begünstiger  oder.  Hehler  verdeschtig  oder  bereits
verurtheilt  find;
4)  deim  zweiten  Absatze  des  F.  155.  genannten  Angehörigen  des  Beschuligten.
  ·  «  '
Die  unter  Nr.  4.  genamten  Personen  können  jedoch  nach  richterlichem
Ermessen  mit  dem  Zeugeneide  belegt  werden,  wenn  es  au  umeine  That  handelt,
welche  gegen  sie  selbst  oder  gegen  einen  anberen  Angehörigen  der  Familie  begangen
  sein  Kl.  "  K  ·  «

Die  Vereidung  eines  Zeugen  kann  unterbleiben,  wenn,  sich  derselbe  wegen
Verstandesschwäche,  wegen  seiner  mangelnden  Einsicht  in  das  Wesen  des  Eides,
wegen  seines  dringenden  Auteresses  mzur  Sache  oder  gus  guderen  Gründen  als

besonders  unzuverlässig  darstellt.

2  163.
P.  esch  Der  Eid  wird  nach  erfolgter  Vermehmung  von  dem  Zeugen  dahin  geleistet:
er  ekrlichen  Be-  OQ  "
Hläckung.  daß  er  von  Allem,  worüber  er  vernommen  worden,  nach  seinem  besten
Wissen  die  reine  W

ahrheit  gesagt  und  wissentlich  weder  etwas  verschwiegen)
  noch  hinzugesetzt  habe.

In  den  Fällen,  wo  der  Zeuge  von  der  Befugniß  Gebrauch  macht,  gewisse
Umstände  zu  verschweigen,  wird  in  die  Eidesformel  vor  dem  Worte  „wissentlich““
die  Einschränkung:

außer  den  Umständen,  zu  deren  Offenbarung  Zeuge  sich  nicht  für  schuldig.
halte,
aufgenommen.
F.  164.

Die  Eidesleistung  erfolgt  mündlich,  indem  der  Richter  die  Worte  des.
Eides  vorspricht.  St

um-
        <pb n="1150" />
        —  973  —

Stumme  umd  Stotternde  müssen  die  ihnen  vorzulegende  Eidesformel  durchlesen
  und  unterzeichnen,  Taube  dieselbe  ablesen,  insofern  diese  Personen  dazu  im
tande  sind.  «
,  S.  165.
Hefentliche  Beamte,  welche  über  Gegenstände,  die  ihr  Amt  tbrtreffen,
Zeugniß  ablegen,  grgoe.  die  Richtigkeit  ihrer  Au5sage  auf  den  von  ihnen  geleisteten
Diensteid  zu  wersichern.  Diese  Bestimmung  bezieht  #sich  nicht  auf  das  Zeugniß
über  solche  Thatsachen,  die  in  keiner  Bezihung  u  dem  Amte  stehen,  deren  Kenntniß
  der  Zeuge  jedoch  bei  Gelegenheit  der  Ausübung  seines  Amtes  erlangt  hat.

K.  106.
Deer  des  Königlichen  Hauses  und  der  beiden  Hohenzollernschen  6.  Vernehmung

Dũrstenhan  er  werden  in  ihret  .  Wohnumg  vernommen.  tm
ie  Eidesformel  wird  ihnen  von  dem  mit  der  Vernehmung  beauftragten  Fausts.
Richter  vorgelesen  und  zur  eigenhändigen  Unterschrift  vorgelegt.

Zur  Hauptverhandlung  werden  sie  nicht  vorgeladen,  sondern  es  soll  statt
dessen  ihre  protokollarische  Aussage  verlesen  werden.

K.  167.

Sind  Militairpersonen  des  Dienststandes  wernehmen,  so  ist  der  vor=  7.  Vemehmung
esetzte  Befehlshaber  um  die  Gestellung  zu  ersuchen.  In  der  Voxuntersuchung,  Miltee

a  jedoch,  wenn  der  zu  vernehmende  Zeuge  seinen  Standort  nicht  am  Sitze  des  Dirtandes.

untersuchungsführenden  Richters  hyt,  in  der  Regel  das  Militalrgericht,  sofern  sich

ein  lolches  an  senem  Orte  befindet,  um  die  Vewirkung  der  Vernehmung  ersucht

werden.

Sechoter  Abschnitt.
Von  dem  Augenscheine  und  von  den  Sachverstsindigen.

KS.  168.

Der  gerichtliche  Augenschein  ist  einumehmen,  wenn  sich  dies  zur  Aufklärung  1.  Auzenschein.
eines  für  die  Untersuchung  erheblichen  Umstandes,  insbesendere  zur  Feststellung
des  Thatbestandes  als  nothwendig  oder  zweckmäßig  darstellt.  "

Das  über  den  Befund  und  die  Art  und  Weise  seiner  Ermittelung  aufsuen
  Protokoll  muß  sich  nicht  blos  über  dice  wahrge  Erschei

 

ondern  auch  darüber  aussprechen,  welche  Spuren  oder  Merkmale,  die  im  voriegenden
  Falle  vermuthet  werden  konnten,  gefehlt  haben.

Zur  Veranschaulichung  sind  geeigneten  Falls  Handzeichnumgen,  Pläne  oder
NRisse  beizufügen.  *m“  «

Wenn  es  sich  bei  Einnahme  des  Augenschein  oder  sonst  im  Laufe  der  2.  Sachderstän·
Untersuchung  um  Thatsachen  handelt,  zu  deren  Ermittelung  oder  Buurtheilung  bige.
(Nr.  6704.)  er
        <pb n="1151" />
        —  974  —

der  8  einer  fachkundigen  Unterstützung  bedarf,  so  hat  er  Sachpverständige
uzuziehen.
*-e  Die  Auswahl  der  Sachverständigen  und  die  Zad  derselben,  soweit  sie
nicht  im  Gesetze  geregelt  ist,  hängt  nach  Erhebung  der  Strafklage  lediglich  von
der  Bestimmung  des  Gerichts  ab,  dasselbe  .  an  die  in  dieser  Hinsicht  gestellten
Anträge  nicht  gebunden.

Die  Staatsanwaltschaft  und  der  Angeklagte  sind  jedoch  befugt,  Sachverständige
  aus  denselben  Gründen  abzulehnen,  welche  sie  zur  Ablehnung  eines
Richters  berechtigen  würden.

S.  170.

Sind  für  gewisse  Arten  von  Gutachten  Sachverständige  bleibend  angestellt,
so  ist  auf  andere  nur  dann  zurückzugehen,  wenn  Gefahr  im  Verzuge  onwaltel
oder  sonstige  besondere  Gründe  eine.  Abweichung  räthlich  erscheinen  lassen.

Insbesondere  soll,  wenn  es  aus  ärztliche,  wundärztliche  oder  geburtshülfliche
Fragen  ankommt,  der  Regel  nach  der  Gerichtsarzt  als  Srchvenhtändiger  zugezogen
  werden.

S.  171.

Wenn  die  Sachverständigen  eine  Besichtigung  oder  andere  Untersuchung
vorzunehmen  haben,  so  muß  der  Richter  ihre  Thätigkeit  in  einer  dem  Zwecke  des
Verfahrens  entsprechenden  Weie  leiten  und  sie  auf  alles  dasjenige  hinweisen,
worauf  es  nach  dem  Gesetze  ankommt.

Erscheint  die  Anwesenheit  des  Richters  nach  Bewandtniß  der  Umstände
nicht  angemessen  oder  nicht  ausführbar,  so  muß  er  den  Sachverständigen  im
Voraus  bestimmte  Fragen  zur  Begutachtung  vorlegen.

S.  172.

Oeffentliche  Beamte,  welche  als  Sachverständige  ein  Gutachten  abgeben,
müssen  es  auf  den  Diensteid,  die  ein=  für  allemal  vereidigten  Sachverständigen
dasselbe  auf  diesen  Eid  versichern.  Haben  sie,  was  auf  Erfordern  des  Richters
geschehen  muß,  ihr  Gutachten  schriftlich  ausgearbeitet,  zu  welchem  Zweck  ihnen
die  Akten  verabfolgt  werden  können,  so  können  sie  auch  in  dieser  Schrift  jene
Versicherung  abgeben.

Andere  Sachverständige  sind  nach  ihrer  mündlichen  Vernehmung  oder  nach
Einreichung  der  schriftlichen  Ausarbeitung  dahin  zu  vereiden:  ·

daß  sie  das  von  ihnen  dert  Gutachten  ihrer  Kenntniß  und  Erfahrung
  gemäß,  nach  sorgfältiger  Prüfung,  unparteiisch  und  gewissenhaft
abgegeben  haben.

Die  #  160.  161.  Nr.  1—4.,  162.  und  164.  finden  auch  auf  Sachverständige
  Anwendung.

S.  173.

Sind  die  Angaben  der  Sachverständigen  hinsichtlich  einer  von  ihnen  vorge-
        <pb n="1152" />
        —  975  —

genommenen  Besichtigung  oder  sonstigen  Untersuchung  dunkel,  unvollständig  oder
umbestimmt,  oder  stehen  sie  unter  sich  oder  mit  dem  Ergebniß  anderer  Ermittelungen
  im  Widerspruch,  so  hat  der  Richter,  wenn  durch  die  nochmalige  Befraung
  der  Sachverständigen  eine  Aufklärung  nicht  zu  erreichen  ist,  die  Unter-77
  durch  die  nämlichen,  oder  durch  andere  Fachverständige  wiederholen
assen.
z“  Beruhen  dagegen  diese  Mängel  nicht  in  der  Wahrnehmung  oder  Beobachtung
  der  Sachoerständigen,  sondern  in  den  daraus  hergeleiteten  Schlußfolgerungen,
  oder  liegen  gegen  die  Richtigkeit  der  letzteren  eansiige  Bedenken  vor,  6P
ist,  wenn  es  sich  um  ärztliche,  wundärztliche  oder  geburtshülfliche  Fragen  handelt,
das  Obergutachten  des  Medizinalkollegiums  der  Hrovin  pFschließlich  aber  dasjenige
  der  wissenschaftlichen  Deputation  für  das  Medizinalwesen,  bei  Fragen
eines  anderen  Faches  aber  das  höhere  Gutachten  eines  von  dem  Richter  6
geneiee  Sachverständigen  oder  geeigneten  Falls  einer  technischen  Behörde
einzuholen.

K.  174.
.  Leichen  dürfen  in  folgenden  Fällen  nicht  ohne  schriftliche  Erlaubniß  des  3.  Verfahren  n
Staatsanwalts  oder  des  Untersuchungsrichters  beerdigt  werden:  besenderen  dal.

1)  wenn  die  vermuthliche  Veranlassung  des  Todes  auf  Zufall,  Selbstmord  n  ri
oder  der  Verschuldung  eines  Anderen  beruht;

2)  wenn  der  Tod  zwar  anscheinend  auf  natürliche  Weise,  aber  nicht  unter
den  Augen  der  Hausgenossen  des  Verstorbenen  oder  anderer  unbescholtener
  Personen  erfolgt  ist;

3)  wenn  ein  uneheliches  Kind  todt  r  Welt  gekommen  oder  binnen
24  Stunden  nach  der  Geburt  gestorben  und  bei  der  Entbindung  weder
eine  Hebeamme,  noch  eine  andere  unverdächtige  Person  zugezogen  gewesen
  ist.

Die  Ortspolizeibehörden  sind  in  diesen  Fällen  verpflichtet,  die  Leiche  und
die  bei  derselben  gefundenen  Gegenstände  sicher  zu  stellen,  eine  Beschreibung  derselben
  aufzunehmen,  und  den  Befund  unverzüglich  dem  Staatsanwalt  anzuzeigen.

S.  175.

Liegt  der  Verdacht  vor,  daß  die  Todesursache  auf  einer  strafbaren  Handlung
  beruhe,  und  läßt  sich  derselbe  durch  die  außergerichtliche  oder  gerichtliche
Besichtigung  der  Leiche  nicht  vollständig  beseitigen,  so  muß  zur  Leichenöffnung
geschritten  werden.

Ergiebt  sich  dieser  Verdacht  erst  nach  der  Beerdigung  der  Leiche,  so  muß,
wenn  sich  von  der  Oeffnung  derselben  noch  ein  Ergebnit  erwarten  läßt,  zu  diesem
Zweck  ihre  Wiederausgrabung  erfolgen.

K.  176.

Bevor  die  Leiche  geöffnet  wird,  ist  dieselbe  solchen  Personen,  welche  den
(Nr.  6704.)  Ver-
        <pb n="1153" />
        —  976  —

Verstorbenen  gekannt  haben  und,  wem#nicht  besondere  Hindernisse  engegnstehen
demjenigen,  welcher  der  That  beschuldigt  oder  verdächtig  ist)  zur  Anerkennung
vorzuzeigen.  -  -

Z.177.

Kann  die  Persönlichkeit  des  Verstorbenen  auf  andere  Weise  icht  Wurr
werden,  so  muß  eine  genaue  Beschreibung  der  Leiche  in  den  öffentlichen  Blättern
bekännt  gemacht  werden.  .  «·  "
DidsOVcstinjinuttgsisHIrdenFällm-d’es-§..T174.auchdhnjszubeobiuhiöw
wennseinesLkichcitössriungjnicljtexfylgtj-  "«

§.  178.

Diie  Leichenöffnung  wird  in  Gegenwart  der  Gerichtspersonen  durch  den
Gerichtsarzt  und  den  Gerichtswundarzt  vorgenommen.  Nöthigenfalls  (G.  170.)
kann  statt  des  einen  dieser  Aerzte  ein  anderer  approbirter  Arzt  zugezogen  werden.

Hat  vor  dem  Tode  des  Verstorbenen  dessen  Behandlung  durch  einen  Arzt
stattgefunden)  so  ist  diesem,  sofern  cs  ohne  Verzögerung  geschehen  kam)  Gelegenheit
  zu  geben,  der  Leichenöffnung  beizuwohnen::  ·

.»§-."1j7«9.-»

BeijcdcxLcick)enöff1111ng-11111ß-dieOcffmm,derKopf-,«Brustsundllnteri
leibshöhle«1md'·d'cr"d"ott«licgcndcjsEiügmcidevvlläudlgjgeschehels»a'u«cl)'tvenndie

Todesarscjchkbeteits'ikgendwo«im«Körper  avfgeftmdms  ivordrnljisfs

§.180.s.  ,

««Li«ögt3dek3«VekdacljtJeiiiwVergiftilligsvvyso«istdicjllntktsüthlujgsderverdächtlgen
  Stoff“  durch  einen  hlerzu  geeigneten  Chemiker  unter  Gufscht  des
Gerichtsarztes  zu  bewirken.  Der  Richter  kann  auch  dem  Chemiker  allein  die  Untersuchung
  ü  u.%  Er  hat  in  allen  Fällen  Vorkehrungen  gegen  eine  Verwechseez
  zu  treffen  und)  wenn  es  st  kann"  einen  Theil  der  Stoffe

lung  der.  Sto  ,
uchung  möglich  bleibt.

zurückzubehalttn)  damit  einc  wiederholte  Unter

&amp;amp;  181.

Das  auf  den  Grund  der  Leichenöffnung  und  der  sonst  etwa  hinzugetretenen
Ermittelungen  zu  erstattende  Gutachtein  muß  sich  jederzeit  über  die  gath  des
Todes,  unter  Berück  schligung.  der  etwa  aufgefundenen  Werkzeuge  der  That,  und'
geeigneten  Falls  auch  darüber  aussprechen,  welche  besondern  Umstände  etwa  zur
Herbeiführung  des  Todes  mitgewirkt  haben:  »  sz

"Die"Untctsuchmsgder«Le"ichc«ci-«sesNötcgebb"r»·cn"ct1""undfdas  darüber  abzugebende
  Gutachten  ist  auch  darauf  zu  richten;  ob'  das  Kind  lebendig  geboren
worden,  und  ob  es  reif,  oder  doch  fähig  gewesen  sei,  sein  Leben  außer  dem
Mutterleibe  fortzusetzen.

F.  182.
        <pb n="1154" />
        —  977  —

S.  182.

Bei  Brandstiftungen  ist  der  Ort,  wo  der  Zündstoff  gelegt  und  das  Feuer  r.  1#  vun.
zuerst  ausgebrochen  ist,  nebst  den  Umständen,  welche  Lu  die  Entstehungsart
desselben  schließen  lassen,  die  Ausdehnung  des  Brandes,  die  Entfernung  der
Brandstätte  von  anderen  Gebäuden,  und  überhaupt  die  Größe  der  Gefahr  für

Leben  und  Eigenthum,  sowie  der  ungefähre  Betrag  des  wirklich  entstandenen

Schadens  auszumitteln.

K.  183.

Bei  Untersuchungen  wegen  Münzverbrechen  oder  Münzvergehen  muß  zur  1  „#
Feststellung  der  Falschheit  und  der  Art  und  Weise  ihrer  Bewirkung  das  Gut  n  νν
achten  der  General-Münzdirektion,  und  wenn  es  sich  um  inländisches  Papiereld
  oder  demselben  gleichgestellte  inländische  Papiere  handelt,  derjenigen  Behörde,
  von  welcher  Papiere  dieser  Art  in  Umlauf  gesetzt  werden,  engeholt  werden.

C.  184.

Wenn  die  Acchtheit  oder  Unächtheit  einer  oder  deren  Aheler  u.  1%  v  et“.
zu  ermitteln  in  so  sind  zum  Zwecke  der  Schri  elgleichung  eeigneten  Falls
Schreibverstän  ise  zuzuziehen.  ie  Vergleichungsstücke  zu  iesem  Zweck  sind
:  Falls  in  der  nämlichen  Weise  wie  andere  Ueberführungsstücke  herbeizuschaffen.


Der  Beschuldigte  kann  auch  aufgefordert  werden,  einige  Worte  oder  Sätze
in  Gegenwart  der  Gerichtspersonen  niederzuschreiben.  Wenn  er  sich  dessen  weigert,
so  ist  dies  im  Protokolle  zu  bemerken.

KC.  185.

Schriftstücke,  welche  in  einer  anderen  als  der  Deutschen  Sprache  abgefaßt.
sind,  werden  erforberlichen  Falls  durch  einen  vereideten  Dolmetscher  9  4½  P
schriftlich  übersetzt.  In  der  Hauptverhandlung  kann  die  Uebertragung  auch  mündlich
  geschehen.
§.  186.

Die  Vorschriften  des  §.  167.  und  der  beiden  ersten  Absätze  des  I.  155.  4.  Sceusfind
  auch  auf  Sachverständige  zu  beseten  b  desgleichen  kommt  auf  Sachverstän=  bestimmungen.
ige  der  §.  157.  und  zwar  auch  bei  Säumigkeit  in  der  Ablieferung  schriftlicher
Ausarbeitungen,  und  erforderlichen  Falls  der  §.  158.  in  Anwendung.

Die  angeführten  Bestimmungen,  nes  der  g.  161.  Nr.  1—4.,  die  beiden
letzten  Absätze  des  H.  169.  und  der  erste  Absatz  des  F.  170.  erstrecken  sich  in
leichem  Maaße  auch  auf  Dolmetscher.  Muß  jedoch  ein  Wgeheriger  des  Beschuligten
  zum  Dolmetscher  genommen  werden  (F.  145.))  so  bleibt  die  Nr.  4.  des
§.  161.  und  der  letzte  Absatz  des  §.  169.  außer  Anwendung.

Jahrgang  1667.  (Nr.  6704.)  129  Sie-
        <pb n="1155" />
        078  —1

Sicbenter  Abschnitt.

Von  der  Aufrechterhaltung  der  Ordnung  bei  den  Verhandlungen  der
Untersuchung.

K.  187.

Personen,  welche  in  einer  gerichtlichen  Verhandlung  Störung  verursachen,
oder  in  sonstiger  Weise  die  geziemende  Ordnung  verletzen,  kann  der  Richter,
welcher  die  Verhandlung  leitet,  entweder  sogleich,  oder  nach  vorgängiger  fruchtloser
  Ermahnung  aus  dem  Verhandlungszimmer  entfernen,  und  wenn  dieselben
sich  diesem  Befehle  nicht  fügen  oder  ihr  ordnungswidriges  Verhalten  fortsetzen,
sofort  in  das  Untersuchungsgefängniß  abführen  und  daselbst  *  eine  schriftlich
zu  bestimmende  Zeit,  welche  vier  und  zwanzig  Stunden  nicht  uͤbersteigen  darf,
verwahren  lassen.  In  dem  Protokolle  ist  der  Hergang  zu  verzeichnen.

g.  188.

Geschieht  die  Verletzung  der  Ordnung  in  der  Sitzung  eines  erkennenden
Gerichts,  so  kann  das  Gericht,  mag  der  Vorsitzende  von  den  Befugnissen  des
vorhergehenden  rgraphen  Gebrauch  gemacht  haben  oder  nicht,  gegen  den
Uebertreter  eine  Gefängnißstrafe  bis  zu  acht  Tagen  durch  einen  nach  Anhörung
der  Staatsanwaltschaft  zu  fassenden  und  sofort  vollstreckbaren  Beschluß  festsetzen.

KG.  169.

Sind  die  in  den  SF.  187.  und  188.  vorgesehenen  Maaßregeln  gegen  einen
Angeklagten  in  der  Sitzung  cines  erkennenden  Gerichts  ergriffen  worden,  und  ist
derselbe  demgemäß  aus  dem  Sitzungssaale  entfernt  oder  in  das  Gefängniß  abgeführt
  worden,  so  wird  das  Verfahren  in  seiner  Abwesenheit  fortgeset,  dabei
jedoch  der  anwesende  Vertheidiger  mit  seinen  Anträgen  umd  Ausführungen  schört.
Die  ergriffene  Maaßregel  kann  jederzeit  zurückgenommen  und  dem  Angeklagten
die  Anwesenheit  bei  der  Verhandlung  gestattet  werden.  "

§.190.

Wenn  das  ordnungswidrige  Verhalten  gleichzeitig  eine  in  den  Strafesetzen
  vorgesehene  Handlung  dansenlt,  so  wird  durch  den  Gebrauch  der  in  den
K.  187.  und  188.  enthaltenen  Befugnisse  die  demmiichsige  strafrechtliche  Verolgung
  nicht  ausgeschlossen.  Der  Richter  oder  das  Gericht  kann  ge  en  den

haͤter  sofort  den  Haftbefehl  erlassen,  und  hat  über  den  Vorfall  ein
Protokoll  aufzmehmen  und  der  Staatsanwaltschaft  mitzutheilen.

onderes

G.  191.

Bei  Haussuchungen  und  anderen  an  Ort  umd  Stelle  vorzunehmenden
Untersuchungshandlungen  kann  der  Beamte)  welcher  die  Handlung  leitet,  diejenigen
#  er-
        <pb n="1156" />
        —  979  —

Personen,  welche  seinen  für  die  Wirksamkeit  der  Handlung  nothwendigen  Anordnungen
  entgegenhandeln,  ergreifen  und  bis  zur  Beendigung  seiner  Verrichtungen,
keinenfalls  aber  länger  als  vier  und  zwanzig  Stunden,  shlra  lassen.  ·

Zehuter  Titel.

Von  Fristen  und  von  Zustellungen,  sowie  von  der  Vollstreckung  der
gerichtlichen  Beschlüsse  und  Verfuͤgungen.

K.  192.

Bei  der  Berechnung  von  Fristen  kommt  der  Tag,  an  welchem  die  den  11  Prt.
Fristenlauf  begründende  Thatsache  eingetreten  ist,  nicht  mit  in  Anschlag.  Ist  der
letzte  Tag  der  Frist  ein  Sonntag  oder  allgemeiner  Feiertag,  so  endigt  die  Frist
dem  Aichsifolgenden  Werktage.  Gerichtsferien  sind  auf  den  Lauf  der  Fristen
ohne  Einflu
Wenn  das  *  eine  Frist  von  vier  und  zwanzig  Stunden  bestimmt),  so
ist  darunter  der  ganze  folgende  Tag  zu  verstehen.

S.  193.

Die  Bekanntmachung  gerichtlicher  Urtheile,  Beschlüsse  und  Verfügungen  2.  gußeung
eschieht  durch  Zustellung,  insoweit  nicht  das  Gesetz  eine  Verkündung  vorge=  be  eocchtlche
Heirben  hat.  .  www-deuf-«

  S.  194.  fuͤgungen.

Alle  gerichtlichen  Urtheile,  Beschlüsse  und  Verfügungen,  in  Ansehung  deren  .verpßichtun
eine  Zustellung  erforderlich  ist,  desgleichen  alle  nicht  b6  ##  inneren  Dienst  der  der  n
Gerichte  oder  die  Ordnung  in  den  Sitzungen  betreffenden  Beschlüsse  und  Ver-  Lllseel  #
fügungen,  welche  einer  Vollstreckung  bedürfen,  müssen  der  Staatsanwaltschaft  Jaselung  und
übergeben  werden,  welche  das  zu  jenem  Zweck  Erforderliche  zu  veranlassen  hal.  Volltetckung.
Der  Untersuchungsorichter  und  der  Polizeirichter  können  ustellungen  aller  Art,
sowie  die  Vollstreckung  von  Beschlüssen  und  Verfügungen  auch  ummittelbar  veranlassen.


6.  195.

Urtheile  werden  dem  Angeklagten  in  beglaubter  Abschrift,  andere  Urkunden  4.  Fermder  Luwerden
  in  einfacher  Abschrift  zugestellt.  stellungen.
Vorladungen  u  die  Angabe  der  Nachtheile  enthalten,  welche  den  Geladenen
  im  Falle  des  Ausbleibens  treffen.

S.  100.
Wird  die  Person  desjenigen,  an  den  die  Zustellung  erfolgen  soll,  nicht  angetroffen,
  so  geschieht  dieselbe  an  einen  in  seiner  Wohmmg  anwesenden  erwachsenen
(Nr.  6701.)  129*  An-
        <pb n="1157" />
        —  980  —

Angehörigen  oder  Dienstboten,  äußersten  Falls  aber  an  den  Hauswirth  oder  den
Vermiether.  Ist  von  diesen  Personen  Niemand  zur  Stelle  oder  verweigert  der
Hauswirth  oder  Vermiether  die  Empfangnahme,  so  sind  die  zu  behändigenden
Schriftstücke  an  der  Stuben-  oder  Hausthür  zu  befestigen.

S.  107.

Die  Zustellungen  erfolgen  durch  die  für  dieses  Geschäft  ermächtigten  und
verpflichteten  Beamten.

Ein  jeder  Beamte,  welcher  eine  Zustellung  bewirkt,  muß  darüber  eine  Urkunde
  aufnehmen.  Das  hierbei  zu  beobachtende  Verfahren  bleibt  der  Regelung
im  Justiz-Verwaltungswege  vorbebalten  bis  zu  welcher  die  bisherigen  Vorschriften
in  Geltung  bleiben.

K.  108.

Die  Zustellungen  können  auch  durch  die  Post  nach  Maaßgabe  der  in
den  älteren  Landestheilen  über  die  Post-Insinuationen  geltenden  Vorschriften
erfolgen.

G.  199.

Vorladungen  von  Zeugen  und  Sachverständigen  können  in  dringenden  Fällen
auch  telegraphisch  erfolgen,  wobei  es  einer  Androhung  der  im  Falle  des  Ausbleibens
  eintretenden  Nachtheile  (§.  195.)  nicht  bedarf.

KC.  200.

Die  mündliche  Bekanntmachung  einer  Vorladung  oder  die  Vorlesung  einer
Urkunde  vor  Gericht  hat,  wenn  darüber  von  einem  Richter  oder  Gerichtsschreiber
ein  Vermerk  zu  Protokoll  aufgenommen  wird,  alle  Wirkungen  einer  gehörig  erfolgten
  Zustellung.  Der  gleichzeiigen  schriftlichen  Mittheilung  der  Urkunde  bearf

  es  nur  in  den  Fällen,  in  welchen  das  Gesetz  die  Ertheilung  einer  beglaubten
Abschrift  vorschreibt.

Zeugen  und  Sachverständige  können  in  derselben  Form  auch  durch  Beamte

der  Staatsanwaltschaft  oder  der  gerichtlichen  Polizei  geladen  werden.

C.  201.

Zustellungen  an  Personen,  welche  im  Auslande  wohnen  oder  sich  aufhalten,
aind  gehörig  erfolgt,  wenn  sie  im  Auslande  durch  die  zuständige  Behörde  oder
en  zuständigen  Beamten  nach  den  dort  geltenden  Vorschriften  bewirkt  worden  sind.

Soll  die  Zustellung  an  einen  der  Gerichtsbarkeit  des  fremden  Staats  nicht
unterworfenen  Preußen  erfolgen,  so  wird  der  Nachweis  der  Iusellung.  durch  eine
Bescheinigung  des  Ministeriums  der  auswärtigen  Ungelegenheiten  oder  der  betreffenden
  Königlichen  Sitaschan  daß  und  an  welchem  Tage  die  Aushändigung
der  zuzustellenden  Schriftstücke  erfolgt  sei,  geführt.  &amp;amp;  2
        <pb n="1158" />
        —  981  —

C.  202.

In  allen  Fällen,  wo  an  einen  zur  Hauptverhandlung  erster  Instan;  ülti
vorgeladenen  Angeklagten  irgend  eine  fernere  Zustellung  nicht  auf  die  g  Thlich
vorgeschriebene  Weise  (§5.  196.  bis  200.)  im  Inlande  bewirkt  werden  kann,
wird  die  Zustellung  für  gehörig  geschehen  erachtet,  wenn  die  zuzustellende  Schrift
“  *  *  Tage  lang  in  dem  Grse  des  Gerichts  erster  Instanz  öffentlich  ausgehangen
  hat.

Urtheile  werden  in  beglaubter  Abschrift  ausgehangen,  welche  nur  den  entscheidenden
  Theil  enthält;  Rechtfertigungsschriften  bedürfen  in  einem  solchen  Falle
der  Mittheilung  nicht.  203

Der  Staatsanwaltschaft  gegenüber  gelten  die  gerichtlichen  Urtheite,  Beschlüst
  und  Verfügungen  als  zugestellt,  wenn  die  Mittheilung  der  Urschrift  an
ieselbe  erfolgt  ist.  Beginnt  von  diesem  Zeitpunkt  eine  Frist  zu  laufen,  so  muß
der  Tag,  an  welchem  die  Mittheilung  erfolgt,  von  den  zuständigen  Beamten  der
Staatsanwaltschaft  auf  der  Urschrift  bescheinigt  werden.

G.  204.

Benachrichtigungen,  welche  weder  eine  Vorladung  enthalten,  noch  einen
Fristenlauf  begründen,  können  durch  ein  einfaches  auf  die  Pon  gegebenes  Schreiben
erfolgen.

Eilfter  Titel.
Von  der  Vertheidigung  des  Beschuldigten.

G.  205.

Die  Wiez:  eines  Beschuldigten,  als  Beistand  oder  Vertreter  1.  Person-n,

desselben,  zu  führen,  sind  nur  befugt:

1)  Rechtsanwalte  und  Advokaten,  welche  zur  Praxis  bei  Preußischen  Ge

richten  berechtigt  sind;

2)  die  an  inländischen  Universitäten  habilitirten  Doktoren  der  Rechte;

3)  Beamte,  welche  zu  ihrer  Ausbildung  für  das  Richteramt  bei  einem  Gerichte
  beschäftigt  werden,  mit  Genehmigung  des  Vorstandes  dieses  Gerichts

4)  der  Ehemann  und  Vormund,  Verwandte  in  auf-  und  absteigender  Linie,
Brüder  und  Schwäger  des  Beschuldigten,  sofern  sie  großjährig  und  im
Vollgenusse  der  bürgerlichen  Ehre  sind;

5)  andere  Personen  nur  mit  besonderer  Genehmigung  des  Gerichts,  Staatsbeamte

  außerdem  nur  mit  Bewilligung  ihrer  vorgesetzten  Dienstbehörde.
(Nr.  6704.)  Der

welch

th

e  als  Vertidiger

  gehlt
  werden
können.
        <pb n="1159" />
        —  982  —

Der  Beschuldigte  kann  sich  auch  mehrere  Vertheidiger  wählen,  vorbehaltlich
der  Befugniß  des  Gerichts,  dieses  Recht  im  Falle  des  Mißbrauches  zu  beschränken.

g.  206.

2.  Juordnung  Jum  Hauptverfahren  vor  dem  Schwurgerichtshofe  muß  dem  Angeklagten
kines  Dertheit  stets  ein  Vertheidiger  von  Amtswegen  zugeordnet  werden.  Icdoch  bleibt  dem
ingeklagten  vorbehalten,  sich  demnächst  des  Beistandes  cines  anderen  zulässigen
Vertheidigers  zu  bedienen.
Aunch  zum  Hauptverfahren  vor  der  Strafkammer  kann  dem  Angeklagten
auf  dessen  Antrag  ein  Vertheidiger  zugeordnet  werden.  «  «  «
Ein  gemeinschaftlicher  Vertheidiger  für  mehrere  Angeklagte  darf  nur  dann
bestellt  werden,  wenn  deren  Interessen  sich  nicht  im  Widerstreite  befinden.

8.  207.

Die  Auswahl  des  zuzuordnenden  Vertheidigers  ersoltt.  in  dringenden
Fällen  durch  den  Vorsitzenden,  im  Uebrigen  durch  den  Präsidenten  oder  Direktor
des  Gerichts,  bei  welchem  die  Sache  verhandelt  wird,  aus  den  bei  diesem  Gerichte
  zur  Praxis  berechtigten  Rechtsanwalten  oder  Advokaten,  Fteigneten  Falls  auch
ge  den  bei  diesem  Gerichte  zur  Ausbildung  für  das  Richteramt  beschäftigten

eamten.

Für  eine  bestimmte  Untersuchungssache  kann  die  Verpflichtung,  die  Vertheidigung
  zu  übernehmen,  durch  das  Appellationsgericht  auch  anderen  in  seinem

zirke  angestellten  Rechtsanwalten  oder  Advokaten  auferlegt  werden.

*
3.  v  Zu  der  Einnahme  des  Augenscheins  soll  der  Vertheidiger  auf  sein  Verlangen
e  Dendeie  schon  in  der  Voruntersuchung  zugezogen  werden.  Im  Uebrigen  findet  zu  Unter-*i-

  suchungsverhandlunngen  vor  Eröffnung  des  Hauptverfahrens  ge#  Zulassung  eines
ertheidigers  nicht  statt.  «

§.209.

Nach  eröffnetem  Hauhtverfahren.  ist  der  verhaftete  Angeklagte  befugt,  sich  mit
seinem  Vertheidiger  zu  besprechen,  und  zwar  ohne  Beisein  einer  Gerichtsperson,
wenn  der  Vertheidiger  ein  in  Eid  und  Pflicht  stehender  Justizbeamter  ist.

Von  dem  namlichen  Zeitpunkte  an  steht  einem  jeden  Vertheidiger,  den  im
§.  205.  Nr.  4.  acenamnten  ersonen  jedoch  nur  mit  besonderer  Genehmigung  des
Gerichts,  das  Recht  der  Akteneinsicht  zu.  Eine  Verabfolgung  der  Akten  in  die
Wohnung  des  Vertheidigers  ist  unstatthaft.

C.  210.

Dem  zugeordneten  Vertheidiger  ist  die  zur  Hauptverhandlung  bestinmnte
Sitzung  von  dem  Vorsitzenden  bekannt  zu  machen.  An  einen  erwählten  Vertheidiger
  erfolgt  diese  Benachrichtigung  nur  dann,  wenn  der  Angeklagte  *

·  i
        <pb n="1160" />
        —  983  —

ist  und  die  von  ihm  getroffene  Wahl  dem  Gerichte  zeitig  vor  der  Sitzung  angezeigt
  hat.

S.  211.
eines  verhafteten  Angeklagten  sind  auf  sein  Verlangen
die  Anklageschrift  nebst  dem  Verweisungsbeschlusse,  und
die  Rechtfertigungsschriften  der  Staatsamwaltschaft  in
mitzutheilen.  ·

Dem
von  dem
in  den  höheren
Abschrift

   
  

KC.  212.

Die  Gültigkeit  der  Hauptverhandlung  ist.  in  keinem  Falle  dadurch  bedingt,
daß  die  Vertheidigung  des  Angeklagten  durch  den  erwählten  oder  zugeordneten
Vertheidiger  wirklich  geführt  werde,  wenn  nur  in  dieser  Beziehung  von  Gerichtswegen
  den  gesetzlichen  Vorschriften  genügt  worden  ist.  .

Erachtet  das  Gericht  die  Vertagung  der  Hauptverhandlung  in  Folge  einer
dem  Vertheidiger  zur  Last  fallenden  Verschuldung  für  nothwendig,  so  kann  demselben
  auch  der  Ersatz  der  durch  die  Erneuerung  des  Verfahrens  erwachsenen  Kosten
im  Disziplinarwege  auferlegt  werden.

C.  213.

Werden  dem  Angeklagten  in  der  Hauptverhandlung  Fragen  über  thatsächliche
  Umstände  vorgelegt,  so  darf  er  sich  vor  deren  Beantwortung  mit  dem  Vertheidiger
  nicht  besprechen.

g.  214.
Die  Zulassung  eines  Vertheidigers  für  einen  nicht  selbst  auwesenden  An.
eklagten  findet  in  der  Verhandlung  erster  Instanz,  selbst  zur  Ausführung  des
Rechsspunktes  nur  dann  statt,  wenn  es  sich  in  der  Untersuchung  nur  um  eine

Uebertretung  oder  um  ein  nur  mit  Geldbuße  bedrohtes  Vergehen  handelt.
An  den  Bestimmungen  des  F.  189.  wird  hierdurch  nicht§  geändert.

C.  215.

So  oft  ein  erwählter  Vertheidiger  statt  des  Beschuldigten  handelnd  auftrilt,
  muß  er  sich  durch  eine  Vollmacht  ausweisen,  insofern  er  nicht  zu  den  im
.  205.  Nr.  4.  bezeichneten  Personen  gehoͤrt.  Der  zur  Hnwtverhandlung  erwählte
  Vertheidiger  ist,  insofern  nicht  eine  andere  Absicht  des  Angeklagten  erhellt,
auch  zur  Einlegung  von  Rechtsmitteln  gegen  das  Urtheil  für  ermächtigt  zu  erachten.

g.  216.

Ein  Vertreter,  welcher  nur  zu  dem  Zwecke  erscheint,  um  das  Ausbleiben
ves  Angallngten  zu  entschuldigen,  ist  den  Vorschriften  dieses  Titels  nicht  unterworfen.
  «

Er.  6704)  Zwölf-4.

  Schlußbestimmung.
        <pb n="1161" />
        —  984  —

Zwölfter  Titel.

Von  dem  Hauptverfahren  im  Allgemeinen.

Erster  Abschnitt.
Von  der  Vorbereitung  der  Hauptverhandlung.

E.  217.

1.  Bestimmung  Die  Bestimmung  der  Situng,  in  welcher  die  Hauptverhandlung  stattfinden
der  Sihung.  soll,  erfolgt  auf  den  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  durch  den  Vorsizenden  des
erkennenden  Gerichts.

G.  218.

2.  Vorladung  Die  Staatsanwaltschaft  läßt  den  Angeklagten,  falls  dieser  nicht  verhaftet,

aenicht  verdes,  noch  in  Hast  zu  nehmen  ist,  zu  der  anberaumten  Sitzung  vorladen  und  demselben

*  W  gleichzeitig  die  Anklageschrift  und  den  Verweisungsbeschluß  der  Raths-  oder  Anlagekammer,
  falls  ein  solcher  ergangen  ist,  zustellen.

C.  210.

Zwischen  dieser  Zustellung  und  der  Verhandlung  muß  eine  Frist  von
mindestens  acht  Tagen  in  der  Mitte  liegen.  Das  Gericht  kann  jedoch,  wenn
diese  Frist  nicht  beobachtet  worden  ist,  dennoch  mit  der  Verhandlung  vorschreiten,
sofern  der  Angeklagte  bei  seiner  ersten  Verantwortung  auf  die  Anklage  einen
Antrag  auf  Vertagung  der  Sitzung  nicht  gestellt  hat.

C.  220.

3.  Vernehmung.  Ist  der  Angeklagte  verhaftet  oder  in  Haft  zu  nehmen,  so  hat  die  Staatsdre
  roteten  amwaltschaft  bei  dem  erkennenden  Gerichte  unverzüglich,  nachdem  ihr  der  Beschluß
oder  die  Verfügung  über  Eröffnung  des  Hauptverfahrens  zugegangen  ist,  zu  veranlassen,
  daß  der  Angeklagte  in  das  Gefängniß  am  Sitze  dieses  Gerichts  abgeliefert
  und  binnen  längstens  drei  Tagen  unter  Vorlesung  der  im  F.  218.  beeichneten
  Schriftstücke  über  die  zu  seiner  Vertheidigung  dienenden  Thatsachen  und
eweismittel,  und  namentlich  über  die  Zeugen  vernommen  werde,  welche  er  zu
der  ihm  gleichzeitig  oder  nachträglich  bekannt  zu  machenden  Sitzung  zur  Hauptverhandlung
  vorgeladen  wissen  wolle.  Diese  Kundmachungen  14  für  den
Fall,  daß  der  Verhaftete  sich  demnächst  der  Haft  entzieht  oder  aus  derselben  entlassen
  wird,  alle  Wirkungen  einer  unter  der  gehörigen  Warnung  rechtzeitig
erfolgten  Vorladung  von  Rechtswegen  nach  sich.

Kann  der  Angeklagte  die  erforderte  Erklärung  nicht  auf  der  Stelle  abgeben,
  wünscht  er  insbesondere  eine  vorgängige  Unterredung  mit  dem  erwählten
oder  mit  dem  ihm  zugeordneten  und  bei  der  Vernehmung  namhaft  zu  machenden
  Vertheidiger,  so  i  die  Befragung  nach  einer  kurzen  Hent-  zu  wie  erholenn

n
        <pb n="1162" />
        —  985  —

In  schwurgerichtlichen  Sachen  rrsonst  die  Vernehmung  des  Angeklagten
über  seine  Vertheidigungsmittel  durch  den  Vorsitzenden  des  Schwurgerichtshofes,
oder,  wenn  dieser  nicht  Lar  Stelle  ist,  durch  einen  von  dem  Vorsitzenden  der
Strafkammer  zu  ernennenden  Richter.

K.  221.

Als  Zeugen  oder  Sachverständige  hat  die  Staatsanwaltschaft  nicht  blos  4.  Verlazung
die  in  der  Anllagelhrift  benannten,  sondern  auch  alle  diejenigen  57  zu  lassen  —
deren  Abhoͤrung  aͤs  Gericht  oder  der  Worsihende  desselben  für  eiforderlich  blgen.
erachtet.

g.  222.

Verlangt  der  Angeklagte  die  Vorladung  von  Zeugen  oder  Sachverständigen,
  oder  die  Herbeischaffung  anderer  Beweismittel,  42  hat  er  dies  zeitig  vor
der  Sitzung  der  atsenscha  anzuzeigen  und  dabei  die  Punkte,  welche
durch  die  einzelnen  Beweismittel  festgestellt,  insbesondere  die  Thatsachen,  worüber
die  Veu  en  vernommen  werden  sollen,  bestimmt  zu  bezeichnen.

rrachtet  die  Staatsanwaltschaft,  daß  die  augesführten  Umstände  ohne  Einsuß
  auf  die  Beurtheilung  der  Sache  seien,  oder  findet  sie  sonstige  Bedenken,

en  Anträgen  des  Angeklagten  stattzugeben,  so  hat  sie  hrrüber  unverzüglich  den
Beschluß  des  Gerichts  einzuholen,  welcher  dem  Angeklagten,  insoweit  dadurch
qo  Anträge  zurückgewiesen  werden,  bekannt  zu  machen  ist.  Der  Bestimmung
es  Gerichts  unterliegt  auch  die  Zahl  der  vorzuladenden  Zeugen,  falls  deren
mehrere  über  einen  und  denselben  Umstand  in  Porschlng  gebracht  worden  sind.

Der  Angeklagte  ist  befugt,  auch  selbst  Zeugen  und  Sachverständige  zur
Sitzung  zu  gestellen,  welche  jedoch  auf  Entschädigung  aus  Staatsmitteln  keinen
Anspruch  haben.

g.  223.

Der  Angeklagte  ist  in  allen  Fällen  verpflichtet,  die  Zeugen  oder  Sachverständige,
  welche  auf  seinen  Antrag  vernommen  werden  sollen,  spätestens  am
vierten  Werktage  vor  dem  Beginne  der  Verhandlung  der  Sttatsanwaltschaft
namhaft  zu  machen)  und  zwar  unter  Bezeichnung  aller  zur  Feststellung  ihrer
Personlichkeit  erforderlichen  Merkmale.

Das  Nämliche  ist  von  der  Status  mwaltschat  dem  Angeklagten  gegenüber
  zu  beobachten,  fals  sie  außer  den  in  der  Anklageschrift  benannten,  oder  von
dem  Angeklagten  selbst  in  Vorschlag  gebrachten  Zeugen  und  Sachpverständigen
die  Vorladung  noch  anderer  Zeugen  oder  Sochersfindigen,  sei  es  in  Folge
gerichtlicher  Anordnung  oder  nach  cigenem  Erbussen,  bewirkt.

6.  224.

Wenn  dem  Erscheinen  eines  Zeugen  oder  Sachverständigen  in  der  Haupt-  ö.  Komnißt#
verhandlung  Krankheit,  Altersschwäche,  große  Entfernung,  die  Erfüllung  militai-  sche  Veruzri
  cher.  Dienstpflichten,  oder  andere  unabwendbare  Hindernisse  entgegenstehen,  so  )
muß  dessen  anderweite  gerichtliche  Vemehmung,  sesem  sie  nicht  bereits  in  dem

Johrgeng  187.  (Nr.  0701)  130  vor-
        <pb n="1163" />
        —  986  —

vorausgegangenen  Verfahren  vollständig  erfolgt  ist,  von  dem  Gerichte  angeordnet
werden.  In  der  nämlichen  Weise  ist  zu  susshren,  wenn  eine  andere  Beweiserhebung
  außerhalb  der  Gerichtsstelle  vorzunebmen  ist.

K.  225.

In  Bezug  auf  diese  Beweisverhandlungen  (§.  2  st  welche  in  den  Formen
  des  Voruntersuchungsverfahrens  zu  bewirken  sind,  stehen,  wenn  sie  im  Inlande
  stattfinden,  der  Staatsanwaltschaft  und  dem  Angeklagten,  sowie  dem  Vertheidiger,
  die  nämlichen  Befugnisse,  wie  in  Betreff  der  itrerdembn  zu.
Der  verhaftete  Angeklagte  kann  jedoch  seine  Vorführung  nicht  verlangen.

Iweiter  Abschnitt.

Von  der  Hauptverhandlung.

C.  226.

1.  Umuntechro,  Die  zur  Entscheidung  berufenen  Richter  und  Geschworenen,  der  mitwire
  Anwesen  kende  Beamte  der  Staatsamwaltschaft  und  der  Gerichtsschreiber  müssen  der  ganzen

e.  Hauptverhandlung  beiwohnen,

ei  Vermeidung  der  Nichtigkeit.

Pufsenn.  Bei  Verdolmetschungen  der  Anklageschrift  oder  anderer  in  Deutscher  Sprache

abgefaßten  Schriftstücke  an  einen  dieser  Sprache  nicht  mächtigen  Angeklagten  bedarf
  es  der  Gegenwart  der  beisitzenden  Richter  nicht.

C.  227.

Bei  Verhandlungen  von  längerer  Dauer  können  Ergänzungsrichter  zugezogen
  werden,  welche,  wenn  eine  Vertretung  nothwendig  wird,  hach  dem  Dienstalter
  eintreten,  bis  dahin  aber  den  Berathungen  beizuwohnen  haben,  ohne  an
denselben  Theil  zu  nehmen.

Wird  die  Vertretung  in  der  Person  des  Vorsitzenden  erforderlich,  so  tritt
der  älteste  der  beisitzenden  Richter  an  dessen  Stelle,  sofern  nicht  das  Gericht  die
Vertagung  der  Sache  für  angemessen  erachtet.

K.  228.

Die  Verrichtungen  der  Staatsanwaltschaft  und  des  Gerichtsschreibers  können
durch  verschiedene  Beamte  nach  einander  wahrgenommen  werden.  uo  können  auch
gleichzeitig  mehrere  Beamte  der  Staatsanwaltschaft  der  Verhandlung  beiwohnen
und  ihre  Amtsverrichtungen  nach  ihrem  Ermessen  unter  sich  vertheilen.

§  229.
2.  Jrrlegung,  So  lange  die  Verhandlung  nicht  begonnen  hat,  kann  der  Vorsitzende  sie
Uw#erbrechung  erforderlichen  Falls  auf  einen  anderen  Tag  verlegen.
—-  C.  230.

lung.
        <pb n="1164" />
        —  987  —

K.  230.

Eine  einmal  begonnene  Verhandlung  darf  nur  insoweit  unterbrochen  werden,
  als  dies  nach  dem  Ermessen  des  Vorsitzenden  zur  Erholung  der  mitwirkenden
  gs  oder  aus  anderen  in  der  Sache  selbst  liegenden  Gründen  nothwendig
  ist.

Jrischen  dem  Tage  der  Abbrechung  einer  Verhandlung  und  deren  Wiederaufnahme
  dürfen  nicht  mehr  als  drei  Werktage  in  der  Mitte  liegen,  widrigenfalls
in  der  neuen  Sitzung  mit  der  He#en  Hauptverhandlung,  und  zwar  in  Schwurgerichtssachen
  einschließlich  der  Bildung  des  Schwurgerichts,  von  Neuem  begonnen
  werden  muß.

g.  231.

Die  Aussetzung  der  Sache  auf  eine  längere  als  die  im  230.  bezeichnete
Zwischenzeit  darf  nur  in  Gemäßheit  eines  gerichtlichen  Beschlusses  aus  Gründen,
die  in  demselben  anzugeben  sind,  und  blos  dann  erfolgen,  wenn  der  Zweck  der
Vertagung  durch  eine  bloße  Unterbrechung  der  Verhandlung  nicht  erreicht  weren
  kann.

g.  232.

Wegen  Hindernisse  in  der  Pesson  des  Angeklagten  kann  die  Verlegung,
Unterbrechung  oder  Vertagung  einer  Verhandlung  nur  dann  erfolgen,  wenn  dieselben
  erheblich  und  bescheinigt  sind.

Hindernisse  in  der  Person  des  Vertheidigers  geben  dem  Angeklagten  kein
Recht,  einen  Aufschub  der  Verhandlung  zu  verlangen.

g.  233.

Die  Hauptverhandlung  erfolgt  in  öffentlicher  Sitzung,  bei  Vermeidung  Hfentliader
  Nhige,  keit  der  Vrer
  Zutritt  vermöge  der  Oeffentlichkeit  ist  nur  erwachsenen,  im  Vollgenusse  bandlung.
der  bürgerlichen  Ehre  bessidlichen  ersonen  gestattet,  und  solchen  Personen  zu
kelugen  welche  in  einer  der  Würde  des  Pericht  nicht  entsprechenden  Weise
erscheinen.

K.  234.

Die  Oeffentlichkeit  kann  für  die  ganze  Hauptverhandlung  oder  einen  Theil
derselben  ausgeschlossen  werden,  wenn  sie  der  Ordnung  oder  den  guten  Sitten
Gefahr  droht.  Der  Fall  eines  Mißbrauchs  der  Oeffentlichkeit  zur  Störung  der
echandlung  oder  zur  Erschwerung  der  Wahrheitsermittelung  ist  hierunter  einegriffen.



Bei  Münzverbrechen  und  Münzvergehen  ist  die  Oeffentlichkeit  stets  ausgeschlossen.


K.  235.

Der  Beschluß  über  die  Ausschließung  der  O

effentlichkeit  wird,  nachdem  die
Ger.  6704.)  *  St

aats-
        <pb n="1165" />
        —  988  —

Staatsanwaltschaft  und  der  Angeklagte,  geigneten  Falls  in  nicht  öfentsicer  Sitzung,
gehört  worden  sind,  von  dem  erkennenden  Gerichte  erlassen  und  öffentlich  verkündet.
Der  Vorsitzende  ist  gleichwohl  befugt,  einzelnen  unbetheiligten  Personen  den
Zutritt  zu  gewähren.  «  »
§.236.

ewige-nich-  Die  Leitung  der  Verhandlung,  insbesondere  das  Verhör  des  Angeklagten
tungendes  Ver  und  der  Zeugen,  sowie  die  Aufrechterhaltung  der  Ordnung  und  des  der  Würde
sibsgnen  des  Gerichts  enfrechenden  Anstandes  gebührt  dem  Vorsitzenden.

Derselbe  hat  Alles  zu  beseitigen,  was  die  Verhandlungen  in  die  Länge

ziehen  könnte,  ohne  eine  größere  Sicherheit  in  den  Ergebnissen  zu  gewähren.

§.  237,

Der  Vorsitzende  muß  der  Staatsanwaltschaft  und  dem  Vertheidiger  gestatten,
  Fragen,  welche  sie  ur  Aufklärung  der  Sache  für  angemessen  erachten,
unmittelbar  an  die  Betheiligten  zu  richten.  Die  beisitzenden  Richter  und  mitwirkenden
  Geschworenen  1  sich  wegen  der  von  ihnen  für  erforderlich  erachteten
Fragen  an  den  Vorsitzenden  zu  wenden.  Dieser  kann  ihnen)  und  ebenso  dem
Angeklagten  die  unmittelbare  efragung  überlafsen.

Der  Vorsitzende  ist  befugt,  die  Stellung  der  Fragen  in  jedem  Zeitpunkte
wieder  selbst  zu  übernehmen  und  das  Verhör  zu  schließen.

g.  238.

ö.  Gapzen  Die  Verhandlung,  zu  welcher  der  Angeklagte,  wenn  er  verhaftet  ist,  voreendiune
  zuführen  ist,  begimnt  mit  der  Vernehntung  desselben  über  seine  persönlichen  Ver.
pturf.  Nachdem  hierauf  die  Anwesenheit  der  geladenen  Zeugen  und  Sachverändigen
  ermittelt  und  der  Inhalt  der  Anklageschrift  von  der  Staatsanwaltschaft
mündlich  vorgetragen  ist,  schliet  sich  hieran  das  Verhör  des  Angeklagten  und
die  Beweisarcnahd,  wonä  1  die  Verhandltung,  nachdem  die  Staalsamwaltschaft
mit  ihren  Ausführungen  und  Anträgen,  und  der  Angeklagte,  sowie  dessen  Vertheidiger,
  welchen  das  letzte  Wort  gebührt,  mit  ihren  Gegenausführungen  gehört
worden  sind,  geschlossen,  und  das  Urtheil  gefällt  und  verkündet  wird.

82  239.
6.  Unfunger  Bei  Bestimmung  des  Umfanges  der  Beweisaufnahme  ist  das  Gericht  an
snt  die  Amträge  der  Staatsanwaltschaft  und  des  Angeklagten  nicht  gebunden.

8.  240.

Die  Aufnahme  von  Beweisen,  welche  auf  die  Beurtheilung  der  Sache
ab  eeinh  sind,  kann  selbst  dann  abgelehnt  werden,  wenn  das  Beweismittel
zur  Sielle  ist.

&amp;amp;  241,
Anträge  des  Anzeklagten  auf  Herbeischaffung  von  Beweisen,  welche  aucht
on
        <pb n="1166" />
        —  989  —

schon  zeitig  vor  der  Sitzung  angebracht  worden  (F.  222.),  kann  das  Gericht  ohne
nähere  Prüfung  zurückweisen,  wenn  es  der  Ueberzeugung  ist,  daß  der  Antrag
nur  auf  Verzögerung  der  Sache  abziele.

.  242.

Es  darf  kein  erheblicher  Umstand  und  kein  Beweismittel  blos  aus  dem
Grunde  unberücksichtigt  bleiben,  weil  der  Staatsanwaltschaft  oder  dem  Angeklagten
davon  nicht  frühzeitig  genug  Kemntniß  gegeben  sei.

Sind  jedoch  in  Ansehung  eiseugen.  oder  Sachverständigen  die  im
"  223.  enthaltenen  Bestimmungen  von  Seiten  der  Staatsamwaltschaft  oder  des

ngeklagten  nicht  beobarhtet  worden,  so  kann  im  ersteren  Falle  der  Angeklagte,
im  letzteren  Falle  die  Sktatsanwalischaft  verlangen,  daß  ihnen  zur  Einziehun
von  Erkundigungen  über  die  Glaubwürdigkeit  des  Abzuhörenden  eine  kurze  Frisl
bewilligt  werde.  Bei  mehrtägigen  Verhandlungen  sind  indessen  die  im  §.  223.
vorgeschriebenen  Benachrichtigungen  nur  dann  für  verspätet  zu  crachten,  wenn  sie
erst  nach  dem  vierten  Werktage  vor  der  Abhör  des  Zeugen  oder  Sachverständigen
  erfolgt  sind.  "«  "  «---Der

  Antrag  auf  Fristbewilligung  ist  so  lange  zulässig,  als  die  eidliche  Beärkung

  der  Aussage  nicht  erfolgt  ist,  und  es  muß  diese,  wenn  dem  Antrage
attzugeben  ist,  aiceseßt  bleiben-  «.

Es  kann  auch  in  anderen  Fällen  eine  Unterbrechung.  oder  Vertagung  der
Verhandlung  verordnet  werden,  wenn  dieselbe  zur  besseren  Vorbereitung  der  Ver.
theidigung  oder  der  Ueberführung  als  nothwendig  erscheint.

C.  243.

Die  im  F.  161.  unter  Nr.  1.  und  2.  genannten  Personen  können  uneidlich
vernommen  werden,  wenn  eine  gegen  sie  selbst  begangene  That  den  Gegenstan
der  Anschuldigung  bildet.  ,  «

Uebrigen  sellen  Personen,  welche  als  Zeugen  nicht  vereidet  werden
dürfen,  überhaupt  ni  gt  als  Zeugen  vernommen  werden.  Das  Gericht  kann  jedoch
  die  uneidliche  Vernehmung  beschließen,  wenn  es  =  aus  besonderen
Gründen  der  Entdeckung  der  Wahrheit  förderlich  erachtet.  Dieser  Beschluß  muß,
bevor  die  Abhör  erfolgt,  verkündet  werden.  4

g.  244.

Ein  Verzicht  auf  ein  Beweismittel  ist  nur  dann  von  Wirkung,  wem  demselben
  von  keiner  Seite  widersprochen  wird;  selbst  in  diesem  Falle  kann  der  Verzicht
  von  dem  Gerichte  unberücksichtigt  gelassen  werden.

g.  245.

Schriftstücke,  welche  den  Gegenstand  der  Anschultigung  bilden,  oder  über  7.  Jusbesonkere
die  That  oder  die  Beziehungen  des  Angeklagten  zu  derselben  unmittelbaren  Auf-  Wiesung.  #en
schluß  gewähren,  sind  in  der  Sitzung  zu  verlesen.  *  »  '
Dagegen  sind  schifclige  Auesen  oder  Zeugnisse  als  Beweismittel  unzu-(Nr.
  6704.)  lässig,
        <pb n="1167" />
        —  990  —

lässig,  insoweit  nicht  die  nachfolgenden  Bestimmungen  (59.  246.  247.)  eine  Ausnahme
  begründen.

C.  24.

Das  Protokoll  über  die  früher  erfolgte  gerichtliche  Vernehmung  kann  an
Stelle  der  mündlichen  Abhör,  auch  außer  dem  Falle  des  F.  166.,  verlesen  werden:

1)  wenn  ein  Zeuge,  Sachverständiger  oder  Mitbeschuldigter  verstorben,  oder
sein  Aufenthalt  unbekannt  ist;

2)  wenn  seinem  Erscheinen  in  der  Sitzung  eines  der  im  8  224.  bezeichneten
Hinderise  im  Wege  secht  und  gegen  die  Vollständigkeit  seiner  früheren

ernehmung  kein  Bedenken  obwaltet;

3)  wenn  ein  Zeuge  in  der  Hauptverhandlung  seine  Auslassung  verweigert,
und  Zwangsmaaßregeln  gegen  ihn  nicht  zulässig  sind,  oder  nicht  zweckmäßig
  erscheinen.

Es  muß  jedoch  in  diesen  Fällen  stets  der  thatsächliche  Grund,  aus  welchem
die  Verlesung  erfolgt,  angekündigt  werden.

Das  Froloehll  über  die  Vernehmung  eines  Zeugen  oder  Sachverständigen,
dessen  Vereidung  hierbei  ohne  geletiichen  Grund  unterblieben  ist,  darf  erst  nach
der  Nachholung  der  letzteren,  und  falls  diese  nicht  mehr  ausführbar  ist,  nur  unter
nusdrücklicher  #ukündigung  jenes  Mangels  verlesen  werden.

§.  217.

Als  Beweismittel  sind  ferner  erforderlichen  Falls  zu  verlesen:

1)  die  über  die  Einnahme  des  gerichtlichen  Augenscheins,  über  Haussuchungen
  und  Beschlagnahmen  ausgenommenen  Protokolle

2)  Erklärungen  des  Angeklagten,  die  er  in  dem  vorausgegan  enen  Verfahren
zu  gerichtlichem  oder  außergerichtlichem  Protokoll  abgegeben  hat;

3)  die  gegen  den  Angeklagten  früher  ergangenen  Strafurtheile  oder  Auszüge
aus  denselben;

4)  Gutachten  oder  Auskunftsertheilungen  öffentlicher  Behörden,  einschließlich
der  von  Gemeinde=  oder  Polizeibehorden  ausgestellten  Leumundszeugnisse;

5)  ärztliche  Atteste  über  die  Spuren  oder  Folgen  einer  Mißhandlung  oder
Körperverletzung,  sofern  sich  dieselbe  darnach  weder  als  eine  Awere
(Strafgesetzbuch  §.  193.),  noch  als  eine  erhebliche  (S.  192#.  a.  a.  O.)
darstellt,  und  die  Vernehmung  des  Arztes  von  keiner  Seite  für  erforderlich
  erachtet  wird.

.  248.

Nachdem  ein  Zeuge  oder  Sachverständiger  mündlich  vernommen  worden
ist,  können  zur  Erläuterun  geieer  Aussage,  zur  Hebung  von  Widersprüchen,  oder
zur  Unterstützung  seines  Gedächtnisses  das  Protokoll  über  seine  früher  ersaete

er-
        <pb n="1168" />
        —  991  —

Vernehmung,  sowie  andere  Schriftstücke,  mit  Ausnahme  von  Vernehmungs-Protokollen,
  zur  Verlesung  gebracht  werden,  wobei  jedoch  der  Zweck,  zu  welchem
diese  erfolgt,  angekündigt  werden  muß.

KC.  249.

Leidet  ein  zu  verlesendes  gerichtliches  Protokoll  an  einem  Formfehler,  so
muß  derselbe  in  allen  Fällen  der  Verlesung  ausdrücklich  angekündigt  werden.

K.  250.

Ueber  den  Umfang  des  aufzunehmenden  Beweises  entscheidet  zunächst  das  8.  Lrofahrungs
Ermessen  des  Vorsitzenden.  El

Derselbe  hat  die  Pflicht,  mit  allen  Kräften  dahin  zu  wirken,  daß  die  ds  Uafene
Wahrheit  ans  Licht  gebracht  werde.  Er  nimmt  alle  zur  Beweisaufnahme  ge-  der  Beweishörigen
  Handlungen,  in  der  von  ihm  zu  ermessenden  Reihenfolge,  vor.  Er  F..  ausi
wirkt  die  Vorlegung  der  Ueberführungsstücke,  bestimmt  die  zu  verlesenden  Schriftstücke
  und  schreitet,  insoweit  nicht  die  Bestimmungen  im  zweiten  Absatze  der
§P.  242.  und  243.  im  Wege  stehen,  zur  Vernehmung  aller  Beugmn  und  Sachverständigen,
  von  deren  Aussage  er  eine  Aufklärung  der  Sache  erwartet.
kann  zu  diesem  Behufe  noch  im  Laufe  der  Verhandlung,  auf  Antrag  oder  von
Amtswegen,)  neue  Beweismittel  zur  Stelle  schaffen"  insbesondere  alle  Personen,
in  Ansehung  deren  eine  Ladung  vor  Gericht  zulässig  ist,  zu  ihrer  Vernehmung
ummittelbar  vorfordern  oder  nöthigenfalls  vorführen  lassen.  "

§.  251.

Wird  gegen  die  Vornahme  einer  Handlung  der  Beweisaufnahme  Widerspruch

  von  der  Staatsanwaltschaft  oder  dem  Angeklagten  erhoben,  so  hat  das
ericht  die  Entscheidung  zu  treffen.

Eben  dasselbe  muß  gescheben,  wenn  der  Vorsitzende  eine  Beweiserhebung,
auf  welcher  von  Seiten  der  Staatsanwaltschaft  oder  des  Angeklagten  bestanden
wird,  vorzunehmen  Bedenken  trägt,  oder  wenn  zur  Herbeischaffung  eines  Beweismittels
  die  Vertagung  der  Sache  (F.  231.)  erforderlich  ist.

Entscheidet  sich  das  Gericht  für  die  Verwerfung  des  Widerspruchs,  oder
für  die  Ableheung  der  Beweiserhebung,  so  müssen  mit  bem  Beschlusse  die  Gründe
desselben  verkündet  werden.

Auch  von  Amtswegen  kann  das  Gericht  über  die  Zulässigkeit  einer  Handlung
  der  Beweisaufnahme  in  Berathung  treten,  ingleichen  die  Erhebung  neuer
Beweise  beschließen.

*

Ein  jeder  Zeuge  wird  ohne  Beisein  der  erst  später  abzuhörenden  ver-  0.  Vafahren  in
nommen.  ezug  auf  de:

Ob  auch  die  Sachpverständigen  einzeln  vorzurufen,  oder  zu  den  Verhand-ä
lungen  von  Anfang  an  oder  von  einem  gewissen  Zeitpunkt  ab  zuzuziehen  sind,  Sochverstänhat
  der  Vorsitzende  zu  bestimmen,  vorbehaltlich  der  Entscheidung  des  Gerichts,
(Nr.  6704.)  falls
        <pb n="1169" />
        —  992  —

falls  von  Seiten  der  Staatsanwaltschaft  oder  des  Angeklagten  Widerspruch
erhoben  wird.  -

§.253.

Auf  die  nämliche  Weise  (F.  252.)  wird  bestimmt,  ob  die  vernommenen
Zugen  und  Sachverständigen,  welche  der  Regel  nach  bis  zur  Berndigung  der
Sache  im  Sitzungssaale  verbleiben  müssen)  schon  vor  diesem  Zeitpunkt  ent  asen  ·
werden  können,  unbeschadet  der  Befugniß  des  Vorsitzenden,  dieselben  während  der
Verhandlung  zeitweise  aus  dem  Sitzungssaale  abtreten  zu  lassen.

C.  254.

Die  in  dem  vorausgegangenen  Ver  ahren  eidlich  vernommenen  Zeugen  und
Sachverständigen  haben  ihre  Aussagen  nicht  durch  einen  neuen  Eid,  sondern  durch
die  Versicherung  auf  den  früher  geleisteten  zu  bestärken.

(7.  255.

Der  Vorsitzende  kann  den  Angeklagten  im  Laufe  der  Verhandlung  bei  der
Vernehmung  einzelner  Zeugen  oder  etwaiger  Mitangeklagten  ensweiten  aus  dem
Sitzungssaale  abtreten  lassen;  e§  muß  aber  die  Vernehmunz  und  zwar  die  der
Zeugen  vor  der  eidlihen  Bestärkung  ihrer  Aussagen,  in  Gegenwart  des  Angeklagten
  wiederholt  werden.  «

§.256.
10.Stip;mæs-  Aus  dem  aufzunehmenden  Sitzungsprotokolle  müssen  ersichtlich  sein:
½  1)  die  Namen  aller  bei  der  Verhandlung  betheiligten  Personen)

2)  die  Verfahrungsweise  des  Gerichts  in  Ansehung  der  vom  Gesetz  vorgeschriebenen
  Förmlichkeiten;.

3)  die  zur  Verlesung  gebrachten  27½  und  die  darauf  bezüglichen
M  G.  246.  248.  *)#  ,-M

  die  vernommenen  Zeugen  und  Sachverständigen,  die  Art  und  Weise,  wie
sie  ihre  Aussage  eidlich  bestärkt  haben,  oder  die  Gründe,  weshalb  ihre
Verneh  mung  uneidlich  erfolgt  ist,  und  der  wesentliche  Inhalt  der  von
ihnen  und  dem  Angeklagten  abgegebenen  Erklärungen.  In  Ansehun
der  bereits  füüher  gerichtlich  vernommenen  Personen  ist  in  dem  Protokolle
nur  zu  vermerken,  fnoigee  ihre  Auslassungen  etwa  von  den  füüheren
Aussagen  in  erheblichen  Punkten  abweichen,  oder  dieselben  in  wesentlichen
Beziehungen  ergänzen;

5)  die  der  Entscheidung  durch  das  Gericht  unterstellten  Anträge  der  Staatsanwaltschaft
  und  des  Angeklagtent  und  die  von  dem  Gerichte  Lefübien.
Beschlüsse  nebst  den  Gründen.  Schriftliche  Anträge  sind  als  Beilagen
in  Bezug  zu  nehmen.  «

§.257.
        <pb n="1170" />
        —  993  —

".  257.

Das  Protokoll,  welches  von  dem  Vorsitzenden  und  dem  Gerichtsschreiber
alsbald  nach  der  Verhandlung  mm  Zeichen  der  Bezaubi  ung  zu  vollziehen  ist,
bedarf  der  Genehmigung  und  Unterschrift  von  Seiten  be  Vetzeiliglen  und
überhaupt  einer  Vorlesung  nicht.

Kommt  es  jedoch  auf  die  wörtliche  Eisstelung  einer  Mussage  an,  gleichviel
  ob  für  einen  in  oder  außerhalb  der  Sache  liegenden  Zweck,  so  kann  das
Gericht  auf  den  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  oder  des  Angeklagten  oder  auch
von  Amtswegen  verordnen,  daß  die  Aussage,  nachdem  sie  geeigneten  Falls  auf  das
Diktat  des  Vorsitzenden  in  das  Protokoll  oder  in  eine  rich  demselben  zu  volliehende
  Anlage  niedergeschrieben  worden  ist,  in  der  Sitzung  selbst  vorgelesen
werde.  Die  erfolgende  Genehmigung  der  Niederschrift  von  Seiten  des  Vernommenen
  ist  alsdann  unter  derselben  zu  bemerken.

g.  258.

Bei  Beurtheilung  des  Verfahrens  in  der  Hauptverhandlung,  falls  daseelte
in  der  zechtsmittelinstag  in  Frage  kommt,  ist  der  Inhalt  des  Sitzungsprotokolls
dergestalt  maaßgebend,  daß  ein  Gegenbeweis  nicht  Lattfindet

Erfolgt  in  der  Hauptverhandlung  die  Beobachtung  der  vorgsschrietenen
Förmlichkeiten  nach  Ansicht  der  Staatsanwaltschaft  oder  des  Ange  lagten  in
mangelhafter  oder  ungenügender  Wise,  so  sind  dieselben  berechtigt,  die  Feststellung
  des  näheren  Vorganges  und  dessen  Aufnahme  in  das  Protokoll  zu
verlangen.

.  259.

Nach  Eröffnung  des  Hauptverfahrens  kann,  außer  dem  Falle  des  Ablebens  uu  urtzeit.
oder  der  eintretenden  Umzurechnungefähigken  des  Angeklagten,  die  Untersuchung  fülong;
nicht  anders  als  durch  richterliches  Urtheil  beendigt  werden.  1  r

An  der  Bestimmung  des  §.  58.  und  des  letzten  Absatzes  des  F.  54.,  sowie  u
an  der  Vorschrift  im  zweiten  Absatze  des  S.  20.  des  Strafgesetzbuchs  wird  hierdurch
  nichts  geändert.

G.  260.

Der  erkennende  Richter  ist  bei  seiner  Beurtheilung  an  die  in  der  Sache  e.  enz,
früher  ergangenen  Beschlüsse  nicht  gebunden;  er  muß  alle  dem  Angeklagten“,pähel
günstigen  oder  ungünstigen  Thatsachen  und  Rechtsgeünde,  selbst  von  Amtswegen,
in  Betracht  ziehen,  auch  wenn  dieselben  durch  den  Verweisungsbeschluß  aus  tbatsächlichen
  oder  rechtlichen  Erwägungen  beseitigt  worden  sind.

Die  Bestimmungen  der  .  44.  und  49.  werden  hierdurch  nicht  berührt.

KC.  261.

Die  Berathung  und  Abstimmung  des  Gerichts  über  das  Urtheil  erfolgt.  v
ohne  Beisein  anderer  Personen.  Z„  sZ
Jahrgang  1867.  (Nr.  6704.)  131  F  262.
        <pb n="1171" />
        S.  262.
E  Das  Urtheil  muß  enthalten:
die  Entscheidung  sowohl  in  der  Hauptsache,  als  wegen  der  Kosten,
die  Entscheidungsgründe,  und  zwar,  wenn  das  Erkenntniß  ein  verurtheilendes
  ist,  unter  Anführung  der  in  Amwendung  gebrachten  gesetzlichen
Bestimmungen.

Ist  es  ein  freisprechendes,  so  muß  aus  den  Grinden  ersichtlich  sein,  ob
die  That  des  Aufklaggten  für  nicht  festsestelt  oder  für  nicht  keen
worden  ist,  und  ob  in  dem  letzteren  Falle  der  Grund  der  Nichtbe  in  dem
Mangel  eines  amwendbaren  Strafgesetzes  oder  in  der  Feststellung  eines  die  Strafbarkeit
  ausschließenden  Umstandes  beruht.

**
rreens  ie  Das  Urtheil  (#.  262.)  muß  in  der  Sitzung  mündlich  verkündet,  und  vor
e  'e  oder  nach  der  Verkündung  schriftlich  abgefaßt  werden,  bei  Vermeidung  der
Nichtigkei.  -
§.264.

Kann  die  Verkündung  nach  geschlossener  Verhandlung  nicht  sofort  erfol
so  ist  dazu  eine  andere  Sitzung  zu  bestimmen,  welche  nicht  über  acht  Tage  #
auszuschieben  ist.  Diese  Vertagung  darf  jedoch  niemals  blos  deshalb  eintreten,
um  zuvor  die  Entscheidungsgründe  schriftlich  abzufassen.

S.  265.

t.  dern  bhenen  Wird  das  Urtheil  vor  der  Verkündung  vollständig  abgefaßt,  so  kann
dasselbe  in  das  Sitzungsprotokoll  aufgenommen  werden.  Andernfalls  ist  es  besonders
  niederzuschreiben,  und  von  den  Richtern,  welche  dasselbe  gefällt  haben,  zu
unterzeichnen.  Es  muß  jedoch  das  Protokoll  in  allen  Fällen  den  entscheidenden

Theil  des  Urtheils  enthalten.

C.  266.

Wenn  das  Urtheil  besonders  niedergeschrieben,  oder  eine  beglaubte  Abschrift
desselben  ertheilt  wird,  so  sollen  dabei  angeeben  werden:  das  Datum  der  Sitzun
in  welcher  das  Urtheil  verkündet  worden,  der  Vermerk,  ob  dieselbe  eine  öffentli
oder  nicht  öffentliche  war,  und  die  Namen  der  Richter,  des  Beamten  der  Staatsankchot
  und  des  Gerichtsschreibers,  welche  bei  der  Hauptverhandlung  mitgewirkt
  haben.

C.  267.

"  n  Das  Urtheil  muß  dem  Angeklagten  von  Amtswegen  in  Ausfertigung  oder
##  brsienbte  gescheste  z  el3t  werden,  wenn  derselbe  bei  dessen  Verkündung  nicht
.  Im
        <pb n="1172" />
        —  995  —

Im  Uebrigen  hat  jeder  Angeklagte  das  Recht,  eine  Abschrift  des  Urtheils,
und  zwar,  wenn  er  freigesprochen  worden  ist,  unentgeltlich  zu  verlangen.

KC.  268.

Ergeben  sich  aus  der  Verhandlung  genügende  Anzeigen  dafür,  daß  2.  Befugnisse
Angeklagts  eine  anderweite  strafbare  That,  außer  der  in  der  Untersuchung  !  ot1
lichen,  begangen  habe,  so  kann  das  Gericht  auf  den  Antrag  der  Staatsanwaltschaft,
  und  zwar  Heeon  nach  asolter  Freisprechung,  einen  Haftbefehl  beschließen

E—7  sonst  in  der  Sache  Erforderliche  vrenkaseng

Eben  dasselbe  gilt  in  Ansehung  von  Zeugen,  gegen  welche  die  Verhandlung

r  gnn  enden  Verdacht  eines  begangenen  Meineides  herausgestellt  haben  ollte.
vor  Geschworenen  soll  jedoch  die  Bekmmtmachung  und  n  oller
  Ve

Haftbefehls,  sofern  keine  Vertagung  eintritt,  bis  nach  un
spruchs  der  Geschworenen  au  elelt  bleiben,  wenn  dies,  ohne  den  Zw
der  Verhaftung  zu  gefährden,  ausführbar

Dreizehnter  Titel.

Besondere  Vorschriften  für  das  Verfahren  in  schwurgerichtlichen
Strafsachen.

Erster  Abschnitt.
Von  den  Schwurgerichtshöfen.

C.  269.

.  Die  Sprengel  der  Schwurgerichtshöfe  und  die  Kollegialgerichte  erster
Instanz,  bei  welchen  die  Schwurgerichte  abzuhalten  sind,  werden  durch  den  Justizminister
  bestimmt

Der  Tag  der  Eröffnung  der  zur  Abhaltung  der  Schwurgerichte  bestimmten
  ls  Situngen  ist  von  dem  Ersen  Präßt  denten  des  abbellationsgerichts
auf  den  Vorschlag  des  betreffenden  Kollegialgerichts  erster  Instanz  nach  dem  Umluge
  der  Grschäft  U  festzusetzen,  und  von  letzterem  Gerichte  öffentlich  bekannt  zu
machen.

K.  270.

Die  P  mmer  kann  auf  den  Antrag  des  Ober-Staatsanwalts  bechließen,
  yh  die  Abhaltun  ig  einen  bestimmten  Sthhungsperiode  nicht  bei  dem  ein-*2
  für  bestim

Kollegialgerichte,  sondern  bei  einem  anderen  innerdes
  Schwungerichtsbrzük.s  belegenen  Gerichte  erfolge.

(r.  6704.  131“  .  271.
        <pb n="1173" />
        —  996  —

g.  271.

zetbalt  der  Sitzungsperiode  des  Schwurzerichtshofes  werden  alle  Geshäfte
  desselben  durch  die  Strafkammer  desjenigen  Gerichts  versehen,  bei  welchem
as  Schwurgericht  abgehalten  wird.

C.  272.

Die  Vorsitzenden  der  Schwurgerichtshöfe  werden  gr  jeden  Appellationsgerichtsbezirk
  aus  der  Zahl  der  in  demselben  aunzestellten  ichter  von  dem  Justizminister
  auf  Ein  Jahr  ernannt.  Die  Auswahl  der  Vorsitzenden  für  die  einzelnen
Sitzungsperioden  steht  dem  Ersten  Präsidenten  des  Appellationsgerichts  zu.

Die  beisitzenden  Richter  werden  von  dem  Präsidenten  oder  Direktor  des
betreffenden  Kollegialgerichts  erster  Instanz  aus  dessen  Mitgliedern,  nöthigenfalls
aus  den  Mitgliedern  anderer  Gerichte  im  Sprengel  des  Kollegialgerichts  erster
Instanz,  berufen.  Es  können  auch  Mitglieder  anderer  Gerichte  im  Bezirke
des  Appellationsgerichts  mit  Genehmigung  des  Präsidenten  des  letzteren  zugezogen
  werden.

K.  273.

Der  Vorsitzende  des  Schwurgerichtshoses  wird  im  Falle  der  Verhinderung
durch  den  Präsidenten  oder  Direktor  des  Gerichts,  bei  welchem  das  Schwurericht
  abgehalten  wird,  oder  durch  dessen  Stellvertreter  ersetzt,  knlese  nicht
söon  ein  anderer  Stellvertreter  für  ihn  durch  den  Appellationsgerichts-Präsidenten
bezeichnet  worden  ist.

Tritt  wähe  einer  bereits  begonnenen  Hauptverhandlung  eine  Verhinderung
  des  Vorsitzenden  ein,  so  behält  es,  falls  ein  Ergänzungsrichter  zugezogen
ist,  bei  den  Bestimmungen  des  §.  227.  sein  Bewenden.

zweiter  Abschnitt.
Von  der  Berufung  zum  Geschworenendienste.

G.  274.
Zum  Dienste  als  Geschworener  soll  nur  berufen  werden,  wer

1)  das  dreißigste  Lebensjahr  vollendet,

2)  wenigstens  Ein  Jahr  in  der  Gemeinde)  in  welcher  er  sich  aufhält,  seinen
Wohrsit  hat,

3))  der  klassifizjirten  Einkommensteuer  unterworfen  ist,  oder  jährlich  mindestens
16  Thaler  an  Klassensteuer,  oder  20  Thaler  an  Grundsteuer)  ausschließlich
  der  Beicchläge,  oder  24  Thaler  an  Gewerbesteuer  entweder  entrichtet,

oder  unter  grauesehung  des  Bestehens  einer  dieser  Arten  der  Besteuerung

nach  seinen  Verhältnissen  zu  entrichten  haben  würde,
un
        <pb n="1174" />
        —  997  —

und  durch  keinen  der  in  den  beiden  folgenden  Paragraphen  angegebenen  Gründe
ausgeschlossen  wird.

hne  Rücksicht  auf  den  zu  3.  erwähnten  Steuersatz  sind  zu  Geschworenen
wählbar:  die  Rechtsanwalte  und  Notarien,  die  Profesoren,  die  approbirten  Aerzte
und  diejenigen  öffentlichen  Beamten,  welche  ein  Einkommen  von  mindestens
500  Thalern  jährlich  beziehen.

275.
Unfähig,  den  Beruf  eines  Geschworenen  auszuüben,  ist:
1)  wer  nicht  die  Eigenschaft  eines  Preußen  besitzt;

2)  wer  in  Folge  strafgerichtlicher  Verurtheilung  die  Befähigung,  Geschworener
zu  sein,  entbehrt;

3)  wer  der  selbstständigen  Verwaltung  seines  Vermögens  durch  gerichtliches
Erkenntniß  entsetzt  ist.

5S.  276.
Es  sind  zu  Geschworenen  nicht  zu  berufen:
1)  die  Minister,  Unterstaatssekretaire  und  Ministerialdirektoren;
2)  die  richterlichen  Beamten  und  die  Beamten  der  Staatsanwaltschaft;

3)  die  Oberpräsidenten,  Regierungspräsidenten,  Provinzialsteuerdirektoren,
Landräthe,  Polizeipräsidenten  und  Polizeidirektoren;

4)  die  Militairpersonen  des  Dienststandes;
5)  die  Religionsdiener  aller  Konfessionen;
6)  die  Volksschullehrer;
7)  Dienstboten;
8)  diejenigen,  welche  das  70ste  Lebensjahr  zurückgelegt  haben;
9)  diejenigen,  welche  nicht  lesen  und  schreiben  können;
10)  Personen,  welche  in  Konkurs  verfallen  sind,  so  lange  sie  die  erfolgte
efriedigung  ihrer  Gläubiger  nicht  nachgewiesen  haben.
§.  277.
Befreit  von  jedem  Geschworenendienste  sind:

1)  Mitglieder  des  Reichstages  des  Norddeutschen  Bundes,  oder  eines  der
beiden  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  für  die  Dauer  der  Sitzungsperioden;


2)  Personen,  welche  einer  Einberufung  als  Geschworene  Folge  geleistet  und
ur  Bicdiag  des  Schwurgerichts  mitgewirkt  haben,  bis  zum  Schlusse

es  nächstfolgenden  Kalenderjahres.  ·
Odem-J  Die
        <pb n="1175" />
        2  Blldung  der

Urliste.

—  998  —

Die  als  Ergänzungsgeschworene  Einberufenen  haben  auf  die  Befreiung
nur  für  den  Rest  des  Kalenderjahres,  in  welchem  ihre  Mitwirkung  erfolgt  ion
und  selbst  in  dieser  Beschränkung  nur  so  lange  Ansprch,  als  die  Ergänzungsliste
noch  eine  genügende  Anzahl  anderer  Personen  darbietet.

C.  278.

Für  jeden  landräthlichen  Kreis  wird  von  dem  Landrathe  eine  Urliste  der
Personen,  welche  nach  den  vorstehenden  Bestimmungen  zu  Geschworenen  berufen
werden  können,  angelegt  und  alljährlich  im  Monat  Oktober  berichtigt.

Die  Liste  muß  in  alphabetischer  Ordnung  und  unter  sontlmenden  Nummern
  die  Vor=  und  Zunamen  der  Eingetragenen,  den  Stand,  das  Alter  und
den  Wohnort  derselben,  sowie  die  Angabe  der  Steuersätze  oder  der  Besoldung
enthalten,  vermöge  deren  sie  zu  Geschworenen  berufen  werden  können.

5S.  279.

Die  Urliste  muß  an  einem  öffentlich  bekannt  zu  machenden  Orte  acht  Tage
lang  zu  Jedermanns  Einsicht  offen  gelegt  werden.

Behauptet  Jemand,  ohne  Grund  übergangen,  oder  mit  Unrecht  ein  Gtragen
zu  sein,  so  hat  er  seine  Einwendungen  binnen  der  achttägigen  Frist  zu  Poa  oll
anzumelden.

Erachtet  der  Landrath  die  Einwendungen  für  begründet,  so  bewirkt  er  die
nachträgliche  Eintragung  oder  Löschung  binnen  drei  Tagen  nach  Ablauf  der  Einwendungsfrist.


G.  280.

Die  abgeschlossenen  1lstes  werden  dem  Präsidenten  der  Regierung,  in
deren  Bezirk  sie  ausgenommen  sind,  übersendet.

Liegt  ein  Schwurgerichtsbezirk  in  mehreren  Megierungebezirten,  so  entscheidet
der  Sitz  des  Schwurgerichtshofes  darüber,  an  welchen  Regierungspräsidenten  die
Einsendung  zu  erfolgen  hat.

.  281.

Die  Kreislandräthe  haben  bei  zaberseid  der  Urlisten  ih#e  Bemerkungen
über  die  Qualifikation  der  darin  aufgeführten  Passonen  zum  Berufe  als  Geschworene
  schriftlich  beizufügen.
K.  282.
In  den  Stadtkreisen  hat  der  Gemeindevorstand,  beziehungsweise  der  Polizeibrsidem
  oder  Polizeidirektor  die  in  den  §.  278.  bis  281.  bezeichneten  Geschäfte
es  Landrathes  wasenmehmnen
S.  283.
Der  Regierungspräsident  stellt  die  U#bssen  für  jeden  Schwurgerichtebesirt
8  und  ubersendet  ie  noch  im  Laufe  des  Monats  November  nebst  den  begleienden
  Bemerkungen  (F.  281.)  dem  Ersten  Präsidenten  des  Appellationsgeria  "elL
        <pb n="1176" />
        —  999  —

KC.  284.

Der  Erste  Präsident  des  Appellationsgerichts  entwirft  aus  den  Urlisten  3  Uildung  der
für  jeden  Schwurgerichtsbezirk  eine  besondere  Jahresliste,  aus  welcher  die  Ge.  Oäkk#che
schworenen  für  das  bevorstehende  Kalenderjahr  genommen  werden  sollen.  *

In  derselben  Weise  wird  von  ihm  aus  Personen,  welche  am  Sitzungsorte
des  Schwurgerichtshofes  oder  in  dessen  nächster  Umgebung  wohnen,  eine  Liste
glsorsn  aus  welcher  die  Ergänzungsgeschworenen  genommen  weren
  sollen.

Der  Umfang  dieser  beiden  Listen  ist  mit  Rücksicht  auf  die  Anzahl  der  in
dem  Kalenderjahre  voraussichtlich  stattfindenden  Sitzungsperioden  in  der  Art  zu
bemessen,  daß  in  jede  Liste  doppelt  so  viel  Personen,  als  das  Bedürfniß  erfordert,
aufgenommen  werden.

285.

Die  entworfenen  Jahres-  und  Ergänzungslisten  werden  dem  Ober-Staatsanwalt,
  und  für  den  Sprengel  eines  jeden  Kollegialgerichts  erster  Instanz  dem
Präsidenten  oder  Direktor  desselben  mitgetheile.

Es  liegt  diesen  Beamten  ob,  sich  über  die  Qualifikation  der  in  den  Listen
aufgeführten  Personen  zum  Berufe  als  Geschworene  binnen  vierzehn  Tagen
scosftich  m  zußem.  *  ,  «

Die  Wahl  der  Mittel,  um  sich  die  Lichn  erforderliche  Kenntniß  zu  verschaffen,
  ist  ihrem  pflichtmäßigen  Ermessen  überlassen.

.  286.

Nachdem  diese  Aeußerungen  (G.  285.)  eingegangen  sind,  führt  der  Erste
Prästderechee  Wegeirten  ge  9  Jahresliste  und  die  Ergänzungsliste  auf
das  vorhandene  Bedürfniß  zurück  und  stellt  sie  damit  endgültig  fest.

C.  287.

Sobald  der  Vorsitzende  für  eine  bevorstehende  Sitzungsperiode  des  Schwur-4.  Sa#ns
Leichts  ernannt  ist,  übersendet  ihm  der  Erste  Präsident  des  Appellationsgerichts  Hiett
*!  erzeichniß  von  48  aus  der  betreffenden  Jahresliste  (§.  286.)  ausgezogenen

ersonen.

Der  Vorsitzende  wählt  aus  dicsem  Verzeichnisse  30  nach  seinem  Ermessen
geeignete  Personen  aus)  welche  zu  Geschworenen  für  die  betreffende  Sitzungsperiode
  berufen  sind.  ·

§.288.

Die  Ergaͤnzungsliste  6  286.)  wird  dem  Gerichte,  bei  welchem  das  Schwur=  c.  Ulbersendung
gericht  abgehalten  wird,  noch  vor  dem  Anfange  des  Kalenderjahres  zum  Gebrauche  —“.
während  des  Laufes  desselben  übersendet.  ·

Wenn  die  Abhaltung  einer  Sitzungsperiode  des  Schwurgerichts  bei  einem
anderen  als  dem  hiefür  ein-  für  allemal  bestimmten  Gerichte  eolgt  so  wird  für

(Nr.  6704.)  diese
        <pb n="1177" />
        —  1000  —

dies  Sitzungsperiode  eine  besondere  Ergänzungsliste  gebildet  (I#.  284.  bis  286.),
und  dem  ernannten  Vorsitzenden  zugefertigt.

Dritter  Abschnitt.
Von  der  Bildung  des  Schwurgerichts.

G.  289.
1.  Ladung,  Auf  den  zur  Eröffnung  der  Sitzungen  festgesetzten  Tag  werden  die  ausoofta
  5  gewählten  30  Geschworenen  geladen.  8
der  Geschwore-.

  C.  290.

Geschworene,  welche  verhindert  sind,  der  an  sie  ergangenen  Aufforderung
Folge  zu  leisten,  haben  ibre  Entlassungs-  oder  Beurlaubungsgesuche  unter  Anabe
  und  Bescheinigung  der  Hinderungsursachen  Kiig  vor  dem  Beginne  der
Stungen  bei  der  Staatsanwaltschaft  am  Sitze  des  Schwurgerichtshofes  einureichen.

.  Die  Gesuche  sind  mit  der  schriftlichen  Erklärung  der  Staatsanwaltschaft
unverzüglich  dem  Gerichte  (I.  271.)  zur  hlußfassung  vorzulegen.  Es  bedarf
jedoch  dieser  Entscheidung  nicht,  wenn  die  Staatsanwaltschaft  und  der  ernannte
Vorsitzende  über  die  Bewilligung  des  Gesuches  einverstanden  sind.  —  An  Stelle
der  entlassenen  Geschworenen  hat  der  Vorsitzende,  wenn  es  noch  geschehen  kann,
aus  dem  von  dem  Appellationsgerichts-Präsidenten  übersandten  Verzeichnisse
andere  Geschworene  auf  die  Dienstliste  zu  bringen  und  deren  Einberufung  anzuordnen.


C.  291.

Bei  Eröffnung  der  Sitzungsperiode  werden  in  Penticher  Sitzung  die
Namen  der  Geschworenen,  welche  *  vorher  ihre  Entla  ing  oder  Beurlaubung
erlangt  haben,  und  die  Gründe  befür  bekannt  gemacht.  Ueber  die  noch  nicht
erledigten  Gesuche  dieser  Art  wird  nach  Anhörung  der  Staatsanwaltschaft  der
Beschiuß  des  Gerichtshofes  gefaßt  und  öffentlich  verkündet.

KC.  292.

2.  Bestraflaug  Ein  Geschworener,  welcher  ohne  eine  gegründet  befundene  Hinderungswes
  ursache  sich  zu  den  Verhandlungen  nicht  rechtzeitig  einfindet,  oder,  nachdem  er
Geschworenen.  erschienen  ist,  sich  den  ihm  obliegenden  Verrichtungen  entzieht,  verfilt  in  eine
Geldbuße  von  funfzig  bis  zu  dreihundert  Eaem  Die  Festsetzung  dieser  Strafe
erfolgt,  nachdem  dem  Geschworenen  Gelegenheit  zu  neiner  erantwortung  gegeben

worden  ist,  durch  den  Gerichtehof  nach  Anhörung  der  Staatsanwaltschaft.
Erklärt  sich  jedoch  der  Geschworene,  bevor  die  Strafoerfy  ung  gegen  ihn
erlassen  ist,  bereit,  seine  Verpflichtungen  zu  erfüllen,  so  kann  der  Gerichtshof,
wenn
        <pb n="1178" />
        —  1001  —

wenn  der  Grund  der  Milichtversäumung  in  einer  bloßen  Nachlässigkeit  beruht,
unter  Heranziehung  des  Säumigen  zu  den  etwaigen  ferneren  Verhandlungen  die
Strafe  gegen  denselben  bis  auf  eine  Geldbuße  von  fünf  Thalern  ermäßigen.
Wird  ein  ausgebliebener  Geschworener  für  entschuldigt  erachtet,  so  kann
er  dennoch,  wenn  er  die  rechtzeitige  Anzeige  und  Bescheinigung  der  Hinderungsursache
  unterlassen  hat,  in  eine  Geldbuße  bis  zu  fünf  Thalern  genommen  werden.

K.  293.

Die  zur  Mitwirkung  erschienenen  Geschworenen,  welche  weiter  als  eine  3.  Meit-cnt,
Meile  von  dem  Orte  des  Gerichts  entfernt  ihren  Wohnsitz  haben,  erhalten,  wenn  7
sie  es  verlangen,  für  jede  Meile  der  Hin=  und  Herreise  8  Sgr.  Reise-Entschädigung.

Diäten  werden  ihnen  nicht  gezahlt.

K.  294.
Zur  Bildung  des  Schwurgerichts  ist  die  Anwesenheit  von  mindestens  4.  Voraus=24
  Geschworenen  erforderlich.  selchenftn
des  Schwur-S.
  295.  gerichts.

Unfähig,  in  einer  bestimmten  Sache  die  Verrichunge  eines  Geschworenen
wahrumehmen,  ist,  wer  nach  Vorschrift  des  §.  24.  Nr.  1—4.  als  Richter  nicht
würde  mitwirken  können.

Auf  diese  Besheit  des  Gesetzes  sollen  die  Geschworenen,  bevor  die  Bildung
  des  Schwurgerichts  in  der  einzelnen  Sache  beginnt,  aufmerksam  gemacht
und  aufgefordert  werden,  die  etwa  vorhandenen  Gründe  der  Unfähigkeit  anzuzeigen.


S.  296.

Ist  durch  Ausbleiben,  Entlassung,  Beurlaubung  oder  den  Tod  von  Ge=  5.  Joziehang
schworenen,  oder  in  Folge  der  Ausschließung  von  Persten  )  welche  zur  Mitwir-  de  Segn.
kung  als  Geschworene  unfähig  (§#.  275.  295.)  oder  wegen  körperlicher  und  1  18/8  c
geistiger  Gebrechen  untauglich  an  die  Gesammtzahl  der  Geschworenen  unter  die
zur  Bildung  des  Schwurgerichts  erforderliche  Anzahl  herabgesunken,  so  wird  dieselbe
  aus  der  Ergänzungsliste  durch  das  Loos  vervollständigt.

--Die

  Ausloosung  der  Ergänzungsgeschworenen  erfolgt,  sobald  sie  sich  als
nothwendig  herausstellt,  für  alle  noch  zu  erledigenden  Sochen  in  öffentlicher
Sitzung,  ohne  daß  es  der  Zuziehung  der  Angeklagten  bedarf.  »

Es  werden  durch  den  Vorsitzenden  so  viel  Namen  gezogen,  bis  die  Zahl
der  Geschworenen  auf  30  ergänzt  ist.  Zur  Bildung  des  Schwurgerichts  in  der
einzelnen  Sache  braucht  aber  auf  das  Erscheinen  sämmtlicher  Ergänzungegeschworenen
  nicht  gewartet  zu  werden,  vielmehr  genügt  es,  wenn  im  Ganzen
wenigstens  24  Geschworene  anwesend  sind.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6704.)  132  S  298.
        <pb n="1179" />
        —  1002  —

S.  298.

Die  Ergänzungsgeschworenen  müssen  bei  Vermeidung  der  im  §.  292.  bestimmten
  Strafe  sich  auf  die  an  sie  ergehende  Ladung  unverzüglich  einfinden  und
an  den  ferneren  Verhandlungen  des  Schwurgerichts  Theil  nehmen.

Erscheinen  später  wieder  so  viele  der  auf  der  Dienstliste  befindlichen  Geschworenen,
  daß  mehr  als  30  Geschworene  anwesend  sind,  so  werden  von  den
Ergänzungsgeschworenen,  und  zwar  in  der  umgekehrten  Reihenfolge,  in  welcher
sie  gezogen  worden,  so  viele  entlassen,  daß  überhaupt  nur  die  Zahl  von  30  Geschworenen
  übrig  bleibt.

C.  209.
-  Vasahraagt.  Die  Bildung  des  Schwurgerichts  in  jeder  einzelnen  Sache  erfolgt  in  der
ot  für  sie  bestimmten  aupterhmdlee,  bevor  zu  der  Verhandlung  über  die  Anklage

so,Str  geschritten  wird.
d#nzelnen  Sache.  S.  300.

Dem  berelte  Angeklagten  muß  am  Tage  vor  der  Verhandlung  ein
Verzeichniß  zugestellt  werden,  welches  Namen,  Stand  und  Wohnort  derjenigen
Geschworenen  enthält,  aus  welchen  das  Schwurgericht  für  seine  Sache  genommen
werden  soll.  In  dasselbe  sind  auch  die  bis  dahin  gezogenen  Ergänzungsgeschworenen
  aufzunehmen.

Ist  diese  Mittheilung  gar  nicht  oder  uuvollständg  erfolgt,  so  kann  dennoch
mit  der  Verhandlung  vorgegangen  werden,  sofern  der  Angeklagte  nicht,  bevor  die
Bildung  des  Schwurgerichts  beginnt,  die  Aussetzung  des  Verfahrens  in  Antrag

ringt.
S.  301.

Der  nicht  verhaftete  Angeklagte  ist  berechtigt,  schon  am  Tage  vor  der

Verhandlung  und  bis  zum  Beginn  derselben  das  Verzeichniß  der  Geschworenen

(§&amp;amp;.  300.)  an  der  Gerichtsstelle  einzusehen  oder  eine  Abschrift  desselben  ebenda  in
fang  4  nehmen.

Sobald  die  Bildung  des  Schwurgerichts  in  seiner  Sache  begonnen  hat,
darf  er  bis  zur  Verkündung  des  llrtheils  den  Situngssaal  ohne  Erlaubniß  des
Vorsitzenden  nicht  verlassen.  Der  Vorsitzende  kann  die  geeigneten  Maaßregeln
treffen,  um  zu  verhindern,  daß  der  Angeklagte  sich  der  Verhandlung  entziehe.

S.  302.
Die  Verhandlung  beginnt  mit  dem  Aufrufe  der  Geschworenen.
Der  Rame  eines  jeden  Geschworenen,  welcher  auf  den  Auftuf  antwortet,
wird  in  eine  Urne  gelegt,  aus  welcher  die  Namen  auszuloosen  sind.
S.  303.

Die  Jiehung  der  Namen  aus  der  Urne  erfolgt  durch  den  Vorsitzenden.
So-
        <pb n="1180" />
        -

—  1003  —

Sobald  ein  Name  gesogen  ist,  erklärt  zuerst  der  Beamte  der  Staatsanwaltschaft
  und  demnächst  der  Wgzellagte  oder  dessen  Vertheidiger  durch  die
Aeußerung  „Angenommen“  oder  „Abgelehnt“)  ob  er  den  Geschworenen  annehme
oder  ablehne.  Die  Angabe  von  Gründen  für  die  Ablehnung  ist  unstatthaft.

Wird  eine  Erklärung  nicht  abgegeben,  so  gilt  dies  als  Annahme.

Die  Ablehnung  oder  deren  Zurücknahme  ist  nicht  mehr  zulässig,  wenn  ein
fernerer  Name  aus  der  Urne  gezogen  ist.

G.  304.

Es  sind  im  Ganzen  nur  so  viel  Ablehnungen  zulässig,  als  Geschworene
über  zwölf  anwesend  sind.

C.  305.

Die  Hälfte  der  zulässigen  Ablehnungen  steht  der  Staatsanwaltschaft,  die
andere  Hälfte  dem  Angeklagten  zu.

Ist  die  Gesammtzahl  eine  ungerade,  so  steht  dem  Angeklagten  eine  Ablehnumg
  mehr  zu,  als  der  Staatsanwaltschaft.

G.  306.

Sind  in  der  nämlichen  Sache  mehrere  Angeklagte  betheiligt,  so  sind  sie  zu
der  im  F.  305.  bezeichneten  Zahl  von  Ablehnungen  Rleichmäsig  berechtigt.  Kommt
über  die  Ausübung  dieses  Rechts  eine  Einigung  nicht  zu  Stande,  so  werden  die
Ablehnungen  unter  sie  gleich  vertheilt.  Hinsccht  ich  derjenigen  Ablehnungen,  deren
leiche  Vertheilung  nicht  möglich  ist,  entscheidet  das  Loos,  welchem  der  Ange-Hgten
  sie  zustehen  sollen.  Die  Reihenfolge,  in  welcher  die  Angeklagten  sich  über
die  Ausübung  ihres  Ablehnungsrechts  zu  erklären  haben,  wird  ebenfalls  durch
das  Loos  besimm.  Eine  diesem  gemäß  von  einem  der  Angeklagten  ausgeübte
Ablehnung  gilt  für  alle.

S.  307.

Das  Schwurgericht  für  die  einzelne  Sache  ist  in  dem  Uuzenblick  gebildet,
wo  die  Namen  von  zwölf  nicht  abgelehnten  Geschworenen  aus  der  Urne  gezogen  sind.

S.  208.

Der  Vorsitzende  kann  verordnen,  daß  außer  den  zwölf  Geschworenen  noch  .  Bisoudere
einer  oder  zwei  Ersatzgeschworene  gezogen  werden  sollen.  Aus  besonderen  Gründen  Vorschriftan:
kann  der  Eerichtshof  nach  Anhörung  der  Staatsanwaltschaft  und  des  Ange=  K,,
klagten,  diese  Zahl  bis  auf  vier  Ersatzgeschworene  erhöhen.  —*

Wird  eine  solche  Anordnung,  welche  stets  vor  dem  Beginn  der  Ziehung
bekannt  gemacht  werden  muß,  getroffen,  so  vermindert  sich  die  Zahl  der  zulässigen
Ablehnumgen  um  die  Jahl  der  Ersatzgeschworenen.

F.  309.
Die  Ersatzgeschworenen  treten,  wenn  im  Laufe  des  Verfahrens  die  Er-(Tr.
  6704.)  132°7  setzung
        <pb n="1181" />
        b.  für  den  Fall
dk  Anstehens  med
rerer  Sachen  an
demselben  Tagt.

8.  Vereidung
der  Geschworeuen.


—  1004  —

setzung  von  Hauptgeschworenen.  nothwendig  wird,  nach  der  Reihenfolge  ein,  in
welcher  sie  gezogen  worden  sind.  Sie  müssen  der  Verhandlung  auf  Pätzen,  die
ihnen  neben  denen  der  Hauptgeschworenen  angewiesen  werden  sollen,  beiwohnen,
nehmen  aber  an  der  Berathung,  so  lange  sie  nicht  an  Stelle  von  Hauptgeschworenen
  getreten  sind,  keinen  Antheil.

G.  310.

Wenn  an  demselben  Tage  mehrere  Sachen  zur  Verhandlung  anstehen,  so
verbleibt  das  in  der  früher  migehenoen  Sache  gebildete  Schwurgericht  auch  für
die  folgenden  Sachen,  wenn  die  dabei  betheiligten  Angeklagten  das  Schwurgericht
so,  wie  es  gebildet  ist,  auch  für  ihre  Sachen  annehmen,  und  die  Staatsanwaltschaft
  die  gleiche  Erklärung  abgiebt.  Bei  der  Vereidung  der  Geschworenen  sind
in  diesem  Fale  die  sämmtlichen  betheiligten  Angeklagten  zuzuziehen.

Muß,  weil  eine  solche  Einigung  nicht  zu  Stande  kommt,  zur  Bildung
eines  besonderen  Schwurgerichts  für  eine  später  anstehende  Sache  Elschriten
werden,  so  kann  dieselbe  vorgenommen  werden,  bevor  in  der  früheren  Sache  mit
der  Verhandlung  über  die  Anklage  vorgegangen  wird.

An  der  Vorschrift  im  zweiten  Absatze  des  F.  230.  wird  hierdurch  nichts
geändert.

G.  311.

Nachdem  die  Geschworenen  ihre  Plätze  in  der  durch  das  Loos  bestimmten
Ordnung  eingenommen  haben,  vereidet  sie  der  Vorsitzende  mit  nachstehenden
Worten:

Sie  schwören  und  geloben  bei  Gott  dem  Allmächtigen  und  Allwissenden,
in  der  Anklagesache  (den  Anklagesachen  gegen  N.  die  Pflichten  eines
Geschworenen  standhaft  zu  erfüllen,  und  Ihre  Stimme  nach  bestem
Wissen  und  Gewissen  abzugeben,  Niemandem  zu  Liebe  noch  zu  Leide,
wie  es  einem  freien  und  rechtschaffenen  Manne  geziemt,  getreulich  und
ohne  Gefährde.

Die  Geschworenen  leisten  diesen  Eid  stehend,  indem  sie  unter  Erhebung
der  rechten  Hand,  einer  nach  dem  andern,  die  Worte  aussprechen:

„Ich  schwöre  es,  so  wahr  mir  Gott  helfe.“

Mitglieder  von  Religionsgesellschaften,  welche  nach  gesetzlicher  Vorschrift
von  der  Leistung  eines  förmlichen  Eides  entbunden  sind,  geben  das  Gelöbniß  in
der  für  die  betreffende  Religionsgesellschaft  vorgeschriebenen  Betheuerungsform
besonders  ab.

n
Wenn  ein  Geschworener  der  Deutschen  Sprache  nicht  mächtig  ist,  so  muß

bei  der  Vereidung  und  bei  dem  weiteren  Verfahren  ein  vereideter  Dolmetscher
G.  145.)  zugezogen  werden.  ¶  ia
        <pb n="1182" />
        —  1005  —

G.  313.

Hat  in  einer  Sach  e  ein  nicht  gesetzlich  vereideter  oder  ein  unfähiger  Ge-  9.  Schluestin
schworener  (S#.  275.  *6.  dem  Ausspruche  der  Geschworenen  r3  ge.
nommen,  so  ist  das  n  en  nichtig.

Der  Mangel  der  h  der  H  S#  274.  und  276.  kann  vor  Gericht
weder  zur  Anfechung  des  ergangenen  Urtheils,  noch  zur  Begründung  eines  Entlassungsantrages
  geltend  gemacht  werden.

Vierter  Abschnitt.
Von  der  Verhandlung  vor  den  Geschworenen.

K.  314.
Die  Verhandlung  vor  den  Geschworenen  beginnt  mit  der  Vernehmung  1..  J  des
des  An  zuge  über  seine  persönlichen  Verhältnisse  (K.  238.).  rl

emnächst  wird  der  Verweisungsbeschluß  und  die  Anklageschrift  durch  den
Gerichtsschreiber  soir
S.  315.

Der  Vorsitzende  befragt  den  Angeklagten,  ob  er  sich  schuldig  bekenne
oder  nicht.

Bekennt  der  Angeklagte  sich  nicht  für  schuldig,  so  wird  nach  beendigtem
Verhöre  desselben  zur  Beweisaufnahme  geschritten.

Die  hieran  sich  schließenden  Aus  hrun  en  der  Staatsanwaltschaft,  sowie
des  Angeklagten  und  seines  Vertheidigers  (§.  238.)  haben  sich  auf  die  dem  Ausspruche
  der  Geschworenen  unterliegenden  Punkte  zu  beschränken.

Hiernächst  werden  die  den  Geschworenen  vorzulegenden  Fragen  festgesett
und  von  dem  Vorsitzenden  verlesen.

KS.  316.
Die  Fragen  sind  so  zu  stellen,  daß  sie  mit  Ja  oder  Nein  beantworten  2.  gregeste  lung
lassen.  Wenn  eine  nachfolgende  Frage  nur  für  den  Fall  zu  beantworten  ist,  daß  die  15
eine  vorausgehende  in  einem  gewissen  Sinne  erledigt  werde,  so  ist  dies  bemerklich  *  *  gu.
zu  machen.
.  317.
Die  Hauptfrage  hat  die  dem  Angeklagten  zur  Last  gele  te  Hauptthat  #  J#
(C.  76.  Nr.  1.)  zum  Gegenstande.  Sie  beginnt  mit  den  Worte  8  ?  nit
„Ist  der  Angeklagte  schuldig?“"
und  muh  alle  diejenigen  Merkmale,  deren  Gesammtheit  die  Anwendung  des  Strafesetzes
  begründet,  sowie  die  unterscheidenden  Rebemunstände  der  That,  namentlich
bur  und  Zeit  derselben,  umfassen.
(Nr.  6704.)  d.  318.
        <pb n="1183" />
        —  1006  —

G.  318.

5.  megoseng  ven  Merkmale,  deren  Beurtheilung  im  gegebenen  Falle  durch  rechtskundige

S#ceneternder  Einsicht  in  den  Sinn  und  Zusammenhang  der  Gesetze  bedingt  ist,  müssen,  innre

  n  soweit  es  geschehen  kann,  durch  die  Aufnahme  derjenigen  Thatsachen  ersetzt  werden,
welche  für  jene  Beurtheilung  wesentlich  sind.

C.  319.

4.  s  Der  Ausspruch  des  „Schuldig",  von  Seiten  der  Geschworenen  enthält
Scchrüh-  die  Bejahung  des  Umstandes,  daß  dem  Angeklagten  die  That  zuzurechnen  sei.
e  Wird  jedoch  über  den  Mangel  der  Zurechnungsfähigkeit  zur  Zeit  der  That
oder  über  andere  Thatsachen,  welche  nach  allgemeinen  gesetzlichen  Vorschriften  das
Vorhandensein  einer  strafbaren  Handlung  ausschließen,  eine  ausdrückliche  Feststellung
  beantrag,  so  muß  diesem  Antrage  durch  Stellung  einer  besonderen  Frage
stattgegeben  werden.  Der  Eingang  der  Hauptfrage  ist  in  diesem  Falle  derartig
zu  fassen,  daß  der  Ausdruck  „Schuldig“  vermieden  wird.
Eine  derartige  Nebenfrage  kann  auch  von  Amtswegen  vorgelegt  werden.

F.  320.
e.  Nedenstobe  Ist  ein  Angeklagter,  welcher  zur  Zeit  der  That  das  sechszehnte  Lebensjahr
u  noch  nicht  vollendet  hat,  vor  den  Schwurgerichtshof  gestellt  worden,  so  mit  in

allen  Fällen  die  Vorlegung  der  Frage  erfolgen,  ob  er  mit  Unterscheidungsvermögen
  gehandelt  habe.
C.  321.
¶  Zusahsragen  Thatumstände,  welche  nach  besonderer  gesetzlicher  Vorschrift  eine  Erschwerung
eee  der  Strafe  (F.  76.  Nr.  2.),  oder  die  Anwendung  einer  milderen  Strafe  begründen,
u#n#e  sollen  nicht  in  die  Hauptfrage  ausgenommen,  sondern  geeigneten  Falls  zum  Gegenstande
  besonderer  Fragen  gemacht  werden.
Dasselbe  gilt,  wenn  das  Gesetz  die  Anwendung  einer  geringeren  Stalfe
von  dem  Vorhandensein  mildernder  Umstände  ohne  nähere  Bestimmung  a
hängig  gemacht  hat.

G.  322.

Die  Vorlegung  von  Fragen  der  im  vorhergehenden  Paragraphen  bezeichneten

Art  muß  stets  erfolgen,  wenn  dieselbe  beantragt  wird.

S.  323.

krrahnt  Wenn  es  nach  dem  Ergebnisse  der  Verhandlung  in  Frage  kommt,  ob  die
eWelstenThat,  um  deren  Untersuchung  es  sich  handelt,  in  einer  anderen  Gestaltung,  als
beheme)  der  in  dem  #eresenerech  angenommenen,  gegen  die  Strafgesetze  verstoßen
habe  (§.  4.),  so  sind  darau  benneliche  besondere  Fragen  vorzulegen.  Hiernach  ist
insbesondere  dann  zu  verfahren,  wenn  es  sich  darum  handelt,  ob  nicht  statt  der
vollendeten  Handlung  ein  strafbarer  Versuch,  statt  einer  vorsätzlich  verübten  eine
aus
        <pb n="1184" />
        —  1007  —

aus  Fahrlässigkeit  begangene  Handlung  vorliege,  oder  ob  dem  Angeklagten  in
Bezug  auf  das  Verbrechen  oder  Vergehen,  das  er  als  Thäter  begangen  haben
sollte,  nicht  wenigstens  Theilnahme,  Begünstigung  oder  Hehlerei  zur  Last  falle.
Erscheint  jedoch  mit  Rücksicht  auf  die  Veränderung  des  Gesichtspunktes
eine  bessere  Vorbereitung  der  Vertheidigung  oder  der  Ucterführung  als  nothwendig,
  so  kann  der  Gerichtshof,  falls  er  nicht  eine  Vertagung  für  angemessen  erachtet,
  durch  einen  sofort  zu  verkündenden,  und  demnächst  in  den  entscheidenden
Theil  des  Urtheils  aufzunehmenden  Ausspruch  verordnen,  daß  die  Erörterung
dieses  anderen  Thatbestandes  einer  neuen  Verfolgung  vorbehalten  bleiben  solle.
Dieser  Vorbehalt  kann  nicht  mehr  ausgesprochen  werden,  wenn  die  den
Geschworenen  vorgelegten  Fragen  durch  die  Verkündung  eines  regelrechten  Ausspruchs
  von  Seiten  des  Vorstehers  der  Geschworenen  (§.  338.)  erledigt  worden  sind.

F.  324.

Welches  Verhältniß  den  im  9.  323.  bezeichneten  Fragen  gegenüber  den
sonst  zu  stellenden  anzuweisen  sei,  ob  sie  insbesondere  nur  als  Hülfsfragen  für
den  Fall  der  Verneinung  der  Hauptfrage  aufzunehmen,  oder  ob  ihnen  umgekehrt
die  auf  den  Gesichtspunkt  der  Anklage  gerichteten  Fragen  als  Hülfofragen  untermordnen
  seien,  ist  nach  Lage  des  besonderen  Falles  zu  beurtheilen.

S.  325.

Darüber,  ob  die  Voraussetzungen  des  Rückfalls  oder  der  Verjährung  vor=  #.  öce  and
liegen,  entscheidet  der  Gerichtshof  ohne  Mitwirkung  der  Geschworenen.  “

C.  326.

Wenn  von  Seiten  des  Vorsißenden,  der  Staatsanwaltschaft  oder  des  An=  Vasabe  be  der
gerlagten  eine  dem  Verweisungsbeschlusse  nicht  entsprechende  Fassung  der  zu  dessen
ledigung  erforderlichen  Fragen,  die  Hinzufügung  von  Zusatzfragen  oder  die
Stellung  von  Nebenfragen  in  Anregung  kommt,  oder  wenn  der  Vorsitzende  oder
die  Staatsamwaltschaft  es  für  erforderlich  erachten,  die  Fragestellung  auf  einen
anderen,  als  den  in  dem  Verweisungsbeschlusse  aufgestellten  Gesichtspunkt  auszudehnen
  (§.  323.))  so  entscheidet  hierüber,  falls  eine  allseitige  Uebereinstimmung
nicht  erzielt  wird,  der  Gerichtshof.  Bei  Ablehnung  eines  nicht  blos  die  Ausdrucksweise
  betreffenden  Antrages  müssen  die  Gründe  des  Beschlusses  verkündet  werden.
Der  Gerichtshof  kann  auch  von  Amtswegen  über  die  Fragestellung  in
Berathung  treten.
g.  327.
Die  Anträge  in  Beut  auf  die  Fragestellung  (§.  326.)  sind  von  Seiten
der  Staatsanwaltschaft  und  des  Angeklagten  bei  Gelegenheit  der  Ausführungen
über  das  Ergebniß  des  Beweisverfahrens  zu  begründen  und  zur  gegenseitigen  Erörterung
  zu  bringen.  Die  dergestat  vorgeschlagenen  Fragen  mspen  in  der  Regel
schriftlich  abgefaßt  und  übergeben  werden.
.  6704.)  S.  328.
        <pb n="1185" />
        EEII
trag  des  Vorbenden.


4.  Uebergabe  der
Fragen.

5.  Eintritt  der
Geschworenen
in  das
Berathungshimmer.


—  1008  —

S.  328.

Insofern  es  im  einzelnen  Falle  zur  besseren  Uebersicht  der  Sache  geeignet
erscheint,  kann  der  Vorsitzende  die  Festsetzung  und  Verlesung  der  vorzulegenden
Fragen  schon  gleich  nach  dem  Schlusse  des  Beweisverfahrens  und  vor  den  Ausführungen
  über  dessen  Ergebniß  eintreten  lassen.  Es  können  auch  die  festgesetzten
Fragen  den  Geschworenen  schon  vorläufig  in  Abschriften  zur  Erleichterung  des
Verstinhnisses  der  Vorträge  mitgetheilt  werden.

C.  229.

Zum  Schlusse  der  Verhandlung  hat  der  Vorsitzende  die  gesammte  Lage
der  Sache  auseinanderzusetzen,  die  gesetzlichen  Vorschriften,  welche  bei  Beantwortung
  der  gestellten  Fragen  etwa  in  Betracht  kommen,  nöthigenfalls  zu  erläutern,
und  überhaupt  alle  diejenigen  Bemerkungen  zu  machen)  welche  ihm  zur  Herbeiführung
  eines  sachgemäßen  Anspruches  geeignet  erscheinen.  Dieser  Vortrag  darf
von  der  Staatsanwaltschaft  und  von  dem  Angeklagten  weder  unterbrochen,)  noch
zum  Gegenstande  irgend  einer  Aeußerung  oder  eines  Antrages  in  der  Sitzung
gemacht  werden.

S.  330.

Hierauf  übergiebt  der  Vorsitzende  die  schriftlich  ab  esaßten  und  mit  seiner
Unterschrift  versehenen  Fragen  den  Geschworenen,  verweilß  iese  auf  die  Pflichten
ihres  Berufs  K.  331.),  sowie  geeigneten  Falls  auf  die  bei  dessen  Ausübung  zu
beobachtenden  WVorschriften,  und  befiehlt  die  Entfernung  des  Angeklagten  aus  dem
Sitzungssaale.

Der  Vorsitzende  kann  nach  seinem  Ermessen  auch  Ueberführungsstücke  und
Theile  der  Akten,  jedoch  mit  Ausschluß  der  Zeugenvernehmungs-Protokolle,  den
Geschworenen  brkabfotgen.  Ein  Antrag  hierauf  kann  nur  aus  der  Mitte  der
Geschworenen  selbst  hervorgehen,  und  darf  von  keiner  anderen  Seite  angeregt
werden.

G.  331.

Die  Geschworenen  begeben  sich  unmittelbar  in  ihr  Berathungszimmer,  dessen
Eingang  auf  Anordnung  des  Vorsitzenden  bewacht  wird.

In  dem  Berathungszimmer  müssen  die  nachstehenden  §#.  332.  bis  340.
und  außerdem  folgende  Belehrung  in  mehreren  Exemplaren  ausliegen:

Das  Gesetz  fordert  von  den  Geschworenen  keine  Angabe  der  Gründe
ihrer  Ueberzeugung,  und  schreibt  ihnen  keine  Regeln  vor,  nach  denen
sie  die  Wirkung  und  Vollständigkeit  eines  Beweises  zu  beurtheilen  haben.
Es  legt  ihnen  aber  die  durch  einen  feierlichen  Eid  geheiligte  Pflicht
auf,  alle  für  und  wider  den  Angeklagten  vorgebrachten  Beweise  sorgfältig
  und  gewissenhaft  zu  prüfen,  und  nach  der  durch  diese  Prüfung
gewonnenen  innersten  Ueberzeugung  allein  ihre  Stimmen  abzugeben.

Ihre  Berathung  und  ihr  Ausspruch  muß  sich  auf  die  uen  vorgelegten
  Fragen  beschränken.  Ihre  Ansicht  über  die  Rechtmaͤßigleit  Pber

weck-
        <pb n="1186" />
        —  1009  —

Zweckmäßigkeit  des  Strafgesetzes  darf  auf  ihren  Ausspruch  keinen  Einfluß
  haben.  Nicht  sie,  sondern  die  Richter  sind  berufen,  die  gesetzlichen
Folgen  auszusprechen,  welche  den  Angeklagten  wegen  der  ihm  zur  Last
fallenden  Handlungen  treffen.  Die  Geschworenen  haben  daher  ihren
Ausspruch  ohne  Rücksicht  auf  die  gesetzlichen  Folgen  desselben  zu  fällen.

K.  332.

Ohne  eine  gesetzliche  Veranlassung  darf  keinerlei  Verkehr  zwischen  den  im
Berathungszimmer  versammelten  Geschworenen  und  anderen  Personen  stattfinden,
kein  Geschworener  es  verlassen,  und  Niemand  in  dasselbe  eintreten,  es  sei  denn
mit  schriftlicher  Erlaubniß  des  Vorsitzenden.

Zuwiderhandlungen  gegen  dies  Verbot  werden  an  Geschworenen  mit  Geldbuße
  von  ges  bis  zu  *8  Thalern  und  an  anderen  Personen  mit  eintägiger
Gefängnißstrafe  gealndet.

Die  Festsetzung  der  Strafe  erfolgt  durch  Beschluß  des  Gerichtshofes  nach
Anhörung  der  Staatsanwaltschaft.

 

5.  333.
Die  Geschworenen  wählen  nach  Stimmenmehrheit  ihren  Vorsteher.  Der-  6.  Beralhung

selbe  hat  die  Berathung  zu  leiten  und  das  Ergebniß  derselben  zu  verkünden.  1½r  elchwort-Der
  Aufnahme  eines  Protokolles  über  die  Wahlhandlung  bedarf  es  nicht.
K.  334.

Nach  gepflogener  Berathung  wird  über  die  einzelnen  Fragen  mündlich  in  7.  Absiemung
der  Ordnumg  abgestimmt,  in  welcher  sie  vorgelegt  worden  sind.  derfelben.

Der  Lonsihe  befragt  zu  diesem  Bchufs  jeden  Geschworenen  einzeln  in
der  durch  die  Ausloosung  festgestellten  Ordnung  um  seine  Meinung,  und  giebt
selbst  seine  Stimme  zuletzt  ab.

Wird  eine  Frage  nur  theilweise  bejaht,  so  ist  die  Beschränkung  der  Bejahung
  in  folgender  Weise  anzugeben:

Ja,  aber  es  ist  nicht  erwiesen,  daß  u.  s.  w.

Wird  die  Frage  wegen  der  Lrttat  verneint,  so  kommen  alle  auf  diese
bezüglichen  anderen  1  en  in  Wegfall,  sie  mögen  erschwerende,  mildernde  oder
strafausschließende  Gründe  betreffen.

S.  335.

Jede  dem  Angeklagten  nachtheilige  Beantwortung  einer  Frage  kann  nur
mit  Stimmenmehrheit  be#tlossen  werden.  Im  Fall  der  Stimmengleichheit  hat
die  dem  Angeklagten  günstigere  Meinung  den  Vorzug.

K.  336.

In  jedem  Ausspruche,  durch  welchen  eine  Frage  zum  Nachtheile  des  Angeklagten
  beantwortet  wird,  muß  ausdrücklich  angegeben  sein,  ob  derselbe  mit
Johrgang  1867.  (Tr.  6704.)  33  einer
        <pb n="1187" />
        —  1010  —

einer  Mehrheit  von  mehr  als  sieben  Stimmen,  oder  nur  mit  sieben  Stimmen
gegen  fünf  beschlossen  ist.  Im  Uebrigen  soll  die  Zahl  der  Stimmen  niemals
ausgedrückt  werden.
C.  337.
8.  Versahren  in  Entstehen  bei  den  Geschworenen  Zweifel  über  das  zu  beobachtende  Ver-Dwelselsfällm.
  fahren,  über  den  Sinn  der  an  sie  gestellten  Fragen  oder  über  die  Fassung  der
Antwort,  so  begeben  sie  sich  in  den  Sitzungssaal  zurück  und  erbitten  sich  von
dem  Gerichtshofe  die  erforderliche  Aufklärung,  welche  ihnen  durch  den  Vorsitzenden
  zu  ertheilen  ist.
Kommen  hierbei  Aenderungen  in  der  Fragestellung  in  Anregung,  so  muß
der  Angeklagte  zu  der  Verhandlung  zugezogen  werden.

g.  338.
9.  Ausspruchder  Nachdem  die  Geschworenen  ihren  Ausspruch,  welcher  niederzuschreiben  und
Geschwornen.  von  ihrem  Vorsteher  zu  unterzeichnen  ist,  beschlossen  haben,  und  in  den  Sitzungssaal
  zurückgekehrt  sind,  befragt  sie  der  Vorsitzende  nach  dem  Ergebnisse  ihrer

Berathung.
Der  Vorsteher  der  Geschworenen  erhebt  sich  und  sagt:

Auf  meine  Ehre  und  mein  Gewissen,  vor  Gott  und  den  Menschen
bezeuge  ich  als  den  Spruch  der  Geschworenen:

'  Sodann  verliest  er  die  gestellten  Fragen  und  unmittelbar  nach  jeder  Frage
die  ertheilte  Antwort.

Hierauf  ist  der  Ausspruch  dem  Vorsitzenden  zu  übergeben  und  von  diesem
und  dem  Gerichtsschreiber  #  unterzeichnen,  demnächst  aber  nebst  den  gestellten
Fragen  als  Beilage  dem  Sitzungsprotokoll  einzuverleiben.

K.  339.

10.  Verfahren  Ist  der  Ausspruch  nicht  regelmäßig  in  der  Form,  oder  ist  er  in  der
#ö  Gerkett.  Sache  undeutlich  oder  unvollständig,  oder  ergiebt  sich  aus  den  Erklärungen  der
gelteneten  Geschworenen  ein  Zweifel,  ob  der  niedergeschriebene  Ausspruch  ihrer  wirklichen
Aussprach  der  Meinung  und  Abstimmung  entspreche,  so  muß  der  Gerichtshof  auf  den  Antrag
Geshworenen=  der  Staatsanwaltschaft  oder  des  Angeklagten,  oder  auch  von  Amtswegen  anordnen,
  daß  die  Geschworenen  sich  in  ihr  Berathungszimmer  zurück  zu  begeben  haben,
um  dem  Mangel  absuhelsen  Ebendasselbe  an  geschehen,  wenn  der  Ausspruch
der  Geschworenen  einen  Widerspruch  in  sich  schließt,  und  zwar  selbst  dann,  wenn
die  Antworten,  zwischen  welchen  der  Widerspruch  besteht,  sich  auf  verschiedene
Angeklagte  beziehen.
Veei=  Maaßregel  bleibt  so  lange  zulässig,  als  der  Gerichtshof  noch  kein
Urtheil  erlassen  hat.  ·
Erfolgt  die  Zurücksendung  nur  wegen  einer  Unregelmäßigkeit  in  der
Form  des  Ausspruches,  so  darf  an  dem  Ausspruche  selbst  nichts  mehr  geändert
werden.
In  allen  anderen  Fällen  sind  die  Geschworenen  bei  der  erneuerten  Bera-
        <pb n="1188" />
        —  1011  —

rathung  an  ihren  früheren  Ausspruch  in  keiner  Beziehung  gebunden;)  sie  können
selbst  solche  Fragen,  auf  welche  sich  die  Veranlassung  zur  Zurücksendung  nicht
bezog,  in  einem  entgegengesetzten  Sinne  beantworten.  Kommen  vor  der  Hurüc.
sendung  der  Geschworenen  Aenderungen  in  der  Fragestellung  in  Anregung)  so
muß  der  Anzeila  te  zu  der  Verhandlung  zugezogen  werden.

Die  Verbesserung  des  Ausspruches  der  Geschworenen  muß  ohne  Durchstreichungen
  in  der  Art  geschehen,  daß  äußerlich  erkennbar  bleibt,  wie  der  ursprüngliche
  Ausspruch  gelautet  habe.

K.  340.

Wenn  die  dem  Angeklagten  nachtheilige  Beantwortung  einer  Frage  nur
mit  einer  Mehrheit  von  sieben  gegen  fünf  Stimmen  beschlossen  ist,  so  tritt  der
Gerichtshof  selbst  in  Berathung  und  entscheidet,  ohne  Angabe  von  Gründen,
über  den  von  den  Geschworenen  mit  nur  sieben  Stimmen  gegen  fünf  festgestellten
  Punkt.

Wird,  weil  der  Gerichtshof  der  Minderheit  der  Geschworenen  beitritt,  die
Beantwortung  von  Hülfefragen  (§.  324.)  erforderlich,  die  vorher  unbeantwortet
geblieben  sind,  so  sind  die  Geschworenen  zu  veranlassen,  sich  zu  diesem  Zwecke  in
das  Berathungszimmer  zurück  zu  begeben.  Der  ergänzende  Ausspruch  wird  nach
Maaßgabe  des  F.  338.  verkündet.

S.  341.

Wenn  der  Gerichtshof  einstimmig  der  Ansicht  ist,  daß  die  Geschworenen,
obgleich  ihr  Ausspruch  regelrecht  und  erschöpfend  ist,  sich  in  der  Sache  zum
Rachtheile  des  Angeklagten  geirrt  haben,  so  verweist  er,  ohne  Angabe  von  Gründen,
  die  Sache  zu  der  nichsten  Sitzungsperiode  des  Schwurgerichts,  damit  sie
vor  einem  neuen  Schwurgericht  verhandelt  werde,  an  welchem,  bei  Vermeidung
der  Nichtigkeit,  keiner  der  früheren  Geschworenen  Theil  nehmen  darf.  Diese
Maaßregel,  welche  von  Niemandem  beantragt  werden  darf,  ist  so  lange  zulässig,
als  der  Gerichtshof  noch  kein  Urtheil  erlassen  hat.

Nach  dem  Ausspruche  des  neuen  Scwurgericht  welchem  die  in  der  ersten
Verhandlung  gestellten  Fragen,  soweit  sie  zu  Gunsten  des  Angeklagten  erledigt
worden,  nicht  wieder  vorzulegen  sind,  findet  eine  nochmalige  Aussetzung  der

Urtheilsfällung  nicht  statt.
*  §.  342.

Betrifft  die  Untersuchung  mehrere  selbstständige  strafbare  Handlungen  oder
mehrere  Angeklagte,  so  erfolgt  die  im  F.  341,  be  ecchnele  Maaßregel  nur  in  Anschung
  derienigen  andlung  oder  Person,  bezüglich  deren  die  Geschworenen  sich
nach  Ansicht  des  Gerichtshofes  geirrt  haben.

Inwiefern  statt  der  Verweisung  vor  ein  neues  Schwurgericht  eine  Verweisung
  vor  die  Strafkammer  oder  vor  das  Polizeigericht  beschlossen  werden
kanm,  bestimmt  sich  nach  der  Vorschrift  des  §.  57.

5.  343.
Der  Ausspruch  der  Geschworenen  und  im  ale  des  F.  340.  auch  der  11.  Verlesung

9  bes  Ansspruchs
(Nr.  6704.)  Aus  in  Gegenwart
des  Angeklagten.
        <pb n="1189" />
        —  1012  —

Ausspruch  des  Gerichtshofes,  wird,  nachdem  der  Angeklagte  wieder  in  den
Sitzungssaal  eingetreten  ist,  durch  den  Gerichtsschreiber  verlesen.

K.  344.

12,  Urthail  des  Ist  der  Angeklagte  für  nicht  schuldig  erklärt  worden,  so  erläßt  der  Gerichts-Gerchtsfofes.
  hof  sofort  das  freisore  ende  Urtheil.  Andernfalls  müssen,  bevor  der  Gerichtshof
das  Urtheil  über  die  Anwendung  des  Gesetzes  fällt,  die  Staatsänwaltschaft  und
der  Angeklagte  nach  Vorschrift  des  F.  238.  gehört  werden.
Hierbei  dürfen  die  durch  den  Ausspruch  der  Geschworenen  festgestellten  Thatsachen
  nicht  mehr  in  Zweifel  gezogen  werden.

Fünfter  Abschnitt.
Von  dem  Verfahren  im  Fall  eines  Schuldbekenntnisses.

K.  345.

1.  ullzemeine  Wenn  der  Angeklagte  auf  Befragen  des  Vorsitzenden  (§.  315.)  sich  schuldig
Bestimmangm.  bekennt,  so  muß  er  über  alle  Thatsachen,  die  zu  den  Merkmalen  der  ihm  zur
Last  gelegten  strafbaren  Handlung  gehören,  und  über  diejenigen  in  dem  Verweisungebeschluss
  hervorgehobenen  oder  von  der  Staatsanwaltschaft  in  der  Verhandlung
  geltend  dema-  ten  Thatumstände,  welche  nach  besonderer  gesetzlicher
Vorshrit  eine  Erschwerung  der  Strafe  begründen,  näher  befragt  werden.  Räumt
der  Angeklagte  diese  Thatsichen.  simnntlcch  ein,  so  hat  der  Gerichtshof,  wenn  er
egen  die  Richtigkeit  des  Bekennmisses  kein  Bedenken  hegt,  ohne  Zuziehung  der
Beschworenen  das  Urtheil  über  die  Anwendung  des  Gesetzes  zu  fällen.

Es  muß  jedoch  vorher  das  Bekenntniß  des  Angeklagten  auf  die  im  zweiten
Absatze  des  F.  257  bezeichnete  Weise  zur  Vorlesung  und  Genehmigung  gebracht,
und  die  Staatsanwaltschaft  und  der  Vertheidiger  über  die  Vollständigkeit  des  Bekenntnisses
  und  über  die  Anwendung  des  Geßtes  gehört  werden.

Kommen  hierbei  Thatsachen  in  Frage,  welche  die  Ausschließung  oder  Milderung
  der  gesetzlichen  Strafe  zur  Folge  haben  würden,  oder  wird  das  Vorhandensein
  mildernder  Umstände  in  Fällen,  wo  das  Gesetz  solche  ohne  nähere  Bestimmung
  zuläßt,  angeregt,  oder  muß  festgestellt  werden,  ob  der  Angeklagte  mit
Unterscheidungsvermögen  gehandelt  habe,  so  unterbleibt  die  Berhandlung  vor  den
Geschworenen  nur  dann,  wenn  die  Erklärung  der  Staatsanwaltschaft  über  diese
Punkte  zu  Gunsten  des  Angeklagten  lautet,  und  der  Gerichtshof  kein  Bedenken
hat,  der  dem  Angeklagten  günstigen  Annahme  beizutreten.

G.  346.

Findet  die  Erledigung  des  Straffalles  auf  den  Grund  des  Schuldbekenntnisses
  nicht  statt,  so  ist  über  denselben  nach  Maaßgabe  des  vierten  Abschnitts
weiter  zu  verhandeln.

K.  347.
        <pb n="1190" />
        —  1013  —

K.  347.

Wenn  der  Angeklagte  schon  vor  der  Hauptverhandlung  ein  vollständiges  2.  Besonbere
Bekenntniß  der  That  abgelegt  hat,  so  ist  der  Gerichtshof,  insofern  nicht  gleich-  Fuatbeh
zeitig  über  Mitangeklagte  zu  erkenmen  ist,  hinsichtlich  deren  diese  Voraus  eing  ber  Ungenagte
nicht  zutrifft,  befugt,  lue  vorgöngige  Bildung  des  Schwurgerichts  zu  verhandeln,  mir
und  zu  der  letzteren  erst  dann  zu  ii  „  wenn  sich  die  Zuziehung  der  Ge-  Jdtre
schworenen  als  erforderlich  herausstellt.  Es  muß  jedoch,  wenn  dieser  Fall  lenatih  ang
eintritt,  vor  den  Geschworenen  mit  der  Verhandlung  von  Neuem  begonnen  bet.

werden.

Sechoter  Abschnitt.
Von  dem  Verfahren  beim  Ausbleiben  des  Angeklagten.

K.  348.

Dem  nicht  verhaffeten  Angeklagten  ist  bei  seiner  Vorladung  vor  den  Schwurgerichtshof
  für  den  Fall  seines  Ausbleibens  die  Warnung  zu  stellen,  daß  die  ihm
zur  Last  gelegte  That  als  zugestanden  angenommen  werden  würde.
G.  349.

Bleibt  der  Angeklagte  ungeachtet  gehöriger  und  rechtzeitiger  Vorladung
(#.  218.  bis  220.  348.)  bei  der  Gäptverlteenrluß  aus,  oder  entzieht  er  sich  derselben
  vor  verkündetem  Ausspruche  der  Geschworenen,  so  wird,  falls  seine  alsdann
stets  zu  beschließende  Verhaftung  sich  als  nicht  ausführbar  herausstellt,  entweder
noch  in  derselben,  oder  in  der  nächsten  Sitzungsperiode  zur  Hauptverhandlung  in
Gemäßheit  des  F.  456.  geschritten,  ohne  daß  es  einer  vorgängigen  Bekanntmachung
des  hierzu  bestimmten  Sitzungstages  bedarf.  Es  kommen  alsdann  die  #.  458.
bis  461.  466.  und  467.  zur  Anwendung.

Es  kann  in  dieser  Weise  auch  schon  in  der  ersten  zur  Hauptverhandlung
bestimmten  Sitzung  verfahren  werden,  falls  Gründe  für  die  Annahme  vorliegen,
daß  die  Verhaftung  des  Angeklagten  nicht  zu  bewerkstelligen  ist.

Vierzehnter  Titel.
Besondere  Vorschriften  für  das  Verfahren  vor  der  Strafkammer.

C.  350.

Bleibt  der  nicht  verhaftete  Angeklagte  trotz  gehöriger  und  rechtzeitiger  Vor-  1.  vofehern
ladung  (§6.  218.  bis  220.,  195.)  in  der  Sitzung  zur  Hauptverhandlung  aus,  beim  Ausble
oder  *t  er  sich  wieder,  so  wird  seiner  Mwes  eit  ungeachtet  zur  Beweis=  adge
aufnahme  und  ferneren  Hauptverhandlung  geschritten.

(Nr.  6704.)  5S.  351.
        <pb n="1191" />
        —  1014  —

G.  351.

Erachtet  das  Gericht  die  Gegenwart  des  nicht  persönlich  erschienenen  Angeklagten
  zur  Ermittelung  der  Wahrheit  für  erforderlich,  so  kann  es  in  allen
Filh  die  Vorführung  desselben  anordnen,  und  zu  diesem  Behufe  nöthigenfalls
die  Sitzung  vertagen.

g.  352.

2.  Verfahren  Findet  das  Gericht  von  Amtswegen  Veranlassung,  die  That  des  Angeklagin
  ig  aul  ten  aus  einem  anderen  als  dem  in  der  Anklage  geltend  gemachten  Gesichtspunkte
des  Thatbestan-  ims  Auge  zu  fassen  (I§.  4.  323.),  so  hat  es  auf  denselben  die  Staatsanwaltden,schaft
  und  den  Angeklagten,  falls  dieser  erschienen  ist,  aufmerksam  zu  machen.
Erforderlichenfalls  kann  das  Gericht  eine  Vertagung  der  Sach-  eintreten
lassen,  oder  auch  aus  besonderen  Gründen  die  Erörterung  dieses  anderen  Thatbestandes
  einer  neuen  Verfolgung  vorbehalten.

C.  353.

3.  abalt  des  Das  Urtheil  muß  hervorheben,  welche  derjenigen  Thatsachen,  die  zu  den
#heis.  wesentlichen  Merkmalen  der  den  Gegenstand  der  Entscheidung  bildenden  That  gehören
  ½  76.  Nr.  I.),  für  feststehend  oder  für  nicht  feststehend  zu  erachten  seien.
bendasselbe  gilt  von  solchen  Umständen,  welche  die  Strafbarkeit  der
Handlung  ausschließen  oder  nach  besonderer  Vorschrift  der  Gesetze  erschweren  oder
mildern,  falls  ein  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  oder  des  Angeklagten  die  Berücksichtigung
  derselben  verlangt,  oder  es  sich  um  erschwerende  Umstände  handelt,

die  schon  in  der  Anklageschrift  hervorgehoben  worden  sind.
Die  Thatsachen  und  Beweismittel,  auf  welche  sich  diese  Feststellungen  gründen,

  sind  in  den  Entscheidungsgründen  einzeln  anzugeben.

S.  354.

4.  Ubgekärztes  Wenn  im  Fall  einer  gerechtfertigten  vorläufigen  Festnahme  (F.  123.)  die
ilahen.  in  Sache  zur  sofortigen  Hauptverhandlung  reif,  und  der  Beschuldigte  bereits,  wenn
läufigen  Fest,  auch  nur  zu  außerherichtlichem  Protokoll  vernommen  worden  ist,  so  findet  auf

nahne.  den  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  ein  abgekürztes  Verfahren  statt.
kommt  alsdann  die  Frist,  welche  für  den  Haftantrag  und  die  Entscheidung  über
denfelben  vorgeschrieben  ist  (§.  126.),  auch  in  Ansehung  der  mit  ihm  zu  verbindenden
  Anklageschrift  zur  Anwendung,  welche  letztere  eine  Darstellung  des  Sachverhältnisses
  nicht  zu  enthalten  braucht.  Der  Vorsizende  der  Straffummer  verfügt
  bei  Eröffnung  des  Hauptverfahrens  gleichzeitig  den  Haftbefehl,  falls  er  denselben
  für  begründet  erachtet,  und  beraumt  die  Verhandlung  der  Sache,  wofern
sie  nicht  sogleich  stattfinden  kann,  auf  einen  möglichst  nahen,  spätestens  auf  den
dritten  Werktag  an.  Eine  vorgängige  Vernehmung  des  Angetlagten  in  Gemäßbeit
  der  S§.  136.  und  220.)  oder  eine  anderweite  vorgängige  Mittheilung  der
nklageschrift  an  denselben  ist  nicht  erforderlich.  Es  muß  jedoch,  wenn  der  Angeklagte
  in  der  Hauptverhandlung  die  Vertagung  der  Sache  zur  besseren  Vore-
        <pb n="1192" />
        —  1015  —

bereitung  seiner  Vertheidigung  verlangt,  diesem  Antrage  in  allen  Fällen  statt.
gegeben  werden.
G.  355.
Es  können  auch  von  Seiten  des  Vorsitzenden  ein=  für  allemal  bestimmte
Sitzungstage  zu  den  Verhandlungen  im  abgekürzten  Verfahren  in  der  Weise  festesetzt
  werden,  daß  es  der  Staatsanwaltschaft  überlassen  bleibt,  die  einzelnen
achen  auf  diese  Tage  unter  Innehaltung  der  vorgeschriebenen  Frist  zu  vertheilen
und  hiernach  die  erforderlichen  Ladungen  einzurichten.

Funfzehnter  Titel.
Besondere  Vorschriften  für  das  Verfahren  vor  dem  Polizeigericht.

K.  356.

Es  bedarf  in  der  Anklageschrift  einer  Darstellung  des  Sachverhältnisses  1.  #lgemeine
und  zur  Eröffnung  des  Huptrerilnens  einer  ausdrücklichen  Verfügung  nicht.  #tamungen.

Gleichartige  Straffälle  können,  auch,  wenn  kein  Zusammenhang  zwischen
ihnen  besteht,  in  einer  gemeinschaftlichen  Anklageschrift  zusammengefaßt  und  in
einem  und  demselben  Verfahren  erledigt  werden.

Die  im  "9  355.  bezeichnete  Einrichtung  bildet  für  alle  ordentlichen  Polizeigerichtssitzungen,
  in  welchen  die  Staatsanwaltschaft  mitzuwirken  hat,  die  Regel.

Bei  der  Berathung  giebt  der  Polizeirichter  *  Stimme  vor  den
Schöffen  ab.

im  Uebrigen  kommen  die  für  das  Verfahren  vor  der  Strafkammer  geltenden

  Vorschriften  zur  Anwendung.

E.  357.

Wird  der  Beschuldigte  dem  Polizeirichter  durch  den  Polizeianwalt  vor-.  2.  Versahre
geführt,  und  gesteht  er  entweder  die  ihm  zur  Last  gelegte  strafbare  Handlung  —
ein,  oder  sind  die  Beweismittel  für  die  “-  und  Vertheidigung  zur  Hand,  fanr  du.
so  hat  der  Richter  sofort  zur  Verhandlung  und  Urtheilsfällung  zu  schreiten,  ohne  digte.
daß  es  der  Zuziehung  von  Schöffen  bedarf.  Eine  schriftliche  Abfassung  oder
Mittheilung  der  Anklage  ist  nicht  erforderlich)  jedoch  ist  die  Anklageformel  (F.  76.

Nr.  1.  und  2.)  im  Protokoll  zu  verzeichnen.

C.  358.

Kann  das  Urtheil  gegen  einen  vorgeführten  oder  bereits  verhafteten  Beschuldigten
  nicht  sofort  gefällt  werden,  so  ist  derselbe  sogleich  nach  dem  Eingange
der  Anklageschrift  nach  Maaßgabe  des  §.  220.  zu  vernehmen  und  eine  möglichst
nahe  Sitzung  zur  Hauptverhandlung  zu  bestimmen.

(Nr.  6704.)  d.  359.
        <pb n="1193" />
        Gtra
V

8  durh  verhaften  ist,  kann  der  Po

—  160t6  —

K.  359.

Z.  zeftsehung  der  Wenn  der  Beschuliißte  weder  vorgeführt  wird,  noch  verhaftet  oder  zu

izeianwalt  in  der  Anklageschrift  beantragen,  daß  die
verwirkte  Strafe  ohne  vorgängige  Hauptverhandlung  durch  eine  Strafverfügung
festgesetzt  werde.

Dieser  Antrag  muß  auf  eine  bestimmte,  nach  Art  und  Höhe  zu  bezeichnende
  Strafe  gerichtet  sein,  und  die  zum  Beweise  der  Anschuldigung  dienenden
schriftlichen  Anzeigen  oder  Verhandlungen  in  Bezug  nehmen.

F.  360.

Der  Polifzeirichter  hat,  wenn  nicht  besondere  Bedenken  entgegenstehen,  die
von  ihm  für  angemessen  erachtete  Strafe  ohne  Mitwirkung  von  Schöffen  durch
Verfügung  festzusetzen.  Ist  die  festgesetzte  Strafe  geringer  oder  von  anderer
Art,  als  die  beantragte,  so  wird  die  Ptrafversügun  erst  dann  dem  Beschuldigten

zugestellt,  wenn  der  Polizeianwalt  nicht  innerhalb  dreier  Tage  nach  der  ihm
gewordenen  Mittheilung  die  Einleitung  des  gewöhnlichen  Verfahrens  beantragt.

S.  361.
Die  Strafverfügung,  welche  dem  Beschuldigten  in  beglaubter  Abschrift
zuzustellen  ist,  muß  enthalten:
1)  die  Beschaffenheit  der  strafbaren  Handlung,  sowie  die  Zeit  und  den  Ort
derselben;

*„

2)  die  dafür  angegebenen  Beweise,

3)  die  Festsetzung  der  Strafe  und  des  Kostenpunktes,  unter  Anführung  der
Vorschrift,  auf  welche  dieselbe  sich  gründet,  und  falls  eine  Geldbuße
aus  eprochen  ist,  unter  Bezeichnung  der  Kasse,  an  welche  dieselbe  gezahlt
werden  soll;

4)  die  Eröffnung,  daß  der  Beschuldigte,  wenn  er  sich  durch  die  Strafverfügung
  beschwert  finden  sollte,  innerhalb  einer  zehntägigen  Frist  von  der
Zustellung  der  Verfügung  ab  seinen  Einsuch  dagegen  bei  dem  Polizeirichter
  schritlich  oder  zu  hee  zu  erheben  und  zugleich  die  zu  seiner
Vertheidigung  dienenden  Beweismittel  anzuzeigen  habe)  daß  aber,  falls
in  dieser  Het  ein  Einspruch  nicht  eingehe,  die  Strafverfügung  Rechtskraft
  erlangen  und  gegen  ihn  vollstreckt  werden  würde.

C.  362.

Wenn  in  der  zehntägigen  Frist  ein  Einspruch  nicht  erhoben  wird,  so  erlangt

die  Strafverfügung  die  Kucst  eines  vollstreckbaren  Urtheils,  wogegen  ein  weiteres

Rechtsmittel  nicht  stattfindet,  jedoch  vorbehaltlich  der  Bestimmungen  der  §.  415.
und  416.  Nr.  1.

Im  entgegengesetzten  Falle  tritt  das  Hauptverfahren  in  der  gewöhrlichen

eise
        <pb n="1194" />
        —  1017  —

Weise  ein,  ohne  daß  es  einer  Mittheilung  der  Anklageschrift  bedarf.  Der  Einspruch
  kann  noch  so  lange  zurückgenommen  werden,  als  die  Hauptverhandlung
nicht  begonmen  hat

Das  Poli  eigericht  ist  befugt,  auch  auf  eine  andere  Strafe  zu  erkennen,
als  in  der  Stlasketsügung  festgesetzt  war.

K.  363.

Wenn  der  Beschuldigte  in  der  zur  Hauptverhandlung  bestimmten  Sitzung
gehöriger  Vorladung  ungeachtet  ausbleibt,  &amp;amp;  findet  eine  weitere  Untersuchung
oder  nn  der  Sache  nicht  statt;,  der  Einspruch  wird  vielmehr  durch  ein
Urtheil  verworfen,  gegen  welches,  vorbehaltlich  der  Bestimmung  des  §.  416.
Nr.  2.)  ein  Rechtsmittel  nicht  zulässig  ist.

Sechszehnter  Titel.
Von  den  Rechtsmitteln  der  Berufung  und  der  Nichtigkeitsbeschwerde.

Erster  Abschnitt.

Allgemeine  Vorschriften.
C.  364.

Als  Rechtsmittel,  durch  welche  gerichtliche  Urtheile  im  Instanzenzuge  an=  1.  Jalässgeit
gefochten  werden  können,  finden,  vorbehaltlich  der  im  Gesetz  bestimmten  Aus=  in  Algemeinen.
nahmen,  statt:

1)  gegen  alle  Urtheile  erster  Instanz  mit  Ausnahme  der  von  den
chwurgerichtshöfen  erlassenen:
die  Berufung)
2)  gegen  alle  in  der  Berufungs-Instanz  oder  von  Schwurgerichtsöfen
  erlassenen  Urtheile:
die  Nichtigkeitsbeschwerde.

Gegen  die  Beschlüsse  und  Verfügungen  eines  Gerichts  sind,  soweit
das  Gesetz  nicht  ein  Anderes  bestimmt,  die  nämlichen  Rechtsmittel  wie  gegen
dessen  Urtheile  zulässig.  E

.  «·).

Die  Rechtsmittel  der  Berufung  und  der  Nichtigkeitsbeschwerde  stehen,
soweit  das  Gesetz  nicht  Ausnahmen  befimmt,  sowohl  dem  Beschuldigten,  als  der
Staatsanwattschaft  bei  dem  Gerichte  zu,  dessen  Entscheidung  angefochten  wird.
Auch  Zeugen,  Sachverständige  und  andere  Personen  können  gegen  Beschlüsse
  oder  Verfügungen,  welche  eine  Strafe  gegen  sie  festsetzen,  oder  sonst  ihre
Rechte  ummittelbar  berühren,  die  Rechtsmittel  ergreifen.
Jahrgaog  1867.  (Nr.  6704.  134  g.  366.
        <pb n="1195" />
        —  1018  —
K.  366.

Der  verhaftete  Beschuldigte  kann  alle  auf  Rechtsmittel  bezüglichen  Erklärungen
  bei  dem  Gerichte  des  Ortes,  wo  er  verhaftet  ist,  zu  Artto  oll  geben,
und  zwar  selbst  dann,  wenn  die  Erklärung  nach  Bestimmung  der  Gesetze  bei
einem  anderen  Gerichte  oder  in  einer  anderen  Form  abgegeben  werden  soll;  die
vorgeschriebenen  Fristen  sind  gewahrt,  wenn  innerhalb  derselben  das  Protokoll
aufgenommen  wird.  «

Z.367.

Ist  das  Rechtsmittel  für  den  Beschuldigten  von  dem  Vertheidiger  desselben
eingelegt  worden,  so  kann  die  Vollmacht,  soweit  sie  erforderlich  G.  215.)
auc  noch  nach  Ablauf  der  vorgeschriebenen  Fristen  beigebracht  werden.  Die
Nachbringung  ist  jedoch  nur  so  lange  zulässig,  als  das  Gericht  über  die  zu  treffende
  Entscheidung  noch  nicht  in  Berathung  getreten  ist.

K.  368.

2.  Wickung  der  Die  Staatsanwaltschaft  hat  das  Recht,  auch  im  Interesse  des  Beschul-Rechtsmittel,
  digtem  Rechtsmittel  einzulegen.  ·

Ein  jedes  von  ihr  eingewendete  Rechtsmittel  hat  die  Wirkung,  daß  die
angefochtene  Entscheidung  auch  zu  Gunsten  des  Beschuldigten  abgeaͤndert  oder
vernichtet  werden  kann.

Ein  Urtheil,  welches  nur  von  dem  Angeklagten  angefochten  worden  ist,
behält  zu  seinen  Gunsten  die  Wirkung,  daß  ihm  in  keinem  anderen  Urtheile  in
derselben  Sache  eine  Strafe  auferlegt  werden  kann,  welche  die  in  jenem  Erkenntnisse
  festgesetzte  der  Art  oder  der  Höhe  nach  überschreitet.

K.  369.

Ein  Rechtsmittel  kann  von  Demjenigen,  welcher  es  ein  elegt  at,  noch  so
lange  zurückgenommen  werden,  als  das  Gericht  über  die  1  fällende  Entscheidung
moch  nicht  in  Berathung  getreten  ist.  Die  Befugniß  der  Staatsanwaltschaft,
Rechtsmittel  gegen  Urtheile  zurückzunehmen,  erlischt  jedoch,  sobald  die  Verhand-2
  z  den  Richter,  welcher  auf  das  Rechtsmittel  zu  entscheiden  hat,  gelangt
  sind.

Eine  wirksam  erklärte  Zurücknahme  des  Rechtsmittels  kann  nicht  mehr
wwr  werden,  wenn  die  vorgeschriebene  Anmeldungsfrist  inzwischen  abgelaufen
  ist.

zweiter  Abschnitt.
Bestimmungen  über  die  Berufung  und  Nichtigkeitsbe  schwerde
gegen  Urtheile.
K.  370.

Die  Berufung  und  die  Nichtigkeitsbeschwerde  gegen  ein  Urtheil  muß
binnen  zehn  Tagen  nach  dessen  Verkündung  bei  dem  Gerichte,  welches  in  ecser
        <pb n="1196" />
        —  1019  —

Instanz  erkannt  hat,  angemeldet  werden.  Die  Rechtfertigung  des  Rechtsmittels
muß,  wenn  sie  nicht  mit  der  Anmeldung  verbunden  wird,  binnen  anderweiten
zehn  Tagen  bei  dem  nämlichen  Gericht  erfolgen.  Diese  Frist  beginnt  mit  der
Zustellung  des  Urtheils,  welche  sofort  nach  der  Anmeldung  von  Amtswegen  zu
ewirken  ist.

In  den  Fällen,  wo  nach  gesetzlicher  Vorschrift  das  Urtheil  schon  gleich
nach  der  Verkündung  von  Amtswegen  zugestellt  werden  urf  .  267.  48.  507.),
läuft  die  zehntägige  Frist  von  dieser  Aukellung  ab  zugleich  für  die  Anmeldung
und  für  die  Rechtfertigung.

Die  Anmeldung  und  die  Rechtfertigung  muß  schriftlich  geschehen.  Der
Angeklagte  kann  diese  Erklärungen  auch  zu  Protokoll  geben.  Schriften,  wodurch
eine  Nichtigkeitsbeschwerde  von  Seiten  des  Angeklagten  angemeldet  oder  gerechtfertigt
  wird,  müssen  von  einem  Rechtsanwalte  oder  Advokaten  verfaßt  und  unter-Echnet
  sein,  insofern  nicht  der  Angeklagte  selbst  oder  der  für  ihn  zu  handeln

efugte  Vertheidiger  die  zur  Erlangung  des  Richteramtes  oder  der  Praxis  als
Rechtsanwalt  oder  Advokat  eingeführte  Präfung  bestanden  hat.

K.  371.

Rechtsmittel  der  Staatsanwaltschaft  gegen  Urtheile,  welche  die  örtliche  Unzustämdigkeit
  des  Gerichts  aussprechen,  sind  an  keine  Anmeldungsfrist  gebunden.

K.  372.

Sind  bei  der  Anmeldung  der  Berufung  oder  Nichtigkeitsbeschwerde  oder

bei  der  Rechtfertigung  der  Nichtigkeitsbeschwerde  die  vorgeschriebenen  Fristen  und

ormen  nicht  beobachtet  worden,  oder.  ist  das  Rechtsmittel  in  Ansehung  der

erson,  welche  es  eingelegt,  oder  dem  Gegenstande  nach  nicht  zulässig,  so  weist
der  Vorsitzende  des  Gerichts  erster  Instanz  dasselbe  durch  Verfügung  zurück.

Ein  Antrag  auf  Abänderung  dieser  Verfügung  findet,  jedoch  nur  binnen
zehn  Tagen  nach  der  Zustellung,  bei  dem  Gerichte  statt,  welches  auf  das  Rechtsmittel
  in  der  Hauptsache  zu  entscheiden  haben  würde.  Das  Verfahren  richtet  sich
nach  den  für  die  Berufung  gegen  Beschlüsse  und  Verfügungen  gegebenen  Vorschriften.


g.  373.

Hat  der  Vorsitzende  des  Gerichts  erster  Instanz  das  Rechtsmittel  nicht
zurückgewiesen,  obwohl  dies  nach  372.  geschehen  mußte,  oder  ist  im  Fall  einer
Nichtigkeitsbeschwerde  die  Angabe  der  Beschwerdepunkte  nicht  vorschriftsmäßig  erfolgt
  .  393.),  so  kann  das  Gericht,  welches  auf  das  Rechtsmittel  zu  entscheiden
bat,  nach  vorgin  iger  Anhörung  der  Staatsanwaltschaft  bei  demselben,  die  Zurückweisung
  des  echtsmittels  ohne  Hauptverhandlung  beschließen.

(Nr.  6704.)  134°  Drit-
        <pb n="1197" />
        1.  Anmeldung
und  Rechtfertigung.


2.  Gegenerklärung
  und  Akteneinsendung.


fungsgrichts.

—  1000  —

ritter  A#bschnimn.
Besondere  Bestimmungen  über  die  Berufung  gegen  Urtheile.

C.  374.

Als  Anmeldung  der  Berufung  von  Seiten  des  Angeklagten  ist  jede  Erklärung
  anzusehen,  welche  die  Absicht  zu  erkennen  giebt,  die  Entscheidung  eines
anderen  Gerichts  herbeigeführt  zu  sehen.  "

Als  Gegenstand  der  Beschwedd-  ist  der  ganze  dem  Appellanten  nachtheilige
Inhalt  des  angefochtenen  Urtheils  1  betrachten,  sofern  nicht  aus  der  Angabe  der
Beschwerdepunkte  ein  Anderes  erhellt.

K.  375.

Wenn  pr  Begründung  der  Beschwerde  neue  Thatsachen  oder  Beweismittel
anzuführen  sind,  so  hat  die  Anzeige  derselben  unter  Darlegung  ihrer  Erheblichkeit
bei  der  Rechtfertigung  des  Rechtsmittels  (F.  370.)  zu  erfolgen.  Auf  Antrag  kann
der  Vorsitzende  des  Gerichts  die  Rechtfertigungsfrist  bis  zur  doppelten  Dauer  verlängern.


K.  376.

Ist  die  Anmeldung  Fcchtzeiig  §.  370.)  erfolgt,  so  verfüß  der  Vorsitzende
des  Gerichts,  nach  Eingang  der  Rechtfertigungsschrift  oder  Ablauf  der  hiefür
bestimmten  Frist,  die  vorläufige  Zulassung  des  Rechtsmittels.

Die  Staatsanwaltschaft,  welcher  der  Gerichtsschreiber  in  Folge  dieser  Verfügung
  die  Verhandlungen  unverzüglich  mitzutheilen  hat,  reicht  Wietten,  falls  die
Berufung  von  Seiten  des  Angeklagten  eingelegt  ist,  unter  Angabe  der  ihrerseits
anzuführenden  neuen  Thatsachen  oder  Beweismittel,  binnen  längstens  zehn  Tagen
dem  Staatsanwalt  bei  dem  Berufungsgerichte  ein,  welchem  der  weitere  Betrieb  der
Sache  obliegt.

Ist  die  Berufung  von  ihr  selbst  eingelegt,  so  bewirkt  sie  die  Einsendung
der  Verhandlungen  erst  dann,  nachdem  sie  zuvörderst  ihre  Anmeldungs-  und
Rechtfertigungsschrift  dem  Angeklagten  hat  zustellen  lassen,  und  sobald  eine  Frist
von  zehn  Tagen,  binnen  welcher  der  letztere  die  seinerseits  anzuführenden  neuen
KThaschen.  und  Beweismittel  dem  Gerichte  erster  Instanz  anzuzeigen  hat,  abelaufen

  ist.
8  Auf  die  Frist  zur  Gegenerklärung  kommt  die  im  9.  375.  bezeichnete  Verlängerungsbefugniß
  gleichfalls  zur  Anwendung.

Auch  nach  Ablauf  der  für  die  Rechtfertigung  und  Gegenerklärung  bestimmten
  Fristen  können  noch  neue  Thatsachen  und  Beweismittel  unmittelbar  bei
dem  Berufungsgerichte  angezeigt  werden.  Es  kommt  jedoch  auf  solche  verspätete
Anführungen  des  Angeklagten  die  Bestimmung  des  §.  241.  zur  Anwendung.

g.  377.
Das  Berufungsgericht  muß  hinsichtlich  derjenigen  Thatsachen,  welche  in
Ge-
        <pb n="1198" />
        —  1021  —

Gemäßheit  des  §.  353.  in  dem  Urtheil  hervorzuheben  und  für  feststehend  oder
für  nicht  feststehend  zu  erklären  sind,  seiner  Entscheidung  die  in  dem  ersten  Urtheil
enthaltene  Feststellung  zu  Grunde  legen  b  insofern  nicht  das  Ergebniß  einer  von
ihm  beschlossenen  Wiederaufnahme  des  Beweisverfahrens  eine  anderweite  thatsächliche
  Feststellung  begründet.
Eine  solche  Wiederaufnahme  des  Beweisverfahrens  hat  das  Berufungsgericht
  nur  dann  zu  beschließen,  wenn  die  angeführten  neuen  Thatsachen  oder
eweismittel  geeignet  sind,  erhebliche  Zweifel  gegen  die  Richtigkeit  der  im  ersten
Urtheil  enthaltenen  Feststellung  der  Thatsachen  hervorzurufen,  oder  wenn  sich
wesentliche,  durch  die  schriftlichen  Verhandlungen  nicht  zu  beseitigende  Bedenken
gegen  diese  Feststellung  ergeben.

 

K.  378.

Das  Berufungsgericht  ist  in  allen  Fällen  befugt,  Untersuchungshandlungen
jeder  Art,  namenilich  eugenvernehmungen,  durch  den  Untersuchungsrichter  oder
durch  eines  seiner  Mitglieder  nach  den  im  §.  225.  enthaltenen  Bestimmungen
bewirken  zu  lassen,  und  das  Ergebniß  dieser  Verhandlungen  bei  der  Prüfung,
ob  zur  Wiederaufnahme  des  Beweisverfahrens  zu  schreiten  sei,  zu  Grunde
zu  legen.

Es  muß  jedoch,  wenn  diese  Wiederaufnahme  beschlossen  wird,  das  Beweisverfahren
  vor  dem  Berufungsgerichte  selbst,  in  dem  zur  Begründung  einer  anderweiten
  thatsöchsichen  eststellung  erforderlichen  Umfange  Hatefindes  und  es
darf  hierbei  die  Verlesung  jener  schriftlichen  Verhandlungen  nur  insoweit  eintreten,
  als  dies  nach  den  Bestimmungen  der  §#§.  245.  bis  249.  zulässig  ist.

S.  379.

Wird  die  Berufung  darauf  gegründet,  daß  das  Verfahren  in  der  ersten
Instanz  an  einer  Nichtigkeit  leide  (§.  390.),  so  hebt  das  Berufungsgericht,  wenn
es  diese  Beschwerde  für  begründet  erachtet,  das  angegriffene  Urtheil  auf,  und
erkenmt,  wenn  nicht  besondere  Gründe  die  Zurückverweisung  in  die  erste  Instanz
als  erforderlich  darstellen,  selbst  in  der  Sache,  was  Rechtens.  Bedarf  es  hierzu
einer  anderweiten  thatsächlichen  Feststellung,  so  muß  zu  diesem  Zwecke  das  Beweisverfahren
  wieder  aufgenommen  werden.

Hat  jedoch  das  Gericht  der  ersten  Instanz  seine  sachliche  Zuständigkeit  oder
die  Grenzen  der  den  ordentlichen  Gerichten  überhaupt  zustehenden  Gerichtsbarkeit
überschritten,  oder  gegen  Vorschriften  gefehlt,  deren  Beobachtung  bei  Vermeidun
der  Nichtigkeit  vorgeschrieben  ist,  so  muß  das  Berufungsgericht  das  Urtheil  selbh
dann  aufheben,  wenn  der  Mangel  durch  die  Berufung  nicht  gerügt  worden  ist,
und  kann  niemals  selbst  über  die  Verurtheilung  oder  Freisprechung  des  Angeklagten
  erkennen.  Das  letztere  gilt  auch  dann,  wenn  die  Vorschriften  über  die
örtliche  Zuständigkeit  der  Gerichte  verletzt  worden  sind.

S.  380.

Nachdem  dem  Berufungsgerichte  von  der  Staatsanwaltschaft  bei  demselben  4.  Versahrungsdie
  Verhandlungen  vorgelegt  worden  sind,  trifft  dasselbe  in  berathender  Sitzung  weile  des  Beru-(Nr.
  6704.)  nach  fungsgerichts.
        <pb n="1199" />
        —  1022  —

nach  Maaßgabe  der  §#§.  373.  und  377.  bis  379.  Bestimmung  über  das  einzuschlagende
  Versahren.
g.  381.

Wenn  es  sich  nach  Inhalt  der  erhobenen  Beschwerde  lediglich  um  eine
Uebertretung  handelt,  und  die  Berufung  weder  auf  neue,  unter  Beweis  gestellte
Thatsachen,  noch  auf  neue  Beweismittel  gegründet  worden  ist,  so  kann  das  Berufungsgericht
  die  Zurückweisung  des  Rechtsmittels  ohne  Hauptverhandlung  beschließen,
  falls  es  bei  seiner  Prüfung  findet,  daß  die  in  dem  ersten  Urtheil  enthaltene
  Feststellung  der  Thatsachen  keinem  Bedenken  unterliegt  und  die  gesetzlichen
Folgen  aus  derselben  richtig  hergeleitet  worden  sind.

C.  382.

Zur  Hauptverhandlung  der  Sache  werden  Zeugen  oder  Sachyverständige
nur  vorgeladen,  wenn  und  insoweit  das  Berufungsgericht  das  Beweisverfahren
wieder  aufzunehmen  beschlossen  hat.  Dieser  Beschluß,  in  welchem  die  vorzuladenden
  Zeugen  und  Sachverständigen  zu  bezeichnen  sind,  muß  dem  Angeklagten
bekannt  gemacht  werden.  Ist  der  Angeklagte  verhaftet,  so  muß  er  von  der  -
in  welcher  das  Beweisverfahren  stanstemen  soll,  in  Kenntniß  gesetzt  und  auf  seim
Verlangen  zu  derselben  vorgeführt  werden.

C.  383.

Außer  dem  Falle  der  Wiederaufnahme  des  Beweisverfahrens  ist  die  Bekanntmachung
  des  zur  Hauptverhandlung  bestimmten  güzungstaaes  an  den  verhafteten
  Angeklagten  nicht  erforderlich,  und  seine  Vorführung  zu  derselben  nur
dann  zu  vesenkasfen,  wenn  das  Berufungsgericht  sie  aus  besonderen  Gründen
für  nothwendig  erachtet.

So  oft  die  Vorführung  des  verhafteten  Angeklagten  zu  der  Hauptverhandlung
  nicht  erfolgt,  muß  demselben  auf  sein  Verlangen  ein  Vertheidiger  von  Amtswegen
  zugeordnet  werden.  Der  Verhaftete  soll  von  der  Person  des  zugeordneten
Verbbei  igers,  wenn  es  geschehen  kann,  vor  der  Sitzung  in  Kenntniß  gesetzt
werden.

C.  384.

Der  nicht  verhaftete  Angeklagte  kann  sich,  unbeschadet  der  Bestimmung
des  S.  351.,  in  allen  Fällen  vertreten  lassen.

K.  385.

In  der  Hauptverhandlung  giebt  zunächst  ein  von  dem  Vorsitzenden  ernannter
  Berichterstatter  mündlich  eine  Darstellung  der  bis  dahin  stattgehabten
Verhandlungen.  Hierauf  wird  der  Angeklagte,  falls  aber  die  Berufung  nur  von
der  Staatsanwaltschaft  ergriffen  worden  ist,  diese  zuerst,  in  allen  Fällen  aber
zuletzt  der  Angeklagte  gehört.

st  das  Beweisverfahren  wieder  aufgenommen  worden,  so  regelt  sich  die
Ordnung  der  nachfolgenden  Vorträge  nach  den  für  die  erste  Instanz  gegebenen
or-
        <pb n="1200" />
        —  1023  —

Vorschriften.  Wird  hierbei  die  Ausdehnung  des  Beweisverfahrens  auf  noch  andere
  Thatsachen  oder  Beweismittel  beantragt,  so  muß  das  Gericht,  wenn  es  den
Beweisantrag  ablehnt,  in  dem  zu  verkündenden  Beschlusse  die  Gründe  desselben

angeben.
g.  386.

Der  Inhalt  des  Urtheils  muß,  wenn  die  Wiederaufnahme  des  Beweis=  5.  Inbalt-dn.
verfahrens  stattgefunden  hat,  allen  Vorschriften  des  F.  353.  entsprechen.  r*n-i

C.  387.

Wenn  das  Berufungsgericht  eine  Wiederaufnahme  des  Beweisverfahrens
nicht  beschließt  und  die  in  dem  ersten  Urtheil  enthaltene  Feststellung  der  Thatsachen
  auch  seinem  Urtheil  zu  Grunde  legt,  obwohl  sie  mittelst  der  Berufung
durch  Anführung  neuer  Thatsachen  oder  Beweiemittel  angefochten  worden  war,
so  muß  aus  dem  Urtheil  ersichtlich  sein,  daß  das  Berufungsgericht  diese  neuen
Anführungen  bei  seiner  Entschließung  in  Betracht  gezogen  hat.  -

§.388.

Insoweit  die  Anordnungen  dieses  Abschnitts  keine  Abweichung  bedingen,
kommen  die  Vorschriften  des  zwölften  und  vierzehnten  Titels  auch  in  der  Berufungsinstanz
  zur  Anwendung.

Vierter  Abschnitt.

Besondere  Bestimmungen  über  die  Nichtigkeitsbeschwerde  gegen
Urtheile.

G.  389.

Die  Nichtigkeitsbeschwerde  ist  nur  dann  begründet,  wenn
1)  die  angefochtene  Entscheidung  auf  der  Verletzung  oder  unrichtigen  An=  1.  Grünt-,  aus
wendung  eines  Gesetzes  oder  eines  Rechtsgrundsatzes  beruht,  oder  t
2)  das  Verfahren,  in  welchem  sie  ergangen  ist,  an  einer  Nichtigkeit  leidet.  besdv  statt  ·
ndet.
F.  390.  «
EineNichttgkeitinBezugaufdasVerfahren(§.389.Nr.2.)istvorhanden,
  wenn  das  Gericht,  welches  die  Entscheidung  getroffen  hat,  entweder
1)  seine  sachliche  Zuständigkeit,  oder  die  Grenzen  der  den  ordentlichen  Gerichten
  überhaupt  zustehenden  Gerichtsbarkeit  überschritten,  oder
2)  gegen  Vorschriften  gefehlt  hat,  deren  Beobachtung  bei  Vermeidung  der
Nä  fen  vorgeschrieben  ist,
oder  wenn

3)  die  Entscheidung  auf  der  Grundlage  anderer  Verletzungen  wesentlicher
Vorschriften  oder  Grundsätze  des  Verfahrens  ergangen  ist.
(Nr.  6704.)  Es
        <pb n="1201" />
        —  1024  —

Es  kann  jedoch  Niemand  über  die  Beschrinkung  von  Prozeßbefugnissen
Beschwerde  führen,  wenn  er  durch  sein  eigenes  Verhalten  zu  erkennen  gegeben
bat,  daß  er  die  Beschränkung  für  eine  ihm  nachtheilige  nicht  erachte.  Die  Veretzung
  von  Vorschriften,  welche  lediglich  im  Interesse  des  Angeklagten  gegeben
sind,  kann  von  der  Staatsanwaltschaft  niemals  zu  dem  Zwecke  geltend  gemacht
werden,  um  eine  Vernichtung  der  ergangenen  Entscheidung  zum  Nachtheile  des
Angeklagten  herbeizuführen.

C.  391.

ihhensiunen  Ausgeschlossen  ist  die  Nichtigskeitsbeschwerde,  wenn  in  derjenigen  Instanz,
bescwerds  ans,  im  welcher  die  angefochtene  Entscheidung  ergangen  ist,  lediglich  eine  Uebertrebeschlossen

  st  tung  Gegenstand  der  Untersuchung  gewesen  ist.

K.  392.

üIn  den  Fällen,  welche  nach  F.  391.  dem  Rechtsmittel  der  Nichtigkeitsbeschwerde
  entzogen  sind,  ist  der  Ober-Staatsanwalt,  jedoch  nur  mit  ausdrücklicher
  Ermächtigung  des  Justizministers,  berechtigt,  dieses  Rechtsmittel  außerordentlicher
  Weise  dann  zu  ergreifen,  wenn  er  dies  zur  Aufrechterhaltung  wesentlicher
Grundsätze  des  Rechts  oder  des  Verfahrens,  bbeer  im  Interesse  der  Einheit  der
Rechtsprechung  für  erforderlich  erachtet.  An  Stelle  der  sonst  vorgeschriebenen
Anmoldungefeit  tritt  in  diesen  Fällen  eine  sechswöchentliche,  innerhalb  deren  auch
die  Angabe  der  Beschwerdepunkte  und  die  Beibringung  der  Ermächtigung
erfolgen  muß.

Wird  die  Vernichtung  ausgesprochen,  und  ergeht  in  Folge  derselben  eine
dem  Angeklagten  nachtheiligere  Entscheidung,  so  ist  der  Justizminister  berechtigt,
die  Nichtvollstreckung  derselben,  insoweit  sie  dem  Angeklagten  nachtheiliger  ist,
zu  verfügen.

d.  393.
3.  Rechtferti.  Die  Anmeldung  der  Tihtigkeitsbeschwere  hat  keine  Wirkung,  wenn  nicht
hun  rder  rechtzeitig  und  in  gehöriger  Form  (§§.  370.  392.)  die  Rechtfertigung  durch  Anbeschwerde.
  gabe  der  Beschwerdepunkte  erfolgt.

Aus  dieser  Angabe  muß  ersichtlich  sein,  ob  die  Entscheidung  wegen  Verletzung
  oder  unrichtiger  Anwendung  von  Gesetzen  oder  Rechtsgrundsätzen,  oder
wegen  einer  Nichtigkeit  in  Bezug  auf  das  Verfahren  angefochten  wird.

Im  letzteren  Falle  genügt  es,  wenn  diejenigen  Thatsachen,  welche  der  Beschwerde
  als  Grundlage  dienen,  als  nelche  hervorgehoben  werden.

Wird  eine  Entscheidung,  welche  mehrere  verbundene  Straffälle  umfaßt,
nur  in  Ansehung  eines  Theils  derselben  angefochten,  so  muß  dies  ausdrücklich
bemerkt  werden.

S.  394.

4.  Gegenerfls.  Ist  die  Anmeldung  und  Rechtfertigung  rechtzeitig  und  in  gehöriger  Form
un  n  n  S.  370.  392.)  erfolgt,  so  verfügt  der  Vorsitzende  die  vorläufige  Zulassung  des
nhn  Rechtsmittels.  r
ie
        <pb n="1202" />
        —  1025  —

Die  Staatsanwaltschaft  (F.  365.),  welcher  der  Gerichtsschreiber  in  Folge
dieser  Verfügung  die  Verhandlungen  unverzüglich  mitzutheilen  hat,  reicht  dieselben,
falls  das  Rechtsmittel  von  dem  Angeklagten  eingelegt  ist,  unter  Beifügung  ihrer
etwaigen  Gegenerklärung  binnen  längstens  10  Tagen  dem  General-Staatsanwalt
ein,  welchem  der  weitere  Betrieb  der  Sache  obliegt.

Ist  das  Rechtsmittel  von  ihr  selbst  eingelegt,  so  bewirkt  sie  die  Einsendung
der  Verhandlungen  erst  dann,  nachdem  sie  zuvörderst  ihre  Anmeldungs-  un
Rechtfertigungsschrift  dem  Angeklagten  hat  zustelln  lassen,  und  sobald  eine  Frist
von  10  Tagen,  binnen  welcher  der  letztere  eine  Gegenerklärung  bei  dem  Gerichte
erster  Instanz  abgeben  kann,  abgelaufen  ist.

g.  395.

Die  Bekanntmachung  der  zur  Hauptverhandlung  bestimmten  Sitzung  des
obersten  Gerichtshofes  erfolgt  durch  Aushang  an  der  Gerichtsstelle,  ohne  daß  eine?
Vorladung  des  Angeklagten  zu  derselben  stattfindet.  An  der  Bestimmung  des
&amp;amp;.  210.  wird  hierdurch  nichts  geändert.  .

Die  Verhandlung  beginnt  mit  dem  mündlichen  Vortrage  des  von  dem
Vorsitzenden  ernannten  Berichterstatters  und  schließt  in  allen  Fällen  mit  den  Anträgen
  des  General-Staatsanwalts.  Zur  Führung  der  Vertheidigung,  als  Vertreter
  oder  Beistand  des  Angeklagten,  sind  nur  die  bei  dem  oberseen  Gerichtshof
un  Praris  berechtigten  Rechtsanwalte  befugt.  Eine  Vorführung  des  verhafteten

ngeklagten  findet  nicht  statt.

S.  30.

5.  Verfahren
or  dem  obersten
Gerichtshof.

Die  Entscheidung  erfolgt  nur  über  diejenigen  Anfechtungsgründe,  welche  6.  Urtheil  desselben.


nach  Vorschrift  des  F.  393.  angegeben  sind.

Eine  auf  die  Berlesung  oder  unrichtige  Anwendung  von  Gesetzen  oder
Rechtsgrundsätzen  gestützte  Nichtigkeitsbeschwerde  kann  nicht  aus  dem  Grunde  zurückgewiesen
  werden,  weil  das  Gesetz  oder  der  Rechtsgrundsatz  gar  nicht  oder
umrichtig  bezeichnet  worden  ist.

S.  397.
Ist  die  Nichtigkeitsbeschwerde  begründet,  so  spricht  der  Gerichtshof  die
Vernichtung  des  angefochtenen  Urtheils,  und  wenn  der  Grund  derselben  in  Mängeln

des  Verfahrens  beruht,  zugleich  die  gänzliche  oder  theilweise  Vernichtung  des  vorausgegangenen
  Verfahrens  aus.

S.  398

Liegt  der  Grund  der  Vernichtung  nicht  in  Mängeln  des  Verfahrens,  sondern
in  der  Entscheidung  selbst,  und  kommt  es  in  der  Sache  auf  weitere  thatsächliche
Ermittelungen  nicht  an,  so  erkennt  der  Gerichtshof  in  der  Sache  selbst.

Bei  einer  zum  Nachtheile  des  Angeklagten  eintretenden  Vernichtung  ist
dieselbe  jedoch  auf  das  vorausgegangene  Verfahren  auszudehnen,  falls  W
an  einer  Nichtigkeit  der  im  §.  390.  unter  Nr.  1.  und  2.  bezeichneten  Art  leidet,

Jahrgang  1867.  (Nr.  670  1.)  35  oder
        <pb n="1203" />
        —  1026  —

oder  in  der  rechtzeitigen  Gegenerklärung  des  Angeklagten  aus  einem  anderen
Nichtigkeitsgrunde  mit  Recht  angefochten  worden  .
C.  399.

Findet  ein  Erkenntniß  in  der  Sache  selbst  nicht  statt,  so  verweist  der  Gerichtshof
  die  Sache  zur  anderweiten  Verhanel  und  Entschedung  an  das
Gericht  der  betreffenden  Instanz  oder  an  das  gleichstehende  Gericht  eines  anderen
Syprengels.  K  4

Das  Gericht,  an  welches  die  Zurückverweisung  erfolgt,  ist  gehalten)  die
Bechtsgrundsät,  welche  der  höchste  Gerichtshof  aufgestellt  und  der  ausgesprochenen
Vernichtung  zum  Grunde  gelegt  hat,  auch  seinerseis  als  maagebend  anzuerkemen
  und  der  ferneren  Verhandlung  und  Entscheidung  gleichfalls  zum  Grunde

egen.
8  Hinsichtlich  der  Entscheidungen  über  die  sachliche  Zuständigkeit  eines  Gerichts
behält  es  jedoch  bei  der  Bestimmung  des  §.  49.  sein  Bewenden.

G.  401.

Im  Uebrigen  kommen  auf  das  Verfahren  vor  dem  obersten  Gerichtshof
und  auf  das  Urtheil  desselben  die  allgemeinen  Vorschriften  des  zwölften  Titels
in  Anwendung.

Fünfter  Abschnitr.

Bestimmungen  über  die  Berufung  und  Nichtigkeitsbeschwerde  gegen
Beschlüsse  und  Verfägungen.

S.  402.
1.  Vestimman=  Verfügungen  des  Untersuchungsrichters  und  Polzzeirichters  in  der  Vorlen
  in  Betref  untersuchung  und  im  Ermittelungsverfahren  können  nicht  mit  Uebergehung  der

.  Buhelsgteit  Rathskammer  durch  Berufung  angefochten  werden.
mittel.
K.  403.

Gegen  die  Eröffnung  der  Vorunterfuchung  und  des  Hauptverfahrens  stcht
dem  Angeschuldigten  kein  Rechtsmittel  zu.  Dies  erleidet  nur  in  Ansehung  der
Verweisungsbeschlüsse  der  Rathskummer  und  der  Anklagekammer  dann  eine  Ausnahme,
  wenn  und  insoweit  durch  dieselben  zugleich  über  die  Einrede  der  örtlichen
Unzuständigkeit  entschieden  worden  ist  (S.  44.).

Zur  Anfechtung  von  Verweisungsbeschlüssen  im  Interesse  des  Angeschuldigten
  ist  die  Staatsanwaltschaft  nur  dann  befugt,  wenn  die  Anfechtung  aus
Rechtsgründen  erfolgt.  «

§.404.

In  dem  Hauptverfahren  findet  gegen  Beschlüsse  oder  Verfügungen,  uoch
wel-
        <pb n="1204" />
        —  1027  —
welche  die  Herbeischaffung  von  Beweismitteln,  insbesondere  die  Vorladung  von

Zeugen,  für  erforderlich  oder  nicht  erforderlich  erachtet  wird,  weder  von  Seiten

der  Staatsanwaltschaft,  noch  von  Seiten  des  Angeklagten  ein  Rechtsmittel  statt.

Desgleichen  können  Einreden  des  Angeklagten,)  insbesondere  die  Einrede
der  mangelnden  Zuständigkeit  des  Gerichts,  wenn  sie  in  der  Hauptverhandlung
verworfen  worden,  in  keiner  anderen  Weis-  )  als  durch  Anfechtung  des  in  der
Hauptsache  ergehenden  Urtheils  weiter  verfolgt  werden.

g.  405.

In  den  vor  die  Schwurgerichtshöfe  verwiesenen  Sachen  sind  alle  die  Verandlung
  und  Entscheidung  der  Hauptsache  betreffenden  Deschlül  und  Verügungen
  nur  mit  der  Nichtigkeitsbeschwerde  anfechtbar,  alle  anderen  Beschlüsse  und
erfügungen  aber  dem  Nechtemittel  der  Berufung  unterworfen.  Es  macht  dabei
keinen  ülnierschied,  ob  der  Beschluß  oder  die  Verfügung  von  dem  Schwurgerichtshofe
  selbst  oder  von  der  Strafkammer  (I.  271.)  ausgegangen  ist.  ·

Zu  den  Anordnumgen,  welche  die  Verhandlung  und  Entscheidung  der  aupt.
sache  nicht  betreffen,  geören  insbesondere  die  Entscheidungen  über  die  Unter-Achungshst,
  über  die  Strafrollstreckung  und  über  Straffestsetzungen  gegen  dritte

sonen)  nicht  aber  die  Bestimmung  über  die  Anwendung  der  n  158.  bezeichneten
  Maaßregeln.
C.  406.

Auf  die  Nichtigle  tbescwerde  gegen  Gocschlesg  und  Verfügungen  greifen
die  Bestinmmungen  der  §#.  389.  bis  392.  gleichfalls  Platz.  Für  die  Anwendung
des  §.  391.  ist,  wenn  die  Beschwerde  Nebenpunkte  betrifft,  die  Lage  der  Hauptsache
  maaßgebend.  «

Desgleichensindendieinden§§.393.un.d396.entlaltenen  Vorxchrigen
nmit

  der  aus  dem  nachfolgenden  Paragraphen  sich  ergebenden  Maaßgabe

wendung.
g.  407.
Die  Anmeldung  des  Rechtsmittels  gegen  Beschlüsse  und  Verfügungen  muß
lechzeiig  mit  dessen  Rechtfertigung  mitkelst  einer  bei  dem  Gerichte,  welches
arüber  zu  entscheiden  hat,  einzureichenden  Beschwerdeschrift  ersolgen.  Deese  Anbringung
  ist  an  die  Frist  von  zehn  Tagen  nur  in  den  vom  Gesetz  besonders  beeichneten
  Fällen,  insbesondere  aber  dann  gebunden,  wenn  den  Gegenstand  der
Ansechtung  bilden:
1)  Beschlüsse,  durch  welche  die  Einrede  der  örtlichen  Unzuständigkeit  des  Gerichts
  verworfem  wird  G.  41I.)  8
2)  Beschlüsse  der  Rathskammer  oder  Anklagekammer  über  das  Ergebniß  der
Voruntersuchung.
Auf  Beschlüsse  durch  welche  die  örtliche  Usuständigket  des  Gerichts  ausgesprochen
  wird,  findet  die  Fristbestimmung  keine  Anwendung.
Der  Lauf  der  vorgeschriebenen  Fristen  beginnt,  wenn  der  anzufechtende
r.  6701.)  35“  Be-.2.

  Anmeldang
und  Rechtfertigung.
        <pb n="1205" />
        3.  Verfahren
bei  der  Entscheidung
  auf  das
Rechtsmittcl.

—  1028  —

Beschluß  in  einer  Hauptverhandlung  in  Gegemvart  des  Beschwerdeführers  verkündet
  worden  ist,  mit  dieser  Verkündung,  andernfalls  mit  der  Zustellung  des
Beschlusses  oder  der  Verfügung.

*

In  den  Fällen  des  F.  407.  Nr.  1.  und  2.  bleibt  der  Fortgang  der  Untersuchung
  bis  zum  Ablaufe  der  Frist,  und  wenn  das  Rechtsmittel  eingelegt  wird,
bis  zur  Entscheidung  über  dasselbe  ausgesetzt.

Im  Uebrigen  hat  die  Einlegung  des  Rechtemittels  keine  aufschiebende
Wirkung.  Jedoch  steht  sowohl  dem  Gerichte,  dessen  Beschluß  oder  Verfügung
angefochten  wird,  als  dem  zur  Entscheidung  hierüber  berufenen  Gerichte  die  Befugniß
  zu,  die  Aufschiebung  der  Vollstreckung  anzuordnen.

d.  409.

Ueber  das  eingelegte  Rechtsmittel  entscheidet  das  Gericht  durch  Beschluß.

Dem  Ermessen  desselben  bleibt  die  Wahl  der  Mittel  anheimgegeben,  um
die  zur  Beschlußnahme  erforderlichen  Aufklärungen  herbeisushafen.  ie  Akten
sollen  der  Regel  nach  nur  in  solchen  Fällen  eingefordert  werden,  wo  die  dadurch
entstehende  Verzögerung  geringeren  Nachtheil  herbeiführt,  als  derjenige  ist,  welcher
durch  das  Rechtsmittel  beseitigt  werden  soll.

C.  410.

Das  Gericht  darf  in  der  Sache  nicht  eher  Beschluß  fassen,  als  nachdem
die  Staatsanwaltschaft  bei  demselben  von  der  eingereichten  Beschwerdeschrift  Kenntniß
  genommen  hat.  Dieselbe  kann  eine  schriftliche  Erklärung  abgeben,  oder  auch
verlangen,  daß  a6.  mit  ihrem  mündlichen  Antrage  gehört  werde.

S.  411.

Wird  das  Rechtsmittel  für  durchgreifend  erachtet,  so  beschließt  das  Gericht
selbst  in  der  Sache,  was  Rechtens.  Insbesondere  hat  die  Anklagekammer,  wenn
sie  die  Berufung  gegen  einen  die  Eröffnung  des  Hauptverfahrens  ablehnenden
Beschluß  für  begründet  erachtet,  selbst  über  die  Eröffnung  des  Hauptverfahrens
zu  beschließen.

S.  412.

Ist  die  Achtigkeitsbeschwerde  gegen  einen  von  dem  Berufungsgerichte  in
Gemäßheit  des  §.  381.  gefaßten  Beschluß  erhoben  worden,  so  verfügt  der  oberste
Gerichtshof,  wenn  er  dieselbe  nicht  als  unannehmbar  zurückweist,  die  Mittheilung
der  Beschwerdeschrit  in  Gemäßheit  des  §.  394.;  es  treten  alsdann  alle  für  die
Nichtigkeitsbeschwerde  gegen  Urtheile  gegebenen  V  rschriften  in  Wirksamkeit.

K.  413.

Beschwerden,  welche  die  Dieziplin,  den  Geschäftsbetrieb  oder  Verzögerungen
        <pb n="1206" />
        —  1029  —

gen  betreffen,  sind  den  Vorschriften  dieses  Titels  nicht  unterworfen.  Dieselben
werden  im  Aufsichtswege,  demnach  schließlich  durch  den  Justizminister,  erledigt.

Siebzehuter  Titel.

Von  der  Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand.

E.  414.

Gesen  die  Versäumung  der  zur  Hauptverhandlung  bestimmten  Sitzung
steht  dem  (ugellagten,  vorbehaltlich  der  im  H.  416.  bestimmten  Ausnahme,  ein
Gesuch  um  Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand  nicht  zu.  Ist  jedoch  die
Sache  vor  der  Strafkammer  oder  vor  dem  Polizeigerichte  verhandelt  worden)  so
kann  der  Verurtheilte,  wenn

1)  Nannbegebenheiten  oder  andere  unabwendbare  Zufälle,  welche  eine  vorgängige
  Anzeige  und  Bescheinigung  nicht  zuließen,  ihn  am  rechtzeitigen
Erscheinen  verhindert  haben,  oder  ihm

2)  die  erste  im  Hauptverfahren  ergangene  Vorladung  wegen  seiner  Abwesenheit
  auf  Reisen  oder  wegen  eines  anderen  Hindernisses  von  derjenigen
Person,  an  welche  die  Behändigung  geschah,  nicht  rechtzeitig  mitgetheilt
werden  konnte,

den  hieraus  zu  entnehmenden  Anfechtungsgrund  im  Wege  des  gewöhnlichen  gegen
das  Urtheil  stattfindenden  Rechtsmittels  geltend  machen.  Wird  diese  Mführung,
welche  unter  Angabe  der  Beweise  längstens  innerhalb  der  vorgeschriebenen  Rechtfertigungsfrist
  erselgen  muß,  von  dem  Gerichte,  welches  auf  das  Rechtsmittel  zu
entscheiden  hat,  für  begründet  erachtet,  so  hebt  dasselbe,  ohne  auf  die  übrigen
Beschwerdepunkte  einzugehen,  das  angefochtene  Urtheil  auf,  und  verweist  die  Sache
in  die  vorige  Instanz  zurück.

Auch  Urtheile  der  Berufungsgerichte  können  aus  dem  unter  Nr.  1.  angegebenen
  Grunde  von  dem  Verurtheilten  angefochten  werden,  jedoch  nur  dann,
wenn  in  der  versäumten  Sitzung  die  Wiederaufnahme  des  Beweisverfahrens
stattgefunden  hatte.

.  415.

Gegen  den  Ablauf  der  vom  Gesetze  mit  ausschließender  Wirkung  bestimmten
Fristen  ist  die  Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand  zulässig,  wenn  Naturbegebenheiten
  oder  andere  unabwendbare  Zufälle  die  Versäumung  der  Frist  herbeigeführt
  haben.

S.  416.
·  Wenn  der  Polizeirichter  eine  Strafverfügung  erlassen  hat,  findet  die
Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand  statt:
(Nr.  (TOt.)  1.  ge-
        <pb n="1207" />
        —  1030  —

1)  gegen  den  Ablauf  der  Frist  zur  Erhebung  des  Einspruchs  auch  dann
wenn  die  Zustellung  unter  Kr  im  §.  4141.  Nr.  2.  bezeichneten  Umständen
geschehen  ist;
2)  gechen  die  Versäumung  der  in  Folge  des  Einspruchs  anberaumten  ersten
itzung  zur  Hauptverhandlung:  nur  beim  Vorhandensein  der  ebendaselbst
unter  Nr.  1.  angegebenen  Voraussetzungen.

C.  417.

Das  Gesuch  um  Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand  G.  415.  416.
ist  nur  zulässig,  wenn  es  binnen  zehn  Tagen  nach  Ablauf  der  Frist  oder  nach
der  versäumten  Sitzung  (F.  416.  Nr.  2.)  —  wenn  aber  das  Hinderniß  erst
später  gehoben  wurde,  binnen  zehn  Tagen  nach  dem  Wegfall  desselben  —  unter
Angabe  und  Bescheinigung  der  Hinderungsgründe  angebracht  wird.  Ist  das
Gesuch  gegen  den  Ablauf  einer  Feit  gerichtet,  so  muß  die  Vornahme  der  versäumten
  Handlung  mit  dem  Gesuche  verbunden  und  die  für  sie  vorgeschriebene
Form  beobachtet  werden.  Im  Uebrigen  kann  das  Ersüch  schriftlich  oder  zu
Protokoll  erfolgen.  Die  Anbringung  muß  bei  dem  Gerichte  geschehen,  bei  welchem
die  Frist,  oder  die  Sitzung  (§.  416.  Nr.  2.)  wahrzunehmen  war,  falls  aber  in
Folge  der  Persiumuny  bereits  eine  Entscheidung  ergangen  war)  bei  dem  Gerichte,
welches  diese  erlassen  hat.

Bevor  das  Gericht  Beschluß  faßt,  ist  die  Statsmwoaltschest  mit  ihrem
Antrage  zu  hören.  Gegen  die  Zurückweisung  des  Gesuches  sind  Kechtsmittel  nur
innerhalb  der  zehntägigen  Frist  zulässig.  Gegen  die  Zulassung  des  Gesuches
sindet  ein  Rechtsmittel  nicht  statt,  unbeschadet  der  Befugniß,  die  Unzulässigkeit

er  Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand  bei  der  weiteren  Verhandlung  der
Sache  geltend  zu  machen.  ·  .

Die  Be  immungen  der  §9.  366.  bis  369.  beziehen  sich  auch  auf  das
Gesuch  um  Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand,  soweit  sie  darauf  anwendbar
  sind.

Achtzehnter  Titel.
Von  der  Wiederaufnahme  der  Untersuchung.

K.  118.

1.  Wiederauf·  Wenn  nach  geführter  Voruntersuchung  der  Aggeschmldigte  durch  gerichtnesee
  nach  end.  lichen  Beschluß  endgültig  außer  Verfolgung  gesetzt  worden  ist,  so  findet  gegen
seutieiagese-  ihm  wegen  der  nämlichen  That  G.  4.)  ein  ferneres  Strafverfahren  nur  dann
sochuns,  statt,  wenn  sich  neue  Thatsachen,  welche  für  die  Untersuchung  von  Erheblichkeit
ind,  oder  neue  Beweismittel  ergeben.  Wird  die  Wiederaufnahme  des  Verfahrens,

  über  welche  auf  den  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  die  Rathskammer  zu
beschließen  hat,  für  begründet  erachtet,  so  tritt  die  Voruntersuchung  mit  ihren
gesetzlichen  Wiltugen  von  Neuem  ein.  110
        <pb n="1208" />
        —  1031  —

K.  419.

Das  Ergebwiß  einer  durch  rachtskträfttges  Urtheil  beendigten  Untersuchemg  2.  Wiederedarf
  gegen  den  nämlichen  Beschuldigten  in  Ansehung  der  nämlichen  That  (§.  4.)  nohme  nach  Beniemals
  wieder  in  Frage  gestellt  werden,  insoweit  nicht  ausdrückliche  gesetzliche  migung  ve
Bestimmungen,  insbesondere  die  nachfolgenden,  eine  Ausnahme  begründen.  durch  wrctank.

tiges  Urtheil.
S.  420.

Zu  Gunsten  eines  Verurtheilten  findet,  auf  seinen  Antrag  oder  auf  den
der  Scushunfen  enn  die  ehelilten  fade  der  Lunligen  A  statt:
1)  wenn  zum  Nachtheile  des  Verurtheilten  in  dem  früheren  Verfahren
  ein  unwahres  eidliches  Zeugniß  abgelegt,  eine  falsche  oder  verfälschte
  Urkunde  als  Beweismittel  vorgelegt,  oder  von  dem  Vertheidiger,
einem  Richter,  Geschworenen,  Schöffen,  oder  Beamten  der  Staatsanwaltschaft
  eine  in  den  gemeinen  Strafgesetzen  vorgesehene  Pflichtverletzung
  begangen  worden  *r

2)  wenn  zwei  oder  mehrere  Personen  wegen  der  nämlichen  That  durch  zwei
verschiedene  Erkenntnisse  verurtheilt  worden  sind,  welche  mit  einander  derestalt
  unvereinbar  sind,  daß  aus  der  Vergleichung  derselben  die  Unchuld
  einer  der  verurtheilten  Personen  hervorgeht.

K.  421.

Zum  Nachtheil  eines  früheren  Angeklagten  findet  die  Wiederaufnahme  der
Untersuchung  auf  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  nur  dann  statt,  wenn  in  dem
überen  Verfahren  entweder  der  Anzeklagte  selbst,  oder  in  dessen  Interesse  der
ertheidiger  ein  Verbrechen  der  im  F.  120.  Nr.  1.  bezeichneten  Art  begangen,
dazu  verleitet  oder  sonst  daran  Theil  genommen  hat.

122.

Das  Gesuch  um  Wiederaufnahme  der  Untersuchung  ist  an  keine  Zeitfrist
gebunden  und  wird  durch  die  erfolgte  Vollstreckung  der  Strafe  nicht  ausgeschlossen;
zum  Nachtheil  eines  Angeklagten  ist  es  jedoch  nur  so  lange  zulässig,  als  die  That
noch  nicht  verjährt  ist.  n

G.  123.

Die  Beschlußfassung  über  das  Gesuch,  welches  schriftlich  oder  zu  Protokoll
angebracht  werden  kann,  steht  dem  Gerichte  zu,  von  welchem  das  Urtheil  erster
Instanze  0d  zwar  im  Falle  des  F.  420.  Nr.  2.  das  zuletzt  ergangene,  gefällt
worden  ist.

Die  Bestimmungen  der  §§.  366.  bis  369.  sind  auch  auf  das  Gesuch  um
Wiederaufnahme  der  Untersuchung  zu  beziehen,  soweit  sie  darauf  anwendbar  sind.

K.  421.

Können  die  Personen,  welche  sich  der  im  §.  420.  Nr.  1.  und  §.  121.
(Nr.  0704.)  be-
        <pb n="1209" />
        —  1032  —

bezeichneten  strafbaren  Handlungen  schuldig  gemacht  haben  sollen,  noch  belangt
werden,  so  darf  einem  auf  diese  Bestimmungen  gegründeten  Gesuch  erst  dann
Folge  gegeben  werden,  wenn  zuvor  das  behauptete  Verbrechen  oder  Vergehen
durch  eine  rechtskräftige  Verurtheilung  des  Schuldigen  festgestellt  worden  ist.

Gründet  sich  l  och  das  Gesuch  auf  die  Unwahrheit  eines  zum  Nachtheil
des  Verurtheilten  abgelegten  eidlichen  Zeugnisses,  so  ist  demselben  auch  dann
stattzugeben,  wenn  der  angeschuldigte  Zeuge  in  der  wider  ihn  geführten  Untersuchung
  nur  deshalb  außer  Verfolgung  gesetzt  oder  freigesprochen  worden  ist,  weil
er  die  als  festgestellt  erachtete  Unnbhen  seines  Zeugnisses  weder  wissentlich)  noch
fahrlässig  verschuldet  habe.  Ueber  diese  Punkte  muß  in  dem  Verfahren  gegen
den  Zeugen  eine  besondere  Feststellung  erfolgen.

G.  125.

Kommt  es  in  anderen  als  den  im  vorhergehenden  Paragraphen  bezeichneten
  Fällen  auf  vorläufige  gerichtliche  Ermittelungen  an,  so  sind  dieselben  auf
Veranlassung  der  Staatsanwaltschaft,  welcher  das  Gesuch  des  Verurtheilten  in
allen  Fällen  zur  schriftlichen  Erklärung  vorzulegen  ist,  nach  den  für  das  Ermittelungsverfahren
  geltenden  Vorschriften  zu  bewirken,  unbeschadet  der  Befugniß
des  Gerichts,  deren  Vervollständigung  anzuordnen.

K.  126.

Gegen  die  Beschlüsse,  durch  welche  über  das  Gesuch  auf  Wiederaufnahme
der  Untersuchung  entschieden  wird,  sind  Rechtomittel  nur  innerhalb  der  zehntägigen
Frist  zulässig.

Wloe  die  Wiederaufnahme  endgültig  beschlossen,  so  ist  zu  einer  neuen
Hauptverhandlung  und  Fällung  des  Urtheils  z  schreiten  und  in  demselben  das
früher  ergangene  rechtskräftige  Urtheil  aufzuheben.

C.  427.

In  dem  Falle  des  F.  120..  Nr.  2.  kann  das  Gericht  in  Betreff  der
sämmtlichen  durch  widerstreitende  Urtheile  beendigten  Untersuchungen  die  Wiederaufnahme
  beschließen,  wenn  diese  auch  nur  in  Ansehung  einer  Untersuchung  nachgesucht
  ist.

Es  tritt  alsdann  in  Betreff  aller  durch  diesen  Beschluß  betroffenen  Untersuchungen
  eine  gemeinschaftliche  Hauptverhandlung  und  Entscheidung  ein.

Neunzehnter  Titel.
Von  der  Strafvollstreckung.

S.  428.
1.  Volstrecor.  Ein  Styurthel  ist  zu  vollstrecken,  sobald  die  Rechtsmittel  der  Berufung
4u  oder  der  Nichtigkeitsbeschwerde  gegen  dasselbe  nicht  mehr  zulässig  sind.

e-
        <pb n="1210" />
        —  1033  —

Gesuche  um  Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand  oder  Wiederaufnahme
der  Untersuchung  hemmen  die  Strafvollstreckung  nicht.  Das  Gericht,  welches
über  das  Gesuch  zu  entscheiden  hat,  kann  jedoch  die  Aussetzung  oder  Unterbrechung
der  Vollstreckung  verordnen.  .

§.429.

Die  vorläufige  Antretung  einer  Freiheitsstrafe  findet  nicht  statt.  Hat  je-  2.  Anrechnung
doch  der  Verurtheilte  kein  Rechtsmittel  eingelegt,  so  ist  die  Untersuchungshaft,  der  □d
welche  er  seit  der  Verkündung  des  Urtheils  erlitten  hat,  unverkürzt  auf  die  Ste  —re
in  Anrechmmg  zu  bringen.  Sind  in  der  Sache  mehrere  Urtheile  ergangen,  so  faafe.
beginnt  die  Anrechnung  mit  der  Verkündung  des  ersten  von  dem  Verurhheilten
nicht  angefochtenen  Strafurtheils.

 

C.  430.

Die  auf  die  Strafvollstreckung  bezüglichen  Entscheidungen  erfolgen  durch  3.  Einrlchtung
das  Gericht,  welches  in  erster  Instanz  erkannt  hat,  im  Wege  der  Beschlußfassung.  Velsteen  6.
Die  Vollstreckung  selbst  wird  durch  die  Staatsanwaltschaft  bei  diesem  vrrfahrens  u
Gerichte  bewirkt.  .  Ullgemeinen.
Die  Entscheidung  durch  das  Gericht  ist  insbesondere  danm  erforderlich,  wenn
über  die  Auslegung  des  Urtheils  oder  der  Strafverfügung,  über  die  Berechnung
der  dadurch  verhängten  Freiheitsstrafe,  über  die  Identität  des  Verurtheilten  mit
dem  zur  Strafverbüßung  Herangezogenen,  oder  über  andere  Einwendungen  des
leen  eine  Meinungsverschiedenheit  zwischen  ihm  und  der  Staatsanwaltschaft
esteht.
Die  von  der  Staatsanwaltschaft  angeordnete  Vollstreckung  wird  durch  die
Einwendungen  des  Verurtheilten  nicht  aßgehalten,  vorbehaltlich  der  Befugniß
des  Gerichts,  eine  Aufschiebung  anzuordnen.

G.  431.

Die  Vollstreckung  der  Strafurtheile  geschieht  auf  den  Grund  eines  mit  der
Bescheinigung  der  Rechtskraft  (§.  428.)  versehenen  beglaubigten  Auszuges  aus
dem  ergangenen  Urtheile,  welchen  der  Gerichtsschreiber  unverzüglich  nch  eingetretener
  Rechtskraft  der  Staatsanwaltschaft  z  ertheilen  hat.

Ist  ein  Strafurtheil  nebst  dem  Protokoll  über  dessen  Verkündung  verloren
gegangen,  und  läßt  sich  der  Inhalt  der  getroffenen  Entscheidung  weder  durch  eine
anderweit  vorhandene  beglaubte  Abschrift,  noch  durch  ein  übereinstimmendes
Anerkenntniß  der  Staatsanwaltschaft  und  des  Verurtheilten  feststellen,  so  muß
die  Erneuerung  des  Verfahrens  erfolgen.  Mit  der  Rechtskraft  der  neuen  Entscheidung
  tritt  das  frühere  Strafurtheil  von  Rechtswegen  außer  Wirkung.

§.  432.

Ein  Todesurtheil  darf  erst  dann  vollstreckt  werden,  wenn  die  Entschließung  4.  Vesondere
des  Königs,  von  seinem  Begnadigungsrechte  keinen  Gebrauch  machen  zu  wollen,  Bestimmungen:
ergangen  ist.  vge

Jebrgong  1867.  (Nr.  6704)  136  Ueber
        <pb n="1211" />
        —  1034  —

Ueber  die  Hinrichtung  wird  von  den  Mitgliedern  des  Kollegialgerichts
erster  Instanz,  welche  in  Gemäßheit  der  Bestimmungen  des  Strafgesetzbuchs  der
Vollstreckung  beizuwohnen  haben,  unter  Zuziehung  des  Gerichtsschreibers  ein  Protokoll
  aufgenommen  und  von  dem  Beamten  der  Staatsanwaltschaft  mitunterzeichnet.

KC.  433.

.n..a  Zur  Vollstreckung  von  Freiheitsstrafen  können  nöthigenfalls  alle  diejenigen

wrt  rn  Maaßregeln  ergriffen  werden,  welche  Behufs  Vollziehung  eines  Haftbefehls  statthaft
  sind.  Der  mit  der  Verhaftung  des  Verurtheilten  beauftragte  Beamte  kam
in  dessen  Wohnung  auch  zur  Nachtzeit  (§.  96.)  eindringen.

’

Wenn  die  nämliche  Person  durch  verschiedene  Urtheile  zu  Freiheitsstrafen
verurtheilt  worden  ist,  deren  Höhe  zusammen  dasjenige  Maaß  übersteigt,  welches
bei  gleichzeitiger  Aburtheilung  hätte  innegehalten  werden  müssen  (Strafgesetzbuch
Sn  .))  so  sind  die  Strafen  auf  dieses  Maaß  zurüchzuführen.  Ist  auf  ungleichartige
Strafen  erkannt,  so  sind  die  der  geringeren  Art  in  die  schwerere  zu  verwandeln.

Eine  solche  Umwandlung  soll  auch  dann  eintreten,  wenn  cgen  die  nämuhe
  Pe  ungleichartige  Freiheitsstrafen  hintereinander  zur  v  lstreckung  zu
ringen  sind.

8  Die  Beschlußfassung  erfolgt  durch  das  Gericht,  bei  welchem  die  Hauptverhandlung
  erster  Instanz  in  Ansehung  derfenigen  strafbaren  Hendlun  statteunden,
  welche  die  schwerste  Strafart,  oder  bei  Strafen  gleicher  Art  die  schwerste

trafe  nach  ch  gezogen  hat,  und  falls  hiernach  mehrere  Gerichte  zuständig  sein
würden,  durch  dasjenige  derselben,  welches  zuletzt  erkannt  hat.

KC.  435.

In  einer  jeden  Entscheidung,  durch  welche  eine  Geldstrafe  festgesetzt  wird,
ist  zugleich  auszusprechen,  welche  Keehgeltannoss  für  den  Fall,  daß  die  Geldbuße
nicht  beigetrieben  werden  kann,  an  deren  Stelle  treten  soll.  Ist  dies  gleichwohl
nicht  geschehen,  und  ergiebt  sich  nachträglich,  daß  der  Verurtheilte  zur  Entrichtung
der  Geldbuße  unvermögend  ist,  so  hat  das  Gericht  (G.  430.)  die  Gehbaße  in  die
entsprechewde  Freiheitsstrafe  zu  verwandeln.  ·

er  Verurtheilte  kann  durch  vollständige  Bezahlung  der  Geldbuße  sich
jederzeit  von  der  Verbüßung  der  Freiheitsstrafe  befreien.

S.  436.

In  den  Fällen  der  S#F.  4371.  und  435.  muß  vor  der  Beschlußnahme  die
Staatsanwaltschaft  mit  ihrem  schriftlichen  Antrage  gehört  werden.  Gegen  die
gefaßten  Beschlüsse  finden  Rechtsmittel  nur  innerbalb  der  zehntägigen  Frist  statt.

S.  437.
Die  näheren  Bestimmungen  über  das  Verfahren  bei  der  Strafvollstreckung,
-  ins-
        <pb n="1212" />
        —  1035  —

insbesondere  über  die  Aussetzung  und  Theilung  der  Vollstreckung  bleiben  der
Regelung  im  Justiz-Verwaltungswege  vorbehalten,  bis  zu  welcher  es  bei  den
bisherigen  Vorschriften  bewendet.

Zwanzigster  Titel.
Von  den  Kosten  des  Verfahrens.

K.  438.

Wird  der  Angelagte  in  der  Untersuchung  zu  einer  Strafe  verurtheilt,  so
hat  er  alle  Kosten  des  Verfahrens,  auch  diejenigen  der  höheren  Instanzen,  zu
tragen.  Jedoch  fallen  ihm  die  Kosten  eines  von  der  Staatsanwaltschaft  ohne
Erfolg  eingelegten  oder  wieder  zurückgenommenen  Rechtsmittels  nicht  zur  Last;
dieselben  werden  niedergeschlagen.

Wird  der  Angeklagte  freigesprochen  oder  das  Verfahren  in  anderer  Weise,
ohne  zu  seiner  Verurtheilung  geführt  zu  haben,  beendigt,  so  bat  er  die  Kosten
nicht  zu  tragen  und  ist  von  dieser  Verpflichtung,  wenn  sie  ihm  durch  ein  Urtheil
früherer  Isan  auferlegt  war,  freizusprechen.

Kosten,  welche  der  Angeklagte  durch  eine  schuldbare  Versäumniß  verursacht
hat,  fallen  ihm  auch  dann  zur  Last,  wenn  er  im  Uebrigen  die  Kosten  des  Verfahrens
  nicht  zu  tragen  hat.

S.  439.

Zu  den  Kosten,  welche  der  Verurtheilte  zu  tragen  hat,  gehören  auch  die
Kosten  der  Strafvollstreckung,  insbesondere  bei  erkannten  Freiheitsstrafen  diejenigen
der  Verpflegung  während  der  Straßzeit.

C.  140.

Wenn  ein  Angeklagter  in  einer  Untersuchung,  die  mehrere  strafbare  Handlungen
  umfaßt,)  nur  in  Ansehung  eines  Theils  derselben  verurtheilt  wird,  durch
die  Verhandlung  der  übrigen  Straffälle  aber  besondere  Kosten  entstanden  sind,
so  ist  er  von  deren  Tragung  in  dem  Erkenntnisse  zu  entbinden.

Mitangeklagte,  welche  in  Bezug  auf  die  nämliche  That  zu  Strafe  verurtheilt
  werden)  haften  für  die  Kosten  des  Verfahrens,  insoweit  nicht  Pauschsätze
zum  Ansatz  kommen,  solidarisch.  Auf  die  Kosten,  welche  durch  die  Untersuchungshaft
  eines  Mitangeklagten,  durch  ein  von  demselben  eingelegtes  Rechtsmittel,  oder
durch  die  Strafvollstreckung  gegen  ihn  verursacht  worden  sind,  erstreckt  sich  diese
Verhaftung  nicht.

S.  441.

Stirbt  der  Angeklagte,  bevor  ein  gegen  ihn  ergangenes  Urtheil  rechtskräftig
geworden,  so  haftet  sein  Nachlaß  für  die  Kosten  den  Verfahrens  nicht.
136°

(Nr.  6704.)  412
        <pb n="1213" />
        1.  Schwurgt  ·
richtssachen.

—  1036  —

§.  442.
Zeugen  oder  andere  Personen  außer  dem  Angeklagten,  welche  ein  Rechtsmittel

  ohne  Erfolg  einwenden  oder  dasselbe  wieder  zurücknehmen,  haben  die  hierdurch
  entstandenen  Kosten  zu  tragen.

.  443.

Wenn  in  Folge  der  Anzeige  einer  strafbaren  Handlung  ein  Verfahren  eineleitet
  worden  ist,  und  sich  hierbei  ergiebt,  daß  der  Anzeigende  zur  Unterstützun
omn  Anzeige  wissentlich  falsche  Thatsachen  vorgebracht  bat  so  können  ihm  duch
eschluß  des  Gerichts,  bei  welchem  die  Sache  anhängig  ist,  die  Kosten  jenes  Verfahrens

  auferlegt  werden.
C.  444.
Die  Gebühren  und  Auslagen  des  Vertheidigers  sind  unter  den  in  diesem
Titel  erwähnten  Kosten  nicht  mit  verstanden,  dieselben  bleiben  in  jedem  Falle  dem
Angeklagten  zur  Last,  dessen  Rechte  der  Vertheidiger  wahrgenommen  hat.

Einnedzwanzigster  Titel.
Von  einigen  besonderen  Arten  des  Verfahrens.

K.  445.

Auf  die  in  diesem  Titel  erwähnten  Strafsachen  kommen  die  allgememen
Vorschriften  des  Untersuchungsverfahrens  mit  den  nachfolgend  bestimmten  Abweichungen
  zur  Anwendung.

Erster  Abschnitt.

Von  der  ausnahmsweisen  Verhandlung  von  Schwurgerichtssachen
vor  der  Strafkammer  und  von  Sachen,  welche  vor  die  Strafkammer
gehören,  vor  dem  Polizeigerichte.

KG.  446.

Beim  Vorhandensein  der  Bedingungen,  unter  welchen  nach  F.  347.  die
Verhandlung  vor  dem  Stnrpbe  ohne  vorgängige  Bildung  des  Schwurgerichts
  erfolgen  darf,  kann  die  Anklagekammer  bei,  oder  nach  Verweisung  der
ache  vor  den  Schwurgerichtshof  auf  den  Antrag  des  Ober-Staatsanwalts  bechließen,
  daß  die  Verhandlung  mit  dem  Angeklagten  vorerst  bei  der  Strafkammer
ges  Gerichts,  bei  welchem  die  Voruntersuchung  geführt  worden  ist,  stattzufinden

  habe.
S.  447.
        <pb n="1214" />
        —  1037  —

K.  447.

Findet  die  beauftragte  Strafkammer,  welche  unter  Vermehrung  ihrer  Mitliedergahl
  um  zwei  beisitzende  Richter  (F.  272.)  nach  den  für  den  Schwurgerichts-Gof
  eltenden  Vorschriften,  ohne  daß  es  der  Vorladung  von  Zeugen  oder  Sachverständigen
  bedarf,  zu  verhandeln  hat,  daß  die  Zuzlehung  von  Geschworenen
nach  den  Bestimmungen  des  F.  345.  nicht  erforderlich  ist,  so  ger  ie  sich  der
Fällun  des  Urtheils  zu  unterziehen,  gegen  welches  nur  das  Rechtsmittel  der
ichtigkeitsbeschwerde  stattfindet.  Andernfalls  erklärt  sie  mittelst  Beschlusses,  gegen
welchen  ein  Rechtsmittel  nicht  zulässig  ist,  ihren  Auftrag  für  erledigt,  wonächst
das  Verfahren  vor  dem  Schwurgerichtshofe  eintritt.
18.
Wenn  es  sich  um  das  Vergehen
des  Widerstandes  Egen  die  Staatsgewalt  in  den  Fällen  der  §#.  89.
und  91.  des  Strafgesetzbuchs,
der  nicht  durch  die  Presse  begangenen,  den  Karakter  der  Verleumdung
nicht  an  sich  tragenden  Kränkung  der  Berufsehre  (I.  102.  a.  a.  O.),
der  vorsätzlich  zugefügten  leichten  Körperverletzung  oder  Mißhandlung,
oder  einer  nur  auf  Antrag  zu  bestrafenden  fahrlässigen  Körperverletzung
  in  den  Fällen  der  §§.  187.  190.  und  198.  Absatz  1.
a.  d.  *  "
des  einfachen  Diebstahls  (66.  216.  217.  a.  a.  O.),
der  Unterschlagung  (§9.  225.  226.  a.  a.  O.),
der  einfachen  Hehlerei  (G.  237.  a.  a.  O.),
des  Betruges  in  den  Fällen  der  §#.  241.  und  243.  a.  a.  O.,
der  Vermögensbeschädigung  in  den  Fällen  der  S#.  281.  und  282.  a.  a.  O.
hmielt,  und  voraussichtlich  auf  keine  andere  Strafe  als  Gefängniß  bis  zu  drei
onaten  oder  Geldbuße  bis  zu  Einhundert  Thalern,  allein  oder  in  Verbindun
mit  einander,  zu  erkennen  ist,  so  kann,  selbst  wenn  Rückfall  (G.  58.  a.  a.  O.
vorliegt,  das  zuständige  Gericht  bei,  oder  nach  Eröffnung  des  Hauptverfahrens
auf  den  Antrag  des  Sraaksanwals  beschließen,  daß  das  Polizeigericht  des  betre
  Fadens  Bezirks  sich  der  Verhandlung  und  Entscheidung  der  Sache  zu  unterziehen
  habe.  -

§.449·

FindetdasbeauftragtePolizei·ericht,daßeinenichtunterden8.448.
fallende,  seine  eigene  Zuständigkeit  WVerschrestende  strafbare  Handlung  vorliege,
oder  daß  wegen  eines  der  dort  bezeichneten  Vergehen  auf  andere,  als  die  ebenda
angegebenen  Strafen  zu  erkennen  sei,  so  erklärt  dasselbe  mittelst  Beschlusses,  gegen
welchen  ein  Rechtsmittel  nicht  sealtfindet  den  ihm  ertheilten  Auftrag  für  erledigt,
wonächst  die  Strafkammer  in  der  Sache  zu  verhandeln  hat.

(Nr.  6704.)  Das

2.  Sachen,
welche  vor  die
Strafkammer

Jehören.
        <pb n="1215" />
        —  1038  —

Das  Verfahren  vor  dem  Polizeigerichte  richtet  sich  nach  den  für  polizeigerichtliche
  Strafsachen  geltenden  Vorschriften,  welche  auch  hinsichtlich  des
I#n  anzenzuges  maaßgebend  sind.  Der  Erlaß  einer  Strafverfügung  findet

t

nicht  statt.

K.  450.

3.  Gemeinsame  Wenn  das  beauftragte  Gericht  (60.  446.  448.)  sich  in  Ansehung  auch  nur
Besnitimung.  eines  unter  mehreren  Angeklagten  oder  Anklagepunkten  an  der  Urtheilsfällung
verhindert  sieht,  so  muß  es  den  ihm  ertheilten  Auftrag  in  Betreff  der  sämmtlichen
Angeklagten  oder  Anklagepunkte  für  erledigt  erklären.
Mat  sich  dasselbe  der  Urtheilsfällung  unterzogen,  so  nimmt  es  auch  im
weiteren  Gange  des  Verfahrens  die  Stelle  des  Geüchis  erster  Instanz  an.

Iweciter  Abschnitt.
Von  dem  Verfahren  gegen  flüchtige  Angeklagte.

K.  451.

1.  Einleitende  Gegen  Angeklagte,  deren  Aufenthaltsort  unbekannt,  oder  deren  Vorladung
Vorschriften.  an  ihrem  bekannten  Aufenthaltsorte  im  Auslande  entweder  gar  nicht,  oder  nicht
ohne  erhebliche  Schwierigkeiten  zu  bewirken  ist,  soll,  sofern  die  Verhaftung  nicht
pissis  oder  nicht  ausfuͤhrbar  erscheint,  mit  dem  Hauptverfahren  innegehalten
werden.
Trägt  indessen  die  Staatsanwaltschaft  aus  besonderen  Gründen,  deren
Würdigung  ihrem  Ermessen  anheimgegeben  ist,  darauf  an,  das  eröffnete  Hauptverfahren
  im  Wege  der  öffentlichen  Vorladung  zum  Austrage  zu  bringen,  so
muß  die  letztere  von  dem  für  die  Hauptverhandlung  zuständigen  Gerichte  verfügt
  werden.  «
Die  Strafkammer  kann  jedoch,  wenn  die  Sache  ohne  vorausgegangene
Voruntersuchung  bei  ihr  anhängig  gemacht  ist,  beschließen,  daß  zunächst  die  Voruntersuchung
  mit  ihren  gesetzlichen  Wirkungen  einzutreten  habe.

G.  452.

Ist  der  ausländische  Aufenthaltsort  des  Angeklagten  bei  Erlassung  der
öffentlichen  Vorladung  gerichtskundig,  so  ist  ihm  Abschrift  derselben  durch  die
ost  zu  übersenden,  ohne  daß  es  eines  Ausweises  über  die  Bestellung  bedarf.
Kommt  die  Sendung  als  unbestellbar  zurück,  so  wird  dadurch  die  Wirksamkeit
des  Verfahrens  nicht  beeinträchtigt.

S.  453.
2.  Ediktalon.  Ist  die  Sache  vor  dem  Schwurgerichtshofe  zu  verhandeln,  so  muß
selent  die  öffentliche  Vorladung  enthalten:
lichen  Sachen.  1)  Vor=  und  Zunamen,  Alter,  Wohnort,  Stand  oder  Gewerbe  des  Angeklagten,

  soweit  sie  bekannt  sind;  di
2)  die
        <pb n="1216" />
        —  1039  —

2)  die  Bezeichnung  der  strafbaren  Handlung,  welche  den  Gegenstand  der
Anklage  bildet  (I.  76.  Nr.  1.  und  2.);  I  *

die  Aufforderung  an  den  Angeklagten,  binnen  einer  angemessenen  Frist,
welche  auf  mindestens  vier  Wochen  festzusetzen  ist,  vor  dem  Untersuchungsrichter
  am  Sitze  des  Schwurgerichtshofes  zu  erscheinen,  und  sich  wegen
der  üm  zur  Last  gelegten  That  (Nr.  2.)  zu  verantworten,  widrigenfalls
dieselbe  als  zugestanden  angenommen  und  gegen  ihn  weiter  nach  den  Gesetzen
  verfahren  werden  würde.

K.  454.

Diese  Vorladung  ist  am  Sitze  des  Schwurgrrichtshofes,  bis  zum  Beginne
der  Sitzungsperiode,  in  welcher  die  Hauptverhandlung  stattfindet,  e#enil  an
der  Gerichtsstelle  auszuhängen  und  in  den  öffentlichen  Anzeiger  des  Amtsblattes
dreimal  einzurücken.  Das  Gericht  kann  verordnen,  daß  die  Einrückung  auch  in
ein  anderes  öffentliches  Blatt  erfolge.

Die  in  dem  vorhergehenden  Paragraphen  bestimmte  Frist  läuft  von
dem  Tage,  an  welchem  die  letzte  dieser  Bekanntmachungen  in  den  Blättern  gescheben
  ist.

3

X—

Erscheint  der  Angeklagte  nicht,  so  wird  in  der  auf  den  Ablauf  der  gestellten.
  Fri  folgenden  nächsten  Sitzungsperiode  des  Schwurgerichts  zur  Hauptverhandlung
  geschritten.

".  456.

Eine  Mitwirkung  von  Geschworenen  findet  nicht  statt.

Nach  Verlesung  der  Anklageschrift  werden  die  Urkunden  über  die  Beobachtung
  der  vorgeschriebenen  Förmlichkeiten  vorgelegt  und  geprüft.

Ist  das  beobachtete  Verfahren  den  gesetzlichen  Vorschriften  nicht  entsprechend,
so  muß  der  Gerichtshof  die  Ergänzung  oder  nöthigenfalls  die  Wiederholung
desselben  verordnen.

Wird  das  Verfahren  den  Gesetzen  entsprechend  befunden,  so  hat  der  Gerichtshof
  die  in  der  Anklage  behauptete  That  8  zugestanden  anzunehmen  und
das  Urtheil  über  die  Anwendung  des  Gesetzes  zu  fällen.

G.  457.

Wenn  der  Angeklagte  vor  Fällung  des  Urtheils  sein  Ausbleiben  genügend
entschuldigt,  so  verordnet  der  Gerichtshof  durch  einen  Beschluß,  welcher  nur  durch
Verkündung  in  der  öffentlichen  Sitzung  bekannt  zu  machen  ist,  daß  wihrend  einer
nach  den  Umständen  zu  bestimmenden  Frit  das  Versahrm  gegen  den  Angeklagten
ausgesetzt  bleiben  soll.

GEestellt  sich  der  Angeklagte  innerhalb  der  nachträglich  bestimmten  Frist
nicht,  so  wird,  ohne  nochmalige  Vorladung  desselben,  in  der  nächsten  Sitzungsperiode
  des  Schwurgerichts  nach  Vorschrift  des  8.  40.  verfahren  und  erkannt.

r.  6704.  .  458.
        <pb n="1217" />
        3.  Ediklalverfahren

  in
Sachen,  welche

—  1040  —

g.  458.
Gegen  das  Urtheil  (§9.  456.  157.)  steht  dem  Angeklagten  ein  Rechsmittel

t  zu.  ç
Die  Vollstreckung  des  Strafurtheils  erfolgt,  soweit  dies  in  Abwesenheit
des  Angeklagten  geschehen  kann,  jedoch  nicht  eher,  als  nach  Ablauf  von  zehn
Tagen  nach  dem  Zeitpunkte  der  an  ihn  bewirkten  Zustellung  des  Urtheils  (§.  466.).

KC.  459.

Wenn  der  Angeklagte,  ohne  rechtskräftig  freigesprochen  zu  sein,  sich  gestellt
oder  zur  Haft  gebracht  wird,  so  muß  in  allen  Fällen,  es  mag  ein  Urtheil  gegen
ihn  ergangen  sein  (§F.  456.  457.)  oder  nicht,  in  der  gewohnucchen  Weise  zur
Hauptverhandlung  vor  dem  Schwurgerichtshofe  und  zur  Fällung  des  Urtheils
geschritten  werden.

d.  460.

War  bereits  ein  Strafurtheil  ergangen,  so  wird  die  Vollstreckung  desselben,
oweit  solche  noch  nicht  erfolgt  ist,  durch  die  Gestellung  oder  Verhaftung  des
ingeklagten  gehemmt.

Wind  in  dem  neuen  Verfahren  ebenfalls  auf  Strafe  erkannt,  so  ist  auf
dieselbe  die  etwa  bereits  vollstreckte  Strafe  in  Anrechnung  zu  bringen.  Erfolgt

dagegen  die  Freisprechung  oder  die  Verurtheilung  zu  einer  anderen  Strafart,  642.
muß  die  bereits  ausgeführte  Vollstreckung  der  vorher  erkannten  Strafe,  soweit  es
möglich  ist,  rückgängig  gemacht  werden.

K.  461.

Die  Kosten  des  Kontumazialverfahrens  fallen  dem  Angeklagten  selbst  danm
zur  Last,  wenn  er  auf  Grund  der  neuen  Verhandlung  freigesprochen  wird.

KC.  462.

Ist  die  Sache  vor  der  Strafkammer  oder  vor  dem  Polizeigerichte  zu
verhandeln,  so  muß  die  öffentliche  Vorladung,  außer  dem  Hinweis  auf  die  Folgen

vor  der  Straf,  des  Ausbleibens,  enthalten:

ammetr  oder  vor
dem  Dolizeigericht
  zu  verhandeln
  sind.

1)  Vor=  und  Zunamen,  Alter,  Wohnort,  Stand  oder  Gewerbe  des  Angeklagten,
  soweit  sie  bekannt  sind;
2)  die  Bezeichnung  der  strafbaren  Handlung,  welche  den  Gegenstand  der
Mullags  bilder  .  70.  Rr."1.  und  2)),
3)  die  Bekanntmachung  der  zur  Hauptverhandlung  bestimmten  Sitzung.
§.  463.
Sise  Vorladung  an  dem  Sitze  des  erkennenden  Gerichts  bis  zur
Sitzung  öffentlich  an  der  Gerichtsstelle  auszuhängen,  und  in  den  öffentlichen  Anzeiger
        <pb n="1218" />
        —  1041  —

eiger  des  Amtsblatts  dreimal  einzurücken.  Das  Gericht  kann  verordnen,  daß
Einxückung  auch  in  ein  anderes  inländisches  Blatt  erfolge.

Die  Sitzun  sr  Hauptverhandlung  ist  dergestalt  zu  bestimmen,  daß  von
der  letzten  dieser  Bekanntmachungen  in  den  Blättern  ab  bis  zur  Situng  eine
Frist  von  mindestens  vier  Wochen  verstreicht.

S.  464.
Erscheint  der  Angeklagte  in  der  Hauptverhandlung  nicht,  so  wird,  die
Beobachtung  der  vorgeschriebenen  Förmlichkeiten  vorausgesetzt,  nach  Maaßgabe

des  §.  350.  zur  Verhandlung  und  Urtheilsfällung  geschritten.  Statt  des  flüchtigen
  Angeklagten  ist  in  allen  Fällen  ein  Vertheidiger  zuzulassen.

S.  465.
Gegen  das  Urtheil  (F.  464.)  finden  die  gewöhnlichen  Rechtsmittel  statt.
Auf  Grund  des  F.  414.  Nr.  1.  kann  dasselbe  nur  dann  angefochten  werden,
wenn  der  Verurtheilte  sich  gleichzeitig,  noch  vor  Ablauf  der  Rechtfertigungsfrist,
persönlich  geleel  Die  Bestimmung  unter  Nr.  2.  ebendaselbst  findet  auf  die
öffentliche  Vorladung  keine  Anwendung.  ·

5.406.

WenndieöffcntlichcVorladunggültibewirktwordcnishsosindalle4.s·1ag«-i«i»

weiteren  Zustellungen  an  den  Angeklagten  ac  die  im  F.  202.  bezeichnete  Weise  Vehimmungen.

zu  bewerkstelligen.  Im  Fall  einer  Vertagung  der  Hauptverhandlung  vertritt  die

Ptliche  Verkündung  des  bestimmten  anderen  Sitzungstages  die  Stelle  der
orladung  des  Angeklagten.

S.  407.

Gegen  anwesende  Mitanzeilagte  findet  in  allen  Fällen  das  gewöhnliche
Verfahren  statt.  Das  Gericht  ist  jedoch  befugt,  dasselbe  aus  besonderen  Gründen
  so  lange  auszusetzen,  bis  zugleich  gegen  den  Flüchtigen  verhandelt  weren
  kann.  «

Dritter  Abschnitt.

Von  dem  Verfahren  gegen  ausgetretene  Militairpflichtige  und  gegen
Landwehrmänner,  welche  ohne  Erlaubniß  auswandern.

C.  468.

Den  mit  der  Kontrole  der  Militairpflichtigen  beauftragten  Verwaltungs=  1.  Drrsutr#n
behörden  verbleibt  die  Verpflichtung,  über  den  Aufenthalt  derjenigen  Militair=  k4es
pflichtigen,  welche  sich  bei  den  von  ihnen  angeordneten  Revisionen  nicht  gestellen  prichige
oder  welche  als  abwesend  angemeldet  werden,  sorgfältige  Erkundigungen,  insbesondere
bei  den  betreffenden  Ortsbehörden,  bei  den  Verwandten  und  bei  den  Vormündern
  anzustellen.

Jozigung  18607.  (Nr.  070  .)  137  S.  469.
        <pb n="1219" />
        —  1042  —

S.  469.

Sind  diese  Erkundigungen  fruchtlos,  oder  ergiebt  sich  in  Folge  derselben,
daß  ein  Militairpflichtiger  die  Königlichen  Lande  ohne  Erlaubniß  verlassen  hat,
so  hat  die  Landespolizeibehörde  auf  Grund  der  ihr  einzureicherden  und  erforderlichen
  Falls  zu  ergänzenden  Verhandlungen  eine  Erklärung  dahin  auszustellen:

1)  daß  der  Militairpflichtige  sich  zu  den  von  der  Verwaltungsbehörde  angeordneten
  Revisionen  nicht  gestellt,

2)  daß  der  Aufenthaltsort  desselben  im  Inlande  nicht  ermittelt  worden,  und

3)  da  der  angestellten  Erkumdigungen  ungeachtet  sich  keine  Umstände  ereben
  haben,  welche  die  Unnahme  ausschließen,  daß  der  Militairpflichtige
ie  Königlichen  Lande  ohne  Erlaubniß  verlassen  und  sich  dadurch  dem
Eintritt  in  den  Dienst  des  stehenden  Heeres  zu  entziehen  gesucht  habe.

S.  470.

Die  Verhandlung  und  Entscheidung  der  Sache  erfolgt  bei  dem  Gerichte
des  letzten  Wohnsitzes  oder  des  letzten  gewöhnlichen  Aufenthaltsortes,  und  wenn
dieser  Wohnsitz  oder  Aufentshaltsort  nicht  zu  ermitteln  ist,  bei  dem  Gerichte  des
Geburtsortes  des  Angeklagten.  .

Die  Staatsanwaltschaft  bei  diesem  Gerichte,  welcher  die  Erklärung  de
Landespolizeibehörde  (F.  469.)  zu  übersenden  ist,  hat  auf  Grund  derselben  die
Eröffnung  des  Hauptverfahrens  und  die  öffentliche  Vorladung,  sowie  in  Gemäßbeit
  des  F.  110.  des  Strafgesetzbuchs  die  Beschlagnahme  des  Vermögens  hereizuführen,

  welche  letztere  nach  den  für  die  Zwangsvollstreckung  in  bürgerlichen
  Rechtsstreitigkeiten  geltenden  Vorschriften  zur  Ausführung  zu  bringen  k

S.  171.

Das  Verfahren  kann  gleichzeitig  gegen  verschiedene  Personen  gerichtet
werden  und  die  Verhandlung  gegen  die  zugleich  vorgeladenen  Personen  ungetrennt
  erfolgen.

S.  172.

Auf  die  Vorladung  und  das  weitere  Verfahren  kommen  die  Bestimmungen
der  §F.  452.  und  462.  bis  467.  zur  Anwendung.

K.  473.

Die  Verurtheilung  erfolgt  auf  Grund  der  von  der  Landespolizeibehörde
ausgestellten  Erklärung,  -  nicht  erwiesen  wird,  daß  der  Angeklagte  die  Königlichen
  Lande  nicht  ohne  Erlaubniß  verlassen  habe,  oder  daß  Umstände  vorhanden.
seien,  welche  die  Annahme  ausschließen,  daß  er  sich  dadurch  dem  Eintritt  in  den
Dienst  des  stehenden  Heeres  zu  entziehen  gesucht  habe.  1

S.  474.
        <pb n="1220" />
        —  1043  —

K.  474.

Bedarf  es  zur  Aufnahme  des  hierüber  zugelassenen  Beweises  einer  Vertagung
  der  Hauptverhandlung,  so  ist  die  Sache  von  den  übrigen,  gleichzeitig  verhandelten
  zu  trennen  und  zum  besonderen  Abschluß  zu  bringen.
K.  475.
Die  Eröffnung  des  Hauptverfahrens  gegen  beurlaubte  Landwehrmänner,  2.Vrrsaheenge
welche  ohne  Erlaubniß  auswandern,  geschieht  auf  die  Erklärung  der  Landes-  gor
polizeibehörde:  ner,  welche  ohne

1)  daß  der  Aufenthalt  des  Landwehrmannes  im  Inlande  nicht  ermittelt,  brira

2)  daß  ihm  eine  Erlaubniß  zur  Auswanderung  nicht  ertheilt  worden,

3)  daß  der  angestellten  Erkundigungen  ungeachtet,  sich  keine  Umstände
ergeben  haben,  welche  die  Annahme  ausschließen,  daß  er  ausgewandert
  sei.

g.  476.

Die  Verurtheilung  erfolgt  auf  den  Grund  dieser  Erklärung,  wenn  nicht
derselben  entgegenstehende  Umstände  erwiesen  werden.

Im  Uebrigen  finden  die  S#.  470.  bis  472.  und  474.  auch  hier  Anwendung.


vierrer  Abschnitt.

Von  dem  Verfahren  hinsichtlich  der  Zuwiderhandlungen  gegen  die
Vorschriften  über  die  Erhebung  öffentlicher  Abgaben  und  Gefälle.

K.  477.

Hinsichtlich  der  Juwiderhendlungen  gegen  die  Vorschriften  über  die  Erhebung
  öffentlicher  Abgaben  und  Gefälle,  insbesondere  der  Steuern,  Zölle,  Postefälle
  und  Kommunikationsabgaben,  kommen  die  nachstehenden  Vorschriften  zur
wendung.
K  478.

Lehnt  die  Staatsanwaltschaft  ihr  Einschreiten  ab,  so  ist  die  zur  Verwal=  1.  3.fugisse
tung  der  betreffenden  Abgaben  oder  Gefälle  bestellte  Behörde  befugt,  selbststindig  ver  Verwalagsbehörde

  in

den  Antrag  auf  Eröffnung  des  Hauptverfahrens  zu  stellen.  Heug  auf  das
gerichtliche  Ver-G.
  479.  seor.

Ueber  die  von  der  Behörde  eingereichte  Anklageschrift  wird  nach  Vernehmung
  des  schriftlichen  Antrages  der  Staatsanwaltschaft  Beschluß  gefaßt.

Wird  das  Hauptverfahren  eröffnet,  so  bestellt  die  Behörde  einen  Beamten

ihres  Ressorts  oder  einen  Rechtsanwalt  als  Vertreter.  In  der  Hauptverhandr.

  6704.)  137"“  lung,
        <pb n="1221" />
        2.  Allgemeine
Bestimmungen.

—  10414  —

lung,  zu  welcher  die  in  der  Anklageschrift  benannten  Zeugen  und  Sachverständigen
  und  der  Vertreter  der  Behörde  vorzuladen  sind,  wird  die  Anklage  durch
den  letzteren  vorgetragen.  Der  Vorsitzende  muß  dem  Vertreter  gKestatten,  Fragen,
welche  derselbe  zur  Aufklärung  der  Sache  für  angemessen  crachtet,  unmittelbar  an
die  Betheiligten  zu  richten.  Nach  beendigter  Beweisaufnahme  wird  der  Vertrcter
Helort,  und  zwar  vor  der  Staatsanwaltschaft,  welche  ebenfalls  ihren  Antrag  zu
ellen  hat.

Erscheint  der  Vertreter  nicht,  so  wird,  falls  nicht  eine  Vertagung  erfolgt,
die  Anklageschrift  durch  den  Gerichtsschreiber  verlesen,  und  mit  der  Beweisaufnahme
  und  Entscheidung  in  der  gewöhnlichen  Weise  verfahren.

g.  480.

Dieselben  Rechtsmittel,  welche  der  Staatsanwaltschaft  im  Fall  einer  von
ihr  betriebenen  Verfolgung  zustehen,  könmen,  mit  der  nämlichen  Wirkung,  auch
von  der  Behörde  eingelegt  werden.

Die  Anmeldungsfristen  laufen  für  die  Behörde  stets  erst  von  der  Zustellung
  der  anzufechtenden  Enfscheidung  oder  Verfügung  ab.  Handelt  es  sich  um
die  Anfechtung  eines  Urtheils,  so  dauert  die  Frist  zur  Einreichung  der  Rechtfertigungsschrift
  für  die  Behörde  von  dem  nämlichen  Zeitpunkte  ab  vier  Wochen.
Zur  Gegenerklärung,  welche  beim  Gerichte  erster  Instanz  abzugeben  ist,  steht  ihr
gleichfalls  eine  vierwöchentliche  Frist  zu.  Beide  Fristen  können  auf  ihren  Antrag
angemessen  verlängert  werden.

C.  181.

Die  Staatsanwaltschaft  ist  befußt  in  jeder  Lage  der  Sache,  bis  zu  deren
rechtskräftiger  Entscheidung,  die  Verfolgung  zu  übernehmen.  In  diesem  Falle
wird,  falls  nicht  eine  entgegengesetzte  Erklärung  der  Behörde  erfolgt,  ebenso  wie
im  Falle  einer  Anschließung  (§.  482.)  verfahren.  ·

§.-182.

Einer  von  der  Staatsanwaltschaft  betriebenen  Verfolgung  kann  die  Bebünhe,
  .0|  in  jeder  Lage  der  Sache,  bis  zu  deren  rechtkraftiger  Entscheidung,
anschließen.  '

Nachdem  die  Erklärung  über  die  Anschließung  dem  Gerichte  mitgetheilt
worden  ist,  stehen  der  Behörde  die  nämlichen  Befugnisse  zu,  als  wenn  die  Strafklage
  von  ihr  selbst  erhoben  worden  wäre.  Der  Vortrag  in  der  Hauptverhandlung
  erfolgt  durch  die  Staatsanwaltschaft;  jedoch  ist  dem  Vertreter  der  Behörde
zu  Bemertungen  und  Anträgen  das  Wort  zu  gestatten.

S.  483.
Die  durch  die  Vertretung  der  Behörde  entstandenen  Kosten  fallen  dem
Angeklagten  niemals  zur  Last.
S.  484.

Ist  im  Gesetz  eine  nach  dem  Betrage  der  umgangenen  Abgabe  oder  des
um-
        <pb n="1222" />
        —  1045  —

umgan  enen  Gefälles  bestimmte  Geldbuße  angedroht,  16  richtet  sich  die  Zuständigkeit
  des  Polizeigerichts  nach  dem  im  gegebruen  Falle  verwirkten  Maaße  der
Strafe)  insofern  nicht  wegen  einer  neben  der  Geldbuße  angedrohten  Strafe  die
Zuständigkeit  der  Strafkammer  eintritt.
.  485.

Der  Vollzerichter  verhandelt  und  entscheidet  ohne  Mitwirkung  von  Schöffen.
Der  Erlaß  einer  Strafverfügung  (§§.  359.  K6.  findet  nicht  statt.

In  Ansehung  der  Rechtsmittel  bleiben  die  Bestimmungen  der  §#.  381.
und  391.  außer  Anwendung.  n

Lünfter  Abschnitm-Von

  der  Verechtigungseinrede  in  Untersuchungen  wegen  Forst-,  Feld.,
Jagd=  und  Fischereifrevel.

g.  486.

Wenn  in  Untersuchungen  wegen  Forst-,  Feld-,  Jagd--  und  Fischereifrevel
der  Angeklagte  ein  Privatrecht  zur  Vornahme  der  ihm  als  strafbar  zur  Last
gelegten  Handlung  behauptet,  so  hat  der  Strafrichter),  fofern  er  nach  vorläufiger
Erörterung  der  Einrede  dieselbe  für  erheblich  und  nicht  unglaubhaft  erachtet,
mittelst  eines  nur  von  der  Staatsanwaltschaft  anfechtbaren  Urtheils  das  Strafverfahren
  einzustellen  und,  falls  nicht  das  Verfahren  bei  dem  bürgerlichen  Richter
bereits  schwebt,  dem  Angeklagten  aufzugeben,  binnen  einer  nach  den  Umständen
abzumessenden,  zwei  Monate  nicht  übersteigenden  Frist  entweder  das  Anerkenntniß
desjenigen)  dessen  Rechte  durch  die  Einrede  berührt  werden,  beizubringen,  oder
die  Klage  af  Anerkennung  seines  Rechts  oder  auf  Schutz  im  Besitze  bei  dem
bürgerlichen  Richter  anh  zu  machen,  und  daß  dies  geschehen  sei,  nachzuweisen.

Hält  der  Angeklagte  diese  Frist,  deren  Erstreckung  nicht  stattfin  et,  nicht
inne,  steht  er  ausdrüccklich  oder  stillschweigend  von  der  Klage  ab,  oder  wird  der
Rechtsstreit  reck  tkräftig  zu  seinem  Nachtheil  entschieden,  so  gilt  in  dem  alsdann.
wieder  aufzunehmenden.  Sktasuersahe  die  Unrechtmäßigkeit  der  in  Frage  stehenden
  Handlung,  tabsschadet  der.  Prüfung  der  anderen  Bedingungen  ihrer  Strafbarkeit,
  für  festgestellt.  "."  ·  ««

Während  der  Unterbrechung  des  Strafverfahrens  ruht  die  Verjährung.

Sechoter  Abschnirt.
Von  dem  Verfahren  auf  erhobene  Privatklage.

S.  487.
Eine  Privatklage  auf  Untersuchung  und  Bestrafung  findet  statt:
1)  bei  vorsätzlich  zugefügten  leichten  Körperverlctzungen  oder  Mißhandlungen
in  den  Fillen  der  .  187.  und  190.  des  Stbanhhesrhbecchs,  ·»
·.(Nk.67o4.)  2)  bei

I.  Fälle,  in  denen
die  Privatklage
kulisiig  ist.
        <pb n="1223" />
        —  1046  —

2)  bei  Ehrenkränkungen  in  den  Fällen  der  88.  102.  103.  152.  bis  156.
und  343.  a.  a.  O.;

3)  bei  allen  denjenigen  anderen  Vergehen,  deren  Bestrafung  in  den  Gesetzen
von  dem  Antrage  des  Verletzten  abhängig  gemacht  ist.  -

Ausgenommen  von  der  Privatklage  sind  jedoch  diejenigen  Vergehen,  welche
mit  Untersagung  der  Ausübung  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  bedroht  sind.

E.  488.

Die  einfache  Beleidigung  (Strafgesetzbuch  §.  343.)  kann  nur  im  Wege
der  Privatklage  verfolgt  werden.

Bei  allen  anderen  Ehrenkränkungen  ist  die  Staatsanwaltschaft  berechtigt,
wenn  sie  dies  im  Interesse  der  öffentlichen  Ordnung  für  angemessen  erachtet,
ihrerseits  die  Verfolgung  einzuleiten.  In  welchen  Fällen  diese  Verfolgung  von
dem  Antrage  des  Verletzten  abhängig  ist,  und  inwiefern  sie  durch  Verzichtleistung
auf  die  Bestrafung  gehemmt  wird,  bestimmt  sich  nach  den  Vorschriften  des
Strafgesetzbuchs.

asselbe  Recht  hat  die  Staatsanwaltschaft  bei  den  im  F.  487.  Nr.  1.
bezeichneten  Mißhandlungen  und  Körperverletzungen,  und  zwar  Fant  dann,  wenn
von  Seiten  des  Verletzten  ein  Antrag  auf  Bestrafung  nicht  gestellt  ist.

S.  489.

In  den  Fällen  der  Nr.  3.  des  F.  487.  ist  die  Privatklage  erst  dann
zulässig,  wenn  die  Staatsanwaltschaft  es  abgelehnt  hat,  ihrerseits  die  Verfolgung
einzuleiten.  Eine  Beschwerde  über  diesen  Bescheid  braucht  der  Privatklage  nicht
vorherzugehen.

.  490.

Die  Erhebung  der  Privatklage  findet  in  den  Fällen,  wo  sie  überhaupt
zulässig  ist,  auch  noch  dann  statt,  wenn  die  Verfolgung  zwar  von  der  Staatsanwaltschaft
  eingeleitet,  demnächst  aber,  ohne  zu  einem  #cbele  geführt  zu  haben,
wieder  aufgegeben  worden  ist.

War  jedoch  der  Angeschuldigte  nach  geführter  Voruntersuchung  durch  gerichtlichen
  Beschluß  endgültig  außer  Verfolgung  gesetzt  worden,  so  kann  die  Privatklage
  nur  dann  zugelafsen  werden,  wenn  Gründe  vorliegen,  welche  einen
Untrag  der  Staatsanwaltschaft  auf  Wiederaufnahme  der  Untersuchung  rechtfertigen
würden.

KC.  401:

Die  Ausübung  der  Privatklage  steht  denjenigen  Personen  zu,  welchen  in

2.  Dersonen,
——  den  Strafgesetzen  das  Recht,  felbstständig  auf  Bestrafung  anzutragen,  beigelegt  ist.
KC.  492.

Z.  Bedingungen  Wer  als  Privatkläger  auftritt  oder  als  solcher  ein  Rechtsmittel  gegen  Urror
  Ansühong.  theile  einlegt,  muß  die  Hälfte,  wenn  er  aber  Ausländer  ist,  den  ganzen  Betrag
er
        <pb n="1224" />
        —  1047  —

der  zur  Deckung  der  gerichtlichen  Kosten  in  der  betreffenden  Instanz  erforderlichen
Summe  bei  der  zur  Einziehung  der  Kosten  bestimmten  Kasse  hinterlegen,  oder
nachweisen,  daß  er  ohne  Beeinträchtigung  des  nothdürftigen  Unterhalts  für  sich
und  seine  Familie  nicht  im  Stande  sei,  die  Kosten  des  Verfahrens  zu  bestreiten.
Dieser  Nachweis  ist  in  derselben  Weise  zu  führen,  wie  dies  zur  Erlangung  des
Armernrechts  in  bürgerlichen  Rechtsstreitigkeiten  erforderlich  ist.

Ausländer,  in  deren  Heimathsstaate  die  diesseitigen  Unterthanen  hinsichtlich
der  Verpflichtung  zur  Erlegung  von  Kostenvorschüssen  nicht  nachtheiliger  als  die
dortseitigen  Unterthanen  behangetg  werden,  sind  bei  Anwendung  der  vorstehenden
Bestimmung  den  Inländern  gleich  zu  achten.

C.  493.

In  den  Landestheilen,  in  welchen  das  Institut  der  Schiedsmänner  demnächst
  zur  Einführung  Hlangen  sollte,  kann  von  dem  Zeitpunkte  dieser  Einführung
an  wegen  vorsätzlicher  Körperverletzungen  oder  Mißhandlungen  und  wegen  Ehrenkränkungen,
  außer  den  Fällen  der  S§#.  102.  und  103.  des  Strafgesetzbuchs,  die
Privatklage,  sofern  beide  Theile  in  dem  Bezirke  des  nämlichen  Polizeigerichts
liren  Wohnsitz  haben,  erst  dann  angestellt  werden,  wenn  der  Kläger  zuvor  den
Schiedsmann  des  Bezirks,  in  welchem  der  Beschuldigte  wohnt,  um  seine  Vermittelung
  ohne  Erfolg  angegangen  hat,  und  dieses  durch  ein  Zeugniß  desselben
nachweist.

Die  Anbringung  des  Gesuches  bei  dem  Schiedsmann  unterbricht  die  Verjährung.

S.  4904.

Die  Fähigkeit  des  zur  Privatklage  Berechtigten,  seine  Rechte  vor  Gericht
selbstständig  zu  verfolgen,  und  die  Vertretung  eines  dieser  Fähigkeit  entbehrenden
Klageberechtigten  regeln  sich  nach  den  für  bürgerliche  Rechtsstreitigkeiten  bestehenden
  Vorschriften.  Insowelt  nach  diesen  Bekimnumgen  noch  unter  väterlicher
Gewalt  befindliche  Personen  zur  selbstständigen  Geltendmachung  von  Entschädiungsansprüchen

  vor  Gericht  befugt  sind,  sieht  ihnen  diese  Befugniß  auch  in
Ansehung  der  Privatklage  auf  Bestrafung  zu.
195.

Die  Klage  kann  schriftlich  eingereicht  oder  zu  Protokoll  erklärt  werden,

und  muß  ihrem  Inhalte  nach  den  Erfordernissen  einer  Anklageschrift  entsprechen.
S.  196.  «

Wenn  mehrere  Privatkläger  die  Bestrafung  des  nämlichen  Beschuldigten

wegen  der  nämlichen  That  beantragen,  so  können  diese  Anträge  mittelst  Einer

Klage  und  in  Einem  Verfahren  zur  Geltung  gebracht  werden)  unbeschadet  der
Befugniß  des  Gerichts,  eine  Trennung  des  Verfahrens  anzuordnen.

G.  4907.

 

Vor  das  Polizeigericht  gehört  die  Privatklage  wegen  leichter  Mißhandlun-.  r—ii
und  Ver

gen  und  Körperverletzungen  in  den  Fällen  der  I#.  187.  190.  und  198.  Abs.  1
(Nr.  6706.)

d  es  des  Gerichts.
        <pb n="1225" />
        —  1048  —
des  Strafgesetzbuchs,  und  wegen  aller  nicht  durch  die  Presse  begangemen  Ehrenänkungen.


S.  498.
Die  Klag  darf  nur  dann  eingeleitet  werden,  wenn  den  Vorschriften  der
HK.  492.  bis  495.  genügt  ist,  und  keiner  der  im  §.  89.  bezeichneten  Hinderungsgründe
  vorliegt.  *

Des  Nachweises,  daß  die  Staatsanwaltschaft  nicht  einschreiten  wolle,  bedarf
  es  außer  dem  Falee  des  §.  489.  nicht.

Das  Gericht  kann  jedoch  in  allen  ihm  geeignet  scheinenden  Fällen,  die
einfachen  Beleidigungen  allein  ausgenommen,  vor  oder  nach  Einleitung  der  Klage,
die  Verhandlungen  der  Staatsanwaltschaft  zur  Einsicht  vorlegen  lassen,  und  die
letztere  ist  auch  ohne  eine  solche  Anregung,  so  lange  noch  kein  Urtheil  ergangen
ist,  jederzeit  befugt,  die  Strafklage  zu  erheben,  in  welchem  Falle  der  Richter,  bei
welchem  die  Privatklage  angebracht  ist,  das  Verfahren  einzustellen  und  die  Parteien
  hiervon  zu  brnachrichin  hat.

§.  500.

Wenn  die  Einleitung  der  Klage  erfolgt,  so  werden  der  Kläger  und  der
Beschuldigte  zur  mündlichen  Verhandlung  der  Sache  vorgeladen.

Erscheinen  die  Parteien  in  der  hierzu  anberaumten  Sitzung,  so  bestimmt
das  Gericht,  falls  es  nach  verhandelter  Sache  noch  auf  eine  Beweisaufnahme
ankommt,  in  Ansehung  welcher  Thatsachen  und  Beweismittel  dieselbe  stattzufinden
gade.  Hierüber  wird  auch  dann  Beschluß  gefaßt,  wenn  der  Beschuldigte  ausgelieben,

  der  Kläger  aber  erschienen  ist.

Zum  Zweck  des  Beweisverfahrens  und  der  weiteren  mündlichen  Verhandlung
  wird  eine  neue  Sitzung  anberaumt  insofern  nicht  die  zu  vernehmenden
Zeugen  durch  die  Parteien,  wozu  diese  auf  *7r  Kosten  befugt  sind,  gestellt  worden,
  oder  die  Beweismittel  senst  zur  Hand  sind.

&amp;amp;.  501.

Es  dürfen  als  Zeugen  nicht  vereidet  werden:

1)  diejenigen,  welche  in  der  nämlichen  Sache  selbst  als  Privatkläger  aufzutreten
  befugt  sein  würden;

2)  diejenigen,  welche  zu  dem  Privatkläger  in  einem  Verhältnisse  der  im
zweiten  Absatze  des  F.  155.  bezeichneten  Art  stehen.  Sie  können  jedoch
nach  richterlichem  Ermessen  mit  dem  Zeugeneide  belegt  werden,  wenn  der
Beschuldigte  gleichfalls  ein  Angehöriger  der  Familie  ist.

Das  Gericht  kann  von  der  Vereidung  eines  Zeugen  oder  Sachverständigen
absehen,  wenn  beide  Theile  dessen  Aussage  auch  unbeschworen  als  richtig  annehmen
zu  wollen  erklären.  «

Z.502.

END-Wo  Die  Mitwirkung  der  Staatsanwaltschaft  bei  den  Verhandlungen  ist  nur
z  ##  in  dem  Verfahren  vor  dem  obersten  Gerichishof  erforderlich;  die  Skaatzanga
        <pb n="1226" />
        —  1049  —

schaft  kann  jedoch  an  einer  jeden  Verhandlung  Theil  nehmen  und  am  Schlusse
derselben  ihre  Anträge  in  Bezug  auf  die  Anwendung  des  Gesetzes  stellen.  Zur
Einlegung  von  Rechtsmitteln  ist  die  Staatsanwaltschaft  nicht  berechtigt.

K.  503.

Die  Vertretung  der  Parteien  ist  in  allen  Fällen,  und  zwar  die  des  Klä-  6.  Vertwetung
ier  der  für  die  Vertretung  des  Beschuldigten  geltenden  Vor=  der  Poerteir

riften  zulässig.

Das  Gcht  kann  jedoch  jederzeit  das  persönliche  Erscheinen  der  Parteien
verlangen  und  zu  diesem  Zwecke  nöthigenfalls  die  Vorführung  des  Beschuldigten
anordnen,  bunsichtüh  des  Klägers  aber  zu  der  Warnung  schreiten,  daß  im  Falle
seines  Ausbleibens  ein  Vertreker  für  ihn  nicht  zugelassen  werden  würde.

K.  504.

Die  Rechte,  welche  das  Gesetz  dem  Beschuldigten  und  dem  Vertheidiger  7.  Befuguse
desselben  in  Bezug  auf  das  strafgerichtliche  Verfahren  einräumt,  stehen  in  gleichem  *-Maaße
  auch  dem  Privatkläger  und  dem  Vertreter  desselben  zu.  ·

In  Ansehung  der  Rechtsmittel  hat  der  Privatkläger  die  Befugnisse  der
Staatsanwaltschaft;  er  muß  jedoch  bei  deren  Einlegung  die  für  die  Rechtsmittel
des  Beschuldigten  vorgeschriebenen  Formen  beobachten.  Die  88.  372.  und  373.
kommen  auch  bei  Nichtbeobachtung  der  im  §F.  492.  enthaltenen  Vorschrift  zur
Anwendung.  Die  Gegenerklärung  ist  von  beiden  Theilen  beim  Gerichte  erste
Instanz  abzugeben.

G.  505.

Wenn  der  Privatkläger  während  des  Laufes  einer  von  ihm  zu  wahrenden
Frist  stirbt,  so  verlängert  sich  dieselbe  zu  Gunsten  seiner  Erben  um  die  Dauer
von  sechs  Wochen.

K.  506.

Der  Antrag  auf  Bestrafung  kann  in  allen  Fällen  der  Privatklage  bis  zum
Anfange  der  Vollstreckung  des  Erkenntnisses  zurückgenommen  werden.  Die  Erneuerung
  einer  zurückgenommenen  Privatklage  ist  unstathhaft.

Die  Privatklage  gilt  für  #rückgenommen,  wenn  der  Kläger  einer  gehörig
erfolgten  Vorladung  zur  mündlichen  Verhandlung  erster  Instanz  nicht  Folge
leistet;  er  ist  jedoch  unter  den  im  F.  414.  Nr.  1.  bezeichneten  Voraussehungen
befugt,  ein  Gesuch  um  Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand  gegen  die  Versäumung
  der  Sitzung  anzubringen,  auf  welches  die  Bestimmungen  des  .  417.
Anwendung  finden,  ohne  daß  jedoch  vor  der  Beschlußfassung  die  Staatsanwaltschaft
  oder  der  Beschuldigte  gehört  zu  werden  braucht.

K.  507.

Findet  das  Gericht  nach  verhandelter  Sache,  daß  gegen  den  Beschuldigten  8.  Versabren,
zwar  eine  strafbare  Handlung  erwiesen  sei,  daß  dieselbe  cboch  nicht  zu  denjenigen  wdie  pt
Juwiderhandlungen  gehöre,  in  Ansehung  deren  eine  Privatklage  statthaft  ist,  so  bi
muß  es  die  Unzulässigkeit  der  Privatklage  durch  ein  Urtheil  aussprechen,  in  welchem  wir

Jahrgang  1867.  (Nr.  6704.)  138  zu-
        <pb n="1227" />
        9.  Widerklage.

10.  Kosten.

.  fortgesetzt  werden.

—  1050  —

zugleich  der  Richter  zu  bezeichnen  ist,  welcher  im  ordentlichen  Verfahren  zur  Aburtheilung
  der  Sache  zuständig  ist.

Ein  solches  Urtheil  unterliegt  sowohl  in  Uusehung  der  erforderlichen  Beründung,
  als  auch  hinsichtlich  seiner  Anfechtbarkeit  und  Wirkung  allen  denjenigen
onschrifter,  welche  in  den  I§.  47.  und  48.  in  Bezug  auf  die  dort  bezeichneten

Urtheile  gegeben  sind.

Soweit  hiernach  die  Staatsanwaltschaft  zur  Anfechtung  des  Urtheils  befugt

ist,  steht  diese  auch  dem  Privatkläger  zu.

K.  508.

Wenn  es  sich  um  wechselseitig  zu  efugte  Ehrenkränkungen,  vorsätzliche  Mißhandlungen
  oder  Körperverletzungen  (I.  487.  Nr.  1.  und  2.)  handelt,  welche
bei  demselben  Vorfalle,  welcher  der  Klage  zu  Grunde  liegt,  stattgefunden  haben
sollen,  so  steht  dem  Beschuldigten  das  Recht  der  Widerklage  auf  Bestrafung  zu.
Wird  die  Widerklage,  welche  spätestens  in  der  ersten  Sitzung  zur  mündlichen
  Verhandlung  angebracht  werden  muß,  in  Ansehung  deren  es  jedoch  einer
Beobachtung  der  in  den  §§.  192.  und  493.  enthaltenen  Vorschriften  nicht  bedarf,
von  dem  Gerichte  zugelassen,  so  erfolgt  die  Verhandlung  und  Entscheidung  über
Klage  und  Widerklage  in  demselben  Verfahren,  unbeschadet  der  Befugniß  des
Gerichts,  eine  Trennung  anzuordnen,  durch  welche  jedoch  an  der  Zuständigkeit
des  befaßten  Gerichts  nichts  geändert  wird.
Die  Zurücknahme  der  Klage  hat  auf  das  Verfahren  über  die  Widerklage
keinen  Einfluß.
g.  509.

Die  unterliegende  Partei  hat  die  Kosten  des  Verfahrens  zu  tragen.

Soweit  die  Kosten  durch  ein  ohne  Erfolg  eingelegtes  oder  wieder  zurückgenommenes
  Rechtsmittel  entstanden  sind,  fallen  sie  derjenigen  Partei  zur  Last,
welche  es  eingewendet  hat.

Im  Fall  einer  gemischten  Entscheidung  bestimmt  sich  die  Vertheilung  der
Kosten  nach  dem  Ermessen  des  Gerichts.

Wird  das  Verfahren,  ohne  zu  einem  rechtskräftigen  Urtheile  geführt  zu
gaben,  eingestellt,  so  hat  stets  der  Kläger  die  Kosten  zu  tragen.  In  dem  am

chlusse  des  §.  499.  bezeichneten  Falle  werden  die  harichsühen  Kosten  niedergeschlagen.

  Stirbt  der  Beschuldigte  vor  Fechtskräftiger  Entscheidung  der  Sache,
so  kanm  wegen  der  Kosten  das  Verfahren  von  den  Erben  und  gegen  die  Erben

G.  510.

Insoweit  einer  Partei  die  Kosten  des  Verfahrens  zur  Last  fallen,  hat  sie
auch  die  dem  Gegner  erwachsenen,  unvermeidlichen  Kosten  zu  erstatten.

Die  elis  ung  und  Beitreibung  des  zu  erstattenden  Betrags  erfolgt  nach
den  für  das  geptnmd  in  bürgerlichen  Rechtsstreitigkeiten  geltenden  Vorschriften.

An-
        <pb n="1228" />
        —  1051  —
Anlage.
Bestimmungen
über  die

Berufung  zum  Schöff  namte.

K.  1.

Für  den  Sprengel  eines  jeden  Polizeigerichts  werden  alljährlich  im  Monat  1.  err#lung
Oktober  die  zum  Dienste  während  des  bevorstehenden  Kalenderjahres  bestimmten  der  Schfr-Schöffen

  durch  die  Bezirksvertretung  (Bejzirksrath,  Amtsversammlung)  gewählt.
Haben  an  dem  veenzel  eines  Polizeigerichts  mehrere  Bezirksvertretungen
Antheil,  so  nimmt  jede  derselben  für  ihren  Gebietstheil  die  Wahl  vor.

G.  2.
Insoweit  eine  Bezirksvertretung  nicht  besteht,  erfolgt  die  Wahl  durch  die
Gemeindevertretungen,  in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig  durch  die
Vertreter  der  zum  Gerichtsbezirke  gehörigen  Kirchspiele  oder  Dorfschaften.

K.  3.  «

Für  jede  Vollzahl  von  500  Seelen  des  betreffenden  Wahlbezirks  wird

Ein  Scheste  und  aus  den  Einwohnern  des  Gerichtssitzes  eine  im  Einverständnisse
mit  dem  Polizeirichter  zu  bestimmende  Zahl  von  Ersatzschöffen  gewählt.

KG.  4.

Die  Entrichtung  eines  gewissen  Steuersatzes  z  kein  Erforderniß  der  Wählbarkeit

  als  Schöffe.  Inr  Uebrigen  sind  nur  solche  Personen  wählbar,  welche  von

der  Berufung  zum  Geschworenendienste  geseglich  nicht  ausgeschlossen  sind  und
ihren  Wohnsitz  in  dem  betreffenden  Wahlbezirke  haben.

§.  5.
Die  Gründe,  welche  vom  Geschworenendienste  befreien,  gelten  auch  hinsichtlich
  des  Schöffenamtes.
Wer  als  Schöffe  an  den  Verhandlungen  des  Gerichts  Theil  genommen
hat,  ist  für  das  nä  hstfolgende  Kalenderjahr  von  jedem  Schöffendienste  befreit.

K.  6.

Der  Kreisla  drath,  welchem  die  Wahlprotokolle  einzureichen  sind,  setzt  die
Erwählten  von  der  auf  fie  gefallenen  Wahl  in  Kenntniß.  «
(Nk.6704.)  138“  Wird
        <pb n="1229" />
        2.  Zuziehung
der  Schsffen

—  1052  —

Wird  binnmen  acht  Tagen  nach  dieser  Barahhrichtizung  ein  Mangel  der
Bedingungen  der  Wählbarkeit,  ein  Befreiiunge-  oder  erheblicher  Abhaltungsgrund
geltend  gemacht,  so  bewirkt  der  Landrath  binnen  drei  Tagen  die  Löschung  des
Samen  er  übersendet  hierauf  dem  Polizeirichter  sowohl  die  Haupt=  als  die

atzliste.

K.  7.

In  den  Stadtkreisen  werden  die  Verrichtungen  des  Landraths  (F.  6.)  von
dem  Gemeindevorstande,  beziehungsweise  von  dem  Polizeipräsidenten  oder  Polizeidirektor
  wahrgenommen.

S.  8.

Die  nehheren  Anordnunzen  hinsichtlich  des  Wahlverfahrens,  namentlich  in
Betreff  der  Bildung  der  Wahlbezirke  und  der  Leitung  der  Wahlhandlung,  bleiben
einer  von  den  Ministern  der  Justiz  und  des  Innern  zu  erlassenden  Instruktion
vorbehalten.

§.  9.
Vor  dem  Schlusse  des  Kalenderjahres  bestimmt  der  Polizeirichter  durch

«  Loosskehung  in  öffentlicher  Sitzung  die  Reihenfolge,  in  welcher  die  auf  der  Hauptliste

  stehenden  Schöffen  an  den  ordentlichen  Po  leigerichts  Situnger  des  nächsten
Jahres  Theil  zu  nehmen  haben,  und  setzt  von  den  itzungstagen  die
betheiligten  Schöffen  in  Kenntniß.

Scheidet  einer  dieser  Schöffen  durch  Befreiung,  Tod  oder  aus  anderen
Gründen  aus,  so  wird  an  dessen  Stelle  ein  durch  das  Loos  zu  bestimmender

Ersatzschöffe  berufen.

etreffenden

K.  10.

Eine  Aenderung  in  der  durch  das  Loos  bestimmten  Reihenfolge  des
Dienstes  g.  .)  kann  auf  den  übereinstimmenden  Antrag  der  betheiligten  Schöffen
von  dem  ollzerrichter  bewilligt  werden,  so  lange  die  in  den  betreffenden  Sitzungen

zur  Verhandlung  kommenden  Sachen  noch  nicht  bestimmt  find.

KS.  11.

Zu  den  außerordentlichen  Gerichtssitzungen,  welche  zur  Erledigung  dringender
  Straffälle  erforderlich  werden,  zeit  der  Polizeirichter  von  ihm  zu  erwählende
Schöffen  aus  der  Haupt=  oder  Ersatzliste  zu.

F.  12.

Schöffen,  welche  in  der  Gerichtssitzung  zu  erscheinen  verhindert  find,  haben
die  Hinderungsursachen  rechtzeitig  anzuzeigen  und  zu  bescheinigen.

Der  Polizeirichter  kann  auch  aus  Gründen,  die  kein  unabwendbares  Hinderniß
  darstellen,  die  Entbindung  bewilligen,  sofern  der  Antragsteller  statt  seiner  einen
anderen  Schöffen  aus  der  Haupt-  oder  Ersatzlifte  gestellt.  1

·  §.:k.
        <pb n="1230" />
        —  1053  —

S.  13.

«  EinSchöffe,welchek,ohneden1§.12.genügtzu  boben  in  der  Sitzung
nicht  rechtzeitig  erscheint,  oder  sich  den  ihm  obliegenden  Verrichtungen  entzieht,
verfällt  in  eine  Geldbuße  von  zwei  bis  fünf  Thalern  und  ist  zur  Tragung  aller
Kosten  verpflichtet,  welche  duck  sein  Ausbleiben  veranlaßt  worden.

·  Wird  letzteres  vachträglich  genügend  entschuldigt,  so  kann  der  Polizeirichter
die  Geldbuße  bis  auf  zehn  Silbergroschen  ermäßigen  oder  auch  nach  Bewandtniß
des  Falles  die  Strafverfügung  gänzlich  zurücknehmen.

KC.  14.

Macht  das  Ausbleiben  eines  Schöffen,  oder  ein  während  der  Sitzung  eingetretenes
  Hinderniß  seine  Ersetzung  nothwendigt  und  kann  dieselbe  aus  der  Zahl
der  Ersatzschöffen  nicht  sofort  bewirkt  werden,  so  kann  der  Polizeirichter  als  Schöffen
jede  andere  zu  diesem  Amte  wählbare  Person  berufen.

.  15.
Jeder  Schöffe  hat  vor  seiner  ersten  Dienstleistung  in  der  für  die  Vereidung
der  Geschworenen  vorgeschriebenen  Form  ein-  für  allemal  eidlich  zu  geloben:
das  ihm  übertragene  Amt  eines  Schöffen  getreulich  wahrzunehmen,
den  Verhandlungen  mit  Aufmerksamkeit  zu  folgen  und  seine  Stimme,
Niemandem  zu  Liebe  noch  zu  Leide,  nach  gewissenhafter  Ueberzeugung
abzugeben.
Hat  der  Schöffe  in  einem  früheren  Jahre  den  Schöffeneid  geleistet,  so  genügt
  die  Verweisung  auf  diesen  Eid.
Die  Sitzungsprotokolle  in  den  einzelnen  Strafsachen  müssen  ersehen  lassen,
ob  und  wann  die  zugezogenen  Schöffen  vereidet  worden  sind.

S.  16.
Die  Schöffen  versehen  ihren  Dienst  als  ein  Ehrenamt.  Es  wird  ihnen
für  dessen  Wahrnehmung  keinerlei  Entschädigung  gezahlt.
S.  17.

Die  Vorschriften  der  Strafprozeßordnung  über  die  Unfähigkeit  der  Richter
und  die  Zulässigkeit  ihrer  Ablehnung  (Titel  3.)  finden  auch  auf  Schöffen  Anwendung.
  Die  hierauf  bezüglichen  Entscheidungen  stehen  dem  Polizeirichter  zu.

KC.  18.

Hat  in  einer  Sache  ein  nicht  gesetzlich  vereideter  oder  ein  unfähiger  Schöffe
(Strafprozeßordnung  I#.  24.  275.)  an  der  Urtheilsfällung  Theil  genommen)  so
ist  das  Verfahren  nichtig.

Nr.  6704.  An-3.

  Vereidung
der  Schöffen.

4.  Allgemeine
Bestimmungen.
        <pb n="1231" />
        —  1054  —

Andere  Hindernisse  der  Wählbarkeit  können  vor  Gericht  weder  zur  Anfechtung
  des  ergangenen  Urtheils,  noch  zur  Begründung  eines  Entlassungsantrages
geltend  gemacht  werden.

S.  19.

Wo  das  Strafgesetzbuch  von  Geschworenen  redet,  sind  darunter  auch  Schöffen
zu  verstehen.

In  h  a  l  t.

Erster  Titel.  Allgemeine  Bestimmunenn  .  .  ...  S.  1.  —  10.
Iweiter  Titel.  Von  den  Gerichten  in  Strafsahen  SS.  11.  —  23.

Dritter  Titel.  Von  der  Unfähigkeit  der  Richter  und  Gerichtsschreiber  zur
Mitwirkung  in  einer  Strafsache  und  von  der  Zulässigkeit  ihrer  Ablehnngggg

  ..  .  ....  .  ...  .  .  ..  88.  24.  —  30.
Vierter  Titel.  Von  der  Staatsanwaltschst  .........  s§.31.—38.
Fünfter  Titel.  Von  der  örtlichen  Zuständigkeit  der  Gerichte  und  der

Staatsanwaltschsfsftt:::  88.  39.  —  46.
Sechster  Titel.  Von  der  Regelung  der  sachlichen  Zuständigkeit  der  Polizeigerichte,

  Strafkammern  und  Schwurgerichtshöse  ..  868.  47.  —  49.

Siebenter  Titel.  Von  der  Behandlung  zusammenhängender  Strafsachen.  S#.  50.  —  58.
Achter  Titel.  Von  dem  Gange  des  dem  Hauptverfahren  vorausgehenden
Verfahrens:  .·
Erster  Abschnitt.  Von  der  Erforschung  und  Anzeige
strafbarer  Handlungen  und  von  dem  Ermittelungsverfahren......................·...·..........

  s§.59.—65.
ZweitcrAbschnitt.VonderVoruntcksuchung.......  ss·66.—74.
Dritter  Abschnitt.  Von  der  Prüfung  der  Er  z  der
Voruntersuchung  und  von  der  Eröffnung  des  Hauptverfahrees
  .  .  ..  ..  ...  ...  88.  75.  —  89.
Neunter  Titel.  Von  den  einzelnen  Maaßregeln  der  Untersuchung:  .  ..  .  .  ..  g.  90.

Erster  Abschnitt.  Von  der  Aufsuchung  und  Beschlagnahme

  der  Ueberführungsstücke  und  von  anderen

Arten  der  Beschlagnahhen  S.  91.  —107.
Zweiter  Abschnitt.  Von  der  Untersuchungshaft  und  von

anderen  Beschränkungen  der  persönlichen  Freiheit  ##  108.  -139.
Dritter  Abschnitt.  Von  den  Verhören  im  Allgemeinen

und  von  der  Aufnahme  der  Protokolll  S.  140.—150.
Vierter  Abschnitt.  Von  dem  Verhöre  des  Beschuldigten

und  von  der  Ermittelung  seiner  persönlichen  Verhältnisseeeee

  .  ....  .  .  ..  ....  .  ....  .  .  .  S#.  151.—154.
Fünfter  Abschnitt.  Vom  Verhöre  der  Zeugen  .  #  155.—167.
Sechster  Abschnitt.  Von  dem  Augenscheine  und  von

den  Sachverständigen  .  .  ..  6.  168.  -186.

Siebenter  Abschnitt.  Von  der  Aufrechterhaltung  der
Ordnung  bei  den  Verhandlungen  der  Untersuchung  §#.  ½
mn-
        <pb n="1232" />
        —  1055  —

Zehnter  Titel.  Von  Fristen  und  von  Kuftlun  en,  sowie  von  der  Vollstreckung
  der  gerichtlichen  Beschlüsse  und  Verfügungen

Eilfter  Titel.  Von  der  Vertheidigung  des  Beschuldigten
Zwölfter  Titel.  Von  dem  Hauptverfahren  im  Allgemeinen:

Erster  Abschnitt.  Von  der  Vorbereitung  der  Hauptverhandlung
  ..  .  .  ...  ...  ...  ..  .  ..  ...

3  weiter  Abschnitt.  Von  der  Hauptverhandlung

Dreizehnter  Titel.  Besondere  Vorschriften  für  das  Verfahren  in  schwur.
gerichtlichen  Strafsachen:

Erster  Abschnitt.  Von  den  Schwurgerichtshöfen

Zweiter  Abschnitt.  Von  der  Berufung  zum  Geschworenendiensntttt
  .  .  .  .  ..

Dritter  Abschnitt.  Von  der  Bildung  des  Schwurgerichts
Vierter  Abschnitt.  Von  der  Verhandlung  vor  den  Geschwormen

  .  ..  .  .  .  .

Fünfter  Abschnitt.  Von  dem  Verfahren  im  Falle  eines

EIIIEE

Sechster  Abschnitt.  Von  dem  Verfahren  beim  Ausbleiben

  des  Angeklagten  ...

Vierzehnter  Titel.  Besondere  Vorschriften  für  das  Verfahren  vor  der

Straffamernrmrmrmm  ..  ..  .  ..  .  .  .

Funszehnter  Titel.  Besondere  Vorschriften  für  das  Verfahren  vor  dem

olizeigerichtt  .  ..  ...  ..

Sechszehnter  Titel.  Von  den  Rechtsmitteln  der  Berufung  und  der  Nichtigkeitsbeschwerde:


Erster  Abschnitt.  Allgemeine  Vorschristen  .  .

Zweiter  Abschnitt.  Bestimmungen  über  die  Berufung

und  Nichtigkeitsbeschwerde  gegen  Urtheile  ..  .  .  .  .

Dritter  Abschnitt.  Besondere  Bestimmungen  uͤber  die

Berufung  gegen  Urtheile  ...  ...  .  .  ..  .  .....  ....

Vierter  Abschnitt.  Besondere  Bestimmungen  über  die

Nichtigkeitsbeschwerde  gegen  Urtheill

Fünfter  Abschnitt.  Bestimmungen  über  die  Berufun
und  Nichtigkeitsbeschwerde  gegen  Beschlüsse  un
Verfügunen

Siebzehnter  Titel.  Von  der  Wiedereinsetzung  in  den  vorigen  Stand
Achtzehnter  Titel.  Von  der  Wiederaufnahme  der  Untersuchunng
Neunzehnter  Titel.  Von  der  Strafvollstrecknng
Iwanzigster  Titel.  Von  den  Kosten  des  Verfahrrs  .  ..
Einnudzwanzigster  Titel.  Von  einigen  besonderen  Arten  des  Verfahrens:

Erster  Abschnitt.  Von  der  ausnahmsweisen  Verhand.
lung  von  Schwurgerichtssachen  vor  der  Strafkam.
mer,  und  von  t  welche  vor  die  Strafkammer
gehören,  vor  dem  Polizeigerict  .  .  .  ..  .

(Nr.  6701  6704.4)

SG  192.—2044.
S&amp;amp;.  205.—216.
S&amp;amp;.  217.—225.
S#.  226.—268.
&amp;amp;&amp;amp;n  269.—273.
S&amp;amp;.  274.—288.
Se.  289.—313.
S&amp;amp;  314.—344.
S&amp;amp;.  345.—34.
K.  348.—349.
&amp;amp;&amp;amp;.  350.—355.
§&amp;amp;.  356.—363.
§&amp;amp;.  364.—369.
&amp;amp;&amp;amp;.  370.—373.
S&amp;amp;.  374.—388.
K&amp;amp;  389.—40.
S&amp;amp;a  402.—413.
SK.  414.—47.
S.  418.—427.
S&amp;amp;.  428.—437
SK.  438.—444.
KC.  445.
K.  446.—450.
Zwei-
        <pb n="1233" />
        —  1056  —

Zweiter  Abschnitt.  Von  dem  Verfahren  gegen  flüchtige
z  Angeklagtt  .  ..  5.  88.  461.  -467.
Dritter  Abschnitt.  Von  dem  Verfahren  gegen  ausgetretene

  Militairpflichtige  und  gegen  Landwehrmänner,

  welche  ohne  Erlaubniß  auswandern..  S#.  468—476.
Vierter  Abschnitt.  Von  dem  Verfahren  hinsichtlich  der

Juwwderhandlum  en  gegen  die  Vorschriften  über  die

Erhebung  öffentlicher  Abgaben  und  Gefälllel  .  .  88.  477.  -485.
Fünfter  Abschnitt.  Von  der  Berechtigungs  ·  Einrede  in

Untersuchungen  wegen  Forst.,  Feld-,  Jagd-  und

Fischereifrellllll  I.  .  .  .  ..  S.  486.
Sechster  Abschnitt.  Von  dem  Verfahren  auf  erhobene
Privatklageeeeennn  ..  88.  487.  -510.
Anlage.  Bestimmungen  über  die  Berufung  zum  Schöffenamte  ...  .  .  .  .  ..  W.  1.  —  19

 

(Nr.  6704.a.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  5.  Juli  1867.,  betreffend  die  Aufhebung  der  Landeslotterien
  in  Hannover  und  Osnabrück  sowie  der  Lotterie  in  Frankfurt  a.  M.

A#  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  30.  v.  M.  bestimme  Ich  hierdurch,
  daß  die  Landeslotterien  in  Hannover  und  Osnabrück,  sowie  die  Lotterie
in  Frankfurt  a.  M.,  und  zwar  eine  jede  derselben  nach  Beendigung  ihrer  zweiten,
im  laufenden  Jahre  spielenden  Klastenlotterd,  aufgehoben  werden.

Berlin,  den  5.  Juli  1867.

Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlln,  gedruckt  in  der  Kniglichen  Gehelmen  Ober-Hofbuchdruckerel
7  (o  Drr
        <pb n="1234" />
        —  1657  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  63.—

 

(Nr.  6705.)  Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  der  Stemwelsteuer  von  Spielkarten  in
den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  mit
der  Monarchie  vereinigten  Landeßtheilen.  Vom  4.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  xc.
verordnen  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums  für  die  durch  die  Gesetze
vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  (Gesetz=  Samml.  S.  d555.  875.
und  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  andestheil,  mit  Ausnahme
der  vormals  Königlich  Bayerischen  Enklave  Kaulsdorf  und  des  vormals  Hessen-Homburgischen
  Oberamtes  Meisenheim,  was  folgt:

e

67  Die  von  Spielkarten  zu  entrichtende  Stempelsteuer  beträgt  vom  1.  August

1867.  ab:

a)  8  Sgr.  (oder  28  Kreuzer  oder  103  Schilling  für  das  Spiel  Tarokkarten
und  Französische  Karten  von  mehr  als  32  Blättern;

b)  3  Sgr.  (oder  107  Kreuzer  oder  4  Schilling)  für  das  Spiel  Französische
Karten  von  32  oder  weniger  Blättern  (Piquetkarten),  Deutsche  Karten  und
Trezlierkarten,

und  wird  zur  Staatskasse  erhoben.

§.  2.

Gegen  Entrichtung  der  im  F.  1.  destimmten  Steuer  erfolgt  die  Stempelung
auf  dem  Coeur-Aß.  Der  Kartenstempel  enthält  unter  dem  Adler  die  Angabe  des
Steuerbetrages,  sowie  das  Zeichen  der  Steuerbehörde,  bei  welcher  die  Stempelung
verrichtet  ist.

K.  3.

Die  Einfuhr  von  Spielkarten  aus  dem  Auslande,  mit  Einschluß  der  Zollvereinsstaaten,

  ist  verboten.  Die  Versendung  von  Spiellarten  aus  einem  Theile
Johrgang  1867.  (Nr.  6705.)  13  des

Ausgegeben  zu  Berlin  den  11.  Juli  1867.
        <pb n="1235" />
        —  1058  —

des  Inlandes  in  den  anderen  durch  das  Ausland  darf  unter  Beobachtung  der  erforderlichen
  Kontrolmaaßregeln  stattfinden.  Wegen  der  Durchfuhr  ausländischer
Spielkarten  kommen  die  zgollgesetzlichen  Bestimmungen  zur  Anwendung.

KC.  4.

Die  Fabrikation  von  Spielkarten  darf  nur  mit  besonderer  Erlaubniß  des
Finanzministers  und  in  den  von  demselben  genehmigten  Räumen  betrieben
  werden.

Die  Genehmigung  zu  einer  neuen  Spielkartenfabrik  wird  nur  in  dem  Falle
ertheilt,  wenn

1)  dieselbe  in  einem  Orte,  der  mehr  als  zehntausend  Einwohner  hat,  und
woselbst  sich  ein  Haupt-Zoll-  oder  Haupt-Steueramt  befindet,  angelegt
werden  und  die  zu  einem  fabrikmäßigen  Betriebe,  sowie  zu  einer  angemessenen
  Aufsicht  und  Kontrole  erforderliche  Einrichtung  erhalten  soll,

2)  eine  auf  3000  bis  5000  Thaler  zu  bestimmende  und  nach  ertheilter
Konzession  sofort  zu  bestellende  Kaution  angeboten  wird.

Die  Fabrikanlage  muß  spätestens  binnen  drei  Jahren,  von  dem  Zeitpunkte
der  Genehmigung  an  gerechnet,  vollendet  werden,  widrigenfalls  die  letztere  ihre
Gültigkeit  verliert.

G.  5.

Die  Vorschriften  im  F.  4.  finden  auf  den  Fortbetrieb  der  bereits  bestehenden
  Kartenfabriken  in  den  bisher  benutzten  Räumen  keine  Anwendung.  Die
Fabrikinhaber  sind  jedoch  verpflichtet,  eine  Zeichnung  und  Beschreibung  der  Pobril
räume  der  Steuerbehörde  einzureichen  und  nach  deren  Vorschrift  die  zur  Aufbewahrung
  der  Karten  erforderlichen  Räume  einzurichten.  Auch  sind  erst  die
Besitznachfolger  der  gegenwärtigen  Inhaber  der  Fabriken,  bei  Verlust  des  Fabrikationsrechtes,
  zu  einer  Kautionsstellung  von  3000  bis  5000  Thaler  C.  4.  zu  2.)
verpflichtet.

S.  6.

Sämmtliche  Kartenfabrikanten  stehen  unter  steuerlicher  Kontrole  und  unterliegen
  den  steuerlichen  Revisionen.  Haussuchungen  sind  unter  den  im  §.  18.  der
Verordnung  vom  11.  Mai  1867.  wegen  Besteuerung  des  Braumalzes  (Gesetz-Samml.
  S.  655.)  angegebenen  Bedingungen  und  Maaßgaben  gestattet.

l
Spielkarten  im  Einzelnen,  d.  h.  unter  Einem  Dutzend  Spiele  derselben

Gattung,  zu  verkaufen,  ist  den  Spielkartenfabrikanten  untersagt.  Zuwiderhandlungen
  werden  mit  einer  Geldbuße  von  1  bis  50  Thaler  geahndet.

G.  8.
Was  hinsichtlich  der  Fabrikeinrichtung,  der  Fabrikation,  Stempelung,  Aufbe-
        <pb n="1236" />
        —  1059  —

bewahrung  und  Versendung  von  Spielkarten,  *  hinsichtlich  der  Buchführung
und  der  bei  der  Steuerbehörde  zu  machenden  Meldungen  von  den  Inhabern  der
Spielkartenfabriken  zu  beobachten  ist,  wird  durch  ein  von  dem  Finanzminister  zu
erlassendes  Regulativ  vorgeschrieben.

F.  9.

Für  die  Abführung  der  Steuer  können  angemessene  Fristen  gegen  Sicherheitsstellung
  bntbsir  werden.

Steler.  Erlaß  oder  Ersatz  kann  nur  von  dem  Finanzminister  und  nur  in
dem  Falle  gewährt  werden,  wenn  gestempelte  Kartenspiele  bei  der  Verpackung
oder  Aufbewahrung  in  den  dazu  bestimmten  Fabrikräumen  durch  einen  unverschuldeten
  Zufall  zum  Gebrauche  untauglich  geworden  sind  und  das  Ereigniß  binnen
  24  Stunden  unter  Einlieferung  der  verdorbenen  uneröffneten  Kartenspiele,
sofern  dieselben  durch  den  Zufall  nicht  ganz  verloren  gegangen,  der  Steuerbehörde
angezeigt  wird.

S.  10.

Der  Detailhandel  mit  Spielkarten,  welche  nach  den  Bestimmungen  in
S#.  1.  und  2.  gestempelt  sind,  unterliegt  nur  den  allgemeinen  gewerbepolizeilichen
u  “x*“  Vorschriften;  eine  besondere  Genehmigung  ist  dazu  nicht

orderlich.

Der  Verkauf  von  Spielkarten  durch  die  Steuerverwaltung  wird,  wo  derselbe
  zur  Zeit  stattfindet,  von  dem  durch  den  Finanzminister  zu  bestimmenden
Zeitpunkte  ab  eingestellt.

S.  11.

Karten  fabrikanten  und  Kartenhändler  haben  alle  am  1.  August  1867.
in  ihrem  Vorrath  befindlichen  Spielkarten  mit  der  Anzeige,  ob  deelden  ungestemwelt
  oder  nach  den  bisher  gültigen  Gesetzen  gestempelt  sind,  der  Steuerörde
  binnen  drei  Tagen  schriftlich  anzumelden  und  entweder  unter  steuerlichen
  Mitverschluß  setzen  zu  lassen  oder  zur  Stempelung  (S.  2.  und  F.  13.)  vorulegen.

Dieselbe  Verpflichtung  liegt  hinsichtlich  aller  bei  den  Spielbanken  vorhandenen
  Kartenvorräthe  den  Inhabern  der  Spielbanken  ob.

Wer  der  vorstehenden  Vorschrift  zuwider  die  Anzeige  unterläßt  oder  nicht
gehörig  bewirkt,  oder  unter  Steuerverschluß  befindliche  Karten  aus  demselben  ohne
vorgängige  schriftliche  Abmeldung  bei  der  Steuerbehörde  entfernt,  hat  dieselbe
Strafe  verwirkt,  welche  im  F.  18.  verordnet  ist.

Was  bei  der  Versendung  von  Karten  in  das  Ausland  zu  beobachten  ist,
wird  in  dem  nach  F.  8.  zu  erlassenden  Regulative  bestimmt.

K.  12.

Der  Gebrauch  von  Spielkarten,  welche  nach  den  bisherigen  Gesetzen  gestempelt
  sind,  ist  innerhalb  des  Landestheiles,  für  den  die  betreffenden  Gesetze
erlassen  waren,  noch  bis  zum  31.  Juli  1868.  erlaubt,  nach  dieser  Zeit  aber  nur

(Nr.  6705.)  139°  dann
        <pb n="1237" />
        —  1060  —

dann  gestattet,  wenn  die  Karten  in  Gemäßheit  des  §.  13.  anderweit  gestempelt
sind.  Bei  den  Spielbanken  dürfen  schon  vom  1.  August  1867.  ab  keine  anderen,
als  guach  §.  2.  oder  F.  13.  dieser  Verordnung  gestempelte  Karten  gebraucht
werden.

KC.  13.

Die  Stempelung  derjenigen  Karten,  von  welchen  die  Stempelsteuer  nach
Maaßgabe  der  bisher  in  dem  betreffenden  Landestheile  gültigen  Gesetze  entrichtet
K  (§#.  11.  und  12.),  erfolgt  nach  näherer  Anordnung  des  Finanzministers  gegen

legung  des  #ur  üllung  des  im  §F.  1.  vorgeschriebenen  Steuerbetrages  erforderlichen
  zusätzlichen  Steuerbetrages.

Bei  den  früher  von  der  Steuerverwaltung  verkauften  Karten
kommt  hierbei  nur  die  in  dem  Verkaufspreise  enthaltene  Steuer  in  Anrechmg,

In  denjenigen  Landestheilen,  wo  die  Spielkarten  bisher  nicht  besteuert  sind,
erfolgt  die  Stempelung  geden  Entrichtung  der  im  §.  1.  bestimmten  Abgabe.  Im
Gebiete  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  findet  die  Vorschrift  im  §.  12.
überhaupt  keine  Anwendung;  der  Gebrauch  der  nach  den  bisherigen  Gesetzen  gestempelten
  Karten  ist  daselbst  auch  nach  dem  31.  Juli  1868.  ohne  anderweite
Stempelung  erlaubt.

K.  14.

Karten,  welche  nicht  mit  dem  nach  dieser  Verordnung  erforderlichen  Stempel
versehen  sind,  werden,  wo  sie  sich  vorfinden,  konfiszirt.

Wer  dergleichen  Karten  vom  Auslande  einbringt,  ausländische  oder  inländische
  ungestempelte  feil  hält  oder  verkauft,  vertheilt,  in  Gewahrsam  hat,  oder
damit  spielt,  verfällt  für  jedes  Spiel  in  eine  Strafe  von  zehn  Thaler.  Gastwirthe,
  Kaffeeschänker  und  andere  Personen,  welche  Gäste  halten,  haben  dieselbe
Strafe  verwirkt,  wenn  in  ihren  Häusern  oder  Lokalen  mit  ungestempelten  Karten
genen  rvm:  ist  und  sie  nicht  nachweisen  können,  daß  dies  ohne  ihr  Wissen
geschehen  sei.

Was  vorstehend  von  ungestempelten  Karten  verordnet  ist,  findet  vorbehaltlich
  der  im  F.  11.  und  §.  12.  bestimmten  Ausnahmen  auch  hinsichtlich
  der  nach  den  bisher  gültigen  Gesetzen  gestempelten  Karten  Anwendung,
wenn  deren  anderweite  Stempelung  (§.  13.)  ncht  stattgefunden  hat.

K.  15.

Ist  die  im  v  14.  vorgeschriebene  Strafe  gegen  eine  Person  zu  verhängen,
welche  den  Handel  mit  Spielkarten  betreibt)  so“  4o.  in  keinem  Falle  auf  weniger
als  200  Thaler  Geldbuße  gegen  dieselbe  erkannt  werden.

K.  16.

Wer  ohne  vorgängige  Genehmigung  des  Finmmsministers  Spielkarten  zu
verfertigen  unternimmt  (G.  4.),  oder  nach  erhaltener  Erlaubniß  vor  erfolgter  Anneige
  bei  der  Steuerbehörde  mit  der  Fabrikation  beginnt,  verfällt  neben  Konfisation
  der  Geräthe,  Materialien  und  bereits  verfertigten  oder  in  der  Anfertiguns

e·
        <pb n="1238" />
        —  1061  —

begriffenen  Spielkarten  in  eine  Geldstrafe  von  500  Thaler.  Für  jedes  Spiel,
das  über  50  bereits  verfertigt  ist,  wird  die  Geldstrafe  um  10  Thaler  verschärft.

K.  17.

Wird  die  Fabrikation  von  Karten  in  anderen,  als  den  dazu  angesagten
Räumen  vorgenommen,  so  tritt  dieselbe  Geldstrafe  6  16.)  nebst  Konfiskation
der  in  den  unangesagten  Räumen  befindlichen  Geräthe,  Materialien  und  gefertigten
oder  in  der  nerichung  begriffenen  Karten  ein.

K.  18.

Werden  gegen  die  Vorschriften  in  dem  von  dem  Finanzminister  nach  F.  8.
zu  erlassenden  Regulative  die  in  einer  Fabrik  gefertigten  Karten  den  revidirenden
Steuerbeamten  nicht  volsständig  angegeben  und  vorgelegt,  oder  ungestempelte
Karten  ohne  Mitwirkung  der  Steuerbehörde  versendet,  oder  aus  dem  Mitverschluß
der  Steuerbehörde  znbestag!  entfernt,  so  zieht  dies  Verfahren  die  Konfiskation  der
nicht  angegebenen  oder  versendeten  oder  aus  dem  Steuerverschluß  entfernten  Karten
  und  die  im  H.  16.  verordnete  Geldstrafe  nach  sich.

KC.  19.

Wer  wegen  eines  deeser  Vergehen  (I#.  16.  bis  18.  inkl.)  schon  einmal
beftaaft  worden  ist  und  sich  desselben  oder  eines  anderen  in  den  88.  16.  bis  18.
edachten  Vergehens  abermals  schuldig  macht,  ist  nicht  nur  mit  den  vorbestimmten
Etrasen  zu  belegen,  sondern  auch  des  Rechtes,  die  Kartenfabrikation  ferner  zu
betreiben,  für  verlustig  zu  erklären,  ohne  daß  es  einer  vorgängigen  Belehrung  über
diese  Folge  der  Wiederholung  des  Vergehens  bedarf.

K.  20.

Die  Entfernung  überzähliger  Karten  aus  der  Fabrik,  oder  der  Ausschußblätter,
  bevor  letztere  nach  Vorschrift  des  Regulativs  (I.  S.)  unbrauchbar  gemacht
worden  sind,  ist,  sofern  nicht  nach  dem  Vorstehmden  eine  höhere  Strafe  eintritt,
mit  einer  Geldbuße  von  10  bis  50  Thaler  zu  belegen.

Andere  Zuwiderhandlungen  gegen  die  in  dem  Regulativ  (F.  S.)  enthaltenen
Vorschriften  ziehen  eine  Drd###ngsstrofe  von  1  bis  10  Thaler  nach  sich.

G.  21.
Den  Geldstrafen  ist  auf  den  Fall,  daß  der  Verpflichtete  dieselben  zu  entrichten
  unvermögend  sein  sollte,  eine  verhältnißmäßige  Freiheitsstrafe  zu  substituiren.
§.  22.

Demunzianten  erhalten  zwei  Drittheile  der  auf  Grund  dieser  Verordnung
eingehenden  Geldstrafen.  #
(Nr.  6705.)  5.  23.
        <pb n="1239" />
        —  1062  —

g.  23.

Hinsichtlich  des  administrativen  und  gerichtlichen  Strafverfahrens  wegen
der  Zuwiderhandlungen  gegen  diese  Verordnung  und  hinsichtlich  der  subsidiarischen
Vertretungsverbindlichkeit  dritter  Personen  kommen  dieselben  Vorschriften  zur
Anwendung,  nach  welchen  sich  das  Verfahren  und  die  Haftung  dritter  Personen
wegen  Zollvergehen  bestimmt.

g.  24.
Auf  die  Bestechung  von  Steuerbeamten  und  die  Widersetzlichkeit  gegen  dieselben
  sind  die  in  Betreff  dieser  Vergehen  in  den  9#P.  36.  und  37.  der  Verordnung

vom  11.  Mai  1867.  wegen  Besteuerung  des  Braumalzes  (Gesetz-Samml.  S.  659.)
enthaltenen  Bestimmungen  anzuwenden.

C.  25.

Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  1.  August  1867.  in  Kraft.  Von  dem.
selben  Zeitpunkte  ab  werden  die  gesetzlichen  Vorschriften,  welche  über  die  Stempelböatt
  von  Spielkarten  in  den  im  Eingange  bezeichneten  Landestheilen  bestehen,
aufgehoben.

Unser  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  4.  Juli  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6706.)
        <pb n="1240" />
        —  1063  —

(Nr.  6706.)  Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  der  Wechselstempelsteuer  in  den  durch  die
Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  mit  der  Monarchie
vereinigten  Landestheilen.  Vom  4.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  c.

verordnen  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums  für  die  durch  die  Gesetze
vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  555.  875.  876.)
mit  der  Monarchie  vereinigten  Vondertheile,  mit  Ausnahme  der  vormals  Bayerischen
  Enklave  Kaulsdorf  und  des  vormals  Hessen  Homburgischen  Oberamtes
Meisenheim,  was  folgt:

K.  1.

Vom  1.  September  1867.  ab  unterliegen  gezogene  und  eigene  (trockene)
Wechsel,  ferner  die  unter  den  Benennungen  „Promessen“  oder  „HLaweelskellesst
vorkommenden  Handelspapiere  und  Anweisungen  aller  Art  —  sowohl  inländische
als  aus  dem  Auslande  eingehende  —  einer  Stempelsteuer  von  ½/  Prozent  der
Werthsumme  mit  der  Maßgabe,  daß  der  niedrigste  Stempel  5  Silbergroschen
beträgt  und  die  Stempelsätze  von  5  zu  5  Sgr.  steigen,  so  daß  der  Stempel  bei
Werthsummen  bis  zu  400  Thaler  5  Sgr.,

über  400  bis  800  Thaler  .  .  ..  10  Sgr.
u.  4.  w.  beträgt.  Die  Berechnung  der  Steuer  gosocgt  überall  nach  dem  Dretzt.
thalerfuße  und  der  Eintheilung  des  Thalers  in  30  Silbergroschen.  Bei  Reduktion
der  Werthsummen  wird,  soweit  nicht  für  gewisse  Mün  aten  von  dem  Finanz.-minister
  besondere  Vorschriften  erlassen  werden,  der  lausende  Kurs  zum  Grunde

gelegt.
S.  2.

Befreit  von  der  Stempelsteuer  sind:

1)  die  im  F.  1.  bezeichneten  Urkunden,  welche  über  Werthsummen  von  weniger
  als  50  Thaler  lauten,  oder

2)  im  Auslande  ausgestellt  und,  auf  einen  Ort  im  Auslande  gezogen,  in
den  diesseitigen  Staaten  in  Umlauf  kommen)

3)  Anweisungen,  welche  am  Orte  der  Ausstellung  entweder  am  Tage  der
Ausstelln  selbst  oder  im  Laufe  des  unmittelbar  darauf  folgenden  Tages
zahlbar  sind;

4)  die  von  den  Giro-Interessenten  der  Preußischen  Bank  auf  deren  Guthaben
  ausgestellten,  auf  den  Inhaber  lautenden  Anweisungen.

S.  3.

Die  im  §.  I.  bezeichneten  Urkunden  müssen,  und  zwar  die  ausländischen
nach  dem  Eingange  in  Lurser-  Staaten,  gestempelt  werden,  ehe  ein  Geschäft
damit  gemacht  oder  Jahlung  darauf  geleistet  wird.

(Nr.  6706.)  Wird
        <pb n="1241" />
        —  1064  —

Wird  eine  solche  Urkunde  in  mehreren  Exemplaren  ausgefertigt,  so  ist  unter
diesen  jedes  Exemplar  stempelpflichtig,  welches  zum  Umlaufe  bestimmt  ist.  Auch
Wichrifter  b  wenn  sie  zur  Uebertragung  des  Cgenthuns  an  der  Urkunde  durch
In  n  und  Giriren  benutzt  werden,  unterliegen  der  Stempelsteuer.  Die  übrigen
  Exemplare  sind  stempelfrei.

S.  4.

Jeder  inländische  Inhaber  einer  im  §.  1.  bgechneten  stempelpslichiigen
und  noch  nicht  gestempelten  Urkunde  ist  verpflichtet,  die  Entrichtung  der  Stempelsteuer
  für  dieselbe  zu  bewirken.

Nach  Entrichtung  der  Steuer  sind  alle  Uebertragungen  des  Eigenthums
an  der  Urkunde  durch  Indossiren  und  Giriren  stempelfrei.

ie
Die  Verpflichtung  zur  Entrichtung  der  Stempelsteuer  wird  erfüllt:

1)  durch  rechtzeitige  (§.  3.)  Zahlung  des  Stempelbetrages  an  eine  der  von
dem  Finanzminister  bestimmten  Steuerstellen,  welche  auf  der  vorzulegenden
Urkunde  Stempelmarken  in  dem  entsprechenden  Betrage  verwendet
oder  Quittung  ertheilt;  oder

2)  ducch  Ausstellung  der  Urkunde  auf  dem  von  dem  Finanzminister  zum
Verkauf  gestellten,  oder  auf  dessen  Anordnung  gegen  Erlegung  der  Stempelsteuer
  abgestempelten  Formulare;  oder

3)  in  den  nach  Bestimmung  des  Finanzministers  zulässigen  Fällen  durch
rechtzeitige  (F.  3.)  Verwendung  von  Stempelmarken  auf  der  Urkunde,
wenn  hierbei  die  von  dem  Finanzminister  vorgeschriebenen  und  bekannt
gemachten  Bedingungen  beobachtet  sind.

S.  6.

Die  Nichterfüllung  der  Verpflichtung  zu  Entrichtung  der  Stempelsteuer
ist  mit  dem  25  fachen  Betrage  desjenigen  zu  bestrafen,  was  dadurch  den  Staatseinkünften
  entzogen  worden.  Diese  Strafe  ist  besonders  und  ganz  zu  entrichten
von  einem  Jeden,  der  im  Inlande  als  Aussteller,  Präsentant,  Acceptant,  Indossant
  oder  Girant  an  dem  Umlaufe  der  stempelpflichtigen  Urkunde  Antheil  genommen
  hat,  imgleichen  von  inländischen  Mäklern,  welche  solche  Papiere  verhandelt
  haben.  —  Außerdem  ist  der  Betrag  des  Stempels  selbst  zunächst  von
dem  Inhaber  mit  Vorbehalt  des  Regresses  an  seine  Vormänner  einzuziehen.  Die
Verwan  dlung  einer  Geldbuße,  zu  deren  Zahlung  der  Verpflichtete  unvermögend
ist,  in  eine  Petheltsstrefe  findet  nicht  statt.

.  7.  .
In  Betreff  des  administrativen  und  gerichtlichen  Strafverfahrens  komme
ie.
        <pb n="1242" />
        —  1065  —

dieselben  Vorschriften  zur  Anwendung,  nach  welchen  sich  das  Verfahren  wegen
Jollvergehen  bestimmt.

Denunzianten  erhalten  ein  Drittheil  von  den  festgesetzten  Stempelstrafen.
g.  8.

Außer  den  Steuerbehörden  haben  alle  diejenigen  Staats  ·  oder  Kommunal-Behörden
  und  Beamten,  welchen  eine  richterliche  oder  Polizeigewalt  anvertraut
ist,  die  besondere  Verpflichtung)  alle  bei  ihrer  Amtsverwaltung  zu  ihrer  Kenntniß
kommende  Zuwiderhandlungen  gegen  dieses  Gesetz  Behufs  Einleitung  des  Strafverfahrens
  (P.  7.)  von  Amtswegen  zur  Anzeige  zu  bringen.

Die  Bestimmung  im  zweiten  Msatz  des  §.  7.  findet  auf  die  gedachten
Beamten  und  die  Vorsteher  oder  Mitglieder  der  bezeichneten  Behörden,  sowie  auf
Rechtsanwalte  und  Notarien  keine  Anwendung.

Gerichtspersonen  und  Notare,  welche  Wechselproteste  ausfertigen,  sind  verpflichtet,
  sowohl  in  dem  Proteste,  als  in  dem  über  die  Protestation  aufzunehmenden
  Protokolle  ausdrücklich  z  bemerken,  mit  welchem  Stempelbetrage  der  protestirte
  Wechsel  gestempelt,  oder  daß  er  mit  einem  inländischen  Stempel  gar  nicht
versehen  ist.  Sie  verfallen,  wenn  sie  diese  Bemerkung  unterlassen,  in  eine  Strafe
von  Einem  Thaler.  Verabsäumen  sie  aber,  eine  bei  dieser  Gelegenheit  zu  ihrer
Kenntniß  gekommene  Wechselstempel-Kontravention  zur  Bestrafung  anzuzeigen,
so  sollen  sie  dafür  noch  besonders  mit  einer  Strafe  von  zwei  bis  finP  haler
belegt  werden.

ie

Wer  unechte  Steinpelmarken  anfertigt  oder  echte  Stempelmarken  verfälscht,
imgleichen  wer  wissentlich  von  falschen  oder  gefälschten  Stempelmarken  Gebrauch
macht,  oder  sich  einer  dieser  Handlungen  in  Bezug  auf  gestempelte  Formulare  zu
den  im  F.  1.  bezeichneten  Urkunden  (#.  5.  Nr.  2.)  schuldig  macht,  hat  dieselbe
Strafe  verwirkt,  welche  denjenigen  trifft,  der  unechtes  Stempelpapier  anfertigt
oder  echtes  Stempelpapier  velfälfch.  oder  wissentlich  von  falschem  oder  gefälschtem
Stempelpapier  Gebrauch  macht.

Wer  wissentlich  eine  schon  einmal  verwendete  Stempelmarke  oder  ein  schon
einmal  verwendetes  gestempeltes  Formular  zu  einer  stempelpflichtigen  Urkunde
G.  1.)  verwendet,  hat,  außer  der  im  F.  6.  bestimmten  Strafe,  eine  Geldbuße  von
10  bis  200  Thaler  oder  verhältnißmäßige  Gefängnißstrafe  verwirkt.

Wer  wissentlich  eine  schon  einmal  verwendete  Stempelmarke  veräußert,
wird,  insofern  er  nicht  als  Urheber  des  im  vorhergehenden  Satze  vorgesehenen
Vergehens  oder  als  Theilnehmer  an  demselben  aruschen  ist,  mit  Geldbuße  von
1  bis  20  Thaler  oder  mit  verhältnißmäßiger  Gefangnißstrafe  belegt.

K.  10.

Vom  1.  September  1867.  ab  werden  die  gesetzlichen  Vorschriften,  welche
in  Betreff  der  Wechselstempelsteuer  in  den  im  Eingange  bezeichneten  Landestheilen
bestehen,  außer  Wirksamkeit  gesetzt.

Jehrane  1887.  (Nr.  6706—6707)  140  Der
        <pb n="1243" />
        —  1066  —
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  heauftragt.
  "  '"’  «  ·  ·
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  4.  Juli  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.
v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6707.)  Verordnung,  hetreffend  die  Erhebung  der  Zeitungsstempelsteyer  in  den  durch

die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  mit  der  Monarchie
vereinitten  Landestheilen.  Vom  4.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u1L

verordnen  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums  für  die  durch  die  Gesetze
vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  (Gesetz=  Samml.  S.  555.  875.  und
87  #.)  mit  der  Monarchie  vereinigten  Landestheile,  mit  Ausnahme  der  vormals
Königlich  Bayerischen  Enklave  Kaulsdorf  und  des  vormals  Hessen-Homburgischen
Oberämtes  Meisenheim,  was  folgt:  «  ’"

1
Vom  30.  September  1867.  ab  treten  in  den  im  Eingange  bezeichneten
Landestheilen  das  Gesetz  vom  29.  Juni  1861.  wecen  Erhebung  der  Stempelsteuer
  pvon  Zeitungen,  Nelscheifte  und  Anzeigeblättern  (Gesetz  Samml.  S.  689.),
mit  Mahme  der  im  .  dessesben  enthallenen  Bestimmungen,  und  das  Gesctz
aom  26.  September  1862.,  betreffand  die  Stempelsteuer  von  ausländischen  geiaggen,

  Zeitschriten  und  Aweäigeltsern  (Gelet-Samml.  S.  335.)  in  Koaft
C.  2.

Der  unterlassene  Gebrauch  des  Zeitungsstempels  zieht  die  Strafe  des  vierfachen
  Betrages  nach  sich  und  es  muß  der  fehlende  Stempel  überdies  nachgebocht
werden.  Bei  inländischen  Zeitungen  haftet  die  Verlagshandlung  und  jeder  Vertheiler
  für  den  Stempel  und  für  die  Strafe  wegen  Nichtgebrauch  desselben.

Bei  ausländischen  Zeitungen  haften  in  gleicher  Att  nicht  nur  die  Postbedienten,
  welche  dereii  Vertheilung  Flergen.  und  etwaige  andere  Vertheiler,  sonbern
  auch  diejenigen)  welche  sie  für  ihre  schnung  kommen  lassen.  6e
        <pb n="1244" />
        —  1067  —
g.  3.

Den  gegen  Verleger  oder  Vertheiler  von  Zeitungen  festgesetzten  Geldstrafen
ist  auf  den  Fall,  daß  der  Verpflichtete  dieselben  zu  entrichten  unvermögend  sein
sollte,  eine  verhältnißmäßige  Freiheitsstrafe  zu  substituiren.

"  S.  4.

Die  Aülbefolgung  oder  Verlehung  einer  von  deni  Finanjininister  erlasseifen
Kontrolvorschrift  G.  J.  des  Gesetzes  vom  29.  Juni  1861.,  9  3.  de  getes
vom  26.  Seßtember  1862.)  soll  mit  einer  Geldbuße  vom  1  bis  10  Thaler  geahndet
wetden.  .5

Denunzianten  erhalten  ein  Drittheil  der  auf  Grund  dieser  Verordnung  eingeheiden
  Geldstrafen.  a
.  .

Hinsichtlich  des  administrativen  und  gerichtlichen  Strafverfahrens  wegen
der  Zuwiderhandlungen  gegen  diese  Verordnung  und  hinsichtlich  der  subsidiarischen
Vertretungsverbindlichkeit  dritter  Personen  kommen  dieselben  Vorschriften  zur
Anwendung,  nach  welchen  sich  das  Verfahren  und  die  Haftung  dritter  Personen
wegen  Zollvergehen  bestimmt.  7

Haussuchungen  sind  unter  den  im  §.  18.  der  Verordnung  vom  11.  Mai
1867.  wegen  Besteuerung  des  Braumalzes  (GesetzSamml.  S.  655.)  angegebenen
Bedingungen  und  Manggaben  gestattet.
Auf  die  Bestechung  von  Steuerbeamten  und  die  Widersehlichkeit  gegen
ditselben  sind  die  in  Betreff  dieser  Vergehen  in  den  Is.  36.  und  37.  der  vorgedachten
  Verordnung  enthaltenen  Bestimmungen  anzuwenden.

F.  8.

Die  in  den  im  Eingange  der  gegenwärtigen  Verordnung  gedachten  Landestheilen
  bestehenden  Vorschriften  über  die  Stempelabgabe  von  Zeitungen,  Zeitsieie
  und  Anzeigeblättern  treten  vom  30.  September  1867.  ab  außer  Wirkamkeit.


S.  9.
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  4.  Juli  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Kr.  6707—6708.)  140“  (Nr.  6708.)
        <pb n="1245" />
        —  1068  —

(Nr.  6708.)  Verordnung,  betreffend  die  Entrichtung  der  Stempelsteuer  von  Kalendern  in
den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  mit
der  Monarchie  vereinigten  Landestheilen.  Vom  5.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  x.
verordnen  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums  für  die  durch  die  Gesetze
vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  555.  875.  876.)
mit  der  Monarchie  vereinigten  Landestheile,  mit  Ausnahme  der  vormals  Königlich
Bayerischen  Enklave  Kaulsdorf  und  des  vormals  Hessen-Homburgischen  Oberamtes
Meisenheim,  was  folgt:  61

Von  den  für  das  Jahr  1868.  und  für  die  folgenden  Jahre  erscheinenden
Kalendern  ist  eine  Stempelsteuer  zur  Staatskasse  zu  entrichten,  und  zwar:

1)  für  jeden  inländischen  Kalender

a)  in  Quart  mit  ...  .  ..  .  .....  ..  ...  .  ...  ..  .  .  .  ..  3  Sgr.,
b)  in  Oktav  und  Duodez,  imgleichen  Schreibkalender  mit.  2
e)  in  noch  kleineren  Formaten,  auch  Tafelkalender,  mit..  1
2)  für  ausländische  Kalender  mit  dem  Doppelten  der  vorstehenden  Sätze.
8.  2.

Der  Verleger  eines  inländischen  Kalenders  hat  die  garge  erste  und  jede
fernere  Auflage  sofort  nach  vollendetem  Drucke  der  zunächst  belegenen  zuständigen
Steuerstelle  zur  Stempelung  gegen  Entrichtung  der  Steuer  vorzulegen.

Alle  vom  Auslande  eingehenden  ausländischen  und  inländischen  Kalender
müssen  von  dem  Einbringer  nach  Maaßgabe  der  von  dem  Finanzminister  zu  erlassenden
  Anordnungen  angemeldet  und  zur  Versteuerung  oder  Abfertigung  vorgelegt
  werden.

Wer  im  Inlande  einen  ungestempelten  Kalender  in  Gewahrsam  hat,  ist
verlichte,  denselben  gleich  nach  dem  Empfange  der  nächsten  zuständigen  Steuerstelle
  Behufs  Stempelung  gegen  Entrichtung  der  Steuer  vorzulegen.

g.  3.

Ungestempelte  Kalender  werden  konfiszirt  und  der  vierfache  Betrag  des
Stempels  wird  überdies  als  Strafe  von  dem  Inhaber  erhoben.  —  Jedoch  3
die  Konfiskation  und  Stempelstrafe  nur  auf  Kalender  angewendet  werden,  welche
für  das  laufende  oder  ein  noch  nicht  angetretenes  Jahr  bestimmt  sind.

K.  1.

In  Betreff  des  Strafverfahrens  kommen  dieselben  Vorschriften  zur  Anwendung,
  nach  welchen  sich  das  Verfahren  wegen  Zollvergehen  bestimmt.

enunzianten  erhalten  ein  Drittheil  von  den  festgesetzten  Stempelstrafen.

.  5.
        <pb n="1246" />
        —  1069  —

G.  5.

Außer  den  Steuerbehörden  haben  alle  diejenigen  Staats-  oder  Kommunal=Behörden
  und  Beamten,  welchen  eine  richterliche  oder  Polizeigewalt  anvertraut
ist,  die  ie  Verpflichtung,  auf  Befolgung  dieser  Verordnung  zu  halten  und
alle  bei  ihrer  Amtsverwaltung  zu  ihrer  Kenntniß  kommende  Juwiderhandlungen
Behuss  Einleitung  des  Strafverfahrens  (F.  4.)  von  Amtswegen  zur  Anzeige
zu  bringen.

ni  Bestimmung  im  zweiten  Absatze  des  §.  4.  findet  auf  die  vorstehend
bezeichneten  Behörden  und  Beamten  keine  Anwendung.

S.  6.
Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Vorschriften  werden  aufgehoben.
Mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  ist  ufer  Finanzminister  beauftragt,
welcher  auch  anzuordnen  hat,  was  wegen  Stundung  der  Steuer  gegen  Sicherheie
bestellung,  wegen  der  für  das  Ausland  bestimmten  Kalender-Exemplare  und  wegen
Erstattung  der  Steuer  für  unabgesetzte  Exemplare  zu  beobachten  ist.

zichunddih  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  5.  Juli  1867.
(I.  S.)Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  678—6709.)  (Nr.  6709.)
        <pb n="1247" />
        —  1070  —

(Nr.  6709.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  31.  Mai  1867.,  betreffend  die  Ausgabe  von  verzins-«

  lichcnSchaßanweisungmimBetragevonfünfMillionenThaler.
Auf  Ihren  Bericht  vom  8.  d.  M.  genehmige  Ich,  daß  in  Gemäßheit  des  Gesetzes
  vom  28.  September  v.  J.,  betreffend  den  außerordentlichen  Geldbedarf  der
Militair.  und  Marineerastung  und  die  Dotirung  des  Staatsschatzes  (Gesetz-Samml.
  S.  607.))  verzinsliche  Schatzanweisungen  im  Betrage  von  fünf  Millionen
Thaler,  und  zwar  in  Abschnitten  von  je  funfzig  Thalern)  Einhundert  Thalern
und  fünfundert  Thalern  ausgegeben  werden'  Zugleich  ermächtige  Ich  Sie,  den
Zinssatz  dieser  Schatzanweisungen  und  die  Dauer  ihrer  Umlaufszeit,  welche  den
Zeitraum  eines  Jahres  nicht  überschreiten  darf,  den  Verhlluissen  entsprechend
nach  Ihrem  Ermessen  zu  bestimmen  und  jedesmal  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu
ringen.

Ich  überlasse  Ihnen,  die  Hauffokrwaltung  der  Etnatsschulden  hiernach
mit  näherer  Anweisung  zu  versehen  und  diesen  Meinen  Erlaß  dutch  die  Gesetz-Sammlung
  bekannt  zu  mäthen.

Berlin,  den  31.  Mai  1867.

Wilhelm.
Fch.  v.  d.  Heydt.
An  den  Finanzttinister.

ernZu  LMMMI

Er.  6710)
        <pb n="1248" />
        —  1071  —

(Nr.  6710.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  24.  Juni  1867.,  betreffend  die  Ermäßigung  der
Konsulatsgebühren  in  den  Europäischen  Häfen.

A#  Ihren  Bericht  vom  19.  Juni  d.  J.  will  Ich  die  Bestimmung  unter  Nr.  I.  2.
des  Gebührentarifs  für  die  Preußischen  Konsulate  vom  10.  Mai  1832.  (Gesetz=Samml.
  S.  173.),  wonach  in  den  Europêischen  Häfen  außerhalb  der  Ostsee  an
allgemeiner  Konsulatsgebühr  ein  Satz  von  17  Sgr.  pro  Last  t  entrichten  ist,
dahm  abändern,  daß  die  durch  den  Allerhöchsten  Erlaß  vom  27.  Juni  1863.
Gesetz  Samml.  S.  4852  hinsichtlich  der  Häfen  von  Großbritannien  und  Irland
bereits  bewilligte  Ermäzhigung  dieste  Satzes  auf  den  Betrag  von  1  Sgr.  für  die
nach  dem  Gesetze  vom  17.  Mai  1856.  sich  berechnende  Schiffslast  sorlan  in  Bezug
  auf  sämmtliche  Europäische  Häfen  zur  Anwendung  kommen  soll.

Sie  haben  diese  Meine  gegenwärtige  Order  durch  die  Gesetz=  Sammlung
zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den.  24.  Juni  1867.
Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

An  die  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten,
n  ##  Handel  un  de.  Justil  genheiten,

 

(Xr.  6710—6711)  (Tr.  67  1I.)
        <pb n="1249" />
        —  1072  —

(Nr.  6711.)  Verordnung,  betreffend  die  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  vorhandenen,
zum  Staatseigenthume  gehörigen  Aktivkapitalienfonds.  Vom  5.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc§

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.

Die  Verwaltung  der  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  vorhandenen,
zum  Staatseigenthume  gehörigen  Aktivkapitalienfonds,  soweit  sie  nicht  für  spezielle
  Verwaltungszwecke  bestimmt  find,  geht  an  die  Generalstaatskasse  in  Berlin
  über.

5.  2.

Für  die  Verwaltung  und  Verwendung  der  Bestände  und  der  Aufkünfte
dieser  Fonds  gelten  fortan  lediglich  diejenigen  allgemeinen  Bestimmungen  und
Grundsätze,  welche  überhaupt  für  die  Verwaltung  und  Verwendung  von  Staatsgeldern
  maaßgebend  sind.

G.  3.

Die  in  Gesetzen  und  Verordnungen  der  neu  erworbenen  Landestheile  vorhandenen
  Bestimmungen,  welche  dieser  Verordnung  zuwiderlaufen,  werden  hiermit
aufgehoben.

**

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  5.  Juli  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1250" />
        —  1073  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  64  —

 

(Nr.  6712.)  Verordnung  über  die  Trennung  der  Rechtspflege  von  der  Verwaltung,  die
Aufhebung  der  Privatgerichtsbarkeit  und  des  eximirten  Gerichtsstandes,
sowie  über  die  Gerichtsverfassung  in  den  Herzogthümern  Schleswig  und
Holstein.  Vom  26.  Juni  1867.  "

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r#.

verordnen  für  das  Gebiet  der  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein,  auf  den
Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:  auf

I.  Trennung  der  Rechtspflege  von  der  Verwaltung.

K..  1.

Die  Rechtspflege  wird  von  der  Verwaltung  völlig  getrennt.

Den  auf  den  Wenseeinsein  Sylt,  Föhr,  Nordstrand  und  Pellworm  anestellten
  Justizbeamten  können  jedoch  bis  auf  Weiteres  mit  Genehmigung  des
Fustiiminssters  zugleich  Verwaltungsgeschäfte  übertragen  werden.

II.  Kosten  der  Rechtspflege.

S.  2.

Sämmtliche  Kosten  der  Rechtspflege,  mit  Einschluß  der  durch  die  Strafvollstreckung
  veranlaßten,  werden  fortan  aus  der  Staatskasse  bestritten.

Die  bisherige  Verpflichtung  von  Privaten  oder  Kommunen  zur  Tragung
der  Kriminalkosten  einschließlich  der  Kosten  der  Unterhaltung  und  Verwaltung
der  Strafanstalten  und  der  Kosten  der  Poligzeigerichtsbarkeit,  ingleichen  die  Verpflichtung
  zur  Unterhaltung  von  Gerichtsgebäuden  und  Gerichtsgefängnissen,  sowie
  16  bestimmten  Leistungen  oder  Zahlungen  an  gerichtliche  Beamte  wird  aufgehoben.

  ··
Dagegen  fließen  sämmtliche  Gerichtsgebühren  in  die  Staatskasse.
Jahrgang  1867.  (Tr.  6712.)  141  III  Auf-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  19.  Juli  1867.
        <pb n="1251" />
        —  1074  —

III.  Aufhebung  der  Privatgerichtsbarkeit  und  des  eximirten
Gerichtsstandes.

§.  3.
Die  städtische  und  die  Patrimonial-Gerichtsbarkeit  jeder  Art  in  Civil-  und
Strafsachen  wird  aufgehoben.
Fortan  soll  die  Gerichtsbarkeit  nur  durch  vom  Staate  bestellte  Gerichtsbehörden
  in  Unserem  Namen  ausgeübt  werden.

KC.  4.

Die  Aufhebung  der  städtischen  und  der  Patrimonial-Gerichtsbarkeit  erfolgt
ohne  Entschädigung  der  seitherigen  Inhaber;  sidech  gehen  vom  Tage  der  Aas.
bebung  nicht  blos  die  Nutzungen  der  Gerichtsbarkeit  nebst  den  sonstigen  aus  der
etzteren  fließenden  Gerechtsamen,  sondern  auch  alle  Lasten  derselben  auf  den
Staat  über.

.  5.

Der  eximirte  und  privilegirte  Gerichtsstand  für  Personen  und  Grundstücke,
sowie  der  Gerichtsstand  für  besondere  Arten  von  Sachen,  insbesondere  auch  für
acheach  desgleichen  der  privilegirte  Gerichtsstand  des  Fiskus  wird  allgemein
aufgehoben.  «

Jedermann  steht  fortan  unter  dem  ordentlichen  Gerichte,  welches  für  den
Ort  oder  Bezirk  zunächst  und  unmittelbar  bestellt  ist,  und  jedes  Grundstück  gehört
im  dinglichen  Gerichtsstande  vor  das  ordentliche  Gericht  desjenigen  Sprengels,
in  welchem  es  belegen  ist.

S  6.

Die  in  den  Herzogthümern  bestehenden  besonderen  statutarischen  Rechte,
welche  auf  die  nach  den  seitherigen  Bestimmungen  vom  ordentlichen  Gerichtsstande
eximirten  Personen  und  Sachen  nicht  Anwendung  gefunden  haben,  sind,  uneachtet

  der  im  9  5.  angeordneten  allgemeinen  Aufhebung  des  eximirten  Gerichtssen
  es,  auf  solche  Personen  und  Sachen  auch  ferner  nicht  anzuwenden.

S.  7.
Die  in  den  älteren  Provinzen  des  Staats  bestehenden  Vorschriften  über
den  allgemeinen  Gerichtsstand  der  Mitglieder  des  Königlichen  Hauses  und  der
Hohenzollernschen  Fürstenhäuzert  sowie  der  Häupter  und  Mitglieder  der  vormals

reichsständischen  Familien  finden  auch  im  Geltungsbereich  dieser  Verordnung  Anwendung.


KS.  8.

Die  akademische  Gerichtsbarkeit  der  Universität  Kiel  wird  aufgehoben.  In
Betreff  der  Studirenden  bleibt  die  Disziplinarstrafgewalt  der  Unibersüätsbehoren
        <pb n="1252" />
        —  1075  —

den  bestehen.  Nähere  Bestimmungen  hierüber  werden  besonderer  Verordnung
vorbehalten.
G.  9.

An  der  Zustandigtei  des  Elb  ·  Zollamts  und  Elb  -  Zollgerichts  zu  Wittenberge
  wird  durch  biese  Verordnung  nichts  geändert.
S.  10.

Die  Bestätigung  einer  Annahme  an  Kindesstatt  (Adoption  und  Arrogation)
gehärt  fortan  vor  das  ordentliche  Gericht  des  Annehmenden.  Unsere  Genehmigun
azu  ist  nur  in  den  Fällen  erforderlich,  in  denen  dies  für  das  Gebiet  des  Allgemeinen
  Landrechts  vorgeschrieben  ist.

Großjährigkeits-Erklärungen  erfolgen  durch  die  ordentlichen  Gerichte.

IV.  Organisation  der  Gerichte.

S.  11.
Die  Gerichtsbarkeit  wird  ausgeübt:
1)  durch  Amtsgerichte  umd  kollegialisch  eingerichtete  Kreisgerichte,
2)  durch  ein  Appellationsgericht,
3)  durch  den  obersten  Gerichtshof.
S.  12.
Jur  gütlichen  Schlichtung  streitiger  Rechtsangelegenheiten  kann  das  Institut
  der  Schiedsmänner  im  Wege  der  Fistioerwalk  m  eingeführt  werden.
S.  13.

Sämmtliche  jett  bestehende  Gerichtsbehörden  mit  Einschluß  der  Volksgerichte
  werden  aufgehoben.

1.  Amts-  und  Kreisgerichte.
K  14.
Die  Amtsgerichte  werden  mit  einem  oder  mehreren  Amtsrichtern  und  mit
den  erforderlichen  Büreau=  und  Unterbeamten  besetzt.
g.  15.
Die  Amtsgerichte  sind  zuständig:
I  in  bürgerlichen  Rechtssachen:

1)  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  aller  Rechtsstreitigkeiten,
Er.  6712.)  141“  de-
        <pb n="1253" />
        —  1076.  —

deren  Gezenstand  an  Geld=  oder  Eseswert,  die  Summe  von  Einhundert
  Thalern  nicht  übersteigt;  sowie  außerdem,  ohne  Rücksicht
auf  den  Werth  des  Streitgegenstandes,  Er  die  Verhandlung  und
Entscheidung  der  Besitzstreitigkeiten,  der  Streitigkeiten  über  Einfriedigungen
  von  Grundstücken,  über  Altentheile,  über  Ansprüche  aus
einem  unehelichen  Beischlaf,  der  Streitigkeiten  zwischen  Dienstboten
und  Dienstherren,  die  aus  dem  Dienstverhältnisse  entspringen,  und
der  Streitigkeiten  über  Einräumung  oder  Verlassung  einer  Wohnung
zwischen  Miether  und  Vermiether;

2)  für  die  Behandlung  der  Konkurse,  mit  Ausschluß  der  Entscheidung
solcher  einzelner  Rechtsstreitigkeiten,  welche  mit  Rücksicht  auf  Nr.  1.

ie  Zuständigkeit  des  Einzelrichters  überschreiten,  und  für  den  Erlaß
einstweiliger  Verfügungen,  insbesondere  für  die  Anlegung  von
Arresten  u.  s.  w.;

3)  für  die  gesammte  nichtstreitige  Gerichtsbarkeit,  insbesondere  die  Anordnung
  und  Leitung  der  Vormschaften  Kuratelen  und  sonstigen
gerichtüchen  Verwaltungen,  die  Behandlung  der  Nachlasachen,  ie

ufnahme  und  Ausfertigung  von  Akten  der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit,
  einschließlich  letztwilliger  Dispositionen,  sowie  für  das  Hybothekenwesen
  nach  Maaßgabe  des  H.  16.,  vorbehaltlich  der  in  dem
21.  Nr.  I.  3.  bestimmten  Ausnahmen;

II.  in  Strafsachen  für  die  Besorgung  der  in  der  Strafprozeßordnung  und
anderen  Gesetzen  den  Einzelrichtern  überwiesenen  Geschäfte;

III.  für  die  Aufnahme  von  Klagen,  Gesuchen,  Anträgen  und  Erklärungen
jeder  Art,  welche  Eingesessene  des  Bezirks  in  97  Rechtsangelegenheiten
zum  Protokoll  geben  wollen,  und  die  Weiterbeförderung  derselben  an  die
zuständige  Gerichtsbehörde;  «

IV.  für  die  Erledigung  von  Aufträgen  der  vorgesetzten  Kollegialgerichte.

g.  16.
Die  Schuld-  und  Pfandprotokolle  des  Bezirks  sind  von  dem  Amtsgerichte

u  führen.
v  Das  Appellationsgericht  ist  jedoch  ermächtigt,  die  Führung  der  Schuldund
  Pfandprotokolle  für  Komplexe,  welche  den  Bezirken  verschiedener  Gerichte  angehören,
  Einem  Amtsgerichte  zu  übertragen,  sofern  solches  erforderlich  ist,  um
eine  erhebliche  Zerstückelung  der  bestehenden  Schuld=  und  Pfandprotokolle  zu
vermeiden.

Die  Führung  der  bisherigen  landgerichtlichen  und  obergerichtlichen  Schuldund
  Pfandprotokolle  ist  bis  auf  Weiteres  einem  dafür  zu  bekellnden  besonderen
gerichtlichen  Beamten  in  Kiel  zu  übertragen.

Ueber  Anträge,  welche  darauf  gerichtet  sind,  Grundstücke  aus  den  landund
  obergerichtlichen  Schuld=  und  Pfandprotokollen  in  die  Schuld  und  Pfand-Protokolle
  des  Amtsgerichts  zu  übertragen,  entscheidet  das  Appellationegeriot

2
        <pb n="1254" />
        —  1077  —

S.  17.

Die  Amtsrichter  handeln  und  entscheiden  als  Einzelrichter.

Sind  bei  einem  Amtsgerichte  mehrere  Amtsrichter  angestellt,  so  können  die
Geschäfte  unter  ihnen  entweder  nach  Gattungen  oder  nach  örtlich  abgegrenzten
Distrikten  vertheilt  werden.

g.  18.

Fin  diejenigen  Amtsgerichte,  bei  denen  nur  Ein  Amtsrichter  angestellt  ist,
wird  im  Voraus  ein  benachbartes  Amtsgericht  zur  Vertretung  in  Behinderungsfällen
  bestimmt.

ehrere  bei  einem  Amtzgerichte  angestellte  Amtsrichter  vertreten  sich
gegenseitig.  g.  10

Der  Gerichtsstand  der  Amtsrichter  ist  der  ordentliche;  doch  tritt  in  den
einen  Amtsrichter  persönlich  betreffenden  Rechtssachen  ein  im  Voraus  zu  bestimmendes
  benachbartes  Amtsgericht  ein.

g.  20.

Die  Kreisgerichte  bestehen  aus  einem  Direktor  und  der  erforderlichen  Zahl
von  Mitgliedern  nebst  den  entsprechenden  Büreau=  und  Unterbeamten.

G.  21.
Die  Kreisgerichte  sind  zuständig:
I.  in  bürgerlichen  Rechtssachen:

1)  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  aller  bürgerlichen  Rechts-Horingleien
  erster  Instan  ,  welche  nicht  vor  die  Amtsgerichte  geören


2)  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  zweiter  Instanz  auf  das

echtsmittel  des  Rekurses  gegen  Erkenntnisse  der  Amtsgerichte;

3)  für  die  Ertheilung  von  Großjährigkeits-Erklärungen,

für  die  Bestätigung  einer  Annahme  an  Kindesstatt,
für  die  Genehmigung  zur  Verlängerung  der  Setzjahre  über  das
vorschriftsmäßige  Alter  hinaus  und  zur  Veräußerung  unbeweglicher
Güter  der  Pflegebefohlenen  in  den  vom  Gesetze  einer  Genehmigung
des  obervormundschaftlichen  Kollegiums  unterworfenen  Fällen,
für  die  Erlassung  der  Proklame:
a)  wegen  Mortifikation  von  Urkunden,
b)  bei  Einführung  neuer  Schuld=  und  Pfandprotokolle,
c)  wegen  Todeserklärung  Verschollener,
ohne  daß  es  in  diesen  Fällen  der  Genehmigung  einer  höheren  Behörde
  ferner  bedarf,
Er.  6712)  für
        <pb n="1255" />
        —  1078  —

für  das  Verfahren  bei  Blödsinnigkeits-,  Wahnsinnigkeits=  und
Prodigalitäts-Erklärungen,
für  die  Führung  der  im  Handelsgesetzbuch  den  Handelsgerichten
khesue  *t“  so  lange  Handelsgerichte  noch  esgerchte
ind;  .
II.  in  Strafsachen  für  die  Erledigung  der  in  der  Strafprozeßordnung  den
Kollegialgerichten  erster  Instanz  zugewiesenen  Geschäfte.

G  22.

Die  Kreisgerichte  können  in  verschiedene  Abtheilungen  getheilt  werden.  Zur
Beschlußnahme  und  Entscheidung  genügt  die  Theilnahme  von  drei  Mitgliedern,
einschließlich  des  Vorsitzenden,  soweit  nicht  ein  Anderes  bestimmt  ist.  Bei  Stimmengleichheit
  giebt  die  Stimme  des  Vorsitzenden  den  Ausschlag.  ·

Z.23.
Wenn  ein  dringendes  Bedürfniß  es  erfordert,  kann  der  Justizminister  anordnen,
  daß  an  einem  der  Sise  der  Amtsgerichte  drei  Richter  von  Zeit  zu  Zeit

zusammentreten,  um  gewisse  kollegialische  Angelegenheiten  an  Stelle  des  Kreis.
gerichts  u  vertiundeln  Ind  u  entshhiiden.

2.  Appellationsgericht.

G.  24.

Das  Wpellationsgericht  besteht  aus  einem  Präsidenten  und  der  eserderlicn
Anzahl  von  Räthen.  Richterliche  Beamtr,  welche  nicht  etatsmäßige  Räthe  des
Gerichts  sind,  können  bei  demselben  nur  vorübergehend  zur  Aushülfe  oder  zur
Stellvertretun  bas•häftigt  werden.

Wenn  bei  dem  Appellationsgerichte  außer  dem  Ersten  Präsidenten  zehn  oder
mehr  Räthe  fungiren,  kann  ein  Vizepräsident  angestellt  werden.

Dem  Appellatiousgerichte  wird  das  enforechende  Büreau=  und  Unterbeamtenpersonal
  zugetheilt.

G.  25.

Das  Appellationsgericht  ist  zuständig:

I.  in  bürgerlichen  Rechtssachen:

1)  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  auf  das  Rechtsmittel  der
Appellation  gegen  Erkenntnisse  der  Kreis=  und  Amtsgerichte  und
ausse  Rechtsmittel  des  Rekurses  gegen  Erkenntnisse  der  Kreisgerichte;


2)  für  die  Entscheldung  auf  Beschwerden  über  Verfügungen  und  Beschlässe
  der  Kreis=  und  Amtsgerichte  in  allen  nicht  prozessualischen
Angelegenheiten;  u.

.in
        <pb n="1256" />
        —  1079  —
I.  in  Strafsachen,  soweit  die  Strafprozeßordnung  dies  bestimmt;
III.  zur  Bestimmumg  des  zuständigen  Gerichts:
1)  wenn  ein  positiver  oder  negativer  Kompetenzkonflikt  zwischen  verschiedenen
  Kreis=  oder  Amtsgerichten  besteht;  ".  .
2)  wenn  das  zuständige  Kreis-  oder  Amtsgericht  verhindert  ist,  sich  der
Verhandlung  und  Entscheidung  der  Sache  zu  unterziehen;
3)  wenn  ein  gemeinschaftlicher  Gerichtsstand  zu  bestimmen  ist;
IV.  für  Femilien-Fideikommiß-  und  Familien-Stiftungssachen,  soweit  dieselben
  bisher  zur  Zuständigkeit  der  oberen  Dikasterien  gehört  haben;
V.  für  alle  Angelegenheiten  der  Justiz-Aufsicht  und  Verwaltung  des  Bezirks
surle  für  Justizvisitationen,  Disziplinar-  und  Anfellungssachen,

und  zwar  in  demselben  Umfange,  in  welchem  die  Appellationsgerichte  der
älteren  Provinzen  zuständig  sind.

§.  26.

Das  Appellationsgericht  kann  nach  Bedürfniß  in  mehrere  Senate  getheilt
werden.  Zur  Pelchlunahme  und  Entscheidung  ist  die  Theilnahme  von  fünf
Mitglledern,  enschlichlich  es  Vorsitzenden,  erforderlich.  Bei  Stimmengleichheit
giebt  die  Stimme  des  Vorsitzenden  den  Ausschlag.

3.  Oberster  Gerichtshof.

C.  27.

Ueber  die  Errichtung  des  obersten  Gerichtshofes  ergeht  eine  besondere  Verordnung,
  welche  zugleich  die  Zuständigkeit  desselben  regelt.

4.  Staatsanwaltschaft.

K.  28.

Bei  dem  Appellationsgerichte  wird  ein  Ober-Staatsanwalt,  bei  jedem
Kreisgerichte  ein  Staatsanwalt  nebst  dem  erforderlichen  Hülfspersonale  angestellt.

5.  Rechtsanwalte  und  Notare.

C.  29.

Die  Advokaten,  welche  den  Amtskarakter  „Rechtsanwalt“  annehmen,
werden  fortan  nur  mit  der  Berechtigung  zur  Praxis  bei  dem  Appellationsgerichte
oder  bei  einem  bestimmten  Kreisgerichte  und  den  in  dessen  Sprengel  belegenen
Amtögerichten  unter  Anweisung  eines  bestimmten  Wohnsitzes  angestellt.

(r  6712)
        <pb n="1257" />
        —  1080  —
g.  30.

Die  Verordnung  vom  21.  Juli  1843.  (Gesetz  Samml.  S.  295.)  über  die
Befugniß  der  Rechtsanwalte  zur  Anfertigung  und  Legalisirung  von  Rechtsschriften
ohne  Einschränkung  auf  einen  bestimmten  Gerichtsbezirk  findet  auch  im  Geltungsbereich
  dieser  Verordnung  Anwendung.

S.  31.

Der  Justizminister  ist  ermächtigt,  wo  sich  dazu  ein  Bedürfniß  herausstellt,
den  Rechtsanwalten  auch  die  Ausübung  des  Notariats  im  Bezirke  des  Appellationsgerichts
  zu  übertragen.  *m

In  Betreff  der  Disziplin  und  Aufsicht  über  die  Rechtsanwalte  und  Notare
kommen  die  im  Geltungsbereich  der  Verordnumg  vom  2.  Januar  1849.  (Gesetz-Samml.
  S.  2.)  bestehenden  Vorschriften  zur  Anwendung.

6.  Gerichtskosten  und  Gebühren.
K.  33.
Ueber  den  Ansatz  und  die  Erhebung  der  Gerichts-Kosten  und  Gebühren,

sowie  der  Gebühren  der  Rechtsanwalte  und  Notare,  wird  eine  besondere  Verordnung
  ergehen.

V.  Allgemeine  Bestimmungen.
1.  Aufsicht  und  Beschwerden.

F.  34.
Die  Aufsicht  über  die  Amtsgerichte  wird  von  dem  Direktor  des  Kreisgerichts,
in  dessen  Sprengel  dieselben  sich  beßden,  in  höherer  Instanz  von  dem  Appellationserichte,
  die  Aifcht  über  die  Kreisgerichte  von  dem  Appellationsgerichte,  die  Auf-Hent
  über  sämmtliche  Gerichte  von  dem  Justizminister  ausgeübt.
g.  35.

Beschwerden,  welche  die  Disziplin,  den  Geschäftsbetrieb  oder  Verzögerungen
betreffen,  sind  hinsichtlich  aller  Rechtsangelegenheiten  im  Aufsichtswege  zu  erledigen.

2.  Verhältniß  der  Gerichte  unter  einan  der  und  zu  den
Verwaltungsbehörden.
g.  36.

Die  Gerichte  unter  einander,  sowie  die  Gerichte  und  Neraltungsbeherden
aben
        <pb n="1258" />
        —  1081  —

haben  sich  bei  Erledigung  der  ihnen  obliegenden  Geschäfte  innerhalb  ihres  Ressorts
gegenseitige  Unterstützung  zu  leisten.

3.  Qualifikation  und  Ernennung  der  Justizbeamten.
§.  37.

Wer  zur  Laufbahn  als  Richter,  Staatsanwalt  oder  Rechtsanwalt  zugelassen
sein  will,  hat  die  Bedingungen  zu  erfüllen,  welche  in  den  älteren  Provinzen  zur
Ablegung  der  ersten  juristischen  Prüfung  vorgeschrieben  sind,  und  nach  den  dort
bestchemen  Vorschriften  diese  Prüfung  zu  besehen.

Der  in  der  ersten  Prüfung  D.andene  wird  von  dem  Präsidenten  des
Apvellationsgerichs  zum  Referendarius  ernannt  und  eidlich  verpflichtet.  Er  hat
sodann  zu  seiner  praktischen  Vorbereitung  bei  einem  Amts=  und  Kreisgerichte,  bei
einem  Rechtsanwalt,  bei  der  Staatsanwaltschaft  und  bei  dem  Appellationsgerichte
insgesammt  vier  Jahre  zu  arbeiten.  Die  näheren  Bestimmungen  über  die  Art
und  Dauer  der  Veschfstung  bei  den  einzelnen  Behörden  werden  von  dem
Justizminister  erlassen.

Referendarien  können  die  Funktionen  eines  Gerichtsschreibers  wahrnehmen
und  in  den  letzten  Jahren  der  Vorbereitungszeit  nach  bescheinigter  Tüchtigkeit  von
dem  Justizminister  mit  der  zeitweisen  Funktion  eines  Hülfsrichters  bei  den  Kreisund
  Amtsgerichten,  oder  eines  Gehülfen  der  Staatsanwaltschaft  beauftragt,  auch
zur  Vertrekung  eines  Rechtsanwalts  verstattet  werden.

Nach  der  Vorbereitungszeit  wird  der  Referendarius  auf  Grund  der  über
seinen  Fleiß  und  seine  praktische  Tüchtigkeit  beigebrachten  Zeugnisse  vom  dem  Justizminister
  zur  großen  Staatsprüfung  zugelassen.  Für  dieselbe  werden  die  Vorschriften,
  welche  in  den  älteren  Provinzen  für  die  dritte  juristische  Prüfung  ergangen
  sind,  zum  Maaßstabe  genommen.

Referendarien,  welche  die  große  Staatsprüfung  bestanden  haben,  werden
bis  zu  ihrer  anderweiten  Anstellung  zu  Gerichtsassessoren  bestellt  und  dem  Direktor
eines  Kreisgerichts  zur  unentseltlichen  Beschäftigung  bei  demselben  und  bei  den
Amtzgerichten  seines  Sprengels  überwiesen.  Die  Verleihung  des  vollen  Stimmrechts
  an  solche  Gerichtsassessoren  und  bei  Amtsgerichten  die  Anweisung  eines  bestimmten
  selbstständigen  Geschäftskreises  hungt  von  der  Genehmigung  des  Justizministers
  ab.  Bei  den  Kreisgerichten  darf  die  Zahl  der  unbesoldeten  Mitglieder
mit  vollem  Stimmrecht  nie  die  Hälfte  der  etatsmäßigen  Richter  erreichen.

K.  38.

Zur  Bekleidung  jeder  Richter--,  Staatsanwalts-  und  Rechtsanwaltsstelle  ist
die  Ablegung  der  großen  Staatsprüfung  erforderlich.  Diese  Bestimmung  findet
auf  die  i  den  aufgehobenen  Gerichten  angestellten  Richter  und  auf  diejenigen  Beamten,
  welche  die  Vesähigung  zum  Richteramt  durch  Zurücklegung  der  vorgeschriebenen
  Prüfung  nach  den  bisherigen  Vorschriften  erlangt  haben,  keine  Anwendung.


##  Uebrigen  bewendet  es  bei  den  Bestimmungen  der  IF#.  1.  und  2.  der
Jahrgang  1867.  (Nr.  6712.)  142  Ver-
        <pb n="1259" />
        —  1082  —

Verordnung  vom  8.  Februar  1867.  (Gesetz-  Samml.  S.  209.),  betreffend  die
Anstellung  der  Justizbeamten  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.

g.  30.

Die  Präsidenten,  Direktoren  und  Räthe  der  richterlichen  Kollegien,  sowie
die  Ober-Staatsanwalte  und  Staatsanwalte  werden  von  Uns,  die  Kreis=  und
Amtsrichter,  die  Gehülfen  der  Staatsanwaltschaft,  die  Rechtsanwalte  und  Notare,
sowie  die  Gerichtsassessoren  in  Unserem  Namen  durch  den  Justizminister  ernannt.

VI.  Uebergangs=  und  Ausführungsbestimmungen.

KC.  40.

Bei  dem  Uebergange  der  bisherigen  Privatgerichtsbarkeit  an  den  Staat
werden  den  Staatsbehörden  die  vorhandenen  Gechcne  der  bisherigen
Gerichtsbehörden,  soweit  sie  für  die  neuen  Gerichtsbehörden  erforderlich  sind,  gegen
Erstattung  des  Werthes  mit  übergeben.  Auch  ist  der  Staat  berechtigt,  vorhandene
  *  Gerichtsgebäude  und  Gerichtsgefüngnisse,  wenn  davon  für  Zwecke
der  Justizverwaltung  Gebrauch  gemacht  werden  soll,  ferner  zu  benutzen;  er  übernimmt
  jedoch  in  diesem  Falle  die  Verpflichtung  zu  ürer  Insand  altung  und  hat
die  Lokalien  den  Eigenthümern  zurückzugeben,  sobald  für  das  Bedürfniß  anderweitig
  gesorgt  ist,  bis  dahin  aber  eine  billige  Entschädigung  für  die  Benutzung
zu  gewähren.
C.  41.

Die  bis  zum  Tage  des  Ueberganges  bereits  erwachsenen  Kriminal=  und
polizeigerichtlichen  Kosten  sind  von  den  bis  dahin  Verpflichteten  zu  tragen,  vom
Tage  des  Ueberganges  an  aber  aus  der  Staatskasse  zu  bestreiten.

E.  42.

Die  am  Tage  des  Ueberganges  bereits  verdienten,  aber  noch  rückständigen
Sporteln  verbleiben  den  bisher  Berechtigten,  doch  haben  dieselben  binnen  vierzehn
Tagen  nach  dem  Uebergange,  bei  Verlust  ihrer  Ansprüche,  ein  vollständiges  Ver,
gscchuiz  der  rückständigen,  bereits  verdienten  Sporteln  den  betreffenden  neuen  Gerichten
  zu  übergeben.

KC.  43.

Die  bei  den  aufgehobenen  Königlichen  Gerichten  lebenslänglich  angestellten
und  in  Folge  dieser  Verordnung  disponibel  werdenden  Beamten  sind  mit  Beischah
  ihres  Ranges  und  Einkommens  anderweit  anzustellen.  Dabei  müssen
sich  der  Krästeent  und  die  Räthe  des  Ober-Appellationsgerichts  in  Kiel,  insofern  sie
nicht  in  einem  Richteramte  bei  dem  obersten  Gerichtshofe  (§.  27.)  verwendet  werden,
die  Verleihung  eines  Richteramts  bei  einem  Appellationsgerichte,  der  Präsident
und  die  Räthe  des  Appellationsgerichts  in  Flensburg  und  der  Direktor  und  die

Räthe
        <pb n="1260" />
        —  1083  —

Räthe  der  Holseinschen  Ober-Dikasterien  die  Verleihung  eines  Richteramts  bei
einem  Appellationsgerichte  oder  als  Direktor  eines  Kreisgerichts,  alle  übrigen  bei
den  aufgehobenen  öniglichen  Gerichten  angestellten  Richter  die  Anstellung  als
Kreis=  oder  Amtsrichter  gefallen  lassen.

Insoweit  das  Einkommen  nicht  in  einem  festen  Gehalt,  sondern  in  Gebühren
  oder  anderen  Nutzungen  bestanden  hat,  ist  dasselbe  nach  dem  nachweislichen
Durchschnitt  der  drei  Jahre  vom  1.  Juli  1864.  bis  1.  Juli  1867.  unter  Abrechnung
  der  von  den  Beamten  daraus  bestrittenen  Ausgaben  festzusetzen.

C.  44.

Die  bei  den  aufgehobenen  Patrimonialgerichten  disponibel  werdenden  richterlichen
  Beamten  sind,  wenn  sie  lebenslänglich  angestellt  und  ihre  Anstellungs-Urkunden
  nicht  unter  dem  Vorbehalte  bestätigt  waren,  daß  sie  im  Falle  der  verfassungsmäßigen
  Aufhebung  der  Privatgerichtsbarkeit  keinen  Anspruch  auf  Entschädigung
  haben,  mit  ihrem  bisherigen,  nach  F.  43.  zu  berechnenden  Einkommen
bei  den  Gerichtsbehörden  wieder  anzustellen.

ß.  45.

Beamte,  welche  als  Privatrichter  und  #  leich  in  der  Staats=  oder  Gemeindeverwaltung
  lebenslänglich  und  ohne  Vor  chalt  angestellt  waren,  sind  verpflichtet,
  in  ein  Richteramt  einzutreten.  Sie  behalten  in  diesem  Falle  ihr  ganzes
bisheriges  Einkommen,  bei  dessen  Berechnung  der  §.  43.  maaßgebend  ist.  Folgen
sie  der  Berufung  in  ein  Richteramt  nicht,  so  ist  der  Staat  zu  einer  weiteren  Entschädigung
  nicht  verpflichtet.  Werden  sie  dagegen  in  ein  Richteramt  nicht  übernommen,
  sondern  im  Verwaltungsdienste  belassen,  und  weisen  sie  nach,  daß  ihnen
durch  die  Aufhebung  der  Privatgerichtsbarkeit  ein  Theil  ihrer  Einnahme  entzogen
wird,  so  soll  ihnen  hierfür  eine  angemessene  Entschädigung  gewährt  werden.

S.  46.

Auf  die  neue  Anstellung  derjenigen  Privatrichter,  welche  nicht  lebenslänglich
angestellt  gewesen  sind,  oder  bei  deren  früherer  Anstellung  der  im  44.  bemerkte
Vorbehalt  gemacht  worden  ist,  soll  nach  Maaßgabe  ihrer  Befähigung  und  so
weit  sich  dazu  geeignete  Gelegenheit  bietet,  möglichst  Bedacht  genommen  werden.

KC.  47.

Beamte,  welche  beie  Peiatgerihten  bisher  lebenslänglich  und  ohne  Vorbehalt,
  jedoch  nicht  als  Richter  angestellt  gewesen  sind  werden  im  Büreau=  oder
Unterbeamtendienst  angestellt,  können  aber,  wenn  sie  die  Befähigung  zum  Richteramt
  durch  Zurücklegung  der  vorgeschriebenen  Prüfung  erlangt  haben,  auch  als
Richter  angenommen  werden.  ie  erhalten  ein  nach  den  Etatsverhältnissen  der
neuen  Gerichte  zu  bestimmendes  Einkommen.

Waren  sie  bishe  nicht  lebenslänglich  oder  nur  mit  Vorbehalt  ang-  ellt,
so  sollen  sie,  sofern  die  Anstellungsfähigkeit  von  ihnen  nachgewiesen  wird,  als
Exspektanten  für  geeignete  Aemter  notirt  werden.

(Nr.  6712,)  142%  F.  48.
        <pb n="1261" />
        —  1084  —

KC.  48.

Den  bei  den  neu  eingerichteten  Gerichten  angestellten  bisherigen  Privatgerichtsbeamten
  wird  ihre  frühere  Dienstzeit  bei  künftig  erfolgender  Pensionirung
nach  Maaßgabe  der  Bestimmungen  des  Penstonereglengem  vom  30.  April  1825.
angerechnet.

lle  mit  fixirtem  Gehalte  wieder  angestellte  Privat-Justizbeamte  sind,
wenn  sie  bisher  noch  nicht  pensionsberechtigt  waren,  bei  ihrem  Eintritt  in  den
unmittelbaren  Staatsdienst  dem  Ivelstel.  Penstonsalzuge  unterworfen.

KC.  49.

Diejenigen,  welche  noch  nicht  als  Richter  angestellt  sind,  aber  die  Befähiung
  zum  Richteramte  durch  Zurücklegung  der  bisher  vorgeschriebenen  Prüfung
ereits  erlangt  baben  oder  bis  zum  1.  Januar  1868.  noch  erlangen,  bis  wohin

solches  den  Kandidaten  gestattet  sein  soll,  werden  als  Gercchtsassessren,  verpflichtet
und  nach  Maaßgabe  des  H.  37.  beschäftigt.

K.  50.

Die  bereits  angestellten  Untergerichts-Advokaten  sind  zur  Praxis  bei  sämmtlichen
  Kreis=  und  Amtsgerichten  in  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein
befugt,  desgleichen  erhalten  die  bereits  angestellten  Ober=  und  Landgerichts-  und
Appellationsgerichts--Advokaten  die  Befugniß  zur  Praxis  bei  dem  Appellationsgerichte
  und  sämmtlichen  Kreis=  und  Amtzgerichten.

Insofern  den  Advokaten  jedoch  durch  diese  Bestimmung  eine  örtliche  Erweiterung
  ihres  bisherigen  Wirbungerreiees  eingeräumt  wird,  dürfen  sie  den  Parteien
  Reisekosten  und  Diäten  nicht  in  Rechnung  stellen.

Eine  Veränderung  ihres  bisherigen  Wohnortes  kann  nur  mit  Genehmigung
des  Justizministers  erfolgen.

Die  bereits  engestellten  Notare  behalten  auch  fernerhin  die  Befugniß,  ihre
amtliche  Thätigkeit  in  dem  ganzen  Umfange  der  Herzogthümer  Schleswig  und
Holstein  auszuüben.

G.  51.
Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Vorschriften  werden  aufgehoben.

g.  62.

Die  gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  1.  September  1867.  in  Kraft.
Der  Vesminsier  ist  mit  Ausführung  derselben  beauftragt  und  hat  die
Gerichtsbehörden  mit  der  erforderlichen  weiteren  Anweisung  zu  versehen.  Insbesondere
  ist  er  ermächtigt,  durch  ein  Regulativ  den  Geschäftsgang  bei  den  Gerichten
  zu  ordnen,  auch  zu  bestimmen,  welche  Angelegenheiten  bei  den  Kollegien
im  Plenum  zu  erledigen  und  wie  die  Geschäfte  unter  die  Senate  und  Abtheilungen
  zu  vertheilen  ind.

o
        <pb n="1262" />
        —  1085  —

Wo  die  Ausführung  der  Verordnung  wegen  besonderer  Bedenken  oder
örtlicher  Hindernisse  bis  zum  1.  September  nicht  möglich  sein  sollte,  ist  von  dem
Justizminister  der  hierdurch  nothwendig  werdende  spätere  Zeitpunkt  zu  bestimmen
und  öffentlich  bekannt  zu  machen.

Die  zur  Zeit  bestehenden  Behörden  (I.  13.)  bleiben  bis  zur  Einsetzung  der
neuen  Gerichte  in  ihrer  bisherigen  Wirksamkeit.

Die  bei  den  aufgehobenen  Gerichten  anhängigen  Sachen  sind  nach  einer
von  dem  Justizminister  zu  erlassenden  Instruktion  an  die  zuständigen  neuen  Gerichte
  abzugeben.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  26.  Juni  1867.
(I.  S.Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.
v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6713.)  Verordnung  über  die  Gerichtsverfassung  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum
Hessen  und  den  vormals  Königlich  Bayerischen  Gebietstheilen  mit  Ausschluß
  der  Enklave  Kaulsdorf.  Vom  26.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

verordnen  für  das  Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hessen  und  der  Königlich
  Bayerischen  Gebietstheile,  mit  Ausschluß  der  Enklave  Kaulsdorf,  auf  den
Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

I.  Organisation  der  Gerichte.

e
Die  Gerichtsbarkeit  wird  ausgeübt:
1)  durch  Amtsgerichte  und  kollegialisch  eingerichtete  Kreisgerichte;
2)  durch  ein  Appellationsgericht;
3)  durch  den  obersten  Gerichtshof.

siie
Zur  gütlichen  Schlichtung  streitiger  Rechtsangelegenheiten  kann  das  Institut
der  Schiedsmänner  im  Wege  der  Justizverwaltung  eingefuhrt  werden.
(Nr.  0712—6713,)  K.  3.
        <pb n="1263" />
        —  1066  —

S.  3.
Die  bestehenden  Gerichtsbehörden  werden  aufgehoben.

1.  Amts-  und  Kreisgerichte.
K.  4.

Die  Amtsgerichte  werden  mit  einem  oder  mehreren  Amtsrichtern  und  mit
den  erforderlichen  Büreau=  und  Unterbeamten  besetzt.

S.  5.
Die  Amtsgerichte  sind  zuständig:
I.  in  bürgerlichen  Rechtssachen:
1)  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  aller  Rechtsstreitigkeiten,
eren  Gegenstand  an  Geld  oder  Geldeswerth  die  Summe  von  Einhundert
  Thalern  nicht  übersteigt;  sowie  außerdem,  ohne  Rücksicht
auf  den  Werth  des  Streitgegenstandes,  für  die  Verhandlung  und
Entscheidung  der  Besitzstreitigkeiten,  der  Streitigkeiten  über  Altentheile
Gluszuge)  büber  Ansprüche  aus  einem  unehelichen  Beischlaf,  der
treitigkeiten  zwischen  Dienstboten  und  Dienstherren,  die  aus  dem
Dienstverhältmsse  entspringen,  und  der  Streitigkeiten  über  Einräumung
  oder  Verlassung  einer  Wohnung  zwischen  Miether  und
Vermiether;
2)  für  die  Behandlung  der  Konkurse,  mit  Ausschluß  der  Entscheidung
solcher  einzelner  Rechtsstreitigkeiten,  welche  mit  Rücksicht  auf  Nr.  1.
ie  Zuständigkeit  des  Einzelrichters  überschreiten  und  für  den  Erlaß
einstweiliger  Verfügungen,  insbesondere  für  die  Anlegung  von
Arresten  u.  s.  w.;
3)  für  die  gesammte  nichtstreitige  Gerichtsbarkeit,  mit  Einschluß  des
ormundschaftswesens;

II.  in  Strafsachen  für  die  Besorgung  der  in  der  Strafprozeßordnung  und
anderen  Gesetzen  den  Einzelrichtern  überwiesenen  Geschäfte;

III.  für  die  Aufnahme  von  Klagen,  Gesuchen)  Anträgen  und  Erklärungen
jeder  Art,  welche  Einzesesene  des  Bezirks  in  lKren  Rechtsangelegenheiten
zum  Protocoll  geben  wollen,  und  die  Weiterbeförderung  derselben  an  die
zuständige  Gerichtsbehörde;  «

IV.  für  die  Erledigung  von  Aufträgen  der  vorgesetzten  Kollegialgerichte.

g.  6.

Die  Amtsrichter  handeln  und  entscheiden  als  Einzelrichter.  Sind
Sin
        <pb n="1264" />
        —  1087  —

Sind  bei  einem  Amtsgerichte  mehrere  Amtsrichter  angestellt,  so  können  die
Geschäfte  unter  ihnen  entweder  nach  Gattungen  oder  nach  örtlich  abgegrenzten
Distrikten  vertheilt  werden.

§.  7.

Für  diejenigen  Amtsgerichte,  bei  denen  nur  Ein  Amtsrichter  angestellt  ist,
wird  im  Voraus  ein  benachbartes  Amtsgericht  zur  Vertretung  in  Behinderungsfällen
  bestimmt.

Mehrere  bei  einem  Amtsgerichte  angestellte  Amtsrichter  vertreten  sich

gegenseitig.
g.  8.
Der  Gerichtsstand  der  Amtsrichter  ist  der  ordentliche;  doch  tritt  in  den,
einen  Amtsrichter  persönlich  betreffenden  Rechtssachen  ein  im  Voraus  zu  bestimmendes
  benachbartes  Amtsgericht  ein.

S.  9.
Die  Kreisgerichte  bestehen  aus  einem  Direktor  und  der  erforderlichen  Zahl
von  Mitgliedern,  nebst  den  entsprechenden  Büreau=  und  Unterbeamten.

.  10.
Die  Kreisgerichte  sind  zuständig:
I.  in  bürgerlichen  Rechtssachen:
1)  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  aller  bürgerlichen  Rechtsstreitigkeiten
  erster  Instanz,  welche  nicht  vor  die  Amtsgerichte  gehören;
2)  fir  die  Verhandlun  und  Entscheidung  zweiter  Instanz  auf  das
Rechtsmittel  des  Rekurses  gegen  Erkenntnisse  der  Amtsgerichte;
3)  für  die  Ertheilung  von  Großjährigkeits-Erklärungen;
für  die  Bestätigung  der  Annahme  an  Kindesstatt
für  die  Erlassung  der  Proklame:
a)  wegen  Mortifikation  von  Urkunden,
b)  wegen  Todeserklärung  Verschollener,
ohne  daß  es  in  diesen  Fällen  der  Genehmigung  einer  höheren  Behörde
  ferner  bedarf;
für  das  Verfahren  bei  Blödsfinnigkeits-,  Wahnsinnigkeits=  und
Prodigalitäts-Erklärungen;
für  die  Führung  der  im  Handelsgesetzbuch  den  Handelsgerichten
überwiesenen  Regieer,  so  lange  Handelsgerichte  noch  nicht  eingerichtet
  sind;
II.  in  Strafsachen  für  die  Erledigung  der  in  der  Strafprozeßordnung  den
Kollegialgerichten  erster  Instanz  zugewiesenen  Geschäfte.  #n
(Nr.  6713.)  .
        <pb n="1265" />
        —  1068  —

K.  11.

Die  Kreisgerichte  können  in  verschiedene  Abtheilungen  getbeilt  werden.
Zur  Beschlußnahme  und  Entscheidung  genügt  die  Theilnahme  von  drei  Mitzie,
dern,  einschlie  lich  des  Vorsitzenden,  soweit  nicht  ein  Anderes  bestimmt  ist.  ei
Stimmengleichheit  giebt  die  Stimme  des  Vorsitzenden  den  Ausschlag.

".  12.
Wenn  ein  dringendes  Bedürfniß  es  erfordert,  kann  der  Justizminister  anordnen,
  daß  an  einem  der  Sitze  der  Antsgerichte  drei  Richter  von  Zeit  zu  Zeit

zusammentreten,  um  gewisse  kollegialische  Angelegenheiten  an  Stelle  des  Kreisgerichts
  zu  verhamdeln  und  zu  entscheiden.

2.  Appellationsgericht.
d.  13.

Das  Appellationsgericht  besteht  aus  einem  Präsidenten  und  der  erforderlichen
  Anzahl  von  Räthen.  Richterliche  Beamte,  welche  nicht  etatsmäßige  Räthe
des  Gerichts  sind,  können  bei  demselben  nur  vorübergehend  zur  Aushulfe  oder
zur  Stellvertretung  beschäftigt  werden.  ,

Wenn  bei  dem  Appellationsgerichte  außer  dem  Ersten  Präsidenten  zehn  oder
mehr  Räthe  fungiren,  kann  ein  Vizepräsident  angestellt  werden.  Dem  Appellationsgerichte
  wird  das  entsprechende  Büreau-  und  Ünterbeamtenpersonal  zugetheilt.

KS.  14.
Das  Appellationsgericht  ist  zuständig:
I.  in  bürgerlichen  Rechtssachen:
1)  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  af  das  Rechtsmittel  der

Appellation  gegen  Erkenntnisse  der  Kreis=  und  Amtsgerichte  und  auf
das  Rechtsmittel  des  Rekurses  gegen  Erkenntnisse  der  Kreisgerichte;

2)  für  die  Entscheidung  auf  Beschwerden  über  Verfügungen  und  Beschlüsse
  der  Kreis=  und  Amtsgerichte  in  allen  nicht  prozessualischen
Angelegenheiten;

II.  in  Strafsachen,  soweit  die  Strafprozeßordnung  dies  bestimmt;

III.  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Gerichts:
1)  wenn  ein  positiver  oder  negativer  Kompetenzkonflikt  zwischen  verschiedenen
  Kreis=  oder  Amtsgerichten  besteht;
2)  wenn  das  zuständige  Kreis=  oder  Amtsgericht  verhindert  ist,  sich  der
Verhandlung  und  Entscheidung  der  Sache  zu  unterziehen;
3)  wenn  ein  gemeinschaftlicher  Gerichtsstand  zu  bestimmen  istz;  1v.  sü
.  für
        <pb n="1266" />
        —  1089  —

IV.  für  Familienfideikommiß=  und  Familienstiftungssachen,  soweit  dieselben
bisher  zur  Zuständigkeit  der  Gerichte  gehört  haben;

V.  für  alle  Angelegenheiten  der  Justiz-Aufsicht  und  Verwaltung  des  Bezirks,
insbesondere  für  Justizvisitationen,  Disziplinar=  und  Anstellungssachen,
und  zwar  in  demselben  Umfange)  in  welchem  die  Appellationsgerichte  der
älteren  Provinzen  zuständig  sind.

K.  15.

Das  Appellationsgericht  kamn  nach  Bedürfniß  in  mehrere  Senate  getheilt
werden.  Zur  Beschlußnahme  und  Entscheidung  ist  die  Theilnahme  von  fünf
Mitgliedern,  einschließlich  des  Vorsitzenden)  erforderlich.  Bei  Stimmengleichheit
giebt  die  Stimme  des  Vorsitzenden  den  Ausschlag.  «

3.  Oberster  Gerichtshof-S.
  16.

Ueber  die  Errichtung  des  obersten  Gerichtshofes  ergeht  eine  besondere  Verordnung,
  welche  zugleich  die  Zuständigkeit  desselben  regelt.

4.  Staats  anwaltschaft.
S.  17.

Bei  dem  Appellationsgerichte  wird  ein  Ober-Staatsamwalt,  bei  jedem  Kreisgerichte
  ein  Staatsanwalt  nebst  dem  erforderlichen  Hülfspersonal  angestellt.

5.  Rechtsanwalte  und  Notare.
.  18.

Die  Amvalte,  welche  den  Amtskarakter  „Rechtsanwalt“"  annehmen,  werden
fortan  nur  mit  der  Berechtigung  zur  Praxis  bei  dem  Appellationsgerichte  oder
einem  bestimmten  Kreisgerichte  und  den  in  dessen  Sprengel  belegenen  Bezirksgerichten
  unter  Amweisung  eines  bestimmten  Wohnsitzes  angestellt.

.  12.

Die  Verordnung  vom  21.  Juli  1843.  (Geset-Samml.  S.  295.)  über  die
Befugniß  der  Rechtsanwalte  zur  Anfertigung  und  Legalisirung  von  Rechtsschriften
ohne  Einschränkung  auf  einen  bestimmten  Gerichtsbezirk  findet  auch  im  Geltungsbereich
  dieser  Verordnung  Anwendumg.

g.  20.

Der  Justizminister  ist  ermächtigt,  wo  sich  dazu  ein  Bedürfniß  herausstellt,
Jahrgang  1867.  Mr.  6713.)  143  den
        <pb n="1267" />
        —  1090  —

den  Rechtsanwalten  auch  die  Ausübung  des  Notariats  im  Bezirke  des  Appellationsgerichts
  zu  übertragen.

KC.  21.

In  Betreff  der  Disziplin  und  Msicht  über  die  Rechtsanwalte  und  Notare
  kommen  die  im  Geltungsbereich  der  Verordnung  vom  2.  Januar  1849.
(Gesetz  Samml.  S.  2.)  bestehenden  Vorschriften  zur  Anwendung.

6.  Gerichts-Kosten  und  Gebühren.

W*“

Ueber  den  Au  und  die  Erhebung  der  Gerichts-Kosten  und  Gebühren,  sowie
  Lor  Gebühren  der  Rechtsanwalte  und  Notare,  wird  eine  besondere  Verordnung
ergehen.

II.  Allgemeine  Bestimmungen.
1.  Gerichtsstand.

C.  23.

Die  akademische  Gerichtsbarkeit  der  Universität  Marburg  wird  aufgehoben,
soweit  sie  nicht  in  einer  Disziplinarstrafgewalt  über  die  Studirenden  best.  Die
näheren  Bestimmungen  hierüber  bleiben  vorbehalten.

K.  24.

Die  in  den  vormals  Königlich  Bayerischen  Gebietstheilen  bestehende  geistliche

  Gerichtsbarkeit  wird  in  weltlichen  Angelegenheiten,  namentlich  auch  in  Poozessen

  über  die  civilrechtliche  Trermunßt  ngültigkeit  oder  Nichtigkeit  einer  Ehe,

ausgehoben.  Alle  solche  Rechtsangelegenheiten  gehören  vor  die  ordentlichen
erichte.

g.  25.

Die  Bestätigung  einer  Annahme  an  Kindesstatt  (Adoption  und  Arroation)
  gehört  fortan  vor  das  ordentliche  Gericht  des  Annehmenden.  Unfere
Venehmihun  dazu  ist  nur  in  den  Fällen  erforderlich,  in  denen  dies  für  das
Gebiet  des  Allgemeinen  Landrechts  vorgeschrieben  ist.

Großjährigkeits-Erklärungen,  sowie  Dispensationsgesuche  der  Kinder  von
Beibringung  des  Heirathskonsenses  ihrer  abwesenden  oder  verschollenen  Eltern,  und
der  zur  Vormünderin  bestellten  Mutter  oder  des  zur  zweiten  Ehe  schreitenden
Vaters  von  der  Aufstellung  eines  förmlichen  gerichtlichen  Inventars,  erfolgen
durch  die  ordentlichen  Gerichte.  20
        <pb n="1268" />
        —  1091  —

g.  26.

Die  in  den  älteren  Provinzen  des  Staates  bestehenden  Vorschriften  über
den  allgemeinen  Gerichtsstand  der  Mitglieder  des  Königlichen  Haufes  und  der
Hohengollernschen  Fürstenhäuser,  sowie  der  Häupter  und  Mitglieder  der  vormals
reichsständischen  Familien,  finden  auch  im  Geltungsbereiche  dieser  Verordnung
Anwendung.  «

2.  Aufsicht  und  Beschwerden.

C.  27.

Die  Aufsicht  über  die  Amtsgerichte  wird  von  dem  Direktor  des  Kreiserichts,
  in  dessen  Sprengel  dieselben  liegen,  in  höherer  Instanz  von  dem  Appelationsgerichte,
  die  Aufsicht  über  die  Kreisgercht  von  dem  Appellationsgerichte,
die  Aufsicht  über  sämmtliche  Gerichte  von  dem  Justizminister  ausgeübt.

g.  28.

Beschwerden,  welche  die  Disziplin,  den  Geschäftsbetrieb  oder  Verzögerungen
  betreffen,  sind  hinsichtlich  aller  Rechtsangelegenheiten  im  Aufsichtswege  zu
erledigen.

3.  Verhältniß  der  Gerichte  unter  einander  und  zu  den  Verwaltungsbehörden.


K.  29.

Die  Gerichte  unter  einander)  sowie  die  Gerichte  und  Verwaltungsbehörden
haben  sich  bei  Erledigung  der  ihnen  obliegenden  Geschäfte  innerhalb  ihres  Ressorts
gegenseitige  Unterstützung  zu  leisten.

4.  Qualifikation  und  Ernennung  der  Justizbeamten.

G.  30.

Wer  zur  Laufbahn  als  Richter,  Staatsanwalt  oder  Rechtsanwalt  zugelassen
sein  will,  hat  die  Bedingungen  zu  erfüllen,  welche  in  den  älteren  Provinzen  zur
Ablegung  der  ersten  jurisis  en  Prüfung  vorgeschrieben  sind,  und  nach  den  dort
bestchemen  Vorschriften  diese  Prüfung  zu  bekeher.

Der  in  der  ersten  Prüfung  Bestandene  wird  von  dem  Präsidenten  des
Appellationsgerichts  zum  Referendarius  ernannt  und  eidlich  verpflichtet.  Er  hat
sodann  zu  seiner  prastischen  Vorbereitung  bei  einem  Amts-  und  Kreisgerichte,  bei
einem  Rechtsanwalt,  bei  der  Staatsanwaltschaft  und  bei  dem  Appellationsgerichte
insgesammt  vier  Jahre  zu  arbeiten.  Die  näheren  Bestimmungen  über  die  Art

(Nr.  6713.)  113  und
        <pb n="1269" />
        —  1092  —

und  Dauer  der  Beschäftigung  bei  den  einzelnen  Behörden  werden  von  dem  Justizminister
  erlassen.

Referendarien  können  die  Funktionen  eines  Gerichtsschreibers  wehrnehmnen
und  in  den  letzten  Jahren  der  Vorbereitungszeit  noch  bei  bescheinigter  Tüchtigkeit
von  dem  Justizminister  mit  der  zeitweisen  Funktion  eines  Hülsörcchters  bei  den
Kreis=  und  Amtsgerichten,  oder  eines  Gehülfen  der  Staatsanwaltschaft  beauftragt,
  auch  zur  Vertretung  eines  Rechtsamwalts  verstattet  werden.  "

Nach  der  Vorbereitungszeit  wird  der  Referendarius  auf  Grund  der  über

seinen  Fleiß  und  seine  praktische  Tüchtigkeit  beigebrachten  Zeugnisse  von  dem
Justizminister  zur  großen  Stmsprüsun#  gugelassen  Für  dieselbe  werden  die
Vorschriften,  welche  in  den  älteren  Provinzen  für  die  dritte  juristische  Prüfung
ergangen  sind,  zum  Maaßstabe  genommen.
Referendarien,  welche  die  große.  Staatsprüfung  bestanden  bben,  werden
bis  zu  ihrer  anderweiten  Anskellung  zu.  Gerichtsassessoren  beselt  und  dem  Dircktor
eines  Kreisgerichts  zur  unentgeltlichen  Beschäftigung  bei  enselben  und  bei  den
Amtzgerichten  seines  Sfrenge  überwiesen.  Die  Verleihung  des  vollen  Stimmrechts
  an  sacche  Gerichtsassessoren  und  bei  Amtsgerichten  die  Anweisung  eines
bestimmten  selbstständigen  Geschäftskreises  hängt  von  der  Genehmigung  des  Justizministers
  ab.  Bei  den  Kreisgerichten  darf  die  Zahl  der  unbesoldeten  Mitglieder
mit  vollem  Stimmrecht  nie  die  Hälfte  der  etatsmäßigen  Richter  erreichen.

S.  31.

Zur  Bekleidung  jeder  Richter-,  Staatsanwalts-  und  Rechtsanwaltsstelle
ist  die  Ablegung  der  großen  Sknatsprisung  erforderlich.  Diese  Bestimmung
findet  auf  die  bei  den  aufgehobenen  Gerichten  angestellten  Richter  und  auf  diejenigen
  Beamten,  welche  nach  den  biöherigen  Vorschriften  zur  Bekleidung  eines
Richteramts  für  qualifizirt  erklärt  sind,  keine  Anwendung.

Im  Uebrigen  bewendet  es  bei  den  Bestimmungen  der  ##.  1.  und  2.  der
Verordmmg  vom  8.  Febmiüar  /1867.  (Gesetz=  Samml.  S  20  betreffend  die
Amstellung  der  Justizbenmten  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.

g.  32.

Diie  Präsidenten,  Direktoren  und  Räthe  der  richterlichen  Kollegien,  sowie
die  Ober=  Staatsamvalte  und  Staatsanwalte  werden  von  Uns,  die  Kreis=  und
Amtsrichter,  die  Gehülfen  der  Staatsanwaltschaft,  die  Rechtsanwalte  und  Notare,
sowie  die  Gerichtsassessoren  in  Unserem  Namen  durch  den  Justizminister  ernannt.

III.  Uebergangs=  und  Ausführungsbestimmungen.

g.  33.

Die  bei  den  aufgehobenen  Gerichten  lebenslänglich  angestellten  und  in  Folge
dieser  Verordnung  disponibel  werdenden  Beamten  sind  mit  Beibehaltung  ürss
Ranges  und  Einkommens  anderweit  anzustellen.  Dabei  müssen  sich  der  Präsi  en
un
        <pb n="1270" />
        —  1093  —

und  die  Räthe  des  Ober-Appellationsgerichts  in  Kassel,  insofern  sie  nicht  in  einem
Richteramte  bei  dem  obersten  Gerichtshofe  (S.  16.)  verwendet  werden)  die  Verleihung
  eines  Richteramts  bei  einem  a  lationsgerichte,  die  Direktoren  und  Räthe
der  Obergerichte  die  Verleihung  eines  Richteramts  bei  einem  Appellationsgerichte
oder  Kreisgerichte,  alle  übrigen  bei  den  aufgchölrnen  Gerichten  angestellten  Richfer
die  Anstellung  als  Kreis=  oder,  Amtsrichter  gefallen  lassen.

g.  34.

Dicienigen,  welche  noch  nicht  als  Richter  angestellt,  aber  nach  den  bieheri.
gen  Vorschriften  zur  Bekleidung  eines  Richteramts  für  qualifizirt  bereits  erklärt
worden  sind  oder  bis  zinn  I.  Jannar  1868.  noch  erklärt  werden,  bis  wohin  solche
Erklärungen  durch  den  Justizminister  sollen  erfolgen  können,  werden  als  Gerichtsassessoren,
  verpflichtet  und  nach  Maaßgabe  des  F.  30.  beschäftigt.

Vorbereitungsdiener)  welche  bis'  zu  diesem  Termine  nicht  für  qualifizirt
erklärt  worden  AJnd.  werden  nach  näherer  Bestimmung  des.  Justigministers,  ihrer
bisherigen  Ausbildung  entsprechend,  als  Referendarien  beschäftigt.

K  35

Die  vorhandenen  Anwalte  sind  zur  Praxis  bei  sämmtlichen  Kreis=  und
Amtsgerichten  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  und  den  vormals  Königlich
  Bayerischen  Gebiietsthe  en,  mit  Ausschluß  der  Enklave  Kaulsdorf,  befugt,
desgleichen  erhalten  die  bei  dem  Ober-Appellationsgerichte  in  Kassel  und  bei  den
Obergerichten  angestellten  Anwalte  die  Befugniß  zur  Praxis  bei  dem  Appellationsgerichte
  und  sämmtlichen  Kreis=  und  Amtgerichten  *  -
·  Insofern  den  Dnwalten  jedoch  durch  diese  Bestimmumg  eine  örtliche  Erweiterung
  ihres  bisherigen  Wirkungskreises  eingerüumt  wird,  dürfen  a6„  den  Parteien
  Reisekosten  und  Diäten  nicht  in  Rechnung  stellen.  Eine  Veränderung  ihres
bisherigen  Wohnorts  kann  nur  mit  Genehmigng  des  Justizministers  crfolgen.

g.  36.
Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Vorschriften  werden  aufgehoben.

S.  37.

Die  gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  1.  September  1867.  in  Kraft.
Der  Vestimünsier  ist  mit  Ausführung  derselben  beauftragt  und  hat  die
Gerichtsbehörden  mit  der  erforderlichen  weiteren  Anweisung  zu  versehen.  Insbesondere
  ist  er  ermächtigt,  durch  ein  Regulativ  den  Geschäftsgang  bei  den  Gerichten
  zu  ordnen,  auch  zu  bestimmen,  welche  Angelegenheiten  bei  den  Kollegien
im  Plenum  zu  erledigen  und  wie  die  Geschäfte  unter  die  Senate  und  Abtheilungen
  zu  vertheilen  Gee  "

Wo  die  Ausführung  der  Verordnung  wegen  besonderer  Bedenken  oder
örtlicher  Hindernisse  bis  zum  1.  September  nicht  möglich  sein  sollte,  ist  von  dem
Justizminister  der  hierdurch  nothwendig  werdende  spätere  Zeitpunkt  zu  bestimmen
und  offentlich  bekannt  zu  machen.  ·

(Nk-o713-67t4.)  Die
        <pb n="1271" />
        —  1094  —

Die  zur  Zeit  bestehenden  Behörden  3.)  bleiben  bis  zur  Einsetzung  der
neuen  Gerichte  in  ihrer  bisherigen  Wirksamkeit.

Die  bei  den  aufgehobenen  Gerichten  anhängigen  Sachen  sind  nach  einer
von  dem  Justizminister  zu  erlassenden  Instruktion  an  die  zuständigen  neuen  Gerichte
  abzugeben.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  26.  Juni  1867.

#.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6714.)  Verordnung  über  die  Gerichtsverfassung  in  dem  vormaligen  Herzogthum
Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebictstheilen  mit
Ausschluß  des  Oberamtsbezirks  Meisenheim.  Vom  26.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc

verordnen  für  das  Gebiet  des  vormaligen  frogthums  Nassau  und  der  vormals
Großherzoglich  Hessichen  Gebietstheile,  mit  Ausschluß  des  Oberamtsbezirks  Meisenheim,
  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

I.  Organisation  der  Gerichte.

S.  1.
Die  Gerichtsbarkeit  wird  ausgeübt:
1)  durch  Amtsgerichte  und  kollegialisch  eingerichtete  Kreisgerichte,
2)  durch  ein  Appellationsgericht,
3)  durch  den  obersten  Gerichtshof.
S.  2.

Zur  gütlichen  Schlichtung  streitiger  Rechtsangelegenheiten  kann  das  Institut
der  Schiedsmänner  im  Wege  der  Justizverwaltung  eingeführt  werden.
        <pb n="1272" />
        —  1095  —

KC.  3.

Die  kesesenden  Gerichtsbehörden  mit  Einschluß  der  Land-Oberschultheißereien
  werden  aufgehoben.
Den  Feldgerichten,  Bürgermeistern  und  Ortsgerichten  verbleibt  die  ihnen
übertragene  Mitwirkung  in  Rechtssachen.
iueu  der  Zuständigkeit  der  Rheinzollgerichte  wird  nichts  geändert.

1.  Amts-  und  Kreisgerichte.
*-Die

  Amtsgerichte  werden  mit  einem  oder  mehreren  Amtsrichtern  und  mit
den  erforderlichen  Büreau=  und  Unterbeamten  besetzt.

--Die
  Amtsgerichte  sind  zuständig:
I.  in  bürgerlichen  Rechtssachen:

1)  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  aller  Rechtsstreitigkeiten,
eren  Gegenstand  an  Geld  oder  Geldeswerth  die  Summe  von  Einhundert
  Thalern  nicht  übersteigt;  sowie  außerdem,  ohne  Rücksicht  auf
den  Werth  des  Streitgegenstandes,  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung
  der  Besitzstreitigkeiten,  der  Streitigkeiten  über  Altentheile
(Aushalte),  über  Ansprüche  aus  einem  unehelichen  Beischlaf,  der
Streitigkeiten  zwischen  Dienstboten  und  Dienstherren,  die  aus  dem
Dienstverhältnisse  entspringen,  und  der  Streitigkeiten  über  Einräumung
  oder  Verlassung  einer  Wohnung  zwischen  Miether  und  Vermiether;


2)  für  die  Behandlung  der  Konkurse,  mit  Ausschluß  der  Entscheidung

solcher  einzelnen  Rechtsstreitigkeiten,  welche  mit  Rücksicht  auf  Nr.  1.

ie  Zuständigkeit  des  Einzelrichters  überschreiten,  und  für  den  Erlaß

einstweiliger  Verfügungen,  insbesondere  für  die  Anlegung  von

Arresten  u.  s.  w.;

3)  für  die  gesammte  nicht  streitige  Gerichtsbarkeit,  insbesondere  für  die
Mitwirkung  bei  Beurkundungen,  bei  dem  Stockbuch  -  (Grundbuch.)
und  Hypothekenwesen  in  demselben  Umfange,  wie  solche  bieher  von
den  Aemtern,  Landgerichten  und  Land-Oberschultheißereien  ausgeübt
wurde,  sowie  für  die  Anordnung  und  Leitung  der  Vormundschaften,
Kuratelen  und  sonstigen  gerichtlichen  Verwaltungen,  vorbehaltlich  der
in  dem  F.  10.  Nr.  I.  3.  bestimmten  Ausnahmen)

II.  in  Strafsachen  für  die  Besor  ung  der  in  der  Strafprozeßordnung  und
anderen  Gesetzen  den  Einzelrichtern  überwiesenen  Geschäfte;
(r.  6714.)  III.  für
        <pb n="1273" />
        «  —  1096  —

III.  für  die  Aufnahme  von  Klagen,  Gesuchen,  Anträgen  und  Erklärungen
jeder  Art,  welche  Eingesessene  des  Bezuts  in  ihren  Rechtsangelegenheiten.
zum  Protokoll  geben  wollen,  und  die  Weiterbeförderung  derselben  an  die
zuständige  Gerichtsbehörde;  «  ·"  «

IV.  für  die  Erledigung  von  Aufträgen  der  vorgesetzten  Kollegialgerichte.

g.  6.

Die  Amtsrichter  handeln  und  entscheiden  als  Einzelrichter.

Sind  bei  einem  Amtsgerichte  mehrere  Amtsrichter  angestellt,  so  können  die
Geschäfte  unter  ihnen  entweder  nach  Gattungen  oder  nach  örtlich  abgegrenzten
Distrikten  vertheilt  werden.

S.  .

Für  diejenigen  Amtsgerichte,  bei  denen  nur  Ein  Amtsrichter  angestellt  ist,
wird  im  Voraus  ein  benachbartes  Amtsgericht  zur  Vertretung  in  Behinderungsfällen
  bestimmt.

Mehrere  bei  einem  Amtsgerichte  angestellte  Amtsrichter  vertreten  sich

egenseitig.
ges  8  g.  8.

Der  Gerichtsstand  der  Amtsrichter  ist  der  ordentliche;  doch  tritt  in  den
einen  Amtsrichter  wFruserich  betreffenden  Rechtssachen  ein  im  Voraus  zu  bestimmendes
  benachbartes  Amtsgericht  ein.

K.  9.

Die  Kreisgerichte  bestehen  aus  einem  Direktor  und  der  erforderlichen  Zahl
von  Mitgliedern,  nebst  den  entsprechenden  Büreau=  und  Unterbeamten.

S.  10.
Die  Kreisgerichte  sind  zuständig:
I.  in  bürgerlichen  Rechtssachen:

1)  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  aller  bürgerlichen  Rechtsstreitigkeiten
  erster  Instanz,  welche  nicht  vor  die  Amtsgerichte
gehören,

2)  fir  die  Vehmdlung  und  Entscheidung  zweiter  Instanz  auf  das

echtsmittel  des  Rekurses  gegen  Erkenntnisse  der  Amtsgerichte,

3)  für  die  Ertheilung  von  Großjährigkeits-Erklärungen,

für  die  Bestätigung  der  Annahme  an  Kindesstatt  und  der

Einkindschaftsverträge,
für  die  Genehmigung  zur  Veräußerung  unbeweglicher  Güter  der
Pflegebefohlenen  in  den  vom  Gesetze  einer  Genehmigung  des  obervormundschaftlichen
  Kollegiums  unterworfenen  Fällen,  aa
ür
        <pb n="1274" />
        —  1097  —

für  die  Erlassung  der  Proklame:
a)  wegen  Mortifikation  von  Urkunden,
b)  wegen  Todeserklärung  Verschollener,
ohne  daß  es  in  diesen  Fällen  der  Genehmigung  einer  höheren  Behörde
  ferner  bedarf,
für  das  Verfahren  bei  Blödsinnigkeits-,  Wahnsinnigkeits=  und
Prodigalitäts-Erklärungen,
für  die  Führung  der  im  Handelsgesetzbuche  den  Handelsgerichten
überwiesenen  —  so  lange  Handelsgerichte  noch  nicht  eingerichtet
  find;

IL  in  Strafsachen  für  die  Erledigung  der  in  der  Strafprozeßordnung  den
Kollegialgerichten  erster  Instanl  zugewiesenen  Geschäfte.  8

KC.  11.

Die  Kreisgerichte  können  in  verschiedene  atheilungen  getheilt  werden.  Zur
Beschlußnahme  und  Entscheidung  genügt  die  Theilnahme  von  drei  Mitgliedern,
einschließlich  des  Vorsitzenden,  soweit  nicht  ein  Anderes  bestimmt  ist.  Bei
Stimmengleichheit  giebt  die  Stimme  des  Vorsitzenden  den  Ausschlag.

KC.  12.

Wenn  ein  dringendes  Bedürfniß  es  erfordert,  kann  der  Justizminister  anordnen,
  daß  an  einem  der  Sie  der  Anmgerichte  drei  Richter  von  Zeit  zu  Zeit
zusammentreten,  um  gewisse  kollegialische  Angelegenheiten  an  Stelle  des  Kreisgerichts
  zu  verhandeln  und  zu  entscheiden.

2.  Appellationsgericht.

KC.  13.

Das  Appellationsgericht  besteht  aus  einem  Präsidenten  und  der  erforderlichen
  Anzahl  von  Räthen.  Richterliche  Beamte,  welche  nicht  etatsmäßige  Räthe
des  Gerichts  sind,  können  bei  demselben  nur  vorübergehend  zur  Aushülfe  oder
zur  Stolloertretung  beschäftigt  werden.

Wenn  bei  dem  Anppellationsgerichte  außer  dem  Ersten  Präsidenten  zehn
oder  mehr  Räthe  fungiren,  kann  ein  Vizepräsident  angestellt  werden.

Dem  Appellationsgerichte  wird  das  entsprechende  Büreau=  und  Unterbeamtenpersonal
  zugetheilt.

K.  14.
Das  Appellationsgericht  ist  zuständig:
I  in  bürgerlichen  Rechtssachen:
1)  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  auf  das  Rechtsmittel  der
Jehegang  1867.  (r.  6714)  144  Ap-
        <pb n="1275" />
        —  1098  —

Appellation  gen  Erkenntnisse  der  Kreis=  und  Amtsgerichte  und
auf  das  Reche  mittel  des  Rekurses  gegen  Erkenntnisse  der  Kreisgerichte,


2)  1en  die  Entscheidung  auf  Beschwerden  über  Verfügungen  und  Beilüse
  der  Kreis=  und  Amtsgerichte  in  allen  nicht  prozessualischen
Angelegenheiten;

II.  in  Strafsachen,  soweit  die  Strafprozeßordnung  dies  bestimmt;

III.  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Gerichts:

1)  wenn  ein  vosttwer  oder  negativer  Kompctenzkonflikt  zwischen  verschiedenen
  Kreis=  oder  Amtsgerichten  besteht,

2)  wenn  das  zuständige  Kreis-  oder  Amtsgericht  verhindert  ist,  sich
der  Verhandlung  und  Entscheidung  der  Cach-  zu  untersichen“

3)  wenn  ein  gemeinschaftlicher  Gerichtsstand  zu  bestimmen  ist;

IV.  für  alle  Angelegenheiten  der  Justiz-Aufsicht  umd  Verwaltung  des  Bezirks,
insbesondere  für  Jusäroistalionen,  Disziplinar-  und  Anstellungs  sachen,
und  zwar  in  demselben  Umfange,  in  welchem  die  Appellationsgerichte
der  älteren  Provinzen  zuständig  sind.

g.  15.

Das  Wpellgtionsgricht  kann  nach  Bedürfniß  in  mehrere  Senate  getheilt
werden.  Zur  Beschlußnahme  und  Entscheidung  ist  die  Theilnahme  von  sunf
Mithliedern,  einschließlich  des  Vorsitzenden,  erforderlich.  Bei  Stimmengleichhei
giebt  die  Stimme  des  Vorsitzenden  den  Ausschlag.,

3.  Oberster  Gerichtshof.
K.  16.

Ueber  die  Errichtung  des  obersten  Gerichtshofes  ergeht  eine  besondere  Verordnung,

  welche  zugleich  die  Zuständigkeit  desselben  regelt.
4.  Staatsanwaltschaft.
..

Bei  dem  Wwellationsgeiichte  wird  ein  Ober-Staatsanwalt)  bei  jedem  Kreisgerichte

  ein  Staatsanwalt  nebst  dem  erforderlichen  Hülfspersonal  angestellt.
5.  Rechtsanwalte  und  Notare.
*2½“

Die  Prokuratoren  und  angestellten  Advokaten,  welche  den  Amtskarakter
„Rechts-
        <pb n="1276" />
        —  1099  —

„Rechtsanwalt“  annehmen,  werden  fortan  nur  mit  der  Berechtigung  zur  Praxis
bei  dem  Appellationsgerichte  oder  einem  bestimmten  Kreisgerichte  und  den  in  desen
Sprengtl  belegenen  Amtsgerichten  unter  Anweising  eines  bestimmten  Wohnsitzes
angestellt.

F.  19.

Die  Verordnumg  vom  21.  Juli  1843.  (Gesetz  Samml.  S.  295.)  über  die
Befug  der  Rechtsanwalte  zur  Anfertigung  und  Legalisirung  von  Rechtsschriften
ohne  Einschränkung  auf  einen  bestimmten  Gerichtsbezirk  findet  auch  im  Geltungsbereich
  dieser  Verordnung  Anwendung.

g.  20.

Der  Justizminister  ist  ermächtigt,  wo  sich  dazu  ein  Bedürfniß  herausstellt
den  Rechtsazwaltn  auch  die  Ausübung  des  Notrriats  im  Bezirk  des  Dhtranestell,
gerichts  zu  übertragen.

KC.  21.

In  Betreff  der  Disziplin  und  Aufsicht  über  die  Rechtsanwalte  und  Notare
kommen  die  im  Geltungsbereich  der  Verordnung  vom  2.  Januar  1849.  (Gesetz-Samml.
  S.  2.)  bestehenden  Vorschriften  zur  Anwendung.

6.  Gerichts-Kosten  und  Gebühren.

g.  22.

Ueber  den  Ansatz  und  die  Erhebung  der  Gerichts-Kosten  und  Gebühren,  sowie
  der  Gebühren  der  Rechtsamwalte  und  Notare,  wird  eine  besondere  Verordnung
ergehen.

I.  Allgemeine  Bestimmungen.
1.  Gerichtsstand.

g.  23.

Die  geistliche  Gerichtsbarkeit  wird  auch  in  Prozessen  über  die  civilrechtliche
Nichtigkeit  einer  Ehe  aufgehoben.  Dieselben  gehören  vor  die  ordentlichen  Gerichte.

6.  24.

Die  Bestätigung  einer  Annahme  an  Kidesstatt  (Adoption  und  Arrogation)
gehört  fortan  vor  das  ordentliche  Gericht  des  Annehmenden.  Unsere  Genehmigun
dazu  ist  nur  in  den  Fallen  erforderlich,  in  denen  dies  für  das  Gebiet  des  Allgemeinen
  Landrechts  vorgeschrichen  ist.

Großjährigkeits-Erklärungen  erfolgen  durch  die  ordentlichen  Gerichte.
(r.  6714.)  144  S.  25.
        <pb n="1277" />
        —  1100  —

g.  25.

Die  in  den  älteren  Provinzen  des  Staats  bestehenden  Vorschriften  über
den  allgemeinen  Gerichtsstand  der  Mitglieder  des  Königlichen  Hauses  und  der
Hohenzollernschen  Fürstenhäuser,  sowie  der  Häupter  und  Mitglieder  der  vormals
reichsständischen  Familien  finden  auch  im  Geltungsbereich  dieser  Verordnung
Anwendung.

2.  Aufsicht  und  Beschwerden.

C.  26.

Die  Aufsicht  über  die  Amtsgerichte  wird  von  dem  Direktor  des  Kreiserichts,
  in  dessen  Sprengel  dieselben  liegen,  in  höherer  Instam  von  dem  Appelationsgerichte,
  die  Aufsicht  über  die  Kreisgerichte  von  dem  Appellationsgerichte,
die  Aufsicht  über  sämmtliche  Gerichte  von  bem  Justizminister  ausgeübt.

KC.  27.

Beschwerden,  welche  die  Disziplin,  den  Geschäftsbetrieb  oder  Verzögerungen
betreffen,  sind  hinsichtlich  aller  Rechtsangelegenheiten  im  Aufsichtswege  zu  erledigen.

3.  Verhältniß  der  Gerichte  unter  einander  und  zu  den  Verwaltungsbehörden.


G.  28.

Die  Gerichte  unter  einander,  sowie  die  Gerichte  und  Verwaltungsbehörden
haben  sich  bei  Erledigung  der  ihnen  obliegenden  Geschäfte  innerhalb  ihres  Ressorts
gegenseitige  Unterstützung  zu  leisten.

4.  Qualifikation  und  Ernennung  der  Justizbeamten.
K.  29.

Wer  zur  Laufbahn  als  Richter,  Staatsanwalt  oder  Rechtsanwalt  zugelassen
sein  will,  hat  die  Bedingungen  zu  erfüllen,  welche  in  den  älteren  Provinzen  zur
Ablegung  der  ersten  urhn  en  hrl  vorgeschrieben  sind,  und  nach  den  dort
bestehenden  Vorschriften  dieß  Prufung  zu  bebehen

Der  in  der  ersten  Prüfung  Bestandene  wird  von  dem  Präsidenten  des
Appellationsgerichts  sum  Referendarius  ernannt  und  eidlich  verpflichtet.  Er  hat
sodann  zu  seiner  praktischen  Vorbereitung  bei  einem  Amts-  und  Kreisgerichte,  bei
einem  Rechtsanwalt,  bei  der  Staatsanwaltschaft  und  bei  dem  Appellationsgerichte
insgesammt  vier  Jahre  zu  arbeiten.  Die  näheren  Bestimmungen  über  die  Art
und  Dauer  der  Beschäftigung  bei  den  einzelnen  Behörden  werden  von  dem  Justizminister
  erlassen.

e-
        <pb n="1278" />
        —  1101  —

Referendarien  können  die  Funktionen  eines  Gerichtsschreibers  wahrnehmen
und  in  den  letzten  Jahren  der  Vorbereitungszeit  nach  bescheinigter  Tüchtigkeit  von
dem  Justizminister  mit  der  zeitweisen  Funktion  eines  Hülfsrichters  bei  den  Kreisund
  Amtsgerichten,  oder  eines  Gehülfen  der  Staatsanwaltschaft  beauftragt,  auch
zur  Vertretung  eines  Rechtsanwalts  verstattet  werden.

Nach  der  Vorbereitungszeit  wird  der  Referendarius  auf  Grund  der  über
seinen  Fleiß  und  seine  praktische  Tüchtigkeit  beigebrachten  Zeugnisse  von  dem
Justizminister  zur  großen  Staatsprüfung  zugelassen.  Für  dieselbe  werden  die
Vorschriften,  welche  in  den  älteren  Provinzen  für  die  dritte  juristische  Prüfung
ergangen  sind,  zum  Maaßstabe  genommen.

Referendarien,  welche  die  große  —  bestanden  haben,  werden
bis  zu  ihrer  anderweiten  Anstellung  zu  Gerichtsassessoren  beseelt  und  dem  Direktor
eines  Kreisgerichts  zur  unentgeltlichen  Beschäftigung  bei  demselben  und  bei  den
Amtsgerichten  seines  Sprengels  überwiesen.  Die  Verleihung  des  vollen  Stimmrechts
  an  solche  Gerichtsassessoren  und  bei  Amtsgerichten  die  Anweisung  eines
bestimmten  selbstständigen  Geschäftskreises  hingt  von  der  Genehmigung  des  Justigministers
  ab.  Bei  den  Kreisgerichten  darf  die  Zahl  der  unbesoldeten  Mitglieder
mit  vollem  Stimmrecht  nie  die  Hälfte  der  etatsmäßigen  Richter  erreichen.

g.  30.

Zur  Bekleidung  jeder  Richter-,  Staatsanwalts-  und  Rechtsanwaltsstelle  ist
die  Ablegung  der  großen  Staatsprüfung  erforderlich.  Diese  Bestimmung  findet
auf  die  bei  den  aufgehobenen  Gerichten  angestellten  Richter  und  auf  diejenigen
Beamten,  welche  die  Befähigung  zum  Richteramt  durch  Zurücklegung  der  vorsccchriehenen
  Prüfungen  nach  den  bisherigen  Vorschriften  erlangt  haben,  keine
nwendung.

Im  Uebrigen  bewendet  es  bei  den  Vestimmungen  der  §#§.  1.  und  2.  der
Verordnung  vom  8.  Februar  1867.  (Gesetz=  Samml.  S.  209.),  betreffend  die
Anstellung  der  Justizbcamten  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.

g.  31.

Die  Präsidenten,  Direktoren  und  Räthe  der  richterlichen  Kollegien  sowie
die  Ober  -  Staatsanwalte  und  Staatsanwalte  werden  von  Uns,  die  Kreis-  und
Amtsrichter,  die  Gehülfen  der  Staatsanwaltschaft,  die  Rechtsanwalte  und  Notare,
sowie  die  Gerichtsassessoren  in  Unserem  Namen  durch  den  Justizminister  ernannt.

UI.  Uebergangs=  und  Ausführungsbestimmungen.

C.  32.

Die  bei  den  aufgehobenen  Gerichten  lebenslänglich  angestellten  und  in
Folge  dieser  Verordnung  disponibel  werdenden  Beamten  sind  mit  Beibehaltung
ihres  Ranges  und  Einkommens  anderweit  anzustellen.  Dabei  müssen  sich  der
Präsident  und  die  Räthe  des  Ober-Appellationsgerichts  in  Wiesbaden,  insosen

(Nr.  6714.)  ie
        <pb n="1279" />
        —  1102  —

sie  nicht  in  einem  Richteramte  bei  dem  obersten  Gerichtshefe  (§.  16.)  verwendet
werden,  die  Verleihung  eines  Richteramts  bei  einem  Appellationsgerichte,  die
Präsidenten  und  Räthe  der  Hof=  und  Appellationsgerichte  in  Wiesbaden  und
Dillenburg  die  Verleihung  eines  Richteramts  bei  einem  Appellationsgerichte  oder
Freissericht  alle  übrigen  bei  den  aufgehobenen  Gerichten  angestellten.  Richter  die
Anstellung  als  Kreis  oder  Amtsrichter  gefallen  lassen-Insoweit

  das  Einkommen  nicht  in  einem  festen  Gehalt,  sondern  in  Gebühren
oder  anderen  Nutzungen  bestanden  hat,  ist  dasselbe  nach  dem  nachweislichen  Durchschnit
  der  drei  Jahre  vom.  1.,  Juli  1864.  bis  1.  Juli  1867.  unter  Abrechnung

er  von  den  Beamten  daraus  bestrittenen  Ausgaben  festzusetzen-F.

  33.

Diejenigen,  welche  noch  nicht  als  Richter  angestellt  sind,  aber  die  Befähi-F

  zum  Richteramte  dur  Jrrücklezng  der  bisher  vorgeschriebenen  Prüfungen

ereits  erlangt  haben  oder  bis  zum  I.  Jannar  1868.  noch  erlangen,  bis  wohin

solches  den  Accessisten  gestattet  sen  soll,  werden  als  Gerichtsassessoren  verpflichtet
und  nach  Maaßgabe  des  F.  29.  beschäftigt.

Accessisten,  welche  bis  zu  diesem  Termine  die  zweite  juriskische  Prüfung

icht  haben  zurücklegen  können,  werden  nach  näherer  Bestimmung  des  Justizinisters,

  ihrer  bisherigen  Ausbildung  entsprechend,  als  Referendarien  beschäftigt.

g.  34.

Die  vorhandenen  Untergerichts=  Prokuratoren,  und  angestellten  Advokaten
sind  zur  Praris  bei  sämmtlichen  Kresl.  und  Amtsgerichten  in  dem.  vormoligen
Herzogthum  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen,
mit  Ausschluß  des  Oberamtsbezirks  Meisenheim,  befugt,  desgleichen  erhalten  die
bei  dem  Ober-Appellationsgerichte  in  Wiesbaden  und  bei  be  Hos.  und  Appellationsgerichten
  angestellten  Prokuratoren  die  Befugniß  zur  Praxis  bei  dem  Appellationsgerichte
  und  sämmtlichen  Kreis=  und  Amntsgerichten.

Insofern  den  Prokuratoren  und  Advokaten  jedoch  durch  diese  Bestimmung
eine  örtliche  Erweiterung  ihres  bisherigen  Wirkungskreises  eingeräumt  wird,  düren
  sie  den  Parteien  Reisekosten  und  Diäten.  nit  in  Rechnung  stellen.  Eine

cranderung  ihres  bisherigen  Wohnorts  kann  nur  mit  Genehmigung  des  Justizministers
  erfolgen.
C.  35.
Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Vorschriften  werden  aufgehoben.

g.  36.

Die  gegemwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  1.  September  1867.  in  Kraft.

Der  Justizminister  ist  mit  Ausführung,  derselben  beauftragt  und  hat  die
Gerichtsbehörden  mit  der  erforderlichen  weiteren  Anweisung  zu  versehen.  Insbesondere
  ist  er  ermächtigt,  durch  ein  Regulativ  den  Geschäftsgang  bei  den  Gerichten
  zu  ordnen,  auch  zu  bestimmen,  welche  Angelegenheiten  bei  den  Kollegien
im
        <pb n="1280" />
        —  1103  —

im  Plenum  zu  erledigen  und  wie  die  Geschäfte  unter  die  Senate  und  Abtheilungen
  zu  vertheilen  sind.

Wo  die  Ausführung  der  Verordnung  wegen  besonderer  Bedenken  oder
örtlicher  Hindernisse  bis  zum  1.  September  dicht  möglich  sein  sollte,  ist  von  dem
Justinninister  der  hierdurch  nothwendig  werdende  spätere  Zeitpunkt  zu  bestimmen
und  öffentlich  bekannt  zu  machen.

Die  zur  Zeit  besteornden  Behörden  (F.  3.  Absatz  1.)  bleiben  bis  zur  Ei
setzung  der  neuen  Gerichte  in  ihrer  bisherigen  Wirksamkeit.

Die  bei  den  aufgehobenen  Gerichten  anhängigen  Sachen  sind  nach  einer
von  dem  Julsthiminister  zu  erlassenden  Instruktion  an  die  zuständigen  neuen  Gerichte
  abzugeben.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Inlll.

Gegeben  Berlin,  den  26.  Juni  1867.
[L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  GCr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6715.)  Verordnung,  ketreffend  die  Errichtung  eines  obersten  Gerichtshofes  für  die  durch
das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  und  die  beiden  Gesetze  vom  241.  Dezember
  1866.  der  Preußischen  Monarchic  einverleibten  Landestheile,  mit
Ausnahme  des  Gebietes  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt,  des  vormaligen
  Oberamtsbezirks  Meisenheim  und  der  Enklave  Kaulsdorf.  Vom
27.  Juni  1867.

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Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2#.

verordnen  für  die  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  und  die  beiden
Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  der  Preußischen  Monarchie  einverleibten  Landestheile,
  mit  Ausnahme  des  Gebietes  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt,
des  vormaligen  Oberamtsbezirks  Meisenheim  und  der  Enklave  Kaulsdorf,  auf
den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

F.  1.

Für  die  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  und  die  beiden  Gesetze
  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz.  Samml.  S.  555.  875.  und  876.)  der
Preußischen  Monarchie  einverleibten  Landestheile,  mit  Ausnahme  des  Gebietes
der  ehemaligen  freien  Stadt  Frankfurt,  des  ehemaligen  Hessen  -  Homburgischen

(Fr.  6714—0715.)  Ober-
        <pb n="1281" />
        —  1104  —

Oberamtsbezirks  Meisenheim  und  der  ehemaligen  Königlich  Bayerischen  Enklave
Kaulsdorf,  wird  ein  gemeinschaftlicher  oberster  Gerichtshof  errichtet,  welcher  in
Berlin  seinen  Sitz  hat  und  die  Venennung-  „Ober-Appellationsgericht“  führt.
Die  Vereinigung  dieses  Gerichtshofes  mit  dem  Obertribunale  bleibt  einem  besonderen
  Gesetze  vorbehalten.  -

§.2.
DasOber-Appellationsgerichtistzuständig:
I.  in  bürgerlichen  Rechtssachen:

1)  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover:  für  die  nach  den  bisherigen
Vorschriften  zur  Zuständigkeit  des  Kassationssenats  des  Ober-Appellationsgerichts
  zu  Celle  gehörenden  Sachen;

2)  der  übrigen  Landestheile:  für  die  in  der  Verordnung  vom  24.  Juni
1867.  über  das  Verfahren  in  Civilprozessen  bezeichneten  Rechtsmittel
der  Revision  und  Nichtigkeitsbeschwerde,  sowie  für  die  nach  den
Vorschriften  jener  Verordnung  dem  Instanzenzuge  der  Rechtsmittel
folgenden  znd  hiernach  zur  Zuständigkeit  des  obersten  Gerichtshofes
gehörenden  Beschwerden)  in  nicht  prozessualischen  Angelegenheiten
ist  die  Zuständigkeit  des  Ober-Appellationsgerichts  augesclossen
es  hat  in  diesen  Angelegenheiten  bei  der  Entscheidung  des  Appellationsgerichts
  sein  Bewenden;

3)  sämmtlicher  Landestheile:  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Gerichts
in  prozessualischen  Angelegenheiten:

a)  wenn  ein  positiver  oder  ein  negativer  Kompetenzkonflikt
zwischen  verschiedenen,  dem  Ober-Appellationsgerichte  nacheordneten

  Appellationsgerichten,  entweder  wegen  der  eigenen
dtompetenz  derselben  oder  wegen  der  Kompetenz  der  ihnen
nachgeordneten  Gerichte  besteht;

b)  wenn  das  zuständige,  dem  Ober-Appellationsgerichte  nachgeordnete
  Appellationsgericht  verhindert  ist,  sich  der  Verhandlung
  und  Entscheidung  der  Sache  zu  unterziehen;

c)  wenn  ein  gemeinschaftlichr  Gerichtsstand  zu  bestimmen  ist
und  die  betheiligten  Gerichte  erster  Instanz  unter  verschiedenen
Appellationsgerichten  stehen,  welchen  das  Ober-Appellationsgericht
  vorgeordnet  ist;

II.

—

in  Strafsachen  nach  Maaßgabe  der  in  der  neuen  Strafprozeßordnung  für
die  betreffenden  Landestheile,  über  die  Zuständigkeit  des  obersten  Gerichtshofes
  enthaltenen  Vorschriften;  hinsichtlich  der  bei  dem  Kammergerichte
wegen  Staatsverbrechen  anhängigen  Untersuchungen  ist  für  die  Rechtsmittel

  und  Beschwerden  das  Obertribunal  ausschließlich  zuständig.
Die  im  F.  30.  der  Verordnung,  betreffend  die  Wllö  der
Servituten,  die  Theilung  der  Gemeinschaften  und  die  Zusammenlegung
er
        <pb n="1282" />
        —  1105  —

der  Grundstücke  für  das  vormalige  Kurfürstenthum  Hessen  vom  13.  Mai
1867.  (Gesetz  Samml.  S.  716.)  dem  Ober-Appellationsgerichte  zu  Kassel
beigelegte  Zuständigkeit  geht  gleichfalls  auf  den  neuen  Gerichtshof  über.

S.  3.h

Das  Ober  Mpesationsgercht  soll  aus  einem  Präsidenten  und  der  erforderlichen
  #ihl  von  Räthen  bestehen,  welche  den  Titel:  „Ober-Appellationsgerichtsrath“
  führen.

Im  Falle  der  Theilung  des  Gerichtshofes  in  Senate  (§.  6.)  kann  zur
Leitung  der  Geschäfte  des  einen  Senats  ein  Vizepräsident  angestellt  werden.

K.  4.

Der  Präsident,  der  Vizepräsident  und  die  übrigen  Mitglieder  des  Ober-Appellationsgerichts
  werden  von  Uns  ernannt.

S.  5.
Zur  Abfassung  gültiger  Beschlüsse  des  Ober-Appellationsgerichts  ist  die
Dheilnahme  von  missten  sieben  le  des  kangsrsh  dal  Vors  Le
aiforder  ich.  Bei  Stimmengleichheit  giebt  die  Stimme  des  Vorsitzenden  den  kiset

g.  6.

Das  Lber  Alpfellatiansgerict  kann,  wenn  ein  Bedürfniß  sich  dazu  ergeben
sollte,  in  zwei  Senate  getheilt  werden.  ·  '

Ein  Mitglied  kanm  gleichzeitig  ständiges  Mitglied  beider  Senate  sein.

Die  Errichtung  zweier  Senate  geschieht  durch  Anordnung  des  Justizministers.

Der  Justizminister  ist  ermächtigt,  für  die  jedeemalige  Dauer  eines  Geschäftsjahres
  auf  Vorschlag  des  Präsidenten  die  Mitglieder  unter  die  beiden  Senate
g  vertheilen  und  dasjenige  Mitglied  zu  bestimmen)  welches  in  Ermangelung  eines

izepräsidenten  und,  sofern  der  Präsident  zur  Leitung  beider  Senate  außer  Stande
sein  sollte,  in  dem  einen  Senate  den  Vorigz  führt.  ,

Der  Präsident  ist  ermächtigt,  ein  Mitglied  des  einen  Senats  zur  Aushülfe
in  den  anderen  Senat  zu  berufen,  wenn  bei  desem  eine  Ergänzung  durch  Abgang
oder  Verhinderung  eines  Mitgliedes  nöthig  wird.

Welche  Angelegenheiten  im  Plenum  zu  erledigen  sind,  bestimmt  für  andere,
als  die  durch  das  Gesetz  vor  das  Plenum  verwiesenen  Sachen  das  Geschäftsregulativ.

Das  Geschäftsregulativ  hat  Wleich  lber  die  Vertheilung  der  Sachen  unter
die  beiden  Senate  die  erforderlichen  Bestimmungen  zu  treffen.

F.  7.

Die  Beschiftigung  von  H  ülsorich  tern  bei  dem  Ober  Appellationsgrichte  ist.
nur  vorübergehend  zulässig,  enhweder  Behufs  Vertrehang  verhinderter  Mitglieder
oder  in  Fällen  einer  ungewöhnlichen  Häufung  der  Geschäfte.  Die  Einberufung
von  Hülfsrichtern  steht  intster  zu.  3

um

2

eem  Justizmi
Jabrgang  1867.  (Nr.  6715.)
        <pb n="1283" />
        —  1106  —

Zum  Hülfsrichter  kann  nur  derjenige  berufen  werden,  welcher  eine  etatsmäßige
  Richterstelle  bei  einem  Appellationsgerichte  der  Monarchie  bekleidet.  Die
Hülfsrichter  haben  das  volle  Stimmrecht  der  ordentlichen  Mitglieder.

K.  S.

Die  Verrichtungen  der  Staatsanwaltschaft  bei  dem  Ober-Appellationsgerichte
werden  von  den  bei  dem  Obertribunal  angestellten  Beamten  der  Staatsanwaltschaft
  wahrgenommen.

G.  9.

Die  Anstellung  der  bei  dem  Ober-Appellationsgerichte  erforderlichen
Subaltern=  und  Unterbeamten  erfolgt  nach  den  Bestimmungen  über  die  Anstellung
dieser  Beamten  bei  dem  Obertribunal.

*n-Die

  bei  dem  Obertribunal  angestellten  Rechtsanwalte  sind  auch  zur  Praxis
bei  dem  Ober  Appellationsgerichte  bchngt

Es  können  bei  dem  Ober-Appellationsgerichte  durch  den  Justizminister  auch
besondere  Rechtsanwalte  angestellt  werden.

C.  11.

In  Ansehung  der  Gerichtskosten,  sowie  in  Ansehung  der  Gebühren  der
Rechtsanwalte  sind  in  den  bei  dem  ber  Appellattonsgerichte  anhängigen  Sachen
die  Vorschriften  anwendbar,  welche  in  den  bei  dem  Obertribunal  aus  dem  Ge.
biete  des  Preußischen  Rechts  anhängigen  Sachen  gelten.  In  den  Sachen  aus
dem  vormaligen  Königreich  Hannover  bewendet  es  in  Betreff  der  Einziehung  der
Anwabzsgehühren  bei  den  Vorschriften  des  Hannoverschen  Rechts.

K.  12.

Der  eschäftsgang  bei  dem  Ober-Appellationsgerichte  wird  durch  ein  Regulativ
  geordnet,  welches  der  Gerichtshof  zu  entwersen  und  dem  Justizminister
zur  Bestätigung  einzureichen  hat.

K.  13.

Für  die  Rechte  und  Pflichten  aller  bei  dem  Ober-Appellations  erichte  anestellten
  Beamten  und  für  das  Ausfsichtsrecht  des  Justizministers  sind  die  Vorshriften
  des  Preußischen  Rechts  maaßgebend.

.  14.

In  den  bei  dem  Ober-Appellationsgerichte  anhängigen  Sachen  bestimmt
sich  das  Verfahren,  insoweit  nicht  ein  Anderes  vorzeschrieen  ist,  nach  dem  Prozeßrecht
  des  Landestheils,  aus  welchem  die  Sache  an  das  Ober-  Appellationsgericht
gelangt  ist.  Es  wird  hierdurch  nicht  ausgeschlossen,  daß  Insinuationen  un  zunere
        <pb n="1284" />
        —  1107  —

dere  Prozedur-Akte,  welche  in  dem  Gebiete  eines  anderen  Rechts  bewirkt  werden,
hinsichtlich  der  Form  nach  dem  Recht  des  Orts  ihrer  Vornahme  zu  beurtheilen  sind.

KC.  15.

Oas  Ober-  Appellationsgericht  zu  Celle  führt  fortan  die  Benennung:
„Appellationsgericht“.

Die  entbehrlich  werdenden  Mitglieder  desselben  müssen  sich,  unbeschadet
ihres  Ranges  und  Gehaltes,  die  Verleihung  eines  anderen  Richteramtes  bei  einem
Appellationsgerichte  der  Monarchie  gefallen  lassen.

Die  Verrichtungen  der  Kron-Oberanwaltschaft  zu  Celle  erleiden  keine  anderen
  Veränderungen,  als  welche  sich  unmittelbar  aus  dem  F.  8.  ergeben.

K.  16.

Diese  Verordnung  tritt  am  1.  September  1867.  in  Kraft.

Die  an  desem  Tage  in  dritter  Instanz  bei  den  Ober-Appellationsgerichten
zu  Kassel,  Wiesbaden  und  Kiel  und  dem  Kassationssenate  des  Ober-Appellationsgerichs
  14  Celle  anhängigen  Sachen  gehen  auf  das  neue  Ober-Appellationsgericht
  über.

Das  letztere  ist  auch  als  Gericht  dritter  Instanz  für  die  an  jenem  Tage
in  einer  anderen  Instanz  anhängigen  Sachen  zuständig,  welche  noch  in  die  dritte
Instanz  gelangen  können.

Fär-  die  Strafsachen,  welche  in  der  dritten  Instanz  gemäß  der  Vorschriften
über  die  Einführung  der  neuen  Strafprozeßordnung  noch  nach  dem  älteren  Strafprozeßrecht
  zu  erledigen  sind,  tritt  jedoch  an  Stelle  der  Ober-Appellationsgerichte
zu  Kicl  und  Wiesbaden  das  Appellationsgericht  des  betreffenden  Landestheiles.

S.  17.
Der  Justizminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.
Llrcunh  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  27.  Juni  1867.

.  S.)Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

C#r.  6715—6716)  145“  (Fr.  6716.)
        <pb n="1285" />
        —  1108  —

(Nr.  6716.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  in  Preußen  durch  Gesetz  vom
27.  Mai  1863.  eingeführten  Ergänzungen  und  Erläuterungen  der  Allgemeinen
  Deutschen  Wechselordnung  in  das  vormalige  Herzogthum  Nassau.
Vom  5.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.

verordnen  für  das  vormalige  Herzogthum  Nassau,  auf  den  Antrag  Unseres
Staatsministeriums,  was  folgt:

g.  1.

Die  nachstehenden  in  Preußen  durch  Gesetz  vom  27.  Mai  1863.  (Gesetz-Samml.
  S.  357.)  eingeführten  Ergänzungen  und  Erläuterungen  der  im  vormaligen
  Herzogthum  Nassau  zufolge  Gesetzes  vom  25.  Oktober  1848.  geltenden
Allgemeinen  Deutschen  Wechselordnung  treten  auch  für  diesen  Landestheil
in  Kraft:

1)  Dem  ersten  Absatze  des  Artikels  2.  wird  als  zweiter  Absatz  folgender
Zusatz  beigefügt:
"Dem  Wochselgläubiger  ist  gestattet,  neben  der  Exekution  g  en
die  Person  seinez  Schuldners  gleichzeitig  die  Exekution  in  dessen
Vermögen  zu  suchen.“

2)  An  Stelle  des  dritten  Absatzes  des  Artikels  2.  tritt  nachstehende  Bestimmung:

„Den  Landesgesetzen  bleibt  vorbehalten,  die  Vollstreckung  des
Wechselarrestes  auch  noch  auszuschließen:

a)  gegen  die  Mitglieder  der  Ständeversammlung  während  der
Dauer  der  letzteren,  «

b)  gegen  Offiziere  und  Soldaten,  Auditeure  und  Militgirärzte
und  sonstige  Militairbeamte,  so  lange  sie  sich  im  aktiven
Dienste  befinden,

JP)  gegen.  Civil-Staatsdiener  im  aktiven  Dienste,

)  gegen  ordinirte  Geistliche,

e)  gegen  den  Schiffer,  die  Schiffsmannschaft,  sowie  alle  übrigen
auf  dem  Schiffe  angestellten  Personen,  /wenn  das  Seeschif
zum  Abgehen  fertig  (segelfertig)  ist,

f)  wenn  über  das  Vermögen  des  Schuldners  der  Konkurs
eröffnet  oder  der  Schuldner  zur  Güterabtretung  zugelassen
worden  ist,  wegen  der  früher  entstandenen  Forderungen,  und

8)  wenn  der  Schuldarrest  wenigstens  Ein  Jahr  hindurch  vollstreckt
  worden  ist,  wegen  der  früheren  Forderungen  desjenigen
Gläubigers,  welcher  den  Arrest  beantragt  hat,  sofern  derselbe

nich
        <pb n="1286" />
        —  1109  —

nicht  nachweist,  daß  dem  Schuldner  Befriedigungsmittel  zu
Gebote  stehen.“
3)  Im  Artikel  4.  Nr.  4.  wird  nach  den  Worten  „die  Zahlungszeit  kann“
eingeschaltet:
für  die  gesammte  Geldsumme  nur  eine  und  dieselbe  sein  und“.
4)  Der  Artikel  7.  erhält  am  Schluß  folgenden  Zusatz:
„Das  in  einem  Wechsel  enthaltene  Zinsversprechen  gilt  als  nicht
geschrieben."“
5)  Dem  ersten  Absatze  des  Artikels  18.  wird  als  zweiter  Satz  folgender  Zusatz
  beigefügt:
„Eine  entgegenstehende  Uebereinkunft  hat  keine  wechselrechtliche
Wirkung.“
6)  Der  Artikel  29.  erhält  am  Schluß  folgenden  Zusatz:

„Der  Wechselinhaber  ist  berechtigt,  in  den  Nr.  1.  und  2.  genannten
Filten  auch  von  dem  Acceptanten  im  Wege  des  Wechselprozesses
icherheitsbestellung  zu  fordern.“

7)  Der  Artikel  30.  erhält  am  Schluß  folgenden  Zusatz:
„Ist  die  Inhlungszeit  auf  Anfang,  oder  ist  sie  aa  Ende  eines
Monats  gesetzt  worden,  so  ist  darunter  der  erste  oder  letzte  Tag  des
Monats  zu  verstehen.“

8)  Der  Artikel  99.  erhält  am  Schluß  folgenden  Zusatz:  «
„Bei  nicht  domizilirten  eigenen  Wechseln  bedarf  es  zur  Erhaltung
bes  Wechselrechts  egen  den  Aussteller  weder  der  Präsentation  am
Zahlungstage,  noch  der  Erhebung  eines  Protestes.“

g.  2.

Gemäß  der  Bestimmung  H8.  1.  Nr.  2.  bleibt  die  Vollstreckung  des  Wechselarrestes
  ausgeschlossen:
1)  gegen  die  Mitglieder  der  beiden  Häuser  des  Landtages  nach  Maaßgabe
des  Urtlels  84.  der  Preußischen  Verfassingsurkunde  vom  31.  Jannar
50

2)  gegen  die  Passenen  des  Soldatenstandes,  so  lange  sie  dem  Dienststande
angehören;  Militair=  und  Civilbeamte  sind  dem  Wechselarrest  unterworfen)
  gegen  einen  Beamten  darf  der  Arrest  jedoch  erst  dann  vollstreckt
werden,  wenn  der  vorgesetzten  Dienstbehörde  Anzeige  erstattet  ist  und
dieselbe  für  die  Vertretung  des  Beamten  zu  sorgen  vermocht  hat;

3)  Eegen  den  Schiffer,  die  Schiffsmamnschaft,  sowie  alle  übrigen  auf  dem
Sifse  angestellten  Personen)  wenn  das  Seeschiff  zum  Abgehen  fertig
(segelfertig)  gl

(Nr.  6716——6717)  Außer-
        <pb n="1287" />
        —  1110  —

Außerdem  ist  die  Vollstreckung  des  Wechselarrestes  unstatthaft:

1)  gegen  die  Personen,  über  deren  Vermögen  der  Konkurs  eröffnet  ist,
wegen  der  früher  entstandenen  Forderungen,  jedoch  nur  während  der
Dauer  des  Konkurses;

2)  wenn  der  Schuldarrest  ein  Jahr  hindurch  vollstreckt  worden  ist,  wegen
der  früheren  Forderungen  desjenigen  Gläubigers,  welcher  den  Arrest  beantragt
  hat,  sofern  derselbe  nicht  nachweist,  daß  dem  Schuldner  Befriedigungsmittel
  zu  Gebote  stehen.

K.  3.

Die  Bestimmungen  §.  22.  Absatz  2.)  §.  23.)  —  26.  Nr.  2.  4.  5.  G.,
§.  27.  und  §.  30.  der  durch  Gesetz  vom  25.  Oktober  1848.  für  das  vormalige
Herzogthum  Nassau  erlassenen  Wechselprozeßordnung  werden  aufgehoben.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  5.  Juli  1867.

I.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6717.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  24.  Juni  1867.)  betreffend  die  Stempelabgaben  und
gerichtlichen  Taxen  in  den  an  die  Kronc  Preußen  abgetretenen,  vormals
Königlich  Bayerischen  Goebictstheilen,  außer  der  Enklave  Kaulsdorf.

A#  Ihren  gemeinschaftlichen  Bericht  vom  15.  Juni  d.  J.  bestimme  Ich  im
Verfolg  Meiner  Order  vom  6.  Mai  l.  J.  (Gesetz  Samml.  S.  699.),  daß  die
in  den  Bezirken  der  Königlichen  Obergerichte  zu  Fulda  und  Hanau  geltenden
Gesetze,  Verordnungen  und  sonstigen  Normen  über  Stempelabgaben  und  gerichtliche
  Taxen,  soweit  dies  nicht  bereits  durch  Meine  Eingangs  erwähnte  Order
verfügt  ist,  in  den  daselbst  genannten  Gebietstheilen,  unter  Aufhebung.  der  besichen
  en  Vorschriften,  allgemein  mit  der  Maaßgabe  in  Kraft  treten  sollen,  daß
ie  Akte  der  Notare  den  nämlichen  Stempelabgaben  und  Taxen  unterliegen,  wie
die  von  den  Gerichten  oder  deren  Aktuarien  aufgenommenen  Handlungen  gleichen
-
        <pb n="1288" />
        —  1111  —

Inhalts.  Auf  die  Stempelabgaben  von  Kalendern  und  Spielkarten  findet  die
vorstehende  Bestimmung  keine  Anwendung.

Sie  sind  ermächtigt,  die  zur  Ausführung  dieser  Meiner  Order  erforderlichen
  näheren  Anordnungen  zu  treffen.

Berlin,  den  24.  Juni  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  zur  Lippe.

An  den  Finanzminister  und  an  den  Justizminister.

 

(Nr.  6718.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  24.  Juni  1867.,  betreffend  die  Aufhebung  des  Konsenses
  der  Bergbehörden  zu  den  Heirathen  der  Berg.,  Poch--,  Hüttenund
  Salinenarbeiter  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.

A#  Ihren  gemeinschaftlichen  Bericht  vom  11.  Juni  d.  J.  will  Ich  hierdurch
bestimmen,  daß  es  zu  den  Hoirathen.  der  Berg-,  Poch.,  Hütten=  und  Salinenarbeiter
auch  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen,  insbesondere  im  Gebiete  des  vormaligen
Königreichs  Hannover  und  des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hessen,  eines  vorherigen
  Konsenses  der  Bergbehörden  nicht  mehr  bedarf.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  allgemeinen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  24.  Juni  1867.
Wilhelm.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.

An  den  Minster  ür  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten,
den  Minister  der  geistlichen,  Unterrichts  und  Medizinal-Angelegenheiten
  und  den  Justipminister.

 

G#er.  6rI7—620)  (r.  6719.)
        <pb n="1289" />
        —  1112  —

(Nr.  6719.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Alkerhöchste  Genehmigung  des  revidirten  Statuts
  der  durch  den  Allerhöchsten  Erlaß  vom  13.  Juni  1853.  unter  der
Firma:  =  Landesprodukten=  Fabrik  zu  Loburge,  mit  dem  Sitze  zu  Magdeburg,
  genehmigten  Aktiengesellschaft.  Vom  2.  Juli  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  24.  Juni  1867.
das  in  der  notarikllen  erhundlung.  vom  3.  Mai  1867.  verlautbarte  revidirte
Statut  der  durch  den  Allerhöchsten  Erlaß  vom  13.  Juni  1853.  unter  der  Firma:
„Landesprodukten-Fabrik  zu  Loburg“  mit  dem  Sitze  zu  Magdeburg,  genehmigten
  Aktiengesellschaft  zu  Genchmi  en  geruht.

Der  Alethöhste  rlaß  nebst  dem  revidirten  Statute  wird  durch  das  Amtsblatt
  der  Königlichen  Regierung  zu  Magdeburg  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  2.  Juli  1867.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  bffentliche  Arbeiten.
Im  Auftrage:
Delbrück.

(Nr.  6720.).  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  der  unter  der
Firma:  „Schieferbau-Aktiengesellschaft  Ruttlar“  mit  dem  Sitze  zu  Nuttlar,
im  Regierungsbezirk  Arnsberg  errichteten  Aktiengesellschaft.  Vom  4.  Juli
1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  24.  Juni
1867.  die  Errichtung  einer  Aktiengesellschaft  unter  der  Firma:  „Schieferbau-Aktiengesellschaft
  Nuttlar“  mit  dem  Sitze  zu  Nuttlar,  sowie  deren  Statut  vom
4.  Mai  1867.  zu  genchmigen  geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statute  wird  durch  das  Amtblatt  der
Königlichen  Regierung  zu  Arnsberg  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  4.  Juli  1867.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  offentliche  Arbeiten.
Im  Auftrage:
Delbrick.

 

Redigirt  im  Büreau  bes  Staats-  Ministerlums.
erlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1290" />
        —  1113  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

JNNr.  65.—

 

(Nr.  6721.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußtschen  Gesetzgebung  über  die
Ertheilung  von  Erfindungs-  und  Einführungspatenten  in  den  Herzogthümern
  Schleswig  und  Holstein.  Vom  24.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

Da  in  dem  Gebiete  der  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein  besondere
gesetzliche  Bestimmungen  über  die  Echeilung  von  Erfindungs-  und  Einführungspatenten
  bisher  nicht  bestanden  haben;

da  es  aber  nöthig  ist,  bis  zu  einer  etwaigen  allgemeinen  gesetzlichen
Regelung  dieser  Angelegenheit  bei  Ertheilung  solcher  Patente  für  die  genannten
Herzogthümer  fortan  dieselben  Grundsätze  zur  Anwendung  zu  bringen,  welche  für
die  älteren  Landestheile  zu  Recht  bestehen;

so  verordnen  Wir,  auf  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

KC.  1.

Die  Grundsätze  über  das  Patentwesen,  welche  in  der  dieser  Verordnung
cbeigefügten  Uebereinkunft  vom  21.  September  1842.  (Gesetz  Samml.  für  die
Königlich  Preußischen  Staaten  von  1843.  S.  265.)  zwischen  den  zum  ZJoll-  und
Handelsvereine  verbundenen  Regierungen  vereinbart  sind,  sollen  fortan  auch  in
den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein  und  zwar  derzzestalt  zur  Ausführung
Foracht  werden,  als  ob  die  He#pogthdner  zu  dem  in  der  Uebereinkunft  erwähnten

ereinsgebiet  gehörten.
en  Inhabern  der  von  jetzt  ab  ertheilten  Patente  sollen  die  nach  Nr.  IV.
dieser  Uebereinkunft  zulässigen  Nechte  zustehen.

.  2.
Fähig,  ein  Patent  zu  erhalten  ist:
1)  jeder  Preußische  Unterthan,

2)  jeder  Unterthan  des  Herzogthums  Lauenbu
Jehrgang  1867.  (Nr.  6721.)  146

Ausgegeben  zu  Berlin  den  20.  Juli  1867.

3)  je-
        <pb n="1291" />
        —  1114  —

3)  jeder  Unterthan  der  Vereinsstaaten,  mit  welchen  die  Uebereinkunft  vom
21.  September  1842.  geschlossen  ist,

4)  jeder  Unterthan  eines  Staates,  welchem  für  seine  Angehörigen  in  Bezug
auf  „Hawdel  und  Gewerbe  die  Rechte  der  Preußen  durch  Vertrag  zugesichert
  sine.

K.  3.

Wer  ein  Patent  erhalten  will,  muß  das  desfallsige  Gesuch  bei  dem  Minister
für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  anbringen,  diesem  Gesuche  eine
enaue  Beschreibung  und  Darstellung  der  zu  patentirenden  Sache  durch  Modelle,
Hichmungen  oder  Schrift  und,  soweit  es  möglich  ist,  durch  diese  drei  Mittel
zugleich,  beifügen,  auch  sich  erklären,  ob  er  das  Patent  für  die  ganze  Monarchie
Bsht  einen  bestimmten  Theil  derselben  und  für  welchen  Zeitraum  zu  haben
wünscht.

Der  Minister,  peranlaßt  eine  Prüfung  der  angezeigten  Erfindung  oder
Verbesserung  ah  ereßt  ein  depesung  über  das  Gesuch  sowohl  in  Woicht
der  Patentirung  im.  Allgemeinen,  als  über  den  Umfang  und  die  Dauer  des
Patenns,  fertigt  das  Patent  aus,  lätt  die  eingereichten  Modelle,  Zeichnungen  und
Beschreibungen  sorgftütig,  aufbewahren  und  verfügt  die  öffentliche  Verkündung
der  Ertheilung  des  Patents.

K.  4.
Die  kürzeste  Zeit  der  Dauer  eines  Patents  wird  auf  sechs  Monate,  die
längste  auf  funfzehn  Jahre  bestimmt.

g.  5.

Der  Patentirte  muß  von  dem  ihm  verliehenen  Rechte  in  der  von  dem
Minister  zu  bestimmenden  Frist  Gebrauch  zu  machen  anfangen  und  daß  er  dies
gethan,  durch  ein  amtliches  Attest  nachweisen,  widrigenfalls  sein  Recht  für  erloschen
erachtet  wird.

"  §.6.

Wird  von  Seiten  des  Patentirten  behauptet,  daß  er  von  Jemand  in
sinen  Rechte  beeinträchtigt  worden,  so  muß  er  seine  Beschwerde  bei  derjenigen
Provinzial-  erwaltungäbbörde,  in  beren  Bezirk  der  Beeinträchtiger  seinen  Wohnsitz
hat,  anbringen.  Dieser  Behoͤrde  gebührt  mit  Vorbehalt  des  Rekurses  an  den
Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  die  definitive  Entscheidung
über  die  Beschwerde  nach  der  unten  folgenden  Bestimmung.

S.  7.

Wer  überführt  wird,  ein  durch  ein  Patent  erlangtes  Recht  beeinträchtigt
zu  haben,  dem  wird,  unter  Bulastegung  der  Untersuchungskosten,  die  Benutzung
oder  Anwendung  der  patentirten  Sache  auf  so  lange,  als  das  Patent  besteht,
untersagt,  ihm  auch  bekannt  gemacht,  daß  er  im  Wlererholungefal  mit  guu

*

1.
        <pb n="1292" />
        —  1116  —

fiskation  der  vorgefundenen  Werkzeuge,  Materialien  und  Fabrikate  bestraft  werden
würde,  welche  Strafe,  wenn  die  Drohung  fruchtlos  ist;  dergestalt  zur  Ausführung
Foracht  wird,  daß  sämmtliche  konfiszirte  Objekte  dem  Patentirten  zur  weiteren
enutzung  übergeben  werden,  welchem  außerdem  überlassen  bleibt,  im  Wege  des
Civilprozesses  den  ihm  zugefügten  Schaden  gegen  den  Beeinträchtiger  geltend
zu  machen.
.  S.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  ist  mit  der
Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  24.  Juni  1867.

#.  S)Wilhelm.

Gr.  v.  Bis  marck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt,  v.  Roon.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

Uebereinkunft

der

zum  Joll=  und  Handelsvereine  verbundenen  Regierungen  wegen  Ertheilung
von  Erfindungs-Patenten  und  Privilegien.

Vom  21.  September  1842.;  Bekanntmachung  der  Ratifikation  vom  29.  Juni  1843.

Zur  Ausführung  des  bei  dem  Abschlusse  der  Zollvereinigungsverträge
niedergelegten  Vorbehalts  einer  weiteren  Vereinbarung  über  die  Annahme  gemeinschaftlher
  Grundsätze  hinsichtlich  der  Ersndungs-Paterte  und  Privilegien  ist  von

een  zum  Zoll=  und  Handelsvereine  verbundenen  Regierungen  für  die  Dauer  des
Zoll=  und  Handelsvereins  nachstehende  Uebereinkunft  wegen  Ertheilung  von  Erfindungs.
  Patenten  und  Privilegien  unter  dem  21.  September  1842.  verabredet
und  geschlossen  worden:

(Nr.  6721.)  146.  Es
        <pb n="1293" />
        —  1116  —

Es  bleibt  zwar  im  Allgemeinen  einem  jeden  Vereinsstaate  vorbehalten,
über  die  Ertheilung  von  Patenten  oder  Privilegien  zur  ausschließlichen  Benutzung
neuer  Erfindungen  im  Gebiete  der  Industrie,  es  möge  von  einem  Privilegium
für  eine  inländische  Erfindung  (Erfindungspatent),  oder  von  einem  Privilegium
für  die  Uebertragung  einer  ausländischen  Erfindung  (Einführungspatent)  sich
handeln,  nach  seinem  Ermessen  zu  beschließen  und  die  ihm  geeignet  gcessen
Vorschriften  zu  treffen;  die  sämmtlichen  Vereinsstaaten  verständigen  sich  jedoch,
um  einestheils  die  aus  dergleichen  Privilegien  hervorgehenden  Beschränkungen  der
Freiheit  des  Verkehrs  unter  den  Vereinsstaaten  möglichst  zu  beseitigen,  anderentheils
  eine  Gleichmäßigkeit  in  den  wesentlichen  Punkten  zu  erreichen,  in  Foche
des  bei  Eingehung  der  Zollvereinigungsverträge  gemachten  Vorbehalts  allerseits
dahi  die  nachfolgenden  Grundsätze  über  das  Patentwesen  zur  Ausführung  zu
ringen.

I.  Es  sollen  Patente  überall  nur  für  solche  Gegenstände  ertheilt  werden,
welche  wirklich  neu  und  eigenthümlich  sind.

Die  Ertheilung  eines  Patents  darf  mithin  nicht  stattfinden  für  Gegenstände,
welche  vor  dem  Tage  der  Ertheilung  des  Patents  innerhalb  des  Vereinsgebiets
schon  ausgeführt,  gangbar,  oder  auf  irgend  eine  Weise  bekannt  waren;  insbesindere
bleibt  vicse  be  ausgeschlossen  bei  allen  Gegenständen,  die  bereits  in  öffentlichen
Werken  des  In-  oder  Auslandes,  sie  mögen  in  der  Deutschen  oder  in  einer
fremden  Sprache  geschrieben  sein,  dergestalt  durch  Beschreibung  oder  Zeichnung
aeseelt  sind,  daß  danach  deren  Ausführung  durch  jeden  Sachpverständigen
erfolgen  kann.

Die  Beurtheilung  der  Neuheit  und  Eigenthümlichkeit  des  zu  patentirenden
Gegenstandes  bleibt  dem  Ermessen  einer  H6een  Regierung  ltelast

Für  eine  Sache,  welche  als  eine  Erfindung  eines  vereinsländischen  Unterthans
  anerkannt  und  zu  Gunsten  des  letzteren  bereits  in  einem  Vereinsstaate
batentirt  worden  ist,  soll,  außer  jenem  Erfinder  selbst  oder  dessen  Rechtsnachfolger,

iemandem  ein  Patent  in  einem  anderen  Vereinsstaate  ertheilt  werden.

II.  Unter  den  im  Artikel  I.  ausgedrückten  Voraussetzungen  kann  auf  die
Verbesserung  eines  schon  bekannten  oder  eines  bereits  patentirten  Gegenstandes
ein  Patent  geeichfalls  ertheilt  werden,  sofern  die  angebrachte  Aenderung  etwas
Neues  und  Eigenthümliches  ausmacht;  es  wird  jedoch  durch  ein  solches  Patent
in  dem  Fall,  wenn  die  Verbesserung  einen  bereits  patentirten  Gegenstand  betrifft,
das  für  diesen  letzteren  ertheilte  Patent  nicht  beeinträchtigt,  vielmehr  muß  das
Recht  zur  Mitbenutzung  des  ursprünglich  patentirten  Gegenstandes  besonders  erworben
  werden.

III.  Die  Ertheilung  eines  Patents  darf  fortan  niemals  ein  Recht  begründen:

a)  die  Einfuhr  solcher  Gegenstände,  welche  mit  dem  patentirten  übereinstimmen,
  oder
b)  den  Verkauf  und  Absat,  derselben  zu  verbieten  oder  zu  beschränken.
Ebensowenig  darf  dadurch  dem  Patentinhaber  ein  Recht  beigelegt  werden,
P)  den
        <pb n="1294" />
        —  1117  —

e)  den  Ge-  oder  Verbrauch  von  dergleichen  Gegenständen,  wenn  solche
nicht  von  ihm  bezogen  oder  mit  seiner  Zusimmmg  anderweitig  angeschafft
sind,  zu  untersagen,  mit  alleiniger  Ausnahme  des  Falles,  wenn  von
Maschinen  und  Werkzeugen  für  die  Fabrikation  und  den  Gewerbebetrieb,
  nicht  aber  von  allgemeinen,  zum  Ge=  und  Verbrauche  des  größeren
  Publikums  bestimmten  Handelsartikeln  die  Rede  ist.

IV.  Dagegen  bleibt  es  jeder  Vereinsregierung  überlassen,  durch  Ertheilung
  eines  Patents  innerhalb  ihres  Gebietes  dem  Patentinhaber

1)  ein  Recht  zur  ausschließlichen  Anfertigung  oder  Ausführung  des  in  Rede
stehenden  Gegenstandes  «"

zu  gewähren.

Ingleichen  bleibt  es  jeder  Regierung  anheimgestellt,  innerhalb  ihres
Gebiekc  dem  Matentinhaber  e  anheimgeselt,  "„

2)  das  Recht  zu  ertheilen:
a)  eine  neue  Fabrikation  Smethode,  oder

b)  neue  Maschinen  oder  Werkzeuge  für  die  Fabrikation  in  der  Art
ausschließlich  anzuwenden,  daß  er  berechtigt  ist,  allen  denjenigen
  die  Benutzung  der  patentirten  Methode  oder  den  Gebrauch
des  patentirten  Gegenstandes  zu  untersagen,  welche  das  Recht  dazu
nicht  von  ihm  erworben  oder  den  patentirten  Gegenstand  nicht  von
ihm  bezogen  haben.

V.  Es  sollen  in  jedem  Vereinsstaate  die  Unterthanen  der  übrigen
Vereins  staaten  sowohl  in  Betreff  der  Verleihung  von  Patenten,  als  auch  hinsichtlich
  des  Schutzes  für  die  durch  die  Patentertheilung  begründeten  Befugnisse,
den  eigenen  Unterhanen  gleich  behandelt  werden.

Die  in  einem  Staate  erfolgte  Patentertheilung  soll  jedoch  keinesweges  als
eine  Rücksicht  geltend  gemacht  werden  dürfen,  aus  welcher  nun  auch  in  anderen
Vereinsstaaten  ein  Patent  auf  denselben  Gegenstand  nicht  zu  versagen  wäre.  Die
Entscheidung  der  Frage,  ob  ein  Gegenstand  zur  Patentertheilung  geeignet  sei  oder
nicht,  bleibt  vielmehr  innerhalb  der  gemeinsm  vereinbarten  Grenzen  dem  freien
Ermessen  jedes  einzelnen  Staates  nach  den  von  ihm  für  räthlich  befundenen
Grundsätzen  vorbehalten,  ohne  daß  diesem  Ermessen  durch  die  Vorgänge  in  anderen
  Vereinsstaaten  vorgegriffen  werden  darf.  Die  Gewährung  eines  Patents
begreift  ferner  für  den  Unterthan  eines  anderen  Vereinsstaates  die  Befugniß  zur
sehsstän  igen  Niederlassung  und  Ausübung  des  Gewerbes,  in  welches  der  patentirte
  Gegenstand  einschlägt,  nicht  in  sich,  vielmehr  ist  die  Befugniß  hierzu  nach
Maaßgabe  der  Verfassung  jedes  Staates  besonders  zu  erwerben.

VI.  Wenn  nach  Ertheilung  eines  Patents  der  Nachweis  geführt  wird,
daß  die  Voraussezung  der  Neuheit  und  Eigenthümlichkeit  nicht  gegründet
gewesen  sei,  so  soll  dasselbe  sofort  zurückgenommen  werden.  In  solchen  Fällen,

(Nr.  6721.)  wo
        <pb n="1295" />
        —  1118  —

wo  der  patentirte  Gegenstand  zwar  Einzelnen  schon  früher  bekannt  gewesen,  von
diesen  jedoch  geheim  gehalten  worden  ist,  bleibt  das  Patent,  soweit  dessen  Aufhebung
  nicht  etwa  durch  anderweite  Umstände  bedingt  wird,  zwar  bei  Kräften,
jedoch  gegen  die  gedachten  Personen  ohne  Wirkung.

VII.  Die  Ertheilung  eines  Patents  in  einem  Vereinsstaate  ist  sogleich,
mit  allgemeiner  Bezeichnung  des  Gegenstandes,  des  Namens  und  Wohnortes  des
Patentinhabers,  sowie  der  Dauer  des  Patents,  in  den  zu  amtlichen  Mittheilungen
  bestimmten  Blättern  ölkentlich  3u  verkünden.

In  gleicher  Art  ist  auch  die  volongation  eines  Patents  oder  die  Zurücknahme
  desselben  vor  Ablauf  des  ursprünglich  bestimmten  Zeitraumes  öffentlich
bekannt  zu  machen.

VIII.  Die  sämmtlichen  Vereinsregierungen  werden  sich  nach  dem  Ablaufe
jedes  Jahres  vollständige  Verzeichnisse  der  im  Laufe  desselben  ertheilten  Patente
gegenseitig  mittheilen.

(Fr.  6722.)
        <pb n="1296" />
        —  1119  —

(Nr.  6722.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Preußischen  Medizinaltaxe  in
Nassau.  Vom  2.  Juli  1867.  ·

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  u.
verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

Die  Taxe  für  die  Medizinalpersonen  vom  21.  Juni  1815.  (Gesetz  Samml.
S.  109.)  nebst  den  dazu  ergangenen  Abänderungen,  Ergänzungen  und  Erläuterungen
  tritt  mit  dem  1.  September  d.  J.  für  das  Gebiet  des  ehemaligen  Herzogthums
  Nassau  in  Kraft.  Von  demselben  Zeitpunkt  ab  sind  alle  entgegenstehenden
Vorschriften  aufgehoben.

Die  vorstehende  Verordnung  ist  durch  die  Gesetz  Sammlumg  zu  publiziren.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  2.  Juli  1867.

(L.  §.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6722—6723.)  (Nr.  6723.)
        <pb n="1297" />
        —  1120  —

Mr.  6723.)  Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  der  Erbschaftsabgabe  in  den  durch  die
Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  mit  der  Monarchie
vereinigten  Candestheilen.  Vom  5.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.§

verordnen  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums  für  die  durch  die  Gesetze
vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  (Geset  Smmtl,  S.  555.  875.
und  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Landestheile,  mit  Ausnahme
der  vormals  Königlich  Bayerischen  Enklave  Kaulsdorf  und  des  vormals  Hessen-Homburgischen
  Oberamtes  Meisenheim,  was  folgt:

K.  1.

Erbschaften,  sowie  auch  Vermächtnisse  oder  Legate,  Schenkungen  von  Todeswegen
  (mit  Einschluß  der  remuneratorischen),  Lehns=  und  Fideikommiß-Anfälle,
ohne  Unterschied,  ob  der  Anfall  Inländern  oder  Ausländern  zukommt,  werden
nach  dem  Betrage  des  Anfalles  (§9.  2.  bis  4.  dieser  Verordnung)  nach  Vorschrift
„des  anliegenden,  von  Uns  vollzogenen  Tarifs  versteuert.

K.  7.

6  Bei  Berechnung  der  Erbschaftsabgabe  find  folgende  Vorschriften  zu  beachten:



a)  Die  Erbschaftsabgabe  wird  von  demjenigen  Betrage  gehlk  um  den  der
Erbe  oder  Legatar  u.  s.  w.  durch  den  Empfang  der  Erbschaft  oder  des
Legats  u.  s.  w.  wirklich  reicher  wird.  Es  gehören  doher  zur  steuerflichtigen

  Erbschaftsmasse  alle  ausstehenden  Forderungen  erselben,  auch
iejenigen,  welche  der  Erbe  selbst  oder  der  Legatar  zur  Masse  schuldet,
oder  ren  erst  mit  der  Erbeseinsetzung  oder  durch  das  Vermächtniß  erlassen
  werden.  Dagegen  kommen  auch  von  der  Erbschaft  in  Abzug  alle
Schulden  und  Lasten,  welche  mit  und  wegen  derselben  übernommen  werden.

b)  Lur  steuerpflichtigen  Erbmasse  gehören  nicht  Grundstücke  und  Grundgerechtigkeiten,

  welche  außerhalb  Landes  liegen.

uch  anderes  im  Auslande  befindliches,  zur  Erbschaftsmasse  gehöriges
  Vermögen  ist  steuerfrei,  wenn  nachgewiesen  wird,  daß  im  Aus-Lunge
  die  dort  ublichen  Erbschaftsabgaben  davon  haben  entrichtet  werden
müssen.

Schulden  und  Lasten,)  welche  ihrer  Beschaffenheit  nach  unzweifelhaft
  auf  dem  im  Auslande  befindlichen  steuerfreien  Theile  der  Erbschaft
busten,  können  aber  auch  von  dem  steuerpflichtigen  Theile  derselben  nicht
in  Abzug  gebracht  werden.

J)  Unsichere  Forderungen  kommen  mit  einem  muthmaßlichen  Werthe  in
Rechnung,  den  der  Erbe  in  Vorschlag  bringt.  Findet  die  Steuerbehörde
den  vorgeschlagenen  Werth  zu  niedrig,  so  kann  sie  den  Umständen  nach

au
        <pb n="1298" />
        —  1121  —

auch  die  Erhebung  der  Erbschaftsabgabe  vom  Betrage  solcher  Forderungen
bis  zum  Ausgange  derjenigen  Verhandlungen  aussetzen,  von  welchen
deren  Bezahlung  abhängt.

4)  Erben,  welche  Bedenken  tragen,  den  Werth  des  Nachlasses  durch  Vorlegung
  eines  Inventariums  nachzuweisen)  soll  auch  gestatte.  sein,  ein
Aversionalquantum  für  die  Erbschaftsabgabe  anzubieten,  dessen  Annahme
das  Finanzministerium  nachgeben  darf,  wenn  das  Anerbieten  dem  wahrscheinlichen
  Werthe  der  angefallenen  Erbschaft  angemessen  ist.

e)  Bei  Lehns=  und  Fideikommiß-Anfällen,  sie  mögen  in  Gütern  oder
Kapitalien  bestehen,  ist  das  Funfzehnfache  ihres  einsährigen  Ertrages  der
steuerpflichtige  Betrag.  Gegenstände,  welche  dem  Lehns=  oder  Fideikommiß-Erben
  keine  Nutzungen  gewähren,  werden  nicht  versteuert.

*

Wenn  der  Werth  eines  Gegenstandes  ausgemittelt  werden  soll,  um  den
Betrag  der  Erbschaftsabgabe  zu  bestimmen,  so  ist  dabei  nach  folgenden  Kegeln  zu
verfahren:

a)  die  Berechnung  ist  in  Preußischem  Silbergelde  nach  dem  Dreißigthaler
fuße  anzulegen)

b)  es  mussen  also  alle  in  anderen  Währungen  angegebenen  Werthe  nach
ihrem  Betrage  in  Preußischem  Silbergehde  ausgedrückt  werden.  Hierbeie
sollen  zehn  Thaler  in  Gold  für  eilf  Thaler  in  Silbergeld  und  andere
Währungen  nach  den  vom  Finanzminister  festgesetzten  Mittelwerthen,  oder,
falls  die  Festsetzung  eines  Mittelwerthes  nicht  stattgefunden  hat,  nach  dem
Tageskurse  zur  Zeit  des  Anfalles  angenommen  werden)

c)  von  immerwährenden  Nutzungen  wird  das  Zwanzigfache  ihres  einjährigen
Betrages  als  Kapitalwerth  angenommen,  von  einer  Leibrente  oder  einem
Nießbrauchsrecht  auf  Lebens=  oder  andere  unbestimmte  Zeit  dagegen  nur
das  Zwölfundeinhalbfache  der  einjährigen  Nutzung;

4)  Nutzungen  eines  Kapitals  sind  zu  fünf  vom  Huwert  jährlich  zu  veranchlagen,
  sofern  der  Erbe  nicht  nachweist,  daß  er  au  einen  geringeren

rozentsatz  beschränkt  ist;

e)  der  Werth  von  Bergwerksantheilen  ist  nach  dem  Gutachten  der  Oberbergämter
  anzunehmen

s0  der  Betrag  aller  übrigen  beweglichen  und  unbeweglichen  Gegenstände
ist  der  Steuerpflichtige  nach  dem  Werthe  zur  Zeit  des  Anfalles  anzugeben
verpflichtet.  Trägt  die  Steuerbehörde  Bedenken,  diese  Angabe  für  richtig
anzunehmen,  so  kann  sie  die  Abschätzung  nach  den  allgemeinen  Vorschriften
  über  die  Aufnahme  gerichtlicher  Taxen  veranlassen.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6723.)  147  r  4.
        <pb n="1299" />
        —  1122  —

K.  4.

Die  Erbschaftsabgabe  wird  nach  dem  ganzen  Antheile  jedes  einzelnen  Theilnehmers
  für  diesen  besonders  berechnet.

Bei  Beurtheilung  der  Verwandtschaftsgrade,  wonach  der  Anfall  besteuert
wird,  kann  nicht  auf  ein  Verhältniß  zurückgegangen  werden,  welches  durch  richterliches
  Erkenntniß  oder  Vertrag  schon  vor  erfolgtem  Anfalle  zu  bestehen  aufgehört
hat.  Namentlich  ist  dies  auf  Eeschicene  Ehegatten  und  aufgehobene  Einbindschaften
  anwendbar  und  werden  Anfälle,  welche  nach  eroltter  Trennung  der  Ehe
oder  nach  aufgehobener  Einkindschastd  rattfinden,  lediglich  nach  demjenigen  Abgabensatze
  besteuert,  welcher  ohne  Rücksicht  auf  die  vormaligen  solchergestalt  getrennten
  Verhältnisse  anwendbar  bleibt.  «

Der  Steuersatz  von  behs.  und  Fideikommißanfällen  wird  nur  nach  dem
Verwandtschaftsgrade  zwisch  en  dem  letzten  Inhaber  des  aehus  oder  Fideikommisses
und  dessen  jedesmaligem  Nachfolger  im  Besitze  desselben

S.  5.

Fr  die  Erbschaftsabgabe  haftet  die  ganze  Erbschaftsmasse,  woraus  sie  binnen
  sechs  Monaten,  vom  Erbanfalle  an  gerechnet,  entrichtet  werden  muß.  Eine
längere  Kris  kann  auf  Ansuchen  der  Erben  dann  ertheilt  werden,  wenn  besondere
Gründe  dies  Gesuch  rechtfertigen.  Die  Verzögerung  der  Auseinandersetzung  der
Erben  darf  jedoch  niemals  zum  Vorwande  dienen,  die  Zahlung  der  Erbschaftsabgabe,
  so  weit  der  Nachlaß  liquid  ist,  zu  verzögern.

ür  Nutzungen,  welche  dem  Erben,  Donatar  oder  Legatar  erst  in  Zukunft
anheimfallen  sollen,  kann  die  Zahlung  ber  Erbschaftsabgabe  nicht  eher  verlangt
werden,  bis  der  Anfall  wirklich  alels  ist.

Auch  kann  der  Benesʒaler  e,  welcher  ein  Inventarium  überreicht,  und
den  Nachlaß  auf  Erfordern  eidlich  manifestirt  hat,  erst  dann  zur  Entrichtung  einer
Erbschaftsabgabe  angehalten  werden,  wenn  erhellt,  daß  die  Vermögensmasse  die
Schulden  ubersteigt

Von  dem  Nießbrauch,  der  einem  Vater  an  dem  mütterlichen  Vermögen
seiner  Kinder  durch  Testament,  Erbvertrag  oder  eine  andere  letztwillige  Verfügung
auf  Lebenszeit,  bis  zur  erere  Verheirathung  oder  sonst  u  unbestimmte
Zeit  zugewendet  worden,  soll  die  Erbschaftsabgabe  erst  dann  erhoben  werden,  wenn
der  Vater  auch  nach  Beendigung  der  väterlichen  Gewalt  den  Nießbrauch  fortsetzt.

Wenn  die  Kinder  eines  überlebenden  Ehegatten  mit  demselben  die  Güter-Vuaeischmt
  fortsetzen,  v  ist  während  der  Dauer  dieses  Verhältnisses  keine

eranlassung  zur  Erhebung  der  Erbschaftsabgabe  vorhanden.

estimmt.

S.  6.
Erben  und  Miterben  sind  für  die  richtige  Bezahlung  der  Erbschaftsabgabe
solidarisch  verpflichtet.
mhaber  der  Erbschaft  Vevollmächtige  der  Erbinteressenten,  oder  Testamentsvollzieher
  dürfen  die  bschaft,  einzelne  Erbtheile  oder  Vermächtnisse  nur  -
        <pb n="1300" />
        —  1123  —

Abzug  der  darauf  treffenden  Erbschaftsabgabe,  oder  nachdem  ihnen  die  Berichtigung
  derselben  nachgewiesen  worden,  ausantworten  und  bleiben  im  entgegengesetzten
  Falle  für  die  Steuer  verhaftet.

S.  7.

Die  Berechnung  und  Einziehung  der  Erbschaftsabgabe  wird  durch  die  von
dem  Finanzminister  zu  bestimmenden  Behörden  der  Verwaltung  der  indirekten
Steuern  besorgt.  Dieselben  erhalten  nach  näherer  Vorschrift  der  betreffenden
Ministerien  von  allen  Pfarrern,  ohne  Unterschied  der  Religion,  ingleichen  von
Civilstandsbeamten,  von  den  Vorstehern  der  Synagogengemeinden  u.  s.  w.  periodische
  Auszüge  aus  den  Todtenlisten.  —  Auch  ist  Jeder,  dem  eine  steuerpflichtige
  Erbschaft,  Vermächtniß  oder  Schenkung  von  Todeswegen  im  ee  sufa  t,
verpflichtet,  binnen  drei  Monaten  uach  erfolgtem  Anfalle  eine  wenigstens  vorläufige
Anmeldung  dieses  Anfalles  bei  gedachten  inim  einzureichen,  und  diese  Verpflichtung
  liegt  auch  den  Erben  in  Rücksicht  der  aus  der  Erbschaft  zu  zahlenden
Vermächtnisse  und  Schenkungen  von  Todeswegen  ob.

Der  Erbe  hat  ein  Inventarium  des  Nachlasses  einzureichen  und  kann  zur
eidlichen  Manifestation  desselben  angehalten  werden.

G.  8.

Ist  die  Erbschaftsabgabe  berechnet,  so  ertheilt  die  im  H.  7.  gedachte  Behörde
den  Erben  ein  kosten-  undstenwel  eies  %  in  welchem  der  Benag  der  ganzen
  Erbschaft,  der  einzelnen  Erbtheile,  des  Vermi  tnisses  und  der  Schenkung
von  Todeswegen,  das  Verwandtschaftsverhältniß  und  die  Beträge  der  von  den
einzelnen  Erbnehmern  zu  entrichtenden  Abgabe  auszudrücken  4r  und  zugleich  die
wesn  zur  Entrichtung  der  Abgabe  bei  der  namentlich  zu  bezeichnenden

teuerstelle.

G.  9.  »

Die  Unterlassung  der  Anmeldung  einer  seuerhsschiigen  Erbschaft,  Vermächtnisses
  oder  Schenkung  von  Todeswegen  innerhalb  der  gesetzlichen  Frist  wird
durch  Verdoppelung  des  Betrages  der  Erbschaftsabgabe  beahndet.  Werden  steuerpflichtige
  Erbschaften,  Vermächtnisse  und  Schenkungen  zwar  angemeldet,  aber  nicht
innerhalb  der  gese.  lichen,  oder  auf  Ansuchen  verlängerten  Frist  versteuert,  so  tritt

leichfalls  die  Verdoppelung  des  Betrages  der  Eröschaftsabgabe  als  Strafe  ein.
ch  kann  alsdann  die  Ausmittelung  des  Betrages  der  Erbschaft  auf  Kosten
des  Säumigen  vorgenommen  werden.

S.  10.

In  Betreff  des  administrativen  und  Fercchtlichen  Strafverfahrens  kommen
dieselben  Vorschriften  zur  Anwendung)  nach  welchen  sich  das  Verfahren  wegen
Zollvergehen  bestimmt.

Demunzianten  erhalten  ein  Drittheil  von  den  nach  8.  9.  festgesetzten  Strafen.

(Nr.  6723.)  147  5.  11
        <pb n="1301" />
        —  1124  —

g.  1I.

Außer  den  Steuerbehörden  haben  alle  diejenigen  Staats  ·  und  Kommunal  -
behörden  und  Beamten,  welchen  eine  richterliche  oder  Polizei-Gewalt  anvertraut
ist,  die  besondere  Verpflichtung,  alle  bei  ihrer  Amtsverwaltung  zu  ihrer  e
kommende  Zuwiderhandlungen  gegen  dieses  Gesetz  Behufs  Einleitung  des  Strafverfahrens
  (F.  10.)  zur  Anzeige  zu  bringen.

Die  Bestimmung  im  eizen  Absatz  des  §.  10.  dieser  Verordnung  findet
auf  die  gedachten  Beamten  und  die  Vorsteher  oder  Mitlieder  der  bezeichneten
Behörden,  sowie  auf  Rechtsanwalte  und  Notarien  keine  Dnwendung,

Kein  Gericht  oder  Notar  darf  bei  eigener  Vertretung  der  Erbschaftsabgabe
für  Erben,  Legatarien  oder  Donatarien  in  Bezug  auf  1  zugefallene  Erbschaften,
  Vermälhtnisse  oder  Schenkungen  von  Todeswegen  eine  Handlung  vornehmen,
  bevor  nicht  nachgewiesen  worden,  daß  entweder  die  Erbschaftsabgabe
bereits  berichtigt,  oder  doch  wenigstens  die  Behörde,  welcher  die  Aufsicht  über  die
Ausmittelung  und  Berichtigung  dr  gedachten  Abgabe  zunächst  obliegt,  von  der
vorzunehmenden  Handlung  unterrichtet  sei.

§.  12.
Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  1.  September  1867.  in  Kraft.
Von  demselben  Seiturkte  ab  werden  die  gesetzlichen  Vorschriften,  welche
über  die  Besteuerung  der  Erbschaften  in  den  im  Eingange  bezeichneten  Landestheilen
  bestehen,  insbesondere:

a)  in  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein:

die  Verordnung  vom  12.  September  1792.)  betreffend  eine  Abbabe
  von  Verlassenschaften  u.  s.  w.)  sowie  dle  Verordnung  vom  8.  Feruar
  1810.,  betreffend  die  Entrichtung  einer  Abgabe  von  1  Prozent
u.  s.  w.,  insoweit  dieselbe  sich  auf  die  Besteuerung  von  Erbschaften  bezieht,

und  das  Gesetz  vom  19.  Februar  1861.  wegen  der  Erbschaftssteuer
  in  den  vormals  Königlich  Dänischen  Landestheilen,

b)  in  dem  vormaligen  Königreiche  Hannover  die  in  dem  Tarife,  welcher
dem  Stempelgesetze  vom  30.  Januar  1859.  angehängt  ist,  unter  den
laufenden  Nummern  32.  69.  121.  enthaltenen  Fouilnen  und  die  auf
Schenkungen  von  Todeswegen  bezügliche  Bestimmung  unter  Nr.  106.,

)  in  dem  vormaligen  Herzogthum  Nassau  die  Bestimmungen  über  die
Konfirmationstaxre  von  Erbschaften  im  F.  10.  des  Ediktes  vom
9./11.  Dezember  1815.,  im  F.  42.  des  Ediktes  vom  26./27.  Januar  1816.
und  in  der  Regierungsverordnung  vom  15.  März  1816.,  im  F.  2.  des
Ediktes  vom  13.  Mai  1818.  und  in  der  Regierungsverordnung  vom
2.  Januar  1827.,

)  in  den  vormals  Großherzoglich  Fesiichen  Landestheilen  die  Verordmungen
über  die  Kollateralgelder  vom  11.  August  1808.  und  vom  8.  Juni  1821.,
e)  in
        <pb n="1302" />
        —  1126  —

e)  in  den  vormals  Hessen-Homburgischen  Landestheilen  die  Verordnungen
über  die  Kollateralgelder  vom  11.  August  1808.)  12.  März  1810.,
30.  Oktober  1846.,  22.  April  1848.  und  5.  Oktober  1849.,

1ß  in  den  vormals  Königlich  Bayerischen  Landestheilen  die  Bestimmungen
über  die  Erbschaftstaxe  in  dem  Gesetze  vom  28.  Mai  1852.,

insoweit  nachstehend  nicht  etwas  Anderes  verordnet  ist,  außer  Wirksamkeit  gesetzt.

*lr

n  den  im  9.  12.  unter  a.  und  c.  bis  f  bezeichneten  Landestheilen  kommen
  hinsichtlich  der  Besteuerung  der  vor  dem  1.  September  1867  eingetretenen
Erbfälle  noch  die  bisherigen  Gesetze  zur  Anwendung.  Der  Finanzminister  ist
jedoch  ermächtigt,  auch  für  diese  Fälle  die  Festsellung  und  Einziehung  der  Steuer
en  im  F.  7.  gedachten  Behörden  zu  übertragen  und  in  Betreff  des  Verfahrens
die  erforderlichen  Anordnungen  zu  erlassen.  denjenigen  vor  dem  1.  September
1867.  eingetretenen  Erbfällen,  in  welchen  wegen  Fortdauer  der  Gütergemeinschaft
wischen  dem  überlebenden  Ehegatten  und  den  Kindern,  oder  wegen  des  cinem

ritten  zustehenden  Nießbrauches  die  Versteuerung  ausgesetzt  ist,  erfolgt  dieselbe
nach  dem  1.  September  1867.  lediglich  nach  Vorschrift  dieser  Verordnung  und
des  anliegenden  Tarifes.

S.  14.

In  dem  vormaligen  Königreiche  Hannover  unterliegen  vom  1.  September
  1867.  ab  letztwillige  Verfügungen  bei  ihrer  Errichtung  einer  Stempelabgabe,
welche  für  Testamente  2  Thaler,  für  Kodizille  15  Sagr.  beträgt.

Von  den  vor  dem  1.  September  1867.  errichteten  Testamenten  und
Kodizillen,  welche  erst  nach  diesem  Tage  eröffnet  werden,  ist  dieselbe  Stempelabgabe
  bei  deren  Eröffnung  zu  entrichten.

.  15.

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  5.  Juli  1867.

(1I.  .)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
        <pb n="1303" />
        —  1126  —

Tarif,
nach  welchem  die  Erbschaftsabgabe  zu  erheben  ist.

Allgemeine  Vorschrift.

Die  Abgabe  beträgt  mindestens  5  Sgr.  und  steigt  von  5  zu  5  Sgr.  Es
wird  daher,  wenn  der  berechnete  Betrag  5  Sgr.  übersteigt,  aber  nicht  über  10  Sgr.
hinausgeht,  10  Sgr.  u.  s.  w.  entrichtet.

Der  Anfall  wird  versteuert:
A.  mit  Einem  vom  Hundert  des  Betrages,  wenn  er  gelangt

a)  an  überlebende  Ehegatten  mit  der  unter  „Befreiungen“  Nr.  2.c.
bestimmten  Ausnahme.  Wenn  Ehegatten  in  Gütergemeinschaft  gelebt
  haben,  so  hat  der  überlebende  Ehegatte  die  Erbschaftsabgabe
von  demjenigen  zu  entrichten,  was  er  über  die  Hälfte  des  gemeinschaftlichen
  Vermögens  erhält;

b)  an  Haucoffizianten.  und  Dienstboten  des  Erblassers,  sofern
der  Anfall  in  Pensionen  und  Renten  besteht,  die  ihnen  mit
Rücksicht  der  demselben  geleisteten  Dienste  vermacht  werden;

B.  mit  Zwei  vom  Hundert  des  Betrages,  wenn  er  gelangt

a)  an  natürliche,  aber  gesetlich  anerkannte  Kinder,  sofern  sie
nicht  durch  die  nachfolgende  Ehe  die  Rechte  ehelicher  Kinder  erlangt
aben

b)  an  adoptirte  oder  nur  in  Folge  der  Einkindschaft  zur  Erbschaft
berufene  Kinder;
Jc)  an  vollbürtige  und  Halbgeschwister  und  deren  eheliche  Deszendenten;

C.  mit  Vier  vom  Hundert  des  Betrages,  wenn  er  gelangt

a)  an  solche  Verwandte,  welche  vorstehend  oder  unter  „Befreiungen“  Nr.2.
nicht  benannt  worden)  sofern  sie  nicht  über  den  sechsten  Grad
hinaus  mit  dem  Erblasser  verwandt  sind;

b)  an  Stiefkinder  und  Stiefeltern;

e)  an  Schwiegerkinder  und  Schwiegereltern;
D.  mit
        <pb n="1304" />
        —  1127  —

D.  mit  Acht  vom  Hundert  des  Betrages,  wenn  er  gelangt

a)  an  solche,  die  nur  im  siebenten  oder  einem  noch  entfernteren  Grade
mit  dem  Erblasser  verwandt  sind;

b)  an  Schwäger  und  Schwägerinnen)

)  an  alle  übrige  Nichtverwandte  ohne  Unterschied.

Befreiungen.

Von  der  Erbschaftsabgabe  befreit  ist:

1)  jeder  Anfall,  welcher  den  Betrag  von  50  Thaler  Silbergeld  nicht  erreicht.
  Sind  mehrere  Theilnehmer  an  der  Erbschaft  vorhanden,  .  wird
jeder  einzelne  Antheil  nur  dann  versteuert,  wenn  derselbe  50  Thaler  oder
mehr  beträgt;

2)  jeder  Anfall,  welcher  gelangt

a)  an  Aszendenten  ohne  Unterschied;

b)  an  Deszendenten,  sesern  gielben  aus  gültigen  Ehen  abstammen
oder  nachfolgend  durch  solche  legitimirt  sind;  auch  uneheliche  Kinder
kaben  von  dem  Nachlasse  ihrer  Mutter  oder  deren  Aszendenten  keine

rbschaftsabgabe  zu  entrichten;

c)  an  überlebende  Ehefrauen,  insofern  sie  zugleich  mit  hinterlassenen
  ehelichen  Kindern  ihres  verstorbenen  Ehemannes  zur
Erbschaft  gelangen;

an  Personen,  welche  in  Diensten  und  Lohn  des  Erblassers  &amp;amp;
standen  haben,  jedoch  nur  für  eine  Summe  von  300  Thaler  Kapilal
einschließlich;

e)  an  Kirchen,  öffentliche  Anmen.,  Kranken.,  Arbeits-,  Straf.  und
Besserungs-Anstalten,  ferner  Waisenhäuser  und  andere  milde  Stiftungen,
  insofern  solche  nicht  einzelne  Familien  oder  bestimmte  Personen
  betreffen;  öffentliche  Schulen  und  Universitäten;

1)  an  Stadt.  und  Landgemeinden  und  Gutsherrschaften  zur  Verwendung
für  die  Ortsarmen)

68)  an  gemeinnützige  Aktien-Baugesellschaften  (Gesetz  vom  2.  März  1867.
Gesth.  Sanm#t  S.  385.)  I

h)  an  Privatunternehmungen,  welche  nicht  auf  einen  besonderen  Geldgewinn
  der  Unternehmer  gerichtet  sind,  sondern  einen  gemeinnützigen,
nicht  auf  einzelne  Familien  oder  Korporgtinen  beschränkten  Zweck
haben,  sofern  diesen  Unternehmungen  die  Befreiung  von  Erbschaftsabgaben
  in  den  Landestheilen,  wo  das  Gesetz  wegen  der  Stempel-Leuer
  vom  7.  März  1822.  gilt,  oder  in  den  im  Eingange  dieser

erordnung  bezeichneten  Landestheilen  nach  den  bisherigen  Bestimmungen
  zusteht  oder  künftig  verliehen  werden  wird.
(Nr.  6723.)  i)  Im
        <pb n="1305" />
        —  1126  —

i)  Im  Uebrigen  werden  alle  in  den  Eingangs  dieser  Verordnung  bezeichneten
  Landestheilen  bestehende  Befreiungen  von  Erbschaftsabgaben,
insbesondere  auch  alle  gewissen  Ständen,  örtlichen  Bhzirten  und
den  nur  zum  Vortheile  einzelner  Klassen  der  Staatsbürger  errichteten
Instituten  bewilligten  Befreiungen  aufgehoben.  Wenn  hiernach  in
einzelnen  Fällen  die  Fortdauer  der  bisherigen  Befreiungen  in  den
gedachten  Landestheilen  zweifelhaft  ist,  so  ist  darüber  gemeinschaftlich
von  Unseren  Ministern  der  Finanzen  und  der  Justiz  zu  entscheiden.

I)  Die  in  den  Landestheilen,  wo  das  Gesetz  vom  7.  März  1822.  gilt,
noch  außerdem  bestehenden,  nicht  auf  einen  bestimmten  Bezirk  eingeschränkten
  Befreiungen  vom  Erbschaftsstempel  auf  die  Entrichtung
der  Erbschaftsabgabe  auszudehnen,  ist  der  Finanzminister  ermächtigt;

3)  jeder  Anfall,  welcher  in  einer  jährlichen  Vergeltung  aufgetragener  Dienstleistungen
  besteht  und  auf  de  Dauer  dieser  z  auszetrage  beschränkt
ist.  ird  dagegen  ein  Kapital  hinterlassen,  dessen  Zinsen  auch  nach
vollendeter  Dinsteineng  einen  Zuwachs  für  das  Bermögen  des  Empfängers
  bilden,  so  bleibt  diese  letztwillige  Zuwendung  der  Erbschaftsabgabe
  unterworfen.

Gegeben  Berlin,  den  5.  Juli  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.
v.  Selchow.

Rebigirt  im  Büreau  bes  Staats-  Ministeriums.

 

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober  ·  Hofbuchdrucker-(N.
  v.  Decker).  «
        <pb n="1306" />
        —  1129  —

Gesetz  Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

.  66.—

 

(Nr.  6724.)  Verordnung,  betreffend  die  Organisation  der  Forstverwattung  in  den  neu  erworbenen
  Gebietstheilen.  Vom  4.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  x.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  den  Umfang  der
durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  v.  J.  mit  Unserer
Monarchie  vereinigten  Landestheile,  was  folgt:

.  1.
Für  die  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.
Gesch.  Samnr-.  S.  555.  875.  und  876.)  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten
andestheile  sind  die  Ressortminister  ermächtigt:
über  Verwaltung  und  Nutzbarmachung  der  dem  Staate  gehörenden  Forsten
  und  Jagden,  über  Ausbildung,  Prüfung,  Anstellung,  Besoldung,
Funktionen  und  sonstige  Dienstverhältnisse  sämmtlicher  6“  eamten,
sowie  über  Abgrenzung  der  Inspektns  Verwaltungs=  und  Schutzbezirke
  für  die  Staats--,  Gemeinde=  und  Institutenforsten

in  demselben  Maaße  Anordnungen  zu  treffen,  wie  ihnen  solches  in  den  älteren

Provinzen  der  Monarchie  hinsichtlich  der  Staatsforsten  und  der  Staats.  Forstbeamten
  ressortmäßig  zusteht.

G.  2.

Bei  den  gesetzlichen  Bestimmungen,  welche  die  Rechte  und  Pflichten  der
Gemeinden  und  sskulichen  Anstalten  Pahigüch  der  Wahl  und  Besoldung  der
Forstbeamten  betreffen,  behält  es  für  jetzt  sein  Bewenden.

Die  hinsichtlich  der  Anstellung  von  Anwärtern  des  Jägerkorps  im  Forstschutzdienste
  für  die  älteren  Provinzen  maaßgebenden  Vorschriften  sollen  jedoch
auch  in  den  neuen  Landestheilen  für  sämmtliche  Staats.,  Gemeinde-  und  Institutenforsten
  zur  Anwendung  kommen.

Jahrgong  1867.  (Nr.  6724—6725.)  48  S.  3.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  20.  Juli  1867.
        <pb n="1307" />
        —  1130  —

g.  3.

Die  in  den  Eingangs  gedachten  Landestheilen  geltenden  bezüglichen  Gesetze
und  Verordnungen  treten  insoweit  außer  Kraft,  als  sie  mit  den  nach  F.  1.  zu
treffenden  Anordnungen  im  Widerspruche  stehen.

Lekandic  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  4.  Juli  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Fhh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.
v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  6725.)  Verordnung,  betreffend  das  Landesgewicht  für  die  im  F.  1.  unter  Nr.  I.  und  2.
des  Gesetzes  vom  24.  Dezember  1866.  bezeichneten  ehemals  Königlich
Bayerischen  Gebietstheile.  Vom  5.  Juli  1867.

1
Wa  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u##.

verordnen  für  die  im  1  1.  des  Gesetzes  vom  24.  Desember  1866.  (Gesetz=  Samml.
S.  876.)  unter  Nr.  I.  und  2.  bezeichneten,  ehemals  Königlich  Bayerischen  Gebietstheile,
  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.
Das  Hfand  in  der  Schwere  von  fünfhundert  Grammen  soll  fortan  die
Einheit  des  Gewichts  bilden.
.  2.

Hundert  Pfunde  machen  einen  Zentner  und  vierzig  Zentner  oder  viertausend
  Pfund  eine  Schiffslast  aus.  8

g.  3.

Das  Pfund  wird  in  dreißig  Lothe,  das  Loth  in  zehn  Quentchen,  das
Quentchen  in  zehn  Zent,  der  Zent  in  zehn  Korn  getheilt.  Noch  kleinere  4beile
werden  ohne  besondere  Benennung  durch  Dezimalbruchtheile  des  Kornes  angegeben.

d.  4.
        <pb n="1308" />
        –  1181  —

KG.  4.

Für  den  Verkehr  im  Großen,  sowie  für  technische  und  wissenschaftliche
Zwecke  ist  die  Eintheilung  des  Mmdes  in  Zehntheile,  it  zand  noi  W  esce
gestattet.

.  5.

Im  Juwelenhandel  bleibt  die  Benutzung  des  (Holländischen)  Juwelen-Karatgewichts
  auch  in  Zukunft  gestattet.  s  schen)

S.  6.

Das  bisherige  (Nürnberger)  Medizinalgewicht  bleibt  bis  zu  Unserer  anderweiten
  Verordnung  als  solches  in  Anwendung.

K.  7.

Bei  der  Bestimmung  des  Betrages  solcher  an  den  Staat  zu  entrichtender
Abgaben,  bei  welchen  das  Gewich  zur  Grundlage  dient,  tritt  das  durch  deegen.
wärtige  Verordnung  eingeführte  Gewicht  an  die  Stelle  des  bisher  zur  Anwendung
  gekommenen,  ohne  daß  dieser  Aenderung  wegen  eine  Reduktion  des  für  die
Einheit  (für  den  Zentner  oder  für  das  Pfund)  festgesetten  Abgabenbetrages  vorzumehmen
  ist.

Alle  sonstigen  Leistungen  sind  dagegen  in  den  bisherigen,  auf  das  neue
Gewicht  zurückgeführten  Größen,  jedoch  unter  Anwendung  des  neuen  Gewichts,
zu  entrichten.

Hünschtlic  des  Verkaufspreises  des  Salzes  und  der  für  denselben  zu
verabfolgenden  Gewichtsmenge  wird  durch  die  gegenwärtige  Verordnung  nichts

geändert.
.  S.

Wo  das  Gewicht  auf  die  Bestimmung  einer  Strafe  Einfluß  ausübt,  tritt
das  neue  Gewicht  dem  Nennwerthe  nach,  ohne  Reduktion,  an  die  Stelle  des  bisherigen
  Gewichts.

G.  9.

Die  Benutzung  anderer  Gewichte,  als  nach  den  Bestimmungen  der  gegenwärtigen
  Verordnung  gestattet  sind,  oder  nicht  geaichter  Gewichte  im  Verkehre
oll  mit  der  Konfiskation  der  verbotswidrigen  Gewichtstücke  und  weiter  im  ersten

etretungsfalle  mit  einer  Gelsstrafe  von  einem  Thaler  bis  zu  fünf  Thalern,
in  Wiederholungsfällen  aber  mit  Geldstrafen  bis  zu  zwanzig  Thalern  geahndet
werden.
g.  10.

Die  gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  1.  September  1867.  in  Kraft.
(Nr.  6725—6726.)  S.  11.
        <pb n="1309" />
        —  112  —
K.  11.

Der  Finanzminister  und  der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche
Arbeiten  werden  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

zirhandch  unter  Unserer  Hochsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  5.  Juli  1867.

(I.  8.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.
v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

 

(Nr.  6726.)  Verordnung,  betreffend  die  Heimathsrechte  der  außerhalb  der  Herzogthümer
Schleswig  und  Holstein  geborenen,  mit  ihren  Eltern  in  das  Herzogthum
Schleswig  cingewanderten  Personen.  Vom  5.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm),  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u§
verordnen  hiermit  für  das  Gebiet  des  Herzogthums  Schleswig,  was  folgt:

Außerhalb  der  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein  geborene  Kinder
solcher  Eltern,  welche  zur  Zeit  der  Geburt  destr  Kinder  in  den  genannten  Herweglhumem
  nicht  versorgungsberechtigt  waren,  erlangen,  falls  sie  vor  zurückgelegtem
a  eehnten  Lebensjahre  als  Familienmitglieder  der  letzteren  bei  deren  Ridchlaßung
eem  Herzogthume  Schleswig  oder  bei  der  Verheirathung  ihrer  Mutter  mit

einem  im  Herzogthume  Schleswig  heimathsberechtigten  Manne  mitgebracht  worden
  find,  nach  Erfüllung  ihres  achtzehnten  Lebensjahres  in  derjenigen  Kommume,
in  welcher  ihre  Eltern  zu  diesem  Zeitpunkte  Versorgungsrechte  besitzen,  Heimathsrechte
  und  behalten  dieselben,  bis  sie  solche  anderswo  Felbsestendin  erwerben.

Lürbundh  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Infiegel.

Gegeben  Berlin)  den  5.  Juli  1867.

(1.  s.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Gehelmen  Ober-Hofbuchdruckern,
(R  v.  Decker).
        <pb n="1310" />
        —  1133  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

N.  67.

 

(Nr.  6727.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuchs
  in  die  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig.  Vom  5.  Juli
1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #c.

verordnen  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums  für  die  Herzogthümer
Holstein  und  Schleswig,  was  folgt:

F.  1.
Das  Allgemeine  Deutsche  Handelsgesetzbuch  (Gesetz=  Samml.  für  1861.
480.  ff.)  erlangt  in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig  mit  dem
.  ——  1867.  Gesetzeskraft.

Mit  demselben  Zeihurke  sollen  zugleich  folgende  seerechtliche  Vorschriften
des  Preußischen  Rechts,  nämlich:

1)  das  Gesetz,  betreffend  die  Rechtsverhältnisse  der  Schiffemannschaft  auf
den  Spssfer  vom  26.  März  1864.  (Gesetz  Samml.  S.  693.),

2)  das  Gesetz  zur  Aufrechterhaltung  der  Maucht  auf  den  Seeschiffen
vom  31.  März  1841.  (Gesetz=  Samml.  S.  64.),  soweit  dasselbe  durch
das  Gesetz  vom  26.  März  1864.  nicht  abgeändert  ist,

3)  die  Verordnung,  betreffend  die  Verpflichtung  der  Preußischen  Serschfer

zur  Mitnahme  verun  ziglüchter  eher  Schiffsmänner,  vom  5.
tober  1833.  (Gesetz-Samml.  S.  122.

4)  das  Gesetz  über  die  Bestrafung  von  .  Preußischer  Handelsschiffe,
welche  sich  dem  übernommenen  Dienste  entziehen,  vom  20.  März  1854.
(Gesetz  Samml.  S.  137.),

sowie  die  nachfolgenden  Einführungsbestimmungen  in  Geltung  treten.

Jabrgang  1857.  (Tr.  6727.)  149  Erster
Ausgegeben  zu  Berlin  den  25.  Juli  1867.
        <pb n="1311" />
        —  1134  —

Erster  Titel.

Bestimmungen)  die  Ergänzung  des  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuchs
  betreffend.

.  2.
Zu  Artikel  1.  Handelssachen  sind  die  Rechtsangelegenheiten,  welche  eines
der  folgenden  Privatrechtsverhältnisse  zum  Gegenstande  haben:

1)  das  Rechtsverhältniß,  welches  aus  Handelsgeschäften  (Artikel  271.  bis  273.
des  Handelsgesetzbuchs)  zwischen  den  Betheiligten  entsteht;

2)  die  Rechtsverhältnisse  zwischen  den  Mitzliedern  einer  Handelsgesellschaft,
zwischen  dem  stillen  Gesellschafter  und  dem  Inhaber  des  Handelsgewerbes,
  sowie  zwischen  den  Theilnehmern  einer  Vereinigung  zu  einzelnen
Handelsgeschäften  oder  einer  Vereinigung  zum  Handelsbetriebe  (Artikel  10.
des  Han  Elsgeschuchs)  „sowohl  während  des  Bestehens,  als  nach  Auflösung
  des  gefeüschaft  ichen  Verhältnisses,  ingleichen  das  Rechtsverhältni
zwischen  den  Liquidatoren  oder  den  Vorstehern  einer  Handelsgese  10o
und  der  Gesellschaft  oder  den  Mitgliedern  derselben;

3)  das  Rechtsverhältniß,  welches  das  Recht  zum  Gebrauch  einer  Handelsfirma
  betrifft;

4)  das  Rechtsverhältniß,  welches  durch  die  Veräußerung  eines  bestehenden
Handelsgeschäfts  zwischen  den  Kontrahenten  entsteht;

5)  die  Rechtsverhältnisse  zwischen  dem  Prokuristen,  dem  Handlungsbevollmächigten
  oder  dem  Handlungsgehüfen  und  dem  Eigenthümer  der
Lue  sniederlassung,  sowie  das  Rechtsverhältniß  zwischen  einer  dritten

erson  und  Demjenigen,  welcher  ihr  als  Prokurist  oder  Handlungsbevollmächtigter
  aus  einem  Handelsgeschäfte  haftet  (Artikel  55.  des  Handelsgesetzbuchs);


6)  das  Rechtsverhältniß,  welches  aus  den  Berufsgeschäften  des  Handelsmäklers
  zwischen  diesem  und  den  Parteien  entsteht;

7)  die  Rechtsverhältnisse  des  nch  insbesondere  diejenigen,  welche  auf
die  Rhederei,  die  Rechte  und  Pflichten  des  Rheders,  des  Korrespondentrheders
  und  der  Schiffsbesatzung,  auf  die  Bodmerei  und  die  Haverei,  auf
den  Schadensersatz  im  Falle  des  Zusammenstoßens  von  Schiffen,  auf  die
Bergung  und  Hülfeleistung  in  Seenoth  und  auf  die  Ansprüche  der
Schiffsgläubiger  sich  beziehen.

S.  3.
Die  Höhe  der  gesetzlichen  Zinsen,  insbesondere  auch  der  Verzugszinsen,  ist
in
        <pb n="1312" />
        —  1186  —

in  allen  Handelssachen  sechs  vom  Hundert  jährlich;  ingleichen  können  in  allen
Handelssachen  Zinsen  zu  sechs  vom  Hundert  -  bedungen  werden.

Die  Vorschriften  des  Artikels  292.  Absatz  2.  des  Lmissgeschbuchs  und
der  Verordnung  vom  18.  März  1867.  (Gesetz=  Samml.  S.  387.

durch  nicht  berührt.

werden  hier-S.

  4.
Insofern  das  Handelsgesetzbuch  auf  die  Landesgesetze  Bezug  nimmt,  ist
unter  diesen  überhaupt  das  bestehende  Recht  zu  verstehen.

g.  5.

Zu  den  Artikeln  6.  bis  9.  Eine  Unverheirathete,  welche  gewerbemäßig
Handelsgeschäfte  betreibt,  wird  Handelsfrau,  auch  wenn  die  Betreibung  der  Handelsgeschäfte
  ohne  Zuziehung  eines  Geschlechtsvormundes  begonnen  ist.

KS.  6.

Kann  der  Ehemann  seine  Einwilligung  zu  dem  Handelsbetriebe  seiner  Ehefrau
  wegen  Abwesenheit,  Geistesschwäche  oder  anderer  Gründe  nicht  ertheilen,  so
ist  das  Priicht  befugt,  auf  den  Antrag  der  Ehefrau  dieser  nach  Prüfung  der  in
Betracht  kommenden  Verhältnisse  den  Handelsbetrieb  zu  gestatten.

S.  7.

Die  Einwilligung  des  Ehemannes  zu  dem  Handelsbetriebe  der  Ehefrau  ist
nicht  erforderlich,  wenn  bei  Trennung  der  Ehe  von  Tisch  und  Bett  eine  gerichtliche
  Auseinandersetzung  der  Vermögensverhältnisse  unter  den  Eheleuten  stattgefunden
  hat.

S.  8.

Demjenigen,  der  aus  einem  mit  einem  verheiratheten  Kaufmann  oder  einer
verheiratheten  Handelsfrau  abgeschlossenen  Handelsgeschäfte  eine  Forderung  erworben
hat,  kann  eine  Abweichung  von  dem  am  Wohnorte  des  Schuldners  geltenden
ehelichen  Güterrechte  nur  dann  entgegengesetzt  werden,  wenn  dieselbe  ihm  bekannt
oder  in  das  Handelsregister  eingetragen  und  nach  Maaßgabe  der  Artikel  13.
und  14.  des  Handelsgesetzbuchs  veröffentlicht  war.

Es  ist  nicht  erforderlich,  daß  die  Abweichung  ihrem  Inhalte  nach  eingetragen
  wird,  vielmehr  genügt  die  Eintragung  der  Thatsache,  daß  eine  Abweichung
  stattfindet.

Eine  beglaubigte  Abschrift  der  die  Abweichung  bestimmenden  Urkunde  ist
bei  dem  Hand  seericte  einzureichen.

Jeder  der  Ehegatten  ist  befugt,  die  Eintragung  der  Abweichung  in  das
Handelsregister  zu  verlangen.

Auf  die  im  Artikel  10.  des  Handelsgesetzbuchs  bezeichneten  Personen  finden
jedoch  die  vorstehenden  Bestimmungen  keine  Anwendung.

(Nr.  6727.)  140“  5.  9.
        <pb n="1313" />
        —  1136  —

g.  9.

Durch  die  Bestimmungen  des  Artikels  8.  des  Handelsgesetzbuchs  werden
die  bisherigen  Vorschriften  nicht  berührt,  nach  welchen  der  Ehemann,  auch  wenn
keine  Gütergemeinschaft  besteht,  unter  gewissen  Voraussetzungen  für  die  Handelsschulden
  seiner  Ehefrau  haftet.

KS.  10.

Zuden  Artikeln  12.  bis  14.  Jede  zur  Eintragung  in  das  Handelsregister
bestimmte  Anmeldung  muß  auch  in  denjenigen  Fällen,  für  welche  das  Handelsgesetzbuch
  dies  nicht  besonders  vorschreibt,  entweder  persönlich  vor  dem  Handelsgeeichte
  erklärt,  oder  in  beglaubigter  Form  bei  dem  Handelsgerichte  eingereicht
werden.

Die  Anmelhung  git  als  vor  dem  Handelsgerichte  erklärt,  wenn  sie  von
einem  dazu  bestellten  Richter  des  Handelsgerichts  aufgenommen  ist.  Unter  der
beglaubigten  Form  ist  die  gerichtliche  oder  notarielle  Fomm  zu  verstehen.  Geschieht
die  Anmeldung  durch  einen  Bevollmächtigten,  so  hat  dieser  eine  gerichtliche  oder
notarielle  Vollmacht  beizubringen.  çl

Dieselben  Formvorschriften  gelten  in  Bezug  auf  die  Zeichnung  oder  Einreichung
  der  Zeichnung  einer  Firma  oder  Unterschrift,  welche  nach  Vorschrift  des
Handelsgesetzbuchs  bei  dem  Handelsgerichte  bewirkt  werden  soll.

Die  näheren  geschäftlichen  Anordnungen  über  die  Führung  des  Handelsregisters
  bleiben  einer  von  dem  Justizminister  den  Gerichten  zu  ertheilenden
Instruktion  vorbehalten.

C.  11.

Wenn  das  Handelsgericht  in  glaubhafter  Weise  davon  Kenntniß  erhält,
daß  eine  Vorschrift  nicht  befolgt  worden  ist,  nach  welcher  eine  Anmeldung  zur
Eintragung  in  das  Handelsregister  und  die  Zeichnung  oder  die  Einreichung  der
Zeichnung  einer  Firma  oder  Unterschrift  bei  dem  Handelsgerichte  zu  bewirken  ist,
so  hat  es  eine  Verfügung  an  den  Betheiligten  zu  erlassen,  durch  welche  derselbe
unter  Androhung  einer  angemessenen  Ordnungsstrafe  au  geordert  wird,  innerhalb
einer  bestimmten  Frist  entweder  die  geschliche  Anordnung  zu  befolgen,  oder  die
1Unterlasung  mittelst  Einfprn  6  gegen  die  Verfügung  zu  rechtfertigen.

er  Lauf  der  in  der  ulhen  bestimmten  Frist  beginnt  mit  dem  Tage,
welcher  auf  den  Tag  der  Zustellung  der  Varfügung  folgt.  Der  Einspruch  #er
schie.  durch  schriftliche  Eingabe  an  das  Handelsgericht,  oder  zu  Protokoll  bei
emselben.
’.

Wird  binnen  der  lach  die  Verfügung  bestimmten  Frist  weder  die  gesetzliche
  Anordnung  befolgt,  noch  Einspruch  gegen  die  Verfügung  erhoben,  so  hat
das  Handelsgericht  die  angedrohte  Strafe  gegen  den  Betheiligten  festzusetzen  und

gleichzeitig  die  Verfügung  unter  Androhung  einer  anderweiten  Ordnungsstrafe  zu
wiederholen.  Ku#
        <pb n="1314" />
        —  1137  —

K.  13.

Wird  gezen  die  Verfügung  binnen  der  bestimmten  Frist  Einspruch  erhoben,
so  hat  das  Hahelzzerich  t  sofern  nicht  aus  dem  Einspruch  die  Rechtfertigun
des  Betheiligten  sich  ergiebt,  einen  Termin  zu  bestimmen,  in  welchem  mün  uch
und  in  öffentlicher  Sitzung  der  Betheiligte  über  die  Verwirkung  der  Ordnungsstrafe
  zu  hören,  im  geeigneten  Falle  Beweis  aufzunehmen  und  zu  entscheiden  ist.

Der  Betheiligte  ist  zu  diesem  Termine  vorzuladen;  er  kann  in  demselben
persönlich  oder  durch  einen  Bevollmächtigten  die  Gründe  und  Beweise  seiner
Rechtfertigung  vorbringen  Wer  als  Bevollmächtigter  zuzulassen  sei,  ist  nach  den
Vorschriften  zu  beurtheilen,  welche  bei  dem  Gerichte  für  das  Prozeßverfahren  in
Civilsachen  maaßgebend  sind.

KC.  14.

Erscheint  der  Betheiligte  nicht  in  dem  Termine,  oder  ergiebt  sich  bei  der
Verhandlung,  daß  die  gelezüche  Anordnung  von  dem  Behheiligten  hätte  befolgt
werden  müssen,  so  wird  die  Ordnun  sstuaß,  gegen  denselben  festgesetzt  und  zugleich
  mit  der  Entscheidung,  wenn  nicht  etwa  inzwischen  die  Verhältnisse  sich  geändert
  haben,  eine  neue  Verfügung  nach  Maaßgabe  des  F.  11.  erlassen.

..  15.

Der  Verurtheilte  kann  gegen  die  Entscheidung  nur  Beschwerde  an  das
vorgeordnete  Gericht  erheben.  Aselee  muß  binnen  zehn  Tagen  durch  heistiche
Einzabe  oder  Protokoll  bei  dem  Handelsgerichte  angemeeldet  werden.  Die  Vo
streckung  der  Entscheidung  wird  durch  Sinlegung  der  espwerd  gehemmt.  Das
Handelsgericht  hat  ohne  Verzug  die  Beschwerde  nebst  den  bisherigen  Verhandlungen
  dem  vorgeordneten  Gerichte  einzureichen.  Bei  diesem  ist  nach  den  Bestimmungen
  des  F.  13.  zu  verfahren.

S.  16.

Für  die  neuen  Verfügungen,  welche  gemäß  §.  12.  oder  H.  14.  erlassen
werden,  und  für  das  auf  dieselben  folgende  Verfahren  gilt  dasselbe,  was  in  den
vorstehenden  Paragraphen  vorgeschmieben  ist.

Der  Lauf  der  Frist,  welche  in  einer  gemäß  G.  14.  erlassenen  neuen  Verfügung
  bestimmt  ist,  beginnt  mit  dem  Tage,  der  auf  denjenigen  folgt,  an  welchem

ie  Frist  zur  Erhebung  der  Beschwerde  abgelaufen  ist.

Die  Verfügungen  und  die  Festsetzungen  von  Ordnungsstrafen  werden
aserholn  bis  die  gesetzliche  Anordnung  beshigt  oder  ihre  Voraussetzung  weggefallen
  ist.

S.  17.

Die  Ordnungsstrafe,  welche  angedroht  und  festgestellt  werden  kann,  besteht
in  Geldbuße  von  fünf  bis  zweihundert  Thalern.  Eine  Umwandlung  der  Geldbuße
  in  Gefängnißstrafe  findet  nicht  statt.  Bei  der  Feststellung  der  Ordnungsstrafe
  ist  der  Betheiligte  zugleich  in  die  Kosten  des  Verfahrens  zu  veruteien

(Nr.  6727.  ..
        <pb n="1315" />
        —  1138  —

K.  18.

Die  Gerichte  find  befugt,  zu  jeder  Jeit,  das  Verfahren  nag  bereits  eingeleitet
  sein  oder  nicht,  durch  die  Beamten  der  gerichtlichen  Polizei  oder  der  Verwaltungspolizei
  Ermittelungen  über  den  Sachverhalt  einzuziehen,  auch  in  Fällen,
in  aigen  dies  erforderlich  erscheint,  durch  einen  Kommissar  des  Gerichts  oder
durch  Requisition  anderer  Gerichte  die  eidliche  Vernehmung  von  Zeugen  zu  bewirken.
  Sie  können  auch  die  Verhandlung  in  der  Sißung  zu  einer  anderen
Sitzung  vertagen,  sowie  von  Amtswegen  Zeugen  zur  Sitzung  vorladen  lassen.
Gegen  Zwischenverfügungen  findet  ein  Rechtsmittel  nicht  statt.

K.  19.  .

Den  Beamten  der  Staatsanwaltschaft  und  der  Polizei  lieg  ob,  darauf
zu  achten,  daß  den  Vorschriften  des  Handelsgesetzbuchs,  zu  deren  Befolgung  die
Handelsgerichte  durch  Ordnungsstrafen  anzuhalten  haben,  von  den  dazu  verpflichteten
  Personen  Fenägt  wird;  dieselben  haben  die  Unterlassungen  und  Zuwiderhandlungen,
  welche  zu  ihrer  Kenntniß  gelangen,  bei  den  musländigen  Handelsgerichten
  zur  Anzeige  zu  bringen.

J.  20.

Zu  Artikel  21.  Befindet  sich  die  Hauptniederlassung  an  einem  Orte,
an  welchem  das  Handelsgesetzbuch  nicht  Gesetzeskraft  hat,  so  ist  die  im  Artikel  21.
Absatz  3.  des  Handelsgesetzbuchs  vorgeschriebene  Nachweisung  nicht  erforderlich.

KG.  21.

Zu  Artikel  26.  In  Bezug  auf  die  Ausführung  der  Vorschrift  des
Handelsgesetzbuchs,  gemäß  welcher  das  Handelsgericht  gegen  diejenigen  einschreiten
soll,  welche  sich  einer  ihnen  nicht  zustehenden  Firma  bedienen  (Artikel  26.  des
Handelsgesetzbuchs),  kommen  die  Bestimmungen  der  §99.  11.  bis  19.  mit  folgenden
  Maaßgaben  zur  Anwendung:

1)  Die  Verfügung  (§.  11.),  durch  welche  das  Handelsgericht  einschreitet,
sowie  die  neue  Verfügung,  welche  gemäß  §F.  14.  oder  H.  16.  ergeht,  ist
ohne  Bestimmung  einer  Frist  dahin  zu  erlassen,  daß  der  Behheiligte
unter  Androhung  einer  Ordmungsstrafe  aufgefordert  wird,  sich  dieser
Firma  nicht  ferner  zu  bedienen.

2)  Das  Handelsgericht  hat  nach  Erlaß  der  Verfügung  gemäß  §9.  13.  ff.
weiter  zu  vechahien,  wenn  es  in  glaubhafter  Weise  davon  Heelainh
erhält,  daß  der  Verfügung  nach  Zustellung  derselben  zuwidergehandelt
worden  ist.  E

Zu  Artikel  34.  Die  Handelsbücher  der  Kaufleute  sind  bei  Streitigkeiten

egen  Nichtkaufleute  für  sich  allein  zur  Erbringung  des  Beweises  nicht  hinreichend,
socbem  nur  zur  Unterstützung  anderer  Beweise  geeignet.  Jedoch
edoch
        <pb n="1316" />
        —  1139  —

Jedoch  hat  der  Richter  nach  seinem,  durch  die  Erwägung  aller  Umstaͤnde
des  Falles  geleiteten  Ermessen  zu  entscheiden,  ob  den  ordnungsmäßig  geführten
Handelsbüchemn  in  Handelssachen  in  dem  Maaße  Beweiskraft  beizulegen  sei,  daß
der  einen  oder  der  anderen  Partei  der  Eid  auferlegt  werde.

K.  23.
Zu  Artikel  42.  Zur  Ertheilung  von  Konseusen  vor  den  mit  der  She
rung  der  Schuld=  und  Pfandprotokolle  beauftragten  Behörden  ist  der  Prokurist
mrr  ermächtigt,  wenn  ihm  diese  Befugniß  besonders  ertheilt  ist.

K.  24.

Zu  Artikel  61.  Die  in  landesherrlich  bestätigten  Statuten  einer  Handelsinnung
  vorgeschriebene  Dauer  der  Lehrzeit  kommt  nur  in  Betracht,  insofern  nicht
durch  Vertrag  eine  anderweite  Dauer  festgesetzt  ist.

§.  25.

Zu  den  Artikeln  66.  bis  84.  Die  Handelsmäll  werden  an  den  Orten,
für  welche  kaufmännische  Korporationen  oder  Handelskammern  bestehen,  von
diesen  ernannt;  die  Ernennung  bedarf  der  Bestätigung  der  Regierung.

Die  Anstellung  von  Handelsmäklern  an  anderen  Orten  geschieht  durch

die  Regierung.
«  ersonen,  über  deren  Vermögen  der  Konkurs  eröffnet  worden  ist,  können
als  Handelsmäkler  nur  dann  zugelassen  werden,  wenn  das  Konkursgericht  bezeugt,
daß  im  Konkursverfahren  nicht  solche  Umstände  ermittelt  sind,  welche  den
meinschuldner  des  öffentlichen  Vertrauens  unwürdig  machen.

Zur  Bestellung  einer  Dienstkaution  sind  die  Handelsmäkler  nicht  verpflichtet.


26.
Den  Handelsmäklern  steht  ein  ausschließliches  Recht  zur  Vermittelung  von
Handelägeschiften  nicht  zu.  Die  Gesetze  oder  Verordnungen,  durch  welche  ihnen
ein  solches  Recht  beigelegt  ist,  werden  aufgehoben.

.  27.
Die  Handelsmäkler,  welche  zur  Vermittelung  von  Kaufgeschäften  über

Waaren  ife  oder  Handelspapiere  bestellt  sind,  haben  zugleich  die  Befugniß,
öffentliche  Versteigerungen  derselben  Gegenstände  abzuhalten.

C.  28.

Die  Beeidigung  der  Handelsmäkler  erfolgt  bei  dem  Handelsgerichte.

Die  für  das  Tagebuch  des  Handelsmäklers  in  dem  Artikel  71.  des  Handelsgesetzbuchs
  vorgeschriebene  Beglaubigung  geschieht  durch  den  Vorsitzenden  des
Handelsgerichts.

(Nr.  6727.)  Die
        <pb n="1317" />
        —  1140  —

Die  Behörde,  bei  welcher  nach  der  Vorschrift  des  Artikels  75.  des  Handelsgesetzbuchs
  das  Tagebuch  eines  verstorbenen  oder  aus  dem  Amte  geschiedenen
Handelsmäklers  niedergelegt  wird,  ist  das  Handelsgericht.

K.  29.

undelemnler,  welche  eine  der  nach  dem  Artikel  69.  des  Handelsgesetzbuchs
  ihnen  obliegenden  Pflichten  verletzen,  werden  mit  Geldbuße  von  fäns  und
zwanzig  bis  zu  fünfhundert  Thalern  bestraft;  im  Rückfalle  kann  außerdem  auch
auf  Entsetzung  erkannt  werden.  Durch  diese  Bestimmung  wird  die  Anwendung
einer  härteren  Strafe  nicht  ausgeschlossen,  wenn  dieselbe  nach  sonstigen  Gesetzen
durch  die  Handlung  begründet  ist.

Die  Verordnungen,  nach  welchen  kaufmännische  Korporationen  befugt  sind,
die  Handelsmäkler  wegen  Pflichtverletzungen  anderer  Art  im  Wege  der  Disziplin
zu  bestrafen,  bleiben  in  Kraft.

K.  30.

Zu  Artikel  91.  Die  bestehenden  gesehlichen  Vorschriften  hinsichtlich  der
rechtlichen  Voraussetzung  des  Eigenthumserwerbes  an  unbeweglichen  Sachen  werden
  durch  die  im  Artikel  91.  des  Handelsgesetzbuchs  ausgesprochene  Präsumtion
nicht  abgeändert.

§F.  31.

Zu  den  Artikeln  111.  164.  213.  Grundstücke,  Gerechtigkeiten,  dingliche
Rechte  und  Hypothekenforderungen,  welche  zu  dem  Vermögen  einer  Handelsgesell.
schaft  gehören,  sei  diese  eine  o8%%  Gesellschaft,  eine  Kommanditgesellschaft,  eine
Kommanditgesellschaft  auf  Aktien  oder  eine  Aktiengesellschaft,  werden  auf  den
Namen  der  Gesellschaft  in  das  Schuld=  und  Pfandprotokoll  eingetragen.

G.  32.

Die  Eintragung  erfolgt  ohne  Benennung  der  einzelrten  Gesellschafter;  sie
darf  erst  geschehen,  wenn  die  Eintragung  der  Gesellschaft  in  das  Handelsregister
nachgewiesen  ist.  Bei  der  Eintragung  ist  die  Firma  der  aelct  und  der
Ort,  wo  sie  ihren  Sitz  hat,  anzugeben.  Tritt  in  Bezug  auf  die  Firma  oder
den  Sitz  der  Gesellschaft  eine  Aenderung  ein,  so  ist  diese  im  Schuld-  und  Pfandprotokoll
  zu  vermerken.

C.  33.

Soll  eine  Verfügung  f  welche  im  Namen  der  Gesellschaft  über  einen  der
im  §.  31.  bezeichneten  Gegenstände  erfolgt  ist,  in  das  Schuld=  und  Pfandprotokoll
eingetragen  werden,  so  genügt  zur  Feststellung  der  Befugniß  desjenigen,  welcher
im  Namen  der  Gesellschaft  verfügt  hat,  der  Nachweis  aus  dem  Handelsregister,
daß  derselbe  zu  der  Gesellshaft  in  einem  Verhältniß  gestanden  hat,  wodurch  er
nach  den  Bestimmungen  des  Handeseeseküuche  befugt  war,  in  der  geschehenen
Art  im  Namen  der  Gesellschaft  mit  rechtlicher  Pereng  gegen  Dritte  zu
verfügen.

g.  34.
        <pb n="1318" />
        Die  Rachweisungen  aus  dem  Handelsregister  werden  durch  Atteste  des
Handelsgerichts  geliefert,  welches  das  Handelsregister  führt.

G.  35.

Zu  den  Artikeln  123.  170.  200.  242.  Ueber  das  Vermögen  einer  unter
einer  gemeinschaftlichen  Firma  bestehenden  Handelsgesellschaft,  sei  diese  eine  offene
Geseschast  eine  Kommanditgesellschaft  oder  eine  Kommanditgesellschaft  auf  Aktien,
ist  der  Konkurs  zu  eröffnen,  wenn  in  Bezug  auf  die  Gesellschaft  Verhältnisse
vorliegen,  unter  welchen  über  das  Vermögen  eines  Kaufmannes  der  Konkurs  zu
eröffnen  ist  und  wenn  zugleich  die  Gesellschaft  ihre  JZahlungen  eingestellt  hat.

Wird  der  Konkurs  über  das  Vermögen  der  Gesellschaft  eröffnet,  so  ist
zugleich  über  das  Privatvermögen  eines  jeden  persönlich  haftenden  Gesellschafters
der  Konkurs  zu  eröffnen.

An  dem  Konkurse  über  das  Gesellschaftsvermögen  sind  nur  die  Gläubiger
der  Gesellschaft  Theil  zu  nehmen  berechtigt.  Dieselben  können  wegen  des  Ausfalles
  in  diesem  Konkurse  gleichzeitig  in  den  Konkursen  über  das  Privatvermögen
der  persönlich  haftenden  Gesellschafter  als  Gläubiger  auftreten.

Der  Konkurs  über  das  Vermögen  eines  Gesellschafters  zieht  den  Konkurs
über  das  Vermögen  der  Gesellschaft  nicht  nach  sich.

§.  36.  .

Wenn  in  Folge  der  Artikel  123.  170.  oder  200.  des  Handelsgesetzbuchs
eine  offene  Gesellschafh  oder  eine  Kommanditgesellschaft  durch  die  Eröffiunng  des
Konkurses  über  das  Vermögen  eines  Gesellschafters  oder  eine  Kommanditgesellschaft
  auf  Aktien  durch  die  Eröffnung  des  Konkurses  über  das  Vermögen  eines
bersönlich  haftenden  Gesellschafters  agwi  ist,  so  hat  bei  der  in  Gemaßheit  der
Artikel  133.  172.  und  205.  des  Handelsgesetzbuchs  stattfindenden  Liquidation  der
Konkurskurator  die  Rechte  der  Konkursmasse  wahrzunehmen.

5.  37.

Wird  über  eine  Handelsgesellschaft,  sei  diese  eine  offene  Gesellschaft,  eine
Kommanditgesellschaft,  eine  Kommanditgesellschaft  auf  Aktien  oder  eine  Aktiengesellschaft,
  der  Konkurs  eröffnet,  so  ist  dies  von  Amtswegen  in  das  Handelsregister
  einzutragen.

Die  Bekanntmachung  der  Eintragung  durch  eine  Anzeige  in  öffentlichen
Blättern  unterbleibt.

Wenn  das  Handelsregister  nicht  bei  dem  Konkursgerichte  geführt  wird,  so
ist  die  Konkurseröffnung  von  Seiten  des  Konkursgerichts  dem  Handelsgerichte,  bei
welchem  das  Register  geführt  wird,  zur  Bewirkung  der  Eintragung  unverzüglich
anzuzeigen.

Jehrgang  1867.  (Nr.  6727.)  150  K.  38.
        <pb n="1319" />
        —  1142  —

gz.  38.

Zu  den  Artikeln  174.  und  206.  Zur  Errichtung  einer  Kommanditgesellschaft
  auf  Aktien  ist  die  staatliche  Genehmigung  nicht  anforderüch.

S.  39.

Zu  den  Artikeln  175.  177.  191.  bis  195.  Die  pelsänlih  haftenden
Mitglieder  einer  Kommanditgesellschaft  auf  Aktien  werden  mit  Gefängniß  bis  zu
drei  Monaten  bestraft:

1)  wenn  sie  vorsätzlich  Behufs  der  Eintragung  des  Gesellschaftsvertrages  in
das  andelereziste  falsche  Angaben  über  die  Zeichnung  oder  Einzahlung
des  Kapitals  der  Kommanditisten  machen;

2)  wenn  durch  ihre  Schuld  die  Gesellschaft  länger  als  drei  Monate  ohne
Aussichtsrath  geblieben  ist.

K.  40.

Zu  den  Artikeln  208.  214.  242.  247.  248.  Unter  der  in  den
Artikeln  208.  214.  242.  247.  und  248.  des  Handelsgesetzbuchs  für  erforderlich
erklärten  staatlichen  Genehmigung  ist  die  landesherrliche  Genehmigung  zu  verstehen.

C.  41.

Nach  erfolgter  landesherrlicher  Genehmigung  einer  Aktiengesellschaft  wird
der  Gesellschaftsvertrag  nebst  der  Genehmigungsurkunde  durch  das  Amtsblatt
(Verordnungsblatt)  desjenigen  Regierungsbezirks,  in  welchem  die  Gesellschaft  ihren
Sitz  hat,  bekannt  gemacht.

Eine  Anzeige  von  der  landesherrlichen  Genehmigung  der  Errichtung  der
Gesellschaft  ist  in  die  Gesetz=  Sammlung  aufzunehmen.

Die  Kosten  der  Bekanntmachung  durch  das  Amtsblatt  trägt  die  Gesellschaft.

Jede  Abänderung  oder  Verlängerung  des  Gesellschaftsvertrages  ist  gleichfalls
  nach  Maaßgabe  der  vorstehenden  Bestimmungen  bekannt  zu  machen.

Die  in  dem  Handelsgesetzbuch  über  die  Veröffentlichung  enthaltenen  Vorschriften
  werden  durch  diesen  Paragraphen  nicht  berührt.

S.  42.

Zu  den  Artikeln  227.  und  230.  Die  nach  den  Artikeln  227.  und  230.
des  Handelsgesetzbuchs  dem  Vorstande  der  Gesellschaft  zustehende  Befugniß  zur  Vertretung
  derselben  erstreckt  sich  auch  auf  diejenigen  Geschäfte  und  Rechtshandlungen,
für  welche  nach  den  Gesetzen  eine  Spezialvollmacht  erforderlich  ist.

g.  43.

Zu  den  Artikeln  239.  240.  242.  Unter  der  Verwaltungsbehörde,  welche  in
den  Artikeln  240.  und  242.  des  Handelsgesetzbuchs  erwähnt  wird,  ist  die  Regierung
zu
        <pb n="1320" />
        —  1143  —

zu  verstehen,  in  deren  Bezirke  die  Aktiengesellschaft  ihren  Sitz  hat.  Ist  für  die
etztere  eine  besondere  Aufsichtsbehörde  bestellt,  so  tritt  diese  an  die  Stelle  der
Regierung.

K.  44.
Innerhalb  der  im  Artikel  239.  des  Handelsgesetzbuchs  vorgeschriebenen

Feit  hat  der  Vorstand  die  jährliche  Bilanz  auch  der  im  K.  43.  bezeichneten  Behörde
  einzureichen.  «
s.45.

Im  det  das  Vermögen  der  Geselschast.  nicht  mehr  die  Schulden  deckt,
bat  die  im  F.  43.  bezeichnete  Behörde  dem  zur  Eröffnung  des  Konkurses  befugten
Gerichte  davon  Mitheilmn  zu  machen,  sobald  sie  die  Sachlage  durch  Einreichung
der  Bilanz  erfährt.

KC.  46.

Die  Mitglieder  des  Vorstandes  einer  Aktiengesellschaft  werden  mit  Gefängniß
  bis  zu  drei  Monaten  bestraft,  wenn  sie,  der  Vorschrift  des  Artikels  240.
des  Handelsgesetzbuchs  zuwider,  dem  Gerichte  die  Anzeige  zu  machen  unterlassen,
daß  das  Vermögen  der  Gesellschaft  nicht  mehr  die  Schulden  deckt.

Die  Strafe  tritt  nicht  ein,  wenn  von  ihnen  nachgewiesen  wird,  daß  die
Anzeige  ohne  ihr  Verschulden  unterblieben  ist.  ·

§.47.

Die  Genehmigung  einer  Aktiengesellschaft  kann  von  dem  Landesherrn  aus
überwiegenden  Gründen  des  Gemeinwohls  gegen  Entschädigung  zurückgenommen
werden.  Ueber  die  Höhe  der  Entschädigung  entscheidet  in  streitigen  Fällen  das
ntche  Gericht  des  Orts,  an  welchem  die  im  F.  43.  bezeichnete  Behörde  ihren

itz  hat.

KG.  48.

Wenn  eine  Aktiengesellschaft  sich  rechtswidriger  Handlungen  oder  Unterlassungen
  schuldig  macht,  durch  welche  das  Gemeinwohl  gefährdet  wird,  so  kann
sie  ausgelest  werden,  ohne  daß  deshalb  ein  Anspruch  auf  Entschädigung  stattfindet.


Die  Auflösung  kann  in  diesem  Falle  nur  durch  gerichtliches  Erkenntniß
auf  Betreiben  der  im  F.  43.  bezeichneten  Behörde  erfolgen.  Als  das  zuständige
Gericht  ist  dasjenige  anzusehen,  bei  welchem  die  Gesellschaft  ihren  ordentlichen
Gerichtsstand  hat  (Artikel  213.  des  Handelsgesetzbuchs.).

C.  49.

Zu  Artikel  283.  Der  Anspruch  auf  Schadensersatz  unterliegt  keiner  Beschrintung

  in  Ansehung  des  Betrages;  er  kann  den  doppelten  Betrag  oder  den
oppelten  Werth  des  ursprünglichen  Gegenstandes  der  Obligation  übersteigen.

(Nr.  6727)  150“  5.  50
        <pb n="1321" />
        —  1144  —

K.  50.

Zuden  Artikeln  306.  und  307.  Die  Artikel  306.  und  307.  des  Handelsesetzbuchs
  finden  bei  Papieren  auf  Inhaber,  so  lange  dieselben  außer  Kurs  geetzt
  sind,  keine  Anwendung.

G.  51.

Zu  Artikel  340.  Wenn  der  Verkäufer  sich  im  Vertrage  eine  vom
Käufer  in  bestimmter  oder  gebräuchlicher  Frist  vorzunehmende  Prüfung  der
Hr#bemäße  (Nachstechen,  Nachziehen  u.  s.  w.)  ausbedungen  hat,  ¾  ßit  es  im
weifel  als  die  Absicht  der  Kontrahenten,  daß  der  Vertrag  im  Falle  befundener
Probewidrigkeit  als  nicht  geschlossen  behandelt  werden  soll.

Läßt  der  Käufer  in  diesem  Falle  die  Frist  verstreichen,  ohne  die  Prüfung
vorzunehmen  und  die  Probewidrigkeit  zu  erklären,  so  kann  er  die  Nichtübereinstimmung
  der  Waare  mit  der  Probe  nicht  ferner  geltend  machen.

G.  52.

Zu  Artikel  343.  Den  im  Artikel  343.  erwähnten,  zu  Versteigerungen
befugten  Beamten  sind  die  Notare  gleich  zu  achten.

C.  53.

Zuden  Artikeln  347.  bis  349.  Die  Artikel  347.  bis  349.  finden  auch  auf
solche  Kaufgeschäfte  Anwendung,  bei  welchen  die  Waare  dem  Käufer  nicht  von
auswärts  zugesandt,  sondern  am  Platze  vom  Verkäufer  übergeben  wird.

C.  54.

Bei  den  in  der  Stadt  Altona  unter  Kaufleuten  geschlossenen  Platzgeschäften
wird  durch  den  Empfang  der  Waare,  soweit  nicht  ein  Anderes  bedungen  ist,
jede  Einwendung  gegen  die  Beschaffenheit  der  Waare  ausgeschlossen.

G.  55.

Zu  den  Artikeln  348.  365.  407.  In  den  Fällen  der  Artikel  348.  365.
und  407.  des  Handelsgesetzbuchs  ist  eine  besondere  Ernennung  von  Sachverständigen
  nicht  erforderlich,  wenn  eacche  Sachverständige  ein  für  alle  Mal  im  Voraus
  von  dem  Handelsgerichte  bestellt  sind.

G.  56.

Zudden  Artikeln  432.  bis  438.  Als  Preußische  Schiffe  und  als  berechtigt,
die  Preußische  Flagge  zu  führen,  sind  nur  diejenigen  Schiffe  anzusehen,  welche
sich  in  dem  ausschließlichen  Eigenthum  Preußischer  Unterthanen  befinden.

Aktiengesellschaften,  welche  in  Preußen  errichtet  sind  und  welche  zugleich  in
Preußen  ihren  Sitz  haben,  stehen  Preußischen  Unterthanen  gleich.  Dasselbe  gilt
von  Kommanditgesellschaften  auf  Aktien,  welche  in  Preußen  errichtet  sind  u  in

reußen
        <pb n="1322" />
        —  1145  —

Preußen  ihren  Sitz  haben,  sofern  zugleich  die  persönlich  haftenden  Mitglieder  derselben
  sämmtlich  Preußische  Unterthanen  sind.

G.  57.

Die  Führung  des  Schiffsregisters  und  die  Ausfertigung  der  Certifkate
wird  den  Handelsgerichten  übertragen,  in  deren  Bezirken  die  Seehäfen  belegen
sind.  Ein  jedes  dieser  Gerichte  hat  Här  alle  Häfen  seines  Bezirks  nur  Ein  Schiffsregister
  zu  führen.

KG.  58.
Ein  jedes  Schiff  kann  nur  in  dasjenige  Schiffsregister  eingetragen  werden,
welches  für  seinen  Heimathshafen  (Artikel  435.  des  Handelsgesetzbuchs)  geführt  wird.

g.  59.
Die  Eintragung  des  Schiffs  in  das  Schiffsregister  muß  enthalten:

1)  den  Namen  und  die  Gattung  des  Schiffs  (ob  Barke,  Brigg  u.  s.  w.)

2)  seine  Größe  und  die  nach  der  Größe  berechnete  Tragfähigkeit;

3)  die  Zeit  und  den  Ort  seiner  Erbauung,  oder,  wenn  es  einem  anderen
Lande  angehört  hat,  den  Thatumstand,  wodurch  es  das  Recht,  die  Landessagge
  zu  führen,  erlangt  hat,  und  außerdem,  wenn  thunlich,  die  Zeit
und  den  Ort  der  Erbauung;

4)  den  Heimathshafen;

5)  den  Namen  und  die  nähere  Beseichmmg  des  Rheders  (Artikel  450.  des
Hondelsgesehbuchs)  oder,  wenn  eine  Rhederei  besteht  (Artikel  456.  a.  a.  O.),
den  Namen  und  die  nähere  Bezeichnung  aller  Mitrheder  und  die  Größe
der  Schiffspart  eines  Jeden;  ist  eine  Handelsgesellschaft  Rheder  oder
Mitrheder,  so  sind  die  Firma  und  der  Ort,  an  welchem  die  Gesellschaft
ihren  Sitz  hat,  und,  wenn  die  Gesellschaft  nicht  eine  Aktiengesellschaft  ist,
die  Namen  und  die  nähere  Bezeichnung  aller  Gesellschafter  einzutragen;
bei  der  Kommanditgesellschaft  auf  Akkien  genügt  statt  der  Eintragung
aller  Gesellschafter  die  Eintragung  aller  persönlich  haftenden  Gesellschafter;

6)  den  Rechtsgrund,  auf  welchem  die  Erwerbung  des  Eigenthums  des  Schiffs
oder  der  einzelnen  Schiffsparten  beruht;

7)  die  Nationalität  des  Rheders  oder  der  Mitrheder;

8)  den  Tag  der  Eintragung  des  Schiffs.

Ein  jedes  Schiff  wird  in  das  Schiffsregister  unter  einer  besonderen
Ordnungsnummer  eingetragen.

K.  60.

Die  Eintragung  des  Schiffs  in  das  Schiffsregister  darf  erst  geschehen,
nachdem  das  Recht  desselben,  die  Preußische  Flagge  zu  führen  (F.  56.)  und  alle
in  dem  §.  59.  bezeichneten  Thatsachen  glaubhaft  nachgewiesen  sind.

Ne.  6727)  F.  61.
        <pb n="1323" />
        g.  61.

Das  Recht,  die  Preußische  Flagge  zu  führen,  darf  weder  vor  der  Eintragung
  des  Schiffs  in  das  Schiferweißtr,  noch  vor  der  Ausfertigung  des  Certifikats
  ausgeübt  werden.  -

Das  Certifikat  muß  in  wortgetreuer  Uebereinstimmung  Alles  enthalten,
was  in  das  Schiffsregister  eingetragen  ist,  und  bezeugen,  daß  die  nach  F.  60.
erforderlichen  Nachweisuͤngen  efehrt  sind.  Durch  das  Certifikat  wird  das  Recht
des  Schiffs,  die  Preußische  Flagge  zu  führen,  nachgewiesen.

E.  62.

«  Wenn  ein  im  Auslande  befindliches  fremdes  Schiff  durch  den  Ubergang
in  das  Eigenthum  eines  Preußischen  Unterthans  das  Recht,  die  Preußische  Flagge
zu  führen,  erlangt,  so  können  die  Eintragung  des  Schiffs  in  das  Schiffsregister
und  das  Certifikat  durch  ein  von  dem  Preußischen  Konsul),  in  dessen  Bezirk  das
Schiff  zur  Zeit  des  Eigenthumsüberganges  sich  befindet,  über  den  Erwerb  des
Rechts,  die  Preußische  Flagge  zu  führen,  ertheiltes  Attest,  jedoch  nur  für  die
Dauer  eines  Jahres  seit  dem  Tage  der  Ausstellung  des  Attestes,  ersetzt  werden.

G  63.

Tritt  in  den  Thatsachen,  welche  in  dem  §.  59,  bezeichnet  sind,  nach  der
Eintragung  des  Schiffs  in  das  Schiffsregister  eine  Veränderung  ein,  so  hat  der
Rheder  dieselbe  binnen  sechs  Wochen  nach  Ablauf  des  Tages,  an  welchem  er  von
ihr  Kenntniß  erhalten  hat,  dem  das  Schifferegister  führenden  Gerichte  zum  Zweck
der  Befolgung  der  Vorschriften  des  Artikels  436.  des  Handelsgesetzbuchs  anzuzeigen
  und  nach  zweisen  Dasselbe  gilt,  wenn  eine  Thatsache  eintritt,  welche  nach
dem  zweiten  Wäon  es  Artikels  436.  des  Handelsgesetzbuchs  die  Löschung  des
Schiffs  im  Schiffsregister  und  die  Jurücklieferung  des  Certifikats  erforderlich  macht.

Die  Verpflichtung  zu  der  Anzeige  und  Nachweisung  liegt  ob:

1)  wenn  eine  Rhederei  besteht,  allen  Mitrhedern;

2)  wenn  eine  Aktiengesellschaft  Rheder  oder  Mitrheder  ist,  für  dieselbe  allen
Mitgliedern  des  Vorstandes;

3)  wenn  eine  andere  Handelsgesellschaft  Rheder  oder  Mitrheder  ist,  für  dieselbe
  allen  persönlich  haftenden  Gesellschaftern;

4)  wenn  die  Veränderung  in  einem  Eigenthumswechsel  besteht,  wodurch  das
Recht  des  Schiffs,  die  Preußische  Flagge  zu  führen,  nicht  berührt  wird,
dem  neuen  Erwerber  des  Schiffs  oder  der  Schiffspart.

KG.  64.

Wer  eine  nach  dem  vorstehenden  Paragraphen  ihm  obliegende  Verpflichtung
binnen  der  sechswöchentlichen  Frist  nicht  erfüllt,  wird  mit  Geldbuße  bis  zu  Einhundert
  Thalern  bestraft,  sofern  er  nicht  beweist,  daß  er  ohne  sein  Verschulden

au
        <pb n="1324" />
        —  1147  —

außer  Stande  gewesen  sei,  dieselbe  zu  erfüllen;  die  Strafe  tritt  nicht  ein,  wenn
vor  Ablauf  der  Frist  die  Verpflichtung  von  einem  Mitverpflichteten  erfüllt  ist.

G.  65.

Die  Artikel  432.  bis  437.  des  Handelsgesetzbuchs  und  die  vorstehenden
*.  56.  bis  64.  finden  keine  Anwendung  auf  die  lediglich  zur  Küstenfahrt  beimmten

  Fahrzeuge,  welche  nicht  mit  einem  festen  Deck  verschen  sind.

Durch  landesherrliche  Anordnung  kann  bestimmt  werden,  daß  die  erwähnten
Vorschriften  auch  auf  solche  nach  einem  Holsteinschen  oder  Schleswigschen  Hafen
zu  Hause  Khhorigen  Küstenfahrzeuge,  welche  zwar  mit  einem  festen  Deck  versehen
jin  ihre  Reisen  jedoch  über  ein  gewisses  Küstengebiet  nicht  ausdehnen,  keine  Anwendung
  finden.

g.  66.

Der  Justizminister  hat  die  Gerichte  wegen  Führung  des  Schiffsregisters
mit  einer  Instruktion  zu  versehen.

z.  67.

Zu  Artikel  448.  Hinsichtlich  der  Anwendbarkeit  der  Artikel  495.  496.
681.  und  757.  Ziffer  7.  sind  für  die  Schiffe,  deren  Heimathshafen  Altona  ist,
die  Häfen  von  Hamburg  und  Harburg,  für  die  Schiffe,  deren  Heimathehasen
Blankenese  ist,  die  Häfen  von  Altona,  Hamburg  und  Harburg  dem  Heimathshafen
  gleich  zu  achten.

Hinsichtlich  der  Anwendbarkeit  der  Artikel  473.  521.  523.  und  548.  sind
für  die  Schiffe,  deren  Heimathshafen  ein  Holsteinscher  oder  Schleswigscher  Hafn
ist,  jeder  andere  Schleswigsche  oder  Holsteinsche  Hafen,  sowie  jeder  Hafen  an  der
Elbe  oder  Trave  dem  Heimathshafen  gleich  zu  achten.

gz.  68.

Zu  Artikel  489.  Auf  kleineren  Fahrzeugen  (Küstenfahrer  und  dergl.)  ist
zwar  die  Führng  des  Journals  gleichfalls  ersorkerlich.  Bei  kurzen  Küstenpeorten
dieser  Fahrzeuge  braucht  jedoch  nur  von  Tag  zu  Tag  die  Beschaffenheit  von  Wind
und  Wetter  und  der  Wasserstand  bei  den  Pampent  soweit  thunlich,  täglich,  und
außerdem  ohne  Verzug  jeder  Unfall,  welcher  dem  Schiff  oder  der  Ladung  zustößt,
eingetragen  zu  werden.

S.  69.

Zu  den  Artikeln  536.  bis  541.  Wenn  nach  Beendigung  der  Ausreise
eine  oder  meere  Zwischenreisen  unternommen  werden,  so  kann  der  Schiffsmann,
sobald  sechs  Monate  seit  dem  Antritt  der  Ausreise  abgelaufen  sind,  in  dem  ersten
Hafen,  welchen  das  Schiff  anläuft,  sofern  es  darin  ganz  oder  zum  größeren  Theile
gelöscht  wird,  die  Auszahlung  der  Hälfte  der  bis  dön  verdienten  Heuer  verlangen.
  Die  Bahlung  muß  nach  seiner  Wahl  entweder  baar  oder  mittelst  einer
Anweisung  auf  den  Rheder  erfolgen,  welche  zwei  Tage  nach  Sicht  zahlbar  it

(Nr.  6727.)  n
        <pb n="1325" />
        —  1148  —

In  gleicher  Weise  ist  der  Schiffsmann)  sobald  sechs  Monate  seit  deren
feeheren  Auszahlung  abgelaufen  sind,  die  Auszahlung  der  Hälfte  der  seit  der
früheren  Auszahlung  verdienten  Heuer  zu  fordern  berechtigt.

F.  70.

Die  in  dem  Artikel  541.  des  Handelsgesetzbuchs  vorgeschriebene  Erhöhung
der  nach  Zeit  bedungenen  Heuer  beträgt  von  dem  Beginn  des  dritten  Jahres  an
ein  Fünftel,  von  dem  Beginn  des  vierten  Jahres  an  ein  ferneres  Fünftel  des
in  dem  Heuervertrag  festgesetzten  Betrages;  Leichmmnatrosen  rücken  mit  Beginn  des
dritten  Jahres  in  die  Heuer  der  Vollmatrosen,  Schiffsjungen  in  die  Heuer  der
Leichtmatrosen,  in  beiden  Fällen  unter  Hinzurechnung  der  vorerwähnten  Erhöhung.

S.  71.
Zu  Artikel  731.  Der  Dispacheur  hat  die  Dispache  sofort  nach  ihrer
Aufnahme  dem  Handelsgerichte  zu  überreichen.
Dem  Handelsgerichte  liegt  ob,  die  Dispache  zu  prüfen,  und  dieselbe,  wenn
sich  Fehler  oder  Mängel  finden,  durch  den  Dispacheur  berichtigen  zu  lassen.

S.  72.

Nachdem  die  Dispache  geprüft  und  erforderlichenfalls  berichtigt  ist,  werden
bczenigen  mtheiligten,  welche  bei  dem  Gerichte  sich  gemeldet  haben,  oder  demselben
  anderweit,  insbesondere  aus  den  Schiffs=  oder  Ladungspapieren  bekannt
gemacht  worden  sind,  sofern  sie  am  Orte  des  Gerichts  sich  aufhalten  oder  vort
anweende  Vertreter  bestellt  haben,  und  für  die  übrigen  Betheiligten  ein  ihnen  zu
bestellender  Offizialanwalt  zu  einem  Termine  vor  einem  Kommissar  des  Gerichts
vorgeladen,  um  sich  über  die  Dispache  zu  erklären.

Die  Vorladung  geschieht  unter  der  Verwarnung,  daß  gegen  den  Nichterscheinenden
  angenommen  wird,  er  habe  gegen  die  Dispache  nichts  zu  erinnern.

K.  73.

Werden  in  dem  Termine  gegen  die  Dispache  keine  Einwendungen  erhoben,
so  hat  das  Gericht  dieselbe  zu  bestätigen.

K.  74.

Wenn  ein  Betheiligter  Einwendungen  geltend  macht,  so  hat  er  dieselben
im  Termine  näher  zu  begründen  oder  2  eine  besondere  Klageschrift  vorzubebalten,
  Im  letzteren  Falle  muß  die  Klageschrift  binnen  vierzehn  Tagen  bei  dem

erichte  eingereicht  werden;  wenn  dies  nicht  geschieht,  so  wird  angenommen,  daß
das  im  Termine  aufgenommene  Protokoll  als  Klageschrift  gelten  solle.

Auf  die  Klageschrift,  oder  wenn  eine  solche  nicht  vorbehalten  oder  innerhalb
  der  vierzehntägigen  Frist  nicht  eingereicht  ist,  auf  die  als  Klageschrift
dienende  Abschrift  des  Terminsprotokolls  wird  von  dem  Gerichte  das  ordentliche
Prozeßverfahren  eingeleitet.  E—
        <pb n="1326" />
        —  1140  —

G.  75.

Sind  die  vorgebrachten  Einwendungen  durch  rechtskräftige  Entscheidung
oder  in  anderer  Art  erdguliig  erledigt,  so  erfolgt  die  Destätigung  der  Dispache
durch  das  Gericht,  nachdem  dieselbe  erforderlichenfalls  nach  Maaßgabe  der  Er.
ledigung  der  Einwendungen  berichtigt  ist.

.  76.

Wenn  Einwendungen  erhoben  werden,  welche  nur  einen  Theil  der  Dispache
berühren,  so  hat  das  Gericht  die  letztere,  insoweit  sie  durch  die  Einwendungen
nicht  berührt  ist,  sofort  zu  bestätigen.

8.  77.
Aus  der  von  dem  Gerichte  bestätigten  Dispache  findet  die  Exekution  statt.

g.  78.
Zu  den  Artikeln  736.  bis  741.  Die  Bestimmungen  der  Artikel  736.  bis
741.,  sowie  die  auf  dieselben  sich  beziehenden  Vorschriften  im  Buch  V.  Titel  12.
des  Handelsgesetzbuchs  finden  auch  auf  den  Zusammenstoß  von  Fluß-  und  Seeschiffen
  und  von  Flußschiffen  unter  einander  Anwendung.

S.  79.
Zu  Artikel  767.  Jiffer  1.  Erfolgt  der  öffentliche  Verkauf  des  Schiffes
im  Konkurs  des  Rheders,  so  ist  der  Erlaß  eines  besonderen  Proklams  nicht
erforderlich,  wenn  bereits  in  dem  Konkursproklam  das  Schiff  als  in  der  Konkursmasse
  begriffen,  ausdrücklich  bezeichnet  worden  ist.

S.  80.

Zu  Artikel  768.  Bei  freiwilliger  Veräußerung  von  Seeschiffen  kann
von  dem  Handelsgerichte,  in  dessen  Bezirk  der  Heimathshafen  des  Säiffes  sich
befindet,  ein  Eviktionsproklam  mit  der  Bedeutung  erlassen  werden,  daß  alle  nicht
angemeldeten  dinglichen  Ansprüche,  insbesondere  auch  die  Pfandrechte  der  Schiffsgläubiger
  erlöschen.  Die  Anmeldungsfrist  ist  nach  dem  Ermessen  des  Gerichts,
sedoch  nicht  unter  drei  Monate  festzusetzen.

Zweiter  Titel.

Uebergangsbestimmungen.

8.  SI.
Die  Vorschriften  des  Handelsgesetzbuchs,  gemäß  welchen  die  Handelsfirmen
und  die  Handelsgesellschaften,  sowie  die  Vorsther  der  ae  ano  ait
Jahrgang  1867.  (Nr.  6727.)  151  in-
        <pb n="1327" />
        —  1150  —

Eintragung  in  das  Handelsregister  angemeldet  und  die  Firmen  und  Unterschriften
vor  dem  Handelsgericht  gezeichnet,  oder  die  Zeichnungen  in  beglaubigter  Form
eingereicht  werden  sollen,  müssen  von  den  Kaufleuten,  welche  bereits  vor  dem
30.  September  1867.  ihren  Geschäftsbetrieb  begonnen  haben,  sowie  in  Betreff
der  Handelsgesellschaften,  welche  bereits  vor  diesem  Zeitpunkte  errichtet  sind,  ebenfalls
  befolgt  werden.

Die  vorstehende  Bestimmung  gilt  auch  für  die  Kaufleute  und  Handelsesellschaften,
  deren  Firmen  bereits  nach  den  bisherigen  Einrichtungen  bei  Behörden
  oder  Korporationen  angemeldet  oder  in  amtliche  Register  eingetragen  sind,
sowie  von  den  Handelsgesellschaften,  deren  Errichtung  in  solcher  Weise  veröffentlicht
  ist.  —

§.82.

st  bei  einer  am  30.  September  1867.  bereits  bestehenden  Handelsgesellschaft
  nach  ihrer  Errichtung  eine  Aenderung  eingetreten,  welche  nach  den  Vorschriften
  des  Hundelsgesetbuche  zur  Eintragung  in  das  Handelsregister  anzumelden
ist,  so  muß  die  Anmeldung  zur  Eintragung  der  Gesellschaft  ac  Maaßgabe  der
eingetretenen  Aenderung  geschehen.

g.  83.

Die  in  den  88.  81.  und  82.  vorgeschriebenen  Anmeldungen  und  Zeichnungen
  sind  binnen  einer  Sast  von  drei  Monaten,  vom  30.  September  1867.
an  gerechnet,  zu  bewirken.  Nach  Ablauf  dieser  Frist  haben  die  Handelsgerichte
die  Betheiligten  in  dem  durch  die  I.  11.  ff.  vorgeschriebenen  Verfahren  zur  Befolzund
  der  obigen  Anordnungen  von  Amtswegen  durch  Ordnungsstrafen  anzuhalten.


.  S4.

Auch  die  in  dem  gumsessgesetbuh  über  die  Firmen  gegebenen  Vorschriften,
auf  welche  der  §.  81.  sich  nicht  bezieht,  haben  für  die  Kisteme,  welche  bereits
vor  dem  30.  September  1867.  ihren  Geschäftsbetrieb  begonnen  haben,  sowie  für
die  Handelsgesel  aften,  welche  bereits  vor  dem  30.  September  1867  errichtet
sind,  ebenfalls  Geltung.

Jedoch  kommen  die  Vorschriften  der  Artikel  16.  17.  18.  20.  und  21.
Absatz  2.  des  Handelsgesetzbuchs  in  Bezug  auf  eine  Firma,  deren  ein  Kaufmann
oder  eine  Handelsgesellschaft  bereits  vor  dem  30.  September  1867.  sich  bedient
hat,  nicht  zur  Anwendung,  sofern  dieselbe  innerhalb  der  im  F.  83.  bezeichneten
Frist  zur  Eintragung  in  das  Handelsregister  angemeldet  wird.

Wenn  in  Folge  der  letzteren  Bestimmung  für  mehrere  Personen  oder
Handelsgesellschaften  dieselbe  Firma  in  das  Handelsregister  eingetragen  wird,  so
bleibt  jeder  von  ihnen  das  Recht  vorbehalten,  gegen  die  anderen,  ohm  diese  ihr
gegenüber  bei  Eintritt  der  Geltung  des  Handelsgesetzbuchs  nicht  befugt  waren,
dise  Firma  anzunehmen  oder  zu  führen,  auf  Unterlassung  der  Führung  derselben
zu  klagen.

S.  85.
        <pb n="1328" />
        —  1151  —

KG.  85.

Eine  bereits  vor  dem  30.  September  1867.  gültig  errichtete  Aktiengesellschaft
  oder  Kommanditgesellschaft  auf  Aktien  wird  in  das  Handelsregister  eingetragen,
  sollten  auch  die  Erfordernisse  nicht  erfüllt  sein,  welche  das  Handelsgesetzbuch
  für  die  Errichtung  einer  solchen  Gesellschaft  vorschreibt  und  denen  *  en
Vorschriften  desselben  genügt  sein  muß,  bevor  die  Eintragung  der  Gesellschaft
geschehen  kann.

S.  86.

Sind  die  zur  Geschäftsführung  befugten  Mitglieder  einer  am  30.  September
  1867.  bereits  bestehenden  offenen  Gesellschaft,  Kommanditgesellschaft  oder
Kommanditgesellschaft  auf  Aktien  durch  den  Gesellschaftsvertrag  oder  durch  einen
vor  dem  30.  September  1867  errichteten  Vertrag  in  der  Besugniß,  die  Gesellschaft
  zu  vertreten,  beschränkt,  so  bestimmt  sich  die  Wirkung  deßr  Beschränkung
im  Verhältniß  4  dritten  Personen  noch  innerhalb  eines  Zeitraums  von  drei
Monaten,  vom  30.  September  1867.  an  gerechnet,  nach  den  bisherigen  Gesetzen.

Die  Beschränkung  kann  innerhalb  dieses  JZeitraums  zur  Eintragun  in
das  Handelsregister  angemeldet  werden;  geschieht  dies,  so  bestimmt  sich  die  Wirkung
  der  Beschränkung  im  Verhältniß  zu  dritten  Personen  für  die  Zeit  nach
Ablauf  jener  drei  Monate  nach  den  Grundfäen  ,  welche  der  Artikel  115.  des
Handelsgesetzbuchs  über  die  Wirkung  der  Ausschließung  eines  Gesellschafters  von
der  Befugniß,  die  Gesellschaft  zu  vertreten,  enthält.

enn  die  Anmeldung  nicht  innerhalb  des  dreimonatlichen  Zeitraums  geschieht,
  so  hat  die  Beschränkung  für  die  Zeit  nach  Ablauf  dieser  Frist  dritten
Personen  gegenüber  keine  rechtliche  Wirkung  und  kann  später  nicht  mehr  angemeldet
  werden.

Ist  der  Vorstand  einer  am  30.  September  1867.  bereits  bestehenden
Aktiengesellschaft  in  der  Befugniß,  die  Gesellschaft  zu  vertreten,  beschränkt,  so
kommt  während  des  Zeitraums  von  fünf  Jahren,  vom  30.  September  1867.  an
kgerechnet,  die  im  zweiten  Absatz  des  Artikels  231.  des  Handelsgesetzbuchs  enthaltene
Bestimmm  nicht  zur  Anwendung)  für  die  spätere  Zeit  hat  die  Beschränkung
dritten  Personen  gegenüber  keine  rechtliche  Wirkung.

*-Wenn

  in  Bezug  auf  eine  Firma,  deren  ein  Kaufmamn  bereits  am  30.  September
  1867.  sich  bedient  hat,  oder  bei  einer  zu  dieser  Zeit  bereits  bestehenden
Handelsgesellschaft  nach  dem  30.  September  1867  eine  Thatsache  sich  ereignet,
welche  gemäß  den  Vorschriften  des  Handelsgesetzbuchs  zur  Eintragung  in  das
Handelsregister  anzumelden  ist,  so  muß  nicht  allein  diese  Anmeldung  gleich  wie
bei  den  erst  nach  dem  30.  September  1867.  entstandenen  Firmen  und  Handelsesellschaften

  geschehen,  sondern  es  bestimmen  sich  auch  die  rechtlichen  Folgen
der  Thatsache  und  die  rechtlichen  Folgen  der  geschehenen  oder  nicht  geschehenen
Eintragung  im  Verhältniß  zu  Dritten  nur  nach  den  Vorschriften  des  Handels.
gesetzbuchs;  insbesondere  sind  die  früheren  Vorschriften  über  die  rechtlichen  Folgen
der  Veröffentlichung  der  Thatsachen  nicht  anwendbar.

(Nr.  6727)  151“  S.  88.
        <pb n="1329" />
        —  1152  —

KG.  88.

Wer  vor  dem  30.  September  1867.  eine  Prokura  erhalten  hat,  und  nach
diesem  Zeitpunkte  nicht  von  Neuem  von  dem  Prinzipal  zum  Prokuristen  bestellt
wird  (Artikel  41.  Absatz  2.  des  Handelsgesetzbuchs),  ist  nicht  mehr  befugt,  per
procura  die  Firma  zu  zeichnen  oder  gch  sonst  als  Prokuristen  auszugeben;  er
gilt  vielmehr  nur  als  Handlungsbevollmächtigter  im  Sinne  des  Artikels  47.  des
Handelsgesetzbuchs,  jedoch  als  ermächtigt  zur  Vornahme  aller  Geschäfte  und  Rechtsgandlungen
  b,  wozu  er  auf  Grund  der  Prokur  nach  den  bisherigen  Gesetzen  bet

  war.

8  Wird  eine  vor  dem  30.  September  1867.  ertheilte  Prokura  binnen  drei
Monaten,  vom  30.  September  1867.  an  gerechnet,  aufgehoben,  so  sind  die  bisherigen
  Gesetze  auch  für  die  Nothwendigkeit  und  die  Form  der  Veröffentlichung
der  Aufhebung,  sowie  für  die  rechtlichen  Folgen  der  geschehenen  oder  nicht  geschehenen
  Veröffentlichung  im  Verhälmiß  zu  Dritten  maaßgebend.  Erfolgt  dageen
  die  Aufhebung  erst  nach  Ablauf  der  dreimonatlichen  Frist,  so  gelten  die
Prundsätze  über  die  Aufhebung  einer  erst  unter  der  Herrschaft  des  Handelsgesetzbuchs
  ertheilten  Handlungsvollmacht.

*

In  das  Schiffsregister  sind  auch  diejenigen  Schiffe  einzutragen,  welche  am
30.  September  1867.  zur  Führung  der  Preuhischen  lagge  berechtigt  und  mit
den  nach  den  bisherigen  Vorschriften  zur  Ausübung  dieses  Rechts  erforderlichen
Papieren  versehen  sind.  Die  Eintragung  derselben  in  das  Schiffsregister  muß
binnen  Einem  Jahre,  vom  30.  September  1867.  an  gerechnet,  unter  Varücgat
der  früher  ertheilten  Nationalitätsurkunden  nachgesucht  werden.  Befindet  sich  ein
Schiff  am  30.  September  1867.  auf  einer  Nese,  von  welcher  es  erst  nach  Ablauf
  der  einjährigen  Frist  zurückkehrt,  so  gilt  die  Frist  als  bis  zur  Mückkehr  des
Schiffs  verlängert.  Die?  erlängerung  tritt  nicht  ein,  wenn  das  Schiff  binnen
der  einjährigen  Frist  in  einem  Hafen  der  Ostsee  oder  Nordsee  gelöscht  wird.

Während  der  im  vorhergehenden  n  beihnet  Frist  bestimmt  sich  die
Zulässigkeit  der  Ausübung  des  Rechts,  die  Preußische  Flagge  zu  führen,  noch
nach  den  bisherigen  Vorschriften.

K.  90.

Zur  Ausführung  der  in  den  vorstehenden  Paragraphen  enthaltenen  Vorschriften
  hat  der  Justizminister  die  Gerichte  mit  einer  näheren  Instruktion  zu
versehen.

S.  91.

Die  auf  die  Größe  des  Logisraumes  sich  besihenden  Vorschriften  im  Eerten

Absatz  des  F.  26.  des  Gesetzes  vom  26.  März  1864.  treten  in  Betreff  der  Schiffe,

welche  vor  dem  30.  September  1867.  gebaut  find,  erst  mit  dem  1.  Januar  1869.
in  Geltung.

Dritter
        <pb n="1330" />
        —  1163  —

Dritter  Titel.
Schlußbestimmungen.

KG.  92.

Die  Errichtung  einer  Börse  kann  nur  mit  Genehmigung  des  Handelsministers
  erfolgen.

g.  83.

Neue  Börsenordnungen  bedürfen  der  Genehmigung  des  Lumerlsmianste.
Diese  Genehmigung  ist  auch  zur  Abänderung  und  Ergänzung  bestehender  Börsenordnungen
  erforderlich  und  genügend.

g.  94.
In  den  Börsenordnungen  ist  insbesondere  auch  zu  bestimmen,  wie  die  lau-—



fenden  Preise  und  Kurse  festzustellen,  wie  die  Feststellungen  zu  veröffentlichen  und
wie  Zeugnisse  darüber  zu  ertheilen  sind.

K.  95.

Auf  Aktiengesellschaften,  bei  welchen  der  Gegenstand  des  Unternehmens
nicht  in  Handelsgeschäften  besteht,  finden  die  in  den  Artikeln  18.  207  bis  248.
des  Handelsgese  uchs  und  in  den  59.  40.  bis  48.  dieser  Verordnung  enthaltenen
Vorschriften  gleichfalls  Anwendung,  soweit  in  den  folgenden  §#.  96.  bis  98.  nicht
ein  Anderes  bestimmt  ist.

Ingleichen  sind  auf  jene  Aktiengesellschaften  die  Bestimmungen  der  #.  31.
und  32.  dieser  Verordnung  dahin  anwendbar,  daß  die  zu  dem  Vermögen  einer
solchen  Gesellschaft  gehörenden  Grundstücke,  Gerechtigkeiten,  dinglichen  Rechte  und
Hypothekenforderungen  auf  den  Namen  der  Gesellschaft,  ohne  Benennung  der  einelnen
  Gesellschafter  in  das  Schuld-  und  Pfandprotokoll  einzutragen,  daß  bei  der
Eintragung  die  Firma  der  Gesellschaft  und  der  Ort,  wo  sie  ihren  Sij  hat,  anzugeben
  und  daß,  wenn  in  Bezug  auf  die  Firma  oder  den  Sitz  eine  Aenderung
eintritt,  diese  im  Schuld-  und  8  andprotokoll  zu  vermerken  ist.

 

K.  96.

Die  in  den  Artikeln  210.  211.  212.)  in  dem  zweiten  und  dritten  Ablas
des  Artikels  214.,  sowie  im  ersten  Absatz  des  Artikels  220.,  in  den  Artikeln  226.
228.  233.,  in  dem  ersten  Absatz  des  Artikels  239.)  in  dem  Artikel  243.,  in  dem
weiten  A#b  atz  des  Artikels  244.,  in  dem  dritten  Absat  des  Artikels  245.,  in  dem

niel  246.)  in  dem  Artikel  247.  unter  Ziffer  4.  und  in  dem  zweiten  Absh  des
Artikels  248.  des  Lmdeleg  etzbuchs  enthaltenen  Vorschriften  finden  auf  die  im
.  95.  bezeichneten  Aktiengesellschaften  keine  Anwendung.  !½m“

(Ne.  6727.)  K.  97.
        <pb n="1331" />
        Für  dieselben  treten  an  Stelle  der  nach  dem  §.  96.  nicht  anwendbaren
Vorschriften  des  Artikels  211.,  des  dritten  Absatzes  des  Artikels  214.,  des  ersten
Absatzes  des  Artikels  220.,  der  Artikel  226.  228.  233.,  des  ersten  Absatzes  des
Artikels  239.,  des  Artikels  243.,  des  zweiten  Absatzes  des  Artikels  244.,  des
dritten  Absatzes  des  Artikels  245.,  der  Artikel  246.  247.  Ziffer  4.  und  des  zweiten
Absatzes  des  Artikels  248.  des  Handelsgesetzbuchs  folgende  Vorschriften:

1)  An  Stelle  des  Artikels  2112
Vor  erfolgter  landesherrlicher  Genehmigung  und  Bekanntmachung
des  Eesellshaftsvertrages  nebst  der  Genehmigungsurkunde  durch  das
aimeeb  n  G.  40.  und  41.),  besteht  die  Aktiengesellschaft  als
solche  nicht.

Wenn  vorher  im  Namen  der  Gesellschaft  gehandelt  worden  ist,

so  haften  die  Handelnden  persönlich  und  solidarisch.

2)  An  Stelle  des  dritten  Absatzes  des  Artikels  214:
Ein  solcher  Beschluß  hat  keine  rechtliche  Wirkung,  bevor  derselbe

a

nebst  der  Genehmigungsurkunde  durch  das  Amtsblatt  bekannt  gemacht
  ist  (§#.  40.  und  41.).

3)  An  Stelle  des  ersten  Absatzes  des  Artikels  220:
Ein  Aktionair,  welcher  seine  Aktie  nicht  zur  rechten  Zeit  einzahlt,  ist
zur  Zahlung  der  landesüblichen  Verzugszinsen  von  Rechtswegen
verpflichtet.

4)  An  Stelle  des  Artikels  226:
Handelt  es  sich  um  die  Führung  von  Prozessen  gegen  die  Mitglieder
des  Vorstandes  oder  des  Aufsichtsrathes,  so  kommen  die  Artikel
194.  und  195.  mit  der  Maaßgabe  zur  Anwendung,  daß  die  Ernennung
  der  Bevollmächtigten,  wenn  die  Bestellung  derselben  durch
Wahl  gehindert  wird  (#Arilke  195.  Absatz  2.),  durch  das  Gericht
erfolgt,  in  dessen  Bezirk  die  Gesellschaft  ihren  Sitz  hat.

5)  An  Stelle  des  Artikels  228:
Die  jeweiligen  Mitglieder  des  Vorstandes  müssen  alsbald  nach  ihrer
Bestellung  in  der  Horm,  welche  für  die  von  der  Gesellschaft  ausehenden
  Bekanntmachungen  angeordnet  ist,  und  durch  die  dafür  bestimmten
  öffentlichen  Blätter  (Artikel  209.  Ziffer  11.)  bekannt  gemacht
  werden.

6)  An  Stelle  des  Artikels  233:
Jede  Aenderung  der  Witglieder  des  Vorstandes  muß  in  der  für  die
Veröffentlichung  der  Mitglieder  des  Vorstandes  vorgeschriebenen  Weise
bekannt  gemacht  werden.  In  Beg  auf  ein  erst  nach  Ablauf  des
dritten  Tages,  von  dem  Tage  der  Ausgabe  des  Blattes  an  gerechnet,
        <pb n="1332" />
        —  1155  —

net,  in  welchem  die  Bekanntmachung  zuerst  erschienen  ist,  abgeschlossenes

  Geschäft  kann,  der  Gesellschaft  gegenüber,  die  Unkenntni
er  Aenderung  nicht  geltend  gemacht  werden.  Ist  das  Geschäft

früher  abgeschlossen,  oder  ist  die  Veröffentlichung  nicht  geschehen,  so

kann  die  Gesellschaft  einem  Dritten  die  Aenderung  nur  dann  ent-W2:

  wenn  sie  beweist,  daß  ihm  dieselbe  bei  dem  Abschluß  des
eschäfts  bekannt  war.

7)  An  Stelle  des  ersten  Absatzes  des  Artikels  239:

Der  Vorstand  ist  verpflichtet,  Sorge  zu  tragen,  daß  die  zur  Uebern—
  t  der  ermösenslage  der  GErce  lschaft  erforderlichen  Bücher  geührt
  werden.  muß  den  Aktionairen  spätestens  in  den  ersten
sechs  Monaten  jedes  Geschäftsjahres  eine  Bilanz  des  verflossenen
Geschätssahres  vorlegen.  «  .

Die  Bücher  der  Gesellschaft  sind  während  zehn  Jahre,  von
dem  Tage  der  in  dieselben  schehenen  letzten  Eintragung  an  gerechnet,
  aufzubewahren.  Dasselbe  gilt  in  Ansehung  der  Geschäftsbriefe,
sowie  in  Ansehung  der  Inventare  und  Bilanzen.

8)  An  Stelle  des  Artikels  243:

Die  Aflästu  der  Gesellschaft  muß,  wenn  sie  nicht  eine  Folge  des
eröffneten  Konkurses  ist,  Kpeei  verschiedenen  Malen  durch  die  hierzu
bestimmten  öffentlichen  Blätter  (Artikel  209.  Ziffer  11.)
gemacht  werden.

Durch  diese  Bekanntmachung  müssen  zugleich  die  Gläubiger
aufgefordert  werden,  sich  bei  der  Gesellschaft  zu  melden.

bekannt

9)  An  Stelle  des  zweiten  Absatzes  des  Artikels  244:

Es  kommen  die  bezüglich  der  offenen  Handelsgesellschaften  über  das
Rechtsverhältniß  der  Liquidatoren  gegebenen  Bestimmungen  auch
hier  zur  Anwendung,  mit  der  Maaßgabe,  daß  die  Liquidatoren,  das
Austreten  eines  Liquidators  oder  das  Erlöschen  der  Vollmacht  eines
olchen  in  gleicher  Art,  wie  die  Mitglieder  des  Vorstandes  und  eine

Aenderung  dieser  Mitglieder,  bekannt  zu  machen  sind.  Die  Folgen

der  geschehenen  odex  nicht  geschehenen  Bekanntmachung  bestimmen
sich  nach  den  Vorschriften  über  die  Folgen  der  geschehenen  oder
nicht  geschehenen  Bekanntmachung  einer  Aenderung  der  Mitglieder

des  Vorstandes.

10)  An  Stelle  des  dritten  Absatzes  des  Artikels  245:  .

(Nk.o727.)

Die  aus  den  Büchern  der  Gesellschaft  ersichtlichen  oder  in  anderer
Weise  bekannten  Gläubiger  sind  durch  besondere  Erlass  aufzufordern,
  sich  zu  melden)  unterlassen  sie  dies,  so  ist  der  Betrag  ihrer
Forderungen  gerichtlich  niederzulegen.  Das  letztere  muß  auch  in
Ansehung  der  noch  schwebenden  Verbindlichkeiten  und  streitigen  Forderungen
  geschehen,  sofern  nicht  die  Vertheilung  des  Gesellschaftsver-
        <pb n="1333" />
        —  1156  —

vermögens  bis  zu  deren  Erledigung  ausgesetzt  bleibt  oder  den  Gläubigern
  eine  angemessene  Sicherheit  bestellt  wird.

11)  An  Stelle  des  Artikels  246=Die
  Bücher  der  ausgelasten.  Gesellschaft  sind  an  einen  von  dem
Gerichte,  in  dessen  Bezirke  die  Gesellschaft  ihren  *.  zu  bestimmenden
  sicheren  Ort  zur  Aufbewahrung  auf  die  Dauer  von  zehn
Jahren  niederzulegen.

12)  An  Stelle  der  Bestimmung  unter  Ziffer  4.  Artikel  247:
Die  Auflösung  der  Gesellschaft  ist  wie  in  sonstigen  Auflösungsfällen
bekannt  zu  machen.

13)  An  Stelle  des  zweiten  Absatzes  des  Artikels  248:
Die  Zurücksahlung  kann  nur  unter  Beobachtung  derselben  Bestimmungen
  erfolgen)  welche  für  die  Vertheilung  des  Gesellschaftsvermögens
  im  Falle  der  Auflösung  nach  den  im  Artikel  245.  und
den  vorstehend  unter  Ziffer  8.  und  10.  enthaltenen  Vorschriften
maaßgebend  sind.

KS.  98.

st  der  Vorstand  einer  zur  Zeit  des  Eintritts  der  Geltung  dieser  Verordnung
  bereits  bestehenden  Aktiengesellschaft,  bei  welcher  der  Gegenstand  des  Unternehmens
  nicht  in  Handelsgeschchten  besteht  )  in  der  Befuoni  „die  Gesellschaft  zu
vertreten,  beschränkt,  so  kommt  während  des  Zeitraums  von  fünf  Jahren,  von
der  Zeit  des  Eintritts  der  Geltung  dieser  Verordnung  an  gerechnet,  die  im  zweiten
  Absatze  des  Artikels  231.  des  Handelsgesetzbuchs  enthaltene  Vorschrift  nicht
zur  Anwendung)  für  die  spätere  Zeit  hat  die  Beschränkung  dritten  Personen
gegenüber  keine  rechtliche  Wirkung.

K.  99.

Bis  zur  Errichtung  von  Hodelgerichten  treten  an  Stelle  der  letzteren  die
ordentlichen  Gerichte  der  ersten  Instanz.

S.  100.

Für  die  auf  die  Führung  des  Hudels  und  Schiffsregisters  sich  beziehenden
  Geschäfte  sind  die  Kosten  nach  aßgabe  der  für  die  aͤlteren  Landestheile
erlassenen  Verordung.  vom  27.  Januar  1862.  (Gesetz=  Samml.  S.  33.),  betreffend
  die  durch  die  inführung  des  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuchs
nöthig  gewordene  Ergänzung  der  Gesetze  über  die  gerichtlichen  Gebühren  und
Kosten,  S#.  1.  bis  13.,  zu  erheben.

KS.  101.

Die  bisherigen  Bestimmungen,  welche  Regeln  darüber  enthalten,  wie  der
Beweis  durch  Handelsbücher  geliefert  wird,  die  Bestimmungen  über  die  Beschrän-
        <pb n="1334" />
        —  1157  —

schränkung  der  Beweiskraft  der  Handelsbücher  auf  eine  bestimmte  Zeit,  die  Bestimmungen
  über  die  Benutzung  des  Stempelpapiers  zu  den  Handelsbüchern,
Bestimmungen  über  die  Zulässigkeit  des  öffentlichen  Aufrufs  und  der  Präklusion
#umbekannter  Gläubiger  einer  Handelsgesellschaft  in  Folge  des  Austritts  eines  Gesellschafters
  oder  der  Auflösung  der  Gesellschaft,  sowie  über  die  Zulässigkeit  des
öffentlichen  Aufrufs  und  der  Präklusion  unbekannter  Gläubiger,  welche  aus  den
Rechtshandlungen  eines  Prokuristen  oder  Handlungsfaktors  gegen  den  Eigenthümer
  der  Handlung  Ansprüche  herleiten,  ingleichen  alle  dem  Deutschen  Im.
delsgesehbuch  und  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Bestimmungen  werden
aufgehoben.

zickunduch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  5.  Juli  1867.
(#.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6727—6728.)  152  (Nr.  6728.)
        <pb n="1335" />
        —  1168  —

(Nr.  6728.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  3.  Juni  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
Vorrechte  in  Bezug  auf  den  Bau  und  die  Unterhaltung  der  Kreis-Chausseen
von  Creutzburg,  im  Kreise  Creutzburg,  nach  Landsberg,  im  Kreise  Rosenberg,
  und  von  Constadt  nach  Pitschen,  im  Kreise  Creutzburg.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  von  Kreis-Chausseen
  in  den  Kreisen  Creutzburg  und  Rosenberg  des  Regierungsbezirs  Oppeln:
3  von  Creutzburg,  im  Kreise  Creutzburg,  nach  Landsberg,  im  Kreise  Rosenberg;
b)  von  Constadt  nach  Pitschen,  im  Kreise  Creutzburg,  genchmigt  habe,  verlell
Ich  hierdurch  den  Kreisen  Rosenberg  und  Creutzburg,  einem  jeden  für  die  von
ihm  zu  bauenden  Strecken,  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  diesen  Chausseen
erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebauund
  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen
bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straßen.  Zugleich  will  Ich  den
genammten  Kreisen  Ke  Uebernahme  der  künftigen  chausseemaßigen  Unterhaltung
er  Straßen  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chauffe  eldes  nach  den  Bestimmungen.
des  für  die  Siaats.Chaussern  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs  einschließlich
der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen
  die  bebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen
nlr  den  Staats-  Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.
Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.  angehängten
Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei=  Vergehen  auf  die  gedachten  Straßen
zur  Anwendung  kommen.  ·

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  3.  Juni  1867.

Wilhelm.

Für  den  Minister  für  Handel  rc.
Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Selchow.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe
und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Xr.  6729.)
        <pb n="1336" />
        —  1169  —

(Nr.  6729.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis-Obligationen
des  Creutzburger  Kreises  im  Betrage  von  30,000  Thalern.  Vom  3.  Juni
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

Nachdem  von  den  Kreisständen  des  Creutzburger  Kreises  auf  dem  Kreistage
vom  10.  November  1866.  beschlossen  worden,  die  zur  Ausführung  der  vom  Kreise
unternommenen  Chausseebauten  erforderlichen  Geldmittel  im  Wege  einer  Anleihe  zu
beshhaffen,  wollen  Wir  auf  den  Antrag  der  gedachten  Kreisstände:  zu  diesem  Zwecke
auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  versehene,  Seitens  der  Gläubiger
unkündbare  Obligationen  zu  dem  angenommenen  Betrage  von  30,000  Thalern
ausstellen  zu  dürfen,  da  sich  hiergegen  weder  im  Interesse  der  Gläubiger  noch
der  Schuldner  etwas  38  erinnern  Paden  hat,  in  Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes
  vom  17.  Juni  1833.  zur  Ausstellung  von  Obligationen  zum  Betrage  von
30,000  Thalern,  in  Buchstaben:  dreißig  tausend  Thalern)  welche  in  folgenden

Avoints:

16,000  Thaler  àa  200  Thaler,

9,0000  à  100

4000  à  50

1,000  5  20

=  30)000  Thaler,
„nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer  mit
füns  Prozent  schrich  4  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu  bestimmen-Folgeordnung
  jährlich  vom  Jahre  1870.  ab  mit  wenigstens  jährlich  dbet  Pro-=zent

  des  Kapitals  unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den  amortisirten  chulderschreibungen
  zu  tilgen  sind,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landesberrliche
  Genehmigung  mit  der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder  Inhaber
dieser  Obligationen  die  daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung  des
Eigenthums  nachweisen  zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befugt  ist.

Das  vorstehende  Privilegium,  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird,  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

0aüdn  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  3.  Juni  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Für  den  Minister
fü

r  Handel  rc.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  6729.)  152“  Pro=
        <pb n="1337" />
        —  1160  —
Provinz  Schlesien,  Negierungebezirk  Oppeln.
Obligation
des  Creutzburger  Kreises
Littr.-  ..
über  .  .  .  ...  .  .  .  .  .  .  .  .  .  Thaler  Preußisch  Kurant.

—  —  —  —

Au  Grund  des  untern  .  .  .  .  .  enehmigten  Kreistagsbeschlusses  vom
10.  November  1866.  wegen  Aufnahme  einer  Echuld  von  30,000  Thalern  bekennt  sich
die  ständische  Kommission  für  die  Chausseebauten  im  Creutzburger  Kreise  Namens
des  Kreises  durch  diese,  für  jeden  Inhaber  gültige,  Seitens  des  Gläubigers  unkündbare
  Verschreibung  zu  einer  Darlehnsschuld  vo  .  ..  Thalern  Preußisch
Kurant,  welche  an  den  Kreis  baar  gezahlt  worden  und  mit  fünf  Prozent  jährlich
  zu  verzinsen  ist.

Die  Rückzahlung  der  ganzen  Schuld  von  30,000  Thalern  geschieht  vom
Jahre  1870.  ab  allmälig  aus  einem  zu  diesem  Behufe  gebildeten  Tilgungsfonds
von  wenigstens  zwei  Prozent  des  ganzen  Kapitals  jährlich,  unter  Zuwachs  der
Zinsen  von  den  getilgten  Schuler  chreibungen.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  ie  Ausloosung  erfolgt  vom  Jahre  1870.  ab  in  dem
Monate  September  jeden  Jahres.  Der  Kreis  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,
den  Tilgungsfonds  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  7  7#  sämmtliche
noch  umlaufende  Schuldverschreibungen  zu  kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie  die

ekündigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Bezeichnung  ihrer  Vuchstaben,
Nummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung  erfolgen
  soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.  Diese  Bekanntmachung  erfolgt  sechs,  drei,
zwei  und  Einen  Monat  vor  dem  Zahlu  stermine  in  dem  Amtsblatte  der  Königlichen
  Regierung  zu  Oppeln,  dem  Kreisblatte  des  Creutzburger  Kreises,  in  dem
Staatsanzeiger  und  in  der  Schlesischen  Zeitung.

Bis  zu  dem  e,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird  es
in  halbjährlichen  „am  2.  Januar  und  am  1  Juli  jeden  Jahres,  von
heute  go  gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  gleicher  Münzsorte  mit  jenem
verzinset.

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  boße  Rück.
gabe  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,  bei
der  Kreis-Kommunalkasse  in  Creutzburg,  und  zwar  auch  in  der  nach  dem  Eintritt
  des  Fälligkeitstermins  folgenden  eit.  r“

Mit
        <pb n="1338" />
        —  1161  —

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.

Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rüchzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  inmerhalb  vier  Jahren,  vom
Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  an  gerechnet,  nicht  erhobenen  insen,
verjähren  zu  Gunsten  des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorscheit  der  Allgemeinen  Gerichts-Ordnung  Theil  I.
Titel  51.  #  120.  sequ.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Creutzburg.

Zinskupons  könmen  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Inzi###on  vor  Ablauf  der  vierjährigen  Verjährungsfrist
  bei  der  Kreisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz  der
Zinskupons  durch  Voreigung  der  Schuldverschreibung  oder  sonst  in  glaubhafter
Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt  werden.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  sechs  halbjährige  Zinskupons  bis  zum
Schlusse  des  Jahres  1869.  ausgegeben.  Für  die  weitere  Zeit  werden  Zinskupons
auf  fünfjährige  Perioden  ausgegeben.

Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  zu  Creutzburg  gegen  Ulieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten
  Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der
neuen  Zinskupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren
Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der  Kreis
mit  seinem  Vermögen.

heil  Dessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
ertheilt.

Creutzburg,  den  ..  ten  ..  ..  .  .  ..  18..

Die  ständische  Kommission  für  die  Chausseebauten  im  Creutzburger  Kreise.

(Nr.  6729)  Pro-=
        <pb n="1339" />
        —  1162  —

Provimnz  Schlesien,  Regierungsbezirk  Oppeln.

Zin  s=  Kupon

zu  der
Kreis-Obligation  des  Creutzburger  Kreises
Littr  -
über  Thaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen
über  .  .  .  .  .  Thaler  ..  .  .  .  Silbergroschen.

Der  Inhaber  dieses  Iinskupons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  in  der
Zeit  vom  .  .  ten  .  ..  .  .  ..  bi.  resp.  vom  ..  ten  ......
.....  bßd  späterhin  die  Zinsen  de  vorbenannten  Kreis,
Dbligatio  fr  für  das  Habbjahr  veon  bis.

uchstaben)  Thalern  .  .  .  ..  Silbergroschen  bei  der  Kreis-  Kenenunl

*-  zu  wre
Creutzburg,  den  m.  18..

Die  ständische  Kommission  für  die  Chausseebauten  im  Creutzburger  Kreise.

Dieser  Zinskupon  ist  ungültig,  wenn  dessen
Geldbetrag  nicht  innerhalb  vier  Jahren  nach
der  Fälligkeit,  vom  Schluß  des  betreffenden
Kalenderjahres  an  gerechnet,  erhoben  wird.

Drovinz  Schlesien,  Negierungebezirk  Oppeln.

Dalon

zu  der
Kreis-Obligation  des  Creutzburger  Kreises.
Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  Obligation
  des  Creutzburger  Kreises
Littr.  über  Thaler  à  fünf  Prozent  Zinsen

die  .##  Serie  Zinskupons  für  die  fünf  Jahre  18.  bis  18  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  zu  Creutzburg)  falls  der  Inhaber  der  Obligation  nicht  rechtzeitig
Widerspruch  erhoben  hat.

Creutzburg,  den  n  .  .  ..  18.

Die  ständische  Kommission  für  die  Chausseebauten  im  Creutzburger  Kreise.

 

(Nr.  6730.)
        <pb n="1340" />
        —  1163  —

(Nr.  6730.)  Nachtrag  zu  dem  Privilegium  vom  18.  August  1866.  wegen  Ausgabe  von
zwei  Millionen  Thaler  Prioritäts-Obligationen  der  Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger
  Eisenbahngesellschaft.  Vom  24.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm),  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  v.

Nachdem  von  Seiten  der  Magdebur  „Köhen,  Halle  Leipsiger  Eisenbahngesellchast
  auf  Grund  der  in  der  Generalversammlung  ihrer  Aktionaire  vom
9.  März  1867.  gefaßten  Beschlüsse  darauf  angetragen  worden  ist,  das  ihr  unterm
18.  August  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  540.)  verliehene  landesherrliche  Privilegium
zur  Ausgabe  von  zwei  Millionen  Thaler  Prioritäts-Obligationen  insoweit  zu
andern,  daß
der  im  F.  2.  auf  fünf  Prozent  jährlich  normirte  Zinsfuß  auf  vier  und
ein  halbes  Prozent  jährlich,
und
die  im  F.  3.  zur  allmäligen  Amortisation  der  Anleihe  bestimmte  Jahressumme
  von  159,000  Thalern  auf  den  Betrag  von  10,000  Thalern  jährache
  unter  Zuschlag  der  durch  die  amortisirten  Obligationen  ersparten
insen
ermäßigt  werde,  wollen  Wir  diese  Anträge  unter  Aufrechthaltung  aller  übrigen
Bestimmungen  des  gedachten  Privilegiums  hierdurch  landesherrlich  genehmigen,
indem  Wir  zugleich  verordnen,  daß  auf  der  Rückseite  der  hiernach  auszufertigenden
Obligationen  neben  dem  mehrerwähnten  Privilegium  auch  der  gegenwärtige
Nachtrag  zu  demselben  abgedruckt  werde.
Die  gegenwärtige  Urkunde  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  bekannt  zu  machen.

Gegeben  Berlin,  den  24.  Juni  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Für  den  Minister  für
Handel  2c.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Selchow.

 

(Nr.  6730—6731.)  (Nr.  6731.)
        <pb n="1341" />
        —  1164  —

(Nr.  6731.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  8.  Juli  1867.,  betreffend  die  Ausübung  der  Gerichtsbarkeit
  in  den  an  die  Krone  Preußen  abgetretenen,  vormals  Königlich
Bayerischen  Gebietstheilen,  außer  der  Enklave  Kaulsdorf.

A##  Ihren  Bericht  vom  3.  Juli  d.  J.  bestimme  Ich  in  weiterem  Verfolge
Meiner  Order  vom  6.  Mai  d.  J.  (Gesetz  Samml  S.  699.),  was  folgt:

1)  In  den  Bezirken  der  Justizämter  zu  Orb,  Weyhers  und  Hilders  sollen
fortan  auch  über  die  Zuständigkeit  und  das  Verfahren  in  Sachen  der
freiwilligen  Gerichtsbarkeit,  einst  leßlich  des  Vormundschafts-  und  Kuratelwesens,
  sowie  hinsichtlich  der  Behandlung  der  Verlassenschaften  die  nämlichen
  Ere,  Verordnungen  und  sonstigen  Vorschriften  entscheiden,  welche
in  den  Bezirken  der  Obergerichte  zu  Hanau  und  Fulda  und  zwar,  was
den  Bezirk  des  Obergerichts  zu  Hanau  anlangt)  in  den  althessischen  Theilen
desselben  gelten.

2)  Das  bißbher  geführte  General-Hypothekenbuch  ist  in  seiner  dermaligen  Einrichtung,
  wonach  dasselbe  Real=  und  nicht  Personalfolien  enthält,  zu  belassen
  und  in  der  Weise  zu  einem  General.Währschafts=  und  Hypothekenbuche
  zu  erweitern,  daß  der  Erwerb  von  Immobilien  auch  dann  zur  Eintragung
  kommt,  wenn  dieselben  nicht  mit  Hypotheken  belastet  sind.

Sie,  der  Justizminister,  werden  ermächtigt,  die  zur  Ausführung  dieser
Meiner  Order  erforderlichen  Anordnungen  zu  erlassen.

Ems,  den  8.  Juli  1867.
Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.
An  den  Justizminister.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="1342" />
        —  1165  —
Gesetz-Sammlung
für  die
Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  68.—

 

(Nr.  6732.)  Verordnung),  betreffend  die  Einführung  verschiedener  seerechtlicher  Vorschriften
des  Preußischen  Rechts  in  das  vormalige  Königreich  Hannover.  Vom
24.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  das  vormalige  Königreich

  Hannover,  was  folgt:

Q„  Die  in  der  Anlage  enthaltenen  seerechtlichen  Vorschriften  des  Preußischen

Rechts,  nämlich:

.  der  Artikel  56.  des  Gesetzes  über  die  Einführung  des  Allgemeinen  Deutschen

  Hendelsgeshbuchs  in  Unserer  Monarchie  vom  24.  Juni  1861.

(Gesetz  Samml.  S.  449.);

das  Gesetz,  betreffend  die  Rechtsverhältnisse  der  Schiffzmannschaft  auf

den  Seeschiffen,  vom  26.  März  1864.  (Gesetz  Samml.  S.  693.);

das  Gesetz  zur  Aufrechterhaltung  der  Mannszucht  auf  den  Seeschiffen

vom  31.  A  1841.  wüehalteng  d  S.  64.),  soweit  dasselbe  durch  das

Gesetz  vom  26.  März  1864.  (Nr.  II.)  nicht  abgeändert  ist;

IV  die  Verordnung,  betreffend  die  Perichtung  der  Preußischen  Seeschiffer
zur  Mitnahme  verunglückter  vaterländischer  Schiffsmänner,  vom  5.  Oktober
1833.  (Gesetz  Samml.  S.  122.);

V.  das  Gesetz  über  die  Bestrafung  von  Seeleuten  Preußischer  Handelsschiffe,
welche  sich  dem  übernommenen  Dienste  entziehen,  vom  20.  März  1854.
(Gesetz  Samml.  S.  137.)

treten  für  das  vormalige  Königreich  Hannover  am  30.  September  1867.  mit
nachstehenden  Maaßgaben  in  Kraft:

1)  Die  Bestimmung  des  §.  S.  des  Gesetzes  vom  26.  März  1864.  (Nr.  II.
über  die  Beziehung  der  Formulare  der  Seefahrtsbücher  von  den  Stempelvertheilern
  wird  dahin  ergänzt,  daß  bis  auf  weitere  im  Verwaltungswege

Johrgong  1867.  (Nr.  6732.),  15  zu

Ausgegeben  zu  Berlin  den  27.  Juli  1867.

—

II.

.——

III.

—
        <pb n="1343" />
        —  1166  —

4t  treffende  Anordnung  die  Formulare  der  Seefahrtsbücher  von  den
Musterungsbehörden  zu  beziehen  sind.

2)  Die  auf  die  Größe  des  Logisraums  sich  beziehenden  Vorschriften  im
zweiten  Absatz  des  §.  26.  des  Gesetzes  vom  26.  März  1864.  (Nr.  II.)
treten  in  Betreff  der  Schiffe,  welche  vor  Erlaß  dieser  Verordnung  bereits
gebaut  sind,  erst  mit  dem  1.  Januar  1869.  in  Kraft.

3)  Die  nach  dem  dritten  Absatz  des  F.  26.  a.  a.  O.  den  Bezirksregierungen
wustehende  Befugniß  zur  Erlassung  von  örtlichen  Verordnungen  über  die

eem  Schiffsmann  zu  verabreichenden  Speisen  und  Getränke  steht,  so“
lange  Bezirksregierungen  nicht  eingesetzt  sind,  den  Landdrosteien  zu.
Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehende  Vorschriften  werden  aufgehoben.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  24.  Juni  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck.  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

Anlage.

I.  Artikel  56.  des  Gesetzes  über  die  Einführung  des  Allgemeinen
Deutschen  Handesgesetzbuchs  in  Unserer  Monarchie  vom  24.  Juni  1861.
(Gesetz-Samml.  S.  449..

E  die  Nechte  des  Schiffsmannes  in  Ansehung  der  Heuer  wird  zur
Echänhung  der  Artikll  536.  und  541.  des  Handelsgesetzbuchs  Folgendes  verordnet:


S.  1.

Wenn  nach  Beendigung  der  Ausreise  eine  oder  mehrere  Zwischenreisen
unternommen  werden,  so  kann  der  Schiffsmann,  sobald  sechs  Monate  seit  dem
Antritt  der  Ausreise  abgelaufen  sind,  in  dem  ersten  Hafen,  welchen  das  Schiff
anläuft,  sofern  es  darin  8  oder  zum  größeren  Theile  gelöscht  wird,  die  Auszahlung
  der  Hälfte  der  bis  dahin  verdienten  Heuer  verlangen.  Die  Ichlung
muß  nach  seiner  Wahl  entweder  baar  oder  mittelst  einer  Anweisung  auf  den
Rheder  erfolgen,  welche  zwei  Tage  nach  Sicht  zahlbar  ist.

In
        <pb n="1344" />
        —  1167  —

In  gleicher  Weise  ist  der  Schiffsmann,  sobald  sechs  Monate  seit  der  früheren
  Auszahlung  abgelaufen  sind,  die  Auszahlung  der  Hälfte  der  seit  der  früheren
  #uszahlung  verdienten  Heuer  zu  fordern  berechtigt.

KC.  2.

Die  in  dem  Artikel  541.  des  Handelsgesetzbuchs  vorgeschriebene  Erhöhung
der  nach  Zeit  bedungenen  Heuer  beträgt  von  dem  Beginn  des  dritten  Jahres  an
ein  Fünftel,  von  dem  Beginn  des  vierten  Jahres  an  ein  ferneres  Fünftel  des
in  dem  Heuervertrage  festgesetzten  Betrages)  Leichtmatrosen  rücken  mit  Beginn
des  dritten  Jahres  in  die  Heuer  der  Vollmatrosen,  Schiffsjungen  in  die  Heuer  der
bcchomatrofe,  in  beiden  Fällen  unter  Hinzurechnung  der  vorerwähnten  Erhöhung.
  «

II.  Gesetz)  betreffend  die  Rechtsverhältnisse  der  Schiffsmannschaft  auf
den  Seeschiffen)  vom  26.  März  1864.  (Gesetz  Samml.  S.  693.).

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Konig  von  Preußen  u.§

verordnen  zur  Ergänzung  der  Vorschriften  des  Deutschen  H##decszesetzbuche  und
des  Eführungsgesetzer  zu  demselben  vom  24.  Juni  1861.  (Gesetz=  Samml.
S.  449.),  über  die  Rechtsverhältnisse  der  Schiffsmannschaft  auf  den  Seeschiffen,
mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages,  für  den  ganzen  Umfang  Unserer
Monarchie,  was  folgt:

Erster  Abschnitt.
Von  den  Seefahrtsbüchern.

S.  1.

Ein  Jeder,  welcher  auf  einem  Preußischen  Sesschife  als  Schiffsmann  zu
fahren  beabsichtigt,  muß  sich  von  der  Musterungsbehörde  (§.  12.)  des  Hafens,  in
welchem  er  sich  zuerst  verheuern  will,  ein  Seesthmetuch  ausfertigen  lassen.
hat,  bevor  das  Seefahrtsbuch  ausgefertigt  werden  kann,  über  seinen  Namen,
seine  Heimath  und  sein  Alter  sich  auszuweisen  und,  wenn  er  noch  unter  väterlicher
  Gewalt  steht  oder  minderjährig  ist,  die  Genehmigung  des  Vaters  oder
Vormundes,  Seeschiffsdienste  zu  nehmen,  beizubringen.  Kraft  dieser  Genehmiung

  ist  er)  insofern  er  das  vierzehnte  Lebensjahr  überschritten  hat,  rücksichtlich
es  Abschlusses  von  Heuerverträgen  und  der  aus  einem  solchen  Vertrage  entstehenden
  Rechte  und  Pütchen  einem  selbstständigen  Großjährigen  gleich  zu  achten.
(Nr.  6732.)  153“  Er
        <pb n="1345" />
        —  1168  —

Er  kann  jedoch,  falls  er  noch  minderjährig  ist,  in  Prozessen  nur  im  Beistande
seines  Vaters  oder  Vormundes  oder,  wenn  dieselben  nicht  im  Bezirke  des  Prozeßgerichts
  sich  aufhalten,  mit  einem  Rechtsbeistande  auftreten,  welchen  als  Litisrator
  das  Prozeßgericht  ihm  zuzuordnen  hat  und  dessen  Pflicht  es  ist,  den
Vater  oder  Vormund  von  dem  Gegenstande  des  Rechtsstreits  in  Kenntniß
zu  setzen.
S.  2.

Das  Seefahrtsbuch  hat  die  Bestimmung,  dem  Schiffsmann  zur  Legitimation
zu  dienen  und  über  jedes  Dienstverhältniß,  welches  er  eingeht,  Auskunft  zu  geben.

KC.  3.

Das  Seefahrtsbuch  enthält  den  Namen,  die  Heimath,  das  Alter  und  die
Beschreibung  (das  Signalement)  des  Inhabers,  nebst  seiner  Unterschrift,  mindestens
zwölf  Blätter  zur  Entragung  der  einzelnen  Dienstverhältnisse  und  in  einem
Anhange  den  Abdruck  der  wichtigeren  esedlichen  Bestimmungen,  welche  die  Rechtsverhältnisse
  der  Schiffsmannschaft  auß  en  Seeschiffen  betreffen.

K.  4.

Wird  der  Schiffsmann  gerichtlich  bestraft,  so  ist  von  dem  Gerichte  die
Bestrafung  in  das  Seefahrtsbuch  einzutragen.

G.  5.

Ein  neues  Seefahrtsbuch  wird  dem  Schiffsmann  nur  dann  ausgefertigt,
wenn  er  den  Verlust  des  füher  ausgefertigten  glaubhaft  macht.  In  dem  neuen
Seefahrtsbuche  ist  von  der  Musterungsbehörde  zu  vermerken,  daß  dasselbe  in
Folge  des  Verlustes  des  früher  ausgrrrtiglen  ertheilt  set,  und  ob  und  inwiefern
der  Schiffsmann  über  seine  Schuldlosigkeit  an  dem  Verluste  sich  ausgewiesen  habe.

KG.  6.

Wenn  das  Seefahrtsbuch  angefüllt,  oder  aus  anderen  Gründen  zum
ferneren  Gebrauch  nicht  mehr  geeignet  ist,  so  ist  dem  Schiffsmann  auf  sein  Verlangen
  ein  zweites  Seefahrtsbuch  auszufertigen.  Die  Musterungsbehörde  hat  in
einem  solchen  Falle  in  das  erste  Seefahrtsbuch  den  Vermerk,  daß  ein  zweites
ausgefertigt  sei,  in  das  zweite  den  Vermerk,  daß  es  eine  Fortsetzung  des  ersten
bilde,  einzutragen.

’

Die  Ausfertigung  eines  neuen  (F.  5.)  oder  eines  zweiten  (F.  6.)  Seefahrtsbuchs
  erfolgt  von  der  Musterungsbehörde  des  Hafens,  in  welchem  der
Schiffsmann  desselben  Behufs  der  Verheuerung  bedarf.

S.  8.

Zu  den  Seefahrtsbüchern  sind  Formulare  zu  verwenden,  welche  von  den
tem.
        <pb n="1346" />
        —  1169  —

Stempelvertheilern  zum  Preise  von  12  Sgr.  6  Pf.  für  das  einzelne  Exemplar
u  beziehen  sind.  Wer  die  Ausfertigung  eines  Seefahrtsbuchs  verlangt,  hat  das

brn  eines  solchen  der  Musterungsbehörde  zur  Ausfertigung  vorzulegen.
ie  Ausfertigung  selbst  geschieht  gebühren-  und  stempelfrei.

§.  9.

Im  Inlande  darf  Niemand  für  ein  Preußisches  Schiff  als  Schiffsmann
gehenert  werden,  welcher  nicht  mit  einem  Seefahrtsbuche  versehen  ist,  und)  sofern
das  von  ihm  vorgelegte  Seefahrtsbuch  eine  Anmusterung  ergiebt,  durch  dasselbe
über  die  Beendigung  des  früheren  Dienstverhältnisses  sich  auszuweisen  vermag.

F.  10.

Der  Schiffsmann,  welcher  ein  für  ihn  ausgefertigtes  Seefahrtsbuch  absichtlich
  beseitigt  und  sodann  die  Ausfertigung  eines  neuen  Seefahrtsbuchs  nachsucht,
  oder  welcher  die  Ausfertigung  eines  neuen  Seefahrtsbuchs  unter  Verschweigung
  der  Ausfertigung  des  früheren  nachsucht,  ingleichen  der  Schiffer,  welcher
der  Vorschrift  des  §.  9.  zuwiderhandelt,  hat  Geldbuße  bis  zu.  funfzig  Thalern
und  im  Unvermögensfalle  verhältnißmäßige  Gefängnißstrafe  verwirkt.

KC.  11.

Jede  Musterungsbehörde  hat  über  die  von  ihr  ausgefertigten  Seefahrtsbücher
  ein  Verzeichniß  zu  7  6

Zweiter  Abschnitt.

Von  der  Anfertigung  der  Musterrolle  und  der  An-  und
Abmusterung.

K.  12.

Die  Musterrolle  (Art.  529.  des  Deutschen  Handelsgesetzbuchs)  eines
Preußischen  Schiffes  wird  von  der  Musterungsbehörde  des  Hafens  angefertigt,
in  welchem  die  Schiffsmannschaft  geheuert  wird.  Für  jeden  Hafen  wird  eine
besondere  Musterungsbehörde  eingesetzt.  Die  Mehrzahl  der  Mitglieder  derselben
soll  aus  Personen  bestehen,  welche  der  Seeschiffahrt  kundig  und  im  Schiffsdienste
erfahren  sind.  Wo  die  Einsetzung  einer  solchen  Musterungsbehörde  nicht  hat  erfolgen
  können,  gilt  als  Musterungsbehörde  die  Hafenpolizeg  ehörde.  Der  Handelsminister
  ist  beauftragt,  die  Musterungsbehörden  einzurichten  und  mit  einer  Instruktion
  zu  versehen.

K.  13.

Der  Anfertigung  der  Musterrolle  geht  die  Anmusterung  voraus.  Die
Anmusterung  besteht  darin.,  daß  der  Schifer  oder  dessen  Vertreter  die  Schiffs-(Tr.
  6732)  mann-
        <pb n="1347" />
        —  1170  —

mannschaft  der  Musterungsbehörde  vorstellt  und  beide  vor  der  letzteren  den  zwischen
ihnen  abgeschlossenen  Heuervertrag  verlautbaren.

Die  Musterungsbehörde  hat  den  Heuervertrag  vollständig  zum  Protokoll
aufzunehmen.  Das  Protokoll  ist  von  dem  Schiffer  oder  dessen  Vertreter  und
von  einem  jeden  Schiffsmann  zu  unterzeichnen.

K  14.

Jeder  Schiffsmann  hat  bei  der  Anmusterung  über  seine  Persönlichkeit  durch
das  Seefahrtsbuch  (§.  I.)  sich  aussuweisen  Insofern  nach  den  bestehenden  Vorschriften
  der  Nachweis  einer  besonderen  Befähigung  zu  dem  übernommenen  Schiffsdienste
  erforderlich  ist,  muß  auch  dieser  Nachweis  geführt  werden.  Wird  den  vorstehenden
  Bestimmungen  nicht  genügt)  oder  findet  die  Musterungsbehörde  in
Ansehung  der  Güstigket  des  Heuervertrages  im  Allgemeinen  oder  rücksichtlich
einzelner  darin  enthaltener  Bestimmungen  wesentliche  Erinnerungen,  so  hat  sie
ihre  Mitwirkung  bei  der  Anmusterung  bis  zur  Beseitigung  der  Anstände  zu  versagen.
  Dasselbe  gilt,  wenn  die  Musterungsbehörde  bei  der  von  ihr  zu  bewirkenden
Prüfung  ermittelt,  daß  der  Schiffer  nicht  die  vorgeschriebene  Befähigung  besitzt,
oder  daß  der  Anheuerung  des  einen  oder  anderen  Schiffsmannes  die  Vorschriften
über  die  Militairdienstpflicht  entgegenstehen.

KC.  15.

Die  geschehene  Anmusterung  wird  von  der  Musterungsbehörde  in  dem  Seefahrtsbuche
  eines  jeden  Schiffsmannes  vermerkt.  Dieser  Vermerk  dient  zugleich
als  Ausgangs=  oder  Seepaß.

S.  16.
Nach  der  Anmusterung  wird  von  der  Musterungsbehörde  die  Musterrolle
angefertigt.  Die  Musterrolle  soll  enthalten:
1)  den  Namen  und  die  Nationalität  des  Schiffes,
2)  den  Namen  und  den  Wohnort  des  Schiffers,

3)  den  Namen  und  die  Heimath  eines  jeden  Schiffsmannes  nebst  der  Bezeichnung
  seines  Ranges,

4)  den  wörtlichen  Inhalt  des  Protokolls  über  den  zwischen  dem  Schiffer  und
der  Schiffsmannschaft  abgeschlossenen  Heuervertrag  (d.  13.),

5)  s““]ee  nebst  Siegel  und  Unterschrift  der  Musterungsehörde.

S.  17.

Die  Anfertigung  einer  neuen  Musterrolle  ist  erforderlich,  wenn  die  Mannschaft
  von  Neuem  geheuert  wird.
F.  18.
        <pb n="1348" />
        —  1171  —

KC.  18.

Die  Anmusterung  eines  erst  nach  Anfertigung  der  Musterrolle  geheuerten
Schiffsmannes  erfolgt  nach  Maaßzebe  er  S.  13.  bis  15.  vor  der  Musterungs.
behörde  des  Hafens,  in  welchem  dieselbe  zuerst  geschehen  kann.

Die  Musterungsbehörde  hat  den  nackträglch  geheuerten  Schiffsmann,  unter
Bezugnahme  auf  das  über  seine  Anmusterung  aufgenommene  Protokoll,  von
welchem  der  Schiffer  eine  Ausfertigung  erhält,  in  der  Musterrolle  nachzutragen.
Wenn  während  der  Dauer  der  Gültigkeit  der  Musterrolle  ein  Schiffsmann  ausscheidet,
  so  ist  dies  von  der  Musterungsbehörde,  vor  welcher  derselbe  abgemustert
wird  (F.  19.),  oder  in  Ermangelung  einer  Abmusterung  von  der  Multenmgs.
behörde  des  Hafens,  in  welchem  es  zuerst  geschehen  kann,  in  der  Musterrolle  zu
bemerken.

F.  19.

Nach  der  Abdankung  erfolgt  die  Abmusterung  der  Schiffsmannschaft  vor
der  Musterungsbehörde  (F.  1#2.)  des  Hafens,  in  welchem  dieselbe  abgedankt  wird.

Die  Abmusterung  besteht  darin,  daß  der  Schiffer  die  Schiffsmannschaft
unter  Vorlegung  der  Musterrolle  der  Musterungsbehörde  vorstellt  und  beide  vor
der  letzteren  die  Auflösung  des  Dienstverhältnisses  verlautbaren.

Der  Schiffer  ist  verpflichtet,  bei  der  Abdankung  in  das  Seefahrtsbuch  eines
jeden  Schiffsmannes  einen  Vermerk  über  die  Rang-  und  Dienstverhältnisse,  worin

erselbe  gestanden  hat,  einzutragen.  Die  Musterungsbehörde  hat  diesen  Vermerk
unter  Bescheinigung  der  Abmusterung  zu  beglaubigen.  Sie  ist  verpflichtet,  die
Ausgleichung  der  zwischen  dem  Schiffer  und  der  Schiffsmannschaft  etwa  bestehenden
  Streitigkeiten  zu  versuchen.

Ueber  die  Abmusterung  wird  von  der  Musterungsbehörde  ein  kurzes  Protokoll
  aufgenommen,  dessen  Vollziehung  von  Seiten  des  Schiffers  und  der  Schiffsmannschaft
  es  nicht  bedarf.

KC.  20.

Wird  ein  einzelner  Seosen  abgedankt,  so  ist  seine  Abmusterung  nach
Maaßagabe  des  vorstehenden  Paragraphen  zu  bewirken.

KC.  21.

Wemn  in  Folge  eines  Seeunfalls  die  Abdankung  eines  Schiffsmannes  nicht
möglich  ist,  so  hat  die  Mu  erungsbebörde  des  Hafens,  in  welchem  es  zuerst  geschehen
  kann,  nach  Feststel  ung  der  Sachlage  die  Beendigung  des  Dienstverhältnisses
  in  dem  Seefahrtsbuche  des  Schiffsmannes  zu  vermerken.

5.  22.
Im  Auslande  tritt  in  Bezug  auf  die  Anfertigung  der  Musterrolle,  deren

Vervollständigung  oder  Berichtigung,  sowie  auf  die  An-  und  Abmusterung  an
die  Stelle  der  Musterungsbehörde  der  im  Artikel  537.  des  Handelsgesetzbuchs  be-(Nr.

  6732.)  zeich-
        <pb n="1349" />
        —  1172  —

eichnete  Konsul.  Die  Legitimation  durch  ein  Seefahrtsbuch  (d.  14.)  ist  bei  der
lumusterung  im  Auslande  nicht  erforderlich.

K.  23.

Der  Schiffer,  durch  dessen  Verschulden  eine  vorgeschriebene  Abmusterung
unterbleibt,  hat  Geldbuße  bis  zu  funfig  Thalern  und  im  Unvermögensfalle  verhältnißmäßige
  Gefängnißstrafe  verwirtt.

K.  24.

Für  eine  Unnucserung,  welche  im  Inlande  erfolgt,  einschließlich  der  Anfertigung
  oder  Berichtigung  der  Musterrolle,  sind  von  dem  Schiffer  für  Nechmug
des  As  ers  außer  den  tarifmäßigen  Stempeln,  Behust  Bestrchtung,  der  Kosten
der  Musterungsbehörden,  für  jeden  Schiffsmann  7  Sgr.  6  Pf.  Gebühren  zu
entrichten.  Für  eine  Berichtigung  der  Musterrolle  ohne  Anmusterung,  imgleichen
für  eine  Abmusterung  werden  im  Inlande  Stempel  und  Gebühren  nicht  erhoben.

Dritter  Abschnitt.

Von  den  Rechten  und  Pflichten  der  Schiffsmannschaft  während  des
Dienstverhältnisses.

Zur  Ergänzung  der  Artikel  531.  ff.  des  Deutschen  Handelsgesetzbuchs  wird
Folgendes  bestimmt:

ß.  2V5.
Zum  ersten  Absatz  des  Artikels  531.

Der  Schiffsmann  darf  bis  gur  Ammssterung.  ohne  Erlaubniß  des  Schiffers
das  Schiff  nicht  verlassen.  Ist  ihm  eine  solche  Erlaubniß  ertheilt,  so  muß  er
zur  festgesetzten  Zeit  und  jedenfalls,  sofern  nicht  ausdrücklich  das  Gegentheil  bewilligt
  ist,  vor  acht  Uhr  Abends  zurückkehren.

§.  26.
Zum  zweiten  Absatz  des  Artikels  531.

Dem  Schiffsmann  böhrt  außer  der  Heuer  Beköstigung,  und  so  lange
ihm  in  Folge  eines  Unfalls  oder  aus  anderen  Gründen  auf  dem  Schiffe  kein
Unterkommen  gewährt  wird,  ein  anderweitiges  angemessenes  Unterkommen.

Am  Bord  des  Schiffes  hat  die  Schiffsmannschaft  auf  einen  nur  für  sie
und  ihre  Effekten  bestimmten,  wohlverwahrten  und  genügend  zu  lüftenden  Logisraum
  Anspruch.  Der  Logisraum,  mit  Ausnahme  des  Kojenraumes,  muß  mindestens
  43  Fuß  hoch  und  so  groß  sein,  daß  auf  jeden  Schiffsmann,  einschließlich
seines  Kojenraumes,  mindestens  65  Kubikfuß  kommen.  In  Betref  der  L  -

"  welche
        <pb n="1350" />
        —  1173  —

welche  vor  Erlaß  dieses  Gesetzes  bereits  gebaut  sind,  tritt  vorstehende  Bestimmung
erst  mit  dem  1.  Januar  1866.  in  Kraft.

Die  dem  Schiffsmann  für  den  Tag  mindestens  zu  verabreichenden  Speisen
und  Getränke  werden  durch  die  örtlichen  Verordnungen  und  in  deren  Ermangelung
  durch  den  Ortsgebrauch  des  Hafens  bestimmt,  in  welchem  die  Schiffs-Panngceeft
  geheuert  ist.  Die  Bezrksregierungen  sind  ermächtigt,  solche  Verordnungen
  nach  Anhörung  der  Lokalbehörden  und  der  Organe  des  Handelsstandes
zu  erlassen.  Aus  dem  Protokoll,  welches  die  Musterungsbehörde  bei  der  Anmusterung
  aufzunehmen  hat  (§.  13.),  muß  erhellen,  was  dem  Schiffsmann  an
Speise  und  Trank  täglich  gebührt.

Der  Schiffsmann  darf  die  verabreichten  Speisen  und  Getränke  nur  zu
seinem  eigenen  Bedarf  verwenden  und  nichts  davon  veräußern  oder  bei  Seite
bringen.  Es  ist  unstatthaft,  daß  der  Schiffer,  welcher  nicht  Alleineigenthümer
des  Schiffes  ist,  die  Beköstigung  der  Schiffsmannschaft  auf  eigene  Rechnung
übernimmt.  "

§.27.

Zum  Artikel  532.

Im  Inlande  wird  der  Streit  zwischen  dem  Schiffsmann,  welcher  nach  der
Anmusterung  den  Antritt  oder  die  Fortsezung  des  Dienstes  versagt,  und  dem
Schiffer,  welcher  den  Antritt  oder  die  Fortsetzung  des  Dienstes  verlangt,  von  der
Musterungsbehörde  des  Hufenst  wo  das  Schu  sich  befindet,  unter  Vorbehalt
des  Rechtsweges  entschieden.  Die  Entscheidung  der  Musterungsbehörde  ist  bis
zu  ihrer  etwaigen  Abänderung  durch  gerichtliches  Erkennuß  vollstreckbar.  Der
Schiffsmann,  welcher  entweicht  (desertirt),  verliert,  unbeschadet  der  Verpflichtung
zum  Ers  des  durch  die  Entweichung  verursachten  Schadens,  die  verdiente  Heuer.

er  §.  279.  des  Strafgesetzbuchs  und  das  Gesetz  vom  20.  März  1854.
——u“x*“  2  S.  137.)  werden  durch  die  vorstehenden  Bestimmungen  nicht
erührt.

S.  28.
Zum  ersten  Absatz  des  Artikels  533.

Der  Schiffsmann  ist  verpflichtet,  den  Anordnungen  des  Schiffers  gemäß,
alle  für  Schiff  und  Ladung  ihm  übertragenen  Arbeiten,  insbesondere  bei  dem
Laden  und  Stauen  und  Löschen,  sowie  bei  der  Ausrüstung  und  Reparatur  des
Schiffes,  sowohl  an  Bord  desselben  und  in  dessen  Booten,  als  in  den  Leichterfahrzeugen
  und  auch  am  Lande,  bei  Tage  sowohl  als  bei  Nacht,  nach  besten
Kräften  zu  verrichten.  Wenn  jedoch  das  Schiff  innerhalb  eines  geschützten  Hafens
liegt,  so  ist  der  Schiffsmann  bei  dem  Laden,  Stauen  und  Löschen  nur  in  Nothfällen
  länger  als  zwolf  Stunden  täglich  zu  arbeiten  schuldig.  Auf  die  zwölfstündige
  Arbeitszeit  kommt  eine  Stunde  Ruhe  zu  Mittag  und  je  eine  halbe  Stunde
Ruhe  zum  Frühstück  und  zum  Abendbrod  in  Anrechnung.

Der  Schiffsmann  muß  bei  jeder  Seegefahr  jede  ihm  mögliche  Hülfe  zur
Erhaltung  und  Rettung  des  Schiffes  oder  der  Ladung  und  der  Reisenden  leisten
und  an  Vorr  ausharren,  bis  der  Schiffer  ihm  das  Schiff  zu  verlassen  erlaubt,
oder  selbst  das  Schiff  verläßt.  ·

Johrgang  1807.  (Nr.  6732)  154  g.  29.
        <pb n="1351" />
        —  1174  —

C.  29.
Zum  zweiten  Absatz  des  Artikels  533.

Der  Schiffsmann  hat  nach  den  von  dem  Schiffer  zur  Erhaltung  der  Ordnung
  und  Eintracht  an  Bord  getroffenen  Anordnungen  sich  sor  fällg  zu  richten.
Zuwiderhandlungen  können  von  dem  Schiffer  nach  Maaßgabe  des  Gesetzes  vom
31.  März  1841.  (Gesetz=  Samml.  S.  64.)  geahndet  werden.

Der  §.  2.  des  gedachten  Gesetzes  wird  dahin  abgeändert:

Im  Falle  einer  dem  Schiffe  drohenden  Gefahr,  sowie  bei  Meutereien
  oder  Gewaltthätigkeiten  der  Schiffsmannschaft,  ist  dem  Kapitain
(Schiffer),  um  seinen  Befehlen  Gehorsam  zu  verschaffen,  die  Anwendung
aller  zur  Erreichung  des  Zweckes  nothwendigen  Mittel  gestattet.  In  allen
Fällen  ist  der  Kapitain  vermöge  der  ihm  zustehenden  Disziplinargewalt
(§.  1.)  befugt:

a)  Geldstrafen  bis  zu  fünf  Thalern  zum  Besten  der  Armenkasse  des
Heimathshafens  des  Schiffes,

b)  Schmälerung  der  Kost)

J)  Gefängniß  bis  zu  acht  Tagen,  nöthigenfalls  bei  Wasser  und  Brod,

d)  Anschließen  mittelst  eiserner  Fesseln  in  den  unteren  Räumen  des
Schiffes  bis  zur  Dauer  von  drei  Tagen

zu  verfügen.

Welche  von  diesen  Strafen  anzuwenden  ist,  hat  der  Kapitain  nach
der  größeren  oder  geringeren  Strafbarkeit  zu  ermessen.

Giebt  der  Schiffsmann  durch  ungebührliches  Betragen  dem  Kapitain
  zu  Scheltworten  oder  geringen  Thätlichkeiten  Veranlassung,  so  kann
er  deshalb  keine  gerichtliche  Genugthuung  fordern.  Die  Schiffsjungen
sind  der  väterlichen  Zucht  des  Kapitains  unterworfen.

Der  Stellvertreter,  auf  welchen  im  Fall  der  Vechinderung.  des  Schiffers
dessen  Disziplinargewalt  übergeht  (§.  18.  des  Gesetzes  vom  31.  Mai  1841.),  hat
der  Schiffsmannschaft  gegenüber  alle  Rechte  des  Schiffers.

d.  30.
Zum  zweiten  Absatz  des  Artikels  533.

Der  Schiffer  hat  das  Seefahrtsbuch  des  Schiffsmannes  bis  zur  Beendiung
  des  Dienstverhältnisses  in  Verwahrung  zu  nehmen.  Er  ist  verpflichtet,
nseen  nach  der  Beendigung  des  Dienstverhältnisses  auf  sein  Verlangen  ein
vollständiges  Zührungsgeu  niß  zu  ertheilen.  Das  letztere  darf  in  das  Seefahrtsbuch
  nicht  eingetragen  werden.  Die  Unterschrift  des  Schiffers  unter  dem  Zrugnis
ist  von  der  Musterungsbehörde  zu  beglaubigen.  Die  dem  Schiffsmann  in  dem
Zeugniß  zur  Last  gelegten  Beschuldigungen  sind  auf  dessen  Antrag  en  dt

uste-
        <pb n="1352" />
        –  15  —

Musterungsbehörde  einer  näheren  Erörterung  zu  unterziehen;  das  Ergebniß  der
Untersuchung  ist  auf  dem  Zeugniß  zu  vermerken.  Die  Führungszeugnisse  einschließlich
  der  Beglaubigung  derselben  sind  stempelfrei.

Ein  Abdruck  der  wichtigeren  Bestimmungen,  welche  die  Rechtsverhältnisse
der  Schiffsmannschaft  auf  den  Seeschiffen  beinssen  (6.  3.),  muß  zur  Einsicht  der
Schiffsmannschaft  auf  jedem  Schiffe  bereit  liegen.

g.  31.
4  Zum  Artikel  534.

Der  Schiffsmann,  welcher  dem  Artikel  534.  zuwider  Güter  an  Bord
bringt,  oder  welcher  geistige  Getränke  oder  an  Taback  mehr  mit  sich  führt,  als
er  zu  seinem  Bedarf  nöthig  hat,  hat  der  See-Armenkasse  und  in  deren  Ermanelung

  der  Orts-Armenkasse  des  Hafens,  wo  die  Musterrolle  aufgenommen  woren
  !.,.  den  Betrag  einer  Monatsheuer  zu  entrichten.

Ist  die  Heuer  in  Bausch  und  Bogen  bedungen,  so  kommt  der  Artikel  546.
des  Deutschen  Handelsgesetzbuchs  zur  Anwendung.  Der  Artikel  278.  des  Straf.
gesetzbuchs  wird  durch  die  vorstehenden  Bestimmungen  nicht  berührt.

*½v2
Zum  Artikel  536.
Der  Schiffer  hat  dem  Schiffsmann  vor  Antritt  der  Reise  ein  Mbrechmmgee.

buch  zu  übergeben,  in  welches  jede  auf  die  Heuer  geleistete  Vorschuß  und
schlagszahlung  einzutragen  ist.

K.  33.
Zum  Artikel  542.
Im  Falle  des  Verlustes  des  Schilee  darf  der  Schisemann  von  dem

Schiffer  ohne  dessen  Genehmigung  erst  nach  Beendigung  der  Bergung  und  nach
Ablegung  der  Verklarung  sich  trennen.

g.  34.
Zum  dritten  Absatz  des  Artikels  547.

Der  Schiffsmann  kann  seine  Entlassung  fordern,  wenn  er  Gelegenheit
sirde,  die  Führung  eines  Schiffes  zu  erlangen  und  diese  Gelegenheit  ihm  durch
ie  Fortsetzung  des  Dienstes  verloren  gehen  würde,  oder  wenn  er  zur  Prüfung
als  Schiffer  oder  Steuermann  verstattet  ist,  in  beiden  Fällen  jedoch  nur  dann,
wenn  er  einen  geeigneten  Ersatzmann  stellt,  welcher  unter  denselben  Bestimmungen
sich  zu  verheuern  bereit  ist.
Der  Schiffsmann,  welcher  aus  einem  der  vorstehenden  Gründe  seine  Entlassung
  nimmt,  hat  nur  auf  die  verdiente  Heuer  Anspruch.  4
(Nr.  6732)  154°  §.  35.
        <pb n="1353" />
        Zum  Artikel  553.

Der  Schiffer  darf  einen  inländischen  Schiffsmann  im  Auslande  wider  dessen
Willen  nur  mit  Genehmigung  des  im  Artikel  537.  des  Handelsgesetzbuchs  bezeichneten
  Konsuls  urücklaffen,  jedoch  unbeschadet  der  Bestimmung  des  F.  14.  des
Gesetzes  vom  31.  März  1841.  Der  Konsul  soll  die  Genehmigung  nur  dann  ertheilen,
  wenn  nicht  allein  ein  gesetzlicher  Grund  der  Entlassung  vorhanden  ist,
sondern  wenn  der  Schiffer  zugleich  nachweist,  daß  ein  dringender  Grund  vorliegt)
den  Schiffsmann  vom  Bord  zu  entfernen,  und  daß  derselbe  dadurch  in  keine
hülflose  Lage  gerathen  wird.

Urkundlich  rc.

III.  Gesetz  zur  Aufrechthaltung  der  Mannszucht  auf  den  Seeschiffen
vom  31.  März  1841.  (Gesetz-Samml.  S.  64.))  soweit  dasselbe  durch
das  Gesetz  vom  26.  März  1864.  (Nr.  II.)  nicht  abgeändert  ist.

Wir  Friedrich  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden,  König  von
Preußen  ꝛc.  1c.

Da  die  bestehenden  Vorschriften  über  die  Mannszucht  auf  den  Seeschiffen
sich  als  unzureichend  erwiesen  haben,  so  verordnen  Wir  auf  den  Antrag  Unseres
Staatsministeriums  und  nach  erfordertem  Gutachten  Unseres  Staatsraths  für
den  ganzen  Umfang  Unserer  Monarchie,  was  folgt:

S.  1.

Die  Mannschaft  auf  den  Seeschiffen  ist  von  dem  Tage  ab,  an  welchem
sie  in  Folge  des  Heuervertrages  den  Dienst  auf  dem  Schiffe  angetreten  hat,  der
Disziplin  des  Schiffskapitains  (Schiffers)  unterworfen.  Dieselbe  ist  nicht  nur
schuldig,  allen  Anweisungen  des  Schiffskapitains  in  Betreff  des  Schiffsdienstes
ohne  Widerrede  pünktlich  Folge  zu  leisten,  sondern  hat  auch  Alles  zu  vermeiden,
was  zur  Störung  der  Ordnung  und  Eintracht  hinführen  könnte.  Hierüber  zu
wachen,  ist  der  Kapitain  besonders  verpflichtet.

C.  2.
(An  Stelle  desselben  tritt  der  §.  29.  des  Gesetzes  vom  26.  März  1864.

—  Nr.  II.  —  Gesetz  Samml.  S.  693.).

K.  3.
        <pb n="1354" />
        —  1177  —

g.  3.
Dem  Schiffskapitain  liegt  ob,  jede  von  ihm  verfuͤgte  Disziplinarstrafe  mit
Bemerkung  der  Art  des  Vergehen  und  der  vorhandenen  Beweise  in  dem  Schiffstagebuche
  zu  verzeichnen  oder  verzeichnen  zu  lassen.

KC.  4.

Wird  zu  einer  Zeit,  wo  das  Schiff  auf  der  Rhede  eines  inländischen  Seehafens
  bereits  segelfertig  gemacht  ist,  oder  sich  auf  offener  See)  oder  in  einem
ausländischen  Hafen  oder  Gewässer  befindet,  von  dem  Schiffsvolke  eines  der  in  den
nachstehenden  I§.  5.  bis  8.  bezeichneten  Verbrechen  verübt,  so  treten  die  daselbst
bestimmten  Kriminalstrafen  ein.  Bei  Abmessung  dieser  Strafen  soll  auf  die  etwa.
schon  angewendete  Disziplinarstrafe  keine  Rücksicht  genommen  werden.

KG.  5.

Ein  Schiffsmann,  welcher  den  wiederholten  Befehlen  des  Schiffskapitains
den  Gehorsam  verweigert,  hat  Gefängniß  oder  Strafarbeit  von  vierzehn  Tagen
bis  zu  Einem  Jahre  verwirkt.

x½
Ein  Schiffsmann,  welcher  dem  Kapitain  thätlich  sich  widersetzt,  oder  mit
thätlichem  Widerstande  droht,  soll  mit  Gefängnißstrafe  oder  Strafarbeit  von
zwei  Monaten  bis  zu  zwei  Jahren  belegt  werden.

F.  7.

Eben  diese  Strafe  (#.  50  betrifft  den  Schiffsmann,  welcher  den  Kapitain
durch  Gewalt  oder  Drohung  oder  auch  nur  durch  Verweigerung  der  Dienste  zu
einer  Handlung  oder  Unterlassung,  welche  sich  auf  die  Leitung  des  Schiffes,  sowie
  auf  die  Aufsicht  über  das  Se#s  oder  die  Ladung  bezieht,  zu  nöthigen  sucht.

K  S.

Unternehmen  es  zwei  oder  Mehrere,  den  Schiffskapitain  zu  einer  solchen
Handlung  oder  Unterlassung  (F.  7.)  zu  nöthicsen,  so  wird  die  im  §.  6.  bestimmte
Strafe  verdoppelt;  ist  aber  eine  Verabredung  dazu  zwischen  den  Thätern  vorangegangen,
  so  soll  gegen  die  Anstifter  oder  Rädelsführer  auf  vier  bis  zwölf  Jahre
und  gegen  die  übrigen  Theilnehmer  auf  zwei  bis  fünf  Jahre  Strafarbeit  oder
Zuchthaus  erkannt  werden.

K.  9.
Der  Kapitain  ist  ermächtigt,  den  Schiffsmann,  welcher  sich  eines  in  den
S.  5.  bis  8.  bezeichneten  oder  eines  anderen  schweren  Verbrechens  chuldig  gemacht
  hat,  zu  verhaften.  Wenn  das  Entweichen  des  Verbrechers  zu  besorgen  ist,
so  ist  der  Kapitain  zur  Verhaftung  verpflichtet.
(Nr.  6732)  d.  10.
        <pb n="1355" />
        —  1178  —

S.  10.
Bei  jedem  Verbrechen  muß  der  Schiffskapitain  mit  Zuziehung  des  Steuermanns,
  Hochbootsmanns,  Zimmermanns  oder  anderer  glaubwürdigen  Personen

alles  dasjenige  genau  aufzeichnen,  was  auf  den  Beweis  des  Verbrechens  und
dessen  künftige  Bestrafung  Einfluß  haben  kann.

K.  11.

Insonderheit  müssen,  wenn  eine  erhebliche  Verletzung  vorgefallen  ist,  die
Beschaffenheit  der  Wunde,  und  wenn  eine  Tädtung  gescheten  ist,  die  Zeit,  wie
lange  der  Verwundete  noch  gelebt,  die  Speise,  die  er  genossen  hat,  und  die  Mittel,
die  zu  seiner  Heilund  angewendet  worden,  genau  verzeichnet  werden.

KG.  12.

Befindet  sich  auf  dem  Schiffe  ein  Arzt  oder  Wundarzt,  so  muß  dieser  in
Gegenwart  der  im  §.  10.  bezeichneten  Personen  die  Besichtigung  vornehmen  und
darüber  sein  ausführliches  Gutachten)  wie  er  solches  eidlich  bestären  kann,  dem
Schiffstagebuche  beifügen.  «

s.13.

Bei  Erreichung  des  ersten  inländischen  Zafens  muß  der  Verbrecher,  unter
Mittheilung  der  Verhandlungen  9  10.  bis  12.),  an  das  Gericht  dieses  Hafens
abgeliefert  werden,  welches  zur  Annahme  des  Verbrechers  und  zur  Führung  der
Untersuchung  verpflichtet  ist.

KC.  14.

Findet  der  Schiffskapitain  die  Aufbewahrung  des  Verbrechers  bis  zur  Erreichung
  eines  inländischen  Huseus  gefährlich,  so  steht  ihm  frei,  denselben  einem
auswärtigen  Gerichte  zur  Untersuchung  und  Bestrafung  zu  übergeben.  Er  ist
aber  in  diesem  Falle  verpflichtet,  sich  bei  dem  Gerichte  des  ersten  inländischen
Landungsortes  über  das  Sachverhältniß  und  über  sein  Verfahren  auszuweisen.

G.  15.
Die  Beweiskraft  der  Angaben  des  Schiffskapitains  über  Verbrechen,  insbesondere
  über  die  Anstifter  und  Theilnehmer  einer  Meuterei,  ist  nach  den  Gesetzen
  des  Ortes  zu  beurtheilen,  wo  die  Untersuchung  geführt  wird.

C.  16.

Ein  Schiffsmann,  welcher  sich  weigert,  dem  Kapitain  bei  Bestrafungen  oder
Verhaftungen  hülfreiche  Hand  zu  leisten,  sal  der  ganzen  Heuer  verlustig  sein,  und
noch  außerdem  nach  den  Grundsätzen  von  der  Theilnahme  oder  Begunstigung  des
Verbrechens  bestraft  werden.  en
        <pb n="1356" />
        —  1179  —

KC.  17.

Hat  ein  Reisender  auf  dem  Schiffe  ein  Verbrechen  begangent  so  gelten
weten  dessen  Verhaftung,  Auslieferung  und  Ueberführung  dieselben  Vorschriften,
welche  oben  für  die  Verbrechen  des  Schiffsvolks  gegeben  sind.

S.  18.

Die  Befugnisse  und  Verpflichtungen  des  Schiffskapitains  gehen,  wenn
derselbe  behindert  ist,  auf  den  Steuermann,  und  wäre  auch  dieser  behindert,  auf
den  anderweitigen  Stellvertreter  über,  und  die  in  den  §#.  5.  bis  8.  bestimmten
Strafen  finden  auch  bei  Verbrechen  gegen  diese  Stellvertreter  Anwendung.

KC.  19.

Ist  nach  der  Dienstordnung  oder  nach  der  Bestimmung  des  Kapitains  ein
Schiffsmann  mit  der  Leitung  eines  besonderen  Geschäfts  beauftragt,  werden
die  von  der  ihm  untergeordneten  Mannschaft  gegen  ihn  verübten  Verbrechen
gleichfalls  nach  S§.  5.  bis  8.  bestraft.

g.  20.

Alle  dem  Inhalte  dieses  Gesetzes  entgegenstehende  allgemeine  und  besondere
Bestimmungen  werden  hiermit  aufgehoben.

Urkundlich  rc.

IV.  Verordnung  betreffend  die  Verpflichtung  der  Preußischen  Seeschiffer
  zur  Mitnahme  verunglückter  vaterländischer  Schiffsmänner,  vom
5.  Oktober  1833.  (Gesetz-Samml.  S.  122.).

Wir  Friedrich  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden,  König  von
Preußen  rc.  1.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.

Die  in  Folge  von  Strandungen  oder  Schiffbrüchen,  von  Aufbringun
durch  feindliche  Kaper  oder  Seeräuber,  oder  aus  anderer  Veranlassun  in  aien
hülflosen  Zustande  sich  befindenden  Schiffsmänner,  welche  Preußische  Unterthanen
sind  und  zuletzt  auf  einem  Preußischen  Schiffe  gedient  haben,  sollen  an  Hafen-(Nr.

  6732.)  orten
        <pb n="1357" />
        —  1180  —

orten  des  Auslandes  von  den  daselbst  angestellten  Preußischen  Konsuln  und
Agenten  zu  ihrer  Rückkehr  in  das  Vaterland  unterstützt  werden.

.  2.

Die  Führer  Preußischer  Schiffe,  welche  aus  fremden  Häfen  unmittelbar
nach  einem  Preußischen  Hafen  fahren,  sollen  verbunden  sein,  die  im  F.  1.  bezeichneten
  und  von  dem  Konsul  mit  einem  Retourpasse  versehenen  Schiffsleute
auf  schriftliche  Anweisung  des  Konsuls  in  ihre  Schiffe  aufumehmen  und  in  dem
Hafen  ihrer  Bestimmung  abzusetzen.

Eine  gleiche  Verpflichtung  findet  auch  in  Hinsicht  derjenigen  Schiffsführer
statt,  welche  sich  nach  Bremen,  mburg,  Helsingör,  Kopenhagen,  oder  auch  nach
einem  innerhalb  der  Ostsee,  der  Heimath  des  Aufzunehmenden  zunächst  belegenen
fremden  Hafen  begeben,  und  sind  in  diesen  Fällen  die  Aufgenommenen  den  dortigen
Preußischen  Konsulaten  zu  überweisen,  welche  dann  für  die  weitere  Zurückbeförderung
  derselben  zu  sorgen  haben.

Im  Falle  ungegründeter  Weigerung  Seitens  des  Schiffers  haben  die
Konsuln  die  Hülfe  der  Hafenortsobrigkeiten  oder  Hafenpolizeibehörden  gegen  die
sich  Weigernden  in  Anspruch  zu  nehmen.

F.  3.
Rechtmäßige  Weigerungsgründe  der  Aufnahme  aber  sind:

a)  wenn,  bei  voller  Ladung  eines  Schiffs  von  50  Normallasten  oder  mehr,
weder  im  Raume  noch  auf  dem  Oberdecke  ein  angemessener  Platz  für
die  Aufzunehmenden  auszumitteln  ist;  oder

b)  wenn  der  Aufzunehmende  bettlägerig  krank,  mit  einer  venerischen  oder
sonst  ansteckenden  Krankheit  behaftet  ist,  oder  eines  Verbrechens  schuldig
transportirt  werden  soll;  oder

)  wenn  und  insoweit  die  Zahl  der  Aufzunehmenden  die  Hälfte  der  Schiffsbesatzung
  übersteigt;  oder  endlich  Halft  *-½

4)  wenn  die  Aufnahme  nicht  zur  gehörigen  Zeit,  d.  h.  mindestens  zwei  Tage
bevor  das  Schiff  segelfertig  ist,  verlangt  widd.  ge-K.

  4.

Die  Ausmittelung  des  zur  Aufnahme  erforderlichen  Raumes  (F.  3.  Littr.  a.)
geschieht  von  dem  Konsul,  mit  Zuziehung  von  Sachverständigen.

Dabei  gilt  als  Regel,  daß  auf  einem  Schife  von  50  Last  zwei  Mann,
auf  einem  Schiffe  von  100  Last  vier  Mann  u.  s.  w.  untergebracht  werden.  Befinden
  sich  jedoch  bereits  früher  aufsgenommene  Reisende  als  Passagiere  am  Bord,
so  muß  auf  dieselben  bei  der  Ausmittelung  des  noch  vorhandenen  Raumes  Rücksicht
  genommen  werden,  insofern  von  den  Reisenden  nicht  die  Schiffskajüte  des
Schiffers,  welche  bei  der  Bestimmung  des  Raumes  außer  Anspruch  bleibt,  eingenommen
  wird.

F.  5.
        <pb n="1358" />
        —  1181  —

d.  5.

Während  der  Neise  und  bis  zur  Ankunft  an  dem  Bestimmungs--  oder
Landungsorte  erhält  der  Aufgenommene  von  dem  Schiffer  die  gewöhnliche  Kost
und  Berpflcgung)  dagegen  ist  derselbe  schuldig,  wenn  er  arbeitsfähig,  seinem  Range

emäß  an  den  der  Schiffsmannschaft  obliegenden  Arbeiten,  nach  den  Anweisungen
es  Schiffers,  Theil  zu  nehmen,  und,  wie  die  zur  Besatzung  gehörigen  Schiffsleute,
  der  gesetzlichen  Schiffsdisziplin  unterworfen.

6.

Der  Schiffer  soll  für  die  Aufnahme,  Ueberfahrt  und  Beköstigung  eines
im  4.  1.  bezeichneten  Preußischen  Schiffsmannes  auf  eine  jedesmal  von  dem
Konsul  zu  verabredende  Ontschädigung  Anspruch  haben,  das  Maximum  derselben
jedoch  auf  10  Sgr.  für  den  Mann  und  Tag,  vom  Tage  der  Aufnahme  bis  zum
Tage  der  Ankunft  im  Bestimmungsorte  zunlen  lich,  bestimmt,  und  die  hiernach
ihm  zugesicherte  Entschädigung,  gegen  Aushändigung  der  Aufnahmeorder  des
onsuls  und  einer  von  den  ausgenommeenen  Schiffsleuten  auszustellenden  Bescheinigung
  über  die  empfangene  Beköstigung,  an  dem  inländischen  Bestimmungsorte
  durch  die  Hafenkasse,  oder,  falls  die  Ablieferung  in  den  im  F.  2.  bestimmten
Fällen  an  ein  Preußisches  Konsulat  im  Auslande  erfolgt,  durch  letzteres  ausgezahlt

  werden.

G.  7.

Auf  eine  vorschußweise  Vorausbe#ahlung,  der  verabredeten  Entschädigung
bis  zur  Hälfte  des  Betrages  kann  der  Schiffer  bestehen,  wenn  er  wegen  Mangels
an  zinresheldem  Schiffsproviant  erweislich  genöthigt  ist,  die  zur  Beköstigung  des
oder  der  Aufzunehmenden  nothwendigen  Lebensmittel  anzuschaffen.

.  8.

Schiffer,  welche  der  Aufforderung  des  Konsuls  zur  Aufnahme  eines  von
demselben  zur  Rückkehr  in  die  Preußischen  Staaten  bestimmten  Schiffsmannes
(&amp;amp;.  1.  2.)  ohne  rechtmäßigen  Grund  (G.  3.)  widersprechen,  und  dadurch  die  Anrufung
  der  obrigkeitlichen  Hülfe  veranlassen,  oder  sich  der  Erforderten  Aufnahme
entziehen,  sollen  auf  die  Anzeige  des  Konsuls  mit  einer  Geldbuße  von  20  bis
50  Thalern  zum  Besten  der  Seearmen  des  Heimathshafens  des  Schiffers  belegt,
wegen  eines  damit  etwa  verbundenen  thätigen  Widerstandes  aber  nach  den  Vorschriften
  der  Kriminalgesetze,  auf  vorgängige  Untersuchung,  bestraft  werden.

K.  9.

Uebrigens  wird  durch  die  gegenwärtige  Verordnung  in  den  bestehenden
gesetzlichen  Verpflichtungen  der  Rheder,  die  Schiffsmannschaft  nach  deren  Heimath
zurückzuschaffen  oder  die  desfallsigen  Kosten  zu  tragen,  nichts  geändert.

So  geschehen  2c.

Ichrzong  1867.  (Dr.  6732—6733.  155  V.  Ge-
        <pb n="1359" />
        —  11I82  —

V.  Gesetz  über  die  Bestrafung  von  Seeleuten  Preußischer  Handelsschiffe,
  welche  sich  dem  übernommenen  Dienste  entziehen,  vom  20.  März
1854.  (Gesetz  Samml.  S.  137.).

We##  Friedrich  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden,  König  von
Preußen  2c.  1c.
verordnen,  unter  Zustimmung  der  Kammern,  was  folgt:

.  1.

Ein  Seemann,  welcher  nach  abgeschlossenem  Heuervertrage  von  einem
Preußischen  Handelsschiffe  entläuft,  oder  sich  verborgen  hält,  um  dem  übernommenen
  Dienste  sich  zu  entziehen,  soll,  insofern  nicht  die  Handlung  nach  Inhalt
des  Strafgesetzbuchs  oder  des  Gesetzes  zur  Aufrechthaltung  der  Mannszucht  auf
den  Seeschiffen  vom  31.  März  1841.  eine  härtere  Strafe  nach  sich  jiht,  mit
Gefängniß  bis  zu  sechs  Wochen  oder  mit  Geldbuße  bis  zu  funfzig  Thalern  bestraft
  werden.

Es  macht  hierbei  keinen  Unterschied,  ob  die  strafbare  Handlung  im  Inlande
  oder  Auslande  begangen  ist.

g.  2.
Die  vorstehend  bezeichneten  Uebertretungen  (§.  1.)  verjähren  in  fünf  Jahren.
Urkundlich  2c.

 

Nr.  6733.)  Verordnung,  betreffend  die  rechtliche  Natur,  Veräußierlichkeit  und  Verwaltung
der  Domainen  und  Regalien  in  den  neu  emvorbenen  Gebietstheilen.
Vom  5.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.
verordnen  für  die  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  und  die  beiden
Gesetze  vom  21.  Dezember  desselben  Jahres  (Gesetz-Samml.  S.  555.  875.  876.)
mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Gebietstheile,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,
  was  folgt:
“*e

In  Ansehung  der  rechtlichen  Eigenschaft  und  der  Veräußerlichkeit  der  zu

den  Domainen  und  Regalien  gehörigen  Gegenstände  gelten  keine  anderen  Grundsätze,
        <pb n="1360" />
        —  1183  —

sätze,  als  diejenigen,  welche  die  sonstigen  allgemeinen  staatsrechtlichen  Bestimmungen
Unserer  Monarchie,  wie  solche  in  Unserem  Allgemeinen  Landrechte  Theil  IIl.
Titel  14.  W.  16.  bis  20.  ausgesprochen  sind,  mit  sich  bringen.  Demgemäß  beruht
  in  Absicht  der  Zulässigkeit  der  Veräußerung,  insbesondere  des  Verkaufs  dieses
wie  anderen  Staatseigenthums  und  der  Ablösung  von  Domanialrenten,  Erbpachtgesdern
  und  anderen  Grundabgaben,  Zinsen,  Ichmoen  und  Diensten  alles  darauf,
aß  sie  nicht  anders  geschehen,  als  unter  genügender  Schadloshaltung  des  Staats.

Eingehende  Aktivkapitalien  und  die  Erlöse  aus  Veräußerungen  von  Domainen
  und  Regalien,  sowie  aus  Ablösungen  von  Domainengefällen  unterliegen,
ofern  sie  nicht  zur  Tilgung  vorhandener  Schulden  zu  verwenden  sind,  den  Be-Heernsen
  der  Allerhöchsten  Kabinetsorders  vom  17.  Januar  1820.  F.  I.  und
vom  26.  Juni  1826.  F.  III.  und  des  Gesetzes  vom  28.  September  1866.  F.  2.
(GesetzSamml.  S.  21.  57.  resp.  607.).

sil
Die  Verwaltung  der  Domainen  und  Regalien  wird  nach  den  von  dem
Finanzminister  und  dem  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten
ressortmäßig  zu  treffenden  Anordnungen  geführt.

g.  3.

Urkunden  über  Ablösung  domanialer  Lasten  und  Abgaben,  über  bäuerliche
Regulirungen,  Separationen  und  Servitutabfindungen  werden  im  Namen  des
dis  s  rechtsverbindlich  von  der  Provinzial-Verwaltungsbehörde  vollzogen;  Ur—
unden  über  andere  Veräußerungen  von  Domainenstücken  erfordern  zur  Gültigkeit
  außerdem  die  Beifügung  der  Ermächtigungsverfügung  des  Ministeriums,  wozu
ein  beglaubigter  Auszug  derselben  genügt.

*-']e
Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Bestimmungen  werden  aufgehoben.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  5.  Juli  1867.

(L.  S8.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.
v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr  6733—6734.)  155“  (Nr.  6734)
        <pb n="1361" />
        —  1184  —

(Nr.  6734.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber  lautender  Obligationen  der
Stadt  Braunsberg,  Regierungsbezirks  Königsberg,  zum  Betrage  von
40,000  Thalern.  Vom  22.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  x.

Nachdem  der  Magistrat  der  Stadt  Braunsberg  im  Einverständnisse  mit
der  Stadtverordneten-Versammlung  darauf  angetragen  hat,  zur  Errichtung  einer
städtischen  Gasanstalt  eine  Anleihe  von  40,000  Thalern  aufnehmen  und  zu  diesem
  Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  versehene  Stadtobligationen
  ausgeben  zu  dürfen,  ertheilen  Wir  in  Gemäßheit  des  2.  des  Gesetzes
vom  17.  Juni  1833.  wegen  Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung
  auf  jeden  Inhaber  enthalten,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  gur
Ausstellung  von  vierzigtausend  Thalern  Braunsberger  Stadtobligationen,  welche
nach  dem  anliegenden  Schema  in  950  Apoints,  und  zwar:

150  Apoints  zu  100  Thalern,
300  —  50
500  -  -20
auszufertigen,  mit  fünf  vom  Hundert  jährlich  zu  verzinsen  und,  von  Seiten  der
Gläubiger  unkündbar,  vom  1.  Janunr  1869,  ab  nach  dem  festgestellten  Tilgungsplane
  durch  Ausloosung  mit  mindestens  anderthalb  Prozent  der  Kapitalschuld,
unter  Hinzurechnung  der  durch  die  Tilgung  ersparten  Zinsen  und  des  künftigen
Reinertrages  der  Gasanstalt,  soweit  solcher  die  plamnmäßigen  Zins=  und  Tilgungsbeträge
  etwa  übersteigt,  alljährlich  zu  amortisiren  sind,  mit  Vorbehalt  der  ie  te
Dritter,  Unsere  landesherrliche  Genehmigung,  ohne  jedoch  den  Inhabern  der
Obligationen  in  Ansehung  ihrer  Befriedigung  eine  Gewährleistung  Seitens  des
Staats  zu  bewilligen.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Ingegel
Gegeben  Berlin,  den  22.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Hevdt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

Pre-
        <pb n="1362" />
        —  uss  —
Provinz  Preußen,  Negierungsbezirk  Rönigeberg.

Braunsberger  Stadtobligation

(Trockener  Stadtstempel.)  Littr.  ———  (Stadtsiegel.)
übber  ...  Thaler  Preußisch  Kurant.
Auf  Grund  des  Allerhöchsten  Privilegiums  vom  ......  ....  ...  zur  Aufnahme

einer  Anleihe  von  40,000  Thalern  ermächtigt,  bekennt  sich  der  unterzeichnete
Magistrat  Namens  der  Stadt  Braunsberg  durch  diese,  für  jeden  Inhaber  gültige,
Seitens  des  Gläubigers  unkündbare  Verschreibung  zu  einer  Darlehnsschuld  von
.  ...  Thalern  Preußisch  Kurant,  welcher  Betrag  an  die  Stadt  gezahlt
worden  und  mit  fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  ist.

Die  Rückzahlung  der  ganzen  Schuld  von  40,000  Thalern  geschieht  vom
1.  Januar  1869.  ab  allmälig  in  Gemähheit  des  festgestellten  Tilgungsplans  aus
dem  zu  diesem  Behufe  gebildeten  Tilgungsfonds  von  wenigstens  anderthalb  Prozent
  jährlich,  unter  Zuwachs  der  ersparten  Zinsen  von  den  getilgten  Schuldverschreibungen.
  Auch  verpflichtet  sich  die  Stadtgemeinde  Braunsberg,  sur  Tilgung
  dieses  ganzen  Anleihekapitals  noch  die  Ueberschüsse,  welche  die  mittelst  dieses
Darlehns  einzurichtende  städtische  Gasanstalt  über  die  Betriebsausgaben  und  die
wlammößigen  Verzinsungs=  und  Tilgungsbeträge  etwa  gewähren  möchte,  zu  verwenden.


Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schudverschreidum  en  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  Die  Ausloosung  erfolgt  in  dem  Monat  Juni  jedes  der
Einlösung  vorhergehenden  Jahres  und  beginnt  im  Juni  1868.

Die  Stadtgemeinde  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,  den  Tilgun  Mt
durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche  umlaufende  S  uldverschreibungen
  zu  kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie  die  gekündigten  Schuldverschreibungen
  werden  unter  Bezeichmung  ihrer  Buchstaben,  Nummern  und
Beträge,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung  erfolgen  soll,  öffentlich
bekannt  gemacht.

Diese  Bekanntmachung  erfolgt  sechs,  drei  und  Einen  Monat  vor  dem
Zahlungstermine,  also  in  den  Monaten  Juli,  Oktober  und  Dezember,  im  Königlichen
  Staatsanzeiger,  im  Amtsblatte  der  Kniglichen  Regierung  zu  Königsberg,
in  der  Königsberger  Hartungschen  Zeitung  und  im  Kreisblatte  des  Kreises  Braunsberg.
  Sollte  eines  dieser  Blätter  eingehen,  so  wird  von  dem  Magistrate  mit
Genehmigung  der  Königlichen  Regierung  ein  anderes  fuostiuir.

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird  es
in  halbjährigen  Terminen,  am  2.  Januar  und  1.  Juli,  von  heute  an  gerechnet,
mit  fünf  Prozent  jährlich  in  Preußisch  Kurant  verzinst.

(Nr.  6734.)  Die
        <pb n="1363" />
        —  1186  —

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückabe
  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,
bow  der  Kämmereikasse  zu  Braunsberg  in  der  nach  dem  Eintritte  des  Fälligkeitstermins
  folgenden  Zeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sind  fenbh  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  #

dr  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapital  abgezogen.

ie  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreiig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren  nach
Ablauf  des  Kalenderjahres,  in  welchem  sie  fällig  geworden,  nicht  erhobenen  Zinsen,
verjähren  zu  Gunsten  der  Stadtgemeinde.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  und  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  den  auf  die  Staatsschuldscheine  Bezug  habenden  Vorschrisften
  der  Verordnung  vom  16.  Juni  1819.  wegen  des  Aufsebons  und  der
Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Staatspapiere  H.  1.  bis  F.  12.  mit
nachstehenden  näheren  Bestimmungen:

a)  die  im  §.  1.  jener  Verordnung  vorgeschriebene  Anzeige  muß  dem  Maistrate

  zu  Braunsberg  gemacht  werden,  welchem  alle  diejenigen  Geschäfte  und

efugnisse  zustehen,  welche  nach  der  angeführten  Verordnung  dem  Schatzministerium
  zukommen;  gegen  die  Varst  ung  des  Magistrats  findet  der
Rekurs  an  die  Königliche  Regierung  zu  Königsberg  statt;

b)  das  im  §.  5.  gedachte  Aufgebot  erfolgt  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte
zu  Braunsberg)

J)  die  in  den  J#.  6.  9.  und  12.  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen  geschehen
durch  diejenigen  Blätter,  durch  welche  die  ausgeloosten  Obligationen  bekannt
  gemacht  werden;

4)  an  die  Stelle  der  im  F.  7.  erwähnten  sechs  Zinszahlungstermine  treten
vier,  und  an  die  Stelle  des  im  §.  8.  erwähnten  achten  Zahlungstermins
tritt  der  fünfte.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Jinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  uns  anmeldet  und  den  stattgehabten  Verlust  der  Zinskupons
durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  onst  in  glaubhafter  Weise  darthut,
  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten  und  bis
dahin  nicht  vorgekommenen  Enekuson  gegen  Quittung  ausgezahlt  werden.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  halbjährige  Zinskupons  auf  die  fünfjährige
  Periode  von  18.  bis  18.  ausgegeben.  Für  die  weitere  Zeit  werden
ebenfalls  solche  Zinskupons  auf  fünfjährige  Perioden  ausgegeben  werden.

Die  Ausgabe  jeder  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt  bei  der  Kämmereikasse
der  Stadt  Braunsberg  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten
  Talons.

Beim  Verlust  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen  Zinskupons-Serie
  an  den  Inhaber  der  Schuldlershreibung,  sofern  deren  Vorzeigung  rechtzeitig
  geschehen  ist.  -  3

ur
        <pb n="1364" />
        —  1187  —

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  die  Stadtutr
  Braunsberg  mit  ihrem  gesammten  Vermögen  und  ihren  sämmtlichen
Einkünften.

Dessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
und  Siegel  ertheilt.

Braunsberg,  den  1en  18.

Der  Magistrat.

(Unterschriften  des  Dirigenten  und  eines  Beßistratsmitgliedes
unter  Beifügung  der  Amttstitel.)

Eingetragen  Kontobuch  kol.  .  Hierzu  sind  Kupons  verabreicht.
Der  Stadtsekretair.  Der  Rendant.

Drovinz  Drcußen,  Regierungebezirk  Rönigeberg.

Zinskupon
zu  der
Braunsberger  Stadtobligation
Littr.  M
über
..........  Thaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen
über  ..  ..  Thaler  .  .  .  .  Sgr.  ..  .  .  Pf.

Der  Inhaber  dieses  Zinskupons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  vom  ..  ..  ten
..................  ab  die  Zinsen  der  vorbenannten  Stadtobligation  für  das
Halbjahr  ttoor  .  ..  ...  bbs.  mit
.....  «...ThalernSilbergroschenmenigenbeider
Kämmereikasse  zu  Braunsberg  oder,  nach  seiner  Wahl,  vierzehn  Tage  später  bei
der  hierunter  bezeichneten  Zahlstelle.

Braunsberg,  den  tzt  18.

(Trockener  Stempel.)
Der  Magistrat.

(Unterschriften  des  Dirigenten  und  eines  Maßsftratsmitgliedes
unter  Beifügung  der  Amtstitel.)

Die  hier  genannten  Zinsen  veri  ren

mit  Ablauf  der  nächsten  vier  Kalenderjahre
  nach  dem  Fälligkeitsjahre.  Eingetragen  Kontrole  Foll.

(Nr.  6734—6735.)  Pro-
        <pb n="1365" />
        —  1188  —
Drovinz  Preußen,  Regierungsbezirk  Königsberg.

Talon

zu  der
Braunsberger  Stadtobligation.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  Rückgabe  desselben  zu  der

Braunsberger  Stadtobligation  Littr.  4
.........  Thaler  à  fünf  Prozent  Zigsen  die  ...  .  .te  Serie  Zinslupons
Hie  fünf  Jahre  vom  .  .  ten  .......  18..  bis  zum  .  .  ten  .....  .  ..

bei  der  Kämmereikasse  zu  Braunsberg,  sofern  dagegen  Seitens  des  als  we
legitimirten  Inhabers  der  Obligation  vorher  kein  schriftlicher  Widerspruch  eingegangen
  ist.

Braunsberg,  den  tnnn  18.

(Trockener  Stempel.)
Der  Magistrat.

(Unterschriften  des  Dirigenten  und  eines  sntsmitgltedes
unter  Mannees  der  Amtstite

 

(Nr.  6735.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  einiger  Aenderungen
der  Statuten  der  Lebensversicherungs=  Gesellschaft  Germania  zu  Stettin.
Vom  15.  Juli  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Aller  öchsten  Erlasses  vom  5.  d.  M.  die
von  der  bebensversicher  rungs-  Altiengesdeh  ermania  zu  Stettin  in  der  Generalversammlung
  vom  J.  beschlossene  Abänderung  der  .  2.  und  16.
ihrer  Statuten  de  cont  2  Jannar  1857.  resp.  30.  November  1863.  zu
genehmigen  eruht.

llerhöchste  Erlaß,  sowie  die  Aenderungen  werden  durch  das  Amtsblatt
  der  Röniglichen  Re  HPierung  z  Stettin  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  15.  Juli  186

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  Der  Minister  des  Innern.
und  öffentliche  Arbeiten.

Im  Auftrage:  Im  Auftrage:
Delbrück.  Sulzer.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker)
        <pb n="1366" />
        —  1189  —
Gesetz-Sammlung
für  die
Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  649.—

 

(Nr.  6736.)  Verordnung)  betreffend  die  Einführung  des  Gesetzes  über  die  privatrechtliche
Stellung  der  Erwerbs-  und  Wirthschaftsgenossenschaften  vom  27.  März  1867.
(Gesetz  Samml.  S.  501.)  in  das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs
Hannover.  Vom  12.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uP

verordnen,  auf  den  Antrag  des  Staatsministeriums,  was  folgt:

Artikel  IE.

Das  Gesetz,  betreffend  die  privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs=  und
Wirthschaftsgenossenschaften  vom  27.  März  1867.  (Gesetz  Samml.  S.  501.),  wird
in  das  mit  Unserer  Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs
Hannover  mit  folgenden  Abänderungen  und  Ergänzungen  eingeführt.

K.  1.
Die  im  F.  4.  des  Gesetzes  enthaltenen  Worte:

„(Artikel  73.  des  Einführungsgesetzes  zum  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuche
  vom  24.  Juni  1861.)“

fallen  fort.
5.  2.
Im  dritten  Absatze  des  F.  10.  treten  an  die  Stelle  der  Worte:
„vom  24.  Juni  1861.  (Gesetz  Samml.  S.  449.)“
die  folgenden  Worte:

„vom  5.  Oktober  1864.  (Hannoversche  Gesetz=  Sammlung  Abtheilung  1.
eite  213.)/.
Johrgang  1867.  (Nr.  6736.)  156  §.  3.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  1.  August  1867.
        <pb n="1367" />
        —  1190  —

g.  3.
Die  im  F.  26.  enthaltenen  Worte:
„C.  1.  der  Verordnung  über  die  Verhütung  eines  die  escgüche  Freiheit
gefährdenden  Mißbrauches  des  Versammlungsrechtes  vom  II.  März  1850.)
fallen  fort.
S.  4.

Das  im  zweiten  Satze  des  F.  47.  enthaltene  Wort:
„kaufmännischen“
fällt  fort.
G.  5.
An  die  Stelle  des  ersten  und  zweiten  Absatzes  im  §F.  50.  tritt  folgende
Bestimmung:
Das  Konkursverfahren  (I.  47.)  richtet  sich  nach  den  Vorschriften  der
allgemeinen  bürgerlichen  Prozeßordnung  für  das  Königreich  Hannover
vom  8.  November  1850.,  Theil  6.  (Gesetz.  Sammlung  erste  Abtheilung
Seite  341.  und  folgende).

KG.  6.
An  die  Stelle  des  zweiten  Absatzes  im  H.  54.  tritt  folgende  Bestimmung:
Die  Ordnungsstrafen  können  im  einzelnen  Falle  bis  zur  Summe  von

200  Rthlr.  angedroht  und  erkannt  werden.  Eine  Umwandlung  der
Geldbuße  in  Gefängnißstrafe  findet  nicht  statt.

Artikel  II.

Der  nach  Nummer  144.  des  Stempeltarifs  vom  30.  Januar  1859.  (Hannoversche
  Geseh=  Sommlung,  Abtheilung  1.  Seite  39.)  zu  Gesellschaftsverträgen
zu  verwendende  besondere  Stempel  wird  für  die  zur  Gründung  von  Genossenschaften
  geschlossenen  Verträge  (§.  3.),  ohne  Rücksicht  auf  den  Betrag  des  in  die
Gesellschaft  einuf  ießenden  Kapitals,  auf  15  Silbergroschen  (15  Groschen  Hannoversch
  Kurant)  festgesetzt.

1achundich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Ems,  den  12.  Juli  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzen  plitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.
v.  Selchow.

 

(Nr.  6737.
        <pb n="1368" />
        —  1191  —

Nr  6737.)  Verordnung,  betreffend  die  Verwaltung  des  Stempelwesens  und  die  Erhebung
des  Urkundenstempels  in  dem  vormaligen  Königreich  Hannover,  dem
vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  und  Herzogthum  Nassau,  sowic  in  den
vormals  Bayerischen  Gebietstheilen.  Vom  19.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  »c.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  das  mit  Unserer
Monarchie  vereinigte  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  des  vormaligen
  Kurfürstenthums  Hessen  und  Herzogthums  dassau,  sowie  für  die  in  dem
Geset  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz-Samml.  S.  876.)  bezeichneten  vormals
Königlich  Bayerischen  Gebietstheile  mit  Ausnahme  der  Enklave  Kaulsdorf,
was  folgt:

S.  J.
Vom  I.  September  1867.  ab  sind  von  den  in  dem  anliegenden  von  Uns
“vollzogenen  Tarife  bezeichneten  stempelpflichtigen  Verhandlungen  die  daselbst  bestimmten

  Stempelabgaben  ausschließlich  nach  Vorschrift  dieser  Verordnung  zu
erheben.  Hinsichtlich  der  übrigen  in  den  im  Eingange  gedachten  Landestheilen
der  Stempelsteuer  unterliegenden  Gegenstinde  bewendet  es  bei  den  bisherigen
Bestimmungen.  Nur  die  Vorschriften  in  den  §.  7.  bis  9.  und  §d5.  23.  bis  33.
dieser  Verordnung  kommen  in  Betreff  aller  stempelpflichtigen  Gegenstände  —
mit  Ausnahme  der  Kalender,  Spielkarten,  Zeitungen  und  Wechsel,  in  Betreff
deren  besondere  Verordnungen  erlassen  sind  —  zur  Anwendung.

Ist  eine  Schrift,  welche  eine  nach  dem  anliegenden  Tarife  zu  versteuernde
Verhandlung  enthält,  nach  den  bisherigen  und  durch  diese  Verordnung  nicht  auf—
gehobenen  Bestimmungen  noch  einer  ferneren  Stempelabgabe  unterworfen,  so  ist
letztere  ausschließlich  nach  den  bisherigen  Bestimmungen  zu  berechnen,  auch  deren
Kiwersehung  nach  den  bisherigen  Besmmungen  zu  ahnden.  Der  Finanzminister
ist  jedoch  ermächtigt,  für  Falle  der  vorgedachten  Art,  sowie  für  alle  anderen  Fälle
anzuordnen,  daß  die  nach  den  bisherigen  Vorschriften  noch  fernerhin  zu  entrichtenden
  Stempelabgaben  ohne  Verwenzung  von  Stempelmaterialien  an  die  zu
bezeichnenden  Behörden  oder  Beamten  gegen  Bescheinigung  einzuzahlen,  oder  vo
dem  Abgabepflichtigen  einzuziehen  sind.

Wegen  Erhebung  der  Stempelabgaben  bei  den  Gerichten  in  denjenigen
Landestheilen,  für  welche  eine  anderweite  Regelung  des  Gerichtskostemwesens  eintritt,
  enthalten  die  dieserhalb  ergehenden  Verordnungen  die  weiteren  Bestimmungen.


S.  2.

Wenn  der  Werth  eines  Gegenstandes  ausgemittelt  werden  soll,  um  den
Betrag  der  Stempelgebühren  zu  bestimmen,  so  ist  dabei  im  Allgemeinen  nach
folgenden  Regeln  zu  verfahren:

a)  die  Berechnung  ist  in  Preußischem  Silbergelde  nach  dem  Dreißig-Thalerfuße
  anzulegen;
(Tr.  6737.)  156  b)  es
        <pb n="1369" />
        —  1192  —

b)  es  müssen  also  alle  in  anderen  Währungen  angegebenen  Werthe  nach
ihrem  Betrage  in  Preußischem  Sibbergelde  ausgedrückt  werden.  Hiebei
sollen  10  Thaler  in  Golde  für  11  Thaler  in  Silbergeld  und  andere
Währungen  nach  den  vom  Finanzminister  festgesetzten  Mittelwerthen,  oder,
falls  die  Festsetzung  eines  Mittelwerthes  nicht  stattgefunden  hat,  nach  dem
Tageskurse  angenommen  werden;

c)  von  immerwährenden  Nutzungen  wird  das  Zwanzigfache  ihres  einjährigen
  Betrages  als  Kapitalwerth  angenommen)  von  einer  Leibrente  oder
einem  Nießbrauchsrechte  auf  Lebens=  oder  andere  unbestimmte  Zeit  dagegen
  nur  das  Zwölfundeinhalbfache  der  einjährigen  Nutzung

(40  Nutzungen  eines  Kapitals  sind  zu  fünf  vom  Hundert  jährlich  zu  veranschlagen,
  sofern  ein  anderer  Prozentsatz  ir  die  Nutzung  aus  den
stempelpflichtigen  Verhandlungen  darüber  nicht  ausdrücklich  hervorgeht;

e)  der  Werth  von  Bergwerksantheilen  ist  nach  dem  Gutachten  der  Oberbergämter
  anzunehmen;

)  der  Betrag  aller  übrigen  beweglichen  und  unbeweglichen  Gegenstände  ist
in  der  Regel  von  dem  Steuerpflichtigen  nach  dem  gegenwärtigen  Werthe
anzugeben,  sofern  er  aus  den  stempelpflichtigen  Verhandlungen  selbst  nicht

uneeiffelhaft  hervorgeht.  Trägt  die  Steuerbehörde  Bedenken,  diese  Angabe

  für  richtig  anzunehmen,  so  kann  sie  die  Abschißung  nach  den  all.
gemeinen  Vorschriften  über  gerichtliche  Werthsermittelungen  veranlassen.

)2!

Der  nach  dem  anliegenden  Tarife  zu  entrichtenden  Stempelsteuer  sind  nicht
unterworfen:

a)  Verhandlungen  über  Gegenstände,  deren  Werth  nach  Gelde  geschätzt
werden  kann,  wenn  dieser  Werth  funfzig  Thaler  Silbergeld  nicht  erreicht;

b)  alle  Verhandlungen,  welche  wegen  Bestimmung  des  Betrages  öffentlicher
Abgaben  und  Einziehung  derselben,  wegen  Eintrittes  in  den  Kriegsdienst
und  überhaupt  wegen  Leistungen  an  den  Staat  in  Folge  allgemeiner
Vorschriften  beigebracht  werden  müssen,  sofern  sie  nur  allein  zu  diesem
Zwecke  dienen;

e)  alle  Verhandlungen  wegen  gutsherrlich  bäuerlicher  Auseinandersetzungen,
wegen  Theilung  der  chemeinheen  und  Auseinandersetzung  des  im  Gemenge
  liegenden  Grundeigenthums,  wegen  Ablösung  von  Diensten  und
anderen  gsnenn  die  auf  Grundstücken  haften,  und  wegen  Ablösung
ausschließlicher  Gewerbsberechtigungen,  sofern  diese  Verhandlungen  vor
den  mit  der  amtlichen  Leitung  der  bezeichneten  Angelegenheiten  beauftragten
  Behörden  oder  Beamten  oder  auf  deren  Regquisition  stattfinden;

alle  Verhandlungen  vor  den  Verwaltungsbehörden  wegen  Zertheilung
von  Grundstücken  und  wegen  Gründung  neuer  Ansiedelungen,  sowie  g
eichd
        <pb n="1370" />
        —  1193  —

Deichbau=  und  Vorfluthsangelegenheiten  und  über  Widerspruchsrechte
oder  Entschädigungsansprüche  in  Beziehung  auf  Bewässerungs=  oder  Entwässerungsanlagen
  bei  Privatflüssen;

e)  alle  Verhandlungen  über  Besitzveränderungen,  welche  zum  Zweck  des
gemeinen  Besten  unter  Verpflichuag  der  Interessenten  angeordnet  werden
müssen,  insbesondere  wegen  Ueberlassung  und  wegen  der  Entschädigung
für  die  Abtretung  der  zum  Chausseebau,  oder  diesem  im  Geltungebereiche
des  Gesetzes  wegen  der  Stempelsteuer  vom  7.  März  1822.  (Gesetz-Samml.
  S.  57.)  gleichgestellten  Bauten  in  Anspruch  genommenen
Grundstücke,  insofern  dieselben  der  Expropriation  unterworfen  sind,  ohne
Unterschied,  ob  die  Veräußerung  selbst  durch  Expropriation  oder  freien
Vertrag  bewirkt  ist;

I)  die  noch  außerdem  in  den  Landestheilen,  wo  das  Gesetz  wegen  der
Stempelsteuer  vom  7.  März  1822.  gilt,  bestehenden  Bestimmungen  über
die  Befreiung  gewisser  Angele  Wnhte  von  der  Stempelsteuer  sollen
ebenfalls,  soweit  nicht  die  Verschiedenheit  der  Verhältnisse  ihrer  Anwendung
  entgegensteht,  nach  näherer  Bestimmung  des  Finanzministers  in
den  im  Eingange  dieser  Verordnung  bezeichneten  Landestheilen  in
Kraft  treten.  4

Von  Entrichtung  der  in  dem  anliegenden  Tarife  vorgeschriebenen  Stempelsteuer
  befreit  sind:

a)  der  Fiskus  und  alle  öffentlichen  Anstalten  und  Kassen,  welche  für  Rechnung
  des  Staates  verwaltet  werden,  oder  diesen  gleichgestellt  sind;

b)  die  Preußische  Bank,  ihre  Komtoire,  Kommanditen  und  Agenturen  und
diejenigen  Geld-  und  reditinstitute,  denen  in  Betreff  der  Stempel  die
Rechte  der  Preußischen  Bank  bewilligt  find;

J)  Kirchen,  öffentliche  Armen-,  Kranken-,  Arbeits-,  Straf=  und  Besserungsanstalten,
  Waisenhäuser  und  andere  milde  Stiftungen,  insofern  solche
nicht  einzelne  Familien  oder  bestimmte  Personen  betreffen;

4)  Stadt=  und  Landgemeinden  und  Gutsherrschaften  in  Armenangelegenheiten;
e)  öffentliche  Schulen  und  Universitäten;

emeinnützige  Baugesellschaften  nach  dem  Gesetze  vom  3.  März  1867.
I  sesth-Sauml.  S.  385.));  z

g)  Privatunternehmungen,  welche  nicht  auf  einen  besonderen  Geldgewinn
der  Unternehmer  gerichtet  sind,  sondern  einen  gemeinnützigen,  nicht  auf
einzelne  Familien  oder  Korporationen  beschränßten  Zweck  haben,  sofern
desen  Unternehmungen  die  Befreiung  von  der  Stempelsteuer  in  den
Landestheilen,  wo  das  os  vom  7.  März  1822.  gilt,  oder  innerhalb
eines  der  im  Eingange  dieser  Verordnung  bezeichneten  Landestheile  nach
den  bisherigen  Bestimmungen  zusteht  oder  künftig  verliehen  werden  wird.

(e.  6737)  Im
        <pb n="1371" />
        —  1194  —

JJIm  Uebrigen  werden  alle  sonstigen,  in  den  im  Eingange  dieser  Verordnung
bezeichneten  Landestheilen  bestehenden,  insbesondere  alle,  gewissen  Ständen,  örtlichen
  Bezirken  und  den  nur  zum  Vortheile  einzelner  Klassen  der  Staatsbürger
errichteten  Instituten  bewilligten  Befreiungen  aufgehoben.  Wenn  hiernach  in
einzelnen  Fällen  die  Fortdauer  der  in  den  gedachten  Landestheilen  bestehenden
Befreiungen  zweifelhaft  ist,  so  ist  darüber  gemeinschaftlich  von  den  Ministern  der
Finanzen  und  der  Justiz  zu  entscheiden.

In  Betreff  der  den  Mitgliedern  des  Königlichen  Hauses  und  des  Fürstlich
Hohenzollernschen  Hauses,  gewissen  Anstalten,  Gesellschaften  oder  Personen  verliehenen
  Stempelfreiheit  kommen  die  in  den  Landestheilen,  wo  das  Gesetz  vom
7.  März  1822.  gilt,  bestehenden  Vorschriften  auch  in  den  Eingangs  dieser  Verordnung
  bezeichneten  Landestheilen  zur  Anwendung.

Die  nach  den  vorstehenden  Bestimmungen  von  der  Stempelsteuer  befreiten
Behörden,  Anstalten,  Personen  u.  s.  w.  sind  nicht  befugt,  diese  Befreiung  den
Privatpersonen,  mit  welchen  sie  Verträge  eingehen,  einzuräumen,  wenn  diese
Personen  an  sich  nach  gesetzlicher  Vorschrift  zur  Entrichtung  des  Stempels  verbunden
  sind.  Bei  allen  zweiseitigen  Verträgen  der  Art  muß  jedesmal  die  Hälfte
des  Stempels  für  den  Vertrag,  und  für  die  ausgefertigten  Uebereremplare  desselben
  außerdem  noch  der  vorgeschriebene  Stempel  0.)  entrichtet  werden.

G.  5.

Die  stempelpflichtigen  Verhandlungen  müssen  in  der  Regel  auf  das  erforderliche
  Stempelpapier  selbst  geschrieben  werden.  Wo  dies  nicht  hat  geschehen
können,  darf  zwar  das  erforderliche  Stempelpapier  noch  nachsebracht  jedoch  nur
in  ganzen  unangeschnittenen  Bogen  umgeschlagen  und  asut  .l  h.  durch  Bezeichnung
  seiner  Bestimmung  zu  anderem  Gebrauche  untauglich  gemacht  werden.

Auch  muß  dies  bei  Verhandlungen,  welche  im  Lande  selbst  vorgenommen
werden,  längstens  binnen  vierzehn  Tagen,  vom  Tage  der  Ausfert  ung  an,  geschehen
  und  der  Tag  der  Kassation  deshalb  von  der  Behörde  oder  dem  Stempelvertheiler,
  wo  das  Stempelpapier  gelöst  worden,  mit  Buchstaben  ausgeschrieben,
  bescheinigt  werden.  Wenn  Bun  er  außerhalb  Landes  über  einen  im  Lande
befindlichen  Gegenstand  stempelpflichtige  Verhandlungen  gepflogen  haben,  so  ist
das  dazu  erforderliche  Stempelpapier  binnen  vierzehn  Tagen  nach  ihrer  Rückkehr
beintbringen  und  zu  kassiren,  auch  der  Tag,  wo  dies  geschehen,  vorgedachtermaaßen
zu  bescheinigen.

Rurbbei  Vollmachten  und  solchen  Verhandlungen,  wozu  Gerichts,  oder
andere  öffentliche  Behörden  und  Beamte  den  Stempel  beizubringen  von  Amtswegen
  verpflichtet  sind,  bedarf  es  keiner  Bescheinigung  des  Zeitpunktes,  worin
dies  geschehen.  ¾6

Wenn  stempelpflichtige  Vechandlungen  auch  stärker  als  ein  Bogen  sind,
so  wird  doch  nur  zum  ersten  Bogen  der  vorgeschriebene  Stempel  erfordert.
Müssen  mehrere  Stempelbogen  beigebracht  werden,  um  den  gesetzlichen  Betrag  des
Stempels  für  eine  Verhandlung  zu  erfüllen,  so  muß  der  höchste  beigebrachte
Stempelbogen  zum  ersten  Bogen  der  Verhandlung  gebraucht,  das  übrige

tem-
        <pb n="1372" />
        —  1195  —

Stempelpapier  aber  zu  den  folgenden  Bogen  der  Verhandlung  genommen,  und
was  auf  solche  Weise  nicht  verwendet  werden  kann,  zur  Verhandlung  kassirt
werden.

Wird  das  Stempelpapier  zur  Verhandlung  blos  umgeschlagen,  so  muß
nicht  nur  der  Hauptbogen,  sondern  auch  seder  zur  Erginkung  des  Stempelbetrages
  beigefügte  Nebenbogen,  unter  Beobachtung  der  Vorschriften  des  §.  5.,
dazu  besonders  kasfirt  werden.

8.  7.

Der  Finanzminister  ist  ermächtigt,  Stempelmarken  anfertigen  und  zum
Verkauf  stellen  zu  lassen,  durch  deren  Befestigung  auf  stenpelpstichigen  Schriftstücke
  de  gesetzliche  Verpflichtung  zur  Verwendung  von  Stempelpapier  erfüllt
werden  kann.

g.  8.

Für  welche  stempelpflichtige  Schriftstücke  die  Verwendung  von  Stempelmarken
  statthaft  ist,  in  welcher  Weise  und  zu  welcher  Zeit  die  Verwendung  erwalzen,
  muß,  wird  von  dem  Finanzminister  bestimmt  und  öffentlich  bekannt
gemacht.

Stempelmarken,  welche  nicht  in  der  vorgeschriebenen  Weise  oder  nicht
rechtzeitig  venwendet  worden  sind,  werden  als  nicht  verwendet  angesehen.

K.  9.

Wer  unechte  Stempelmarken  anfertigt,  oder  echte  Stempelmarken  verfälscht,
  ingleichen  wer  Waspemhth  von  falschen  oder  verfälschten  Stempelmarken
.  Gebrauch  macht,  hat  die  im  §.  253.  des  Strafgesetzbuchs  angedrohte  Strafe
verwirkt.

Wer  wissentlich  eine  schon  einmal  verwendete  Stempelmarke  zu  stempelpflichtigen
  Schriftstücken  verwendet,  hat  außer  der  Strafe,  welche  wegen  Stempelkontravention
  eintritt,  eine  Geldbuße  von  10  bis  200  Thalern  oder  verhältnißmäßige
  Gefängnißstrafe  verwirkt.

Wer  wissentlich  eine  schon  einmal  verwendete  Stempelmarke  veräußert,
wird,  insofern  er  nicht  als  Urheber  des  im  vorhergehenden  Satze  vorgesehenen
Vergehens  oder  als  Theilnehmer  an  demselben  anzusehen  ist,  mit  Geldbuße  von
1  bis  zu  20  Thalern  oder  mit  verhältnißmäßiger  Gefängnißstrafe  belegt.

K.  10.

Werden  von  einer  Verhandlung  verschiedene  Exemplare  ausgefertigt,  so
wird  der  tarifmäßige  Stempel  nur  zu  einem  derselben,  und  zwar  in  der  Regel
u  dem  Hauptexemplare  angewendet;  die  übrigen  Exemplare  und  die  beglaubigten

bschriften  der  Verhandlung,  sowie  beglaubigte  Auszüge  aus  derselben,  unterliegen
  einer  Stempelabgabe  von  15  Sgr.  für  jedes  Exemplar.  Ist  jedoch  zu
der  stempelpflichtigen  Verhandlung  selbst  m#r  ein  geringerer  Stempel  nöthig  gewesen,
  so  bedarf  es  dessen  auch  nur  1  den  übrigen  Exemplaren  und  beglaubigten
  Abschriften.  Nicht  beglaubigte  Abschriften  der  in  dem  anliegenden  u
(Fr.  6737.)  e-
        <pb n="1373" />
        —  1196  —

bezeichneten  Verhandlungen  und  Auszüge  aus  denselben  unterliegen  keiner
Stempelabgabe.
C.  11.

Aauf  allen  beglaubigten  Abschriften,  Duplikaten  und  Ausfertigungen  stempelpflichtiger
  Verhandlungen  muß  ausdrücklich  der  Betrag  des  Stempels  bemerkt
werden,  welcher  zu  der  Urschrift  oder  der  ausgefertigten  Verhandlung  gebraucht,
oder  derselben  kassirt  beigefügt  worden  ist.

S.  12.

Für  den  zu  einem  Vertrage  oder  einer  Pimktation  zu  verwendenden
Stempel  haftet  jeder  Aussteller  oder  Theilnehmer  unter  Vorbehalt  seines  Regresses
  Legen  die  Mitbetheiligten.

ei  gerichtlich  oder  von  Notarien  aufgenommenen  Verträgen,  Punktationen
und  sonstigen  in  dem  anliegenden  Tarife  bezeichneten  stempelpflichtigen  Verhandlungen
  muß,  wenn  deren  Ausfertigung  nicht  früher  erfolgt,  der  Stempel  binnen
vierzehn  Tagen  nach  der  Aufnahme  verwendet  und  für  dessen  Einziehung  von
den  Theilnehmemn  an  dem  Vertrage  oder  der  Punktation  oder  sonigen  Verbandlung
  von  Amtswegen  gesorgt  werden.  Den  zu  dergleichen  Notariatsverhandlungen
  zu  verwendenden  Stempel  sind  die  Gerichte  auf  den  Antrag  des
Notars  von  den  Interessenten  erekutivisch  einzuziehen  verpflichtet.

K.  13.

Ist  der  tarifmäßige  Stempel  nach  den  Vorschriften  dieser  Verordnung  nicht
gebraucht  oder  beigebracht  worden,  so  ist  derselbe  nicht  allein  sofort  nachzubringen,
sondern  es  tritt  auch  uerdem  die  ordentliche  Stempelstrafe  ein,  welche  in  Entrichtung
  des  vierfachen  Betrages  des  nachzubringenden  Stempels  besteht.

We#  zwar  ein  Stempel,  jedoch  nur  ein  geringerer  als  der  tarifmäßige,  gebraucht
  oder  beigebracht  worden,  da  ist  der  fehlende  Stempelbetrag  zu  ergänzen
und  auch  nur  von  diesem  die  Strafe  des  Vierfachen  zu  entrichten.

Beträgt  aber  das  Vierfache  des  nachzubringenden  Stempels  weniger  als
Einen  Thaler,  so  wird  die  ordentliche  Stempelstrafe  dennoch  zu  Einem  Thaler
festgesetzt  und  erhoben.  "44

F.  14.

Die  Nachbringung  des  Stempels  und  Entrichtung  der  ordentlichen  Stempelstrafe
  kann  gegen  jeden  Inheber  oder  Vorzeiger  (Produzenten)  einer  Verhandlung
oder  Urkunde  verfolgt  werden,  welche  mit  dem  gesetzlich  dazu  erforderlichen  Stempel
nicht  versehen  ist.  Es  behält  derselbe  indessen  seinen  Regreß  deshalb  an  den
eigentlichen  Kontravenienten.

Kann  der  Inhaber  oder  Vorzeiger  jedoch  nachweisen,  daß  er  in  den  Besitz
der  Verhandlung  oder  Urkunde  erst  nach  dem  Tode  des  eigentlichen  Kontravenienten
gekommen,  so  kann  die  Stempelstrafe  von  ihm  nicht  eingezogen  werden.

Der  eigentliche  Kontravenient  ist  bei  einseitigen  Verträgen,  Verpflichtungen
und  Erklärungen  der  Aussteller.  Bei  mehrseitigen  Verträgen  sind  es  alle  Theilnehmer
  und  jeder  derselben  besonders  ist  in  die  ganze  Stempelstrafe  verfalen
        <pb n="1374" />
        —  1197  —

Ist  der  gesetzliche  Stempel  zu  einer  Verhandlung  nicht  gebraucht,  welche
vor  Gericht  oder  vor  einem  Notar  aufgenommen  worden,  so  trifft  die  Stempelsase
  (Strafe  deshalb)  denjenigen  Richter  (G.  16.)  oder  Notar,)  welcher  die  Verhandlung
  unter  seiner  Unterschrift  ausgefertigt  hat.  Beamte,  welche  bei  ihren
amtlichen  Verrichtungen  hinsichtlich  der  Stempelverwendung  t  Pflichten  verabsäumen,)
  sind  wegen  des  Stempels  zugleich  mit  den  Interessenten  unter  Vorbehalt
  des  Regreses  persönlich  verhaftet.

Das  mit  bem  Stempel  vom  Werthe  eines  Kaufs,  einer  Pacht  oder  einer
Miethe  verschene  Exemplar  eines  Vertrazes  muß  in  den  Händen  des  Käufers,
Höchters  oder  Miethers  sein,  um  von  diesem  auf  Erfordern  bei  Käufen  von

rundstücken  und  Grundgerechtigkeiten  innerhalb  der  ersten  drei  Jahre,  bei  Käufen
von  anderen  Gegenständen  innerhalb  des  ersten  Jahres  nach  vollzogener  Uebergabe,
  bei  Pachten  und  Miethen  aber  während  ihrer  Dauer  darüber  Auskunft
erhalten  zu  können,  ob  der  tarifmäßige  Stempel  gebraucht  worden.

Stempelpflichtige  OQuittungen  müssen  auf  Erfordern  inmerhalb  eines  Jahres
nach  deren  Empfang  vorgezeigt  werden  könmen.

KJ.  15.

Die  Verwandlung  einer  Geldbuße,  zu  deren  Zahlung  der  Verpflichtete  unvermögend
  ist,  in  eine  Feeihritsstrafe  findet  nicht  statt.

K.  16.

Beamte,  welche  bei  ihren  amtlichen  Verhandlungen  die  tarifmäßigen  Stempel
nicht  verwenden,  werden  von  der  ordentlichen  kenpehiafe  nicht  betroffen,  sondern
sind,  sofern  nicht  nach  der  Art  des  Vergehens  wegen  verletzter  Amtspflicht  eine
höhere  Sise  eintritt,  nur  mit  einer  Ordnungsstrafe  zu  belegen.  Die  Strafe  ist
auf  den  einfachen  Betrag  des  nicht  verwendeten  Stempels,  für  den  Fall  jedoch,
daß  derselbe  die  Summe  von  funfzig  Thalern  übersteigt,  auf  letzteren  Betrag
festzusetzen.  Ermäßigung  oder  Niederschlagung  der  Strafe  ist  von  dem  Ministerium,
*  dessen  Verwaltung  der  Beamte  gebört,  zu  verfügen  und  durch  Beibringung
enr  Verfügung  zu  den  Stempelstraflisten,  bei  denen  die  Strafen  zu  werrechnen
sind,  nachzuweisen.

G.  17.

Notarien  sind  von  den  Bestimmungen  im  F.  16.  ausgeschlossen  und  der
ordentlichen  Stempelstrafe  nach  §.  13.  unterworfen.

S.  18.

Die  Stempelstrafen,  welche  unmittelbare  oder  mittelbare  Staatsbeamte
durch  unterlassene  Verwendung  des  tarifmäßigen  Stempels  zu  Amtsverhandlungen
verwirken,  sind  nicht  von  dem  Besitzer  oder  Produzenten  der  Verhandlung,  woran
die  Kontravenion  begangen,  mit  Vorbehalt  des  Regresses  an  den  Beamten  zu
fordern,  sondern  von  dem  letzteren  selbst  einzuziehen.

Ichtgang  1867.  (Nr.  6737.)  157  s.  19.
        <pb n="1375" />
        —  1198  —

K.  19.

Wenn  1a  einem  Vertrage)  welcher  zwischen  einer  unmittelbaren  oder  mittelbaren
  Staatsbehörde  und  einer  Privatperson  abgeschlossen  ist,  der  tarifmäßige
Stempel  nicht  verwendet  worden,  so  soll  die  bei  dem  Vertrage  betheiligte  Privatperson,
  desgleichen  jeder  andere  Besitzer  oder  Produzent  der  darüber  aufgenommenen
  Verhondim  mit  Strafe  verschont  bleiben,  der  Beamte  dagegen,  welcher
den  Vertrag  im  Auftrage  oder  Namens  der  Behäörde  geschlossen  hat,  in  eine
nach  F.  16.  festzusetzende  Strafe  verfallen.

Hat  jedoch  die  Privatperson,  mit  welcher  der  Vertrag  geschlossen  worden,
erweislich  wider  besseres  Wissen  veranlaßt  oder  nachgegeben,  daß  zu  demselben
ein  Stempel  gar  nicht,  oder  ein  geringerer  als  der  tarifmäßige  Stempel  verwendet
  worden,  so  tritt  neben  der  den  Beamten  treffenden  Strafe  gegen  die
Privatperson  die  ordentliche  Stempelstrafe  (66.  13.  14.)  ein.

Der  Steuerverwaltung  verbleibt  in  allen  Fällen  die  Befugniß,  den  fehlenden
  Stempel  von  dem  Produzenten  der  Verhandlung  eingusichen,  unter  Vorbehalt
  der  dem  letzteren  gegen  dritte  Personen  oder  Behörden  zustehenden
Regreßansprüche.  "

K.  20.

Ist  entgegen  der  Vorschrift  im  F.  11.  auf  beglaubigten  Abschriften,  Duplikaten
  und  Ausfertigungen  der  Betrag  des  Stempels  nicht  bemerkt,  der  zu  der
Urschrift  oder  ausgefertigten  Verhandlung  gebraucht  worden,  so  ist  diese  Unter-#eing
  mit  einer  Ordnungsstrafe  von  einem  halben  Thaler  zu  ahnden.  Dieselbe
  Strafe  trifft  auch  die  §.  5.  gedachten  Behörden  und  die  Stempelvertheiler,
wenn  sie  die  daselbst  vorgeschriebene  Bescheinigung  über  die  innerhalb  der  gesetzlichen
  Frist  erfolgte  Nachbringung  des  Stempels  unterlassen  haben.

K.  21.

In  Betreff  des  administrativen  und  gerichtlichen  Strafverfahrens  wegen
der  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Bestimmungen  dieser  Verordnung  kommen
dieselben  Vorschriften  zur  Anwendung)  nach  welchen  sich  das  Verfahren  wegen
Zollvergehen  bestimmt.

enunzianten  erhalten  ein  Drittheil  von  den  festgesetzten  Stempelstrafen.

g.  22.

Stempelstrafen  gegen  Staats=  und  Kommunalbehörden,  sowie  auch  gegen
Beamte,  sofern  denselben  eine  Nichtbeachtung  der  Stempelgesetze  bei  ihrer  Dienstverwaltung
  zur  Last  fällt,  können  nur  von  der  ihnen  vorgesetzten  Dienst-  und
Disziplinarbehörde  ausgehen.

K.  23.
Die  Verwaltung  des  gesammten  Stempelwesens  in  den  im  Eingange  dieser.

  Verordnung  bezeichneten  Landestheilen  wird  unter  Leitung  des  Finanzministers
von
        <pb n="1376" />
        —  1199  —

von  den  Provinzial-  Steuerbehörden  durch  die  Zoll-  und  Steuer-  oder  auch
durch  besonders  dazu  bestimmte  Aemter  geführt.

Außer  den  Steuerbehörden  haben  alle  diejenigen  Staats=  oder  Kommunalbehörden
  und  Beamten,  welchen  eine  richterliche  oder  Pollzeigewalt  anvertraut
ist,  die  besondere  Verpflichtung,  auf  Befolgung  der  Stempelgesetze  zu  halten
und  alle  bei  irer  Amtsverwaltung  zu  ihrer  Kenntniß  kommende  14  w
lungen  gegen  dieses  Gesetz  Behufs  Einleitung  des  Strafverfahrens  von  Amtswegen
  zur  Anzeige  8  bringen.  Insoweit  den  bezeichneten  Behörden  die  Befugniß
  zusteht,  wegen  Kontraventionen  gegen  die  bisheusgen  Stempelgesetze  Stempelstrafen
  zu  erkennen  oder  festzusetzen,  behält  es  hierbei  rüchschilic  der  in  Kraft
bleibenden  Vorschriften  jener  Gesetze  auch  ferner  das  Bewenden.  Die  Bestimmung
  im  zweiten  Absatz  des  F.  21.  findet  auf  die  gedachten  Beamten  und  die
Vorßher  oder  Mitglieder  der  bezeichneten  Behörden,  sowie  auf  Rechtsanwalte
und  Notarien  keine  Anwendung.

K.  24.

Zur  näheren  Aufsicht  über  die  gehörige  Beobachtung  der  Stempelgesetze
werden  Stempelfiskale  angestellt  und  mit  besonderer  Anweisung  von  dem  Finanzminister
  versehen.  —  Alle  Behörden  und  Beamten,  desgleichen  alle  Aktiengesellschaften,
  welche  ganz  oder  theilweise  auf  einen  Handels=  oder  Gewerbebetrieb
irgend  welcher  Art  gerichtet  sind,  sind  gehalten,  den  Stempelfiskalen  die  Einsicht
ihrer  stempelpflichtigen  Verhandlungen  bei  den  vorzunehmenden  Stempelvisitationen
  zu  gestatten.

".  25.

Vorstände  und  Beauftragte  der  im  H.  24.  genannten  Aktiengesellschaften,
welche  bei  den  Namens  derselben  gepflogenen  Verhandlungen  oder  mit  Privatpersonen
  abgeschlossenen  Verträgen  den  tarifmäßigen  Stempel  nicht  verwenden,
find  mit  einer  dem  einfachen  Betrage  des  nicht  verwendeten  Stempels  gleichkommenden
  Geldbuße,  welche  jedoch  die  Summe  von  funfzig  Thalern  nicht  übersteigen
  soll,  6  belegen.  Dagegen  bleibt  die  bei  dem  Vertrage  betheiligte  Privatpeisen
  b,  desgleichen  jeder  andere  Besitzer  oder  Produzent  der  darüber  aufgenommenen
  Verhandlung  mit  Strafe  verschont.

Soweit  jedoch  nachgewiesen  wird,  daß  die  Verwendung  des  gesetzich
erforderlichen  Stempels  gegen  besseres  Wissen  unterblieben  ist,  tritt  in  allen
vorbezeichneten  Fällen  die  ordentliche  Stempelstrafe  (9.  13.  und  14.)  ein.

KC.  26.

Diie  Strafe  gegen  die  im  F.  25.  gedachten  Vorstände  und  Beauftragten
ist  von  der  Regierung,  unter  deren  Ausfsicht  die  Aktiengesellschaft  steht,  fesgurten
Die  Entscheidung  in  zweiter  Instanz  steht  dem  Minister  für  Handel,  Gewerbe
und  öffentliche  Arbeiten  zu,  welcher  auch  zur  Ermäßigung  oder  Niederschlagung
der  Strafe  ermächtigt  g.  Der  Rechtsweg  findet  wegen  dieser  Stehestn
nach  Maaßgabe  der  allgemeinen  Vorschriften  statt,  auf  welche  im  ersten  Absatz
des  H.  21.  verwiesen  ist.

(Nr.  6737.)  157“  5.  27.
        <pb n="1377" />
        —  1200  —

K.  27.

Auch  Privatpersonen  können  von  den  Stempelfiskalen  aufgefordert  werden,
sich  über  die  gehörige  Beobachtung  der  Stempelgesetze  aussuweeißsn  wenn  erhebliche
  Gründe  vorhanden  sind,  diese  Beobachtung  zu  bezweifeln.  Wider  diejenigen,
welche  solcher  Aufforderung  nicht  d  e  leisten  wollen,  müssen  die  Stempelfiskale
den  Beistand  der  strafgeri  Lihm  ehörden  nachsuchen,  welchen  überlassen  bleibt,
zu  prüfen,  wie  weit  die  bestehenden  Berdachtsgründe  die  verlangte  Nachweisung
rechtfertigen,  oder  eine  förmliche  Untersuchung  begründen.

K.  28.

Jeder  Stempelbogen  trägt  auf  der  ersten  Seite  oben  den  schwarz  aufedruckten
  Stempel,  welcher  das  Adlerzeichen  und  die  Angabe  des  dafür  zu  zahenden
  Betrages  enthält.

Dem  Pinanzmimister  bleibt  es  überlassen,  diesem  wesentlichen  Stempelzeichen
  noch  besondere  Nebenbezeichnungen  beizufügen,  wo  Verwaltungszwecke  ihn
dazu  bestimmen,  Stempelpapier,  was  zu  gewissem  Gebrauche  dient,  unterscheidend
zu  bezeichnen.  Kein  anderes  als  das  dergestalt  unterscheidend  bezeichnete  Stempelpapier
  darf  bei  einer  Ordnungsstrafe  von  funfzehn  Silbergroschen  zu  dem  Gebrauche,
  welchen  die  Bezeichnung  bestimmt,  verwendet  werden.  Ueberschriebene
Pergamente  oder  gedruckte  Formulare  zu  öffentlichen  Verhandlungen  oder  Urkunden
können  auch  auf  Ansuchen  von  Privatpersonen  bei  den  zur  Fabrikation  des
Stempelpapiers  angeordneten  Anstalten  gestempelt  werden.

K.  29.

Der  Verkauf  der  Stempelmaterialien  geschieht  ausschließlich  durch  die  Zollund
  Steuerämter  und  die  damit  besonders  beauftragten  Stempelvertheiler.

Etwa  noch  vorhandene  Berechtigungen,  in  Folge  deren  Korporationen
oder  Instituten  der  Verkauf  einiger  Stempelgattungen,  oder  der  Ertrag  davon
ganz  oder  theilweise  verliehen  worden,  sind  hiermit  aufgehoben.

S.  30.
Der  unbefugte  Handel  mit  Stempelmaterialien  wird  an  sich  schon  mit
Konfiskation  der  Vorräthe  und  einer  Geldstrafe  von  funfzig  Thalern  bestraft.
Ueberdies  bleibt  die  Untersuchung  und  Ahndung  damit  verbundener  Verkürzungen

des  Staatseinkommens  und  Unterschleife  den  Umständen  nach  besonders  vorbehalten.

K.  31.
Stempelbogen,  deren  Betrag  100  Rthlr.  übersteigt,  werden  bloß  von  den
Provinzial-Steuerbehörden  oder  dem  Haupt-Stempelmagazin  zu  Berlin  ausegeben.
  Sie  sind  unter  dem  schwarzen  Stempel  noch  mit  einem  trockenen

tempel  versehen  und  es  ist  überdies  der  Betrag  derselben  schriftlich  une  der
nter-
        <pb n="1378" />
        —  1201  —

Unterschrift  der  Provinzlal-Steuerbehörde  oder  des  Haupt.  Stempelmagazins  oben
auf  dem  Bogen  angegeben.

.  32.

Stempelmaterialien,  welche  vor  dem  Verbrauche  durch  Zufall  oder  Versehen
  verdorben  worden  sind,  können  der  Provinzial-  Steuerbehörde  des  Bezirkes
zum  Ersatz  liquidirt  werden.  Oeffentlichen  Behörden  steht  dies  für  jeden  Betrag
zu,  einzelnen  Beamten  und  Privatpersonen  aber  nur,  sofern  der  klar  erwiesene
Schaden  Einen  Thaler  und  darüber  beträgt.

S.  33.

Bereits  geleistete  Bezahlung  für  verbrauchtes  Stempelpapier  kann  nur
urückerstattet  werden  in  Fällen,  wo  die  Zahlung  entweder  ohne  alle  Verpflichtung
los  aus  einem  unvermeidlichen  Versehen  geschehen  ist,  oder  wo  dieselbe  wegen
Armuth  der  Zahlungspflichtigen  erlassen  werden  muß.

g.  34.

Die  Bestimmungen  im  8.  4.  und  in  den  88.  24.  27.  29  30.  32.  und  33.
dieser  Verordnung  kommen  auch  in  Betreff  der  Wechsel-Stempelsteuer  zur  Anwendung.


§.  35.

Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Vorschriften  treten  außer  Kraft.
Insbesondere  sollen

1)  in  dem  vormaligen  Königreich  Hannover
a)  die  in  dem  Tarife,  welcher  dem  Gesetze  vom  30.  Januar  1859.
angehängt  ist,  unter  den  laufenden  Nummern
4.  (Abschriften),  8.  (Anlagen),  15.  (Ausfertigungen),  16.  (Auszüge),
  82.  (Notariats-Dokumente  u.  s.  w.),  r  t

enthaltenen  Positionen  auf  die  in  dem  anliegenden  Tarife  bestuenten
Verhandlungen  fortan  keine  Anwendung  finden)  ferner  werden

b)  die  in  dem  ersteren  Tarife  unter  den  laufenden  Nummern

5.  9.  10.  12.  14.  17.  21.  22.  23.  27.  29.  30.  32.  35.  37.
46.  48.  55.  69.  74.  76.  83.  86.  88.  89.  95.  97.  98.  99.
101.  106.  109.  112.  117.  121.  123.  131.  132.  bis  134.
135.  —  mit  Ausnahme  des  letzten  Absatzes  —  136.  bis  160.
162.  und  163.  enthaltenen  Positionen  und  der  zweite  Absatz
der  Position  128.

aufgehoben.
Or.  678y.)  2)  In
        <pb n="1379" />
        —  1202  —
2)  In  dem  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  finden

a)  die  Bestimmungen  über  eingereichte  Urkunden  im  letzten  Absatze  des
.  22.,  und  die  Bestimmungen  im  8.  23.  (Anla  e  §.  24.  (Probokollg,
  §.  28.  (Abschriften)  des  Gesetzes  vom  22.  Dezember  1853.
über  die  Verwendung  von  Stempelpapier  auf  die  in  dem  gegenwärtigen
  Tarife  besteuerten  Verhandlungen,  und  die  Bestimmungen
im  F.  30.  desselben  Gesetzes  (Beglaubigungen)  auf  beglaubigte  Ab-Scriften
  der  gedachten  Verhandlungen  und  beglaubigte  Auszüge  aus
enselben  keine  Anwendung.

Außerdem  werden

b)  die  31.  41.  48.  52.  53.  bis  56.  65.  und  die  Bestimmungen
über  Volljährigkeitserklärung  und  Ankindung  (Adoption)  im  §.  4.
desselben  Gesetzes,  sowie  die  Bestimmungen  über  die  Stempelverwendung
  zu  Wechselprote  en  im  Artikel  87.  der  Wechselordnun
vom  26.  Oktober  1859.  (F.  3.  der  Verordnung  vom  13.  Mai  1867.
Gesetz=  Samml.  S.  738.)  aufgehoben.  «

3)  In  dem  vormaligen  Herzogthum  Nassau  finden

a)  die  in  dem  Tarife,  welcher  dem  Gesetze  vom  13.  August  1859.
über  die  Stempelabgabe  angehängt  ist,  enthaltenen  Positionen:

1.  (Abschriften  und  Auszüge),  18.  (Beilagen)  und  89.  unter
Nr.  2.  und  3.  (Protoko  ¾

auf  die  in  dem  anliegenden  Tarif  besteuerten  Verhandlungen  keine
Anwendung.

Außerdem  werden

b)  die  Positionen  des  ersteren  Tarifs;  4.  6.  8.  —  mit  Ausnahme  des
letten  Satzes  —  10.  13.  24.  25.  29.  30.  35.  47.  51.  52.  57.
66.  71.  78.  85.  86.  99.  102.  107.  109.  110.  111.  113.  118.
120.  124.  126.  127.  131.,  sowie  der  zweite  Absatz  der  Position  2.
aufgehoben.  Die  Position  116.  findet  nur  “7“  auf  gerichtliche
Vegleiche  in  rechtshängigen  Sachen,  vorbehaltlich  der  hierüber  in
dem  anliegenden  Tarife  unter  Nr.  55.  getroffenen  Bestimmungen,
Anwendung.

e)  Zugleich  treten  alle  auf  die  Erhebung  der  Konfirmationstaxe  im
werlge  Herzogthum  Nassau  bezüglichen  Vorschriften  außer
aft.

g.  a6.

Hinsichtlich  der  Stempelabgabe  von  den  vor  dem  1.  September  1867.
errichteten  letztwilligen  Verfügungen  im  vormaligen  Königreich  Hannover  bewen-
        <pb n="1380" />
        —  1203  —

wendet  es  bei  demjenigen,  was  in  der  Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  der
Erbschaftsabgabe  .  4.),  vorgeschrieben  ist.

In  allen,  fortan  dieser  Verordnung  und  dem  angeschlossenen  Tarife  unterliegenden
  Fällen,  welche  vor  dem  1.  September  1867.  vorgekommen  sind,  und
in  welchen  nach  den  bisherigen  Gesetzen  Stempel  oder  die  Konfirmationstaxe  im
vormaligen  Herzogthum  Nassau  zu  erheben  war,  sellen  diese  vormaligen  Abgaben
  nicht  nachgefordert  werden,  wenn  sie,  aus  welchem  Grunde  es  sei,  bis  zu
em  1.  September  1867.  nicht  gezahlt  worden,  gleichwohl  aber  auch  weder  erlassen
  noch  verjährt  sind.  Dagegen  tritt  alsdann  die  Vewpflichtung  ein  an  Stelle
der  vormaligen  die  durch  gegenwärtige  Verordnung  bestimmten  Stempelabgaben
davon  bei  Vermeidung  der  gesetzten  Brafen  berzeftat  und  in  solchen  Fristen  zu
falegen,  als  wenn  der  stempelpflichtige  Fall  sich  nach  dem  Eintritte  der  Wirksamkeit
  der  gegenwärtigen  Verordnung  ereignet  hätte.

S.  37.
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Ems,  den  19.  Juli  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

Stempel=
        <pb n="1381" />
        —  1204  —

Stempeltarif.

Allgemeine  Vorschriften.

1)  Enthält  eine  schriftliche  Verhandlung  verschiedene  stempelpflichtige  Gegensctände

  oder  Geschäfte,  so  ist  der  Betrag  des  Stempels  für  jeden  dieser

Gegenstände  und  jedes  dieser  Geschäfte  nach  den  darauf  Anwendung

habenden  Vorschriften  besonders  zu  berechnen,  und  die  Verhandlung  mit

der  Summe  aller  dieser  Stempelbeträge  zusammengenommen  zu  belegen,

insofern  der  nachstehende  Tarif  nicht  ausdrücklich  Besteiumgen  für  besondere
älle  dieser  Art  enthält.

2)  Die  Stempelabgabe  beträgt  mindestens  5  Sgr.  und  steigt  von  5  Sgr.  zu
5  Sgr.  Es  wird  daher)  wenn  der  berechnete  Betrag  des  Stempels  5  Sgr.
übersteigt,  aber  nicht  über  10  Sgr.  hinausgeht,  ein  Stempel  von  10  Sgr.
und  so  weiter  genommen.

 

zente.

Pro- 



Adjudikations-Bescheide,  Dekrete  und  die  Ausfertigungen
  oder  Protokolle,  welche  die  Stelle  des  Adji
  tonsbescheides  vertreten  —  wie  Kaufverträge,
s.  diese.

Wird  neben  einem  #aufoertrag  ein  Adjudikations.
dekret  ausgefertigt,  so  wird  der  Werthstempel  nur
vom  Laufoertrage  entrichtet  und  zu  dem  Dekrete  selbst
der  für  Rebenexemplare  im  F.  10.  der  Verordnung
vorgeschriebene  Stempel  verwendet.

Adoptionsvertrienss  ..  .  .  .  ..  .12
Afterpacht,  oder  Miethsverträge,  s.  Pachtverträge.

Aktien.  Ein  Zwölftheil  Prozent  desjenigen  Betrages
bis  auf  welchen  der  Aktieninhaber  durch  die  ihm  ertheilte
  Aktie  zur  Theilnahme  an  den  Einlagen  und
Zuschüssen  verpflichtet  wird.

Die  Aktien  der  Eisenbahngesellschaften  sind  stemei.



 

 

 

 

pelfr
        <pb n="1382" />
        —  1205  —

 

Prozente.



 

II.

 

Angabe  an  Zahlungsstatt.  ieniz-  über  Angabe

an  Zahlungsstatt,  wie  Kaufverträge,  s.  diese.

Antichretische  Verträge,  wie  Pachtverträge,  s.  diese.
Assekuranz-Polizen.  Ein  halbes  Prozent  der  gen#1-


  Prämie,
In  allen  Fällen,  wo  die  gezahlte  Prämie  Einhundert

  Thaler  nicht  übersteiigt  »..........

Da  hierach  die  Prämie  bei  Assekuranz-Polizen
als  Gegenstand  der  Verhandlung  angesehen  wird,  so
sind  diese  Polizen  nach  §.  3  a.  der  Verordnung  stempee
  wenn  der  Betrag  der  Prämie  50  Thaler  nicht
erreicht.

Auktionsprotokolle  (Protokolle  über  Versteigerung

beweglicher  Sachen).  Ein  Drittheil  Prozent  des  reinen
Ertrages  der  Lösung.

Der  Stempel  ist  nach  beendigter  Auktion  nach
dem  reinen  Ertrage  der  Lösung  zu  bestimmen.  Gehört
  der  Gegenstand  der  Auktion  nicht  zu  einer  einzigen
  Vermögensmasse,  sondern  mehreren  in  keiner
Gemeinschaft  stehenden  Theilnehmern,  so  ist  der
Stempel  nach  den  besonderen  Antheilen  eines  Jeden
derselben  am  Lösungsertrage  zu  berechnen  —2

Der  behörige  Stempelbogen  muß  binnen  3  Kagen
nach  dem  Schlusse  der  Auktion  dem  Protokolle  beigefügt,
  dazu  kassirt  und,  daß  solches  geschehen,  auf
dem  Protokolle  selbst  vermerkt  werden.

Bestallungen  besoldeter  Beamten

unbesoldeter  Beamten

Bestätigungen  (Konfirmationen),  gerich  tliche,  der

in  diesem  Tarife  besteuerter  Verhandlungen  —  sofern
nicht  für  besondere  Gattungen  derselben  (z.  B.  für
Bestätigung  eines  Vergleiches  der  Parteien  in  rechtshängigen
  Sachen)  besondere  Vorschriften  bestehen  —
wie  Nebenexemplare,  s.  §.  10.  der  Verordnung.

Bürgschaften,  s.  Cautions--Instrumente.

Jahrgang  1887.  (Nr.  6737.)  158

 

 

frei.

 

15

15
        <pb n="1383" />
        Pro-7
  zente.
4  —
12.  Cautiont=  Instrumente  ..........................  15
Alle  anderen  Verhandlungen  über  Dienstkautionen,
  wobei  ein  öffentliches  ntroesse  besteht,  sind
stempelfrei.  .
13.  Cessions  Unstrumente  ...........................  15
Die  Cessionen  öffentlicher  Papiere  sind  stempelfrei.
14.  Codicille  ..  ..  .  .  ..  .  ..  .  .  ..  ...  .....  ....  .  .....  ...  .  .  .  ..  15
15.]  Contracte,  s.  Verträge.
16.  Disbersitionen  von  Todeswegen  wie  Testamente,
.  iese.
17.]  Dispositionsscheine  der  Bankiers  und  Kaufleute,
wie  Schuldverschreibungen,  s.  diese.
18.|  Donationen  oder  Schenkungen  unter  Lebendigen,
  sofern  solche  durch  schriftliche  Willenserklärungen
erfolgen,  mit  Einschluß  der  remuneratorischen  Schenkungen,
  werden  wie  Erbschaften  nach  der  Verordnung,
  betreffend  die  Erbschaftsabgabe,  versteuert.  Der
hiernach  zu  berechnende  Abgabenbetrag  ist  als  Stempel
  zu  der  steuerpflichtigen  Verhandlung  zu  verwenden.

19.Eheversprechen,  schriftliche  ..  15
20.Ehevertriieeeeeeeeen  .  .  ..  2
21.  Engagements-  Protokolle,  wenn  sie  die  Stelle  von
rträgen  vertreten,  wie  diese,  s.  Verträge.
22.Erbfolge-Verträge  (Erbverträghh)e  .12
23.  1

 

Eröpachts  Verträge,  Eins  vom  Hundert  des  Werthes
det  dadurch  vererbpachteten  Gegenstandes.  Werden
Grundstücke  auf  Erbzins  oder  in  Erbpacht  ausgethan,
  so  besteht  die  Summe,  von  welcher  der  Stempel
  bei  dieser  Veräußerung  zu  entrichten  ist,  aus  dem
Exbstandsgelde  und  aus  dem  Zwanzigfachen  der  jähr.
lichen  Leistung  an  Zins,  Kanon  oder  anderen  beständigen
  zu  Gunsten  des  Verpächters  übernommenen  Lasten.
Wenn  zwar  der  erbliche  Besitz  des  Rutzungsrechts
übertragen,  aber  vorbehalten  wird,  daß  Nriodisch
nach  Ablauf  einer  gewissen  Zeit  eim  neuer  Nutzungs-
        <pb n="1384" />
        zente.

 

24.

25.
26.

27.

 

anschlag  gemacht  und  der  Kanon  für  die  nächstfol-T
  Koode  danach  bestimmt  werden  soll,  so  wird
er  Vertrag  über  ein  solches  Geschäft  nur  in  Rück.
sicht  des  etwaigen  Erbstandsgeldes  wie  eine  Veräußerung,
  in  Rüchscht  des  Kanons  aber  wie  eine  Verpachtung
  auf  die  Anschlagsperiode  besteuert.

Erbrefesse  oder  Erbtheilungsrezesse,  Erbschaftstheilungsverträge,

  wenn  dadurch  die  Vertheilu
einer  von  der  Erbschaftsabgabe  befreiten  Erbscha
ausgesprochen  wird:  falls  die  dadurch  zu  vertheilende
Mass  Eintausend  Thaler  und  darüber  beträgt.
falls  gedachte  Masse  den  Werth  von  Eintausend
Thalern  nicht  erreiccht
wenn  dadurch  eine  abgabenpflichtige  Erbschaft  vertheilt
wird,  stempelfrei.

Erbzinsverträge,  wie  Erbpachtsverträge,  .  diese.
Vamilienstiftungen,  wie  Fideikommißstiftungen,  s.
iese.

Fideikommißstiftungen,  ohre  Unterschied,  ob  sie  zu
Gunsten  der  Anverwandten  des  Stifters  oder  anderer
Personen  errichtet  werden,  unterliegen  der  Stempelsteuer
  von  drei  vom  Hundert  des  Gesammtwerthes
der  denselben  gewidmeten  Gegenstände,  ohne  Abzug
der  etwanigen  Schulden.

Der  Stempel  ist  zu  der  Urkunde,  durch  welche
die  Stiftung  errichtet  wird,  zu  verwenden,  ohne  Rücksicht
  darau  ob  zu  der  Slistung  eine  Bestätigung  erforderlich
  ist  oder  nicht.

Bei  Stiftungen  unter  Lebendigen  ist  der  Stempel
  in  der  durch  F.  5.  der  Verordnung  vorgeschriebenen
  Frist  beizubringen.

Bei  Stiftungen  von  Todeswegen  ist  der
Stempel  innerhalb  des  für  die  Entrichtung  der  Erbschaftsabgabe
  vorgeschriebenen  Jeitraumes  beizubringen
  und  sind  die  Intaber  der  Erbschaft  für  die  Entachmng
  der  Stempelsteuer  ebenso,  wie  für  die  Entrichtung
  der  Erbschaftsabgabe,  alle  für  einen  und  einer
für  alle  verhaftet.

(Nr.  6737.)  158“

 

 

 

15
        <pb n="1385" />
        zente.

 

29.

—2

 

Gütergemeinschafts-Verträge  unter  Eheleuten,
s.  Eheverträge.

Kaufverträge.

a)  über  inländische  Grundstücke  und  Grundgerechtigkeiten
  Eins  vom  Hundert  des  Kaufwerthes.


Bei  Verkäufen  ist  der  bestimmte  Kaufpreis  mit
Hinzurechnung  des  Werthes  der  vorbehaltenen  Nutzungen
  und  ausbedungenen  Leistungen  diejenige  Summe,
wonach  der  Betrag  des  Stempels  zu  berechnen  ist.

Werden  Gegenstände  anderer  Art,  ohne  besondere
Angabe  ihres  Werths,  mit  Grundstücken  oder  Grundgerechtigkeiten
  zusammengenommen  in  Einer  Summe
veräußert,  so  wird  der  Stempelsatz  von  der  gedachten
Summe  dergestalt  berechnet,  als  ob  sie  zanz  für
Gamüstück  oder  Grundgerechtigkeiten  gezablt  woren

  wäre.

Bei  Subhastationen  (freiwilligen  oder  Zwangsversteigerungen
  unbeweglicher  Sachen)  wird  der  Stempel
  nach  dem  Gebote,  worauf  der  Zuschlag  erfolgt,
entrichtet;

b)  über  außerhalb  Landes  belegene  Grundstücke
und  Grundgerechtigkeiten

e)  über  alle  anderen  Gegenstände  ohne  Unterschied
  Ein  Drittheil  Prozent  des  vertragsmäßigen
Kaufpreises;

4)  jeder  im  kaufmännischen  Verkehr  über  bewegliche
  Gegenstände  mit  Einschluß  der  Aktien  und
anderer  geldwerthen  Papiere,  sei  es  mit  oder
ohne  Zuziehung  eines  vereideten  Agenten  oder
Mäklers,  schriftlich  abgeschlossene  Kauf=  oder  Lieferungsvertrag,
  ohne  Unterschied,  ob  derselbe  unter
Handeltreibenden  oder  unter  anderen  Personen
abgeschlossen  worden,  unterliegt,  soweit  er  nach
der  Hohe  des  Betrages  an  64  stempelpflichtig
ist,  einer  Stempelabgabe  doonononn  .  .  .  ...
        <pb n="1386" />
        —  1209  —

 

zente.

 

30.

32.

33.

 

und  falls  mehrere  Kontrakts-Exemplare  durch

Unterschrift  der  Kontrahenten  vollzogen  werden,

für  jedes  Exemplar  dem  Stempel  von.  .  .  ...  .  ...

Wenn  jedoch  der  Stempel  zu  Ein  Drittheil
Prozent  des  Kaufpreises  weniger  als  15  Sgr.  beträgt,
  und  nicht  wegen  der  Form  des  Vertrages  nach
den  Tarifpositionen  „Protokolle  und  Notariats-Instrumente“
  ein  Stempel  von  15  Sgr.  erforderlich  ist,  so
soll  anstatt  dieses  Stempels  nur  der  geringere  Prozentstempel
  eintreten.

Ist  der  Vertrag  unter  Mitwirkung  eines  Mäklers
  oder  vereideten  Agenten  abgeschlossen,  und  der
Stempel  nicht  verbraucht,  so  soll  die  Strafe  nicht
blos  jeden  der  Kontrahenten,  sondern  auch  den  Mäkler
  oder  Agenten  unter  solidarischer  Haftung  aller
dieser  Personen  für  den  Stempel  treffen;

e)  Kauf=  und  Tauschverhandlungen,  welche  zwischen
Theilnehmern  an  einer  Erbschaft  zum  Zwecke
der  Theilung  der  zu  letzterer  gehörigen  Gegenstände
abgeschlossen  werden,  sind  dem  Werthstempel  von
Kaufverträgen  nicht  unterworfen.

Zu  den  Theilnehmern  an  einer  Erbschaft  wird
auch  der  überlebende  Ehegatte  gerechnet,  welcher  mit
den  Erben  des  verstorbenen  Ehegatten  gütergemeinschaftliches
  Vermögen  zu  theilen  hat.

S.  auch  Pos.  55.  „Uebertragsverträge“.

Lehrbriefe  der  Handlungsdiener,  Künstler,  Fabrikm.
  Handwerksgehülfen,  auch  Jäger,  Gärtner  und
öche

Lehrkontrakte,  s.  Verträge.  Ist  jedoch  entweder  gar
kein  Lehrgeld,  oder  ein  Lehrgeld  von  weniger  als
50  Thaler  ausbedungen,  für  jedes  Eremplar

Leibrentenverträge,  wodurch  Leibrenten  erkauft  oder
sonst  gegen  Uebernahme  von  Leistungen  oder  Verpflichtungen
  erworben  werden:  Eins  vom  Hundert
des  Kapitalwerths  der  Leibrente.

Lieferungsverträge,  wie  Kaufverträge,  .  diese.

(Nr.  6737.)

 

 

 

15
        <pb n="1387" />
        —  1210  —

 

zente.

—

 

34.

35.
36.
37.
38.

39.

40.
41.

 

Diejenigen,  welche  Lieferungen  von  Bedürfnissen
der  Regierung  oder  öffentlicher  Anstalten  übernehmen,
sind  verpflichtet,  den  vollen  Stempelbetrag  ausschließlich
zu  entrichten.

Mäkleratteste,  welche  vereidete  Mäkler  auf  den  Grund
ihrer  Bücher  den  Interessenten  zu  ihrer  Nachricht  ertheilen,
  bedürfen  keines  Stempels,  sofern  davon  kein
Gebrauch  von  einer  gerichtlichen  oder  polizeilichen
Behörde  gemacht  wird.

Wo  dagegen  ein  solcher  Gebrauch  stattfindet,  ist
dazu  ein  Stempel  ddn  .  .  ..  ..  ..  .  .  ..
anzuwenden.

Es  ist  gestattet,  diesen  auch  nachträglich  zu  dem
Mäkleratteste  beizubringen,  wenn  dasselbe  ursprünglich
ohne  Rücksicht  auf  solchen  Gebrauch,  mithin  ohne
Stempel),  ausgestellt  worden.  -

MajorennitätsiErklärungen....................

Miethsverträge,  s.  Pachtverträge.

Mortifikationsscheine  ...  .  .  ..  .  .  ..  ..  .  .  .  .  ..  .  ..  .  .  .  ..

Notariats-Instrumente,  welche  die  Stelle  einer  in
diesem  Tarife  besteuerten  Verhandlung  vertreten,
1  B.  einer  Quittung,  wie  diese  (s.  auch  F.  10.

er  Verordnung)),  mindestens  aber  in  allen  Fällen

Im  Uebrigen  bewendet  es  wegen  der  Stempelflichtigkeit
  der  Notariats-Instrumente  bei  den  be-Regemnen
  Vorschriften.

Noten  der  Kaufleute  über  abgemachte  Wechsel=  und
Geldgeschäfte,  welche  nur  als  Belag  über  die  gezahlte
Valuta  dienen,  bedürfen  keines  Stempels.

Obligationen,  s(.  Schuldverschreibungen.

Pacht=  und  Miethsverträge  von  dem  ganzen  Betrage
  der  durch  dieselbe  bestimmten  Pacht  oder  Miethe:
ein  Drittheil  Prozent.

Wenn  dieselben  über  ein  im  Auslande  belegenes
Grundstück  geschlossen  werden,  ist  nur  ein  Stempel

 

 

 

15

15
        <pb n="1388" />
        —  1211  —

 

zente.

 

Verträge  über  Afterpacht  oder  Aftermiethe  werden
wie  Pacht=  und  Miethsverträge  überhaupt  besteuert.

Bei  Verträgen  über  Pacht  und  Miethe  ist  der
Werth  des  stempelpflichtigen  Gegenstandes  nach  folgenden
  Grundsätzen  zu  berechnen:

a)  Alles  was  der  Pächter  vertragsmäßig  dem  Verpächter
  selbst,  oder  einem  Dritten  für  Rechnung
des  Verpächters  wegen  erhaltener  Pacht  zahlt,
lesert  oder  leistet,  muß  dem  ausbedungenen  Wcht.
gelde  zugerechnet  werden,  und  bildet  mit  demselben
usammengenommen  den  stempelpflichtigen  Betrag
der  Verpachtung.  Naturalien,  welche  sich  hierunter
befinden,  sind  nach  den  Durchschnitts-Marktpreisen
zu  Gelde  zu  berechnen.  Naturaldienste  sind  mit
dem  gewöhnlichen  Lohnsatze,  welchen  ähnliche  Dienste
im  freien  Verding  in  der  Gegend  haben,  anzuschlagen.


b)  Beständige  Hebungen,  welche  der  Pächter  bloß  für
Rcchnung  des  Verpachters  einzieht,  gehören  dagegen
nicht  zu  der  stempelpflichtigen  Pachtsumme.

e)  Bei  Abschluß  der  Pacht=  und  Miethsverträge  wird
der  Stempel  auf  einmal  für  den  Betrag  alles
dessen  erhoben,  was  während  der  Dauer  des  ganzen
Vertrages  zusammengenommen  an  Pacht  und
Miethe  zu  zahlen  ist.

d)  Schriftliche  Verlängerungen  der  Pacht-  und  Miethsverträge
  sind  ohne  Unterschied  gleich  neuen  Verträgen
  stempelpflichtig.

e)  Enthalten  Pacht,  oder  Miethsverträge  die  Bedingung,
  daß  die  Pacht  oder  Miethe  Puschweigend
ur  verlängert  auf  gewisse  Zeit  angesehen  werden
solle,  sobald  und  so  oft  innerhalb  eines  gewissen
Termins  nicht  gekündigt  wird,  so  sind  die  Verlängerungen,
  welche  hiernach  wirklich  eintreten,  den
scnrsttichen  auch  in  Rücksicht  der  Stempelpflichtigkeit
9  t  achten  und  ist  der  Stempel  dazu  besonders
zu  lösen.

 

 

(Nr.  6737.)
        <pb n="1389" />
        —  1212  —

 

Pro--zente.



*

 

4.
43.
44.

46.

47.

48.

 

s)  Pacht·  und  Miethsverträge,  welche  bloß  auf
Kündigung  oder  überhaupt  auf  unbestimmte  Zeit
ge  worden,  sind  bei  Berechnung  des

tempels  so  anzusehen,  als  ob  sie  für  ländliche
Grundstücke  auf  drei  Jahre,  für  andere  Gegenstände
  auf  Ein  Jahr  geschlossen  wären.

Pfandbriefe,  s.  Schuldverschreibungen.
Polizen,  (.  Assekuranzpolizen.

Prolongationen  von  Pacht=  und  Miethsverträgen,

wie  neue  Verträge  dieser  Art  für  die  Dauer  der
Prolongation,  s.  Pachtverträge.

Proteettee  ..  .....  .  ..  .  ...

Protokolle  in  Privatangelegenheiten  vor  einem  Notar
oder  einem  mit  richterlichen  oder  polizeilichen  Verrichtungen
  oder  mit  Verwaltung  öffentlicher  allgemeiner
Abgaben  beauftragten  Staats-  oder  Kommunalbeam.
ten  oder  einer  dergleichen  Behörde  aufgenommen,
welche  die  Stelle  einer  im  Legemwärtigen  Tarife  besteuerten
  Verhandlung  (z.  B.  einer  Quittung)  vertreten
  —  wie  diese  —  mindestens  aben  .  .

In  denjenigen  Landestheilen,  wo  für  Viehbend
  elsprotokolle  Stempelfreiheit  gewährt  ist,
leiben  dieselben  auch  ferner  vom  Stempel  befreit.

Im  Uebrigen  bewendet  es  wegen  der  Stempelpflichtigkeit
  der  Protokolle  bei  den  bestehenden  Vorschriften.


Punktationen  über  einen  zu  errichtenden  Vertrag,
welche  die  Kraft  eines  Vertrages  haben  und  demnach
eine  Klage  auf  Erfüllung  begründen,  sind  wie  Verträge
  über  denselben  Gegenstand,  und  zwar  auch  dann
zu  besteuern,  wenn  darin  die  Ausfertigung  einer  förmlichen
  Vertragsurkunde  vorbehalten  ist,  s.  Verträge.

Quittungen  über  geleistete  Sahlungen,  sofern  dieselben
  zum  Rechnungsbelage  bei  Ablegung  der  Rechnung
  vor  einer  öffentlichen  Behörde  dienen,  ein
Zwölftheil  Prozent  des  Betrages,  worüber  guittirt
wird.

7/  1

 

 

 

15

15
        <pb n="1390" />
        —  1213  —

 

Pro-–—/#
  zente.

 

Dieselbe  Stempelabgabe  ist  auch  von  Quittun
gen  ohne  Unterschied  des  Zwecks  zu  erlegen,  wenn
dieselben  vor  einem  Notar,  oder  einem  mit  richterlichen
  oder  polizeilichen  Verrichtungen,  oder  mit  Verwaltung
  allgemeiner  Abgaben  beauftragten  Staatsoder
  Kommunalbeamten  amtlich  aufgenommen,  oder
anerkannt  worden.

Wenn  eine  Quittung  erst  durch  nachfolgende
Verhandlungen  stempelp  chtig  wird,  so  darf  der
Stempel  dazu  auch  erst  bei  Eintritt  dieser  Verhandlungen
  nachgebracht  werden.

Wird  in  einer  Verhandlung,  welche  tarifmäßig
anderweitig  einem  gleichen  oder  höheren  Stempel  vom
Betrage  des  Gegenstandes  unterliegt,  zugleich  über
den  Empfang  dieses  Betrages  oder  eines  Kheils  des.
selben  quittirt,  so  ist  ein  besonderer  Quittungsstempel
  deshalb  nicht  zu  entrichten.  Auch  bedarf  es  keines
besonderen  Quittungsstempels,  wenn  zwar  nicht  in
einer  solchen  Verhandlung  selbst,  aber  nachträglich
unmittelbar  darunter  quittirt  wird.

Es  bedarf  ferner  keines  Quittungsstempels  zu
Interimsquittungen  auf  Partialzahlungen,  welche
bestimmt  find,  gegen  eine  Hauptquittung  über  den
ganzen  Betrag  ausgetauscht  zu  werden.

Ueberdies  sind  von  dem  Qutttungsstempel  frei
alle  Quittungen  über  folgende  Zahlungen:

a)  Rückzahlung  der  von  öffentlichen  Kassen  irrthümlich
  erhobenen  Gelder;

b)  Rückzahlung  der  für  öffentliche  Anstalten  gemachten
  baaren  Auslagen,  sofern  dafür  keine  Zinsen
oder  andere  Vortzell,  augerrchue  werden;

J%)  Reisekosten  in  Dienstangelegenheiten  und  unffxirte
Diäten  aus  öffentlichen  Kassen;

d)  Gehalt  und  Diensteinkommen  der  im  Felde  stehenden,
  oder  Dienstes  wegen  im  Auslande  befindlichen
Angestellten;

e)  Armengelder,  Remissionen  und  Unterstützungen
aus  öffentlichen  Mitteln;

 

 

Jehrgang  1867.  (Nr.  6787.)  159
        <pb n="1391" />
        —  1214  —

 

zente.

 

49.

50.
51.
52.

53.

 

desgleichen

f)  Quittungen,  welche  Inhaber  von  verloosken  Staatsschuldscheinen
  bei  Auszahlung  der  Valuta  darüber
ze  die  Staatsschulden-Tilgungskasse  auszustellen
aben.

Der  Quittungsstempel  von  Besoldungen,  Wartegeldern,
  Pensionen  und  andern  periodischen  Hebungen
aus  öffentlichen  Kassen  wird  in  der  Regel  nach  dem
jährlichen  Betrage  der  Zahlungen  berechnet.

Militairpersonen  zahlen  jedoch  den  Quittungsstempel
  von  ihren  Besoldungen,  Wartegeldern,  Pensionen
  und  andern  Dienstemolumenten  nur  nach  dem
monatlichen  Betrage  der  Zahlungen.

Naturalien,  wcche  als  Besoldungstheile  oder
Dienstemolumente  emp  ungen  werden,  kommen  nach
einem  verhältnißmäßigen  Anschlage  bei  Bestimmung
des  Quittungsstempels  in  Anrechnung.

Quittirte  Rechnungen  sind  insofern  wie  Quittungen
zu  besteuern,  als  sie  die  Stelle  stempelpflichtiger  Ouittungen
  vertreten.

Registraturen,  wenn  sie  die  Stelle  der  Protokolle
vertreten,  wie  diese.

Schenkungen,  s.  Donationen.
Schlußzettel  der  Mäkler,  wie  Mäkleratteste,  s.  diese.

Schuldverschreibungen,  hypothekarische,  Pfandbriefe
und  persönliche  jeder  Art,  ein  JZwölftheil  Prozent  des
Kapitalbetrages,  auf  welchen  die  Verschreibung  lautet.

Die  Verschreibungen  der  Sparkassen  (Qulttungsbücher,
  Sparkassenbücher)  über  Einlagen  von  fungig
Thaler  oder  mehr  sind  stempelfrei.

Tauschverträge,  wie  Kaufverträge,  s.  diese.
BeiTäuschverträgen  wird  der  Stempelsatz  nur  nach
dem  Werthe  des  einen  der  beiden  vertauschten  Gegenstände
  und  zwar  nach  demjenigen,  wofür  der  höchste
Werth  zu  ermitteln  ist,  berechnet.

 

½X
        <pb n="1392" />
        –  1915  —

 

 

5

*

b)

 

(Fr.  6737.)

54.  2  und  —  sowohl  schriflliche  als  mündlich
zu  Protokoll  erklässntte

Uebertragsverträge  zwischen  Aszendenten  und  Deszendenten.


a)  Lästige  Verträge,  durch  welche  Immobillen  allein

oder  im  Zusammenhange  mit  anderem  Vermögen
von  Aszendenten  auf  Des  wenee  übertragen
werden,  kaeiichh  dem  *  lichen  Kaufstempel.
Es  fommen  jedoch  für  die  Feüteh  ung  des  stempelpflichtigen
  Erwerbspreises  folgen  e  von  dem  Erwerber
  übernommene  Verpflichtungen  und  Gegenleistungen
  nicht  in  Anrechnung:

1)  die  von  dem  Erwerber  übernommenen  Schulden
des  Uebertragenden,  sowie  die  auf  den  überenen
  Vermgensftücken  haftenden  beständigen

—5*  und  Abgaben;
2)  ð  zu  Gunsten  des  Uebertragenden  und  dessen
Ehhatten  in  dem  Vertrage  festgesetzte  AMltentheil,
  die  denselben  S—  ngen,
Liibrenten  und  sonstigen  l  lä  en  Geldoder

  Naturalprästationen,  sowie  ie  vnselben

zugesicherten  ente;
3)  die  Abfindungen,  Alimente  und  Erziehungsgeer,
  welche  der  Erwerber  nach  Inhalt  des
ertrages  an  andere  Deszendenten  des  Uebertragenden
  zu  entrichten  hat;  endlich
4)  derem  e  Theil  des  Erwerbspreises,  welcher
ei  Ubernehmer  als  sei  unand  eicha
en  ir  ist.

H#e  die  von  dem  Erwerber  übermommenen

egmleistm  #ungen  lediglich  in  “  zu  #a.  Nr.  1.
4#6#  4.  einsch  xt5
bestehen,  so  ist

159-au

  i
Lebenden  g  *  —  vom
Kaufstempel
        <pb n="1393" />
        —  1216  —

 

Prozente.



 

56.

 

e)

Wenn  in  einem  solchen  Vertrage  dem  Uebernehmer
Abfindungen,  Alimente  oder  Erziehungsgelder  für
andere  Deszendenten  des  Uebertragenden  auferlegt
sind  (unter  a.  Nr.  3.),  und  der  Kapitalwerth  dieser
  Zuwendungen  zusammengenommen  wenigstens
50  Thaler  beträgt,  so  ist  zu  dem  Vertrage,  abesehen
  von  dem  (nach  a.)  etwa  erforderlichen
aufstempel  ein  Rezeßstempel  von  15  Sgr.  resp.
2  Thalern  (s.  Position:  Erbrezesse)  zu  verwenden.

Vergleiche  schriftliche,  gerichtliche  und  außergerichtliche,
wie  Verträge,  .  diese.

nä

Bei  Anwendung  dieser  Vorschrift  treten  folgende
here  Bestimmungen  ein:

a)  Ist  der  E  über  ein  Geschäft  abgeschlossen

b)

worden,  welches  bloß  mündlich  oder  durch  Korrespondenz
  oder  in  einer  anderen,  die  Stempelverwendung
  nicht  bedingenden  Form  zu  Stande
gekommen  ist,  und  hätte  für  dieses  Geschäft,  wenn
darüber  eine  schriftliche  Verhandlung  aufgenommen
wäre,  ein  höherer,  als  der  bei  Verträgen  im  Allgemeinen
  stattfindende  Stempel  entrichtet  werden
müssen,  so  ist  zu  dem  Vergleiche,  insofern  dadurch
das  Geschäft  im.  Wesentlichen  aufrecht  erhalten
wird,  dieser  höhere  Stempel  zu  verwenden.

Wird  durch  den  Vergleich  zugleich  ein  anderweitiges
  Rechtsgeschäft  begründet,  welches,  wenn  es
nicht  in  Vergleichsform  zu  Stande  gekommen
wäre,  einem  höheren,  als  dem  bei  Verträgen  im
Allgemeinen  vorgeschriebenen  Stempel  unterworfen
  sein  würde,  tritt  bei  dem  Vergleiche  deeler
höhere  Stempel  ein.  Insonderheit  ist,  wenn  für  die
streitigen  Ansprüche  als  Gegenleisung  das  Eigenthum
  einer  Sache  abgetreten,  ein  Erbzins-,  ein

bpachts-,  ein  Pakt.  oder  Miethsrecht  eingeräumt,
  eine  Leibrente  versprochen  wird  u.  s.  w.,
zu  dem  Vergleiche  der  für  Kauf.,  Erbzins-,  Erbpachts.,
  Pacht-  oder  Mieths-,  Leibrenten-  2.  Ver-
        <pb n="1394" />
        —  1217  —

 

W-Pro-





2

 

57.

 

träge  bestimmte  Stempel,  sofern  er  höher  ist,  als
der  allgemeine  Vertragsstempel,  zu  verwenden,
und  bei  Festsetzung  desselben  der  Werth  der  wEien.
leistung  zum  Grunde  zu  legen.  In  gleicher  Art
findet,  wenn  zur  Sicherstellung  der  Vergleichssumme
  eine  Hypothek  bestellt  wird,  der  für  hypothekarische
  Schuldverschreibungen  vorgeschriebene
Stempel  Anwendung.  Dagegen  muß)  wenn  ein
Dritter,  welcher  zu  den  ursprünglichen  Kontrahenten
  nicht  gehört,  in  der  über  den  Vergleich
aufgenommenen  Verhandlung  stempelpflichtige  Erklärungen
  abgiebt,  z.  B.  eine  Bünsschaft  übernimmt,
  der  dazu  erforderliche  Stempel  neben  dem
zu  dem  Vergleich  beizubringenden  unbedingt  verwendet
  werden.  «

In  Ansehung  der  Stempelpflichtigkeit  gerichtlicher
  Vergleiche  l#er  rechtshängige  Suger  Weihe
es  bei  den  bestehenden  Vorschriften)  sollte  jedoch  nach
denselben  ein  geringerer  Stempel  eintreten,  als  nach
den  unter  a.  und  b.  getroffenen  Bestimmungen  erforderlich
  ist,  so  muß  dieser  höhere  Stempel  entrichtet
werden.

Insoweit  für  Vergleichsverhandlungen  der  Gerichte
  Stempelfreiheit  bewilligt  ist,  darf  dieselbe  nicht
dazu  dienen,  den  Parteien  9  elfreie  Dokumente
über  an  sich  stempelpflichtige  Geschäfte  zu  verschaffen.
Sie  findet  dher  in  den  vorstehend  unter  a.  und  b.
erwähnten  Fällen  keine  Anwendung,  dergestalt,  daß
wenn  nach  den  daselbst  getroffenen  Bestimmungen
auch  kein  höherer  als  der  allgemeine  Vertragsstempel
begründet  sein  würde,  dennoch  dieser  letztere  zu  dem
Vergleiche  verwendet  werden  muß.

Verträge,  sofern  für  einzelne  Gattungen  derselben
nicht  ein  durch  diesen  Tarif  besonders  bestimmter
  Stempel  zu  entrichten  it  ....

S.  Adoptions-,  Ehe-,  Erbfolge-,  Erbpachts.,
Erbzins-,  Kauf-,  Lehr-,  Leibrenten-,  Pacht=  und
Mieths-,  auch  Tauschverträge  u.  s.  w.

(Nr.  6737.)

 

 

 

15
        <pb n="1395" />
        —  1218  —

 

W  zente.
,  —.

 

58.Vollmachen  ..  ..  .  .  .  ..  15

Die  Genchmigung  der  gerichtlichen  Verhandlungen
  eines  mit  keiner  Vollmacht  versehenen  Anwaltes
durch  die  Partei  ist  mit  dem  zu  einer  Vollmacht  erforderlichen
  Stempel  zu  versehen,  sofern  dieselbe  an
die  Stelle  einer  Vollmacht  tritt.

Zu  den  gerichtlichen  oder  notariellen  Beglaubigungen
  bei  Vollmachten  wird  ein  besonderer  Stempel
von............·..·...............·.............  .  .15
genommen.

 

 

 

 

Gegeben  Ems,  den  19.  Juli  1867.
(#.  §.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

(Xr.  6738.
        <pb n="1396" />
        (No.  6738.)  Convention  additionnelle  à  la
convefftion  entre  la  Pruesse  et
les  Pxy##-  Bas  rektive  à  l'extradition
  de  malfaiteurs,  signé
le  17  Novembre  1850.  D#
20  Juin  1867.

I  Majesté  Je  Roi  de  Prusse  et  Sa
Majeste  le  Roi  des  Pays-Bas,  ayunt
jugé  utile  de  comprendre  au  nombre
des  crimes  et  délits  mentionnés  à
Tart.  2  de  la  conwention  du  17  Novembre
  1850  le  delit  Tescroquerie,
et  de  conclure  dans  ce  but  une  convention
  additionnelle,  ont  muni  à
cet  effet  de  leurs  pleins  pouvoirs,
savoir:

Sa  Majesté  le  Roi  de  Prusse:i

le  Sieur  Bernard  König.
Son  Conseiller  intime  de
Légation,  et

Sa  Majesté  le  Roi  des  Pays-Bas:


le  Sieur  Charles  Malcolm

Ernest  George  Comte

de  Bylandt,  Son  Chambellan

  et  Son  Envoyé  Extraordinaire

  et  Ministre  Pléniotentiaire

  auprès  de  Sa

ajestẽ  le  Roi  de  Prusse,

lesquels  après  s'’étre  communiqués

leurs  pleins  pouvoirs,  trouvés  en

bonne  et  düe  forme  sont  convenus
des  articles  suivants:

Article  1.
Aux  crimes  et  deélits  mentionnés
à  I’art.  2  de  la  convention  du  17  Novembre
  1850  est  ajouté:
9)  escroquerie.
(Nr.  6738.)

1219

(Nr.  6738.)  Uebersetzung.  Zusatzvertrag  zu
dem  zwischen  Preußen  und  den
Niederlanden  wegen  gegenseitiger
Auslieferung  fluchtiger  Verbrecher
abgeschlossenen  Vertraze  vom
17.  November  1850.  (Geseßz
Samml.  für  1850.  S.  509.  ff.).
Vom  20.  Juni  1867.

Seine  Majestät  der  König  von  Preußen
und  Seine  Mcjestät  der  König  der  Niederlande
  haben  für  nützlich  befunden,  unter
den  im  Artikel  2.  des  Vertrages  vom
17.  November  1850.  erwähnten  Verbrechen
  und  Vergehen  auch  das  Vergehen
des  Betruges  zu  begreifen  und  zu  diesem
Behufe  einen  Husasenir  abzuschließen;
Allerhöchstdieselben  goe  zu  diesem  Zwecke
mit  Vollmacht  versehen,  und  zwar:

Seine  Majestät  der  König  von
Preußen:
Allerhöchstihren  Geheimen  Legationsrath
  Bernhard  König,
un

Seine  Majestät  der  König  der
Niederlande:

Allerhöchstihren  Kammerherrn,
außerordentlichen  Gesandten
und  bevollmächtigten  Minister
am  Hofe  Seiner  Majestät  des
Königs  von  Preußen  Carl
Malcolm  Ernst  Georg  Grafen
  v.  Bylandt,

welche  nach  vorheriger  Mittheilung  ihrer
in  guter  und  gehöriger  Form  befundenen
Vollmachten  über  folgende  Artikel  übereingekommen
  sind:

Artikel  1.

Den  im  Artikel  2.  der  Konvention
vom  17.  November  1850.  erwähnten
Verbrechen  und  Vergehen  tritt  hinzu:

9)  Betrug.
        <pb n="1397" />
        —  1220  —

Article  2.

La  présente  convention  additionnelle
  sera  publiée  dans  les  deux
pays  aussitöt  après  Prchenge  des
ratifications  qui  aura  lieu  dans  le
délai  de  quatre  semaines,  ou  plus
töt  si  faire  se  peut.  Elle  sera  mise
een  vigueur  dix  jours  après  celui  de
la  publication.

lle  aura  la  meéme  durée  due  la
convention  du  17  Novembre  1850,
à  laquelle  elle  se  rapporte,  et  les
deux  conventions  seront  censces
dénoncées  simultanément  si  la  convention
  du  17  Novembre  1850
venait  à  étre  dénoncée  par  Tune
ou  PTautre  des  hautes  parties  contractantes.


En  foi  de  qduoi  les  Plénipotentiaires
  respectifs  Tont  signée  ct  y
ont  appose  le  cachet  de  leurs  armes.

Fait  à  Berlin  le  20  Juin  1867.

B.  König.
#.  8.)

C.  de  Bylandt.
(L.  S.)

Artikel  2.

Gegenwärtiger  Zusatzvertrag  soll  in
den  beiderseitigen  Ländern  a#n  nach
Auswechselungder  Ratifikations-Urkunden,
welche  binnen  vier  Wochen  oder  wo
möglich  früher  erfolgen  wird,  veröfent
licht  werden.  Dorfide  soll  zehn  Tage
nach  dem  Tage  der  Veröffentlichung  im
Kraft  treten.

soll  dieselbe  Dauer  haben,  wie
der  Vertrag  vom  17.  November  1850.,
auf  welchen  er  sich  bezieht,  und  beide
Verträge  sollen  für  gleichzeitig  ausgekün.
digt  erachtet  werden,  wenn  der  Vertrag
vom  17.  November  1850.  von  einem
der  beiden  Hohen  vertragenden  Theile
aufgekündigt  werden  sollte.

Zu  Urkund  dessen  haben  die  betreffenden
  Bevollmächtigten  denselben  unterzeichnet
  und  ihm  ihre  Siegel  beigedrückt.

Geschehen  zu  Berlin,  den  20.  Juni
1867.

B.  König.
(L.  S.)

C.  de  Bylandt.
(L.  S.)

Der  vorstehende  Vertrag  ist  ratifizirt  worden  und  hat  die  Auswechselung
der  Ratifikations-Urkunden  hierselbst  stattgefunden.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1398" />
        —  1221  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  70.—

 

(Nr.  6739.)  Konzessions--  und  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  den  Bau  und  Betrieb  einer
Eisenbahn  von  Berlin  über  Rathenow  und  Gardelegen  nach  Lehrte  mit
einer  Zweigbahn  in  der  Altmark  über  Salzwedel  nach  Uelzen,  durch  die
Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngesellschaft,  und  einen  Nachtrag  zum
Statut  der  letzteren.  Vom  12.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.
Nachdem  die  Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngesellschaft  in  der  Generalversammlung
  ihrer  Aktnamrr  #on  18.  März  4
a)  den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von  Berlin  über  Rathenow  und
Gardelegen  nach  Lehrte,  und
b)  den  Bau  und  Betrieb  einer  Jweig-Eisenbahn  aus  der  Berlin-CLehrter  Bahn
in  der  Altmark  über  Salzwedel  nach  Uelzen,
beide  im  Mushhlusse  an  ihre  Magdeburg-Wittenbergesche  Eisenbahn,  beschlossen  bro
wollen  Wir  in  Anerkennung  der  Vortheile,  welche  diese  Bahnen  für  die  Verkehrsund
  allgemeinen  Landesinteressen  bieten,  der  Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngesellschaft
  zu  dieser  Erweiterung  ihres  Unternehmens  unter  den,  in  dem  beigefügten,
von  Uns  hierdurch  bestätigten  Statutnachtrage  enthaltenen  Bedingungen  die  landesherrliche
  Genehmigung  Frbheilen.
Zugleich  bestimmen  Wir,  daß  die  in  dem  Gesets  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen
  vom  3.  November  1838.  ergangenen  Vorschriften,  betreffend  das
Expropriationsrecht  und  das  Recht  zur  vorübergehenden  Wes  fremder
Grundstücke,  auf  die  in  Rede  stehenden  Eisenbahnen  Anwendung  finden  sollen.
Die  gegenwärtige  Urkunde  ist  nebst  dem  Statutnachtrage  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zu  veröfenklihen.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
egeben  Paris,  den  12.  Juni  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Für  den  abwesenden
Mmister  für  Handel  2c.

v.  Selchow.  Gr.  zur  Lippe.
Johrgang  1867.  (Nr.  6739.)  160  Sie-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  3.  August  1867.
        <pb n="1399" />
        —  1222  —

Siebenter  Nachtrag

zu  dem

Statut  der  Magdeburg  Halberstädter  Eisenbahngesellschaft.

K.  1.

Das  Unternehmen  der  Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngesellschaft  wird
ausgedehnt:

a)  auf  den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von  Berlin  über  Rathenow
und  Gardelogen  nach  Lehrte,

b)  auf  den  Bau  und  Betrieb  einer  Zweig-Eisenbahn  aus  der  Berlin-Lehrter
Bahn  in  der  Altmark  über  Salzwedel  nach  Uelzen,

beide  im  Anschlusse  an  ihre  Magdeburg-Wittenbergesche  Eisenbahn.

Die  spezielle  Richtung  der  vorbezeichneten  Bahnen  wird  von  dem  Königlichen
  Handelsministerium  festgestellt;  Abweichungen  von  dem  festgestellten  Bauplane
bedürfen  der  besonderen  Genehmigung  desselben.

.  2.

Beide  Bahnen  werden  für  ein  Doppelgeleise  eingerichtet,  jedoch  die  F.  1.
sub  b.  gedachte  Zwei  ben  vorläufig  nur  mit  Einem  hienenzeless  versehen.

Die  Gesell  cha  ist  verpflichtet,  die  Hauptbahn  von  Berlin  nach  Lehrte
spätestens  in  drei  Jahren,  von  der  Ertheilung  der  Konzession  ab  angerechnet,  fertig
herzustellen  und  in  Betrieb  zu  setzen.

Nach  vorgängiger  Vernehmung  der  Gesellschaft  bestimmt  der  Herr  Handelsminister
  die  Fristen,  innerhalb  welcher  die  Anlage  der  Zweigbahn  zum  Anschluß
an  die  Lehrte-Harburger  Staats-Eisenbahn  fortschreiten  und  spätestens  gleichzeitig
mit  der  Iberriebschung.  einer  Eisenbahnbrücke  von  Harburg  nach  Hamburg
vollendet  werden  soll.  Dabei  bleibt  dem  Handelsminister  ausdrücklich  das  Recht
vorbehalten,  für  einzelne  Strecken  der  Zweigbahn,  namentlich  für  die  Strecke
Salzwedel-Stendal,  schon  vor  Inbetriebsetzung  der  Eisenbahnbrücke  von  Harburg
nach  Hamburg  Bauvollendung  und  Betriebseröffnung  zu  verlangen.

F.  3.

Die  Gesellschaft  kann  mit  Henehmigung  des  Handelsministers  zur  Aufbewahrung
  der  Güter  auf  ihren  Bahnhöfen  oder  in  Verbindung  mit  demselben
die  erforderlichen  Lagerräume  errichten  und  über  die  in  Verwahr  genommene

üter
        <pb n="1400" />
        —  1223  —

Güter  Lagerscheine  ausstellen,  auch  Einrichtung  zur  Beförderung  der  Personen
und  Güter  von  und  nach  den  Stationsplätzen  Sehenen.

KG.  4.

Für  die  neu  zu  erbauenden  Eisenbahnen  sind  die  Bestimmungen  der

6.  bis  13.  des  fünften  Nachtrages  um  Statute  der  Magdeburg-Halberstädter

isenbahngesellschaft  vom  13.  April  1864.  (Gesetz  Samml.  für  1864.  S.  176.
und  177.)  gleichfalls  maaßgebend.

Es  sollen  jedoch  die  Sätze  der  ersten  Tarife  im  durchgehenden  Verkehre,
sowohl  für  den  Personen=  als  für  den  Güterverkehr,  aäne  Zustimmung  des  Direktorü
nicht  niedriger  gestellt  werden,  als  die  Ende  des  **xi-“  1866.  bestandenen  der
Berlin-Potsdam--Magdeburger  Eisenbahn,  resp.  im  uchgehenden  Verkehr  von
Berlin  nach  Uelzen  nicht  niedriger,  als  die  Ende  1866.  bestandenen  der  Berlin-Hamburger
  Eisenbahngesellschaft.

Dagegen  darf  die  Vagdeburg=  alberstädter  Eisenbahngesellschaft  auf  der
Bahnstrecke  schersleben  Mag  eburg,  soweit  das  Königliche  #orhchingren
es  verlangen  wird,  in  dem  durchgehenden  Verkehre  von  und  nach  der  Berlin-Potsdamer
  Eisenbahn  pro  Person  und  Meile  und  pro  Zentner  und  Meile  keine
#henn  Tarifantheile  in  Anspruch  nehmen,  als  sie  für  die  Bahnstrecke  Berlin-Lehrte
  im  durchgehenden  Verkehr  jeweilig  erheben  wird.

Für  den  Fall,  daß  von  einer  anderen  Gesellschaft  eine  Eisenbahnverbindun
von  Magdeburg  über  Gardelegen  nach  Salzwedel  hergestellt  werden  sollte,
außerdem  die  Magdeburg  Halberstädter  Eisenbahngesellschaft  verpflichtet,  soweit
  das  Königliche  Handelsministerium  es  im  Interesse  des  Verkehrs  für  erforderlich
  erachtet,  jederzeit  auf  dessen  Verlangen  für  den  Verkehr  mit  und  über
jene  Bahn  direkte  Eesttone  und  direkte  Tarife  zu  errichten,  auch  hierbei  insbesondere
  gegen  in  Ermangelung  gütlicher  Verständigung  vom  Handelsministerium
festzusetzende  Vergütungssätze  in  gegenseitiges  Durchgehen  der  Transportmittel  zu
willigen,  und  überdies  in  diesen  direkten  Tarifen  für  ihre  Vahnshece  Uelzen-Salzwedel
  pro  Person  und  Meile  und  pro  Zentner  und  Meile  keinen  höheren
Frachtantheil  anzusprechen,  als  sie  in  dem  gleichartigen  Verkehre  über  diese  Strecke
und  weiter  über  Stendal  von  und  nach  Magdeburg  und  darüber  hinaus  jeweilig
vereinnahmt.

Sofern  bis  zum  Schlusse  des  Jahres  1867.  die  landesherrliche  Konzession
zum  Bau  der  Bahn  von  Magdeburg  über  Gurdelegen  nach  Salzwedel  nicht  an
eine  andere  Gesellschaft  ertheilt  wird,  steht  alsdann  der  Magdeburg-Halberstädter
Eisenbahngesellschaft  im  Falle  der  Bewerbung  um  die  Konzession  auf  deren  Erlangung
  vor  anderen  Bewerbern  das  Vorrecht  zu.

E.  5.

Zur  Bestreitung  der  Kosten  der  Erweiterung  und  Ausrüstung  des  Unter-(r.
  S39.)  60“  neh-
        <pb n="1401" />
        —  1224  —

nehmens  wird  das  Grundkapital  der  Gesellschaft  um  die  Summe  von
21,400,000  Thaler  erhöht.
Hiervon  solooooon  6,800,000  Thaler  durch
Ausgabe  neuer  Stammektien,
14,600,000  Thaler  durch

Ausgabe  von  Prioritäts-Stammaktien  beschafft  werden.

KG.  6.

Die  neuen  Stammaktien  sind  den  Inhabern  der  jetzt  kursirenden  34,000  Stück
Stammaktien  zum  Parikurse  dergestalt  anzubieten,  daß  der  Besitzer  je  einer
Aktie  berechtigt  ist,  zwei  neue  zu  nehmen.

Die  Ausschreibung  der  Einzahlungen  auf  die  neuen  Aktien  steht  dem
Direktorium  zu,  darf  aber  erst  nach  erfolgter  Realisirung  von  14)571,400  Thaler
Prioritäts-Stammaktien  stattfinden.

Die  vom  Direktorio  ausgeschriebene  Einzahlung  des  Nominalbetrages  der
neuen  Aktien  muß  binnen  Jahresfrist  nach  erfolgter  lufforderung  in  den  durch
das  Gesellschaftsstatut  vorgeschoicbenen  öffentlichen  Blättern  unter  Einreichung  der
alten  Aktien  erfolgen.  Die  Aktionaire,  welche  dieser  Aufforderung  binnen  der
esetzten  Frist  nicht  nachkommen,  verlieren  ihr  Anrecht  auf  die  neuen  Stammaktien.
ie  dadurch  frei  werdenden  neuen  Aktien  werden  Rechnung  der  Gesellschaft
bestmöglichst  verkauft.  Die  neuen  Stammaktien  werden  bis  zum  Schlusse  des
Jahres  1870.  mit  fünf  vom  Hundert  pro  anno  aus  dem  Baufonds  verzinst.
"  Die  neuen  Aktien  werden  nach  dem  anliegenden  Schema  I.  unter  der
faksimilirten  Unterschrift  des  Vorsitzenden  und  der  wirklichen  Unterschrift  eines
Mitgliedes  des  Direktori#  ausgefertigt,  erhalten  die  fortlaufenden  Nummern
34000  bs  102,002.  und  n“*  Wizz  und  Talons  nach  den  Mustern
II.  un  .

Sie  nehmen  vom  1.  Januar  1871.  ab  gleich  den  alten  Stammaktien,
mit  welchen  sie  auch  im  Uebrigen  alsdann  gleiche  Rechte  haben  sollen,  an  den
aus  dem  Ueberschusse  des  Gesammt-Unternehmens  der  Magdeburg-Halberstädter
Eisenbahngesellschaft  sich  ergebenden  Jahresdividenden  Theil.

Zur  Unterscheidung  von  den  Prioritäts-Stammaktien  (Aktien  Littr.  B.)
sollen  sowohl  die  6,800,000  Thaler  neuen  Stammaktien,  als  auch  die  bereits
kursirenden  3,400,000  Thaler  alten  Stammaktien  fortan  als  Aktien  Littr.  A.
bezeichnet  werden.

S.  7.

Die  14,600,000  Thaler  Prioritäts-Stammaktien  werden  mit  der  Bezeichnung:
  „Prioritäts-Stammaktien“  (Aktien  Littr.  B.)  unter  fortlaufenden  Nummern
nach  dem  beiliegenden  Schema  IV.  unter  der  faksimilirten  Unterschrift  des  Vortzenden

  und  der  wirklichen  Unterschrift  eines  Mitgliedes  des  Direktorii  mit  Zinskupons

  bis  ult.  1870.),  von  da  ab  mit  Dividendenscheinen  und  Talons  nach  den
zangebogenen  Mustern  V.  VI.  und  VII.  ausgefertigt  und  nach  Bedarf  der  fortschreitenden
  Bahnbauten  ausgegeben,  und  während  der  Bauzeit  bis  zum  1.  Januar
        <pb n="1402" />
        —  1225  —

nuar  "  1.  aus  dem  Baufonds  mit  drei  und  einem  halben  Prozent  pro  anno
verzinst.

Vom  I.  Januar  1871.  ab  nehmen  dagegen  die  Prioritäts-Stammaktien
an  dem  aus  dem  Ueberschusse  des  Gesammt-Unternehmens  der  Magdeburg-Halberstädter
  Eisenbahngesellschaft  statutenmäßig  zur  Dividendenvertheilung  kommenden
  jährlichen  Reinertrage  Theil  und  zwar  in  dem  Verhältnisse,  daß  aus  diesem
Reinertrage  zunächst  die  Aktien  Littr.  B.  eine  Dividende  bis  drei  und  ein  halbes
Prozent  erhalten,  sodann  die  Aktien  Littr.  A.  eine  Dividende  bis  acht  und  ein
halbes  Prozent  bekommen  und  der  alsdann  noch  verbleibende  Ueberrest  zur  Hälfte
auf  die  Aktien  Littr.  B.  und  zur  Hälfte  auf  die  Aktien  Littr.  A.  vertheilt  wird.

S.  S.

Den  Inhabern  der  Aktien  Littr.  B.  stehen  im  Uebrigen  alle  Rechte  und
Pflichten  der  Gesellschaftsmitglieder  nach  Inhalt  der  Gesellschaftsstatuten  zu,  jedoch
mit  der  Maaßgabe,  daß  der  Besitz  von  drei  Aktien  Littr.  B.  dem  Besitzer  von
zwei  Aktien  Littr.  A.  gleichsteht.

K.  9.

Die  im  8.  XI.  Nr.  5.  des  sechsten  Nachtrages  des  Statuts  festgestellte
Befugniß  zur  Wahl  von  drei  Direktoren  auf  zwölf  Jahre  und  zur  Einräumung
von  ?  znengansruen  an  dieselben  wird  auf  die  Zahl  von  fünf  Direktoren
ausgedehnt,  welche  ihre  Thätigkeit  ausschließlich  der  Gesellschaft  unter  Ausschluß
von  gewerblichen  Nebengeschäften  oder  besoldeten  Nebenämtern  widmen.

(r.  ö799.)  Schema  I.
        <pb n="1403" />
        Schema  I.

100  Thaler  preußisch  äurant.
Aktie  Littr.  A.

Inhaber  dieser  Aktie  hat  an  die  Kasse  der  Magdeburg.Halberstädter  Eisenbahngesellschaft
  Einhundert  Thaler  Preußisch  Kurant  baar  eingezahlt  und  nimmt
nach  Höhe  dieses  Betrages  und  in  Gemäßheit  des  am  14.  ##ar  1872.  von
Seiner  Majestät  dem  Könige  von  Preußen  bestätigten  Gesellschaftsstatuts  vom
13.  September  1841.),  sowie  der  Allerhöchst  unterm  13.  April  1864.  und
E  1867.  bestätigten  fünften  und  siebenten  Nachträge  zu  diesem
Statute  verhältnißmäßigen  Theil  an  dem  gesammten  Eigenthum,  Gewinn  und
Verlust  der  Gesellschaft.

Magdeburg,  den  ..  ten  ..  ..  .  .  ..  18..
Magdeburg-Halberstaͤdter  Eisenbahngesellschaft.
(#.  S.)  JN.  N.  N.  N.
Direktoren.
Schema  II.
Aktie  Littr.  A.H..  Dividendenschein  M  ..  .  .  .

Verwaltungsjahr  18..

Inhaber  di  Scheines  erhält  &amp;amp;  en  dessen  Rückgabe  aus  der  Lase  der
Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngese  chaft  diejenige  Dividende  ausge  9  t,  die
von  dem  Reinertrage  des  Verwaltungsjahres  18..  auf  die  Aktie  Aß  ....  en  und
deren  Betrag  nebst  der  Verfallzeit  vom  Direktorium  statutenmäßig  bekannt  gemacht
  werden  wird.

Magdeburg,  den  19nn  18.
Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngesellschaft.
—  N.  N.

Direktoren.

Schema  III.
        <pb n="1404" />
        —  1227  —
Schema  III.

Dalon

zu  der

Aktie  Littr.  A.
der  Magdeburg  -Halberstädter  Eisenbahngesellschaft

ber  empfängt  gegen  diesen  Talon  zu  der  Aktie  der  Magdeburg-Halberstädter
  Iienbahngesellichaf  —  ...  die  .  .  e  Serie  Diwidendenscheine  auf  die
Jahre  18.  bis  18..  sofern  dagegen  Seitens  des  als  solchen  legitimirten  Inhabers
der  Aktie  bei  dem  Gesellschaftsdirektorium  vorher  kein  schriftlicher  Widerspruch
eingegangen  ist.

Magdeburg,  den  ..  ten  .  .  .  ..  18..
Direktorium  der  Magdeburg  Halberstädter  Eisenbahngesellschaft.

Schema  IV.

100  Thaler  in  preußisch  urant.

Prioritäts-Stammaktie  (Aktie  Littr.  B.)
der  Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngesellschaft.

Inhaber  dieser  Aktie  ist  bei  dem  Unternehmen  der  Magdeburg-Halberstädter
Eisenbahngesellschaft  mit  Einhundert  Thalern  Preußisch  Kurant  betheiligt  und
nimmt  nach  Höhe  dieses  Betrages  und  in  Gemäßheit  des  am  14.  Januar  1842.
von  Seiner  Majestät  dem  Könige  von  Preußen  bestätigten  Statuts,  sowie  des
Allerhöchst  unterm  #1HHH  1867.  bestätigten  siebenten  Nachtrages
zu  diesem  Statute  verhältrißmäßigen  Theil  an  dem  gesammten  Eigenthum,  Gewinn
  und  Verlust  der  Gesellschaft.

Magdeburg,  dennn  .  18.

Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngesellschaft.
#.  S.)  JN.  N.  N.  N.
Direktoren.

(Nr.  6739)  Schema  V.
        <pb n="1405" />
        Schema  V.
Zins-Kupon.
Aktie  Littr.  B.  M  .  ..  ..
Jahr  18.

Inhaber  dieses  Scheines  erhält  gegen  dessen  Rückgabe  aus  der  Kasse  der
Magdeburg-Halberstädter  jimearndernsei  am  2.  Januar  18.  drei  und  einen
halben  Thaler  Zinsen  für  das  Jahr  18.

Magdeburg,  den  ..  ten  .  ..  .  .  .  ...  18..
Magdeburg-Halberstaädter  Eisenbahngesellschaft.
(I.  S.)  JN.  N.  N.  N.
Direktoren.
Schema  VI.
Aktie  Littr.  B.  .  ..  .  ..  Dividendenschein

Verwaltungsjahr  18.

Inhaber  dieses  Scheins  erhält  gergen  dessen  Rückgabe  aus  der  Kasse  der
Magdeburg,  Halberstädter  Eisenbahngesellschaft  diejenige  Oeidende  ausgezahlt,  die
von  dem  Reinertrage  des  Verwaltungsjahres  18.  auf  die  Aktie  ##..#  4  fallen
und  deren  Betrag  nebst  der  Verfalheil  vom  Direktorium  statutenmäßig  bekannt
gemacht  werden  wird.

Magdeburg,  dennn  .  .  .  ...  18..
Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngesellschaft.
(#.  S.)  JN.  J.  N.  N.
Direktoren.

Schema  VII.
        <pb n="1406" />
        —  1229  —
Schema  VII.

Talon

zu  der

Aktie  Littr.  B.
der  Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahngesellschaft

Inhaber  empfängt  gegen  diesen  Talon  zu  der  Aktie  der  Magdeburg-Halberstädter
  Eisenbahngesellschaft.“  ....die  .  Serie  Dividendenscheine  auf  die
Jahre  18.  bis  18..,  sofern  dagegen  Seitens  des  als  solchen  legitimirten  Inhabers
  der  Aktie  bei  dem  Ersellschafksdirektorium  vorher  kein  shhrißlicher  Widerspruch
  eingegangen  ist.

Magdeburg,  den  uH  .  ..  .  .  .  ..  18..

Direktorium  der  Magdeburg  Halberstädter  Eisenbahngesellschaft.

 

Jeahreng  1867.  (Nr.  6739—6740.  161  (Nr.  6740.)
        <pb n="1407" />
        —  1230  —

(Nr.  6740.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  3.  Juni  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
Vorrechte  an  die  Bürgermeisterei  Neustadt,  im  Kreise  Neuwied  des  Regierungsbezirks
  Coblenz,  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Chaussee
von  Neustadt  durch  das  Wiedbach-  resp.  Hammerbach-  und  Elsaffthal  bis
auf  die  Linz-Rottbitzer  Bezirksstraße  bei  Kretzenhaus.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  peuägen  Tage  den  chausseemäßigen
Ausbau  der  Straße  von  Neustadt,  im  Kreise  Neuwied  des  Regierungsbezirks
Coblenz,  durch  das  Wiedbach-  resp.  Hammerbach--  und  Elsaffthal  bis  auf  die
Linz-Rottbitzer  Bezirksstraße  bei  Kretzenhaus,  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch
  der  Bürgermeisterei  Neustadt,  und  zwar  auch  hinsichtlich  der  in  der  Bürgermeisterei
  Asbach  belegenen  Strecke  der  Straße,  das  Espropriationsrecht  für  die
u  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstucke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme
er  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die
Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  —  Zugleich
will  Ich  der  Bürgermeisterei  Neustadt  achen  Uebernahme  der  künftigen  chausse
mäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des  Ctaufsergel  es
nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden
Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen
über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen
Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen
angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife
vom  29.  Februar  1840.  augehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen
  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  3.  Juni  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe
und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6741.)
        <pb n="1408" />
        —  1231  —

(Nr.  6741.)  Statut  für  die  Wiesengenossenschaft  zu  Schmidthachenbach  im  Kreise  St.  Wendel.
Vom  5.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.

verordnen  Behufe  Verbesserung  der  in  der  Gemeinde  Schmidthachenbach  im  Kreise
St.  Wenbel  in  dem  Großbachthale  unterhalb  und  oberhalb  des  Dorfes  und  in
einigen  Seitenthälern  belegenen  Grundstücke,  nach  Anhörung  der  Betheiligten,  dem
Antrage  der  Mehrzahl  derselben  entsprechend,  auf  Grund  der  .  56.  57.  des
Gesches  vom  28.  Februar  1843.  (Gesetz=  Samml.  vom  Jahre  1843.  S.  ö1.)  und
des  Artikels  2.  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1853.  (Gesetz=  Samml.  vom  Jahre
1853.  S.  183.),  was  folgt:

KC.  1.

Die  Besitzer  der  in  der  Gemeinde  Schmidthachenbach  im  Großbachthale
oberhalb  und  unterhalb  des  Dorfes  und  in  einigen  Seitenthalern  belegenen  Grundstücke,
  wie  sie  in  dem  Katasterauszuge  vom  24.  Februar  1867  verzeichnet  sind,  werden
  zu  einem  Wiesenverbande  vereinigt,  um  den  Ertrag  ihrer  Frundstücke  durch
Ent-  und  Bewässerung  zu  erhöhen.

Der  Verband  hat  Korporationsrechte  und  sein  Domizil  bei  seinem  jedesmaligen
  Vorsteher,  und  führt  den  Namen  „Wiesengenossenschaft  zu
Schmidthachenbach“.

K.  2.

Die  Haupt-Be=  und  Entwässerungsgräben,  die  Wehre  und  Schützen,  die
Bachregulirungen,  überhaupt  alle  zur  vortheilhaften  Berieselung  der  Verbandwiesen
  erforderlichen  Anlagen  werden  auf  gemeinschaftliche  Kosten  des  Verbandes
çemacht  und  unterhalten  nach  einem  Plane,  welcher  durch  den  bestellten  Wiesenummeister
  anzufertigen  und  in  Streitfällen  von  der  Regierung  festzustellen  ist.

Die  Besaamung,  der  Umbau  und  die  sonstige  Unterhaltung  der  einzelnen
Wiesenparzellen  durch  Planirung,  Düngung  2c.  bleibt  den  Eigenthümern  überlassn,
  jedoch  sind  dieselben  gehalten,  dabei  den  Anordnungen  des  “3
im  Interesse  der  ganzen  Anlage  Folge  zu  leisten;  auch  können  sie  die  Ausfühumg
  der  ihnen  obliegenden  Arbeiten  dem  Wiesenwärter  des  Verbandes  für  ihre
Nechung  übertragen.

K.  3.

Die  Beiträge  zur  Anlegung  und  Unterhaltung  der  gemeinschaftlichen  Anlaßen
  neden  von  den  Genossen  nach  Verhältniß  ihrer  betheiligten  Flächen  aufgebracht.


Dr  Bürgermeister  setzt  die  Hebelisten  auf  Antrag  des  Wiesenvorstehers
fest  und  äßt  die  Beiträge  von  den  Säumigen  durch  administrative  Exekution  zur
Kommungckasse  einziehen.

Die  Anlagen  werden,  je  nach  der  Bestimmung  des  Vorstandes,  entweder
durch  Natualleistungen  der  Eigenthümer,  oder  in  Tagelohn  ausgeführt  unter

(Nr.  6741.)  161“  Lei-
        <pb n="1409" />
        —  1232  —

beitung  eines  Wiesenbaumeisters;  wo  es  indeß  zweckmäßig  ist,  kann  der  Vor-*
  ie  Arbeiten  auch  an  den  Mindestfordernden  verdingen.  Im  Falle  der

aturalleistung  ist  der  Wiesenvorsteher  befugt,  die  nicht  rechtzeitig  oder  nicht  gehörig
  ausgeführten  Arbeiten  nach  einmaliger  vergeblicher  Erinnerung  auf  Kosten
der  Säumigen  machen  und  die  Kosten  von  denselben  durch  Exekution  beitreiben
zu  lassen.  Eben  dazu  ist  der  Wiesenvorsteher  befugt  bei  Arbeiten,  welche  den  einzelnen
  Genossen  für  ihre  Grundstücke  obliegen  8  im  Interesse  der  ganzen  Anlage
  nicht  unterbleiben  dürfen.  Alle  baaren  Auslagen,  welche  die  neuen  Anlagen
resp.  die  Baukosten  derselben  erfordern,  werden  aus  dem  dazu  bereits  disponibel
gestellten  Gemeinde-Meliorationsfonds  vorab  bestritten.  Es  wird  hierbei  auf  den

Gemeinderathsbeschluß  vom  l--i-  hinsichtlich  des  zu  Meliorationszwecken
  der  Gemeindeverwaltung  zur  Dieposition  gestellten  Ueberschusses  Bezug
genommen.

F.  4.

Die  Anlegung  der  nöthigen  Gräben,  Wehre  2c.  muß  jeder  Wiesengenosse
ohne  Weiteres  F#ath  und  den  datu  erforderlichen  Grund  und  Boden  hergeben.
Soweit  ihm  der  Werth  nicht  durch  das  an  den  Dammböschungen  und  Uferrändern
wachsende  Gras  oder  andere  zufällige  Vortheile  ersetzt  werden  sollte,  ist  Entschädigung
  zu  gewähren.  Streitigkeiten  hierüber  werden,  mit  Ausschluß  des  Rechtsweges,
  schiedsrichterlich  entschieden  (F.  9.).

Die  Erwerbung  von  Grund  und  Boden,  welcher  nicht  Mitgliedern  des
Wiesenverbandes  gehört,  erfolgt  nach  den  Vorschriften  des  Gesetzes  vom  28.  Feruar

  .

§.5.

Die  Angelegenheiten  des  Wiesenverbandes  werden  geleitet  von  einem
Wiesenvorsteher  und  zwei  Wiesenschöffen,  welche  zusammen  den  Vorstand  bilden.

Dieselben  bekleiden  ein  Ehrenamt.  Als  Ersatz  für  baare  Auslagen  und
Versäumnist=  erhält  jedoch  der  Wiesenvorsteher  jährlich  für  den  Morgen  Einer
Silbergroschen.

)

Die  Mitglieder  des  Vorstandes  werden  von  den  Wiesengenossen  aus  ürer
Mitte  auf  drei  #nhr-  ewählt,  nebst  zwei  Stellvertretern  für  die  Wiesenschöfen.
Bei  der  Wahl  *  jeder  Wiesengenosse  Eine  Stimme;  wer  mehr  als  zwei
Morgen  im  Verbande  besitzt,  hat  zwei  Stimmen,  wer  vier  Morgen  besitzt  drei
Stimmen,  und  so  fort  für  je  zwei  Morgen  mehr  Eine  Stimme  mehr.

Der  Bürgermeister  beruft  die  Wahlversammlung  und  führt  den  Vorsitz
in  derselben.  Er  verpflichtet  die  Gewählten  durch  Handschlag  an  Eidessütt.

Minderjährige  und  moralische  Personen  können  durch  ihre  gesetzlicen  Vertreter,
  Ehefrauen  durch  ihre  Ehemänner  mitstimmen.

Wählbar  ist  derjenige,  welcher  mindestens  Einen  Morzen  Wiese  im  Verbande
  besitzt  und  den  Vollbesitz  der  bürgerlichen  Rechte  nicht  durch  rechskräftiges
Erkenntniß  verloren  hat.  3

m
        <pb n="1410" />
        —  122343  —

Im  Uebrigen  sind  bei  der  Wahl  die  Vorschriften  für  Gemeindewahlen  zu
beobachten.

Zur  Legitimation  des  Vorstandes  dient  das  vom  Bürgermeister  bescheinigte
Wahlprotokoll.

G.  7.
Der  Wiesenvorsteher  ist  die  ausführende  Verwaltungsbehörde  des  Verbandes
  und  vertritt  denselben  anderen  Personen  und  Behörden  gegenüber.

Er  hat  insbesondere

a)  die  Ausführung  der  gemeinschaftlichen  Anlagen  nach  dem  festgestellten
Bewässerungsphmme  98  Hülfe  des  vom  Vorstande  erwählten  Wiesenbaumeisters
  zu  veranlassen  und  dieselbe  zu  beaufsichtigen;

b)  die  Beiträge  auszuschreiben,  die  Zahlungen  auf  die  Kasse  anzuweisen  und
die  Kassenverwaltung  zu  revidiren;

Jc)  die  Voranschläge  und  Jahresrechnungen  den  Wiesenschöffen  zur  Feststellung
  und  Abnahme  vorzulegen;

d)  den  Wiesenwärter  und  die  Unterhaltung  der  Anlagen  zu  beaufsichtigen
und  die  halbjährige  Grabenschau  im  April  und  November  mit  den  Wiesenschöffen
  abzuhalten;

e)  den  Schriftwechsel  für  den  Wiesenverband  zu  führen  und  die  Urkunden
desselben  zu  unterzeichnen;  zur  Abschließung  von  Verträgen  ist  die  Zustimmung
  der  Wiesenschöffen  nöthig)

1)  die  Ordnungsstrafen  gegen  Mitglieder  des  Verbandes  wegen  Verletzung
dieses  Statuts  und  der  besonders  dazu  erlassenen  Reglements  bis  zur
Höhe  von  Einem  Thaler  festzusetzen  und  zur  Kasse  einzuziehen.

In  Behinderungsfällen  läßt  sich  der  Wiesenvorsteher  durch  einen  Wiesenschöffen
  vertreten.

ß.  8.

Zur  Bewachung  und  Bedienung  der  Wiesen  stellt  der  Vorstand  einen
Wiesenwärter  auf  dreimonatliche  Kündigung  an,  dessen  Lohn  die  Generalversammlung
  der  Genossen  bei  der  Wahl  des  Vorstandes  ein=  für  allemal  bestimmt.
  Die  Wahl  des  Wiesenwärters  unterliegt  der  Bestätigung  des  Landrathes.
  Der  Wiesenwärter  ist  allein  besugt,  zu  wässern  und  muß  so  wässern,
daß  alle  Parzellen  den  verhältnißmäßigen  Antheil  an  Wasser  erhalten.  Kein
Eigenthümer  darf  die  Schleusen  öffnen  oder  zusetzen,  oder  überhaupt  die  Bewässerungsanlage
  eigenmächtig  verändern,  bei  Vermeidung  einer  Konventionalstrafe
  von  zwei  Thalern  für  jeden  Kontraventionsfall.  Nach  Ermessen  des
Wiesenvorstandes  kann  nach  Bedürfniß  ein  zweiter  Wiesenwärter  angestellt  und
demselben  Arbeitsgehülfen  beigegeben  werden,  insbesondere  bei  Fluthzeiten.

Der  Wiesenwärter  wird  als  Feldhüter  vereidigt;  er  muß  den  Anweisungen

(r.  6yAI.)  des
        <pb n="1411" />
        —  1234  —

des  Wiesenvorstehers  pünktliche  Folge  leisten  und  kann  von  demselben  mit  Verweis
  und  Geldbuße  bis  zu  Einem  Thaler  bestraft  werden.

9.

Diie  Streitigkeiten,  welche  zwischen  Mitgliedern  des  Verbandes  über  das
Eigenthum  von  Grundstücken,  über  die  Zuständigkeit  oder  den  Umfang  von
Grund  erechtigkeiten  oder  anderen  Zutiungerechten  f,  und  über  besondere,  auf  speziellen
  Rechtstiteln  beruhende  Rechte  und  Verbindlichkeiten  der  Parteien  entstehen,
gehören  zur  Entscheidung  der  ordentlichen  Gerichte.

Dagegen  werden  nach  erfolgter  Feststellung  des  Bewässerungsplanes  durch
die  Regierung  (§.  2.)  alle  anlret  die  gemeinfemrn  Angelegenheiten  des  Verbandes
  oder  die  vorgebliche  Beeinträchtigung  eines  oder  des  anderen  Genossen
betreffenden  Beschwerden  von  dem  Vorstande  untersucht  und  entschieden.

ç  Gegen  die  Entscheidung  des  Vorstandes  steht  jedem  Theile  der  Rekurs  an
ein  Schiedsgericht  frei,  welcher  binnen  zehn  Tagen,  von  der  Bekanntmachung
des  Bescheides  an  gerechnet,  bei  dem  Worsenvoesfehe  angemeldet  werden  muß.
Ena,  weiteres  Rechtsmittel  findet  nicht  statt.  Der  unterliegende  Theil  trägt  die

osten.

Das  Schiedsgericht  besteht  aus  dem  Bürgermeister  und  zwei  Beisitzern.
Die  Beisitzer  nebst  einem  Stellvertreter  für  jeden  werden  von  der  Generalversammlung
  der  Wiesengenossen  auf  drei  Jalie  gewählt.  Wählbar  ist  jeder,
der  in  der  Gemeinde  seines  Wohnortes  zu  den  öffentlichen  Gemeindeämtern
wählbar  ist,  mindestens  Einen  Morgen  Weese  besitzt  und  nicht  Mitglied  des
Verbandes  ist.

Wenn  der  Bürgermeister  selbst  Mitglied  des  Verbandes  sein  sollte,  so
muß  der  Landrath  auf  Antrag  eines  Betheiligten  einen  anderen  unparteischen
Vorsitzenden  des  Schiedsgerichts  ernennen.  Paseelbe  kann  der  Landrath  thun,
wenn  sonstige  Einwendungen  gegen  die  Person  des  Bürgermeisters  von  den  Betheiligten
  erhoben  werden,  welche  dessen  Unparteilichkeit  nach  dem  Ermessen  des
Landrathes  beeinträchtigen.

i.e

Wegen  der  Wässerungsordnung,  der  Grabenräumung,  der  Heuwerbung
und  der  Hütung  auf  den  Wiesen  hat  der  Vorstand  die  wölhlgen  Bestimmungen
zu  treffen  und  kann  deren  Uebertretung  mit  Ordnungsstrafen  bis  drei  Thaler
bedrohen.  Diese  Bestimmungen  dürfen  nur  nach  Berathung  von  zehn  durchs
Loos  zu  bezeichnenden  Genossenschaftsmitgliedern  getroffen  werden.

II  !1  I

KS.  11.

Die  in  den  §#.  7.  8.  und  10.  erwähnten  Geldstrafen  werden  nach  erfolgter
  Feststellung  durch  den  Vorsteher  mittelst  Exekution  im  Verwaltungswege
zur  Genossenschaftskasse  engegen  und  nach  Anordnung  des  Vorstehers  zu  den
gemeinschaftlichen  Anlagen  des  Verbandes  verwendet.  1

.  12.
        <pb n="1412" />
        —  1246  —

K.  12.

Der  Wiesenverband  ist  der  Oberaufsicht  des  Staats  unterworfen.

Das  Aussichtsrecht  wird  von  dem  Kreislandrathe,  von  der  Regierung
in  Trier  als  Landespolizeibehörde  und  von  dem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen
  Angelegenheiten  gehandhabt  in  dem  Umfange  und  mit  den  Befugnissen,
welche  den  M#sicfsbehördes  der  Gemeinden  zustehen.

S.  13.

d  Dieses  Statut  kann  nur  mit  landesherrlicher  Genehmigung  abgeändert
werden.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  5.  Juli  1867.

(I.  §.)  Wilheim.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

 

(Nr.  6741—6742.)  (Nr.  6742.)
        <pb n="1413" />
        —  1236  —

(Nr.  6742.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  von  Beschlüssen  über
Abänderungen  der  unter  dem  13.  November  1837.  Allerhöchst  bestätigten
Statuten  des  Theater-Aktienvereins  zu  Breslau.  Vom  12.  Juli  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  11.  Mai
d.  J.  dem  von  der  Generalversammlung  des  Breslauer  Theater-Aktienvereins
unterm  12.  Februar  1866.  vereinbarten  Zusatze  zum  F.  26.  des  unter  dem  13.  November
  1837.  landesherrlich  genehmigten  Statuts  des  Vereins,  wie  nicht  minder
der  von  der  Generalversammlung  der  Aktionaire  unter  dem  19.  Juni  1865.  beschlossenen
  anderweiten  Fassung  der  17.  und  18.  jenes  Statuts  die  Allerhöchste
  Genehmigung  zu  ertheilen  geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  wird  durch  das  Amtsblatt  der  Königlichen  Regierung
zu  Breslau  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  12.  Juli  1867.

Der  Minister  für  Handel!  Der  Justizminister.  Der  Minister
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.  Gr.  zur  Lippe.  des  Innern.
Im  Auftrage:  Im  Auftrage:
Delbrück.  v.  Klützow.

 

Berichtigung.

Im  329.  der  Strafprozeß-  Ordnung  für  die  durch  das  Gesetz  vom
20.  September  1866.  und  die  beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  mit  der
Monarchie  vereinigten  Landestheile  Seite  1008.  Zeile  13.  ist  statt  „Anspruches“
zu  lesen:  Ausspruches.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerel
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1414" />
        —  1237  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

NNr.  71.—

 

(Nr.  6743.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis-Obligationen
des  Pr.  Holländer  Kreises  im  Betrage  von  25,000  Thalern.  Vom
27.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

Nachdem  von  den  Kreisständen  des  Pr.  Holländer  Kreises  auf  dem  Kreistage
  vom  28.  Dezember  1866.  beschlossen  worden,  die  zur  Vollendung  der  vom
Kreise  unternommenen  Chausseebauten  außer  den  durch  die  Privilegien  vom  3.  Dezember
  1860.  (Gesetz  Samml.  Nr.  5.  für  1861.  S.  69.  ff.)  und  vom  30.  März
1863.  (Gesetz  Samml.  Nr.  14.  für  1863.  S.  254.  ff.)  genehmigten  Anleihen  von
je  60,000  Thalern,  zusammen  120/000  Thalern,  noch  erforderlichen  Geldmittel
im  Wege  einer  weiteren  Anleihe  zu  beschaffen,  wollen  Wir  auf  den  Antrag
der  gedachten  Kreisstände:  zu  diesem  Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons
  versehene,  Seitens  der  Gläubiger  unkündbare  Obligationen  zu  dem  angenommenen
  Betrage  von  25,000  Thalern  ausstellen  zu  dürfen,  da  sich  hiergegen
weder  im  Interesse  der  Gläubiger  noch  der  Schuldner  etwas  zu  erinnern  gefunden
hat,  in  Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  zur  Ausstellung
von  Obligationen  zum  Betrage  von  25,000  Thalern,  in  Buchstaben:  fünfundzwanzig
  Tausend  Thalern,  welche  in  folgenden  Apoints:

5000  Thaler  à  1000  Thaler,

15,000  à  50
5000  é".  100  "
=  25)000  Thaler,

nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer  mit
ünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu  bestimmenen
  Folgeordnung  spätestens  vom  Jahre  1880.  ab  mit  wenigstens  Eintausend
Thalern  jährlich  zu  tilgen  sind,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landesherrliche
  Genehmigung  mit  der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder  Inhaber
dieser  Obligationen  die  daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung  des

Eigenthums  nachweisen  zu  dürfen)  geltend  zu  machen  befugt  ist.
Das  vorstehende  Privilegium,  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter
Johrgang  1867.  (Nr.  6743)  162  er-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  5.  August  1867.
        <pb n="1415" />
        —  1238  —
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird,  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  27.  Mai  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenpliftz.  Gr.  zu  Eulenburg.

Provinz  Preußen,  Negierungebezirk  Königsberg.
Obligation

(III.  Serie)
des  Pr.  Holl'änder  Kreises
Littr  ——-p-.-über
  .  .  .  .  .  .  .  Thaler  Preußisch  Kurant.
Auf  Grund  des  unter  bestätigten  Kreistagsbeschlusses  vom

28.  Dezember  1866.  wegen  Aufnahme  einer  weiteren  Schuld  von  25,000  Thalern
bekennt  sich  die  stindische  Kommission  für  den  Sausseeau  es  Pr.  Holländer  Kreises
Namens  des  Kreises  durch  diese,  für  jeden  Inhaber  gültige  b  Seitens  des  Gläubigers
  unkündbare  Verschreibung  zu  einer  Darlehnsschuld  vot  Thalern
Preußisch  Kurant,  welche  an  den  Kreis  baar  gezahlt  worden  und  mit  Prozent
  jährlich  zu  verzinsen  ist.

Die  Rückzahlung  der  ganzen  Schuld  von  25,000  Thalern  geschieht  vom
Jahre  1880.  ab  mit  wenigstens  1000  Thalern  jährlich,  welche  vom  Kreise  aufgebracht
  werden.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  Die  Ausloosung  erfolgt,  sobald  die  Hälfte  der  ersten  Serie
von  60,000  Thalern  amortisirt  ist,  p#tesiens  vom  Jahre  1880.  ab  in  dem
Monate  Januar  jeden  Jahres.  Der  Kreis  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,
den  Tilgungsfonds  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche
noch  umlaufende  Schuldverschreibungen  zu  kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie
die  gekündigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Bezeichnung  ihrer  Buchstaben,
Nummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung  erfolgen
soll,  öffentlich  bekanmt  gemacht.  Diese  Bekanntmachung  erfolgt  sechs,  drei,  zwei

und
        <pb n="1416" />
        —  1239  —

und  Einen  Monat  vor  dem  Zahlungstermine  in  den  vier  Amtsblättern  der  Königlichen
  Regierungen  der  Provinz  Preußen,  sowie  in  einer  der  zu  Königsberg  i.  Pr.
erscheinenden  Zeitungen  und  in  dem  Pr.  Holländer  Kreisblatte.

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird
es  in  bolbsährlichen  Terminen,  am  2.  Januar  und  am  1.  Juli,  von  heute  an
gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  glecher  Munzsorte  mit  jenem  verzinset.

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückgabe
  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,

ei  der  Kreis-Kommunalkasse  in  Pr.  Holland,  und  zwar  auch  in  der  nach  dem
Eintritt  des  Fälligkeitstermins  folgenden  Zeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
find  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abezogen.



schos  Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren,  vom
Ablauf  des  Jahres  der  Fälligkeit  ab  gerechnet,  nicht  erhobenen  Zinsen,  verjähren
zu  Gunsten  des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Alemeinen  Gerichts-Ordnung  Theil  I.
Titel  51.  J.  120.  seq.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Mohrungen.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  der  sareisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz
der  Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  chuldoerschreibung  oder  sonst  in  glaubhafter
  Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
  und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt
  werden.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  halbjährige  Zinskupons  bis  zum
Schlusse  des  Juhes  .....  ausgegeben.  Für  die  weitere  Zeit  werden  Zinskupons
au  fünhährige  erioden  ausgegeben.

ie  Ausgabe  einer  neuen  Instipons,Serie  erfolgt  bei  der  Kreis-Kommunal-Kasse
  zu  Pr.  Holland  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten
  Talons,  wenn  nicht  der  Inhaber  der  Obligation  Widerspruch  dagegen
eingelegt  hat.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen
Zinskupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung
  rechtzeiti  gescheden  ist.  »

Zur  Sichechet  er  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der
Kreis  mit  seinem  Vermögen.

Dessen  zu  Urkunde  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
  ertheilt.

Pr.  Holland,  dennnn  ...  18..

Die  ständische  Kommission  für  den  Chausseebau  im  Pr.  Hollaͤnder
Kreise.

(Ur.  6743)  162“  Pro-
        <pb n="1417" />
        —  1240  —
Provinz  Preußen,  Esnni  Rönigsberg.

Zin  3=  Kupbon
zu  der
Kreis-Obligation  des  Pr.  Volländer  Kreises
Littr.  MX.
(III.  Serie)
über  Thaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen
über..  Thaler  ..  .  .  .  Silbergroschen.

Der  Inhaber  dieses  Zinskupons  empfängt  gegen  desen.  HRückgabe  in  der
————.—..——————  .  ..  bis.  sp.......
.....  bsundfpatekhmdcesten  der  vorbenannten  Kreis-Obligation
  für  das  Halbiaht  vnron  .  ..  biss..  mit
#in  Buchstaben)  Thalern  .  .  .  ..  Silbergroschen  bei  der  Kreis-  Komunnal.

asse  zu  Pr.  Holland.

Pr.  Holland,  dennnn  ..  18.

Die  ständische  Kreis-Kommission  für  den  Chausseebau  im

Pr.  Holländer  Kreise.
Dieser  Zinskupon  ist  ungültig,  wenn  dessen
Geldbetrag  nicht  innerhalb  vier  Jahren,  vom

Ablaufe  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  ab
gerechnet,  erhoben  wird.

Provinz  Preußen,  Negierungebezirk  Königsberg.

DTalon

zur
Kreis-Obligation  des  Pr.  Holländer  Kreises
III.  Serie.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt)  sofern  nicht  rechtzeitig  Widerspruch
dagegen  erhoben  ist,  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  Obligation  des  Pr.  Holländer

Kreises

Littr.  über...  Thaler  à  fünf  Prozent  Zinsen
die  ..  Serie  Zinskupons  ie  7  fünf  Jahre  18.  bis  18.  bei  der  Kreis-Kommmaalkase“
  zu  Pr.  Hollan

Pr.  Holland,  den  *  ..  .  .  .  ..  18..

Die  staͤndische  Kreis-Kommission  fuͤr  den  Chausseebau  im

Pr.  Hollaͤnder  Kreise.

 

Er.  6744.)
        <pb n="1418" />
        —  1241  —

(Nr.  6744.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  24.  Juni  1867.),  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee
von  Pogorzella,  im  Kreise  Krotoschin,  nach  Sandberg,  im  Kreise  Kröben,
zum  Anschluß  an  die  Gostyn-Borecker  Kreis-Chaussee.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Kreis.-Chaussee
  von  Pogorzella,  im  Kreise  Krotoschin  Regierungsbezirk  Posen,  nach
Sandberg,  im  Kreise  Kröben,  zum  Anschluß  an  die  Goftyn  Berechrr  Kreis-Chaussee,
Seitens  des  Kreises  Krotoschin  *  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise
Krotoschin  das  guireiseerl  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,
  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,
  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,
  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  dem  gedachten  Kreise
egen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das
Ret  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die
Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  cinschließlich  der  in  demselben
  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Vesreiungn,  sowie  der  sonstigen  die  Erbebung
  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den
taats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen
840.  ange  angten  Belimmungen

die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar  1
traße  zur  Anwendung

wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachte
kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  -Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  24.  Juni  1867.
Wilhelm.
Mür  den  abwesenden

inister  für  Handel  rc.
Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Selchow.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

(Fr.  44—“51  (Nr.  6745.)
        <pb n="1419" />
        —  1242  —

(Nr.  6746.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  24.  Juni  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  der  Kreis-Chaussee
von  Minden  über  Stemmer  und  Friedewalde  durch  den  fiskalischen  Forstschutzhbegirk
  Mindener  Wald  bis  zur  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf
Diepenau.

N  ch  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Kreis-Chaussee
  im  Kreise  Minden,  des  Regierungsbezirks  gleichen  Namens,  von  Minden
über  Stemmer  und  Friedewalde  durch  den  fiskalischen  Forstschutzbezirk  Mindener
Wald  bis  zur  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Diepenau  genehmigt  habe,  verleihe
  Ich  hierdurch  dem  Kreise  Minden  das  Erxpropriationsrecht  für  die  zu  dieser
Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnabne  der
Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen
  bestehenden  Vorschrifern,  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich
dem  genannten  Kreise  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung
  der  Straße  das  Recht  Gur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Besümmmmgen
  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,
einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,
owie  der  sonstigen  die  Skhebung  betreffenden  Ksählichen  Vorschriften,  wie  Seie
estimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  bierdurch
verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.  anehängten
  Bestimmungen  wegen  der  Ehaussespoltzer,  Vergeten  auf  die  gedachte
trag#  zur  Anwendung  kommen.
Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  24.  Juni  1867.

 

Wilhelm.

Für  den  abwesenden
Minister  für  Handel  2c.

Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Selchow.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6746.
        <pb n="1420" />
        —  1243  —

(Nr.  6746.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  12.  Juli  1867.,  betreffend  die  Feststellung  der  Spe
ziallinie  und  die  Gestattung  der  Anwendung  des  Enteignungsverfahrens
auf  den  in  das  Preußische  Gebiet  fallenden  Theil  der  Leer-Oldenburger
Eisenbahn.

B.  Rückgabe  der  Anlagen  Ihres  Berichts  vom  3.  Juli  d.  J.  genehmige
Ich  mit  Bezug  auf  den  mit  der  Großherzoglich  Oldenburgischen  Staatsregierung
unterm  17.  Imr  1867.  (Gesetz=  Samml.  S.  441.)  abgeschlossenen  Staatsvertrag,
  daß  die  danach  von  der  gedachten  Regierung  auszuführende  Eisenbahn
von  Oldenburg.  nach  Leer  die  beiderseitige  Landesgrenze  bei  Holtgast,  in  Anlehnung
  an  die  Nordseite  des  Wegedammes  durch  den  dortigen  Hammerich,  überschreitet,
  hiernächst  nördlich  an  Detern  und  Stickhausen  —  südlich  von  Filsum
und  Nortmohr  —  vorbeiführt,  die  Chaussee  von  Leer  nach  Aurich  zwischen  den
Orten  Loga  und  Logaberum  kret  und  an  der  Nordseite  des  bestehenden  Bahnhofes
  bei  Leer  endet.  Insoweit  die  zur  Anlage  der  Bahn  auf  diesseitigem  Gebiete
  erforderliche  vorübergehende  oder  bleibende  Abtretung  des  Grundes  und
Bodens,  sowie  die  dazu  etwa  nöthige  Aufhebung  von  Gerechtsamen  im  Wege
gütlicher  Vereinbarungen  zwischen  der  Großherzoglich  Oldenburgischen  Regierung
und  den  Betheiligten  nicht  zu  erreichen  ist,  gestatte  Ich  #ugleih,  daß  das  Enteignungsverfahren
  eintritt,  welches  zur  Zeit  des  Baues  der  in  Rede  stehenden
Eisenbahn  bei  Anlegung  von  StaatsSeisenbahnen  in  dem  Gebiete  des  ehemaligen
Königreichs  Hannover  zur  Anwendung  kommt.  —

bri  Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu
ringen.

Ems,  den  12.  Juli  1867.
Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.
An  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6747.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  15.  Juli  1867.,  betreffend  die  Uebertragung  der  Verwaltung
  des  vormals  Hessen-  Homburgischen  Hypothekenamtes  zu  Meisenheim
  an  den  Hypothekenbewahrer  zu  Simmern.

Ar#  Ihren  gemeinschaftlichen  Bericht  vom  13.  d.  M.  genehmige  9ch  daß  die
Verwaltung  des  für  den  Bezirk  des  vormals  esen.  Homburzis  en  Oberamtes
Meisenheim  bestehenden  Hypothekenamtes  zu  Meisenheim  unter  Verlegung  des

(Nr.  6746—6748.)  i-
        <pb n="1421" />
        —  1244  —
Sitzes  des  letzteren  nach  Simmern  dem  Hypothekenbewahrer  in  Simmern  vom
1.  September  d.  J.  übertragen  werde.
Sie,  der  Finanzminister,  werden  mit  der  Ausführung  dieses  Erlasses,
welcher  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen  Ke##h  zu  bringen  ist,
eauftragt.

Ems,  den  15.  Juli  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Für  den  Finanzminister:

v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.

An  den  Finanzminister  und  den  Justizminister.

 

(Nr.  6748.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  einer  Abänderung
des  Statuts  der  unter  dem  Namen:  „Georg  von  Gieschesche  Erben“  bestehenden
  und  in  Breslau  domizilirenden  Bergwerksgesellschaft.  Vom
16.  Juli  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  5.  Juli  1867.
die  in  dem  notariellen  Protokolle  vom  26.  September  1866.  verlautbarte  Abänderung
  des  F.  32.  des  durch  Allerhöchsten  Erlaß  vom  18.  Mai  1864.  bestätigten
  Statuts  der  unter  dem  Namen:  „Georg  von  Gieschesche  Erben“  be-Hebenden
  und  in  Breslau  domizilirenden  Bergwerksgesellschaft  zu  genehmigen
geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  der  Statutänderung  wird  durch  die  Amtsbäter
  der  Königlichen  Regierungen  zu  Breslau  und  Oppeln  bekannt  gemacht
werden.

Berlin,  den  16.  Juli  1867.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.
Im  Auftrage:
Delbrück.

 

Redigirt  im  Bureau  des  Stants-Ministeriums.

 

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofsbuchoruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1422" />
        —  1246  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  72.  —

 

(Nr.  6749.)  Verordnung,  betreffend  das  Diensteinkommen  der  öffentlichen  Volksschullehrer
in  dem  Regierungsbezirk  Kassel.  Vom  29.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rrP
verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.

Mit  jeder  Lehrerstelle  an  den  uche  Volksschulen  in  den  durch  die
Verordnung  vom  22.  Februar  d.  J.  (Gesetz=  Samml.  von  1867.  S.  273.)  zu
einem  Regierungsbezirk  Kassel  vereinigten  Landestheilen  soll  ein  nach  den  örtlichen
  Verhälbnissen  und  der  besonderen  Amtsstellung  des  Lehrers  zu  dessen  Lebensunterhalt
  ausreichendes  Einkommen  verbunden  sein.

K.  2.

Die  gemäß  der  citirten  Verordnung  vom  22.  Februar  d.  J.  einzusetzende
Bezirksregierung  zu  Kassel  ist  ermächtigt,  den  Betrag  des  für  die  einzelnen  Lehrer.
stellen  an  den  öffentlichen  Volksschulen  erforderlichen  Einkommens  nach  Anhörung
der  Betheiligten  festzusetzen  und  dessen  Ergänzung  anzuordnen.

Sovweit  einzelne  Lehrerstellen  bereits  mit  einem  höheren  kompetenzmäßigen
Einkommen  ausgestattet  sind,  behält  es  dabei  sein  Bewenden  und  ist  auch  in  Erledigungsfällen
  eine  Verminderung  dieses  Einkommens  nur  mit  Genehmigung
des  Ministers  der  Unterrichts-Angelegenheiten  zulässig.

K.  3.

Die  Gemeinden,  denen  die  Unterhaltung  der  öffentlichen  Volksschulen  obliegt,
sind  verpflichtet,  die  nach  H.  2.  dieser  Verordnung  von  der  Regierung  anzuordnende
  Erhöhung  des  kompetenzmäßigen  Einkommens  der  Lehrerstellen  an
diesen  Schulen  aus  eigenen  Mitteln  zu  bewirken.

Jehrgang  1867.  (Nr.  6749—6750)  163  Der

Ausgegeben  zu  Berlin  den  9.  August  1867.
        <pb n="1423" />
        —  1246  —

Der  Mehrbedarf  ist  nöthigenfalls  durch  Gemeinde-Umlagen  nach  dem  Fuß
der  direkten  Staatssteuern  aufzubringen.
Die  Volksschullehrer  selbst  bleiben  von  diesen  Umlagen  befreit.

Lichmhich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Ems,  den  29.  Juli  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6750.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber  lautender  Obligationen  der
Stadt  Zeitz,  Regierungsbezirks  Merseburg,  zum  Betrage  von  45,000  Thalern.
Vom  24.  Juni  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Konig  von  Preußen  #

Nachdem  der  Magistrat  der  Stadt  Zeitz  im  Einverständniß  mit  der  dortigen
Stadtverordneten-Versammlung  darauf  angetragen  hat,  zum  Bau  einer  Bürgerschule
  und  zur  Tilgung  von  Kriegskosten  eine  Anleihe  von  45,000  Thalern  aufnehmen
  und  zu  diesem  Zwecke  aui  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  verschene
  und  Seitens  der  Gläubiger  unkündbare  Stadt-Obligationen  ausgeben  4  .

ürfen,  ertheilen  Wir  in  Genärfe  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.
Gesetz  Samml.  für  1833.  S.  75.)  durch  6"  enwärtiges  Privilegium  zur  Ausellung
  und  Verausgabung  von  45,000  halern  Seitzer  Stadt.  Obligationen,
welche  nach  dem  anliegenden  Schema  in  450  Apoints  à  100  Thaler  auszuferüigen,
  mit  fünf  vom  Hundert  jährlich  zu  verzinsen  und,  anhebend  mit  dem  Jahre
1870.,  nach  dem  festgestellten  Tilgungsplane  durch  Ausloosung  oder  auch  durch
Ankauf  mit  mindestens  Einem  Prozent  der  Kapitalschuld  unter  Zuwachs  der
durch  die  successive  Tilgung  der  letzteren  herbeigeführten  Zinsenersparnisse,  sowie
unter  späterem  Hinzutritt  derjenigen  jährlichen  7000  Thaler,  welche  8  Amorti--sation
  und  Verinsing  der  mittelst  Unseres  Privilegiums  vom  2.  August  1858.  genehmigten
  Gasbeleuchtungs-Anleihe  der  Stadt  Zeitz  von  50,000  Thalern  ausgesetzt
sind  und  zu  diesem  Zwecke  vom  Jahre  1896.  ab  nicht  mehr  erforderlich  sein  weren,
  spätestens  bis  zum  Jahre  1900.  zu  amortisiren  sind,  mit  Vorbehalt  der  Rechte
ritter,  Unsere  landesherrliche  Eenebmigun  )  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern
der  Obligationen  in  Ansehung  ihrer  Befriedigung  eine  Gewährleistung  Seitens

des  Staates  zu  bewilligen.  u
L-
        <pb n="1424" />
        —  1247  —

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  24.  Juni  1867.
(#L.  8.)Wilhelm.
Für  d  Mis  für
Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

Provinz  Sachsen,  Negierungsbezirk  Merseburg.

(Zeitzer  Stadtwappen.)

Obligation  der  Stadt  Zeitz

222222
über  Eiuhundert  Thaler  Preußisch  Kurant.
Ausgefertigt  in  Gemäßheit  des  landesherrlichen  Privilegiums  vom#en  18.
(Gesetz  Samml.  18.  S.  )

Der  Magistrat  der  Stadt  Zeitz  beurkundet  und  bekennt  hiermit,  daß  der
Inhaber  dieser  Obligation  Einhundert  Thaler  Preußisch  Kurant,  deren  Empfang
idh  bescheinigt  wird,  von  der  hiesigen  Stadtgemeinde  als  ein  Dorleht  zu
ordern  hat.

Diese  100  Thaler  bilden  einen  Theil  der  zu  Kommunalzwecken  auf  Grund
des  Allerhöchsten  Privilegiums  vo  .  tin  ..  .  .  .  .  .  .  ..  18.  aufgenommenen
  Darlehns  von  45,000  Thalern.

Die  Rückzahlung  dieses  Gesammtdarlehns  von  45),000  Thalern  6  ucbet
allmälig  aus  einem  zu  diesem  Behufe  zu  bildenden  Tilgungsfonds  nach  Maaßgabe
  des  genehmigten  Tilgungsplanes.  Diesem  Tilgungsfonds  werden  dem  Tilgungsplane
  gemis  jäbrich  in  Prozent  des  gesammten  Kapitals  als  feste  Tilgungsrente,
  ingleichen  sämmtliche  zur  Ersparung  kommende  Zinsen  von  den  getilgten
  Schuldbeträgen  und  außerdem  nach  völliger  Tilgung  der  mittelst  Allerhöchsten
Herwilcgiung  vom  2.  August  1858.  genehmigten  Gasbeleuchtungs-Anleihe  der  Stadt

eitz  von  50,000  Thalern  noch  die  zu  deren  Amortisation  und  Verzinsung  jährlich
  ausgesetzten  und  zu  diesem  Zwecke  vom  Jahre  1896.  ab  nicht  mehr  erforder-3
  3000  Thaler  zugeführt  werden.  "
(Nr.  6750)  163“  Die

 

—
        <pb n="1425" />
        —  1248  —

Die  planmäßige  Tilgung  beginnt  mit  dem  Jahre  1870.  und  wird  mit  dem
Jahre  1900.  beendigt  sein.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.

Die  Ausloosung  erfolgt  in  öffentlicher  Sitzung  des  Magistrats,  und  zwar
im  Januar  jeden  Jahres,  zuerst  im  Jahre  1870.

Der  Stadtgemeinde  Zeitz  bleibt  jedoch  das  Recht  vorbehalten,  nicht  nur  den
Tilgungsfonds  Behufs  schnellerer  Abtragung  der  Schuld  jederzeit  zu  verstärken,

sowie  sämmtliche  umlaufende  Obligationen  auf  einmal  zu  kündigen,  sondern  auch
an  Stelle  des  Ausloosungswerfahrens  b  jedoch  unbeschadet  der  planmäßigen  Tilgung,
  den  freihändigen  Ankauf  der  Obligationen  treten  zu  lassen.

Den  Inhabern  der  Schuldverschreibungen  steht  ein  Kündigungsrecht  nicht  zu.

Die  ausgeloosten,  beziehungsweise  die  gekündigten  Obligationen  werden  unter
Bezeichnung  ihrer  Nummer,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung
der  Darlehnsvaluta  erfolgen  soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.

Diese  Bekanntmachung  erfolgt  fünf  und  drei  Monate  vor  dem  Zahlungstermine
  je  einmal  in  dem  SE#nlsanzeiger,  in  dem  Amtsblatte  der  Königlichen
Regierung  zu  Merseburg  und  in  dem  hiesigen  Kreisblatte.  Sollte  eins  oder  das
andere  der  bezeichneten  Blätter  eingehen,  so  bestimmt  der  Magistrat  mit  Genehmigung
der  Königlichen  Regierung  zu  Merseburg,  in  welchem  anderen  Blatte  die  Bekanntmachung
  erfolgen  4#  und  publizirt  dies  durch  die  übrigen  obengenannten  Blätter.
Ebenso  wird  verfahren  werden,  wenn  demnächst  eins  der  substituirten  Blätter
aufhören  sollte  zu  erscheinen.

Als  Zahlungstermin  wird  rücksichtlich  der  ausgeloosten  Obligationen  jederzeit
der  1.  Juli  des  Jahres,  in  welchem  dieselben  zur  Ausloosung  gekommen  sind,
festgehalten  werden,  hinsichtlich  der  etwa  außerdem  gekündigten  D#eligaltonen  aber
wird  je  nach  der  Zeit  der  Kündigung  der  auf  diese  letztere  unmittelbar  folgende
2.  Januar  oder  1.  Juli  der  Rücksahlungstag  sein.

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird  es
in  halbjährlichen  Termmen,  am  2.  Januar  und  1.  Juli  jeden  Jahres,  vom  1.  Januar
  1868.  an  mit  fünf  Prozent  jährlich  verzinset.

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  ersel  t  gegen  bloße  Rückabe
  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  du  verschreibung,  bei
er  Stadt-Hauptkasse  zu  Zeitz,  und  zwar  nicht  nur  mit  Eintritt  des  Fälligkeitstermins,

  sondern  auch  in  der  darauf  folgenden  Zeit.  Auch  werden  die  fälligen
Kupons  jederzei  von  der  Stadt-Hauptkasse  an  Zahlungsstatt  angenommen  werden.

it  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.

Die  ausgeloosten,  beziehungsweise  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb
  dreißig  Jahren  nach  dem  Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  worden,  sowie
die  innerhalb  der  nächsten  vier  Kalenderjahre  nach  Ablauf  des  Fälligkeitsjahres
nicht  erhobenen  rückständigen  Zinsen,  verjähren  zu  Gunsten  der  Stadt  Zeitz.

Die  im  Wege  der  Ausloosung  getilgten,  sowie  die  etwa  Behufs  planmäßiger
  Tilgung  freihändig  angekauften  Obligationen  werden  in  Gegenwart  des
Magistrats  in  einer  zu  diesem  Zwecke  alljährlich  abzuhaltenden  Sitzung  vernichtet

und
        <pb n="1426" />
        —  1249  —

und  darüber,  daß  und  wie  solches  geschehen,  wird  jedesmal  eine  besondere  Verhandlung
  ausgenommen  und  zu  den  Akten  gebracht  werden.

In  Ansehung  der  verlorenen  oder  vor  ihrer  Einlösung  vernichteten  Obliationen
  finden  die  auf  das  Aufgebot  und  die  Amortisation  von  Staatsschuldcheinen
  Bezug  habenden  Vorschriften  der  Verordmung.  vom  16.  Juni  1819.
§.  1.  bis  12.  mit  nachstehender  näherer  Bestimmung  Anwendung:

a)  die  im  F.  1.  jener  Verordnung  vorgeschriedene  Anzeige  muß  dem  Magistrate
in  Zeitz  gemacht  werden.  iesem  stehen  alle  diejenigen  Geschäfte  und
Befugnisse  zu)  welche  nach  der  ang  führten  Verordnung  dem  Schatzministerium
  zukommen)  gegen  die  Verfügungen  des  Magistrats  findet
jedoch  der  Rekurs  an  die  Königliche  Regierung  zu  Merseburg  statt;

b)  kasen  S.  5.  gedachte  Aufgebot  erfolgt  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte
in  Zeitz;

Jc)  die  in  den  IF.  6.  9.  und  12.  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen  sollen
durch  die  in  dieser  Obligation  vorfeherd  bezeichneten  Blätter  geschehen.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  dem  unterzeichneten  Magistrate  anmeldet  und  den  stattgehabten
  Besitz  der  Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  sonst
in  glaubhafter  Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der
angemeldeten  und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung
ausgezahlt  werden.  -

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  vierzehn  halbjährige  bis  zum  1.  Juli
1875.  reichende  Zinskupons  ausgegeben.  Für  die  weitere  Zeit  werden  Zinskupons
auf  fünfjährige  Perioden  ausgereicht.

Die  jedesmalige  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons=  Serie  erfolgt  bei  der
Stadt-  Hauptkasse  zu  Zeitz  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons=  Serie
beigedruckten  Talons.  Beim  Verluste  des  letzteren  erfolgt  die  Aushändigung  der
neuen  Zinskupons.  Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren
Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  die  Stadt
Zeitz  mit  ihrem  gesammten  Vermögen.

Dessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
ertheilt.

Zeitz,  den  nn  ..  .  18..

Der  Magistrat.
(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  eines  anderen  Magistratsmitgliedes.)

Eingetragen  baag.  4
der  Kassenkontrole.

(Nr.  8750.)  Pro-
        <pb n="1427" />
        —  1260  —
Provinz  Sachsen,  Regierungsbezirk  Merseburg.
Serie  ..  .  .  .  M  ...
2  Hthlr.  15  Sgr.
Zins-Kupon
zur
Obligation  1-  Stadt  Zeitz
lautend  über  Einhundert  Epein-  zu  fünf  Prozent  verzinslich.

Inhaber  dieses  Kupons  empfängt  gegen  dessen  Ruͤckgabe  am  ..  in  ..
.....  8..undspatethmanfalltgenhasahtltcheansendervorbenannten
StadtObltgatwn
Zwei  Thaler  funfzehn  Silbergroschen
aus  der  Stadt-Hauptkasse  zu  Zeitz.
Zeitz,  den  t  .  .  .  ..  18..

(Trockener  Stempel.)

Der  Magistrat.
(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  eines  anderen  Magistratsmitgliedes.)

Dieser  Zinskupon  wird  n-  wenn
dessen  Geldbetrag  nicht  innerhalb  vier  Jahren
nach  Ablauf  des  Kalenderjahres,  in  welchem  er
fällig  geworden,  erhoben  wird.

Provinz  Sachsen,  Regierungsbezirk  Merseburg.
DTDalon

zu  der
Obligation  der  Stadt  Zeitz
...
lautend  über  Einhundert  Thaler  zu  fünf  Prozent  verzinslich.
Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  vorbenannten
Obligation  die  Serie  Zinskupons  für  die  Jahre  18.  bis  bei
der  Sicdt-gauptusf  in  7  sofern  nicht  von  dem  Inhaber  der  Ehlsnfpe
gegen  diese  Ausreichung  protestirt  worden  ist.
Zeitz,  den  18
(Krockener  Stempel.)
Der  Magistrat.
(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  eines  anderen  Magistratsmitgliedes.)

(Nr.  6751.)
        <pb n="1428" />
        —  1251  —

(Nr.  6751.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber  lautender  Obligationen  der
Stadt  Krotoschin,  Regierungsbezirks  Posen,  zum  Betrage  von  40,000  Thalern.
  Vom  5.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Konig  von  Preußen  ꝛc.

Nachdem  der  Magistrat  der  Stadt  Krotoschin  im  Einverständnisse  mit
der  Stadwerordneten-  Versamnlung  daraf  angetragen  hat,  zur  Errichtung  einer
städtischen  Gasanstalt  eine  Anleihe  von  40,000  Thalern  aufthmen  und  zu  diesem
  Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  versehene  Stadt-Obligationen
  ausgeben  zu  dürfen,  grcheilen  Wir  in  Gemähheit  des  F.  2.  des  Gesetzes
vom  17.  Juni  1833.  wegen  Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung
  auf  jeden  Inhaber  enthalten,  durch  gegemwärtiges  Privilegium  zur
Ausstellung  von  vierzig  Tausend  Thalern  Krotoschiner  Stadt-Obligationen,  welche
in  folgenden  Apoints:
300  Obligationen  à  100  Thaler  =  30,000  Thaler,
100  à  50  50000
5,000  *
=  40)000  Thaler,

nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  fünf  vom  Hundert  jährlich  zu
verzinsen  und,  von  Seiten  der  Gläubiger  unkündbar,  vom  1.  Januar  1871.  5
nach  dem  festgestellten  Tilgungsplane  durch  Ausloosung  mit  mindestens  zwei
Prozent  der  Kapitalschuld,  unter  Hinzurechnung  der  durch  die  Tilgung  ersparten
Zinsen  und  des  knftigen  Reinertrages  der  Gasanstalt,  soweit  solcher  die  planmäßigen
  Zins-  und  Tilgungsbeträge  etwa  übersteigt,  alljährlich  zu  amortisiren
sind,  mit  Vorbehalt  der  Rechte  Dritter,  Unsere  landesherrliche  Genehmung,
ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern  der  Obligationen  in  Ansehung  ihrer  Befriedigung
  eine  Gewährleistung  Seitens  des  Staates  zu  bewilligen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  5.  Juli  1867.

(u.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

200  -  aà  25

(Nr.  6751.)  Pro-
        <pb n="1429" />
        —  1262  —

Provinz  Posen,  Kegierungebczire  Posen.
Obligation  der  Stadt  Krotoschin

(Stadtwappen.)

Auf  Grund  des  Allerhöchsten  Privilegiums  vom  .  .  ten  ..  .  18..  zur  Aufnahme
einer  Anleihe  von  40,000  Thalern  zum  Zwecke  der  Errichtung  einer  städtischen
Gasanstalt  ermächtigt,  bekennt  sich  der  unterzeichnete  Magistrat  Namens  der  Stadt
Krotoschin  durch  ne,  für  jeden  Inhaber  gültige,  Seitens  des  Gläubigers  unkündbare
  Verschreibung  zu  einer  Darlehnsschul  von  Thalern  auht
Kurant)  welcher  Betrag  als  ein  Theil  der  obigen  Anleihe  an  die  Stadt  gezahlt
worden  und  mit  fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  ist.  Die  Rückzahlung  der
ganzen  Schuld  von  40,000  Thalern  geschieht  vom  1.  Januar  1871.  ab  allmälig
in  Gemäßheit  des  festgestellten  Tilgungsplans  aus  einem  zu  diesem  Behufe  gebildeten
  Tilgungsfonds  von  wenigstens  zwei  Prozent  jährlich,  unter  Zuwachs  der
ersparten  Zinsen  von  den  getilgten  Schuldverschreibungen;  auch  verpflichtet  sich
die  Stadtgemeinde  Krotoschin,  zur  Tilgung  des  Anleihekapitals  noch  die  Ueberschüsse,
  welche  die  Erträge  der  Gasanstalt  über  die  Betriebsausgaben  und  die
Mammäßigen  Verzinsungs=  und  Tilgungsbeträge  etwa  gewähren  werden,  zu  verwenden.


Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  Die  Ausloosung  erfolgt  in  dem  Monate  Juni  jedes  der
Einlösung  vorhergehenden  Jahres  und  begimt  im  Juni  1870.  Die  Stadtgemeinde
  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,  den  Tilgungssonde  durch  größere  Ausloosungen
  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche  umlaufende  Schuldverschreibungen  zu
kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie  die  gekündigten  Schuldverschreibungen  werden
unter  Bazeichnung  rü#e  Buchstaben,  Nummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,
an  welchem  die  Rückzahlung  erfolgen  soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.

Diese  Bekanntmachung  erfolgt  sechs,  drei  und  Einen  Monat  vor  dem
Zahlungstermine,  also  in  den  Monaten  Juli,  Oktober  und  Dezember,  im  öffentlichen
  Anzeiger  des  Königlich  Preußischen  Staatsanhige,  im  Amtöblatte  der
Königlichen  Regierung  zu  Posen  und  im  Krotoschiner  Kreisblatte.  Sollte  eines
dieser  Blätter  eingehen,  so  wird  von  dem  Magistrate  mit  Genehmigung  der
Königlichen  Regierung  ein  anderes  substituirt.

is
        <pb n="1430" />
        —  1253  —

Bis  zu  dem  Tage,  wo  Folcergesabr  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird
es  in  halbjährigen  Terminen,  am  2.  Januar  und  1.  Juli,  von  heute  an  gerechnet,
  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  Preußisch  Kurant  verzinset.

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  itals  erfolgt  gegen  bloße  Rückgabe
  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schul  verschreibung,  bei
Err  imsress  zu  Krotoschin  in  der  nach  dem  Eintritt  des  Fälligkeitstermins
olgenden  Zeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  schlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abge  oßen

Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nuch  em
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  seut  die  innerhalb  vier  Jahren  nach
Ablauf  des  Kalenderjahres,  in  welchem  sie  fällig  geworden,  nicht  erhobenen  Zinsen
  verjähren  zu  Gunsten  der  Stadtgemeinde.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  und  vernichteter  Schuldoechehunge
  erfolgt  nach  den  auf  die  Staatsschuldscheine  Bu  habenden
Vo  sriften  der  Verordnung  vom  16.  Juni  1819.  wegen  des  Psebeis  und
der  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Staatspapiere  I#.  1.  bis  12.  mit
nachstehenden  näheren  Bestimmungen:

a)  die  im  F.  1.  jener  Verordnung  vorgeschriebene  Anzeige  muß  dem  Magistrate
  zu  Krotoschin  gemacht  werden,  welchem  alle  diejenigen  Geschäfte
und  Befugnisse  zustehen,  welche  nach  der  angeführten  Verordnung  dem
Schatministerium  zukommen,  gegen  die  Verfügumg  des  Magistrats  findet
Rekurs  an  die  Königliche  Regierung  zu  Posen  statt;

b)  das  gim  G.  5.  gedachte  Aufgebot  erfolgt  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte
u  Krotoschin;

c)  8  in  den  IS#g.  6.  9.  und  12.  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen  geschehen
durch  diejenigen  Blätter,  durch  welche  die  ausgeloosten  Obligationen  bekannt
  gemacht  werden;

d)  an  die  Stelle  der  im  §.  7.  erwähnten  sechs  Zahlungstermine  treten  vier,
und  an  die  Stelle  des  im  F.  8.  erwähnten  achten  Zahlungstermins  tritt
der  fünfte.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  uns  anmeldet  und  den  aügesahten  elh  der  Zinskupons
durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  sonst  in  glaubhafter  Weise  darthut,
  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten  und  bis
dahin  nicht  vorgekommenen  Pinskugons  en  Quittung  ausgezahlt  werden.

Mit  ner  Schuldverschreibung  8  Ssheuone  für  die  nächsten  fünf
Fahre  ausgegeben.  Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt  bei  der

ämmoreikaff  der  Stadt  Krotoschin  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie
  beigedruckten  Talons.

Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen  Zinskupons-Serie
  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung
rechtzeitig  geschehen  ift.

Ichrgung  1867.  (Nr.  6751.)  164  Zur
        <pb n="1431" />
        —  1254  —

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  die
Siabtgemeinde  Lekeun  mit  ihrem  reeangeen  der  und  ihen  sämmtlichen
inkünften
Dessen  zu  Urkund  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
und  Siegel  v.
Krotoschin,  den..  18.
(Trockener  Stempel.)

Der  Magistrat  der  Stadt  Krotoschin.

(Unterschrift  des  Dirigenten  und  eines  Magistratsmitgliedes  unter  Beifügung
der  Amtstitel.)

Eingetragen  im  Lantebuch  Hierzu  sind  die  Kupons  Serie  L  A-  1.  bis  10.
Fol.  nebst  Talon  ausgereicht.
Der  Loenkureter  Kämmereikassen-Rendant.

Provinz  Posen,  Regierungsbezirk  Posen.
Zins-Kupon

(Serie  )
über
.....  ThqlnSilbergtofchequeusige
zu  der
Obligation  der  Stadt  Krotoschin
Littr  ..
über  .  .  .  .  .  Thaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen.
Der  Inhaber  deses  Zinskupons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe,  vom
ouon  .  .  ..  ab,  die  Zinsen  der  vorbenannten  Stadt-Obligation  für  das
Halbj  ahr  vom  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  bis  ......  .  .  .  .  ..  mit  .  .  .  ..  Thalern  .  .  .  ..  Silbergroschen
  Pfennigen  bei  der  Kämmereikasse  zu  Krotoschin.
Krotoschin,  den  ##nn  18.

(Trockener  Stempel.)
Der  Magistrat.
(Unterschrift  des  Dirigenten  und  eines  Magistratsmitgliedes  unter  Beifügung
der  Amtstitel.)

Dieser  Zinskupon  wird  ungültig,  wenn
Deslen  Bewag  nicht  innerhalb  vler  Jahren  nach
Ablauf  des  alenderiabrest  in  wel  em  er  fällig
geworden,  erhoben  wir  -  —-Pro-
        <pb n="1432" />
        —  1255  —

Provinz  Posen,  RNegierungebezirk  Posen.
Talon

zu  der

Obligation  der  Stadt  Krotoschin.
Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  geden  Rüchabe  desselben  zu  der
über

Krotoschiner  Stadt-Obligation  Littr.  J...  ü1ber.....  Thaler
à  fünf  Prozent  Zinsen  die  ..“  Serie  Zinskupons  für  die  fünf  Jahre  vom
..  ien  ..  18.  bis  zm.  ....  18.  bei  der  Kämmereikasse

chriftlicher  Widerspruch  eingelegt  worden  ist.
Krotoschin,  den  #n  18.
(Trockener  Stempel.)
Der  Magistrat.

(Unterschrift  des  Dirigenten  und  eines  Magistratsmitgliedes  unter  Beifügung
der  Amtstitel.)

.  bi  .  bei
74  Krotoschin,  sofern  nicht  dagegen  Seitens  des  Inhabers  der  Obligation  vorher

 

(Nr.  6752.)  Statut  der  Genossenschaft  für  die  Melioration  der  Grundstücke  an  den  Lubiner
Seen,  Kreis  Kosten.  Vom  5.  Juli  1867.  «

Wir  Wilhelm,vonGotteanadeannigvonPreußetHk.

verordnen  nach  Anhörung  der  Betheiligten,  auf  Grund  des  Artikels  2.  des  Gesetzes
vom  11.  Mai  1853.  und  der  S#H.  56.  und  57.  des  Gesetzes  vom  28.  Februar
1843.)  was  folgt:

K.  1.

Die  Besitzer  der  an  und  oberhalb  der  Lubiner  Seen  belegenen  Wiesen  und
Bruchgrundstücke,  welche  an  schädlicher  Nässe  leiden,  werden  zu  einer  Genossenschaft
  vereinigt,  um  den  Ertrag  ihrer  Grundstücke  durch  Entwässerung  mittelst
Senkung  des  Wasserspiegels  der  Lubiner  Seen  zu  verbessern.

*  Verband  hat  Korporationsrechte  und  seinen  Gerichtsstand  bei  dem
Kreisgerichte  zu  Kosten.

5.  2.

Alle  zur  Ausführung  der  Senkung  der  Seen  erforderlichen  Anlagen  nach
dem  durch  den  Kreisbaumeister  Rose  zu  Kosten  unterm  26.  April  1866.  gefertigten
Meliorationsplane  und  Kostenanschlage,  sowie  derselbe  in  den  oberen  technischen
Instanzen  gebilligt  worden,  werden  auf  gemeinschaftliche  Kosten  der  Genossenschaft
  ausgeführt  und  unterhalten.

(.  6751—6752)  164“  Sollte
        <pb n="1433" />
        Sollte  es  demnächst  etwa  erforderlich  werden,  eine  oder  mehrere  Stauschleusen
in  dem  Ableitungsgraben  anzulegen,  um  den  in  der  Meliorationsfläche  belegenen
Grundstücken  die  erforderliche  Feuchtigkeit  zu  erhalten,  so  werden  dieselben  gleichfalls
  auf  gemeinschaftliche  Kosten  der  Genossenschaft  ausgeführt  und  unterhalten.

An  der  künftigen  Unterhaltung  des  aus  den  Lubiner  Seen  durch  die
Probsteiländereien  von  Lubin  führenden,  nach  dem  Meliorationsplane  zu  vertiefenden
  und  zu  verbreitenden  Ableitungsgraben  nimmt  die  Probstei  Lubin  md  und
ist  das  Theilnahmeverhältniß  zwischen  der  Sozietät  und  der  Probstei  für  die  ganze
innerhalb  der  Probsteiländereien  belegene  Grabenstrecke,  deren  bisherige  Unterhaltung
  nach  dem  Rezesse  über  die  gutsherrlich  bäuerliche  Regulirung  von  Lubin
der  Probstei  oblag,  mit  Rücksicht  auf  die  diesfälligen  Bestimmungen  des  Rezesses
und  die  Grundsätze  des  F.  23.  des  Vorfluth-Ediktes  vom  15.  November  1811.
durch  ein  nach  F.  22.  Ssequ.  des  Vorfluth-Ediktes  abzuhaltendes  schiedsrichterliches
Verfahren  festzustellen.  Die  Unterhaltung  der  zu  den  probsteilichen  Grundstücken
über  den  Ableitungsgraben  vorhandenen  Zugangsbrücken  —  nach  deren  auf  Kosten
der  Sozietät  auszuführenden  Verbreitung  —  übernimmt  in  den  vergrößerten
Dimenssonen  anz  ausschließlich  die  Probstei  Lubin.

Durch  as  oben  angedeutete  schiedsrichterliche  Verfahren  bleibt  im  Mangel
von  Einigung  das  Theilnahmeverhältniß  an  der  auf  Kosten  der  Sozietät  zu  verbreitenden,
  über  den  Ableitungsgraben  auf  dem  Kosten-Gostyner  Wege  führenden
Brücke  zwischen  den  bisherigen  Baupflichtigen  und  der  Sosiett  festzustellen.

Sollten  sich  bei  der  Ausführung  des  Meliorationsplanes  oder  rücksichtlich
demnächstiger  Herstellung  von  Stauschleusen  Streitigkeiten  darüber  ergeben,  welche
Anlagen  von  der  Genossenschaft  zu  machen  sind,  oder  wie  die  Ausführung  zu
bewirken  ist,  so  entscheidet  darüber  nach  Anhörung  des  Vorstandes  und  der  Betheiligten
  die  Regierung  zu  Posen.

G.  3.

Die  Kosten  zur  Ausführung  des  Meliorationsplanes  und  etwaiger  Stauschleusen,
  imgleichen  die  Unterhaltungskosten  der  gemeinschaftlichen  Anlagen  werden
  von  den  Genossen  des  Verbandes  durch  Geldbeiträge  nach  Maaßgabe  des
Katasters  aufgebracht.

In  dem  Kataster  sind  die  betheiligten  Grundstücke  nach  Verhältniß  des  durch
die  Melioration  abzuwendenden  Schadens  und  herbeizuführenden  Vortheils  in  drei
Klassen  zu  theilen,  von  denen  ein  Preußischer  Morgen

der  1.  AKase  zu  drei  Theilen,

der  2.  Klasse  zu  zwei  Theilen,

der  3.  Klasse  zu  Einem  Theile
heranzuziehen  ist.

Die  Aufstellung  des  Katasters  erfollt  durch  zwei  von  der  Regierung  ernannte
  Boniteure  unter  Leitung  des  Königlichen  Kommissarius,  welcher  sich  bei
dem  Einschähungsgeschäfte  zeitweise  durch  einen  Feldmesser  vertreten  lassen  kann.

Das  Kataster  ist  den  Rittergutsbesitzern  und  den  Vorständen  der  Gemeinden,
welchen  die  übrigen  Betheiligten  angehören,  extraktweise  mitzutheilen  und  bei  dem
Landrathe  des  Kostener  Kreises  vier  Wochen  lang  offen  zu  legen.  Nur  binnen

dieser
        <pb n="1434" />
        —  1267  —

dieser  Frist  können  Beschwerden  gegen  das  Kataster  erhoben  werden.  Dieselben

sind  bei  dem  Landrathe  des  Kostener  Kreises  anzubringen.  Die  Zeit  der  Offen-*nm

  ist  vor  deren  Beginn  durch  das  Amtsblatt  und  außerdem  in  ortsüblicher
eise  bekannt  zu  machen.

Der  Landrath  Kostener  geiles  hat  die  Beschwerden  unter  QZuziehung  des
Beschwerdeführers,  eines  Mitgliedes  des  Vorstandes  und  geeigneter  Sachverständigen
zu  untersuchen.  Die  Sachverständigen  sind  von  der  Regierung  zu  Posen  zu
ernennen.  ·

Mit  dem  Resultate  der  Untersuchung  werden  die  Beschwerdeführer  und
das  Vorstandsmitglied  bekannt  gemacht;  2  beide  Theile  mit  dem  Resultate
einverstanden,  so  wird  das  Kataster  demgemäß  berichtigt,  anderenfalls  werden  die
Akten  der  Regierung  zu  Posen  zur  En  chedung  eingereicht.

Binnen  vier  Wochen  nach  erfolgter  Bekanntmachung  der  Regierungsentscheidung
  ist  Rekurs  dagegen  an  den  Minister  für  die  landwirthschaftlichen
Angelegenheiten  zulässig.  ird  die  Beschwerde  verworfen,  so  treffen  die  Kosten
derselben  den  Beschwerdeführer.

Das  festgestellte  Kataster  wird  von  der  Regierung  zu  Posen  ausgefertigt
und  dem  Landrathe  des  Kostener  Kreises  zugesendet.

Auf  Grund  des  Katasters  werden  die  Heberollen  aufgestellt.

So  lange  das  Kataster  in  der  oben  vorgeschriebenen  Weise  nicht  festgestellt
ist,  können  nach  Maaß  gab-  der  im  Besitzstandsregister  —  gefertigt  durch  Kreisbaumeister
  Rose  vom  29.  April  1866.  —  als  betheiligt  bei  der  Melioration  angenommenen
  Flächen,  jedoch  mit  Ausschluß  der  Seeflächen,  Beiträge  ausgeschrieben
und  eingezogen  werden,  vorbehaltlich  späterer  Ausgleichung.

KC.  4.

.  Die  Flächen  des  großen  und  kleinen  Lubiner  Sees  bleiben,  als  zur  Zeit
nicht  beitragspflichtig,  in  dem  nach  F.  3.  aufgestellten  Kataster  außer  Ansatz.
Werden  bisherige  Seeflächen  in  Folge  der  Senkung  des  Wasserspiegels
wasserfrei,  so  hat  der  Genossenschaftsvorstand  den  Umfang  der  diesfälligen  Flächen
nach  Ablauf  eines  Jahres  nach  Ausführung  der  Seesenkung  feststellen  zu  lassen.
Nach  Ablauf  von  vier  Jahren  nach  Ausführung  der  Seesenkung  sind  die
wasserfrei  gewordenen  früheren  Seeflächen  nach  dem  im  F.  3.  geordneten  Verfahren
  einzuschätzen  und  nach  Feststellung  der  Beitragspflichtigkeit  und  Einschätzung
aachträgich  in  das  Kataster  aufzunehmen.
ach  erfolgter  Aufnahme  in  das  Kataster  faben  die  Besitzer  der  diesfälligen
  Flächen  an  Neubaukosten,  d.  i.  an  Kosten  der  Ausführung  des  Meliorationsplanes,
  pro  Morgen  den  gleichen  Betrag,  welcher  pro  Morgen  der  gleichen
Klasse  von  den  übrigen  Verbandemitgliedern  aufgebracht  worden  ist,  nachträglich
zur  Verbandskasse  zu  zahlen,  welche  eingehende  Summe  nach  Bedürfniß  des  Verbandes
  zu  verwenden  ist.  Von  dem  nach  erfolgter  Aufnahme  in  das  Kataster
kommenden  1.  Januar  ab  nehmen  die  Besitzer  der  aufgenommenen  früheren  Seeichen
  an  der  Unterhaltung  der  Verbandsanlagen  und  etwaigen  Neubaukosten
ntheil,  und  zwar  in  demselben  Verhältnisse,  wie  die  Besitzer  der  übrigen  beitragspflichtigen
  Flächen  der  gleichen  Katasterklassen.

(Xr.  6752.)  5.  ö.
        <pb n="1435" />
        —  1258  —

G.  5.

An  der  Spitze  der  Genossenschaft  steht  der  Sozietätsdirektor.  Der  Landrath
  des  Kostener  Kreises  soll  zugleich  Sozietätsdirektor  sein.  Derselbe  führt  die
Verwaltung  nach  den  Bestimmungen  dieses  Statuts  und  den  Beschlüssen  des
Vorstandes  und  vertritt  die  Genossenschaft  in  allen  Angelegenheiten,  auch  dritten
Personen  und  Behörden  gegenüber,  in  und  außer  Gericht,  wenn  es  nöthig  werden
  sollte.  Er  hat  insbestobdere

a)  die  Ausführung  der  gemeinschaftlichen  de  nach  den  festgestellten
Plänen  zu  veranlassen  und  dieselben  zu  beaufsichtigen;

b)  die  Hebelisten  anzulegen,  die  Beiträge  auszuschreiben  und  von  den  Säumigen
  event.  gleichwie  bei  allen  übrigen  auf  Grundstücken  haftenden
öffentlichen  Laßen  durch  administrative  Exekution  zur  Kreis-Kommunalkasse
  einzuziehen,  die  JZahlungen  auf  die  Kasse  anzuweisen  und  die  Kassenverwaltung
  zu  revidiren;

e)  den  Schriftwechsel  für  die  Genossenschaft  zu  führen  und  die  Urkunden
derselben  zu  unterzeichnen.

Dem  Seozietätsdirektor  wird  ein  Vorstand  von  zwei  durch  die  Genossenschest

  gewählten  Mitgliedern  beigeordnet,  welcher  unter  dem  Vorsitze  des  Sozietätsirektors

  nach  Stimmenmehrheit  verbindende  Beschlüsse  für  die  Sozietät  zu  fassen,

den  Direktor  in  seiner  Geschäftsführung  zu  unterstützen  und  das  Beste  der  Sozietät
überall  wahrzunehmen  hat.

In  Behinderungsfällen  wird  jedes  Vorstandsmitglied  durch  je  einen  Stellvertreter
  vertreten.

Zur  Verbindlichkeit  des  Beschlusses  gehört  die  Theilnahme  dreier  Personen,
des  Sozietätsdirektors  und  zweier  Vorstandsmitglieder,  resp.  Stellvertreter.  Bei
Stimmengleichheit  giebt  die  Stimme  des  Sozietätsdirektors  den  Ausschlag.

Die  Ausführung  der  Beschlüsse  steht  dem  Sozietätsdirektor  zu.

In  Behinderungsfällen  läßt  der  Landrath  die  Angelegenheiten  der  Genossenschaft
  durch  einen  von  ihm  aus  der  Zahl  der  Vorstandsmitglieder  zu  ernennenden
Stellvertreter  leiten.  Sowohl  der  Direktor  als  die  beiden  Vorstandsmitglieder
und  deren  Vertreter  verwalten  ihr  Amt  als  ein  Ehrenamt.

S.  6.
Es  haben  zu  wählen:
a)  das  Rittergut  Lubin  Ein  Vorstandsmitglied  und  dessen  Stellvertreter,

b)  die  übrigen  Mitglieder  der  Genossenschaft  Ein  Vorstandsmitglied  und
dessen  Stellvertreter.

Bei  der  Wahl  ad  b.  haben  die  Wahlberechtigten  und  zwar  jeder  Besitzer
eines  betheiligten  Rittergutes  und  jeder  Ortsschulze  der  betheiligten  Dörfer  für  je
ehn  volle,  auf  Normalboden  (erste  Beitragsklasse)  reduzirte  Morgen  des  zum
tittergute  oder  zur  Gemeinde  gehörigen  belheiligten  Besitzstandes  Eine  Stimme.

So
        <pb n="1436" />
        —  1259  —

So  lange  das  Kataster  nicht  nach  §.  3.  definitiv  festgestellt  worden,  ist
lediglich  die  Morgenzahl  der  im  Besitzstandsregister  des  Kreisbaumeisters  Rose  vom
29.  April  1866.  als  betheiligt  aufgenommenen  Flächen  —  jedoch  mit  Ausschluß
der  Seeflãchen  —  für  die  Berechnung  der  zustehenden  Stimmenzahl  maaßend.



ge
Die  bezeichneten  Wähler  wählen  entweder  persönlich  oder  durch  Bevollmächtigte
  resp.  durch  ihre  gesetzlichen  Vertreter.
Absolute  Stimmenmehrheit  entscheidet,  bei  Stimmengleichheit  das  Loos.
ç  Wird  nach  zweimaliger  Wahlabstimmung  eine  Stimmenmehrheit  nicht  erzielt,
  so  sind  für  jede  noch  vorzunehmende  Wahl  diejenigen  beiden  Personen,
welche  in  der  vorhergegangenen  Abstimmung  die  relativ  meisten  Stimmen  erhalten
hatten,  auf  die  engere  Wahl  zu  bringen.
Die  Wahl  gilt  für  sechs  Jahre;  die  Ausscheidenden  sind  wieder  wählbar.
Der  Sojzietatsdirektor  ist  Wahlkommissarius  und  stellt  die  Wahllisten  fest.
Die  Prüfung  der  Wahlen  gebührt  dem  Vorstande.  Bei  dem  Wahlverfahren,
  sowie  für  die  Vechflichtung  zur  Annahme  der  Wahl,  gelten  analog
die  Vorschriften  über  Gemeindewahlen.

S.  7.

Streitigkeiten,  welche  zwischen  den  Mitgliedern  des  Verbandes  über  das
Eigenthum  von  Grundstücken,  über  die  Zuständigkeit  oder  den  Umfang  von
Grundgerechtigkeiten  und  anderen  Nutzungsrechten,  und  über  besondere,  auf  spesellen
  Rechtstiteln  beruhende  Rechte  oder  Verbindlichkeiten  entstehen,  gehören  zur

tscheidung  der  ordentlichen  Gerichte.

Dagegen  werden  alle  anderen,  die  gemeinsamen  Angelegenheiten  des  Verbandes
  oder  die  vorgebliche  Beeinträchtigung  eines  oder  des  anderen  Genossen
betreffende  Beschwerden  von  dem  Vorstande  untersucht  und  entschieden,  soweit
mit  in  Biref  des  Entschädigungsverfahrens  im  §.  2.  etwas  Anderes  vorgeschrieben
  ist.

Gegen  die  Entscheidung  des  Vorstandes  steht  jedem  Theile  der  Rekurs  an
ein  Schiedsgericht  frei,  welher  binnen  zehn  Tagen,  von  der  Bekanntmachung
des  Bescheides  an  gerechnet,  bei  dem  Sozietätsdirektor  angemeldet  werden  muß.

Das  Schiedsgericht  besteht  aus  drei  Mitgliedern  und  entscheidet  nach
Stimmenmehrheit.  -

Ein  weiteres  Rechtsmittel  findet  nicht  statt.

Der  unterliegende  Theil  trägt  die  Kosten.

Das  Sicegeric  wird  in  jedem  Falle  so  gebildet,  daß  der  Verbandsvorstand
  einen  Schie  örichter,  der  oder  die  methreren  gleichbetheiligten  Rekurrenten
einen  Schiedsrichter  wählen,  und  daß  die  Regierung  den  Obmann  bestimmt,
welcher  den  Vorsitz  führt.

Zu  Mitgliedern  des  Schiedsgerichts  können  nur  großjährige,  verfügungsfähige,
  unbescholtene  Männer,  die  nicht  zum  Verbande  gehören,  gewählt  werden.

Wenn  von  dem  oder  den  gleichbetheiligten  Rekurrenten  nicht  binnen  vier
Wochen,  vom  Tage  des  Abganges  der  schriftlichen  Aufforderung  des  Vorstandes,
esen  ein  geeigneter  Schiedsrichter  namhaft  gemacht  wird,  so  erfolgt  die  Wahl
desselben  durch  die  Regierung.

(Nr.  6752)  Wenn
        <pb n="1437" />
        —  1260  —

Wenn  von  mehreren  gleichbetheiligten  Rekurrenten  einzelne  sich  der  Wahl
enthalten,  so  sind  sie  an  die  Wahl  der  übrigen  gebunden.

g.  8.

Nach  beendeter  Ausführung  des  Meliorationsplanes  findet  alljährlich
zwischen  Saat-  und  Erntezeit  eine  urien  und,  so  oft  es  erforderlich  ist,  im
September  eine  Nachschau  der  Anlagen  Seitens  des  Vorstandes  statt.

Der  Sozietätsdirektor  schreibt  die  Schau  aus  und  leitet  dieselbe.

Er  legt  dabei  ein  Verzeichniß  der  Schaugegenstände  mit  ihrer  Beschreibung
7  Grunde  und  zieht  die  Betheiligten,  sofern  sie  sich  melden  oder  er  es  für  nöthig

alt,  zu.

Der  Vorstand  setzt  demnächst  fest,  was  zur  Unterhaltung  der  vorhandenen
Anlagen  geschehen  soll.

·  §.9.

Der  Verband  ist  dem  Oberaufsichtsrechte  des  Staates  unterworfen.  Dieses
  Recht  wird  durch  die  Regierung  zu  Posen  als  Landespolizeibehörde  und  in
höherer  Instanz  von  dem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  33—
gehandhabt  nach  Maaßgabe  dieses  Statuts  und  im  Uebrigen  in  dem  Umfange
und  mit  den  Befugnissen,  welche  gesetzlich  den  Aufsichtsbehörden  der  Gemeinden
zustehen.

§.  10.

Abänderungen  dieses  Statuts  können  nur  unter  landesherrlicher  Genehmigung
  erfolgen.

Lachundich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  5.  Juli  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.  #
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="1438" />
        —  1261  —

Gesetz=  Sammlung

für  die

 

 

(Nr.  6753.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  94.  Juni  1867.,  betreffend  die  Einrichtung  besonderer
Verwaltungsstellen  für  den  früheren  Großherzoglich  Hessischen  Kreis  Vöhl
und  den  früheren  Bayerischen  Bezirk  Orb.

A-#  den  Bericht  vom  17.  Juni  d.  J.  will  Ich  unter  Rückgabe  der  Anlagen
hierdurch  genehmigen,  daß  der  frühere  Großherzoglich  Hessische  Kreis  Vöhl  nebst
den  Enklaven  Eimelrod  und  Höringhausen,  sowie  der  frühere  Bayerische  Bezirk
Orb,  ähnlich  wie  die  Amtsbezirke  im  vormaligen  Herzogthum  Naft#e  und  der
Amtsbezirk  Heuburg.  .  9.  Meiner  Verordnung  vom  22.  Februar  d.  J.,  Gesetz-Samml.
  S.  273.)  als  engere  Verwaltungsbezirke  bestehen  bleiben  und  für  dieselben
je  ein  dem  betreffenden  Landrathe  untergeordneter  Bezirksbeamter  bestellt  werde,
er  den  Titel  Amtmann  führen  soll,  und  dessen  Kompetenz  durch  besondere  Instruktion
  festzustellen  ist.
Berlin,  den  24.  Juni  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  zu  Eulenburg.

An  die  Minister  der  Finanzen  und  des  Innern.

Jubga  18667.  (Nr.  6753—6755.)  *165  (Nr.  6754.)

Ausgegeben  zu  Berlin  den  12.  August  1867.
        <pb n="1439" />
        —  1262  —

(Nr.  6754.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  15.  Juli  1867.,  betreffend  die  Gestattung  des  Besuchs
der  Universitäten  in  Zürich  und  Bern.

A,.  f  Ihren  Bericht  vom  11.  d.  M.  will  Ich  znter  Aufhebung  t  der  Order  vom
3.  Januar  1842.  (Gesetz  Samml.  von  1842.  S.  77.)  M  Unterthanen  den
Besuch  der  Universitäten  in  Zürich  und  Bern  allgemein  wicherum  gestatten.

Ems,  den  15.  Juli  1867.
Wilhelm.
Für  den  Minister  der  auswärtigen
Angelegenheiten:
Gr.  zur  Lippe.  v.  Mühler.

An  die  Minister  der  auswärtigen  und  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten.

 

(Nr.  6755.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  19.  Juli  1867.,  betreffend  die  Abstandnahme  von  der
Bestätigung  der  in  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein  von  den
früheren  Landesherren  oder  von  den  Behörden  im  Auftrage  der  Landesherren
  ohne  Vorbehalt  des  Widerrufs  ertheilten  oder  bestätigten  Bestallungen,
  Privilegien  2c.  bei  eintretendem  Wechsel  in  der  Person  des
Landesherrn.

A#½#  den  Bericht  vom  10.  Juli  d.  J.  bestimme  %  daß  es  in  den  Hechogthümern
  Schleswig  und  Holstein  bei  eintretendem  Wechsel  in  der  Person  des
Landesherrn  einer  Bestätigung  der  von  den  frü  früheren  Landesherren  oder  von  den
Behörden  im  Auftrage  der  Landesherren  ohne  Vorbehalt  des  Widerrufs  ertheilten
oder  bestätigten  Bestallungen,  Privilegien,  Konzessionen  oder  sonstigen  Begnadigungen
  nicht  ferner  bedürfen  soll.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Ems,  den  19.  Juli  1867.

Wilhelm.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
An  das  Staatsministerium.

 

(Nr.  6756.)
        <pb n="1440" />
        —  1263  —

(Nr.  6756.)  Verordnung  wegen  Einführung  der  gesetzlichen  Vorschriften  über  die  Besteuerung
des  Braumalzes  im  Jadegebiet.  Vom  26.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  ꝛc.
verordnen  für  das  Jadegebiet,  was  folgt:

ß.  1.

Vom  1.  Juli  d.  J.  ab  werden  auf  Grund  der  Bestimmung  im  8.  1.  des
Gesetzes  vom  14.  Mai  1855.,  die  Einführung  und  Publikation  der  Gesetze  im
Jadegebiet  betreffend  (Gesetz=  Samml.  S.  306.),  die  in  dem  Gesetze  und  der
Ordnung  wegen  Besteuerung  des  inländischen  Branntweins,  Braumalzes  u.  s.  w.
vom  8.  Februar  1819.  (Gesetz  Samml.  S.  97.  und  102.)  enthaltenen  Bestimmungen
  über  die  Besteuerung  des  Braumalzes  nebst  den  später  darüber  ergangenen
erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  Vorschriften  in  Kraft  gesetzt.

KC.  2.

Unser  Finanzminister  und  Unser  Marineminister  sind  mit  der  Ausführung
dieser  Verordnung  beauftragt.

kurbundh  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Ems,  den  26.  Juli  1867.
(LI.  S)Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.

 

(r.  6756—6757  Nr.  6757.)
        <pb n="1441" />
        —  1264  —

(Nr.  6767.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  26.  Juli  1867.,  betreffend  das  Verfahren  in  den  durch
die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  (Gesetz=  Samml.
S.  555.  875.  876.)  der  Monarchie  einverleibten  Candestheilen  bei  Anträgen
ausländischer  Behörden  auf  Auslieferung  verfolgter  Personen.

Auf  Ihren  Bericht  vom  20.  Juli  d.  J.  bestimme  Ich  hierdurch  für  das  Ge
biet  der  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  (Gesetz-Samml.
  S.  555.  875.  876.)  der  Monarchie  einverleibten  Landestheile,  daß  bei
Anträgen  ausländischer  Behörden  auf  Auslieferung  Ferfelter  Personen  hinsichtlich
  des  Erfordernisses  Ihrer  Genchmigung,  zur  Ausführung  des  Ansuchens  die
vu  den  älteren  Landestheilen  bestehenden  Vorschriften  zur  Anwendung  kommen
ollen.

Diesem  Meinem  Erlasse  gemäß,  welcher  mit  dem  1.  September  d.  J.  in
Kraft  tritt  und  durch  die  Gelet  ammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen
ist,  haben  Sie,  der  Justizmin  er,  die  Beamten  der  Staatsanwaltschaft,  durch
welche  in  Strafsachen  die  Erledigung  der  Requisitionen  ausländischer  Behörden
zu  erfolgen  hat,  mit  Anweisung  zu  versehen.

Alle  entgegenstehenden  Bestimmungen  der  bisherigen  Landesgesetze,  insbesondere
  das  Frankfurter  Gesetz,  das  Verfahren  bei  Vuslieferungsgesuchen  auswärtiger
  Regierungen  oder  Behörden  betreffend,  vom  6.  Juni  1866.,  treten  mit
dem  genannten  Zeitpunkte  außer  Wirksamkeit.

Ems,  den  26.  Juli  1867.
Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.
Zugleich  für  den  Minister  der  auswärtigen
Angelegenheiten.
An  die  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten  und  der  Justiz.

 

Redigirt  im  Bürean  des  Staats-Ministeriums.
Berlin)  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Sofbuchdruckeret
(N  v.  Decker).
        <pb n="1442" />
        —  1265  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  74.

 

(Nr.  6758.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Zollgesetzes,  der  Zollordnung  und
des  Zollstrafgesetzes  und  die  Regelung  des  Verfahrens  bei  Zuwiderhandlungen
  gegen  die  Gesetze  über  Zölle  und  andere  indirekte  Abgaben  in  den
Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig.  Vom  29.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #c.
verordnen  für  die  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig,  was  folgt:

.  1.

Vom  15.  September  1867.  ab  treten  in  den  Eingangs  bezeichneten  Landestheilen
  mit  den  im  F.  2.  angeordneten  Aenderungen  und  Zusätzen  in  Wirksamkeit:
das  Zollgesetz,  die  Lollordnung  und  die  I#.  1.  bis  27.  des  Gesetzes  wegen  Untersuchung
  und  Bestrafung  der  Vollvergehen  vom  23.  Januar  1838.  (Gesetz  Samml.
S.  34.  42.  und  78.)  nebst  den  dazu  ergangenen  erläuternden,  abändernden  und
ergänzenden  Bestimmungen  und  mit  denjenigen  Maaßgaben,  welche  durch  die  Verordnung
  vom  25.  Juni  1867.  und  das  damit  eingeführte  Strafgesetzbuch  (Gesetz-Samml.
  S.  921.)  hinsichtlich  der  Bestrafung  der  Zuwiderhandlungen  gegen  die
Zollgesetze  bedingt  werden.  ·

In  den  vom  Zollverbande  mit  den  Eingangs  genannten  Herzogthümern
gegenwaͤrtig  noch  ausgeschlossenen  Theilen  der  letzteren  treten  das  Zollgesetz  und
die  Zollordnung  vom  23.  Januar  1838.  nebst  den  dieselben  erläuternden,  ergänenden
  und  abändernden  Bestimmungen  erst  mit  dem  Zeitpunkte  der  Einverleibung
sener  Landestheile  in  den  Zollverband  in  Kraft.

G.  2.

1)  Von  dem  im  §.  27.  des  Zollgesetzes  vom  23.  Januar  1838.  (Gesetz-Samml.
  S.  34.)  erwähnten  Gesetze  über  den  Waffengebrauch  der  Grenz-Aufsichtsbeamten
  vom  28.  Juni  1834.  (Gesetz  Samml.  S.  83.)  treten  nur
die  I§.  1.  bis  7.  und  13.  in  Kraft.

2)  Wenn  wegen  Kontrebande  oder  ZJolldefraudation  in  den  Fällen  der  9.  4.
11.  Nr.  2.,  F.  13.  14.  15.  24.  des  im  9.  I.  gedachten  Zollstrafgesetzes

Jabrgang  1867.  (Nr.  6758.)  166  vom

Ausgegeben  zu  Berlin  den  14.  August  1867.
        <pb n="1443" />
        —  1266  —

vom  23.  Januar  1838.  (Gesetz  Samml.  S.  78.)  eine  Verurtheilung  zu
einer  Freiheitsstrafe  von  sechswöchentlicher  oder  längerer  Dauer,  sei  es
unmittelbar  oder  für  den  Fall  des  Unvermögens  zur  Zahlung  einer  Geldbuße,
  erfolgt,  so  muß  zugleich  auf  Stellung  unter  Polizeiaufsicht  (Strafesetzbuch
  F.  26.))  gegen  Ausländer  auf  Landesverweisung  erkannt  werden.
rfolgt  die  Verurtheilung  zu  einer  Freiheitsstrafe  der  bezeichneten  Art
auf  Grund  des  F.  3.  des  Zollstrafgesetzes,  so  kann  auf  die  gedachten
Nebenstrafen  erkannt  werden.  Die  Stellung  unter  Polizeiaufsicht  zieht
die  in  den  I§.  27.  und  28.  des  Strafgesetzbuchs  bezeichneten  Wirkungen
nach  sich.  Auch  ist  die  Grenzollbehörde  befugt,  dem  unter  Polheiauf.
sicht  Stehenden  das  Betreten  des  Auslandes  ohne  ihre  besondere  Erlaubniß
  zu  untersagen.  Auf  Zuwiderhandlungen  gegen  die  auferlegten  Beschränkungen
  findet  der  §.  116.  des  Strafgesetzbuchs  Anwendung.

3)  In  Beziehung  auf  die  Verhängung  der  Strafe  des  Rückfalles  (§#.  3.  ff.
des  Jollstrafgesetzes)  macht  es  keinen  Unterschied,  ob  in  den  früheren
Straffällen  eine  rechtskräftige  Verurtheilung  oder  eine  freiwillige  Unterwerfung
  unter  die  Strafe  stattgefunden  hat.

S.  3.

Der  Betrag  der  nach  dem  Zollstrafgesetze  vom  23.  Januar  1838.  festgesetzten
  und  eingezogenen  Geldstrafen  und  der  Erlös  aus  den  Konfiskaten,  letzterer
nach  Abzug  der  darauf  ruhenden  Abgben,  fließt  zur  Staatskasse.  Den  Denunzianten
  stehen  keine  Antheile  an  den  Geldstrafen  oder  dem  vorgedachten  Erlöse  zu.

K.  4.

Mit  dem  15.  September  1867.  tritt  in  den  Eingangs  gedachten  Landestheilen
  die  unter  dem  heutigen  Tage  für  die  in  derselben  bezeichneten  Gebietstheile
erlassene  Ordnung  für  das  Verfahren  bei  Entdeckung  und  Untersuchung  von  Zuwiderhandlungen
  gegen  die  Zollgesetze  in  Kraft.

g.  5.

Die  Bestimmungen  der  vorstehend  im  F.  4.  genannten  Ordnung  kommen
in  den  Eingangs  gedachten  Landestheilen  vom  15.  September  1867.  ab  auch  beie
der  Verfolgung  von  allen  Zuwiderhandlungen  gegen  die  gesetzlichen  Bestimmungen
über  die  inneren  indirekten  Steuern  und  Abgaben,  und  zwar  mit  folgenden  Maaßgaben
  zur  Anwendung:

a)  wenn  die  Gel#iche  Strafe  und  der  Werth  des  der  Konfiskation  unterliegenden
  Gegenstandes  zusammengenommen  zehn  Thaler  übersteigt,  entscheidet
  in  erster  Instanz  nicht  das  Hauptamt,  sondern  die  Provinzial-Steuerbehörde,
  «

b)  soweit  die  Ahndung  von  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Gesetze  über  die
Stempelsteuer  im  administrativen  Verfahren  nach  den  bisherigen  Vorschriften
  den  Behörden  der  Verwaltung  der  indirekten  Steuern  übertragen

oder
        <pb n="1444" />
        —  1267  —

oder  in  den  betreffenden  Verordnungen  über  Stempelsteuer  auf  die  Vorschriften,
  nach  welchen  sich  das  Bech-  ahren  wegen  Zollver  chen  bestimmt,
verwiesen  worden,  ist  für  das  Verfahren  die  vorerwähnte  Ordnung  maaßebend,

  jedoch  erfolgt  die  Verwandlung  der  Stempelstrafen  in  Kreihel.
Ktrafen  nach  den  Wehimmungen  des  Erlasses  vom  24.  Mai  1844.  (Gesetz-Samml.
  S.  238.)

I)  die  Bestinmungen  des  Regulativs  vom  7.  Juni  1844.  „[(Gesetz-Samml.
S.  167.)  kommen  bei  dem  Verfahren  wegen  C.
auf  Staats-Chausseen  insoweit  zur  Anwendung,  als  F  die  vorgedachte
Ordnung  andere  ausdrückliche  Vorschriften  en  anhele

K.  6.
Soweit  in  den  Eingangs  gedachten  Landestheilen  Fchörg  eingerichtete
7  Zoll=  und  Haupt-Steuerämter  am  15.  September  1867  noch  nicht  bestehen,
nd  die  Funktionen,  welche  nach  den  in  den  88.  1.  4.  und  5.  bezeichneten  gesetzlichen
  Bestimmungen  den  Hauptämtern  obliegen,  nach  näherer  Anordnung  des
Finanminsters  von  den  sonstigen  in  den  betreffenden  Landestheilen  in  Wichmm.
eit  befindlichen  Steuerbehörden  wahrzunehmen.

F.  7.
Mit  dem  Eintritte  der  Wirksamkeit  dieser  erorhman  werden  alle  in  den

Einga  angs  gedachten  Landestheilen  zur  Zeit  gültigen,  mit  dieser  Verordnung  nicht
inklang  stehenden  Vorschriften  hierdurch  aufgehoben.

g.  8.
Der  Finanzminister  wird  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.
W  *232  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Ems,  den  29.  Juli  1867.

(I.  .)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  zur  Lippe.

 

(Nr.  6758—6759)  166“  (Xr.  6759.)
        <pb n="1445" />
        —  1258  —

(Nr.  6759.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Zollstrafgesetzes  und  die  Regelung  des
Verfahrens  bei  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Gesetze  über  Zölle  und  andere
indirekte  Abgaben  in  den  Regierungsbezirken  Kassel  und  Wiesbaden,  sowie
im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs  Hannover.  Vom  29.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rP

verordnen  für  die  dunc  die  Verordnung  vom  22.  Februar  1867.  (Gesetz  Samml.
S.  273.)  gebildeten  Vierungebgirle  Kassel  und  Wiesbaden,  ferner  für  das
Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  was  folgt:

K.  1.

Vom  15.  September  1867.  ab  treten  in  den  Eingangs  gedachten  Landestheilen
  mit  den  im  §.  2.  angeordneten  Zusätzen  in  Wirksamkeit:  die  88.  1.  bis  27.
des  Gesetzes  nichen  ntersuchung  und  Bestrafung  von  Zollvergehen  vom  23.  Januar
1838.  (Geset  Samml.  S.78.)  nebst  den  dazu  ergangenen  erläuternden,  abändernden
und  ergänzenden  Bestimmungen,  und  mit  denjenigen  Maaßgaben,  welche  durch
die  Verordnung  vom  25.  Juni  1867.  und  das  damit  eingeführte  Strafgesetzbuch
(Gesetz=  Samml.  S.  921.)  hinsichtlich  der  Bestrafung  der  Zuwiderhandlungen  gegen
die  Zollgesetze  bedingt  werden.

KC.  2.

1)  Wenn  wegen  Kontrebande  oder  Zolldefraudation  in  den  Fällen  der  .  4.
11.  Nr.  2.)  S#.  13.  14.  15.  24.  des  im  §.  1.  gedachten  Zollstrafgesetzes
vom  23.  Januar  1838.  (Gesetz  Samml.  S.  78.)  eine  Verurtheilung  zu
einer  Freiheitsstrafe  von  sechswöchentlicher  oder  längerer  Dauer,  sei  es
unmittelbar  oder  für  den  Fall  des  Unvermögens  zur  Zahlung  einer
Geldbuße,  erfolgt,  so  muß  zugleich  auf  Stellung  unter  Polizeiaufsicht
(Strafgesetzbuch  §.  26.),  gegen  Ausländer  auf  Landesverweisung  erkannt
werden.  Erfolgt  die  Verurtheilung  zu  einer  Freiheitsstrafe  der  gedachten
Art  auf  Grund  des  F.  3.  des  Zollstrafgesetzes,  so  kann  auf  die  gedachten
Nebenstrafen  erkannt  werden.

Die  Stellung  unter  Polizeiaufsicht  zieht  die  in  den  S§.  27.  und  28.
des  Strafgesetzbuchs  bezeichneten  Wirkungen  nach  sich.  Auch  ist  die
Gren  vllbehörde  befugt,  den  unter  Polizeiaufsicht  Stehenden  das  Betreten
des  Auslandes  ohne  ihre  besondere  Erlaubniß  zu  untersagen.  Auf  Zuwiderhandlungen
  gegen  die  auferlegten  Beschränkungen  findet  der  F.  116.  des
Strafgesetzbuchs  Anwendung.

2)  In  Beziehung  auf  die  Verhängung  der  Strafe  des  Rückfalles  (§#.  3.  ff.
des  Zollstrafgesetzes)  macht  es  keinen  Unterschied,  ob  in  den  früheren
Straffällen  eine  rechtskräftige  Verurtheilung  oder  eine  freiwillige  Unterwerfung
  unter  die  Strafe  stattgefunden  hat.

g.  3.
        <pb n="1446" />
        —  1269  —

F.  3.
Der  Betrag  der  nach  dem  Zollstrafgesetze  vom  23.  Januar  1838.  fest-Selebten
  und  eingezogenen  Geldstrafen  und  der  Erlös  aus  den  Konfiskaten,  nach
bzug  der  darauf  ruhenden  Abgaben,  fließt  zur  Staatskasse.  Den  Denunzianten
stehen  keine  Antheile  an  den  Geldstrafen  oder  an  dem  vorgedachten  Erlöse  zu.

K.  4.

Mit  dem  15.  September  1867.  tritt  in  den  Eingangs  gedachten  Landestheilen
  die  unter  dem  heutigen  Tage  für  die  in  derselben  bezeichneten  Gebietstheile
erlassene  Ordnung  für  das  Perfahren  bei  Entdeckung  und  Untersuchung  von
Zuwiderhandlungen  gegen  die  Zollgesetze  in  Kraft.

g.  6.

Die  Bestimmungen  der  vorstehend  im  F.  4.  genannten  Ordn#ug  kommen
in  den  Eingangs  gedachten  Landestheilen  vom  15.  September  1867.  ab  auch  bei
der  Verfolgung  von  allen  Zuwiderhandlungen  gegen  die  gesehlichen  Bestimmungen
über  die  inneren  indirekten  Steuern  und  Abgaben,  und  zwar  mit  folgenden
Maaßgaben  zur  Anwendung:

a)  wenn  die  Gelelich-  Strafe  und  der  Werth  des  der  Konfiskation  unterliegenden
  Gegenstandes  zusammengenommen  zehn  Thaler  übersteigt,  entscheidet
  in  erster  Instanz  nicht  das  Hauptamt,  sondern  die  Provinzial-Steuerbehörde;


soweit  die  Ahndung  von  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Gesetze  über  die
Stempelsteuer  im  administrativen  Verfahren  nach  den  bisherigen  Vorschriften
  den  Behörden  der  Verwaltung  der  indirekten  Steuern  übertragen
oder  in  den  betreffenden  Verordnungen  über  Stempelsteuer  auf  die  Vorschriften,
  nach  welchen  sich  das  Verfahren  wegen  Zollvergehen  bestimmt,
verwiesen  worden,  ist  für  das  Verfahren  die  vorerwähnte  Ordnung
maaßgebend,  jedoch  erfolgt  die  Verwandlung  der  Stempelstrafen  in
Freiheitsstrafen  nach  den  Bestimmungen  des  Erlasses  vom  24.  Mai  1844.
(Gesetz  Samml.  S.  238.);

die  Bestimmungen  des  Regulativs  vom  7.  Juni  1844.  (Gesetz  Samml.
S.  167.)  kommen  bei  dem  Verfahren  wegen  Chausseegeld-Uebertretungen
auf  Staats-Chausseen  insoweit  zur  Anwendung,  als  nicht  die  vorgedachte
Ordnung  andere  ausdrückliche  Vorschriften  enthält.

g.  6.
Soweit  in  den  Eingangs  gedachten  Landestheilen  gehörig  eingerichtete
dt  du  und  Haupt-  Steuerämter  am  15.  September  1867.  noch  nicht  beehen,
  sind  die  Funktionen,  welche  nach  den  in  den  §#.  1.  4.  und  5.  bezeichneten
gesetzlichen  Bestimmungen  den  Hauptämtern  obliegen,  nach  näherer  Anordnung
(FNr.  6759—6760.)  des

b

.

—
        <pb n="1447" />
        —  1270  —

des  Finanzministers  von  den  sonstigen  in  den  betreffenden  Landestheilen  in
Wirksamkeit  befindlichen  Steuerbehörden  wahrzunehmen.

K.  7.
Mit  dem  Eintritte  der  Wirksamkeit  dieser  Verordnung  werden  alle  in  den
Eingangs  gedachten  Landestheilen  zur  Zeit  gültigen,  mit  dieser  Verordnung  nicht
im  Einklange  stehenden  Vorschriften  hierdurch  aufgehoben.

S.  8.
Der  Finanzminister  wird  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.  «

Gegeben  Ems,  den  29.  Juli  1867.
(I.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  zur  Lippe.

—  —

(Nr.  6760.)  Ordnung  für  das  Verfahren  bei  Entdeckung  und  Untersuchung  von  Zuwiderhandlungen
  gegen  die  Zollgesetze  in  den  Regierungsbezirken  Wiesbaden
und  Kassel,  dem  vormaligen  Königreich  Hannover  und  den  Herzogthümern
Holstein  und  Schleswig.  Vom  29.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r

verordnen  für  die  durch  die  Verordnung  vom  22.  Februar  1867.  (Gesetz  Samml.
S.  273.)  gebildeten  Negierungsbezire  Kassel  und  Wiesbaden,  ferner  für  das
Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  und  für  das  Gebiet  der  Herzogthümer
  Holstein  und  Schleswig,  was  folgt:

K.  1.

1.  Versahren  Der  erste  Angriff  und  die  vorläufige  Feststellung  des  Thatbestandes  bei
bei  Entdeckung  Entdeckung  einer  Zuwiderhandlung  gegen  die  Zollgesetze  erfolgt  durch  die  mit  der
zuner  goligeseb=  Wahrnehmung  des  Zollinteresses  beauftragten  Beamten,  welche  sich  der  Gegenkbertretung,

  stäinde  des  Vergehens  und,  wenn  es  zur  Sicherstellung  der  Abgaben,  Strafen

und  Untersuchungskosten  erforderlich  ist,  auch  der  Transportmittel  durch  Beschlagnahme
  versichern  müssen.  Inwieweit  die  vorläufige  Festnahme  einer  Person  zulässig
  ist,  muß  nach  den  im  Allgemeinen  dieserhalb  bestehenden  gesetzlichen  Bestimmungen,
  insonderheit  nach  den  Vorschriften  der  IS§.  123.  bis  1  der

traf.
        <pb n="1448" />
        —  1271  —

Strasprozeßordnung  vom  25.  Juni  1867.  (Gesetz  Samml.  S.  933.)  bemessen
werden.
§.  2.

Die  Freilassung  der  in  Beschlag  genommenen  Gegenstände  vor  ausgemach=  2  Verfahren
ter  Sache  ist  nur  zulässig,  wenn  eine  Berdunkelung  des  Sachverhältnisses  davon  hinsichtlich  der
nicht  zu  besorgen  g.  Alsdann  ist  solche  in  Ansehung  der  Transportmittel  durch  in  Beschleg  gedie
  Zoll=  oder  Steuerstellen  ahre  Verzug  zu  verfügen,  wenn  entweder  nach  den  wenen
obwaltenden  Verhältnissen  wahrscheinlich  iß  daß  der  Kontravenient  dem  Staate  Sohen.
auch  ohne  Sicherheitsleistung  für  das  Vergehen  werde  gerecht  werden  können,
oder  wenn  genügende  Sicherheit  auf  Höhe  des  Betrages  der  Gefälle,  Strafe
und  Kosten,  oder  auf  Höhe  des  Werths  der  Transportmittel,  falls  dieser  geringer
ist,  geleistet  worden.

In  Ansehung  der  in  Beschlag  genommenen  Waaren,  in  Bezug  auf  welche
die  Zuwiderhandlung  verübt  worden,  findet  unter  obiger  Voraussetzung  die  Freilassung
  durch  die  Zoll=  oder  Steuerstellen  nur  statt,  wenn  bei  Vergehen,  welche
nicht  die  Konfiskation  der  Waaren  nach  sich  ziehen,  die  wahrscheinliche  Summe
der  Strafe  und  Kosten  und  in  anderen  Fällen  der  anerkannte  oder  gehörig  ermittelte
  Werth  der  Waaren,  einschließlich  der  Gefälle,  entweder  baar  deponirt,
oder  völlige  Sicherheit  dafür  auf  andere  Art  geleistet  wird.

G.  3.

Insofern  die  in  Beschlag  genommenen.  Transportmittel,  als:  Zugthiere
  u.  s.  w.,  nicht  innerhalb  acht  en  freigegeben  werden  können  und  deren
P  qhe  und  Unterhaltung  Kostenaufwand  Seitens  der  Zoll-  oder  Steuerbehörde
erfordert  oder  die  in  Beschlag  genommenen  Waaren  dem  Verderben  bei  der
Aufbewahrung  unterworfen  sind,  muß  die  Veräußerung  derselben  alsbald  veranlaßt
  werden.  4

Die  Zuwiderhandlungen  4  gen  die  Zugh  werden,  soweit  sie  von  dem  3.  heststellung

Zoll-  oder  Steuerbeamten  entdect  werden,  durch  Protokolle  derselben  festgestellt.  “
e  ur  rotokolle

  der  Beg.
  5.
amten.

Diese  Protokolle  müssen  enthalten:

1)  das  Datum  und  den  Ort  der  Aufnahme;

2)  die  Namen  der  dabei  anwesenden  Personen;

3)  die  vollständige  Angabe  des  Hergangs  der  Sache,  und

4)  die  Unterzeichnung  der  anwesenden  Personen  oder  die  Erwähnung,  daß
dieselben  nicht  haben  unterzeichnen  wollen  oder  könmen.

Das  Protokoll  muß  unverzüglich  nach  Entdeckung  der  Uebertretung  aufgenommen,
  von  den  Beamten  mit  der  Versicherung  der  Richtigkeit  des  Inhalts
auf  den  Diensteid  unterschrieben  und  spätestens  binnen  drei  Tagen  der  Behörde
eingereicht  werden.

(Nr.  6760.)  S  6.
        <pb n="1449" />
        4.  Kompetenz.

5.  Verfahren  ·  »
bei  gerichtlihen  Gemäßheit  der  Bestimmungen  der

Untersuchungen.


—  1272  —

g.  6.

Die  Untersuchung  und  Entscheidung  steht  in  den  Fällen,  wo  eine  Freiheitsstrafe
  unmittelbar  statisedel  oder  beim  Zusammentreffen  mit  anderen  strafbaren
Handlungen,  oder  wenn  der  Angeschuldigte  verhaftet  ist,  den  Gerichten  zu.

In  allen  übrigen  Fällen  wird  die  Untersuchung  von  den  Zaupt.  Zoll.  und
Steueraͤmtern  geführt  und  darauf  im  Verwaltungswege  entschieben.

K.  7.

Jedoch  hat  in  allen  Fällen  der  Angeschuldigte  das  Recht,  während  der
Untersuchung  oder  während  einer  zehntägigen  präklusivischen  Frist  auf  rechtliches
Gehör  anzutragen.  Die  Frist  beginnt  mit  dem  Ablaufe  des  Tages,  an  dem  die
Bekanntmachung  des  in  erster  Verwaltungsinstanz  ergangenen  Strafbescheides
erfolgt  ist.  Die  Anmeldung  der  Berufung  auf  rechtliches  Gehör  erfolgt  bei  dem
Haupt-Zoll=  oder  Steueramte,  bei  welchem  die  Sache  anhängig  ist.  Einer  ausdrücklichen
  Anmeldung  wird  es  gleich  geachtet,  wenn  der  Mnzeschuldigt-  auf  die
Vorladung  dieser  Behörde  nicht  erscheint,  oder  die  Auslassung  vor  derselben  verweigert.
  Die  Einleitung  der  gerichtlichen  Untersuchung  wird  von  dem  betreffenden
Haupt-Zoll=  oder  Steueramt  durch  Abgabe  der  Verhandlungen  an  die  Staatsanwaltschaft
  veranlaßt.

g.  8.

So  lange  ein  Strafbescheid  noch  nicht  erlassen,  oder  noch  nicht  verkündet
ist,  kann  die  Joll=  oder  Steuerbehörde  in  allen  Fällen  sich  der  Entscheidung  entbaten
  za  wegen  Einleitung  des  gerichtlichen  Verfahrens  das  Erforderliche  veranlassen
  (G.  7.).

G.  9.
Die  Führung  und  Entscheidung  der  gerichtlichen  Untersuchungen  erfolgt  in

trafprozeßordnung  vom  25.  Juni  1867.
(Gesetz  Samml.  S.  933.).  Wenn  jedoch  der  Angeschuldigte  bei  einer  im  Verwaltungswege
  gegen  ihn  geführten  Untersuchung  während  der  zehntägigen  Frist
nach  der  Bekanntmachung  des  Strafbescheides  6EK.  7.  und  5  auf  rechtliches
Gehör  angetragen  hat,  so  wird  in  diesem  Falle  das  Hauptverfahren  eingeleitet,
ohne  daß  über  die  Eröffnung  der  Untersuchung  von  dem  Gerichte  Beschluß  gefaßt
  wird.

Bis  zum  Beginne  der  gtwerhandlung  kann  der  Angeschuldigte,  indem
er  8  bei  dem  ergangenen  Bescheide  beruhigt,  den  Antrag  au  rechtliches  Gehör
urücknehmen.  Es  fallen  ihm  jedoch  alsdann  auch  die  bis  dahin  erwachsenen

osten  der  gerichtlichen  Untersuchung  zur  Last.

Der  Angeschuldigte,  welcher  zu  einer  Strafe  gerichtlich  verurtheilt  wird,
hat  auch  die  durch  das  Verfahren  im  Verwaltungswege  entstandenen  Kosten  zu
tragen.

8.  10.
        <pb n="1450" />
        —  1273  —

C.  10.

Die  Haupt-Zoll-  und  Steuerämter  untersuchen  die  Zuwiderhandlungen  und  6.  Verfahren
können  sich  hierbei  der  ihnen  untergeordneten  Aemter  und  Beamten  bedienen;  bei  Unterdie
  Betheiligten  und  Zeugen  werden  mündlich  verhört  und  ihre  Aussagen  zu  lchungen  in
Protokoll  genommen.  woaltungs·

K.  11.

wege.
Die  Vorladungen  geschehen  durch  die  Steueraufseher  oder  Unterbedienten
der  Zoll-  oder  Steuerämter,  oder  auf  deren  Regquisition  nach  den  für  gerichtliche
Infinuationen  bestehenden  Vorschriften.

K.  12.

Die  Zeugen  find  verbunden,  den  an  sie  von  den  Zoll=  oder  Steuerstellen
ergehenden  Vorladungen  Folge  zu  leisten.

Wer  sich  dessen  weigert,  wird  dazu  auf  Requisition  des  Joll=  oder  Steueramtes
  durch  das  Gericht  in  gleicher  Art,  wie  bei  gerichtlichen  Vorladungen,  angehalten.


e

In  Sachen,  wo  die  Geldbuße  und  der  Konfiskationswerth  zusammen  den
Betrag  von  funfzig  Thalern  übersteigen,  muß  dem  Angeschuldigten  auf  Verlangen
  eine  Frist  von  acht  Tagen  bis  vier  Wochen  zur  Einreichung  einer  schriftlichen
  Vertheidigung  gestattet  werden.

K.  14.

Findet  die  Zollbehörde  die  Anwendung  einer  Strafe  nicht  begründet,  so“
verfügt  sie  die  Zurücklegung  der  Akten.

K.  15.

Der  Strafbescheid  wird,  wenn  die  gesetzliche  Strafe  und  der  Werth  des
der  Konfiskation  unterliegenden  Gegenstandes  zusammen  genommen  funfzig  Thaler
nicht  übersteigt,  von  den  Haupt-Zoll=  oder  Haupt-Steuerämtern,  sonst  aber  von
der  Propinzjal  =  Steuerbehörde  erlassen.  Dem  Strafbescheide  müssen  die  Entscheongsgode
  beigefügt  in  Derselbe  wird  durch  das  Zoll-  oder  Steueramt

em  Angeschuldigten  nach  Befinden  der  Umstände  zu  Protokoll  publizirt  oder  in
für  die  Vorladung  vorgeschriebenen  Form  insinuirt.  Bei  Eröffnung  des
Strafbescheides  sind  dem  Angeschuldigten  zugleich  die  ihm  dagegen  zustehenden
Rechtsmittel  bekannt,  auch  ist  derselbe  auf  die  Erhöhung  der  Strafe  aufmerksam
u  machen,  welche  er  im  Falle  der  Wiederholung  seines  Vergehens  zu  erwarten
at,  und  daß  dieses  geschehen,  in  der  Publikationsverhandlung  zu  s-Wird
  solches  unterlassen,  so  hat  die  mit  der  Publikation  betusirge  Behörde
eine  Ordnungsstrafe  von  fünf  bis  zehn  Thalern  verwirkt;  den  Kontravenienten
#  sebech  5  en  ungeachtet  bei  der  Wiederholung  des  Vergehens  die  auf  letztere
gesetzte  Strafe.
Jahrgang  1667.  (Nr.  6760.)  167  g.  16.
        <pb n="1451" />
        —  1274  —
S.  16.

7.  Rekurs-  Der  Angeschuldigte  kann,  wenn  er  von  der  Befugniß  zur  Berufung  auf
Instanz.  richterliche  Entscheidung  keinen  Gebrauch-  machen  will,  gegen  den  Strafbescheid
den  Rekurs  an  die  zunächst  vorgesetzte  Finanzbehörde  ergreifen.  Dies  muß  jedoch

binnen  zehn  Tagen  präklusivischer  Frist  nach  der  Eröffnung  des  Strasbescheides

geschehen  und  schließt  fernerhin  jedes  gerichtliche  Verfahren  aus.  Der  Rekurs  ist

ei  dem  Joll=  oder  Steueramte,  welches  die  Untersuchung  geführt  hat,  anzumelden.

Wenn  mit  der  Anmeldung  des  Rekurses  nicht  zugleich  dessen  Rechtfertigun

verbunden  ist,  so  wird  der  Angeschuldigte  durch  das  Loul.  oder  Steueramt  uanr
gefordert,  die  Ausführung  seiner  weiteren  Vertheidigung  in  einem  nicht  über

vier  Wochen  hinaus  Anusezenden  Termine  zu  Protokoll  zu  geben,  oder  bis  dahin

  schriftlich  einzureichen.  *r“

Die  Verhandlungen  werden  hiernächst  jur  Mbfassung  des  Fiekureresoluts
an  die  kompetente  Behörde  eingesandt.  Hat  jedoch  der  ngeschuldigte  zur  Rechtfertigung
  des  Rekurses  neue  Thatsachen  oder  Beweismittel,  deren  Aufnahme  erheblich
  befunden  wird,  angeführt,  so  wird  mit  der  Instruktion  nach  den  für  die
erste  Instanz  gegebenen  Bestimmungen  verfahren.

K.  18.

Doas  Rekursresolut,  welchem  die  Entscheidungsgründe  beizufügen  sind,  wird
an  das  betreffende  Zoll=  oder  Steueramt  befördert  und  nach  erfolgter  Poblikation
oder  Insinuation  vollstreckt.

d.  19.
8.  Kosten.  Bei  der  Untersuchung  im  Verwaltungswege  kommen  außer  den  baaren
Auslagen  an  Porto,  Stempel,  Zeugengebühren  u.  s.  w.  keine  Kosten  zum  Ansatze.
g.  20.  «
9-Sttcfvas  Die  Veräußerung  der  Konfiskate  wird,  ohne  Unterschied,  ob  die  Entscheidung

strecung.  im  gerichtlichen  oder  im  Verwaltungswege  erfolgt  ist,  durch  die  Zoll,  oder  Steuerbehörde
  bewirkt.  Die  Vollstreckung  der  rechtskräftigen  Erkenntnisse  geschieht  nach
den  für  die  Vollstreckung  grerchue  Erkenntnisse  im  Allgemeinen  bestehenden
Vorschriften,  die  Vollstreckung  der  Resolute  aber  von  der  Zoll=  oder  Steuerbehörde,
welche  dabei  nach  den  für  Stionen  im  Verwaltungswege  ertheilten  Vorschriften
  u  verfahren  hat.  Die  Zoll=  oder  Steuerbehörde  kann  nach  Umständen  der
Vollstreckung  Einhalt  thun,  und  die  Gerichtsbehörden  haben  ihren  desfallsigen
Anträgen  Folge  zu  geben.  n

Zur  Beitreibung  von  Geldbußen  darf  ohne  die  Zustimmung  des  Verurtheilten,
  insofern  dieser  ein  Inländer  ist,  kein  Grundstück  subhastirt  werden.
*ei

Die  Veräußerung  der  Konfiskate  erfolgt  in  den  Formen,  welche  für  die
Veräußerung  von  Pfandstücken  esaeea  sind.  I  E
        <pb n="1452" />
        —  1275  —

g.  23.

Kann  die  Geldbuße  ganz  oder  dre  nicht  beigetrieben  werden,  so  ist,  10.  vou.
wenn  nicht  schon  für  den  Unvermögensfall  auf  eine  Freiheitsstrafe  erkannt  worden,  strng  der
die  Geldbuße  von  dem  Gerichte  in  eine  verhältnißmäßige  Freiheitsstrafe  zu  ver-suöfldiarisch
wandeln  und  letztere  zu  vollstrecken.  “*

Wenn  es  auf  eine  solche  Strafumwandlung  ankommt,  sind  die  Verhandlungen
  an  die  zuständige  Staatsanwaltschaft  abzugeben,  welche  die  Sache  mit
ihrem  Antrage  auf  Strasammwandlun  dem  kompetenten  Gerichte  vorlegt.  Es  ist
alsdann,  ohne  daß  das  Gericht  die  Entscheidung  der  Vewaltungsbehorde  seiner
Beurtheilung  zu  unterziehen  hat,  in  Gemäßheit  der  I§.  435.  und  436.  der  Strafprozeßordnung
  vom  25.  Juni  1867.  zu  verfahren.

g.  24.

Ausländer,  welche  die  gegen  sie  erkannte  Geldbuße  nicht  abtragen,  find,  11.  versahren
sobald  sie  im  Inlande  betroffen  werden,  von  der  Zoll=  oder  Steuerbehörde  unter  dei  der  Sxeku-Zuziehung
  der  Ortsobrigkeit  zu  verhaften,  und  wenn  sie  hierauf  nicht  binnen  einer  nnach
  den  Umständen  zu  bestimmenden  Frist  für  die  Berichtigung  oder  Sicher
siellung  der  Geldbuße  sorgen,  an  die  Gerichtsbehörde  Behufs  der  Vollstreckung

er  subsidiarisch  eintretenden  Freiheitsstrafe  abzuliefern.
5.  25.

Der  Verurtheilte  kann  von  der  statt  der  Geldbuße  bereits  in  Vollzug  gesetzten
  Freiheitsstrafe  sich  nur  durch  Erlegung  des  vollen  Betrages  der  erkannten
Geldbuße  befreien.

K.  26.

Ist  für  die  Geldbuße  ein  Anderer  verhaftet,  so  veranlaßt  die  Zoll=  oder  12.  Verfahren
Steuerbehörde  die  Zuziehung  desselben  zu  der  gegen  den  Kontravenienten  eingelei-  gegen  die  subteten
  Untersuchung,  Wrrut  in  dem  Strafbescheide  der  Zollbehörde  oder  in  dem  sidiarisch  Vergerichtlichen
  Erkenntnisse  wegen  der  Zuwiderhandlung  gegen  die  Jollgesetze  zugleich  hafte  ten.
uͤber  die  subsidiarische  Verhaftung  mit  entschieden  wird.

g.  27.

Dem  subsidiarisch  Verhafteten  steht  gegen  die  Entscheidung  der  Zollbehörde
die  Berufung  entweder  an  die  zunächst  vorgesetzte  Instanz  oder  an  die  Gerichte
offen.  Hat  der  Kontravenient  gegen  den  Strafbescheid  eine  andere  Art  der  Berufung,
  als  der  subsidiarisch  Verhaftete,  gewählt,  so  steht  es  dem  Letzteren  frei,  sich
der  von  dem  Ersteren  gewählten  Berufung  nachträglich  anzuschließen.  Will  er
dieses  nicht,  so  bleibt  das  weitere  Verfahren  ausgesetzt,  bis  über  die  Zuwiderhandlung
  in  dem  von  dem  Kontravenienten  gewählten  Wege  entschieden  worden  ist.

G.  28.
die  Zuziehung  des  subsidiarisch  Verhafteten  unterblieben,  oder  Letzterer
auf  *  hde  Sehung  Zollbehörde  bei  der  boS  Verwaltungswege  rechtskräftig
beendigten  Untersuchung  nicht  erschienen,  so  fertigt  diejenige  Pol-  ehörde,  welche
nach  §F.  15.  zur  Entscheidung  der  Hauptsache  kompetent  war,  nachdem  die  Exekution
  gegen  den  Kontravenienten  vergeblich  versucht  worden,  einen  ahlungsbefehl
(Nr.  6760.)  a
        <pb n="1453" />
        13.  Verfahren

—  1276  —

aus  und  läßt  denselben  dem  subsidiarisch  Verhafteten  mit  dem  Bedeuten  zugehen,
daß,  wenn  er  sich  zu  der  Vertretung  nicht  verpflichtet  halte,  ihm  dieserhalb  binnen
zehn  Tagen  präklusivischer  Frist  die  Berufung  an  die  höhere  Finanzbehörde  oder
an  die  Gerichte  offen  stehe.  g.  20

Wenn  die  subsidiarische  Verhaftung  abgesondert  von  der  Untersuchung
wider  den  Kontravenienten  zur  gerichtlichen  Kognition  gelangt,  so  darf  das  Gericht
hierbei  nur  auf  die  Beurtheilung  der  Frage  eingehen,  ob  der  Hu  der  subsidiarischen
Perhaftung  nach  den  Gesetzen  vorhanden  sei.  Eben  dieses  findet  statt,  wenn  der
Kontravenient  sich  bei  dem  verurtheilenden  Erkenntnisse  beruhigt,  der  subsidiarisch
Verhaftete  aber  von  den  in  den  Prozeßgesetzen  geordneten  Rechtsmitteln  Gebrauch
  macht.  0r

Wenn  ein  Unbekannter,  welcher  auf  einer  Uebertretung  der  Jollgesetze  beegen

  einen  un  troffen  worden,  c  entfernt  und  verbotene  oder  abgabepflichtige  Gegenstände  ohne
n

bekannten  De,  oder  mit  andere

fraudanten.

achen  zurückgelassen  hat,  so  wird  hierüber  eine  offentliche  Bekanntmachung
  von  der  Provinzial-Steuerbehörde  erlassen  und  dreimal  von  vier
u  vier  Wochen  in  die  amtlichen  Blätter  eingerückt.  Meldet  sich  hierauf  Niemand
innen  vier  Wochen  nach  der  letzten  Bekanntmachung,  so  werden  die  Sachen  zum
Vortheil  der  Staatskasse  verkauft,  dem  Inhaber  oder  Eigenthümer  bleibt  aber
vorbehalten,  seine  Ansprüche  auf  Erstattung  des  Erlöses  noch  bis  zum  Ablauf
eines  Jahres,  von  der  ersten  Bekanntmachung  an  gerechnet,  geltend  zu  machen.
Beträg  der  Werth  der  Sachen  nicht  über  funfzig  Waler,  so  bedarf  es  der  öffentlichen
  Bekanntmachung  nicht.  Der  Verkauf  kann  alsdann,  wenn  sich  binnen  vier
Wochen  nach  der  Beschlagnahme  Niemand  gemeldet  hat,  verfügt  werden,  und  die
känfthahe  Frist  für  den  Eigenthümer  oder  Inhaber  der  Sache  zur  Geltendmachung
seiner  Ansprüche  auf  Erstattung  des  Erlöses  wird  vom  Tage  der  Beschlagnahme
an  gerechnet.
KP.  31.

Die  in  den  Eingangs  gedachten  Landestheilen  zur  Zeit  bestehenden  gesetzlichen
  Bestimmungen  *  die  Untersuchung  und  Bestrafung  der  Srn  l,
werden,  insoweit  in  der  gegenwärtigen  Ordnung  etwas  Anderes  vorgeschrieben  worden
ist,  hierdurch  aufgehoben.

Lürianh  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Ems,  den  29.  Juli  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  zur  Lippe.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Winisteriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckere
(N.  v.  Decker).
        <pb n="1454" />
        —  1277  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  75  —

 

(Nr.  6761.)  Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  der  Stempelsteuer  in  den  Herzogthümern
Schleswig  und  Holstein.  Vom  7.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  die  Herzogthümer
Schleswig  und  Holstein,  was  folgt:  "

.  1.
/  Vom  1.  September  1867.  ab  sind  von  den  in  dem  anliegenden  von  Uns
vollzogenen  Tarife  bezeichneten  stempelpflichtigen  Verhandlungen  die  daselbst  bestimmten
  Stempelabgaben  allein  nach  Vorschrift  dieser  Verordnung  zu  erheben.

Von  demselben  Tage  ab  werden  alle  in  den  L###othümre  Schleswig
und  Holstein  zur  Zeit  bestehenten  Stempelgebühren,  die  Abgabe  von  einem  halben
Prozent  des  Werthes  unbeweglicher  Güter,  so  oft  selbige  auf  andere  Eigenthümer
übertragen  werden,  und  die  Abgabe  von  einem  halben  Prozent  von  Auktionsgeldern
  aufgehoben.

Wegen  der  Stempelsteuer  von  Zeitungen,  Wechseln,  Kalendern  und  Spielkarten
  und  wegen  der  Erbschaftsabgabe  bewendet  es  bei  den  besonderen  dieserhalb
erlassenen  Verordnungen.

In  Betreff  der  Erhebung  der  Stempelabgabe  bei  den  Gerichten  enthält  die
wegen  des  Gerichtskostenwesens  ergehende  Verordnung  die  weiteren  Bestimmungen.

seir

Wenn  der  Werth  eines  Gegenstandes  ausgemittelt  werden  soll,  um  den
Betrag  der  Stempelgebühren  zu  bestimmen,  so  ist  dabei  im  Allgemeinen  nach

folgenden  Regeln  zu  verfahren:
a)  die  Berechnung  ist  in  Preußischem  Silbergelde  nach  dem  Dreißig-Thalerfuße

anzulegen;

b)  es  müssen  also  alle  in  anderen  Währungen  angegebenen  Werthe  nach
ihrem  Betrage  in  Preußischem  Silbergelde  ausgedrückt  werden.  Hierbei
Johrgang  1867.  (Nr.  6761.)  168  sollen

Ausgegeben  zu  Berlin  den  17.  August  1867.
        <pb n="1455" />
        c

—  1278  —

E  10  DThaler  in  Golde  für  11  h  in  Silbergeld  u  andere
ährungen  nach  den  vom  Finanzminister  festgesetzten  Mittelwerthen,  oder,
falls  die  Sealthe  eines  l  *5  elwerthes  nicht  stattgefunden  hat,  nach  dem
Tageskurse  angenommen  werden

von  immerwährenden  Nutzungen  wird  das  Zwanzigfache  ihres  einjährigen
##  ges  als  Kapitalzperth  angenommen)  von  einer  Leibrente  oder  einem

abbluchsrechie  auf  Lebens  oder  andere  unbestimmte  Zeit  dagegen  nur
das  Zwölfundeinhalbfache  der  einjährigen  Nutzung;

d)  Nutzungen  eines  Kapitals  sind  zu  fünf  vom  Hundert  jährlich  zu  ver-□0



anschlagen,  sofern  ein  anderer  Prozentsatz  für  die  Nutzung  aus  den
stempelpflichtigen  Verhandlungen  darüber  nicht  ausdrücklich  hervorgeht;
der  Werth  von  Bergwerksantheilen  ist  nach  dem  Gutachten  der  Oberbergämter
  anzunehmen;

der  Betrag  aller  übrigen  beweglichen  und  unbeweglichen  Gegenstände  sst
in  der  Regel  von  dem  Steuerrhlicht  en  nach  dem  gegenwärtigen  Wathe
anzugeben)  sofern  er  aus  den  stempelpflichtigen  Verhandlungen  selbst  nicht
unzweifelhaft  hervorgeht.  Trägt  die  Steuesfe  örde  Bedenken,  diss  Angabe
für  richtig  anureß  en,  so  kann  sie  die  Abschätzung  nach  den  allgemeinen
Vorschriften  über  gerichtliche  Werthsermittelungen  veranlassen.

F.  3.
Der  nach  dem  anliegenden  Tarife  zu  entrichtenden  Stempelsteuer  sind  nicht

unterworfen:
a)  Verhandlungen  und  Gesuche  über  Gegenstände,  deren  Werth  nach  Gelde
r

b

C.

geschätzt  werden  kann,  wenn  dieser  Werth  funfzig  Thaler  Silbergeld

nicht  erreicht;

alle  Verhandlungen  und  Zeugnisse,  welche  wegen  Bestimmung  des  Betrages
  fentlicher  Abgaben  und  Einziehung  derselben,  wegen  Eintritts
in  den  Kriegsdienst  und  überhaupt  wegen  Leistungen  an  den  Staat  in
Folge  allgemeiner  Vorschriften  beigebracht  werden  müssen,  sofern  sie  nur
allein  zu  diesem  Zwecke  dienen,  desgleichen  Verhandlungen  und  Gesuche
wegen  Befreiung  von  den  Landwehrübungen;

alle  Verhandlungen  wegen  gutsherrlich  -bäuerlicher  Auseinandersetzungen,
wegen  Theilung  der  Gemeinheiten  und  Auseinandersetzung  des  im  Gemenge
liegenden  Grundeigenthums,  wegen  Ablösung  von  Diensten  und  anderen
Lei  en,  die  auf  Grundstücken  haften,  und  wegen  Ablösung  ausschließlicher
  Gewerbsberechtigungen,  sofern  diese  Verhandlungen  vor  den  mit
der  amtlichen  Felung  er  bezrichneten  Angelegenheiten  beauftragten
Behörden  oder  Beamten  oder  auf  deren  Regutsition  stattfinden;

)  alle  Verhandlungen  vor  den  Verwaltungsbehörden  wegen  Zertheilung  von
enl  r

nd  wegen  Gründung  neuer  Ansiedelungen,  sowie  in  1#
au-Grund
        <pb n="1456" />
        o)

)

8)
h)
i)

k)

—  1279  —

bau=  und  Vorfluthsangelegenheiten  und  über  Wiberspruchsrechte  oder
Entschädigungsansprüche  in  Beziehung  auf  E—  oder  Entwässerungsanlagen
  bei  Privatflüssen;

alle  Verhandlungen  über  Besitzveränderungen,  welche  zum  Zweck  des
gemeinen  Besten  unter  Verpflichtung  der  Interessenten  angeordnet  werden
müssen,  insbesondere  wegen  Ueberlassung  und  wegen  der  Entschädigung
für  die  Abtretung  der  zum  Chausseebau,  oder  diesem  im  Geltungsbereiche
des  Gesetzes  wegen  der  Stempelsteuer  vom  7.  März  1822.  (Gesetz-Samml.
S.  57.)  gleichgestellten  Bauten  in  Anspruch  genommenen  Grundstücke,
insofern  dieselben  der  Expropriation  unterworfen  sind,  ohne  Unterschied,
ob  die  Veräußerung  selbst  durch  Expropriation  oder  freien  Vertrag
bewirkt  ist;
Gesuche,  welche  Gläubiger  des  Staates,  öffentlicher  Anstalten  und  Gemeinden
an  Behörden  richten,  um  zu  ihrer  Befriedigung  zu  gelangen,  und  die
darauf  ertheilten  Bescheide;
olizeiliche  Werhandlungen  und  Gesuche  in  Bauangelegenheiten  und  Bauonsense;

Gesuche  um  Ertheilung  von  Reisepässen;
Verhandlungen  und  Gesuche,  wofür  die  Stempelfreiheit  Armuths  halber
zu  bewilligen  ist;
die  noch  außerdem  in  den  Landestheilen,  wo  das  Gesetz  wegen  der  Stempelsteuer
  vom  7.  März  1822.  gilt,  bestehenden  Destimmun  en  über  die
Befreiung  gewisser  Angelegenheiten  von  der  Stempelsteuer  sollen  ebenfalls,
soweit  nicht  die  Verschiedenheit  der  Verhältnisse  ihrer  Anwendung  entegensteht,
  nach  näherer  Bestimmurg  des  Finamsminifters  in  den  im
Egange  dieser  Verordnung  bezeichneten  Landestheilen  in  Kraft  treten.

K.  4.
Von  Entrichtung  der  in  dem  anliegenden  Tarife  vorgeschriebenen  Stempelsteuer

  befreit  sind:

k)

b

40

M

der  Fiskus  und  alle  öffentlichen  Anstalten  und  Kassen,  welche  für  Rechnun
des  Staates  verwaltet  aichen  oder  diesen  gleichgestellt  sind;  6r

die  Preußische  Bank,  zors  Komtoire,  Kommanditen  und  Agenturen  und
diejenigen  Geld=  und  Kreditinstitute,  denen  in  Betreff  der  Stempel  die
Rechte  der  Preußischen  Bank  bewillgt  sind;

Kirchen,  öffentliche  Armen-,  Kranken-,  Arbeits.,  Straf=  und  Besserungs-Anstalten,
  Waisenhäuser  und  andere  milde  Stiftungen,  insofern  solche
nicht  einzelne  Familien  oder  bestimmte  Personen  betreffen;

Stadt=  und  Landgemeinden  und  Gutsherrschaften  in  Armen-Angelegenheiten;

e)  öffentliche  Schulen  und  Universitäten;
(Nr.  676I.)  168“  1)  ge-
        <pb n="1457" />
        —  1280  —

emeinnützige  Baugesellschasten  nach  dem  Gesetze  vom  3.  März  1867.
H  gtwemeige  K  nns  ses

g)  Privatunternehmungen,  welche  nicht  auf  einen  besonderen  Geldgewinn  der
Unternehmer  gerichtet  sind,  sondern  einen  gemeinnützigen,  nicht  auf  einzelne
Familien  oder  Korporationen  beschränkten  Zweck  haben,  sofern  diesen
Unternehmungen  die  Befreiung  von  der  Stempelsteuer  in  den  Landestheilen,
  wo  das  Gesetz  vom  7.  März  1822.  gilt,  oder  innerhalb  eines
der  im  Eingange  dieser  Verordnung  bezeichneten  Landestheile  nach  den
bisherigen  Bestimmungen  zusteht  oder  künftig  verliehen  werden  wird.

Im  Uebrigen  werden  alle  sonstigen,  in  den  im  Eingange  dieser  Verordnung
bezeichneten  Landestheilen  bestchenden.  insbesondere  alle  gewissen  Ständen,  örtlichen
Bezirken  und  den  nur  zum  Vortheile  einzelner  Klassen  der  Staatsbürger  errichteten
  Instituten  bewilligten  Befreiungen  au  gehoben.

Wenn  hiernach  in  einzelnen  Fällen  die  Fortdauer  der  in  den  gedachten
Landestheilen  bestehenden  Befreiungen  zweifelhaft  ist,  so  ist  darüber  gemeinschaftlich
von  den  Ministern  der  Tinanen  und  der  Justiz  zu  entscheiden.

Wegen  solcher  Befreiungen,  welche  auf  mit  der  Landesherrschaft  abgeschlossenen
  lästigen  Verträgen  beruhen,  bleibt  besondere  Bestimmung  vorbehalten.

In  Betreff  der  den  Mitgliedern  des  Königlichen  Hauses  und  des  Fürstlich
Hohenzollernschen  Hauses  gewissen  Anstalten,  Gesellschaften  oder  Peckonen  verliehenen
  Stempelfreiheit  kommen  die  in  den  Landestheilen,  wo  das  Gesetz  vom
7.  März  1822.  gilt,  bestehenden  Vorschriften  auch  in  den  Eingangs  dieser  Verordnung
  bezeichneten  Landestheilen  zur  Anwendung.

Di#  uch  den  vorstehenden  Bestimmungen  von  der  Stempelsteuer  befreiten
Behörden,  Anstalten,  Personen  u.  s.  w.  sind  nicht  befugt,  diese  Befreiung  den
Privatpersonen,  mit  welchen  sie  Verträge  eingehen  t,  einzuräumen,  wenn  diese
Personen  an  sich  nach  gesetzlicher  Vorschrift  zur  Entrichtung  des  Stempels  verbunden
  sind.  Bei  allen  zweiseitigen  Verträgen  der  Art  muß  jedesmal  die  Hälfte
des  Stempels  für  den  Vertrag  und  für  die  ausgefertigten  Ueberegemplare  desselben
außerdem  noch  der  vorgeschriebene  Stempel  (G.  10.)  entrichtet  werden.

g.  5.

Die  stempelpflichtigen  Verhandlungen  müssen  in  der  Regel  auf  das  erforderliche
  Stempelpapier  selbst  geschrieben  werden.  Wo  dies  nicht  hat  geschehen  können,
darf  zwar  das  erforderliche  Stempelpapier  noch  nachgbrach,  co,  nur  in  ganzen
unangeschnittenen  Bogen  umgeschlagen  und  kassirt,  d.  h.  durch  Bezeichnung  seiner
Bestimmung  zu  anderem  Gebrauche  untauglich  gemacht  werden.

Auch  muß  dies  bei  Verhandlungen,  welche  im  Lande  selbst  vorgenommen
werden,  länzstens  binnen  vierzehn  Tagen,  vom  Tage  der  Ausfertigung  an,  geschehen
  und  der  Tag  der  Kassation  deshalb  von  der  Behönee  oder  dem  Stempelvertheiler,
  wo  das  empetpai  gelöst  worden,  mit  Buchstaben  ausgeschrieben,
bescheinigt  werden.  Wenn  Inländer  außerhalb  Landes  über  einen  im  Lande  befindlichen
  Gegenstand  stempelpflichtige  Verhandlungen  gepflogen  haben,  so  ist  das
dazu  erforderliche  Stempelpapier  binnen  vierzehn  Tagen  nach  ihrer  Rückkehr  beizu-
        <pb n="1458" />
        —  1281  —

zubringen  und  zu  kassiren,  auch  der  Tag,  wo  dies  geschehen,  vorgedachtermaaßen
zu  bescheinigen.

Nur  bei  Vollmachten  und  solchen  Verhandlungen,  wozu  Gerichts=  oder
andere  öffentliche  Behörden  und  Beamte  den  Stempel  beizubringen  von  Amtswegen
  verpflichtet  sind,  bedarf  es  keiner  Bescheinigung  des  Zeitpunktes,  worin
dies  geschehen.

8.  6.

Wenn  stempelpflichtige  Verhandlungen  auch  stärker  als  ein  Bogen  sind,
so  wird  doch  nur  zum  ersten  Bogen  der  vorgeschriebene  Stempel  erfordert.  Müssen
mehrere  Stempelbogen  beigebracht  werden,  um  den  gesetzlichen  Betrag  des  Stempels
für  eine  Verhandlung  zu  erfüllen,  so  muß  der  höchste  beigebrachte  Stempelbogen
zum  ersten  Bogen  der  Verhandlung  gebraucht,  das  übrige  Stempelpapier  aber  zu
den  folgenden  Bogen  der  Verhandlung  genommen,  und  was  auf  solche  Weise
nicht  verwendet  werden  kann,  zur  Verhandlung  kassirt  werden.

Wird  das  Stempelpapier  zur  Verhandlung  blos  umgeschlagen,  42°  muß
nicht  nur  der  Hauptbogen,  sondern  auch  jeder  zur  Ergänzung  des  Stempelbetrages
beigefügte  Nebenbogen,  unter  Beobachtung  der  Vorschriften  des  F.  5.,  dazu  besonders
  kassirt  werden.

S.  7.

Der  Finanzminister  ist  -  Stempelmarken  anfertigen  und  zum
Verkauf  stellen  zu  lassen,  durch  deren  Befestigung  auf  sempeslichigen  Schriftstücken
  die  gesetzliche  Verpflichtung  zur  Verwendung  von  Stempelpapier  erfüllt
werden  kann.

.  8.

Für  welche  stempelpflichtige  Schriftstücke  die  Verwendung  von  Stempelmarken
  statthaft  ist,  in  welcher  Weise  und  zu  welcher  Zeit  die  Verwendung  erfolgen
  muß,  wird  von  dem  Finanzminister  bestimmt  und  öffentlich  bekannt  gemacht.
Stempelmarken,  welche  nicht  in  der  vorgeschriebenen  Weise  oder  nicht
rechtzeitig  verwendet  worden  sind,  werden  als  nicht  verwendet  angesehen.

G.  9.

Wer  unechte  Stempelmarken  anfertigt,  oder  echte  Stempelmarken  verfälscht,
ingleichen  wer  wissentlich  von  falschen  oder  verfälschten  Stempelmarken  Gebrauch
macht,  hat  die  im  F.  253.  des  Strafgesetzbuchs  angedrohte  Strafe  verwirkt.

Wer  wissentlich  eine  schon  einmal  verwendete  Stempelmarke  zu  stempelpflichtigen
  Schriftstücken  verwendet,  hat  außer  der  Strafe,  welche  wegen  Stempelkontravention
  eintritt,  eine  Geldbuße  von  10  bis  200  Thalern  oder  verhältnißmäßige
  Gefängnißstrafe  verwirkt.

Wer  wissentlich  eine  schon  einmal  verwendete  Stempelmarke  veräußert,
wird,  insofern  er  nicht  als  Urheber  des  im  vorhergehenden  Satze  vorgesehenen
Vergehens  oder  als  Theilnehmer  an  demseiben  anzusehen  ist,  mit  Geldbuße  von
Einem  bis  zu  zwanzig  Thalern  oder  mit  verhältnißmäßiger  Gefängnißstrafe  gelcg

(Nr.  6761)  ..
        <pb n="1459" />
        —  1282  —

S.  10.

Werden  von  einer  Verhandlung  verschiedene  Exemplare  ausgefertigt,  so
wird  der  tarifmäßige  Stempel  nur  zu  einem  derselben,  und  zwar  in  der  Regel
zu  dem  Hauptegemplare  angewendet;  zu  den  übrigen  Exemplaren  aber  wird  blos
dasjenige  Stempelpapier  gebraucht,  das  tarifmäßig  zu  beglaubigten  Abschriften
stempelpflichtiger  Verhandlungen  erfordert  wird.

KG.  11.

Auf  allen  beglaubigten  Abschriften,  Duplikaten  und  Ausfertigungen  stempelpflichtiger
  Verhandlungen  muß  ausdrücklich  der  Betrag  des  Stempels  bemerkt
werden,  welcher  zu  der  Urschrift  oder  der  ausgefertigten  Verhandlung  gebraucht
oder  derselben  kassirt  beigefügt  worden  ist.

K.  12.

Für  den  zu  einem  Vertrage  oder  einer  Punktation  zu  verwendenden  Stempel
haftet  jeder  Aussteller  oder  Theilnehmer  unter  Vorbehalt  seines  Regresses  gegen
die  Mitbetheiligten.

Bei  gerichtlich  oder  von  Notarien  aufgenommenen  Verträgen,  Punktationen
und  sonstigen  in  dem  anliegenden  Tarife  bezeichneten  stempelpflichtigen  Verhandlungen
  muß,  wenn  deren  Ausfertigung  nicht  früher  erfolgt,  der  Stempel  binnen
vierzehn  Tagen  nach  der  Aufnahme  verwendet,  und  für  dosen  Einziehung  von  den
Theilnehmern  an  dem  Vertrage  oder  Punktation  oder  der  sonstigen  Verhandlung
von  Amtswegen  gesorgt  werden.  Den  zu  dergleichen  Notariatsverhandlungen  zu
verwendenden  Stempel  sind  die  Gerichte,  auf  den  Antrag  des  Notars,  von  den
Interessenten  exekutivisch  einzuziehen  verpflichtet.

C.  13.

Ist  der  tarifmäßige  Stempel  nach  den  Vorschriften  dieser  Verordnung  nicht
ebraucht  oder  beigebracht  worden,  so  ist  derselbe  nicht  allein  sofort  nachzubringen,
sondern  es  tritt  auch  außerdem  die  ordentliche  Stempelstrafe  ein,  welche  in  Entsichtung
  des  vierfachen  Betrages  des  nachzubringenden  Stempels  besteht.

o  zwar  ein  Stempel,  jedoch  nur  ein  geringerer  als  der  tarifmäßige,
gebraucht  oder  beigebracht  worden,  da  ist  der  fehlende  Stempelbetrag  zu  ergänzen
und  auch  nur  von  diesem  die  Strafe  des  Vierfachen  zu  entrichten.

Beträgt  aber  das  Vierfache  des  nachzubringenden  Stempels  weniger  als
Einen  Thaler,  so  wird  die  ordentliche  Stempelstrafe  dennoch  zu  Einem  Thaler
festgesetzt  und  erhoben.

S.  14.

Die  Nachbringung  des  Stempels  und  Entrichtung  der  ordentlichen  Stempelstrafe
  kann  gegen  jeden  Inhaber  oder  Vorzeiger  (Produzenten)  einer  Verhandlung
oder  Urkunde  verfolgt  werden,  welche  mit  dem  gesetzlich  dazu  ersorderlichen

tem-
        <pb n="1460" />
        —  1282  —

Stempel  nicht  verseßen  ist.  Es  behält  derselbe  indessen  seinen  Regreß  deshalb
an  den  eigentlichen  Kontravenienten.

Kann  der  Inhaber  oder  Vorzeiger  jedoch  nachweisen,  daß  er  in  den  Besitz
der  Verhandlung  oder  Urkunde  erst  nach  dem  Tode  des  eigentlichen  Kontravenienten
gekommen,  so  kann  die  Stempelstrafe  von  ihm  nicht  eingezogen  werden.

Der  eigentliche  Kontravenient  ist  bei  einseitigen  Verträgen,  Verpflichtungen
und  Erklärungen  der  Aussteller.  Bei  mehrseitigen  Verträgen  sind  es  alle  Theilnehmer,
  und  jeder  derselben  besonders  ist  in  die  ganze  Stempelstrafe  verfallen.

Ist  der  gesetzliche  Stempel  zu  einer  Verhandlung  nicht  gebraucht),  welche
vor  Gericht  oder  vor  einem  Notar  aufgenommen  worden,  so  trifft  die  Stempelstrafe
(Strafe  deshalb)  denjenigen  Richter  (F.  16.)  oder  Notar,  welcher  die  Verhandlung
unter  seiner  Unterschrift  ausgefertigt  hat.  Beamte,  welche  bei  ihren  amtlichen
Verrichtungen  hinsichtlich  der  Stempelverwendung  ihre  Pflichten  verabsäumen,
sind  wegen  des  Stempels  zugleich  mit  den  Interessenten  unter  Vorbehalt  des
Regresses  persönlich  verhaftet.

Das  mit  dem  Stempel  vom  Werthe  eines  Kaufs,  einer  Pacht  oder  einer
Miethe  versehene  Eremplar  eines  Vertrages  muß  in  den  Händen  des  Käufers,
Pächters  oder  Miethers  sein,  um  von  diesem  auf  Erfordern,  bei  Käufen  von
Grundstücken  und  Grundgerechtigkeiten  innerhalb  der  ersten  drei  Jahre,  bei  Käufen
von  anderen  Gegenständen  innerhalb  des  ersten  Jahres  nach  vollzogener  Uebergabe,
bei  Pachten  und  Miethen  aber  während  ihrer  Dauer,  darüber  Auskunft  erhalten
zu  können,  ob  der  tarifmäßige  Stempel  gebraucht  worden.

Stempelpflichtige  Quittungen  müssen  auf  Erfordern  innerhalb  eines  Jahres
nach  deren  Empfang  vorgezeigt  werden  können.

K.  15.

Die  Verwandlung  einer  Geldbuße,  zu  deren  Zahlung  der  Verpflichtete  unvermögend
  ist,  in  eine  Freiheitsstrafe  findet  nicht  statt.

K.  16.

Beamte,  welche  bei  ihren  amtlichen  Verhandlungen  die  tarifmäßigen  Stempel
nicht  verwenden,  werden  von  der  ordentlichen  Stempelstrafe  nicht  betroffen,  sondern
sind,  sofern  nicht  nach  der  Art  des  Vergehens  wegen  verletzter  Amtspflicht  eine
höhere  Strafe  eintritt,  nur  mit  einer  Or  mungsstonfe  zu  belegen.  Die  Strafe  ist
auf  den  einfachen  Betrag  des  nicht  verwendeten  Stempels,  *  den  Fall  jedoch,
daß  derselbe  die  Summe  von  funfzig  Thalern  übersteigt,  auf  letzteren  Betrag  festzusetzen.
  Ermäßigung  oder  Niederschlagung  der  Strafe  ist  von  dem  Ministerium,
u  dessen  Verwaktung  der  Beamte  gehört,  zu  verfügen,  und  durch  Beibringung
er  Verfügung  zu  den  E—  bei  denen  die  Strafen  zu  werrechnes
sind,  nachzuweisen.

S.  17.

Notarien  sind  von  den  Bestimmungen  im  F.  16.  ausgeschlossen  und  der
ordentlichen  Stempelstrafe  nach  K.  13.  unterworfen.
(Nr.  6761.)  F.  18.
        <pb n="1461" />
        —  1284  —

K.  18.

Die  Stempelstrafen,  welche  unmittelbare  oder  mittelbare  Staatsbeamte
durch  unterlassene  Verwendung  des  tarifmäßigen  Stempels  zu  Amtsverhandlungen
verwirken,  sind  nicht  von  dem  Besitzer  oder  Produzenten  der  Verhandlung,  woran
die  Kontravention  begangen,  mit  Vorbehalt  des  Regresses  an  den  Beamten  zu
fordern,  sondern  von  dem  letzteren  selbst  einzuziehen.

C.  19.

Wenn  zu  einem  Vertrage,  welcher  zwischen  einer  unmittelbaren  oder  mittelbaren
  Staatsbehörde  und  einer  Privatperson  abgeschlossen  ist,  der  tarifmäßige
Stempel  nicht  verwendet  worden,  so  soll  die  bei  dem  Vertrage  betheiligte  Privatperson,
  desgleichen  jeder  andere  Besitzer  oder  Produzent  der  darüber  aufgenommenen
Verhandlung  mit  Strafe  verschont  bleiben,  der  Beamte  dagegen,  welcher  den
Vertrag  im  Auftrage  oder  Namens  der  Behärde  geschlossen  hat,  in  eine  nach
S.  16.  festzusetzende  Strafe  verfallen.

Hat  jedoch  die  Privatperson,  mit  welcher  der  Vertrag  geschlossen  worden,
erweislich  wider  besseres  Wissen  veranlaßt  oder  nachgegeben,  daß  zu  demselben
ein  Stempel  gar  nicht,  oder  ein  geringerer  als  der  tarifmäßige  Stempel  verwendet
worden,  so  tritt  neben  der  den  Beamten  treffenden  Strafe  gegen  die  Privatperson
die  ordentliche  Stempelstrafe  (I§#.  13.  14.)  ein.

Der  Steuerverwaltung  verbleibt  in  allen  Fällen  die  Befugniß,  den  fehlenden
  Stempel  von  dem  Produzenten  der  Verhandlung  einzuziehen,  unter  Vorbehalt
der  dem  letzteren  gegen  dritte  Personen  oder  Behörden  zustehenden  Regreßansprüche.

C.  20.

Ist  entgegen  der  Vorschrift  im  H.  11.  auf  beplaubigten  Abschriften,  Duplikaten
  und  Ausfertigungen  der  Betrag  des  Stempels  nicht  bemerkt,  der  zu  der
Urschrift  oder  ausgefertigten  Verhandlung  gebraucht  worden,  so  ist  diese  Unterlassung
  mit  einer  Ordnungsstrafe  von  einem  balben  Thaler  zu  ahnden.  Dieselbe
Strafe  trifft  auch  die  §.  5.  gedachten  Behörden  und  die  Stempelvertheiler,
wenn  sie  die  daselst  vorgeschriebene  Bescheinigung  über  die  innerhalb  der  gesetzlichen
Frist  erfolgte  Nachbringung  des  Stempels  unterlassen  haben.

&amp;amp;.  21.

In  Betreff  des  administrativen  und  gerichtlichen  Strafverfahrens  wegen
der  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Bestimmungen  dieser  Verordnung  kommen  dieselben
  Vorschriften  zur  Anwendung,  nach  welchen  sich  das  Verfahren  wegen  Zollvergehen
  bestimmt.

Denunzianten  erhalten  ein  Drittheil  von  den  festgesetzten  Stempelstrafen.

K.  22.
Stempelstrafen  gegen  Staats=  und  Kommunalbehörden,  sowie  auch  -
□—
        <pb n="1462" />
        —  128585

Beamte,  sofern  denselben  eine  Nichtbeachtung  der  Stempelgesetze  bei  ihrer  Dienstverwaltung
  zur  Last  fällt,  können  nur  von  der  ihnen  vorgesetzten  Dienst-  und
Disziplinarbehörde  ausgehen.

K.  23.

Die  Verwaltung  des  gesammten  Stempelwesens  in  den  im  Eingange  dieser
Verordnung  bezeichneten  Landestheilen  wird  unter  Leitung  des  Finanzministers
von  den  Provinzial.  Steuerbehörden  durch  die  Joll.  und  Steuer-  oder  auch  durch
besonders  dazu  bestimmte  Aemter  geführt.

Außer  den  Steuerbehörden  haben  alle  diejenigen  Staats--  oder  Kommunalbehörden
  und  Beamten,  welchen  eine  richterliche  oder  Polizeigewalt  anvertraut  ist,
die  besondere  Verpflichtung,  auf  Befolgung  der  Stempelgesetze  zu  halten  und  alle
bei  ihrer  Amtsverwaltung  zu  ihrer  Kenntniß  kommende  Tumdderhandlungen

egen  dieses  Gesetz  Behufs  Einleitung  des  Strafverfahrens  von  Amtswegen  zur
Feige  u  bringen.  Die  Bestimmung  im  zweiten  Absatz  des  H.  21.  findet  auf
die  ge  !  Beamten  und  Vorsteher  oder  Mitglieder  der  bezeichneten  Behörden,
sowie  auf  Rechtsanwalte  und  Notarien  keine  Anwendung.

C.  24.

Zur  näheren  Aufsicht  über  die  gehörige  Beobachtung  der  Stempelgesetze
werden  Stempelfiskale  angestellt  und  mit  besonderer  Anweisung  von  dem  Finanzminister
  versehen.  Alle  Behörden  und  Beamten,  desgleichen  alle  Aklengesell.
schaften,  welche  ganz  oder  theilweise  auf  einen  Handels=  oder  Gewerbebetrieb
irgend  welcher  Art  gerichtet  sind,  sind  gehalten,  den  Stempelfiskalen  die  Einsicht
ihrer  stempelpflichtigen  Verhandlungen  bei  den  vorzunehmenden  Stempelvisitationen
zu  gestatten.

G.  25.

Vorstände  und  Beauftragte  der  im  §.  24.  genannten  Aktiengesellschaften,
welche  bei  den  Namens  derselben  gepflogenen  Verhandlungen  oder  mit  Privatpersonen
  abgeschlossenen  Verträgen  den  tarifmäßigen  Stempel  nicht  verwenden,
sind  mit  einer  dem  einfachen  Betrage  des  nicht  verwendeten  Stempels  gleichkommenden
  Geldbuße,  welche  jedoch  die  Summe  von  funfzig  Thalern  nicht  übersteigen
soll,  zu  belegen.  Dagegen  bleibt  die  bei  dem  Vertrage  betheiligte  Privatperson,
desgleichen  jeder  andere  Besitzer  oder  Produzent  der  darüber  aufgenommenen  Verhandeung
  mit  Strafe  verschont.

Soweit  jedoch  nachgewiesen  wird,  daß  die  Verwendung  des  gesetzlich  erforderlichen
  Stempels  gegen  besseres  Wissen  unterblieben  ist,  tritt  in  allen  vorbezeichneten
  Fällen  die  ordentliche  Stempelstrafe  (§9.  13.  und  14.)  ein.

g.  26.

Die  Strafe  gegen  die  im  F.  25.  gedachten  Vorstände  und  Beauftragten
Jahrgang  1867.  (Nr.  6761.)  169  ist
        <pb n="1463" />
        —  1286  —

ist  von  der  Regierung,  unter  deren  Aufsicht  die  Aktiengesellschaft  steht,  festzusetzen.

ie  Entscheidung  in  zweiter  Instanz  steht  dem  Minister  für  Handel,  Gewerbe
und  öffentliche  Arbeiten  zu,  welcher  auch  zur  Ermäßigung  oder  Niederschlagung
der  Strafe  ermächtigt  ist.  Der  Rechtsweg  findet  wegen  dieser  Stempelstrafen
nach  Maaßgabe  der  allgemeinen  Vorschriften  statt,  auß  welche  im  ersten  Absatz
des  §.  21.  verwiesen  ist.

g.  27.

Auch  Privatpersonen  können  von  den  Stempelfiskalen  aufgefordert  werden,
sich  über  die  gehörige  Beobachtung  der  Stempelgesetze  auszuweisen,  wenn  erhebliche
  Gründe  vorhanden  sind,  diese  Beobachtung  zu  bezweifeln.  Wider  diejenigen,
welche  solcher  Aufforderung  nicht  Folge  leisten  wollen,  müssen  die  Stempelfiskale
den  Beistand  der  stafzer  tlichen  Behorden  nachsuchen,  welchen  überlassen  bleibt,
zu  prüfen,  wie  weit  die  bestehenden  Verdachtsgründe  die  verlangte  Nachweisung
rechtfertigen,  oder  eine  förmliche  Untersuchung  begründen.

C.  28.

Jeder  Stempelbogen  trägt  auf  der  ersten  Seite  oben  den  schwarz  aufgedruckten
  Stempel,  welcher  das  Adlerzeichen  und  die  Angabe  des  dafür  zu  zahlenden
  Betrages  enthält.

Dem  Finanzminister  bleibt  es  überlassen,  diesem  wesentlichen  Stempelzeichen
  noch  besondere  Nebenbezeichnungen  beizufügen,  wo  Verwaltungszwecke  ihn
dazu  bestimmen,  Stempelpapier,  was  zu  gewissem  Gebrauche  dient,  unterscheidend
zu  bezeichnen.  Kein  anderes,  als  das  dergestalt  unterscheidend  bezeichnete  Stempelpapier,
  darf  bei  einer  Ordnungsstrafe  von  funfzehn  Silbergroschen  zu  dem
Gebrauche,  welchen  die  Bezeichnung  bestimmt,  verwendet  werden.  Ueberschriebene
Pergamente  oder  gedruckte  Formulare  zu  öffentlichen  Verhandlungen  oder  Urkunden
  können  auch  auf  Ansuchen  von  Privatpersonen  bei  den  zur  Fabrikation  des
Stempelpapiers  angeordneten  Anstalten  gestempelt  werden.

KC.  29.
Der  Verkauf  der  Stempelmaterialien  geschieht  ausschließlich  durch  die  Zollund
  Steuerämter  und  die  damit  besonders  beauftragten  Stempelvertheiler.

Etwa  noch  vorhandene  Berechtigungen,  in  Focze  deren  Korporationen  oder
Instituten  der  Verkauf  einiger  Stempelgattungen  oder  der  Ertrag  davon  ganz
oder  theilweise  verliehen  worden,  sind  hiermit  aufgehoben.

S.  30.
Der  unbefugte  Handel  mit  Stempelmaterialien  wird  an  sich  schon  mit

Konfiskation  der  Vorräthe  und  einer  Geldstrafe  von  funfzig  Thalern  bestraf.
eber-
        <pb n="1464" />
        —  1287  —

Ueberdies  bleibt  die  Untersuchung  und  Ahndung  damit  verbundener  Verkürzungen
"v  n  Stnatseinkommens  und  Unterschleife  den  Umständen  nach  besonders  vorehalten.


g.  31.

Stempelbogen,  deren  Betrag  100  Tieler  übersteigt,  werden  blos  von  den
Provinzial  Stener  ehörden  oder  dem  Haupt-Stempelmagazin  zu  Berlin  ausgegeben.
Sie  sind  unter  dem  schwarzen  Stempel  noch  mit  einem  trockenen  Stempel  versehen
und  es  ist  überdies  der  Betrag  derselben  schriftlich  unter  der  Unterschrift  der  Provinzial
  Steuerbehärde  oder  des  Haupt-Stempelmagazins  oben  auf  dem  Bogen
angegeben.

K.  32.

Stempelmaterialien,  welche  vor  dem  Verbrauche  durch  Zufall  oder  Versehen
  verdorben  worden  sind,  können  der  Provinzial-Steuerbehörde  des  Bezirks
zum  Ersatz  liquidirt  werden.  Oeffentlichen  Behörden  steht  dies  für  jeden  Betrag
zu)  einzelnen  Beamten  oder  Privatpersonen  aber  nur,  sofern  der  klar  erwiesene
Schaden  Einen  Thaler  und  darüber  beträgt.

g.  33.
Bereits  geleistete  Bezahlung  für  verbrauchtes  Stempelpapier  kann  nur  zurückerstattet
  werden  in  Fällen,  wo  die  Zahlung  entweder  ohne  alle  Verpflichtung

blos  aus  einem  unvermeidlichen  Versehen  geschehen  ist,  oder  wo  dieselbe  wegen
Armuth  der  Zahlungspflichtigen  erlassen  werden  muß.

KC.  34.

Die  Bestimmungen  im  F.  4.  und  in  den  I#F.  24.  27.  29.  30.  32.  und  33.
dieser  Verordnung  kommen  auch  in  Betreff  der  Wechsel-Stempelsteuer  zur  Anwendung.


K.  35.

Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Vorschriften  treten  vom  1.  September
  1867.  ab  außer  Kuf.

KC.  36.

In  allen  fortan  dieser  Verordunng  und  dem  angeschlossenen  Tarife  unterliegenden
  Fällen,  welche  vor  dem  1.  September  1867.  vorgekommen  sind  und
in  welchen  nach  den  bisherigen  Gesetzen  Stempel  oder  die  im  F.  1.  erwähnten
Abgaben  von  der  Uebertragung  unbeweglicher  Güter  und  von  Auktionsgeldern
zu  erheben  waren,  kommen  noch  die  bisherigen  Gesetze  zur  Anwendung.  Der
Finanzminister  ist  jedoch  ermächtigt,  für  diese  Mue  die  Festsiellung  und  Einziehung

(Ne.  6761.)  169“  der
        <pb n="1465" />
        —  1288  —
der  gedachten  Abgaben  den  von  ihm  zu  bezeichnenden  Steuerbehörden  zu  übertragen

  und  in  Betreff  des  Verfahrens,  sowie  wegen  des  Stempelgebrauches  die
erforderlichen  Anordnungen  zu  erlassen.

.  37.
Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Ems,  den  7.  August  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

Stem-
        <pb n="1466" />
        —  1289  —

Stempeltarif.

Allgemeine  Vorschriften.

1)  Enthält  eine  schriftliche  Verhandlung  verschiedene  stempelpflichtige  Gegenstände
  oder  Geschäfte,  so  ist  der  Betrag  des  Stempels  für  jeden  dieser
Gegenstände  und  jedes  dieser  Geschäfte  nach  den  darauf  Anwendung
habenden  Vorschriften  besonders  zu  berechnen,  und  die  Verhandlung  mit
der  Summe  aller  dieser  Stempelbeträge  zusammengenommen  zu  belegen,
insofern  der  nachstehende  Tarif  nicht  ausdrücklich  Besteiungen  für  besondere
Fälle  dieser  Art  enthält.

2)  Die  Stempelabgabe  beträgt  mindestens  5  Sgr.  und  steigt  von  5  Sgr.
“  5  Sgr.  Es  wird  daher,)  wenn  der  berechuete  Betrag  des  Stempels

S  übersteigt,  aber  nicht  über  10  Sgr.  hinausgeht,  ein  Stempel
von  10  Sgr.  und  so  weiter  genommen.

Erste  Abtheilung.

 

 

Pro-Mñ
  zente.
2  #.
1.  Adjudikations-Bescheide,  Dekrete  und  die  Ausfertigungen
  oder  Protokolle,  welche  die  Stelle  des  Adjüditationsbescheides
  vertreten,  wie  Kaufverträge,
iese.
2.  Adoptionsverträge  ..  .  ...  ..  ....  .  .....  ....  ..  .  .  ...  .  12

3.  Afterpacht-  oder  Miethsverträge,  s.  Pachtverträge.

4.Aktien.  Ein  Zwölftheil  Prozent  desjenigen  Betrages!
bis  auf  welchen  der  Aktieninhaber  kor  die  ihm  ertheilte
  Aktie  zur  Theilnahme  an  den  Einlagen  und

Zuschüssen  verpflichtet  wird.

fie  Aktien  der  Eisenbahngesellschaften  sind  stempelfrei.



5.  Angabe  an  Jahlungsstatt.  Verträge  über  Angabe

an  Jahlungsstatt,  wie  Kaufverträge,  s.  diese.

6.  Antichretische  Verträge,  wie  Pachtverträge,  s.  diese.

 

 

 

 

(Nr.  6761.)
        <pb n="1467" />
        —  1290  —

 

 

T

#

 

Assekuranz=  Polizen.  Ein  halbes  Proazent  der  gezahlten
  Prämie.

In  allen  Fällen,  wo  die  gezahlte  Prämie  Einhundert
  Thaler  nicht  überstegt

Da  hiernach  die  Prämie  bei  Assekuranz-Polizen
als  Gegenstand  der  Verhandlung  angesehen  wird,  so
sind  daie  Polizen  nach  F.  3  a.  der  Verordnung  stempelfrei,
  wenn  der  Betrag  der  Prämie  funfzig  Thaler
nicht  erreicht.

Auktionsprotokolle.  Ein  Drittheil  Prozent  des  reinen
Ertrages  der  Lösung.

Der  Stempel  ist  nach  beendigter  Auktion  nach
dem  reinen  Ertrage  der  Lösung  zu  bestimmen.  Gehört
  der  Gegenstand  der  Auktion  nicht  zu  einer  einzigen
  Vermögensmasse,  sondern  mehreren  in  keiner
Gemeinschaft  stehenden  Theilnehmern,  so  ist  der
Stempel  nach  den  besonderen  Antheilen  eines  jeden
derselben  am  bösungeertrage  zu  berechnen.

Der  behörige  Stempelbogen  muß  binnen  drei
Tagen  nach  dem  Schlusse  der  Auktion  dem  Protokolle
  peshesict.  dazu  kassirt  und,  daß  solches  geschehen,
auf  dem  Protokolle  selbst  vermerkt  werden.

Bestätigungen  (Konfirmationen)),  gerichtliche,  der
in  diesem  Tarife  besteuerten  Verhandlungen)  sofern
nicht  für  besondere  Gattungen  delurg  (z.  B.  für
Bestätigung  eines  Vergleiches  der  Parteien  in  rechtshängigen
  Sachen)  besondere  Vorschriften  bestehen,  wie
Ausfertigungen.  S.  zweite  Abtheilung.

Bürgschaften,  s.  Cautions-Instrumente.

Cautions-Instrumente.  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  .  .  .  ..
Alle  andern  Verhandlungen  über  Dienstkautionen,
wobei  ein  öffentliches  Interesse  besteht,  sind  stempelfrei.

EIIII
Die  Cessionen  öffentlicher  Papiere  sind  stempelfrei.

Codizilll  .  ...
        <pb n="1468" />
        —  1291  —

 

Prozeute.



 

18.

20.

21.

22.

23.

 

Contrakte,  s.  Verträge.

Dispositionen  von  Todeswegen,  wie  Testamente,
iese.

Depositions  scheine  der  Bankiers  und  Kaufleute,  wie
chuldverschreibungen,  s.  diese.

Donationen  oder  Schenkungen  unter  Lebendigen,
sofern  solche  durch  schriftliche  Willenserklärungen  erfolgen,
  mit  Einschluß  der  remuneratorischen  Schenkungen,
  werden  wie  Erbschaften  nach  der  Verordnung,  betreffend
  die  Erbschaftsabgabe,  versteuert.  Der  hiernach
*  berechnende  Abgabenbetrag  ist  als  Stempel  zu  der
steuerpflichtigen  Verhandlung  zu  verwenden.

Eheversprechen,  schriftlicchhee  ...
Ehevertrieeen  .  .  ..  .  ....

Engagementsprotokolle,  wenn  sie  die  Stelle  von
erträgen  vertreten,  wie  diese,  s.  Verträge.
Erbfolgeverträge  (Erbverträhe)  .
Erbpachts  verträge.  Eins  vom  Hundert  des  Werthes
des  dadurch  vererbpachteten  Gegenstandes.  Werden
Grundstücke  auf  Erbzins  oder  in  Erbpacht  ausgethan,
so  besteht  die  Summe,  von  welcher  der  Stempel  bei
dieser  Veräußerung  zu  entrichten  ist,  aus  dem  Erbstandsgelde
  und  aus  dem  Zwanzigfachen  der  jährlichen
Leistung  an  Zins,  Kanon  oder  anderen  beständigen
u  Gunsten  des  Verpächters  übernommenen  Lasten.
em  zwar  der  erbliche  Besitz  des  Nutzungsrechts
übertragen,  aber  herbehten  wird,  daß  perlodisch  nach
Ablauf  einer  gewisen  eit  ein  neuer  Nutzungsanschlag
gemacht,  und  der  Kanon  für  die  nächstfolgende  Periode
danach  bestimmt  werden  soll,  so  wird  der  Vertrag
über  ein  solches  Geschäft  nur  in  Rücksicht  des  etwanieen
  Erbstandsgeldes  wie  eine  Veräußerung,  in  Rückscht
  des  Kanons  aber  wie  eine  Verpachtung  auf  die
Anschlagsperiode  besteuert.
Erbrezesse  oder  Erbtheilungsrezesse,  Erbschafts.-theilungsperträgel,
  wenn  dadurch  bie  Vertheilun
einer  von  der  Erbschaftsabgabe  befreiten  Erbscha

(Nr.  6761.)

 

 

15
        <pb n="1469" />
        —  1292  —

 

Prozente.



 

24.
25.

2

—E
J

28.

i“ßpPß

 

ausgesprochen  wird:  falls  die  dadurch  zu  vertheilende
Mass=  Eintausend  Thaler  und  darüber  beträgt.

falls  gedachte  Masse  den  Werth  von  Eintausend
Thalern  nicht  erreicht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..

wenn  dadurch  eine  abgabenpflichtige  Erbschaft  vertheilt
  wird,  stempelfrei.

Erbzinsverträge,  wie  Erbpachtsverträge,  s.  diese.
Familienstiftungen,  wie  Fideikommißstiftungen,  s.  diese.

Fideikommißstiftungen,  ohne  Unterschied,  ob  sie  zu
Gunsten  der  Anverwandten  des  Stifters  oder  anderer
Personen  errichtet  werden,  unterliegen  der  Stempelsteuer
  von  drei  vom  Hundert  des  Gesammtwerthes
der  denselben  gewidmeten  Gegenstände,  ohne  Abzug
der  etwanigen  Schulden.  ·

Der  Stempel  ist  zu  der  Urkunde,  durch  welche
die  Stiftung  errichtet  wird,  zu  verwenden,  ohne  Rück—
sicht  daraus  ob  zu  der  Stiftung  eine  Bestätigung  erforderlich
  ist  oder  nicht.

Bei  Stiftungen  unter  Lebendigen  ist  der  Stempel
  in  der  durch  §.  5.  der  Verordnung  vorgeschriebenen
  Frist  beizubringen.

Beie  Stiftungen  von  Todeswegen  ist  der
Stempel  innerhalb  des  für  die  Entrichtung  der  Erbschaftsabgabe
  vorgeschriebenen  Zeitraumes  beizubringen
  und  sind  die  #dter  der  Erbschaft  für  die  Entrichtung
  der  Stempelsteuer  ebenso,  wie  für  die  Entrichtung
  der  Erbschaftsabgabe,  alle  für  einen  und  einer
für  alle  verhaftet.

Gütergemeinschafts-Verträge  unter  Eheleuten,
s.  Eheverträge.  -

Kaufverträge.

a)  über  inländische  Grundstücke  und  Grundgerechtigkeiten
  Eins  vom  Hundert  des  Kaufwerthes.
        <pb n="1470" />
        —  1293  —

 

Prozente.



 

 

Bei  Verkäufen  ist  der  bestimmte  Kaufpreis  mit
Hinzurechnung  des  Werthes  der  vorbehaltenen  Nutzungen
  und  ausbedungenen  Leistungen  diejenige  Summe,
wonach  der  Betrag  des  Stempels  zu  berechnen  ist.

Werden  Gegenstände  anderer  Art,  ohne  besondere
Angabe  ihres  Werthes,  mit  Grundstücken  oder  Grundgerechtigkeiten
  zusammen  genommen  in  Einer  Summe
veräußert,  so  wird  der  Stempelsatz  von  der  gedachten
Summe  dergestalt  berechnet,  als  ob  sie  ganz  für
Grundstücke  oder  Grundgerechtigkeiten  göahlt  worden
  wäre.

Bei  Subhastationen  wird  der  Stempel  nach  dem
Gebote,  worauf  der  Zuschlag  erfolgt,  entrichtet
b)  über  außerhalb  Landes  belegene  Grundstücke

und  Grundgerechtigketen

J)  über  alle  anderen  Gegenstände  ohne  Unterschied
Ein  Drittheil  Prozent  des  vertragsmäßigen  Kaufpreises;


4)  jeder  im  kaufmännischen  Verkehr  über  bewegliche
  Gegenstände,  mit  Einschluß  der  Aktien  und
anderer  geldwerthen  Papiere,  sei  es  mit  oder  ohne
Zuziehung  eines  vereideten  Agenten  oder  Mäklers,
schriftlich  abeeschlossene  Kauf.  oder  Lieferungsvertrag,
  ohne  Unterschied,  ob  derselbe  unter  Handels.
treibenden  oder  unter  anderen  Personen  abgeschlossen
worden,  unterliegt,  soweit  er  nach  der  Höhe  des
Betrages  an  sich  stempelpflichtig  ist,  einer  Stempelabgabe
  ddnnn  .  ..

und  falls  mehrere  Kontrakts-Exemplare  durch

Unterschrift  der  Kontrahenten  vollzogen  werden,
für  jedes  Exemplar  dem  Stempel  von.  ..  ..  .  .  .  ..

Wenn  jedoch  der  Stempel  zu  Ein  Drittheil
Prozent  des  Kaufpreises  weniger  als  15  Sgr.  beträgt,
  und  nicht  wegen  der  Form  des  Vertrages  nach
den  Tarifpositionen  „Protokolle  und  Notariats-Instrumente“
  ein  Stemwel  von  15  Sgr.  rserderlh  ist,  so
soll  anstatt  dieses  Stempels  nur  der  geringere  Prozentstempel
  eintreten.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6701.)  170

 

 

15

15
        <pb n="1471" />
        —  1294  —

 

Prozente.



 

29.

30.

31.

32.

33.

 

Ist  der  Vertrag  unter  Mitwirkung  eines  Mäklers
  oder  vereideten  Agenten  abzeschlossen  und  der
Stempel  nicht  verbraucht,  so  soll  die  Strafe  nicht
blos  jeden  der  Kontrahenten,  sondern  auch  den  Mäkler
  oder  Agenten  unter  solidarischer  Haftung  aller
dieser  Personen  für  den  Stempel  treffen;

)  Kauf=  und  Tauschverhandlungen,  welche  zwischen
Theilnehmern  an  einer  Erbschaft  zum  Zwecke  der
Theilung  der  zu  letzterer  gehörigen  Gegenstände
abgeschlossen  werden,  sind  dem  Werthstempel  von
Kaufverträgen  nicht  unterworfen.

Zu  den  Theilnehmern  an  einer  Erbschaft  wird
auch  der  überlebende  Ehegatte  gerechnet,  welcher
mit  den  Erben  des  verstorbenen  Ehegatten  gütergemeinschaftliches
  Vermögen  zu  theilen  hat.

S.  auch  pos.  54.  „Uebertragsverträge."

Lehrbriefe  der  Handlungsdiener,  Künstler,  Fabrik=  und
Handwerksgehülfen,  auch  Jäger,  Gärtner  und  Köche

Lehrkontrakte,  s.  Verträge.  Ist  jedoch  entweder
ar  kein  Lehrgeld,  oder  ein  Lehrgeld  von  weniger  als
50  Thaler  ausbedungen,  für  jedes  Exemplar.  ...  .  ..

Leibrentenverträge,  wodurch  Leibrenten  erkauft  oder
sonst  gegen  Uebernahme  von  Leistungen  oder  Verpflichtungen
  erworben  werden,  Eins  vom  Hundert
des  Kapitalwerthes  der  Leibrente.

Lieferungsverträge  wie  Kaufverträge,  s.  diese.

Diejenigen,  welche  Lieferungen  von  Bedürfnissen
der  Regierung  oder  öffentlicher  Anstalten  übernehmen,
sind  verpflichtet,  den  vollen  Stempelbetrag  ausschließlich
zu  entrichten.

Mäkleratteste,  welche  vereidete  Mäkler  auf  den  Grund
ihrer  Bücher  den  Interessenten  3  ihrer  Nachricht  ertheilen,
  bedürfen  keines  Stempels,  sofern  davon  kein
Gebrauch  vor  einer  gerichtlichen  oder  polizeilichen
Behörde  emacht  wird.  Wo  dagegen  ein  solcher
Gebrauch  ##aitinte  ist  dazu  ein  Stempel  von  ..  ...

anzuwenden.

 

 

15
        <pb n="1472" />
        —  1295  —

 

Prozente.



 

34.
35.
36.
37.

38.

39.
40.

 

Es  ist  gestattet,  diesen  auch  nachträglich  zu  dem
Mäkleratteste  beizubringen,  wenn  dasselbe  ursprünglich
ohne  Rücksicht  auf  solchen  Gebrauch,  mithin  ohne
Stempel,  ausgestellt  worden.

Majorennitäts-Erklärungeg  .  .  ..
Miethsverträge,  s.  Pachtverträge.
Mortifikationsscheine  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  .  .  .  ..  .  ...  ..  .  ..

Notariats-Instrumente,  welche  die  Stelle  einer
in  der  ersten  Abtheilung  dieses  Tarifes  besteuerten
Verhandlung  vertreten)  z.  B.  einer  Quittung,  wie
diese,  mindestens  aber  in  allen  Fällen  .

Im  Uebrigen  s.  zweite  Abtheilung.

Noten  der  Kaufleute  über  abgemachte  Wechsel  und
Geldgeschäfte,  welche  nur  als  Belag  über  die  gezahlte
Valuta  dienen,  bedürfen  keines  Stempels.

Obligationen,  (.  Schuldverschreibungen.

Pacht=  und  Miethsverträge,  von  dem  ganzen  Betrage
  der  durch  dieselben  bestimmten  Pacht  oder  Miethe,
Ein  Drittheil  Prozent.

Wenn  dieselben  über  ein  im  Auslande  belegenes
Grundstück  geschlossen  werden,  ist  nur  ein  Stempel
vdoooon  ..
dazu  erforderlich.

Verträge  über  Afterpacht  oder  Aftermiethe  werden
wie  *  und  Miethsverträge  überhaupt  besteuert.

ei  Verträgen  über  Pacht  und  Miethe  ist  der

Werth  des  stempelpflichtigen  Gegenstandes  nach  folgenden
  Grundsätzen  zu  berechnen:

a)  Alles,  was  der  Pächter  vertragsmäßig  dem  Verbächter

  selbst,  oder  einem  Dritten  für  Rechnung

es  Verpächters  wegen  erhaltener  Pacht  zahlt,  liefert

  oder  leistet,  muß  dem  ausbedungenen  Pachtgelde

  zugerechnet  werden,  und  bildet  mit  demselben

usammen  genommen  den  stempelpflichtigen  Betrag

n0r  Verpachtung.  Naturalien,  welche  sich  hierunter

befinden,  sind  nach  den  Durchschnitts-Marktpreisen

r.  6761.)  170“

 

 

15
        <pb n="1473" />
        —  1296  —

 

Prozente.



 

41.
42.
43.

 

zu  Gelde  zu  berechnen.  Naturaldienste  sind  mit  dem
gewähnihen  Lohnsatze,  welchen  ähnliche  Dienste
mm  freien  Verding  in  der  Gegend  haben,  anzuslagen


b)  Beständige  Hebungen,  welche  der  Pächter  blos  für
Rechnung  des  Verpächters  einzieht,  gehören  dagegen
  nicht  zu  der  stempelpflichtigen  t]r-J)

  Bei  Abschluß  der  Pacht=  und  Miethsverträge  wird
der  Stempel  auf  einmal  für  den  Betrag  alles
dessen  erhoben,  was  während  der  Dauer  des  ganzen
  Vertrages  susammen  genommen  an  Pacht  und

iethe  zu  zahlen  ist.

d)  Schriftliche  Verlängerungen  der  Pacht=  und  Miethsverträge
  sind  ohne  Unterschied  gleich  neuen  Verträgen
  stempelpflichtig.

e.)  Enthalten  Pacht-  oder  Miethsverträge  die  Bedinung,

  daß  die  Pacht  oder  Miethe  suschweig  n
für  verlängert  auf  gewisse  Zeit  angesehen  werden
sell,  so  bald  und  so  oft  innerhalb  eines  gewissen

ermins  nicht  gekündigt  wird,  so  sind  die  Verlängerungen,
  welche  hiernach  wirklich  eintreten,
den  schriftlichen  auch  in  Rücksicht  der  Stempelpflichtigkeit
  gleich  zu  achten  und  ist  der  Stempel
dazu  besonders  zu  lösen.

)Pacht=  und  Miethsverträge,  welche  blos  auf  Kündigung
  oder  überhaupt  auf  unbestimmte  Zeit  geschlossen
  worden,  sind  bei  Berechnung  des  Stempels
so  anzusehen,  als  ob  sie  für  ländliche  Grundstücke
auf  drei  Jahre,  für  andere  Gegenstände  auf  Ein
Jahr  geschlossen  wären.

Pfandbriefe,  s.  Schuldverschreibungen.
Polizen,  s.  Assekuranzpolizen.

Prolongationen  von  Pacht-  und  Mieths  verträgen,
wie  neue  Verträge  dieser  Art  für  die  Dauer  der
Prolongation,  .  Pachwernäge,

Protelttteee  a  .  .

 

 

15
        <pb n="1474" />
        —  1297  —

 

—*-Pro-





 

4.

46.

47.

 

Protokolle  in  Privatangelegenheiten  vor  einem  Notario
  oder  einem  mit  richterlichen  oder  polizeilichen
Verrichtungen  oder  mit  Verwaltung  öffentlicher  allgemeiner
  Abgaben  beauftragten  Staats=  oder  Kommunalbeamten
  oder  einer  dergleichen  Behörde  aufgenommen,
  welche  die  Stelle  einer  in  der  ersten
Abtheilung  des  gegenwärtigen  Tarifes  besteuerten
Verhandlung  (z.  B.  einer  Quittung)  vertreten,  wie
diese,  mindestens  aber

Im  Uebrigen  s.  zweite  Abtheilung.

Punktationen  über  einen  zu  errichtenden  Vertrag,
welche  die  Kraft  eines  Vertrages  haben  und  demnach
eine  Klage  auf  Erfüllung  begründen,  sind  wie  Verträge
  über  denselben  Gegenstand  und  zwar  auch  dann
#  besteuern,  wenn  darin  die  Ausfertigung  einer  förmichen
  Vertragsurkunde  vorbehalten  ist,  s.  Verträge.

Quittungen  über  geleistete  LZahlungen,  sofern  dieselben
  zum  Rechnungs  raage  bei  Ablegung  der  Rechnung
  vor  einer  öffentlichen  Behörde  dienen,  ein  Zwölftheil
  Prozent  des  Betrages,  worüber  quittirt  wird.

Dieselbe  Stempelabgabe  ist  auch  von  Quittungen
ohne  Unterschied  des  Zwecks  zu  erlegen,  wenn  dieselben  vor
einem  Notario,  oder  einem  mit  richterlichen  oder  polizeilichen
  Verrichtungen,  oder  mit  Verwaltung  allgemeiner
Abgaben  beauftragten  Staats=  oder  Kommunalbeamten
amtlich  aufgenommen,  oder  anerkannt  worden.

Wenn  eine  Quittung  erst  durch  nachfolgende  Verhandlungen
  stempelpflichtig  wird,  so  darf  der  Stempel
dazu  auch  erst  bei  Eintritt  dieser  Verhandlungen  nachgebracht
  werden.

Wird  in  einer  Verhandlung,  welche  tarifmäßig
anderweitig  einem  gleichen  oder  köheren  Stempel  vom
Betrage  des  Gegenstandes  unterliegt,  zugleich  über  den
Empfang  dieses  Betrages  oder  eines  Theils  desselben
quittirt,  so  ist  ein  besonderer  Quittungsstempel  deshalb
nicht  zu  entrichten.  Auch  bedarf  es  keines  besonderen
Quittungsstempels,  wenn  zwar  nicht  in  einer  solchen
Verhandlung  selbst,  aber  nachträglich  unmittelbar  darunter
  quittirt  wird.

(Nr.  6761.)

 

1
12

 

 

15
        <pb n="1475" />
        —  1298  —

 

zente.

 

 

Die  in  Vormundschafts-  und  Kuratelsachen  von
den  Vormündern  oder  Kuratoren  zur  Belegung  ihrer
Rechnungen  beizubringenden  Privatquittungen  sind
stempelfrei.

Es  bedarf  ferner  keines  Quittungsstempels  zu  Interimsquittungen
  auf  Partialzahlungen,  welche  bestimmt
sind,  gegen  eine  Hauptquittung  über  den  ganzen  Betrag
  ausgetauscht  zu  werden.  Ueberdies  sind  von  dem
Quittungsstempel  frei  alle  Quittungen  über  folgende
Zahlungen:

a)  Rückzahlung  der  von  öffentlichen  Kassen  irrthümlich
  erhobenen  Gelder;

b)  Rückzahlung  der  für  öffentliche  Anstalten  gemachten.
baaren  Auslagen,  sofern  dafür  keine  Zinsen  oder
andere  Vortheile  angerechnet  werden;

JP)  Reisekosten  in  Dienseangelegenheten  und  unffxirte
Diäten  aus  öffentlichen  Kassen;

d)  Gehalt  und  Diensteinkommen  der  im  Felde  stehenden
  oder  Dienstes  wegen  im  Auslande  befindlichen
Angestellten

e)  Armengelder,  Remissionen  und  Unterstützungen  aus
öffentlichen  Mitteln;

desgleichen

s)  Quittungen,  welche  Inhaber  von  verloosten  Staatsschuldscheinen
  bei  Auszahlung  der  Valuta  darüber
zan  die  Staatsschulden-Tilgungskasse  auszustellen

aben.

Der  Quittungsstempel  von  Besoldungen,  Wartegeldern,
  Pensionen  und  anderen  periodischen  Hebungen
aus  öffentlichen  Kassen  wird  in  der  Regel  nach  dem
jährlichen  Betrage  der  Zahlungen  berechnet.

Militairpersonen  ablen.  jedoch  den  Quittungsstempel
  von  ihren  Besoldungen,  Wartegeldern,  Pensionen
  und  anderen  Dienst-Emolumenten  nur  nach  dem
monatlichen  Betrafe=  der  Zahlungen.

Naturalien,  welche  als  Besoldungstheile  oder  Dienst-Emolumente
  enpfangen  werden,  kommen  nach  einem
verhältnißmäßigen  Anschlage  bei  Bestimmung  des
Quittungsstempels  in  Anrechnung.
        <pb n="1476" />
        —  1299  —

 

Prozente.



 

48.

49.

51.

52.

53.

54.

 

Quittirte  Rechnungen  sind  insofern  wie  Quittungen
zu  besteuern,  als  sie  die  Stelle  stempelpflichtiger  Quittungen
  vertreten.

Registraturen,  wenn  sie  die  Stelle  der  Protokolle
vertreten,  wie  diese.

Schenkungen,  s.  Donationen.

Schlußzettel  der  Mäkler,  wie  Mäkleratteste,  s.  diese.

Schuldverschreibungen,  hypothekarische,  Pfandbriefe
und  personliche  jeder  Art,  ein  Zwölftheil  Prozent  des

Kapitalbetrages,  auf  welchen  die  Verschreibung  lautet.
Die  Verschreibungen  der  Sparkassen  (Quittungsbücher,

  Spartassenbücher)  über  Einlagen  von  funfzig

Thalern  oder  mehr  sind  stempelfrei.

Tauschverträge,  wie  Kaufverträge,  s.  diese.

Bei  Tauschverträgen  wird  der  Stempelsatz  nur
nach  dem  Werthe  des  einen  der  beiden  vertauschten
Gegenstände,  und  zwar  nach  demjenigen,  wofür  der
höchste  Werth  zu  ermitteln  ist,  berechnet.

Testamente,  und  zwar  sowohl  schriftliche  als  mündlich
zu  Protokoll  erklästt  ..

Uebertragsverträge  zwischen  Aszendenten  und  Deszendenten.


a)  Lästige  Verträge,  durch  welche  Immobilien  allein
oder  im  Zusammenhange  mit  anderem  Vermögen
von  Agszendenten  auf  Dezszendenten  übertragen
werden,  unterliegen  dem  gesetzlichen  Kaufstempel.
Es  kommen  jedoch  für  die  Festsetzung  des  stempelpflichtigen
  Erwerbspreises  folgende  von  dem  Erwerber
  übernommene  Verpflichtungen  und  Gegenleistungen
  nicht  in  Anrechnung:

1)  die  von  dem  Erwerber  übernommenen  Schulden
des  Uebertragenden,  sowie  die  auf  den  übertragenen
  Vermögensstücken  haftenden  beständigen
  Lasten  und  Abgaben;  «

2)  der  zu  Gunsten  des  Uebertragenden  und  dessen
Edcgatten  in  dem  Vertrage  festgesetzte  Altentheil)
  die  denselben  vorbehaltenen  Nutzungen,

(Nr.  6761.)
        <pb n="1477" />
        Prozente.



 

 

Leibrenten  und  sonstigen  lebenslängüüchen  Geldoder
  Natural-Prästationen,  sowie  die  denselben
Mgesicherten  Alimente;

3)  die  Abfindungen,  Alimente  und  Erziehungsgelerr,
  welche  der  Erwerber  nach  Inhalt  des

ertrages  an  andere  Deszendenten  des  Uebertragenden

  zu  entrichten  hat;  endlich

4)  derjenige  Theil  des  Erwerbspreises,  welcher
dem  Uebernehmer  als  sein  künftiges  Erbtheil
angewiesen  wird.

b)  Wenn  die  von  dem  Erwerber  übernommenen
Gegenleistungen  lediglich  in  den  unter  a.  Nr.  1—4.
einschließlich  aufgeführten  Verpflichtungen  bestehen,
so  ist  der  Vertrag  einer  Schenkung  unter  Lebenden

leich  zu  achten  und  bleibt  daher  vom  Kaufstenden
  frei.

Je)  Wenn  in  einem  solchen  Vertrage  dem  Uebernehmer
Abfindungen,  Alimente  oder  Erziehungsgelder  für
andere  Deszendenten  des  Uebertragenden  auferlegt
sind  (unter  a.  Nr.  3.)  und  der  Kapitalwerth  dieser
Zuwendungen  zusammen  genommen  wenigstens
50  Thaler  beträgt,  so  ist  zu  dem  Vertrage,  abgesehen
  von  dem  (nach  a.)  etwa  erforderlichen

aufstempel),  ein  Rezeßstempel  von  15  Silbergroschen
resp  2  Thalern  (s.  Position:  Erbrezesse)  zu  verwenden.


Vergleiche,  schriftliche,  gerichtliche  und  außergerichtliche,

wie  Verträge,  s.  diese.

Bei  Anwendung  dieser  Vorschrift  treten  folgende
nähere  Bestimmungen  ein:

a)  Ist  der  Vergleich  über  ein  Geschäft  abgeschlossen
worden,  welches  blos  mündlich  oder  durch  Korrespondenz
  oder  in  einer  anderen  die  Stempelverwendung
  nicht  bedingenden  Form  zu  Stande
gekommen  ist,  und  hätte  Hr  dess  Geschäft,  wenn
darüber  eine  schriftliche  Verhandlung  aufgenommen
wäre,  ein  höherer  als  der  bei  Verträgen  im  Allgemeinen
  stattfindende  Stempel  entrichtet  werden
        <pb n="1478" />
        —  1301  —

 

zente.

 

 

b

)

müssen,  so  ist  zu  dem  Vergleiche,  insofern  dadurch
das  Geschäft  im  Wesentlichen  aufrecht  erhalten
wird,  diefer  höhere  Stempel  zu  verwenden.

Wird  durch  den  Vergleich  zugleich  ein  anderweitiges
Rechtsgeschäft  begründet,  welches,  wenn  es  nicht
in  Vergleichsform  zu  Stande  gekommen  wäre,
einem  höheren,  als  dem  bei  Verträgen  im  Allgemeinen
  vorgeschriebenen  Stempel  unterworfen  sein
würde,  so  tritt  bei  dem  Vergleiche  dieser  höhere
Stempel  ein.  Insonderheit  ist,  wenn  für  die
streitigen  Ansprüche  als  Gegenleistung  das  Eigenthum
  einer  Sache  abgetreten,  ein  Erbzins-,  ein
Erbpachts-,  ein  Pacht-  oder  Miethsrecht  eingeräumt,
eine  Leibrente  versprochen  wird  u.  s.  w.)  zu  dem
Vergleiche  der  für  Kauf-,  Erbzins-,  Erbpachts.,
Pacht=  oder  Mieths-,  Leibrenten=  2c.  Verträge  bestimmte
  Stempel,  sofern  er  höher  ist,  als  der
allgemeine  Vertragsstempel,  zu  verwenden,  und
bei  Festsetzung  bestlben  der  Werth  der  Gegenleistung
  zum  Grunde  zu  legen.  In  gleicher  Art
findet,  wenn  zur  Scch  !

summe  eine  Hypothek  bestellt  wird,  der  für  hypothekarische
  Schuldverschreibungen  vorgeschriebene
Stempel  Anwendung.  Dagegen  wuß  wenn  ein
Dritter,  welcher  zu  den  ursprünglichen  Kontrahenten
nicht  gehört,  in  der  über  den  Vergleich  austenommenen
  Verhandlung  stempelpflichtige  Erklärung
abgiebt,  z.  B.  eine  Bürgschaft  übernimmt,  der
dazu  erforderliche  Stempel  neben  dem  zu  dem
Vergleich  beizubringenden  unbedingt  verwendet
werden.

Insoweit  für  Vergleichsverhandlungen  der  Gerichte

  Stempelfreiheit  bewilligt  ist,  darf  dieselbe  nicht
dazu  dienen,  den  Parteien  stempelfreie  Dokumente
über  an  sich  stempelpflichtige  Geschäfte  zu  verschaffen.
Sie  findet  daher  in  den  vorstehend  unter  a.  und  b.
erwähnten  Fällen  keine  Anwendung,  dergestalt,  daß
wenn  nach  den  daselbst  getroffenen  Bestimmungen
auch  kein  höherer  als  der  allgemeine  Vertragsstempel

Jahrzang  1867.  (Nr.  6761.)  171

erstellung  der  Vergleichs
        <pb n="1479" />
        —  1402  —

 

 

Pro-Mñ
  zente.
2  2.
begründet  sein  würde,  dennoch  dieser  letztere  zu  dem
Vergleiche  verwendet  werden  muß.
56.]  Verträge,  sofern  für  einzelne  Gattungen  derselben

57.

 

nicht  ein  durch  diesen  Tarif  besonders  bestimmter
  Stempel  zu  entrichten  11t4t4:  ..

S.  Adoptions-,  Ehe-,  Erbfolge-.,  Erbpachts-,
Erbzins.,  Kauf-,  Lehr--,  Leibrenten-,  Pacht-  und
Mieths-,  auch  Tauschverträge  u.  s.  w.

Vollmacheeeen  .......  ..  ..  ..

Die  Genehmigung  der  gerichtlichen  Verhandlun
gen  eines  mit  keiner  Vollmacht  versehenen  Anwaltes
durch  die  Partei  ist  mit  dem  zu  einer  Vollmacht  erforderlichen
  Stempel  zu  versehen,  sofern  dieselbe  an
die  Stelle  einer  Vollmacht  tritt.

Zu  den  gerichtlichen  oder  notariellen  Beglaubigungen
  bei  Vollmachten  wird  ein  besonderer  Stem-Pelvon.........................................

genommen.

 

 

Zweite  Abtheilung.

15

 

 

 

58.

59.

60.

 

Abschiede  der  Oberoffiziere  und  besoldeten  Militair-,  Civil-,
geistlichen  und  Kommunalbeamtten  .  .  ..
—  der  unbefoldeten  Beamten
Abschriften,  beglaubigtttttttt:::
Ist  jedoch  zu  der  stempelpflichtigen  Verhandlung  selbst
nur  ein  geringerer  Stempel  nöthig  gewesen,  so  bedarf  es  dessen
auch  nur  zur  beglaubigten  Wbschrz.
Atteste,  amtliche,  in  Privatsahen  ..
Zeugmisse,  welche,  von  wem  es  auch  sei,  nur  allein  zu
dem  Zweck  ausgestellt  werden,  um  au  Grund  derselben  ein
amtliches  Attest  ausfertigen  zu  lassen,  find  nicht  stempelpflichtig.
        <pb n="1480" />
        —  1303  —

 

 

61.

 

Alle  amtlichen  Atteste,  welche  nur  deshalb  ausgefertigt
werden,  damit  der  Inhaber  seine  Berechtigung  zum  Genufe
von  Wohlthaten,  Stiftungen  und  anderen  Dispositionen  für
Dürfige  dadurch  nachweisen  könne,  sind  stempelfrei.

Alle  Atteste,  welche  die  Pfarrer  von  Amtswegen  in  Bezug
auf  kirchliche  Handlungen  ertheilen,  mit  alleiniger  Ausnahme
der  Geburts=  oder  Tauf-,  Trauungs-,  oder  Todten=  oder  Beerdigungsscheine,
  bedürfen  keines  Stempels.

Diejenigen  Atteste,  welche  bei  öffentlichen  Kassen  als  Rechnungsbelag
  wegen  Jahlung  der  Wartegelder  und  Pensionen
en  den  Empfängern  eingereicht  werden  müssen,  sind  stempelei.



Ausfertigungen,  amtliche,  insofern  sie  im  gegenwärtigen
er

Tarif  nicht  besonders  taxirt  werden,  nach  dem  Ermessen
Behördden  ...  .  .  ...  .  .  .  .  .  ..
oder  auch  nrr  .  .  .  .  ..

Der  Stempel  von  15  Sgr.  ist  für  Ausfertigungen  in
der  Regel  zu  gebrauchen.  Der  niedrigere  Stempel  findet  nur
statt,  wo  die  Verhältnisse  des  Empfängers  oder  die  Geringfügigkeit
  eines  nicht  nach  Gelde  zu  schätzenden  Gegenstandes  die
Ausnahme  besonders  begründen.  «

Bloße  Benachrichtigungen  der  Behörden  an  die  Bittsteller,
wodurch  ihnen  nur  n  bekannt  gemacht  wird,  daß  ihr
Gesuch  eingegengen  sei,  und  sie  darauf  Bescheid  zu  gewärtigen
haben,  sind  ohne  Stempel  zu  erlassen.

Bescheide  derjenigen  Staats=  oder  Kommunalbehörden  und
Beamten,  welchen  eine  richterliche  oder  polizeiliche  Gewalt,  oder
die  Verwaltung  allgemeiner  Abgaben  anvertraut  ist,  auf  in
ihrer  amtlichen  Eigenschaft  an  sie  gerichtete  Gesuche,  Anfragen
und  Anträge  in  Feirolan  elegenheiten,  sind  dagegen  in  der
Regel  für  stempely  ichtige  Ausfertigungen  zu  achten,  wenn  sie
eine  Entscheidung  oder  Belehrung  in  der  Sache  selbst  enthalten,
welche  dem  Bittsteller  darauf  zugefertigt  wird,  sie  mögen  nun
in  Form  eines  Antwortschreibens,  einer  Verfügung  oder  Dekretsabschrift,
  oder  eines  auf  die  zurückgehende  Biltschuß  selbst  gesetzten
Dekrets,  erlassen  werden.

Inwieweit  besondere  Gründe  eine  Ausnahme  von  dieser
Regel  rechtfertigen,  und  eine  stempelfreie  Bescheidung  auch  in

(Nr.  6761.)  171°

 

—
O

Su
        <pb n="1481" />
        —  1304  —

 

 

 

 

 

2
den  vorgedachten  Fällen  veranlassen  können,  bleibt  dem  billigen
Ermessen  der  Behörden  anheimgestellt.

Anmerkung.  Der  Gebrauch  des  Stempelpapiers  ist  nur  davon
abhängig  gemacht,  daß  die  Behörde,  vor  welcher  ein  an  sich
stempelpflichtiger  Gegenstand  des  Privatinteresses  verhandelt
wird,  die  amtliche  Eigenschaft  einer  richterlichen,  einer  polizeilichen
  oder  einer  Abgaben  verwaltenden  Behörde  besitze,  nicht
aber  davon,  daß  sie  auch  in  der  Eigenschaft  einer  solchen
Behörde  auf  das  vor  ihr  verhandelte  Geschäft  amtlich  eingewirkt
  habe.

62.  Auszüge  aus  den  Akten,  öffentlichen  Verhandlungen,  amtlich
eäheten  Büchern,  Registern  und  Rechnungen,  wenn  sie  für
Pi#tpersonen  auf  ihr  Ansuchen  ausgefertigt  werden  15
63.Beilbrifee  .  .  .  .  ...  .  .  .  .  15
64.  Berichte,  welche  von  gerichtlichen  und  Verwaltungsbehörden  an
ihre  Vorgesetzten  erstattet  werden,  sind  auch  dann,  wenn  sie
Privatangelegenheiten  betreffen,  von  Stempelgebühren  frei.
65.Bescheide,  schriftliche,  wie  Ausfertigungen,  s.  diese.
66.Beschwerdeschriften,  s.  Gesuche.
67.Bestallungen  besoldeter  Beamen  15
—1  unbesoldeter  Beamten  .  .  ..  frei.
68.  sBestätigungen,  sofern  für  besondere  Gattungen  derselben  nicht
ein  besonderer  Tarifsatz  stattfindet,  wie  Ausfertigungen,  s.  diese.
s.  auch  Position  9.
69.Bittschriften,  s.  Gesuche.
70.  Bürgerbriefee  .  .  ..  15
71.Chartepartien,  wenn  sie  bei  einem  Handelsgerichte,  oder  einer
anderen  gerichtlichen,  Polizei=  oder  Kommunalbehörde  ausgefertigt
  werden,  wie  Ausfertigungen,  s.  diese.
72.Conzessionen,  wie  Ausfertigungen,  .  diese.
73.Dekrete,  wenn  sie  statt  Ausfertigungen  dienen,  wie  diese,  s.  Ausfertigungen.

74.Dienstentlassungen  der  Beamten,  (.  Abschiede.
75.]  Duplikate  von  stempelpflichtigen  Verhandlungen,  wie  beglaubigte
Abschriften,  s.  Abschriften.
76.Ehe=  und  Trauscheine,  wie  amtliche  Atteste,  s.  diese.
        <pb n="1482" />
        —  1305  —

 

 

83.

84.

86.

 

Eingaben,  s.  Gesuche.
EAÆIEIIIIIIIIII
Extrakte,  s.  Auszüge.

Festebriefee  :::::
Geburtsscheine  und  Taufscheine,  wie  amtliche  Atteste,  s.  diese.
Gesuche,  Beschwerdeschriften,  Bittschriften,  Eingaben,  welche  ein
rivatinteresse  zum  Gegenstande  haben,  und  bei  solchen  Staatsund
  Kommunalbehörden  oder  Beamten  eingereicht  werden,
welchen  die  Ausübung  einer  richterlichen  oder  polizeilichen  Gewalt
  übertragen  ist,  oder  welchen  die  Verwaltung  öffentlicher
allgemeiner  Abgaben  obligttt  .  ...  .  ...

Bloße  Beschleunigungsgesuche,  welche  keine  zur  Sache  selbst
gehörige  Erörterungen  oder  Anträge  enthalten,  bedürfen  keines
Stempels.  Die  Bestimmung  in  der  Anmerkung  zu  Position
61.  findet  auch  in  Betreff  der  Gesuche  Anwendung.

Ist  zu  lempepflichiigen  Gesuchen  und  Bittschriften  der
tarifmäßige  Stempel  von  5  Sgr.  nicht  gebraucht,  so  soll  die
Nachbringung  desselben  nicht  verlangt,  auch  die  ordentliche
Stempelstrafe  deshalb  nicht  eingezogen,  sondern  dies  Verfahren
nur  dadurch  beahndet  werden,  daß  der  Stempel  des  Bescheides
auf  ein  solches  Gesuch  um  15  Sgr.  erhöhet,  oder,  wenn  die
Bescheidung  außerdem  stempelfrei  gewesen  wäre,  ein  Stempelbogen
  von  funfzehn  Silbergroschen  verbraucht  wird.  Kann
nicht  sogleich  Bescheid  erfolgen,  so  i  dem  Bittsteller  ein  solcher
Stempelbogen  kassirt  statt  Strafdekrets  zu  übersenden  und  der
Betrag  von  ihm  einzuziehen.

Gutachten  der  Sachverständigen,  wenn  sie  bei  stempelpflichtigen
Verhandlungen  gebraucht  werden  ..
Heiraths-Konsense  für  Beamte  .  ...  ..  ..  .  .  ....  .  ..  .  ..  .  .  .  .  .  ..
Inventarien,  welche  zum  Gebrauche  bei  stempelpflichtigen  Verhandlungen
  dien  ...  .  .  .  .

Werden  dieselben  jedoch  blos  deshalb  aufgenommen,  um
den  Betrag  einer  Abgabe  auszumitteln,  so  ist  die  §.  3.  b.  der
Verordnung  ausgesprochene  Befreiung  auf  sie  anzuwenden.

Legalisation  von  Urkunden,  sofern  sie  nicht  auf  der  Urkunde
selbst  stattfindtt  .........  ...  .  ...

sonst..·.............................·................

(Nr.  6761.)

 

frei.

15
        <pb n="1483" />
        —  1306  —

 

 

*W“
2—
87.  Neben-Erxemplare  von  Verträgen,  wie  beglaubigte  Abschriften,
s.  Abschriften.
88.]  Notariats-Atteste,  wie  amtliche  Atteste,  s.  Atteste.
SSa.Rotariats-Instrumente,  sofern  nach  deren  Inhalt  (s.  Pos.  37.)
nicht  ein  höherer  Stempel  eintrit  ..  ..  .  .  ...  15
89.  Pässe,  gewöhnliche,  welche  auf  gedruckten  Formularen  ausgestellt
werden........·..........................................  5
andereSeepässeundLandpässe.................·.......  15
90.Protokolle,welcheinPkivatangelegenheitenvoreinemNotakio,
oder  einem  mit  richterlichen  oder  polizeilichen  Verrichtungen,
oder  mit  Verwaltung  öffentlicher  allgemeiner  Abgaben  beauftragten
  Staats=  oder  Kommunalbeamten,  oder  einer  dergleichen
Bcherde  aufgenommen  werden:
a)  wenn  sie  die  Stelle  einer  Beschwerdeschrift,  Bittschrift,  Eingabe,
  oder  eines  Gesuchs  vertreten  .  ..  5
b)  wenn  diejenigen  Personen,  mit  welchen  es  aufgenommen
wird,  au  Erfordern  eine  Auskunft  geben,  oder  eine  Aussage
  als  Zeugen  ablegen,  oder  eine  Verbindlichkeit  zu  einer
Leistung  oder  Umterlassung  dadurch  übernehmen,  insofern
nicht  der  in  der  ersten  Abtheilung  Pos.  45.  bezeichnete
Fall  eintrtttt:t:t:::  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  15
91.]Rekognitions-  Protokolle,  wenn  sie  die  Stelle  der  Atteste
vertrten  ..  ..  ..  .  .  ...  .  .  .  .  .  .  .  ..  15
wenn  auf  deren  Grund  Rekognitions-Atteste  ausgefertigt
weddden:  frei.
92.Regquisitionen,  wie  Ausfertigungen,  .  diese.
93.  Resolutionen,  schriftliche,  wie  Ausfertigungen,  s.  diese.
94.  Schiffs  meßbriefe,)  wie  Ausfertigungen,  .  diese.
95.  Strafresolute  der  Finanzbehörden,  sowie  auch  der  Poljzeibehörden.
  15
96.  Taufscheine,  wie  amtliche  Atteste,  s.  diese.
97.  Tagen  von  Grundstücken  sind  insofern  stempelpflichtig,  als  sie

 

wegen  eines  Privatinteresses  unter  Aufsicht  einer  öffentlichen  Behörde
  aufgenommen  werden  und  erfordern  alsdanm  einen  Stempel
v  dsndoaaaaa- 



15
        <pb n="1484" />
        —  1307  —

 

 

Der  Stempel  wird  jedoch  nicht  angewandt,  wenn  die  Taxe
zum  Gebrauche  bei  einer  Subhastation  oder  Erbtheilung  aufgenommen
  und  in  Folge  dessen  von  dem  tagxirten  Gegenstande
ein  Kaufstempel  oder  eine  Erbschaftsabgabe  entrichtet  wird.

98.  Todtenscheine,  wie  amtliche  Atteste,  s.  diese.

99.  Trauscheine,  desgleichen.

100.  Urlaubs-Ertheilungen,  wie  Ausfertigungen,  s.  diese.

101.  Verfügungen,  amtliche,  in  Angelegenheiten  des  Empfängers,
oder  beihault  an  Privatpersonen  in  Privatangelegenheiten,  wie
Ausfertigungen,  (.  diese.

102.  Vokationen  der  Geistlichen  und  Schullehrer,  wie  Bestallungen,
s.  diese.

103.  Vorstellungen,  wie  Gesuche,  s.  diese.

(Nr.  6761—6763.)

 

Gegeben  Ems,  den  7.  August  1867.

(u.  .Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6762.)
        <pb n="1485" />
        —  1308  —

(Nr.  6762.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  24.  Juni  1867.,  betreffend  die  Abänderung  der  Bestimmungen
  des  F.  11.  des  Gesetzes  über  die  Verhältnisse  der  Juden  im
Herzogthum  Holstein  und  des  §.  16.  der  Verordnung  vom  8.  Februar
1854.  über  die  Verhältnisse  der  Juden  im  Herzogthum  Schleswig.

A#  den  Derich  vom  6.  Juni  d.  J.  will  Ich  in  Abänderung  der  Bestimmungen
des  H.  11.  des  Gesetzes  über  die  Verhältnisse  der  Juden  im  Herzogthum  Holstein
und  des  F.  16.  der  Verordnung  vom  8.  Februar  1854.  über  die  Verhältnisse
der  Juden  im  Herzogthum  Schleswig  hierdurch  die  Befugniß  zur  Ernennung  der
jüdischen  Geistlichen  in  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein,  sowie  zur
Festsetzung  der  denselben  aus  Gemeindemitteln  beizulegenden  Einnahmen  den  betreffenden
  Regierungen  übertragen.

Berlin,  den  24.  Juni  1867.
Wilhelm.
v.  Mühler.  Gr.  zu  Eulen  burg.

An  die  Minister  der  geistlichen,  Unterrichts=  und
Medizinal-Angelegenheiten  und  des  Innern.

 

(Nr.  6763.)  Bekanntmachung)  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  des  zweiten  Nachtrages
  zu  dem  Statut  der  unter  dem  16.  Dezember  1856.  bestätigten
„Union,  Aktiengesellschaft  für  See-  und  Flußversicherungen  in  Stettin.“
Vom  30.  Juli  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  22.  Juli
1867.  den  in  dem  notariellen  Protokolle  vom  2.  Mai  1867  enthaltenen  zweiten
Nachtrag  zu  dem  Statut  der  unter  dem  16.  Dezember  1856.  bestätigten  „Union,
i“l.l  für  See.  und  Flußversicherungen  in  Stettin"“  zu  genehmigen
geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statutnachtrage  wird  durch  das  Amtsblatt
  der  Königlichen  Regierung  zu  Stettin  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  30.  Juli  1867.

Der  Minister  für  Handel)  Gewerbe  und  offentliche  Arbeiten.
Im  Auftrage:
Delbrück.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-  Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="1486" />
        —  .  1309  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr  76.—

 

(Nr.  6764.)  Gesetz  wegen  Besteuerung  des  Branntweins  im  Jadegebiete.  Vom  2.  August
1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc
verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,
was  folgt:

.  1.

Die  Verordnung  vom  11.  Mai  1867.  pegen  Besteuerung  des  Branntweins
  in  den  Regierungsbezirken  Wiesbaden  und  Kassel,  sowie  in  dem  Gebiete
des  vormaligen  Königreichs  Harmover  und  der  Herzogthümer  Schleswig  und
Holstein  (Gesetz  Samml.  S.  633.  ff.),  wird  hierdurch  auch  für  das  Jadegebiet
in  Kraft  gesetzt.

.  2.

Der  Finanzminister  und  der  Marineminister  sind  mit  der  Ausführung
dieses  Gesetzes  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Ems,  den  2.  August  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6764—6766.)  172  (r.  6765.)

Ausgegeben  zu  Berlin  den  17.  August  1867.
        <pb n="1487" />
        —  1310.  —

(Nr.  6765.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  12.  Juli  1867.,  betreffend  die  Ertheilung  der  Genehmigung
  zu  Namensänderungen.

A#  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  5.  Juli  d.  J.  bestimme  Ich
hierdurch  für  den  gesammten  Umfang  der  Monarchie,  daß  die  nach  den  gesetzlichen
  Bestimmungen  erforderliche  Genehmigung  zu  Namensänderungen,  abgesehen
von  denjenigen  Fällen,  in  denen  es  sich  um  die  Aenderung  eines  adeligen  Namens
oder  um  die  Annahme  adeliger  Prädikate  handelt,  in  welchen  Fällen  Meine  Entscheidung
  einzuholen  ist,  fortan  von  den  Bezirksregierungen  ertheilt  werden  soll.
Im  Gebiete  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover  soll  die  gedachte  Befugniß
bis  zur  anderweitigen  Organisation  der  dortigen  Verwaltungsbehörden  von  den
Landdrosteien  ausgeübt  werden.

Ems,  den  12.  Juli  1867.

Wilhelm.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
An  das  Staatsministerium.

 

(Nr.  6766.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  15.  Juli  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  an  den  Kreis  Nimptsch,  im  Regierungsbezirk  Breslau,
für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  1)  der  Strehlen-Zoptener  Landstraße
von  dem  Berührungspunkte  mit  der  Breslau-  Glatzer  Staats--Chaussee  bei
Jordansmühl  im  Kreise  Nimptsch  über  Schwentnig  und  Przydrowic  bis
zur  Kreisgrenze,  und  2)  der  Nimptsch-Strehlener  Landstraße  von  Nimptsch
über  Woislowitz,  Petrikau,  Prauß  und  Karschau  bis  zur  Kreisgrenze
vor  Niclasdorf.

N  Ich  durch  meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  von  dem  Kreise
Nimptsch,  im  Regierungsbezirk  Breslau,  beabsichtigten  chausseemäßigen  Ausbau:
1)  der  Strehlen-Zoptener  Landstraße  von  dem  Berührungspunkte  mit  der  Breslau-Glatzer
  StaatsChaussee  bei  Jordansmühl  im  Kreise  Nimptsch  über  Schwentnig
und  Przydrowic  bis  zur  Kreisgrenze,  und  2)  der  Nimptsch-Strehlener  Landstraße
von  Nimptsch  über  Woislowitz,  Petrikau,  Prauß  und  Karschau  bis  zur  Kreisgrenze
  vor  Niclasdorf  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise  Nimptsch
das  Expropriationsrecht  für  die  zu  diesen  Chausseen  erforderlichen  Grundstücke,
imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,
nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats  Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug
auf  diese  Straßen.  Zugleich  will  Ich  dem  genannten  Kreise  gegen  Uebernahme
der  künftigen  chausseemähigen  Unterhaltung  der  Straßen  das  Recht  zur  Erhebung
des  Chaufergel  es  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal

gel-
        <pb n="1488" />
        —  1311  —

geltenden  wausseegeld.  Karif,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen
  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zuschien
  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von
Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseeeld-Tarife
  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der
hausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachten  Straßen  zur  Anwendung  kommen.
Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.
Ems,  den  15.  Juli  1867.

Wilhelm.
Fch.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.  I

 

(Nr.  6767.)  Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  des  Weges  von  Arnis  über  Faulück  bis
zur  Schleswig-Cappeler  Nebenlandstraße  bei  Buddelhoch  in  die  Klasse  der
Nebenlandstraßen.  Vom  26.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  urcP

verordnen  hierdurch,  wie  folgt:

Der  Weg  von  Arnis  über  Faulück  bis  zur  Schleswig-Cappeler  Nebenlandstraße
  bei  Buddelhoch  ist  in  die  Klasse  der  Nebenlandstraßen  versetzt.

Wonach  sich  zu  achten.
Gegeben  Ems,  den  26.  Juli  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.

 

(Nr.  6766—6768.)  (Nr.  6768.)
        <pb n="1489" />
        —  1312  —

(Nr.  6768.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  der  unter  der  Firma
5,  Aktiengesellschaft  für  Dampfschleiferei  zu  Ohligs“  im  Kreise  Solingen,
Regierungsbezirk  Düsseldorf,  mit  dem  Sitze  zu  Ohligs  errichteten  Aktiengesellschaft.
  Vom  11.  August  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchstei  Erlasses  vom  5.  Au  i  t
d.  J.  die  Errichtung  einer  Aktiengesellschaft  unter  der  Firma:  ’
für  Dampfschleiferei  zu  Ohligs““,  im  Kreise  Solingen,  mit  dem  Sitze  zu  Ohligs,
sowie  deren  Statut  vom  15.  Juni  1867.  zu  genehmigen  geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statute  wird  durch  das  Amtsblatt  der
Königlichen  Regierung  zu  Düsseldorf  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  11.  August  1867.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  offentliche  Arbeiten.
Gr.  v.  Itzenplitz.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerel
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1490" />
        —  1313  —
Gesetz-Sammlung
für  die
Königlichen.  Preußischen  Staaten.

Nr.  77.—

 

(Nr.  6769.)  Uebereinkunft  wegen  Erhebung  einer  Abgabe  von  Salz.  Vom  8.  Mai  1867.

D.  Regierungen  von  Preußen,  Bayern,  Sachsen,  Württemberg,  Baden,  Hessen,
die  bei  dem  Thüringischen  Zoll-  und  Handelsvereine  betheiligten  Staaten,  Braunschwe
  und  Oldenburg,  von  dem  Wunsche  geleitet,  die  Beschränkungen,  denen
er  Verkehr  mit  Salz  im  Gebiete  des  Deutschen  Joll=  und  Handelsvereins  zur
Zeit  noch  unterliegt,  zu  beseitigen,  haben  zu  diesem  Zwecke  Vechandlungen  eröffnen
  lassen,  wozu  als  Bevollmächtigte  ernannt  haben:

Seine  Majestät  der  König  von  Preußen:
Allerhöchstihren  Geheimen  Ober-Finanzrath  Friedrich  Wilhelm
Alexander  Scheele  und  ßh
Allerhöchstihren  Geheimen  Ober-Regierungsrath  Heinrich  Albert
Eduard  Moserz
Seine  Majestät  der  König  von  Bayern:
Allerhöchstihren  Oberzollrath  Georg  Ludwig  Carl  Gerbig;

Seine  Majestät  der  König  von  Sachsen:
Allerhöchstihren  Geheimen  Finanzrath  Julius  Hans  v.  Thümmelf

Seine  Majestät  der  König  von  Württemberg:
Allerhöchstihren  Finanzrath  Karl  Viktor  Riecke;

Seine  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Baden:
Allerhöchstihren  Ministerialrath  Eugen  Regenauer,)

Säe  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Hessen  und  bei
ein:
Allerhöchstihren  Geheimen  Ober=  Steuerrath  Ludwig  Wilhelm

Ewald
Jahrgang  1867.  (Nr.  6769.)  *173  die

Ausgegeben  zu  Berlin  den  20.  August  1867.
        <pb n="1491" />
        —  1314  —

die  bei  dem.  Thüringischen  Zoll-  und  Handelsvereine  betheiligten  Souveraine,
nämlich  außer  Seiner  Majestät  dem  Könige  von  Preußen:
Seine  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Sachsen-Weimar-Eisenach,

Seine  Hoheit  der  Herzog  von  Sachsen-Meiningen,
Seine  Hoheit  der  Herzog  von  Sachsen-Altenburg,
Seine  Hoheit  der  Herzog  von  Sachsen-Coburg-Gotha,
Seine  Durchlaucht  der  Fürst  von  Schwarzburg-Rudolstadt,
Seine  Durchlaucht  der  Fürst  von  Schwarzburg-Sondershausen,

Seine  Durchlaucht  der  Fürst  von  Reuß  älterer  Linie,
Seine  Durchlaucht  der  Fürst  von  Reuß  jüngerer  Linie:
den  Königlich  Preußischen  Geheimen  Ober-Finanzrath  Friedrich
Wilhelm  Alegander  Scheele  und
den  Königlich  Preußischen  Geheimen  Ober-Regierungsrath  Heinri
tiich  Bruzischen  2o  bierungörath  H  *
Seine  Hoheit  der  Herzog  von  Braunschweig-Lüneburg:
Höchstihren  Ministerresidenten  am  Königlich  Preußischen  Hofe  und
eheimen  Rath  Dr.  Friedrich  August  v.  Liebe,  und
Seine  Königliche  Hoheit  der  Großherzog  von  Oldenburg:
den  Herzoglich  Braunschweigischen  Ministerresidenten  am  Königlich
Preufichen  Hofe  und  Geheimen  Rath  Dr.  Friedrich  August
v.  Liebe,

von  welchen  Faolsmchigten  unter  dem  Vorbehalte  der  Ratifikation,  folgende
Uebereinkunft  abgeschlossen  worden  ist:

Artikel  1.

Der  Artikel  10.  des  Vertrages  vom  16.  Mai  1865.,  die  Fortdauer  des
Zoll=  und  Handelsvereins  betreffend,  wird  aust  oben  und  im  ganzen  Umfang
des  Zollvereins  freier  Verkehr  mit  Salz  hergestellt

Artikel  2.

Das  im  Zollvereinsgebiet  gewormene  „sowie  das  aus  dem  Auslande  eingeführe
  Salz  unterligt  einer  Abgabe  von  zwei  Thalern  (drei  Gulden  dreißig

reuzern)  für  den  Zollzentner  Nettogewicht.

Neben  dieser  Abgabe  darf  in  keinem  Falle  eine  weitere  Abgabe  von  dem
Salz,  weder  für  Rechnung  des  Staates,  noch  für  Rechnung  von  Kommunen
oder  Korporationen  erhoben  werden.

Unter  Salz  (Kochsalz)  sind  außer  dem  Siede-,  Stein-  und  Seesalz  alle
Stoffe  begriffen,  aus  welchen  Salz  ausgeschieden  zu  werden  pflegt.

L-
        <pb n="1492" />
        —  1315  —

Artikel  3.

Der  Ertrag  der  Abgabe  ist  gemeinschaftlich.  Derselbe  wird  nach  Abzug
derjenigen  Kosten  der  Erhebung  und  Kontrolirung  der  Abgabe,  welche  zur  Besoldung
  der  damit  auf  den  Salzwerken  (Salinen,  Salzbergwerken,  Raffinerien)
beauftragten  Beamten  aufgewendet  werden,  sowie  nach  Abzug  der  Rückerstattungen
für  unrichtige  Erhebungen,  zwischen  sämmtlichen  Vereinsmitgliedern  nach  dem
Verhältnisse  der  Bevölkerung,  mit  welcher  sie  in  dem  Gesammtverein  sich  befinden,
  vertheilt.  Im  llebaigen  findet  die  Abrechnung  über  den  Ertrag  dieser
Abgabe  nach  den  für  die  Zolleinnahmen  verabredeten  Grundsätzen  statt.

Artikel  4.

Die  Erhebung  und  Kontrolirung  der  Abgabe  von  dem  im  Zollvereinsgebiete
  gewonnenen  Salz  erfolgt  nach  Maaßgabe  der  hierüber  zwischen  den  vertragenden
  Regierungen  verabredeten  besonderen  Bestimmungen,  die  Erhebung  und
Kontrolirung  der  Abgabe  von  dem  aus  dem  Auslande  eingeführten  Salz  nach
der  Zollgesetzgebung.  ·

Artikel  5.

Abgabenfrei  kann  Salz)  vorbehaltlich  der  Sicherungsmaaßregeln  gegen
Mißbrauch,  verabfolgt  werden:

A.  auf  Vereinsrechnung

1)  zur  Ausfuhr  nach  dem  Zollvereins-Auslande,

2)  zu  landwirthschaftlichen  Zwecken,  d.  h.  zur  Fütterung  des  Viehes,
sowie  zur  Düngung,

3)  zum  Einsalzen,  Einpökeln  u.  s.  w.  von  Gegenständen,  die  zur  Ausfuhr
  bestimmt  sind  und  ausgeführt  werden,

4)  zu  allen  sonsigen  Fewerblichen  Zwecken,  jedoch  mit  Ausnahme  des
Salzes  für  solche  Gewerbe,  welche  Nahrungs-  und  Genußmittel  für
Menschen  bereiten,  namentlich  auch  mit  Ausnahme  des  Salzes  für
die  Herstellung  von  Tabaksfabrikaten,  Mineralwassern  und  Bädern.

Salz,  welches  zu  den  unter  2.  und  4.  bezeichneten  Zwecken  verwendet
werden  soll,  muß  vor  der  abgabenfreien  Verabfolgung  unter  amtlicher  Aufsicht
denaturirt,  d.  h.  zum  menschlichen  Genusse  unbrauchbar  gemacht  werden.  In
den  Fällen  zu  3.  muß  die  Menge  des  verbrauchten  Salzes  unter  stehender  steuerlicher
  Kontrole  vollständig  nachgewiesen  werden.  Läßt  sich  ein  solcher  Nachweis
nicht  vollständig  führen,  so  kann  die  abgabenfreie  Verabfolgung  von  Salz,  be-Achungswese
  die  Erstattung  der  erlegten  Steuer  nur  auf  privative  Rechuung

attfinden.

B.  Auf  privative  Rechnung  kann  außer  dem  vorstehend  gedachten  Falle
Salz  abgabenfrei  verabfolgt  werden:

1)  zu  Unterstützungen  bei  Nothständen,  sowie  an  Wohlthätigkeitsnstalten,


(Nr.  6769.)  2)  zu
        <pb n="1493" />
        —  1316  —

2)  zu  Deputaten  (Salz-Naturalabgaben),  auf  deren  abgabenfreie  Verabfolgung
  die  Berechtigten  Anspruch  haben,
3)  zur  Nachpökelung  von  Heringen.
C.  Zur  Hälfte  auf  Vereinsrechnung  und  zur  anderen  Hälfte  auf  privative
Rechnung  kann  Salz  zur  Pökelung  von  Heringen  und  ähnlichen  Fischen
gleichfalls  abgabenfrei  abgelassen  werden.

Artikel  6.
Jedem  Staate  bleibt  vorbehalten,  von  dem  abgabenfrei  verabfolgten  Salze
—  mit  Ausnahme  des  zur  Ausfuhr  nach  dem  Zollvereins-Auslande,  sowie  des
zur  Natronsulphat=  und  Sodafabrikation  bestimmten  Salzes  —  eine  Kontrolegebühr
  von  höchstens  zwei  Silbergroschen  (sieben  Kreuzer)  vom  Zollzentner  für
eigene  Rechnung  zu  *  Artikel  7
rtikel  7.

Die  Funktionen  der  Lollvereins-Bevollmächtigten  und  Stations-Kontroleure
erstrecken  sich  auch  auf  die  Abgabe  von  dem  im  Pollvereinsgebiele  gewonmenen

alze.
Ebenso  findet  das  Zollkartel  vom  11.  Mai  1833.  auf  diese  Abgabe
Anwendung.
Artikel  8.

Gegenwärtige  Uebereinkunft  tritt  mit  dem  1.  Januar  1868.  in  Wirksamkeit.

Dieselbe  soll  alsbald  zur  Ratifikation  der  vertragenden  Regierungen  vorelegt
  und  die  Auswechselung  der  Ratifikations-Urkunden  spätestens  binnen  sechs
Vechen  in  Berlin  bewirkt  werden.

So  geschehen  Berlin,  den  8.  Mai  1867.
Scheele.  Moser.  Gerbig.  v.  Thümmel.

(L.  S.)  (L.  S.)  (L.  S.)  (L.  S.)
Riecke.  Regenauer.  Epwald.  v.  Liebe.
(L.  S.)  (L.  S.)  (L.  S.)  (L.  S.)

Vorstehende  Uebereinkunft  ist  ratifizirt  und  es  sind  die  Ratifkkations.
Urkunden  am  1.  Juli  1867.  in  Berxlin  ausgewechselt  worden.

 

Redigirt  im  Büreaqu  des  Staats-Ministerlums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Könlglichen  Gehelmen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1494" />
        —  1317  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  78.  —

 

(Nr.  6770.)  Gesetz,  betreffend  die  Aufhebung  des  Salzmonopols  und  Einführung  einer
Salzabgabe.  Vom  9.  August  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,
was  folgt:
K.  1.

Die  Staatsregierung  wird  ermächtigt,  das  zur  Zeit  bestehende  Recht  des
Staates,  den  Großhandel  mit  Salz  allein  zu  betreiben  (das  Staats-Salzmonopol),
aufzuheben,  dagegen  das  zum  inländischen  Verbrauche  bestimmte  Salz  einer,  sowel
  solches  im  Inlande  produzirt  wird,  von  den  Produzenten,  soweit  solches  aus
dem  Auslande  eingeführt  wird,  von  den  Einbringern  zu  entrichtenden  Abgabe
bis  zum  Betrage  von  höchstens  zwei  Thalern  für  den  Zentner  Nettogewicht
zu  unterwerfen.

F.  2.
Befreit  von  der  Abgabe  (F.  1.)  ist:

1)  das  zur  Ausfuhr,  zu  Unterstützungen  bei  Nothständen  und  für  die  Natronsulphat=
  und  Sodafabrikation  bestimmte  Salz;

2)  überhaupt  alles  Salz,  welches  zu  landwirthschaftlichen  und  gwerbiichen
Zwecken,  insbesondere  auch  zum  Einsalzen  von  Heringen  und  ähnlichen
Fischen,  sowie  zum  Einsalzen,  Einpökeln  2c.  von  auszuführenden  Gegenständen,
  verwendet  wird  —  jedoch  mit  Ausnahme  des  Salzes  für  solche
Gewerbe,  welche  Nahrungs=  und  Genußmittel  für  Menschen  bereiten,
namentlich  auch  für  die  Fabrikation  von  Tabak,  Schnupftabak  und
Cigarren,  für  Bäder  und  Konditoreien,  sowie  für  die  Herstellung  von
Mineralwässern.

Ueberall  ist  die  steuerfreie  Verabfolgung  von  der  Beobachtung  der  vom
Finanzminister  angeordneten  Kontwole,  Marßregin  abhängig.  "
Johrgang  1867.  (Nr.  6770)  174  Die

Ausgegeben  zu  Berlin  den  20  August  1867.
        <pb n="1495" />
        —  1318  —

Die  durch  die  Kontrole  erwachsenden  Kosten  können  in  den  Befreiungsfällen
  sub  2.  mit  einem  Maximalbetrage  von  2  Sgr.  Pro  Zentner  von  den
Salzempfängern  erhoben  werden.

*“

Mit  dem  Tage  der  Aufhebung  des  Salzmonopols  und  der  Einführung
der  Salzsteuer  sind  alle  aus  allgemeinen  Gesetzen  fließenden  Bergwerksabgaben,
welche  von  Steinsalz,  sowie  von  den  mit  Steinsalz  auf  derselben  Lagerstätte  vorkommenden
  Salzen  und  von  den  Soolquellen  erhoben  werden,  aufgehoben.

S.  4.

Der  Zeitpunkt,  mit  welchem  bei  Aufhebung  des  Salzmonopols  die  Erhebung
  der  Abgabe  beginnt,  ist  durch  Königlihe  Verordnung  festzusetzen.  In
dieser  sind  zugleich  auf  Grund  der  mit  den  Zollvereins=  Regierungen  inmittelst
zu  treffenden  Vereinbarungen  die  zum  Schutze  der  Abgabe  erforderlichen  Ausführungs-
  und  Strafbestimmungen  unter  den  nachfolgenden  Maaßgaben  (§#.  5.
bis  7.)  zu  erlassen.

G.  5.

Die  Strafe  der  Umgehung  der  Salzabgabe  darf  neben  der  Konfiskation
der  Gegenstände,  in  Bezug  auf  welche,  sowie  der  Geräthe,  mittelst  deren  das
Vergehen  verübt  ist,  für  den  ersten  Fall  den  vierfachen,  für  den  zweiten  Fall
den  achtfachen,  für  jeden  ferneren  Fall  den  sechszehnfachen  Betrag  der  umgangenen
  Abgabe  nicht  übersteigen.  Kann  das  Gewicht  der  Gegenstände,  in  Bezug
auf  welche  eine  Salzsteuer-Defraudation  verübt  ist,  nicht  ermittelt,  und  dememäß

  der  Betrag  der  vorenthaltenen,  beziehungsweise  der  von  einer  gleichen
nantität  inländischen  Salzes  zu  entrichtenden  Abgabe,  sowie  die  danach  zu  bemessende
  Geldstrafe  nicht  berechnet  werden,  so  ist  statt  der  Konfiskation  und  der
Gelsstrafe  auf  Zahlung  einer  Geldsumme  von  20  bis  zu  2000  Thalern  zu
erkennen.

Die  rechtskräftige  Verurtheilung  des  Besitzers  eines  Salzwerkes  im  Rückfalle
  zieht  für  den  Verurtheilten  den  Verlust  der  Befugniß  zur  eigenen  Verwaltung
  eines  Salzwerkes,  jede  Verurtheilung  wegen  miforüchliches  Verwendung
steuerfrei  empfangenen  Salzes  den  Verlust  des  Anspruches  auf  steuerfreien  Salzbezug
  nach  Hth

S.  6.

Uebertretungen  von  Kontrole-Vorschriften  sind  nach  §.  18.  des  Zollstrafgesetzes
  zu  ahnden.

S.  7.

Hinsichtlich  der  Verwandlung  der  Geld=  in  Freiheitsstrafe  und  der  subsidiären
  Haftung  dritter  Personen  finden  die  Bestimmungen  in  den  S#.  3.  und  19.
des  Zollstrafgesetzes  und  hinsichtlich  der  Anbietungen  von  Geschenken  an  die
mit  der  Kontrolirung  der  Salzabgabe  betrauten  Beamten  und  deren  Angehörigen,
        <pb n="1496" />
        —  1319  —

gen,  sowie  wegen  Widersetzlichkeit  gegen  erstere,  die  Bestimmungen  in  den  §H.  25.
und  26.  ebendaselbst  Anwendung,  soweit  nicht  nach  den  allgemeinen  Strafgesetzen
eine  härtere  Strafe  Platz  greift.

Auf  die  Feststellung,  Untersuchung  und  Entscheidung  der  Salzsteuer-Defraudation
  kommen  die  in  den  *.  28.  ff.  des  Zollstrafgesetzes  entaltenen
und  die  solche  abändernden,  erläuternden  oder  ergänzenden  gesetzlichen  Bestimmungen
  zur  Anwendung.

.  8.

Die  Genehmigung  des  Landtages  zu  allen  der  gesetzlichen  Feststellung  bedürfenden
  Bestimmungen  der  Ausführungs-Verordnung  (I.  4.),  über  welche
gegenwärtiges  Gesetz  keine  Entscheidung  trifft,  bleibt  vorbehalten.

g.  9.

Die  der  Königlichen  Staatsregierung  ertheilte  Ermächtigung  (F.  1.)  erlischt,

wenn  von  derselben  bis  zum  1.  Januar  1868.  kein  Gebrauch  gemacht  ist.
5.  10.
Der  Finanzminister  wird  mit  der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Ems,  den  9.  August  1867.

(#.  §S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplit.  Gr.  zur  Lippe.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  67706771.)  174°  (Nr.  6771.)
        <pb n="1497" />
        —  1320  —

(Nr.  6771.)  Verordnung,  betreffend  die  Erhebung  einer  Abgabe  von  Salz.  Vom
9.  August  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  x.
verordnen,  auf  Grund  des  Gesetzes  vom  9.  August  d.  J.,  was  folgt:

Aufhebung  des  Salzmonopols.

K.  1.

Das  ausschließliche  Recht  des  Staates,  den  Handel  mit  Salz  zu  betreiben,
soweit  solches  zur  Zeit  besteht,  wird  aufgehoben.

Einführung  einer  Salzabgabe.

G.  2.

Das  zum  inländischen  Verbrauche  bestimmte  Salz  unterliegt  einer  Abgabe
von  zwei  Thalern  für  den  Zentner  Nettogewicht,  welche,  insoweit  das  Salz  im
Inlande  gewonnen  wird,  von  den  Produzenten  oder  Steinlahz-Bergwertsbesiem,
insoweit  solches  aus  anderen  als  den  zum  Jollvereine  gehörigen  Ländern  eingeführt
  wird,  von  den  Einbringern  zu  entrichten  ist.

Unter  Salz  (Kochsalz)  7  zwar  außer  dem  Siede-,  Stein=  und  Seesalz
alle  Stoffe  begriffen  b  aus  welchen  Salz  ausgeschieden  zu  werden  pflegt,  der
Finanzminifer  ist  jedoch  ermächtigt,  solche  *-  von  der  Abgabe  frei  zu  lassen,
wenn  ein  Mißbrauch  nicht  zu  befürchten  steht.

1.  Abgabe  (Steuer)  von  inländischem  Salze.
1.  Anmeldung.

S  3.
Die  Gewinnung  oder  Raffinirung  von  Salz  ist  nur  in  den  gegenwärtig
im  Betriebe  befindlichen,  sowie  in  denjenigen  Salzarten  (Salinen,  ten
werken,  Salzraffinerien)  gestattet,  deren  Benutzung  zu  einem  solchen  Betriebe
mindestens  sechs  Wochen  vor  Eröffnung  desselben  dem  Haupt-Zoll-  oder  Haupt-Steueramte,
  in  dessen  Bezirk  die  Anstalt  sich  befindet,  angemeldet  worden  ist.
Zu  einer  Flichen  nmeldung  sind  auch  die  Besitzer  von  Fabriken  verpflichtet,

  in  welchen  Salz  in  reinem  oder  unreinem  Zustande  als  Nebenprodukt  gewonnen
  wird.

K.  4.

Jeder  Besitzer  eines  bereits  im  Betriebe  befindlichen  Salzwerkes,  oder  einer
Fabrik,  welche  Salz  als  Nebenprodukt  gewinnt,  hat  binnen  einer  von  der  Steuerbe-
        <pb n="1498" />
        —  1321  —

behörde  zu  bestimmenden  Frist  bei  dem  Hauptamte  des  Bezirks  in  doppelter
Ausfertigung  eine  Beschreibung  und  Kachweisung  des  Salzwerkes  oder  der  Fabrif
  nebst  #ebehor  nach  näherer  Bestimmung  der  Steuerbehörde  einzureichen.
Jede  Veränderung  in  den  Betriebsräumen,  sowie  jeder  Zu-  und  Abgang  und
jede  Veränderung  an  den  in  der  Nachweisung  verzeichneten  Geräthen  und  Vorrichtungen
  ist  dem  Krdachten  Hauptamte  vor  der  Ausführung  anzuzeigen.

ine  gleiche  Verpflichtung  lgt  demjenigen  ob,  welcher  eine  neue  Saline
oder  sonstige  Anstalt,  in  welcher  Salz  gefördert,  gesotten,  raffinirt  oder  als
Nebenprodukt  gewormen  wird,  anlegen,  oder  eine  außer  Betrieb  gesetzte  Saline
oder  sonstige  Anstalt  der  gedachten  Art  wieder  in  Betrieb  setzen  will.  Bei  Anlage
  neuer  Salinen,  Salzbergwerke  oder  Salzraffinerien  sind  die  Anordnungen
der  Steuerbehörde  wegen  Einfriedigung  des  Salzwerkshofes  zu  befolgen,  auch
für  die  zur  Beaufsichtigung  zu  bestimmenden  Beamten  Geschäfts=  und  Wohnungsräume
  gegen  Bezug  der  reglementsmäßigen  Beamten-Miethsabzüge  zu  gewähren.

.  5.

Jeder  Besitzer  eines  neuen  oder  wieder  in  Betrieb  gesetzten  Salzwerkes  ist
die  Kosten  der  steuerlichen  Ueberwachung  desselben  zu  tragen  verpflichtet,  wenn
die  Menge  des  auf  demselben  jährlich  zur  Verabgabung  gelangenden  Salzes  nicht
mindestens  zwölftausend  Zentner  beträgt.

2.  Kontrole.

KS.  6.

Die  im  F.  3.  bezeichneten  Anstalten  unterliegen  zur  Ermittelung  des  von
dem  bereiteten  Salze  zu  entrichtenden  Abgabenbetrages,  sowie  zur  Verhütung  von
Defraudationen  hinsichtlich  ihres  Betriebes  und  geschäftlichen  Verkehrs  der  Kontrole
  der  Steuer-(Zoll.)  Verwaltung,  welche  durch  eine  von  dieser  zu  erlassende,
jedem  Besitzer  solcher  Anstalten  mitzutheilende  und  von  diesem  zu  befolgende

nweisung  geregelt  wird.

Diese  Kontrole  wird  für  jedes  Sahwert  durch  ein  besonders  zu  errichtendes
  oder  zu  bestimmendes  Salzsteuer-  Amt  geübt.  Die  im  F.  3.  Absatz  2.
erwähnten  Fabriken  unterliegen  der  Kontrole  des  nächstgelegenen  Steuer-(Loll-)
  Amts.

K.  7.

Durch  die  im  §.  6.  gedachte  Anweisung  kann  jeder  Salzwerksbesitzer  nach
näherer  Anordnung  der  Steuerverwaltung  verpflichtet  werden:

1)  dafür  Sorge  zu  tragen,  daß  der  Zugang  zu  den  Siedegebäuden  und
den  Trockenräumen,  sowie  zu  den  Räumen,  in  welchen  Steinsalz  ausgeschieden
  oder  zerkleinert  wird,  leicht  beaufsichtigt  und  durch  scheren
Verschluß  behindert  werden  kann;

2)  die  Salzmagazine  so  einzurichten,  daß  sie  vor  gewaltsamer  oder  heimlicher
  Entfernung  des  Salzes  genägend  gesichert  sind,  und  die  zur  An

(Kr.  6771.)  e-
        <pb n="1499" />
        —  1322  —

Ö2  des  steuerlichen  Mitverschlusses  erforderlichen  Einrichtungen  zu
treffen;

3)  das  Salz  nur  in  den  dazu  angemeldeten  Gefäßen,  Vorrichtungen  und
Räumen  aufzubewahren;

4)  über  den  Betrieb  des  Salzwerkes  und  das  gewonnene  und  verabfolgte
Salz  genau  Buch  zu  führen  und  die  betreffenden  Bücher  den  Steuerbeamten
  auf  Verlangen  jederzeit  vorzulegen;

5)  Personen,  welche  Salzhandel  betreiben  oder  durch  ihre  Angehörigen  betreiben
  lassen,  auf  dem  Salzwerke  keine  Beschäftigung  zu  gewähren,  und
den  Eintritt  in  das  Salzwerk  unbefugten  Personen  zu  untersagen;

6)  in  den  Wohnungen,  welche  sich  innerhalb  der  Salzwerkslokalitäten  und
der  zugehörigen  Höfe  oder  in  baulicher  Verbindung  mit  den  Salzwerken
befinden,  Salz  irgend  welcher  Art  nicht  in  größerer  als  der  von  der
Steuerbehörde  gestatteten  Menge  aufzubewahren;

7)  die  nöthigen  Vorrichtungen  zum  Verwiegen  und  zur  Denaturirung  des
Salzes  (Unbrauchbarmachung  zum  Genuß  für  Menschen),  sowie  die
Stoffe  zur  Denaturirung  zu  beschaffen  und  das  dazu  erforderliche  Personal
  zu  stellen;

8)  der  Steuerverwaltung  auf  Verlangen,  gegen  eine  in  Ermangelung  einer
ütlichen  Vereinbarung  durch  die  Bezirksregierung  festzustellende  Entcbdigung
  ein  angemessenes  Lokal  Behufs  der  #  Aisflbrun  des
Aufenthalts  und  der  Uebernachtung  der  Beamten  zu  stellen;

9)  den  Salzwerkshof  auf  Verlangen  der  Steuerbehörde  mit  einer  angemessenen
  Umfriedigung  —  deren  Kosten  die  Staatskasse  bei  der  ersten
Einrichtung  zur  Hälfte  trägt  —  zu  umgeben  und  während  der  Nacht
verschlossen  zu  halten;

zu  8.  und  9.  vorbehaltlich  der  am  Schlusse  des  F.  4.  hinsichtlich  neuer  Werke
ausgesprochenen  Verpflichtung.

Die  Verpflichtungen  zu  2.  bis  7.  können  auch  den  Besitzern  von  Fabriken,
in  denen  Salz  als  Nebenprodukt  gewonnen  wird,  auferlegt  werden.

Wird  die  Erfüllung  einer  der  vorbezeichneten  Verpflichtungen  verzögert
oder  verweigert,  so  kann  nach  vorheriger  Androhung  der  Betrieb  der  Saline,
des  Salzbergwerks  oder  der  Fabrik  von  Unserem  Finanzminister  nach  Anhörung
der  Bergpolizeibehörde  so  lange  untersagt  werden,  bis  der  zu  stellenden  Anforderung
genügt  ist.

S.

Gewerkschaften,  Korporationen  oder  Gesellschaften,  welche  Salzwerke  besitzen,
und  Alleinbesitzer,  welche  den  Betrieb  ihrer  Salzwerke  nicht  unmittelbar  leiten,
sind  verbunden,  zur  Erfüllung  der  ihnen  der  Steuerverwaltung  gegenüber  obliegenden
  Verpflichtungen  einen  auf  dem  Salzwerke  regelmäßig  anwesenden  Vertreter
  zu  bestellen,  für  dessen  Handlungen  und  Unterlassungen  sie  haften.
        <pb n="1500" />
        —  1323  —

5.  9.

Alles  auf  einem  Salzwerke  oder  in  einer  Fabrik  gewonnene  Salz,  so  bald
es  zur  Lagerung  reif  ist,  desgleichen  das  Schmutz=  und  Fegesalz  muß  von  dem
Besitzer  in  sichere,  unter  steuerlichem  Mitverschluß  stehende  Räume  (Salzmagazine)
gebracht  werden,  und  darf  in  der  Regel  erst  aus  diesen  in  den  Verkehr  oder
zum  Gebrauch  des  Besitzers  gelangen.  Mit  der,  nur  nach  zuvoriger  Anmeldung
und  Abfertigung  zulässigen  Entnahme  des  Salzes  aus  diesen  Magazinen  tritt  die
Verpflichtung  ein,  die  Steuer  zu  erlegen,  sofern  nicht  Abfertigung  auf  Begleitschein,
  namentlich  Behufs  Versendung  in  andere  (Packhofs.)  Magazine,  statt.
findet.  Hinsichtlich  der  Begleitscheine  und  der  aus  der  Unterzeichnung  und
Empfanznahme  derselben  erwachsenden  Verpflichtungen  finden  die  dieserhalb  in
dem  ZJollgesetz  und  der  Zollordnung  enthaltenen  Vorschriften  und  die  zu  deren
Ausführung  getroffenen  Anordnungen  auch  auf  inländisches  Salz  Anwendung.

Für  Begleitscheine  und  Bleie  werden  keine  Gebühren  erhoben.

Von  allen  Salzwerken  darf  Salz  nur  in  Mengen  von  mindestens  einem
halben  Zentner  verabfolgt  werden.

S.  10.

Der  Verkehr  mit  versteuertem  oder  in  denaturirtem  Zustande  steuerfrei
abgelassenen  Salze  unterliegt,  vorbehaltlich  der  nachstehenden  Bestimmungen,
keiner  steuerlichen  Kontrole.

1)  Für  den  Bereich  der  Salzwerke  und  Fabriken  (F.  3.  am  Schluß),  sowie
auf  Personen,  welche  solche  verlassen,  finden  die  Bestimmungen  in  den
8  37.  und  39.  des  Zollgesetzes  und  in  den  §§.  83.  84.  87.  91.  96.
106.  107.  und  113.  der  Lollordnng  Anwendung.  Dieselben  Bestimmungen
  können  für  den  viertelmeiligen  Umkreis  derjenigen  Salzwerke,
welche  als  gehörig  umfriedigt  nicht  anerkannt  werden,  durch  eine  von
Unserem  Minister  der  Finanzen  zu  erlassende  Bekanntmachung  in  Anwendung
  gebracht  werden.

2)  Die  mit  außervereinsländischen  Nachbarstaaten  bezüglich  des  Salzverkehrs
bestehenden  Uebereinkünfte  bleiben  in  Kraft.
3)  Salzhaltige  Quellen,  deren  Soole  zur  Bersiedung.  nicht  benutzt  wird,

sowie  Mutterlauge  kann  die  Steuerbehörde  unter  Aufsicht  stellen  (unter
Verschluß  nehmen),  um  mißbräuchliche  Verwendung  zu  verhüten.

3.  Strafbestimmungen.
K.  11.

Wer  es  unternimmt,  dem  Staate  die  Abgabe  von  inländischem  Salze  zu
entziehen,  ist  der  Salzbgaben-Defraudation  schuldig  und  soll  mit  der  Konfiskation
der  Gegenstände,  in  Bezug  auf  welche  die  Defraudation  verübt  ist,  und  mit  einer
Geldbuße,  welche  dem  vierfachen  Betrage  der  vorenthaltenen  Abgabe  gleichkommt,

(Nr.  6771.)  min-
        <pb n="1501" />
        —  1324  —

mindestens  aber  zehn  Thaler  beträgt,  bestraft  werden.  Kann  die  Konfiskation
selbst  nicht  vollzogen  werden,  so  ist  auf  Erlegung  des  Werths  der  Gegenstände
zu  erkennen.  Daneben  ist  die  Abgabe  mit  zwei  Thalern  für  den  Zentner  zu
entrichten.  Ist  die  Defraudation  durch  unerlaubte  Gewinnung  oder  Raffinirung
von  Salz  verübt  (§.  3  „so  verfallen  auch  die  dazu  benutzten  Geräthe  (Siedepfannen,
  Kessel  u.  s.  w.)  der  Konfiskation.

Mißbräuchliche  Verwendung  des  steuerfrei  oder  gegen  Erlegung  der  im
§.  20.  erwähnten  Kontrolegebühr  empfangenen  Salzes  .  13.  Nr.  6.)  zieht
außerdem  den  Verlust  des  Anspruchs  auf  Keuerfreien  Salzbezug  nach  sich.

G.  12.

Im  ersten  Wiederholungsfalle,  nach  vorangegangener  rechtskräftiger  Verurtheilung,
  wird  die  nach  H.  11.  außer  der  Konfiskation  eintretende  Strafe  verdoppelt,
  in  jedem  ferneren  Rückfalle  vervierfacht.

KC.  13.
Die  Defraudation  wird  als  vollbracht  angenommen:

1)  wenn  Salz,  den  Bestimmungen  des  F.  3.  zuwider,  oder  in  Anstalten,
deren  Betrieb  auf  Grund  des  F.  7.  untersagt  ist,  gefördert,  hergestellt
oder  raffinirt  wird;

2)  wenn  das  in  den  zugelassenen  Betriebsanstalten  gewonnene  Salz  vor
der  Einbringung  in  die  unter  steuerlichem  Mitverschluß  stehenden  Magazine
  ohne  ausdrückliche  Erlaubniß  der  Steuerbehörde  aus  den  Siederaäumen
  entfernt  oder  verbraucht  wird;

3)  wenn  Salz  aus  solchen  Magazinen  ohne  zuvorige  Anmeldung  oder  ohne
Buchung  in  den  dazu  bestimmten  Registern  weggeführt  wird;

4)  wenn  auf  Salzwerken  oder  deren  Zubehörungen,  sowie  in  Fabriken
(§.  3.  am  Schlusse)  Salz  in  anderer  als  der  mah  .  7.  gestatteten  Weise
und  Menge  aufbewahrt  wird;

5)  wenn  Salz  von  Salzwerken  oder  von  Fabriken  (F.  3.  am  Schlusse)  zu
einer  anderen  als  der  von  der  Steuerbehörde  vorgeschriebenen  Zeit  oder
auf  anderen  als  den  von  derselben  vorgeschriebenen  Wegen  entfernt  wird;

wenn  über  das  unter  Steuerkontrole  oder  unter  Kontrole  der  Verwendung
  befindliche  Salz  eigenmächtig  verfügt  oder  das  steuerfrei  oder  gegen
Kontrolegebühr  abgelassene  Salz  zu  anderen  als  den  gestatteten  Zwecken
verwendet  wird;

7)  wenn  Personen,  welche  sich  nach  F.  10.  Nr.  1.  über  den  Bezug  des  von
ihnen  transportirten  Salzes  auszuweisen  haben,  ohne  Ausweis  betroffen
werden;

8)  wenn  Soole  oder  Mutterlauge  ohne  Erlauhns  der  Steuerbehörde  zu
anderen  Zwecken  als  denen  der  Versiedung  in  deklarirten  Salzwerken  oder
a-–
        <pb n="1502" />
        —  1325  —

Fabriken  aus  Soolquellen,  Gradirwerken  oder  Soolbehältern  (Mutterlaugebehältern)
  entnommen  oder  verabfolgt  wird.

Das  Dasein  der  Defraudation  und  die  Anwendung  der  Strafe  derselben
wird  in  den  vorstehend  aufgeführten  Fällen  lediglich  durch  die  bezeichneten  Thatsachen
  begründet.  Kann  jedoch  der  Angeschuldigte  vollständig  id  daß  er
eine  Defraudation  nicht  habe  verüben  können  oder  wollen)  so  findet  nur  eine
Ordnungsstrafe  nach  F.  15.  statt.

K.  14.

Ein  Salpperkbbestter,  welcher  zum  zweiten  Male  wegen  einer  von  ihm
selbst  verübten  Salzabgaben-Defraudation  rechtskräftig  verurtheilt  wird,  verliert
—  der  Rochtskraft  der  Entscheidung  die  Befugniß  zur  eigenen  Verwaltung  seines
zwerks.
Dieser  Verlust  hat  die  Wirkung  des  im  8.  7.  gedachten  Verbots.

K.  15.

Die  Verletzung  des  amtlichen  Verschlusses  von  Salz  ohne  Beaksichtigung
einer  Gefälle  Hintersiehung  ferner  die  Uebertretung  der  Vorschriften  der  gegenwärtigen
  Verordnung,  sowie  der  in  Folge  derselben  erlassenen  und  öftntlich  oder
den  Salzwerksbesitzern  und  Fabrikanten,  welche  Salz  als  Nebenprodukt  gewinnen,
oder  solches  steuerfrei  oder  gegen  Kontrolegebühr  beziehen,  besonders  bekannt
gemachten  Ausführungsvorschriften,  für  welhe  keine  besondere  Strafe  angedroht
ist,  wird  mit  einer  Ordnungsstrafe  von  Einem  bis  zu  zehn  Thalern  geahndet.

K.  16.

Kann  das  Gewicht  der  Gegenstände,  in  Bezug  auf  welche  eine  Salzabgaben-Defraudation
  verübt  ist,  nicht  ermittelt  und  demgemäß  der  Betrag  der
vorenthaltenen  Abgabe,  sowie  die  danach  zu  bemessende  Geldstrafe  nicht  berechnet
werden,  so  ist  statt  der  Konfiskation  und  der  Geldstrafe  auf  Zahlung  einer  Geldsumme
  von  zwanzig  bis  zweitausend  Thalern  zu  erkennen.

K.  17.

Hinsichtlich  der  Verwandlung  der  Geld.  in  Freiheitsstrafen  und  der  sub.
sidiären  Haftung  dritter  Personen,  sowie  der  Bestrafung  der  Theilnehmer  finden
die  Bestimmungen  in  den  §§.  3.  16.  19.  des  ollstrafgesetzes,  und  hinsichtlich
der  Anerbietungen  von  Geschenken  an  die  mit  Kontrolirung  der  Salzabgabe
betrauten  Beamten  und  deren  Angehörige,  sowie  auf  Widersetzlichkeiten  gegen
erstere,  finden  die  Bestimmungen  in  den  J§6.  25.  und  26.  ebendaselbst  Anwendung,
  soweit  nicht  nach  den  allgemeinen  Strafgesetzen  eine  härtere  Strafe

Platz  greift.  ¾  .

Auf  die  Feststellung,  Untersuchung  und  Entscheidung  der  Salzabgaben-Defraudationen
  finden  diei  S&amp;amp;.  28.  ff.  2  Zollstrafgesebes  enthaltenen  und  die
Jahrgang  1867.  (Nr.  6771.)  17  solche
        <pb n="1503" />
        —  1326  —

aasche  abändernden,  erläuternden  oder  ergänzenden  gesetzlichen  Bestimmungen
mwendung.

Deu  S.  60.  des  Zollstrafgesetzes  findet  auch  auf  inländisches  Salz  Anwendung.


II.  Abgabe  (Zoll)  von  ausländischem  Salz.
g.  19.

Auf  die  Einfuhr  von  Salz  und  salzhaltigen  Stoffen  aus  dem  Auslande,
sowie  auf  deren  Durchfuhr  und  Ausfuhr  finden  die  Bestimmungen  des  Zollgesches,
  der  Jollordnung  und  des  Zollstrafgeseees,  nebst  den  solche  abändernden,
erläuternden  oder  ergänzenden  Bestimmungen  Anwendung.  »

Von  der  Bestimmung  Unseres  Finanzministers  hängt  es  ab,  inwieweit  eine
steuerfreie  Lagerung  fremden  Salzes  im  Inlande  zu  gestatten  sei.

III.  Befreiungen  von  der  Salzabgabe.
g.  20.
Befreit  von  der  Salzabgabe  (F.  2.)  ist:

1)  das  zur  Ausfuhr  nach  dem  Zollvereins-Auslande  und  das  zur  Natronsulphat-
  und  Soda  Fabrikation  bestimmte  Salz

2)  das  zu  landwirthschaftlichen  Jwecken,  d.  h.  zur  Fütterung  des  Viehes
und  zur  Düngung  bestimmte  Salz;

3)  das  zum  Einsalzen  von  prungen  und  ähnlichen  Fischen,  sowie  das  zum
Einsalzen,  Einpökeln  u.  s.  w.  von  Gegenständen,  die  zur  Ausfuhr  bestimmt
  sind  und  ausgeführt  werden,  ete  derliche  und  verwendete  Salz;

4)  das  zu  allen  sonstigen  gewerblichen  Zwecken  bestimmte  Salz,  jedoch  mit
Muszahme  des  Salzes  ür  solche  Gewerbe,  welche  Nahrinzsl  und  Genußmittel
  für  Nerscher  bereiten,  namentlich  auch  mit  Ausnahme  des

Salzes  für  die  Herstellung  von  Tabaksfabrikaten,  Mineralwassern  umnd
Bädern;

5)  das  von  der  Staatsregierung  oder  mit  deren  Genehmigung  zur  Unter-Szun
  bei  Nothständen,  sowie  an  Wohlthätigkeits-Anstalten  verabfolgte
alz.

Ueberall  ist  die  abgabenfreie  Verabfolgung  abhängig  von  der  Beobachtung
der  von  der  Steuerverwaltung  angeordneten  Kontrole-Maaßregeln.

Die  durch  die  Kontrole  erwachsenden  Kosten  können  in  den  Befreiungsfällen
  unter  Nr.  2.  3.  und  4,  mit  einem  Maximalbetrage  von  2  Sgr,  für  den
Zentner  von  den  Salzempfängern  erhoben  werden.

G.  21.
Unser  Finanzminister  wird  mit  Ausführung  dieser  Verordnung,  welche
am
        <pb n="1504" />
        —  1327  —

am  1.  Januar  1868.  in  Wirksamkeit  tritt,  beauftragt  und  hat  die  zu  diesem
Zwecke  erforderlichen  Anordnungen  zu  treffen.

zirbundch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Ems,  den  9.  August  1867.

G.  §.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzen  plitz.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6772.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Verordnung  vom  heutigen  Tage
wegen  einer  Abgabe  von  Salz  in  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September
  und  24.  Dezember  1866.  der  Preußischen  Monarchie  einverleibten
Candestheilen.  Vom  9.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛ.

verordnen,  auf  den  Antrag  des  Staatsministeriums)  was  folgt:

K.  1.

Die  Verordnung  vom  heutigen  Tage,  betreffend  die  Erhebung  einer  Abgabe
von  Salz,  wird  in  den  Landestheilen,  welche  durch  die  Gesetze  vom  20.  September
und  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  555.  und  875.)  der  Preußischen
Monarchie  einverleibt  worden  sind,  eingeführt  und  tritt  in  Unseren  Herzogthümern
Schleswig  und  Holstein  dergestalt  sofort  in  Kraft,  daß  die  Zollstellen  sogleich  nach
Empfang  der  gegewärtigen  Verordnung  nach  Inhalt  derselben  zu  verfahren
haben.  In  den  übrigen  Vandestheilen  tritt  die  Verordnung  mit  dem  1.  Januar
1868.  in  Kraft.

S.  2.

Ausgenommen  von  der  Wirksamkeit  dieser  Verordnung  (F.  1.)  bleiben  diejenigen
  Gebietstheile,  welche  zum  ehemaligen  Königreich  Hannover  gehörig,  vom
Deutschen  Zoll-  und  Handelsvereine,  sowie  diejenigen  Gebietstheile,  welche  vom
ollverbande  des  Herzogthums  Schleswig  ausgeschlossen  sind.

K.  3.

Von  dem  Salz,  welches  in  dem  Augenblicke,  wo  diese  Verordnung  (K.  1.)
in  Kraft  tritt,  auf  den  Salzwerken  (Raffinerien)  der  Herzogthümer  Schleswig
und  Holstein  sich  befindet,  wird  zwar  die  Salzabgabe  na  aaßgabe  der  Bestimmungen
  in  den  88.  1.  und  .  derselben,  jedoch  nach  Abzug  der  von  den

(Nr.  6771—6772)  Salz-
        <pb n="1505" />
        —  1328  —

Salzwerksöbesitzern  bereits  erlegten  Eingangsabgaben,  Behufs  deren  Feststellung
Unser  Finanzminister  das  Erforderliche  anzuordnen  hat  erhoben.

KC.  4.

Statt  der  in  dem  F.  18.  der  Verordnung  (.  1.)  angezogenen  Bestimmungen
des  Zollstrafgesetzes  kommen  in  denjenigen  Landestheilen,  für  welche  die  Ordnung
für  das  Verfahren  bei  Entdeckung  und  Untersuchung  von  Zuwiderhandlungen

egen  die  Zollgesetze  vom  29.  Juli  d.  J.  ergangen  ist,  die  entsprechenden  Beimmungen
  dieser  Ordnung  in  Anwendung.

i
Unser  Finanzminister  wird  mit  Ausführung  dieser  Verordnumg  beauftragt.

Lcchdch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Ems,  den  9.  August  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreou  des  Staats-Ministerinms.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(/  G#  Doch
        <pb n="1506" />
        —  u2  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  NMr.  79.  —

 

(Nr.  6773.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  15.  Juli  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee  von
Adelnau  über  Sulmierzyce  bis  zur  Schlesischen  Grenze.

N  ch-  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Kreis-Chaussee
  im  Kreise  Adelnau,  des  Regierungsbezirks  Posen,  von  Adelnau  über
Sulmierzyce  bis  zur  Schlesischen  Grenze  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch
dem  Kreise  Adelnau  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen
  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und
Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestebenden
  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  dem  genannten
eise  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße
das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die
Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich  der  in
demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die
Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den
Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen
die  dem  Chausseegeld  -Tarife  vom  29.  Februar  1840.  angehänen  Bestimmungen
weger  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung
ommen.
Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Ems,  den  15.  Juli  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Johrzang  1867.  (Nr.  6773—6774.  176  (Nr.  6774.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  22.  August  1867.
        <pb n="1507" />
        —  1330  —

(Nr.  6774.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis-Obligationen
des  Adelnauer  Kreises  im  Betrage  von  60,000  Thalern.  Vom  15.  Juli
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  7c

Nachdem  von  den  Kreisständen  des  Adelnauer  Kreises  auf  dem  Kreistage
vom  28.  März  1866.  beschlossen  worden,  die  zur  Ausführung  der  vom  Kreise
unternommenen  Chausseebauten,  sowie  zur  Veschafung  des  im  Falle  des  Baues
einer  den  Kreis  durchschneidenden  Eisenbahn  unentgeltlich  herzugebenden  Terrains,
endlich  zur  Tilgung  eines  im  Jahre  1853.  bei  der  Stadt  Ostrowo  zu  Chausseebauzwecken
  kontrahirten  Darlehns  erforderlichen  Geldmittel  im  Wege  einer  Anleihe
zu  beschaffen,  wollen  Wir  auf  den  Antrag  der  gedachten  Kreisstände:  zu  diesem
Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  versehene,  Seitens  der  Gläubiger
  unkündbare  Obligationen  zu  dem  angenommenen  Betrage  von  60),000  Thalern
  ausstellen  zu  düczen  b,  da  sich  hiergegen  weder  im  Interesse  der  Gläubiger
noch  der  Schuldner  etwas  zu  erinnern  gefunden  hat,  in  Gemäßheit  des  §.  2.  des
Gesetes  vom  17.  Juni  1833.  zur  Ausstellung  von  Dligationen  zum  Betrage  von

50%  0  Thalern,)  in  Buchstaben:  sechszig  tausend  Thalern,  welche  in  folgenden
points:

10,000  Thaler  a  25  Thaler,

15,000  à„  50

25,000  é"-  dà  100  -

10,000  à  1000

=  60),000  Thaler,

nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  durch  Kreis-Kommunalbeiträge  mit
(fünf  Prozent  schrich  zu  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu  bestimmenden
Folgeordnung  jährlich  vom  hahr.  1868.  ab  mit  wenigstens  söhrsi,  zwei  Prozent
des  Kapitals,  unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den  amortisirten  Schuldverschreibungen,
zu  tilgen  sind,  durch  giregenwertiges  Privilegium  Unsere  landesherrliche  Genehmigung
mit  der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  deß  ein  jeder  Inhaber  dieser  Obligationen
die  daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung  des  Eigenthums  nachweisen
  zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befugt  ist.  "

Das  vorstehende  Privilegium,  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird,  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Ems,  den  15.  Juli  1867.

(I.  S8.)  Wilhelm.

Für  den  Minister
des  Innern:

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.
Pro-
        <pb n="1508" />
        —  1331  —
Provinz  Posen,  Negierungsbezirk  Pesen.
Obligation
des  Adelnauer  Kreises

Littr.

—.  —  —

Auf  Grund  des  unten  .  enehmigten  Kreistagsbeschlusses  vom
28.  März  1866.  wegen  Aufnahme  einer  Schuld  von  60,000  Thalern  bekennt  sich
die  ständische  Finanzkommission  des  Adelnauer  Kreises  Namens  des  Kreises  durch
diese,  für  jeden  Inhaber  gültige,  Seitens  des  Gläubigers  unkündbare  Verschreibung
  zu  einer  Darlehnsschuld  vo  .  ..  Thalern  Preußisch  Kurant,  welche  an
den  Kreis  baar  gezahlt  worden  und  mit  fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  ist.

Die  Rückzahlung  der  ganzen  Schuld  von  60,000  Thalern  geschieht  vom
Jahre  1868.  ab  allmälig  aus  einem  zu  diesem  Behufe  gebildeten  Tilgungsfonds
von  wenigstens  zwei  Prozent  des  gesammten  Kapitals  fährich,  unter  Zuwachs  der
Zinsen  von  den  getilgten  Schuldverschreibungen.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  ie  Ausloosung  erfolgt  vom  Jahre  1868.  ab  in  dem
Monate  Februar  jeden  Jahres.  Der  Kreis  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,
den  Tilgungsfonds  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche
no  unlausende  Schuldverschreibungen  zu  kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie  die
gekürdigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Bezeichmung  ihrer  Buchstaben,

ummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung  erfolgen
  soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.  Diese  Bekanntmachung  erfolgt  vier,  drei,
zwen  und  Einen  Monat  vor  dem  Zahlungstermine  durch  den  Staatsanzeiger,  das

mtsblatt  der  Königlichen  Regierung  Posen  und  das  Adelnauer  Kreiswochenblatt,
  event.  durch  anderweit  von  dem  Staate  noch  näher  zu  bestimmende
Publikationsorgane.

Bis  zu  dem  Tage)  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird  es
in  halbjährlichen  Terminen  postnumerando,  am  2.  Januar  und  am  1.  Juli
jeden  Jahres,  von  heute  an  gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  gleicher  Münzsorte
  mit  jenem  verzinset.

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  boßfte  Rückgabe
  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,  bei
der  Kreis-Kommunalkasse  in  Ostrowo,  und  zwar  auch  noch  in  den  nach  dem
Eintritt  der  Fälligkeit  folgenden  Zahlungsterminen.

(#r.  6774.)  176  Mit
        <pb n="1509" />
        —  1332  —

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.

Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  imeerhals  vier  Jahren  nach
der  Fälligkeit)  vom  Ablauf  des  betreffenden  Kalenderjahres  an  gerechnet,  nicht
erhobenen  Zinsen,  verjähren  zu  Gunsten  des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Allgemeinen  Gerichts-Ordnung  Theil  I.
Titel  51.  S#  120.  sequ.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Ostrowo.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Iinekupeons  vor  Ablauf  der  viersährigen  erjährungsfrist
  bei  der  Kreisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz  der
Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  sonst  in  glaubhafter
Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt  werden.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  ackt  halbjährige  Zinskupons  bis  zum
Schlusse  des  Jahres  1870.  ausgegeben.  Für  die  weitere  Zeit  werden  Zinskupons
auf  fünfjährige  Perioden  ausgegeben.

Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons-  Serie  erfolgt  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  4  Ostrowo  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten
  Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der
neuen  Zinskupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren
Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der  Kreis
mit  seinem  Vermögen.

it  Oehen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
ertheilt.

Ostrowo,  den  ..  tin  ...  .  .  .  ..  18..

Die  kreisstaͤndische  Finanzkommission  des  Adelnauer  Kreises.

Pro-
        <pb n="1510" />
        —  1333  —

Provinz  Posen,  Regierungebezirk  Hosen.
Zins-Kupon  te  Serie

zu  der
Kreis-Obligation  des  Adelnauer  Kreises
Littr.  .  .  .  .  M  ....
über  .  ..  Thaler  zu  "  Prozent  Zinsen
über  ..  .  .  .  Thaler  .  .  .  .  .  Silbergroschen.

Der  Inhaber  dieses  Zinskupons  empfängt  gigen  dessen  Rückgabe  in  der
Zeit  von  ................·...............  pvom.."s.......
....................  spaterhm  die  Zinsen  der  vorbenannten  Kreis-Obli
  a  das  Halkjahr  r  ...............  bis.  mit
Ain  uchstaben)  Thalern  .  .  .  .  .  Silbergroschen  bei  der  Kreis-Kommunalasse
  zu  Ostrowo.

Ostrowo,  den  .  .  ..  18..

Die  kreisständische  Finanzkommission  des  Adelnauer  Kreises.

Dieser  Zinskupon  ist  ungültig,  wenn  dessen
Geldbetrag  nicht  innerhalb  #ienn  Jahren  nach
der  Falligteit.  vom  Schluß  des  betreffenden
Kalenderjahres  an  gerechnet,  erhoben  wird.

Provinz  Posen,  Negierungebezirk  Hosen.
Talon

zu  der
Kreis-Obligation  des  Adelnauer  Kreises.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  Obligation
  des  Adelnauer  Kreises
Littr.  über  Thaler  à  fünf  Prozent  Zinsen
die  ..#  Serie  Zinskupons  für  die  fünf  Jahre  18.  bis  18.  bei  der  Kreis-G
  zu  Ostrowo,  nach  Maaßgabe  der  diesfälligen,  in  der  Obligation
enthaltenen  Bestimmungen.
Ostrowo,  den1  .  ..  .  ..  ..  18..

Die  kreisständische  Finanzkommission  des  Adelnauer  Kreises.

 

(Nr.  6774—67#5.)  (Nr.  6775.)
        <pb n="1511" />
        —  134  —

(Nr.  6775.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber  lautender  Obligationen  der
Stadt  Muslowitz,  Regierungsbezirks  Oppeln,  zum  Betrage  von
40,000  Thalern.  Vom  15.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm,)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

Nachdem  der  Magistrat  der  Stadt  Myslowitz  im  Einverständnisse  mit  der
Stadtverordneten-  Versammlung  darauf  angetragen  hat,  zur  Erbauung  eines
Raths=  und  Gerichtsgebäudes,  sowie  eines  Gesmgengals  eine  Anleihe  von
40,000  Thalern  aufnehmen  und  zu  diesem  Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,
mit  Zinskupons  versehene  Stadt-Obligationen  ausgeben  zu  dürfen,  ertheilen  Wir
in  Gemäßheit  des  F.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  wegen  Ausstellung
von  Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung  auf  jeden  Inhaber  enthalten,
durch  gegenwärtiges  Privilegium  zur  Ausstellung  von  vierzigtausend  Thalern
Obligationen  der  Stadt  Mslowhh,  welche  nach  dem  anliegenden  Schema  in
400  Apoints  und  zwar  zu  je  100  Thaler  auszufertigen,  mit  fünf  vom  Hundert
jährlich  zu  verzinsen  und,  von  Seiten  der  Gläubiger  unkündbar,  vom  1.  Januar
1868.  ab  nach  dem  festgestellten  Tilgungsplane  durch  Ausloosung  oder  Ankauf
mit  mindestens  Einem  Prozent  der  Kapitalschuld,  unter  Hinzurechmuingg  der  durch
die  Tilgung  ersparten  Zinsen,  alllährch  zu  amortisiren  sind,  mit  Vorbehalt  der
Rechte  Dritter,  Unsere  landesherrliche  Genehmigung,  ohne  jedoch  dadurch  den
Inhabern  der  Obligationen  in  Ansehung  ihrer  Besstgung  eine  Gewährleistung
Seitens  des  Staats  zu  bewilligen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Ems,  den  15.  Juli  1867.
(I.  S.)  Wilhelm.

Für  den  Finanzminister  und  den
Minister  des  Innern:
Gr.  v.  Itzenplit.  v.  Mühler.
        <pb n="1512" />
        —  1335  —
Drovinz  Schlesien,  Kegierungsbezirk  Oppeln.

Obligation  der  Stadt  Myslowitz

(Stadtwappen)
über

100  Thaler

Ausgefertigt  in  Gemäsheit  des  landesherrlichen  Privilegiums  vom  ..  ..  ...  .  .  .  ..
(Gesetz=  Samml.  für  1867.  Seite.  )

Wir  Magistrat  der  Stadt  Myslowitz  urkunden  und  bekennen  hiermit,  daß  der
Inhaber  dieser  Obligation  der  hiesigen  Stadt  ein  Darlehn  von  100  Thalern,
schreibe:  Einhundert  Thalern  Preußisch  Kurant,  gegeben  hat,  dessen  Empfang
wir  hiermit  bescheinigen.

Diese  Schuldsumme  bildet  einen  Theil  des  zur  Erbauung  des  hiesigen
Raths-  und  Gerichtsgebäudes  in  Gemäßheit  des  Allerhöchsten  Privilegiums  vom
.............  aufgenommenen  Darlehns  von  40,000  Thalern.

Die  Rückzahlung  dieses  Darlehns  geschieht,  nach  Emission  der  Obligationen,
vom  Jahre  1868.  ab  binnen  spätestens  siebenunddreißig  Jahren  nach  Maaßgabe
des  festgestellten  Tilgungsplanes  dergestalt,  daß  die  darin  jährlich  ausgeworfene
Amortisationsrate  in  den  Haushaltsetat  ausgenommen  und  aus  diesem  Tilgungsfonds
  die  Stadt-Obligationen  mittelst  Ausloosung  oder  freien  Ankaufs  binnen
spätestens  seenunddresg  Jahren  eingelöst  werden.

Die  Stadtgemeinde  Myslowitz  behält  sich  das  Recht  vor,  den  Tilgungsfonds
durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche  noch  umlaufende
Schuldverschreibungen  zu  kündigen.  Den  Gläubigern  steht  kein  Kundigungerecht
zu.  Die  ausgeloosten,  sowie  die  gekündigten  Schuldverschreibungen  werden  unter
Beztinung  8  Nummern,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung
erfolgen  soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.

Diese  Bekanntmachung  erfolgt  drei  Monate  vor  dem  Zahlungstermine
in  dem  Amtsblatte  der  Königlichen  egierng  zu  Oppeln  und  in  dem  Beuthener
Kreisblatte.  Jedesmal,  sobald  eines  dieser  Blätter  eingehen  sollte,  wird  an  Stelle
desselben  ein  anderes  mit  Genehmigung  der  Königlichen  Regierung  zu  Oppeln
bestimmt  werden.  -

Bis  zu  dem  Tage,  an  welchem  solchergestalt  das  Kapital  zurückzuzahlen  ist,
(Nr.  6775.)  wird
        <pb n="1513" />
        —  1336  —

wird  dasselbe  in  halbjährlichen  Terminen,  am  15.  April  und  am  15.  Oktober,  von
heute  an  gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  verzinst.  ·

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  Rückabe

  der  auszugebenden  Zinskupons,  beziehungsweise  diesr  Schuldverschreibung,

"o°  der  Kämmereikasse  zu  Myslowitz  in  der  nach  dem  Eintritte  des  Fälligkeitstermins
  folgenden  Zeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sind  fenth  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.


Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.

Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  drehig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren  nicht
erhobenen  Zinsen  verjähren  zu  Gunsten  der  Stadtgemeinde  Myslowitz.

Wenn  die  zu  tilgenden  Obligationen  statt  der  Ausloosung  aus  freier  Hand
erworben  werden,  so  sollen  die  auf  diesem  Wege  getilgten  Nummern  jedesmal
durch  die  oben  bemerkten  Blätter  öffentlich  bekannt  gemacht  werden.

In  Ansehung  der  verlorenen  oder  vernichteten  Obligationen  oder  Zinskupons
  finden  die  auf  die  Staatsschuldscheine  und  deren  Kupons  Bezug  habenden
Vorschriften  der  Verordnung  vom  16.  Juni  1819.  wegen  des  Aufgebots  und  der
Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Staatspapiere  §#.  1.  bis  13.  mit
nachstehenden  näheren  Bestimmungen  Anwendung:

a)  die  im  F.  1.  jener  Verordnung  vorgeschriebene  Anzeige  muß  dem  Maistrate
  zu  Myslowitz  gemacht  werden,  welchem  alle  diejenigen  Geschäfte  und
efugnisse  zustehen,  welche  nach  der  angeführten  Verordnung  dem  Schatzministerium
  zukommen)  gegen  die  Verfügungen  des  Magistrats  findet
Rekurs  an  die  Königliche  Regierung  zu  Oppeln  statt;

b)  das  im  §.  5.  jener  Verordnung  gedachte  Aufgebot  erfolgt  bei  dem  Königlichen
  Kreisgerichte  zu  Beuthen  O.-S.  resp.  der  Königlichen  Kreisgerichts-Deputation
  zu  Myslowitz;  ·

c)dieinden§§.6.9.und12.jenerVerotdnun  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen
  sollen  durch  diejenigen  Blätter  geschehen,  durch  welche  die  ausgeloosten
  Obligationen  veröffentlicht  werden;

)  an  die  Stelle  der  im  F.  7.  jener  Verordnung  erwähnten  sechs  Zahlungstermine
  sollen  vier,  an  die  Stelle  des  in  den  §#§.  8.  und  9.  erwähnten
  achten  Zahlungstermins  soll  der  fünfte  treten.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  zehn  halbjährige  Zinskupons  ausgegeben;
  die  ferneren  Zinskupons  werden  für  fünfjährige  Perioden  ausgegeben
werden.

Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt  bei  der  Kämmereikasse
#  ibelovwig  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten

lons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  eun  Zu
ons-
        <pb n="1514" />
        —  1337  —

kupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung
rechtzeitig  erfolgt.

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  die
Stadtgemeinde  Myslowitz  mit  ihrem  Verlusgen
uih  i  dessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
ertheilt.

Myslowitz,  den  ..  #een  18..

Der  Magistrat.

(Unterschrift  des  Dirigenten  und  eines  agltedes
unter  Beifügung  der  Amtstitel.

Provinz  Schlesien,  Kegierungsbezirk  Oppeln.
Serie  I.

Zins-Kupon

über
2  Thlr.  15  Sgr.,  schreibe  zwei  Thaler  fünfzehn  Silbergroschen
  Zinsen
der
Obligation  der  Stadt  Myslowitz
——p-  über  100  Thaler.

Inhaber  dieses  Kupons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  am  s—  18..
die  halbjährigen  Zinsen  der  Stadt-Obligation  Ab  ..  mit  2  Thlr.  15  Sgr.,
s'  reibe  zwei  Thaler  und  fünfzehn  Silbergroschen,  aus  der  Kämmereikasse  zu

ölowitz.

Myslowitz,  den  .  .ten  ......  18..

Der  Magistrat.

(Unterschrift  des  Dirigenten  und  eines  Magistratsmitgliedes
unter  Beifügung  der  Amntstitel.)

Dieser  Zinskupon  wird  ungültig,  wenn  dessen
Geldbetrag  nicht  innerhalb  vier  Jabren,  vom
Ablaufe  des  Kalendersahres  der  Fälligkeit  ab
gerechnet,  erhoben  wird.

Jahrgang  1807.  (Nr.  6775—6776.  177  Pro-
        <pb n="1515" />
        —  1338  —

Provinz  Schlesien,  Regierungebezirk  Oppeln.
Dalon

zu  der
Obligation  der  Stadt  Myslowitz
+...
über
100  Thaler  à  fünf  Prozent  verzinslich.

Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  vorbenannten
Obligation  die  .  .te  Serie  Zinskupons  46  die  fünf  Jahre  18.  bis  18.  bei  der
Kämmereikasse  zu  Myslowitz,  sofern  nicht  von  dem  Inhaber  der  Obligation  gegen
diese  Ausreichung  protestirt  worden  ist.

Myslowitz,  den0#en  18.

Der  Magistrat.

(Unterschrift  des  Dirigenten  und  eines  Magistratsmitgliedes
unter  Beifügung  der  Amtstitel.)

 

(Nr.  6776.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  17.  Juli  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  an  die  Stadt  Freistabt  im  Regicrungsbezirk  Liegnitz  für
den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee  von  Freistadt  über
Zorus  und  Lessendorf  nach  der  Beuthen-Neusalzer  Chaussee  bei  der  Neumühle
  im  Kreise  Freistadt.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Kreis-Chaussee
  von  Freistadt  über  Zyrus  und  Lessendorf  nach  der  Beuthen-Neusalzer
Chaussee  bei  der  Neumühle  im  Kreise  Freistadt,  Regierungsbezirk  Liegnitz,  genehmigt
  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise  Freistadt  das  Expropriationsrecht
für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur
Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der
für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.
Zugleich  will  Ich  dem  gedachten  Kreise  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen
  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes
nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden
Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen
über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusä  chen
Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen
angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife

vom
        <pb n="1516" />
        —  1339  —

vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen
  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Ems,  den  17.  Juli  1867.

Wilhelm.

Für  den  Finanzminister:

v.  Mühler.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6777.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis-Obligationen
  des  Freistädter  Kreises  im  Betrage  von  120,000  Thalern.  Vom
17.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #c

Nachdem  von  den  Kreisständen  des  Freistädter  Kreises  auf  dem  Kreistage
vom  I1.  April  1867.  beschlossen  worden,  die  zur  Ausführung  der  vom  Kreise
unternommenen  Chaussee=  und  anderen  Kreis-Straßenbauten,  gowie  zur  Gewä
runß  der  Terrainentschädigung  an  die  Breslau-Schweidnitz-Freiburger  Eisenbahngesellschaft
  Behufs  Uebernahme  der  Bauausführung  der  projektirten  Eisenbahn
von  Liegnitz  über  Gloßau  Reusalh  um  Anschluß  an  die  Guben-Posener  Eisenbahn
  erserberichen  Geldmittel  im  Wege  einer  Anleihe  zu  beschaffen,  wollen  Wir
auf  den  Antrag  der  gedachten  Kreisstände:  zu  diesem  Zwecke  auf  jeden  Inhaber
lautende,  mit  Zinskupons  versehene,  Seitens  der  Gläubiger  unkündbare  Obligationen
  zu  dem  angenommenen  Betrage  von  120),000  Thalern  ausstellen  zu  dürfen,
  da  sich  hiergegen  weder  im  Interesse  der  Gläubiger  noch  der  Schuldner
etwas  zu  erinnern  gefunden  hat,  in  Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom
17.  Juni  1833.  zur  Ausstellung  von  Obligationen  zum  Betrage  von  120,000
Kbhalern,  in  Buchstaben:  Einhundert  und  zwanzig  Tausend  Thalern,  welche  in

folgenden  Apoints:
20,000  Thaler  à  1000  Thaler,
25,000  à  500.
45,000  à  100
20,000  à„  5J0
10,000  à  25
=  120,000  Thaler,
rach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer  mit
fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu  bestimmenden
(Nr.  6776—6777.)  177*  Folge-
        <pb n="1517" />
        —  1340  —

Folgeordnung  jährlich  vom  Jahre  1868.  ab  mit  wenigstens  jährlich  Einem
Prozent  des  Kapitals  unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den  amorktisirten  Schuldverschreibungen
  zu  tilgen  sind,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landesherrliche
  Genehmigung  mit  der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder
Inhaber  dieser  Obligationen  die  daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung
  des  Eigenthums  nachweisen  zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befugt  ist.

Das  vorstehende  Privilegium,  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird,  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Ems,  den  17.  Juli  1867.

#  )Wilhelm.

Für  den  Finanzminister  und
den  Wa  s  des  Innern:

v.  Mühler.  Gr.  v.  Itzenplitz.

Provinz  Schlesten,  Negierungebezirk  Liegnitz.
Obligation
des  Freistädter  Kreises
Littr.  %

über  .  .  .  .  .  .  .  Thaler  Preußisch  Kurant.
Auf  Grund  der  unteer  ..  enehmngten  Kreistagsbeschlüsse  vom  1.  April
1867.  wegen  Aufnahme  einer  Schuld  von  .  .  .  ..  .  ...  Thalern  bekennt  sich  die

ständische  Finanzkommission  des  Freistädter  Kreises  Namens  des  Kreises  durch
diese,  für  jeden  Inhaber  gültige,  Seitens  des  Gläubigers  unkündbare  Verschreibung
  zu  einer  Darlehnsschuld  von  ..  .  .  ..  Thalern  Preußisch  Kurant,  welche  an
den  Kreis  baar  gezahlt  worden,  und  mit  fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  ist.
Die  Rückzahlung  der  ganzen  Schuld  von  120,000  Thalern  geschieht  vom
Jahre  1868.  ab  allmälig  inmerhalb  eines  Zeitraums  von  36  Jahren  aus  einem
zu
        <pb n="1518" />
        —  1341  —

zu  diesem  Behufe  gebildeten  Tilgungsfonds  von  wenigstens  Einem  Prozent
jährlich,  unter  Zuwachs  der  Jinsen  von  den  getilgten  Schuldverschreibungen.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wirk  durch
das  Loos  bestimmt.  ie  Ausloosung  erfolgt  vom  Jahre  1808.  ab  in  dem
Monate  November  jeden  Jahres.  Der  Kreis  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,
den  Tilgungsfonds  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämnttliche
noch  umlaufende  Schuldverschreibungen  zu  kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie
die  gekündigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Bezeichnung  *  Buchstaben,
Nummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Nüchahlung  erfolgen
soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.  Diese  Bekanntmachung  erfolgt  sechs,  drei,  zwei
und  Einen  Monat  vor  dem  Zahlungstermine  in  dem  Königlich  Preußischen
Staatsanzeiger,  dem  Amtsblatte  der  Königlichen  Regierung  zu  Liegnitz,  dem
Kreisblatte  des  Freistädter  Kreises  und  in  einer  der  zu  Breslau  erscheinenden
größeren  Zeitung,  nach  näherer  Bestimmung  der  ständischen  Finanzkommission.

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird
es  in  halbjährlichen  Terminen,  am  2.  Januar  und  am  2.  Juli,)  von  heute  an
gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  gläicher  Münzsorte  mit  jenem  verzinset.

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückabe

  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,
ei  der  Kreis-Kommunalkasse  in  Freistadt,  und  zwar  auch  in  der  nach  dem  Eintritt
  des  Fälligkeitstermins  folgenden  Zeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibun
sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Bettag  vom  Kapital  abgezogen.

Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren,  vom
Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  an  gerechnet,  nicht  erhobenen  Zinsen
verjähren  zu  Gunsten  des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Allgemeinen  Gerichtsordnung  Theil  I.
Titel  51.  68.  120.  seq.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Freistadt.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  der  Kreisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz
der  Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  ank  in  glaubhafter
  Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
  und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt
  werden.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  halbjährige  Zinskupons  bis  zum
Schlusse  des  Jahres  ..  ausgegeben.  Für  die  weitere  Li  werden  Zinskupons
auf  fünfjährige  Perioden  ausgegeben.

Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  zu  Freistadt  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie
beigedruckten  Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung
der  neuen  Zinskupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern
deren  Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

(Nr.  6777.)  ·  Zur
        <pb n="1519" />
        —  1342  —
Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der
Kreis  mit  seinem  Vermögen.
Dessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
  ertheilt.
Freistadt,  den  ..ten  ....  18..

(L.  S)
Die  staͤndische  Finanzkommission  des  Kreises  Freistadt.

Drovinz  Schlesien,  Negierungebezirk  Liegnitz.

Zinskupon
zu  der
Kreis-Obligation  des  Freistädter  Kreises
Littr.  .  .  ...  M  .  .  .  .
über
..........  Thaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen
über  .....  Thaler.....  Silbergroschen.

Der  Inhaber  biesss  Zinskupons  zne  gegen.  dessen  —im*–WD2“)d  in  der  Zeit
ded  sätechin  die  afen  der  voltenendbrrvari  Obligaion  f  dis  Halbjaht
*.  Eibewoiter  e  tur0.  *J  zu  Freistadt.  halern

Freistadt,  den  ..  ten  .....
(L.  S.)
Die  ständische  Finanzkommission  des  Kreises  Freistadt.
cdeer  —

Fälligkeit,  vom  Schluß  des  betreffenden  Kalenderjahres
  an  gerechnet,  erhoben  wird.

Pro-
        <pb n="1520" />
        —  1343  —
Provinz  Schlesien,  Regierungsbezirk  Liegnitz.

Dalon

zur

Kreis-Obligation  des  Freistädter  Kreises.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der
Obligation  des  Luoe  Kreises
Littr  ——–  über.  Thaler  à  fünf  Prozent  Zinsen
die  ..  te  Serie  Zinskupons  für  die  fünf  Jahre  18.  bis  18.  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  zu  Freistadt.  Beim  Verluste  dieses  Talons  erfolgt  die  Aushändigung
  der  neuen  Zinskupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,
sofern  deren  Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.
Freistadt,  den  #re  18.
(L.  S.)

Die  staͤndische  Finanzkommission  des  Kreises  Freistadt.

Anmerkung.  Die  Ramens  «·  Unterschriften  der  Mitglieder  der  Kommisslon  koͤnnen
mit  Lettern  oder  Faksimilestempel  gedruckt  werden,  doch  muß  jeder
Talon  mit  der  eigenhändigen  Namens-  Unterschrift  eines  Kontrolbeamten
  versehen  werden.

 

(Nr.  6778.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  29.  Juli  1867.,  betreffend  die  Ermäßigung  der  Schiff.
fahrtsabgaben  in  Memel.

A#  Ihren  Bericht  vom  19.  Juli  d.  J.  bestimme  Ich,  was  folgt:

1)  Das  in  dem  Hafen  von  Memel  nach  dem  Tarife  vom  19.  April  1844.
(Gesetz  Samml.  S.  120.)  zu  entrichtende  Hafengeld  wird  vom  1.  August
d.  J.  ab  von  allen  seewärts  ein=  und  ausgehenden  Schiffen  und  Fahrzeugen,

beim  Eingange  mit  4  Sgr.

wenn  sie  beladen  sind,  beim  Ausgange  mit  4  Sar.,

wenn  sie  Ballast  führen  beim  Eingange  mit  2  Sgr.,

oder  leer  sind,  beim  Ausgange  mit  2  Sgr.

für  die  Last  Tragfähigkeit  erhoben.

2)  In  denjenigen  Fällen,  in  welchen  nach  Meinem  Erlaß  vom  13.  April
1863.  (Gestz.Somml  S.  168.)  unter  1.  a.  und  b.  die  Ermäßigung  des
Hafengeldes  in  Memel  auf  ein  Drittheil  des  bisherigen  tarifmäßigen  Betrages
  eintreten  soll,  ist  vom  1.  August  d.  J.  an  nur  eine  Ermäßigung
auf  die  Hälfte  des  nunmehrigen  Hasengeltes  zu  gewähren.

3)  Das  nach  dem  Anhange  II.  zu  dem  unter  1.  erwähnten  Tarife  zu  ent-(Nr.

  6777—6779.)  rich-
        <pb n="1521" />
        —  1344  —

richtende  Brückenöffnungsgeld  wird  vom  1.  August  d.  J.  ab  auf  die
Hälfte  der  bisher  vorgeschriebenen  Sätze  ermäßigt.

Im  Uebrigen  behält  es  bei  den  Bestimmungen  des  Tarifs  vom  19.  April
1514.r  dessen  Revision  von  fünf  zu  fünf  Jahren  vorbehalten  bleibt,  sein  Bewenden.


Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß
zu  bringen.

Ems,  den  29.  Juli  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6779.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  2.  August  1867.,  betreffend  die  Abänderung  des
Statuts  für  den  landschaftlichen  Kreditverein  der  Provinz  Sachsen.

A#  Ihren  Bericht  vom  22.  Juli  d.  J.  will  Ich,  in  Folge  des  von  der  Generaldeputation
  des  landschaftlichen  Kreditverbandes  der  Provinz  Sachsen  am
16.  Oktober  v.  J.  gefaßten  Beschlusses,  hierdurch  gemehmigen  ,  daß  die  Nr.  4.
im  §.  22.  des  durch  Meinen  Erlaß  vom  30.  Mai  1864.  (Gesetz-Samml.  von
1864.  S.  353.)  bestätigten  Statuts  für  den  gedachten  Kreditverband  dahin  abgeändert
  werde:

"4)  für  Kapital,  Zinsen,  Verzugesinsen  Einklagungs=  und  Beitreibungskosten
und  alle  sonstigen  aus  dem  alchnsgeschät  erwachsenden  Kosten,  sowie
die  sonstigen  Kautenmiszigen  Beiträge,  muß  innerhalb  der  ersten  drei
Fünftel  des  zu  beleihenden  Objektes  und  zur  ersten  Stelle  Hypothek  bestellt
  werden.“

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Ems,  den  2.  August  1867.

Wilhelm.

Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.
An  den  Justizminister  und  an  den  Minister  des  Innern.

 

Nedigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministerlums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(N  v.  Decker).
        <pb n="1522" />
        —  1345  —

Gesetz=  Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

–  Nr.  80.  .

 

(Nr.  6780.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  5.  August  1867.,  betreffend  die  in  Gemäßheit  des
Gesetzes  vom  9.  März  1867.  zur  Vermehrung  des  Betriebsmaterials,
Herstellung  doppelter  Bahngeleise  und  nothwendiger  Ergänzungsanlagen
der  Staatsbahnen,  Verlegung  der  Verbindungsbahnen  zu  Berlin  und  zu
Breslau  und  Herstellung  einer  Eisenbahn  von  Dittersbach  nach  Altwasser
und  von.  Saarbrücken  nach  Saargemünd  bis  zur  Höbe  der  veranschlagten
Summe  von  24  Millionen  Thaler  aufzunchmende  Staatsanleihe.

Ar#  Ihren  Bericht  vom  1.  d.  M.  r-  Ich,  daß  die  Staatsanleihe,
welche  in  Gemäßheit  des  Gesetzes  vom  9.  März  d.  J.),  betreffend  die  Vermehrung
des  Betriebsmaterials,  die  Herstellung  doppelter  Bahngeleise  und  nothwendiger
Erginzungsanlagen  der  Staatsbahnen,  die  Verlegung,  der  Verbindungsbahnen
zu  Berlin  und  zu  Breslau,  und  die  Herstellung  einer  Eisenbahn  von  Dittersbach
nach  Altwasser  und  von  Saarbrücken  nach  Saargemünd  (Gesetz  Samml.  S.  393.)
aufzunehmen  ist,  in  Schuldverschreibungen  über  Einhundert  Thaler,  zweihundert
Thaler,  fünfhundert  Thaler  und  Eintausend  Thaler,  nach  Maaßgabe  des  Bedarfs
nöthigenfalls  bis  zu  dem  vollen  Betrage  von  vierundzwanzig  Millionen  Thaler
ausgegeben  und  mit  vier  einhalb  Prozent  jährlich  am  1.  April  und  1.  Oktober
jeden  Vahres  verzinst  werde.  Die  Anleihe  ist  von  dem  auf  die  Eröffnung  des
Betriebes  der  neuen  Berliner  Bahnhofs-Verbindungsbahn  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung
  folgenden  Jahre  ab  jährlich  mit  mindestens  Einem  Prozent,  sowie  mit
dem  Betrage  der  durch  die  fortschreitende  Amortisation  ersparten  und  der  durch
Verjährung  erloschenen  Zinsen  des  Schuldkapitals  zu  tilgen.  Dem  Staate  bleibt
das  Recht  vorbehalten,  sowohl  den  hiernach  zu  berechnenden  Tilgungsfonds  zu
verstärken,  als  auch  die  sämmtlichen  Schuldverschreibungen  zur  Ruckzahlung  nach
sechsmonatlicher  Frist  zu  kündigen.  Ich  ermächtige  Sie,  hiernach  die  weiteren
Anordnungen  zu  treffen.

Dieser  Mein  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß

zu  bringen.
Ene.  den  5.  August  1867.  Z
Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.
An  den  Finanzminister.

 

Johrgong  1867.  (Nr.  6780—6782.  178  (Nr.  6781.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  22.  August  1867.
        <pb n="1523" />
        —  1346  —

Nr.  6781.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  14.  August  1867.)  betreffend  die  anderweite  Regelung
·des  Stempelwesens  in  den  vormals  Großherzoglich  und  Landgräflich
Hessischen  Landestheilen.

Be  anderweiter  Regelung  der  Stempelabgaben  in  den  durch  das  Gesetz
vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  876.)  mit  der  Monarchie  vereinigten
ehemals  Großherzoglich  Hessischen  und  Landgräflich  Hessen-Homburgischen  Landestheilen
  —  mit  Ausnahme  des  Oberamtes  Meisenheim  —  bestimme  Ich  auf  Ihren
gemeinschaftlichen  Bericht  vom  11.  d.  M.,  daß  mit  dem  1.  September  1867  in
den  nach  der  Verordnung  vom  22.  Februar  d.  J.  (Gesetz-Samml.  S.  273.)

a)  zum  Regierungsbezirke  Wiesbaden  gehörigen  Theilen  der  gedachten  Gebiete
  die  in  dem  chemaligen  Herzogthum  Nassau  geltenden,

b)  in  den  nach  derselben  Verordnung  zum  Regierungsbezirke  Kassel  gehörigen
Theilen  der  gedachten  Gebiete  die  in  dem  ehemaligen  Kurfürstenthum
Hessen  geltenden

Gesetze,  Verordnungen  und  sonstigen  Normen  wegen  der  Stempelabgaben  mit
Einschluß  der  Verordnung  vom  19.  Juli  d.  J.,  betreffend  die  Verwaltung  des
Stempelwesens  und  die  Erhebung  des  Urkundenstempels  rc.  (Gesetz-Samml.
S.  1191.),  unter  Aufhebung  der  bestehenden  Vorschriften  in  Kraft  treten  sollen.

In  Betreff  der  Stempelabgabe  von  Spielkarten,  Kalendern,  Wechseln  und
Zeitungen  bewendet  es  bei  den  besonderen,  dieserhalb  ergangenen  Verordnungen.

Sie  sind  ermächtigt,  die  zur  Ausführung  dieses  Erlasses,  welcher  durch  die
Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen  ist,  erforderlichen  näheren  Anordnungen
zu  treffen.

Ems,  den  14.  August  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  zur  Lippe.

An  den  Finanzminister  und  den  Justizminister.

 

(Nr.  6782.)  Verordnung)  betreffend  die  Verwaltung  des  Stempelwesens  und  den  Urkundenstempel
  in  der  ehemals  freien  Stadt  Frankfurt  a.  M.  Vom  16.  August
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rP

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  die  mit  Unserer
Monarchie  vereinigte  ehemals  freie  Stadt  Frankfurt  a.  M.,  was  folgt:

KC.  1.

Die  Verordnung  vom  19.  Juli  d.  J.  (Gesetz=  Samml.  S.  1191.),  betreffend
  die  Verwaltung  des  Stempelwesens  und  die  Erhebung  des  Urtundar
em-
        <pb n="1524" />
        —  1347  —

stemels  in  dem  vormaligen  Königreich  Hannover,  dem  vormaligen  Kurfürstennm
  Hessen  und  Herzogthum  Nassau,  sowie  in  den  vormals  Königlich
ayerischen  Gebietstheilen,  und  der  derselben  angehängte  Stempeltarif  erlangen
mit  dem  1.  September  1867.  auch  in  der  ehemals  freien  Stadt  Frankfurt  a.  M.
Gesetzeskraft.
§.  2.

Vom  1.  September  1867.  ab  sind  von  den  in  dem  gedachten  Stempeltarif
  bezeichneten  stempelpflichtigen  Verhandlungen  die  daselbst  bestimmten  Stempelabgaben
  ausschließlich  nach  den  Vorschriften  der  Verordnung  vom  19.  Juli  d.  J.
zu  erheben.  Hinsichtlich  der  übrigen  der  Stempelsteuer  unterliegenden  Gegenstände
  bewendet  es  bei  den  bisherigen  Bestimmungen.  Nur  die  Vorschriften  in
den  I§.  7.  bis  9.  und  9P.  23.  bit  33.  der  vorstehend  erwähnten  Verordnung
vom  19.  Juli  d.  J.  kommen  in  Betreff  aller  stempelpflichtigen  Gegenstände  mit
Ausnahme  der  Kalender)  Spielkarten,  Zeitungen  und  Wechsel,  bezüglich  deren
besondere  Verordnungen  erlassen  sind,  zur  Anwendung.  —  Ist  eine  Schrift,
welche  eine  nach  dem  Stempeltarif  vom  1.  Juli  d.  J.  zu  versteuernde  Verhandlung
  enthält,  nach  den  bisherigen  und  durch  diese  Verordnung  nicht  aufgehobenen
  Bestimmungen  noch  einer  ferneren  Stempelabgabe  unterworfen,  so  ist  letztere
ausschließlich  näch  den  bisherigen  Bestimmungen  zu  berechnen,  auch  deren  Hinterziehung
  nach  den  bisherigen  Bestimmungen  zu  ahnden.  Der  Finanzminister  ist
jedoch  ermächtigt,  für  Fälle  der  vorgedachten  Art,  sowie  für  alle  anderen  Fälle
anzuordnen,  daß  die  nach  den  bisherigen  Bestimmungen  noch  fernerhin  zu  entrichtenden
  Stemvelabgaben  ohne  Verwendung  von  Stempelmaterialien  und  ohne
Aufdrückung  eines  Stempels  an  die  zu  bezeichnenden  Behörden  oder  Beamten  gegen
Bescheinigung  einzuzahlen  oder  von  dem  Abgabenpflichtigen  einzuziehen  sind.

6  S.  3.

Bei  freiwilligen  Versteigerungen  von  Grundstücken  und  Grundgerechtigkeiten
  sind  die  Versteigerungs-Protokolle  der  geschworenen  Ausrufer  wie  Kaufverträge,
  und  die  von  denselben  ausgefertigten  Versteigerungs-Urkunden  wie
Nebenexemplare  (§.  10.  der  Verordnung  und  pos.  29.  des  Stempeltarifs  vom
19.  Juli  2.  J.),  zu  versteuern.  Dasselbe  gii  bei  nicht  feriwilligen  Versteigerungen
  von  Grundstücken  und  Grundgerechtigkeiten,  falls  nicht  die  Bestimmungen
der  pos.  1.  des  Tarifs  vom  19.  Juli  d.  J.  zur  Anwendung  kommen.

*1*
Alle  dieser  Verordnung  entgegen  stehenden  Vorschriften  treten  vom  1.  September
  1867.  ab  außer  Kraft.  Insbesondere  sollen:

a)  die  in  dem  Tarife,  welcher  dem  Stempelgesetz  vom  26.  Oktober  1852.

angehängt  ist,  unter  den  laufenden  Nummern:
1.  (Abschrift),  7.  (Anlagen),  24.  (Beilagen),  52.  (Duplikate),
60.  (Erhibita),  102.  (Notariatsinstrumente),  119.  (Protokolle),

148.  (Triplikate)

enthaltenen  Positionen  auf  die  in  dem  Stempeltarif  vom  19.  Juli  d.  J.
(Nr.  6782.)  be-
        <pb n="1525" />
        —  1348  —

besteuerten  Verhandlungen  keine  Anwendung  finden,  und  die  Position  151.
(Vergleiche)  nur  noch  auf  gerichtliche  Vergleiche  in  rechtshängigen  Sachen
mit  der  in  dem  Tarife  vom  19.  Juli  d.  J.  (Pos.  56.)  vorgeschriebenen
Maaßgabe  angewandt  werden.

Außerdem  werden:
b)  die  in  dem  ersteren  Tarife  unter  den  laufenden  Nummern  2.  6.  36.
bis  38.  40.  45.  50.  54.  58.  61.  62.  65.  70.  71.  73.  78.  80.  Sl.  84.
91.  93.  95.  96.  98.  105.  112.  116.  1I17.  120.  130.  132.  135.  138.
140.  bis  146.  153.  bis  159.  161.  163.  164.  172.  enthaltenen
Positionen,  sowie  der  F.  2.  des  Gesetzes,  betreffend  die  Aufhebung  des
Roßzolles,  vom  20.  Dezember  1859.  aufgehoben.

§.  5.

Das  auf  den  Verordnungen  vom  16.  März  1820.  und  26.  Juni  1831.
beruhende  Währschaftsgeld  und  die  Unterkaufsgebühr  bei  Vergantungen  werden
vom  1.  September  1867.  ab  als  Staatsabgaben  nicht  mehr  rroben.  In
Betreff  der  Forterhebung  dieser  Steuern  als  Kommunalabgaben  kommen  die
wegen  der  Kommunalbesteuerung  geltenden  Vorschriften  zur  Anwendung.

F.  6.

Der  Finanzminister  ist  ermächtigt,  diejenigen  nach  den  bisherigen  Vorchriften
  als  Stempelsätze  erhobenen  Abgaben,  welche  nach  den  Grendfähen  der
Preußischen  Gesetzgebung  ausschließlich  für  Kommunalabgaben  zu  erachten  sind,
der  Stadt  Frankfurt  a.  M.  zur  ferneren  Erhebung  als  Gebühr  (§.  2.)  zu  überweisen.
  Ueber  die  hierbei  in  Betreff  einzelner  Stempelsätze  etwa  entstehenden
Zweifel  ist  gemeinschaftlich  von  den  Ministern  der  Finanzen  und  des  Innern
zu  entscheiden.  5

.  7.

Der  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Kassel,  den  16.  August  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

 

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1526" />
        —  1349  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  Sl.

 

(Nr.  6783.)  Verordnung,  betreffend  die  provinzialständische  Verfassung  im  Gebiete  des  vormaligen
  Königreichs  Hannover.  Vom  22.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #c

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.
Das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  bildet  einen  provinzialständischen
  Verband.
Der  Verband  hat  die  Rechte  einer  Korporation.
Derselbe  wird  durch  Provinzialstände  vertreten,  welche  sich  auf  dem
Provinziallandtage  versammeln.

KC.  2.

Dem  BProvinziallandtage  steht  unter  der  Mitwirkung  und  Ausfsicht  der
Staatsregierung  die  Beschlußnahme  über  die  K  l  heiten  der  Provinz,
  die  Verwaltung  und  Vertretung  der  provinzialständischen  Institute  und
Vermögensrechte  zu.

Er  ist  beuft.  im  Interesse  der  Provinz  Qusgaben  und  Leistungen  zu  übernehmen
  und  die  Art  und  Weise  der  Aufbringung  derselben  zu  beschließen.

Er  hat  außerdem  die  Rechte  und  Pflichten  der  in  den  älteren  Landestheilen
des  Preußischen  Staats  bestehenden  Provinzialstände.

g.  3.
Ueber  die  Zusammensetzung  des  Provinziallandtages  bestimmen  Wir,
wie  folgt:
Jahrgang  1867.  783.)  179  Es
Ausgegeben  zu  Berlin  den  24.  August  1867,
        <pb n="1527" />
        —  1350  —
Es  erscheinen:
1)  im  Stande  der  größeren  Grundbesitzer
a)  der  Herzog  von  Arenberg,
b)  der  Herzog  von  Looz-Corswarem,
e)  der  Fürst  von  Bentheim-Steinfurt,

so  lange  dieselben  im  Besitze  ihrer  in  der  Provinz  belegenen
Standesherrschaften  sich  befinden,

4)  der  Graf  zu  Stolberg-Wernigerode,
e)  der  Graf  zu  Stolberg-Stolberg,

beide  wegen  der  Grafschaft  Hohenstein,
1)  der  Erblandmarschall  von  Hannover,

so  lange  derselbe  im  Besitze  des  dies  Amt  bedingenden  Majorats
  i

8)  25  gewählte  Ubgeordnete

2)  im  Stande  der  Städte
25  Abgeordnete;

3)  im  Stande  der  Landgemeinden
25  Abgeordnete;

zusammen  81  Mitglieder.

K.  4.
Die  im  F§.  3.  bezeichneten  Abgeordneten  werden  folgendergestalt  vertheilt.
A.  Größere  Grundbesitzer:
1)  der  Bäur  de  Calenberg=  Göttingen-Grubenhagenschen

  Landsch  fft::  ..  .  ..  ..  6  Abgeordnete,

2)  das  Fürstenthum  Lüneburg  .....  ....  .  .  .  .  ..  ..  .  .  .  ..  5

3)  die  Herzogthümer  Bremen  und  Verden  4  "

4)  die  Grafschaften  Hoya  und  Diepho  2  ·
5)daöFürstenthumOönabtück......................  2  -
6)da8Fütstenthuthildesheim...·................·  3
7)  das  Fürstenthum  Ostfrieslaund  2  «-8)

  das  Herzogthum  Arenberg.  Meppen,  die  Niedergrafsaafibeoo

  und  die  GfschefteMeniheim.  .

zusammen  =  25  Abgeordnete.

B.  Städte:
        <pb n="1528" />
        B.  Städte:
1)  die  Stadt  Hannobrer
2)  Goöttingen
3)  Hamen  .  ...

4)  die  übrigen  zur  Städtekurie  der  Calenberg.  Grubenhagenschen
  Landschaft  gehörigen  Städte  zusammen
5)  die  Bergstädte  Clausthal,  Zellerfeld,  Andreasburg,
Altenau,  Lautenthal,  Grund  und  Wildemann  zusamemen


6)  die  Stadt  Lünebreg  .  ..  .  ..
7!  Harbuiigg
8)  ·Celle................................

9)  die  übrigen  zum  Städtestande  des  Lüneburgschen
Landtages  gezörigen  Städte  zusammen  ..
10)  die  Stadt  Stadadtbte  .  .  .  ..  .  .  .  ..  .  .  .  .  ..
11)  die  Stadt  Veden  .  ..
12)  die  übrigen  zur  Städtekurie  der  Bremen-Verdenschen
Landschaft  gehörigen  Gemeinden  zusammen
13)  die  Stadt  Nienburg  und  die  Flecken  Hoya  und
Diepholz  zusamhen
14)  die  übrigen  zur  Städtekurie  der  Hoya-Diephohzschen
Landschaft  gehörigen  Flecken  zusammen
15)  die  Stadt  Osnabrick
16)  die  übrigen  zur  Städtekurie  der  Osnabrückschen  Landschaft
  gehörigen  Städte  und  das  Weichbild  Bramsche
zusaumeen  .  .  ...
17)  die  Städte  Meppen,  Lingen,  Haselünne,  Schüttorf,
Northorn,  Neuenhaus  und  Bentheim  zusammen  ..
18)  die  Stadt  Papenbunngg  ..  ..  .  ..  ..  .  .  .  ..
10)  Hildeshen
20)  .  Gosler
21)  die  übrigen  zur  Städtekurie  der  Hildesheimschen  Landschaft
  gehörigen  Städte  zusammhen  .
22)  die  Stadt  Enmdeedndndnn
23)  Ler  ...  ...  .  .  .  .
24)  die  übrigen  zur  Städtekurie  der  Ostfriefischen  Landschaft
  gehörigen  Städte  zusammen

(Nr.  6738.)

zusammen  =  25  Abgeord
179°  C.  Landrdneten,



nete.
        <pb n="1529" />
        —  1352  —

C.  Landgemeinden:
1)  Bezirk  der  Calenberg.  Grubenhagenschen  Landschaft.  4  Acgeordnete,

2)  Fürstenthum  Lünebneg  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ...  .  4
3)  Herzogthümer  Bremen-Verden  4  .
4)LandHadeln.............·....................·.  l  -
5)GrafschaftenHohn-Diepholz»..».·.............  .2  .
6)FütstenthumOönabrück..........·....·..........  2
7)  Herzogthum  Arenberg-Meppoppen  .  ..  1
8)  Niedergrafschaft  Lingen  und  Grafschaft  Bentheim..  1
9)  Fürstenthum  Hildesheen  ...  ...  3
10)  Fürstenthum  Ostfriesland  ............  ..  ....  ..  .  .  ...  3  -

zusammen  =  25  Abgeordnete.

.  5.
Die  Abgeordneten  der  größeren  Grundbesitzer  werden  bis  auf  Weiteres
erwählt:
in  den  im  F.  4.  unter  A.  1.  2.  5.  6.  und  7.  genannten  Bezirken
von  der  Ritterschaft  des  betreffenden  Bezirks;
in  den  Herzogthümern  Bremen-Verden  von  der  Bremenschen  Ritterschaft
  und  den  nach  den  bisherigen  Grundsätzen  zur  Theilnahme  an  der
ersten  Kurie  der  Bremen-Verdenschen  Landschaft  berechtigten  Verdenschen
Sirtaaiibe  (Esset-  vom  1  Februar  1865.)  Hannoversche  Gesetz-Samml.
  Abtheilun
in  den  Gasschier  1  ruau-  Dicobon  von  der  ersten  Kurie  der  Hoya-Diepholzschen
  Landschaft
in  dem  Herzogthume  Arenberg-  Men,  der  Niederg  wImschaft  Lingen
und  der  Grafschaft  Bentheim  von  den  in  den  dortigen  Amtsversammlungen
  zu  Virilstimmen  berechtigten,  zu  einem  Wahlverbande  zu  vereinigenden
  größeren  Grundbesitzern.

Die  Abgeordneten  sind  aus  der  Mitte  der  berechtigten  Korporationen  und
Verbärd-  zu  wwählen
Das  für  die  Aufnahme  in  die  Ostfriesische  und  Osnabrücksche  Ritterschaft
zur  Zeit  noch  bestehende  Erforderniß  des  adeligen  Standes  wird  hiermit  aufehoben.

8  Für  die  Wahl  der  Abgeordneten  der  Lüneburgischen  Ritterschaft  finden
diee  en  Bestimmungen  Anwendung,  welche  hinsichtlich  der  Wahifhigten  bei
blee  der  ritterschaftlichen  Abgeordneten  zum  Lüneburgischen  Landtage
*n  (Verordnungen  vom  3.  und  vom  14.  Juni  1863.,  Hannoversche  Gesetz-Samml.
  Abtheilung  I.  S.  267.  und  269.).

i
Die  Abgeordneten  derjenigen  Städte,  welche  für  sich  allein  zur  Wohl
e-
        <pb n="1530" />
        —  1353  —

berufen  sind,  werden  von  dem  Magistrate  und  den  sämmtlichen  Bürgervorstehern
der  berechtigten  Stadt  aus  ihrer  Riur  gewählt.
Die  Abgeordneten  der  im  8.  4.  unter  B.  Nr.  4.  9.  12.  14.  und  21.
enannten,  zur  gemeinsamen  Wahl  verbundenen  Städte  sind  von  den  Vertretern
ieser  Städte  in  der  betreffenden  Landschaft  zu  wählen.  Die  Wahl  der  daselbst
unter  Nr.  5.  13.  16.  17.  und  24.  aufgeführten  Städte  und  Flecken  geschieht
durch  Wahlversammlungen,  ;  welchen  Magistrat  und  Bürgervorsteher  jedes  Orts
Ein  Mitzlied,  die  Städte  Nienburg  und  Morden  jedoch  drei  und  die  Flecken
Hoya  und  Diepholz,  sowie  die  Städte  Aurich,  Esens  und  Clausthal  zwei  Mit-Aüde-
  aus  ihrer  Mitte  zu  entsenden  haben.  Die  Abgeordneten  der  zu  einer

ollektivstimme  verbundenen  Städte  müssen  dem  Magistrate  oder  dem  Bürgervorsteher-Kollegium
  (Gemeindevorstande  oder  Gemeindeausschusse)  eines  der  im
Wahlverbande  stehenden  Ortes  angehören.

K.  7.

Im  Stande  der  Landgemeinden  Erfolst  die  Wahl  für  die  im  F.  4.  unter
C.  Nr.  1.  3.  5.  6.  und  9.  genannten  Bezirke  durch  die  zeitigen  Mitglieder  der
dritten  Kurie  der  betreffenden  Landschaft;  im  Fürstenthum  Lüneburg  durch  die
von  den  nicht  ritterschaftlichen  Grundbesitzern  gewählten  Mitglieder  des  Lüneburgischen
  Landtags;  im  Fürstenthum  Ostfriesland  durch  die  zur  jedesmaligen
letzten  Eedrechnungs  Versammnlung  gewählten  Mitglieder  des  Hausmannsstandes,
deren  Stimmen  nach  Vorschrift  des  §.  37.  des  Gesetzes  vom  5.  Mai  1846.
(Hannoversche  Geset=  Samml.  Abtheilung  I.  S.  49.)  zu  berechnen  sind.

Wählbar  sind  diejenigen  Grundbesitzer  des  Beziriet  welche  die  Wählbarkeit
  zu  Abgeordneten  dieses  Standes  für  die  betreffende  Landschaft  besitzen.

So  lange  in  der  Hildesheimschen  Landschaft  eine  dritte  Kurie  nicht  gebildet
ist,  sind  die  Abgeordneten  dieses  Bezirks  durch  die  Vertreter  der  Gemeinden
twit  Ausschluß  der  im  Städtestande  vertretenen  amtssäßigen  Städte)  auf  den

mtsversammlungen  mittelst  einer  Wahlversammlung  zu  wählen,  zu  welcher  die
acht  Hildesheimschen  Aemter  je  zwei  und  die  Amtsvertreter  des  Hildesheimschen
Theils  des  Amts  Einbeck  Einen  Wahlmann  aus  Keer  Mitte  zu  entsenden  haben.
Zu  Abgeordneten  können  nur  Grundbesitzer  des  Bezirks  gewählt  werden,  deren
Grundbesitz,  mit  einem  Wohnhause  versehen,  zu  mindestens  300  Thaler  Reinertrag
  nach  der  Grundsteuerschätzung  (Grundsteuerkapital)  veranlagt,  und  entweder
ererbt,  oder  wenigstens  Ein  Jahr  vor  der  Wahl  erworben  ist.

Die  Abgeordneten  der  im  8.  4.  unter  C.  Nr.  7.  und  8.  bezeichneten
Bezirke  werden  von  den  Vertretern  des  Landgemeindenstandes  auf  den  dortigen
Kreistagen,  und  so  lange  diese  nicht  gebildet  8  von  einer  Wahlversammlun
gewählt,  welche  aus  je  zwei  von  jeder  Amtsversammmlung  des  Bezirks  duk
die  Vertreter  der  Gemeinden,  ausschließlich  der  amtssäßigen  Städte,  aus  ihrer
Mitte  zu  ernennenden  Wahlmännern  besteht.

In  Ansehung  der  Wählbarkeit  gelten  die  vorstehend  für  Hildesheim
gegebenen  Vorschriften,  jedoch  mit  der  Modifikation,  daß  das  Grundsteuerkapital
auf  150  Thaler  bestimmt  wird.

Den  Abgeordneten  des  Landes  Hadeln  haben  die  Mitglieder  des  engeren

(Nr.  6793.)  us-
        <pb n="1531" />
        —  1354  —

Ausschusses  der  Stände  des  Landes  Hadeln,  einschließlich  der  Stadt  Otterndorf,
aus  ihrer  Mitte  zu  ernennen.

.  S.

Die  Wahlen  der  Abgeordneten  geschehen  auf  sechs  Jahre  dergestalt,  daß
alle  drei  Jahre  die  Hälfte  der  Abgeordneten  jedes  Standes  ausscheidet.  Die  für
das  erste  Mal  Ausscheidenden  werden  durch  das  Loos  bestimmt.  Die  Ausscheidenden
  sind  wieder  wählbar.

Hr  jeden  Abgeordneten  wird  gleichzeitig  ein  Stellvertreter  gewählt.

ie  .  3.  sub  1.  a.  bis  e.  genannten  Mitglieder  können  sich  durch  bevollmächtigte
  Agnaten  ihres  Hauses  vertreten  lassen.

K.  9.

Für  das  Verfahren  bei  den  Wahlen  zum  Provinziallandtage,  wie  auch  bei
den  von  den  Provinzialständen  selbst  vorzunehmenden  Wahlen  sind  die  Vorschriften
  des  Reglements  vom  22.  Juni  1842.  über  das  Verfahren  bei  den
ständischen  Wahlen  (Preuß.  Gesetz  Samml.  von  1842.  S.  213.)  maaßgebend.

S.  10.

Der  Landtagsmarschall,  sowie  ein  Stellvertreter  desselben,  wird  aus  den
Mitgliedern  des  Provinziallandtages  auf  die  Dauer  jedes  Landtages  durch  Uns
ernannt.  Derselbe  hat  die  Verhandlungen  zu  leiten  und  die  Ordnung  in  der
Landtagsversammlung  aufrecht  zu  erhalten.

K.  11.

Ju  Unserem  Kommissarius  bei  den  Provinziallandtagen  bestimmen  Wir
den  Oberpräsidenten.  Wir  behalten  Uns  vor,  demselben  in  Behinderungsfällen
einen  Stellvertreter  zu  bestellen.

Der  Oberpräsident  ist  die  Mittelsperson  bei  allen  Verhandlungen  Unserer
  Behörden  mit  den  Ständen.

K.  12.

Sämmtliche  Beschlüsse  des  Provinziallandtages  werden  dem  Oberpräsidenten
  vorgelegt,  welcher  dieselben  zu  prufen  und  deren  Ausführung  zu  vermitteln
  hat.

Beschlüsse,  welche  die  Befugnisse  der  Provinzialstände  überschreiten  oder
das  Staatswohl  verletzen,  hat  der  Oberpräsident  zu  beanstanden  und  Behufs
Entscheidung  über  deren  Ausführung  dem  betreffenden  Ressortminister  einzureichen.
  S  1n

beruf  Der  Provinziallandtag  wird,  so  oft  es  das  Bedürfniß  erfordert,  durch  Uns
erufen.
Die  Ladung  der  Mitglieder,  die  Eröffnung,  sowie  der  Schluß  des  Landtages
  geschieht  durch  Unseren  Kommissarius  (F.  11.).  D
er
        <pb n="1532" />
        —  1355  —

Der  Kommissarius,  sowie  die  zu  seiner  Vertretung  abgeordneten  Staatsbeamten
  haben  Zutritt  zur  Landtagsversammlung  und  müssen  auf  ihr  Verlangen
zu  jeder  Zeit  gehört  werden.

C.  14.

Zur  Beschlußfassung  des  Provinziallandtages  ist  die  Anwesenheit  von  mehr
als  der  Hälfte  der  Mülieder  erforderlich.  Die  Beschlüsse  werden  durch  einfache
Stimmenmehrdet  der  Anwesenden  gefaßt.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  die
Stimme  des  Vorsitzenden.  Zu  einem  Beschlusse,  durch  welchen  Ausgaben  bewilligt
  werden  sollen,  die  nicht  schon  in  der  Verpflichtung  des  Verbandes  beruhen,
ist  eme  Mehrheit  von  mindstens  zwei  Dritteln  der  Anwesenden  erforderlich.  In
einem  solchen  Falle  muß  überdies,  wenn  zwei  Drittel  der  anwesenden  Mitglieder
eines  Standes  es  verlangen,  eine  Abstimmung  nach  Ständen  eintreten.  Die
Bewilligung  gilt  dann  für  abgelehnt,  wenn  zwei  Stände  sich  dagegen  erklären.
Die  Abstimmung  innerhalb  des  einzelnen  Standes  erfolgt  in  diesem  Falle  nach
einfacher  Stimmemmehrheit.  1

15.

Findet  ein  ganzer  Stand  sich  durch  einen  Beschluß  des  Landtages  in  seinem
  Interesse  verletzt,  so  steht  es  ihm  frei,  mittelst  Einreichung  eines  Separatvotums
  Unsere  Entscheidung  anzurufen.  Dieses  Votum  muß  noch  vor  dem
Schlusse  des  Landtages  bei  dem  Oberpräsidenten  eingereicht  werden.  Bis  nach
Wienen  Entscheidung  bleibt  die  Ausführung  des  Landtagsbeschlusses  ausgesetz


S.  16.
Gegenstände,  welche  das  ausschließliche  Interesse  eines  Standes  betreffen,

können  durch  Mitglieder  dieses  Standes  ohne  Zuziehung  der  übrigen  Stände
verhandelt  werden.  u

Die  Genehmigung  der  Staatsregierung  ist  erforderlich  zu  solchen  Beschlüssen
des  Landtages,  durch  welche:
1)  Ausgaben  und  Leistungen  für  den  Verband  ohne  bestehende  Verpflichtung
neu  übernommen  werden;  ·
2)  der  Beitragsfuß  für  Aufbringung  der  Lasten  des  Verbandes  aufgestellt,
oder  der  bestehende  abgeändert  wird;
3)  Veräußerungen  vom  Grund=  oder  Kapitalbestande  des  provinzialständischen
  Vermögens,  soweit  letzterer  nicht  etwa  nur  aus  ersparten  Einkünften
  der  letzten  fünf  Jahre  herrührt,  vorgenommen  werden.

S.  18.
Die  Genehmigung  wird  ertheilt:
1)  durch  Uns  in  den  Fällen  des  §.  17.  Nr.  1.,  wenn  der  Verband  zu  Ausgaben
  verpflichtet  werden  soll,  welche
a)  über  die  nächsten  zwei  Jahre  hinaus  dauern,
(Nr.  6783.)  b)  Zwecke
        <pb n="1533" />
        —  1356  —
b)  Zwecke  betreffen,  bei  denen  nur  ein  Theil  des  Verbandes  inter—
essirt  ist,
)  nur  von  einem  Theile  des  Verbandes  aufzubringen  sind;
2)  in  den  übrigen  Fällen  von  dem  betreffenden  Ressortminister.

KC.  19.

Für  die  unter  Aufsicht  des  Oberpräsidenten  zu  führende  laufende  Verwaltung
  des  ständischen  Vermögens  und  der  ständischen  Anstalten  können  die
Provinzialstände  soweit  die  Geshäft  solches  fordern,  die  geeigneten  Personen
wählen.

g.  20.

Der  Geschäftsgang  auf  dem  Provinziallandtage  wird  im  Näheren  durch
die  Geschäftsordnung  geregelt.  Die  letztere  ist  von  dem  Landtage  unter  Bestätigung
  des  Oberpräfidenten  aufazustellen.

C.  21.

Die  gewählten  Mitglieder  des  Provinziallandtages  erhalten  Diäten  und
Reisekosten.  Der  Betrag  derselben,  sowie  die  Art  und  Weise  der  Aufbringung
ist  durch  Beschluß  des  Provinziallandtages  mit  Genehmigung  des  Oberpräsidenten
zu  bestimmen.

K.  22.

Unser  Minister  des  Innern  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  22.  August  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1534" />
        —  1357  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

——  Nr.  82.  —

 

(Nr.  6784.)  Verordnung,  betreffend  das  Medizinalgewicht  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.
  Vom  12.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

verordnen  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums  hierdurch,  was  folgt:

Das  Gesetz,  betreffend  das  Preußische  Medizinalgewicht,  vom  16.  März
d.  I.  (Gesetz=  Samml.  S.  386.)  wird  hiemit  in  die  durch  die  Gesetze  vom
20.  September  und  24.  Dezember  v.  J.  (Gesetz-Samml.  S.  555.  875.  876.)
mit  der  Monarchie  vereinigten  Landestheile  eingeführt.

Vorstehende  Verordnung  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  bekannt  zu  machen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Ems,  den  12.  August  1867.
(1.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Jahrgang  1887.  (Nr.  6784—6765.)  180  (Nr.  6785.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  29.  August  1867.
        <pb n="1535" />
        —  1358  —

(Nr.  6785.)  Verordnung,  betreffend  die  veraͤnderte  Organisation  des  bisherigen  Ober  ·  Appel  ·
lationsgerichts  zu  Celle.  Vom  17.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  .

verordnen  für  das  Gebiet  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover,  was  folgt:

S.  1.

Das  Ober-Appellationsgericht  zu  Celle,  welches  nach  der  Verordnung,
betreffend  die  Errichtung  eines  obersten  Gerichtshofes  für  die  durch  die  Gesetze
vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  der  Preußischen  Monarchie  einverleibten
  Landestheile  rc.  vom  27.  Juni  1867.  (Gesetz-Samml.  S.  1103.),
vom  1.  September  d.  J.  ab  die  Benennung  „Appellationsgericht“  führt,  soll
fortan  aus  einem  Präsidenten,  zwei  Vizepräsidenten  und  der  erforderlichen  Anzahl
von  Räthen  bestehen.

Richterliche  Beamte,  welche  nicht  etatsmäßige  Räthe  des  Gerichts  sind,
können  bei  demselben  nur  vorübergehend  zur  Aushülfe  oder  zur  Stellvertretung
beschäftigt  werden.  Die  Zuziehung  solcher  Hülfsrichter  kann  nur  von  dem  Justizminister
  verfügt  werden.  Dessellen  müssen  diejenige  Qualifikation  haben,  welche
ur  leidng  eines  ständigen  Richteramtes  bei  dem  Appellationsgerichte  erforderlich
  ist.

K.  2.

Der  bisherige  Strafsenat  wird  aufgehoben.  Im  Uebrigen  sollen,  wie
bisher,  drei  Senate  bei  dem  Appellationsgerichte  fortbestehen.

S.  3.

Der  reglementarischen  Feststellung  durch  den  Justiminister  bleiben  vorbehalten
  die  auf  die  geschäftliche  Einrichtung  des  Gerichts  sich  beziehenden  besonderen
Anordnungen,  namentlich  auch  die  Bestimmungen  über  die  Zuständigkeit  der  einzelnen
  Senate  und  über  das  bei  Besetzung  der  Senate  einzuhaltende  Verfahren,
somie  die  Uebertragung  von  Geschäften  der  Justizaufsicht  und  der  Justizverwaltung.


Die  gur  Zeit  geltenden  Vorschriften  über  die  Verfassung  des  bisherigen
Ober-Appellationsgerichts  bleiben,  soweit  sie  mit  der  vom  1.  September  d.  J.
ab  eintretenden  veränderten  Stellung  dieses  Gerichtshofes  vereinbar  sind,  bis  auf
Weiteres  in  Kraft.  ·

Die  demselben  verbleibenden,  bisher  von  dem  Strafsenate  wahrgenommenen
  Geschäfte,  sowie  die  sonstigen  dem  Gerichte  fortan  obliegenden  strafrechtlichen
  Geschäfte  sind  bis  zum  Erlasse  anderweitiger  Bestimmungen  von  dem
dritten  Senate  zu  erledigen.

8.  4.
Wegen  der  Zuständigkeit  des  Appellationsgerichts  und  wegen  der  Zahl
der
        <pb n="1536" />
        —  1359  —
der  zur  Beschlußfassung  erforderlichen  stimmführenden  Richter  verbleibt  es  bei
den  bestehenden  Vorschriften.
g.  5.

Diese  Verordnung  tritt  am  1.  September  d.  J.  in  Kraft.  Der  Justizminister
  ist  mit  der  Ausführung  beauftragt.

Urkundlich  haben  Wir  diese  Verordnung  Hoöchsteigenhändig  vollzogen  und
mit  Unserem  Koniglichen  Insiegel  versehen  lassen.

Gegeben  Kassel,  den  17.  August  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.

 

(Nr.  6786.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  15.  Juli  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  an  den  Kreis  Berent  im  Regierungsbezirk  Danzig  für
den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Chaussee  von  Schöneck  bis  zur  Pr.
Stargardter  Kreisgrenze  bei  Lienfitz  in  der  Richtung  auf  Pr.  Stargardt.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Chaussee
von  Schöneck  bis  zur  Pr.  Stargardter  Kreisgrenze  bei  Lienfitz  in  der  Richtun
auf  Pr.  Stargardt,  im  Regierungsbezirk  Danzig,  genehmigt  ban  verleihe  J
hierdurch  dem  Kreise  Berent  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee
erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebauund
  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden
  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  dem  geachten
  Kreise  g  en  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der
Straße  das  ent  zur  Erhebung  des  baussecgeldes  nach  den  Bestimmungen
des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  einschlieftch
der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreimgan  sowie  der
sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen
  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.
  Auch  sollen  die  dem  Chaussegeid  Karife  vom  29.  Februar  1840.  anehen
  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachte
Snaz=  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Ems,  den  15.  Juli  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitzt.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6785—6787.)  (Nr.  6787.)
        <pb n="1537" />
        —  1360  —

(Nr.  6787.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  24.  August  1867.,  betreffend  die  Bestellung  eines
Provinzial-Steuerdirektors  für  die  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig.

Ar  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  22.  d.  M.  genehmige  Ich,  daß
vom  15.  September  d.  J.  ab  für  die  Verwaltung  der  Zölle  und  inneren  indirekten
  Abgaben  in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig  ein  Provinzial-Steuerdirektor,
  welcher  bis  z10  Weiteres  zu  Glückstadt  seinen  Sitz  zu  nehmen
hat,  mit  den  Pflichten  und  Befugnissen  der  in  den  alten  Preußischen  Landestheilen
  bereits  in  Wirksamkeit  befindlichen  Provinzial-  Steuerdirektoren  bestellt  und
dem  Finanzministerium  unmittelbar  untergeordnet  werde.

Die  Ausführung  der  Bestimmungen  dieses  Erlasses,  welcher  durch  die
Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen  ist,  wird  dem  Finanzminister
  übertragen.

Schloß  Babelsberg,  den  24.  August  1867.
Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg,

An  das  Staatsministerium.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
«  medic-o
        <pb n="1538" />
        —  1361  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  83.  —

 

(Nr.  6788.)  Vertrag  zwischen  Preußen  und  Sachsen  wegen  Ausfuͤhrung  einer  Eisenbahn
von  Leipzig  nach  Zeit.  Vom  30.  Juli  1867.

N  im  §K.  13.  des  zwischen  Seiner  Majestät  dem  Könige  von  Preußen
und  Seiner  Majestät  dem  Könige  von  Sachsen  am  21.  Oktober  1866.  abeschlossenen
  Friedensvertrages  die  Zulassung  einer  von  Leipzig  nach  Zeitz  zu
fübrenden  Eisenbahn  sicher  gestellt  und  die  Regelung  der  Einzelbestimmungen  zur
Ausführung  dieses  Unternehmens  einem  besonders  abzuschließenden  Staatsvertrage
vorbehalten  worden  ist,  so  sind  zum  Zwecke  dieses  Vertragsabschlusses  zu  Bevollmächtigten
  ernannt:

Seitens  Seiner  Majestät  des  Königs  von  Preußen:
Allerhöchstihr  Geheimer  Ober-Regierungsrath  Ludwig  August  Wilhelm
  Heise,
Allerhöchstihr  Wirklicher  Legationsratt  Paul  Ludwig  Wilhelm
Jordan;

Seitens  Seiner  Majestät  des  Königs  von  Sachsen:
Allerhöchstihr  außerordentlicher  Gesandter  und  bevollmächtigter  Minister
  am  Königlich  Preußischen  Hofe,  Geheimer  Legationsrath
Hans  v.  Könneritz,

welche,  nach  Auswechselung  ihrer  in  guter  und  gehöriger  Form  befundenen  Vollmachten,
  unter  Vorbehalt  der  Ratifikation,  über  folgende  Punkte  übereingekom
men  sind.

Artikel  1.

Die  Königlich  Preußische  und  die  Königlich  Sächsische  Regierung  verpflichten
  sich  gegenseitig,  die  Herstellung  einer  Eisenbahn  zu  gestatten  und  zu
fördern,  welche  unmittelbar  von  Leipzig  ausgehen,  dort  im  direkten  Schienenanschluß
  mit  der  Thüringischen  resp.  Berlin-Anhaltischen  Bahn,  resp.  deren

Jehrgong  1867.  (Nr.  6788.)  181  Bahn-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  31.  August  1867.
        <pb n="1539" />
        —  1362  —

Bahnhöfen  stehen,  geeigneten  Falles  unter  streckenweiser  Mitbenutzung  einer  der
beiden  genannten  Bahnen,  in  thunlichst  direkter  Richtung  über  Pegau  nach  Zeitz
geführt  werden  und  bei  letzterer  Stadt  in  die  Weißenhels,  Geralr  Bahn  einmünden
  wird.

Artikel  2.

Die  Königlich  Sächsische  Regierung  wird  derjenigen  Gesellschaft,  welche
für  den  im  Preußischen  Gebiete  belegenen  Theil  dieser  Bahn  die  Konzession  erhalten
  wird,  diese  letztere  auch  für  die  auf  Sächsischem  Gebiete  gelegene  Strecke
unter  gleich  günstigen  Bedingungen  ertheilen,  wie  solche  in  neuerer  Zeit  den  in
Sachsen  konzessionirten  Privat-Eisenbahngesellschaften  überhaupt  gestellt  woren

  sind.

Artikel  3.

Die  Gesellschaft  hat  ihr  Domizil  und  den  Sitz  ihrer  Verwaltung  in
Preußen  zu  nehmen,  beziehungsweise  zu  behalten,  und  in  Bezug  auf  alle  Maaßnahmen
  und  Festsetzungen,  welche  die  Verhältnisse  der  Gesellschaft  als  solche  und
die  Beaufsichtigung  und  Verwaltung  des  Unternehmens  im  Allgemeinen  betreffen,
lediglich  von  Her  Königlich  Preußischen  Regierung  zu  ressortiren.

Artikel  4.

Die  Genehmigung  und  Feststellung  des  Bauprojekts  innerhalb  jedes  Staatsgebietes
  bleibt  der  berreffenden  egierung  überlassen.  Jedoch  sind  die  technischen
Vorarbeiten  zur  Feststellung  der  Bahnlinie  und  zur  Ausführung  der  Bahn,  der
Bahnhofsanlagen  und  der  Betriebseinrichtungen  zunächst  der  Königlich  Preußischen
Regierung  vorzulegen,  welche  dieselben  nach  erfolgter  Prüfung  der  Königli
Sächsischen  Regierung,  Behufs  der  von  ihr  zu  ertheilenden  Zustimmung  bezügli
der  in  ihr  Gebiet  fallenden  Strecke,  mittheilen  und  die  erfolgte  beidersetge  Genehmigung
  der  Gesellschaft  eröffnen  wird.  -

Die  Punkte,  wo  die  Bahn  die  beiderseitigen  Landesgrenzen  überschreitet,
sollen  nöthigenfalls  durch  deshalb  abzuordnende  beiderseitige  ecchnische  Kommissarien
näher  bestimmt  werden.

Artikel  5.

Die  Königlich  Sächsische  Regierung  wird  bei  Ertheilung  der  Konzession
das  Expropriationsgesetz  vom  3.  Juli  1835.  und  die  späteren  gesetzlichen  Bestimmungen,
  durch  welche  dasselbe  abgeändert  worden  ist,  sammt  den  betreffenden
Ausführungsverordnungen  für  die  Sächsische  Strecke  der  Bahn  mittelst  besonderer
Verordnung  in  Wirksamkeit  setzen.  Die  Gesellschaft  hat  darnach  in  Beziehung
auf  die  zwangsweise  Erwerbung  des  Grundes  und  Bodens,  ewie  die  sonst  mit
der  Bauführung  zusammenhängenden  Verhältnisse,  die  nämlichen  Befugnisse  und
Obliegenheiten,  wie  andere  Eisenbahngesellschaften  im  Königreiche  Sachsen.

Artikel  6.
Der  Königlich  Preußischen  Regierung  bleibt  freigestellt,  dem  Behnkorer
ie
        <pb n="1540" />
        —  1363  —

die  für  zwei  Geleise  erforderlichen  Abmessungen  geben  und  zur  Ausführung  des
zweiten  Geleises  nach  eigenem  Ermessen  schreiten  e  lassen.  führung

Artikel  7.

Die  Spurweite  der  zu  erbauenden  Eisenbahn  soll  in  Uebereinstimmun
mit  den  anschließenden  Bahnen  überall  gleichmäßig  vier  Fuß  acht  und  einen  halben
  Zoll  Englischen  Maaßes  im  Lichten  der  Schienen  betragen.

Artikel  8.

Die  von  der  Königlich  Preußischen  Regierung  geprüften  Betriebsmittel
werden  ohne  weitere  Revision  auch  in  dem  Gebiete  der  Königlich  Sächsischen
Regierung  zugelassen  werden.

Artikel  9.

Der  Königlich  Sächsischen  Regierung  verbleibt  die  Landeshoheit  hinsichtlich
der  in  Ihrem  Gebiete  belegenen  Bahnstrecke.  Die  auf  letzterer  zu  errichtenden
Hoheitszeichen  sollen  daher  die  Königlich  Sächsischen  sein.

Urkertretungen  0  Vergehen  und  Verbrechen  in  Bezug  auf  die  Bahnanlage
oder  deren  Betrieb  sollen,  aem  sie  im  Königlich  Sächsischen  Gebiete  ausgeübt
sind,  von  den  betreffenden  Königlich  Sächsischen  Behörden  untersucht  und  nach
den  dortigen  Gesetzen  beurtheilt  werden.  «

Die  Gesellschaft  hat  wegen  aller  Entschädigungsansprüche,  die  aus  Anlaß
der  Eisenbahnanlage  auf  Königlich  Sächsischem  Gebiete  oder  des  Betriebes  derselben
  gegen  sie  eßeobe  werden  möchten,  sich  der  Königlich  Sächsischen  Gerichtsbarkeit
  und  den  Königlich  Sächsischen  Gesetzen  zu  unterwerfen.

Artikel  10.

Der  Königlich  Sächsischen  Regierung  bleibt  vorbehalten,  zur  Regelung  des
Verkehrs  zwischen  Ihr  und  der  Gesellschaft,  sowie  zur  Handhabung  der  Ihr  über
die  betreffende  Bahnstrecke  nach  diesem  Vertrage  zustehenden  Aufsichts=  und

oheitsrechte  einen  ständigen  Kommissarius  zu  bestellen.  Derselbe  hat  die  Bezlehungen
  seiner  Regierung  zu  der  Eisenbahnverwaltung  in  allen  Fällen  zu  vertreten,
  die  nicht  zum  direkten  gerichtlichen  oder  pollzellchen  Einschreiten  der  kompetenten
  Behörden  geeignet  sind.  Die  Eisenbahnverwaltung  hat  sich  bei  Angelegenheiten
  territorialer  Natur,  welche  hiernach  von  jenem  Kommissar  ressortiren,
an  diesen  zu  wenden.
Artikel  11.

Die  Förmlichkeiten  wegen  der  Paßrevision  und  überhaupt  der  Fremdenpolizei
  sollen  in  der  in  jedem  der  kontrahirenden  Staaten  zulässigen  günstigsten
Weise  regulirt  werden.

Artikel  12.

Die  Bahnpolizei  soll  für  das  gesammte  Ba

hnunternehmen  in  Gemähßheit
(Nr.  6788.)  181“  —*
        <pb n="1541" />
        —  1364  —

des  für  jedes  Staatsgebiet  besonders  zu  publizirenden  Bahnpolizei-Reglements
nach  übereinstimmenden  Grundsätzen  gehandhabt  werden.  Die  HKöniglich  Sachsische
Regierung  wird  zu  diesem  Zwecke  das  von  der  Königlich  Preußischen  Regierung
festzustellende  Bahnpolizei.Reglement,  soweit  nicht  lokale  Verhältnisse  einzelne  Abweichungen
  unvermeidlich  machen  möchten,  auch  für  die  Bahnstrecke  in  Ihrem
Gebiete  in  Kraft  setzen.

Artikel  13.

Die  Anstellung  nicht  nur  der  Bahnpolizeibeamten,  sondern  auch  aller
übrigen  Betriebsbeamten  steht  der  Eisenbahngesellschafe,  zu.  Die  in  den  verschiedenen
  Staatsgebieten  stationirten  Aufsichts=  und  Betriebsbeamten  sind  auf
Präsentation  der  Lahnderwaltung  bei  den  kompetenten  Behörden  des  betreffenden
Staats  in  Pflicht  zu  nehmen.  Unterthanen  der  einen  Regierung)  welche  beim
Betriebe  in  dem  Gebiete  der  anderen  Regierung  angestellt  werden,  scheiden  dadurch
  nicht  aus  dem  Unterthanenverbande  ihres  Heimathslandes.  Die  Bahnverwaltung
  hat  bei  Anstellung  der  den  unteren  Kategorien  des  Bahnpersonals
angehörigen  Beamten,  welche  innerhalb  des  betreffenden  Staatsgebietes  ihren
festen  Wohnsitz  haben  sollen,  Angehörige  des  bezüglichen  Gebietes,  bei  shöriger
Befähigung,  auf  ihre  Bewerbung  vorzugsweise  zu  berücksichtigen.  Die  Venie  2
beamten  sind,  ohne  Unterschied  des  Ortes  der  Anstellung,  rücksichtlich  der  Disziplin
der  kompetenten  Aufsichtsbehörde,  im  Uebrigen  aber  den  Gesetzen  und  Behörden
des  Staats,  in  welchem  sie  ihren  Wohnsitz  haben,  unterworfen.

Artikel  14.

Die  Bestimmung  der  Fahrten,  Fahrzeiten  und  Transporkpreis  steht  auschließlich
  der  Königlich  Preußischen  Regierung  7  Es  soll  uée  och  sowohl  im
ersonen-  als  im  Güterverkehr  zwischen  den  beiderseitigen  Unterthanen  weder
hinsichtlich  der  Beförderungspreise  noch  der  Zeit  der  Abfertigung  ein  Unterschied
emacht  werden.  Die  für  das  Unternehmen  festzustellenden  Fahrpläne  und  Tarife,
seie  beabsichtigte  spätere  Abänderungen  derselben  werden,  wenn  isgend  thunlich,
vor  deren  Einführung  Königlich  Preußischer  Seits  dem  nach  Artikel  10.  Seitens
der  Königlich  Sächsischen  Regierung  zu  bestellenden  Kommissarius  mitgetheilt,
und  die  von  demselben  in  Beziehung  darauf  etwa  kund  gegebenen,  mit  den
Gesammtinteressen  des  Unternehmens  zu  vereinigenden  Wünsche  werden  thunlichst
berücksichtigt  werden.

Artikel  15.

Bezüglich  der  Besteuerung  des  in  Rede  stehenden  Eisenbahn-Unternehmens
und  seines  Betriebes  ist  zwischen  den  kontrahirenden  Regierungen  Folgendes
vereinbart  worden:

1)  Die  Königlich  Preußische  Regierung  wird  von  diesem  Eisenbahn--Unternehmen
  und  dessen  Betriebe  keine  andere  Mgabe  als  die  nach  den

Gesetzen  vom  30.  Mai  1853.  und  21.  Mai  1859,  eingeführte  Eisenbahn-Abgabe
  erheben  lassen.

2)  Die  Königlich  Preußische  Regierung  wird  die  Preußische  Sisenbahnahgake
r
        <pb n="1542" />
        —  1365  —

für  die  ganze  Bahnstrecke  von  Leipzig  bis  Zeitz  berechnen,  feststellen  und
erheben,  und  von  dieser  Abgabe  an  die  Königlich  Sächsische  Regierung,
als  Aequivalent  für  die  im  Königreich  Sachsen  bestehende  Grund=  und
Gewerbesteuer,  unter  Mittheilung  des  Repartitionsplanes  denjenigen  Theil
abführen,  welcher  sich  nach  dem  Verhältnisse  berechnet,  in  welchem  die
Länge  der  auf  Königlich  Sächsischem  Staatsgebiete  liegenden  Eisenbahnstrecke
  8  der  Gesammtlänge  dieses  ganzen  Eisenbahn-Unternehmens  steht.
ine  weitere  Beiziehung  des  Unternehmens  im  Königreich  Sachsen
zu  den  daselbst  bestehenden  direkten  Staatssteuern  findet  nicht  statt,  und
ebenso  wenig  wird  dasselbe  dort  einer  Konzessionsabgabe  unterworfen.

In  diesen  Verhältnissen  soll  in  dem  im  Artikel  16.  vorgesehenen
Falle,  daß  das  Eigenthum  an  der  im  Königlich  Sachsischen  Gebiete  belegenen
  Bahnstrecke  oder  der  Betrieb  darauf  an  die  Königlich  Preußische
Regierung  übergehen  sollte,  keine  Aenderung  eintreten.

3

4

Artikel  16.

Für  den  Fall,  daß  die  Königlich  Preußische  Regierung  die  in  ihrem  Gebiete
  belegene  Strecke  der  beipzig-Zeier  Eisenbahn  ankaufen  würde,  gewährt  die
Höniglich  Sächsische  Regierung  der  Königlich  Preußischen  Regierung  das  Recht
des  Ankaufs  auch  der  Sächsischen  Strecke  nach  Maaßgabe  des  Königlich  Preu-Khischen
  Gesetzes  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen  vom  3.  November  1838.,
behält  sich  jedoch  die  Befugniß  vor,  das  Eigenthum  der  in  Ihr  Gebiet  fallenden
Bahnstrecke  zu  jeder  Zeit,  nachdem  dieselbe  von  der  Königlich  Preußischen  Regierung
  angekauft  ist,  nach  einer  mindestens  Ein  Jahr  vorher  gemachten  Ankündigung
  unter  denselben  Bedingungen  an  sich  zu  ziehen,  unter  welchen  die  Königlich
Preußische  Regierung  dasselbe  erworben  hat,  selbstverständlich  unter  Vergütun
der  von  letzterer  Regierung  inzwischen  ausgeführten  Meliorationen,  wie  auch  nach
Abzug  des  zu  ermittelnden  Betrages  etwaiger  Deteriorationen.  Aber  auch  in
diesem  Falle  soll  die  Verwaltung  und  die  Leitung  des  Betriebes  auf  der  gesammten
  Bahn  der  Königlich  Preußischen  Regierung  gegen  Ablieferung  der  auf
die  Sächsische  Strecke  entfallenden  Betriebsüberschüsse,  nach  den  überall  in  Kraft
bleibenden  Bestimmungen  dieses  Vertrages,  verbleiben.

Artikel  17.

Der  Postbetrieb  auf  der  Bahnstrecke  zwischen  Leipzig  und  Zeitz  wird  bis
und  von  Leipzig  durch  die  Königli  Preuzische  ostverwaltung  besorgt,  wobei
die  allgemeinen  Bestimmungen  der  gegenwärtig  zwischen  Preußen  und  Sachsen
bestehenden,  resp.  später  in  deren  Stelle  tretenden  Postverträge  maaßgebend  sein
werden.  Die  Königlich  Sächsische  Postverwaltung  leistet  zu  Gunsten  der  Königlich
  Preußischen  Postverwaltung  für  die  oben  erwähnte  Bahnstrecke  auf  die  Ausübung
  derjenigen  Vorrechte  und  Befugnisse  Verzicht,  welche  derselben  den  konessionirten
  Eisenbahngesellschaften  gegenüber  gesetzlich  zustehen,  derzestal  .  es
za  Königlich  Preußischen  Regierung  überlassen  bleibt,  das  Verhältniß  der  Post
zur  Eisenbahngesellschaft  hinsichtlich  jener  Bahnstrecke  nach  eigenem  Ermessen  zꝛ
(Nr.  6788.)  ord-
        <pb n="1543" />
        —  1366  —

ordnen,  auch  die  Eisenbahngesellschaft  von  der  Königlich  Sächsischen  Regierung
zu  keiner  weiteren  Vergütung  oder  Versteuerung  im  postalischen  Interesse  in
Anspruch  zu  nehmen  ist.

Artikel  18.

Der  Königlich  Preußischen  Regierung  bleibt  die  Benutzung  der  Eisenbahn
zwischen  Zeitz  und  Leipzig  zur  Anlegung  und  zum  Betriebe  einer  Telegraphenlinie
  vorbehalten.

Artikel  19.

Rücksichtlich  der  Benutzung  der  im  Artikel  1.  bezeichneten  Eisenbahn  zu
Zwecken  der  Militairverwaltung  ist  man  über  folgende  Punkte  übereingekommen:

1)  Für  alle  Transporte  von  Militairpersonen  oder  Militaireffekten,  welche
für  Rechnung  der  Königlich  Preußischen  oder  der  Königlich  Sächsischen
Militairverwaltung  auf  der  Eisenbahn  von  Leipzig  nach  Zeitz  (Artikel  1.)
bewirkt  werden,  wird  den  beiderseitigen  Militairverwaltungen  völlige
Gleichstellung  zugesichert,  dergestalt,  daß  die  Zahlung  dafür  an  die
Eisenbahnverwaltung  nach  ganz  gleichen  Grundsätzen  ersolgen  soll.

2)  Wenn  in  Folge  außerordentlicher  Umstände  auf  Anordnung  der  Königlich
  Preußischen  oder  der  Königlich  Sächsischen  Regierung  größere  Truppenbewegungen
  auf  der  mehrgedachten  Eisenbahn  stattfinden  sollen,  so
liegt  der  Eisenbahnverwaltung  die  Pflicht  ob,  für  diese  und  für  Sendungen
  von  Waffen,  Kriegs=  und  Verpflegungsbedürfnissen,  sowie  von
Militaireffekten  jeglicher  Art,  insoweit  solche  Sendungen  zur  Beförderung
auf  Eisenbahnen  überhaupt  geeignet  sind,  nöthigenfalls  auch  außerordentliche
  Fahrten  einzurichten  und  für  dergleichen  Transporte  alle  Transportmittel,
  die  der  ungestört  fortzusebende  regelmäßige  Dienst  nicht  in
Anspruch  nimmt,  zu  verwenden  und,  so  weit  hung  hierzu  in  Stand
zu  setzen,  nicht  minder  die  mit  Militairpersonen  besetzten  und  die  mit
Militaireffekten  beladenen,  von  einer  anstoßenden  Bahn  kommenden
Transportfahrzeuge,  vorausgesetzt,  daß  diese  dazu  geeignet  sind,  auf
die  eigene  Bain  zu  übernehmen,  auch  mit  den  disponiblen  Lokomotiven
weiter  zu  führen.

Die  Leitung  aller  solcher  Transporte  bleibt  jedoch  lediglich  dem  Dienstpersonal
  der  betreffenden  Eisenbahnverwaltung  überlassen,  ves  Anordnungen
während  der  Fahrt  unbedingt  Folge  zu  leisten  ist.  Hinsichtlich  des  an  die  Eisenbahnnerwaltung
  zu  entrichtenden  Fahrgeldes  tritt,  wie  unter  1.)  eine  völlige
Gleichstellung  der  gegenseitigen  Militairverwaltungen  ein.

Als  Fahrpreis  für  den  Transport  von  Truppen,  Militaireffekten  und  sonstigen
  Armebedürfissen  sollen  keine  höheren,  als  die  jeweilig  auf  den  Preußischen
Staatsbahnen  geltenden  Sätze  zur  Erhebung  gelangen.

Artikel  20.
Gegenwärtiger  Vertrag  soll  zur  landesherrlichen  Ratifikation  vorgelegt  und
ie
        <pb n="1544" />
        —  1367  —
die  Auswechselung  der  darüber  ausgefertigten  Urkunden  sebald  als  möglich,  spätestens
  aber  binnen  sechs  Wochen  in  Berlin  bewirkt  werden.

Dessen  zu  Urkund  ist  dieser  Vertrag  von  den  beiderseitigen  Bevollmächtigten
unterzeichnet  und  besiegelt  worden.

So  geschehen  zu  Berlin,  den  30.  Juli  1867.

(I.  8.)  Ludwig  August  Wilhelm  Heise.
(L.  S.)  Paul  Ludwig  Wilhelm  Jordan.
(L.  S.)  Hans  von  Könneritz.

Vorstehender  Vertrag  ist  ratifizirt  worden  und  die  Auswechselung  der  Ratifikations-Urkunden
  hat  stattgefunden.

—QvCvVvVvvvV  ——  —

(Xr.  6789.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  19.  August  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der
Städte  ·  Ordnung  für  die  Rheinprovinz  vom  15.  Mai  1856.  an  die  Gemeinde
  Juͤlich  im  Regierungsbezirk  Aachen.

A#  den  Bericht  vom  14.  August  d.  J.  will  Ich  der  auf  dem  Provinzial-Landtage
  im  Stande  der  Städte  vertretenen  Gemeinde  Jülich  im  Regierungsbezirk
  Aachen,  ihrem  Antrage  gemäß)  nach  erfolgter  Ausscheidung  aus  dem
Bürgermeistereiverbande,  in  welchem  sich  dieselbe  mit  den  Landgemeinden  Welldorf,
  Güsten,  Pattern  und  Mersch  befindet,  die  Städte-Ordnung  für  die  Rheinprovinz
  vom  15.  Mai  1856.  hiermit  verleihen.

Dieser  Mein  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  bekannt  zu  machen.
Berlin,  den  19.  August  1867.

Wilhelm.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  den  Minister  des  Innern.

 

(Nr.  6788—  6790.)  (Nr.  6790.)
        <pb n="1545" />
        —  1368  —

(Nr.  6790.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  29.  August  1867.,  betreffend  die  Wahlen  zum  ersten
Hannoverschen  Provinziallandtage.

A##  Ihren  Bericht  vom  28.  d.  M.  genehmige  Ich,  daß  die  im  §.  11.  des
Reglements  über  das  Verfahren  bei  den  ständischen  Wahlen  vom  22.  Juni  1842.
(Gesetz  Samml.  S.  213.)  enthaltene,  durch  §.  9.  Meiner  Verordnung  vom  22.  d.  M.
auf  die  Wahlen  zum  Hannoverschen  Provinziallandtage  ausgedehnte  Bestimmung,
der  zufolge  die  Wahlberechtigten  mindestens  vierzehn  Tage  vor  dem  Wahltermine
zu  demselben  ein  berufen  sind,  für  die  bevorstehenden  Wahlen  zum  ersten  Hannoverschen
  Provinziallandtage  außer  Anwendung  bleibe.
Dieser  Mein  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  bekannt  zu  machen.

Schloß  Babelsberg,  den  29.  August  1867.
Wilhelm.
Gr.  zu  Eulenburg.
An  den  Minister  des  Innern.

 

Berichtigung.

In  der  Verordnumg  betreffend  die  Einführung  der  Verordnung  wegen
einer  Abgobe  von  Salz  in  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Deember
  1866.  der  Preußischen  Monarchie  einverleibten  Landestheilen  vom  9.  August
867.  (Gesetz  Samml.  S.  1327.),  ist  im  S.  2.  8.  I.  v.  u.

statt:  „des  Herzogthums  Schleswig“
zu  lesen:  des  Herzogthums  Holstein.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats--  Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(  2

R.  v.  Decke
        <pb n="1546" />
        —  1369  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  S8t.

 

(Nr.  6791.)  Verordnung,  betreffend  den  Ansatz  und  die  Erhebung  der  Gerichtskosten  und
der  Gebühren  der  Notare  und  Rechtsanwalte  in  den  Herzogthümern
Holstein  und  Schleswig.  Vom  30.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.

verordnen  für  das  Gebiet  der  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig,  auf  den
Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.

Das  Gesetz  vom  10.  Mai  1851.,  betreffend  den  Ansatz  und  die  Erhebung
der  Gerichtskosten  (Gesetz=  Samml.  S.  622.),  nebst  dem  dazu  gehörigen  Tarife,
  und

das  Gesetz  vom  9.  Mai  1851.,  betreffend  die  den  Justizbeamten  für  die
Besorgung  gerichtlicher  Geschäfte  außerhalb  der  ordentlichen  Gerichtsstelle  zu  bewilligenden
  Diäten,  Reisekosten  und  Kommissionsgebühren  (Gesetz=  Samml.
S.  619.),  sowie

die  diese  Gesetze  und  den  Tarif  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden
Bestimmungen,
treten  vom  1.  September  d.  J.  ab  in  den  Herzogthümern  Holstein  und
Schleswig  in  Wirksamkeit,  jedoch  mit  den  nachstehenden  Abänderungen,  beziehungsweise
  Einschränkungen.
.

Statt  §.  16.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851:

Wo  der  Tarif  nicht  ausdrücklich  die  Erhebung  von  Stempelbeträgen  anordnet,
  findet  eine  solche  nicht  statt.

Wo  in  den  Gerichtskostengeseten  auf  das  Stempelgesetz  verwiesen  worden
ist,  sind  die  entsprechenden  Bestimmungen  der  Verordnung  über  die  Erhebung
der  Stempelsteuer  vom  7.  August  1867.  maaßgebend.

Johrgang  1867.  (Nr.  6791.)  182  Die
Ausgegeben  zu  Berlin  den  5.  September  1867.
        <pb n="1547" />
        1370  —

Die  Stempelbeträge,  deren  Erhebung  der  Tarif  (F.  24.  Nr.  1.)  beibehält,
werden  wie  Gerichtskosten  verrechnet  und  auch  in  allen  übrigen  Beziehungen,
insbesondere  bei  Anwendung  der  Vorschriften  &amp;amp;6.  4.  bis  6.  des  Eest  es  vom
10.  Mai  1851.,  als  Gerichtskosten  behandelt.  in  Verbrauch  von  Stempelmaterial
  in  den  bei  den  Gerichtsbehörden  zu  bearbeitenden  Angelegenheiten  findet
-nicht  statt.

e

Statt  H.  18.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  18511:

Eine  gusschließliche  oder  auch  nur  theilweise  Anweisung  der  richterlichen
Beamten  und  der  Boten  und  Exekutoren  auf  selbstverdiente  Gebühren  statt  der
Besoldung  findet  nicht  statt.

Dagegen  sind  die  Minister  der  Finanzen  und  der  Justiz  ermächtigt,  zu
bestimmen,  daß  den  Büreaubeamten  bei  den  Kreis=  und  Amtsgerichten  die  Kalbulaturg
  bühren,  sowie  gegen  die  Verpflichtung  zur  Remunerirung  der  erforderlichen
  Gehülfen  und  Schrbeer  und  zur  Bestreitung  der  Büreaukosten  ein  Theil
von  den  Gerichtskosten  als  ein  neben  der  fixirten  #.soldung  zu  beziehendes,  bei
der  Pensionirung  jedoch  nicht  anrechnungsfähiges  Einkommen  angewiesen  werden.

F.  4.
Der  §.  19.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851.  findet  keine  Anwendung.

.  5.
Statt  §.  21.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851:

Wenn  in  einer  am  1.  September  d.  J.  noch  nich  beendigten  Rechtsangelegenheit
  Kosten  oder  Stempel  bereits  theilweise  in  Ansatz  gekommen  sind,
so  kommt  deren  Betrag  auf  die  nach  dem  Tarif  zu  liquidirenden  Kosten  in  Abzug,
  in  den  am  1.  September  d.  J.  noch  nicht  beendigten  Civilprozessen  kommt
der  Tarif  nur  insofern  zur  Anwendung,  als  das  Verfahren  in  der  Instanz,  für
welche  die  Kosten  in  Ansatz  zu  bringen  sind,  in  die  nach  der  Verordnung  über
das  Verfahren  in  Ewilprozeseen  vom  24.  Juni  d.  J.  (Gesetz-Samml.  S.  885.)
vorgeschriebenen  Formen  umguleiten  gewesen  ist.

F.  6.
Die  Vorbemerkung  Nr.  III.  des  Tarifs  bleibt  außer  Anwendung.

S.  7.
Statt  §.  10.  des  Tarifs:

Der  Satz  Artikel  7.  A.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854.  wird  erhoben  für
die  Verhandlung  über  die  cessio  bonorum,  für  das  auf  Erkennung  des  Konkurses
  gerichtee  Verfahren,  ingleichen  für  die  Verhandlungen,  welche  durch  das
nach  erkannter  Subhastation  erlassene  Proklama  veranlaßt  werden,  wenn  in  Folge

der-
        <pb n="1548" />
        —  1371  —

derselben  der  Konkurs  erkannt  wird.  Derselbe  wird  nach  dem  Gesammtbetrage
der  Forderungen  der  dabei  betheiligten  Gläubiger  berechnet.

Wenn  gegen  das  Erkenr#ni  ein  Rechtsmittel  eingelegt  wird,  so  kommen
für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  darüber  die  nämlichen  Sätze  wie  im  gewöhnlichen
  Prozesse  zur  Anwendung.

S.
Statt  Artikel  12.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854.  und  F.  11.  des  Tarifs:
A.  Für  die  Subhastation  von  Immobilien  wird  erhoben:

1)  für  das  ganzge  Verfahren,  insbesondere  für  Erlaß  des  Proklama
und  die  dadurch  veranlaßten  Verhandlungen  —  wenn  in  Folge
derselben  nicht  auf  Konkurs  erkannt  wird  —  einschließlich  der  aus
dem  Schuld=  und  Pfandprotokolle  zu  ertheilenden  Extrakte  bis  zur
Abfassung  der  Adjudikationsakte,  diese  ausgeschlossen:

a)  von  dem  Betrage  bis  100  Rthlr.  einschließlich  von  jedem
Thaler:  14  Sgr.;

b)  von  dem  Mehrbetrage  bis  500  Rthlr.  einschließlich  von  je
10  Rthlr.:  74  Sgr.;

c)  von  dem  Mehrbetrage  bis  2000  Rthlr.  von  je  50  Rthlr.:

15  Sgr.;

d)  von  dem  Mehrbetrage  bis  20,000  Rthlr.  von  je  100  Rcthlr.:
10  Sgr.);

e)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  100  Rthlr.:  5  Sgr.)

2)  für  eine  fortgesetzte  Subhastation  nach  schon  abgehaltenem  Lizitationstermine
  !  des  ganzen  Satzes  zu  1.;
3)  für  die  Adjudikations-Akte  und  alle  auf  Grund  derselben  zu  erlassende
Verfügungen,  ausschließlich  der  die  Erhebung  und  Vertheilung  der
Kaufgelder  betreffenden:
a)  von  dem  Betrage  bis  200  Rthlr.  von  je  10  Rthlr.:  7  Sgr.;
b)  von  dem  Mehrbetrage  bis  1000  Rthlr.  von  je  10  Rthlr.:
4  Sgr.;
e)  von  dem  Mehrbetrage  bis  10,000  Rthlr.  von  je  200  Rthlr.:
4  r.  /
d)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  100  Rthlr.:  1  Rthlr.;
4)  für  die  Erhebung  und  Vertheilung  der  Kaufgelder  einschließlich  der
iemurch  veranlaßten  Ausfertigungen,  jedoch  ausschließlich  der  Protoollirung
  etwaiger  Kaufgelder--Rückstände:
a)  von  dem  Betrage  bis  200  Rthlr.  von  je  10  Rthlr.:  8  Sgr.“
b)  von  dem  Mehrbetrage  bis  1000  Rthlr.  von  je  10  Rthlr.:
23  Sgr.);
(r.  679I.)  182  e)  von
        <pb n="1549" />
        —  1372  —

c)  von  dem  Mehrbetrage  bis  2000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:
15  Sgr.;
4)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  200  Rthlr.:  74  Sgr.

Wenn  in  einem  und  demselben  Verfahren  mehrere  Grundstücke
Subhastation  gestellt  werden,  so  sind  die  Sätze  zu  3.  nach  dem
eistgebote  von  jedem  Grundstücke,  welches  nicht  als  Pertinenz  eines
anderen  oder  mit  andern  in  einer  Summe  verkauft  wird,  besonders  zu
berechnen,  die  Sätze  zu  1.,  2.  und  4.  dagegen  nach  dem  Gesammtbetrage
  der  Meistgebote.  Erreicht  das  Meistgebot  nicht  ?  des  Taxwerths,
so  ist  bei  Berechnung  der  Sätze  zu  1.)  2.  und  3.  dieser  Betrag  —
des  Taxwerths  —  zu  Grunde  zu  legen.  Soweit  in  dem  letzteren
alle  das  Kaufgeld  zur  Berichtigung  der  aus  der  Masse  vorweg  zu
entnehmenden,  durch  Kostenvorschuß  nicht  gedeckten  Kosten  unzureichend
ist,  bleibt  der  Käufer  für  den  überschießenden  Betrag  derselben  verhaftet.

B.  Für  die  Zurückweisung  eines  Antrages  auf  Subhastation  von  Immobilien
oder  für  die  Zurücknahme  desselben  wird  der  Satz  Artikel  5.  A.  des  Gesetzes
  vom  9.  Mai  1854.  nach  dem  Betrage  der  Forderung  des  Extrahenten,
  im  Falle  jedoch  die  Zurücknahme  des  Antrages  nach  dem  Abgang
des  Proklama  erfolgt,  die  Hälfte  des  Satzes  zu  1.  nach  dem  Betrage
der  Forderungen  erhoben,  wegen  welcher  die  Subhastation  erkannt  wurde.

C.  Wenn  schon  vor  Einleitung  der  Subhastation  oder  doch  vor  Beendigung
derselben  auf  Konkurs  erkannt  worden  ist,  und  demgemäß  die  Kaufgelder
zur  Konkursmasse  eingezogen  werden,  so  bleibt  die  Anwendung  des  GCages
8  4.  ausgesh  ossen,  egen  die  Sätze  zu  2.  und  3.  in  den  vollen

eträgen,  der  Satz  zu  1.  aber  nur  zur  Hälfte,  erhoben  werden.

G.  9.
Statt  des  Gesetzes  vom  15.  März  1858.  und  des  F.  12.  des  Tarifs:
A.  In  Konkursprozessen  wird  erhoben:

1)  Für  das  Verfahren  zur  Feststellung  der  einzelnen  st  sind  von
dem  Profitenden  keine  Kosten  zu  aeneben,  wenn  das  Professum,  ohne
daß  es  zu  einem  speziellen  Justifkatlongverfahren  gekommen  ist,  anerkannt,
  zurückgenommen  oder  präkludirt  wurde.  Für  das  spezielle
Justifikationsverfahren  werden  von  dem  Justifikanten  die  Sätze
Artikel  7.  A.  beziehungsweise  Artikel  8.  des  Gesetzes  vom
9.  Mai  1854.  je  zur  Hälfte  erhoben,  im  Falle  einer  damit  verbundenen
  Beweisesaufnahme  außerdem  noch  der  Satz  Artikel  9.
a.  a.  O.  Wird  nur  über  das  Vorrecht  bei  dem  Konkursgericht  gestritten,
  so  ist  der  Strettgsgenstand  als  unschätzbar  anzunehmen,  sofern
  die  Forderung  den  Betrag  von  60  Thalern  übersteigt.

In  den  durch  die  Konkurseröffnung  suspendirten  Spezialprozessen
  sind  die  Kosten  nach  den  Sätzen  Artikel  7.  A.  des  Gesetzes
vom  9.  Mai  1854.  und  im  Falle  einer  stattgefundenen  ewesen

auf-
        <pb n="1550" />
        (r.  791.)

—  1373  —

aufnahme  nach  den  Sätzen  Artikel  9.  a.  a.  O.  zu  erheben,  jedoch
auf  die  für  das  Justifikationsverfahren  zu  liquidirenden  Kosten  in
Anrechnung  zu  bringen.

2)  Wenn  gegen  das  Prioritäts-Erkenntniß  oder  die  Liquidations-Akte
(Distributivbescheid)  ein  Rechtsmittel  eingelegt  wird,  so  kommen  für
die  Verhandlung  und  Entscheidung  vesselben.  die  nämlichen  Sätze
wie  in  gewöhnlichen  Prozessen  zur  Anwendung.

3)  Für  die  Konstituirung  der  Passivmasse  im  Allgemeinen  einschließlich
des  Prioritäts-Urtheils  und  dessen  Publikation  sind  zu  erheben:  von
dem  Betrage  der  nach  Ab  mdung  der  Vindikanten  und  Separatisten
umter  die  Konkurs=  und  Massegläubiger  zu  vertheilenden  Masse,

a)  von  dem  Betrage  bis  zu  1000  Rthlr.  von  je  10  Rthlr.:
15  Sgr.;

b)  von  dem  Mehrbetrage  bis  zu  2000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:
Rthlr.;

c)  von  dem  Mehrbetrage  bis  20,000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:
1  Rthlr.;

d)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  100  Rthlr.:  15  Sgr.

4)  Für  die  Konstituirung  der  Aktivmasse  einschließlich  der  Depositalverwaltung,
  der  Liquidations-Akte  und  der  Abnahme  von  Manifestations=
  und  Perzeptions-Eiden,  jedoch  ausschließlich  der  Kosten
der  Auktion,  wird  der  Sa  zu  3.  von  demjenigen  Betrage  der
Masse  erhoben,  welcher  den  Kostensätzen  für  Sequestrationen  8  13.
des  Tarifs)  oder  Subhastationen  (G.  8.  C.  dieser  Verordnung)  nicht
zu  unterwerfen  ist.

5)  Wenn  der  Konkurs  durch  Vergleich  oder  Verzicht  beendigt  wird,  so
kommen,  im  Falle  das  Prioritäts-Urtheil  noch  nicht  alaßen  worden
ist,  die  Sätze  zu  3.  und  4.  nur  zur  Hälfte,  nach  Erlaß  des  Prioritäts-Urtheils,
  jedoch  vor  Aufnahme  der  Liquidationsakte  neben  den
vollen  Sätzen  zu  3.,  die  Sätze  zu  4.  nur  zur  Hälfte  in  Anwendung.

6)  Die  Bestimmungen  in  Artikel  10.  Alinea  1.  des  Gesetzes  vom
9.  Mai  1854.  sind  auch  bei  Konkursprozessen  maaßgebend.

7)  Der  bei  Anwendung  der  Kostensätze  zu  3.  und  4.  in  Betracht
kommende  Theil  der  Aktivmasse  wird  nach  dem  Erlöse  der  bereits
verkauften  Gegenstände  oder  eingezogenen  Forderungen  berechnet.
Unveräußerte  Pegenstände  kommen  nach  dem  Tazwerthe,  Aktivforderungen
  nach  dem  Nennwerthe,  Kreditvopiere,  Fonds  und
Effekten  nach  dem  Kurse  am  Tage  der  Kostenberechnung  in  Anschlag.
  Forderungen,  deren  Uneinziehbarkeit  feststeht,  bleiben  außer
Berechnung.  Der  Taxwerth  der  zur  Masse  gehörigen  Immobilien
konnnt  in  dem  Falle  zu  5.)  bei  den  Kostensätzen  zu  4.  selbst  dann
vicht  in  Betracht,  wenn  die  Subhastation  dieser  Immobilien  va

nicht
        <pb n="1551" />
        —  1374  —

nicht  eingeleitet  worden  ist  und  deshalb  Kosten  gemäß  §.  8.  dieser
Verordnung  nicht  zu  erheben  sind.

B.  Für  die  Erlassung  des  Proklama  zur  Ausmittelung  des  Schuldenbestandes
eines  Nachlasses  kommt  der  Satz  F.  9.  des  Tarifs  zur  Anwendung,
dabei  ist  das  Objekt  wie  bei  unschätzbaren  Gegenständen  zu  bestimmen,
wenn  die  Aktivmasse  den  Betrag  von  60  Thalern  übersteigt.

Die  Kosten  dieses  Verfahrens  bleiben  außer  Ansatz,  wenn  vor
Ablauf  der  Präklusionsfrist  über  den  Nachlaß  Konkurs  eröffnet  wird.

Für  die  Zulassung  der  Restitution  gegen  die  erfolgte  Ausschließung
wird  der  13  fache  Betrag  des  Satzes  Artikel  5.  A.  des  Gesetzes  vom
9.  Mai  1854.  ohne  Beschränkung  auf  ein  Minimum  von  dem  Restitutionssucher
  erhoben.

S.  10.
Zu  Artikel  15.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854:

Für  zurückgewiesene  oder  zurückgenommene  Gesuche,  welche  sich  auf  die
bei  dem  Schuld=  und  Pfandprotokolle  vorkommenden  Geschäfte  beziehen,  wird
die  Hälfte  der  im  F.  12.  dieser  Verordrung  bestimmten  Sätze  erhoben,  insofern
diese  geringer  sind,  als  die  im  Artikel  15.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854.  vorgeschriebenen
  Sätze,  jedoch  nicht  unter  24  Sgr.

S.  11.
Statt  §.  22.  des  Tarifs:

Für  die  Errichtung  von  Familienstiftungen  und  Familienschlüssen,  für  die
Aufnahme  von  Erbverträgen  und  vor  Gericht  und  Zeugen  zu  Protokoll  erklärten
  letztwilligen  Verordnungen,  einschließlich  der  bei  Vornahme  dieses  Aktes  bewirkten
  Annahme  derselben  und  der  gerichtlichen  Aufbewahrung,  werden  die  Sätze
6.  16.  des  Tarifs  doppelt,  für  die  Beurkundung  einer  schriftlich  abgefaßten  letztwilligen
  Verordnung,  einschließlich  der  bei  der  Vornahme  dieses  Aktes  bewirkten
Annahme  derselben  und  gerichtlichen  Aufbewahrung,  für  die  Annahme  und  Aufbewahrung
  verschlossen  übergebener  letztwilliger  Dispositionen  die  Sätze  des  .  16.
des  Tarifs  einfach  erhoben.  Für  die  Publikation  und  Ausferti  ung  letztwilliger
Dispositionen  und  Erbverträge  werden  die  Sätze  §.  16.  des  Tarifs  besonders
erhoben.

h  Für  die  bloße  Zurückgabe  und  Zurücknahme  letztwilliger  Dispositionen  wird
die  Hälfte  dieses  Satzes  erhoben.

K.  12.
Statt  Abschnitt  2.  Nr.  III.  I#  25.  bis  32.  des  Tarifs:

A.  1)  Für  die  Umschreibung  eines  Realfoliums  auf  den  Namen  eines  nachfolenden
  Eigenthümers,  für  die  Anlegung  eines  neuen  Realfoliums  und

sr  die  an  einem  bereits  vorhandenen  Realfolium  bewirkte  Zuschreibung
eines
        <pb n="1552" />
        —  1375  —

eines  oder  mehrerer  Grundstücke,  einschließlich  der  dadurch  veranlaßten
Abschreibungen  und  Uebertragung  von  Protokollaten,  sowie  aller  sonst
dabei  vorkommenden  Nebengeschäfte  ist  zu  erheben:

a)  von  dem  Betrage  bis  200  Rthlr.  von  je  25  Rthlr.:  5  Sgr.;
b)  von  dem  Mehrbetrage  bis  zu  1000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:  5  Sgr.;
c)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  500  Rthlr.:  74  Sgr.

Der  Werth  mehrerer  Grundstücke)  über  welche  das  Folium  lautet,
oder  für  welche  ein  neues  Folium  angelegt  wird  oder  welche  gleichzeitig
auf  ein  anderes  Folium  übertragen  werden,  wird  bei  Anwendung  dieser
Sätze  zusammengerechnet.

Für  ein,  der  Anlegung  eines  neuen  Realfoliums  voraufgehendes
Proklama  kommen  außerdem  die  Kosten  nach  §.  9.  des  Tarifs  nach  den
dort  für  Aufgebots=  und  Amortisationssachen  bezeichneten  Grundsätzen
zur  Erhebung.

2)  Für  die  Umschreibung  eines  Namenfoliums  auf  den  Namen  eines  Dritten
  wird  nach  dem  Betrage  der  darauf  eingetragenen,  noch  wachenden
Protokollate  die  Hälfte  der  einfachen  Sätze  zu  B.  I.,  jedoch  nicht  unter
5  Sgr.  und  nicht  über  3  Rthlr.  erhoben.

B.  1)  Für  die  Eintragung  eines  Pfandrechts  bei  dem  Realprotokolle  und  der
darüber  auf  dem  Dokument  ausgestellten  Bescheinigung  und  aller  dabei
vorkommenden  Nebengeschäfte  ist  zu  erheben:
a)  von  dem  Betrage  bis  zu  5  Rthlr.:  5  Sgr.;
b)  von  dem  Betrage  bis  zu  200  Rthlr.  von  je  25  Rthlr.:  74  Sgr.;
e)  von  dem  Mehrbetrage  bis  zu  1000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:  7  Sgr.;
4)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  500  Rthlr.:  15  Sgr.,

und  gleichzeitig  die  Hälfte  dieser  Sätze  für  die  künftige  Delirung.

2)  Für  die  Eintragung  eines  Pfandrechts  bei  dem  Namenprotokoll  und  alle
dabei  vorkommenden  Nebengeschäfte  einschliehlich  der  künftigen  Delirung
wird  die  Hälfte  des  ensachen  Satzes  zu  B.  1.  erhoben,  jedoch  nich
unter  5  Sgr.

3)  Für  die  Schließung  eines  Foliums  kommt  —  neben  den  Kosten  für  den
hierauf  gerichteten  richterlichen  Befehl  (Artikel  10.  Alinena  2.  des  Gesetzes
vom  9.  Mai  1854.  und  §.  9.  des  Tarifs)  —  der  Kostensatz  A.  Nr.  2.
nach  dem  Werthe  des  Anspruches  zur  Hebung)  zu  deren  Sicherung
diese  Maaßregel  eintritt.

C.  Wenn  ein  in  dem  Schuld=  und  Pfandprotokoll  bereits  eingetragenes
Protokollat  in  demselben  zu  wiederholten  Malen  protokollirt  wird,  so
sind  für  die  zweite  und  jede  besondere  Eintragung  nur  die  Hälfte  der
Kosten  zu  erheben.

enn  der  Werth  der  Grundstücke,  auf  welche  die  weitere  Ein-(Nr.
  6791.)  tra-
        <pb n="1553" />
        —  1376  —

tragung  sich  bezieht,  geringer  ist  als  der  Gegenstand  des  Protokollats,
so  ist  nur  jener  als  Maaßstab  für  den  Kostenansatz  anzunehmen.

D.  Für  die  Ertheilung  eines  vollständigen  Protokoll=  Extraktes  und  für  die
Erneuerung  von  mortifizirten  Dokumenten  wird  der  Satz  zu  A.  Nr.  2.
erhoben)  für  die  Ertheilung  eines  nicht  vollständigen  Protokoll--Extraktes
hingegen  ein  Drittel  des  einfachen  Satzes  zu  B.  1.,  jedoch  nicht  unter
27  Sgr.  und  nicht  über  2  Rthlr.

E.  Für  die  in  das  Nebenbuch  aufzunehmenden  Abschriften  von  den  Urkunden,
auf  welche  sich  die  in  dem  Hauptbuche  bewirkten  Eintragungen  gründen,
sind,  sobald  dieselben  mehr  als  vier  geschriebene  Bogen  ausmachen,  für
jeden  zussukommenden  auch  nur  angefangenen  Bogen  zusätzlich  5  Sgr.
zu  erheben.

F.  In  allen  Fällen,  wo  die  Führung  der  Realfolien  nicht  auf  ausdrücklichen,
gesetzlichen  Anordnungen,  sondern  nur  auf  der  Gerichtspraxis  beruht,  sind
die  für  die  Führung  der  Namenfolien  angeordneten  Kostensäte  zu  erheben.

Für  die  bei  der  Führung  des  Schal.  und  Pfandprotokolls  etwa
aufzunehmenden,  im  Abschnitt  2.  unter  II.  des  Tarifs  88.  16.  ff.  bezeichneten
  Akte  der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit  werden  die  dort  bestimmten
Kostensätze  besonders  erhoben.  Dagegen  ist  durch  die  Sätze  ad  A.  bis  E.
nicht  nur  der  Ausfertigungs=  und  Protokollstempel,  sondern  auch  der
Gesuchsstempel  gedeckt  (vergl.  §.  2.  dieser  Verordnung).

Die  Protokollirung  und  Delirung  der  Vormundschaft  auf  dem
Folium  des  Vormundes  ist  kostenfrei.

K.  13.
A.  Zu  F.  41.  des  Tarifs:

Die  Zuordnung  von  Geschlechtskuratoren  erfolgt  kostenfrei.  Die
Bestellung  solcher  Vormünder,  welche  einer  die  Gütergemennschaft  mit
den  minderjährigen  Kindern  fortsetzenden  Wittwe  als  Assistenten  zugeordnet
  werden,  ist  als  Einleitung  einer  nach  den  Bestimmungen  im
§.  42.  des  Tarifs  zu  taxirenden  Vormundschaft  anzusehen.

B.  Zu  F.  43.  des  Tarifs:

Die  Kostensätze  §.  43.  des  Tarifs  sind  nur  zur  Hälfte  zu
erheben.

C.  Zu  FH.  44.  des  Tarifs:

Zu  den  neben  den  Kosten  für  die  Führung  der  Vormundschaft
einem  besonderen  Kosten  -Ansatze  nicht  unterworfenen  Geschäften  gebören
  die  Verfägengen  und  Verhandlungen,  welche  die  Erbtheilungsehörde
  Behufs  ittelung,  Sicherstellung,  Auseinandersetzung  und
Verwaltung  desjenigen  Vermögens  vornimmt,  welches  den  Pege.
#r  zur  Zeit  der  Einleitung  der  Vormundschaft  oder  Kuratel
gehört.

D.  Zu
        <pb n="1554" />
        —  1377  —
D.  Zu  F.  45.  des  Tarifs:

Wenn  die  Auseinandersetzung  zwischen  den  Kindern  und  ihrem
La  fernerweiten  Ehe  schreitenden  Vater  —  ohne  Nachlaßregulirung  —
urch  Verlautbarung  der  rechtlichen  Aussage  herbeigeführt  wird,  so
sind  für  diese  Erklärung  Kosten  nach  §F.  4.  Nr.  1.  des  Gesetzes  vom
1.  Mai  1865.  von  dem  Betrage  des  durch  die  Aussage  deklarirten
Vermögens  der  Kinder  zu  erheben.

K.  14.

Die  Tarifsätze  in  Strafsachen  sind  in  der  hierüber  ergangenen  besonderen
Verordnung  vom  1  Tage  bestimmt.  In  Folge  dessen  bleiben  außer  Anwendung
  die  §S#§.  1.  bis  14.  und  §.  16.  des  Gesetzes  vom  3.  Mai  1853.,  beziehungsweise
  die  Iß#.  48.  bis  59.  des  Tarifs,  ingleichen  alle  über  den  Ansatz
und  die  Echebung  der  Gerichtskosten  in  Injuriensachen  in  dem  Gesetze  vom
10.  Mai  1851.,  dem  dazu  gehörigen  Tarise  und  den  dasselbe  ergänzenden  Bestimmungen
  enthaltenen  Vorschriften.

K.  15.
Statt  §.  63.  des  Tarifs  und  Artikel  21.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854:

A.  In  allen  Fällen,  in  welchen  einer  Partei  auf  deren  Antrag  Abschriften
oder  Ausfertigungen  aus  den  Prozeßakten  —  nach  Beendigung  der  Instanz
  —  oder  von  anderen  Verhandlungen  oder  Dokumenten,  deren  Mittheilung
  nicht  mehr  durch  den  gewöhnlichen  Geschäftsgang  bedingt  ist,
und  auch  ohne  Antrag  nothwendig  erfolgen  mußte,  mitgetheilt  werden,
find  zu  erheben:  für  jeden  auch  nur  angefangenen  Bogen  24  Sgr.  bei
einfachen  Abschriften,  der  doppelte  Betrag  bei  beglaubigten  Abschriften
und  Ausfertigungen.

B.  Bei  Ertheilung  von  be  laubiiten  Abschriften  und  Ausfertigungen  stempel-Plchierr
  Dokumente  4  zugleich  der  Betrag  des  arssmehinn  Stempels
zu  erheben.

Wenn  Kirchenzeugnisse,  Inventarien,  Taxen,  Vollmachten,  letztwillige
  Dispositionen  von  den  Parteien  ohne  den  vorgeschriebenen
Stempel  eingereicht  werden,  so  ist  der  Betrag  desselben  als  Gerichtsgebühr
  zu  liquidiren  und  einzuziehen.

C.  16.
Statt  §.  66.  des  Tarifs:

Für  Mobiliar-Auktionen  sind  die  Gebühren  nach  der  Gebührentaxe  für  die
Auktionskommissarien  vom  21.  Juni  1845.  zu  berechnen,)  sofern  der  Auktionar
für  den  Eingang  der  nach  dem  Auktionsprotokolle  zu  hböcht  gebotenen  Summe
nicht  persönlich  haftet,  im  anderen  Falle  treten  dafür  allgemein  die  unter  Nr.  37.
in  der  interimistischen  Sporteltax#  vom  2.  Dezember  1817.  für  die  Gerichtshalter

Jehreung  1867.  (Nr.  6791.)  183  auf
        <pb n="1555" />
        —  1378  —

auf  den  adeligen  Gütern  in  Schleswig,  beziehungsweise  8.  Dezember  1817.  für
solche  Gerichtshalter  in  Holstein  bestimmten  Gebühren  ein.

K.  17.
Zu  g.  67.  des  Tarifs:
Die  Gebühren  der  zu  vernehmenden  oder  znssetenden  Zeugen,  Sachverständigen,

  Geistlichen  und  Aerzte  sind  nach  Maaßgabe  des  in  der  Anlage  beigefügten
  Regulativs  zu  bestimmen  und  in  den  festgesetzten  Beträgen  zu  erstatten.

K.  18.

Die  Gesetze  vom  11.  und  12.  Mai  1851.,  betreffend  den  Ansatz  und  die
Erhebung  der  Gebühren  der  Notare  und  der  Rechtsanwalte,  nebst  dem  Tarif
(Gesetz  Samml.  S.  651.  und  656.))-treten  von  dem  im  9.  1.  dieser  Verordnun

edachten  Zeitpunkte  ab  in  den  Hekhosthümern  Schleswig  und  Holstein  in  Wirß
aimtet,  jedoch  mit  den  nachstehenden  Abänderungen  und  Einschränkungen.

KC.  19.

Zu  8.  10.  des  Gesetzes  vom  12.  Mai  und  F.  18.  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1851:

Für  alle  nicht  schon  vor  dem  eben  gedachten  Zeitpunkte  beendigten  Geschäfte
  kommen  die  nach  den  bezeichneten  Gesetzen  zulässigen  Gebühren  in  Anwendung;
  in  Prozessen  jedoch  nur  insofern,  als  dieselben  in  der  Instanz,  für
welche  zu  liquidiren  ist,  in  die  nach  der  Verordnung  über  das  Verfahren  in
Civilprozessen  vom  24.  Juni  d.  J.  (Gesetz  Samml.  S.  885.)  vorgeschriebenen
Formen  umgeleitet  worden  sind.

C  20.

Statt  §.  5.  Nr.  4.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  1851:

In  Konkursprozessen  und  in  dem  Verfahren  zur  Ausmittelung  des  Schuldenbestandes
  eines  Nachlasses  ist  für  die  Anmeldung  eines  vofessums  zum  Professionsprotokolle,
  ohne  Unterschied,  ob  es  zum  speziellen  Justifikationsverfahren
kommt  oder  nicht,  nur  der  Satz  §.  4.  A.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  1851.,  nicht
aber  der  Satz  B.,  und  außerdem,  wenn  eine  Beweisesaufnahme  erfolgt,  der  Satz
C.  4.  C.  a.  a.  O.  zu  liquidiren;  für  die  weiteren  Instanzen  dagegen  gelten  lediglich
  die  Bestimmungen  des  Tarifs  und  für  die  außerdem  zu  besorgenden  Geschäfte
der  von  den  Prositenden  bestellten  Mandatare  insonderheit  die  in  dem  zweiten
Abschnitte  des  Tarifs  enthaltenen  Vorschriften.

In  Ansehung  der  Gebühren  des  Gemeinprokurators  (procurator  ad  acta),
alls  ein  solcher  der  Gläubigerschaft  zur  Mittheilung  der  gerichtlichen  Dekrete  beellt

  wird,  behält  es  vorläufig  bei  den  seitherigen  Bestimmungen  das  Bewenden.

KC.  21.
        <pb n="1556" />
        —  1379  —
.  21.
Zu  F.  7.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  1851:

Sobald  die  im  ⅜  8.  litt.  C.  dieser  Verordnung  bezeichneten  Voraussetzungen
  vorhanden  sind,  findet  der  Kostensatz  7.  litt.  c.  des  Tarifs  keine
Anwendung;  ebenso  bleibt  alsdann  die  im  Schlußsatze  dieses  Paragraphen  in
Ansehung  der  Spezialprozesse  enthaltene  Bestimmung  ausgeschlossen.  Wegen  der
Gebühren  für  die  letzteren  gelten  in  dem  Eingangs  bezeichneten  Falle  die  Vorschriften
  im  "l*  20.  dieser  Verordnung,

Die  immuns  betreffend  die  Gebühren  für  die  Anfechtung  des  Subhastationsverfahrens
  in  ber  Ni  tigkeitsinstanz,  findet  keine  Anwendung.

6.  22.
Statt  §.  21.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  1851:

1)  In  Konkursprozessen  erhält  der  Kontradiktor  für  das  Verfahren  zur  Feststellung
  der  einzelnen  Profess  die  im  F.  20.  dieser  Verordnung  bestimmten
  Gebühren,  und  in  allen  von  ihm  sonst  noch  zu  führenden  Prozessen
deeselben  Gebühren,  wie  die  zum  Prozeßbetrieb  bevollmächtigten  Anwalte.


2)  Der  Massekurator,  und  war  sowohl  der  Interimskurator,  als  auch  der
definitive  Kurator,  erhält  für  seine  gesommte,  die  Ermittelung  und
Liquidemachung  der  Aktivmasse  betreffende  Geschäftsführung  von  dem
Betrage  derselben  (§.  9.  A.  Nr.  4.),  und  zwar:

a)  von  dem  Betrage  bis  zu  1000  Rthlr.  einschließlich:  1  bis  3  Prozent;
b)  von  dem  Betrage  über  1000  Rthlr.  bis  5000  Rthlr.:  4  bis
1:  Prozent;
c)  von  dem  Betrage  über  5000  Rthlr.:  1  Prozent.
Die  Ausmittelung  des  Betrages  der  Mass  erfolgt  nach  den  in
S.  9.  A.  Nr.  7.  dieser  Verordnung  bezeichneten  Grundsätzen.  Die  zur
Masse  gehörigen  Immobilien  bleiben  bei  der  Bestimmung  der  Gebühren
des  Massekurators  außer  Betracht.

3)  Für  die  Verwaltung  der  zur  Konkursmasse  Febörigen  Immobilien  aühät
der  Massekurator  oder  der  für  diese  Verwaltung  besonders  bestellte  Sequester
  oder  Administrator:

bei  Verwaltung  von  Landgütern  eine  nach  billigem  Ermessen

und  der  Beschaffenheit  des  einzelnen  Falles  vom  Konkursgericht  zu
bestimmende  besondere  Entschädigung;

bei  der  Verwaltung  städtischer,  durch  Vermiethung  mutbar  zu

machender  Grundstücke  von  der  baar  eingegangenen  Miethe  jeder

Wohnung:

bel  einem  jährlichen  Miethsertrage  derselben  bis  50  Rthlr.
einschließlich:  7  Prozent;

(Nr.  6791.)  183“  bei
        <pb n="1557" />
        —  1380  —

bei  einem  jährlichen  Miethsertrage  von  50  bis  100  Rchlr::
kozent;
bei  einem  jährlichen  Miethsertrage  von  100  bis  150  Rthlr.:
5  Prozent;
bei  allen  höheren  Miethen:  4  Prozent.

4.  Bei  der  Festsetzung  der  vorstehend  unter  Nr.  2.  gedachten  Belohnung  des
Massekurators  hat  das  Gericht  nach  billigem  Ermessen  zu  verfahren  und
hauptsächlich  auf  den  Umfang  der  Geschaftsführung,  die  Schwierigkeiten
derselben,  die  bewiesene  Thätigkeit  und  Umsicht,  sowie  auf  den  Betrag
der  der  Masse  verursachten  anderweiten  Kosten  Rücksicht  zu  nehmen.

Das  Gericht  ist  auch  ermächtigt,  den  nach  Prozentsätzen  bemessenen
Betrage  der  Belohnung  im  Falle  außerordentlicher  Mühwaltungen  des
Massekurators  zu  erhöhen  oder  in  geeigneten  Fällen  zu  ermäßigen.

Scheidet  der  Massekurator  vor  der  Beendigung  seiner  Amtsverrichtungen
  aus,  so  hat  er  nur  einen,  seinen  Lelstungen  entsprechenden
Theil  der  Belohnung  zu  fordern.  Dasselbe  gilt  von  dem  eintretenden
Ersatzmann.  23

g.  23.

Statt  §.  8.  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1851:

Für  die  bei  den  Gerichtsbehörden  einzureichenden  Unträge  und  Begleitschreiben,
  mit  welchen  Abschriften  oder  Ausfertigungen  Behufs  der  Eintragung
in  die  Schuld=  und  Pfandprotokolle  oder  zum  Lwe  der  Umschreibung  der  bei
denselben  vorhandenen  Namenfolien  überreicht  werden,  können  besondere  Gebühren
nicht  liquidirt  werden.

N  es  aber  nothwendig,  mit  einem  solchen  Antrag  einen  das  Sach=  oder
Rechtsverhältniß  entwickelnden  Vortrag  zu  verbinden  und  wird  die  Einreichung
desselben  von  der  Partei  verlangt,  so  kann  der  Notar  dafür  die  Hälfte  des
Satzes  Artikel  5.  A.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854.,  jedoch  nicht  unter  5  Sgr.
bis  zu  einem  Maximum  von  4  Rthlr.  liquidiren.

KC.  24.

Die  Gebühren  der  Rechtsanwalte  in  Strafsachen,  insbesondere  auch  in  dem
Verfahren  auf  erhobene  Privatklage  (S#.  487.  ff.  der  Strafprozeß  Ordnung
vom  25.  Juni  d.  J.,  Gesetz  Samml.  S.  933.),  sollen  nach  den  darüber  in  der
Verordnung,  betreffend  den  Ansatz  der  Gerichtskosten  in  Strafsachen,  vom  heutigen
  Tage  enthaltenen  Bestimmungen  erhoben  werden.  Der  F.  15.  des  Gesetzes
vom  3.  Mai  1853.,  beziehungsweise  die  §#§.  22.  bis  27.  des  Tarifs  vom  12.  Mai
1851.  bleiben  außer  Anwendung.

G.  25.
Statt  §.  14.  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1851:1

Für  die  Abhaltung  von  Auktionen  haben  die  Notare  die  Gebühren  nach
den  im  F.  16.  dieser  Verordnung  getroffenen  Bestimmungen  zu  berechnen  26
        <pb n="1558" />
        —  1381  —

g.  26.

Alle  dieser  Verordnung  zuwiderlaufenden  Bestimmungen  treten  vom  1.  September
  d.  J.  ab  außer  Kraft.  Wo  in  den  Kosten=  und  Gebührengesetzen  und
Tarifen  (§#.  1.  und  18.)  auf  Gesere  oder  Verordnungen  Bezug  genommen  wird,
welche  in  dem  Geltungsbereiche  der  gegenwärtigen  Verordruuch.  nicht  in  Kraft
sind,  treten  die  entsprechenden  bestehenden  Gesese  und  Verordnungen  an  deren  Stelle.

Zweifel,  welche  sich  in  diesen  Beziehungen  bei  Anwendung  der  im  §.  1.
bezeichneten  Gesetze  ergeben,  werden  durch  den  Justizminister  erledigt.

G.  27.
Der  Justizminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

K.  28.

Die  Minister  der  Finanzen  und  der  Justiz  haben  die  Anordnungen  zu
treffen,  welche  erforderlich  sind,  um  die  Erhebung  und  Verrechnung  der  Kosten
und  Gebühren  den  Gerichten  soweit  als  thunlich  abzunehmen  und  den  von  ihnen
zu  bestimmenden  Verwaltungsbehörden  zu  übertragen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  30.  August  1867.
d.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  G791.)  Re-
        <pb n="1559" />
        —  1382  —

Regulativ

zur

Festsetzung  der  den  Jeugen  und  Sachverständigen  zu  bewilligenden
Vergütigungen.

I.  Versäumniß=  und  Reisekosten  der  Zeugen.
KC.  1.

Zeugen,  welche  an  ihrem  Wohnort  oder  an  einem  von  demselben  nicht
über  eine  Viertelmeile  entfernten  Orte  bei  gerichtlichen  Geschäften  zugezogen  oder
vernommen  werden,  können  dafür  keine  Vergütigung  verlangen.

Sind  jedoch  die  Zeugen  niederen  Standes,  und  ernähren  sie  sich  durch
Tagearbeit,  Handwerk  oder  Gewerbe,  so  soll  ihnen  auf  ihren  Antrag  für  Versäumniß
  Entschädigung,  ohne  besonderen  Nachweis,  bewilligt  werden:

für  jede  auch  nur  angefangene  Stunde:
in  Städten  unter  5000  Einwohnern  2  Sgr.,  jedoch  für  den  Tag
nicht  über  15  Sgr.;
in  größeren  Städten  3  Sgr.,  jedoch  für  den  Tag  nicht  über  21  Sgr.
Weibliche  Personen  erhalten  nur  3  dieser  Sätze.

.  2.
An  Reisekosten  erhalten  die  Jeugen  in  den  zulässigen  Fällen  (G.  7.),  wenn

sie  es  verlangen,  6  Sgr.  für  jede  Meile.
Kann  ein  Zeuge  die  Rückreise  nicht  am  Tage  der  Hinreise  vollenden,  oder
ist  er,  um  der  Verpflichtung  zur  Ablegung  seines  Zeugnisses  zu  entsprechen,
ezwungen,  sich  längere  Zeit  am  Orte  des  Gerichts  aufzuhalten,  so  erhält  er  für
jeden  2—  Tag  der  Reise  oder  des  Aufenthalts  eine  Entschädigung  von

gr.
Diese  Entschädigung  ist  theils  eine  Zusatzgebühr  für  jeden,  dem  ersten  etwa
cheen.  eigentlichen  Reisetag)  theils  die.  alleinige  Vergütigung  für  einen  reinen
ufenthaltstag.
Hat  zur  Bestreitung  der  Reisekosten  ein  Mehreres  aufgewendet  werden
müssen,  so  ist  das  Gericht  befugt,  diesen  Mehrbetrag  zu  bewilligen.

II.  Ge-
        <pb n="1560" />
        1383  —

II.  Gebuͤhren  und  Reisekosten  der  Sachverständigen.
KC.  3.  '

Jeder  Sachverständige,  welcher  an  seinem  Wohnorte  oder  an  einem  von
demselben  nicht  über  eine  Viertelmeile  entfernten  Orte  bei  gerichtlichen  Geschäften
zugezogen  oder  vernommen  wird,  erhält,  sofern  nicht  für  gewisse  Klassen  derselben
die  Gebühren  besonders  festgesetzt  sind  (§.  5.),  für  eine  ihm  aufgetragene  Untersuchung
  und  Begutachtung  mit  Einschluß  des  etwa  zu  verfassenden  schriftlichen
Gutachtens  oder  für  jeden  Tag  seiner  Zuziehung  15  Sgr.  bis  2  Rthlr.  Gebühren,
jedoch  nicht  mehr  als  1  Rthlr.  10  Sgr.,  wenn  das  Geschäft  nicht  über  sechs
Stunden  gedauert  hat.

Die  Höhe  der  Gebühren  ist  in  jedem  einzelnen  Falle  nach  dem  Zeitaufwande
  und  den  Erwerbsverhältnissen  des  Sachverständigen  zu  ermessen.

S.  4.

Für  schriftliche  Gutachten,  Pläne,  Zeichnungen  und  ähnliche  Ausarbeitungen,
  mit  Einschluß  der  etwaigen  Reinschriften,  sind  den  Sachpverständigen
20  Sgr.  bis  2  Rthlr.  zu  vergüten.

Für  weitläuftige  oder  schwierge  Arbeiten  ist  diese  Vergütigung  nach  Verhältniß
  der  zur  Anfertigung  erforderlichen  Zeit  angemessen  zu  erhöhen.

G.  5.

A.  Geistliche  erhalten  für  die  Zuziehung  bei  Eidesleistungen  1  Rthlr.  Dieselbe
  Vergütigung  erhält  der  jüdische  Kultusbeamte  für  die  Admonition
eines  seiner  Glaubensgenossen)  einschließlich  der  Vergütigung  des  dabei

.etwa  zuzuziehenden  Zeugen.

B.  Die  Gebühren  der  gerichtlichen  Aerzte  werden  durch  eine  besondere  Verordnung
  bestimmt  werden,  bis  dahin  bewendet  es  bei  den  dieserhalb
bestehenden  Anordnungen.

C.  Die  im  F.  3.  bestimmten  Gebühren  können  für  den  Chemiker  bei  der
Vornahme  chemischer  Untersuchungen  von  besonderer  Schwierigkeit  von
dem  Gerichte  bis  aufdas  Doppelte  erhöht  werden;  wenn  jedoch  auf  das
Geschäft  mehr  als  Ein  Tag  verwendet  worden  ist,  so  8  für  jeden
Tag  höchstens  3  Rthlr.  Gebühren  zu  bewilligen.  —  Ueber  die  Noh.

wendigkeit  der  von  dem  Sachperständigen  angegebenen  Dauer  der  Arbeitszeit
  entscheidet  bei  entstehenden  Zweifeln  die  oberste  Provinzial-Medizinalbehörde.


D.  Die  Vorschrift  im  F.  3.  findet  auch  bei  Abschätzung  von  Kunstsachen,
Büchern,  Landkarten,  Kupferstichen,  Gemälden  und  anderen  Gegenständen,
  zu  deren  Taxation  besondere  technische  Kenntnisse  erforderlich
sind,  ferner  bei  Abschätzung  von  anderen  beweglichen  und  unbeweglichen
Sachen,  deren  Werth  mehr  als  50  Rthlr.  beträgt,  Anwendung.  Dagegen
  werden  dem  Taxator  an  Gebühren  vergütet:

a)  für  die  Abschätzung  von  Mobilien  und  anderen  Gegenständen,  zu

(Nr.  6791.)  deren
        <pb n="1561" />
        —  1384  —

deren  Taxation  keine  besondere  technische  Kenntnisse  erforderlich  sind,
wenn  der  Werth  der  abgeschätzten  Sachen  zusammen  die  Summe
von  20  Rthlr.  nicht  übersteigt,  5  Sgr.;  bei  einem  höheren  Werthe
bis  zu  50  Rthlr.  einschließlich:  10  Sgr.)

b)  für  die  Abschätzung  von  Gold,  Silber  und  Juwelen  bis  zu  20  Rthlr.
an  Werth:  10  Sgr.f  bei  einem  höheren  Werthe  bis  zu  50  Rthlr.
einschließlich:  15  Sgr.

E.  Der  Dolmetscher  erhält  für  jede  Stunde,  welche  auf  die  Besorgung  des
ihm  übertragenen  Geschäfts  verwendet  werden  mußte,  74  Sgr.,  jedoch
nicht  weniger  als  10  Sgr.

g.  6.
An  Reisekosten  erhalten  die  Sachverständigen  mit  Ausschluß  der  im
§  5.  B.  Genannten  in  den  zulässigen  Fällen  (H.  7.):

a)  wenn  der  Sachverständige  den  Bezirk  des  Kreisgerichts,  in  welchem  sein
Wohnort  belegen  ist,  nicht  verläßt,  124  Sgr.  für  jede  Meile,  oder  den
nachzuweisenden  höheren  Verlag  an  Fuhrkoslen

b)  wenn  derselbe  in  dem  Bezirk  eines  Kreisgerichts,  in  welchem  sein  Wohnort
  nicht  belegen  ist,  zugesocen  wird  6  Sgr.  für  jede  Meile,  oder  den
nachzuweisenden  höheren  Verlag  an  Fuhrkosten.

Daneben  tritt  eine  Erhöhung  der  Gebühren  um  die  Hälfte  für  jeden  Tag
ein,  an  welchem  die  Sachverständigen  außerhalb  ihrer  Wohnung  zu  nächtigen
genöthigt  gewesen  find.

III.  Allgemeine  Bestimmungen.

S.  7.
6  Reisekosten  werden  bewilligt,  wenn  der  Zeuge  oder  Sachverständige  an
einem  mehr  als  eine  Viertelmeile  von  seinem  Woßtonn  entfernten  Orte  zugezogen
  oder  vernommen  wird.  6s

Ist  die  Entfernung  geringer,  so  können  Zeugen  oder  Sachverständige,
welche  sich  eines  Fuhrwerks  u  bedienen,  durch  Krankheit,  Gebrechen  oder  andere
Umstände  genöthigt  sind,  oder  auf  dem  Wege  zu  dem  Ort  ihrer  Vernehmung
Brücken-  und  fährgelder  zu  zahlen  oder  andere  Auslagen  4  machen  haben,  die
Erstattung  dieser  Kosten  verlangen;  sie  müssen  aber  die  Verwendung  und  die
Nothwendigkeit  derselben  nachweisen.

G.  9.
Die  Meilengelder  (§§.  2.  und  6.)  werden  für  die  Hin=  und  Rückreise  besonders
  berechnet.  Beträgt  die  Entfernung  weniger  als  Eine  Meile,  so  wird

diese  fä  voll  angenommen;  bei  größeren  Entfernungen  werden  die  Reisekosten
nach  Viertelmeilen  vergütigt.  '

 

(Nk.6792.)
        <pb n="1562" />
        —  1385  —

(Nr.  6792.)  Verordnung,  betreffend  den  Ansatz  und  die  Erhebung  der  Gerichtskosten  und
der  Gebühren  der  Notare  und  Rechtsanwalte  in  dem  vormaligen  Kur.
fürstenthum  Hessen  und  den  vormals  Bayerischen  Gebietstheilen  mit
Ausschluß  der  Enklave  Kaulsdorf.  Vom  30.  August  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

verordnen  für  das  Gebiet  des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hessen  und  der  vormals
  Bayerischen  Gebietstheile,  mit  Ausschluß  der  Enklave  Kaulsdorf,  auf  den
Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.

Das  Gesetz  vom  10.  Mai  1851.)  betreffend  den  Ansatz  und  die  Esebn
der  Gerichtskosten  (Gesetz  Samml.  S.  622.),  nebst  dem  dazu  gehörigen  Tarife,  um

das  Gesetz  vom  9.  Mai  1851.,  betreffend  die  den  Justizbeamten  für  die
Pesorgung  gerichtlicher  Geschäfte  außerhalb  der  ordentlichen  Gerichtsstelle  zu
bewil  3  en  Diäten,  Reisekosten  und  Kommissionsgebühren  (Gesetz-Sammil.

·

sowie  die  diese  Gesetze  und  den  Tarif  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden
  Bestimmungen,

treten  vom  1.  September  d.  J.  ab  in  den  Eingangs  gedachten  Gebieten  in
Wirksamkeit,  jedoch  mit  den  nachstehenden  Abänderungen  beziehungsweise  Einschränkungen.


C.  2.
Statt  §.  16.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851:

Wo  der  Tarif  nicht  ausdrücklich  die  Erhebung  von  Stempelbeträgen  anordnet,
  Knde  eine  solche  nicht  statt.

o  in  den  Gerichtskostengesetzen  auf  das  Stempelgesetz  verwiesen  worden
ist,  sind  die  entsprechenden  Bestimmungen  der  Verordnung,  besressen  die  Verwaltung
  des  Stempelwesens  und  die  Erhebung  des  Urkundenstempels  vom
19.  Juli  d.  J.  (Gesetz  Samml.  S.  1191.),  beziehungsweise  der  durch  diese  Verurbnung
  nicht  aufgehobenen  Kurhessischen  Suehsfe  maaßgebend.

iee  Stempelbeträge,  deren  Erhebung  der  Tarif  (F.  24.  Nr.  1.)  beibehält,
werden  wie  Gerichtskosten  verrechnet  und  auch  in  allen  übrigen  Beziehungen,
insbesondere  bei  Anwendung  der  Vorschriften  I#.  4.  bis  6.  des  Gesetzes  vom
10.  Mai  1851.,  als  Gerichtskosten  behandelt.  Ein  Verbrauch  von  Stempelzaena
  in  den  bei  den  Gerichtsbehörden  zu  bearbeitenden  Angelegenheiten  findet
nicht  statt.

 

K.  3.
Statt  F.  18.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851:

Eine  ausschließliche  oder  auch  nur  theilweise  Anweisung  der  richterlichen
Beamten  und  der  Boten  und  Exekutoren  auf  selbst  verdiente  Gebühren  statt  der
Jahrgang  1867.  (Wr.  6792.)  184  Be-
        <pb n="1563" />
        —  1386  —

Besoldung  findet  nicht  statt.  Dagegen  sind  die  Minister  der  Finanzen  und  der
Justiz  ermächtigt,  zu  bestimmen,  daß  den  Büreaubeamten  bei  den  Kreis=  und
Amtsgerichten  dee  Kalkulaturgebühren,  sowie  gegen  Remunerirung  der  erforderlichen
  Gehülfen  und  Schreiber  und  zur  Bestreitung  der  Büreaukosten  ein  Theil
von  den  Gerichtskosten  als  ein  neben  der  firirten  Besoldung  zu  zemesenre,  bei
der  Pensionirung  jedoch  nicht  anrechnungsfähiges  Einkommen  angewiesen  werden.

S.  4.
Statt  §.  19.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851

Die  Verhandlungen  und  Verfügungen,  betreffend  die  gerichtliche  Verlautbarung
  der  Eheverköbnige  und  in  Ansehung  solcher  Personen,  welche  nicht  Mit.
lieder  der  bestehenden  christlichen  Kirchen  aand,  die  Schließung  der  bürgerlichen
Ehe  und  das  derselben  vorangehende  Aufgebot  sind  kostenfrei,  mit  Ausschluß  der
auf  Grund  dieser  Verhandlungen  zu  ertheilenden  Ausfertigungen  und  Atteste,
sowie  derjenigen  Verfügungen  der  höheren  Behörden,  durch  welche  auf  Antrag
der  Betheiligten  ein  anderes  als  das  gesetzlich  zuständige  Gericht  zur  Verlautbarung
  des  Ebeverlölaasse  ermächtigt  wird.

G.  5.
Statt  §.  21.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  18512

Wenn  in  einer  am  1.  September  d.  J.  noch  nicht  beendigten  Rechtsangelegenheit
  Kosten  oder  Stempel  bereits  theilweise  in  Ansatz  gekommen  sind,
so  kommt  deren  Betrag  auf  die  nach  dem  Tarif  zu  liquidirenden  Kosten  in  Abzug;
in  den  am  1.  September  d.  J.  noch  nicht  beendigten  Civilprozessen  kommt  der
Tarif  nur  insofern  zur  Anwendung,  als  das  Verfahren  in  der  Instanz,  für
welche  die  Kosten  in  Ansatz  zu  bringen  sind,  in  die  nach  der  Verordnung  über
das  Verfahren  in  Civilprozessen  vom  24.  Juni  d.  J.  (Gesetz-Samml.  S.  885.)
vorgeschriebenen  Formen  umguleiten  gewesen  ist.

G.  6.
Die  Vorbemerkung  Nr.  III.  des  Tarifs  bleibt  außer  Anwendung.

ie
Statt  §.  10.  des  Tarifs:

Der  Satz  Artikel  FA.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854.  wird  erhoben  für
die  summarische  Untersuchung  des  Vermögenszustandes  eines  Schuldners  und  die
dabei  veranlaßte  vorläufige  Sicherstellung  des  Vermögens,  verbunden  mit  dem
Verfahren  auf  Erkennung  des  Konkurses  oder  mit  dem  Verfahren  zum  Versuch
der  Güte,  im  letzteren  Falle  einschließlich  der  gerichtlichen  Verlautbarung  und
Bestätigung  der  zur  Abwendung  des  Konkurses  errichteten  Verträge.

.B.
        <pb n="1564" />
        —  1387  —

S  S.
Statt  Artikel  12.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854:

A.  In  dem  Verfahren,  betreffend  die  Zwangsversteigerung  von  Grundeigenthum)

  wird  erhoben:
1)  für  das  ganze  Verfahren  bis  zur  Abfassung  der  Adjudikatoria,

iese  ausgeschlossen:
a)  von  dem  Betrage  des  Werths  des  Grundstücks  bis  100  Rcthlr.

einschließlich,  von  jedem  Thaler  14  Sgr.);

b)  von  dem  Mehrbetrage  bis  500  Rthlr.  einschließlich,  von  je

10  Rthlr.:  74  Sgr.;

c)  von  dem  Mehrbetrage  bis  2000  Rthlr.  von  je  50  Rthlr.:

15  Sgr.;

2)  von  dem  Mehrbetrage  bis  20,000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:

10  Sgr.;

cc)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  100  Rthlr.:  5  Sgr.;
2)  wenn  der  Antrag  auf  Subhastation  zurückgenommen  oder  das  Verfahren
  sistirt  wird:
a)  nach  Erkennung  der  Subhastation,  jedoch  vor  Abgang  der

Proklamata,  3)

b)  nach  Abgang  der  Proklamata,  jedoch  vor  Abhaltung  des

Licitationstermins,
der  vorstehend  bestimmten  Sätze;

3)  für  die  nach  abgehaltenem  ersten  Versteigerungstermin  fortgesetzte
Subhastation  3  des  ganzen  Satzes  ad  1.;
4)  für  den  Adjudikationsbescheid  und  alle  auf  Grund  desselben  zu
erlassenden  Verfügungen:
a)  von  dem  Betrage  bis  200  Rthlr.  von  jedem  Thaler  1  Sgr.,
b)  von-  dem  Mehrbetrage  bis  1000  Rthlr.  von  je  10  Rthlr.:
gr./
c)  von  dem  Mehrbetrage  bis  zu  20,000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:
14  Rthlr.,
4)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  100  Rthlr.:  1  Rcthlr.

Für  die  bei  Ertheilung  des  Adjudikationsbescheides  zu  bewirkende
  Eintragung  des  Eigenthumsübergangs  in  das  Generalwährschafts=
  und  Hypothekenbuch  werden  außerdem  die  Kostensätze
S.  II.  A.  dieser  Verordnung  erhoben,  die  dabei  zu  bewirkende  Eintragung
  des  für  die  Kaufgelder  gesetzlich  bestehenden  Pfandrechts

rerfolgt  kostenfrei;  .
(Xr.  6792.)  184"  5)  für
        <pb n="1565" />
        —  1388  —

5)  für  die  Vertheilung  oder  gerichtliche  Ueberweisung  der  Kaufgelder
an  den  betreibenden  oder  die  sonst  berechtigten  Pfandgläubiger,  einschließlich
  der  auf  Grund  dieser  Verhandlungen  zu  encheileneen  Ausfertigungen
  und  der  Löschung  des  zur  vorläufigen  Sicherstellung  der
Kuss=  er  im  Generalwährschafts=  und  Hypothekenbuch  vermerkten

gesetzlichen  Pfandrechts:

a)  wenn  ein  Prioritäts-Erkenntniß  nicht  erlassen  wird:
von  dem  Betrage  bis  200  Rthlr.  von  jedem  Thaler  1  Sgr.,
von  bem,  Mehrbetrage  bis  1000  Rthlr.  von  je  10  Rthlr.:
gr.“
von  dem  Mehrbetrage  bis  2000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:
gr./
von  dem  Mehrbetrage  von  je  100  Rthlr.:  5  Sgr.;

b)  wenn  bei  der  sich  ergebenden  Unzulänglichkeit  der  Kaufgelder
zur  Tilgung  der  angemeldeten  H#keethelsssorderun  treit
über  den  Vorzug  entsteht  und  deshalb  ein  Prioritäts-Erkenntniß
erlassen  werden  muß:

der  Satz  F.  9.  des  Tarifs.

Wenn  in  einem  und  demselben  Verfahren  mehrere  Grundstücke
zur  Subhastation  gestellt  werden,  so  sind  die  Sätze  zu  4.  nach  dem
Meistgebote  von  jedem  Grundstücke,  welches  nicht  als  Pertinenz  eines
anderen  oder  mit  andern  in  einer  Summe  verkauft  wird)  zu  berechnen;
die  Sätze  zu  1.  2.  3.  und  5.  dagegen  nach  der  zusammenzurechnenden
Summe  des  Werths  aller  Grundstücke.

Die  Beträge  sind  nach  dem  Meistgebote,  wenn  es  aber  nicht  zur
Lizitation  kommt,  nach  dem  Taxwerthe,  und  wenn  es  nicht  zur  Erklärung
  über  die  Taxe  gekommen  #,  nach  dem  letzten  Erwerbspreise  oder
dem  sonst  zu  ermittelnden  Werthe  zu  bestimmen.  Erreicht  das  Meistgebot
  nicht  zwei  Drittel  des  Taxwerthes,  so  ist  bei  Berechnung  der  Sätze
zu  1.  3.  und  4.  der  letztere  Betrag  —  zwei  Drittel  des  Taxwerthes  —
zum  Grunde  zu  legen.  So  weit  in  dem  letzteren  Falle  das  Kaufgeld
zur  Berichtigung  der  aus  der  Masse  vorweg  zu  entnehmenden,  durch
Kostenvorschuß  nicht  gedeckten  Kosten  unzureichend  ist,  bleibt  der  Käufer
für  den  überschießenden  Betrag  derselben  verhaftet.

Für  die  Zurückweisung  oder  Zurücknahme  eines  Antrages  auf  Subhastation
  von  Immobilien,  ohne  vorangegangene  Verhand  ung  über  die  Zulässigkeit
  des  Zwangsverkaufs,  wird  der  Satz  Artikel  5.  A.  des  Gesetzes
vom  9.  Mai  1854.,  und  wenn  die  Zurückweisung  des  Antrags  erfolgt,
nachdem  zuvor  mit  den  Parteien  verhandelt  worden  ist,  der  Satz  F.  9.
des  Tarifs  erhoben.

Beide  Sätze  sind  nach  dem  Betrage  der  Forderung  des  betreibenden
  Gläubigers  zu  berechnen.  Sofern  der  Satz  §.  9.  des  Tarifs  jedoch
höher  ist,  als  der  nach  dem  Werthe  des  Grundstücks  zu  bestimmende,

vor-
        <pb n="1566" />
        —  1389  —

borstehend  unter  A.  Nr.  2.  a.  bezeichnete  Satz,  wird  nur  der  letztere
erhoben.

Wenn  gegen  das  auf  Einleitung  oder  Zurückweisung  der  Subhastation
  gerichtete  Erkenntniß  ein  Rechtsmittel  eingelegt  wird,  so  kommen
  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  darüber  die  nämlichen  Sätze,
wie  im  gewöhnlichen  Prozesse  zur  Anwendung.

C.  Für  den  Zwangsverkauf  der  zu  einer  Konkursmasse  gehörigen  Grundstücke
  sind  die  vorstehend  unter  A.  Nr.  1.  3.  und  4.  bestimmten  Sätze
zu  erheben,  jedoch  sind  auf  die  danach  zu  liquidirenden  Kosten  diejenigen
in  Anrechnung  zu  bringen,  welche  in  dem  etwa  vorangegangenen  und
durch  die  Konkurseröffnung  sistirten  Zwangsverkaufsverfahren  entstanden
  sind.

S.  9.

Statt  des  Gesetzes  vom  15.  März  1858.  und  F.  12.  des  Tarifs:
In  Konkursprozessen  wird  erhoben:

1)  für  das  Verfahren  zur  Feststellung  der  einzelnen  Liquidationen  sind  von
dem  Liquidanten  keine  Kosten  zu  erheben,  wenn  die  Liquidation,  ohne
daß  es  zu  einem  kontradiktorischen  Verfahren  gekommen  ist,  anerkannt,
zurückgenommen  oder  präkludirt  wurde;  insoweit  dagegen  die  Liquidationen
  zur  förmlichen  prozessualischen  Instruktion  gelangen,  werden  von
dem  Liquidanten  die  Sätze  Artikel  7.  A.  beziehungsweise  Artikel  8.  des
Gesetzes  vom  9.  Mai  1854.  je  zur  Hälfte  erhoben,  im  Falle  einer  damit
verbundenen  Beweisesaufnahme  außerdem  noch  der  Satz  Artikel  9.  a.  a.  O.

In  den  durch  die  Konkurseröffnung  suspendirten  Spezialprozessen
sind  die  Kosten  nach  den  Sätzen  Artikel  7.  A.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai
1854.  und  im  Falle  einer  stattgefundenen  Beweisesaufnahme  nach  den
Sätzen  Artikel  9.  a.  a.  O.  zu  erheben,  jedoch  auf  die  für  das  Liquidadationsverfahren
  zu  liquidirenden  Kosten  in  Anrechnung  zu  bringen.

2)  Wenn  gegen  ein  im  Liquidationsverfahren  ergangenes  Erkenntniß  oder
gegen  das  Prioritäts.  Erkenntniß  ein  Rechtsmittel  eingelegt  wird,  so  kommen
  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  desselben  die  nämlichen  Sätze,
wie  in  Lewöhnlichen.  Prozessen  zur  Anwendung.

ei  dem  Rechtsmittel  gegen  das  Prioritäts.  Erkenntniß  ist  das
Objekt  als  unschätzbar  anzunehmen,  wenn  die  dabei  in  Betracht  kommende
  Forderung  den  Betrag  von  60  Rthlr.  übersteigt.

3)  Für  die  Konstituirung  der  Passivmasse  im  Allgemeinen,  einschließlich  des
Prioritäts-Urtheils  und  dessen  Publikation,  Sadd  zu  erheben:  von  dem
Betrage  der  nach  Absindung  der  Vindikanten  und  Separatisten  unter  die
Konkurs-  und  Massegläubiger  zu  vertheilende  Masse:

a)  von  dem  Betrage  bis  zu  1000  Rthlr.  von  je  10  Rthlr.:  15  Sgr.,
b)  von  dem  Mehrbetrage  bis  zu  2000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:
24  Rthlr.,

(Nr.  6792)  c)  von
        <pb n="1567" />
        —  1390  —

c)  d  dem  Mehrbetrage  bis  20,000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:
1  thlr.,
d)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  100  Rthlr.  15  Sgr.

4)  Für  die  Konstituirung  der  Aktivmasse  einschließlich  der  Depositalverwaltung,
  des  Distributionsbescheides  und  der  Distribution,  jedoch  ausschließlich
  der  Kosten  der  Auktion,  wird  der  Satz  zu  3.  von  demjenigen  Betrage
der  Masse  erhoben,  welcher  den  Kostensätzen  für  Sequestrationen  (F.  13.
Brsrfh  und  Subhastationen  (F.  8.  C.  dieser  Verordnung)  nicht  unterwolfen
  ist.

5)  Wenn  der  Konkurs  durch  Vergleich  oder  Verzicht  beendigt  wird,  oder
nach  Erkennung  des  Konkurses  ein  Nachlaß  oder  Stundungsvertrag  zu
Stande  kommt,  so  werden  einschließlich  der  Kosten  für  die  Verlautbarung
und  gerichtliche  Bestätigung  eines  solchen  Vertrages,  im  Falle  das  Prioritäts=
  Urtheil  noch  nicht  ergangen  ist,  die  Sätze  zu  3.  und  1.  nur  zur
Hüst  nach  Erlaß  des  Prioritats=  Urtheils,  jedoch  vor  Anfertigung  des

istributionsplans  neben  den  vollen  Sätzen  zu  3.  die  Sätze  zu  4.  nur
zur  Hälfte  erhoben.

6)  Die  Bestimmungen  in  Artikel  10.  Alinea  1.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai
1854.  find  auch  bei  Konkursprozessen  maaßgebend.

7)  Der  bei  Anwendung  der  Kostensätze  zu  3.  und  4.  in  Betracht  kommende
Theil  der  Aktivmasse  wird  nach  dem  Erlöse  der  bereits  verkauften  Gegenstände
  oder  eingezogenen  Forderungen  berechnet.  Unveräußerte  Gegenstände
  kommen  nach  dem  Taxwerthe,  Aktivforderungen  nach  dem  Nennwerthe,
  Kreditpapiere,  Fonds  und  Effekten  nach  dem  Kurse  am  Tage
der  Kostenberechnung  in  Anschlag.  Forderungen,  deren  Uneinziehbarkeit
feststeht,  bleiben  außer  Berechnung.  Der  Taxwerth  der  zur  Masse
gehörigen  Immobilien  kommt  in  dem  Falle  zu  5.,  bei  den  Kostensätzen
ju  4.  selbst  dann  nicht  in  Betracht,  wenn  die  Subhastation  dieser  Immobilien
  noch  nicht  eingeleitet  worden  ist  und  deshalb  die  Kosten  gemäß
§.  8.  dieser  Verordnung  nicht  zu  erheben  find.

8.  10.
Zu  8.  14.  Nr.  1.  des  Tarifs.
Für  die  Immission  in  die  Immobilien  des  Schuldners,  einschließlich  der
erforderlichen  Nebenverfügungen  oder  Verhandlungen,  jedoch  ausschließlich  der

Eintragung  dieses  Akts  in  das  Generalwährschafts=  und  Hypothekenbuch,  wird
der  e  14.  Nr.  1.  des  Tarifs  erhoben.

S.  11.
Statt  Abschnitt  2.  Nr.  III.  I#.  25.  bis  32.  des  Tarifs.

A.  Für  die  Eintragung  des  Eigenthums-Uebergangs  in  das  Generalwährschafts=
  und  Hypothekenbuch,  einschließlich  der  Uebertragung  etwaiger  aus
er
        <pb n="1568" />
        —  1391  —

der  Zeit  der  früheren  Eigenthümer  darauf  ruhenden  Pfandrechte  und  aller
sonstigen  dabei  vorkommenden  Nebengeschäfte  ist  zu  erheben:

von  dem  Betrage  bis  5  Rthlr.  einschließlich:  5  Sgr.,

von  dem  Betrage  bis  200  Rthlr.  von  je  25  Rthlr.:  10  Sgr.,

von  dem  Mehrbetrage  bis  zu  1000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:

Gr.)
von  dem  Mehrbetrage  von  je  500  Rthlr.:  15  Sgr.
Der  Werth  mehrerer  Grundstücke,  welche  auf  Grund  ein  und  derselben

  Urkunde  von  Einem  Folium  auf  Ein  anderes  Folium  übertragen
werden,  wird  bei  Berechnung  der  Kosten  zusammengerechnet.

B.  Für  jede  Eintragung,  welche  die  Beschränkung  des  Eigenthums  oder  des
Verfügungsrechts  des  Besitzers,  bestellte  Pfandrechte  oder  gerichtlich
erkannte  Immissonen  betrifft,  und  alle  dabei  vorkommende  Nebengeschäfte
  ist  zu  erheben:

von  dem  Betrage  bis  5  Rthlr.  einschließlich:  5  Sgr.,

von  dem  Betrage  bis  zu  200  Rthlr.  von  je  25  Rthlr.:  74  Sgr.,

von,  dem  Mehrbetrage  bis  zu  1000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:
(7  Ögr.,

von  dem  Mehrbetrage  von  je  500  Rthlr.:  15  Sgr.

Für  die  Eintragung  von  Cessionen  und  andern  bei  den  Pfand  läbbigern
eintretenden  Veränderungen,  sowie  von  Verzichtleistungen  *  dingliche
Vorzugsrechte,  die  Hälfte  der  Sätze  sub  B.,  jedoch  nicht  unter  5  Sgr.

D.  Wenn  die  Eintragung  eines  Pfandrechts  (ad  B.  und  C.)  glechseitig  auf
den  Folien  mehrerer  für  dieselbe  Forderung  haftender  Korrealschuldner
bewirkt  wird,  so  wird  für  die  zweite  und  jede  besondere  Eintragung  nur
die  Hälfte  der  Sätze  ad  B.  und  C.,  jedoch  nicht  unter  5  Sgr.  und  nicht
über  3  Rthlr.  erhoben.  Wenn  aber  der  Werth  der  Grundstücke,  auf
welche  die  weitere  Eintragung  erfolgt,  geringer  ist  als  der  der  einzutragenden
  Post,  so  ist  nur  jener  als  Maaßstab  für  den  Kostenansatz
anzunehmen.

Dieser  Grundsatz  findet  auch  bei  Löschungen  Anwendung.

Für  die  in  Antrag  gebrachte  Eintragung  von  Vermerken,  welche  nicht
unter  die  Bestimmungen  sub  A.  bis  C.  fallen,  wird  die  Hälfte  der
Sie  sub  B.,  jedoch  nicht  unter  5  Sgr.  und  nicht  über  3  Rthlr.  eroben.


F.  Für  jede  Löschung  und  alle  dabei  sonst  vorkommenden  Nebengeschäfte

wird  die  Hälfte  der  für  die  Eintragung  bestimmten  Sätze  erhoben.
G.  1)  Für  die  gerichtliche  Bestätigung  der  zur  Eintragung  in  das  Generglwährschafts=
  und  Hypothekenbuch  gelangenden  Verträge,  soe
r

Q

*

OIr.  6702.)
        <pb n="1569" />
        —  1392  —

für  eine  auf  Grund  des  Währschafts=  und  Hypothekenbuchs  zu  ertheilende
  Bescheinigung,  ist  des  Satzes  sub  B.,  jedoch  nicht  unter
23  Sgr.  und  nicht  über  2  Rcthlr.  zu  erheben;

2)  für  die  Ertheilung  eines  vollständigen  Hypothekenscheins  und  für  die
Erneuerung  mortifizirter  Dokumente  die  Hälfte  der  Sätze  sub  B.,
jedoch  nicht  unter  5  Sgr.  und  nicht  über  3  Nthlür

  die  Bestätigung  von  Schuldurkunden,  denen  bei  der
Ausfertigung  ein  vollständiger  Hypothekenschein  beigeheftet  wird,  ist
der  Satz  zu  1.  neben  dem  Satze  zu  2.  nicht  zu  erheben.  Für  Atteste
über  die  Taxation  eines  Grundstücke  und  über  die  Be  zoiß  des
Besitzers,  über  dasselbe  zu  verfügen,  welche  gleichzeitig  mit  der  Ausfertigung
  des  Hypothekenscheins  zum  Zwecke  der  Ermittelung  eines
Darlehns  ertheilt  werden,  sind  neben  den  Sätzen  zu  2.  besondere
Kosten  nicht  zu  erheben.

H.  In  den  vormals  Bayerischen  Landestheilen  sind  bei  Anwendung  der  vorgoche
  u  A.,  B.,  C.  und  F.  bezeichneten  Kostensätze  für  die  bei  der
ührung  des  in  Gemäßheit  der  Allerhöchsten  Order  vom  8.  Juli  d.  J.
(Gesetz=  Samml.  S.  43.)  zum  Generalwährschafts=  und  2  ahen.
erweiterten  Generalhypothekenbuchs  vorkommenden  Geschäfte  die  na
stehenden  näheren  Bestimmungen  maaßgebend:

1)  Zu  A.  Der  Werth  mehrerer  Grundstücke,  bei  welchen  gleichzeitig
die  Berichtigung  des  Besitztitels  erfolgt,  ist  zusammenzurechnen,  wenn
dieselben  auf  einem  und  demselben  Folium  eingetragen  stehen,  beziehungsweise
  gleichzeitig  eingetragen  werden,  oder,  wenn  die  auf
verschiedenen  del  eingetragenen  Grundstücke  in  demselben  Gemeindebezirke
  belegen  sind  und  deren  Uebertragung  auf  ein  und
dasselbe  Hellum  keine  erheblichen  Gründe  entgegenstehen,  an  den
Besitzer  aber  eine  richterliche  Aufforderung,  eine  solche  Uebertragung
nachzusuchen,  noch  nicht  erlassen  worden  ist.

2)  Ist  eine  solche  Aufforderung  erlassen,  aber  ohne  Erfolg  geblieben,
oder  sind  die  auf  den  verschiedenen  Folien  eingetragenen  7
nicht  in  demselben  Gemeindebezirke  belegen,  oder  bestehen  die  auf  den
mehreren  Folien  eingetragenen  Grundstücke  in  Wohnhäusern,  mögen
dieselben  ausschließlich  ober  zugleich  bm  Betriebe  eines  Gewerbes
bestimmt  sein,  in  Mühlen  oder  besonderen  Landgütern,  so  werden
für  jedes  Folium  die  Kosten  besonders  berechnet.

3)  Zu  B.,  C.  und  F.  Die  Kosten  für  gleichzeitige  Eintragungen
oder  Löschungen  auf  mehreren  Folien  desselben  Besitzers  sind  in  dem
Falle  zu  1.  am  Schlusse  nicht  für  jedes  Folium  zu  berechnen,  sondern
  nur  einfach  nach  dem  Betrage  der  einzutragenden  oder  zu
löschenden  Post.

4)  Erfolgt  dagegen  die  Eintragung  oder  Löschung  auf  den  verschiedenen
Folien  nicht  gleichzeitig,  oder  treffen  bei  den  letzteren  die  unter

r.  2.  bezeichneten  Voraussetzungen  zu  so  wird  für  die  zweite  und
jede
        <pb n="1570" />
        —  1393  —

fede  besondere  Eintragung  nur  die  Hälfte  der  Sätze  zu  B.,  C.  und
erhoben.  4

Wenn  aber  der.  Werth  der  Grundstücke,  auf  welche  die  weitere
  Eintragung  oder  Löschung  erfolgt,  geringer  ist,  als  der  der
bnzutragenden  oder  zu  löschenden  Post,  so  ist  nur  jener  als  Maaßstab
  für  den  Kostenansatz  anzunehmen.

J.  Durch  die  vorstehenden  Sätze  werden  nicht  nur  die  Aueferigungs-  und
Protokollstempel,  sondern  auch  die  bisher  zu  den  Gesuchen  erforderlichen
Stempel  gedeckt.  (Vergl.  F.  2.  dieser  Verordnung.)

Für  die  bei  Berrbeitung  des  Hypothekenwesens  etwa  aufzunehmenden,
  in  Abschnitt  2.  unter  II.  des  Tarifs  88.  16.  ff.  bereichneten  Akte
der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit  werden  die  dort  bestimmten  Sätze  besonders
  erhoben.

Die  von  Amtswegen  zu  veranlassende  Eintragung  des  Pfandrechts
  der  Kuranden  auf  dem  Folium  des  Vormundes  oder  Kurators
erfolgt  ebenso  wie  die  spätere  Löschung  kostenfrei.

6.  12.
Statt  I§.  5.  und  7.  des  Gesetzes  vom  1.  Mai  1865:

Für  die  gerichtliche  Verlautbarung  des  von  den  Erben  über  die  Theilung
des  Nachlasses  errichteten  Vertrages  find  die  Kosten  nach  H.  20.  des  Tarifs  in
Verbindung  mit  §.  8.  des  Gesetzes  vom  1.  Mai  1865.  zu  erheben.

K.  13.
A.  Zu  F.  41.  des  Tarifs:

Für  die  Zuziehung  von  Auskunftspersonen  zum  Zwecke  der
Prüfung  und  gerichtlichen  Bestätigung  des  von  dem  zur  anderweiten
Ehe  schreitenden  Vater  errichteten  Inventars  über  das  Vermögen  der
Kinder  früherer  Ehe  find  keine  Kosten  zu  erheben.

B.  Zu  H.  43.  des  Tarifs:
Die  Kostensätze  S.  43.  des  Tarifs  sind  nur  zur  Hälfte  zu  erheben.
C.  Zu  H.  45.  des  Tarifs:

Fur  die  Sicherstellung,  Ermittelung  und  Theilung  eines  später
angefallenen  Nachlasses,  ingleichen  eines  vor  Eintritt  des  Falles  der
Bevormundung  angefallenen,  wenn  auch  schergesellt  achlasses
kommen  die  im  Gesetze  vom  1.  Mai  1865.)  beziehungsweise  F.  12.
dieser  Verordnung  bestimmten  Kosten  in  Ansatz;  für  die  Errichtung
oder  Einreichung,  Prüfung  und  gerichtliche  Bestätigung  des  von  dem
überlebenden,  zur  anderweiten  Ehe  schreitenden  Vater  aufzustellenden
Inventars  über  das  Vermögen  der  Kinder  früherer  Ehen  kommen  die

Jahrgang  1867.  (Nr.  6792.)  185  im
        <pb n="1571" />
        —  1394  —

im  8.  4.  Nr.  1.  des  Gesetzes  vom  1.  Mai  1865.  bestimmten  Kosten
zur  Anwendung.  -

5.14·«
Beglaubigung  des  Personenstandes.

A.  Für  die  auf  Antrag  der  Betheiligten  von  der  höheren  Behörde  erlassene
Verfügung,  durch  welche  ein  anderes  als  das  zuständige  Gericht  zur
Verlautbarung  des  Eheverlöbnisses  ermächtigt  wird,  einschließlich  der  dazu
gehörigen  Benachrichtigungen  ist  zu  erheben:  1  Rthlr.  10  Sgr.;

B.  für  die  von  dem  Protokolle  über  die  Eheanzeige  zu  ertheilende  beglaubigte
  Abschrift,  ingleichen  die  Sescheinigung  über  die  Verfügung  des
öffentlichen  Aufgebots  Behufs  Schließung  der  bürgerlichen  Ehe  (Kurhessische
  Verordnung  vom  13.  April  1853.):  20  Sgr.;

.  für  das  Attest  über  die  stattgehabte  Schließung  einer  solchen  Ehe:  25  Sgr.

C.  15.

Die  Tarifsätze  in  Strafsachen  sind  in  der  hierüber  ergangenen  besonderen
Verordnung  vom  heutigen  Tage  bestimmt.  In  Folge  dessen  bleiben  außer  Anwendung
  die  88.  1.  bis  14.  und  16.  des  Gesehes  vom  3.  Mai  1853.,  beziehungsweise
  die  I#.  48.  bis  59F.  des  Tarifs,  ingleichen  alle  über  den  Ansatz,  und
die  Erhebng  der  Gerichtskosten  in  Injuriensachen  in  dem  Gesetze  vom  10.  Mai
1851.,  dem  dazu  gehörigen  Tarife  und  den  dasselbe  ergänzenden  Bestimmungen
enthaltenen  Vorschriften.

□

!*“
Statt  F.  63.  des  Tarifs  und  Artikel  21.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854:

A.  In  allen  Fällen,  in  welchen  einer  Partei  aufoderen  Antrag  Abschriften
oder  Ausfertigungen  aus  Prozeßakten  —  -  eendigung  der  Instanz  —
oder  von  anderen  Verhandlungen  oder  Dokumenten,  deren  Mittheilung

  nicht  mehr  durch  den  gewöhnlichen  Geschäftsgang  bedingt  ist  und

auch  ohne  Antrag  nothwendig  erfolgen  mußte,  mitgetheilt  werden,  sind
zu  erheben:  für  jeden  auch  nur  angefangenen  Bogen  27  Sgr.  bei  ein.
sachen  Abschriften,  der  doppelte  Betrag  bei  beglaubigten  Abschriften  und
lusfertigungen.

Bei  triheilung  von  beglaubi  ten  Abschriften  und  Ausfertigungen
stempelpflichtiger  Dokumente  ist  zugleich  der  Betrag  des  in  den  Stempelgesetzen
  vorgefhriebenen  Stempels  zu  erheben.

B.  Wenn  Vollmachten  und  letztwillige  Dispositionen  von  den  Parteien
ohne  den  vorgeschriebenen  Stempel  eingereicht  werden,  so  ist  der  Betrag
desselben  als  Gerichtsgebühr  zu  liquidiren  und  einzuziehen.

Inwieweit  das  gleiche  Verfahren  bei  den  noch  fernerhin  nach  den  bisherigen
Kurhessischen  Stempelgesetzen  zu  versteuernden  stempelpflichtigen  Schriftstücken  eintreten
        <pb n="1572" />
        —  1395  —

treten  soll,  wird  auf  Grund  der  Vorschriften  im  zweiten  Absatze  des  §.  1.  der
Verordnung  vom  19.  Juli  d.  J.  (Gesetz-Samml.  S.  1191.)  angeordnet  werden.

Inventarien,  welche  außergerichtlich  aufgenommen  werden  und  zum  Gebrauch
  bei  stempelpflichtigen  Verhandlungen  dienen,  unterliegen  einer  Stempelabgabe
  von  15  Sgr.  In  Betreff  der  Erhebung  dieser  Abgabe  kommen  ausschließlich
  die  Vorschriften  der  Verordnung  vom  19.  Juli  d.  J.  und  in  den  bei
den  Gerichten  zu  bearbeitenden  Sachen  die  Bestimmung  im  letzten  Absatze  des
§S.  2.  der  gegenwärtigen  Verordnung  zur  Anwendung.

S.  17.
Statt  F.  66.  des  Tarifs:

Für  Mobiliar-Auktionen  sind  die  Gebühren  nach  der  Gebührentaxe  für  die
Auktionskommissarien  vom  21.  Juni  1845.  zu  berechnen.

*12
Zu  9.  67.  des  Tarifs:

Die  Gebühren  der  zu  vernehmenden  oder  zuzuziehenden  Jeugen,  Sachverständigen,
  Geistlichen  und  Aerzte  sind  nach  Maaßgabe  des  Regulativs  zu  bestimmen,
  welches  der  heute  erlassenen  Verordnung,  betreffend  den  Ansatz  der
Gerichtskosten  in  den  PHerogthümern  olstein  und  Schleswig,  beigefägt  ist.
Bis  zur  anderweiten  Regelung  der  Gebühren  für  die  gerichtlichen  Aerzte
bewendet  es  bei  den  Bestimmungen  im  §F.  76.  des  Kurhessischen  Stempelgesetzes
vom  22.  Dezember  1853.  Die  danach  zu  erhebenden  Stempelbeträge  unterliegen
den  Bestimmungen,  welche  in  Ansehung  der  baaren  Auslagen  im  F.  6.  des
Gesetzes  vom  10.  Mai  1851.  und  §9§9.  12.  beziehungsweise  13.  der  Verordnung
vom  heutigen  Tage,  betreffend  den  Ansatz  der  Gerichtskosten  in  Strafsachen,  getroffen
  worden  sind.

.  19.

Die  Gesetze  vom  11.  und  12.  Mai  1851.,  betreffend  den  Ansatz  und  die
Erhebung  der  Gebühren  der  Notare  und  der  Rechtsanwalte,  nebst  dem  Tarif
(Gesetz  Samml.  S.  651.  und  656.),  treten  von  dem  im  F.  1.  dieser  Verordnung
gedachten  Zeitpunkte  ab  in  Wirksamkeit,  jedoch  mit  den  nachstehenden  Abänderungenund
  Einschränkungen.

S.  20.
Zu  9.  10.  des  Gesetzes  vom  12.  Mai  und  F.  18.  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1851:

Für  alle  nicht  schon  vor  dem  ebengedachten  Zeitpunkte  beendigten  Geschäfte
kommen  die  nach  den  bezeichneten  Gesetzen  julässigen  Hchüßren  in  Anwendung;
in  Prozessen  jedoch  nur  insofern,  als  dieselben  in  der  Instanz,  für  welche  zu
liquidiren  ist,  in  die  nach  der  Verordnung  über  das  Verfahren  in  Civilprozessen
vom  24.  Juni  d.  J.  (Gesetz  Samml.  S.  885.)  vorgeschriebenen  Formen  umgeleitet
  worden  sind.

(Nr.  6792)  185“  .  21.
        <pb n="1573" />
        —  1396  —

G.  21.
Statt  §.  5.  Nr.  4.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  1851:

In  Konkursprozessen  kann  für  die  Feststellung  der  Verität  und  Priorität
jedes  einzelnen  Liquidats  in  erster  Instanz  nur  der  Satz  A.  beziehungsweise  der
zusätzliche  C.  —  einfach  —  nicht  aber  der  Satz  B.  liquidirt  werden;  für  die
weiteren  Instanzen  dagegen  gelten  die  Bestimmumgen  des  Tarifs  und  für  die
außerdem  zu  besorgenden  Geschöfte  der  von  den  Gläubigern  bestellten  Mandatare
insbesondere  die  Vorschriften  Abschnitt  II.  des  Tarifs.

§.  22.
Zu  H.  7.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  1851:

Der  Kostensatz  für  das  Kaufgelder-Bertheilungsrerfahren  6  7.  littr.  c.
des  Tarifs)  bleibt  ausgeschlossen,  wenn  die  Vertheilung  der  Kaufgelder  im  förmlichen
  Konkursverfahren  erfolgt.  Wegen  der  Gebühren  für  die  Spezialprozesse
kommen  in  dem  Falle  F.  8.  littr.  C.  dieser  Verordnung  die  vorstehend  im  §.  21.
getroffenen  Bestimmungen  zur  Anwendung.

G.  23.
Statt  F.  21.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  1851:

1)  In  Konkursprozessen  erhält  der  Kontradiktor  für  das  Verfahren  zur  Feststellung
  der  aient  Wr"  die  im  §.  #  dieser  Verordnung  bestimmten

  Gebühren  und  in  allen  von  ihm  sonst  noch  zu  führenden

Prozessen  dieselben  Gebühren,  wie  die  zum  Prozeßbetrieb  bevollmächtigten
Anwalte.

2)  Der  Massekurator,  und  zwar  sowohl  der  Interimskurator  als  auch  der
definitive  Kurator,  erhält  für  seine  gesammte,  die  Ermittelung  und  Feststellug

  der  Aktivmasse  betreffende  Geschäftsführung  von  dem  Betrage
erselben  (§.  9.  Nr.  4.),  und  zwar:
a)  von  dem  Betrage  bis  zu  1000  Rthlr.  einschließlich:  1  bis  3  Prozent,
b)  von  dem  Betrage  über  1000  Rthlr.  bis  5000  Rthlr.:  #  bis
14  Prozent,
c)  von  dem  Betrage  über  5000  Rthlr.:  4  Prozent.
Die  Ausmittelung  des  Betrages  der  Masse  erfolgt  nach  den  in
S.  9.  Nr.  7.  bezeichneten  Grundsätzen.  Die  zur  Masse  gehörigen  Immobilien
  bleiben  bei  der  Bestimmung  der  Gebühren  des  Massekurators
außer  Betracht.

3)  Für  die  Verwaltung  der  zur  Konkursmasse  gehörigen  Immobilien  erhält
der  Massekurator  oder  der  für  diese  Verwaltung  besonders  bestellte
Sequester  oder  Administrator:

bei  der  Verwaltung  von  Landgütern  eine  nach  x
        <pb n="1574" />
        —  1397  —

Ermessen  und  der  Beschaffenheit  des  einzelnen  Falles  vom  Konkursgericht
  zu  bestimmende  besondere  Entschädigung;

bei  der  Verwaltung  von  städtischen  Grundstücken  von  der
baar  eingegangenen  Miethe  jeder  Wohnung:

bei  einem  jährlichen  Miethsertrage  derselben  bis  50  Rthlr.
einschließlich:  7  Min

bei  einem  jährlichen  Miethsertrage  von  50  bis  100  Rthlr.:

6  Prozent,
bei  einem  jährlichen  Miethsertrage  von  100  bis  150  Rthlr.:
5  Prozent,

bei  allen  höheren  Miethen:  4  Prozent.

4)  Bei  der  Festsetzung  der  vorstehend  unter  Nr.  2.  gedachten  Belosiung
des  Massekurators  hat  das  Gericht  nach  billigem  Ermessen  zu  verfahren
und  hauptsächlich  auf  den  Umfang  der  Geschäftsführung,  die  Schwierigkeiten
  derselben,  die  bewiesene  ienett  und  Umsicht,  sowie  auf  den
a  der  der  Masse  verursachten  anderweiten  Kosten  Rücksicht  zu
nehmen.

Das  Gericht  ist  auch  ermächtigt,  den  nach  Prozentsätzen  bemessenen
Betrage  der  Belohnung  im  Falle  außerordentlicher  Mühwaltungn  des
Massekurators  zu  erhöhen  und  in  geeigneten  Fällen  zu  ermäßigen.

Scheidet  der  Massekurator  vor  Beendigung  seiner  Amtsverrichtungen
  aus,  so  hat  er  nur  einen  seinen  Leistungen  entsprechenden  Theil
der  Belohnung  zu  fordern.  Dasselbe  gilt  von  dem  eintretenden  Erfatzmanne.


G.  24.
Der  §.  8.  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1851  bleibt  außer  Anwendung.

KC.  25.

Die  Gebühren  der  Rechtsanwalte  in  Strafsachen,  insbesondere  auch  in
dem  Verfahren  auf  erhobene  Privatklage  (§#.  487.  ff.  der  Strafprozeß-Ordnung
vom  25.  Juni  d.  J.,  Gesetz  Samml.  S.  933.),  sollen  nach  den  darüber  in  der
Verordnung,  betreffend  den  Ansatz  der  Gerichtskosten  in  Strafsachen,  vom  heutigen
e  enthaltenen  Bestimmungen  erhoben  werden.  Der  J.  15.  des  Gesetzes  vom
3.  Mai  1853.,  beziehungsweise  die  §#F.  22.  bis  27.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  1851.,
bleiben  außer  Anwendung.

KC.  26.

Statt  des  H.  14.  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1851:

Für  die  Abhaltung  von  Auktionen  haben  die  Notare  die  Gebühren  nach
den  im  F.  17.  dieser  Verordnung  getroffenen  Bestimmungen  zu  berechnen.
C#.  6792.)  .  27
        <pb n="1575" />
        —  1398  —

*-Alle
  dieser  Verordnung  zuwiderlaufenden  Bestimmungen  treten  vom  1.  September
  d.  J.  ab  außer  Anwendung.

Wo  in  den  Kosten-  und  Gebührengesetzen  und  Tarifen  (§9.  1.  und  19.)
auf  Gesetze  oder  Verordnungen  Bezug  genommen  wird,  welche  in  dem  Geltungsbereich
  der  gegenwärtigen  Verordnung  nicht  in  Kraft  sind,  treten  die  entsprechenden
bestehenden  Gesetze  und  Verordnungen  an  deren  Stelle.

Zweifel,  welche  sich  in  diesen  Beziehungen  bei  Anwendung  der  im  §.  1.
bezeichneten  Gesetze  ergeben,  werden  durch  den  Justizminister  erledigt.
g.  28.
Der  Justizininister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

C.  29.

Die  Minister  der  Finanzen  und  der  Justiz  haben  die  Anordnungen  zu
treffen,  welche  erforderlich  sind,  um  die  Erhebung  und  Verrechnung  der  Kosten
und  Gebühren  den  Gerichten  soweit  als  thunlich  abzunehmen  und  den  von  ihnen
zu  bestimmenden  Verwaltungsbehörden  zu  übertragen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  30.  August  1867.
H.  &amp;amp;.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6793.)
        <pb n="1576" />
        —  1399  —

(Nr.  6793.)  Verordnung,  betreffend  den  Ansatz  und  die  Erhebung  der  Gerichtskosten  und
der  Gebühren  der  Notarc  und  Rechtsanwalte  in  dem  vormaligen  Herzogthum
  Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Gebictstheilen,
mit  Ausschluß  des  Oberamtsbezirks  Meisenheim.  Vom  30.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  7

verordnen  für  das  Gebiet  des  vormaligen  Herzogthums  Nassau  und  die  vormals
Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheile,  mit  Ausschluß  des  Oberamtsbezirks  Meisenheim,
  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.

Das  Gesetz  vom  10.  Mai  1851.,  betreffend  den  Ansatz  und  die  Esfebun
der  Gerichtskosten  (Gesetz  Samml.  S.  622.),  nebst  dem  dazu  gehörigen  Tarife,  und

das  Gesetz  vom  9.  Mai  1851.,  betreffend  die  bei  den  Justizbeamten  für  die
Besorgung  gerichtlicher  Geschäfte  außerhalb  der  ordentlichen  Gerichtsstelle  zu  bewilligenden
  Diäten,  Reisekosten  und  Kommissionsgebühren  (Gesetz-Samml.
S.  619.),  sowie

die  diese  Gesetze  und  den  Tarif  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden
  Bestimmungen,

treten  vom  1.  September  d.  J.  ab  in  dem  vormaligen  Herzogthum
Nassau  und  den  vormals  Großherzoglich  Hesichen  Gebietstheilen,  mit  Ausschluß
des  Oberamtsbezirks  Meisenheim,  in  Wirksamkeit,  jedoch  mit  den  nachstehenden
Abänderungen,  beziehungsweise  Einschränkungen.

.  2.

In  den  ehemals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  bleiben  in  Bezug
auf  den  Kostenansatz  die  I§.  25.  bis  32.  des  Tarifs  insoweit  außer  Anwendung,
als  unter  H.  14.  D.  dieser  Verordnung  dieserhalb  etwas  Anderes  nicht  bestimmt
worden  ist.

G.  3.

Statt  §.  16.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851:

Wo  der  Tarif  nicht  ausdrücklich  die  Erhebung  von  Stempelbeträgen  anordnet,
  findet  eine  solche  nicht  statt.

Wo  in  den  im  F.  1.  bezeichneten  Gerichtskosten-Gesetzen  us  das  Stempelgesetz
  verwiesen  worden  ist,  sind  die  entsprechenden  Bestimmungen  der  Verordnung
über  die  Verwaltung  des  Stempelwesens  und  die  Erhebung  des  Urkundenstempels
  vom  19.  Juli  d.  J.  (Gesetz-Samml.  S.  1191.)  beziehungsweise  der
durch  diese  Verordnung  nicht  aufgehobenen  Nassauischen  resp.  Kurhessischen  Stempelgesetze
  maaßgebend.

Die  Stempelbeträge,  deren  Erhebung  der  Tarif  (F.  24.  Nr.  1.)  beibehält,
werden  wie  Gerichtskosten  verrechnet,  insbesondere  bei  Anwendung  der  Vor-Me.

  6783.  schriften
        <pb n="1577" />
        —  1400  —

schriften  4.  bis  6.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851.  als  Gerichtskosten  behandelt.
  Ein  Verbrauch  von  Stempelmaterial  in  den  bei  den  Gerichtsbehörden
zu  bearbeitenden  Angelegenheiten  findet  nicht  statt.

S.  4.
Statt  §.  18.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851:2

Eine  ausschließliche  oder  auch  nur  theilweise  Anweisung  der  richterlichen
Beamten  und  der  Boten  und  Erxekutoren  auf  selbstverdiente  Gebühren  statt  der
Besoldung  findet  nicht  statt.  Dagegen  sind  die  Minister  der  Finanzen  und  der
Justiz  ermächtigt,  zu  bestimmen)  daß  den  Büreaubeamten  bei  den  Kreis=  und
Amtsgerichten  die  Kalkulaturgebühren,  sowie  gegen  die  Verpflichtung  zur  Remunerirung
  der  erforderlichen  Gehülfen  und  Schreiter  und  zur  Bestreitung  der
Büreaukosten  ein  Theil  von  den  Gerichtskosten  als  ein  neben  der  fixirten  Besoldung
  zu  beziehendes,  bei  der  Pensionirung  jedoch  nicht  anrechnungsfähiges
Einkommen  angewiesen  wird.

S.  5.
Der  §.  19.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851.  findet  keine  Anwendung.

S.  6.
Statt  §.  21.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851:

Wenn  in  einer  am  1.  September  d.  J.  noch  nicht  beendigten  Rechtsangelegenheit
  Kosten  oder  Stempel  bereits  theilweise  in  Ansatz  gekommen  sind,
so  kommt  deren  Betrag  auf  die  nach  dem  Tarif  zu  liquidirenden  Kosten  in  Abzug;)
  in  den  am  1.  September  d.  J.  noch  nicht  beendigten  Civilprozessen  jedoch
nur  insofern,  als  das  Verfahren  in  der  Instanz,  für  welche  die  Kosten  in  Ansatz
zu  bringen  sind,  in  die  nach  der  Verordnung  über  das  Verfahren  im  Civilprozesse
  vom  24.  Juni  d.  J.  (Gesetz=  Samml.  S.  885.)  vorgeschriebenen  Formen
umzuleiten  gewesen  ist.

S.  7.
Die  Vorbemerkung  Nr.  III.  des  Tarifs  bleibt  außer  Anwendung.

G.  8.
Statt  §.  10.  des  Tarifs:

Das  von  Amtswegen  ohne  vorangegangenes  Verfahren  zu  erlassende  Konkurserkenntniß
  (§.  52.  Nr.  1.  bis  3.  der  Konkursordnung  vom  28.  September
1859.,  Verordnungsblatt  S.  182.),  ingleichen  das  von  Amtswegen  eingeleitete
und  bei  dem  Nachweis  der  Zahlunzsfähiken  des  Schuldners  eingestellte  Ueberschuldungsverfahren
  ist  kostenfrei.  Dagegen  wird  der  Satz  Artikel  7:  A.  des
Gesetzes  vom  9.  Mai  1854.  erhoben  für  die  Verhandlung  über  die  Eröffmung
des  Konkurses  und  die  Maaßregeln  zur  vorläufigen  Sicherstellung  der  Masse,

wenn
        <pb n="1578" />
        —  1401  —

wenn  in  Folge  derselben  auf  Konkurs  erkannt  wird,  oder  die  Gläubiger,  welche
die  Hülfsvollstreckung  erwirkt  haben,  die  Einstellung  des  Ueberschuldungsverfahrens
beantragen;  ingleichen  fur  die  Verhandlung  über  die  eessio  bonorum.  Das
Kostenobjekt  ist  in  diesen  Fällen  als  unschähbar  anzunehmen.

Bei  Einstellung  des  Ueberschuldungsverfahrens  auf  den  Antrag  der  Gläubiger,
  welche  die  Hülfsvollstreckung  erwirkt  haben,  sind  die  Kosten  von  den  letzteren,
in  den  anderen  Fällen  aus  der  Konkursmasse  zu  erheben.

Wird  gegen  das  Erkenntniß  ein  Rechtemittel  eingelegt,  und  dasselbe  verworfen,
  so  kommen  für  die  Verhandlung  und  Entscheidung  darüber  die  nämlichen
Sätze,  wie  im  gewoͤhnlichen  Prozesse  zur  Anwendung;  wenn  dagegen  das  Konkurs-Erkenntniß
  in  Folge  des  von  dem  Schuldner  eingelegten  Rechtsmittels  aufgehoben
wird,  so  find  die  Kosten  des  Verfahrens  in  beiden  Instanzen  bis  auf
Schuldner  zur  Last  fallenden  baaren  Auslagen  niederzuschlagen.

g.  9.
Statt  Artikel  12.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854:

A.  Für  die  Exelutionsmaaßregeln  welche  der  Zwangsversteigerung  von  Grundstücken
  vorausgehen,  insonderheit  für  das  Pfändungedekret,  den  Pfändungsakt
  und  die  auf  den  letzteren  ergehende  gerichtliche  Verfügung,  welche  die
Fortsetzung  des  Exekutionsverfährens  anordnet,  sind  für  jeden  dieser  Akte
besonders  die  Sätze  Artikel  5.  A.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854.  nach
dem  Betrage  der  beizutreibenden  Forderung  zu  erheben.

B.  r  jeden  von  dem  Amtsgerichte  abgehaltenen  Lizitationstermin  ist  zu
erheben:

a)  von  dem  Betragebis  zu  100  Rthlr.  einschließlich,  von  je  25  Rthlr.  74  Sgr.,

b)  von  dem  Mehrbetrage  bis  200  Rthlr.  von  je  50  Rthlr.  5  Sgr.,

ie  dem

)  .  -500--.100-5-d)
  "]l  .  1000  zgarsätlich  15
#e)  -  -5000-vonje1000-15-t-)-.
  .  -10,000-zusäylich  1  Rthlr.
)  Q„  20,000  "  "

h)  bei  Objekten  über  20,000  Rthlr.  zusätzlich  noch  2  Rthlr.
Im  Falle  der  Antrag  auf  Versteigerung  nach  Abgang  der  Publikations-Ausschreiben
  zurückgenommen  wird  und  der  Liezitationstermin
vor  dem  Amtsgerichte  anberaumt  worden  war,  tritt  der  Satz  Artikel  5.  A.
des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854.  zur  Hälfte  ein.
C.  Für  die  richterliche  Genehmigung  des  Verkaufs  kommen  zur  Hebung:
a)  von  dem  Betrage  bis  200  Rthlr.  von  je  10  Rthlr:  7  Sgr.,
b)  von  dem  Mehrbetrage  bis  1000  Rthlr.  von  je  10  Rthlr.:  4  Sgr.,

e)  von  dem  Mehrbetrage  bis  10,000  Rthlr.  von  je  200  Rthlr.:
24  Rthlr.)
Jabrgang  1867.  (Nr.  6793.)  186  d)  von
        <pb n="1579" />
        —  1402  —

4)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  100  Rthlr.:  1  Rcthlr.

Für  die  richterliche  Verfügung,  durch  welche  die  Genehmigung  der
Zuschlagsertheilung  versagt  wird,  ist  der  Satz  Artikel  5.  A.  des  Gesetzes
vom  9.  Mai  1854.  zu  erheben,  wenn  nicht  zugleich  die  Abhaltung  eines
neuen  Lizitationstermins  vor  dem  Anmtsgerichte  oder  die  Einleitung
des  Ueberschuldungsverfahrens  angeordnet  wird.

Wenn  in  einetm  und  demselben  Verfahren  mehrere  Grundstücke
zum  Verkauf  gestellt  werden,  so  sind  die  Sätze  zu  B.  nach  der  zusammenzurechnenden
  Summe  des  Werthes  aller  Grundstücke,  die  Sätze  zu  C.
aber  von  jedem  Grundstücke,  welches  nicht  als  Pertinenz  eines  anderen
oder  derherht  mit  andern  in  Einer  Summe  verkauft  wird,  beziehungsweise
  nach  der  zusammenzurechnenden  Summe  des  Werthes  der  Grundstücke,
  in  Ansehung  deren  die  Genehmigung  der  Zuschlagsertheilung  versagt
  wird,  besonders  zu  berechnen.

Die  Beträge  sind  nach  dem  Meistgebot,  wenn  es  aber  nicht  zur
Lizitation  kommt,  nach  dem  Taxwerthe  zu  bestimmen.  Erreicht  das
Meistgebot  nicht  3  des  Taxwerthes,  so  ist  der  letztere  Betrag  —  3  des
Tazwerthes  —  bei  Berechnung  der  Kosten  zum  Grunde  zu  legen.  Soweit
in  dem  letzteren  Falle  das  Kaufgeld  zur  Berichtigung  der  aus  der  Masse
vorweg  zu  entnehmenden,  durch  den  Kostenvorschuß  nicht  gedeckten  Kosten
unzureichend  ist,  bleibt  der  Käufer  für  den  überschießenden  Betrag  derselben
  verhaftet.

S.  10.
Statt  des  Gesetzes  vom  15.  März  1858.  und  F.  12.  des  Tarifs:
Im  Konkursprozesse  wird  erhoben:

1)  für  die  Sicherstellung,  Ermittelung  und  Feststellung  der  Aktivmasse,
sowie  deren  Distribution,  jedoch  ausschließlich  der  Kosten  für  die  Mobiliarversteigerung
  und  die  Sequestration  der  Grundstücke,  von  dem  Betrage
der  nach  Abfindung  der  Vindikanten,  Separatisten,  Faustpfand=  und
Hypothekgläubiger  sich  ergebenden  gemeinen  Masse,  falls  diese  die
Passivmasse  nicht  übersteigt:  -

a)  von  dem  Betrage  bis  zu  1000  Rthlr.  von  je  10  Rthlr.:  14  Sgr.,

b)  von.  dem  Mehrbetrage  bis  zu  2000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:
thlr.,

c)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  100  Rthlr.:  15  Sgr.

Im  Falle  sich  eine  Suffizienz  der  Masse  ergiebt,  sind  diese  Sätze
nach  dem  Betrage  der  Passivmasse  zu  berechnen;

2)  für  die  Berufung  der  Konkursgläubiger  zum  Liquidationstermin,  für
die  Prüfung  der  angemeldeten  Forderungen  und  das  Lokations-Urtheil
kommt  die  Hälfte  der  vorstehenden  Sätze  zur  Hebung.

3)  Es  wird  nur  die  Hälfte  der  Sätze  zu  1.  und  2.  erhoben,  wenn  der  Konkurs
  aufgehoben  oder  durch  Vergleich  beendigt  worden  ist  (§6.  62.  und  76.

der
        <pb n="1580" />
        —  1403  —

der  Konkursordnung  vom  28.  September  1859.)  Nassauisches  Verordnungs-Blatt
  S.  182.).

4)  Die  bei  Anwendung  der  vorstehenden  Kostensätze  in  Betracht  zu  ziehende
gemeine  Masse  wird  nach  dem  Erlöse  der  bereits  verkauften  Gegenstände
oder  eingezogenen  Forderungen  berechnet.  Unveräußerte  Gegenstände
kommen  nach  dem  Taxwerthe,  Aktivforderungen  nach  dem  Nenmwerthe,
Kreditpapiere,  Fonds  und  Effekten  nach  dem  Kurse  am  Tage  der  Kostenberechnung
  in  Anschlag.  Forderungen,  deren  Uneinziehbarkeit  feststeht,
bleiben  außer  Berechnung.  -

5)  Für  die  einzelnen  Liquidations-  und  Prioritätsprozesse  kommen  die  Kosten
wie  in  gewöhnlichen  Prozessen  zur  Erhebung.  ei  Prioritätsklagen  ist
der  Gegenstand  als  unschätzbar  anzunehmen,  wenn  die  Forderung  des
Klägers  die  Summe  von  60  Rthlr.  übersteigt.  Für  die  Liquiderkennung
der  im  Liquidationstermin  als  richtig  zugestandenen  Ansprüche  sind  keine
Kosten  zu  erheben.

6)  Für  die  Prüfung  eines  Gesuchs  um  die  Restitution  gegen  die  aus  der
Versäumung  des  Liquidationstermins  sich  ergebende  Wirkung  der  Präklusion
  wird  der  Satz  Artikel  5.  A.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854.
um  die  Hälfte  erhöht  und  ohne  Beschränkung  auf  ein  Minimum  von
dem  Restitutionssucher  erhoben.

7)  Für  die  Versteigerung  der  zur  Konkursmasse  gehörigen  Immobilien  sind
die  Kostensätze  9.  9.  B.  und  C.  dieser  Verordnung  zu  erheben.

KE.  11.
Statt  §.  13.  des  Tarifs:

Für  die  in  Folge  des  Administrationskonkurses  oder  auf  Antrag  eines
Gläubigers  ausgebrachte  Beschlagnahme  der  Gutseinkünfte  2c.,  Sequestration  oder
W#minrazion  einer  unbeweglichen  Sache  —  ausschließlich  der  Remuneration
des  Sequesters  —  wird  nach  dem  Jahresbetrage  der  aufkommenden  Revenüen
die  Hälfte  der  Sätze  F.  10.  Nr.  1.  dieser  Verordnung,  und  wenn  damit  eine
geichtliche  Vercheilung  verbunden  ist  (G.  72.  der  Konkursordnung  vom

8.  September  1859.,  Nassauisches  Verordnungsblatt  S.  182.),  werden  die  vollen
Sätze  des  §.  10.  Nr.  1.  a.  a.  O.  erhoben.

Für  die  bei  diesem  Verfahren  etwa  entstehenden  eigentlichen  Prozesse  werden

  die  für  diese  bestimmten  Sätze  besonders  erhoben.

K.  12.
Statt  §.  14.  des  Tarifs:
1)  Für  die  Erkennung  der  Auspfändung  durch  den  Erlaß  eines  Pfändungsdekrets
  (§.  20.  des  Gesetzes  vom  16.  Juli  1851.,  Nassauisches  Verordnungsblatt
  S.  121.),  für  den  Erlaß  des  Befehls  zur  Vollziehung  des

Urtheils  durch  persoönliche  Verhaftung  (S§.  75.  ff.  a.  a.  O.)  oder  des
(Nr.  6793.)  186“  eine
        <pb n="1581" />
        1404  —

eine  andere  Exekutionsmaaßregel  androhenden  Gerichtsbefehls  (5.  82.  ff.
a  a.  O.),  für  die  prozeßrichterliche  Verfügung  auf  Bestellung  einer
Hwother  (6.  24.  des  Gesetzes  vom  15.  Mai  1851.,  Nassauisches  Verordnungsblatt
  S.  73.)  —  in  allen  diesen  Fällen  einschließlich  der  erforderlichen
  Nebenverfügungen  oder  Verhandlungen  —  wird  bei  Beträgen
bis  zu  1  Rthlr.  einst  leßia,  2  Sgr.,  und  bei  höheren  Beträgen  der  Satz
Artikel  5.  A.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854.,  jedoch  unter  Fortfall  der
Beschränkung  auf  das  Minimum  von  5  Sgr.,  erhoben,  und  zwar  für
jede  dieser  Exekutionsmaaßregeln  besonders  nach  dem  Betrage  des  Gegenstandes
  derselben  und  bei  erneuerten  Anträgen  wiederholt.

2)  Für  die  Vollziehung  der  Auspfändung  ohne  Rücksicht  auf  das  Ergebniß
derselben,  oder  wenn  bei  dem  Antritt  der  Vollziehung  dem  Gerichtsbefehle
  genügt  oder  der  Exekutionsantrag  zurückgenommen  wird)  ist  der
Satz  zu  1.  nochmals  zu  erheben.

3)  Für  die  Vollstreckung  der  Exekution  durch  Personalarrest  oder  durch  Ausführung
  der  executio  ad  faciendum  wird  erhoben:

a)  bei  Beträgen  bis  zu  1  Rthlr.  einschließlich:  2  Sgr.,

b)  bei  Beträgen  bis  zu  100  Rthlr.  einschließlich,  von  je  10  Rthlr.:
4  Sgr.,  jedoch  nicht  unter  5  Sgr.,

c)  von  dem  Mehrbetrage  bis  zu  200  Rthlr.  einschließlich,  von  je
10  Rthlr.:  2  Sgr.,

4)  von  dem  Mehrbetrage  von  je  50  Rthlr.:  6  Sgr.

4)  Für  die  auf  den  Pfändungsakt  ergehende  richterliche  Verfügung),  welche
weitere  Zwangsmaaßregeln  anordnet  (I.  38.  des  Nassauischen  Gesetzes
vom  16.  Juli  1851.),  sind  von  dem  wirklich  beigetriebenen  Betrage  der
Forderung  die  Sätze  ad  3.  unter  Anrechnung  der  Kosten  ad  2.  zu  erheben,
  dergestalt,  daß,  im  Falle  blos  ein  Theil  der  Forderung  beigetrieben
  wird,  nicht  weniger  als  der  Satz  2.  zur  Erhebung  gelangt.

5)  Die  Bestimmungen  ad  2.  bis  4.  bleiben  außer  Anwendung,  und  bewendet
  es  lediglich  bei  dem  Kostensatze  zu  1.,  wenn  auf  Grund  der  im
Pfändungsdekrete  getroffenen  ausdrücklichen  Anordnung  ausstehende  Forderungen,
  Besoldungen,  Pensionen  und  andere  an  die  Person  des
Schuldners  gebundene  Einkünfte  in  Beschlag  genommen  worden  sind.

.  13.

Statt  F.  23.  des  Tarifs  und  Artikel  16.  Nr.  3.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854:

1)  Für  die  gerichtliche  Verfügung,  durch  welche  die  freiwillige  Versteigerung
von  Grundstücken  gestattet  wird,

2)  für  jeden  vom  Amtsgericht  abgehaltenen  Lisitationstermin,  einschließlich

der  darauf  Bezug  habenden  Publikations-Ausschreiben,  werden  die  Kosten--

  sätze
        <pb n="1582" />
        —  1405  —

sätze  §.  16.  des  Tarifs,  und  zwar  für  jeden  der  Akte  zu  1.  und  2.  besonders
  berechnet.

Für  die  Genehmigung  der  Zuschlagsertheilung  von  Seiten  des  Versteigerers,
  wenn  dieselbe  gerichtlich  protokollirt  oder  gerichtlich  beglaubigt
wird,  sind  die  Kosten  nach  §#.  16.  oder  18.  und  beziehungsweise  21.
des  Tarifs  zu  erheben.

Bei  der  Aufhebung  des  Versteigerungsverfahrens  vor  Abhaltung
des  Lizitationstermins  bewendet  es  bei  dem  Kostensatze  zu  1.

Wenn  in  einem  und  demselben  Verfahren  mehrere  Grundstücke
zur  freiwilligen  Tersteigerung  gestellt  werden,  so  sind  die  Sätze  zu  1.
und  3.,  und  im  Falle  der  Aufhebung  des  Verfahrens  vor  erfolgter  Genehmigung
  der  Zuschlagsertheilung  auch  der  Satz  zu  2.)  nach  dem  zusammenzurechnenden
  Werthe  aller  Grundstücke,  falls  aber  die  Zuschlagsertheilung
  genehmigt  wird,  der  Satz  zu  2.  für  jeden  Käufer  nach  dem
zusammenzurechnenden  Werthe  der  ihm  zugeschlagenen  Grundstücke  4
berechnen.  Die  Bestimmung  des  Werths  erfolgt  nach  den  im  §9.  9.
dieser  Verordnung  bestimmten  Grundsätzen.

3

’P

Statt  §§.  25.  bis  32.  des  Tarifs:

A.  Für  das  Ab-  und  Zuschreiben  der  Giumdstücke  bei  Besitzveränderungen
im  Original.  Stockbuch,  einschließlich  der  dabei  vorkommenden  Nebengeschäfte
  sind  zu  erheben:

von  dem  Betrage  bis  zu  5  Rthlr.  einschließlich:  5  Sgr.,
„  "  .  200  Rthlr.  von  je  25  Rthlr.:  10  Sgr.,
.Maehrbetrage  bis  zu  1000  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:  10  Sgr.,
i-  -  von  je  500  Rthlr.:  15  Sgr.

Der  Werth  mehrerer  Grundstücke,  welche  zugleich  auf  ein  und
dasselbe  Folium  (Artikel)  eingetragen  werden,  wird  zusammengerechnet.

B.  Für  die  Eintragung  eines  Pandrechts  oder  eines  Eigenthumsvorbehalts
in  das  Original  Stockbuch  und  alle  dabei  vorkommenden  Nebengeschäfte
einschließlich  der  künftigen  Löschung  ist  zu  erheben:

von  dem  Betrage  bis  zu  5  Rthlr,  einschließlich:  5  Sgr.,

.-  -  --200Nthlr.vonje25Rthlr.:7L;Sgr.,
Mehrbetrage  bis  zu  1000  Rthlr.  von  je  100  Rihlr.:  73  Sgr.,
.-  -  von  je  500  Rthlr.:  15  Sgr.

C.  Für  die  Vermerkung  einer  Cession,  einschließlich  der  erforderlichen  Benachrichtigung
  und  aller  dabei  sonst  vorkommenden  Nebengeschäfte  wird
die  Hälfte  der  Säte  ad  B.  erhoben.  «

(Nk.s793.)  D.  Für
        <pb n="1583" />
        —  1406  —

D.  Für  die  Ausfertigung  jeder  Urkunde  über  den  Eigenthumsübergang
(Kauf.,  Tausch-,  Steig-,  Schenkungsbrief  ꝛc.),  oder  über  die  Bestellung
von  Servituten,  einschließlich  der  darin  ertheilten  Bescheinigung  über  die
erfolgte  Eintragung  in  das  Stockbuch  wird  3  des  Satzes  zu  B.,  jedoch
nicht  unter  24  Sgr.  und  nicht  über  2  Rthlr.  erhoben.

In  den  vormals  Großherzoglich  Hessischen  Landestheilen  wird
dieser  Kostensatz  erhoben:

für  die  Ausfertigung  eines  Hypothekentitels,  beziehungsweise  für
die  richterliche  Bestätigung  der  bei  den  Ortsgerichten  protokollirten  oder
außergerichtlich  errichteten  Verträge,  welche  entweder  vermöge  der  bestehenden
  gesetzlichen  Vorschriften,  oder  auf  Verlangen  der  Interessenten
ertheilt  wird,  und  zwar  für  jede  eingereichte  oder  ertheilte  Ausfertigung.

In  denjenigen  Bezirken)  in  welchen  die  Großherzoglich  Hessischen
Gesetze  vom  21.  Pebrun.  1852.,  15.  September  1858.  und  19.  Januar
  1859.  nach  Anleitung  der  Instruktionen  vom  29.  Juni  1858.  und
1.  Dezember  1861.  zur  Anwendung  kommen,  wird  derselbe  Kostensatz
erhoben:

a)  für  jede  von  dem  Amtsgerichte  an  ein  oder  an  mehrere  Ortsgerichte
gleichzeitig  ergehende  Weisung  wegen  Bewirkung  eines  Eintrags  oder
einer  Lösthungg  beim  Hypothekenbuch  und  für  jede  Eintragung  in
das  Mutations-Verzeichniß;

b)  die  Hälfte  dieses  Kostensatzes  hingegen  für  die  Weisung  des  Amtsgerichts
  an  das  Ortsgericht  wegen  eines  Eintrages  oder  einer  Löschung
in  die  Faustpfand-Tabelle.

Für  die  bei  der  Führung  des  Original-  Stockbuchs  von  den
Gerichten  etwa  aufuunehmonden  Akte  der  seiwill  en  Gerichtsbarkeit,
insonderheit  für  die  Aufnahme  von  Schuld-  und  Ofnndverschreihungen,
einschließlich  der  darüber  auszufertigenden  Urkunden,  werden  die  dafür
bestimmten  Kostensäze  besonders  erhoben.  Dagegen  sind  durch  die  Kostensite
  *l  A.  bis  D.  die  Gesuchs-,  Ausfertigungs-=  und  Protokoll-Stempel
gedeckt.

 

K.  15.

Statt  §.  5.  des  Gesetzes  vom  1.  Mai  1865:

Für  die  gerichtliche  Verlautbarung  des  von  den  Erben  über  die  Theilung
des  Nachlasses  errichteten  Vertrages  sind  die  Kosten  nach  F.  20.  des  Tarifs  in
Verbindung  mit  §9.  8.  des  Gesetzes  vom  1.  Mai  1865.  zu  erheben.

S.  16.
A.  Statt  K.  41.  des  Tarifs-Für

  die  Bestellung  von  Kuratoren  zur  Wahrnehmung  einzelner
Geschäfte  und  deren  etwaige  Beaufsichtigung  und  Bestätigung,  namentlich
bei  Ernennung  von  Litiskuratoren,  Kuratoren  der  liegenden  Erbmaseei
        <pb n="1584" />
        —  14607  —

bei  Stiftungen  u.  s.  w.  sind  statt  aller  Sporteln  und  Stempel  die  Sätze
§.  16.  des  Tarifs  zu  erheben.  Diese  Sätze  können  jedoch  nur  insoweit
zum  Ansatz  gebracht  werden,  als  nicht  rücksichtlich  der  Personen,  in
deren  Interesse  der  Kurator  bestellt  wird,  eine  Vormundschaft  oder
Kuratel  einzuleiten  ist,  auf  welche  die  hier  folgenden  Bestimmungen
Anwendung  finden.

B.  Statt  §.  42.  des  Tarifs:

In  anderen  Kuratel-  und  in  Vormundschaftssachen,  sei  es,  daß
ein  aufsehender  oder  verwaltender  Vormund  bestellt  worden  ist,  sind
zu  erheben  von  demjenigen  Vermögen  der  Kuranden,  welches  der  Aufsicht
  oder  Verwaltung  des  Vormundes  unterliegt,  insofern  dasselbe  über
50  Rthlr.  beträgt  (.  7.  Nr.  5.  des  Gesetzes  vom  10.  Mai  1851):

von  dem  Betrage  bis  zu  100  Rthlr.  von  je  10  Rthlr.:  3  Sgr.,

von  dem  Mehrbetrage  bis  zu  200  Rthlr.  von  je  50  Rthlr.:  77  Sgr.,
bis  zu  500  Rthlr.  von  je  100  Rthlr.:  10  Sgr.,
von  je  100  Rthlr.:  5  Sgr.

C.  Zu  §.  43.  des  Tarifs:

Außerdem  sind  zu  erheben  für  die  Revision  und  Abhör  der
Vormundschaftsrechnung:

die  Hälfte  der  Sätze  §.  43.  des  Tarifs.
D.  Statt  §.  44.  des  Tarifs:

Außer  den  vorstehenden  Kostenbeträgen  und  den  etwa  entstehenden
baaren  Auslagen  und  Kalkulaturgebühren  dürfen  keine  Kosten  angesetzt
werden  für  alle  diejenigen  Verhandlungen  und  Verfügungen  der  Ver.
mundschaftsbehörde,  welche  dieselbe  Behufs  Ermittelung,  Sicherstellung,
Verwaltung  oder  Beaufsichtigung  desjenigen  Vermögens  vornimmt  oder
erläßt,  welches  zur  Zeit  der  Einleitung  der  Vormundschaft  oder  Kuratel
der  vormundschaftlichen  Aufsicht  unterworfen  wird.

E.  Zu  §F.  45.  des  Tarifs:

Bei  Regulirung  eines  später  oder  schon  vor  Eintritt  des  Falles
der  Bevormundung  angefallenen  Nachlasses,  in  Mseung  dessen  bis
dahin  eine  Vormundschaft  nicht  angeordnet  war  (s.  vorstehend  sub  5)
kommen  die  im  Gesetze  vom  1.  Mai  1865.  und  H.  15.  dieser  Veror
nung  bestimmten  Kosten  zum  Ansatz.

..  17.

Die  Darifsätze  in  Strafsachen  sind  in  der  hierüber  ergangenen  besonderen
Verordnung  vom  heutigen  Tage  bestimmt.  In  Folge  desen  bleiben  außer  Anwendung
  die  §§.  1.  bis  14.  und  10.  des  Gesetzes  vom  3.  Mai  1853.  bezlehungs-(Nr.

  6793)  weise
        <pb n="1585" />
        —  1408  —

weise  die  I§.  48.  bis  59.  des  Tarifs,  ingleichen  alle  über  den  Ansatz  und  die
Erhebung  der  Gerichtskosten  in  Injuriensachen  in  dem  Gesetze  vom  10.  Mai  1851.,
dem  dazu  gehörigen  Tarife  und  den  dasselbe  ergänzenden  Bestimmungen  enthaltenen
  Vorschriften.

g.  18.
Statt  §.  63.  des  Tarifs  und  Artikel  21.  des  Gesetzes  vom  9.  Mai  1854:

A.  In  allen  Fällen,  in  welchen  einer  Partei  auf  deren  Antrag  Abschriften
oder  Ausfertigungen  aus  den  Prozeßakten  —  nach  Beendigung  der
Instanz  —  oder  von  anderen  Verhandlungen  oder  Dokumenten,  deren
Mittheilung  nicht  mehr  durch  den  gewöhnlichen  Geschäftsgang  bedingt
4  und  auch  ohne  Antrag  nothwendig  erfolgen  mußte,  mitgetheilt  worden,
ind  zu  erheben:  für  jeden  auch  nur  al  gesengenen  Bogen  24  Sgr.  bei
einfachen  Abschriften,  der  doppelte  Betrag  bei  beglaubigten  Abschriften
und  Ausfertigungen.  Bei  Ertheilung  von  beglaubigten  Abschriften  und
Ausfertigungen  Sempeipflihligen  Dokumente  kK  zugleich  der  Betrag  des
in  den  Stempelgesetzen  vorgeschriebenen  Stempels  zu  erheben.

B.  Wenn  Vollmachten  und  letztwillige  Dispositionen  ohne  den  vorgeschriebenen
  Stempel  eingereicht  werden,  so  ist  der  Betrag  desselben  als  Gerichtsgebühr
  zu  liquidiren  und  einzuziehen.  Inwieweit  das  gleiche  Verfahren
  bei  den  noch  fernerhin  nach  den  bisherigen  Nassauischen  oder
Kurhessischen  Stempelgesetzen  zu  versteuernden  stempelpflichtigen  Schriftstücken
  eintreten  soll,  wird  auf  Grund  der  Vorschriften  im  2.  Absatze
§.  1.  der  Verordnung  vom  19.  Juli  d.  J.A  (Gesetz  Samml.  S.  1191.)
angeordnet  werden.

Inventarien,  welche  außergerichtlich  aufgenommen  werden  und
zum  Gebrauch  bei  stempelpflichtigen  Verhandlungen  dienen,  unterliegen
einer  Stempelabgabe  von  15  Sgr.  In  Betreff  der  Erhebung  dieser
Abgabe  kommen  ausschließlich  die  Vorschrifken  der  Verordnund-  vom
19.  Juli  d.  J.  und  in  den  bei  den  Gerichten  zu  bearbeitenden  Sachen
die  Bestimmung  im  letzten  Absatze  §.  3.  der  gegenwärtigen  Verordnung
zur  Anwendung.

F.  19.
Statt  §.  66.  des  Tarifs:

Für  Mobiliarversteigerungen  sind  die  Gebühren  nach  der  Gebührentaxe
für  die  Auktionskommissarien  vom  24.  Juni  1845.  zu  bercchnen.

G.  20.
Zu  §.  67.  des  Tarifs:

Die  Gebühren  der  zu  vernehmenden  oder  zuzuziehenden  Zeugen,  Sachverständigen,
  Geistlichen  und  Aerzte  sind  nach  Aäiper  des  Regulatios  zu
bestimmen,  welches  der  heute  erlassenen  WBerorhnung)  ctreffend  den  Ansatz  der
Gerichtskosten  in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig,  beigefügt  ist.  Di
ie
        <pb n="1586" />
        —  1409  —

Die  Gebühren  der  Bürgermeister  und  Feldgerichte  beziehungsweise  Ortserichte
  für  die  auf  Anweisung  des  Gerichts  vorzunehmenden  Geschäfte  oder  auf
ntrag  der  Exekutoren  zu  ertheilenden  Auszüge  und  Attestate  sind  nach  den  in

den  betreffenden  Instruktionen  bestimmten  Sätzeng  einschließlich  der  von  den  Bürgermeistern,
  Feld-  und  Ortsgerichten  zu  den  Verhandlungen  und  Ausfertigungen
zu  verwendenden  Stempel,  durch  dieselben  auf  Grund  der  richterlichen  Festsetzung
von  der  zur  Zahlung  verpflichteten  Partei  unmittelbar  einzugziehen.

6S.  21.

Die  Geste  vom  11.  und  12.  Mai  1851.,  betreffend  den  Ansatz  und  die
Gebühren  der  Notare  und  der  Rechtsanwalte  nebst  dem  Tarif  (Gesetz-Samml.
S.  651.  und  864  treten  von  dem  im  F.  1.  dieser  Verordnung  gedachten  Zeitpunkte
  ab  in  Wirksamkeit,  jedoch  mit  den  nachstehenden  Abänderungen  und  Einschränkungen.


§.  22.
Zug.  10.  des  Gesetzes  vom  12.  Mai  und  F.  18.  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1851:

Für  alle  nicht  schon  vor  dem  obengenannten  Zeitpunkte  beendigten  Geschäfte
  kommen  die  nach  den  bezeichneten  Fsehe  zulässigen  Gebühren  in  Anwendung;
  in  Prozessen  jedoch  nur  insofern,  als  dieselben  in  der  Instanz,  für
welche  zu  liquidiren  ist,  in  die  nach  der  Verordnung  uber  das  Verfahren  in
Civilprozessen  vom  24.  Juni  d.  J.  (Gesetz=  Samml.  S.  885.)  vorgeschriebenen
Formen  umgeleitet  worden  find.

g.  23.

Statt  F.  5.  Nr.  4.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  1851:

Für  die  beim  Konkursverfahren  entstehenden  einzelnen  Liquidations--  und
Prioritätsprozesse  erhält  der  Rechtsanwalt  als  Vertreter  der  Konkursgläubiger
die  im  8.  4.  des  Tarifs  bestimmten  Gebührensätze;  für  alle  außerdem  im
Konkursverfahren  für  die  Konkursgläubiger  zu  besorgenden  Geschäfte,  einschließlich
  der  Anfertigung  der  Liquidationeberichte  und  ahrnehmung  des  Liquidationstermins,
  die  im  ersten  Abschnitt  sub  II.  J##12.  bis  20.  bestimmten
Gebühren.

K.  24.
Zu  é.  7.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  1851:
Der  Kostenansatz  zu  F.  7.  c.  bleibt  außer  Anwendung.

**i
Statt  &amp;amp;.  21.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  18511

1)  In  Konkursprozessen  erhält  der  Kontradiktor  für  das  Verfahren  zur
Feststellung  der  einzelnen  Liquidate  in  erster  Instanz  nur  den  Satz  A.
Jahrgang  1867.  (Nr.  6793.  187  be-
        <pb n="1587" />
        —  1410  —

beziehungsweise  den  zusätzlichen  C.)  nicht  aber  den  Sat  B.  .  4.  des
Tarifs;  in  den  weiteren  Instanzen  und  in  allen  von  ihm  sonst  zu  führenden
  Prozessen  dagegen  gelten  lediglich  die  Bestimmungen  des  Tarifs.

2)  Der  Massenkurator,  und  zwar  sowohl  der  Interimskurator  als  auch
der  definitive  Kurator,  erhält  für  seine  gesammte,  die  Ermittelung  und
Liquidemachung  der  Aktivmasse  betreffende  Geschäftsführung,  und  zwar:

a)  von  dem  Betrage  bis  zu  1000  Rthlr.  einschließlich:  1  bis  3  Prozent,
b)  von  dem  Betrage  über  1000  Rthlr.  bis  5000  Rthlr.:  bis
1  Pro#zent,
c)  von  dem  Betrage  über  5000  Rthlr.:  4  Prozent.
Die  Ausmittelung  des  Betrages  der  Masse  rfolgt  nach  den  F.  10.
Nr.  4.  dieser  Verordnung  bezeichneten  Grundsätzen.  Die  zur  Konkursmasse
  gehörigen  Immobilien  bleiben  indeß  bei  der  Bestimmung  der  Belohnung
  des  Massenkurators  außer  Betracht.

3)  Für  die  Verwaltung  der  zur  Konkursmasse  gehörigen  Immokbilien  erhält
der  Massenkurator  oder  der  für  diese  Verwaltung  besonders  bestellte  Sequester
  oder  Administrator:

bei  der  Verwaltung  von  Landgütern  eine  nach  billigem  Ermessen
und  der  Beschaffenheit  des  einzelnen  Falles  vom  Konkursgerichte  zu
bestimmende  besondere  Entschädigung)
bei  der  Verwaltung  von  städtischen  Grundstücken  von  der  baar
eingegangenen  Miethe  jeder  Wohnung:
bei  einem  jährlichen  Miethsertrage  derselben  bis  50  Rthlr.
einschließlich:  7  Prozent,
bei  einem  jährlichen  Miethsertrage  von  50  bis  100  Rthlr.:
6  Prozent,
bei  einem  jährlichen  Miethsertrage  von  100  bis  150  Rthlr.:
5  Prozent,
bei  allen  höheren  Miethen:  4  Prozent.

4)  Bei  der  Festsetzung  der  vorstehend  unter  Nr.  2.  gedachten  Belohmung  des
Massenkurators  hat  das  Gericht  nach  billigem  Ermessen  zu  verfahren  und
baup  ächlich  auf  den  Umfang  der  Geschäftsführung,  die  Schwierigkeiten

erselben,  die  bewiesene  Thatigtei  und  Umsicht,  sowie  auf  den  Betrag
der  der  Masse  verursachten  anderweiten  Kosten  Rücksicht  zu  nehmen.
Das  Gericht  ist  auch  ermächtigt,  den  nach  Prozentsätzen  bemessenen
Betrag  der  Belohnung  im  Falle  außerordentlicher  Mühwaltungen  des
Massenkurators  zu  erhöhen  und  in  geeigneten  Fällen  zu  ermäßigen.
Scheidet  der  Massenkurator  vor  Beendigung  seiner  Amtsverrichtung
  aus,  so  hat  er  nur  einen  seinen  Leistungen  entsprechenden  Theil  der
elohnung  zu  fordern.  Dasselbe  gilt  von  dem  eintretenden  Ersatzmann.

J.  20.
        <pb n="1588" />
        —  1411  —

G.  26.

Die  Gebühren  der  Rechtsanwalte  in  Strafsachen,  insbesondere  auch  in  dem
Verfahren  auf  erhobene  Privatklage  6  487.  er  der  Strafprozeß.  Ordnung  vom
25.  Juni  d.  J.,  Geseh=  Samml-.  S.  1045.),  sollen  nach  den  darüber  in  der  Verordnung,
  betreffend  den  Ansatz  der  Gerichtskosten  in  Strafsachen  2c.,  vom  heutigen
Tage.  enthaltenen  Bestimmungen  erhoben  werden.  Der  F.  15.  des  Gesetzes  vom
3.  Mai  1853.  beziehungsweise  die  §S#.  22.  bis  27.  des  Tarifs  vom  12.  Mai  1851.
bleiben  außer  Anwendung.  E

Zu  8.  14.  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1851:

Für  die  Abhaltung  von  Mobiliarversteigerungen  haben  die  Notare  die
Gebühren  nach  den  im  19.  dieser  Verordnung  getroffenen  Bestimmungen  zu
berechnen.

G.  28.

Alle  dieser  Verordnung  zuwiderlaufenden  Bestimmungen  treten  vom  1.  September
  d.  J.  ab  außer  Anwendung.

Wo  in  den  Kosten-  und  Gchührengeseten  und  a  (§.  1.  und  21.)  auf
Gesetze  oder  Verordnungen  Bezug  genommen  wird,  welche  in  dem  Geltungsbereiche
  der  gegenwärtigen  Verordnung  nicht  in  Kraft  sind,  treten  die  entsprechenden
  bestehenden  Gesetze  und  Verordnungen  an  deren  Stelle.  Zweisen  welche  sich
in  diesen  Beziehungen  bei  Anwendung  der  im  F.  1.  bezeichneten  Gesetze  ergeben,
werden  durch  den  Junthministe  erledigt.

K.  29.
Der  Justizminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

g.  30.

Die  Minister  der  Finanzen  und  der  Justiz  haben  die  Anordnungen  zu
treffen,  welche  erforderlich  sind,  um  die  Erhebung  und  Verrechnung  der  Kosten
und  Gebühren  den  Gerichten  soweit  als  thunlich  abzunehmen  und  den  von  ihnen
zu  bestimmenden  Verwaltungsbehörden  zu  übertragen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  30.  August  1867.

(#.  .)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Tr.  6793—6794.)  187“  (Nr.  6794.)
        <pb n="1589" />
        —  1412  —

(Nr.  6794.)  Verordnung,  betreffend  den  Ansatz  der  Gerichtskosten  und  der  Gebühren  der
#  Rechtsanwalte  in  Strafsachen,  in  denjenigen  Landestheilen,  für  welche
die  Strafprozeß--Ordnung  vom  25.  Juni  1867  erlassen  ist.  Vom  30.  August

  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.

verordnen  für  die  Landestheile,  für  welche  die  Strafprozeß  Ordnung  vom  25.  Juni
1867.  (Gesetz  Samml.  S.  933.)  erlassen  ist,  was  folgt:

I.  Allgemeine  Bestimmungen.

.  1.

In  allen  Sttasffchn  mit  Ausnahme  der  auf  erhobene  Privatklage  verhandelten
  Sachen  K  ))  giebt  die  rechtskräftige  Entscheidung  den  Maaßstab
für  die  Höhe  des  nsatzes  der  Gerichtskosten,  und  zwar  auch  ür  die  vorhergehenden
  Instanzen.

Wenn  neben  einer  Freiheitsstrafe  zugleich  auf  Geldbuße  erkannt  ist,  so  wird
Behufs  des  Kostenansatzes  die  der  letzteren  eventuell  substituirte  Freiheitsstrafe  der
außerdem  erkannten  hinzugerechnet.

Ist  nur  auf  Geldbuße  und  eventuell  dafür  eintretende  Freiheitsstrafe  erkannt,
so  wird  der  Kostenansatz  durch  die  Höhe  der  ersteren  bestimmt.

§.  2.

Wenn  eine  Strafsache  mehrere  Angeschuldigte  betrifft,  so  ist  der  bestimmte
Tarifsatz  von  jedem  Verurtheilten  besonders  und,  soweit  ch  die  Höhe  des  Satzes
nach  dem  Strafmaaß  richtet,  nach  Maaßgabe  der  gegen  jeden  Einzelnen  erkannten
Strafe  zu.  erheben.  63.

In  einfachen  Holzdiebstahls-  und  anderen  Sachen,  auf  welche  das  in  dem
Gesetz  vom  2.  Juni  1852.  (Gesetz  Samml.  S.  305.)  9§.  25.  ff.  vorgesehene
Verfahren  Anwendung  findet,  wird  erhoben:

1)  werm  die  Strafe  in  contumaciam  oder  auf  sofortiges  Eingeständniß
festgesett  t.
a)  beiena  die  Strafe  nicht  über  2  Rthlr.  oder  dreitägiges  Gefä  gfängniß

..............................................  gr,
b)  touns  1n  Strafe  höher  s  ist,  jedoch  5  Rthlr.  oder  cnwöchenkern
Gefängniß  nicht  übersteiiiitte  .  .  .  .  10  Sgr.,
c)  sofern  die  Strafe  höher  n,  jedoch  10  Rthlr.  oder  vierzehnta  iges
Gefängniß  nicht  übersteiiüt.  Sgr,
d)  sofern  die  Strafe  höher  ist,  jedoch  20  Rthlr.  oder  u
Gefängniß  nicht  übersteiit  .  .  ..  ..  .  .  .  .  .  Rthlr.,
ee)  sofern  die  Strafe  höher  *r  jedoch  50  Rthlr.  oder  —
i  nicht  übersteittt.  Rthlr.  15  Sr.
s)  sofern  die  Strafe  höher  ist.  ........·....·.......  Rbr,

2)  wenn
        <pb n="1590" />
        —  1413  —

2)  wenn  die  Anschuldigung  bestritten  worden  ist,  tritt  das  Doppelte  dieser
Sätze  ein.

S.  4.
1)  In  polizeigerichtlichen  Strafsachen,  in  denen  es  zur  Hauptverhandlung

nicht  gekommen,  vielmehr  die  Strafe  durch  erae  —  definitiv
  festgesetzt  worden  ist,  werden  die  Sätze  §.  3.  unter  1.  angesetzt.

2)  Wird  gegen  die  Fiaperligung  Einspruch  erhoben  und  dieser  durch  Urtheil
verworfen  (Strafprozeß-=  Ordnung  d.  363.),  so  ist  für  das  ganze  Verfahren
das  Doppelte  der  vorstchenden  ätze  zu  erheben.

8.  5.

In  allen  übrigen  in  den  I#.  3.  und  4.  nicht  erwähnten  Strafsachen,  mit
Ausnahme  der  auf  aipen  Privatklage  verhandelten  (§.  7.),  kommen  ohne  Rücksicht
  darauf,  ob  das  Verfahren  vor  dem  Polizeigerichte,  vor  der  Strafkammer
oder  vor  dem  Schwurgerichte  stattgefunden  hat,  zum  Ansatze:

1)  wenn  die  erkannte  Strafe  nicht  über  2  Rthlr.  oder  dreitägige  Freiheitsentziehung
  beträgt,  1  Rthlr.;  jedoch  mit  der  Maaßgabe,  84  wenn  die
Strafe  #n  in  Geldbuße  besteht,  die  zu  erhebenden  Kosten  den  Betrag
der  Strafe  nicht  übersteigen  dürfen;

2)  wenn  die  Strafe  höher  ist,  jedoch  5  Rthlr.  oder  Frehheitsenkziehum  von
Einer  Woche  nicht  übersteiittt  thlr.;

3)  wenn  die  Strafe  höher  ist,  jedoch  10  Rthlr.  oder  srpn  von
vierzehn  Tagen  nicht  übersteigt.

4)  wenn  die  Strafe  höher  ist,  jedoch  20  Rthlr.  oder  Frehheitsentziehun  von

vier  Wochen  nicht  übersteinüntt.  6  Rthlr.;
5)  wenn  die  Strafe  höher  ist,  jedoch  50  Rthlr.  oder  Freiheitsentziehun  von
sechs  Wochen  nicht  übersteigüttt.  9  Nr

6)  wenn  die  Strafe  höher  ist,  jedoch  100  Rthlr.  oder  Freiheitsenk  ieh
von  drei  Monaten  nicht  überstet  .  ..  5  Khlr

7)  wenn  die  Strafe  höher  ist,  jedoch  200  Rthlr.  oder  us
von  sechs  Monaten  nicht  übersteiit  ..  20  Rthlr.

8)  wenn  die  Strafe  höher  ist,  jedoch  300  Rthlr.  oder  Frehheitsent  66
von  Einem  Jahre  nicht  übersteit  .  .  .  5  Kher
9)  wenn  die  Strafe  höher  ist,  jedoch  500  Rthlr.  oder  Frtun  6ä
von  zwei  Jahren  nicht  übersteigt......  .  .  .  .  .  .  ..  .  .  .  .  .  .  ..  0  Khn
10)  wenn  die  Strafe  höher  ist,  jedoch  1000  Rthlr.  oder  hrunuse
von  drei  Jahren  nicht  überstegnt.  Rthlr.)
11)  wenn  die  Strafe  in  einer  noch  höheren  Geldbuße  oder  rtrn  iehung
besteht,  letztere  aber  zehn  Jahre  nicht  übersteiit  .  .  ..  o  FKhe
12)  wenn  auf  eine  schwerere  Strafe  erkannt  ft  4%  nhl
(Nr.  6794.)  .  6.
        <pb n="1591" />
        —  1414  —

g.  6.
In  den  höheren  Instanzen  sind  folgende  Sätze  zu  erheben:

1)  wenn  die  Berufung  in  Gemäßheit  des  F.  381.  der  Strafprozeß.  Ordnung
ohne  Hauptverhandlung  zurückgewiesen  ist,  die  Sätze  F.  3.  unter  1.)
jedoch  nicht  unter  10  Sgr.  und  nicht  über  2  Rthlr.  15  Sgr.

2)  wenn  es  in  der  Berufungs,  und  Nichtigkeitsbeschwerde-Instanz  zur  Hauptverhandlung
  gekommen  ist:

a)  in  den  im  F.  3.  erwähnten  Sachen  die  doppelten  Beträge  der  daselbst
unter  Nr.  1.  erwähnten  Sätze,  jedoch  nicht  unter  15.  Sgr.  und
nicht  über  5  Rthlr.,

b)  in  anderen  Sachen  die  Hälfte  der  §.  5.  vorgeschriebenen  Sätze,
jedoch  nicht  unter  1  Rthlr.;

3)  im  Falle  des  F.  392.  Absatz  2.  der  Strafprozeß  Ordnung  ist  der  Justizminister
  berechtigt,  diejenigen  Kosten,  welche  in  Folge  der  Nichtigkeitsbeschwerde
  entstanden  und  dem  Beschuldigten  zur  Last  gelegt  worden  sind,
ganz  oder  theilweise  niederzuschlagen.

K.  7.
In  dem  Verfahren  auf  erhobene  Privatklage  kommen  in  jeder  Instanz
zum  Ansatze:
A.  wenn  nach  stattgehabter  Beweisaufnahme  erkannt  wird:
1)  in  den  vor  dem  Polizeigerichte  verhandelten  Sachen.  8  Rthlr.,
2)  in  den  vor  der  Strafkammer  verhandelten  Sachen  16  Rthlr.;

B.  wenn  ohne  Beweisaufnahme  erkannt  wird,  zwei  Drittel  der  Sätze  zu  A.;

C.  wenn  die  Sache  nach  eingetretener  mündlicher  Verhandlung  ohne  Erkenntniß
  beendigt  wird,  die  Hälfte  der  Sätze  zu  A.;

D.  in  dem  §.  6.  Nr.  1.  erwähnten  Falle,  der  Satz  zu  C.

Wenn  mehrere  Peirattliger  in  der  nämlichen  Sache  auftreten,  so  wird

ohne  Rücksicht  auf  die  Zahl  derselben  das  Doppelte  der  tarifmäßigen  Sätze  erhoben.

Für  den  hiernach  zur  Erhebung  kommenden  Satz  haften  die  in  die  Kosten  verurtheilten

  Privatkläger  antheilsweise,  für  die  baaren  Auslagen  (F.  12.)  aber  solidarisch.
Für  die  Widerklage  wird  ein  besonderer  Tarifsatz  nicht  erhoben.

S  S.

A.  Für  die  einfache  Zurückweisung  der  gegen  Urtheile  eingelegten  Berufung
oder  Nichtigkeitsbeschwerde,  eines  Gesche  um  Wiederaufnahme  der  Untersuchung,
  oder  eines  Einspruches  gegen  die  Strafverfügung  des  Polizeirichters,
  insofern  nicht  auf  eingelegte  Teicwerde  die  Zulassung  angeordnet
wird,  ingleichen  bei  erfolgter  Zurücknahme  eines  solchen  Nhtennttels,

e-
        <pb n="1592" />
        —  1415  —

Gesuchs  oder  Einspruchs,  nachdem  aus  Veranlassung  desselben  der  Richter
erster  Instanz  bereits  verfügt  hat,  werden  erhoben:

1)  in  den  Fällen  der  §#.  3.  und  44  —  Rthlr.  5  Sgr.,

2)  in  den  Fällen  des  F.  ö:

a)  unter  1.  btis  5.  —.  10
b)  60.  8.  —.  20
)  9.  und  10.  11.  —
4  11.  12  2

3)  in  dem  Verfahren  auf  erhobene  Privatklage  20  Sgr..

B.  Wenn  die  Beschwerde  wegen  Zurückweisung  des  Rechtsmittels,  Gesuchs
oder  Einspruchs  (littr.  A.)  in  höherer  Instanz  verworfen,  oder  das  Rechtsmittel
  erst  zurückgenommen  wird)  nachdem  der  Richter  höherer  Instanz
in  der  Sache  bereits  verfügt,  jedoch  noch  nicht  mündlich  verhandelt  hat,
so  kommt  das  Doppelte  der  vorstehenden  Sätze  zum  Ansatz.

C.  Für  Bescheide  in  höherer  Instanz  auf  andere  unbegründet  befundene

echtsmittel  in  Strafsachen  werden  in  den  vor  dem  Poltzeigerichte  verhandelten
  Sachen  5  Sgr.,  sonst  ohne  Unterschied  10  Sgr.  angesetzt.

D.  Für  die  Zurückweisung  einer  Privatklage  wird  der  Satz  zu  A.  Nr.  3.
erhoben.  e

Für  einen  durch  Schuld  der  Parteien  oder  Zeugen  vereitelten  Termin
werden  von  dem  schuldigen  Theile  besonders  erhoben:

1)  in  den  Fällen  des  33  —  Rthlr.  5  Sgr.,
2)  in  anderen  Fällen,

wenn  der  Termin  angestanden  hat:

a)  vor  dem  Polizeigerichte  oder  einem  einzelnen

  Richter  ..  —.  15
b)  vor  einem  Gerichtskollegium  .........  1  —
c)  vor  einem  Schwurgericht  2  —

K.  10.

Wird  das  Gesuch  um  Wiederaufnahme  der  Untersuchung  zugelassen,  so
wird  für  die  neuen  Verhandlungen  nach  denselben  Bestimmungen,  welche  für  das
erste  Verfahren  gelten,  liquidirt.

Erfolgt  auf  Grund  derselben  eine  Freisprechung,  so  s  dem  Freigesprochenen
  die  etwa  für  das  erste  Verfahren  von  ihm  erhobenen  Kosten  und
baaren  Auslagen  zu  erstatten.  Kn

Die  nach  1  461.  der  Strafprozeß-Ordnung  dem  Angeklagten  zur  Last
fallenden  Kosten  des  Kontumazial-Verfahrens  werden  mit  der  u  der  Sätze  des
§.  5.  nach  Maaßgabe  der  in  contumaciam  erkannten  Strafe,  jedoch  mit

(Tr.  6794.)  Be-
        <pb n="1593" />
        —  1416  —

Beschränkung  auf  ein  Minimum  von  2  Rthlr.  erhoben,  ohne  Rücksicht  auf  den
Uufal  des  in  Folge  der  Gestellung  oder  Verhaftung  des  Angeklagten  ergehenden
rtheils.
.

Außer  den  vorstehenden  Tarifsätzen  (§I.  3—11.)  sind  in  Strafsachen  mit
Einschluß  der  Verhandlungen  über  Strafvollstreckung,  Strafumwandlung  und
Straferlaß  keine  Stempel=  oder  andere  Gebühren,  sondern  nur  noch  baare  Auslagen,
  insbesondere  die  in  der  Sache  entstandenen  Reisekosten  und  Diäten  der
Gerichtspersonen  und  Beamten  der  Staatsanwaltschaft,  die  an  Zeugen,  Sachverständige,
  Geistliche  und  Aerzte  gezahlten  Gebühren,  ingleichen  Insertionskosten,
Portobeträge  und  die  in  Folge  von  Regquifitionen  ins  Ausland  erwachsenen
Kosten  dem  Verurtheilten  in  Rechnung  zu  stellen,  insoweit  derselbe  nicht  in  dem
Urtheil  von  einzelnen  dieser  Nebenkosten  entbunden  ist.

Portofrei  werden  befördert  alle  von  den  Gerichten  und  der  Staatsanwaltschaft
  abgehenden  Sachen  und  veranlaßten  Insinuationen.  In  allen  anderen
Fällen,  namentlich  für  Geldsendungen,  wird  Porto  echeben  auch  behält  es  bei
der  Verpflichtung  der  Parteien,  lre  Eingaben  und  Geldsendungen  an  die  Behörden
  zu  frankiren,  das  Bewenden.

KC.  13.

Von  mehreren  in  derselben  Strafsache  verurtheilten  Angeschuldigten  sind
die  baaren  Auslagen  -  12.)  solidarisch  zu  erstatten,  insoweit  nicht  in  dem
Urtheil  etwas  Anderes  bestimmt  ist.

K.  14.

Zu  den  baaren  Auslagen  (§.  12.)  gehören  auch  die  Detentions-,  Verpflegungs=
  und  Transportkosten;  dieselben  sind  stets  nur  demjenigen  Verurtheilten,
welchen  sie  betroffen  haben,  in  Rechnung  zu  stellen.

Die  näheren  Anordnungen  über  den  Ansatz  dieser  Kosten  bleiben  einem
von  dem  Justizminister,  hinsichtlich  der  Transportkosten  in  Gemeinschaft  mit  dem
Minister  des  Innern,  zu  erlassenden  Regulative  vorbehalten.  Bis  diese  Anordnungen
  erfolgen,  bleiben  die  in  den  einzelnen  Landestheilen  bestehenden  Vorschußten
  maaßgebend.  K.  15

Bei  einer  Leichenbesichtigung  oder  einer  Leichenöffnung  werden,  wenn  sich
ergiebt,  daß  der  Tod  durch  Selbstmord,  eigenes  Verschulden  des  Verstorbenen,
oder  durch  einen  demselben  zugestoßenen  äußeren  Unfall  verursacht  worden  ist,
die  baaren  Auslagen  (§.  12.)  aus  dem  Nachlasse  des  Verstorbenen  erhoben.

C.  16.

Die  Zurückerstattung  der  nach  F.  492.  der  Strafprozeß=  Ordnung  von  dem
Privatkläger  eingezahlten  Kostenvorschüsse  findet  nur  insoweit  statt,  als  dieselben
  den  nach  rechtskräftiger  Entscheidung  oder  anderweiter  Beendigung  der
Sache  zum  Ansatz  kommenden  Kostenbetrag  übersteigen;  dem  Privatkläger  steht

im
        <pb n="1594" />
        im  Uebrigen  nur  das  Recht  zu,  die  zur  Kostenzahlung  verurtheilte  oder  verpflichtete
  Partei  nach  den  für  bürgerliche  Rechtsstreitigkeiten  geltenden  Vorschriften  zur
Erstattung  anzuhalten.
C.  17.

Die  Gebühren  der  Rechtsanwalte  (Advokaten)  in  Strafsachen  werden  bestimmt

  durch  die  Art  der  strafbaren  Handlung,  wegen  welcher  das  Lautoer.

fahren  eröffnet  worden  ist,  mit  Rücksicht  auf  die  hochste  im  Gesetze  dafür  angerohte

  Strafe.

Die  Gebührensätze  werden  hiernach,  wie  folgt,  festgestellt:

A.  Für  die  Vertheidigung  in  erster  Instanz  —  die  Fälle  der  Privatklage

ausgenommen  —  können  liquidirt  werden:
1)  in  einfachen  Holzdiebstahls=  und  den  diesen  Fleichgestellten  „Scchen

Sgr.

2)  —  aen  übrigen  zur  Zuständigkeit  deß  Loliwigeuch  ooel
achen  Sgr.

wenn  es  sich  jedoch  um  ein  Vergehen  handelt  3  i

lr.;

9  in  den  zur  Zuständigkeit  der  Strafkammer  gehörigen  Sachen  5  Rt

4)  in  den  zur  Zuständigkeit  der  Schwurgerichte  gehörigen  *7

thlr

wenn  aber  der  ieweinbech  auf  ein  mit  schwererer

Strafe  2  zehnjähriger  Fretheitsstrafe  bedrohtes  Verbochen  #  gertch...............................·.......
  th

5)  außerdem,  wenn  si  ch  die  Dauer  der  Vrhandlung  vor  dem  tnh⅝f*

erichte  in  einer  Sache  über  2  Tage  hinaus  erstreckt,  für  jeden

Hershern  Tag,  an  welchem  der  Rechtsamwal,  (  als  Vertheidiger

  beschäftigt  gewesen  it  2  Rthlr.  15  Sgr.

B.  In  dem  Verfahren  auf  erhobene  Privatklage  können  liquidirt  werden:
1)  wenn  nach  stattgehabter  Beweisaufnahme  erkannt  wird:
a)  in  den  vor  dem  Polizeigerichte  verhandelten  Sachen  5  Rthlr.,
b)  in  den  vor  der  Sttafkanmner  verhandelten  Sachen  8  Rthlr.;
2)  wenn  ohne  Beweisaufnahme  erkannt  wird,  zwei  Drittel  der  Sätze

1)
3)  Venn  die  Sache  nach  eingetretener  mündlicher  Verhandlung  ohne
Erkenntniß  beendigt  wird,  l  Hälfte  der  Sätze  zu  1.
C.  In  häherer  Insten  sind  dieselben  Sätze  zu  liquidiren,  jedoch  in  den
da  llen  zu  A.  2.  9.  un  4.,  wenn  der  #eneschuldige  das  Rechtsmittel
ergriffen  hat,  nur  nach  Maaßgabe  der  in  der  früheren  Instanz  wirklich
erkannten  Strafe.

Der  geringste  Satz  für  einen  bei  dem  obersten  Gerichtshofe  fungirenden

  Rechtsanwalt  ist  in  allen  Fällen  5  Rthlr.
D.  9  blos  dis  schriftliche  Rechtfertigung  der  Berufung  oder  Nichtigkeitsbeschwerde,
  oder  di  Seganschrist  angefertigt  worden,  so  können  in  den
Fällen  zu  und  2.  —  15  Sgr.,  in  den  Fällen  zu  A.  3.  und  4.  die
Johrzong  1887.  (Nr.  uro4  )  halben
        <pb n="1595" />
        —  1418  —

halben  daselbst  bestimmten  Sätze  und  in  den  Fällen  zu  B.  ein  Drittel
der  Säge  zu  I.  a.  daselbst  liquidirt  werden.
bensoviel  ist  für  Begnadigungsgesuche  und  Gesuche  um  Wiederaufnahme
  der  Untersuchung  zulässig.
Für  die  Anmeldung  eines  Rechtsmittels  kann,  wenn  außerdem  die
Rechtfertigungsschrift  an  efrrtigt  worden  ist,  kein  besonderer  Satz,  im
Uebrigen  aber  in  allen  *  en  nur  15  Sgr.  liquidirt  werden.

E.  Für  die  Anfertigung  einer  Beschwerdeschrift  bei  Rechtsmitteln  gegen  Beschlüsse
  oder  Verfügungen  können  nur  15  Sgr.  liquidirt  werden.

F.  Rechtsanwalte  (Advokaten),  welche  als  Vertreter  eines  Privatklägers,
oder  als  Vertreter  des  Fiskus  nach  F.  479.  der  Strafprozeß-Ordnung
auftreten,  haben  dieselben  Gebühren  zu  beziehen,  wie  Vertheidiger.

Für  die  Anfertigung  einer  zurückgewiesenen  oder  vor  der  mündlichen
  Verhandlung  zurückgenommenen  Privatklage  kann  1  Rthlr.  20  Sgr.
liquidirt  werden.  Außer  den  vorstehenden  Gebührensätzen  (A.—  F.)  sind
nur  etwaige  Reisekosten  und  Diäten  und  wirkliche  baare  Auslagen,  nicht
aber  irgend  welche  andere  Gebühren,  namentlich  auch  nicht  Schreibegebühren,
  in  Ansatz  zu  bringen.

.  18.

In  dem  Verfahren  auf  erhobene  Privatklage  kann  die  obsiegende  Partei,
welche  sich  eines  Rechtsanwalts  (Advokaten)  bedient  hat,  die  Erstattung  der  Gebühre
  und  Auslagen  desselben  von  dem  Gegner  nur  dann  und  nur  soweit
fordern,  als  die  Führung  der  Sache  durch  sie  selbst  gleichfalls  zu  erstattende
außergerichtliche  Kosten  veranlaßt  haben  würde,  oder  wenn  die  Partei  durch
Krankheit,  Abwesenheit  oder  amtliche  Dienstverhältnisse  an  der  eigenen  Wahrnehmung
  der  Sitzung  verhindert  war.

II.  Besondere  Bestimmungen  für  die  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs
Hannover  und  der  vormals  freien  Stadt  Frankfurt.

S.  19.

In  Ansehung  des  Verfahrens  bei  Liquidirung,  Festsetzung  und  Einziehung
der  Gerichtskosten  und  der  Gebühren  und  Auslagen  der  Anwalte  (Advokaten),
ingleichen  hinsichtlich  der  Höhe  der  den  Gerichtspersonen  und  Beamten  der  Staatsanwaltschaft,
  sowie  den  Rechtsanwalten  (Advokaten)  zu  gewährenden  Reisekosten
und  Düäten  bleiben  in  den  Gebieten  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  und
der  vormals  freien  Stadt  Frankfurt  die  bisher  in  Geltung  gewesenen  Vorschriften
mit  nachfolgenden  Zusätzen  und  Aenderungen  (§9.  20  —  36  maaßgebend.

K.  20.

Zur  Sicherstellung  der  gerichtlichen  Kosten  kann  nach  Eröffnung  des  Hauptverfahrens
  die  Beschlagnahme  des  Vermögens  des  Angeklagten,  soweit  sie  zu
jenem
        <pb n="1596" />
        —  1419  —

jenem  Zwecke  erforderlich  ist,  auf  den  Antrag  der  Staatsamwaltschaft  von  dem
Gerichte  angeordnet  werden.
§S.  21.

Die  Gebühren,  welche  nach  Abschnitt  II.  des  Hannoverschen  Gesetzes,  die

Gebührentaxe  in  Strafsachen  betreffend,  vom  13.  April  1859.,  und  nach
Artikel  12.  unter  III.  des  Frankfurter  Gesetzes  über  Taxen  und  Gebühren  bei
den  Strafgerichten  vom  16.  September  1856.  gewissen  Klassen  von  Gerichtsbeamten
  als  Emolumente  zustehen,  werden  denselben  aus  den  eingegangenen  Gerichtskosten
  vergütet.  Betragen  die  Gerichtskosten  weniger  als  die  Emolumente,
so  kommen  die  letzteren  statt  der  Gerichtskosten  in  Ansatz.
ç  Können  die  Kosten  nur  theilweise  beigetrieben  werden,  so  sind  aus  dem
engegangenen  Betrage  die  Emolumente  zunächst  zu  decken.  Kann  diese  Deckung
nicht  vol  ständig  erfolgen,  so  ist  die  eingegangene  Summe  unter  mehrere  Gebührenberechtigte
  verhältnißmäßig  zu  vertheilen.

Kur  Zeit  und  innerhalb  Jahresfrist  nach  Aufstellung  der  Kostenrechnung
unbeibringliche  Kostenbeträge  gelten  gegenüber  den  zum  Bezuge  von  Emolumenten
Berechtigien  als  definitiv  niedergeschlagen.

ie  Aufru  ßebüht  (Absatz  3.  des  angeführten  Abschnittes  des  Hannoverschen
  Gesetzes)  wird  in  dem  Verfahren  auf  erhobene  Privatklage  auch  von  jedem
erschienenen  Privatkläger  berechnet.
G.  22.

In  dem  Verfahren  auf  erhobene  Privatklage  sind  die'#Gerichtskosten,  soweit
  sie  nicht  durch  die  vom  Privatkläger  geleisteten  Vorschüsse  gedeckt  sind,  in
der  nämlichen  Weise  einzuziehen,  wie  in  anderen  Strafsachen;  dieselben  werden,
falls  das  Verfahren  ohne  Urtheil  beendigt  wird,  dem  Privatkläger,  im  Uebrigen
aber  Demsenigen  in  Rechnung  gestellt,  welchem  sie  durch  die  rechtskräftige  Entscheidung
  zur  Last  gelegt  sind,  oder  welcher  sie  durch  Einlegung  eines  zurückgenommenen
  oder  zurückgewiesenen  Rechtsmittels  veranlaßt  hat.

g.  23.

Für  Abschriften,  welche  einer  Partei  nicht  nach  gesetzlicher  Vorschrift,  sondern
  auf  ihren  Antrag  und  ohne  daß  ihr  ein  Recht  Ais  deren  unentgeltliche  Mittheilung
  zusteht,  ertheilt  worden,  sind  Schreibgebuͤhren  nach  den  bisherigen  Sätzen
zu  erheben.  24

6
Wo  in  dem  Hannoverschen  Gulh  (#.  21.)  verschiedene  Sätze  für  Polizeistrafsachen,
  leichte  oder  schwere  Straffälle  bestimmt  sind,  tritt  die  aus  der  Zuständigkeit
  der  Polizeigerichte,  Strafkammern  und  Schwurgerichtshöfe  sich  ergebende
  Unterscheidung  an  die  Stelle.

5.  25.

In  Steuerkontraventionssachen,  welche  nach  den  Bestimmungen  der
Strafprozeß=  Ordnung  verhandelt  werden,  findet  ein  von  den  allgemeinen  Vorschriften
  abweichender  Kosten-  und  Gebührenansatz  —  Abschnitt  V.  des  Hannoverschen
  Gesetzes  (§.  21.)  —  nicht  ferner  statt.

(Nr.  6794.)  188“  s
        <pb n="1597" />
        —  1420  —
g.  26.

Die  im  zweiten  Absatze  des  Artikels  3.  des  Frankfurter  Gesetzes  (§.  21.)
den  Armenanwalten  eingeräumte  Befugniß  findet  in  allen  Strafsachen  statt.

SC.  27.

Die  Gebühren  der  Zeugen,  Sachverständigen,  Geistlichen  und  Aerzte  sind
in  den  im  F.  19.  gedachten  Landestheilen  nach  Maaßgabe  des  Regulativs  zu
bestimmen,  welche  der  heute  erlassenen  Verordrung,  betreffend  den  Ansatz  der
Gerichtskosten  in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig,  beigefügt  ist.

III.  Schluß=  und  Uebergangsbestimmungen.

S.  28.

Die  gegenwärtige  Verordnung  erlangt  mit  dem  1.  September  1867.  Gesetzeskraft.
  Dieselbe  findet  auch  auf  die  an  das  Ober-Appellationsgericht  zu  Berlin
gelangenden  Strafsachen  Anwendung  und  modifizirt  sich  hiernach  die  Bestimmung
im  §K.  II.  der  über  die  Errichtung  dieses  Gerichtshofes  ergangenen  Verordnung
vom  27.  Juni  1867.  (Gesetz-Samml.  S.  1103.).

C.  29.

Mit  dem  genannten  Zeitpunkte  (6.  28.)  treten  alle  entgegenstehenden
Vorschriften,  insbesondere  der  Abschnitt  I.,  der  d.  10.  Nr.  2—6.,  der  F.  11.
und  der  F.  12.  A.  —C.  des  Hannoverschen  Eeseses  ’.  21.))  ingleichen  der  erste
Absatz  des  Artikels  3.  und  die  Artikel  1.  und  9.  des  Frankfurter  Gesehes  *  21.)
nebst  den  Abschnitten  I.  II.  und  IV.  A.—G.  im  Artikel  12.  desselben

außer  Geltung.

Insoweit  jedoch  nach  den  Vorschriften  der  Verordnung  vom  25.  Juni
1867.  (Gesetz-Samml.  S.  921.)  die  zu  dem  genannten  Zeitpunkte  anhängigen
Untersuchungssachen  noch  in  dem  bisherigen  zr  ee  Seae  weiter  gicht
werden,  sind  auch  die  Kosten,  Stempel  und  Gebühren  nach  den  älteren  Bestim.
mungen  zu  erheben.

1lriundich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  30.  August  1867.
(L.  8.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

esetzes

 

(Nr.  6795)
        <pb n="1598" />
        —  1421  —

(Nr.  6795.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber  lautender  Obligationen  der  Stadt
Halle,  Regierungsbezirks  Merseburg,  zum  Betrage  von  600,000  Thalern.
Vom  2.  August  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.§
thun  kund  und  fügen  hiermit  zu  wissen,  was  folgt:

Nachdem  von  dem  Magistrate  zu  Halle  a.  d.  S.  im  Einverständniß  mit  der
Stadtverordneten-Versammlung  darauf  angetragen  worden  ist,  zur  Errichtung
eines  städtischen  Wasserwerks  und  zur  Ausführung  mehrerer  anderer  gemeinnütziger
  Unternehmungen  eine  Anleize  zum  Betrage  von  600),000  Thalern  aufnehmen
  und  zu  diesem  Behufe  auf  jeden  Inhaber  lautende  und  mit  Zinskupons
versehene  neue  Stadt-Obligationen  ausgeben  zu  dürfen,  ertheilen  Wir  in  Gemäßheit
  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  wegen  Ausstellung  von  Papieren,
welche  eine  Zahlungsverbindlichkeit  gegen  jeden  Inhaber  enthalten,  durch  gegenwärtiges
  Privilegium  zur  Ausstellung  von  sechshunderttausend  Thalern  Hallescher
  Stadt.  Obligationen,  welche  nach  dem  anliegenden  Schema,  und  zwar:

100,000  Thaler  in  Apoints  zu  500  Thalern,
400000..  .100
100,000  ·  I  2  -  50

auszufertigen,  mit  vier  und  einem  halben  Prozent  vom  Hundert  jährlich  zu  verzinsen,
  von  Seiten  der  Gläubiger  unkündbar,  nach  dem  festgestellten  Tilgungsplane
  vom  Jahre  1872.  ab  durch  Verloosung  oder  Ankauf  der  Obligationen  mit
mindestens  Einem  Prozent  der  Kapitalschuld  unter  Hinzurechnung  der  durch  die
Tilgung  ersparten  Zinsen  und  des  künftigen  Reinertrages  des  Wassewarte,  soweit
solcher  die  zur  Verzinsung  und  Tilgung  des  auf  dasselbe  verwendeten  Kapitals
erforderlichen  Beträge  etwa-  übersteigt,  alljährlich  zu  amortisiren  sind,  mit  Vorbehalt
  der  Rechte  Dritter,  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  ohne  jedoch  dadurch
den  Inhabern  der  Obligationen  in  Ansehung  ihrer  Besriesigung  eine  Gewährleistung
  Seitens  des  Staates  zu  bewilligen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Bad  Ems,  den  2.  August  1867.
H#  &amp;amp;)Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulen  burg.

(Nr.  6795)  Pro-
        <pb n="1599" />
        —  142  —
Provinz  Sachsen,  Regierungsbezirk  Merseburg.
Obligation
der  Immediatstadt  Halle  a.  d.  S.

Lit.  .....  (Stadtwappen.)  ..
über

5OO

100  |  Thaler  Preußisch  Kurant.

 

auf  Grund  der  zustimmenden  Beschlüsse  der  Stadtverordneten=  Versammlung  vom
25.  März  und  vom  17.  Juni  1867.,  daß  der  Inhaber  dieser  Obligation  ein  Darlehnskapital

  von
Fünfhundert
Einhunen
nfzig
dessen  Empfang  hiermit  bescheinigt  wird,  von  der  hiesigen  Stadt  zu  fordern  hat.

Diese  Obligation  bildet  einen  Theil  der  zur  Anlage  eines  Wasserwerks
und  zu  verschiedenen  öffentlichen  Bauten  und  Einrichtungen  in  Gemäßheit  des
Allrzöchsten  Privilegiums  vo.  ..  .  ..  1867.  aufgenommenen  Anleihe
von  600,000  Thalern.  —  Die  auf  vier  und  einhalb  Prozent  sährlich  festgesetzten
und  nicht  reduzirbaren  Zinsen  werden  am  1.  April  und  1.  Oktober  jeden  Jahres
egen  Rückgabe  der  ausgefertigten  halbjährigen  Zinskupons  durch  die  Stadtämmerei
  gezahlt.

Mit  dieser  Lbligation  sind  dergleichen  Zinskupons  zunächst  für  die  .  .Jahre
vom  11  1867.  bis  .  1872.  ausgegeben)  für  die  weitere  Zeit
werden  neue  Zinskupons  für  fünfjährige  Perioden  gegen  Ablieferung  des  der
älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten  Talons  bei  der  Kämmereikasse  verabfolgt.

Beim  Verlust  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen  Zinsschein-Serie
  an  den  Inhaber  der  Schulddrschreihung,  sofern  deren  Vorzeigung  rechtzeitig
  erfolgt  ist.

Die  Tilgung  des  ganzen  Anleihekapitals  geschieht  vom  1.  Januar  1872.
ab  mittelst  Verloosung  oder  Ankaufs  der  Obligationen  nach  dem  festgestellten
Amortisationsplane  mit  Einem  Prozent  jährlich  und  den  ersparten  Zinsen  der
getilgten  Obligationen;  auch  verpflichtet  sich  die  Stadtgemeinde  *  a.  d.  S.,  den
ganzen  Reinertrag  des  Wasserwerks,  soweit  er  die  zur  Verzinsung  und  Tilgung
des  in  demselben  angelegten  Kapitals  erforderlichen  Beträge  übersteigt,  zur  Amorti-



  Magssrat  der  Immediatstadt  *-!  a.  d.  S.  urkundet  und  bekennt  hiermit

Thaler  Preußisch  Kurant,
        <pb n="1600" />
        —  1423  —

tisation  der  Anleihe  zu  verwenden.  Den  Kommunalbehörden  bleibt  außerdem
das  Recht  vorbehalten,  den  Tilgungsfonds  zu  verstärken,  oder  die  sämmtlichen
Obligationen  auf  einmal  zu  kündigen,  wogegen  den  Inhabern  derselben  ein  Kündigungsrecht
  nicht  zusteht.

Die  Bekanntmachung  der  durch  das  Loos  gezogenen  Obligationen  und  die
Kündigung  derselben  geschieht  unter  Bezeichnung  ihrer  Buchstabrrt  Nummern  und
Beträge  drei  Monate  vor  dem  Zahlungstermine  durch  das  Amtsblatt  der  Königlichen
  Regierung  zu  Merseburg,  den  Staatsanzeiger,  das  Hallesche  Tageblatt  und
eine  Hallesche  Zeitung.

Sollte  eines  oder  das  andere  dieser  Blätter  eingehen,  so  bestimmt  der
Magistrat  mit  Genehmigung  der  Königlichen  Regierung  zu  Merseburg,  in  welchem
anderen  Blatte  die  Bekanntmachung  erfolgen  soll.  «

Die  Zurückzahlung  des  Kapitals  erfolgt  an  dem  auf  die  Kündigung  folgenden
  1.  Oktober  gegen  Auslieferung  der  Obligation  und  der  nicht  verfallenen  Zinskupons.
  Von  Schem  Fälligkeitstage  ab  hört  die  Verzinsung  des  Kapitals  auf.

Der  Kapitalbetrag  der  ausgeloosten  Obligationen  verfällt  zu  Gunsten  der
Stadt,  wenn  die  Einlösung  nicht  binnen  dreißig  Jahren  nach  dem  Fülligkeitstermine
erfolgt;  die  Zinskupons  verjähren  mit  Ablauf  des  vierten  Kalenderjahres  nach
dem  Ablaufe  des  Jahres  ihrer  Fälligkeit.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Obligationen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Allgemeinen  Gerichtsordnung  Th.  I.  Tit.  51.
§.  120.  ff.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  He-  a.  d.  S.  —  Zinskupons
konnen  weder  aufgeboten  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll  demjenigen,  welcher
den  Verlust  von  Pins  ons  vor  Ablauf  der  vierjährigen  Verjährungsfrist  bei
der  Kämmereikasse  der  Stadt  anmeldet  und  den  saltgehabte  Besitz  der  Zinskupons
  duch  Vorzeigung  der  Obligationen  oder  sonst  in  glaubhafter  Weise  darülhut,
  nach  Ablauf  der  Versähruntfastr  der  Betrag  der  angemeldeten  und  bis
dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt  werden.

Für  die  Sicherheit  des  Kapitals  und  der  Zinsen  haftet  das  Gesammtvermögen
  und  Einkommen  der  Stadt.

Halle  a.  d.  S.,  den.  ..  18.
(L.  S.)
Der  Magistrat  der  Immediatstadt  Halle  a.  d.  S.

(Gedruckt:  Unterschrift  des  Magistrats-Dirigenten  und  eines  Magistrats-Mitgliedes.)
Eingetragen  Kontrolbuch  kol.  ——-.-  «  Ausgefertigt:

Der  Kämmereikassen-Kontroleur.  Der  Kämmerer.

(Nr.  6795.)  Pro-
        <pb n="1601" />
        —  144  —
Prooinz  Sachsen,  Regierungebezirk  Merseburg.

Rthlr.  ..  Sgr.  Kupon  Kupon  ...
(Kuponstempel.)
zur
(Stadtwappen.)
Obligation  der  Immediatstadt  Halle  a.  d.  S.
A.  «
I«lt.  .  .E  übber  Thkaler  Kurant.
Inhaber  empfängt  am  .  .  .  .  .  .  18..  an  habbsährigen  Zinsen  aus  der
Kämmereikasse  der  Stadt  Halle  a-.  d.  S.  Rthlr.  Sgr.  Kurant.
Halle  a.  d.  S.,  den  “.  18.
Der  Magistrat.
Dieser  Kupon  verjährt  in  vier  Jahren  Eingetragen  in,  Kuponbuche
Ol....

nach  Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Falligkeit.  der  Stadt  Halle

Provinz  Sachsen,  Negierungebezirk  Merseburg.

Talon

zur

Obligation  der  Immediatstadt  Halle  a.  d  S.

A.
Llt.  *  M  ....  übeer  Thaler  Kurant.
C.

Inhaber  empfängt  gegen  Rückgabe  dieses  Talons  zu  der  vorbenannten
Obligation  die  .“  Serie  Zinskupons  für  die  fünf  Jahre  vom.  .  ..  ..  18.
bis  zm....  18..  bei  der  Kämmereikasse  zu  Halle  a.  d.  S.

Halle  a.  d.  S.,  den  .  18..

(Trockener  Stempel.)  Z„
Der  Magistrat.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1602" />
        —  1425  —
Gesetz-Sammlung
fuͤr  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  85.  —

 

(Nr.  6796.)  Verordnung,  betreffend  die  Auflösung  der  Berghypotheken-Kommission  zu  Siegen
und  die  Abgabe  des  dortigen  Berghypothekenbuchs  an  die  ordentlichen
Gerichte.  Vom  9.  August  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  c

verordnen  hierdurch,  in  Ausführung  des  F.  246.  des  Allgemeinen  Berggesetzes
vom  24.  Juni  1866.  (Geseh-  Sam#n.  für  1865.  S.  705.,  was  folgt:

Artikel.  I.

Die  auf  Grund  des  Gesetzes,  betreffend  die  Kompetenz  der  Oberbergämter,
vom  10.  Juni  1861.  (Gesetz.  Samml.  für  1861.  S.  425.)  für  den  Bezirk  des
Oberbergamtes  zu  Bonn  errichtete  Berghypotheken-Kommission  zu  Siegen  ist  mit
dem  1.  Oktober  d.  J.  aufgehoben.  8  bisher  von  dieser  Behörde  geführten
Berghypothekenbücher  werden  von  dem  gedachten  Tage  ab  durch  die  ordentlichen
Gerichte  fortgeführt.

Artikel.  II.

Mit  der  Ausführung  der  gegenwärtigen  Verordnung  sind  der  Minister  für
Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  und  der  Justizminister  beauftragt.

zirtendch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Ems,  den  9.  August  1867.
I.  S§.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6796—6797.)  189  (Nr.  6797.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  7.  September  1867.
        <pb n="1603" />
        —  1426  —

(Nr.  6797.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Gesetzes  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen
  vom  3.  November  1838.  und  der  Verordnung  vom  21.  Dezember
  1846.,  betreffend  die  bei  dem  Bau  von  Eisenbahnen  beschäftigten
Handarbeiter,  in  den  neuerworbenen  Landestheilen.  Vom  19.  August
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  ꝛc.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.

In  den  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  (Gesez,  Samul  für
1866.  S.  555.)  und  durch  die  Gesetze  vom  2  uzener-  1866.  (Gesetz  Samml.
für  1866.  S.  875.  876.)  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Gebieten  treten
ortan  das  Gesetz  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen  vom  3.  November  1838.
(Gesetz  Samml.  für  1838.  S.  505.),  jedoch  mit  Ausschluß  der  .  11—  13.,
15—  19.,  38—41.  und  des  §.  44.,  #owie  die  Drordaung  vom  21.  Dezember
1846.,  betreffend  die  bei  dem  Bau  von  Lisenbahnen  bese
(Gesetz-Samml.  für  1847.  S.  21.),  in  Kraft.

Soweit  die  ertheilten  Konzessions-Urkunden  über  das  Verhältniß  der  bestehenden
  Eisenbahngesellschaften  zum  Staate  und  zum  Publikum  abweichende  Bestimmungen
  enthalten,  behält  es  bei  denselben  sein  Bewenden.  Ebenso  verbleibt
es  bis  auf  Weiteres  rücksichtlich  des  Expropriationsverfahrens  bei  den  biskerigen
in  den  einzelnen  Landestheilen  hierüber  geltenden  Vorschriften.  ·-"

s-2.  .
stz  Wegen  Einführung  der  auf  die  Besteuerung  der  Eisenbahnen  bezüglichen
etze:

häftigten  Handarbeiter

1)  vom  30.  Mai  1853.,  betreffend  die  von  den  Eisenbahnen  zu  entrichtende
Abgabe  (Gesetz=  Samml.  für  1853.  S.  449.))

2)  vom  21.  Mai  1859.,  betreffend  die  Abänderung  des  Gesetzes  vom  30.
Mai  1853.  (Gesetz  Samml.  für  1859.  S.  243.),

3)  vom  16.  März  1867.,  betreffend  die  Abgabe  von  allen  nicht  im.  Besitze
des  Staats  oder  inländischer  Eisenbahn-Aktiengesellschaften  befindlichen
Eisenbahnen  (Gesetz=  Samml.  für  1867.  S.  465.),  ·

in  den  neuerworbenen  Landestheilen  bleibt  besondere  Verordnung  vorbehalten.

C.  3.

Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Bestimmungen,  insbesondere  die
Verordnung  für  das  vormalige  Königreich  Hannover  vom  29.  März  1856.,  die
Anlage  von  Eisenbahnen  durch  Privatunternehmer  betreffend,  werden  aufgehoben.

·
        <pb n="1604" />
        —  1427  —

S.  4.
Der  Handelsminister  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

zirtundlh,  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  19.  August  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

 

(Nr.  6798.)  Verordnung,  betreffend  das  Münzwesen  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.
Vom  24.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  xc.

verordnen  für  die  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  und  durch  die
beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz-Samml.  S.  555.  875.  und  876.)
mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Landestheile,  mit  Ausschluß  der  vormals
  Bayerischen  Enklave  Kaulsdorf,  was  folgt:

.  1.

In  den  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  und  durch  die  beiden
Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten
Landestheilen,  ausschließlich  des  Gebiets  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt,
treten  die  in  dem  alteren  Staatsgebiete  geltenden  Bestimmungen  über  das  Münzwesen,
  insbesondere  das  ine  vom  4.  Mai  1857.  (Gesetz  Samml.  S.  305.)
mit  der  Maaßgabe  in  Kraft,  daß  die  im  vormaligen  Königreich  Hannover  und
im  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  nach  der  Chalerwährung  ausgeprägten
Kurantmünzen  und  Silberscheidemünzen,  sowie  die  gpfnche  emünzen  Kur.
hessischen  Gmräges  den  Preußischen  Landesmünzen  gleichgestellt  werden,  und
daß  dem  Handelsstande  in  Altona  und  dessen  Umgebung  die  Rechnung  in  Mark
Banko  gestattet  bleibt.

g.  2.

Bei  Zahlungsverbindlichkeiten,  welche  auf  die  den  Preußischen  Landesmünzen
  nicht  gleichgestellten  seitherigen  Landesmünzen  der  bezüglichen  im  §.  1.
bezeichneten  Gewietstheile  lauten,  findet  die  Umrechnung  nach  folgender  Werthsbestimmung
  statt:

1)  zehn  Hannoversche  Pennige  gelten  gleich  zwölf  Preußischen  Pennigen,
(##  6797—6788))  189“  2)  sebe“
        <pb n="1605" />
        —  1428  —

2)  sieben  Gulden  Süddeutscher  Währung  gelten  gleich  vier  Thalern
Preußisch,

3)  fünf  Mark  Kurant  gelten  gleich  zwei  Thalern  Preußisch,

4)  vier  Thaler  Dänischer  Reichsmünze  gelten  gleich  drei  Thalern  Preußisch.

Bei  dieser  Umrechnung  werden  Brüche,  wenn  sie  weniger  als  einen  halben
Pfennig  Preußisch  betragen,  außer  Ansatz  gelassen,  wenn  sie  mehr  als  einen
halben  Pfennig  betragen,  für  einen  vollen  Pfennig  gerechnet.  Bei  fortlaufenden
terminweisen  Zahlungen  findet  die  Abrundung  nur  für  die  Summe  der  während
eines  Kalenderjahres  zu  zahlenden  Raten  statt.

K.  3.

Die  Münzen  Schleswi  Hassteiuschen,  Nassauischen  und  Hessen=  Homburgschen
  Gepräges,  mit  Ausschluß  der  Vereinsthaler  (Art.  8.  des  Münzvertrages
vom  28.  Januar  1857.,  Gesetz=  Samml.  S.  312.),  sowie  die  Kupsemünden
Hannoverschen  Gepräges  sind  nach  den  im  8  2.  bestimmten  Werthsverhältnissen
gegen  Preußische  Landesmünzen  einzulösen.  Die  Einlösungsfrist  ist  auf  mindestens
vier  Wochen  festzusetzen  und  wenigstens  drei  Monate  vor  ihrem  Ablaufe  öffentlich
bekannt  zu  machen.  Der  Finanzminister  hat  das  Nähere  hierüber  zu  bestimmen
und  die  Kassen  zu  bezeichnen,  bei  welchen  eine  jede  von  jenen  Münzsorten  zur
Einlösung  angenommen  wird.  Mit  dem  Wllaufe  der  Einlösungsfrist  treten  die
aufgerufenen  Münzen  außer  Kurs,  so  daß  dieselben  von  da  ab  in  Zahlung  nicht
mehr  angeboten  werden  dürfen.

KC.  4.

Bis  zum  31.  Dezember  d.  J.  ist  Jedermann  verpflichtet,  auch  die  den
Preußischen  Landesmünzen  nicht  gleichgestellten  seitherigen  Landesmünzen  in  den
im  8.  1.  bezeichneten  Gebietstheilen  in  Zahlung  anzunehmen.  Auch  ist  bis  zu
diesem  Zeitpunkte  die  Rechnung  in  den  seitherigen  Landesmünzen  gestattet.

g.  5.

Im  Gebiete  der  vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt  ist  Jedermann  verpflichtet,
  bei  Zahlungen  der  Staatskassen  die  Preußischen  Landesmünzen  und  die
ihnen  gleichgestellten  Münzen  nach  dem  im  F.  2.  zu  2.  bestimmten  Werthsverhältniß
  anzunehmen.

g.  6.

Die  für  das  ältere  Staatsgebiet  ergangenen  Vorschriften  wegen  der
Preußischen  Kassenanweisungen  finden  fortan  in  den  durch  die  Gesetze  vom
20.  September  und  24.  Dezember  1866.  der  Preußischen  Monarchie  einverleibten
Landestheilen  Anwendung.  —  Die  Kurhessischen  Kassenanweisungen  werden  den
Preußischen  Kassenanweisungen  glech  estelltt  auch  sind  in  dem  Ecbie  des  vor.
maligen  Herzogthums  Nassau  die  Noten  der  Nassauischen  Landesbank  von  den
Staatskassen  fernerhin  in  Zahlung  anzunehmen.  "

.  7.
        <pb n="1606" />
        —  1429  —

K.  7.

Alle  der  gegenwärtigen  Verordnung  zuwiderlaufenden  Vorschriften  werden
hierdurch  aufgehoben.

Der  Finanzminister  und  der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche
Arbeiten  sind  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Lbrhendich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  24.  August  1867.

.  #.)Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6799.)  Vertrag  zwischen  der  Königlich  Preußischen  und  der  Großherzoglich  Oldenburgischen
  Regierung,  betreffend  die  Anlage  einer  Eisenbahn  von  Reumünster
über  Plön  und  Eutin  nach  Neustadt.  Vom  29.  Mai  1867.

N#  die  Königlich  Preußische  und  die  Großherzoglich  Oldenburgische  Reierung
  in  Folge  der  mit  beiderseitiger  landesherrlicher  ge  eschehenen
bauung  einer  Eisenbahn  von  Neumünster  über  Plön  und  Eutin  uch  Neustadt

übereingekommen  sind,  die  aus  der  Durchführung  dieser  Bahn  durch  das  Königlich
Praußifche  und  das  Eroßheroglich  Oldenburgische  Staatsgebiet  sich  ergebenden
Beziehungen  zu  regeln,  sind  zum  Behuf  einer  hierüber  zu  treffenden  Vereinbarung
zusammengetreten:
Königlich  Preußischer  Seits:

der  Eisenbahn-Kommissarius  Mölling,
Großherzoglich  Oldenburgischer  Seits:

der  Ober-Regierungsrath  Kindt,

und  haben  unter  Vorbehalt  der  landesherrlichen  Ratifikation  folgenden  Vertrag
geschlosen.  Artikel  1
ikel  1.

Die  Königlich  Preußische  und  die  Großherzoglich  Oldenburgische  Regierung
werden  eine  jede  für  ihr  Gebiet  bis  zum  1.  September  1944.  den  Betrieb  der
Neumünster-Neustädter  Eisenbahn  der  Altona-Kieler  Eisenbahngesellschaft,  oder
im  Falle  diese  aufhören  sollte,  Besitzerin  der  Neumünster-Neustädter  Bahn  zu
sein,  dem  rechtmäßigen  Besitzer  derselben  gestatten.

(Wr.  6798—6799.)  Ar.
        <pb n="1607" />
        —  1430  —

Artikel  2.

Da  die  Neumünster-Reustädter  Bahn  zum  größten  Theil  und  vie  Altona-Kieler
  Eisenbahn  gänzlich  innerhalb  des  Königlich  Preußischen  Gebietes  belegen
ist,  fermer  die  erstgenannte  Bahn  als  eine  Zweigbahn  der  letzteren  angelegt  ist
und  mit  dieser  einen  Femeinschaftlichen  Betrieb,  sowie  eine  emeinschaftliche  Verwaltung
  hat,  so  erklärt  die  Großherzoglich  Oldenburgische  Regierung,  in  Anerkenttüng
  der  Nothwendigkeit  übereinstimitintender  Bettiebsvotschriften  auf  diesen
Bahnen,  sich  bereit,  die  für  die  Altona-Kieler  Hauptbahn  und  beten  Nebenbahnen
erlassenen  oder  noch  zu  erlassenden  administrativen  Anordnungen  auch  für  die
in  ihrem  Gebiete  belegene  Strecke  der  Neumünster-Neustädter  Bahn  in  dem
Umfange  zur  Anwendung  zu  bringen,  daß  das  Statut  der  Altona-Kieler  Eisenbahlgestusschat
  insoweit  nicht  die  von  der  Großherzoglich  Oldenbur  ischen  Regierung
  der  Gesellschaft  zu  ertheilende  Konzession  enkgegenstehende  Bestimmungen
enthält,  imgleichen  das  füt  die  Hauptbah  uid  deren  Nebenbahnen  geltende
Bahnpolizei-Reglement,  sowit  das  Betriebsreglem#ent  der  Altona-Kieler  Bahn
auch  für  die  das  Fürstenthum  Lübeck  berührende  Bahnstrecke  maaßgebend  sein
soll.  Auch  bleibt  der  Königlich  Preußischen  Regierung  die  Genehmigung  der
Fahrpläne  vorbehalten,  jedoch  sollen  täglich  mindestens  zwei  für  den  Fersnenverkehr
  bestimmte  Züge  in  jeder  Richtung  mit  den  Zügen  der  Altona  Kieler
Eisenbahn  im  Uiscklie  stehen.

Artikel  3.

So  lange  das  Königlich  Preußische  Herzogthum  Holstein  und  das  Groß  ·
hetzoglich  Oldenburgische  Fürstinihmm  Lübeck  *  dse  der  Königlich
Preußischen  Regierung  unterliegendes  gtmeinsande  Zoll-  und  Pstgebiet  bilden,
wird  die  Großherzoglich  Oldemburgische  Regierung  thunlichst  dafür  Sorge  tragen,
daß  die  auf  das  Zoll=  und  Postwesen  beziglichen  Bestimmungen,  welche  Seitens
der  Löntiüch  Preußischem  Regierung  erAltona=  Kieler  Eisenbahngesellschaft

ro  h

Ggenüber  getroffen  werden,  auch  für  die  innerhalb  des  Fürstenthums  Lübeck  besich
  lusns  zur  Ausführung  gelangen.
Artikel  4.

Zwischen  den  Staatsangehörigen  des  Königlich  Preußischen  und  des  Großgroglich
  Oldenburgischen  Geblen  d0  huschtich  des  freien  Zuganges  zu  allen
ahnstationen,  desgleichen  bei  Feststellung  der  Beförderungspreise  nach  und  von
der  Bahn  und  auf  der  Bahn-  sowie  hinsichtlich  der  Zeit  und  Art  der  Abfertigung
  für  Peisbnen  und  Güler  auf  det  Bahn  itgend  ein  Unterschied  nicht  gemacht
werden.  «
Artikel  5.

Behufs  gegenseitiger  Benutzung  der  Eisenbahn  zu  Militairtransporten  soll
beiden  Regierungen  der  Durchmarsch  von  Truppen  und  die  Durchführung  von
Militaireffekten  durch  das  Gebiet  des  anderen  Staats  sowohl  auf  der  Bahn,
als  auch  nach  Benutzung  der  Bahn  oder  zur  Erreichung  derselben  feristchen.

»  ine
        <pb n="1608" />
        —  1431  —

Eine  solche  Befugniß  wird  der  Großherzoglich  Oldenburgischen  Nepierung  auch
für  die  an  die  Neumünster-Neustädter  Bahn  anschließende  Strecke  Altona-Neumünster
  der  Altona-Kieler  Eisenbahn  eingeräumt.

Artikel  6.

Beiden  Negierngen  bleibt  es  überlassen,  innerhalb  ihres  Gebietes  die  Anschließung
  und  Einmündung  von  Zweig=  oder  Seitenbahnen  in  jeder  Richtung
zu  gestatten  oder  selbst  zu  veranstalten.

Artikel  7.

Gegenwärtiger  Vertrag,  welcher  in  zwei  gleichlautenden  Exemplaren  ausefertigt
  4  „  soll  zur  landesherrlichen  Nabffkatio  vorgelegt  und  sollen  die  Ratise#miioss.
  Uccunber  binnen  zwei  Monaten  in  Berlin  ausgewechselt  werden.
Dessen  zur  Urkunde  haben  die  beiderseitigen  Bevollmächtigten  gegenwärtigen
Vertrag  unterzeichnet  und  untersiegelt.
Kiel,  den  29.  Mai  1867.

Mölling.  Kindt.
—  —

Vorstehender  Vertrag  ist  ratifizirt  worden,  und  die  Auswechselung  der
Ratifikations-Urkunden  hat  stattgefunden.  I

 

(Nr.  6799—G800)  Nr.  6800.)
        <pb n="1609" />
        —  1432  —

(Nr.  6800.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  5.  August  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee
von  Rawicz  nach  Dubin  durch  den  Kreis  Kröben,  im  Regierungsbezirk
Posen.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Susee
von  Rawicz  nach  Dubin  durch  den  Kreis  Kröben,  im  Regierungsbezirk  Posen,
genehmigt  sabe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  genannten  Kreise  das  girbortont
recht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur
Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für
die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich
will  Ich  dem  Kreise  Kröben  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung
  der  Straße  das  Recht  zur  Echebung  des  Ghaussecgeldes  nach  den  Bestimmunen
  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs  einschließich
  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der
sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen
  auf  den  Staats--Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.
  Auch  sollen  die  dem  Chaussegeld.Torife  vom  29.  Februar  1840.  anehängten
  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachte
*  zur  Anwendung  kommen.
Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Ems,  den  5.  August  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.  I

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Obkr-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1610" />
        —  1433  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  S6.  —

 

(Nr.  6801.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen  der  Stadt
Witten,  Regierungsbezirks  Arnsberg,  zum  Betrage  von  200,000  Thalern.
Vom  15.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

ertheilen,  nachdem  der  Magistrat  und  die  Stadtverordneten-Versammlung  zu
Witten  darauf  angetragen  haben,  Behufs  Bestreitung  der  Kosten  mehrerer  gemeinnütziger
  Anlagen  und  Bauten,  die  Aufnahme  eines  Darlehns  von  200,000
Thalern,  geschrieben:  Zweihundert  Tausend  Thalern,  gegen  Ausstellung  auf
den  Inhaber  lautender  und  mit  Zinskupons  versehener  Obligationen  zu  gestatten,
und  bei  diesem  Antrage  im  Interesse  der  Stadtgemeinde  sowohl  als  der  Gläubiger
  sich  nichts  zu  erinnern  gefunden  hat,  in  Gemäßheit  des  F.  2.  des  Gesetzes
vom  17.  Juni  1833.  wegen  Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung
  an  jeden  Inhaber  enthalten,  durch  gegenwärtiges  Privilegium
Unsere  landesherrliche  Genehmigung  zur  Ausgabe  der  gedachten  Obligationen
unter  nachstehenden  Bedingungen.

K.  1.

Es  werden  ausgegeben  zweitausend  Obligationen,  jede  zu  Einhundert
Thalern.

Die  Obligationen  werden  mit  fünf  vom  Hundert  khrich  verzinst  und
die  Zinsen  in  halbjährlichen  Terminen,  am  2.  Januar  und  1.  Juli,  von  der
städtischen  Schuldentilgungskasse  zu  Witten  gegen  Rückgabe  der  ausgefertigten
Zinskupons  bezahlt.

Zur  Tilgung  der  Schuld  wird  mindestens  jährlich  Ein  Prozent  von  dem
Kapitalbetrage  der  ausgegebenen,  nebst  den  Zinsen  der  eingelösten  Obligationen,
sowie  der  künftige  Reinertrag  der  Wasserleitung,  soweit  solcher  die  zur  Verzinsung
  und  Tilgung  des  in  derselben  angelegten  Kapitals  erforderlichen  Beträge
etwa  übersteigt,  verwendet.  Der  Stadtgemeinde  bleibt  vorbehalten,  größere  Beträge
  zurückzuzahlen  und  dadurch  die  Abtragung  der  Schuld  zu  beschleunigen.

Den  Inhabern  der  Obligationen  steht  kein  Kündigungsrecht  gegen  die
Stadtgemeinde  zu.

Johrgang  1667.  (Nr.  6801.)  190  g.  2.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  9.  September  1867.
        <pb n="1611" />
        —  1434  —

KC.  2.

Zur  Leitung  der  Geschäfte,  welche  die  Ausstellung,  Verzinsung  und  Tilgung
  der  auszugebenden  Obligationen  betreffen,  wird  eine  besondere  Schuldentilgungs-Kommission
  gewählt,  welche  für  die  treue  Befolgung  gegenwärtiger
Bestimmungen  verantwortlich  ist  und  zu  dem  Ende  von  Unserer  Regierung  zu
Arnsberg  in  Eid  und  Pflicht  geomeen  wird.

Dieselbe  soll  aus  drei  Mitgliedern  bestehen,  von  denen  Eins  von  dem
Magistrate  aus  seiner  Mitte  und  zwei  von  der  Stadtverordneten-Versammlung
zu  wählen  sind.  Von  den  letztgedachten  Mitgliedern  muß  Eins  der  Stadtverordneten-Versammlung
  angehören.

5.  3.

Die  Obligationen  werden  in  fortlaufenden  Nummern,  und  zwar  jede  zu
Einhundert  Thalern,  von  Eins  bis  inkl.  zweitausend,  nach  dem  anghän  ten
Schema  ausgestellt,  von  dem  Magistrate  und  den  Mitgliedern  der  Schuldentilgungs.
  Kommission  unterzeichnet  und  von  dem  Rendanten  der  städtischen
Schuldentilgungs-Kasse  kontrasignirt.  Denselben  ist  ein  Abdruck  dieses  Privilegiums
  beizufügen.  ¾  4

Den  Obligationen  werden  für  die  nächsten  zehn  Jahre  zwanzig  Zinskupons,
  jeder  zu  zwei  Thaler  funfzehn  Silbergroschen,  in  den  darin  bestimmten
halbjährlichen  Terminen  zahlbar,  nach  dem  angehängten  Schema  beigegeben.

Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons  Serie  erfolgt  nach  vorheriger
öffentlicher  Bekanntmachung  (wie  im  F.  7.)  bei  der  Schuldentilgungs  Kasse  zu
Witten  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  nach  dem  angehängten
  Schema  beigedruckten  Talons.

.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen  Zinskupons-Serie
  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung
rechtzeitig.  gecchehen  ist.

ie  Kupons  und  die  Talons  werden  von  dem  Magistrate,  der  Schuldentilgungs-Kommission
  und  dem  Rendanten  der  Schuldentilgungs-Kasse  unterschrieben.

  ¾l.

Vom  Verfalltage  ab  wird  gegen  Auslieferung  der  Zinskupons  der  Betrag
derselben  an  den  Vorzeiger  durch  die  städtische  Schuldentilgungs-Kasse  gezahlt.
Auch  werden  die  fälligen  Zinskupons  bei  allen  Zahlungen  an  die  Gemeindekasse,
namentlich  bei  Entrichtung  der  Kommunalsteuern,  in  Jahlung  angenommen.

g.  6.

Die  Zinskupons  werden  ungültig  und  werthlos,  wenn  sie  nicht  binnen
vier  Jahren  nach  Ablauf  des  Kalenderjahres,  in  welchem  sie  fällig  geworden,
ur  Zahlung  präsentirt  werden.  Die  dafür  ausgesetzten  Fonds  verfallen  zum
Vordheil  der  Stadtkasse  zu  Witten.  §l!
        <pb n="1612" />
        —  1435  —
.7F.

Die  Nummern  der  nach  FF.  1.  zu  tilgenden  Obligationen  werden  jährlich
durch  das  Loos  bestimmt  und  wenigstens  drei  Monate  vor  dem  Sahlungs
termine  öffentlich  bekannt  gemacht,  und  zwar  durch  die  Wittener  Lokalblätter,  das
amtliche  Bochumer  Kreisblatt,  das  Amtsblatt  Unserer  Regierung  zu  Arnsberg,
durch  die  Kölnische  Zeitung  und  Berliner  Börsenzeitung.  Im  Falle  des  Eingehens
  eines  dieser  Blätter  bestimmt  der  Magistrat  zu  Witten  mit  Genehmigung
Unserer  Regierung  zu  Arnsberg  statt  dessen  ein  anderes  und  macht  die  getroffene
Wahl  in  den  übrig  gebliebenen  Blättern  bekannt.

g.  8.

Die  Verloosung  geschieht  unter  dem  Vorsitze  des  Bürgermeisters  durch  die
Schuldentilgungs-Kommission  in  einem  vierzehn  Tage  vorher  durch  die  im  §.  7.
bezeichneten  Blätter  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringenden  Termine,  zu  welchem
dem  Publikum  der  Zutritt  gestattet  ist.  Ueber  die  Verloosung  wird  ein  von  dem
Bürgermeister  und  den  Mitgliedern  der  Kommission  zu  unterzeichnendes  Protokoll
aufgenommen.

§.  9.

Die  Auszahlung  der  ausgeloosten  Obligationen  erfolgt  an  den  dazu  bestimmten
  Tagen  nach  dem  Nominalwerthe  durch  die  städtische  Schuldentilgunge
Kasse  an  den  Vorzeiger  der  Obligationen  gegen  Auslieferung  derselben.  Mit
diesem  Tage  hört  die  Verzinsung  der  ausgeloosten  Obligationen  auf.  Mit  letzteren
  sind  zuglech  die  ausgereichten,  nach  deren  Zahlungstermine  fälligen  Zinskupons
  einzuliefern;  geschieht  dies  nicht,  so  wird  der  Betrag  der  fehlenden  ZJinskupons
  von  dem  Kapitale  gekürzt  und  zur  Einlösung  dieser  Kupons  verwendet.

K.  10.

Die  Kapitalbeträge  derjenigen  ausgeloosten  Obligationen,  welche  nicht  binnen
  drei  Monaten  nach  dem  Zahlungstermine  zur  Einlösung  vorgezeigt  werden,
sollen  der  Verwaltung  der  städtischen  Sparkasse  als  zinsfreies  Depositum  überwiesen
  werden.

Die  solchergestalt  deponirten  Kapitalbeträge  dürfen  nur  auf  eine  von  der
Schuldentilgungs-Kommission  kontrasignirte  Anweisung  des  Bürgermeisters  zu
bestimmungsmaäßiger  Verwendung  an  den  Rendanten  der  Schuldenkilungs-Kasee
verabfolgt  werden.

Die  deponirten  Kapitalbeträge  sind  den  Inhabern  jener  Obligationen
längstens  in  acht  Tagen  nach  Vorzeigung  der  Obligationen  bei  der  Schuldentilgungs-Kasse

  durch  diese  auszuzahlen.

C.  11.

Die  Nummern  der  ausgeloosten,  nicht  zur  Einlösung  vorgezeigten  Obligationen
  sind  in  den  nach  der  Bestimmung  unter  F.  7.  jährlich  zu  erlassenden  Bekanntmachungen
  wieder  in  Erinnerung  zu  bringen.  Werden  die  Obligationen,
dieser  wiederholten  Bekanntmachung  ungeachtet,  nicht  binnen  30  Jahren  nach  dem

(Nr.  6801.)  190“  Zah-
        <pb n="1613" />
        —  1436  —

Zahlungstermine  zur  Einlösung  vorgezeigt,  auch  nicht,  der  Bestimmung  unter
8  13.  gemäß,  als  verloren  oder  vernichtet  zum  Behufe  der  Ertheilung  neuer

bligationen  binnen  dieser  Frist  angemeldet,  so  sollen  nach  deren  Ablauf  die
Obligationen  als  getilgt  angesehen  werden  und  die  dafür  deponirten  Kapitalbeträge
  der  Stadtkasse  anheimfallen.

K.  12.

Für  die  Verzinsung  und  Tilgung  der  Schuld  haftet  die  Stadt  Witten
mit  ihrem  gesammten  Vermögen  und  ihren  sämmtlichen  Einkünften,  und  kann
die  Stadt,  wenn  die  Zinsen  oder  die  ausgeloosten  Obligationen  nicht  zur  rechten
Zeit  gezahlt  werden,  auf  Zahlung  derselben  durch  die  Gläubiger  gerichtlich  verklagt
  werden.  ½

In  Ansehung  der  verlorenen  oder  vernichteten  Obligationen  oder  Zinskupons
  finden  die  auf  die  Staatsschuldscheine  und  deren  Zinskupons  Bezu
habenden  Vorschriften  der  Verordnung  vom  16.  Juni  1819.  wegen  des  u
gebots  und  der  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Staatspapiere  §W#.  1.
bis  13.  mit  nachstehenden  näheren  Bestimmungen  Anwendung:

a)  die  im  §.  1.  jener  Verordnung  vorgeschriebene  Anzeige  muß  der  städtischen
  Schuldentilgungs-Kommission  gemacht  werden.  lsser  werden  alle
diejenigen  Geschäfe  und  Befugnisse  beigelegt,  welche  nach  der  angeführten
Verordnung  dem  Schatzministerium  zukommen)  gegen  die  Verfügungen
der  Kommission  findet  jedoch  der  Rekurs  an  Unsere  Regierung  zu  Arnsberg
  statt;

b)  das  im  §J.  5.  der  Verordnung  gedachte  Aufgebot  erfolgt  bei  Unserem
Kreisgerichte  zu  Bochum;

c)  die  in  den  §9.  6.  H.  und  12.  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen  sollen
durch  die  im  F.  7.  angeführten  Blätter  geschehen.

Zur  Urkunde  dieses  und  zur  Sicherheit  der  Gläubiger  haben  Wir  das
egenwärtige,  durch  die  Geseg,  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringende
Eerbbesterrlche  Privilegium  Allerhöchsteigenhändig  vollzogen  und  unter  ünserem
Königlichen  Insiege  ausfertigen  lassen,  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern  der
Obligationen  in  duns  ihrer  Befriedigung  eine  Gewährleistung  von  Seiten
des  Staats  zu  bewilligen  oder  Rechten  Dritter  zu  präjudiziren.

Gegeben  Ems,  den  15.  Juli  1867.

(1.  S.)  Wilhelm.

Für  den  Finanzminister
und  den  Fite  des  Innern:

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.

Pro-
        <pb n="1614" />
        —  1437  —
Provinz  Westphalen,  Regierungsbezirk  Arnsberg.
Obligation  der  Stadt  Witten

(Stadtsiegel)
Serie  .  .  ...  ——-.  Thaler  100.
über

Einhundert  Thaler  Kurant.

Die  Endesunterzeichneten,  durch  das  Allerhöchste  Privilegiuim  vom  ..  .  .  .  .  .  .  ..
hierzu  ausdrücklich  ermächtigt,  beurkunden  und  bekennen  hiermit,  daß  der  Inhaber
dieser  Obligation  die  Summe  von  Einhundert  Thalern  Kurant,  deren  Empfang
sie  bescheinigen,  an  die  Stadt  Witten  zu  fordern  hat.

Die  auf  fünf  Prozent  jährlich  festgesetzten  Zinsen  sind  am  2.  Januar  und
1.  Juli  jeden  Jahres  fällig,  werden  aber  nur  gegen  Rückgabe  der  ausgefertigten
halbjährlichen  Zinskupons  gezahlt.  Das  Kapital  wird  durch  Amortisation  getilgt
werden,  weshalb  eine  Kündigung  von  Seiten  des  Gläubigers  nicht  zulässig  ist.

Die  näheren  Bestimmungen  sind  in  dem  nachstehend  abgedruckten  hli.
legium  enthalten.

Witten,  den  1een  18.

Der  Magistrat.  Die  städtische  Schuldentilgungs-Kommission.
Der  Rendant  der  Schuldentilgungs  Kasse.

Beigefügt  sind  die  Kupons  Serie  I.  .
bis  20.  nebst  Talon.  Die  folgenden  Serien
Siskupoms  werden  AShoen  Einlieferung  der
Talons  bei  der  Schuldentilgungs-Kasse  verabreicht.


(Rückseite.)
Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen
  der  Stadt  Witten  im  Betrage  von  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  Thalern.
Vo.

(Folgt  der  Abdruck  des  Privilegiums.)

(Nr.  080l.)  Pro-
        <pb n="1615" />
        —  1438  —

PDrovinz  Westphalen,  RNegierungsbezirk  Arneberg.
Serie  I.

Zinskupons  .  .  .  .  .
über
*  Thaler  15  Silbergroschen  Zinsen

zur

Obligation  der  Stadt  Witten

über  100  Thaler.

Inhaber  dieses  Kupons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  im  ten  ..  .  .  .  ..  18.
die  halbjährlichen  Zinsen  der  Stadt-Obligation  Littr.  .mit  2  Rthlr.
5  Sgr.)  geschrieben:  zwei  Thaler  funfzehn  Silbergroschen,  aus  der  Schuldentilgungs-Kasse
  zu  Witten.
Witten,  den  e  18..

(Trockener  Stempel.)
Der  Magistrat.  Die  städtische  Schuldentilgungs-Kommission.
Der  Rendant  der  städtischen  Schuldentilgungs  Kasse.

Dieser  Kupon  wird  ungültig,  wenn  desen
Geldbetrag  in  vier  Jahren  nach  Ablauf  des
Jahres,  in  welchem  er  fällig  geworden  ist,
nicht  erhoben  wird.
        <pb n="1616" />
        —  1439  —

Provinz  Westphalen,  Regierungebezirk  Arnsberg.
Dalon

zu  der

Wittener  Stadt-Obligation
über  100  Thaler  zu  fünf  Prozent  verzinslich.

Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  bei  der  Schuldemtilgu  ngs-Kasse
  zu  Witten  zu  der  vorbenannten  Obligation  der  Stadt  Witten  über  100  Thaler
—iees  die  (zweite)  Serie  Zinskupons  für  die  zehn  Jahre  von  18.  bis  18.
sofern  von  dem  Inhaber  der  Obligation  dagegen  bei  der  unterzeichneten  städiischen
Schuldentilgungs-Kommission  kein  Widerspruch  eingeht.

Witten,  den  #ten  ...  18.

(Trockener  Stempel.)
Der  Magistrat.  Die  städtische  Schuldentilgungs-Kommission.
Der  Rendant  der  Schuldentilgungs  Kasse.

 

(Nr.  6801—6602.)  (Nr.  6802.)
        <pb n="1617" />
        —  1440  —

(Nr.  6802.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  28.  August  1867.,  betreffend  die  geschäftliche  Behandlung
  der  aus  den  Gebieten  des  vormaligen  Herzogthums  Nassau  der
vormaligen  freien  Stadt  Frankfurt  a.  M.  und  der  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Landestheile  eingehenden  Gesuche  um  Legitimation  außerehelich
erzeugter  Kinder,  sowie  der  aus  dem  Gebiete  der  vormals  freien  Stadt
Frankfurt  eingehenden  Gesuche  um  Großjährigkeitserklärung  und  um
Arrogation.

Ar  Ihren  Bericht  vom  24.  August  d.  J.  bestimme  Ich,  daß

1)  die  aus  den  Gebieten  des  vormaligen  Herogihums  Nassau,  der  vormaligen
  freien  Stadt  Frankfurt  a.  M.  und  der  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Landestheile  eingehenden  Gesuche  um  Legitimation  außerehelich
erzeugter  Kinder  Meiner  Entscheidung  nicht  ferner  unterbreitet,  sondern
von  Ihnen  auf  Grund  dieser  generellen  Ermächtigung  selbstständig  erledigt.
werden  sollen;

2)  daß  die  aus  dem  Gebiete  der  vormals  freien  Stadt  Frankfurt  eingehenden
Gesuche  um  Grozzährigkeitserklärun  b  sowie  um  Arrogation  künftig  der
Entscheidung  des  Stadtgerichts  daselbst  unterliegen,  gegen  welche  der  Rekurs
an  das  Appellationsgericht  daselbst  stattfindet.

Schloß  Babelsberg,  den  28.  August  1867.
Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.
An  den  Justizminister.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerel
(RN.  v.  Decker).
        <pb n="1618" />
        –  1441  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  87.  —

 

(Nr.  6803.)  Verordnung,  den  Betrieb  stehender  Gewerbe  im  Amtsbezirke  Homburg  betreffend.
  Vom  9.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.
verordnen  für  den  Amtsbezirk  Homburg,  was  folgt:

S.  1.

Das  den  Zünften  zustehende  Recht,  Andere  von  dem  Betriebe  eines  Gewerbes
  auszuschließen,  wird  aufgehoben.

KC.  2.

Beschränkungen  der  Handwerker  auf  den  Verkauf  selb  igter  Waaren
und  auf  7  Veskaufsstärk  finden  nicht  statt.  sieeenigt

g.  3.
Jeder  Gewerbtreibende  darf  Gesellen,  Gehülfen,  Lehrlinge  und  Arbeiter
jeder  Art  und  in  beliebiger  Zahl  halten.

g.  4.

Inländern,  welche  sich  in  einer  Gemeinde  als  Ortsfremde  aufhalten,  kann
wegen  mangelnder  Gemeindeangehörigkeit  der  selbstständige  Betrieb  eines  Gewerbes
  nicht  versagt  werden.  Dieselben  sind  jedoch  zur  Tragung  der  den  Gemeindeangehörigen
  obliegenden  Lasten  und  Abgaben  verpflichtet.

.  5.
Zum  Beginn  des  Betriebes  eines  stehenden  Gewerbes  bedürfen  fortan  nur
folgende  Gewerbetreibende  einer  Konzession  (staatlichen  Genehmigung):
Buchdrucker,  Steindrucker,  Buch=  oder  Kunsthändler,  Antiquare,
Inhaber  einer  Leihbibliothek  oder  eines  Lesekabinets,  Verkäufer  von  Zeitungen,
  Flugschriften  und  bildlichen  Darstellungen;
Jahrgong  1867.  (Nr.  6803—6804.)  191  Mau-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  10.  September  1867.
        <pb n="1619" />
        —  1442  —

Maurer,  Steinhauer,  Schiefer,  und  Ziegeldecker  und  Zimmerleute;

Schornsteinfeger,  Viehverschneider,  Abdecker,  Gifthändler,  Kammerjäger,
  Pfandverleiher,  Trödler,  öffentliche  Lohndiener,  Gepäckträger,
Wohnungsmäkler,  sowie  diejenigen,  welche  auf  öffentlichen  Straßen  und
Plätzen  Kahrwerke  zu  Jedermanns  Gebrauch  bereit  halten  wollen,  Gesindevermiether,
  Auswanderungs-Agenten,  Mobiliar-Feuerversicherungs-Anstalten,
  Gastwirthe,  sowie  Schankwirthe  und  Kleinhändler,  welche  Wein,
*  b  Bier,  Branntwein,  Liqueur  und  dergleichen  Spirituosen  feil
alten.

Die  Ertheilung  der  Konzession  erfolgt  nach  Maaßgabe  der  bestehenden
Bestimmungen.
Dieselbe  unterliegt  der  Stempeltaxe  eines  einfachen  Dekrets.

S.  6.

In  den  bestehenden  Vorschriften  über  die  Medizinalpersonen  und  Apotheker,
sowie  über  die  Errichtung  von  Privat--Lehranstalten  wird  burch  die  gegenwärtige
Verordnung  nichts  geändert.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Ems,  den  9.  August  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6804.)  Verordnung,  betreffend  das  Rechnungswesen  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.
  Vom  31.  August  1867.

Wa  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Konig  von  Preußen  ##.
verordnen  für  den  Umfang  der  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und

24.  Dezember  1866.  mit  der  Monarchie  vereinigten  Landestheile,  auf  den  Antrag
Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

.

Die  Prühg  und  Dechargirung  der  Rechnungen  über  die  Staatsverwaltung
  bis  zum  lusse  des  Jahres  1866.,  soweit  dieselbe  nicht  durch  die  bisher
uständigen  Beher  en  bis  zur  Ausführung  der  gegenwärtigen  Verordnung  noch
sttsfindet,  erfolgt,  mit  der  im  F.  5.  bestimmten  Maaßgabe:  sa

r
        <pb n="1620" />
        —  1443  —

für  das  Gebiet  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover  durch  eine  Kommission,
  welche  ihren  Sitz  in  der  Stadt  Hannover  hat,

für  das  Gebiet  des  ehemaligen  Kurfürstenthums  Hessen  und  die  ehemals
Bayerischen  Landestheile  durch  eine  Kommission,  welche  ihren  Sitz
in  Kassel  hat,

für  das  Gebiet  der  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein  durch  eine
Kommission,  welche  iren  Sitz  in  Kiel  hat,

für  das  Gebiet  des  ehemaligen  Herzogthums  Nassau,  der  Landgrafschaft
Kesene  Hembur  und  die  vormals  Großherzoglich  Hesüssche  Landestheile
  durch  eine  Kommission,  welche  ihren  Sitz  in  Wiesbaden  hat.

6.  2.
Jede  Kommission  (F.  I.)  besteht  wenigstens  aus  drei  Mitgliedern.  Die-Lorn,
  werden  vom  Finanzminister  ernannt.  Eines  der  Mitglieder  führt  den
orsitz.
Jeder  Kommission  wird  das  erforderliche  Personal  an  Revisions-,  Büreauund
  Unterbeamten  zugeordnet.

g.  3.
Die  Kommissionen  führen  die  Bezeichnung:  „Königliche  Rechnungskommission“)
  sie  haben  die  Stellung  von  Sttalsbehörden  und  sind  dem  Finanzminister
  untergeordnet.

S.  4.

Für  das  Verfahren  bei  Prüfung  und  Dechargirung  der  im  F§.  1.  bezeichneten
  Rechnungen  kommen  die  in  den  verschiedenen  Londsstheien  eltenden  Bestimmungen
  mit  den  Maaßgaben  zur  Anwendung,  welche  sich  aus  der  Einsetzung
der  im  H.  1.  bestimmten  Kommissionen  ergeben.

S.  5.
Für  die  Hauptrechnungen  und  die  Rechnungen  über  die  Verwaltung  der
Staatsschulden  wird  die  Decharge  auf  Grund  der  von  den  Kommissionen  zu  bewirkenden
  Vorprüfung  durch  den  Finanzminister  ertheilt.

K.  6.

Die  Prüfung  und  Dechargirung  der  Rechnungen  über  Gemeinde-,  Beirks-,

  Kirchen-,  Pfarr-,  Schul-=  und  enese  wo  solche  nach  Maaßgabe

er  bestehenden  Bestimmungen  durch  Staatsbehörden  zu  bewirken  ist,  erfolgt

fortan  durch  die  Bezirksregierungen.  Dieselben  treten  in  dieser  Beziehung  an
die  Stelle  der  bisher  zuständigen  Behörden.

S.  7.
Für  das  Gedbiet  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover  ist  der  auf  das
(Nr.  6804—6805.)  191“  Jahr
        <pb n="1621" />
        —  1444  —

Jahr  vom  1.  Juli  1865.  bis  30.  Juni  1866.  festgestellte  Finanzetat  in  analoger
A#nwendung  auch  für  das  Halbjahr  vom  1.  Juli  bis  31.  Dezember  1866.  der
Rechnungslegung  zum  Grunde  zu  legen.

5

Mit  dem  Zeitpunkte,  wo  die  im  F.  1.  bestimmten  Kommissionen  in  Thätigkeit
  treten,  werden  die  in  einzelnen  Landestheilen  bestehenden  besonderen  Rechnungs-Revifionsbehörden
  usgehoben.

Lerkunch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  31.  August  1867.
(##.  s.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Ittenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6805.)  Verordnung,  betreffend  die  Ausdehnung  der  Zuständigkeit  der  Obergerichte  im
Gebiete  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  auf  die  Erledigung  verschiedener
  nicht  prozessualischer  Rechtsangelegenheiten.  Vom  4.  September
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rcG

verordnen  für  das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  auf  den  Antrag
Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

§.  1.
Den  Obergerichten  steht  außer  den  ihnen  sonst  übertragenen  Geschäften
zu  und  gehört  zu  den  Obliegenheiten  der  kleinen  Senate:
I.  Bezüglich  derjenigen  Gebiete,  in  denen  das  Gemeine  Recht  gilt:

1)  die  Ertheilung  von  Großjährigkeitserklärungen;

2)  die  Dispensation  von  dem  Verbote  der  Veräußerung  unbeweglicher
Güter  der  unter  Vormundschaft  oder  Kuratel  befindlichen  Personen
aus  Gründen  der  Nühlichkeit;

sowie  die  Dispensation  von  dem  Verbote  der  Veräußerung
der  zum  Sondergute  der  Hauskinder  (peculium  adventitium)  gehörigen
  Gegenstände;

3)  die  Bestätigung  der  Annahme  nicht  in  väterlicher  Gewalt  seheer

er-
        <pb n="1622" />
        —  1445  —

Personen  an  Kindesstatt  (Arrogation).  Unsere  Genehmigung  ist
jedoch  in  denjenigen  Fällen  erforderlich,  in  denen  dieses  für  das  Gebiet
  des  Allgemeinen  Landrechts  vorgeschrieben  ist.
II.  Bezüglich  derjenigen  Gebiete,  in  denen  das  Allgemeine  Landrecht  für  die
Prlußischen  taaten  Geltung  hat:
1)  die  Ertheilung  der  Großjährigkeitserklärungen;
2)  die  Genehmigung  zu  subhastationsfreien  Veräußerungen  unbeweglicher
  Güter  der  Pflegebefohlenen.
Der  Genehmigung  einer  höheren  Behörde  bedarf  es  bezüglich  der  in  diesem
Paragraphen  G  Angelegenheiten  nicht  ferner.

i

Zuständig  zu  den  vorerwähnten  Verfügungen  ist  dasjenige  Obergericht,
in  dessen  Bezirke  die  betreffende  Vormundschaft  oder  Kuratel  zarineg  ist,  oder,
falls  eine  #b#lche  nicht  besteht,  der  Minderjährige  beziehungsweise  das  Hauskind
oder  der  Arrogirende  sein  juristisches  Domizil  besitzt.

S.  3.
Gecgen  die  Entscheidung  des  Obergerichts  steht  den  Betheiligten  das  Rechtsmittel
  der  Beschwerde  an  das  vorgesehte  Gericht  zu.

Auf  die  Beschwerden,  welche  bezüglich  der  in  dieser  Verordnung  erwähnten
Rchtsangelegenheiten  erhoben  werden,  finden  die  Vorschriften  des  Theil  III.
Titel  4.,  insbesondere  des  H.  %.  der  Hannoverschen  bürgerlichen  Prozeßordnung
vom  8.  November  1850.  Anwendung.

S.  4.

Die  Obergerichte  haben  dafür  Sorge  zu  tragen,  daß  für  Instruktion  und
Entscheidung  der  im  §.  1.  erwähnten  Angelegenheiten  die  Gebühren  in  Gemäßheit
  des  Hannoverschen  Gesetzes  vom  17.  Juni  1862.,  die  Gebührentaxe  in  Verwaltungssachen
  betreffend,  insbesondere  der  S#.  8.  10.  ff.  erhoben  werden.

g.  5.
Alle  entgegenstehenden  Bestimmungen,  insbesondere  die  des  F.  23.  des
“3  erichtsverfassungsgesetzes  vom  8.  November  1850.,  werden  aufgehoben.

#83  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  4.  September  1867.

(I.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck.  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(-r.  6805—6806.  (Nr.  6800.)
        <pb n="1623" />
        —  1446  —

(Nr.  6806.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  H5.  August  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Gemeinde-Chaussee
  im  Kreise  Eupen  des  Regierungsbezirks  Aachen  von  der  Aachen-Eupener
  Aktienstraße  über  Hauset  und  Hergenrath  nach  der  Cöln-Lütticher
Staatsstraße  bei  Altenberg.

N#  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Gemeinde-Chaussee
  im  Kreise  Eupen  des  Regierungsbezirks  Aachen  von  der  Aachen-Eupener
  Aktienstraße  über  Hauset  und  Hergenrath  nach  der  Cöln-Lütticher  Staatsstraße
  bei  Altenberg  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  den  Gemeinden  Hauset,
Hergenrath  und  Moresnet  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen
  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebauund
  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats--Chausseen
bestehenden  Vorfhriftea,  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  den
enannten  Gemeinden  gegn  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Untergalung
  der  Straße  das5  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen
  des  für  die  Staatz-Chau  een  jedesmal  geltenden  Chausseegeld  -Tarifs,
einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,
sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese
Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdur
  kere.  Auch  sollen  die  dem  Chaussecgeld.  Tarife  vom  29.  Februar
1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei.  Vergehen  auf  die
gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Ems,  den  5.  August  1867.
Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6807.)
        <pb n="1624" />
        —  1447  —

(Nr.  6807.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  7.  August  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  an  den  Kreis  Trebnitz,  Regierungsbezirks  Breslau,  für
den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee  von  Gellendorf  an
der  Breslau-Posener  Eisenbahn  im  Kreise  Trebnit  bis  zum  Anschlusse  an
die  Posen-Breslauer  Staats-Chaussee  vor  Prausnitz  im  Kreise  Militsch.

Nr  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Chaussee
von  Gellendorf  an  der  Breslau-  Posener  Eisenbahn  im  Kreise  Trebnitz,  Regie.
rungsbezirk  Breslau,  bis  zum  Anschlusse  an  die  Posen-Brcblauer  Staats  oChaossevor
  Prausnitz  im  Kreise  Militsch  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem
Kreise  Trebnitz  das  Expropriationsrecht  #ür  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen
Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaldungs-Materialien,
  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden
orschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  dem  genannten
Kreise  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße
das  Recht  zur  Erhebung  des  Chaussecgelees  nach  den  Bestimmungen  des  für  die
Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs  einschließlich  der  in
demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen
die  Erhebung  betreffenden  zusädlichen.  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf
den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch
sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Be-#ümmungen
  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachte  Straße  zur
nwendung  kommen.
Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.
Ems,  den  7.  August  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitzt.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6808.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  19.  August  1867.,  betreffend  einige  Aenderungen  des
Deichstatuts  für  den  Blumenthaler  Deichverband  vom  31.  August  1857.

N  erfolgter  Anhörung  des  Deichamtes  des  Blumenthaler  Deichverbandes
und  der  Betheiligten  gaenehhmige  Ich,  daß  das  Deichstatut  vom  31.  August  1857.
(Gesetz  Samml.  vom  Jahre  1857.  S.  759.)  in  folgenden  Punkten  geändert  wird:
Zu  8.  2.  An  Stelle  des  auf  Schartauer  Feldmark  bestandenen,  durch

die  Hochfluthen  zerstörten  Sommerdeiches  wird  im  Anschluß  an  den  Schartauer
(Nr.  6807—6808.)  Win-
        <pb n="1625" />
        —  1448  —
Winterdeich  —  unter  Herstellung  des  nothwendigen  Hochwasserprofils  —  ein  vollständiger
  wasserfreier  Deich  in  den  durch  die  Staatsverwaltungsbehörden  festzusetzenden
  Abmessungen,  welche  erforderlich  sind,  um  die  Grundstücke  der  Riebel
rung  gegen  die  Ueberfluthungen  durch  den  höchsten  Wasserstand  der  Elbe  zu  sichern,
ausgebaut.

Der  Bau  ist  im  Wesentlichen  ausgeführt  und  ist  dieser  Winterdeich  bei
12  Fuß  Kronenbreite  und  drei=  resp.  zweifüßigen  Böschungen,  zwei  Fuß  über  den
höchsten  Wasserstand  gelegt  worden.

Die  Herstellung  und  Unterhaltung  dieses  Schartauer  Winterdeiches  erfolgt
nach  dem  Maaßstabe  des  Separations-Sollhabens  der  innerhalb  des  Deiches
belegenen  Grundstücke  der  Feldmark  Schartau.

Der  im  Vorlande  dieses  neuen  Winterdeiches  liegende,  zum  Theil  zerstörte
Sommerdeich  wird  nicht  wiederhergestellt,  vielmehr  werden  die  einzelnen  vorhandenen
  Strecken,  soweit  es  im  Interesse  des  Winterdeichs  erforderlich  ist,  abgetragen.

Die  Abtragung  erfolgt  nach  Anordnung  der  Königlichen  Regierung.

Die  im  Vorlande  durch  die  Zerstörung  des  Sommerdeiches  entstandenen
Schlenken  werden  zur  Sicherheit  des  Deichfußes  des  Winterdeiches  durch  Anpflanzungen
  und  Kupirungen  verbaut  und  zu  diesem  Behufe  die  vor  dem  Deichfuße
sich  hinziehenden  Ausschachtungen  in  angemessener  Breite  für  die  Deichgemeinde
Schartau  erworben.  (§.  22.  des  Allerhöchsten  Erlasses  vom  14.  November  1853.)

Diejenigen  Grundstücksbesitzer,  deren  Pläne  durch  Zurücklegung  der  Deichlinie
  und  Herstellung  des  neuen  Deiches  außer  Deichschutz  gekommen  —*  werden
für  die  schlechtere  Lage  ihrer  Pläne  nach  dem  Maaßstabe  des  gesammten  Separations=
  Sollhabens  von  Schartau  entschädigt.

Erfolgt  keine  Einigung  über  die  Höhe  der  Entschädigung,  so  wird  dieselbe
nach  Vorschrift  des  §.  23.  I.  c.  festgesetzt.

Der  Blumenthaler  Deich  wird  in  derselben  g  des  Schartauer  Winterdeiches
  auf  40  Ruthen  Länge  an  diesen  anzeschlo“  en  und  läuft  bei  diesen  40
Ruthen  in  die  durch  das  Deichstatut  vom  31.  August  1857.  festgesetzte  Höhe
von  17  Fuß  8  Zoll  aus.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  19.  August  1867.
Wilhelm.

Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

—————  —

Redigirt  im  Büreau  des  Staats.  Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="1626" />
        —  1449  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

.  88.

 

(Nr.  6809.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Gesetzes  über  die  privatrechtliche
Stellung  der  Erwerbs-  und  Wirthschaftsgenossenschaften  vom  27.  März
1867.  (Gesetz  Samml.  S.  501.)  in  die  Gebiete  des  vormaligen  Kurfürstenthums
  Hessen,  des  vormaligen  Herzogthums  Nassau,  der  ehemals  freien
Stadt  Frankfurt  und  in  die  durch  Gesetz  vom  24.  Dezember  v.  J.  (Gesetz-Samml.
  S.  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Landestheile,
mit  Ausnahme  der  ehemals  Bayerischen  Enklave  Kaulsdorf  und  des
Oberamtes  Meisenheim.  Vom  12.  August  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r
verordnen,  auf  den  Antrag  des  Staatsministeriums,  was  folgt:

Das  Gesetz,  betreffend  die  privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs=  und  Wirthschaßgenossenschaften,
  vom  27.  März  1867.  (Gesetz=  Samml.  S.  501.)  wird  in
die  Gebiete  des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hessen,  des  vormaligen  Herzogthums
Nassau,  der  ehemals  freien  Stadt  Frankfurt  und  in  die  durch  das  Gesetz  vom
24.  Dezember  v.  J.  (Gesetz  Samml.  S.  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie
vereinigten  Landestheile,  mit  Ausnahme  der  vormals  Bayerischen  Enklave  Kaulsdorf
  und  des  Oberamtes  Meisenheim,  eingeführt  und  zwar  mit  folgenden  Abänderungen:


S.  1.

Die  im  F.  4.  des  Gesetzes  enthaltenen  Worte:
„(Art.  73.  des  Einführungsgesetzes  zum  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuche
  vom  24.  Juni  1861.)//

fallen  fort.  &amp;amp;#.

Im  dritten  Absatze  des  F.  10.  treten  an  die  Stelle  der  Worte:
Dvom  24.  Juni  1861.  (Gesetz=  Samml.  S.  449.)%
die  folgenden  Worte:
1)  für  das  ehemalige  Kurfürstenthum  Hessen  vom  3.  Mai  1865.,
Jahrtang  1867.  (Nr.  6800.)  192
Ausgegeben  zu  Berlin  den  11.  September  1867,
        <pb n="1627" />
        —  1450  —
2)  für  das  ehemalige  Herzogthum  Nassau  vom  2.  Oktober  1861.,
3)  für  die  ehemals  freie  Stadt  Frankfurt  vom  17.  Oktober  1861.,
4)  für  die  ehemals  Bayerischen  Gebietstheile  vom  10.  November  1861.,
5)  für  die  ehemals  Hessen-Homburgischen  Landestheile  vom  25.  August  1863.,
6)  für  die  chemale  Großherzoglich  Hessischen  Landestheile  vom  29.  September

  1862.
.
Das  im  zweiten  Satze  des  F.  47.  enthaltene  Wort:
kaufmännischen“
fällt  fort.
F.  4.

An  die  Stelle  der  Vorschriften  im  ersten  und  zweiten  Absatze  des  F.  50.
tritt  folgende  Bestimmung:

„Das  Konkursverfahren  über  das  Vermögen  der  Genossenschaft  richtet
sich  nach  den  für  die  einzelnen  Landestheile  geltenden  allgemeinen  Vorschriften.“


g.  5.

An  Stelle  der  Vorschrift  im  zweiten  Absatze  des  F.  54.  tritt  folgende  Bestimmung:


CDie  Höhe  der  Ordnungsstrafen  und  das  bei  ihrer  Festsetzung  zu  befolsende
Verfahren  richtet  sich  nach  den  Bestimmungen,  welche  in  64  im  8
erwähnten  Einführungsgesetzen  für  die  dunh  das  hoehbin  n  I  unla
drohten  Ordmungostrcen  getroffen  sind."“

zirkundch  u  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Ems,  den  12.  August  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

(Nr.  6810)
        <pb n="1628" />
        —  1451  —

(Nr.  6810.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber  lautender  Obligationen
II.  Emission  der  Stadt  Essen,  Regierungsbezirks  Düsseldorf,  zum  Betrage
  von  250,000  Thalern.  Vom  26.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc

ertheilen,  nachdem  der  Bürgermeister  und  die  Stadtverordneten-Versammlung
zu  Essen  darauf  angetragen  boaben  b  der  Stadt  Essen  Behufs  Muführen  verschiedener
  öffentlicher  Bauten  die  Aufnahme  eines  Darlehns  von  250,000  Rthlr.,
geschrieben:  zweihundert  funfzig  Taussend  Thalern,  gegen  Ausstellung  von  auf
den  Inhaber  lautenden  und  mit  Zinskupons  und  Talons  versehenen  Obligationen
II.  Emission  zu  gestatten,  und  bei  diesem  Antrage  im  Interesse  sowohl  der  Stadtgemeinde
  als  auch  der  Gläubiger  sich  nichts  zu  erinnern  gefunden  hat,  in  Gemäßheit
  des  F.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  wegen  Ausstellung  von
Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung  an  jeden  Inhaber  enthalten,  durch
gegenwärtige  Privilegium  Unfere  landesherrliche  Genehmigung  zur  Ausgabe  der
gedachten  Obligationen  unter  nachstehenden  Bedingungen:

1)  Es  werden  Eintausend  Obligationen,  jede  zu  Einhundert  Thalern,  und
dreihundert  Obligationen,  jede  zu  fünfhundert  Thalern,  ausgegeben.

2)  Die  Obligationen  werden  mit  fünf  vom  Hundert  jährlich  verzinst;  die
Zinsen  werden  in  halbjährlichen  Raten,  am  30.  Juni  und  31.  Dezember
jeden  Jahres,  fällig  und  von  der  Stadtkasse  zu  Essen,  sowie  an  denjenigen

  sonstigen  Zahlungsstellen,  welche  durch  die  im  F.  12.  genannten
e  bekannt  gemacht  werden,  gegen  Rückgabe  der  betreffenden  Kupons
gezahlt.
3)  Zur  Tilgung  der  Schuld  werden  alljährlich,  vom  Jahre  1869.  an,  Ein
und  enbalt  Prozent  des  Kapitals,  sowie  die  Zinsen  der  eingelösten
Obligationen  verwendet.  Der  Stadt  bleibt  es  jedoch  vorbehalten,  mit
Genehmigung  Unserer  Regierung  zu  Düsseldorf  den  Tilgungsfonds  zu
verstärken  und  dadurch  die  Abtragung  der  Schuld  zu  beschleunigen;  auch
ist  dieselbe  berechtigt,  nach  Verlauf  von  zehn  Jahren,  also  vom  Jahre
1878.  an,  sämmtliche  dann  no•ch  nicht  getilgte  Obligationen  mit  Genehmigung
  Unserer  Regierung  zu  Düsseldorf  zu  kündigen.
een  Inhabern  der  Obligationen  steht  dagegen  ein  Kündigungsrecht
  nicht  zu.
Zur  Leitung  der  Geschäfte,  welche  die  Ausstellung,  Werinsung,  und  Tilgung
  der  zu  emittirenden  Obligationen  betreffen,  wird  von  der  Stadtverordneten-Versammlung
  eine  „Anleihe=  und  Schuldentilgungs-Kommission“
  gewählt,  welche  für  die  Befolgung  der  Bestimmungen  des
Privilegiums  verantwortlich  und  hierauf  zu  vereiden  ist.  Dieselbe  soll
aus  drei  Mitgliedern  bestehen,  von  denen  eins  aus  der  Stadtverordneten-Versammlung
  und  die  beiden  anderen  aus  der  Bürgerschaft  zu  wählen  sind.

5)  Die  Obligationen  werden  mit  der  ausdrücklichen  Bezeichnung:  „zweite
Emission“  unter  Buchstaben  und  fortlaufenden  Nummern,  und  zwar  die
(Nr.  6910.)  192“  Obli-4
        <pb n="1629" />
        6

7

8

9

“

—  1452  —

Obligationen  über  Einhundert  Thaler  unter  Buchstaben  A.  von  Eins
bis  Eintausend  einschlieflid  und  jene  über  fünfhundert  Thaler  unter
Buchstaben  B.  von  Eins  bis  dreihundert  einschließlich  nach  dem  beiliegenden
  Schema  ausgefertigt  und  von  dem  Bürgermeister  und  den  Mitliedern
  der  Anleihe=  und  Schuldentilgungs-Kommission  unterzeichnet.
enselben  ist  ein  Abdruck  des  Privilegiums  beizufügen.

Den  Obligationen  werden  für  die  nächsten  fünf  Jahre  zehn  halbjährliche
Zinskupons  und  Talons  nach  dem  beigefügten  Schema  beigegeben.  Mit
Ablauf  dieser  und  jeder  solgenden  füsfsährigen  Periode  werden,  nach
vorheriger  öffentlicher  Bekanntmachung,  neue  Zinskupons  und  Talons
durch  die  Stadtkasse  gegen  Abgabe  der  älteren  Talons  ausgereicht.

Im  Fall  letzterer  abhanden  gekommen  sein  sollte,  wird  die  neue
Zinskupons-Serie  dem  Vorzeiger  der  Obligation  ausgehändigt,  sofern
nicht  schon  der  Austausch  der  betreffenden  neueren  gegen  die  älteren
Kupons  vollzogen  sein  möchte,  und  wird,  daß  dieses  geschehen,  auf  der
Obligation  vermerkt.

Die  Kupons  und  Talons  werden  mit  dem  Faksimile  der  Unterschoiften
  des  Bürgermeisters  und  der  Kommissionsmitglieder  und  der

nterschrift  des  Gemeinde  =  Empfängers  versehen.

Vom  Verfalltage  ab  wird  gegen  Auslieferung  des  Jinskupons  der  Betrag
  desselben  an  den  Vorzeiger  aus  der  Stadtkasse  bezahlt.  Auch  werden
  die  fälligen  Zinskupons  bei  allen  Zahlungen  an  die  Stadtkasse,
namentlich  bei  Entrichtung  der  Kommunalsteuern,  in  Jahlung  angenommen.


Die  Zinskupons  werden  ungültig  und  werthlos,  wenn  sie  nicht
vor  Ablauf  des  vierten  Kalenderahres  nach  dem  Ablaufe  des  Jahres,
in  welchem  sie  fällig  geworden,  bei  der  Kämmereikasse  zur  Zahlung  präsentirt
  werden.

Die  nach  Nr.  3.  zu  tilgenden  Obligationen  werden  entweder  aus  freier
Hand  angekauft  oder  alljährlich  durch  das  Loos  bestimmt.

Die  Verloosung  geschieht  unter  dem  Vorsitz  des  Bürgermeisters
durch  die  Schuldentilgungs-Kommission  öffentlich  in  einem  vorher  durch
die  Essener  Zeitung  bekannt  zu  machenden  Termine.  Ueber  die  Verloosung
  wird  ein  von  dem  Bürgermeister  und  den  Mitgliedern  der
Kommission  zu  unterzeichnendes  Protokoll  aufgenommen.

Die  Nummern  der  ausgeloosten  Obligationen  werden  mindestens  drei
Monate  vor  dem  Zahlungstermine  öffentlich  bekannt  gemacht.

Die  Auszahlung  der  ausgeloosten  Obligationen  erfolgt  an  dem
dazu  bestimmten  Tge  nach  dem  Nennwerthe  durch  die  Stadtkasse  an
den  Vorzeiger  der  Obligation  gegen  Auslieferung  derselben  und  der
Talons.  Mit  diesem  Tage  hört  die  Verzinsung  der  ausgeloosten  Obliationen
  auf.  Mit  letzteren  sind  zugleich  die  ausgereichten,  nach  dem
Kuhimgsternine  fälligen  Zinskupons  einzuliefern;  geschieht  dies  nicht,
so  wird  der  Betrag  der  fehlenden  Kupons  an  dem  Kapitale  gekürzt  und
zur  Einlösung  dieser  Kupons  verwendet.

er-
        <pb n="1630" />
        —  1463  —

Werden  ausgelooste  Obligationen  nicht  binnen  dreißig  Jahren
nach  dem  Fälligkeitstage  zur  Zahlung  präsentirt,  so  erlischt  die  Zahlungsverpflichtung
  der  Stadt;  bis  dahin  sind  die  Nummern  derselben  in  der
jährlichen  Bekanntmachung  über  die  späteren  Ausloosungen,  resp.  wenn
diese  wegen  der  Tilgung  der  Schuld  nicht  mehr  stattfindet,  alle  drei
Jahre  zu  veröffentlichen.

10)  Ein  Gleiches,  wie  vorstehend  unter  Nr.  9.  rücksichtlich  der  ausgeloosten
Obligationen  bestimmt  ist,  gilt  für  den  Fall,  daß  sämmtliche  Obligationen
  Seitens  der  Stadt  gekundigt  werden.

11)  Für  die  Verzinsung  und  Tilgung  der  Schuld  haftet  die  Stadt  Essen
mit  ihrem  Taummen  Vermögen  und  ihren  sämmtlichen  Einkünften,  und

kann  die  Stadt,  wenn  die  Panen  oder  die  ausgeloosten  Obligationen

nicht  zur  rechten  Zeit  bezahlt  werden,  auf  Zahlung  derselben  gerichtlich
verfolgt  werden.

Die  unter  2.  6.  9.  10.  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen  erfolgen

durch  das  Amtsblatt  oder  den  öffentlichen  Anzeiger  Unserer  Regierung

Düsseldorf,  durch  die  Essener  Zeitung,  die  Cölnische  Zeitung  und  durch

en  Preußischen  Staatsanzeiger.

Sollte  das  eine  oder  andere  dieser  Blätter  eingehen,  so  bestimmt
die  Stadtverwaltung  mit  Genehmigung  Unserer  Regierung  zu  Düsseldorf
ein  anderes  an  seine  Stelle  tretendes.

In  Ansehung  der  verlorenen  oder  vernichteten  Obligationen  oder  Zinskupons

  finden  die  auf  die  Staatsschuldscheine  und  deren  Zinskupons  sich

beziehenden  Vorschriften  der  Verordnung  vom  16.  Juni  1819.  wegen
des  Aufgebots  und  der  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Staatspapiere
  §F.  1.  bis  13.  mit  nachstehenden  Modifikationen  Anwendung:

a)  die  im  FH.  1.  jener  Verordnung  vorgeschriebene  Anzeige  muß  der
städtischen  Schuldentilgungs-  Kommission  gemacht  werden.  Dieser
werden  alle  Geschäfte  und  Befugnisse  beigelegt,  welche  nach  der  angeführten
  Verordnung  dem  Schatzministerium  zukommen.

Gegen  die  Verfügung  derselben  kann  Rekurs  an  Unsere  Regierung
  zu  Düsseldorf  binnen  zehn  Tagen  eingelegt  werden;

b)  das  im  F.  5.  der  Verordnung  erwähnte  Aufgebot  erfolgt  bei  Unserem
  Kreisgerichte  zu  Essen;

Jc)  die  in  den  I§P.  6.  9.  und  12.  der  Verordnung  vorgeschriebenen
.Bekanntmachungen  erfolgen  durch  die  unter  Nr.  12.  dieser  Bestimmungen
  genannten  Blätter;

d)  an  die  Stelle  der  im  F.  7.  der  Verordnung  erwähnten  sechs  Zinszahlungs-Termine
  sollen  acht,  an  die  Stelle  des  im  F.  8.  erwähnten
achten  Zinszahlungs-Termins  soll  der  zehnte  treten.

Zur  Urkunde  dieses  und  zur  Sicherheit  der  Gläubiger  haben  Wir  das
wegemwärt  e,  durch  die  Gesetz.  Sammlung  zur  entlichen  Kenntniß  zu  bringende
andesherrliche  Privilegium  Höchsteigenhändig  vollzogen  und  unter  Unserem  irn

(Nr.  6810.)  ichen

12

13

„
        <pb n="1631" />
        —  1454  —

lichen  Insiegel  ausfertigen  lassen,  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern  der  Obligationen
  in  Ansehung  f#rer  Befriedigung  eine  Gewährleistung  von  Seiten  des  Staats
zu  bewilligen  oder  Rechten  Dritter  zu  präjudiziren.

Gegeben  Ems,  den  26.  Juli  1867.
(L.  §S.)  Wilhelm.
Für  den  Finanzminister  und

den  Minister  des  Innern:
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.

 

Nheinprovinz,  Regierungsbezirk  Oüsseldorf.

Essener  Stadt-Obligation
II.  Emission
(Trockener  Stadtstempel.)  Littr.  muem  (Stadtsiegel.)
über

Thaler  Kuraut.

Die  Endesunterzeichneten,  durch  das  Allerhöchste  Privilegium  vo
hierzu  ausdrücklich  ermächtigt,  beurkunden  und  bekennen  hiermit,  daß  der  Inhaber
dieser  Obligation  zweiter  Emission  die  Summe  von  .  ..  .  .  .  .  .  Thalern  Kurant,
deren  Empfang  als  Darlehn  sie  bescheinigen,  von  der  Stadt  Essen  zu  fordern  hat.

Die  auf  fünf  Prozent  sährlich  estgesetzten  Zinsen  sind  am  30.  Juni  und
31.  Dezember  jeden  Jahres  fällig,  werden  aber  nur  gegen  Rückgabe  der  ausgefertigten
  halbsährlichen  Kupons  gezahlt.

Das  Kapital  wird  durch  Amortisation  getilgt  werden,  und  ist  eine  Kündigung
  Seitens  der  Gläubiger  nicht  zulässig.

Die  näheren  Bestimmungen  sind  in  dem  umstehend  abgedruckten  Privilegium
enthalten.

Essen,  den  e...  18.

Die  städtische  Anleihe=  und  Schuldentilgungs-Kommission.

(Unterschriften.)

Der  Bürgermeister.
(Unterschrift.)
Eingetragen  in  die  Kontrole  Bl.4

(Auf  der  Rückseite  Abdruck  des  Privilegiums.)

Rhein-
        <pb n="1632" />
        —  1455  —
Nheinprovinz,  Negierungsbczirk  Düsseldorf.
Serie  (I.)

.....  ter  Zins-Kupon

zur

Essener  Stadt=  Obligation
II.  Emission

Littr.  W.  über  .  .  .  ..  Thaler.
Inhaber  dieses  empfängt  am  ..  an  halbjährigen  Zinsen  der  oben
geie  an  denjenigen

bezeichneten  Stadt.  Obligation  aus  der  Stadtkasse  ꝓ  Essen,
ꝛ  stigen  Zahlungsstellen,  welche  durch  die  im  F.  12.  des  Privilegiums  genannten
lätter  bekannt  gemacht  werden  Thaler  .  .  Silbergroschen  Kurant.
Dieser  Kupon  wird  ungültig  und  e,  wenn  der  Betrag  nicht  bis  zum
31.  Dezember  18..  erhoben  wird.

Essen,  den  t  18.
Die  städtische  Anleihe=  und  Schuldentilgungs-Kommission.

(Die  Namen  des  Bürgermeisters  und  der  Kommission  werden  gedruckt.)
Der  Gemeinde-Empfänger.
(Unterschrift.)

Der  Bürgermeister.

Kheinprovinz,  Negierungebezirk  Düsseldorf.
Anweisung

Essener  Stadt=  Obligation
II.  Emission
Littr.  ..  .  ..  M  ....  über  .  Thaler.

Inhaber  dieser  Anweisung  inpfängt  gegen  deren  Rückgabe  von  der  Essener
Stadtkasse  ..  .  .  .  ..  .  .  .  .  .  ..  18..  die  .  ...  te  Serie  von  zehn  halbjährlichen
Zinskupons  zu  der  oben  bezcihnac  goob  Stadt-Obligation.  «

ssen,den...........
.  .«  Die  stådttsche  Anleihe-undSchuldeni
Der  Buͤrgermeister.  tigungs-Kommissoon.
(Die  Namen  des  Bürgermeisters  und  der  Kommission  werden  gedruckt.)
Der  Gemeinde-Empfänger.
(Unterschrift.)

(r.  6810—#812)  (XNr.  6811.)
        <pb n="1633" />
        —  14566  —

(Nr.  6811.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  31.  August  1867.,  betreffend  die  Veröffentlichung  der
Eintragungen  in  das  Handelsregister  bezüglich  der  vormals  Großherzoglich
  Hessischen  Gebietstheile.

A#  Ihren  Bericht  vom  26.  August  d.  J.  bestimme  Ich,  daß  die  Vorschrift
im  §.  35.  der  Großherzoglich  Hesscchen  Verordnung  vom  9.  Dezember  1862.,
die  Führung  der  Handelsregister  betreffend  (Regierungsblatt  Nr.  41.  S.  699.),
wonach  die  Veröffentlichung  der  Eintragungen  in  das  Gandeelgregiste  von  sämmtlichen
  Handelsgerichten  in  der  Darmstädter  Zeitung  erfolgen  muß,  bezüglich  der
vormals  Großberzogkia,  Iehen,  durch  das  et  vom  24.  Dezember  1866.
(Gesetz  Samml.  S.  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Gebietstheile
  außer  Wirksamkeit  gesetzt  wird.
Schloß  Babelsberg,  den  31.  August  1867.

Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.
.An  den  Justizminister.

 

(Nr.  6812.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  6.  September  1867.,  betreffend  die  Herabsetzung  des
Mahlsteuer-Satzes  in  Frankfurt  a.  M.

A#  Ihren  Bericht  vom  6.  d.  M.  bestimme  Ich  hierdurch,  daß  der  Mahlsteuer-Satz
  von  16  Silbergroschen  für  den  Zentner  aller  Getreidearten  und  Hülsenfrüchte,
welcher  nach  §.  2.  der  Verordnung  vom  3.  Juni  d.  J.  (Gesetz  Samml.  S.  775.)
in  Frankfurt  a.  M.  zur  Erhebun  glangen  soll,  unter  den  obwaltenden  besonderen
Verhältnissen,  und  so  lange  doßt  gahlittuss  fortbestehen,  auf  8  Sgr.  für  den
Zentner  berabgesett  werde,  und  ermächtige  Sie  zur  Ausführung  dieses  durch  die
Gesetz=  Sammlung  bekannt  zu  machenden  Erlasses.
Schloß  Babelsberg,  den  6.  September  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.

An  den  Finanzminister.

 

Redigirt  im  Büreau  bes  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Sofbuchdruckerei
(R  v.  Decker).
        <pb n="1634" />
        —  1457  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  89.  —

 

(Nr.  6813.)  Verordnung,  betreffend  die  Außer-  und  Wiederinkurssetzung,  sowie  die  Umschreibung
  der  Papiere  auf  Inhaber  für  die  mit  der  Preußischen  Monarchie
vereinigten  Landestheile.  Vom  16.  August  1867.

Wir  Wilhelm,)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rP

verordnen  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums  für  den  Umfang  der
durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  (Gesetz=  Samml.  S.  555.)  und  die
beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (Geseh  Saru.  S.  875.  und  876.)  mit
Unserer  Monarchie  vereinigten  Landestheile,  was  folgt:

K.  1.
Papiere  auf  Inhaber  sind  außer  Kurs  gesetzt:
1)  wenn  der  Inhaber  sein  Recht  daran  auf  eine  in  die  Augen  fallende  Art
auf  der  Urkunde  selbst  vermerkt  hat,  ingleichen

2)  wenn  auf  den  unter  öffentlicher  Autorität  ausgefertigten  zeirnh  dieser
Art  durch  einen  den  Regeln  des  betreffenden  Instituts  gemäßen  Vermerk
erklärt  ist,  daß  sie  nicht  mehr  an  jeden  Inhaber  zahlbar  sein  sollen.
Die  Artikel  306.  und  307.  des  Handelsgesetzbuchs  finden  bei  Papieren
auf  Inhaber,  so  lange  dieselben  außer  Kurs  gesetzt  sind,  keine  Anwendung.

K.  2.

Hat  eine  öffentliche  Behörde  ein  Papier  auf  Inhaber  für  sich  außer  Kurs
geent,  so  kann  dasselbe  sowohl  von  ihr  selbst  als  auch  von  der  ihr  vorgesetzten
ehörde  wieder  in  Kurs  gesetzt  werden.

e
Ist  eine  öffentliche  Behörde  an  die  Stelle  einer  andern  getreten,  so  kann
sie  die  von  dieser  außer  Kurs  gesetzten  Papiere  wieber  in  Kurs  setzen.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6813.)  F.  1.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  12.  September  1867.
        <pb n="1635" />
        —  1459  —

S.  4.

ç  Außer  den  Fällen  der  §&amp;amp;9.  2.  und  3.  findet  das  Wiederinkurssetzen  nur  durch
einen  gerichtlichen  Vermerk  statt,  nach  vorgängiger  Prüfung  der  Legitimation
dessen,  welcher  die  Aufhebung  der  Außerkurssetzung  verlangt.

Zuständig  ist  jedes  Gericht,  welches  zur  Ausübung  der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit
  berufen  ist.  In  denjenigen  Landestheilen,  wo  den  Gerichtsbehörden  die
freiwillige  Gerichtsbarkeit  nicht  übertragen  ist,  steht  die  Befugniß  zum  Wiederinkurssetzen
  den  Civilgerichten  erster  Instanz  und  zwar,  wo  Gerichte  mit  verschiedener
  Kompetenz  bestehen,  den  für  die  Entscheidung  von  Streitigkeiten  über
geringere  Werthobjekte  bestellten  Gerichten  zu.

–

Vermerke  der  in  §&amp;amp;.  1.  unter  Numiner  2.  beschriebenen  Art  können  nur

durch  dasjenige  Instititt,  melches  sie  gemacht  hat,  näch  den  dafür  bestehenden
Vorschriften  wieder  aufgehoben  werden.

#  F.  6.
Der  Wiederinkitrssetzungs-Vermerk  muß,  wenn  eine  Behörde,  ein  Gericht
oder  ein  Institut  den  eigenen  Vermerk  aufhebt,  die  Worte:
„Wieder  in  Kurs  gesetzt“
enthalten.  Hebt  eine  Behörde  den  Außerkurssetzungs-Vermerk  einer  anderen
Behörde,  an  deren  Stelle  sie  getreten  ist,  wieder  auf  (F.  3.),  so  hat  sie  bei  ihrer
Unterschrift  zu  bemerken,  daß  sie  an  beren  Stelle  getreten  ist.
Soll  der  Vermerk  einer  Privatperson  aufgehoben  werden)  so  ist  dies  durch

die  Worte:
„Wieder  in  Kurs  gesetzt  durch  N.  N.“

auszudrücken.  Geschieht  dies  für  einen  Anderen,  als  denjenigen,  welcher  das.

Mopier  außer  Kurs  gesetzt  hat,  so  ist  dessen  Legitimation  in  dem  Vermerke  —

jedoch  ohne  umständliche  Anführungen  oder  Bezugnahmen  —  anzudeuten,  z.  B.:
„Wiever  in  Kurs  gesetzt  von  den  Erbei  des  N.  F.

Außerdem  ist  in  allen  Fällen  das  vollständige  Datum,  die  Unterschrift

und  das  in  schwarzer  Farbe  auszudrückende  Siegel  der  Behörde  (S#§.  2.  und  3.),
des  Gerichts  (§.  4.)  dder  Instituts  (.  5.)  dem  Vermerke  beizufügen.

C.  7.

Vermerke,  wodurch  auf  jeden  Inhaber  lautende,  unter  öffentlicher  Autorität
ausgefertigte  Papiere  von  Privatpersonen  bisher  außer  Kurs  gesetzt  worden  sind,
oder  künftig  alißer  Kürs  gesetzt  werden,  sollen  für  das  Institt,  welchem  die
Zinsenzahlung  oder  plamnäßige  Tilgung  obliegt,  keine  bindende  Kraft  baben  8
        <pb n="1636" />
        —  1459  —

.  S.

Wird  der  Verlust  eines  außer  Kurs  gesetzten  Papiers  von  demjenigen,  zu
dessen  Vortheil  dasselbe  außer  Kurs  gesetzt  worden,  dem  Institute  angezeigt,  und
enthält  diese  Anzeige  außer  der  Bezeichnang  des  Papiers  nach  Buchstaben,  Nummer
  und  Geldbetrag  zugleich  den  Inhalt  des  Vermerkes,  so  soll  das  Institut  das
Papier,  wenn  es  von  einem  späteren  Inhaber  vorgelegt  wird,  anhalten  und  den
Anzeigenden  hiervon  benachrichtigen,  welchem  die  weitere  Verfolgung  seines  Rechts
gegen  den  Präsentanten  überlassen  bleibt.

Das  Institut  ist  befugt,  das  Papier  zum  gerichtlichen  Depositum  abzugeben.


.  9.

Ebenso  soll  auch  dasjenige  Papier  (sei  es  mit  oder  ohne  Vermerk)  angehalten
  werden,  worauf  ein  Gericht  aus  irgend  einem  Grunde  bei  dem  Institut
Beschlag  gelegt  hat.  In  diesem  Falle  geschieht  die  Benachrichtigung  und  Ablieferung
  an  das  Beschlag  legende  Gericht.

S.  10.

An  den  in  den  einzelnen  Landestheilen  bestehenden  Vorschriften  über  die
Mflichten,  welche  die  Institute  schon  wegen  der  bloßen  Anzeige  des  Verlustes  eines
Papiers,  ohne  Rücksicht  auf  einen  in  demselben  angebrachten  Vermerk,  zu  beobachten
  haben,  wird  durch  die  Vorschriften  der  I#.  8.  und  9.  nichts  geändert.

KC.  11.

Bei  Papieren,  zu  welchen  besondere  Zinskupons  ausgefertigt  werden,  wird
selbst  durch  die  mit  einer  für  das  Institut  bindenden  Kupft  rfolgte  Außerkurssetzung
  die  Zahlung  der  Zinsen  auf  die  bereits  ausgegebenen  ons  nicht  gehindert;
  die  Ausreichung  neuer  Kupons  aber  unterbleibt,  sobald  eine  Anzeige  des
Verlustes  oder  eine  Bestlugnahmi  geschehen  ist.

K.  12.

Bei  Papieren,  zu  welchen  keine  Kupons,  sondern  abgesonderte  Zinsenrekognitionen,
  Tiienschän  oder  dergleichen  ausgefertigt  werden,  müssen  diese  *
kognitionen  oder  Scheine  2c.  in  dem  Fall  der  .  8.  und  9.  von  dem  Institut
angehalten  werden,  ebenso  wie  dies  mit  den  Papieren  selbst  geschehen  mußte,
Zu  denen  sie  gehören.  Bis  zur  Anzeige  oder  Beschlagnahme  aber  erfolgt  die
Zahlung  der  Inen  an  jeden  Präsentanten.

S.  13.

Bei  Papieren,  v  weder  Kupons  (F.  11.)  noch  Zinsenrekognitionen  (§.  12.)
aussefertigt  werden,  erfolgt  die  Zinsenzahlung  an  jeden  Präsentanten,  so  lange
nicht  eine  Anzeige  des  Verlustes  oder  eine  Beschlagnahme  stattgefunden  hat.

(Wer.  6614)  93°  G.  14
        <pb n="1637" />
        —  1460  —

K.  14.

Jeder  Besitzer  eines  unter  öffentlicher  Autorität  auf  jeden  Inhaber  ausgefertigten
  Papiers,  welches  entweder:
a)  durch  Vermerk  einer  Behörde  oder  einer  Privatperson  außer  Kurs  gesetzt,
  oder
b)  durch  Vermerke  anderer  Art  oder  durch  Befleckung  oder  Beschädigung
zum  ferneren  Umlauf  unbrauchbar  geworden  ist,
kann  auf  die  Umschreibung  des  Papiers  in  ein  kursfähiges  bei  demjenigen  Institute
antragen,  welchem  die  Zahlung  der  Zinsen  oder  die  planmäßige  Tilgung  solcher
Papiere  obliegt.
.  15.

Hat  der  Antragsteller  sich  nach  dem  Ermessen  des  Instituts  als  der  rechtmäßige
  Besitzer  des  umzuschreibenden  Papiers  ausgewiesen,  so  wird  dasselbe  kas.
sirt  und  ihm  an  dessen  Stelle  gegen  Entrichtung  der  Ausfertigungskosten  ein
neues  kursfähiges  Papier  n-K.

  16.

Hält  das  Institut  den  rechtmäßigen  Besitzer  nicht  für  nachgewiesen,  so  hat
dasselbe  eine  öffentliche  Bekanntmachung  zu  erlassen.  Diese  muß  enthalten:  i
a)  den  Antrag  auf  die  Umschreibung  und  den  Namen  und  Wohnsitz  des
Antragstellers,
b)  die  Bezeichnung  des  umzuschreibenden  Papiers  nach  seinem  Betrage,  feiner
  Nummer  und  den  ben  Unterscheidungszeichen,  welche  dasselbe
bei  der  Ausfertigung  erhalten  hat,

e)  die  Angabe  der  etwa  darauf  befindlichen  Außerkurssetzungs-Vermerke  oder
der  sonstigen  Vermerke,  Flecke  oder  Beschädigungen,  wodurch  das  Papier
zum  Umlauf  unbrauchbar  geworden  ist,

4)  die  Aufforderung:

„daß  Jeder,  der  an  diesem  Papiere  irgend  ein  Anrecht  zu  haben
vermeine,  dasselbe  bei  dem  Institut  innerhalb  der  nächsten  sechs
Monate  und  spätestens  an  einem  genau  zu  bezeichnenden  Tage
schriftlich  anzuzeigen  habe,  widrigenfalls  die  Kassation  des  Papiers
erfolgen  und  der  Antragsteller  ein  neues  kursfähiges  erhalten  werde.“

Die  Bekanntmachung  ist  dreimal,  in  Zwischenräumen  von  zwei  Monaten,
in  das  Amtsblatt  des  Bezirks,  in  welchem  das  Institut  seinen  Sitz  hat,  einzurücken.


Auch  können  die  Institute,  wenn  sie  es  für  angemessen  erachten,  die  Bekanntmachung
  in  die  Amtsblätter  oder  Zeitungen  des  Orts,  wo  der  Antragsteller
wohnt,  einrücken  lassen.

S.  17.
        <pb n="1638" />
        —  1461  —

S.  17.

Wird  auf  die  Umschreibung  eines  von  einer  Behörde  außer  Kurs  gesetzten
und  von  derselben  überhaupt  nicht  oder  doch  nicht  gehörig  wieder  in  Kurs  gesetzten
  Papiers  angetragen,  so  ist  das  Institut  verpflichtet,  beim  Erlaß  der  Bekanntmachung
  (§.  16.)  dieser  Behörde,  sofern  dieselbe  aus  dem  Außerkurssetzungs-Vermerke
  noch  erkennbar  ist,  davon  Nachricht  zu  geben.

K.  18.
Meldet  sich  bis  zu  dem  in  der  öffentlichen  Bekanntmachung  bezeichneten
Tage  Niemand  mit  einem  Anspruche,  so  hat  das  Institut  das  Papier  zu  kassiren
und  dem  Antragsteller  statt  desselben  ein  neues  kursfähiges  Papier  gegen  Erlegung
  der  Ausfertigungskosten  (.  15.),  sowie  der  durch  die  Bekanntmachung
entstandenen  Schreib=  und  Insertionsgebühren  auszuhändigen.

K.  19.

Ist  dagegen  bei  dem  Institute  entweder  vor  dem  Erlasse  der  Bekanntmachung
  oder  bis  zum  Ablaufe  des  darin  bezeichneten  Tages  von  Seiten  einer
Behörde  oder  einer  Privatperson  die  Anzeige  gemacht,  daß  das  Papier  ihr  verloren
  gegangen  sei  oder  ihr  ein  Anrecht  darauf  zustehe,  so  hat  das  Institut  die
Umschreibung  zu  verweigern  und  die  Betheiligten  zum  Rechtswege  zu  verweisen.

Das  eingereichte  Papier  ist  anzuhalten  und  kann  zum  gerichtlichen  Depositum
  abgegeben  werden.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Kassel,  den  16.  August  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6813—é814.)  (Nr.  6814.)
        <pb n="1639" />
        —  1462  —

(Nr.  6814.)  Verordnung,  betreffend  die  Guͤterkonsolidation  im  Regierungsbezirk  Wiesbaden
mit  Ausnahme  des  Hinterlandkreises.  Vom  2.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc

verordnen,  was  folgt:

K.  1.

Die  auf  die  Güterkonsolidation  bezüglichen  Bestimmungen  der  mit  landesherrlicher
  Genehmigung  erlassenen  Verordnung  des  Herzoglich  Nassauischen  Staatsministeriums
  vom  12.  September  1829.  (Nassauisches  Verordnungsblatt  von  1829.
S.  65.)  und  die  dazu  ergangenen  ergänzenden  und  abändernden  Vorschriften  werden
  hiermit  auch  in  allen  nicht  zum  Herzogthum  Nassau  gehörig  gewesenen  Theilen
des  Regierungsbezirkes  Wiesbaden  mit  Ausnahme  des  Hinterlandkreises  eingeführt
und  in  folgenden  Punkten  abgeändert.

g.  2.
Die  Konsolidation  einer  Gemarkung  oder  Gemarkungs-Abtheilung  findet
statt,  wenn  dieselbe  von  den  Besitzern  von  mehr  als  der  Hälfte  der  nach  dem
Stockbuche  berechneten  Fläche  der  betheiligten  Grundstücke  beantragt  wird.

8.  3.
Neue  Anträge  auf  bloße  Güterregulirungen  sind  unstatthaft.

K.  4.

Die  Obliegenheiten  der  Herzoglichen  Landesregierung  sind  von  der  Regierung
zu  Wiesbaden  und  diejenigen  des  Hechoglichen  Beamten  vom  Landrathe  des  Kreises
wahrzunehmen.  Die  Regierung  hat  den  Konsolidations-Geometer  und  die  Gebühren
deselen  nach  Anhörung  der  Konsolidations=  Gesellschaft  zu  bestimmen.

.  5.

In  den  früher  Großherzoglich  und  Landgräflich  Hessischen  Landestheilen,
auf  welche  diese  Verordnung  Anwendung  findet,  treten  alle  derselben  entgegenstehenden
  Vorschriften,  insbesondere  das  Großherzoglich  Hessische  Gesetz  vom
24.  Dezember  1857.  und  das  Landgräflich  Hessische  Gesetz  vom  8.  Juli  1862.,
Zusammenlegung  der  Grundstücke,  Theilbarkeit  der  Parzellen  und  Feldwege-Anlagen
  betreffend,  außer  Kraft.  Die  auf  Grund  dieser  Gesetze  auf  rechtsbeständige
Weise  erfolgten  Festsetzungen  über  die  Art  und  Höhe  der  Entschädigung  und  über
das  Kostenbeitrag-Verhältniß  bleiben  in  Gültigkeit.  Die  schwebenden  Dusammenlegungssachen
  gehen  in  derjenigen  Lage)  in  welcher  sie  sich  befinden,  in  das  neue
Verfahren  über.

.  S  6.
        <pb n="1640" />
        —  1469  —

K.  6.

Der  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  ist  mit  der  Ausführung
  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  2.  September  1867.
(L.  8.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bis  marck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Jtzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  von  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6815.)  Verordnung,  betreffend  die  Ablösung  der  Servituten,  die  Theilung  der  Gemeinschaften
  und  die  Zusammenlegung  der  Grundstücke  für  diejenigen  durch
das  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesctz=  Samml.  S.  876.)  mit  der.
Preußischen  Monarchie  vereinigten  Gebietstheile,  welche  zum  Regierungsbezirk
  Kassel  und  zum  Hinterlandkreise  des  Regierungsbezirks  Wiesbaden
gehören.  Vom  2.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

verordnen,  was  folgt:
F.  1.

Die  §#§.  1.  bis  33.  der  Verordnung,  betreffend  die  Ablösung  der  Servituten,
  die  Theilung  der  Gemeinschaften  und  die  Iusammenlegung  der  Grundstücke,
  für  das  vormalige  Kurfürstenthum  Hessen  vom  13.  Mai  d.  J.  (Gesetz-Samml.
  S.  716.)  werden  hiermit  in  den  durch  das  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.
——  S.  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten,  bisher

ayerischen  und  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheilen  eingeführt,  welche  zum
Regierungsbezirk  Kassel  und  zum  Hinterlandkreise  des  Regierungsbezirks  Wiesbaden
  gehören.

5.  2.

Alle  bisherigen  Vorschriften  über  Gegenstände,  worüber  die  durch  F.  1.
eingeführten  Paragraphen  Bestimmungen  enthalten,  werden,  insoweit  sie  mit  diesen
unvereinbar  sind,  aufgehoben.

.  3.
In  den  früher  Bayerischen  Landestheilen  treten  die  Artikel  29.  bis  31.
(Nr.  6814—6315.)  des
        <pb n="1641" />
        —  1484  —

des  Forstgesetzes  vom  28.  März  1852.,  die  Bestimmungen  des  Gesetzes  vom
28.  Mai  1852.  über  die  Ablösung  des  Weiderechts  auf  fremdem  Grund  und
Boden  und  das  Gese  vom  10.  November  1861.  über  die  Zusammenlegung  der
Grundstücke,  und  in  den  früher  Großherzoglich  Ksichen  Landestheilen  das  Gemeinheitstheilungs-
  Gesetz  vom  7.  September  1814.,  die  Abschnitte  II.  und  III.
des  Gesetzes  vom  7.  Mai  1849.  über  die  Aufhebung,  Verwandlung  und  Ablösung
der  Weideberechtigungen  auf  landwirthschaftlichem  Boden  und  das  Gesetz  vom
24.  Dezember  1857.)  Jusammensegung  der  Grundstücke,  Theilbarkeit  der  Parzellen
und  Feldwege-Anlagen  betreffend,  außer  Kraft.  Die  auf  Grund  derselben  auf
rechtsbeständige  Weise  erfolgten  Festsetzungen  über  die  Art  und  Höhe  der  Entschädigung
  und  über  das  Kostenbeitrags-Verhältniß  bleiben  in  Gültigkeit.  Die
anhängigen  Ablösungs-,  Theilungs=  und  Zusammenlegungs-Sachen  z"  en  in  derjenigen
  Lage,  in  welcher  sie  sich  befinden,  in  das  neue  Verfahren  über.

lchmdich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  2.  September  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  von  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats.  Minderiums
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hesbuchdrudere
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1642" />
        —  1465  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  90  —

 

(Nr.  6816.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen  der  Stadt
Uerdingen  im  Betrage  von  52,000  Thalern.  Vom  26.  Juli  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.

ertheilen,  nachdem  der  Bürgermeister  und  die  Stadtverordneten  zu  Uerdingen
darauf  angetragen  #ben  b  zum  Zwecke  der  Regulirung  der  städtischen  Schuldverhältisse
  und  zur  Bestreitung  der  Kosten  mehrerer  gemeinnützigen  Anlagen  zur
lufnahme  eines  Darlehns  von  52),000  Thalern,  geschrieben:  Zwei  und  funfzig
Tausend  Thalern,  #een  Ausstellung  auf  den  Inhaber  lautender  und  mit  Zinskupons
  versehener  Obligationen  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  zu  ertheilen,
und  bei  diesem  Antrage  im  Interesse  der  Stadtgemeinde  sowohl  als  der  Gläubiger
sich  nichts  zu  erinnern  gesunden  hat,  in  Gemäßheit  des  F.  2.  des  Gesetzes  vom
17.  Juni  1833.  wegen  Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Jahlungsverpflichtung
  an  jeden  Inhaber  enthalten,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landes
  arriche  Genehmigung  zur  Ausgabe  der  gedachten  Obligationen  unter  nachstehenden
  Bedingungen.  K

Es  werden  fünfhundert  zwanzig  Obligationen,  jede  zu  Einhundert  Thalern,
ausgegeben.  Die  Obligationen  werden  mit  fünf  Prozent  jährlich  verzinst  und
die  Zinsen  in  halbjährigen  Terminen  von  der  städtischen  Gemeindekasse  zu  Uerdingen
  gegen  Rückgabe  der  ausgefertigten  Kupons  gezahlt.  Zur  Tilgung  der
Schuld  wird  jährlich  Ein  Prozent  von  dem  Kapitalbetrage  der  ausgegebenen  Obligationen
  nebst  den  Zinsen  der  eingelösten  Obligationen  verwendet,  so  daß  die
ganze  Schuld  in  sieben  und  dreißig  Jahren,  vom  Jahre  nach  der  Kapitalaufnahme
an,  getilgt  sein  wird.  Es  soll  jedoch  der  Stadtgemeinde  vorbehalten  bleiben,  den
Tilgungsfonds  zu  verstärken,  um  die  Rückzahlung  der  Schuld  dadurch  zu  beschleunigen,
  sowie  sämmtliche  noch  umlaufende  Obligationen  mit  haldfähr  er  Frist
durch  die  öffentlichen  Blätter  zu  kündigen.  Den  Obligations-  Inhabern  steht  kein
Kündigungsrecht  gegen  die  Stadtgemeinde  zu.

K6.  2.
Zur  Leitung  der  die  Ausstellung,  Verzinsung  und  Tilgung  der  auszuge-Johrgang
  1867.  (Nr.  6816.)  194  ben-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  13.  September  1867.
        <pb n="1643" />
        —  1466  —

benden  Obligationen  betreffenden  Geschäfte  wird  eine  besondere  Schuldentilgungs-Kommission
  gebildet,  bestehend  aus  dem  Bürzermeistr  und  drei  von  der  Stadtverordneten-Versammlung
  zu  wählenden  Mitgliedern,  von  denen  jedoch  mindestens
eines  nicht  aus  der  Zahl  der  Stadtverordneten,  sondern  aus  der  Bürgerschaft  zu
erwählen  ist.
S.  3.

Die  Obligationen  werden  unter  fortlaufenden  Nummern  von  1.  bis  520.

nach  dem  beigest  ten  Schema  ausgestellt.  Die  Obligationen  werden  von  der

Schuldentilgungs-Kommission  unterschrieben  und  von  dem  Gemeinde-Empfänger
kontrasignirt.  Denselben  ist  ein  Abdruck  dieses  Privilegiums  beizufügen.

S.  4.

Den  Obligationen  werden  für  die  nächsten  zehn  Jahre  zwanzig  Zinskupons,
jeder  zu  zwei  Thaler  funfzehn  Silbergroschen,  sowie  Talons  nach  dem  anliegenden
  Schema  beigegeben.  Nach  Ablauf  dieser  und  jeder  folgenden  Periode
werden  nach  vorheriger  öffentlicher  Bekanntmachung  (wie  im  §J.  7.)  neue  Zinskupons
  und  Talons  durch  die  städtische  Gemeindekasse  an  die  Vorzeiger  der
Talons,  oder  wenn  diese  abhanden  gekommen  sein  sollten,  dem  rechtzeitigen  Vorzeiger
  der  Obligationen  ausgereicht  und,  daß  dies  Leschehen  auf  den  Obligationen
vermerkt.  Die  Kupons  und  Talons  werden  mit  dem  Fakfimile  der  Schuldentilgungs-Kommission
  versehen  und  vom  Gemeinde-Empfänger  unterschrieben.

z.  5.

Vom  Verfalltage  ab  wird  gegen  Auslieferung  der  Zinskupons  der  Betrag
derselben  an  den  Vorzeiger  durch  die  sbbtsche  Gemeindekasse  gezahlt.  Auch  werden
die  fälligen  Zinskupons  bei  allen  Zahlungen  an  diese  Kasse,  namentlich  bei  der
Entrichtung  der  Kommunalsteuern,  in  Znhleng  angenommen.

g.  6.

Die  Zinskupons  werden  ungültig  und  werthlos,  wenn  sie  nicht  binnen  fünf
Jahren  nach  der  Verfallzeit  zur  —8  präsentirt  werden.  Die  dafür  ausgesetzten
  Fonds  verfallen  zum  Vortheil  der  städtischen  Gemeindekasse.

S.  7.
Die  Nummern  der  zu  tilgenden  Obligationen  werden  jährlich  durch  das
Loos  bestimmt,  und  wenigstens  drei  Monate  vor  dem  ZJahlungstermine  öffentlich
bekannt  gemacht.

g.  8.

Die  Verloosung  geschieht  unter  dem  Vorsitze  des  Bürgermeisters  durch  die
Schuldentilgungs-Kommission  in  einem  vierzehn  Tage  vorher  durch  die  im  §.  12.
angeführten  Blätter  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringenden  Termine,  zu  welchem
dem  Publikum  der  Lutrin  zu  gestatten  ist.

Ueber
        <pb n="1644" />
        —  1467  —

Ueber  die  Verloosung  wird  ein  von  dem  Bürgermeister  und  den  übrigen
Mitgliedern  der  Schuldentilgungs-Kommission  zu  unterzeichnendes  Protokoll  aufgenommen.


S.  9.

Die  Auszahlung  der  ausgeloosten  Obligationen  erfolgt  an  den  hierzu  besimmten
  Tagen  nach  dem  Nominalwerthe  durch  die  stadusche  Gemeindekasse  an
en  Vorzeiger  der  Obligationen  gegen  Auslieferung  derselben.  Mit  dem  zur
Auszahlung  bestimmten  Tage  hört  die  Verzinsung  der  ausgeloosten  Obligationen
auf.  Mit  letzteren  sind  zugleich  die  ausgereichten,  nach  deren  Zahlungstermine
fälligen  Zinskupons  einhulssen  geschieht  dies  nicht,  so  wird  der  Betrag  der  fehlenden
  Iinstupons  von  dem  Kapitale  gekürzt  und  zur  Einlösung  dieser  Kupons
verwendet.

C.  10.

Die  Nummern  der  ausgeloosten,  nicht  zur  Einlösung  vorgezeigten  Obliationen

  sind  in  den  nach  der  Bestimmung  unter  9.  7.  jährlich  zu  Fcsse  Beanntmachungen
  wieder  in  Erinnerung  zu  bringen.  erden  die  Obligationen,
dieser  wirderholten  Bekanntmachungen  ungeachtet,  nicht  binnen  dreißig  Jahen  nach
dem  Zahlungstermine  zur  Einlösung  vorgezeigt,  auch  nicht,  der  Bestimmung  unter
K.  13.  gemäß,  als  verloren  oder  vernichtet,  zum  Behufe  der  Ertheilung  neuer
Obligationen  binnen  dieser  Frist  angemeldet,  so  sollen  nach  deren  Ablauf  die
Obligationen  als  getilgt  angesehen  werden  und  die  dafür  deponirten  Kapitalbeträge
  der  Gemein  einff=  eangeimsallen.

KC.  11.

Zur  Sicherheit  der  Gläubiger  verpflichtet  sich  die  Stadtgemeinde  Uerdingen,
den  dem  Zinsenbetrage  gleschtommenden  Theil  ihrer  im  Ganzen  3234  Thaler
5  Silbergroschen  betragenden  Bruchrente  weder  zu  verkaufen  noch  zu  verpfänden,
und  die  über  die  Grenze  dieses  Betrages  hinaus  von  den  Schuldnern  abgelöst
werdenden  Rentenbeträge  zur  Verstärkung  des  Tilgungsfonds  zu  verwenden.

g.  12.

Die  in  den  88.  1.  4.  7.  8.  und  10.  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen
erfolgen  durch  eine  Crefelder  und  eine  Cölner  Zeitung,  sowie  durch  das  Amtsblatt
  oder  den  öffentlichen  Anzeiger  Unserer  Regierung  zu  Düsseldorf.  Geht  eines
dieser  Blätter  ein,  so  bestimmt  die  Stadtverordneten-Versammlung  an  dessen  Stelle
ein  neues  Blatt.

KC.  13.

In  Ansehung  der  verlorenen  oder  vernichteten  Obligationen  oder  Zinskupons
finden  die  auf  die  Staatsschuldscheine  und  deren  Zinskupons  Be  habenden
orschriften  der  Verordnung  vom  16.  Juni  1819.  wegen  des  hrn  und
der  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Staatspapiere  S#.  1.  bis  13.  mit
nachstehenden  näheren  Bestimmungen  Anwendung:  4

O#.  661.)  194  a)  die
        <pb n="1645" />
        —  1468  —

a)  die  im  §.  1.  jener  Verordnung  vorgeschriebene  Anzeige  muß  der  städtischen
Schuldentilgungs-Kommission  gemacht  werden.

Dieser  werden  alle  diejenigen  Geschäfte  und  Befugnisse  beigelegt,
welche  nach  der  angeführten  Verordnung  dem  Schatzministerium  zukommen;
gegen  die  Berfügungen  der  Schuldentilgungs  Kommisson  findet  jedoch
der  Rekurs  an  Unsere  Regierung  zu  Düsseldorf  statt;

b)  das  im  4  5.  der  Verordnung  gedachte  Aufgebot  erfolgt  bei  Unserem
Landgerichte  zu  Düsseldorf;

e)  die  in  den  85.  6.  9.  und  12.  der  Verordnung  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen
  sollen  durch  die  im  F.  12.  ungefihr#en  Blätter  geschehen

d)  an  Stelle  der  im  F.  7.  der  Verordnung  erwähnten  sechs  Hinsahsnge,

termine  sollen  vier,  und  an  Stelle  des  im  F.  8.  erwähnten  achten  Zahlungstermins
  soll  der  fünfte  treten.

Zur  Urkunde  dieses  und  zur  Sicherheit  der  Gläubiger  haben  Wir  das  gegenwärtige,
  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringende  landesherrliche
  Privilegium  Allerhöchsteigenhändig  vollso“  en  und  unter  Unferem  Königlichen
  Insiegel  ausfertigen  *  b  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern  der  Obliationen

  in  Ansehung  ihrer  Befriedigung  eine  Gewährleistung  von  Seiten  des
taats  zu  bewilligen  oder  Rechten  Dritter  zu  präjudiziren.

Gegeben  Ems,  den  26.  Juli  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

ur  d  ..
undFdth  Kinsåktandörsnthich:
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.

Rhein-
        <pb n="1646" />
        —  I409  —
NAheinprovinz,  Negicrungebezirk  Oüsseldorf.
Obligation
der  Stadt  Uerdingen

(Stadtstempel)
«  über
EiuhnudertskhalerPrnfifchsuråut

 

Die  Endesunterzeichneten,  durch  das  Allerhoͤchste  Privilegium  vom  ..  ten  .
..........  1867.  hierzu  ausdrücklich  ermächtigt,  beurkunden  und  bekennen  hiermit,
daß  der  Inhaber  dieser  Obligation  die  Summe  von
Einhundert  Thalern  Kurant,

deren  Empfang  sie  bescheinigen,  an  die  Stadtgemeinde  Uerdingen  zu  fordern  hat.

Die  auf  fünf  Prozent  jährlich  festgesetzten  Zinsen  sind  am  2.  Januar  und
1.  Juli  jeden  Jahres  fällig,  werden  aber  nur  gegen  Rückgabe  der  ausgegebenen
Zinskupons  gezahlt.

Die  e  Bedingungen  find  in  dem  umstehend  abgedruckten  Privilegium
enthalten.

Uerdingen,  den  18.

Die  städtische  Schuldentilgungs-Kommission.
N.  J.

Eingetragen  Kontrolbuch  Beigefügt  sind  die  Kupons
Foll.  —-.  Seric  I.  —lI.  bis  20.  nebst  Talon.

Der  Gemeinde-Empfänger.
N.

(Auf  der  Rückseite.)

Privilegium  wegen  Auegabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen  der  Stadt
Uerdingen  im  Betrage  von  52,000  Thalern.
Vornrnrnrnr
(Folgt  der  Abdruck  des  Privilegiums.)

(r.  6816.)  Rhein-
        <pb n="1647" />
        —  1470  —

Rheinprovinz,  Regierungebezirk  Düsseldorf.
Serie  I.  .  ....

Zins—  „Kupon

Obligation  der'  Stadt  Uerdingen
%
über
Einhundert  Thaler  Kurant.

Inhaber  dieses  empfängt  am  1.  Juli  18.  aus  der  städtischen  Gemeindekasse
zu  Uerdingen  die  Zinsen  der  obengenannten  Obligation  der  Stadt  Uerdingen  für
die  Zeit  vom  ....  .  ..  ..  ...  .  ..  biss  mit  zwei  Thalern  funfzehn
Silbergroschen  Kurant.  -

Uctdingen,dcn..«"..........  18..
Die  städtische  Schuldentilgungs-Kommission.
N.  N.

(Dieser  Kupon  wird  ungültig  und  werthlos,
wenn  dessen  Betrag  fünf  Jahre  nach  Verfall
nicht  erboben  ist.)  Z  4r
Der  Gemeinde  Empfänger.
N.

Kheinprovinz,  Negierungebezirk  Oüsseldorf.

Talon.

Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  Obligation  der
Stadt  Uerdingen  ..  über  Einhundert  Thaler  à  #ü  rozent  AInsen  die
.  Serie  Zinskupons  für  die  Jahre  18.  bis  18.  bei  der  städtischen  Gemeindekasse
  e  zu  Uerdingen,  sofern  dagegen  Seitens  des  Eigenthümers  der  Obligation
  vorher  kein  Widerspruch  erhoben  1#

Uerdingen,  den  #

Die  städtische  Schuldentilgungs-Kommission.
N.  N.

Der  Gemeinde-Empfänger.
N.

(Nr.  6817.)
        <pb n="1648" />
        —  1471  —

(Nr.  6817.)  Allerhschster  Erlaß  vom  5.  August  1867.,  betreffend  die  Ausgabe  verzinslicher
Schaßtanweisungen  im  weiteren  Betrage  von  funfzehn  Millionen  Thaler.

A#  Ihren  Bericht  vom  27.  Juli  d.  J.  genchmige  Ich,  daß  in  Gemäßdeit
des  Gesetzes  vom  28.  September  v.  J.,  betreffend  den  außerordentlichen  Geldbedarf
  der  Militair-  und  Marineverwaltung  und  die  Dotirung  des  Staatsschatzes
(Gesetz  Samml.  S.  607.))  verzinsliche  Schatzanweisungen  im  weiteren  Betrage
von  funfzehn  Millionen  Thaler,  und  zwar  in  Abschnitten  von  je  funfzig  Thalern,
Einhundert  Thalern  und  fünfhundert  Thalern  nach  Bedarf  ausgegeben  werden.
Zugleich  ermächtige  Ich  Sie,  den  Zinssatz  dieser  Schatzanweisungen  und  die  Dauer
ihrer  Umlaufszeit,  welche  den  Zeitraum  Eines  Jahres  nicht  überschreiten  darf,
den  Verhälmisen  entsprechend  nach  Ihrem  Ermessen  zu  bestimmen  und  jedesmal
zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen.

ch  überlasse  Ihnen,  die  Hauptverwaltung  der  Staatsschulden  hiernach
mit  näherer  Anweisung  zu  versehen  und  diesen  Meinen  Erlaß  durch  die  Gesetz-Sammlung
  bekannt  zu  machen.

Ems,  den  5.  August  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.

—„  —  ——

An  den  Finanzminister.

(Nr.  6818.)  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  den  Ersten  Nachtrag  zu  dem  Statut  der
Aachen-Mastrichter  Eisenbahngesellschaft.  Vom  31.  August  1867.

Wir  Wilhelm,)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u§

Nachdem  die  Aachen-Mastrichter  Eisenbahngesellschaft  in  der  statutenmäßig
  berufenen  Generalversammlung  ihrer  Aktionaire  vom  17.  Juni  1867.  laut
des  über  die  Verhandlungen  derselben  ausgenommenen  Protokolls  den  anliegenden
Ersten  Nachtrag  zu  ihrem  unter  dem  30.  Januar  1846.  (Gesetz  Samml.  S.  29.)
landesherrlich  bestätigten  Statut  beschlossen  hat,  wollen  Wir  diesem  Nachtrag  die
beuntragte  landesherrliche  Bestätigung  hierdurch  ertheilen.

ie  gegenwärtige  Urkunde  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  bekannt  zu

—

machen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  31.  August  1867.

(I.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

(Nr.  6817—6818)  Erster
        <pb n="1649" />
        —  1472  —

Erster  Nachtrag

zu  den

Statuten  der  Aachen-Mastrichter  Eisenbahngesellschaft.

Auf  Grund  des  Beschlusses  der  Generalversammlung  der  Aktionaire  der  Aachen-Mastrichter
  Eisenbahngesellschaft  wird  hierdurch  das  Allerhöchst  bestäkigte  Statut
vom  30.  Januar  1846.  (Gesetz  Samml.  S.  29.)  durch  nachfolgende  Bestimmung
ergänzt:
Zu  Artikel  2.  wird  zusätzlich  bestimmt:
Auch  kann  die  Benutzung  und  der  Betrieb  dieser  Bahnen  nebst

allen  damit  zusammenhängenden  Rechten  und  Pflichten  Anderen
übertragen  werden.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1650" />
        —  1473  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  91.—

 

(Nr.  6819.)  Verordnung,  betreffend  die  Kreisverfassung  im  Gebiete  des  Regierungsbezirks
Kassel.  Vom  9.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  ꝛc.

verordnen,  auf  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  das  Gebiet  des  Regierungsbezirks
  Kassel,  was  folgt:

Jeder  landräthliche  Kreis  bildet  einen  kreisständischen  Verband.  Dieser

Verband  hat  die  Rechte  einer  Korporation,  deren  Organ  die  Kreisstände  sind.
6S.  2.

Die  Kreisstände  versammeln  sich  auf  Kreistagen.  Ihre  Verfassung  wird

durch  die  gegenwärtige  Verordnung  bestimmt.
§.  3.

Es  kann  für  jeden  Kreis  durch  Beschluß  der  Kreisstände  und  nach  Anhörung
  des  Kommunallandtages  unter  Unserer  Genehmigung  ein  Kreisstatut
errichtet  werden.

Dasselbe  hat  den  Zweck,  diejenigen,  die  Keeisverfassund  betreffenden  Gegenstände
  näher  zu  ordnen,  in  Bezug  auf  deren  Regelung  in  dieser  Verordnung
ausdrücklich  auf  das  Kreisstatut  verwiesen  ist.

Außerdem  können  darin  Anordnungen  über  besondere,  in  den  eigenthümlichen
  Verhältnissen  des  Kreises  begründete  Einrichtungen  getroffen  werden.

Derartige  Anordnungen  düeen  jedoch  in  keinem  Falle  ausdrücklichen  Bestimmungen
  der  Gesetze  zuwiderlaufen.

S.  4.
Die  Kreisstände  sind  berufen:

1)  die  Kreiskorporation  zu  vertreten  und  die  Kreis-Kommunalangelegenheiten
  unter  Leitung  des  Landrathes  zu  verwalten;

2)  die  Verwaltung  des  Landrathes  in  denjenigen  Fällen  zu  unterstützen,  in
welchen  die  Gesetze  ihnen  eine  Theilnahme  oder  Mitwirkung  dabei  zuweisen;


Jahrgang  1887.  e  6819.)  195  3)  über

Ausgegeben  zu  Berlin  den  14.  September  1867.
        <pb n="1651" />
        —  1474  —

3)  über  diejenigen  Gegenstände  zu  berathen  oder  Beschluß  zu  fassen,  welche
ihnen  sonst  noch  zu  diesem  Behufe  durch  Gesetze  oder  Verordnungen
ausdrücklich  überwiesen  werden;

4)  die  Funktionen  der  bisherigen  Bezirksräthe  im  chemaligen  Kurfürstenthum
  Hessen  auszuüben,  wamentlich  in  Bezug  auf  die  Mitaufsicht  über
die  Kommunalverwaltung  der  einzelnen  Gemeinden  des  Kreises.

S.  5.

In  Beziehung  auf  die  Verwaltung  der  Kreis-K  langelegenheit
steht  ihnen  —  unter  der  Mitwirkung  und  Aussicht  der  Staatsbehörden  —  namentlich
  zu:

1)  die  Verwaltung  der  dem  Kreise  zugehörigen  Fonds  mit  der  Befugniß,
Ausgaben  daraus  zu  beschließen;

2)  die  Verwaltung  der  dem  Kreise  zugehörigen  Anstalten;

3)  das  Recht,  4  gemeinnützigen  Zwecken,  bei  welchen  ein  Interesse  des
Kreises  obwaltet,  oder  zur  Abwehr  eines  Nothstandes,  die  Kreiseingesessenen
  mit  Beiträgen  zu  belasten;

4)  die  Wahl  und  Bestellung  der  für  die  Verwaltung  der  Kreis-Kommunalangelegenheiten
  etwa  erforderlichen  besonderen  Beamten.

g.  6.

In  Beziehung  auf  die  Mitwirkung  an  der  Kreisverwaltung  haben  sie
insbesondere  Staatsprästationen,  welche  kreisweise  auf#ubringen  sind,  und  deren
Aufbringung  durch  Gesetz  nicht  bereits  näher  bestimmt  ist,  zu  repartiren,  und
heuur  heilnahme  an  der  Verwaltung  gesetzlich  erforderlichen  Kommissionen  zu
wählen.

S.  7.

Die  Kreisversammlung  wird  gebildet:

1)  aus  den  Besitzern  von  solchen  im  Kreise  belegenen  Gütern  oder  Waldungen,
  welche  zu  einem  Grundsteuer=  Reinertrage  von  mindestens
1000  Rthlr.  veranlagt  sind,

2)  aus  Abgeordneten  der  Städte,

3)  aus  Abgeordneten  der  Landgemeinden.

g.  8.

Sofern  der  Domainenfiskus  in  einem  Kreise  Domainen  oder  Forsten  von
dem  im  §.  7.  Nr.  1.  bezeichneten  Reinertrage  besitzt,  erhält  er  auf  dem  Kreistage
  eine  Virilstimme.

C.  9.

Auch  diejenigen  Grundbesitzer,  deren  Güter  zu  einem  Grundsteuer-Reinertrage
  von  milhessens  3500  Rthlr.  veranlagt  sind,  haben  ein  Virilstimmrecht
und  üben  dasselbe  ohne  Beschränkung  aus.  Di

ie
        <pb n="1652" />
        —  1476  —

Die  Stimmenzahl  der  übrigen  Grundbesitzer  V.  7.  Nr.  1.)  soll  in  der
Kreisversammlung  die  Hälfte  der  Gesammtzahl  der  Abgeordneten  aus  den  Städten
  und  Landgemeinden  nicht  übersteigen.  Ist  die  Zahl  dieser  Grundbesitzer
größer,  so  sind  zwei  oder  mehrere  Güter  insoweit  zu  Gesammtstimmen  (Kollektivimmen)

  zu  verbinden,  als  dies  zur  Erreichung  des  vorbezeichneten  Stimmenverhältnisses
  erforderlich  ist.  Diese  Verbindung  bleibt  zunächst  der  Vereinbarung
der  Betheiligten  überlassen.  In  Ermangelung  einer  solchen  wird  die  entsprechende
Verminderung  der  Stimmenzahl  vorläufig  in  der  Weise  vorgenommen,  daß  die
betheiligten  Grundbesitzer  so  viel  Mitglieder  unter  sich  weien  als  sie  Stimmen
zu  führen  berechtigt  sind.  Demnächst  wird  die  Vertheilung  der  Stimmen
durch  das  Kreisstatut  geregelt.

 

G.  10.

Das  Stimmrecht  der  Grundbesitzer  9  7.  Nr.  1.  und  9.  9.)  muß  in
Person  ausgeübt  werden.  Doch  erfolgt  die  Vertretung  der  im  Kreise  belegenen
Domanialgüter  durch  ein  von  der  betreffenden  Behörde  aus  ihren  Beamten  oder
aus  der  Zahl  der  Pächter  größerer  Domanialgüter  zu  bestellenden  Bevollmächtigten.
  Die  Befugniß  zur  Bevollmächtigung  steht  in  derselben  Weise  den  Fürsten
und  Standesherren  für  ihre  Besitzungen  zu.

Korporationen  und  Stiftungen,  welche  sich  im  Besitze  stimmberechtigter
Güter  befinden,  werden  durch  ihre  Vorstände  oder  Organe  vertreten.

Ob  und  in  welcher  Weise  eine  Vertretung  des  Gutsbesitzers  durch  einen
volljährigen  Sohn,  welchem  die  Verwaltung  des  Gutes  überlassen  ist,  oder  der
Frauen  und  der  Minderjährigen  zu  gestatten  sei,  bleibt  den  Bestimmungen  des
Kreisstatuts  vorbehalten.  «

Bei  gemeinschaftlichem  Besitze,  welcher  Brüdern  oder  mehreren  Mitgliedern
einer  Familie  oder  eines  fideikommissarischen  Verbandes  zusteht,  ist  einer  der
Mitbesitzer  zur  Ausübung  des  Stimmrechts  befugt.

ei  sonstigem  gemeinschaftlichen  Besitze  ruht  das  Stimmrecht.

KC.  11.

Von  jedem  Grundbesitzer  (F.  7.  Nr.  1.  und  F.  10.)  kann  kraft  eigenen
Rechtes  nur  Eine  Stimme  geführt  werden.

S.  12.

Bis  zur  Durchführung  der  nach  §.  3.  der  Verordnung  vom  28.  April
867.  (Gesetz  Samml.  für  1867.  S.  538.)  vorzunehmenden  Grundsteuer-Regulung
  wird  eine  Veranlagung  zu  einem  Steuerkapitale  von  3000  Steuer,  bezhungsweise
  Katastergulden  nach  der  früheren  Kurhessischen  beziehungsweise
Byerischen  Grundsteuer-Verfassung  einem  Grundsteuer-Reinertrage  von  1000  Thaler
  (P.  7.  Nr.  I.)  und  eine  Veranlagung  zu  einem  Steuerkapitale  von  10,000
Ste#er--  beziehungsweise  Katastergulden  einem  Grundsteuer-Reinertrage  von
35(  Thalern  (F.  H.)  gleichgestellt.  Hierbei  wird  jedoch  nur  das  Steuerkapital
füre  Liegenschasten,  mit  Ausschluß  der  Gebäude,  Hofräume  und  Hausgärten
von  eniger  als  Einem  Morgen,  in  Anschlag  gebracht.

(Nr.  19.,  195“  g.  13.
        <pb n="1653" />
        —  1476  —

KC.  13.

Durch  das  Kreisstatut  kann  der  die  Stimmberechtigung  der  Güter  auf
dem  Kreistage  bedingende  Grundsteuer-Reinertrag  (G.  7.)  anderweit  festgesetzt
werden.  14

Die  zur  Stimmführung  auf  dem  Kreistage  berechtigten  Grundbesitzer  werden
  durch  den  Landrath  in  eine  Nachweisung  zusammengestellt.  Diese  Nachweisung
  muß,  von  einem  öffentlich  bekannt  zu  machenden  Termine  ab,  14  Tage
lang  auf  dem  Landrathsamte  zur  Einsicht  ausliegen.  Ueber  Einwendungen,
welche  nicht  ihre  sofortige  Erlkdigung  durch  den  Landrath  finden,  hat  der  Oberpräsident
  zu  entscheiden.  Nach  Erledigung  dieser  Einwendungen  wird  die  Nachweisung
  vom  Landrathe  festgestellt.

Spätere  Veränderungen,  namentlich  in  Folge  der  Durchführung  der
Grundsteuer-Regulirung,  werden  vom  Landrathe  nach  Anhörung  des  Kreistages
bewirkt  und  vom  Oberpräsidenten  bestätigt.

K.  15.

Zur  Stimmführung  im  Stande  der  Städte  (§.  7.  Nr.  2.)  auf  der  Kreisversammlung
  sind  die  in  dem  anliegenden  Verzeichnisse  aufgeführten  Gemeinden
mit  dem  dort  angegebenen  Stimmenverhältnisse  berufen.

Eine  Aaschehme  anderer  Gemeinden  in  den  Stand  der  Städte  und  die
Verleihung  des  Stimmrechts  in  diesem  Stande,  sowie  das  Ausscheiden  einer
Gemeinde  aus  demselben  kann  künftig  nach  Anhörung  der  Kreis=  und  Kommunalstände
  mit  Unserer  Genehmigung  erfolgen.

Die  Zahl  der  Stimmen,  welche  die  im  Stande  der  Städte  vertretenen
Gemeinden  zu  führen  haben,  kann  durch  Kreisstatut  anderweit  festgesetzt  werden.

K.  16.
Die  städtischen  Abgeordneten  sind  von  den  Gemeindebehörden  Wüärger,

meister,  Stadtrath,  große  Ausschußversammlung)  aus  der  Zahl  der  Mitglieder
dieser  Kollegien  zu  erwählen.

.  17.
Die  Vertretung  der  Landgemeinden  (§.  7.  Nr.  3.)  geschieht  durch  acht
Abgeordnete  der  im  Kreise  vorhandenen  Landgemeinden.
Eine  Aenderung  dieser  Zahl  kann  durch  das  Kreisstatut  bestimmt  werder

K.  18.

Jeder  Kreis  wird  von  dem  Landrathe  in  so  viel  Wahlbezirke  eingetht,
als  Abgeordnete  der  Landgemeinden  zu  wählen  sind.  In  jedem  Wahlbeke
wählen  die  Gemeindebehörden  (Bürgermeister,  Gemeinderath,  große  Aussaßversammlung)
  je  einen  Ortswähler  aus  ihrer  Mitte.  s«

-1lI
        <pb n="1654" />
        —  1477  —
G.  19.
Mit  den  Ortswählern  jedes  Wahlbezirks  treten  die  Besitzer  solcher  Güter,

welche  nicht  zum  Gemeindeverbande  gehören  und  nicht  im  Stande  der  großen
Grundbesitzer  vertreten  sind,  zu  einem  Wahlkörper  zusammen,  welcher  den  Abgeordneten

  aus  seiner  Mitte  wählt.
g.  20.

Die  Wahlen  der  Abgeordneten  für  die  Städte  und  Landgemeinden  geschehen
  auf  sechs  Jahre.  Das  Mandat  erlischt  jedoch,  falls  die  Vorbedingung
er  Wählbarkeit  früher  aufhört.
ür  jeden  Abgeordneten  im  Stande  der  Städte  und  der  Landgemeinden
ist  ein  Stellvertreter  zu  wählen,  welcher  die  zur  Wählbarkeit  eines  Abgeordneten
vorgeschriebenen  Eigenschaften  besitzen  muß.

g.  21.

Für  das  Verfahren  bei  allen  Wahlen  sind  die  Vorschriften  des  Reglements
  vom  22.  Juni  1842.  (Gesetz=  Samml.  für  1842.  S.  213.)  maaßgebend.

(.  2.

Zur  persönlichen  Ausübung  des  Stimmrechts  auf  dem  Kreistage  ist  bei
allen  Mitgliedern  desselben  und  deren  Stellvertretern  die  Vollendung  des  vierundzwanzigsten
  Lebensjahres  erforderlich.

KG.  23.

Der  Landrath  beruft  den  Kreistag,  führt  auf  demselben  den  Vorsitz,  leitet
die  Verhandlung  und  hat  die  Ordnung  in  den  Berathungen  zu  erhalten;  er  ist
befugt,  mit  Zustimmung  des  Kreistages  ordnungsstörende  Mitglieder,  nach
fruchtloser  Erinnerung,  für  die  Dauer  der  Sitzung  von  der  Versammlung  auszuschließen.
  g.  24

Die  Derufung  zum  Kreistage  geschieht  durch  ein  Einladungsschreiben,
welches  die  Verhandlungsgegenstände  angeben  muß.

Sollen  Beschlüsse  zur  Verhandlung  gestellt  werden,  welche  eine  neue  Belastung
  des  Kreises  mit  Ausgaben  oder  Leistungen  ohne  bereits  bestehende  Verpflichtung
  herbeiführen  (insbesondere  §.  5.  Nr.  3.),  so  muß  das  desfallsige  Einladungsschreiben
  mindestens  vierzehn  Tage  vor  dem  Kreistage  den  Mitgliedern
zugestellt  werden.  Demselben  muß  eine  ausführliche  Darlegung,  welche  über  die
Zwecke  des  vorgeschlagenen  Beschlusses,  die  Art  der  Mussahrknz,  den  Kostenbetrag
  und  die  Aufbringungsweise  das  Nöthige  enthält,  beigefügt  sein.  Das
Einladungsschreiben  ist  der  Regierung  in  Abschrift  einzusenden.

E.  25.

Die  Beschlüsse  des  Kreistages  werden  nach  einfacher  Stimmenmehrheit
Nr.  6819.)  ge-
        <pb n="1655" />
        —  1478  —

gefaßt.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  die  Stimme  des  Vorsitzenden,  auch
wenn  er  sonst  nicht  stimmberechtigt  ist.

Zu  einem  Beschlusse,  durch  welchen  eine  neue  Belastung  des  Kreises  mit
Ausgaben  oder  Leistungen  ohne  bereits  bestehende  Verpflichtung  bewirkt  werden
soll,  ist  jedoch  eine  Stimmenmehrheit  von  mindestens  zwei  Dritteln  der  Abstimmenden
  erforderlich.  In  solchem  Falle  muß  außerdem,  sobald  zwei  Drittel  der
anwesenden  Mitglieder  eines  Standes  es  verlangen,  eine  Abstimmung  nach
Ständen  eintreten,  und  es  gilt  die  Bewilligung  als  abgelehnt,  wenn  zwei  Stände
sich  dagegen  erklären.

Die  Abstimmung  in  jedem  einzelnen  Stande  erfolgt  in  diesem  Falle  nach
einfacher  Stimmenmehrheit.  g  26

Findet  ein  ganzer  Stand  sich  durch  einen  Kreistagsbeschluß  in  seinen  Interessen
  verletzt,  so  steht  ihm  frei,  mittelst  Einreichung  eines  Seperatvotums  die
Regierung  und  in  den  Fällen  des  §.  29.  Nr.  1.  die  Minister  des  Innern  und
der  Finanzen  anzurufen.

Diese  Anrufung  muß  noch  vor  dem  Schlusse  des  Kreistages  beim  Landrathe
  angemeldet  und  das  Separatvotum  binnen  einer  von  diesem  zu  bestimmenden
  Frist  eingereicht  werden.

Bis  zur  ergangenen  Entscheidung  bleibt  die  Ausführung  des  Kreistagsbeschlusses

  ausgesetzt.  *v!

Der  Kreistag  ist  befugt,  zur  Vorbereitung  seiner  Beschlüsse,  sowie  für  bestimmte
  Geschäfte,  Kommissionen  und  Bevollmächtigte  aus  seiner  Mitte  zu  bestellen,
  welche  unter  Leitung  des  Landrathes  stehen.

5.  28.

Die  Genehmigung  der  Staatsregierung  ist  erforderlich  zu  solchen  Beschlüssen
  des  Kreistages,  durch  welche

1)  Ausgaben  und  Leistungen  für  den  Kreis  ohne  bestehende  Verpflichtung
neu  übernommen  werden,

2)  der  Beitragsfuß  für  Aufbringung  der  Kreislasten  aufgestellt  oder  der
bestehende  abgeändert  wird,

3)  Veräußerungen  vom  Grund=  oder  vom  Kapitalbestande  des  Kreisvermögens,
  soweit  letzterer  nicht  etwa  nur  aus  ersparten  Einkünften  der
letzten  fünf  Jahre  herrührt,  vorgenommen  werden.

.  29.

Zur  Ertheilung  der  Genehmigung  sind  zuständig:

1)  die  Minister  des  Innern  und  der  Finanzen  in  den  Fällen  des  §.  28.
Nr.  I1.,  wenn  der  Kreis  zu  Ausgaben  verpflichtet  werden  soll,  welche

a)  über  die  nächsten  zwei  Jahre  hinaus  dauern,  oder
b)  Krecke  betreffen,  bei  denen  nur  ein  Theil  des  Kreises  interessirt
ist,  oder
JP)  nur  von  einem  Theile  des  Kreises  aufzubringen  sind;
2)  in  den  übrigen  Fällen  die  Bezirksregierung.  n
.  30.
        <pb n="1656" />
        —  1479  —

g.  30.

Ueber  den  Kreishaushalt  haben  die  Kreisstände  alljährlich  einen  Etat  aufzustellen.
  Derselbe  ist  der  Regierung  in  Abschrift  einzureichen.  **½5

Die  Abnahme  der  Rechnungen  steht  der  Kreisversammlung  solbstständig  zu.
Die  Regierung  kann,  wenn  ihr  durch  Beschwerden  oder  sonst  eine  besondere  Veranlassung
  dazu  gegeben  erscheint,  das  Kassen=  und  Rechnungswesen  des  Kreises
einer  außerordentlichen  Revision  durch  Absendung  eines  Kommissarius  oder  durch
Einfordern  der  Rechnungen  unterwerfen.

E  31.

Urkunden  über  Rechtsgeschäfte,  welche  den  Kreis  gegen  Dritte  verbinden
sollen,  müssen  von  dem  Landrathe  und  drei  hierzu  von  der  Kreisversammlung
zu  wählenden  Mitgliedern  unterschrieben  und  mit  dem  Siegel  des  Landrathsamtes
versehen  sein.  E

Der  Landrath  führt  die  Beschlüsse  der  Kreisversammlung  aus,  sofern  nicht
die  Regierung  eine  andere  Behörde  mit  der  Ausführung  beauftragt  oder  die  Sache
als  ständische  Kommunalangelegenheit  besonderen  inoischen  Beamten  übertragen

  ist.

Ge  welche  die  Befugnisse  der  Kreisstände  überschreiten,  oder  das
Staatswohl  verletzen,  hat  der  Landrath  zu  beanstanden,  und  Behufs  Entscheidung
über  deren  Ausführung  der  Bezirksregierung  einzureichen.

g.  33.

Ueber  die  Gewährung  von  Diäten  und  Reisekosten  an  die  Vertreter  der
Gemeinden  auf  dem  Kreistage  zu  bestimmen,  bleibt  der  Kreisversammlung  mit
Genehmigung  der  Bezirksregierung  überlassen.

g.  34.

Mit  Einführung  der  Kreisvertretung  nach  Maaßgabe  dieser  Verordnung
werden  die  im  ehemaligen  Kurfürstenthum  Hessen  bestehenden  Bezirksräthe  außer
Wirksamkeit  gesetzt.  35

35.
Unser  Minister  des  Innern  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt.
rkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  9.  September  1867.
(#.  .)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  6319.)  Ver.
        <pb n="1657" />
        —  1460  —
Verzeichniß
der  im  Städtestande  auf  den  Kreistagen  im  Gebiete  des  Regierungsbezirks
  Kassel  vertretenen  Gemeinden.

I.  Namen  der  Gemeinden.

Kreis  Eschwege:  Eschwege,  Waldkoppel,  Wannfried.

Kreis  Frankenberg:  Frankenberg,  Frankenau,  Rosenthal,  Gemünden.

Kreis  Fritzlar:  Fritzlar,  Gudensberg,  Niedenstein.

Kreis  Fulda:  Fulda.

Kreis  Gelnhausen:  Gelnhausen,  Wächtersbach,  Orb.

Kreis  Gers  feld:  Gersfeld,  Tann.

Kreis  Hanau:  Hanau,  Bockenheim,  Windecken.

Kreis  Hersfeld:  Hersfeld.  -

Kreis  Hofgeismar:  Hofgeismar,  Liebenau,  Carlshafen,  Helmershausen,
Trendelburg,  Grebenstein,  Immenhausen.

Kreis  Homberg:  Homberg,  Borken.

Kreis  Hünfeld  Hünfeld.

Kreis  Kirchhain:  Kirchhain,  Amöneburg,  Neustadt,  Rauschenberg,  Schweinser


Kreis  Marburg:  Marburg,  Wetter.

Kreis  Melsungen:  Nellsungen,  Felsberg,  Spangenberg.

Kreis  Rinteln:  Rinteln,  Obernkirchen,  Nodendert,  Oldendorf,  Sachsenhagen.

Kreis  Rotenburge  Rotenburg,  Sontra.

Kreis  Schmalkalden:  Schmalkalden.

Kreis  Schlüchtern:  Schlüchtern,  Soden,  Steinau,  Salmünster.

Kreis  Witzenhausen:  Wihenhse  /  Alendorf  a.  W.,  Großalmeroda,
ichtenau.

Kreis  Wolfhagen:  Wolfhagen,  Naumburg,  Volkmarsen,  Zierenberg.

Kreis  JZiegenhain:  Ziegenhain,  Neukirchen,  Schwarzenborn,  Treysa.

Bemerkung:  Die  Stadt  Kassel  bildet  einen  besonderen  Kreis  (Stadrkreis

Kassel))  im  Landkreise  Kassel  ist  keine  Stadt  belegen.

II.  Stimmenvertheilung.
Von  diesen  Gemeinden  sollen:
die  Städte  Fulda  und  Hanau  je  vier,
die  Städte  Eschwege,  Hersfeld,  Marburg  und  Schmalkalden  je  drei,
die  Städte  Allendorf  a.  W.,  Bockenheim,  Fritzlar,  Gelnhausen,  Wooerg,
Hünfeld,  Melsungen,  Rinteln,  Rotenburg,  Witzenhausen,  Wolfhagen

je  zwei
alle  übrigen  dagegen  je  Einen  Abgeordneten  zum  Kreistage  entsenden.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Gehelmen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1658" />
        —  1481  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  99.  —

 

(Nr.  68208.)  Gesetz,  betreffend  die  Abänderung  des  Artikel  69.  der  Verfassungs-Urkunde  und
des  Artikel  1.  des  Gesetzes  vom  30.  April  1851.  (Gesetz  Samml.  S.  213.),
sowie  diejenigen  Abänderungen  der  Verordnung  über  die  Wahl  der  Abgeordneten
  vom  30.  Mai  1849.,  welche  Behufs  Anwendung  derselben
in  den  mit  der  Preußischen  Monarchie  neu  vereinigten  Landestheilen
erforderlich  werden.  Vom  I17.  Mai  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #r

verordnen,  mit  Zustimmung  der  beiden  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,
zugleich  auch  für  das  Jadegebiet,  was  folgt:
Artikel  1.

Sobald  die  Preußische  Verfassung  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen
  Geltung  t  treten  der  bisherigen  Anzahl  der  Mitglieder  des  Hauses
der  Abgeordneten  80  Abgeordnete  aus  jenen  Landestheilen  hinzu.

Artikel  2.

Die  Feststellung  der  Wahlbezirke  erfolgt  für  die  ersten  Wahlen,  welche  in
jenen  Landestheilen  stattfinden,  durch  Königliche  Anordnung  in  der  Art,  daß  die
zu  wählenden  Abgeordneten  auf  die  durch  die  letzte  allgemeine  Volkszählung
ermittelte  Bevölkerung  möglichst  gleichmäßig  vertheilt  werden.

Artikel  3.

Die  ersten  Wahlen  in  den  im  Artikel  1.  gedachten  Landestheilen  erfolgen
nach  der  Verordnung  über  die  Ausführung  der  Wahl  der  Abgeordneten  vom
30.  Mai  1849.  (Cest-  Samml.  S.  205.)  mit  folgenden  Maaßgaben:

1)  die  Heeichmung  derjenigen  direkten  Steuern,  nach  deren  Maaßgabe  die
Ure  er  in  drei  Abtheilungen  getheilt  werden  (S#.  10.  und  11.  vom
30.  Mai  1849.),  erfolgt  durch  Königliche  Anordnung;
2)  die  Bestimmung  der  mit  den  Wahlangelegenheiten  zu  beauftragenden
Behörden  erfolgt  durch  das  Staatsministerium;
3)  die  Zeit,  während  welcher  Jemand  dem  früheren  Staatsverbande  eines
der  im  Artikel  1.  erwähnten  Landestheile  angehört  hat,  wird  bei  dem  im
29.  der  Verordnung  vom  30.  Mai  1849.  angeordneten  einjährigen
eitraum  in  Anrechnung  gebracht.
Jahrzang  1867.  (Nr.  6820—6820)  196  Ar-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  17.  September  1867.
        <pb n="1659" />
        —  1482  —

Artikel  4.

Dem  nach  dem  1.  Oktober  1867.  zunächst  einzuberufenden  Landtage  der
Monarchie  soll  ein  Gesetzentwurf  über  die  Bildung  der  Wahlbezirke,  sowie  über
die  definitive  Linsheun  der  Verordnung  vom  30.  Mai  1849.  in  den  neu
erworbenen  Landestheilen  vorgelegt  werden.

kiriundich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  17.  Mai  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismark.  Schönhausen.  F.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Igpzenplitz.  v.  Mühler.  r.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6820.)  Verordnung,  betreffend  die  Bezeichnung  derjenigen  direkten  Steuern,  nach  deren
Maaßgabe  die  Urwähler  in  drei  Abtheilungen  getheilt  werden,  sowie  die
Feststellung  der  Wahlbezirke  für  die  ersten  Wahlen  zum  Hause  der  Abgeordneten
  in  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember
1866.  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Landestheilen.  Vom
14.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  ꝛc.
verordnen,  in  Verfolg  des  Gesetzes  vom  17.  Mai  1867.  betreffend  die  Abänderung
  des  Artikels  69.  der  Verfassungs-Urkunde  2c.,  Behufs  Ausführung  der  ersten
Wahlen  zum  Hause  der  Abgeordneten  in  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September
und  24.  Dezember  1866.  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Landestheilen,
auf  den  Antrag  des  Staatsministeriums,  was  folgt:

Artikel  1.
Der  Bildung  der  Wahlabtheilungen  der  Urwähler  sind  folgende  direkte
Steuern  zu  Grunde  zu  legen
1)  die  Klassen-  und  klassifffirte  Einkommensteuer;
2)  die  Gewerbesteuer;
5  die  Gebäudesteuer;
4)  die  Grund-,  sowie  im  Landbezirke  von  Frankfurt  a.  M.  die  Gefällsteuer,
in  dem  Umfange,  wie  solche  vom  1.  Juli  d.  J.  ab  nach  Vorschrift  der  dieserhalb
ergangenen  Verordnungen  zu  erheben  sind.
In  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein  sind  als  Grundsteuer  die
Landsteuer  und  die  Kontribution  in  Betracht  zu  ziehen.
Im  Stadtgebiete  von  Frankfurt  a.  M.  tritt  an  Stelle  der  Klassensteuer
die  Wohn  und  Miethsteuer.
Iirtikel  2.

Die  Wahlbezirke,  die  Wahlorte  und  die  Zahl  der  in  jedem  Bezirke  zu
wählenden  Abgeordneten  werden  nach  Inhalt  des  anliegenden  Verzeichnisses  hierdurch
  festgestellt.

Ur-
        <pb n="1660" />
        Köriglich

—  1443

(I.  S.)

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.
Gr.  v.  Itzenplitz.

v.  Mühler.
Gr.  zu  Eulenburg.

Verzeichniß
der

Wahlbezirke,  Wahlorte  und  der  in  den  einzelnen  Bezirken  zu

chloß  Babelsberg,  den  14.  September  1867.
Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.
Gr.  zur  ro  dey

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
en  Insiegel

egeben

v.  Roon.
v.  Selchow.

 

wählenden  Anzahl  von  Abgeordneten.

 

½  Anzahl
des  .,  .  dTUU
Wahl,  Bestandtheile  des  Wahlbezirks.  Wahlort.
bezirks.  geordneten.

I.  Megierungsbezirk  Wiesbaden.

1.  Stadtkreis  Frankfurt  a.  M.  Frankfurt  al  M.  2

2.  "  Wiesbaden  Wiesbaden  1

3.  Landkreis  Wiesbaden  Hochheim  1

4.  JOber--Taunus  ·  Kreis  Homburg  1

5.  Unter--Taunus  Kreis  Loangenschwalbach  1

Rheingau:Kreis  .  *s

6.  Vbeingar  Meisenheim  Rudebheim  1

7.  JUnter  ·  Lahn  -  Kreis  Diez  1

8.  Ober--Lahn  Kreis  Weilburg  1

9.  nter-Westerwald-Kreis  Montabaur  1

10.  Der  Westerwald-rei  Rennerod  1

11.Kreis  Biedenkopf  Biedenkopf.  1

Summal

196“

 

(Nr.  6820.)
        <pb n="1661" />
        ½m  Anzahl
des  Z  ç  derl
Wahl.  Bestandtheile  des  Wahlbezirks.  Wahlort.
bczirks.  grord
II.  Regierungsbezirk  Kassel.
1.  |Kreis  Rinteln  Rinteln  1
Kreis  Hofgeismar
2.  ·  offhagm  Grebenstein  1
3.  JStadtkreis  Kassel  Kassel  1
Landkreis  Kassel  ·
4.  Kreis  Witzen  ausen  Gr.-Almerode  1
Kreis  Eschwege
5.  "„  -  mabnlden  —iee  1
Ortschaft  Kaulsdorf
Kreis  Rotenburg
6.  Herzfeld  Hersfeld  1
Kreis  Melsungen
7..  Peis  Besu  Faelsberg  1
Kreis  Homber  .  .
8.  begenhen  E  1
Kreis  Lchzan  1
9.  "  ankenber  Rauschenber  1
Init  den  worm.reise  Vöhl  ]  schenberg
10.  JKreis  Marburg  Marburg  1
Kreis  Hünfeld  .
II.  ersfeld  Buͤnfeld  1
12.Kreis  Fulda  Fulda  1
Kreis  Schlüchtern
13.  Gelnhausen  Salmünster  1
mit  dem  Amte  Orb
14..  Kreis  Hanau  Hanau  1

 

 

Summa

14
        <pb n="1662" />
        *  —
des
WahBestandtheile  des  Wahlbezirks.  Wahlort.  we.
bezirks.  geord-III.
  Haunover.
Amt  und  Stadt  Aurich
1.  -  -  -  ens  Aurich  1
Wittmund
Amt  und  Stadt  Emden
2.  Stadt  Norden  Marienhafe  1
Amt  Berum
Amt  und  Stadt  Leer
3.  Weener  Leer  1
Stickhausen
Stadt  Papenbur  ·
Amt  Aschendorf  s
4.  Hummling  Meppen  1
-  e
Haselünne
Amt  und  Stadt  Lingen
"  eren
5.  6T  entheim  Lingen  1
.  Neuenhaus
6  Amt  krsenan
"  ersenbrü  .
Stadt  Quakenbrück  Bersenbrück
LAnmt  Vörden
Amt  und  Stadt  Osnabrück  *
7.  Wittlage  O  ebrd  1
Stadt  Melle
8.Amt  Grönenberg  Melle  1
Iburg
Amt  Diepholz
9.  Sulingen  Ehrenburg  1
*Freudenberg
Seite  9

 

(Nr.  6820.)
        <pb n="1663" />
        —  1480  —

 

7

Anzahl

 

des  .  .  der  zu
Kehl.Bestandtheile  des  Wahlbeztrks.  Wahlort.
bezirks  gerrdne

Uebertrag  9
Amt  Syke
10.  Bruchhausen  Bruchhausen  1
Hoya
Amt  und  Stadt  Nienburg  7.
II.  Üochte  Stolzenau  1
Stolzenau
Amt  und  *#  Neustadt  a.  R.
tadt
12.  Amt  Linden  Wunstorf  1
Hannover
13.  JStadt  Hannover  Hannover  1
Amt  Wennigsen
x*-!.
,  -  ringe
14.  Stadt  Patt#n  Springe  1
Elda  sen
Mün
Amt  und  Stadt  Hameln
151.  Huummen  Hameln  1
Stadt  Bodenwerder
16.  Amt  und  Stadt  Küdrsheim  Hildesheim  1
Amt  Marienburg
17.  Gronau  Elze  1
Alfeld
Amt  in
Liebenbur
Statt  Goslar
Seite8
        <pb n="1664" />
        –m  Anzahl
*  gutls
Wohl.  Bestandtheile  des  Wahlbezirks.  Wablort.  #
bezirks.  geordneten.


Uebertrag  18
Ant  und  Stadt  Osterode
19.  eertn  Gieboldehausen
Sutadt  Duderstadt
Ü  Amt  und  Stadt  Göttingen
20.  Reinhausen  Göttingen  1
Amt  und  Stadt  Muͤnden
Amt  un  Stadt  Northeim
tadt  Moringen
21.)Amt  und  Stadt  Einbeck  Moringen  1
.  Uslar
Amt  Zellerfeld
22.  Elbingerode  ot  Andreasberg  1
—  Hohnstein  zu  Ilfeld  ·
Amt  und  Stadt  Gifhorn
23.  «  gehtåleeäm  Gifhorn  1
NMeinersen
Amt  und  Stadt  Celle
24.  2  BBuurgdorf  Celle  1
Amt  Burgwedel
Amt  Fallingbostel
256  #een  Fallingbostel  1
Soltau
Stadt  Uelzen
26.Amt  Oldenstadt  Uelzen  1
Medingen
Seite  26

(Nr.

 

6820)
        <pb n="1665" />
        1468  —

 

 

—  v
Wenhl  Bestandtheile  des  Wahlbezirks.  Wahlort.
bezirks.  geord

Uebertrag  26
Amt  zn  Stoh  Dannenberg
aus  i.  L.
27.  Ant  und  Stadt  Lüchow  Dannenberg
Gartow
Amt  und  Stadt  Lünebur  -
28.  .Bileckede  6  Lüneburg  1
Amt  und  Stadt  Harburg
29.  is  -  insen  a.  d.  L.  Harburg  1
DATostedt
Amt  Jork
30.  .Freiburg  Stade  1
Stadt  Stade
Z  ·  PuxtePude
31.Amt  Himmelpforten  Stade  1
-  arsefel
Amt  und  Stadt  Bremervörde
·  Amt  Neuhaus  a.  d.  O.
32.  en  Neuhaus  a.  d.  O
Amt  und  Stadt  Otterndorf
[Ant  Lehe
33.  Dorum  Lehe  1
Hagen
Amt  Osterholz
34.  Blumenthal  Osterholz  1
Vilientha
35.  Amt  Stadt  Verden  Verden  1
Amt  Rot
36.  m  Bburg  Rotenburg  1
Summa36
        <pb n="1666" />
        —  1489  —

 

des

Wahl.
bezirks.

 

Bestandtheile  des  Wahlbezirks.

 

Wahlort.

 

Anzahl
der  zu
wählenden
  Abgeord-



 

—  —......—.—————..

 

IV.  Schleswig-Holstein.

**  und  Westeramt  und  Stadt  Haderseben

Flecen  Ohristimefelt

klavirte  adelige  Güter
Amt  und  Stadt  Apenrade  mit  den  enklavirten

  Gütern
Amt  und  Stadt  Sonderburg

FJFlecken  Norburg  »
Grafschaft  Reventlow  und  adelige  Güter

allegaard  und  Beuschau

Amt  und  Stadt  Flensburg  mit  den  enklavirten
  Gütern

I.  geschlossener  Angeler  adeliger  Güterdistrikt

Flecken  Glücksburg

Amt  und  Stadt  Tondern  mit  den  enklavirten
  Gütern  und  Kögen

Amt  und  Flecken  Lygumkloster

Inseln  Sylt,  Föhr  und  Amrum

Flecken  Hoyer  und  Wyck

Amt  und  Stadt  Husum
Flecken  Bredstedt
Landschaft  Eiderstedt  mit  den  enklavirten
adeligen  Gütern  und  Kögen
Inseln  Nordstrand,  Pellworm  und  die  Halligen
Städte  Garding,  Tönning  und  Friedrichstadt

Amt  Gotoorf  mit  den  enklavirten  adeligen
Gütern,  klösterlichen  Distrikten  und  Kögen

Landschaft  Stapelholm

Stadt  Schleswig

Flecken  Cappeln

(Nr.  6820.)  197

 

——  —  ——  —  —.—  —

Hadersleben

Gravenstein

Flensburg

Tondern

Husum

Schleswig

Seite
        <pb n="1667" />
        —  1490  —

 

des
Wahlbezirks.


Bestandtheile  des  Wahlbezirks.

Wahlort.

|Ayzahl

der  zu

wählen-[den
  Abgeord-



 

â—  —  —  —  —  —

 

 

Amt  Hütten  mit  den  enklavirten  Kögen
Schwansener  und  Därnischwohlder  adeliger
Güterdistrikt
Stadt  Eckernförde
Stadt  Altona  mit  den  Dorsschaften  Ottensen
und  Neumühlen
errschaft  Pinneberg,  ausschl.  Ottensen,  Neu-!
  *  Poypetouttel  und  Hunmels.

Aobüe  ’*  ausschl.  Vogtei  Crempdorf
und  Patrimonialgut  Horst

Grafschaft  Ranzau

Güter  Besstermühe,  Haselau  und  Haseldorf

Kanzleigut  Flottbeck

Amt  Steinburg
Ländchen  Sachsenbande
Vom  Amte  Rendsburg  der  Kirchspielvogteidistrikt
  Kellinghusen,  ausschl.  Bargfeld
und  Homfeld
öschendorf  und  Kaisborstel
täde  !n!  Wilster,  Crempe  und  Glückwis

  5  chee  ausschl.  der  zum  13.)  14.  und
ahlbezirke  gelegten  Pertieenzien

7  w#nachah  Uetersen  die  Vogtei  Crempdorf

und  das  Patrimonialgut  Horst
Hercschaft  Herzhorn,  Sommerland  und  Grön-Herlaone

  Breitenburg,  ausschl.  der  zum
15.  Wahlbezirke  gelegten  Pertinenzien
Adl.  Gut  Drage,  ausschl.  der  Drager
Pertinenzien  zu  Hohenwestedt,  Alt-  und

Neu-Böternhöfen

 

 

Uebertrag

Eckernförde

Altona

Pinmeberg

Itehoe

Seite

10
        <pb n="1668" />
        —  1491  —

 

des
Wahlbezirks.


Bestandtheile  des  Wahlbezirks.

Wahlort.

Anzahl
der  zu
waͤhlen  ·
den  Abgeord-



 

11.

 

12.

13.

(Nr.  6320.)

 

Adl.  Güter  Krummendiek,  ausschl.  Nütteln
Keiligenstedten
ehlbeck  und  Rade
Beckhof
Beckmünde
Bahrenfleth
Gr.  Campen
Kl.  Campen
Gr.  Collmar
Kl.  Collmar
Neuendorf
Harlhusen
Kanzleigut  Beckdorf
Blomesche  und

Engelbrechtsche  Wildniß

Landschaft  Süderdithmarschen)  ausschl.  Fedderingen


Die  vereinigten  Süderdithmarschen  Köge  und
der  Christianskoog

Largschest  Norderdithmarschen  mit  Fedn


eringen

Corolinen.  Hedewigen-  und  Friedrichsgabeoog



Amt  Rendsburg  ausschl.  der  zum  10.  Wahlbezirke
  gelegten  Pertinenzien

Stadt  Rendsburg

Kanzleigut  Hanerau  »

Klösterl.  Itzehoer  Pertinenzien  in  Nortorf,
Bünzen,  Innien,  Homfädt,  3

Dorf  Langwedel  mit  den  ausgebauten  Stellen

  und  Bockhorst  «
Krummendieker  #i  von  Nütteln

 

 

197“

Uebertrag

Meldorf

Heide

Rendsburg

Seite

10

13
        <pb n="1669" />
        —  1492  —

 

—W
des
Wahlbezirks.


Bestandtheile  des  Wahlbezirks.

Wahlort.

Anzahl.
der  zu
waͤhlen  ·
den
geordneten.


 

 

 

 

Drager  ht  san  Hohenwestedt,  Alt-  und
eu.  B
Adl.  Göter  e  Bossee;  Osterrade
Gr.  Nordsee,  Cronsburg,  Deutsch-Nienbo
  Cluvensiek,  Pohl  "e,  Schierensee,
nnenboß  Westensee,  Steinwehr,  Georgenthal,

  Kl.  Königsförde

Stadt  Kiel

Aemter  Bordesholm  (ausschl.  Sachsenbande),
Cronshagen,  Kiel,  Neumünster

Klösterl.  Preetzer  Pertinenzien  zu  Taasdorf
und  Gadeland

Klösterl.  Itzehoer  Vogtei  Meimersdorf

Adl.  Güter  Bothkamp,  Blockshagen,  Kl.
Nordsee,  Neu-  Nordsee;,  .
Hdem  ulen,  Quarnbeck,  Schwartenbe

rojensdorf,  Schrevenborn,  Dobersdorf,

Oppendorf,  Schönhorst

Hof  Overndorf

Amt  Segeberg

Trittauer,  resp.  Tremsbütteler  Dorfschaften
Breistenbeckshorst,  Sievershütten,  Nahe
und  Stuvenborn,  Itzstedt  und  Tönningstedt



Amt  ###enthal,  auschl  Schlamerstorf

Vom  Amte  Reinfeld  die  nach  Segeberg  und
Pronstorf  eingefforrten  örfer

Vom  Amte  Plön  die  nach  Bornhöved  einn
  Dörfer,  das  Dorf  Traven-Vonr

  Toser  Itzehoe  die  Vogtei  Armstedt
Breitenburger  Pertinenzien  zu  Hitzhusen,
Weddelbrooker  Damm  und  Mönkloe

Uebertrag

Kiel

Segeberg

 

 

Seite

 

13

18
        <pb n="1670" />
        —  1493  —

 

des
Wahl.
bezirks.

Bestandtheile  des  Wahlbezirks.

Wahlort.

Anzahl
der  zu
wählenden
  Abgeord-



 

 

 

Stadt  Stzberg

Adl.  Güter  Caden,  Borstel,  Bramstedt,
Erfrade,  Prohnstorf,  Margarethenhof,
Rohlstorf,  Wensien,  Müssen,  Muggesfelde,
  Travenort,  Seedorf  und  Hornstorff,
  Glasau

Hasselburzer  und  Nütschauer  Stellen  in
Kl.  Rönnau

Kanzleigut  Kuhlen

Aemter  Reinfeld,  Trittau,  Tremsbüttelt,

ausschl.  der  von  diesen  Aemtern  zum
15.  Wahlbezirke  Segeberg  gelegten  Pertinenzien
  und  einschließist,  des  Gutes
Mönkenbrook

Aemter  Reinbeck  und  Rethwisch

Vom  Amte  Traventhal  das  Dorf  Schlamerstorf


Von  der  Herrschaft  Pinneberg  die  Dorf.
schaften  Poppenbüttel  und  Hummelsütt


e

Stadt  Oldesloe

Adl.  Güter  Ahrensburg,  Blumendorf,  Fresenburg,
  Grabau,  W  ohenholz,
  Hoisbüttel,  Jersbeck  und  Stegen,
Krumbeck,  Marienthal,  Nütschau  (ausschldes
  Nütschauer  Antheils  an  Kl.  Rönnau),
Schulenburg,  Tralau,  Wandsbeck,  Wulksfelde


Kanzleigüter  Tangstedt,  Silk,  Wellingsbüttel
Lübsche  Güter  Trenthorst  und  Wulmenau

Lübsche  Stadtstiftsdörfer  Barghorst,  Pölitz,

Westerau  und  Frauenholz

(Nr.  6820.)

Uebertrag

Wandsbeck

 

 

Seite

 

15

16
        <pb n="1671" />
        —  1494  —

 

des

Wahlbezirks.


Bestandtheile  des  Wahlbezirks.

Wahlort.

Anzahl
der  zu
wählen-Ab-




 

17.

—

 

 

die  Großzersogk

 

 

Amt  Plön,  2  der  nach-Bornhöved  einepfarrten



Städte  Plön  und

Klösterlich  Preetzer  **  ausschl.  Taasdorf
  und  Gadeland

Adelige  Güter  guttertan  Klethkamp  mit

Grünhaus,  Helmstorf,  Panker,  Clamp,
Heope  und  Schmoel,  Neuhaus,  Neudorf,
  Waterneverstorf,  Ranzau,  Schönweide,
  Lammershagen,  Rixdorf,  Nehmten,
Aschebecg,  Wittmold,  Lehmkuhlen,  Deenau,
  Schönböcken,  Bockhorn,  Perdöhl,
undhorst,  Kühren,  Wahlstorf,  Bredeneck,
Freudenholm,  Rethwisch,  Sophienhof,
astorff,  Wittenberg,  Salzau,  Schaedtbeck
  und  Hagen
Stadtstiftödorf  Kaköhl

 

JInsel  Fehmarn

Amt  Cismar
Slät=  Oldenbr  „Neustadt  und  Heiligenhafen
ch  Oldenburgischen  Fideikommißguter


Adel  e  Gür-  Augustenhof,  Brodau,  Bürau,
Claustorff,  Ehlersto  Farve,  Guurh
Godderstorf,  Goertz,  Großenbrode,  G
denstein,  Hasselburg  (ausschl.  des  Autzels
von  Kl.  Rönnau),  Johannisthal,  Kniphagen,
  Löhrstorf,  Mannhagen,  Meischen.
horf  /  Ovelgnne,  Petersdorf,  „utlos,
Rosenhof,  Satjewitz,  Schwelbel  Seeghalerdorft
  Sierhagen,  Siggen,  r-*tcku
  Wahrendorf,  *  intershagen


 

Uebertrag

Preetz

Oldenburg

 

 

Seite

16

 

18
        <pb n="1672" />
        —  1495  —

 

 

*  Amahl
er  zu
Wi  Bestandtheile  des  Wahlbezirks.  Wahlort.  äl
bezirks.  geordneten.

Uebertrag

Lübsche  Stadt-Stiftsdörfer:  Biliesdorf,
Merkendorf,  Marrdorf,  Kl.  Schlamin,
Bentfeld,  Dazendorf,  Heeringsdorf,

Kembs,  Klotzin,  Rollin,  Suhlstorf
Giddentore  "  "

Kirchort  Neukirchen

 

 

 

 

Summa]  18

Rekapitulation.

I.  Regierungsbezirk  Wiesbaden
II.  -  Kassel
III.  Hannoen  ..

IV.  SchleswigHolstein

 

(Nr.  6620—6821.)

Jusammen  80

(Nr.  6821.)
        <pb n="1673" />
        —  1496  —

(Nr.  6821.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  2.  August  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  an  den  Kreis  Büren  im  Regierungsbezirk  Minden  für
den  Bau  und  die  Unterhaltung  der  Kreis-Chausseen:  1)  von  Dalheim
nach  Lichtenau  und  2)  von  Büren  über  Böddeken,  Henglarn,  Atteln  und
Husen  bis  zur  Einmündung  in  die  Straße  ad  1.

N  3  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  von  Kreis-Chausseen
  im  Kreise  Büren,  Regierungsbezirks  Minden:  1)  von  Dalheim  nach
Lichtenau  und  2)  von  Büren  über  Böddeken,  Henglarn,  Atteln  und  Husen  bis
ur  Einmündung  in  die  Straße  ad  1.  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch
eem  Kreise  Büren  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  diesen  Chaufseen  erforderlichen
  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,
  nach  Naaßzbe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden
  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straßen.  Zugleich  will  Ich  dem  genannten
Kreise  gegen  Uebernahme  der  künftigen  geisenhn  Unterhaltung  der  Straßen
das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die
Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich  der  in
demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiunzen,  sowie  der  sonstigen
die  Schebung.  betreffenden  ussätlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf
den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch
sollen  die  dem  Chausseegeld.Tarife  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen
  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachten  Straßen  zur  Anwendung
  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenmtniß  zu  bringen.  «

Ems,  den  2.  August  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Redigirt  im  Buͤrean  des  Staats  ·  Ministeriums.
Berlin,  gebruckt  in  der  Koͤniglichen  Geheimen  Ober  ·  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker.
        <pb n="1674" />
        —  1497  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Jr  93.—

 

(Nr.  6822.)  Verordnung,  betreffend  die  Amts-  und  Kreisverfassung  in  der  Provinz  Hannover.
  Vom  12.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  den  Umfang  der
Provinz  Hannover,  was  folgt:

KG.  1.
Die  Eintheilung  der  Provinz  Hannover  in  Amtsbezirke  bleibt  bestehen.

K.  2.

An  der  Spitze  des  Amtsbezirks  steht  ein  von  Uns  ernannter  Amtshauptmann,
  welcher  die  Verwaltung  im  Amtsbezirke,  soweit  dieselbe  nicht
anderen  Behörden  überwiesen  ist,  nach  den  Bestimmungen  der  revidirten  Amtsordnung
  vom  10.  Mai  1859.  (Hannoversche  Gesetz  Samml.  S.  484.)  zu
führen  hat.

K.  3.

Dem  Amtshauptmann  können  durch  den  Minister  des  Innern  Hülfsbeamte
  beigeordnet  werden.
d.  4.

Die  durch  das  Gesetz  vom  28.  April  1859.  (Hannoversche  Gesetz  Samml.
S.  423.)  angeordneten  Amtsvertretungen  bleiben  bestehen.

S.  5.
Für  weitere  Verwaltungszwecke  werden  durch  Zusammenlegung  von  Amtsbezirken
  und  selbstständigen  Städten  Kreise  gebildet.
Es  sollen  in  der  Provinz  Hannover  die  in  der  Anlage  A.  verzeichneten
37  Kreise  bestehen.  Wir  behalten  Uns  vor,)  nach  Umständen  Aenderungen  in
der  Abgrenzung  dieser  Kreise  zu  treffen.  Vor  Anordnung  einer  solchen  Aende-Jahrgang
  1867.  (Nr.  6322.)  198  rung

Ausgegeben  zu  Berlin  den  19.  September  1867.

—

.  Aemter.

II.  Amtsvertretung.


I.  Kreise.
        <pb n="1675" />
        IV.  Kreisvertretung.


—  1498  —

rung  sollen  die  betreffenden  Kreistage  und  nach  Befinden  der  Provinziallandtag
gutachtlich  gehört  werden.

S.  6.

Bis  dahin,  daß  das  Bedürfniß  hervortritt,  an  die  Spitze  eines  Kreises
einen  besonderen  Beamten  zu  stellen,  dessen  Ernennung  in  solchem  Falle  Wir
Uns  vorbehalten,  hat  der  Minister  des  Innern)  mit  Unserer  Genehmigung,
einen  Amtshauptmann  des  Kreises  mit  der  Wahrnehmung  der  den  ganzen  Kreis
umfassenden  Geschäfte  zu  beauftragen.  Während  der  Dauer  des  Anstrahes  führt
dieser  Beamte  den  Titel  Kreishauptmann.

S.  7.

Ueberall,  wo  in  den  in  der  Provinz  Hannover  publizirten,  die  Militairund
  die  Steuerverfassung  betreffenden  Gesetzen,  Verordnungen  und  Instruktionen
der  Landrath  genannt  wird,  tritt  der  Kreishauptmann  an  dessen  Stelle.

Im  Uebrigen,  und  soweit  künftige  Gesetze  und  Verordnungen  nicht  ausdrücklich
  etwas  Anderes  bestimmen,  übt  im  Bereiche  der  Provinz  Hannover  der
Amtshauptmann  die  Funktionen  des  Landrathes  aus.

G.  S.
Tor  Kreis  bildet  einen  kreisständischen  Verband.
ieser  Verband  hat  die  Rechte  einer  Korporation,  deren  Organ  die
Kreisstände  sind.

S.  9.

Die  Kreisstände  versammeln  sich  auf  Kreistagen.  Ihre  Verfassung  wird
durch  die  gegenwärtige  Verordnung  bestimmt.

C.  10.

Es  kann  für  jeden  Kreis  durch  Beschluß  der  Kreisstände  und  nach  Anhörung
  des  Provinziallandtages  unter  Unserer  Genehmigung  ein  Kreisstatut
errichtet  werden.

Dasselbe  hat  den  Zweck,  diejenigen,  die  Kreisverfassung  betreffenden  Gegenstände
  näher  zu  ordnen,  in  Bezug  auf  deren  Regelung  in  dieser  Verordnung
ausdrücklich  auf  das  Kreisstatut  verwiesen  ist.

Außerdem  können  darin  Anordnungen  über  besondere,  in  den  eigenthüm.
lichen  Verhältnissen  des  Kreises  begründete  Einrichtungen  getroffen  werden.  Derartige
  Anordnungen  dürfen  jedoch  in  keinem  Falle  ausdrücklichen  Bestimmungen
der  Gesetze  zuwiderlaufen.

.
Die  Kreisstände  sind  berufen:

1)  die  Kreiskorporation  zu  vertreten  und  die  Kreis-K  genb
unter  Leitung  des  Kreishauptmanns  zu  verwalten;
        <pb n="1676" />
        —  1499  —

2)  die  Verwaltung  des  Kreishauptmanns  in  denjenigen  Fällen  zu  unterstützen,
  in  welchen  die  Gesetze  ihnen  eine  Theilnahme  oder  Mitwirkung
dabei  zuweisen;

3)  über  diejenigen  Gegenstände  zu  berathen,  oder  Beschluß  zu  fassen,  welche
ihnen  sonst  noch  zu  diesem  Behnfe  durch  Gesetze  oder  Verordnungen,
oder  durch  übereinstimmende  Beschlüsse  der  Amtsversammlungen  und
der  Vertretungen  der  selbstständigen  Stände  des  Kreises  ausdrücklich  überwiesen
  werden.  K

Innerhalb  der  im  §.  11.  bestimmten  Grenzen  steht  ihnen  —  unter  der
Mitwirkung  und  Aufsicht  der  Staatsbehörden  —  namentlich  zu:

1)  die  Verwaltung  der  dem  Kreise  zugehörigen  Fonds  mit  der  Befugniß,
Ausgaben  daraus  zu  beschließen;

2)  die  Verwaltung  der  dem  Kreise  zugehörigen  Anstalten;

3)  das  Recht,  zu  gemeinnützigen  Zwecken,  bei  welchen  ein  Interesse  des
Kreises  obwaltet,  oder  zur  Abwehr  eines  Nothstandes,  die  Kreiseingesessenen
mit  Beiträgen  zu  belasten;

4)  die  Wahl  und  Bestellung  der  für  die  Verwaltung  der  Kreis-Kommunalangelegenheiten
  etwa  erforderlichen  besonderen  Beamten.

5.  13.

In  Beziehung  auf  die  Mitwirkung  an  der  Kreisverwaltung  haben  sie
namentlich  Staatsprästationen,  welche  kreisweise  aufzubringen  sind,  und  deren
Aufbringung  durch  Gesetz  nicht  bereits  näher  bestimmt  ist,  zu  repartiren,  und
die  zun  Theilnahme  an  der  Verwaltung  gesetzlich  erforderlichen  Kommissionen
zu  wählen.

Insbesondere  find  sie  befugt,  die  Aufbringung  der  durch  die  Militairverfassung
  bedingten  Lasten  des  Kreises  durch  Geldbeiträge  oder  Anleihen  zu
beschließen,  und  die  Kreiseingesessenen  zu  diesem  Zwecke  mit  Abgaben  zu  belasten.

K.  14.

Die  Kreisversammlung  wird  gebildet:

1)  aus  den  in  den  Amtsversammlungen  des  Kreises  zu  Virilstimmen  berechtigten
  Grundbesitzern  (Gesetz  über  die  Amtsvertretung  vom  28.  April
1859.  l.Hannoversche  Gesetz-Samml.  I.  Abth.  S.  423.1);

2)  aus  Abgeordneten  der  Städte,
3)  aus  Abgeordneten  der  Landgemeinden.
.  15.

Befinden  sich  in  den  Feldmarken  der  im  Kreise  belegenen,  jedoch  in  den
(Nr.  6822.)  198“  5  Amts-
        <pb n="1677" />
        —  1500  —

Amtsversammlungen  nicht  vertretenen  Städte  größere  Güter,)  welche  nach  den
Grundsätzen  des  Gesetzes  über  die  Amtsvertretung  Virilstimmen  führen  wurden,
so  sind  die  Eigenthümer  in  gleichem  Maaße  auf  den  Kreistagen  stimmberechtigt.

Dasselbe  gilt  von  denjenigen  Gütern  und  Höfen  in  den  Bremenschen
Marschen,  welche  zu  mindestens  120  Rthlr.  jährlicher  Grundsteuer,  nach  Abzug
der  Wesserbeu-Rostewergllung,  beschrieben  ##t

K.  16.

Durch  das  Kreisstatut  kann  der  die  Stimmberechtigung  der  Güter  auf  den
Kreistagen  bedingende  Grundstenerbetrag  (S.  8.  des  Gesetzes  über  die  Amtsvertretung,
  §.  14.  Nr.  1.  und  F.  15.  dieser  Verordnung)  anderweit  festgesetzt
werden.

K.  17.

Das  Stimmrecht  der  Grundbesitzer  GG.  14.  Nr.  1.)  muß  in  Person  ausgeübt
  werden.

Doch  erfolgt  die  Vertretung  der  im  Kreise  belegenen  Domanialgüter  durch
einen  von  der  betreffenden  Behörde  aus  ihren  Beamten  oder  aus  der  Zahl  der
Pächter  größerer  Domanialgüter  zu  bestellenden  Bevollmächtigten.  Ein  Gleiches

ilt  von  den  Klostergütern.  Die  Befugniß  zur  Bevollmächtigung  stebt  in  der-Kelben
  Weise  den  Standesberren  für  ihre  Besitzungen  zu.

Ob  und  in  welcher  Weise  eine  Vertretung  des  Gutsbesitzers  durch  einen
volljährigen  Sohn,  welchem  die  Verwaltung  des  Gutes  überlassen  ist,  oder  der
Fauen  b  der  Minderjährigen,  der  Korporationen  und  Stiftungen,  welche  sich  im

1  stimmberechtigter  Güter  befinden,  zu  gestatten  sei,  bleibt  den  Bestimmungen
des  Kreisstatutes  vorbehalten.

Bei  gemeinschaftlichem  Besise  welcher  Brüdern  oder  mehreren  Mitgliedern

einer  Familie  zusteht,  ist  einer  der  Mitbesitzer  zur  Ausübung  des  Stimmrechts  befugt.

Bei  sonstigem  gemeinschaftlichen  Besitze  ruht  das  Stimmrecht.

K.  18.

Von  jedem  Grundbesitzer  (F.  14.  Nr.  1.)  kann  kraft  eigenen  Rechts  nur  Eine
Stimme  geflührt  werden.

K.  19.

Die  Stimmenzahl  im  Stande  der  Grundbesitzer  soll  in  der  Kreisversammlung
  den  dritten  Theil  der  Gesammtzahl  der  Mitglieder  des  Kreistages  nicht  übersteigen.
  Ist  die  Zahl  der  Gunmbestzer  .  14.  Nr.  I.)  größer,  so  sind  zwei  oder
mehrere  Güter  insoweit  zu  Gesammtstimmen  (Kollektivstimmen)  zu  verbinden,  als
dies  zur  Erreichung  des  vorbezeichneten  Stimmenverhältnisses  erforderlich  ist.

Diese  Verbindung  bleibt  zunächst  der  Vereinbarung  unter  den  Betheiligten
überlassen.  In  deren  Ermangelung  wird  die  entsprechende  Verminderung  der
Stimmenzahl  vorläufig  durch  das  Loos  bestimmt,  demnächst  aber  durch  das  Kreisstatut
  geregelt.  2

.  20.
        <pb n="1678" />
        —  1501  —

K..  20.

Zur  Stimmführung  im  Stande  der  Städte  (K.  14.  Nr.  2.)  in  der  Kreisversammlung
  sind  die  in  dem  anliegenden  Verzeichnisse  B.  aufgeführten  Städte
und  Flecken  mit  dem  dort  angegebenen  Stimmenverhältnisse  berufen.

Eine  Aufnahme  anderer  Gemeinden  in  den  Stand  der  Städte  und  die
Verleihung  des  Stimmrechts  in  diesem  Stande,  sowie  das  Ausscheiden  einer  Gemeinde
  aus  demselben,  kann  künftig  nach  Anhörung  der  Kreis=  und  Provinzialstände
  mit  Unserer  Genehmigung  erfolgen.

Die  Zahl  der  Stimmen)  welche  die  im  Stande  der  Städte  vertretenen
Gemeinden  zu  führen  haben,  kann  durch  Kreisstatut  anderweit  festgesetzt  werden.

C.  21.

Die  städtischen  Abgeordneten  sind  von  dem  Magistrate  und  sämmtlichen
Bürgervorstehern  (Gemeinde-Vorstand  und  Gemeinde-Ausschuß)  aus  der  Zahl  der
Mitglieder  dieser  Kollegien  zu  erwählen.  -

§.22.

Die  Abgeordneten  der  Landgemeinden  (§F.  14.  Nr.  3.)  werden  von  den
Vertretern  derselben  in  den  Amtsversammlungen  aus  ihrer  Mitte  gewählt.

Hierbei  wählen  jedoch  die  Vertreter  der  im  Stande  der  Städte  auf  dem
Kreistage  vertretenen  Gemeinden  (§.  20.)  nicht  mit.

Für  jeden  Amtsbezirk  sind  in  der  Regel  vier  Abgeordnete  zu  wählen.  Eine
Aenderung  der  Zhl  und  der  Vertheilung  der  Abgeordneten  dises  Standes  auf
die  einzelnen  Amtsbezirke  kann  durch  das  Kreisstatut  bestimmt  werden.

K.  23.

Die  Wahlen  der  Abgeordneten  für  die  Städte  und  für  die  Landgemeinden
eschehen  auf  sechs  Jahre.  Das  Mandat  erlischt  jedoch,  wenn  der  Gewählte
füber  aufhört,  Mitglied  der  städtischen  Kollegien,  beziehentlich  der  Amtsversammlung
  zu  sein.
§.  24.

Für  leben  Abgeordneten  im  Stande  der  Städte  und  der  Landgemeinden
ist  ein  Stellvertreter  zu  wählen,  welcher  die  zur  Wählbarkeit  eines  Abgeordneten
vorgeschriebenen  Eigenschaften  besitzen  muß.

§.  25.

Für  das  Verfahren  bei  allen  Wahlen  sind  die  Vorschriften  des  Reglements

vom  22.  Juni  1842.  (Gesetz  Samml.  von  1842.  S.  213.)  maaßgebend.
K.  26.

Für  den  Kreis  Otterndorf  wird  die  Kreisversammlung  durch  die  ständische
Vertretung  des  Landes  Hadeln  gebildet.
(TFr.  6822.)  §.  27.
        <pb n="1679" />
        —  1502  —

-

Der  Kreishauptmann  beruft  den  Kreistag,  führt  auf  demselben  den  Vorsitz,
leitet  die  Verhandlungen  und  hat  die  Ordnung  in  den  Berathungen  zu  erhalten.
Er  ist  befug,  mit  Zustimmung  des  Kreistages  ordnungsstörende  Mitglieder  nach
sunchteien  Erinnerung  für  die  Dauer  der  Sitzung  von  der  Versammlung  auszuschließen.


In  Beziehung  auf  den  Kreistag  des  Landes  Hadeln  (F.  26.)  nimmt  der
Kreishauptmann  die  Stellung  eines  Kommissarius  der  Staatsregierung  ein.

g.  26.

Die  Berufung  zum  Kreistage  geschieht  durch  ein  Einladungsschreiben,  welches
die  Verhandlungsgegenstände  angeben  muß.

Sollen  eßonüne  zur  Verhandlung  gestellt  werden,  welche  eine  neue  Belastung
  des  Kreises  mit  Ausgaben  oder  Leistungen  ohne  bereits  bestehende  Verpflichtung
  herbeiführen  (insbesondere  §.  12.  Nr.  3.))  so  muß  das  desfallsige
Einladungsschreiben  mindestens  vierzehn  Tage  vor  dem  Kreistage  den  Mitgliedern
zugestellt  werden.  Demselben  muß  eine  ausführliche  Darlegung,  welche  über  den
Zweck  des  vorgeschlagenen  Beschlusses,  die  Art  der  Ausführung,  den  Kostenbetrag
und  die  Aufbringungsweise  das  Nothige  enthält,  beigefügt  sein.

Das  Einladuͤngsschreiben  ist  der  Provinzialbehörde  in  Abschrift  einzusenden.
  ¾  ½

Die  Beschlüsse  des  Kreistages  werden  nach  einfacher  Stimmenmehrheit
gefaßt.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  die  Stimme  des  Vorsitzenden,  auch
wenn  er  sonst  nicht  stimmberechtigt  ist.

Zu  einem  Beschlusse,  durch  welchen  eine  neue  Belastung  des  Kreises  mit
Ausgaben  oder  Leistungen  ohne  bereits  bestehende  Verpflichtung  bewirkt  werden
soll  (insbesondere  H.  12.  Nr.  3.),  ist  jedoch  eine  Stimmenmehrheit  von  mindestens
  zwei  Dritteln  der  Abstimmenden  erforderlich.  In  solchem  Falle  muß
außerdem,  sobald  zwei  Drittel  der  anwesenden  Mitglieder  eines  Standes  es  verlangen,
  eine  Abstimmung  nach  Ständen  eintreten,  und  es  gilt  die  Bewilligung
als  abgelehnt,  wenn  zwei  Stände  sich  dagegen  erklären.  Die  Abstimmung  in
jedem  einzelnen  Stande  erfolgt  in  diesem  Falle  nach  einfacher  Stimmenmehrheit.

KC.  30.

Findet  ein  ganzer  Stand  sich  durch  einen  Kreistagsbeschluß  in  seinen  Interessen
  verletzt,  so  steht  ihm  frei)  mittelst  Einreichung  eines  Separatvotums  die
Provinzialbehörde  und  in  den  Fällen  des  F.  33.  Nr.  1.  die  Minister  des  Innern
und  der  Finanzen  anzurufen.

Diese  Anrufung  muß  noch  vor  dem  Schlusse  des  Kreistages  beim  Kreishauptmann
  angemeldet  und  das  Separatvotum  binnen  einer  von  diesem  zu  bestimmenden
  Frist  eingereicht  werden.  Bis  zur  ergangenen  Entscheidung  bleibt
die  Ausführung  des  Kreistagsbeschlusses  ausgesetzt.  ¾l5

3l.
        <pb n="1680" />
        —  1603  —

S.  31.
Der  Kreistag  ist  befugt,  zur  Vorbereitung  seiner  Beschlüsse,  sowie  für

bestimmte  Geschäfte,  Kommissionen  und  Bevollmächtigte  aus  seiner  Mitte  zu  bestellen,
  welche  unter  Leitung  des  Kreishauptmanns  stehen.

g.  32.

Die  Genehmigung  der  Staatsregierung  ist  erforderlich  zu  solchen  Beschlüssen
des  Kreistages,  durch  welche

1)  Ausgaben  und  Leistungen  für  den  Kreis  ohne  bestehende  Verpflichtung
neu  übernommen  werden;

2)  der  Beitragsfuß  für  Aufbringung  der  Kreislasten  aufgestellt  oder  der
bestehende  abgeändert  wird;

3)  Veräußerungen  vom  Grund-  oder  vom  Kapitalbestande  des  Kreisvermögens,
soweit  letzterer  nicht  etwa  nur  aus  ersparten  Einkünften  der  letzten  fünf
Jahre  herrührt,  vorgenommen  werden.

S.  33.
Zur  Ertheilung  der  Genehmigung  sind  zuständig:
1)  die  Minister  des  Innern  und  der  Finanzen  in  den  Fällen  des  §.  32.
Nr.  1.)  wenn  der  Kreis  zu  Ausgaben  verpflichtet  werden  soll,  welche
a)  über  die  nächsten  zwei  Jahre  hinaus  dauern,  oder
b)  Zwece  betreffen,  bei  denen  nur  ein  Theil  des  Kreises  interessirt  ist,
e)  nur  von  einem  Theile  des  Kreises  aufzubringen  sind;

2)  in  den  übrigen  Fällen  die  Provinzialbehörde.

g.  34.

Ueber  den  Kreishaushalt  haben  die  Kreisstände  alljährlich  einen  Etat  aufzustellen.
  Derselbe  ist  der  Provinzialbehörde  in  Abschrift  einzureichen.

Die  Abnahme  der  Rechnungen  steht  der  Kreisversammlung  selbstständig
u.  Die  Provinzialbehörde  kann,  wenn  ihr  durch  Beschwerden  oder  sonst  eine
esondere  Veranlassung  dazu  gegeben  erscheint,  das  Kassen=  und  Rechnungswesen
des  Kreises  einer  außerordentlichen  Revision  durch  Absendung  eines  Kommissarius
oder  durch  Einforderung  der  Rechnungen  unterwerfen.

g.  35.

Urkunden  über  Rechtsgeschäfte,  welche  den  Kreis  gegen  Dritte  verbinden
sollen,  müssen  von  dem  Kreishauptmann  und  drei  hierzu  von  der  Kreisversamm-(Nr.
  6822.)  lung
        <pb n="1681" />
        —  1604  —
lung  zu  wählenden  Mitgliedern  unterschrieben  und  mit  dem  Siegel  des  Kreishauptmanns
  versehen  sein.
g.  36.

Der  Kreishauptmann  führt  die  Beschlüsse  der  Kreisversammlung  aus,
sofern  nicht  eine  andere  Behörde  mit  der  Ausführung  beauftragt  oder  die  Sache
als  handische  Kommunal-Angelegenheit  besonderen  ständischen  Beamten  übertragen
  ist.

Beschlüsse,  welche  die  Befugnisse  der  Kreisstände  überschreiten  oder  das
Staatswohl  verletzen,  hat  der  Kreishauptmann  zu  beanstanden  und  Behufs  Entscheidung
  über  deren  Ausführung  der  Provinzialbehörde  einzureichen.

K.  37.

Ueber  die  Gewährung  von  Diäten  und  Reisekosten  an  die  Vertreter  der
Gemeinden  auf  dem  Kreistage.  zu  bestimmen,  bleibt  der  Kreisversammlung  mit
Genehmigung  der  Provinzialbehörde  überlassen.

S.  38.

Unser  Minister  des  Innern  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  12.  September  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

v.  Mühler.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

Ver-
        <pb n="1682" />
        —  1606  —

Verzeichniß

der  Kreise  in  der  Provinz  Hannover.

1)  Kreis  Diephola  belteht  aus  den  Aemtern  Diepholz,  Sulingen  und  Freuenberg.


g
2)  Kreis  Hoya,  aus  den  Aemtern  Syke,  Bruchhausen  und  Hoya.
3)  Kreis  Nienburg,  aus  den  Aemtern  Nienburg,  Stolzenau,  Uchte  und  der
Stadt  Nienburg.

4)  Landkreis  Hannover,  aus  den  Aemtern  Neustadt  a.  Rübenberge,  Linden,
zuanert  und  den  Städten  Neustadt  a.  Rübenberge  und
unstorf.

5)  Stadtkreis  Hannover,  aus  dem  Gemeindebezirke  der  Stadt  Hannmover.

6)  Kreis  Wennigsen,  aus  den  Aemtern  Wennigsen,  Calenberg,  Springe  und

den  Städten  Pattensen,  Eldagfen  und  Münder.

7)  Kreis  Hameln,  aus  den  Aemtern  Hameln,  Lauenstein,  Polle  und  den

Städten  Hameln  und  Bodenwerder.
8)  Kreis  Hildesheim,  aus  den  Aemtern  Hildesheim)  Peine  und  den  Städten
Hildesheim  und  Peine.

9)  Kreis  Marienburg,  aus  den  Aemtern  Marienburg,  Gronau  und  Alfeld.

10)  Kreis  Lieben  burg)  aus  den  Aemtern  Liebenburg,  Bockenem,  Wöltingerode

und  der  Stadt  Goslar.

11)  Kreis  Osterode,  aus  den  Aemtern  Herzberg,  Osterode,  Gieboldehausen  und

den  Städten  Osterode  und  Duderstadt.

12)  Kreis  Göttingen,  aus  dem  Amte  und  der  Stadt  Göttingen,  aus  dem

Amte  und  der  Stadt  Münden  und  aus  dem  Amte  Reinausen.



13)  Kreis  Eindeck  aus  den  Aemtern  Einbeck,  Northeim,  Uslar  und  den
Städten  Northeim,  Moringen  und  Einbeck.

14)  Kreis  Zellerfeld,  aus  den  Aemtern  Zellerfeld,  Elbingerode  und  Hohnstein.

15)  Kreis  Celle,  umfaßt  die  Aemter  Celle,  Burgdorf,  Burgwedel  und  die
Städte  Celle  und  Burgdorf.

16)  Kreis  Gifhorn,  die  Aemter  Gifhorn)  Fallersleben,  Isenhagen,  Meinersen
und  die  Stadt  Gifhorn.

17)  Kreis  Fallingvostel,  die  Aemter  Soltau,  Fallingbostel,  Ahlden  und

ergen.

18)  Kreis  Uelzen,  die  Lenter  Oldenstadt,  Medingen  und  die  Stadt  Uelzen.
1.  Kreis  Dannenberg,  die  Aemter  Dammenberf,  Lüchow,  Gartow,  Neuhaus
v.2  und  die  Sichte  Vannendag  und  Lächon.  ·
Jahrgang  1867.  (Nr.  6822.)  19  20)  Kreis
        <pb n="1683" />
        —  1506  —

3  Kreis  Lüneburg,  die  Aemter  Lüneburg,  Bleckede  und  die  Stadt  Lũneburg.

21)  Kreis  Harburg,  die  Aemter  Harburg)  Winsen,  Tostedt  und  die  Städte
Harburg  und  Winsen.

22)  Stader'r  Marschkreis,  besteht  aus  den  Aemtern  Jork  und  Freiburg.

23)  Staderr  Geestkreis,  aus  den  Aemtern  Himmelpforten,  Harsefeld  und  Breerrvörde,
  und  den  Städten  Stade,  Buxtehude  und  Bremervörde.


24)  Kreis  Neuhaus  a.  d.  Oste,  aus  den  Aemtern  Neuhaus  und  Osten.

25)  Kreis  Otterndorf,  aus  dem  Amte  und  der  Stadt  Otterndorf.

26)  Kreis  Lehe,  aus  den  Aemtern  Lehe,  Dorum  und  Hagen.

27)  Kreis  Osterholz,  aus  den  Aemtern  Osterholz,  Blumenthal,  Lilienthal.

28)  Kreis  Verden,  aus  den  Aemtern  Verden,  Achim  und  der  Stadt  Verden.

29)  Kreis  Roten  burg,  aus  den  Aemtern  Rotenburg  und  Zeven.

30)  Kreis  Aurich  besteht  aus  den  Aemtern  Aurich,  Wittmand,  Esens  und  den
Städten  Aurich  und  Esens.

31)  Kreis  Emden,  aus  den  Aemtern  Emden,  Berum  und  den  Städten  Emden
und  Norden.

32)  Kreis  Leer,  aus  den  Aemtern  Leer,  Weener,  Stickhausen  und  der  Stadt

eer.

33)  Kreis  Meppen,  aus  den  Aemtern  Meppen,  Haselünne,  Aschendorf,  Hümmling
  und  der  Stadt  Papenburg.

34)  Kreis  Lingen,  aus  den  Aemtern  Bentheim,  Neuenhaus,  Lingen,  Freren
und  der  Stadt  Lingen.

35)  Kreis  Bersenbrück,  aus  den  Aemtern  Bersenbrück,  Fürstenau,  Vörden  und
der  Stadt  Quakenbrück.

36)  Kreis  Osnabrück,  aus  en  Aemtern  Osnabrück,  Wittlage  und  der  Stadt

«  snabruck.
37)  Kreis  Melle,  aus  den  Aemtern  Grönenberg,  Iburg  und  der  Stadt  Melle.

Ver-
        <pb n="1684" />
        1507  —

Verzeichniß

der  im  Städtestande  auf  den  Kreistagen  in  der  Provinz  Hannover
vertretenen  Gemeinden.

I.  Namen  der  Gemeinden.

Kreis  Aurich:  die  Städte  Aurich  und  Esens.
Kreis  Emden:  die  Städte  Emden  und  Norden.
Kreis  Leer:  Stadt  Leer  und  Flecken  Weener.
Kreis  Meppen:  die  Städte  apenburg,  Meppen  und  Haselünne.
Kreis  Lingen:  die  Städte  Lingen,

Schüttorf.

Kreis  Berst  enbrüch  die  Zuidie  Quakenbrück  und  Fürstenau,  und  das  Weichbild

ramsche.

Kreis  Osnabrück:  Stadt  Osnabrück.

Kreis  Melle:  Stadt  Melle  und  Flecken  Iburg.

Kreis  Diepholz:  die  Flecken  Diepholz,  Barnstorf,  Lemförde,  Kornau,  Bahren
burg,  Sulingen,  Siedenburg,  Bassum,  Freudenberg,  Loge,
Nesbruchhauß  und  Harpstedt.

Kreis  Hoya:  die  Flecken  Ho#aoh  Bücken,  Syke,  Altbruchhausen  und  Vilsen.

Kreis  Nienburg:  die  Städte  Nienburg  und  Rehburg,  und  die  Flecken  Drakenburg,
  Liebenau,  Steierberg,  Stolzenau,  Diepenau  und  Uchte.

Landkreis  Hannover:  die  Städte  Neustadt  a.  Rübenberge  und  Wunstorf  und
der  Vorort  Linden.

Kreis  Wennigsen:  die  Städte  Pattensen,  Eldagsen,  Münder  und  Springe.

Kreis  Hameln:  die  Städte  Hameln  und  Bodenwerder.  ’

Kreis  Hildesheim:  die  Städte  Hildesheim,  Peine  und  Sarstedt.

Kreis  Marienburg:  die  Städte  Elze,  Gronau  und  Alfeld.

Kreis  Lieben  burg:  die  Städte  Goslar  und  Bockenem.

Kreis  Osterode:  die  Städte  Osterode  und  Duderstadt,  und  die  Flecken  Herzberg
  und  Lauterberg.

Kreis  Göttingen:  die  Städte  Göttingen,  Münden,  gbthemnden  und  Drausfeld.

Kreis  Einbeck:  die  Städe  Einbeck,  Northeim,  Mohringen,  Uslar,  Hardegsen

und  Dassel.
Kreis  Zellerfeld:  die  Städte  Clausthal,  Zellerfeld,  Altenau,  Andreasberg,
Grund,  Lautenthal,  Wildemann  und  Elbingerode.
Kreis  Celle:  die  Städte  Celle  und  Burgdorf.
(Tr.  6822.  9.  Kreis

entheim,  Neuenhaus,  Nordhorn  und
        <pb n="1685" />
        —  1506  —

Kreis  Gifhorn:  die  Stadt  Gifhorn  und  Flecken  Fallersleben.

Kreis  Fallingbostel:  die  Städte  Soltau  und  Walsrode.

Kreis  Uelzen:  die  Stadt  Uelzen  und  Flecken  Bevensen.

Kreis  Dannenberg:  die  Städte  Lüchow,  Dannenberg  und  Higaaker.

Kreis  Lüneburg:  Stadt  Lüneburg.

Kreis  Harburg:  die  Städte  Harburg  und  Winsen  a.  d.  L.

Geestkreis  Stade:  die  Städte  Stade)  Buxtehude  und  Bremervörde,  und  der
Flecken  Horneburg.

Kreis  Lehe:  Flecken  Lehe,  Hafenort  Geestemünde  und  Gemeinde  Gestendorf.

Kreis  Osterholz:  die  Flecken  Osterholz  und  Scharmbeck.

Kreis  Verden:  Stadt  Verden.

Kreis  Rotenburg:  die  Flecken  Rotenburg  und  Zeven.

II.  Stimmenvertheilung.

Von  diesen  Gemeinden  sollen:
die  Städte  Osnabrück,  Hildesheim  und  Lüneburg
eine  jede  vier  Abgeordneten,  «
die  Städte  Emden,  Göttingen  und  Harburg
eine  jede  drei  Abgeordneten,

die  Städte  Leer,  Norden,  Papenburg,  Nienburg,  Hameln,  Goslar,
Osterode,  Einbeck,  Northeim,  Clausthal,  Celle,  Stade  und  Verden
und  der  Vorort  Linden

je  zwei  Abgeordneten,
alle  übrigen  dagegen  je  einen  Abgeordneten  zum  Kreistage  absenden.
Die  Stadt  Hannover  bildet  einen  eigenen  Kreis.

(Tr.  6823.)
        <pb n="1686" />
        —  1509  —

(Nr.  6823.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  24.  Juni  1867.,  betreffend  die  Gleichstellung  der  in
den  neuen  Landestheilen  wohnenden  Mennoniten  in  Bezug  auf  die  Militairdienstpflicht
  mit  ihren  in  der  Rheinprovinz,  sowie  in  den  Provinzen
Brandenburg  und  Westphalen  wohnhaften  Glaubensgenossen.

Ar#  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  16.  d.  M.  genehmige  Ich,  daß
die  in  den  neuen  Landeskdeilen  wohnenden  Mennoniten  in  Bezug  auf  die  Militairdienstpflicht
  ihren  in  der  heinprovin  sowie  in  den  pie  randenburg  und
Westphalen  wohgasten  Glaubensgenossen  gleich  behandelt  werden  und  die  für
diese  bestehenden  Bestimmungen  auch  auf  sie  Anwendung  finden.

Berlin,  den  24.  Juni  1867.
Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.  .

An  das  Staatsministerium.

 

(Nr.  6824.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  5.  August  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
Vorrechte  an  den  Kreis  Namslau,  Regierungsbezirk  Breslau,  für  den
Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee  von  Schwirz  über  Städtel
bis  zur  Namslau-Oppelner  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Carlsruhe.

92  Ich  durch  Meinen  Etlaß  vom  heutigen  Tage  den  chausseemäßigen
Ausbau  der  im  Kreise  Namslau,  Regierungsbezirk  Breslau,  belegenen  Wegestrecke
  von  Schwirz  über  Städtel  bis  zur  Namslau-Oppelner  Kreisgrenze  in  der
Richtung  auf  Carlsruhe  genehmigt  fabe,  verleihe  hierdurch  dem  Kreise
Namslau  das  Expropriationsrecht  f  ie  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grund-Lace,
  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungsaterialien,

  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,
  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  dem  vorgedachten  Kreise
gegen  Uebernahme  der  künsigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das
Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die
Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld  =  Tarifs,  einschließlich  der  in
demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen

(Nr.  (823  —626.)  ie
        <pb n="1687" />
        —  1510  —

die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf
den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch
sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen
  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung
  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Ems,  den  5.  August  1867.

Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

(Nr.  6825.)  Statut  für  den  Deichverband  zweiter  Bislicher  Außenpolder.  Vom  24.  August
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #rc1

Nachdem  die  Grundbesitzer  der  in  der  Gemeinde  Bislich,  Kreis  Rees,  Regierungsbezirk
  Düsseldon,  zwischen  dem  Bislichschen  Banndeiche,  dem  sogenannten
Pasage  amm,  dem  Rheinstrom  und  der  Rondutt  belegenen  Niederung  zum  Schutze
gegen  das  Sommerwasser,  sowie  zur  Abführung  des  Winter-Inundationsgewässers
  zu  einem  Deichverbande  zusammengetreten  ban,  und  nachdem  die  gesetzlich
vorgeschriebene  Anhörung  der  Vetelllgten  erfolgt  ist,  genehmigen  Wir  hierdurch
auf  Grund  des  Gesetzes  über  das  Deichwesen  vom  28.  Januar  1848.  (Gesetz-Samml.
  vom  Jahre  1848.  S.  51)  und  des  Deichschau-Reglements  in  dem  Hervogthem
  Cleve  vom  24.  Februar  1767.  die  Bildung  eines  Deichverbandes  unter

er  Benennung:

„Zweiter  Bislicher  Außenpolder“,
und  ertheilen  demselben  nachstehendes  Statut.

K..  1.

Der  neue  Deichverband  lnsast  die  in  der  Unterbauerschaft  Marnyck,
Gemeinde  Bislich,  Flur  X  und  XlI.  belegenen,  auf  der  von  dem  Katasterbüreau
zu  Dü  zor  am  12.  August  1856.  gefertigten,  in  dem  Archive  der  Regierung
zu  Düsseldorf  niedergelegten  Karte  von  dem  Bislicher  Banndeiche,  dem  Passagez
  Farbe  eingetragenen  Linie  umschlossenen  und  auf  der

arte

damm  und  der  mit  rot
        <pb n="1688" />
        —  1511  —

Karte  nicht  als  wasserfrei  und  als  versumpft  bezeichneten  Grundstücke  zur  Gesammtgröße
  von  243  Morgen  143  □Ruthen,  wie  solche  in  dem  von  dem  Kreisbaumeister
  Vermeer  zu  Rees  unter  dem  9.  April  1857.  aufestellten  und  von  der
landräthlichen  Behörde  zu  Wesel  unter  dem  22.  Mai  1863.  nach  Verhandlung
mit  den  Betheiligten  ergänzten  Verzeichnisse  eingetragen  sind.

Dieser  Deichverband  bildet  eine  Korporation  und  hat  seinen  Gerichtsstand
bei  dem  Kreisgerichte  zu  Wesel.

K..  2.

Dem  Deichverbande  liegt  es  ob,  sowohl  den  bereits  vorhandenen,  an
Nr.  20.  des  jebien  Reeser  Pegels  liegenden  Sommerdamm  von  dem  unteren  Ende
des  Passagedammes  bis  nach  der  Ronduit  hin  zum  Schutze  egen  das  Sommerwasser,
  als  auch  die  in  diesem  Dammepan  seinem  unteren  ße  angelegte  Aus-Löschgeufe
  zum  Ablassen  der  Winter-Inundationsgewässer  in  gehörigem  Stande
zu  erhalten.
Auch  hat  der  Deichverband  diejenigen  Anlagen  zu  machen  und  zu  unterbalten
  welche  mit  Rücksicht  auf  die  Geh  enlage  der  Auslaßschleuse  geeignet  sind,
as  sich  sammelnde  Quellwasser  durch  dieselbe  baldthunlichst  abzuführen.

5.  3.

Die  Vorschriften  des  am  Eingange  bezogenen  Gesetzes  über  das  Deichwesen
vom  28.  Januar  1848.  und  des  Gecksche  Heichreglenents  vom  24.  Februar
1767.  kommen,  soweit  sie  nicht  durch  die  Bestimmungen  dieses  Statuts  selbst
abgeändert  oder  durch  die  Natur  des  nur  einen  Sommerpolder  bildenden  Deichverbandes
  ausgeschlossen  werden,  überall  zur  Amwendung.  Dies  gilt  insbesondere  von
den  den  Grundbesitzern  auferlegten  eschränkungen  ihres  Eigenthums  und  dem
den  Staatsbehörden  zugewiesenen  Recht  der  Beaufsichtigung.

Die  Bestimmungen  des  §.  60.  des  Reglements  vom  24.  Februar  1767.
sollen  aber  bei  allen  Vergrabungen,  also  auch  wenn  Erde  außerhalb  des  Deiches
s  gewöhnlichen  Reparaturen  abgegraben  wird,  zur  Anwendung  kommen,  so  daß

er  s.  61.  des  genannten  Reglements  außer  Kraft  gesetzt  wird.

§.  4.

Die  Vertheilung  aller  zu  der  im  F.  2.  erwähnten  Unterhaltung  des  Som.
merdammes,  der  Auslaßschleuse  und  der  bezeichneten  Anlagen  erforderlichen  Beiträge
  soll  nach  der  Flächengröße  der  Grundstücke  oder  dem  landüblichen  Sprachgebrauche
  gemäß  nach  der  Morgenzahl  geschehen.

g.  5.
Der  Deichstuhl  besteht  aus  einem  Deichgräfen,  zwei  Heimräthen  und  einem
Deichschreiber.

Die  Obliegenheiten  des  letzteren  können  seboch  von  dem  Deichgräfen  oder
einem  Heimrathe  mit  verrichtet  werden.  Die  Zahl  der  Deputirten  89.  des
Reglements  vom  24.  Februar  1767.)  wird  auf  zwei  festgesetzt.

(Fr.  6825.)  Alle
        <pb n="1689" />
        —  1512  —

Alle  diese  Personen  verwalten  ihr  Amt  als  Ehrenamt  unentgeltlich  und
sollen  nur  in  vorkommenden  Fällen  Entschädigung  für  wirkliche  Auslagen  und
Versäumnisse  erhalten.

K.  6.

Hinsichtlich  der  Betheiligung  der  Grundbesitzer  oder  Deichgenossen  an  den
Erbentagen  kommen  die  Bestimmungen  des  F.  92.  des  Clevischen  Deichreglements
vom  24.  Februar  1767.  mit  der  Maaßgabe  zur  Anwendung,  daß  das  Stimmrecht
auf  den  Erbentagen  an  den  Besitz  von  zwei  Holländischen  Morgen  geknüpft  wird.

Eine  Vertretung  auf  den  Erbentagen  durch  Bevollmächtigte  z  zulässig  und
saber  diese  letzteren  nur  durch  eine  Privatvollmacht,  welche  von  dem  Hrrref
enden  Gemeindevorsteher  in  Bezug  auf  die  Unterschrift  beglaubigt  ist,  über  den
ihnen  ertheilten  Auftrag  auszuweisen.

S.  7.
Abänderungen  des  vorstehenden  Deichstatuts  dürfen  nur  unter  landesherrlicher
  Genehmigung  erfolgen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhämdigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  24.  August  1867.
(#.  S)Wilhelm.

Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

 

Redigirt  im  Bäreau  des  Staats-Minlsteriums.
Berllu  rudt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Sofbuchdruckeret
get  2  v.  Decker).
        <pb n="1690" />
        —  1613  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

JNr.  94.  —

 

(Nr.  6826.)  Verordnung  wegen  anderweitiger  Einrichtung  des  Amtskautionswesens  in  den
neu  erworbenen  Landestheilen.  Vom  12.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uC
verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.

Die  in  den  älteren  Landestheilen  geltenden  Bestimmungen  über  das  Amtskautionswesen,
  insbesondere  die  Verordnung  vom  11.  Februar  1832.  wegen
Regulirung  des  Kautionswesens  für  Staatskassen-  und  Magazinbeamte  6½
Samml.  .  61)  und  die  bezüglichen  Vorschriften  des  Gesetzes  vom  21.  Mai
1860.  wegen  anderweitiger  Einrichtung  des  Amts-  und  Zeitungskautionswesens
Gesetz  Samml.  S.  211.),  mit  Ausschluß  des  letzten  Satzes  im  F.  1.  desselben,
nden  auch  in  den  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  (Gesetz-Samml.
S.  555.)  und  durch  die  beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz-Samml.
S.  875.  und  876.)  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Landestheile  Anwendung.

KC.  2.

Die  in  den  neuen  Landestheilen  vorhandenen  Amtskautionen,  welche  der
gegenwärtigen  Verordnung  nicht  entsprechen,  sind  —  soweit  erforderlich,  nach
vorgängiger  Bestellung  anderer  Kautionen  —  zurück  zu  gewähren.

K.  3.

Den  bei  Vereinigung  der  neuen  Landestheile  mit  Unserer  Monarchie  übernommenen
  Beamten  können  von  den  zuständigen  Verwaltun  grehes  im  Einverständnisse
  mit  dem  Finanzminister  zur  Bestellung  der  in  Gemäßheit  der  gegenwärtigen
  Verordnung  zunächst  zu  leistenden  Kautionen  Fristen  bewilligt  werden.

Jahrheng  1867.  (Vr.  6826)  200  KC.  4.
Ausgegeben  zu  Berlin  den  20.  September  1867.
        <pb n="1691" />
        —  1514  —

.  4.
Auf  die  Beamten  der  Justizwerwaltung  im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs
  Hannover,  einschließlich  der  dortigen  Notare,  findet  die  gegenwärtige  Verordnung
  keine  Anwendung.

G.  5.
Die  Ausführung  dieser  Verordnung  wird  dem  Finanzminister  übertragen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  12.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplictz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Tr.  6827.)
        <pb n="1692" />
        —  1615  —

(Nr.  6827.)  Verordnung,  betreffend  die  Zulässigkeit  des  Rechtsweges  und  die  Anwendung
der  Gesetze  vom  8.  April  1847.  über  das  Verfahren  bei  Kompetenzkonflikten
  zwischen  den  Gerichten  und  Verwaltungsbehörden  und  vom
13.  Februar  1854.  über  die  Konflikte  bei  gerichtlichen  Verfolgungen  wegen
Amts-  und  Diensthandlungen  in  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September
  und  24.  Dezember  1866.  der  Monarchie  einverleibten  Landestheilen.
Vom  16.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rcP

verordnen  für  die  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.
(Geseh  Samml  S.  555.  875.  876.)  Unserer  Monarchie  einverleibten  Landestheile,
  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

I.  Allgemeine  Bestimmungen.

Artikel  I.

Ueber  Angelegenheiten,  welche  nach  den  im  Geltungsgebiete  des  Preußischen
Landrechts  bestehenden  allgemeinen  Bestimmungen  der  Erledigung  im  Verwal.
tungswege  mit  Ausschluß  des  Rechtsweges  unterliegen,  findet  auch  in  den  durch
die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  555.
*  *8  Unserer  Monarchie  einverleibten  Landestheilen  ein  Prozeßverfahren
nicht  statt.

Soweit  diesen  Bestimmungen  zufolge  der  Rechtsweg  nur  unter  gewissen
Maaßgaben  oder  Voraussetzungen  zulässig  ist,  oder  hinsichtlich  des  Prozeßverfahrens
bei  Beschreitung  des  Rechtsweges  oder  des  Verfahrens  in  Steuerdefraudationssachen,
  wenn  di  Einrede  der  Nichtverpflichtung  zur  Entrichumg  der  Steuer
entgegengestellt  wird,  besondere  Vorschriften  bestehen,  finden  in  den  gedachten
Landdsstheilen  die  nämlichen  Maaßgaben,  Voraussetzungen  oder  Vorschfe
wendung.

en  An-Artikel

  II.

Beschränkungen  des  Rechtsweges  in  den  vorgedachten  Landestheilen,  welche
mit  den  im  Geltungsgebiete  des  Preußischen  Landrechts  bestehenden  allgemeinen
Bestimmungen  nicht  im  Einklange  stehen,  sind  aufgehoben.

Ueber  die  Verbindlichkeit  zur  Zahlung  beziehungsweise  Fortentrichtung  derjenigen
  in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig  bestehenden  Gefälle,  welche
aus  der  Zeit  vor  der  Vereinigung  mit  Unserer  Monarchie  herrühren,  findet  der
Rechtsweg  indeß  nur  mit  der  aus  der  bisherigen  Gesetzgebung  sich  ergebenden
Beschränkung  statt.

Artikel  III.

Das  Verfahren  bei  Kompetenzkonflikten  zwischen  den  Gerichten  und  Ver-(Nr.
  6827.)  200“  wal-
        <pb n="1693" />
        —  1516  —

waltungsbehörden  richtet  sich  nach  dem  Gesetz  vom  8.  April  1847.  (Gesetz-Samml.
  S.  170.).  6
Die  Entscheidung  erfolgt  durch  den  in  Gemäßheit  dieses  Gesetzes  bestehenden
Gerichtshof.
Artikel  IV.

Die  Befugnisse,  welche  den  vorgesetzten  Civil-  und  Militairbehörden  bei
gerichtlichen  Verfolgungen  ihrer  Untergebenen  wegen  Amts=  und  Diensthandlungen
nach  dem  Gesetze  vom  13.  Februar  1854.  (Gesetz-Samml.  S.  86.)  zustehen,
finden  auch  in  den  Eingangs  bezeichneten  Landestheilen  Anwendung.  Ueber  die
Konflikte  entscheidet  nach  näherer  Maaßgabe  des  gedachten  Gestges  der  im
Artikel  III.  bezeichnete  Gerichtshof,  beziehungsweise  das  Militair-Justigdepartement.

II.  Besondere  Bestimmungen.

Artikel  V.

Bei  Anwendung  des  Gesetzes,  betreffend  die  Erweiterung  des  Rechtsweges,
vom  24.  Mai  1861.  (Gesetz-Samml.  S.  241.)  sind  folgende  besondere  Bestimmungen
  maaßgebend:

1)  Die  im  H.  3.  für  den  Bezirk  des  Appellationsgerichtshofes  zu  Cöln
getroffene  Bestimmung  gilt  auch  im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs
Hannover.

2)  Die  W.  11.  bis  14.  finden  auch  auf  die  durch  die  Verordnung  vom
5.  Juli  1867.  (Gesetz-Samml.  S.  1120.)  eingeführte  Erbschaftsabgabe
Anwendung.

3)  Hinsichtlich  der  Stempel,  welche  zu  Gerichtskassen  eingezogen  worden
(§.  12.),  ist  die  Klage  gegen  die  zur  Verwaltung  der  indirekten  Steuern
bestimmte  Provinzechbehölde  zu  richten.

4)  An  die  Stelle  der  I#§.  4.  und  13.  treten  in  den  nachbezeichneten  Landestheilen
  folgende  Anordnungen:

a)  im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs  Hannover:

Das  Rechtsmittel  der  Berufung  steht  beiden  Theilen  auch
dann  zu)  wenn  der  nach  Geldeswerth  zu  schätzende  Streitgegenstand
die  Summe  von  10  Thalern  nicht  ubersteigt.  ,

Von  jedem  Berufungsurtheil  findet  eine  weitere  Berufung
an  das  Ober-Appellationsgericht  zu  Berlin  nach  Maaßgabe  der
S.  392.  und  394.  bis  429.  der  bürgerlichen  Prozeßordnung  vom
8.  November  1850.  statt;

b)  im  Gebiete  der  vormals  freien  Stadt  Frankfurt:

Der  Rechtsstreit  Achert  in  allen  Fällen  zur  Kompetenz  des
Stadtgerichts.  Beiden  Theilen  steht,  unbeschadet  des  Rechtmitels
er
        <pb n="1694" />
        —  1517  —

der  Nichtigkeitsbeschwerde,  Artikel  I.  IS##  4.  und  5.  der  Verordnung
vom  12.  Vezenter  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  795.),  die  Appellation
an  das  Appellationsgericht  und  von  diesem  an  das  Obertribunal
ohne  Rücksicht  auf  die  Summe  zu.

Artikel  VI.

Die  im  §F.  81  des  Gesetzes  vom  8.  April  1847.  für  den  Bezirk  des  Appellationsgerichtshofes
  zu  Cöln  bestimmten  Abweichungen  des  Verfahrens  finden
auch  im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  in  der  Art  Anwendung,
daß  an  Stelle  des  Friedensgerichts  das  Amtsgericht,  des  Landgerichts  das  Ober-Lercht,
  des  Oberprokurators  der  Kronanwalt,  des  Generalprokurators  der  Kronberanwalt

  tritt.

III.  Schluß=  und  Uebergangs-Bestimmungen.

Artikel  VII.

Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Bestimmungen  sind  aufgehoben.

Hinsichtlich  der  Zulässigkeit  des  Rechtsweges  bei  Erxpropriationen,  sowie
bei  Gemeinheitstheilungen,  Ablösungen  und  Zusammenlegungen  wird  jedoch  durch
die  gegenwärtige  Verordnung  an  den  bestehenden  Vorschriften  nichts  geändert.

Ebenso  bleibt  hinsichtlich  derjenigen  Ansprüche  von  Staatsbeamten  aus
ihrem  Dienstverhältnisse,  welche  aus  der  Zeit  vor  der  Publikation  dieser  Verordnung
  geltend  gemacht  werden,  für  die  Zulässigkeit  des  Rechtsweges  die  bisherige
  Gesetzgebung  der  einzelnen  Landestheile  auch  ferner  in  Kraft.

Artikel  VIII.

Die  gegenwärtige  Verordnung  erlangt  mit  dem  Tage  ihrer  Verkündigung
Gesetzeskraft.

Ansprüche,  über  welche  vor  diesem  Zeitpunkte  im  Verwaltungswege  endzältig
  enschieden  worden  ist,  können,  sofern  gegen  diese  Entscheidung  nach  den
isherigen  Landesgesetzen  der  Rechtsweg  nicht  zulässig  war,  auch  ferner  nicht  bei
den  Gerichten  verseigk  werden.

Artikel  IX.

Zur  Entscheidung  der  nach  den  bisherigen  Landesgesetzen  bereits  erhobenen
Wnn]fZ##s  ist  der  im  Artikel  III.  bezeichnete  Gerichtshof  gleichfalls  zuändig.



Soweit  das  bisherige  Verfahren  den  Vorschriften  der  IH#.  5.  bis  13.  des
Gesetzes  vom  8.  April  1847.  nicht  entspricht,  ist  den  letzteren  gemäß  dasselbe  zu
ergänzen.

—n.——  Ur-
        <pb n="1695" />
        —  1518  —
Lurbundich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  16.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6828.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Gesetzes  wegen  Ausstellung  von
Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung  an  jeden  Inhaber  enthalten,
vom  17.  Juni  1833.  in  die  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und
24.  Dezember  1866.  der  Preußischen  Monarchie  einverleibten  Landestheile.
  Vom  17.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  x.

vero#rdnen,  auf  den  Antrag  des  Staatsministeriums,  was  folgt:

Artikel  I.

Das  Gesetz  wegen  Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Zahlungs-Vrsüch
  an  jeden  Inhaber  enthalten,  vom  17.  Juni  1833.  (Gesetz-  Semal.
S.  75.)  tritt  in  den  brch  die  Gesce  vom  20.  September  und  24.  Dezember
1866.  (Gesez.  Samml.  S.  555.  und  875.)  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten
  Landestheilen,  jedoch  mit  folgenden  Abänderungen  in  Wirksamkeit.

6.  1.
An  die  Stelle  des  zweiten  Satzes  im  §.  1.  des  Gesetzes  tritt  nachstehende
  Vorschrift:

Ausgenommen  von  dieser  Bestimmung  bleiben  seoch  diejenigen
Zahlungsanweisungen,  welche  im  Gebees,  der  vormals  freien  Stadt
Frankfurt  mit  einer  höchstens  vierwöchentlichen  Geltungsfrist  auf
jeden  Inhaber  ausgestellt  werden.

G.  2.
Der  §.  6.  des  Gesetzes  fällt  weg.
        <pb n="1696" />
        —  1619  —

Artikel  IM.

Auf  diejenigen  Papiere,  welche  vor  der  Publikation  dieser  Verordn#ung
ausgegeben  worden  sind,  finden  die  S§.  1.  2.  3.  und  5.  des  Gesetzes  keine  Anwendung.
  Ingleichen  werden  diejenigen  Rechte  zur  Ausstellung  von  Papieren
der  im  F.  1.  des  Gesches  bezeichneten  Art,  welche  bereits  vor  der  Publikation
dieser  Verordnung  staatlich  verliehen  waren,  durch  die  letztere  nicht  berührt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  17.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6829.)  Bekanntmachung  der  Ministerial  Erklärung  vom  6.  September  1867.,  betreffend
  die  Uebereinkunft  mit  Hamburg  wegen  Besteuerung  gewisser,  auf
Banko-Valuta  lautender  Wechsel.  Vom  17.  September  1867.

N  die  Königlich  Preußische  Regierung  und  der  Senat  der  freien  und
ansestadt  Hamburg  sich  verständigt  haben,  über  die  Besteuerung  gewisser,  auf
anko-Valuta  lautender  Wechfel  und  Assignationen  gleichmäßige  Bestimmungen

zu  treffen,  find  zwischen  ihnen  die  nachstehenden  Bestimmungen  verabredet  worden:

Artikel  1.

Die  von  einem  Orte  außerhalb  des  Gebietes  der  Preußischen  Monarchie
und  der  freien  und  Hansestadt  Hamburg  in  Banko-Valuta  auf  Altona  gezogenen
Wechsel  und  Mi  ationen,  welche  in  Hamburg  domizilirt  oder  —  ahlbar
und  nach  den  rehenden  Gesetzen  vom  1.  September  d.  J.  ab  frnee  dem
Preußischen  als  dem  Hamburgischen  Wechselstempel  unterworfen  sind,  sollen  nur
einer  von  beiden  Stempelabgaben  und  zwar  derjenigen  unterliegen,  hinsichtlich
deren  der  Zeitpunkt,  in  welchem  die  Abgabe  nach  den  betreffenden  Gesetzen  entrichtet
  werden  muß,  zuerst  eintritt.

Wechsel  und  Assignationen  der  bezeichneten  Art,  von  welchen  nach  Maaßgabe
  der  vorstehenden  Bestimmung  die  Prezischr  oder  die  aumbhtrsche  Stempel.
abgabe  rechtzeitig  entrichtet  ist,  werden  in  allen  Beziehungen  so  angesehen,  als  ob

(Fr.  6828—6829.  auch
        <pb n="1697" />
        —  16020  —
5  die  gesetzliche  Verpflichtung  zur  Entrichtung  der  zweiten  Stempelabgabe  erüllt
  wäre.

Artikel  2.

Die  statt  der  Baarzahlungen  dienenden  Platzanweisungen,  welche  von  der
einen  Nachbarstadt  auf  die  andere  ausgestellt  werden,  sollen,  insofern  sie  ohne
Accept  bleiben  und  auf  Sicht  zahlbar  sind,  weder  dem  Preußischen  noch  dem
Hamburgischen  Wechselstempel  unterliegen.

Zur  Urkund  dessen  ist  Sigemwär  Ministerlal-Erklärung  ausgefertigt
n

worden,  um  gegen  eine  übereinstimmende  Erklärung  der  freien  und  Hansesta

Hamburg  ausgewechselt  zu  werden.
Berlin,  den  6.  September  1867.

Der  Königlich  Preußische  Präsident  des  Staatsministeriums)
Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.

V.  sstehende  Ministerial-Erklärung  wird,  nachdem  sie  gegen  eine  entsprechende
Erklärung  des  Senates  der  freien  und  Hansestadt  Hamburg  vom  9.  September
  d.  J.  ausgewechselt  worden  ist,  hierdurch  zur  öffentlichen  Kemmtniß  gebracht.

Berlin,  den  17.  September  1867.

Der  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Stagts-Ministrriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober=  Sofbuchdruckerei
*  W0.lhr
        <pb n="1698" />
        —  1621  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  95.  —

 

(Nr.  6830.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  29.  Juli  1867,  betreffend  die  Ausführung  der  Eisenbahnverbindung
  zwischen  den  rechts-  und  linksrheinischen  Eisenbahnen  bei
Düsseldorf  und  Neuß,  nebst  fester  Rheinbrücke  bei  Hamm,  durch  die
Bergisch-Märkische  Eisenbahngesellschaft.

A##  Ihren  Bericht  vom  21.  d.  M.  will  Ich  der  Bergisch-Märkischen  Eisenbahngesellschaft
  die  Ausführung  der  Eisenbahnverbindung  zwischen  den  rechtsund
  linksrheinischen  Eisenbahnen  bei  Düsseldorf  und  Neuß,  nebst  fester  Rheinbrücke
  bei  Hamm,  unter  den  in  Ihrem  Berichte  bezeichneten,  im  Interesse  der
Landesvertheidigung  erforderlichen  und  seiner  Zeit  in  dem  zu  Meiner  Bestätigung
einzureichenden  Statut-Nachtrage  der  gedachten  Gesellschaft  aufzunehmenden  Bedingungen
  hiermit  gestatten.  Agleich  genehmige  Ich,  daß  die  in  dem  Gesetze
über  die  Eisenbahn-Unternehmungen  vom  3.  November  1838.  enthaltenen  Vorschriften
  über  die  Expropriation  auf  dieses  Unternehmen  Anwendung  finden.
Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zu  veröffentlichen.

Ems,  den  29.  Juli  1867.
Wilhelm.
v.  Roon.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Kriegsminister  und  den  Minfseer  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6830—6831.)  201  (Nr.  6831.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  21.  September  1867.
        <pb n="1699" />
        —  1522  —

(Nr.  6831.)  Verordnung,  betreffend  die  Errichtung  einer  Generalkommission  für  das  Gebiet
  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  und  die  Auflösung  der  in
Hannover  bestehenden  Abtheilung  des  Ministeriums  des  Innern  für  Berufungen.
  Vom  16.  August  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r

verordnen  für  das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  auf  den  Antrag
Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

KC.  1.

Diejenigen  Geschäfte,  welche  nach  Inhalt  der  Verordnung  vom  10.  November
  1831.  über  die  beie  Ablösung  der  Grund-  und  gutsherrlichen  Lasten  und
Regulirung  der  bäuerlichen  Verhältnisse  zu  befolgenden  Grundsätze,  der  Ablöstngsordnung
  vom  23.  Juli  1833.)  des  Gesetzes  vom  13.  April  1836.  über
die  Ablösung  des  Lehnsverbandes  2c.,  des  Gesetzes  vom  17.  April  1852.  über
die  Ablösung  der  Bannrechte  und  ausschließlichen  Gewerberechte,  sowie  des  Gesetzes
  vom  30.  Juni  1842.  über  das  Verfahren  in  Gemeinheitstheilungs=  und
Verkoppelungssachen,  und  nach  Inhalt  der  Ergänzungen  dieser  Vorschriften  den
Landdrosteien  und  der  Berghauptmannschaft  zu  Clausthal  obliegen,  gehen  mit
dem  von  Unserem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  zu  bestimmenden
  Zeitpunkte  auf  eine  zu  errichtende  Generalkommission  über.

Derselben  werden  zugleich  die  Prüfungen  der  Befähigung  zu  Landes-Oekonomie-Kondukteuren
  4b#tren  6  sähigung

K.  2.

Die  den  Provinzial-Verwaltungsbehörden  koordinirte  Generalkommission  soll
aus  einem  Dirigenten  und  der  erforderlichen  Zahl  von  Mitgliedern  und  Hülfsarbeitern
  lestehen.  Jedes  Mitglied  hat  bei  den  Berathungen  gleich  dem  Dirigenten
eine  entscheidende  Stimme;  bei  Gleichheit  der  Stimmen  &amp;amp;  t  aber  diejenige  des
Dirigenten  den  Ausschlag.  Den  Hülfsarbeitern  steht  ein  Stimmrecht  nur  in  den
von  ihnen  bearbeiteten  Sachen  zu,  sofern  ihnen  nicht  vom  Minister  für  die  landwirthschaftlichen
  Angelegenheiten  ein  volles  Stimmrecht  beigelegt  worden  ist.

g.  3.

Gleichzeitig  mit  der  Ausführung  der  Bestimmung  des  8.  1.  wird  die
emäß  der  Bekanntmachung  des  Hannoverschen  Kabinetsministeriums  vom
8  Oktober  1833.  und  des  Gesetzes  vom  28.  Dezember  1850.  in  Hannover
bestehende  Abtheilung  des  Ministeriums  des  Innern  für  Berufungen  aufgelöst.

Diejenigen  Geschäfte  der  Abtheilung,  welche  auf  den  im  F.  1.  erwähnten
Gesetzen  beruhen,  sind  demnächst  durch  das  Revisionskollegium  für  Landeskultursachen
        <pb n="1700" />
        —  1523  —
sachen  zu  Berlin,  ihre  übrigen  Geschäfte  aber  durch  die  betheiligten  Minister
wahrzunehmen.
zerhundch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Infiegel.

Gegeben  Kassel,  den  16.  August  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6332.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  2.  September  1867.,  betreffend  die  Genehmigung  des
Tarifs,  nach  welchem  die  Abgabe  für  die  Benutzung  der  Oderschleusen  bei
Cosel,  Brieg,  Ohlau  und  Breslau  zu  erheben  ist.

D.  zum  Zweck  der  Erleichterung  des  Verkehrs  auf  der  oberen  Oder  von
Ihnen  aufgestellten,  mittelst  gemeinschaftlichen  Berichtes  vom  31.  v.  Mts.  Mir
vorgelegten  Tarif,  nach  welchem  die  Abgabe  für  Benutzung  der  Oderschleusen  bei
Cosel,  Brieg,  Ohlau  und  Breslau  zu  erheben  ist,  lasse  Ich  Ihnen  anbei  von
Mir  vollzogen  zur  weiteren  Veranlassung  mit  der  #aepimumg  zugehen,  daß  derselbe
  mit  dem  1.  Oktober  d.  J.  in  Kraft  treten  soll.  Bei  der  durch  Meinen
Erlaß  vom  21.  Oktober  1863.  (Gesetz  Samml.  S.  70  1.)  Ihe  ertheilten  ac
tigung,  die  Abgabe  von  den  Fahrzeugen,  welche  mit  Steinkohlen  oder  zu  gewerblichen
  Zwecken  bestimmtem  Salze  beladen  sind,  nach  Bedürfniß  zu  ermäßigen,
bewendet  es.  .

Dieser  Erlaß  ist  nebst  dem  Tarife  durch  die  Gesetz-Sammlung  zu  veröffentlichen.


Schloß  Babelsberg,  den  2.  September  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel
Gerdere  und  öffentliche  Arbeiten.  F

(Nr.  c881—6832)  201“  Ta-
        <pb n="1701" />
        —  1524  —

Tarif,

nach  welchem  die  Abgabe  für  die  Benutzung  der  Oderschleusen
bei  Cosel),  Brieg#  Ohlau  und  Breslau  zu  erheben  ist.

Vom  2.  September  1867.

C.  wird  entrichtet:

A.  von  einem  Schiffsgefäße,  so  oft  dasselbe  eine  der  genannten  Schleusen
  passirt,  für  je  24  Lasten  (100  Zentner  Landesgewicht)  der  Tragfähigkeit
  ein  Silbergroschen.  ·

Bei  Berechnung  der  Tragfähigkeit  werden  weniger  als  24  Last
für  volle  24  Last  gerechnet.

Ausnahmen.

1.  a)  Gefäße,  welche  lediglich  mit  Brennmaterialien  (als  Holz,  Torf,
Stein.,  Braun.,  Holzkohlen,  Koaks,  Schaalbretter  bis  zur  Länge
von  3  Fuß  rc.));  mit  rauher  Fourage,  Schilf,  Rohr,  Seegras,  Faschinen,
  Buhnenpfählen,  Korbmacherruthen,  Lohe,  Aergeln  Dachschieferplatten,
  Draimnröhren,  Bau-,  Granit.,  Pflaster-,  Mühlen.
Cement.,  Kalk-  oder  Gypssteinen  (mit  Einschluß  der  roh  zugerichteten
  Werkstücke))  mit  Erde,  Sand,  Thon,  Porzellanerde,  Traß,
Schwefelkies,  Schwerspath,  Roh-  und  Brucheisen,  Ziegel-  oder
Gypsmehl,  Mehl  aus  Chamottsteinen  oder  Kapselscherben,  gemahlenem
  Kalk  und  Cement,  mit  Glasbrocken,  Lehm,  Asche,  Eisenschlacken,
  oder  mit  Düngungsmitteln  (als  Mist,  Mergel,  Gyps,
Kalk,  Abgang  aus  Zuckersebeseien,  Knochm  für  Dungfabriken  u.  s.  w.),
mit  Salz,  rohem  Salpeter,  Soda,  Kali=  und  Abraumsalzen;  mit
leeren  Fässern,  Kisten,  Körben  oder  Säcken  beladen  sind,  zahlen  die
Hälfte  der  vorstehend  zu  A  bestimmten  Abgabe;

b)  die  gleiche  Ermäßigung  tritt  für  alle  stromaufwärts  fahrende  Ge-5
  ein,  deren  Ladung  die  Hälfte  ihrer  Tragfähigkeit  nicht  übereigt.
  «  «  «

2.  a)  Gefäße,  auf  denen  sich  außer  deren  Zubehör,  außer  den  Mundvorräthen
  für  die  Bemannung  und  außer  den  zur  Verladung  6%t
wisser
        <pb n="1702" />
        –  1525  —

wisser  Gegenstände  unentbehrlichen  Brettern  und  Ständern  an  sonstigen
  Sachen  nur  6  Zentner  oder  weniger  befinden,  entrichten,
sofern  sie  nicht  zum  Personentransport  benutzt  werden,  nur  ein
Sechstel  der  vorstehend  zu  A.  bestimmten  Abgabe;

bo  die  gleiche  Ermäßigung  tritt  für  Gefäße  ein,  welche  lediglich  zum
Wlschoem  dienen  en  I
Anmerkung  zu  1.  a  und  2.  a.  Besteht  die  Ladung
zum  Theil  aus  den  zu  1.  a.  genannten,  zum  Theil  aus  anderen
Gegenständen,  oder  wird  das  Gefäß  zum  Personentransport  benutzt,

  so  wird  die  Abgabe  zum  vollen  Betrage  erhoben.

3.  Gefäße  von  mehr  als  20  Lasten  (800  Zentner)  Tragfähigkeit  erlegen,
  wenn  sie  stromaufwärts  fahren,  in  allen  Fällen  nur  den  nach
der  Tragfähigkeit  von  20  Lasten  sich  ergebenden  Satz.

B.  Von  geflößtem  Holze,  so  oft  eine  der  in  der  Ueberschrift  genannten

Shlaußen  passirt  1  und  zwar:

I.  1)  von  Flößen,  welche  ganz  oder  bheilweise  aus  vierkantig  beschlagenen
Hölzern  (Quadratholz)  oder  Balken  be  chen,  für  jede  25  Quadratfuß
  der  Oberfläche  mit  Einschluß  des  Flottwerkes  und
Wasserraums,

2)  von  allen  anderen  Flößen  für  jede  30  Quadratfuß  der  Oberich=
  mit  Einschluß  des  Flottwerkes  und  Wasserraums  zwei
ennige.

Bei  Berechnung  der  Oberfläche  wird  eine  Fläche  von  überhaupt
  weniger  als  25  (zu  1.)  beziehungsweise  30  (zu  2.)  Quadrat.
fuß  vollen  25  oder  30  Quadratfuß  gleichgestellt,  ein  Ueberschuß
von  weniger  als  124  (iu  1.)  beziehungsweise  15  (zu  2.)  Quadratfuß
  außer  Berechnung  gelassen  und  ein  Ueberschuß  von  124  beziehungsweise
  15  Quadratfuß  oder  mehr  für  volle  25  oder  30
Quadratfuß  gerechnet.

.  Ist  das  geflößte  Holz  mit  Stab=  oder  Felgenholz  oder  mit  Gegenständen
der  unter  A.  Ausnahme  I.  a.  bezeichneten  Art  beladen,  so  wird  außer
der  zu  B.  I.  vorgeschriebenen  keine  weitere  Abgabe  erhoben.

Befinden  sich  auf  dem  geflößten  Holze  außer  dem  Zubehör  und  außer
dem  Mundvorrathe  für  die  Bemannung  an  anderen  Gegenständen  als
Stab=  oder  Felgenholz  oder,  als.  Sachen  der  unter  A.  Ausnahme  I.  a.
bezeichneten  Art  mehr  als  6  Zentner,  so  ist  neben  der  zu  B.  I.  vorgeschriebenen
  noch  eine  Abgabe  von  24  Sgr.  bei  jeder  Schleuse  zu
entrichten.

—

Id

—*

Anmerkung.  Bei  den  aus  mehreren  sogenannten  Pläen
bestehenden  Flößen  wird  jeder  beladene  Platz  in  Betreff  der
unter  B.  III.  vorgeschriebenen  Abgabe  als  ein  besonderes  Floß
angesehen.

(Nr.  6832.)  Be-
        <pb n="1703" />
        —  1526  —

Befreiungen.

Die  Abgabe  wird  nicht  erhoben:

1)  von  Schiffsgefäßen  oder  Flößen,  welche  Staatseigenthum  find,  oder  für
zchung  des  Staats  Gegenstände  befördern,  auf  Vorzeigung  von  Freipässen;


2)  von  Fischerkähnen,  Fischdröbeln,  Gondeln,  Anhängen,  Handkähnen  und
ähnlichen  kleinen  Fahrzeugen,  welche  ihrer  Bauart  nach  zur  Frachtbeförderung
  nicht  bestimmt  sind,  fosern  sie  keinen  besonderen  Schleusenaufzug
  erfordern  und  sofern  dies  bei  der  zuerst  berührten  Schleuse  für
die  ganze  Fahrt  angemeldet  wird.

Zusätzliche  Vorschriften.

1)  Die  Abgabe  ist  von  dem  Fäührer  des  Schiffsgefäßes  oder  Floßes  bei  der
bestimmten  Empfangsstelle  vor  der  Einfahrt  in  die  Schleuse  zu  erlegen,
lefemn  die  Entrichtung  der  Abgabe  nicht  bereits  im  Voraus  stattgefunen

  hat.

2)  An  welche  Empfangsstelle  die  Zahlung  zu  leisten,  wo  und  in  welcher
Art  die  Tragfähigkeit  des  Gefäßes,  der  Flächenraum  des  geflößten  Holzes,
die  Beschaffenheit  der  Ladung  anzumelden,  und  was  sonst  bezäglich  der
Entrichtung  der  Abgabe  zu  beobachten  ist,  wird  durch  den  Finanzminister
  bestimmt.

3)  Bei  den  Vorschriften  unter  Nr.  2.  der  zusätzlichen  Bestimmungen  zum
Tarif  für  die  Oderschleusen  zu  Cosel,  Brieg,  Ohlau  und  Breslau  (Gesetz-Samml.
  für  1844.  S.  57.)  bewendet  es.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  2.  September  1867.
(I.  S)Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

 

(Nr.  6833.)
        <pb n="1704" />
        —  1627  —

(Nr.  6833.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  11.  September  1867.,  betreffend  die  in  dem  vormaligen
Kurfürstenthum  Hessen  und  den  früher  Königlich  Bayerischen  Landestheilen,
  mit  Ausschluß  der  Enklave  Kaulsdorf,  bis  zum  1.  Januar  k.  J.
noch  abzuhaltenden  Schwurgerichte.

Ar#  Ihren  Bericht  vom  9.  September  d.  J.  bestimme  Ich  für  das  Gebiet
des  vormaligen  Kurfürstenthums  Hessen  und  der  früher  Königlich  Bayerischen
Landestheile,  mit  Ausschluß  der  Enklave  Kaulsdorf,  wegen  der  bis  zum  1.  Januar
  k.  J.  noch  abzuhaltenden  Schwurgerichte,  was  folgt:

1)  Die  Vorsitzenden  der  Schwurgerichtshöfe  hat,  an  Stelle  des  Präsidenten
des  Ober-Appellationsgerichts,  der  Erste  Präsident  des  Appellationsgerichts
  zu  Kassel  aus  der  Zahl  der  bei  dem  Appellationsgerichte  und
den  Kreisgerichten  des  Bezirks  angestellten  Richter  zu  ernennen.

2)  Die  Auswahl  der  Geschworenen  zu  den  noch  stattfindenden  Sitzungsperioden
  (Ausloosung  nach  F.  140.  des  Kurhessischen  Strafprozeßgesetzes
vom  28.  Oktober  1863.)  erfolgt  durch  den  Direktor  des  Kreisgerichts,
bei  welchem  das  Schwurgericht  abgehalten  wird,  unter  Zuziehung  zweier
Mitglieder  jenes  Gerichts.

3)  In  denjenigen  schwurgerichtlichen  Sachen,  in  welchen  vör  dem  1.  September
  d.  J.  bereits  ein  Anklage-Erkenntniß  ergangen  ist,  bedarf  es  einer
ferneren  vorgängigen  Ensscheidung  der  Raths=  und  Anklagekammer  nicht.
Der  von  dem  Staatsprokurator  angefertigte  Anklageakt  vertritt  in  diesen
Fällen  die  Stelle  der  nach  §J.  87.  der  —  ——  von  dem
Ober-Staatsanwalte  abzufassenden  Anklageschrift.

Sie,  der  Justizminister,  werden  mit  der  Ausführung  dieser  Meiner  Order
beauftragt.

Schloß  Babelsberg,  den  11.  September  1867.
Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.

An  den  Juftizminister.

 

(Nr.  6813—6334.)  (Nr.  6834.)
        <pb n="1705" />
        —  1626  —

(Nr.  6834.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  16.  September  1867.,  betreffend  die  Ueberweisung
des  vormals  Kurhessischen  Staatsschatzes  an  den  kommunalständischen
Verband  des  Regierungsbezirks  Kassel.

Me  Baug  auf  die  Verordnung  vom  5.  Juli  d.  J.)  betreffend  die  in  den
neu  erworbenen  Landestheilen  vorhandenen  um  Staatseigenthum  gehörigen
Aktivkapitalienfonds,  bestimme  Ich,  daß  die  eher  bei  dem  Kurhessischen  Staatsschatze
  verwalteten  Kapitalien  zur  Verwendung  für  folgende  Zwecke:
1)  Unterstützung  des  Chaussee-=  und  Landwegebaues,
2)  Unterhaltung  der  Land-Krankenanstalten  und  Landeshospitäler,  Anlegung
und  Unterhaltung  einer  Irrenheilanstalt,

3)  Anlegung  und  Unterhaltung  einer  Arbeitsanstalt  zur  Verbüßung  der  von
den  Pol#eibeherden  verfügten  Haft  von  Landstreichern,  Bettlern  und
Arbeitsscheuen,

4)  Bestreitung  der  Kosten  der  Landarmenpflege,  einschließlich  der  Anlegung
und  üntechaltung  eines  Landarmenhauses,

5)  Unterhaltung  und  Ergänzung  der  Landesbibliotheken,

sowie  für  ähnliche,  im  Wege  der  Gesetzgebung  festzustellende  Zwecke  dem  kommunalständischen

  Verbande  des  Regierungsbezirks  Kassel  als  ein  demselben  gehöriges
  und  von  ihm  zu  verwaltendes  Vermögen  überwiesen  werden  soll.

Berlin,  den  16.  September  1867.
Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="1706" />
        —  1529  —

Gesetz=  Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

NNr.  96.  —

 

(Nr.  6835.)  Verordnung  über  die  Polizeiverwaltung  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.
Vom  20.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc§

verordnen  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums  für  den  Bereich  der  durch
das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  (Gesetz=  Samml.  S.  555.)  und  durch  die
Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  875.  876.)  mit  Unserer
Monarchie  vereinigten  Gebiete,  mit  Ausnahme  des  vormaligen  Ober-Amtsbezirks
Meisenheim  und  der  Enklave  Kaulsdorf,  was  folgt:

S.  1.

Die  örtliche  Polizeiverwaltung  wird  von  den  nach  den  Vorschriften  der
Gesetze  hierzu  bestimmten  oder  berufenen  Behörden  oder  Beamten  im  Namen  des
Königs  geführt.

Die  Orts-Polizeibeamten  sind  verpflichtet,  die  ihnen  von  der  vorgesetzten
Statsbehörde  in  Polizei-Angelegenheiten  ertheilten  Anweisungen  zur  Ausführung
u  bringen.
Wer,  der  sich  in  ihrem  Verwaltungsbezirke  aufhält  oder  daselbst  ansäßig
ist,  muß  ihren  polizeilichen  Anordnungen  Folge  leisten.

.  2.

Soweit  nach  der  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  bestehenden  Gesetzgebung
  der  Staatsregierung  die  Befugniß  vorbehalten  ist,  die  örtliche  Polizeiverwaltung
  in  einer  Gemeinde  oder  in  einem  Bezirke  einer  besonderen  Staatsbehörde
  oder  einem  besonderen  Staatsbeamten  zu  übertragen,  ist  diese  Befugniß
von  dem  Minister  des  Innern  auszuüben.  In  Gemeinden,  in  welchen  die  örtliche
  Polizeiverwaltung  durch  eine  Staatsbehörde  oder  einen  besonderen  Staatsbeamten
  geführt  wird,  ist  der  Minister  des  Innern  befugt,  einzelne  Zweige  der
örtlichen  Poltzewerwaltung  den  Gemeinden  zur  eigenen  Verwaltung  unter  Aufsicht
  des  Staats  zu  überweisen.  Für  die  den  Gemeinden  zur  eigenen  Verwaltung

Johrgang  1867.  (Nr.  6835)  202  über-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  22.  September  1867.
        <pb n="1707" />
        —  1530  —

überwiesenen  Zweige  der  örtlichen  Polizeiverwaltung  stehen  die  in  dieser  Verordnung
  den  Orts-Polizeibehörden  eingeräumten  Dese  der  Gemeindebehörde
oder  dem  Gemeindebeamten  zu,  welchem  mit  Genehmigung  der  Bezirksregierung
die  betreffenden  Geschäfte  übertragen  worden  sind.

e
In  Betreff  der  Verpflichtung  zur  Tragung  der  Kosten  der  örtlichen  Polhei
verwaltung  bewendet  es  vorläufig  bei  den  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen
hierüber  bestehenden  Vorschriften.
Wenn  in  Gemäßheit  des  H.  2.  einzelne  Zweige  der  Polizeiverwaltung  den
Gemeinden  zur  eigenen  Verwaltung  überwiesen  worden  sind,  so  haben  die  Gemeinden
  die  Kosten  dieser  Verwaltung  selbst  zu  tragen.

g.  4.
Ueber  die  Einrichtungen,  welche  die  örtliche  Polizeiverwaltung  erfordert,
kann  die  Bezirksregierung  besondere  Vorschriften  erlassen.
Die  Ernennung  aller  Polizeibeamten,  deren  Anstellung  den  Gemeindebehörden
  zusteht,  bedarf  der  Bestätigung  der  Staatsregierung.

.  5.

Die  mit  der  örtlichen  Polizeiverwaltung  beauftragten  Behörden  sind  be.
fugt,  nach  Berathung  mit  dem  Gemeindevorstande  ortspolizeiliche,  für  den  Umfang
  der  Gemeinde  gültige  Vorschriften  zu  erlassen  und  gegen  die  Nichtbefolgung
derselben  Geldstrafen  bis  zum  Betrage  von  drei  Thalern  anzudrohen.  Steht  die
örtliche  Polizeiverwaltung  innerhalb  eines  Bezirks,  zu  welchem  mehrere  Gemeinden
  gehören,  einem  Beamten  (Amtshauptmann,  Amtmann  ce.)  oder  einer  Be-3
  zu,  so  ist  dieser  Beamte  oder  diese  Behörde  befugt,  ortspolizeiliche  Vorriften



a)  für  den  Umfang  einer  Gemeinde  nach  Anhörung  des  betreffenden  Gemeindevorstandes,


b)  für  mehrere  Gemeinden  oder  den  ganzen  Bezirk  aber  nach  Anhörung  der
Amtsvertretung  (Amtsversammlung  2c.)  und  in  deren  Ermangelung  nach
Anhörung  der  betreffenden  Gemeindevorstände

unter  der  vorstehend  gedachten  Strafandrohung  zu  erlassen.

Die  Strafandrohung  kann  bis  zu  dem  Betrage  von  zehn  Thalern  gehen,
wenn  die  Bezirkeregierung  ihre  Genehmigung  dazu  ertheilt  hat.

Die  Bezirksregierungen  haben  über  die  Art  der  Verkündigung  der  ortspolizeilichen
  Vorschriften,  sowie  über  die  Formen,  von  deren  Beobachtung  die
Güllgter  derselben  abhängt,  die  erforderlichen  Bestimmungen  zu  erlassen.

F.  6.
Zu  den  Gegenständen  der  ortspolizeilichen  Vorschriften  gehören:

a)  der  Schutz  der  Personen  und  des  Eigenthums;
b)  Ord-
        <pb n="1708" />
        —  1531  —

b)  Ordnung,  Sicherheit  und  bechtigket.  des  Verkehrs  auf  öffentlichen  Straßen,
Wegen  und  Plätzen,  Brücken,  Ufern  und  Gewässern;

e)  der  Marktverkehr  und  das  öffentliche  Feilhalten  von  Nahrungsmitteln;

d)  Ordnung  und  echer  bei  dem  öffentlichen  Zusammensein  einer  größeren
  Anzahl  von  Personen;

e)  das  gun  Interesse  in  Bezug  auf  die  Aufnahme  und  Beherbergung
von  Fremden;  die  Wein-,  Bier-  und  Kaffeewirthschasten  und  sonstige
Einrichtungen  zur  Verabreichung  von  Speisen  und  Getränken;

t)  Sorge  für  Leben  und  Gesundheit;

8)  Fürsorge  gegen  Feuersgefahr  und  sonstige  Unsicherheit  bei  Bauausführungen,
  sowie  gegen  gemeinschädliche  und  gemeingefährliche  Handlungen,
Unternehmungen  und  Ereignisse  überhaupt

h)  Schutz  der  Felder,  Wiesen,  Weiden,  Wälder,  Baumpflanzungen,  Weinberge
  u.  s.  w.;

i)  alles  Andere,  was  im  besonderen  Interesse  der  Gemeinden  und  ihrer
Angehörigen  polizeilich  geordnet  werden  muß.

S.  7.

Zu  Verordnungen  über  Gegenstände  der  landwirthschaftlichen  Polizei  ist
die  Zustimmung  der  Gemeindevertretung,  wo  aber  eine  Gemeindevertretung  zur
Zeit  nicht  besich,  die  der  Gemeindeversimmlung,  und  für  bieienigen  Fälle,  in
welchen  es  nach  H.  5.  der  Zuziehung  der  Amtsvertretung  bedarf,
mung  erforderlich.

 

eren  Zustim.

G.  8.
Von  jeder  ortspolizeilichen  Verordnung  ist  sofort  eine  Abschrift  an  die  zunächst
  vorgesetzte  Staatsbehörde  einzureichen.

K.  9.
Die  Bezirksregierung  ist  befugt,  *  ortspolizeiliche  Vorschrift  durch  einen
förmlichen  Beschluß  unter  Angabe  der  Gründe  außer  Kraft  zu  setzen.
K.  10.
Die  Bestimmung  findet  auch  auf  die  Abänderung  oder  Aufhebung  ortspolizeilicher
  Vorschriften  Anwendung.
K.  11.

Die  Bezirksregierungen  sind  befugt,  für  mehrere  Gemeinden  ihres  Verwaltungsbezirks
  oder  für  den  ganzen  Umfang  desselben  galt  e  Polizeivorschriften
zu  und  gegen  die  Nichtbefolgung  derselben  Gel  staen  bis  zu  dem  Be-(Nr.

  635.)  202“  trage
        <pb n="1709" />
        —  1532  —

trage  von  10  Thalern  anzudrohen.  Der  Minister  des  Innern  hat  über  die  Art
der  Verkündigung  solcher  Vorschriften,  sowie  über  die  Formen,  von  deren  Beobachtung
  die  Gültigkeit  derselben  abhängt,  die  erforderlichen  Bestimmungen  zu
erlassen.
.  12.

Die  Vorschriften  der  Bezirksregierungen  (§.  II.)  können  sich  auf  die  im
S.  6.  dieser  Verordnung  angeführien  und  alle  anderen  Gegenstände  beziehen,  deren
polizeiliche  Regelung  durch  die  Verhältnisse  der  Gemeinden  oder  des  Bezirks  erfordert
  wird.

K.  13.

Es  dürfen  in  die  polizeilichen  Vorschriften  (S.  5.  und  11.)  keine  Bestimmungen
  aufgenommen  werden,  welche  mit  den  Gesetzen  oder  den  Verordnungen
einer  höheren  Instanz  im  Widerspruche  stehen.

KG.  14.

Der  Minister  des  Innern  ist  befugt,  ene  Gesetze  nicht  entgegenstehen,

jede  polizeiliche  Vorschrift  durch  einen  förmlichen  Beschluß  außer  Kuft  zu  setzen.

Die  Genehmigung  des  Königs  ist  hierzu  erforderlich,  wenn  die  polizeiliche  Vorschrift
  von  dem  Landesherrn  oder  mit  dessen  Genehmigung  erlassen  war.

F.  15.

Die  Polizeirichter  haben,  wenn  sie  über  Zuwiderhandlungen  gegen  polizeiliche
  Vorschriften  (S9.  5.  und  11.)  erkennen,  nicht  die  Nothwendigkeit  oder  Zweckmäßigkeit,
  sondern  nur  die  gesetzliche  Gültigkeit  jener  Vorschriften  nach  den  Bestimmungen
  der  §F.  5.  11.  und  13.  dieser  Verordnung  in  Erwägung  zu  ziehen.

S.  16.

Für  den  Fall  des  Unvermögens  des  Angeschuldigten  ist  auf  verhältniß.
mäßige  Gefängnißstrafe  zu  erkennen.  Das  höchste  Maaß  derselben  ist  4  Tage
statt  3  Thaler  und  14  Tage  statt  10  Thaler.

KC.  17.

Die  bisher  erlassenen  polizeilichen  Vorschriften  bleiben  so  lange  in  Kraft,
bis  sie  in  Gemäßheit  dieser  Verordnung  aufgehoben  werden.

KC.  18.

Die  Polizeibehörden  sind  berechtigt,  ihre  polizeilichen  Verfügungen  durch
Anwendung  von  Jwangsmitteln  durchzusetzen.  Es  steht  ihnen  zu  diesem  Behufe
die  Befugniß  zu,  Fisinrh  bis  zu  Einhundert  Thalern  oder  vier  Wochen
Gefängniß  zu  erlassen  und  zu  vollstrecken.  Die  Regierungen  sind  jedoch  ermächtigt,
  die  ihr  untergeordneten  Polizeibehörden  in  der  Höhe  der  Stafandrohungen

au
        <pb n="1710" />
        —  1533  —

auf  ein  geringeres  Strafmaaß  zu  beschränken.  Wer  es  unterläßt,  dasjenige  zu
thun,  was  ihm  von  der  Polizeibehörde  in  der  Ausübung  dieser  Befugniß  geboten
worden  ist,  hat  zu  gewärtigen,  daß  es  auf  seine  Kosten  zur  Ausführung  gebracht
werde,  vorbehaltlich  der  etwa  verwirkten  Strafe  und  der  Verpflichtung  zum
Schadenersatze.
S.  19.

Die  in  dieser  Verordnung  den  Bezirksregierungen  eingeräumten  Befugnisse
werden  in  dem  vormaligen  Königreiche  Hannover,  bis  zur  Einführung  von  Bezirksregierungen,
  von  den  Landdrosteien  und  der  Berghauptmannschaft  ausgeübt.

C.  20.

Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Bestimmungen  sind  aufgehoben.
Dieselbe  tritt  mit  dem  Tage  in  ,  an  welchem  das  sie  enthaltende  Stück  der
Gesetz  Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Gegeben  Baden--Baden,  den  20.  September  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6885  —6836.)  (Nr.  6836.)
        <pb n="1711" />
        —  1534  —

(Nr.  6836.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  im  Westrheinischen  Theile  des
Regierungsbezirks  Coblenz  geltenden  Gesetze  in  dem  vormals  Hessen-Homburgischen
  Oberamte  Meisenheim.  Vom  20.  September  1867.

Wir  Wilhelm,)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.

Alle  seit  dem  5.  April  1815.  ergangenen  Gesetze  und  landesherrlichen  Verordnungen,
  welche  in  dem  Westrheimses  Theile  des  Regierungsbezirks  Coblenz
Gesetzeskraft  haben,  werden  hierdurch  mit  derselben  Wirkung  vom  1.  Oktober  d.  J.
ab  in  dem  Oberamte  Meisenheim  eingeführt,  insoweit  dies  nicht  schon  durch  andere
Verordnungen  geschehen  ist,  und  unbeschadet  der  in  diesen  letzteren  enthaltenen
besonderen  Bestimmungen.

KC.  2.

Dagegen  werden  vom  I.  Oktober  d.  J.  ab,  insoweit  dies  nicht  ebenfalls
bereits  geschehen,  alle  seit  dem  5.  April  1815.  von  der  Landgräflich  Hessen-Komurg
  chen  und  der  Großherzoglich  Hessischen  Regierung  für  das  Oberamt

eisenheim  erlassenen  Gesetze  und  Verordnungen  mit  den  in  den  I#.  3  —5.
genannten  Ausnahmen  aufgehoben.

K.  3.
Von  den  seit  dem  5.  April  1815.  im  Oberamt  Weeisenheim  luer  Hessischer
aft:

Landeshoheit  erlassenen  Gesetzen  und  Verordnungen  bleiben  in  .

1)  die  Verordnung  vom  9.  Juli  1838.  über  den  Aufbau  und  die  Wiedergrrleelung
  und  die  Unterhaltung  der  öffentlichen  Wege  im  Oberamte
eisenheim  (Landgräfliches  Amtsblatt  von  1838.  Nr.  28.);

2)  die  nach  dem  Staatsvertrage  vom  9./27.  Mai  1833.  mit  Gesetzeskraft
in  der  vormaligen  Landgrafschaft  Hessen  eingeführte  Kurhessische  Brandkassen.
  Ordnung  vom  27.  April  1767.)  sowie  die  nachherigen  gesetzlichen
Bestimmungen  in  Beziehung  auf  die  gedachte  General-  Bran  versscheruns
Anstalt  für  das  Gebiet  des  ehemaligen  Kurfürstenthums  Hessen  (Landgräfliches
  Regierungsblatt  von  1855.  Nr.  7.)

3)  das  Gesetz  vom  8.  Juli  1862.,  betreffend  die  Zusammenlegung  der  Grundstücke,
  Theilbarkeit  der  Parzellen  und  Feldwegeanlagen  (Landgräflich
Hessisches  Regierungsblatt  Nr.  9.).

Die  in  dem  Gesetze  vom  8.  Juli  1862.  der  vormaligen  Landesregierung
zu  Homburg  beigelegten  Befugnisse  werden  der  Regierung  zu  Coblenz,  un  wwer
er
        <pb n="1712" />
        —  1535  —

der  Abtheilung  des  Innern  übertragen.  Der  Rekurs  (Artikel  24.  a.  a.  O.)  gegen
ihre  Entscheidung  geht  an  das  Revisionskollegium  für  Landeskultursachen.

Die  Bestimmung  des  "6  18.  der  Gemeinheitstheilungs-Ordnung  für  die
Rheinprovinz  vom  19.  Mai  1851.  (Erseß.  Samml  S.  371.)  findet,  soweit  sie
der  Ausführung  des  Gesetzes  vom  8.  Juli  1862.  WW17v7y  im  Gebiete  des
Oberamts  Meiseheim  keine  Anwendung.

K.  4.

Bis  zur  Vereinigung  des  Oberamts  Meisenheim  mit  einem  altpreußischen
Kreise  und  bis  zur  Einführung  einer  gemeinsamen  Kreisverfassung  auf  Grund
der  Kreisordnung  für  die  Rheinprovinzen  und  Westphalen  vom  13.  Juli  1827.
(Gesetz=  Samml.  S.  117.)  und  der  dazu  ergangenen  ergänzenden  Bestimmungen
bleibt  der  bisherige  Bezirksrath  mit  der  Verwaltung  der  vorhandenen  Bezirks-Anstalten
  des  Oberamts  nach  Vorschrift  des  Gesetzes  über  die  Bezirksräthe  vom
9.  Oktober  1849.  und  des  Gesetzes,  betreffend  die  Verfassung  des  Landgrafthums,
beziehungsweise  die  Bezirksräthe  vom  20.  April  1852.,  betraut.

Sobald  dagegen  das  Oberamt  seine  gesetzliche  Vertretung  auf  dem  Kreistage
  erhalten  haben  wird,  gehen  die  Funktionen  des  Bezirksraths,  als  Vertreter
der  Bezirkskorporation,  u  diejenigen  Mitglieder  des  Kreistages  als  besonderen
Konvent  für  diesen  Zweck  über,  welche  dem  Oberamte  angehören.

Bei  den  Geschäften  und  Verhandlungen  dieser  ständischen  Vertreter  des
Oberamts  führt  der  Landrath  des  Kreises  mit  denselben  Besugnissen  den  Vorsitz,
welche  ihm  der  kreisständischen  Versammlung  gegenüber  beigelegt  sind.

Die  Verzinsung  der  durch  den  Ausbau  der  Bezirksstraßen  im  Oberamte
entstandenen  Schulden  des  letzteren,  und  die  planmäßige  Tilgung  dieser  Schulden
im  Wege  der  Amortisation  ist  allein  von  denjenigen  Gemeinden  zu  bewirken,
welche  Küter  die  Bezirkskorporation  des  Oberamts  Meisenheim  gebildet  haben.
Auch  fällt  die  Unterhaltung  der  Bezirksstraßen  selbst  den  gedachten  Gemeinden
ur  Last,  so  lange  nicht  die  Uebernahme  auch  dieser  Straßen  auf  den  Bezirksbtragenfonds
  nac  Anhörung  des  Provinziallandtages  von  Uns  genehmigt
worden  ist.

E.  5.

Die  Verwaltung  der  Ortsarmenpflege  in  dem  Gebiete  des  Oberamts
Meisenheim  verbleibt  den  Lokal-Armenkommissionen,  die  Verwaltung  der  Beire
Armenpflege  der  Bezirks-Armenkommission.  Die  Kommissionen  behalten  die  durch
die  Verordnung  vom  15.  Oktober  1832.  (Landgräflich  Hessisches  Amtsblatt  von
1832.  Nr.  48.)  ihnen  gegebene  Zusammensetzung  und  üben  die  durch  diese  Verordnung
  ihnen  beigelegten  Befugnisse  und  Obliegenheiten  insoweit  aus,  als  dieselben
mit  den  im  Bezirke  des  Oberamts  eingeführten  altländischen  Gesetzen  vereinbar  sind.

(Nr.  6836.  .  6.
        <pb n="1713" />
        —  1536  —

KS.  6.

Der  Erlaß  der  erforderlichen  Ausführungs-  Instruktionen  bleibt  den  betheiligten
  Ressortministern  überlassen.

g.  7.

Gegenwärtige  Verordnung  tritt  an  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das
dieselbe  enthaltende  Stück  der  Gesetz-Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  20.  September  1867.

(u.  S)  Wilhelm.

Gr  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

Rebigirt  im  Bürequ  des  Staats-Ministeriums.
Bolln,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1714" />
        —  1537  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  97.  —

 

(Nr.  6837.)  Verordnung,  betreffend  die  kommunalständische  Verfassung  im  Gebiete  des
Regierungsbezirks  Kassel.  Vom  20.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  das  Gebiet  des
Regierungsbezirks  Kassel,  was  folgt:

F.  1.
Der  Negierungebe  irk  Kassel  in  seiner  jetzigen  Begrenzung  bildet  einen
kommunalständischen  Verband.
Der  Verband  hat  die  Rechte  einer  Korporation.
Derselbe  wird  durch  Kommunalstände  vertreten,  welche  sich  auf  dem
Kommunallandtage  versammeln.

C.  2.
I.  Befugnisse  der  Kommnunalstände.

Dem  Kommunallandtage  steht  unter  der  Mitwirkung  und  Aufsicht  der
Staatsregierung  die  Beschlußnahme  über  die  K  langelegenheiten  des  Verbandes,
  die  Verwaltung  und  Vertretung  der  kommunalständischen  Institute  und
Vermögensrechte  zu.  ç  4

ist  befugt,  im  Interesse  des  Bezirks  Ausgaben  und  beisungen  zu  übernehmen
  und  die  und  Weise  der  zössn  derselben  zu  beschließen.

Der  Kommunallandtag  hat  außerdem  die  Rechte  und  Plichten  der  in  den
älteren  Landestheilen  des  Preußischen  Staats  bestehenden  Provinzialstände.

S.  3.
II.  Zusammensetzung  des  Kommunallandtages.

Die  Zusammensetzung  des  Kommnallandtages  bestimmen  Wir  wie  folgt
Johsgang  1867.  (Nr.  6837.)  03  6

Ausgegeben  zu  Berlin  den  23.  September  1867.
        <pb n="1715" />
        —  1538  —
Es  erscheinen:
1)  mit  Virilstimmrecht  und  aus  der  Ritterschaft:

a)  das  Haupt  der  Linie  der  Landgrafen  zu  Hessen-Philippsthal,

b)  das  Haupt  der  Linie  der  Landgrafen  zu  Hessen-hilippsthal=Barchfeld,


J)  das  Haupt  jeder  Fürstlichen  oder  Gräflichen  ehemals  reichsunmittelbaren
  Familie,  welche  eine  Standesherrschaft  im  kommunalständischen
Verbande  besitzt,

d)  der  Senior  oder  das  sonst  mit  dem  Erbmarschallamte  beliehene
Mitglied  der  Familie  der  Freiherren  von  Riedesel,
e)  ein  Vertreter  des  Domainenfiskus,
à  einert  der  ritterschaftlichen  Obervorsteher  der  Stifter  Kauffungen  und
etter,
8)  ein  von  der  Universitätsdeputation  aus  ihrer  Mitte  zu  wählendes
Mitglied  für  die  Universität  Marburg,
h)  sechs  Abgeordnete  der  Ritterschaft;
2)  im  Stande  der  Städte:
sechszehn  Abgeordnete;
3)  im  Stande  der  Landgemeinden:
sechszehn  Abgeordnete;
4)  im  Stande  der  höchstbesteuerten  Grundbesitzer  und  Gewerbtreibenden:

sechszehn  Abgeordnete.

KC.  4.

Die  Abgeordneten  der  Ritterschaft  werden  von  den  Mitgliedern  des  dem
kommunalständischen  Verbande  angehörigen,  ehemals  reichsunmittelbaren  Adels,
und  von  den,  im  kommunalständischen  Verbande  wohnenden  und  begüterten  (F.  5.)
Mitgliedern  der  Althessischen  Ritterschaft,  der  Ritterschaft  der  Grafschaft  Schaumburg
  und  der  im  §.  16.  des  Landtagsabschiedes  für  das  Kurfürstenthum  Hessen
vom  9.  März  1831.  genannten  adeligen  Familien  der  ehemaligen  Provinz  Hanau
aus  ihrer  Mitte  gewählt.

C.  5.

Als  begütert  im  Sinne  dieser  Verordnung  gelten  nur  Diejenigen,  welche
entweder  kraft  eigenen  Rechtes  oder  kraft  des  ihnen  am  Grundvermögen  ihrer
Ehefrauen  oder  ihrer  Kinder  zustehenden  Nießbrauches  Grundvermögen  besihen,
welches  zu  einem  Grundsteuer-Reinertrage  von  mindestens  500  Thalern  veranlagt
ist,  sei  es,  daß  sie  dasselbe  allein  besitzen,  oder  daß  sich  im  Falle  gemeinschas.
lichen  Besttzes  ein  solcher  Reinertrag  auf  ihren  Antheil  berechnet.  .6
        <pb n="1716" />
        —  1539  —

g.  6.
Bis  zur  Durchführung  der  nach  C.  3.  der  Verordnung  vom  28.  i
1867.  (Geset  Samml.  von  1867.  S.  538.)  vorz  „Reguli

 

bleibt  die  nach  K.  4.  des  Ministerial-  Ausschreibens  vom  10.  Juni  1863.  („Eeses
Samml.  für  Kurhessen  S.  68.)  aufgestellte  Wählermatrikel  der  Ritterschaft  in
Anwendung.

.  7.

Behufs  der  Wahl  der  Abgeordneten  der  Ritterschaft  hat  der  Oberpräsident
insbesondere  auch  wegen  etwaiger  Bildung  mehrerer  Wahlbezirke  und  Vert  siheilung
der  Abgeordneten  auf  dieselben  die  näheren  Anordnun  Pn  zu  treffen.  Bei  der
Wahl  entscheidet  einfache  Stimmenmehrheit  und  im  Falle  der  Stimmengleichheit

das  Loos.
8.
Im  Stande  der  Städte  wählen:
X  die  Stadt  Kasse  .  .  .  .  .  ..  2  Abgeordnete,
-  anau.................................  2  -
*7-  "  arbrreg  ..  .  .  ..  1  "
)-Fuld...................................  1  ·

)-  persfeld  oder  Melsungen,  welche  unter  einander
  dergestalt  abwechseln,  daß  die  erstgenannte  Stadt  auf
zwei  ind  die  Stadt  Melsiugen  auf  eine  Wahlperiode

(efr.  §.  16.)  den  Abgeordneten  entsendt.  1  O
7  die  Ss  chmalkadhen  .  .  ..  1

—  Rinteln  zind“  die  Städte  Obernkirchen,  Oldendorf,

  Rodenberg  und  Sachsenhagen  .  ..  1

h)  die  Städte  Hofgeismar,  Gnrlsehen,  Grebenstein,  Helmarshausen,
  Immenhausen,  Liebenau,  Naumburg,  Trendelburg,
  Volkmarsen,  Walshagen  und  Zierenberg  1

i)  die  Stadt  Hersfeld  oder  Melsungen  (siehe  oben)  und  die
Städte  Felsberg,  Rotenburg,  Sontra  und  Spangenberg  1

k)  die  Städte  Homberg,  Borken,  Feihla,  Gudensberg,  Neu-Lichenn
  Niedenstein,  Schwarzenborn,  Treysa  und  Zie-5

  begen  Städte  Eschwege,  Allendorf,  Großalmerode,  Lichtenau,
Waldcappel,  Wannfried  und  Witzenhausen  1

m)  die  Städte  Frankenberg,  Amoeneburg,  Frankenau,  Gemünden,
  Kirchhain,  Neustadt,  Rauschenberg,  Rosenthal,

Schweinsberg  und  Wetter  ..  1
n)  die  Städte  t  Gersfeld,  Salmünster,  Schlüchtern,

  Soden,  Steinau  und  Tann  .  ....  ..  .  ...  ..  .  .  .  ...  1
0))  die  Städte  Gelnhausen,  Bochenheim,  Orb,  Wächtersbach

  und  Windecken  .  .  ..

20  usammen  1

(Nr.  6837.)
        <pb n="1717" />
        —  1640  —

8.  9.

Im  Stande  der  Landgemeinden  werden  die  Abgeordneten  in  folgenden
Wahlbezirken  gewählt:

a)  der  Landkreis  Kasse.  1  Abgeordneter,
b)  die  Kreise  Hosgeiemar  und  Wolfhagen  1
e)  der  Kreis  wegee  .  ..  .  .  .  ..  1
d)  Witzenhausen  1
e)  ·  Rotenburg  ...........  ..  ..  ...  ...  .  .  .  .  .  .  ...  1
3  -  z53  rsfeldde..  .  .  .  ..  1  .
E  dieKteiseylarundMelsungen.................  1  -
)--  ombergundZiegenham................  1  .
i)  der  Kreis  arburg  .  ..  .  ..  .  .  .  .  .  ..  1
k)  die  Kreise  Frankenberg  und  Kirchhaan  1  ·
1derKreiöFulda...·............·.................  1  .
m)  die  Kreise  Hunfeld  und  Gersfekdld  1  *
n)  elnhausen  und  Schlüchteen  .  ..  1  -
0)  der  Kreis  K#au  1  "
p  inten.  1  .
--Schmalkalden.·.........................  1  .

zusammen  16  Abgeordnete.
S.  10.

Im  Stande  der  böchstbesteuerten  Grundbesitzer  und  Gewerbtreibenden  werden
die  Abgeordneten  in  folgenden  Wahlbezirken  gewählt:

a)  der  Stadtkreis  Kasllll  1  Abgeordneter,
b)  die  Kreise  Hosgeismar  und  Landkreis  Kasseel  1  "
c)  der  Kreis  Eschwlee  .  .  ...  ..  .  .  ..  1  "
dod  Wihenhaufen  1  -
e)  die  Kreise  Rotenburg  und  Melsunen  1
s)  der  Kreis  Hefe...4  ..  .  ..  .  .  ..  1  -
gdteKretseritzarundWolfhagen.................  1  .
h--  ombergundZiegenhain................  1  -
i)detKreisarbuk...............................  l  -
k)d1eKkecserankenergundKirchham...............  I  ·
ldethetsd................................·..  1  .
mdteKrctse  Gersfeld  undHünfeld..................  1
n)  Gelnhausen  und  Schlüchten  .  1
0)  der  Kreis  Hanau  .  .  .  ....  .  ...  .  .  .  .  .  .....  .....  .  .  .  .  ..  1  .
p--  mteln.......·.......·.................  1  ·
--Schmalkalden...........................  1  -

zusammen  16  Abgeordnete.
S.  11.
        <pb n="1718" />
        —  1541  —

KC.  11.

Von  der  Theilnahme  an  den  Wahlen  der  Abgeordneten  find  überhaupt
ausgeschlossen  Alle,  welche

1)  sich  nicht  im  Vollgenusse  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  befinden,
2)  noch  nicht  das  dreißigste  Lebensjahr  zurückgelegt  haben  oder
3)  unter  Kuratel  stehen,  oder

4)  über  deren  Vermögen  ein  Konkurs  besteht  oder  bestanden  hat,  bis  zur
völligen  Befriedigung  der  Gläubiger.

G.  12.

Die  Abgeordneten  der  Städte  werden  von  den  in  denselben  wohnhaften
selbststindigen  Staatsbürgern  —  nach  Ausscheidung  derer,  welche  als  Mitglieder
der  Ritterschaft  und  als  Höchstbesteuerte  zur  Wahl  der  im  F§.  3.  unter  Nr.  1.  h.
und  Nr.  4.  genannten  A  georduten  berufen  sind  —  gewählt.

Als  selbstständig  gelten  Diejenigen,  welche  als  Ortsbürger  oder  Beisitzer
einen  eigenen  Haushalt  führen  und  nicht  in  Kost  und  Lohn  eines  Anderen  sichen,
sowie  Diejenigen,  welche  seit  Anfang  des  der  Wahl  vorausgegangenen  Kalenderjahres
  eine  direkte  Staatssteuer  entrichtet  haben.

-
Zur  Wahl  der  Abgeordneten  der  Landgemeinden  r  3.  Nr.  3.)  sind  die
in  den  einzelnen  Wahlbezirken  mit  Ausschluß  der  darin  gelegenen  Städte  wohnhaften
  Staatsbürger,  nach  Ausscheidung  der  Mitglieder  der  Ritterschaft  und
der  höchstbesteuerten  Grundbesitzer  und  Gewerbtreibenden,  unter  der  Voraussetzung
befähigt,  daß  sie  nach  H.  12.  als  selbstständig  zu  betrachten  sind.

KS.  14.

Zu  den  Wahlen  der  Hochstbestesernen.  (§.  3.  Nr.  4.)  sind  diejenigen  mit
dem  Staatsbürgerrechte  versehenen  Stadt.  und  Landbewohner  des  Bezirks
berechtigt,  welche  im  abgelaufenen  Kalenderjahre  die  meiste  Grund=  und  Gewerbesteuer
  gezahlt  haben  und  bei  Aufstellung  der  Wählerlisten  überhaupt  noch  Grundoder
  GErvokbesteun  entrichten.

Die  Zahl  der  Höchstbesteuerten  beträgt  auf  1000  Seelen  des  Bezirks,  und
bei  einem  sich  ergebenden,  nicht  volle  1000  Seelen  betragenden  Ueberschusse  auf
volle  500  Seelen  des  letzteren  Einen  Wähirr.  .

Wenn  mehrere  Steuerpflichtige,  welche  gleich  hohe  Steuern  bezahlt  haben,
vorhanden  sind,  von  denen  nach  dem  Maaßstabe  der  Bevölkerung  nur  einzelne
zur  Wahl  berufen  sein  würden,  so  sind  ausnahmsweise  diese  in  demselben  Steuergrade
  stehenden  Personen  sämmtlich  als  Wähler  zuzulassen.

Die  Seelenzahl  wird  nach  dem  Resultate  der  letzten  amtlichen  Volkszählung
  bemessen.

(TNr.  6837.)  .  15.
        <pb n="1719" />
        —  1542  —

K.  15.

Die  Abgeordneten  jedes  Standes  werden  aus  der  Zahl  der  sämmtlichen
in  dem  betreffenden  Stande  zur  Wahl  berechtigten  Personen  gewählt.

K.  16.
III.  Allgemeine  Bestimmungen.

Die  Wahlen  der  Abgeordneten  geschehen  auf  sechs  Jahre  dergestalt,  daß
alle  drei  Jahre  die  Hälfte  der  gewählten  Abgeordneten  jedes  Standes  ausscheidet.
Die  für  das  erste  Mal  iescheidenden  werden  durch  das  Loos  bestimmt.

Die  Ausscheidenden  sind  wieder  wählbar.

Die  §.  3.  sub  1.  a.  bis  c.  genannten  Fürsten  und  Standesherren  können
sich  durch  bevollmächtigte  Agnaten  ihres  Hauses  und  in  deren  Ermangelung  oder
Verhinderung  durch  einen  anderen  geeigneten  Bevollmächtigten,  der  im  Gebiete
des  kommunalständischen  Verbandes  wohnt  und  begütert  ist  (§.  5.)),  vertreten
assen.

K.  17.

Für  das  Verfahren  bei  den  Wahlen  zum  Kommunallandtage  sind  die
Vorschriften  der  am  heutigen  Tage  vollzogenen  besonderen  Verordnung  maaßgebend.


K.  18.
IV.  Verhandlungen  des  Kommunallandtages.

Der  Vorsitzende  des  Kommunallandtages,  sowie  ein  Stellvertreter  vdeselben
wird  aus  den  Mitgliedern  des  Kommunallandtages  auf  die  Dauer  jedes  Landtages
  von  Uns  ernannt.  «

Der  Vorsitzende  hat  die  Verhandlungen  zu  leiten  und  die  Ordnung  in
der  Versammlung  aufrecht  zu  erhalten.

K.  19.

Zu  Unserem  Kommissarius  bei  dem  Kommunallandtage  bestimmen  Wir
den  Oberpräsidenten.  Wir  behalten  Uns  vor,  demselben  in  B.hinderungsällen
einen  Stellvertreter  zu  bestellen.

Der  Oberpräsident  ist  die  Mittelsperson  bei  allen  Verhandlungen  Unserer
Behörden  mit  den  Ständen.

KC.  20.

Sämmtliche  Beschlüsse  des  Kommunallandtages  werden  dem  Oberpräsidenten
  vorgelegt,  welcher  dieselben  zu  prüfen  und  deren  Ausführung  zu  vermitteln
  hat.

Vatzoass,  welche  die  Befugnisse  der  Kommunalstände  überschreiten,  oder
das  Staatswohl  verletzen,  hat  der  Oberpräsident  zu  beanstanden  und  Behuss

t-
        <pb n="1720" />
        —  1543  —

Entscheidung  über  deren  Ausführung  dem  betreffenden  Ressortminister  einzureichen.

.  21.

Der  Kommunallandtag  wird)  so  oft  es  das  Bedürfniß  erfordert,  durch
Uns  berufen.

Die  Ladung  der  Mitglieder,  die  Eröffnung,  sowie  der  Schluß  des  Kommunallandtages
  geschieht  durch  Unseren  Kommessarius  (F.  19.).

Der  Kommissarius,  gowie  die  zu  seiner  Vertretung  abgeordneten  Staats.
beamten  haben  Zutritt  zur  Landtagsversammlung  und  müssen  auf  ihr  Verlangen
zu  jeder  Zeit  gehört  werden.

6.  22.

Zur  Beschlußfassung  des  Kommunallandtages  ist  die  Anwesenheit  von
kfr  als  der  Halfte  der  Mitglieder  erforderlich.  Die  Beschlüsse  werden  durch
einfache  Stimmenmehrheit  der  Anwesenden  gefaßt.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet
  die  Stimme  des  Vorsitzenden.

Zu  einem  Beschlusse,  durch  welchen  Ausgaben  bewilligt  werden  sollen,
die  nicht  schon  in  der  Verdslichtung  des  Verbandes  beruhen,  ist  eine  Mehrheit
von  mindestens  zwei  Dritteln  der  Anwesenden  erforderlich.

K.  23.

Findet  ein  ganzer  Stand  sich  durch  einen  Beschluß  des  Landtages  in
seinem  Interesse  verletzt,  so  steht  es  ihm  frei,  mittelst  Einreichung  eines  Separatvotums
  Unsere  Entscheibung  anzurufen.

Dieses  Votum  muß  noch  vor  dem  Schlusse  des  Kommunallandtages  bei
dem-Oberpräsidenten  eingereicht  werden.

Bis  nach  ergangener  Entscheidung  bleibt  die  Ausführung  des  Landtagsbeschlusses
  ausgesetzt.

G.  24.  ç

Gegenstände,  welche  das  ausschließliche  Interesse  eines  Standes  betreffen,
können  durch  Mitglieder  dieses  Standes  ohne  Zuziehung  der  übrigen  Stände
verhandelt  werden.

6.  25.
Die  Genehmigung  der  Staatsregierung  ist  erforderlich  zu  solchen  Beschlüssen
  des  Landtages,  durch  welche

1)  Ausgaben  und  Leistungen  für  den  Verband  ohne  bestehende  Verpflich.
tung  neu  übernommen  werden,
2)  der  Beitragsfuß  für  Aufbringung  der  Lasten  des  Verbandes  aufgestellt,
oder  der  bestehende  abgeändert  wird,
(Nr.  6837.  3)  Ver-
        <pb n="1721" />
        —  1644  —

3)  Veräußerungen  vom  Grund=  oder  Kapitalbestande  des  kommunalständischen
  Vermögens,  soweit  letzterer  nicht  etwa  nur  aus  ersparten  Einkünften
  der  letzten  fünf  Jahre  herrührt,  vorgenommen  werden.

.  26.
Die  Genehmigung  wird  ertheilt:
1)  durch  Uns  in  den  Fällen  des  §.  25.  Nr.  1.,  wenn  der  Verband  zu
Ausgaben  verpflichtet  werden  soll)  welche
a)  über  die  nächsten  zwei  Jahre  hinaus  dauern,
b)  Zwecke  betreffen,  bei  denen  nur  ein  Theil  des  Verbandes  interessirt  ist,
)  nur  von  einem  Theile  des  Verbandes  aufzubringen  sind;

2)  in  den  übrigen  Fällen  von  dem  betreffenden  Ressortminister.

C.  27.

Der  Kommunallandtag  kann  durch  Uns  aufsgelöst  werden.  In  diesem
Falle  werden  vor  dem  Zusammentritte  des  nächsten  Kommunallandtages  Neuwahlen
  angeordnet.

K.  28.

Für  die  unter  Aufsicht  des  Oberpräsidenten  zu  führende  laufende  Verwal.
tung  des  ständischen  Vermögens  und  der  ständischen  Anstalten  können  die  Kommunalstände,
  soweit  die  Geschäfte  solches  fordern,  die  geeigneten  Personen  wählen.

K.  29.
Der  Geschäftsgang  auf  dem  Kommunallandtage  wird  im  Näheren  durch
die  Geschäftsordnung  geregelt.
Die  letztere  ist  von  dem  Kommunallandtage  unter  Bestätigung  des  Ober-Präsidenten
  aufzustellen.
C.  30.
Die  gewählten  Mitglieder  des  Kommunallandtages  erhalten  Diäten  und
Reisekosten.  Der  Betrag  derselben,  sowie  die  Art  und  Weise  der  Aufbringung

ist  durch  Beschluß  des  Kommunallandtages  mit  Genehmigung  des  Oberpräsidenten
zu  bestimmen.  "

E.  31.

Unser  Minister  des  Innern  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt.  K##
        <pb n="1722" />
        —  1545  —

g.  32.

Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das  dieselbe
enthaltende  Stück  der  Gesetz-Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insfiegel.

Gegeben  Baden--Baden,  den  20.  September  1867.
(u.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

Johrgang  1867.  (Nr.  6837—6838.)  204  (Nr.  6838.)
        <pb n="1723" />
        —  1646  —

(Nr.  6838.)  Verordnung,  betreffend  das  Verfahren  bei  den  Wahlen  zum  Kommunallandtage
des  Regierungsbezirks  Kassel.  Vom  20.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  1c.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  das  Gebiet  des
Regierungsbezirks  Kassel,  was  folgt:

K.  1.
I.  Von  bem  Sämmtliche  Abgeordnete  zum  Kommunallandtage  des  Regierungsbezirks
Wahlverfahren  Kassel  werden  in  direkter  Wahl  gewählt.
im  llgemel-4#%
  K.  2.
Für  jeden  Abgeordneten  ist  ein  besonderer  Wahlakt  erforderlich.
K.  3.
Das  Wahlrecht  kann  niemals  durch  Bevollmächtigte  ausgeübt  werden.
KC.  4.

Die  im  Wahltermine  nicht  erscheinenden  Wahlberechtigten  verlieren  ihr
Wahlrecht  für  den  einzelnen  Wahlakt.

E.  5.
Jedem  Wahlberechtigten  ist  die  Einsicht  des  Wahlprotokolls  gestattet.

§.  6.

Die  Wahlen  der  Abgeordneten  werden  in  denjenigen  Städten,  welche  für
sich  allein  zur  Wahl  berufen  sind)  von  den  Gemeindebehörden,  in  allen  übrigen
Fällen  von  Bezirktausschüssen  geleitet.

Für  jeden  Wahlbezirk  wird  durch  den  Oberpräsidenten  ein  Bezirksausschuß
aus  einem  Wahlkommissarius  und  drei  aus  der  Zahl  der  Kreistagsmitglieder  des
Bezirks  ernannten  Beisitzern  gebildet.

.t
Die  e  nisse  für  die  Abgeordneten  werden  von  den  die  Wahl  leitenden
  Behörden  (F.  6.)  unter  Angabe  der  Gesammtzahl  der  Wähler  und  der  Zahl
der  dem  Gewählten  ;  efallenen  Stimmen  ausgestellt  und  sofort  in  den  zu  amtschen
  Publikationen  zimmmien  Blättern  des  Wahlbezirks  bekannt  gemacht.  Eine
Abschrift  des  Wahlzeugnisses  ist  an  den  Oberpräsidenten  einzureichen.

g.  8

Die  die  Wahl  leitende  Behörde  hat  den  Gewählten  alsbald  unter  2
en-
        <pb n="1724" />
        —  1547  —

sendung  des  Wahlzeugnisses  zu  einer  Erklärung  über  Annahme  oder  Ablehnung
er  Wahl  aufzufordern.

Für  die  durch  Ablehnungen  erforderlich  werdenden  neuen  Wahlen  bedarf
es  keiner  nochmaligen  vorherigen  Feststellung  der  Wählerlisten  (S§.  12.  und  22.).

K.  9.

Die  Geschäfte  bei  der  Wahl  der  Abgeordneten  im  Stande  der  Städte  1.  Von  den
und  der  Landgemeinden  werden  in  jeder  Gemeinde  von  einer  Wahlkommission  hoesche

besorgt,  welche  ogenrhneten
-  —  12  -  3  St  b  der
in  den  Städten  aus  dem  amtsführenden  Bürgermeister  oder  dessen  Stell-  ——

vertreter,  aus  vier  von  dem  Stadtrathe  zu  erwählenden  Mitgliedern  des  Canbgemeiaden
Stadtraths  oder  —  wo  deren  in  zweichender  Anzahl  nicht  vorhanden  insbesondere.
sind  —  des  Ausschusses,  endlich  dem  Stadtschreiber  oder  dessen  Stellvertreter,

  als  Protokollführer,

in  den  Landgemeinden  aus  dem  Bürgermeister  und  Gemeinderathe
besteht.
K.  10.

Zur  Einleitung  einer  Wahl  ist  von  der  Wahlkommission  eines  jeden  bei
der  Wahl  betheiligten  Ortes  eine  Wählerliste  anzufertigen,  welche  alle  zur  Wahl
Berechtigten  umfaßt,  die  in  der  Gemeinde  und  den  ihr  in  Ansehung  der  örtlichen
Verwaltung  etwa  zugetheilten  Bezirken  ihren  Wohnsitz  haben.

KC.  11.

Die  Wählerliste  ist  acht  Tage  lang  auf  dem  Rathhause  oder  in  der  Wohnung
  des  Bürgermeisters  zur  Ennscht  offen  zu  legen  und  daß  solches  geschehen,
in  der  am  Orte  üblichen  Weise  bekannt  zu  machen.

KC.  12.

Ueber  eingehende  Reklamationen  wegen  Uebergehung  von  Wahlberechtigten
oder  wegen  Aufnahme  von  Wahlunfähigen  entscheidet  der  Gemeinderath.

Reklamationen,  welche  später  als  acht  Tage  vor  dem  Wahltermine  eingehen,
  können  vom  Gemeinderathe  als  verspätet  zurückgewiesen  werden)  doch  steht
es  demselben  zu,  Berichtigungen  der  Wählerliste  von  Amtswegen  bis  zum  Wahltermine
  vorzunehmen.

Die  Entscheidung  des  Gemeinderathes  ist  nur  für  den  einzelnen  dal  ültig,
und  ein  Rekurs  steht  dem  Betheiligten  an  den  Bezirksausschuß  nur  Behufs  der
Erlangung  einer  für  künftige  Wahlen  zur  Norm  dienenden  Entscheidung  zu.

S.  13.

Für  die,  in  Ansehung  der  örtlichen  Verwaltung,  einer  Gemeinde  gleichgestellten
  Orte  wird  von  dem  Bezirksausschusse  biesenige  Gemeinde  bestimmt,  mit
(Nr.  6838.)  04  wel.
        <pb n="1725" />
        —  1646  —

welcher  bie  in  jenen  Orten  wohnhaften  Wahlberechtigten  den  Wahlakt  vorzumch.
men  haben.

Die  Wahlkommission  der  bestimmten  Gemeinde  hat  die  Wahlberechtigtem
jenes  Ortes  unter  Mitwirkung  des  sin  Geschäfte  des  Ortsvorstandes  benchünen
Ortsbewohners  festzustellen  und  in  die  Wählerliste  der  Gemeinde  mit  aufzunehmen.

S.  14.

Der  Wahltermin  wird  von  dem  Bezirksausschusse  (und  zwar  für  alle  bei
ein  und  derselben  Wahl  betheiligte  Gemeinden  auf  denselben  Tag)  bestimmt,  den
Wahlkommissionen  mitgetheilt  und  durch  die  zu  amtlichen  Publikationen  bestimmten
  Blätter  des  betreffenden  Wahlbezirks  bekannt  gemacht.

KC.  15.

Die  Wahlkommission  hat  die  in  der  berichtigten  Wählerliste  eingetragenen
Wahlberechtigten  mindestens  zwei  Tage  vor  dem  Wahltermine  durch  besondere,
gehörig  zu  bescheinigende,  Upsagen  einzuladen.  «
-·  Wo  die  Anzahl  der  Wahlberechtigten  es  erfordert,  sind  die  Vorladungen
in  angemessener  Weise  auf  den  Wahltag  und  die  nächstfolgenden  Tage  zu  vertheilen.

S.  16.

Im  Wahltermine  wird  von  den  Wahlberechtigten  die  Abstimmung  inter
genauer  Bezeichnung  des  zur  Wahl  Vorgeschlagenen  vor  der  Wahlkommissin
mündlich  zu  Protokoll  gegeben.

KC.  17.

Die  Anzahl  der  Stimmen,  welche  auf  die  verschiedenen  zu  Abgeordn#cm
vorgeschlagenen  Personen  gefallen  find,  sind  in  dem  Wahlprotokolle  am  Schluss
anzugeben.  Ku

Die  Wahlprotokolle  find  sofort  nach  beendigtem  Wahlakte  an  den  die
Wahl  leitenden  ituesch,  C.  6.)  einzusenden,  welcher  nach  dem  Ergehrise
derselben  das  Resuliat  der  I  feststellt  und  bekannt  macht  (§.  7.).

C.  10.

Als  gewählt  ist  derjenige  zu  betrachten,  welcher  von  den  im  Wahltermine
abgegebenen.  Stimmen  die  meisten  Stimmen  erhalten  hat,  oder  für  wen  bei
Stimmengleichheit  das  Loos  entscheidet.

g.  20.

M.  Von  bem  Die  Ermittelung  und  Feststellung  der  Höchstbesteuerten,  welche  z  einer
Lafahn  bei  Abgeordnetenwahl  gesetzlich  berufen  find,  geschieht  von  dem  die  Wahl  leitenden
ter  Wahl  der  Bezirksausschusse  auf  Gumd  der  von  den  Behörden  mitzutheilenden  Verzeichnisse

wg  über  die  Steuerzahlungemn.

S5stsestener  Die
ien.
        <pb n="1726" />
        —  1549  —

Die  Behörden  haben  dem  Bezirksausschusse  jede  zu  diesem  Zwecke  erforderliche
  Auskunft  zu  ertheilen.  ;

g.  21.

Würde  eine  Steuer  von  mehreren  Personen  gemeinschaftlich  bezahlt,  so  ist
dieselbe  auf  die  einzelnen  Beitragspflichtigen  gleichmäßig  zu  vertheilen,  sofern  nicht
ein  anderes  Antheilverhältniß  aus  der  Steuerrolle  sich  ergiebt,  oder  sonst  nachgewiesen
  wird.

Die  einzelnen  Theilhaber  sind  von  der  Steuerbehörde  zu  ermitteln,  soweit
dieselben  nicht  ohnehin  schon  feststehen.

K.  22.

Die  von  dem  Bezirksausschusse  aufgestellte  Wählerliste  wird  mit  Angabe
des  Namens,  Berufs,  Wohnorts  und  Steuerbetrages  der  darin  Aufgenommenen
in  den  zu  amtlichen  Publikationen  bestimmten  Blättern  des  Wahlbezirks  veröffentlicht.

g.  23.

Ueber  Einwendungen  wegen  Aufnahme  nicht  berechtigter  oder  nicht  aufnahmeberechtigter
  Personen  entscheidet  der  Bezirksausschuß.

Zur  Einbringung  solcher  Reklamationen  läuft  vom  Tage  der  Veröffentlichung
  an  eine  vierzehntägige  Frist.  Die  nach  Ablauf  derselben  eingehenden
Reklamationen  kann  der  Bezirksausschuß,  unbeschadet  seiner  Befugniß  zur  Berichtigung
  der  Liste  von  Amtswegen,  als  verspätet  zurückweisen.  Gegen  die  Entcheidü
  des  Bezirksausschusses,  welche  nur  für  den  einzelnen  Fall  Geltung  hat,
ist  eine  weitere  Beschwerde  nicht  zulässig.

Der  Bezirksausschuß  hat  die  Wählerliste  so  zeitig  definitiv  festzustellen,  daß
die  durch  die  nachträglichen  Berichtigungen  derselben  etwa  nöthig  werdenden
Veränderungen  in  den  Wählerlssen  der  Gemeinden  vor  dem  Wahltermine  (G.  14.)
von  ihm  verfügt  und  von  den  Wahlkommissionen  ausgeführt  werden  können.

KC.  24.

Der  Wahlakt  wird  an  dem  von  dem  Oberpräsidenten  festzusetzenden  Wahlorte
  in  dem  von  dem  Bezirksausschusse  anzuberaumenden  Termine  unter  unmittelbarer
  Leitung  dieser  Behörde  vorgenommen.

g.  25.
Der  Wahltermin  ist  mindestens  acht  Tage  vorher  in  den  zu  amtlichen
Publikationen  bestimmten  Blättern  des  Wahlbezirks  bekannt  zu  machen.
Die  einzelnen  Wahlberechtigten  sind  außerdem  acht  Tage  vorher  schriftlich
zu  dem  Wahltermine  einzuladen.
§.  26.

Die  Stimmen  der  Wähler  werden  vor  dem  Bezirksausschusse,  welcher,
r.  688.)  wenn
        <pb n="1727" />
        —  1550  —

wemn  er  es  für  nöthig  erkennt,  aus  der  Zahl  der  Wähler  Gehülfen  für  die
Protokollführung  zuziehen  darf,  mündlich  zu  Protokoll  gegeben.

§.  27.
ihl  Ueber  die  Wahl  entscheidet  die  absolute  Stimmenmehrheit  der  erschienenen
ähler.
Wenn  bei  der  ersten  Abstimmung  nicht  wenigstens  Eine  Stimme  meihr  als
die  Hälfte  der  Stimmenden  auf  eine  Perfen  gefallen  i#  6  erfolgt  eine  zweite  Wahl.
Würde  auch  mit  der  zweiten  Wahl  keine  Mehr  eit,  welche  die  Hälfte  der
Stimmen  überschreitet,  erzielt,  so  dienen  für  die  nöthige  dritte  Wahl  folgende
Vorschriften  zur  Richtschnur:

1)  haben  in  der  zweiten  Wahl  zwei  der  Vorgeschlagenen  die  meisten,  gleiche
oder  ungleiche  Stimmen,  so  erstreckt  sich  die  vorzunehmende  dritte  Abstimmung
  auf  eine  Wahl  zwischen  diesen  beiden;

2)  wenn  mehr  als  zwei  der  Vorgeschlagenen  die  meisten,  jedoch  gleiche  Stimmen
  erhielten,  so  soll  die  vorzunehmende  neue  Wahl  sich  auf  zwei  derselben
erstrecken,  welche  hierzu  aus  ihnen  durch  das  Loos  bestimmt  werden;

3)  so  oft  blos  einer  der  Vorgeschlagenen  die  meisten  Stimmen,  jedoch  nicht
die  absolute  Meheeit  für  sich  ½  und  auf  Andere  gleiche  Stimmen
gefallen  sind,  wird  einer  unter  den  Letzteren  durch  das  Loos  dazu  bestimmt,
mit  dem  Ersteren  zur  dritten  Wahl  gebracht  zu  werden;

4)  ergiebt  die  dritte  Wahl  Stimmengleichheit  zwischen  den  beiden  der  Entscheidungswahl
  Unterworfenen,  so  wird  zu  einer  endlichen  Entscheidung
durch  das  Loos  geschritten.

g.  28.
Das  Ergebniß  der  Abgeordnetenwahl  ist  den  Wählern  alsbald  zu  verkündigen.

G.  29.
Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das  dieselbe
enthaltende  Stück  der  Gesetz=  Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.
-  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Baden-Baden,  den  20.  September  1867.

(u.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  JItzenplitz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6839.)
        <pb n="1728" />
        —  1551  —

(Nr.  6839.)  Verordnung,  betreffend  die  Ausdehnung  der  Wirksamkeit  der  durch  Verordnung
vom  17.  Januar  1806.  errichteten  Nassauischen  Brand-Assekuranzanstalt
zu  Wiesbaden  auf  den  Kreis  Biedenkopf  und  die  Ortsbezirke  Rödelheim
und  Niedcrursel  (früher  Großherzoglich  Hessischen  Antheils).  Vom
14.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  ꝛc.

verordnen,  für  den  Umfang  derjenigen  ehemals  Großherzoglich  Hessischen  Gebietstheile,
  welche  nach  der  Verordnung  vom  22.  Februar  d.  J.  (Gesetz-Samml.
S.  273.)  mit  dem  ehemaligen  Herzogthum  Nassau  2c.  zusammen  den  Regierungsbezirk
  Wiesbaden  bilden,  was  folgt:

Die  Nassauische  Brand-Assekuranzanstalt  zu  Wiesbaden  wird  ermächtigt,
nach  Maaßgabe  der  für  ihre  Verwaltung  geltenden  Vorschriften  aus  nachgenannten
durch  das  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  876.)  mit  der
Preußischen  Monarchie  vereinigten  Gebietstheilen:

a)  dem  Kreise  Biedenkopf,

b)  dem  nordwestlichen  Theile  des  Kreises  Gießen,  welcher  die  Orte  Frankenbach,
  Krumbach,  Königsberg),  Fellingshausen,  Bieber,  Haina,  Rodheim,
Waldgirmes,  Naunheim  und  Hermannstein  mit  ihren  Gemarkungen
umfaßt,

c)  dem  Ortsbezirk  Rödelheim,

d)  dem  bisher  unter  Großherzoglich  Hessischer  Souverainetät  gestandenen
Theile  des  Ortsbezirks  Aeoglh  ,

vom  1.  Januar  1868.  ab  Versicherungen  von  Gebäuden  gegen  Feuersgefahr
anzunehmen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  14.  September  1867.

(L.  8.)  Wilhelm.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

.  (Nr.  6839—6840.)  (Nr.  6840.)
        <pb n="1729" />
        —  1552  —

(Nr.  6840.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  14.  September  1867.,  betreffend  die  Aufstellung  der
Urlisten  der  Geschworenen  in  den  Provinzen  Hannover  und  Schleswig-Holstein.


A##  Ihren  Bericht  vom  12.  September  d.  J.  bestimme  Ich  zur  Ergänzun
der  I#.  278.  bis  280.  und  283.  der  Verordnung  vom  25.  Juni  d.  J.,  beues
fend  das  Strafrecht  und  das  Strafverfahren  in  den  durch  das  Gesetz  vom
20.  September  1866.  und  die  beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  mit  der
Monarchie  vereinigten  Landestheilen,  mit  Ausnahme  des  vormaligen  Amtsbgt
  eisenheim  und  der  Enklave  Kaulsdorf  (Gesetz-Samml.  von  1867.  S.  921.),
was  folgt:

1)  In  der  Provinz  Hannover  sind  die  im  F.  283.  den  Negierungspräfven.
ten  zugewiesenen  Funktionen  bis  auf  Weiteres  von  den  Landdrosten  und
dem  Berghauptmann  zu  Clausthal  zu  üben.

2)  Der  Justizminister  und  der  Minister  des  Innern  haben  für  die  Provinz
Hannover  und  für  die  Hergogthümer  Holstein  und  Schleswig  die  Beamten
  zu  bestimmen,  welche  bis  auf  Weiteres  die  in  den  I#.  278.  bis  280.
den  Landräthen  zugewiesenen  Funktionen  ausüben  sollen,  und  die  Bezirke
  festzusetzen,  innerhalb  welcher  dieses  zu  geschehen  hat.

Dieser  Mein  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Schloß  Babelsberg,  den  14.  September  1867.

Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.
An  den  Justizminister  und  den  Minister  des  Innern.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1730" />
        —  1553  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  98.  —

 

—

(Nr.  6841.)  Verordnung,  betreffend  die  exekutivische  Beitreibung  der  direkten  und  indirekten
Steuern  und  anderer  öffentlicher  Abgaben  und  Gefälle,  Kosten  2c.  Seitens
der  Verwaltungsbehörden  in  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September
und  24.  Dezember  1866.  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten
neuen  Landestheilen.  Vom  22.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  .

verordnen  zur  Herstellung  eines  gleichmäßigen,  möglichst  einfachen  Verfahrens  bei
Einziehung  der  direkten  und  indirekten  Steuern  und  anderer  öffentlicher  Abgaben
und  Gefäse,  Kosten  2c.  von  Seiten  der  Verwaltungsbehörden  in  den  durch  die
Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  (Gesetz=  Samml.  für  1866.
S.  555.  875.  und  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  neuen  Landestheilen,
  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

ie
Der  exekutivischen  Beitreibung  im  administrativen  Wege  nach  den  Vorschriften
  dieser  Verordnung  unterliegen:
1)  alle  Abgaben  und  Gefälle,  welche  an  den  Staat  zu  entrichten  sind,  insbesondere:

a)  die  direkten  Steuern,
namentlich  die  Grund-,  Gebäude-,  Klassen-,  klassifizirte  Einkommen=
  und  Gewerbesteuer,  sowie  die  zu  Staats-,  Gemeindeoder
  anderen  öffentlichen  Zwecken  ausgeschriebenen  Beischläge
zu  diesen  Steuern;
b)  die  indirekten  Steuern,
die  Wege-,  Brücken-,  Fähr-,  Waage=  und  Krahngelder,  die
Kanal-,  Echleusen-,  Schiffahrts=  und  Hafenabgaben,  die
Niederlagegelder,  Quarantainegebühren  und  Pachtgelder  für
verpachtete  Abgabenerhebungen;
c)  die  Postgefälle  und  Postgebühren;  ç
Johrgang  1867.  (Nr.  6841.)  d)  die

Ausgegeben  zu  Berlin  den  24.  September  1867.
        <pb n="1731" />
        —  1554  —

c)  die  Abgabe  von  den  Eisenbahnen;
ee)  die  Bergwerkssteuer;

2)  alle  Abgaben,  welche  an  die  unter  staatlicher  Verwaltung  stehenden
Institute  zu  entrichten  sind;

3)  diejenigen  öffentlichen  Abgaben,  welche  an  Gemeinden,  Korporationen,
sowie  an  ständische  Kassen  zu  entrichten  oder  zur  Unterhaltung  öffentlicher
Anstalten,  beziehungsweise  der  an  solchen  an  eneelten  Beamten  aufzubringen
  oder  für  die  Benutzung  öffentlicher  #in  ten  oder  Einrichtungen  zu
erlegen  sind;

4)  die  an  die  öffentlichen  Brandkassen  zu  entrichtenden  Beiträge;

5)  die  von  den  Verwaltungs=  und  Auseinandersetzungsbehörden  festgesetzten
Gebühren  aller  Art,  Kosten,  Geldstrafen  und  Entschädigungen;

6)  die  Domanial=  und  Forstgefälle,  mit  Einschluß  der  Gefälle  der  Kloster-"ov
  in  Hannover,  sofern  dieselben  nach  den  Vorschriften  im

 

42.  der  Verordnung  wegen  verbesserter  Einrichtung  der  Provinzial-Plhzei.
  und  Finanzbehörden  vom  26.  Dezember  1808.  (Gesetz.  Samml.
für  1817.  S.  282  und  den  dazu  ergangenen  ergänzenden  Bestimmungen
  ohne  gerichtliche  Klage  auf  Grund  bloßer  Zahlungsbefehle  beigetrieben
werden  können;

7)  die  Geldbeträge  für  Leistungen  oder  Lieferungen,  welche  nach  fruchtlos
ebliebener  Aufforderung  des  Verpflichteten  für  dessen  Rechnung  durch
ritte  im  Auftrage  der  Behörde  ausgeführt  werden  (F.  2.).

G.  2.

Wenn  es  sich  um  die  Leistung  von  Handlungen  im  öffentlichen  Interesse  des
Staats  2c.  handelt,  so  steht  der  Verwaltungsbehörde,  falls  der  Verpflichtete  es
auf  Exekution  ankommen  läßt,  die  Befugniß  zu,  entweder  auf  Leistung  der  Handlung
  durch  den  Verpflichteten  zu  bestehen,  oder  aber  die  Handlung,  sofern  dieselbe
auck  durch  einen  Dritten  bewirkt  werden  kann,  für  Rechnung  des  Verpflichteten
durch  einen  Dritten  ausführen,  beziehungsweise  bei  Lieferungen,  sofern  es  nicht
gerade  auf  bestimmte,  im  Besitze  des  Verpflichteten  befindliche  Stücke  ankommt,
die  zu  liefernden  Gegenstände  für  Rechnung  des  Verpflichteten  ankaufen  zu  lassen.
Von  der  schteren  Befugniß  ist  in  allen  Fallen  Gebrauch  zu  machen,  in  welchen
es  an  der  Gelegenheit,  die  Leistung  durch  einen  Dritten  bewirken  zu  lassen,  nicht

fehlt.

Der  Verpflichtete  ist  jedoch  stets  zuvor  durch  ein  Mandat  zu  eigener  Ausführung
  der  schuldigen  Leistung  aufzufordern,  und  zwar,  sofern  nicht  Gefahr  im
Verzuge  obwaltet,  mit  einer  Frist  von  mindestens  acht  Tagen.

Fordert  die  Behörde  die  Leistung  durch  den  Verpflichteten  selbst,  und  hängt
solche  nach  dem  Ermessen  der  Aufsichtsbehörde  von  dem  Willen  des  Verpflichteten
ab,  so  ist  letzterer  durch  Strafbefehle,  welche  bis  zur  Summe  von  Einhundert
Thalern  gesteigert  werden  können  (I.  1.  Nr.  5.),  oder  aber  durch  Personalarrest
von  hochstens  vierwöchentlicher  Dauer  dazu  anzuhalten.  Soll

o
        <pb n="1732" />
        —  1555  —

Soll  die  Leistung  durch  einen  Dritten  geschehen,  so  sind  die  dazu  erforderlichen
  Kosten  von  der  Behörde  vorläufig  festzusetzen  und  von  dem  Verpflichteten
  einzuziehen  (§.  1.  Nr.  7.),  vorbehaltlich  der  nachträglichen  Einziehung  desjenigen
  Betrages,  um  welchen  die  Kosten  der  wirklichen  Ausführung  sich  etwa
höher  herausstellen  werden.

KC.  3.

Das  Zwangsverfahren  wird  von  den  mit  der  Einziehung  beauftragten
Behörden  oder  Beamten  angeordnet  und  unter  ihrer  Leitung  durch  die  ihnen  beigegebenen
  Exekutoren  oder  diejenigen  Beamten,  deren  sie  sich  als  solcher  zu  bedienen
  haben,  ausgeführt.  Für  1ee  Fälle  aber,  in  welchen  den  Ersteren  keine
bestimmten  zur  Ausführung  der  Erekution  dienenden  Beamten  zugeordnet  sind,
oder  in  welchen  die  Aufsichtsbehörde  selbst  die  Exekution  verfügt  —*  diese  auch
die  Behörde  oder  den  Beamten  zu  bestimmen,  von  welchem  das  #wangsverfahren
vollstreckt  werden  soll.  Falls  es  den  Verwaltungsbehörden  an  eigenen  Organen
zur  Zwangsvollstreckung  fehlt,  sind  dieselben  berechtigt,  die  Gerichte  wegen  Vollstreckung
  der  gerichtlichen  Eptution  zu  requiriren,  und  haben  die  Gerichte  solchem
Antrage  stattzugeben,  ohne  die  Rechtmäßigkeit  der  Forderung  ihrer  Prüfung  unterziehen
  zu  dürfen.

K.  4.

Ueber  die  Verbindlichkeit  zur  Entrichtung  der  geforderten  Abgaben  und  die
Befugniß  zur  Anordnung  des  eingeleiteten  Zwangsverfahrens  findet  der  Rechtsweg
  nur  nach  Maa  gobe  der  hieruͤber  unterm  16.  d.  M.  ergangenen  besonderen
Verordnung  (Gesetz=  Samml.  S.  1515.)  statt.

Wegen  vermeintlicher  Mängel  des  Verfahrens,  dieselben  mögen  die  Form
der  Anordnung  oder  die  der  Ausführung  oder  die  Frage,  ob  die  abgepfändeten
Sachen  zu  den  pfändbaren  gehören,  betreffen,  ist  dagegen  nur  die  Beschwerde  bei
der  vorgesetzten  Dienstbehörde  des  Beamten  zulässig,  dessen  Verfahren  angefochten
  wird.

g.  5.

Die  Exekutoren  müssen  bei  ihren  amtlichen  Verrichtungen  den  empfangenen
schriftlichen  Auftrag  bei  sich  führen  und  dem  Schuldner  auf  Verlangen  vorzeigen.

Ihre  amtlichen  Verhandlungen  und  Anzeigen  haben  insoweit,  als  946  sich
auf  die  ihnen  übertragene  Einziehung  der  Gefälle  beziehen,  bis  zum  Beweise  des
Gegentheils  vollen  Glauben.

Die  Exekutoren  müssen  eidlich  verpflichtet  werden.

K.  6.

Die  Einleitung  des  Zwangsverfahrens  kann  sofort  nach  Ablauf  der  gesetzlich

  feststehenden  oder  den  Schuldnern  besonders  bekannt  gemachten  Zahlungstermine
  stattfinden.  5„

An  denjenigen  Tagen,  an  welchen  nach  erlassenen  Anordnungen  Amts-(Nr.
  6841.)  205“  hand-
        <pb n="1733" />
        Mahnung  und  ·
ExekutivnssAItilMs2.bezelchneten

kündigung.

—  1556  —

handlungen  der  Behörden  und  einzelner  Beamten  nicht  verrichtet  werden  sollen,
darf  kein  Exekutionsakt  vorgenommen  werden,  ebensowenig  gegen  Juden  am
Sabhath,  und  an  jüdischen  Festtagen.

ährend  der  Saat.  und  Erndtezeit  dürfen  gegen  Personen,  welche  sich
mit  der  Landwirthschaft  beschäftigen,  Exrekutionen  nur,  wenn  Gefahr  im  Verzuge
ist,  eingeleitet,  fortgesetzt  und  ausgeführt  werden.  Darüber,  ob  Gefahr  im  Verzuge
  sei)  hat  die,  die  Geimien  anordnende  Behörde  zu  bestimmen.  Beschwerdesihruneen
  über  diese  Bestimmung  hemmen  den  Lauf  der  Exekution  nicht.  Für
die  Saat  werden  im  Frühsahr  und  Herbst  jedesmal  vierzehn  Tage,  für  die  Erndte
vier  Wochen  in  derjenigen  Jahreszeit,  in  welche  nach  der  Oertlichkeit  Saat  und
Erndte  hauptsächlich  zu  fallen  pflegen,  freigelassen.

g.  8.

Bei  der  Exekutionsvollstreckung  gegen  aktive  Militairpersonen  und  pensionirte
  Offiziere  sind  die  über  die  vorherige  Demachchiun  der  kompetenten  Militairbehörde
  und  über  die  Vollstreckung  der  gerichtlichen  Exekution  in  Kasernen
oder  anderen  zu  demselben  Zwecke  bestimmten  Dienstgehäuden  bestehenden  durch
den  Allerhöchsten  Erlaß  vom  1.  April  d.  J.  (Gesetz  Samml.  S.  519.)  in  den
neuen  Landestheilen  eingeführten  allgemeinen  Vorschriften  zu  beobachten.

m

Vor  Vollstrecung  der  Exekution  muß  jeder  Schuldner  durch  eitten  von  der
Behörde  auszufertigenden  Mahnzettel  aufgefordert  werden,
die  darin  Fhe  verzeichneten  Rückstände  binmen  acht  Tagen  einzitzahlen,  widrigenfalls
  zur  Pfändung  oder  zu  anderen  zulässigen  Zwangsmitteln  werde  geschritten
werden.
Die  Vorschriften  des  Gesetzes  über  die  Einführung  einer  Klassen-  und
klassifizirten  Einkommensteuer  vom  1.  Mai  1851.  (GesetzSatuml.  S.  193.)
S.  13.  Litt.  b.  und  c.  bleiben  jedoch  unverändert  stehen.

K.  10.

Die  ausgefertigten  Mahnzettel  werden  dem  mit  der  Zwangsvollstreckung
beauftragten  Beamten  (Exekutor)  nebst  einem  mit  der  schriftlichen  Anweisung  zur
Mahnung  versehenen  und  von  der  betreffenden  Behörde  vollzogenen  Verzeichnise
der  anzumahnenden  Schuldner  und  ihrer  Rückstände  (Restenverzeichnisse)  übergeben.
  Der  Exekutor  muß  jeden  Mahnzettel  dem  Schuldner  selbst  ober  einem
erwachsenen  Familiengliede  oder  Hausgenossen  desselben  behändigen  und,  wie  solches
  geschehen,  unter  Angabe  des  Namens  desfenigen  b,  dem  der  Zettel  zugestellt
worden,  und  des  Tages  der  Behändigung  in  dem  Mahnzettel  und  dem  Restverzeichnisse
  bescheinigen.  Diejenlgen  Mahnzettel,  deren  Annahtne  verweigert  wird,
oder  deren  Behändigung  wegen  Abwesenheit  *  vorgedachten  Personen  nicht  bewirkt
  werden  kann,  hat  der  Exekutor  an  die  Haus-  oder  tubenthuür  deß  Schuld.
ners  K#--##heften.  Die  achttägige  Frist  wird  in  diesem  Falle  von  dem  Tage  an
gerechnet,  an  welchem  der  Exekutor  die  Mahnzettel  ungeheftet  hat.  "

.  II.
        <pb n="1734" />
        —  1557  —

KC.  11.

Nach  Ablauf  der  achttägigen  Frist  sind  wegen  der  alsdann  noch  verblei=  Exekution.
benden  Rückstände  an  Abgaben  und  Mahngebühren  die  gesetzlichen  Zwangsmittel  Voschern

anzuwenden.  Diese  sind:  Irangemitel.
a)  die  Pfändung;
b)  die  Beschlagnahme  der  Früchte  auf  dem  Halme,  sowie  der  gewonnenen
Produkte  oder  Fabrikate  auf  den  Berg=  und  Hüttenwerken;
e)  die  Beschlagnahme  der  ausstehenden  Forderungen;
d)  die  Sequestration  und  Verpachtung  nach  Maaßgabe  der  Allerhöchsten
Order  vom  31.  Dezember  1825.  unter  D.  XII.  Littr.  b.  (Gesetz-Samml.
für  1826.  S.  5.)
e)  die  Subhastation.

Die  Sequestration  und  Verpachtung,  sowie  die  Subhastation  der  Grundstücke,
  Berg=  oder  Hüttenwerke  des  Schuldners  darf  nur  in  dem  Falle,  wenn
auf  andere  Weise  keine  Zahlung  zu  erlangen  ist,  veranlaßt  werden.  In  der
Anwendung  der  übrigen  Zwangsmittel  ist  eine  Reihenfolge  nicht  nothwendig  zu
beobachten,  in  der  Regel  ist  jedoch  zunächst  die  Pfändung  und  nöthigenfalls  die
Beschlagnahme  der  Früchte  auf  dem  Halme  vorzunehmen.  In  den  Herzogthümern
Schleswig  und  Holstein  findet  jedoch  die  Sequestration  nicht  statt.

KC.  12.

Die  Pfändung  darf  nur  auf  den  Grund  eines  von  der  das  Zwangs=  Pfländung.
verfahren  leitenden  Behörde  ausgefertigten  Pfardugebehhe  vorgenommen  werden.
  Kraft  desselben  ist  der  Exekutor  befugt,  die  im  Besitze  des  Schuldners  befindlichen
  pfändbaren  beweglichen  Sachen  in  Beschlag  zu  nehmen.

K.  13.
Von  der  Pfändung  sind  ausgeschlossen:

a)  die  für  den  Schuldner,  seine  Ehefrau  und  seine  bei  ihm  lebenden  Kinder
und  Eltern  nach  ihrem  Stande  unentbehrlichen  Betten,  Kleidungsstücke
und  Leibwische“  sowie  die  Betten  für  das  Gesinde  und  das  zur  Wirthschaft
  unentbehrliche  Haus-  und  Küchengeräthe;

b)  eine  Milchkuh,  oder  in  deren  Ermangelung  zwei  Ziegen,  nebst  dem  zum
Unterhalt  oder  zur  Streu  der  freizulassenden  Thiere  erforderlichen  Futter
und  Stroh  für  einen  Monat;

J)  der  einmonatliche  Bedarf  an  Brod,  Getreide,  Mehl  und  anderen  nothwendigen
  Lebensbedürfnissen  für  den  Schuldner  und  seine  Familie;

d)  ein  zum  Heizen  und  Kochen  bestimmter  Ofen;

e)  bei  Künstlern,  Handwerkern  und  Tagelöhnem  die  zur  Fortsetzumg  ihrer
Kumst  und  ihres  Gewerbes  erforderlichen  Werkzeuge  und  anderen  Heper

—  stände
        <pb n="1735" />
        —  1558  —

stände  mit  der  in  dem  Gewerbesteuergesetze  vom  30.  Mai  1820.  J.  35.
(Gesetz.  Samml.  S.  147.)  vorgeschriebenen  Maaßgabe;

#)  die  Bücher,  welche  für  den  Gebrauch  des  Schuldners  und  seiner  Familie
beim  Gottesdienst  und  in  der  Schule  bestimmt  sind;

8)  die  Bücher,  welche  sich  auf  das  Gewerbe  des  Schuldners  beziehen,  sowie
die  Bücher,  Maschinen  und  Instrumente,  welche  zum  Unterricht  oder  zur
Ausübung  einer  Wissenschaft  oder  Kunst  gehören,  bis  zu  einem  Werthe
von  80  Thalern  und  nach  der  Wahl  des  Gepfändeten

h)  bei  Personen,  welche  Landwirthschaft  oder  Weinbau  betreiben,  das  hierzu
nöthige  Geräthe,  Vieh=  und  Feld-  Inventarium,  der  nöthige  Dünger,
sowie  das  bis  zur  nächsten  Erndte  erforderliche  Brod.,  Saat  und  Futtergetreide;


i)  bei  Militair=  und  Civilbeamten  die  zur  Verwaltung  ihres  Dienstes  erforderlichen
  Bücher,  das  unentbehrlichste  Hausgeräth,  Betten,  anständige  Kleider
und  Wäsche,  welche  auch  den  pensionirten  Beamten  und  Militairpersonen
zu  belassen  sind;

k)  das  Mobiliar  dienstthuender  Offiziere,  Unteroffiziere  und  Gemeinen  und
aller  übrigen  dienstthuenden  Personen  des  Soldatenstandes,  welches  sich
an  dem  Garnisonorte  derselben  befindet,  ingleichen  das  Mobiliar  der  mit
Inaktivitätsgehalte  entlassenen  oder  mit  Pension  zur  Disposition  gestellten
Offiziere  an  ihrem  Wohnorte.  Geldwerthe  Papiere,  baares  Geld,  Schaumünzen,
  Juwelen  und  Kleinodien  derselben  sind  von  der  Pfändung  nicht
ausgenommen.

K.  14.
Gegen  die  Pfändung  kann  sich  der  Schuldner  nur  schützen,  wenn  derselbe
entweder:

a)  die  vollständige  Berichtigung  der  beizutreibenden  Summe  durch  Quittungen
oder  Vorlegung  eines  Poshscheins  sofort  nachweist,  oder

b)  eine  Fristbewilligung  der  kompetenten  Behörde  vorzeigt,  oder  aber

I)  zur  Abführung  der  beizutreibenden  Summe  und  Bezahlung  der  Exekutionskosten
  sogleich  bereit  und  im  Stande  ist.

In  diesem  letzten  Falle,  sowie  in  dem  Falle,  wenn  der  Schuldner  einen
Theil  seiner  Schuld  sofort  abtragen  will,  muß  die  abzuführende  Summe  in  Gegenwart
  des  Exekutors  verpackt  und  unter  Adresse  des  Erhebungsbeamten  zur  Post
befördert  oder  dem  Ortsvorstande  zur  weiteren  Beförderung  übergeben  werden.

An  den  Exekutor  dürfen  keine  Zahlungen,  selbst  nicht  für  Exekutionskosten,
geleistet  werden;  die  Schuldner  haben  dasjenige,  was  an  diesen  gezahlt  ist,  bei
etwaiger  Nichtablieferung  noch  einmal  zu  entrichten.

K.  15.

Die  Pfändung  selbst  wird  in  der  Art  bewirkt,  daß  der  Exekutor  von  den
vorhandenen  pfändbaren  Gegenständen  einen  zur  Deckung  der  beiputreibenden
umme
        <pb n="1736" />
        —  1669  —

Summe  und  der  Erxekutionskosten  nach  seinem  Ermessen  hinreichenden  Betrag
in  Beschlag  nimmt  und  sicher  stellt,  und  zwar  zunächst  diejenigen  Gegenstände,
welche  am  leichtesten  transportirt  und  veräußert  werden  können.  Der  Schuldner
ist,  nachdem  ihm  der  Pfändungsbefehl  vorgelegt  worden,  verpflichtet,  seine  Effekten
und  Habseligkeiten  vorzuzeigen  und  zu  dem  Ende  seine  Wohnungs=  und  anderen
Räume,  sowie  die  darin  befindlichen  Behältnisse  zu  öffnen.

Auch  Sachen,  welche  sich  in  der  Wohnung  oder  sonst  im  Gewahrsam  des
Schuldners  befinden  und  angeblich  dritten  Personen  gehören,  müssen  in  Ermangeling
  anderer  tauglicher  Pfandstücke  in  Beschlag  genommen  und  die  angeblichen

igenthümer  mit  cbren  Anspruche  an  die  Behörde,  von  welcher  der  Pfändungsbefel
  ausgegangen  ist,  verwiesen  werden.

K.  16.

Sachen,)  welche  auf  das  Andringen  anderer  Gläubiger  bereits  gepfändet
worden,  sind  nur  in  Ermangelung  anderer  tauglicher  Pfandstücke  durch  Anlegung
eines  Superarrestes  mit  Beschlag  zu  belegen.  Dies  geschieht  in  der  Art,  daß
der  Exekutor  den  etwa  angelegien  Siegeln  sein  Amtssiegel  beifügt  und  dem
Schuldner  oder  dem  etwa  bestellten  Verwahrer  eröffnet,  daß  die  Pfandstücke  für
die  herde  von  der  er  seinen  Auftrag  erhalten,  gleichfalls  in  Beschlag  genommen
  seien.

Der  Behörde,  auf  deren  Verfügung  die  frühere  Pfändung  stattgefunden,
beziehungsweise  dem  Beamten,  welcher  die  frühere  Pfändung  im  Wege  der  gerichtachen
  Zwangsvollstreckung  vorgenommen  hat,  ist  die  Anlegung  des  Superarrestes
anzuzeigen.  Diese  Behörde,  beziehungsweise  dieser  Beamte  ist  gehalten,  den  Verkauf
  der  Pfandstücke  möglichst  zu  beschleunigen,  auch  der  Behörde,  welche  den
Superarrest  hat  anlegen  lassen,  den  Verkaufstermin  bekannt  zu  machen  und  darauf
zu  sehen,  daß  beide  Forderungen,  nämlich  diejenige,

wegen  welcher  zuerst  die  Pfändung  eingetreten,
und  diejenige,

wegen  welcher  später  der  Superarrest  angelegt  ist,
aus  dem  gelösten  Kaufgelde  befriedigt  werden.

Reicht  der  Erlös  zur  Befriedigung  sämmtlicher,  die  Iwangsvollstreckung
betreibenden  Gläubiger  hin,  oder  findet  eine  gütliche  Einigung  unter  denselben
statt,  so  ist  danach  die  Auszahlung  der  beigetriebenen  Gelder  zu  beschaffen,  im
entgegengesetzten  Falle  ist  derselbe  an  das  zufändige  Gericht  zur  Vertheilung  oder
sonstazen  Verfügung  abzuliefern.

Das  Gericht  hat  sodann  in  Gemähßheit  der  bestehenden  prozessualischen
Bestimmungen  weiter  zu  verfahren.

Sind  Gegenstände  im  Wege  der  Zwangsvollstreckung  auf  Verfügung  einer
Verwaltungsbehörde  bereits  gepfändet,  so  kann  im  Wege  der  gerichtlichen  Zwangsvollstreckung
  nur  ein  Anschluß  an  die  frühere  Pfändung  durch  Anlegung  des
Superarreses  stattfinden  und  sind  alsdann  die  vorstehenden  Vorschriften  auch  in
Beziehung  auf  die  gerichtliche  Zwangsvollstreckung  analog  anzuwenden.  Findet
der  Verkauf  der  gepfändeten  Gegenstände  nicht  statt,  so  dürfen  dieselben  nur  git

(Nr.  6841.)  e-
        <pb n="1737" />
        —  1660  —

Genehmigung  derjenigen  Behörde,  beziehungsweise  desjenigen  Gläubigers,  welcher
den  Superarrest  hat  anlegen  lassen,  freigegeben  werden.

S.  17.

Bei  der  Pfändung  ist  die  Zuziehung  des  Ortsvorstandes,  eines  oder  mehrerer
  Gemeinde=  oder  Waheideamten  f  oder  zweier  unbescholtener  Männer  nur
dann  erforderlich:

a)  wenn  der  Schuldner  zu  der  Zeit,  da  die  Pfändung  vorgenommen  werden
soll,  sich  entfernt  hat;

b)  wenn  den  Anordnungen  des  Exekutors  wegen  Oeffnung  der  Wohnungsräume
  2c.  keine  Folge  gegeben  oder  ihm  thätlicher  Mer#  geleistet  wird.

In  Gegenwart  der  obengedachten  Personen  kann  die  Pfändung  nöthigenfalls
  mit  Gewalt  vorgenommen  werden.

Ist  der  Widerstand  auch  auf  diesem  Wege  nicht  zu  beseitigen,  so  muß  der
Exekutor  davon  der  Behörde,  in  deren  Auftrag  er  handelt,  Anzeige  machen,  diese
aber  das  Erforderliche  wegen  der  dem  Exekutor  zu  gewährenden  Hülfe  nach  den
hierüber  bestehenden  Gesetzen  veranlassen.

S.  18.

Abgepfändete  baare  Gelder  und  auf  jeden  Inhaber  lautende  Papiere  müssen,
wenn  die  Kasse  sich  nicht  am  Orte  selbst  befindet,  von  dem  Exekutor  in  Gegenwart
  des  Schuldners  oder  der  bei  der  Pfändung  zugezogenen  Personen  verpackt,
und  unter  der  Adresse  des  Kassenbeamten  zur  bat  efordert,  oder  dem  Ortsvorstande,
  der  zur  Annahme  und  weiteren  Beförderung  verpflichtet  ist,  übergeben
werden.

Andere  Gegenstände  sind  bis  zu  deren  Versteigerung  dem  Schuldner  gegen
das  Versprechen,  deren  Aufbewahrung  zu  sorgen,  und  unter  Verweisung  auf
die  Strafen  der  Vereitelung  der  Pfändung,  zu  belassen.

Nur  bei  Unzuverlässigkeit  des  Schuldners  sind  die  gepfändeten  Sachen  einem
#hlungsfähigen  Gemeindemitgliede  oder  dem  Ortsvorstande  zur  Aufbewahrung  zu
übergeben.

Werden  Sachen,  deren  Veruung  ohne  Verbrauch  nicht  möglich  ist,  nach
stattgefundener  Pfändung  in  der  Wohnung  des  Schuldners  belassen  so  find
solche,  soweit  es  nach  den  Umständen  geschehen  kann,  gegen  fernere  Henuzzung
Seitens  des  Schuldners  durch  Verschließung  und  Vaseeaelung  sicher  zu  Galen.
Handlungen  des  Schuldners,  durch  welche  er  die  Pfändung  beweglicher  Sachen
vorsätzlich  vereitelt,  unterliegen  der  Vorschrift  des  J.  272.  des  Strafgesetzbuchs.

S.  19.

Ueber  den  Hergang  bei  der  #fündung  muß  der  Exekutor  an  Ort  und
Stelle  eine  Verhandlung  aufnehmen,  und  solche  nicht  nur  selbst  unterschreiben,
sonderm  auch  von  dem  Schuldner  oder  dessen  Stellvertreter  und  allen  1-0  der

fän-
        <pb n="1738" />
        —  1561  —

Meändung  zugezogenen  Personen  unterschreiben  lassen,  oder  aber  den  Grund  der
fehlenden  Unterschriften  vermerken.

Der  Erekutor  muß  zugleich  den  Schuldner  wochmals  zur  Zahlung  der
Rückstände  mit  dem  Bedeuten  auffordern,  daß,  wenn  solche  nicht  geleistet  werden
sollte,  an  dem  von  ihm  in  der  Regel  sofort  zu  bestimmenden  Tage  zum  Verkauf
  der  Pfandstücke  geschritten  werden  würde.

Dem  Schuldner,  sowie  demjenigen,  dem  die  gepfändeten  Sachen  etwa  in
Verwahnm  gegeben  find,  ist  auf  Verlangen  von  dem  Heter  sofort  eine  Abshhrit
  "n  Söftus  ungsprotokolls  mitzutheilen  und,  wie  solches  geschehen,  in  diesem
zu  bemerken.

Die  Aufnahme  einer  Verhandlung  ist  auch  dann  erforderlich,  wenn  bei
dem  Schuldner  keine  pfändbaren  Gegenstände  vorgefumden  find.

C.  20.

Nach  Ablauf  einer  vom  Tage  der  vollzogenen  Pfändung  an  zu  rechnenden
vierzehntägigen  Frist  ist,  wenn  inzwischen  keine  Zahlung  erfolgt  und  keine  Eigenthumsansprüche
  Dritter  rechtzeitig  angemeldet  und  bescheinigt  worden  sind,  der
öffentliche  Verkauf  der  abgepfändeten  Sachen  von  dem  Beamten,  von  welchem
die  Exekution  angeorduet  worden  ist,  durch  eine  unter  das  Pfändungsprotokoll
u  setzende  schriftliche  Verfügung  an  dem  in  dem  Protokolle  schon  eckiamen

ermine  anzuordnen.  Die  Anordnung  eines  früheren  Verkaufstermins  ist  auch
ohne  Einwilligung  des  Schuldners  zulässig,  wenn  die  abgepfändeten  Sachen  dem
Verderben  unterworfen  sind,  oder  in  der  Wrhausung  des  Echulners  wegen  dessen
Unzuverlässigkeit  nicht  belassen,  anderweitig  aber  nur  en  unverhältnißmäßig
hohe  Kosten  untergebracht  werden  können.  Der  Verkaun  termin  ist  jedoch  auch
in  diesem  Falle  nicht  unter  acht  Tagen  zu  bestimmen  und  der  Schukldner  vorher
davon  zu  benachrichtigen.

C.  21.

Dritte  Personen,  welche  auf  die  abgepfändeten  Sachen  Ansprüche  haben,
müssen  diese  bis  zu  deren  Verkaufe  bei  der  Behörde,  welche  die  Pfändung  angeordnet
  hat,  anmelden  und  bescheinigen.

Der  Bescheinigung  gilt  es  gleich,  wenn  jene  Personen  die  zur  Begründung
  ihrer  Ansprüche  arsot  erlichen  Thatsachen  an  Eidesstatt  versichern.

Wird  der  Anspruch  nicht  bescheinigt,  so  behält  der  Verkauf  seinen  Fortgang
  ist  aber  eine  Scheinigung  beigebracht,  so  ist  nach  Befinden  der  Umstände
die  Prelgebun  der  Sachen  zu  veranlassen,  oder  der  angebliche  Eigenthümer
durch  eine  schriftliche  Verfügung  zum  Rechtswege  zu  verweisen.

K.  22.

Sollten  andere  Gläubiger  des  Schuldners  ein  Vorzugsrecht  vor  der
öffentlichen  Kasse,  in  deren  Interesse  die  Pfändung  gescheen  ist,  behaupten,  so
darf  der  Verkauf  der  abgerfändeten  Sachen  deshalb  niemals  ausgesetzt,  den
Gläubigern  muß  vielmehr  überlassen  werden,  ihr  vermeintliches  Vorrecht  auf
das  Kaufgeld  bei  dem  zuständigen  Gerichte  geltend  zu  machen.  Ebenso  müssen

Joßrgeng  1867.  (Nr.  6841.)  206  dann

Verkauf  der
abgepfändeten
Sachen.
        <pb n="1739" />
        —  1662  —

dann  wenn  die  auf  Andringen  anderer  Gläubiger  gepfändeten  Sachen  auf  Antrag
  dieser  Gläubiger  zr  worden  sind,  die  bestrittenen  Vorrechte  der  öffentlichen
  Kasse  für  die  rückstindigen  Abgaben  und  Gefälle  auf  das  Kaufgeld  bei
dem  zuständigen  Gerichte  geltend  gemacht  werden.

K.  23.

Die  Abhaltung  des  Verkaufs  muß  in  der  Regel  durch  den  Erekutor  auf
dem  Marktilate  oder  in  einem  anderen,  Jedem  zugänglichen  und  zur  Auktion
geeigneten  Lokale  des  Ortes,  wo  die  Pfändung  statt  geschehen.  Es  bleibt
jedoch  dem  Beamten,  welcher  die  Einleitung  des  wwangsverfahrens  angeordnet
bat,  unbenommen,  den  Exekutor  bei  dem  Verkaufe,  sowie  bei  der  Pfändung  zu

eaufsichtigen  und  zu  leiten  und  deshalb  bei  diesem  Erekutionsakt  gegenwärtig  zu
sein.  Es  können  dem  Exekutor  zu  diesem  Zwecke  uc
ben  werden.

Auch  steht  es  dem  die  Exekution  leitenden  Beamten  frei,  den  Verkauf
durch  die  Ortspolizeibehörde  bewirken  zu  lassen.  Verspricht  der  Verkauf  an  einem
benachbarten  Orte  eine  vortheilhaftere  Versilberung  der  Pfandstücke,  ohne  die
Transportkosten  unverhältnißmäßig  zu  vermehren,  6.  ist  dieser  anzuordnen.

Der  Verka  in  der  kiuer  des  Schuldners  ist  nur  dann  nachzugeben,

erwendung  bedeutender  Kosten  der  Verkauf  anderswo  auszuandere

  Beamten  beigegewenn

  nicht  ohne
führen  ist.

KC.  24.

Der  Verkaufstermin  muß  spätestens  acht  Tage  vorher  durch  Ausruf  oder
Anschläge  öffentlich  bekannt  gemacht  werden.  Ersterer  kann  später  noch  wiederholt
  werden.

Küben  die  in  demselben  Termine  zu  versteigernden  Gegenstände  zusammen
einen  Werth  von  mindestens  finfig  Thalern,  so  muß  die  Bekanntmachung  auch
durch  die  öffentlichen  Blätter  des  Ortes,  wo  der  Verkauf  stattfinden  soll,  oder
wenn  daselbst  keine  solchen  Blätter  erscheinen,  durch  die  eines  zunächst  belegenen
Ortes  erfolgen.  Noch  andere  Arten  der  Bekanntmachung  als  die  vorgeschriebenen
können  veranlaßt  werden,  wenn  die  Behörde,  welche  das  Zwangsverfahren  betreibt,
solche  angemessen  findet,  oder  der  Schuldner  rechtzeitig  darauf  anträgt  und  die
erforderlichen  Kosten  bezahlt.

Kann  der  Verkauf  nicht  in  dem  im  Pfändungsprotokolle  anberaumten
Termine  abgehalten  werden,  so  ist  der  anderweitige  Verkaufstermin  dem  Schuldner
und  dem  Verwahrer  der  abgepfändeten  Sachen  besonders  bekannt  zu  machen.

C.  25.

Bei  der  Versteigerung  werden  die  Pfandstücke,  soweit  es  thunlich  ist,  in
der  Regel  einzeln  ausgeboten  und  nach  dreimaligem  Ausruf  dem  Meistbietenden
zugeschlagen.  Die  zugeschlagenen  Pfandstücke  dürfen  nur  gegen  baare  Bezahlung
verabfolgt  und  müssenc  wenn  solche  vor  dem  Schlusse  des  Termins  nicht  erfolgt,
anderweit  ausgeboten  werden.  Der  erste  Käufer  haftet  in  diesem  Falle  für  #en

us-
        <pb n="1740" />
        —  1563  —

Ausfall.  Der  Ortsvorstand  oder  ein  von  diesem  bezeichneter  Gemeinde=  oder
Polizeibeamter  ist  bei  dem  Verkaufe  zuzuziehen.

Dieser  Beamte  sowohl,  als  derjenige,  auf  dessen  Betreiben  das  Zwangsverfahren
  angeordnet  ist,  und  der  Exekutor  dürfen  auf  die  zu  versteigernden
Gegenstände  weder  selbst  mitbieten,  noch  durch  Andere  für  sich  mitbieten  lassen.

KC.  26.

Die  Vossteiferung  muß  eingesselt  und  die  noch  unverkauften  Pfandstücke
müssen  dem  Schuldner  zurückgegeben  werden,  sobald  die  eingegangenen  Kaufgelder
  für  die  beizutreibende  Schuld  und  für  sämmtliche  Kosten  hinreichende
Dechung,  gewähren,  oder  die  fehlende  Summe  baar  eigggahit  wird.

ewährt  die  Auktionslosung  keine  hinreichende  Deckung,  so  kann  die  Fortsetzung
  des  Exekutionsverfahrens  dadurch  abgewendet  werden,  daß  vor  Ablauf  des
Verkaufstermins  eine  hinreichende  Zahl  nicht  abgepfändeter  Sachen  übergeben
wird,  um  solche  gleichfalls  öffentlich  auszubieten.

Der  Beamte,  welcher  den  Verkaufstermin  abhält,  ist  zur  Annahme  aller
Gelder,  welche  aus  der  Versteigerung  eingehen,  oder  an  demselben  Tage  auf  die
Rückstände  angeboten  werden,  befugt,  and  aber,  wenn  die  Gass,  ür  welche  das
Zwangsverfahren  stanzefanden,  nicht  am  Orte  ist  und  deshalb  die  Ablieferung  an
diese  nicht  sofort  erfolgen  kann,  dieselben  in  Gegenwart  des  Schuldners  oder
der  bei  dem  Verkaufe  zugezogenen  Personen  verpacken  und  unter  der  Adresse  des
Kassenbeamten  zur  Post  befördern  oder  dem  Ortsvorstande  zur  weiteren  Beförderung
  übergeben.

g.  27.

Ueber  den  Hergang  der  Versteigerung  muß  von  den  Beamten,  welche  dabei
  mitgewirkt  haben,  eine  Verhandlung  aufgenommen  und  solche  auch  dem
Schuldner,  wenn  derselbe  gegenwärtig  gewesen  ist,  zur  Unterschrift  vorgelegt
werden.

G.  28.

Spätestens  binnen  acht  Tagen  nach  der  Versteigerung  muß  der  Kasfsenbeamte
  dem  Schuldner,  welchem  auf  besonderes  Verlangen  eine  Nachweisung  über
die  Verwendung  der  Auktionslosung  nebst  einer  Abschrift  der  §.  27.  gedachten
Verhandlung  mitzutheilen  ist,  den  etwaigen  Ueberschuß  des  eingegangenen  Geldes
durch  den  Exekutor  zustellen  lassen.

Ist  die  Auktionslosung  unzureichend,  so  ist  dem  Schuldner  zugleich  die
Fortsetzung  des  Exekutionsverfahrens  mit  dem  Bedeuten  anzukündigen,  daß  bei
unterbleibender  Berichtigung  des  Rückstandes  nach  Ablauf  von  acht  Tagen  zu
einer  abermaligen  Pfändung  oder  zu  anderen  Zwangsmitteln  geschritten  werden  würde.

C.  29.

Von  den  §.  20.  bis  26.  aufgestellten  Regeln  finden  nachstehende  Ausnahmen
  statt:

a)  Geldwerthe,  auf  jeden  Inhaber  lautende  Pohiere  sind,  wenn  nicht  binnen

(Nr.  6841.,  206“  acht
        <pb n="1741" />
        —  1564  —

acht  Tagen  nach  der  Beschlagnahme  Eigenthumsansprüche  von  Dritten
angemeldet  worden  sind,  an  die  Regierungs-Hauptkasse,  beziehungsweise,
wo  solche  noch  nicht  besteht,  an  die  sonst  näher  zu  bezeichnende  Kasse  zur
Versilberung  einzusenden.

b)  Ausgedroschenes  Getreide,  Heu)  Lebensmittel  und  andere  Gegenstände,
welche  einen  gemeinen  Marktverkehr  haben,  können  mit  Zustimmung  des
Schuldners  ohne  vorherige  Versteigerung  und  Bekanntmachung  an  Ort
und  Stelle  für  den  letzten  Marktpreis  verkauft,  oder  aber  —  wo  möglich
mit  dem  Gespann  des  Schuldners  —  auf  den  nächsten  Markt  gefahren
und  daselbst  verfilbert  werden.

J)  Goldene  und  silberne  Geräthe  dürfen  nicht  unter  ihrem  Gold=  oder
Silberwerthe  zugeschlagen  werden,  Kleinodien  und  Kunstsachen  nicht  unter
dem  Preise,  zu  welchem  sie  von  Kunstverständigen  abgeschätzt  sind.

Diese  Gegenstände  sind  erforderlichen  Haus  zur  Versteigerung
nach  dem  Hauptorte  des  Regierungsbezirks  oder  einer  anderen  großen
Stadt  zu  versenden.

G.  30.

Seschlag-  Früchte  auf  dem  Halme  dürfen  nur  in  den  letzten  sechs  Wochen  vor  der
nahme  der  gewöhnlichen  Reife  und  nur  dann  in  Beschlag  genommen  werden,  wenn  sich  keine
Frächte  auf  andere  taugliche  und  sicher  aufzubewahrende  Pfandstücke  vorfinden.
dem  Lame,  Drittel  der  Erndte  jeder  Fruchtgattung  ist  von  der  Beschlagnahme

rei  zu  lassen.
frei  Von  der  beabsichtigten  Beschlagnahme  muß  dem  Schuldner  oder  seinen
Angehörigen  mit  der  Aufforderung,  dabei  gegenwärtig  zu  sein,  Nachricht  gegeben
werden.  Die  Beschlagnahme  wird  demnächst  in  der  Art  vollzogen,  daß  der
Exekutor  die  Felder,  auf  welchen  die  abzupfändenden  Früchte  stehen,  der  Obhut
des  Gemeindefeldhüters  oder  eines  anderen  Wächters  überweiset  und  über  den
Hergang  eine  Verhandlung  aufnimmt)  von  welcher  dem  Feldhüter  oder  Wächter,
sowie  dem  Schuldner,  auf  Verlangen,  Abschrift  zu  ertheilen  ist.

Im  Uebrigen  kommen  die  Vorschriften  §#.  12.  bis  27.  zur  Anwendung.

G.  31.

Beschlag  ·  Die  Beschlagnahme  ausstehender  Forderungen  oder  bei  einem  Dritten  befindnahme
  aus.  licher  Sachen  des  Schuldners  erfolgt  mit  der  Wirkung  einer  gerichtlichen  Beschlagstchender
  Zor=  nahme  durch  eine  schriftliche  Verfügung  der  die  Erehtton  leitenden  Behörde,
De#n-  des  durch  welche  der  Dritte  zur  Einzahlung  der  schuldigen  Summe  an  die  Kasse  oder

halbners.  zur  Aushändigung  der  schuldigen  Sachen  an  den  Exekutor  zum  Zweck  des  öffentlichen
  Verkaufs  angewiesen  wird.  Der  Schuldner  muß  von  der  Beschlagnahme

durch  Zustellung  einer  Abschrift  der  Verfügung  und  des  darüber  aufgenommenen
Zustellungsvermerks  mit  der  Aufforderung  benachrichtigt  werden,  die  über  die

Schuld  vorhandenen  Urkunden  bei  Vermeidung  der  zulässigen  Zwangsmittel  dem

Exrekutor  auszuantworten.  Die  Zustellung  der  Beschlagbehms-  Betfügung  und

die  Benachrichtigung  des  Schuldners  muß  durch  den  Exekutor  bewirkt  und,  wie

solches  geschehen,  von  diesem  auf  dem  Konzepte  jener  Verfügung  bescheinigt

wer-
        <pb n="1742" />
        —  1565  —

werden;  die  Handlungen,  welche  der  Dritte  nach  Empfang  der  die  Beschlagnahme
anordnenden  Verfügung  in  Ansehung  der  mit  Beschlag  belegten  Summen  oder
Sachen  zum  Nachtheil  der  Kasse  vornimmt,  werden  in  Bezug  auf  die  letztere
dergestalt  als  nicht  geschehen  angesehen,  daß  der  Dritte  zur  Ichlung  der  schuldigen
Summe  und  Auslieferung  der  schuldigen  Sachen  oder  ihres  Werthes  der  Kasse
verpflichtet  bleibt.  Der  Schuldner  muß  dagegen  nicht  nur  jede  in  Folge  der
Beschlagnahme  geleistete  Zahlung  oder  geschehene  Auslieferung  anerkennen,  sondern
sich  auc,  bei  Vermeidung  der  im  H.  18.  erwähnten  Strafe,  jeder  Cession,  Verpfändung
  oder  anderweiten  Disposition  über  die  in  Beschlag  genommenen  Summen
oder  Sachen  enthalten.  «

Bei  verweigerter  Zahlung  oder  Ausantwortung  der  in  Beschlag  genommenen
  Summen  oder  Sachen  ist  der  die  Exekution  anordnende  Beamte  durch
eine  Verfügung  der  betreffenden  Aufsichtsbehörde  (Regierung,  Generalkommission,
des  Provinzial-Steuerdirektors,  der  Magisträte  in  den  Städten  2c.)  zur  Klage

egen  den  Dritten  zu  ermächtigen.  Des  Ermächtigung  vertritt  die  Stelle  einer
eitens  des  Schuldners  ertheilten  Anweisung  und  Vollmacht  zur  Klage.  Der

mit  Anstellung  der  Klage  beauftragte  Beamte  muß  jedoch  den  Schuldner  zur

Theilnahme  an  dem  zu  führenden  Prozess  gerichtlich  auffordern  lassen.

KC.  32.

Die  Beschlagnahme  von  Besoldumgen,  Wartegeldern  und  Pensionen  erfolgt
durch  ein  auf  Innehaltung  und  Abführung  des  schuldigen  Betrages  gerichtetes
Requisitionsschreiben  des  Beamten,  der  die  Exekution  anordnet,  an  diesenige  Kasse
oder  Behörde,  bei  welcher  die  Besoldung  oder  Pension  4  erheben  ist.  Von  dem
Requisitionsschreiben,  welches  die  Wirkung  einer  gerichtlichen  Beschlagnahme  hat,
muß  dem  Schuldner  Nachricht  gegeben  werden.

K.  33.

Die  Sequestration  und  Verpachtung,  sowie  die  Subhastation  von  Grundstücken
  des  Schuldners  ist  nur  mit  Genehmigung  der  im  g.  31.  bezeichneten  Behörden
  zulässig.

Die  Sequestration  und  Subhastation  muß  alsdann  bei  dem  kompetenten
Gerichte  in  Antrag  gebracht  werden.  '

Das  Gericht  hat  dem  Antrage  ohne  materielle  Pruͤfung  der  Sache  Folge
u  geben,  im  Uebrigen  aber  in  Gemäßheit  der  bestehenden  prozessualischen  Vor-#busften
  zu  verfahren.  ∆  34

Zwangsmaaßregeln,  welche  in  einem  anderen  Empfangsbezirke  zur  Aus-Eubhastation


ber  Grunbstäcke.



Exekution  geführung

  gebracht  werden  müssen,  als  demjenigen,  in  welchem  die  Zahlung  zu  #en  Vorenfen.

entrichten  ist,  sind  durch  Requisition  der  betreffenden  Behörde  zu  bewirken.

K.  35.

Die  Kosten  des  Exekutionsverfahrens  sind  nach  dem  angehängten  Tari
unter  Beachtung  der  nachstehenden  näheren  Bestimmungen  zu  keat

Kosten  des
Exekutionsver=(Nr.

  6841.)  a)  Die  fahreus.
        <pb n="1743" />
        —  1566  —

a)  Die  Gebührenkolonne  wird  durch  den  Gesammtbetrag  der  Abgabenreste
und  rückständigen  Kosten  eines  jeden  einzelnen  Schuldners  bestimmt,  auf
welche  die  betreffende  Verfügung  lautet.

b)  Nach  dem  Beginnen  eines  Exekutionsaktes  müssen,  sesem  in  dem  Tarife
selbst  nicht  ein  Anderes  bestimmt  ist,  die  vollen  Gebühren  bezahlt  werden,
auch  wenn  der  Akt  wegen  inzwischen  eingetretener  Zahlung,  Ausstands-AT
  oder  aus  anderen  Gründen  nicht  zur  Ausführung  gekommen
  ist.

e)  Die  Exekutionsgebühren  müssen,  auch  wenn  der  Exekutor  mehrere  Exekutionsakte
  in  derselben  Gemeinde  zu  gleicher  Zeit  vorgenommen  hat,  von
jedem  Schuldner  besonders  entrichtet  werden;  die  Kosten  für  die  öffentliche
  Bekanntmachung  und  den  Verkauf  der  abgepfändeten  Sachen  werden
  jedoch,  wenn  mehrere  Massen  zusammengenommen  werden,  nur  einmal
  nach  der  Gesammtsumme  entrichtet  und  unter  die  dabei  betheiligten
Shuer  nach  Verhältniß  des  aus  jeder  Masse  gewonnenen  Erlöses
vertheilt.

d)  Bei  Vertheilung  der  Transportkosten  und  anderer  baaren  Auslagen,
welche  mehrere  Schuldner  gemeinschaftlich  zu  tragen  haben,  muß  der  das
Zwangsverfahren  betreibende  Beamte  auf  den  Werth  der  Gegenstände,
lüorn  Umfang,  ihre  Schwere  und  die  sonst  obwaltenden  Umstände  billige

ücksicht  nehmen.

e)  Neben  den  tarifmäßigen  Gebühren  finden  besondere  Reise-  und  Zehrungskosten
  unter  keinen  Umständen  statt.

¶)  Die  Gebühren  der  nach  F.  29.  Uittr.  c.  zuzuziehenden  Sachverständigen
werden  nach  den  bei  gerichtlichen  Schätzungen  in  dem  betreffenden  Landestheile
  üblichen  Ansätzen,  event.  nach  dem  Ermessen  der  Aussichtsbehörde
bestimmt.

Das  Staatsministerium  ist  ermächtigt,  eine  Revision  und  anderweite  Festsetzung
  des  Tarifs  vorzunehmen.

g.  36.

Die  Gebühren  des  Exekutors  und  alle  anderen  Exekutionskosten  werden
von  dem  das  Verfahren  betreibenden  Beamten  aus  den  durch  den  Verkauf  der
verpfändeten  Sachen  oder  anderweit  eingehenden  Geldern  gezahlt.

Bei  Unzulänglichkeit  dieser  Gelder  werden  aus  denselben  zunächst  die  Gebühren
  des  Exekutors  berichtigt,  die  übrigen  Exekutionskosten  aber,  soweit  sie
nicht  gedeckt  werden,  auf  die  dazu  geeigneten  öffentlichen  Fonds  übernommen,
oder  von  derjenigen  Behörde  eingezogen,  für  welche  die  Exekution  stattgefunden  hat.

KG.  37.

In  dem  vormals  Landgräflich  Hefsen=  Homburgischen  Oberamtsbezirk  Meisenheim
  kommt  die  Verordnung  wegen  exekutivischer  Beitreibung  der  direkten  und
in-
        <pb n="1744" />
        —  1667  —

indirekten  Steuern  und  anderer  äffentlicher  Abgaben  und  Gefälle,  Kosten  2c.
für  die  Rheinprovinz  vom  24.  November  1843.  (Gesetz  Samml.  für  1843.
S.  351.)  mit  den  dazu  ergangenen  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden
Vorschriften  zur  Anwendung.

g.  38.

Alle  in  den  neuen  Landestheilen  bestehenden  gesetzlichen  Vorschriften,  welche
den  Bestimmungen  der  gegenwärtigen  Verordnung  entgegenstehen,  oder  mit  denselben
  nicht  zu  vereinigen  s,  treten  außer  Kraft.

K.  39.

Die  zur  Ausführung  gegenwärtiger  Verordnung  etwa  erforderlichen  Anord.

nungen  haben  die  betheiligten  Ministerien  gemeinschaftlich  zu  erlassen.

Dieselbe  tritt  mit  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das  sie  enthaltende
Stück  der  Gesetz  Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.

(1u.  .)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr  6841.)  Exe-
        <pb n="1745" />
        —  1568

mt

Erekutionsgebuhren-Tarif.

 

 

bis  I1  bis  5  |5  bis  0  Loeer
1  Thaler  Thaler  Thaler  5
»  einschließlichkinschcießticheiuschticßcichOTWV
A.  Gebühren  des  Exekutors.  zzALEN
rde  dehns  ...  EEEEEIIILIIEE
2)  Für  die  Pfändung  und  Sicherstellung  der
gepfändeten  Sachen,  sowie  für  Anlegung
eines  Superarrests  44  16
In  dem  F.  14.  gedachten  Falle  werden,  i
wenn  es  zu  keiner  Pfandziehung  kommt,
nur  die  halben  Gebühren  entrichtet.  Die-  s
selbenGebühtenpassirenfürdieeigebung
abgepfändeter  Sachen,  sofern  dieselbe  nicht
bei  Gelegenheit  eines  anderen  Exekutionsakts
  vorgenommen  wird.
3)  Für  die  Anfertigung  und  Anheftung  der
nschläge,  sowie  Kir#.  virtung  des  Ausrufs  2  2  4.  76
4)  Her  die  Versteigernag  4  8  1664
5)  Für  die  Zustellung  eines  Zahlungsbefehls
an  den  Schuldner  des  Abgabenpflichtigen
und  die  Benachrichtigung  des  letzteren,  sowie
für  jede  sonstige  Zustelluing  2  4  12  20
6)  Für  jede  Voschrif.  von  einem  Pfändungs.,
uktions=  oder  anderen  Protokoll  6  6  6  6
B.  Andere  Kosten.
7)  Gebühren  der  bei  einer  Pfändung  zugezomenen
  Zeugen  .  21.  1.  2  4  54
8)  Perü#rn  es  Aufbewahrers  von  Militair-Effekten,
  tägliigg  2RR32155
9)  Gebühren  des  Hüters  von  Früchten  auf
dem  Halme  täglich  ....  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  .  1  2  3  5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu  8.  und  9.  werden,  wenn  die  Ausbewahrung  länger  als  acht  Tage  dauert,  von
dem  neunten  Tage  an  nur  die  halben  Gebühren  bewilligt.

Die  Gebühren  können  dagegen,  wenn  per  als  zehn  zerstreut  liegende  Parzellen  zu
beaufsichtigen  sind,  um  die  Hälfte,  und  wenn  mehr  als  zwanzig  zerstreut  liegende  Parzellen
zu  beaufsichtigen  sind,  um  das  Doppelte  erhöht  werden.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(K  v.  Decker).
        <pb n="1746" />
        —  1569  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  99.  —

 

(Nr.  6842.)  Verordnung,  betreffend  die  Errichtung  eines  evangelischen  Konsistoriums  in
Wiesbaden.  Vom  22.  September  1867.

Wu  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  zur  Erledigung  des  im
11.  der  Verordnung  vom  22.  Februar  1867.  (Gesetz  Samml.  S.  273.)
zemachten  Vorbehalts  wegen  Errichtung  eines  Konsistoriums  für  den  Regierungsezirk
  Wiesbaden,  was  folgt:

K.  1.

Für  den  Regierungsbezirk  Wiesbaden  ist  ein  evangelisches  Konsistorium  in
Wiesbaden  unter  Leitung  eines  weltlichen  Vorsttzenden  einzurichten,  welchem  der
Generalsuperintendent,  ein  Justitiarius  und  geistliche  Räthe  in  der  durch  das
Bedürfniß  bestimmten  Zahl  beizuordnen  sind.

'

Der  Wirkungskreis  des  Konsistoriums  begreift  diejenigen  Geschäfte,  welche
durch  die  Instruktion  für  die  Konsistorien  vom  23.  Oktober  1817.  (Gesetz-Samml.
  S.  237.),  die  Allerhöchste  Kabinetsorder  vom  31.  Dezember  1825.
(Gesetz  Samml.  1826.  S.  5.),  die  Verordnung  vom  27.  Juni  1845.  (Gesetz-Samml.
  S.  440.)  und  die  dieselben  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden
Bestimmungen  den  Konsistorien  überwiesen  sind.

Vorgesetzte  Behörde  des  Konsistoriums  ist  bis  auf  Weiteres  Unser  Minister
der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten,  an  welchen  in  Fällen,  die  außerhalb  der  Zuständigkeit
  des  Konsistorieme  liegen,  zu  berichten  ist.

g.  3.

Im  Gebiete  der  ehemals  freien  Stadt  Frankfurt  a.  M.  bleiben  bis  auf
Weiteres  die  dort  bestehenden  Konfistorien  in  Wirksamkeit.
Johrgang  1867.  (Nr.  6842—6343.)  207  g.  4.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  25.  September  1867.
        <pb n="1747" />
        —  1570  —

K.  4.

Unser  Minister  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten  wird  mit  der  Ausführung
  dieser  Verordnung  beauftragt,  und  hat  den  Zeitpunkt  zu  bestimmen,  mit
welchem  die  neue  Behörde  in  Wirksamkeit  treten  soll.

zirbundch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.

(1I.  .)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6843.)  Berordnung,  betreffend  die  Errichtung  von  Provinzial-Schulkollegien  und
Medizinal-Kollegien  für  die  neu  erworbenen  Landestheile.  Bom  22.  September
  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛ.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  wegen  Errichtung  von
Provinzial-Schulkollegien  und  von  Medizinal-Kollegien  für  die  neu  erworbenen
Landestheile,  was  folgt:

S.  1.

Für  die  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.
(Gesetz  Samml.  S.  555.  875.  876.)  mit  der  Monarchie  neu  vereinigten  Landestheile
  sind  unter  dem  Vorsitz  der  betreffenden  Oberpräsidenten  drei  Provinzial=Schulkollegien
  und  drei  Medizinal-Kollegien  mit  dem  Amtssitz  in  Kiel,  Hannover
und  Kassel  zu  errichten.  2

§.  2.

Der  amtliche  Wirkungskreis  der  neuen  Behörden  erstreckt  sich  für  die  Kollegien
  in  Kiel  auf  die  Herbogthumer  Holstein  und  Schleswig,  für  die  Kollegien
in  Hannover  auf  die  Provinz  Hannover,  für  die  Kollegien  in  Kassel  auf  die
Regierungsbezirke  Kassel  und  Wiesbaden.

g.  3.

Dieselben  stehen  unmittelbar  unter  Unserem  Minister  der  geistlichen,  Unterrichts,
  und  Medizinal-Angelegenheiten  und  haben  in  dem  ihnen  angewiesenen
Bzir  diejenigen  amtlichen  Aufgaben  zu  lösen,  welche  den  gleichnamigen  Behörden
in  den  älteren  Theilen  der  Penarchie  nach  den  Instruktionen  vom  23.  Oktober  1817.
(Gesch,  Samn.  S.  237.  245.),  der  Allerhöchsten  Kabinetsorder  vom  31.  Dezemer
  1825.  (Gesetz=  Samml.  von  1826.  S.  5.)  und  den  dieselben  erläuternden,  ergänzenden

  und  abändernden  Bestimmungen  gestellt  sind.  "
.  4.
        <pb n="1748" />
        —  1571  —

C.  4.

Unser  Minister  der  geistlichen,  Unterrichts-  und  Medizinal-Angelegenheiten
wird  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  und  dem  Erlaß  der  dazu  erforderlichen
  Instruktionen  beauftragt.  Derselbe  hat  den  Zeitpunkt  zu  bestimmen,  mit
welchem  die  neuen  Behörden  in  Wirksamkeit,  und  die  durch  sie  zu  ersetzenden
Behörden  außer  Thätigkeit  treten.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.

.  #.)Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  684  3a.)  Verordnung,  betreffend  die  Auflösung  des  Hauses  der  Abgeordneten.  Vom
22.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.,

verordnen,  auf  Grund  des  Artikels  51.  der  Verfassungs-Urkunde  vom  31.  Januar
1850.,  nach  dem  Antrage  des  Staatsministeriums,  was  folgt:

F.  1.
Das  Haus  der  Abgeordneten  wird  hierdurch  aufgelöst.

&amp;amp;.  2.
Unser  Staatsministerium  wird  mit  der  Ausführung  der  gegenwärtigen
Verordnung  beauftragt.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  h.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  r.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulen  burg.

 

(#r.  6##13—844)  207“  (Nr.  6344.)
        <pb n="1749" />
        —  1572  —
(Nr.  6844.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Regulativs  über  die  Beschäftigung
jugendlicher  Arbeiter  in  Fabriken  vom  9.  März  1839.,  und  des  dasselbe

abändernden  Gesetzes  vom  16.  Mai  1853.,  in  die  neu  erworbenen  Landestheile.
  Vom  22.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.
verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  foldgt:

K.  J.

Das  Regulativ  über  die  Beschäftigung  jugendlicher  Arbeiter  in  Fabriken  vom
9.  März  1839.  (Gesetz-Samml.  von  1839.  S.  156.),  sowie  das  Gesetz,  betreffend
einige  Mbänderungen  dieses  Regulativs,  vom  16.  Mai  1853.  (Gesetz=  Samml.
von  1853.  S.  225.)  werden  in  die  mit  Unserer  Monarchie  durch  das  Gesetz  vom
20.  September  1866.  und  die  beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz-Samml.
  von  1866.  S.  555.  875.  und  876.)  vereinigten  Landestheile  mit  den
nachstehenden  Abänderungen  und  Ergänzungen  eingeführt.

g.  2.

Die  nach  dem  Regulativ  vom  9.  März  1839.  den  Regierungen  übertragenen
  Befugnisse  werden,  insoweit  die  Geschäfte  der  Regierungen  in  einzelnen
Landestheilen  anderen  Behörden  überwiesen  sind,  von  diesen  Behörden  ausgeübt.

ie

Sollte  durch  die  Ausführung  dieser  Verordnung  bereits  bestehenden  Fabrikanstalten,
  Berg.,  Hütten  und  Pochwerken  die  nöthige  Arbeitskraft  entzogen  werden,
  so  ist  der  Minister  für  „urdel  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  ermächtigt,
im  Einvernehmen  mit  dem  Minister  der  geistlichen,  Unterrichts.  und  Medizinal-Angelegenheiten
  auf  bestimmte  Zeit  Ausnahmevorschriften  zu  erlassen.  In  gleicher
Weise  kann  durch  Ausnahmevorschriften  die  nach  F.  3.  Absatz  1.  des  Regulativs
vom  9.  März  1839.  jalässige  Arbeitsdauer  von  zehn  Stunden  bis  auf  sechs
Stunden  täglich  für  solche  jugendliche  Arbeiter  beschränkt  werden,  welche  zwar
das  vierzehnte  bbensfahr  vollendet  haben,  sich  aber  nach  den  besonderen,  in  einsüsen
  Landestheilen  bestehenden  Schuleinrichtungen  noch  im  schulpflichtigen  Alter
befinden.

7  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.

(L.  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6845.
        <pb n="1750" />
        —  1573  —

(Nr.  6845.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  9.  September  1867.,  betreffend  die  Ermäßigung  der
Abgabe,  welche  für  das  Befahren  des  Bromberger  Kanals  zu  erheben  ist.

D.  mittelst  Ihren  gemeinschaftlichen  Berichts  vom  6.  d.  Mts.  Mir  vorgelcgten
Tarif  zur  Erhebung  der  Abgaben  für  das  Befahren  des  Bromberger  Kanals,
durch  welchen  diese  Abgaben  von  Neuem  ermäßigt  und  die  seitherigen  Tarifvorschriften
  vereinfacht  werden,  sende  Ich  Ihnen  von  Mir  vollzogen  hierneben
zur  weiteren  Veranlassung  mit  der  Bemmung  zurück,  daß  derselbe  mit  dem
1.  Oktober  d.  J.  in  Kraft  treten  soll.  Bei  der  in  Meinem  Erlasse  vom  5.  Mai
1862.  Ihnen  ertheilten  Ermächtigung,  die  im  Tarife  vorgeschriebene  Abgabe  von
den  Fahrzeugen,  welche  mit  Kohlen  oder  zu  gewerblichen  Zwecken  bestimmtem
Salze  beladen  sind,  nach  Bedürfniß  zu  ermäßigen,  bewendet  es.

Dieser  Erlaß  ist  mit  dem  Tarif  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.

Schloß  Babelsberg,  den  9.  September  1867.

Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

(r.  6845.  Ta-
        <pb n="1751" />
        —  1574  —

Tarif,

nach  welchem  die  Abgabe  fuͤr  das  Befahren  des  Bromberger  Kanals

zu  erheben  ist.

Vom  9.  September  1867.

Es  wird  entrichtet  für  die  Benutzung  einer  jeden  der  zwölf  Schleusen  des  Kanals:

1

—E

ç  A.  Von  einem  Schiffsgefäße
für  je  2  Lasten  (100  Zentner  Landesgewicht)  der  Tragfähigkeit  acht
Pfennige.

Bei  Berechnung  der  Tragfähigkeit  werden  weniger  als  22  Last
für  volle  24  Last  gerechnet.

Ausnahmen.

Gefäße,  welche  Kcdiglich  mit  Brennmaterialien  (als:  Holz,  Torf,  Stein.,
Braun-,  Holzkohlen,  Koaks,  Schaalbretter  bis  zur  Länge  von  drei  Fuß
u.  s.  w),  mit  rauher  Fourage,  Schilf,  Rohr,  Seegras,  Faschinen,
Buhnenpfählen,  Korbmacherruthen,  Lohe,  Ziegeln,  Dachschieferplatten,
Drainröhren,  Bau-,  Granit-,  Pflaster-,  Mühlen.,  Cement-,  Kalk=  oder
Gypssteinen  (mit  Einschluß  der  roh  zugerichteten  Werkstücke);  mit  Erde,
Sand,  Thon,  Porzellanerde,  Traß,  Schwefelkies,  Schwerspath,  Roh=  und
Brucheisen,  Ziegel=  oder  Gypsmehl,  Mehl  aus  Chamottsteinen  oder  Kapselscherben,
  gemahlenem  Kalk  und  Cement,  mit  Glasbrocken,  Lehm,  Asche,
Eisenschlacken  oder  mit  Düngungsmitteln  (als:  Mist,  Mergel,  Gyps,
Kalk,  Abgang  aus  Zuckersiedereien,  Knochen  für  Dungfabriken  u.  s.  w.)
mit  Salz,  rohem  Salpeter,  Soda,  Kali=  und  Abraumsalzen;  mit  leeren
Fässern,  Kisten,  Körben  oder  Säcken  beladen  sind,  zahlen  die  Hälfte  der
vorstehend  zu  A.  bestimmten  Abgabe.

Gefäße,  auf  denen  sich  außer  deren  Zubehör,  außer  den  Mundvorräthen
für  die  Bemannung  und  außer  den  zur  Verladung  gewisser  Gegenstände
unentbehrlichen  Brettern  und  Ständern,  an  sonstigen  Sachen  nur  sechs
Zentner  oder  weniger  befinden,  sind,  sofern  sie  nicht  zum  Personentransport
  benutzt  werden,  von  der  vorstehend  zu  A.  bestimmten  uhgab  beeit.
        <pb n="1752" />
        —  1575  —

freit.  Dieselbe  Befreiung  tritt  für  Gefäße  ein,  welche  lediglich  zum
Ableichtern  dienen.

Anmerkung  zu  1.  und  2.  Besteht  die  Ladung  zum  Theil
aus  den  unter  1.  genannten,  zum  Theil  aus  anderen  Gegenständen,
oder  wird  das  Gllig  zum  Personentransport  benutzt,  so  wird  die
Abgabe  zum  vollen  Betrage  erhoben.  ·

B.  Von  geflößtem  Holze.

1)  Von  Flößen,  die  ganz  oder  theilweise  aus  vierkantig  beschlagenen  Hölzern
  uadratholz)  oder  Balken  bestehen,  für  jede  fünfundzwanzig
Quadratfuß  der  Oberfläche  mit  Einschluß  des  Flottwerkes  und
Wasserraumes,

2)  von  allen  anderen  Flößen  für  jede  dreißig  Quadratfuß  der
Oberfläche  mit  Einschluß  des  Flottwerkes  und  Wasserraumes  —  ein
Pfennig.

Bei  Berechnung  der  Oberfläche  wird  eine  Fläche  von  überhaupt
weniger  als  25  (zu  1.)  beziehungsweise  30  (zu  2.)  Quadratfuß  vollen
25  oder  30  Quadratfuß  gleichgestellt,  ein  Ueberschuß  von  weniger  als
124  (zu  1.)  beziehungsweise  15  (u  2.)  Quadratfuß  außer  Berechnun
gelassen  und  ein  Ueberschuß  von  124  beziehungsweise  15  Duad#atsuß
oder  mehr  für  volle  25  beziehungsweise  30  Quadratfuß  gerechnet.

Befreiungen.
Die  Abgabe  wird  nicht  erhoben:

1)  von  Schiffsgefäßen  oder  Flößen,  welche  Staatseigenthum  sind  oder  für
Rechnung  des  Staats  Gegenstände  befördern,  auf  Vorzeigung  von  Freipässen;


von  Fischerkähnen,  Fischdröbeln,  Gondeln,  Anhängen,  Handkähnen  und
äahnlichen  kleinen  Fahrzeugen,  welche  ihrer  Bauart  nach  zur  Frachtbeförderung
  nicht  bestimmt  sind,  sofern  sie  keinen  besonderen  Schleusenaufzug.
erfordern  und  sofern  dies  bei  der  zuerst  berührten  Schleuse  für  die  ganze
Fahrt  angemeldet  wird.

2

—

Jusätzliche  Vorschriften.

1)  Die  Abgabe  ist  von  dem  Führer  des  Schiffsgefäßes  oder  Flosses  bei  der
bestimmten  Empfangsstelle  vor  der  Einfahrt  in  die  Schleuse  zu  erlegen,
sofern  die  Entrichtung  der  Abgabe  nicht  bereits  im  Voraus  stattgefunen

  hat.
(Nr.  6845.)  2)  Die
        <pb n="1753" />
        —  1676  —
2)  Die  Erhebung  erfolgt  durch  die  Empfangsstellen  zu  Bromberg  und  an
der  zehnten  Schleuse  bei  Nakel.

3)  An  welche  Empfangsstelle  die  Zahlung  zu  leisten,  wo  und  in  welcher
Art  die  Veglhgt  des  Gefäßes,  der  Flächenraum  des  geflößten  Holzes,
  die  Beschaffenheit  der  Ladung  anzumelden  und  was  bezüglich
der  Entrichtung  der  Abgabe  zu  beobachten  ist,  wird  durch  den  Finanzminister
  bestimmt.

4)  Unverbundenes  Holz  wird  nicht  durch  die  Schleusen  gelassen.

5)  Die  Regierung  zu  Bromberg  ist  ermächtigt,  die  Tiefe  der  Einsenk#m
zu  bestimmen,  welche  das  den  Kanal  passirende  Holz  höchstens  haben  dar

6)  In  den  Lagen  des  auf  der  Brahe,  Weichsel  oder  Netze  geflößten  Holzes
darf  durch  dessen  Uebereinanderschichten  chufe  des  Transports  durch
den  Kanal  keine  Aenderung  vorgenommen  werden.

7)  Bei  den  zusätzlichen  Vorschriften  unter  Nr.  7.  und  8.  des  Tarifs  vom
16.  Januar  1841.  (Gesetz  Samml.  S.  28.)  bewendet  es.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  9.  September  1867.
(u.  8.Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

 

(Nr.  6846.)
        <pb n="1754" />
        —  1677  —

(Nr.  6846.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  9.  September  1867.,  betreffend  die  Ermäßigung  der
Abgabe,  welche  für  das  Befahren  der  Wasserstraßen  zwischen  der  Oder
und  Elbe  zu  erheben  ist.

A-  Ihren  gemeinschaftlichen  Bericht  vom  7.  d.  Mts.  erkläre  Ich  Mich  mit
der  von  Ihnen  beantragten  und  durch  das  Verhältniß  der  Einnahme  von  Schifffahrtsabgaben
  zu  den  aufgewendeten  Unterhaltungskosten  gerechtfertigten  wiederholten
  Ermäßigung  der  Abgabe,  welche  für  das  Befahren  der  Wasserstraßen
zwischen  der  Oder  und  Elbe  S  erheben  ist,  einverstanden.  Ich  habe  daher  den
Mir  vorgelegten  Tarif  zur  Erhebung  der  gedachten  Abgabe,  welcher  mit  dem
1.  Oktober  d.  J.  in  Kraft  treten  soll,  genehmigt  und  lasse  Ihnen  denselben  von
Mir  vollzogen  anliegend  zur  weiteren  Veranlafung  zugehen.

Bei  der  in  Meinem  Erlasse  vom  5.  Mai  1862.  Ihnen  ertheilten  Ermächtigung,
  die  im  Tarife  vorgeschriebene  Abgabe  von  Fahrzeugen,  welche  mit  Kohlen
oder  zu  gewerblichen  Zwecken  bestimmtem  Salze  beladen  #la,  nach  Bedürfniß  zu
ermäßigen,  bewendet  es.

Dieser  Erlaß  ist  mit  dem  Tarif  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.


Schloß  Babelsberg,  den  9.  September  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

Jahrgang  1807.  (Nr.  6846.)  208  Ta-
        <pb n="1755" />
        —  1578  —

Tarif,

nach  welchem  die  Abgabe  fuͤr  das  Befahren  der  Wasserstraßen
zwischen  der  Oder  und  der  Elbe  zu  erheben  ist.

Vom  9.  September  1867.

Es  wird  entrichtet-A.

  von  einem  Schiffsgefäße,  so  oft  dasselbe  eine  der  nachfolgend  bezeichneten
  Hebestellen  (Schleusen)  passirt:
am  Finow-Kanal  bei  Liebenwalde  oder  Neustadt-Eberswalde;
am  Friedrich-Wilhelms-Kanal  bei  Neuhaus  oder  Brieskow;
an  der  Spree  bei  Fürstenwalde  oder  Berlin;
an  der  Havel  bei  Zehdenick,  Oranienburg,  Spandau,  Brandenburg
oder  Rathenow)
am  Ruppiner  Kanal  bei  der  Thiergartenschleuse  unweit  Oranienburg;
am  Templiner  Kanal  bei  der  Kannenburger  Schleuse;
am  Plauer  Kanal  bei  Parey  oder  Plaue;
an  jeder  ebestell  für  je  24  Lasten  (100  Zentner  Landesgewicht)  der
Tungfähig  eit  drei  Silbergroschen,  jedoch  in  keinem  Falle  mehr,  als
im  Ganzen  zwei  Thaler  zehn  Silbergroschen.
Bei  Berechnung  der  Tragfähigkeit  werden  weniger  als  22  Last
für  volle  24  Last  gerechnet.

Ausnabmen.

1)  Gefäße,  welche  lediglich  mit  Brennmaterialien  (als  Holz,  Torf,
Stein-,  Braun-,  Holzkohlen,  Koaks,  Schaalbretter  bis  zur  Länge
von  3  Fuß  2c.))  mit  rauher  Fourage,  Schilf,  Rohr,  Seegras,
Faschinen,  Buhnenpfählen,  Korbmacherruthen,  Lohe,  Ziegeln,  Dachschieferplatten,
  Drainröhren,  Bau-,  Granit-.,  Pflaster-,  Mühlen-,
Cement-,  Kalk=  oder  Gypssteinen  (mit  Einschluß  der  roh  zugerichteten
  Werkstücke))  mit  Erde,  Sand,  Thon,  Porzellanerde,  Traß,
Schwefelkies,  Schwerspath,  Roh-  und  Brucheisen,  Ziegel-  oder
Gypsmehl,  Mehl  aus  Chamottsteinen  oder  Kapselscherben,  gemahlenem
  Kalk  oder  Cement,  mit  Glasbrocken,  Lehm,  Asche,  Eisenschlacken,
  oder  mit  Düngungsmitteln  (als  Mist,  Mergel,  G#

/
        <pb n="1756" />
        —  1579  —

Kalk,  Abgang  aus  Zuckersiedereien,  Knochen  für  Dunglabriten  u.  s.  w.),
mit  Salz,  rohem  Salpeter,  Soda,  Kali=  und  Abraumsalzen;  mit
leeren  Fässern,  Kisten,  Körben  oder  Säcken  beladen  sind,  zahlen  die
Häte  der  vorstehend  zu  A.  bestimmten  Abgabe,  jedoch  in  keinem
alle  mehr  als  im  Ganzen  Einen  Thaler  fünf  Silbergroschen.

2)  Gefäße,  auf  denen  sich  außer  deren  Zubehör,  außer  den  Mundvorräthen
  für  die  Bemannung  und  außer  den  zur  Verladung  gewisser
Gegenstände  unentbehrlichen  Brettern  und  Ständern  an  sonstigen
Sachen  nur  6  Zentner  oder  weniger  befinden,  entrichten,  sofern  sie
nicht  zum  Personentransport  benutzt  werden,  nur  ein  Sechstel  der
vorstehend  zu  A.  bestimmten  Abgabe,  jedoch  in  keinem  Falle  mehr
als  im  Ganzen  zwölf  Silergro  en.

Die  gleiche  Ermäßigung  tritt  für  Gefäße  ein,  welche  lediglich
zum  Ableichtern  dienen.

Anmerkung  zu  1.  und  2.  Besteht  die  Ladung  zum
Theil  aus  den  zu  1.  genannten,  zum  Theil  aus  anderen  Gegenständen,
  oder  wird  das  Gefäß  zum  Personentransport  benutzt,
so  wird  die  Abgabe  zum  vollen  Betrage  erhoben.

B.  Von  geflößtem  Holze,  so  oft  eine  der  zu  A.  genannten  Hebestellen

passirt  wird,  bei  jeder  Hebestelle  und  zwar:

I.  1)  von  Flößen,  welche  ganz  oder  sheies  aus  vierkantig  beschlagenen
Hölzern  (Quadratholz)  oder  Balken  bestehen,  für  jede  25  Quadratfuß
  der  Oberfläche  mit  Einschluß  des  Flottwerkes  und  Wasserraumes,


2)  von  allen  anderen  Flößen  für  jede  30  Quadratfuß  der  Ober-Mich
  mit  Einschluß  des  Flottwerkes  und  Wasserraumes  —  vier

ennige.

9  Berechnung  der  Oberfläche  wird  eine  Fläche  von  über—
haupt  weniger  als  25  (zu  1.)  beziehungsweise  30  (zu  2.)  Quadratfuß
  vollen  25  oder  30  Quadratfuß  gleichgestellt,  ein  Ueberschuß  von
weniger  als  124  (zu  1.)  be  -  15  (zu  2.)  Quadratfuß
außer  Berechnung  gelassen  und  ein  Ueberschuß  von  124  beziehungsweise
  15  Quadratfuß  oder  mehr  für  volle  25  oder  30  Quadratfuß
gerechnet.

II.  Ist  das  geflößte  Hohz  mit  Stab=  oder  Felgenholz  oder  mit  Gegenständen
  der  unter  A.  Ausnahme  1.  bezeichneten  Art  beladen,  so  wird
außer  der  zu  B.  I.  vorgeschriebenen  keine  weitere  Abgabe  erhoben.

III.  Befinden  sich  auf  dem  geflößten  Holze  außer  dem  Zubehör  und  außer
dem  Mundvorrath  für  die  Bemannung  an  anderen  Gegenständen  als
Stab-  oder  Felgenholz  oder  als  Sachen  der  unter  A.  Ausnahme  1.
bezeichneten  Art  mehr  als  6  Zentner,  so  ist  neben  der  zu  B.  I.  vorgeschriebenen
  noch  eine  Abgabe  von  fünf  Silbergroschen  bei  jeder
Hebestelle  zu  entrichten.

Anmerkung.  Bei  den  aus  mehreren  sogenannten  Plätzen
(Nr.  6846.)  be-
        <pb n="1757" />
        —  1680  —

bestehenden  Flößen  wird  jeder  beladene  Platz  in  Betreff  der
unter  B.  III.  vorgeschriebenen  Abgabe  als  ein  besonderes  Floß
angesehen.
Befreiungen.
Die  Abgabe  wird  nicht  erhoben:

1)  von  Schiffsgefäßen  oder  Flößen,  welche  Staatseigenthum  sind,  oder  für
o—  des  Staats  Gegenstände  befördern,  auf  Vorzeigung  von  Freipässen;


2)  von  Fischerkähnen,  Fischdröbeln,  Gondeln,  Anhängen,  Handkähnen  und
ähnlichen  kleinen  Fahrzeugen,  welche  ihrer  Bauart  nach  zur  Frachtbeförderung
  nicht  bestimmt  sind,  sofern  sie  keinen  besonderen  Schleusenaufzug
  erfordern,  und  sofern  dies  bei  der  zuerst  berührten  Schleuse  für
die  ganze  Fahrt  angemeldet  wird;

3)  von  den  auf  dem  Landwehr=  und  Loutsenstädtischen  Kanal  bei  Berlin
ausgehenden  Schiffsgefäßen  oder  Flößen,  wenn  die  Abgabe  für  den
Eingang  erlegt  ist.

Zusätzliche  Vorschriften.

1)  Die  Abgabe  ist  von  dem  Führer  des  Schiffsgefäßes  oder  Flosses  bei  der
bestimmten  Empfangsstelle  vor  der  Einfahrt  in  die  Schleuse  zu  erlegen,
Lere  die  Entrichtung  der  Abgabe  nicht  bereits  im  Voraus  stattgefunen

  hat.

2)  An  welche  Empfangsstelle  die  Zahlung  !  leisten,  wo  und  in  welcher
Art  die  Tragfähigkeit  des  Gefäßes,  der  Flächenraum  des  geflößten  Holzes,
die  Beschaffenheit  der  Ladung  anzumelden  und  was  sonst  bezüglich  der
Entrichtung  der  Abgabe  zu  beobachten  ist,  wird  durch  den  Finanzminister
bestimmt.

3)  Bei  den  Vorschriften  unter  Nr.  10.  des  Tarifs  für  den  Plauer  Kanal
vom  14.  November  1824.  (Gesetz=  Samml.  S.  220.)  und  unter  Nr.  4.
der  zufägichen  Bestimmungen  zu  dem  Tarif  für  die  Wasserstraßen
zwischen  Oder  und  Elbe  vom  18.  Juni  1828.  (Gesetz=  Samml.  S.  110.)
bewendet  es.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  9.  September  1867.

(I.  )  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministerlums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerel
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1758" />
        —  1581  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  100.—

 

(Nr.  6847.)  Verordnung,  betreffend  die  provinzialständische  Ver##ssung  im  Gebiete  der
Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein.  Vom  22.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  ꝛc.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.
Das  Gebict  der  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein  bildet  einen  provinzialständischen
  Verban  iier  der  Bezeichnung
„Provinz  Schleswig-Holstein.“

Dieser  Verband  hat  die  Rechte  einer  Korporation.

Derselbe  wird  durch  Provinzialstände  vertreten,  welche  sich  auf  dem  Provinziallandtage
  versammeln.

S.  2.

Dem  Provinziallandtage  steht  unter  der  Mitwirkung  und  Aufsicht  der
Staatsregierung  die  Beschlußnahme  über  die  K  l  genheiten  der  Provinz,
  die  Verwaltung  und  Vertretung  der  provinzialständischen  Institute  und
Vermögensrechte  zu.

Er  ist  befant  im  Interesse  der  Provinz  Ausgaben  und  Leistungen  zu  übernehmen
  und  die  Art  und  Weise  der  Aufbringung  derselben  zu  beschließen.

Er  hat  außerdem  die  Rechte  und  Pflichten  der  in  den  älteren  Landestheilen
des  Preußischen  Staates  bestehenden  Provinzialstände.

(6.  3.
Ueber  die  Zusammensetzung  des  Provinziallandtages  bestimmen  Wir,  wie  folgt.
Es  erscheinen:
I.  im  Stande  der  größeren  Grundbesitzer:
a)  der  Besitzer  der  Fürstlich  Hessensteinschen  Fideikommißgüter,
Jehrgeng  1867.  (Nr.  6847))  209  b)  vier

Ausgegeben  zu  Berlin  den  26.  September  1867.
        <pb n="1759" />
        —  1582  —
b)  vier  Vertreter  der  Schleswig-  Holsteinschen  Ritterschaft  wegen  der
Klöster  zu  Itzehoe,  Preetz,  Uetersen  und  St.  Johannis,
e)  15  gewählte  Abgeordnete;
II.  im  Stande  der  Städte:
19  Abgeordnete  der  auf  den  Kreistagen  im  Stande  der  Städte  vertretenen
  Gemeinden;
III.  im  Stande  der  Landgemeinden:
19  Abgeordnete  der  auf  den  Kreistagen  im  Stande  der  Landgemeinden
  vertretenen  Gemeinden;
zusammen  58  Mitglieder.

KS.  4.

Die  Vertreter  der  Schleswig-Holsteinschen  Ritterschaft  (§.  3.  I.  b.)  werden
von  dieser  Korporation  aus  ihrer  Mitte  entsendet.

S.  5.

Von  den  Abgeordneten  der  größeren  Grundbesitzer  (§.  3.  I.  c.)  werden  fünf
aus  dem  Herzogthum  Schleswig  und  zehn  aus  dem  Herzogthum  Holstein  von
sämmtlichen  zur  Führung  einer  Viril=  oder  Kollektivstimme  im  Stande  der
größeren  Grundbesitzer  auß  dem  Kreistage  befähigten  Grundbesitzern  gewählt.

Jedes  Herzogthum  bildet  für  sich  einen  Wahberrk,  in  welchem  die  Abgeordneten
  von  den  Wahlberechtigten  aus  deren  Mitte  gewählt  werden.

)2-“

Die  Abgeordneten  im  Stande  der  Städte  (F.  3.  II.)  werden  folgendergestalt
  vertheilt.

Es  wählen:
1)  die  Stadt  Altaonnn  ..  .  .  .  .  .  .  ..  2  Abgeordnete,
2)  Flensbunng  .....  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  1  Abgeordneten,
3t)  Kiell..  1  .
4)  Schleswg  ..  1
5)  Rendsburg  .  .  ...  1
6)  —  Haderslebben  1  -

7)  die  übrigen  im  Stande  der  Städte  auf  den  Kreistagen

  vertretenen  Städte  und  Flecken  aus  dem  Herogthum

  Schleswig  ohne  Fehmarn  und  einschließlich

er  Städte  Tönning  und  Garding  zusammen  4  Abgeordnete,
8)  die  übrigen  in  den  Kreiien  Pinneberg  und  Steinburg

  im  Stande  der  Städte  auf  den  Kreistagen  vertretenen

  Städte  und  Flecken  zusammen

9)  die
        <pb n="1760" />
        —  1583  —

9)  die  übrigen  in  den  Kreisen  Rendsburg,  Kiel,  Segeberg,
  Stormarn,  Ploen  und  Oldenburg  im  Stande
der  Städte  auf  den  Kreistagen  vertretenen  Städte

 

und  Flecken  zusamenmm  .  .  .  .  .  ..  4  Abgeordnete,
10)  die  Flecken  Heide  und  Meldorf  alternirend  .  .  .  1  Abgeordneten,
zusammen  19  Abgeordnete.

K.  7.

Die  Abgeordneten  derjenigen  Städte  und  Flecken,  welche  für  sich  allein
zur  Wahl  berußn  sind,  werden  von  den  städtischen,  beziehentlich  Fleckens-Kollegien
aus  ihrer  Mitte  gewählt.

Die  Abgeördneten  der  zur  gemeinsamen  Wahl  verbundenen  Städte  und
Flecken  sind  von  den  Kreistagsdeputirten  dieser  Städte  und  Flecken  und  deren

tellvertretern  zu  wählen.  Wählbar  sind  sämmtliche  Mitglieder  der  städtischen,
besiehentlich  Fleckens  Kollegien  der  zum  Wahlbezirk  (I.  6.)  gehörigen  Städte  und
ecken.

Eine  andere  Abgrenzung  der  Wahlbezirke  und  Vertheilung  der  Abgeordnetenzahl
  kann  auf  Antrag  des  Provinziallandtages  mit  Unserer  Genehmigung
erfolgen.

g.  8.

Im  Stande  der  Landgemeinden  (§.  3.  III.)  wird  aus  jedem  Landkreise
Ein  Abgeordneter  von  den  zeitigen  Vertretern  der  Landgemeinden  im  Kreistage
und  deren  Stellvertretern  gewählt.

Wählbar  sind  die  Mitglieder  der  Wahlkörper,  welche  zur  Wahl  der  Kreistagsabgeordneten
  im  Stande  der  Landgemeinden  berufen  sind.

In  den  Kreisen  Norder-Dithmarschen,  Süder-Dithmarschen  und  Eiderstedt
  erfolgt  die  Wahl  des  Abgeordneten  von  der  gesammten  Kreisversammlung,
mit  Ausschluß  der  im  Stande  der  Städte  vertretenen  Städte  und  Flecken,  aus
ihrer  Mitte.

K.  9.

Die  Wahlen  der  Abgeordneten  geschehen  auf  sechs  Jahre  dergestalt,  daß
alle  drei  Jahre  die  Hälfte  der  Abgeordneten  jedes  Standes  ausscheidet.  Die  für
das  erste  Mal  Ausscheidenden  werden  durch  das  Loos  bestimmt.  Die  Ausscheidenden
  sind  wieder  wählbar.

Hr  jeden  Abgeordneten  wird  gleichzeitig  ein  Stellvertreter  gewählt.

as  Mandat  erlischt,  sobald  die  Vorbedingung  der  Wählbarkeit  fortfällt.

S.  10.

Für  das  Verfahren  bei  den  Wahlen  zum  Provinziallandtage,  wie  auch
bei  den  von  den  Provinzialständen  selbst  vorzunehmenden  ahen  sind  die  Vorchriften
  des  Reglements  vom  22.  Juni  1842.  über  das  Verfahren  bei  den
ehesn  Wahlen  (Preußische  Gesetz  Samml.  von  1842.  S.  213.)  maaßgebend.
(Nr.  6847.)  209“  K.  11.
        <pb n="1761" />
        —  1584  —

.  11.

Zur  persönlichen  Ausübung  des  Stimmrechtes  auf  dem  Provinziallandtage
  ist  bei  allen  Mitgliedern  desselben  und  deren  Stellvertretern  die  Vollendung
des  24  sten  Lebensjahres  erforderlich.

Das  zu  F.  3.  I.  a.  genannte  Mitglied  kann  sich  in  allen  Fällen  durch
einen  wählbaren  Besitzer  eines  größeren  Gutes  (§.  5.),  welcher  nicht  schon  Mitglied
  des  Provinziallandtages  ist,  vertreten  lassen.

K.  12.

Der  Landtags-Marschall,  sowie  ein  Stellvertreter  desselben,  wird  aus  den
Mitgliedern  des  Provinziallandtages  auf  die  Dauer  jedes  Landtages  durch  Uns
ernannt.

Derselbe  hat  die  Verhandlungen  zu  leiten  und  die  Ordnung  in  der  Landtagsversammlung
  aufrecht  zu  erhalten.

.  13.

Zu  Unserem  Kommissarius  bei  den  Provinziallandtagen  bestimmen  Wir
den  Oberpräsidenten.  Wir  behalten  Uns  vor,  demselben  in  Behinderungsfällen
einen  Stellvertreter  zu  bestellen.

Der  Oberpräsche  ist  die  Mittelsperson  bei  allen  Verhandlungen  Unserer
Behörden  mit  den  Ständen.

KC.  14.

Sämmtliche  Beschlüsse  des  Provinziallandtages  werden  dem  Oberpräsidenten
  vorgelegt,  welcher  dieselben  zu  prüfen  und  deren  Ausführung  zu  vermitteln
  hat.

Beschlüsse,  welche  die  Befugnisse  der  Provinzialstände  überschreiten,  oder
das  Staatswohl  verletzen,  hat  der  Oberpräsident  zu  beanstanden  und  Behufs
Entscheidung  über  deren  Ausführung  dem  betreffenden  Ressort-Minister  einzureichen.


S.  15.

beruf  Der  Provinziallandtag  wird,  so  oft  es  das  Bedürfniß  erfordert,  durch  Uns
erufen.

Die  Ladung  der  Mitglieder,  die  Eröffnung,  sowie  der  Schluß  des  Landtages
  geschieht  durch  Unseren  Kommissarius  (F.  13.).

Der  Kommissarius,  sowie  die  zu  seiner  Vertretung  abgeordneten  Staatsbeamten
  haben  Zutritt  zur  Landtagsversammlung  und  müssen  auf  ihr  Verlangen
zu  jeder  Zeit  gehört  werden.

–.  16.
Zur  Beschlußfassung  des  Provinziallandtages  ist  die  Mmessenbelt  von  mehr

als  der  Hälfte  der  Mitglieder  erforderlich.  Die  Beschlüsse  werden  durch  einache
Stim-
        <pb n="1762" />
        —  1585  —

Stimmenmehrheit  der  Anwesenden  gefaßt.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  die
Stimme  des  Vorsitzenden.  ,

Zu  einem  Beschlusse,  durch  welchen  Ausgaben  bewilligt  werden  sollen,  die
nicht  schon  in  der  Verpflichtung  des  Verbandes  beruhen,  9—  eine  Mehrheit  von
mindestens  zwei  Dritteln  der  Anwesenden  erforderlich.  In  einem  solchen  Falle
miß  überdies,  wenn  zwei  Drittel  der  anwesenden  Mitglieder  eines  Standes  es
verlangen,  eine  Abstimmung  nach  Ständen  eintreten.  Die  Bewilligung  gilt  dann
für  abgelehnt,  wenn  zwei  Stände  sich  dagegen  erklären.  Die  Abstimmung  innerhalb
  des  einzelnen  Standes  erfolgt  in  diesem  Falle  nach  einfacher  Stimmenmehrheit.


KC.  17.

Findet  ein  ganzer  Stand  sich  durch  einen  Beschluß  des  Landtages  in  seinem
  Interesse  verletzt,  so  steht  es  ihm  frei,  mittelst  Einreichung  eines  Separatvotums
  Unsere  Entscheidung  anzurufen.  Dieses  Votum  ma  noch  vor  dem
Schlusse  des  Landtages  bei  dem  Oberpräsidenten  eingereicht  werden.  Bis  nach
ergangener  Entscheidung  bleibt  die  Ausführung  des  Landtagsbeschlusses  ausgesegzt.

K.  18.

Gegenstände,  welche  das  ausschließliche  Interesse  eines  Standes  betreffen,
können  durch  Mitglieder  dieses  Standes  ohne  Zuziehung  der  übrigen  Stände
verhandelt  werden.

K.  19.

Die  Genehmigung  der  Staatsregierung  ist  erforderlich  zu  solchen  Beschlüssen
  des  Landtages,  durch  welche
1)  Ausgaben  und  Leistungen  für  den  Verband  ohne  bestehende  Verpflichtung
neu  übernommen  werden;
2)  der  Beitragsfuß  für  Aufbringung  der  Lasten  des  Verbandes  aufgestellt,
oder  der  bestehende  abgeändert  wird;
3)  Veräußerungen  vom  Grund=  oder  Kapitalbestande  des  provinzialständischen

  Vermögens,  soweit  letzterer  nicht  etwa  nur  aus  ersparten  Einkünften
  der  letzten  fünf  Jahre  herrührt,  vorgenommen  werden.

G.  20.
Die  Genehmigung  wird  ertheilt:

1)  durch  Uns  in  den  Fällen  des  F.  19.  1.,  wenn  der  Verband  zu
Ausgaben  verpflichtet  werden  soll,  welche
a)  über  die  nächsten  zwei  Jahre  hinaus  dauern,
b)  ZIwecke  betreffen,  bei  denen  nur  ein  Theil  des  Verbandes  interessirt  ist,
)  nur  von  einem  Theile  des  Verbandes  aufzubringen  sind;
2)  in  den  übrigen  Fällen  von  dem  betreffenden  Ressortminister.
r—  5.  21.
        <pb n="1763" />
        —  1586  —

E.  21.

Für  die  unter  Aufsicht  des  Oberpräsidenten  zu  führende  laufende  Verwaltung
  des  ständischen  Vermögens  und  der  ständischen  Anstalten  können  die
Provinzialstände,  soweit  die  Geschäfte  solches  fordern)  die  geeigneten  Personen
wählen.

6.  22.

Der  Geschäftsgang  auf  dem  Provinziallandtage  wird  im  Näheren  durch
die  Geschäftsordnung  geregelt.

Die  letztere  A  von  dem  Landtage  unter  Bestätigung  des  Oberpräsidenten
aufzustellen.  E

Die  gewählten  Mitglieder  des  Provinziallandtages  erhalten  Diäten  und
Reisekosten.  Der  Betrag  derselben,  sowie  die  Art  und  Weise  der  Aufbringung
ist  durch  Beschluß  des  Provinziallandtages  mit  Genehmigung  des  Oberpräsidenten
zu  bestimmen.

g.  24.

Unser  Minister  des  Innern  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt.

g.  25.

Gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das
dieselbe  enthaltende  Stück  der  Gesetz.  Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Noon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6848.)
        <pb n="1764" />
        —  1587  —

(Nr.  6848.)  Verordnung,  betreffend  die  Organisation  der  Kreis-  und  Distriktsbehörden,  sowie
  die  Kreisvertretung  in  der  Provinz  Schleswig-  Holstein.  Vom
22.  September  1867

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u&amp;amp;

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.
Die  Provinz  Schleswig-Holstein  wird  in  zwanzig  Kreise  getheilt,  deren  it

Abgrenzung  und  Benennung  die  Anlage  ergiebt.

Wir  behalten  Uns  vor,  nach  Umständen  Aenderungen  in  der  Abgrenzung
dieser  Kreise  4  treffen.  Vor  Anordnung  einer  solchen  Aenderung  sollen  die
Petrrssenden  reistage  und  nach  Befinden  der  Provinziallandtag  gutachtlich  geört

  werden.

.  Kreisilung.


6.  2.

An  die  Spitze  eines  jeden  ländlichen  Kreises  wird  ein  Landrath  gestellt,  ll.  Kreiswelcher
  vorbehaltlich  der  Einfühnng  eines  lsentniienorechte  Seitens  der  behörden.
Kreisvertretung  durch  Uns  ernannt  wird.

Im  Stadtkreise  Altona  werden  die  landräthlichen  Funktionen  von  dem
Gemeindevorstande,  beziehungsweise  von  dem  Vorsteher  der  Königlichen  Polizeiverwaltung
  wahrgenommen.

3.

Der  Landrath  ist  das  Organ,  dessen  die  Regierung  in  allen  Theilen  der
Verwaltung  zur  Vollziehung  ihrer  Vafügungen  sich  bedient,  insoweit  nicht  andere
  von  ihm  nicht  abhängige  Behörden  dazu  berufen  sind.  Er  führt  seine  Verwaltung
  in  dem  Umfange,  wie  die  Landräthe  in  den  übrigen  Provinzen  der
Monarchie  und  nach  den  für  dese  bestehenden  Vorschriften,  sofern  und  so  lange
nicht  spezielle  innerhalb  seines  Verwaltungsbezirks  bestehende  Einrichtungen  und
geltende  Gesetze  oder  Anordnungen  eine  Abweichung  bedingen.  Inkbisondere
gehen  auf  den  Landrath  über:

1)  alle  Funktionen  der  Landräthe  in  denjenigen  Fällen,  in  welchen  nach  den
in  der  Provinz  Schleswig-Holstein  eingeführten  oder  noch  einzuführenden
  altländischen  Gesetzen,  Verordnungen  und  Einrichtungen  die  Mitwirkung
  des  Kreislandrathes  eintritt;

2)  die  Funktionen,  welche  bisher  den  Oberbeamten  zustanden,  soweit  sie
nicht  auf  andere  Behörden  übergehen;
3)  die  Aufsicht  über  die  Polizeiverwaltung  in  allen  Ortschaften  des  Kreises.

C.  4.
In  denjenigen  ländlichen  Distrikten,  in  welchen  die  Wahrnehmung  der  orts--  Iu.  Oistrisobrigkeitlichen
  und  polizeilichen  Geschäfte  bisher  landesherrlichen  Beamten  über.  vehörden.
(Nr.  6848.)  tragen
        <pb n="1765" />
        IV.  Kreis.
vertretung.

—  1588  —

tragen  war,)  wird  nach  durchgeführter  Trennung  der  Rechtspflege  von  der  Verwaltung
  die  erforderliche  Anzahl  von  Distrikts-Beamten  angestellt,  welche
unter  der  Aufsicht  des  Landrathes  die  Geschäfte  der  bisher  dort  angestellten  Beamten,
  soweit  diese  nicht  auf  andere  Behörden  übergehen,  zu  verwalten  haben.

Den  Distriktsbeamten  lieg  insbesondere  innerhalb  ihres  Bezirks  die  Besorgung
  der  ortsobrigkeitlichen  Geschäfte,  sowie  die  Verwaltung  der  Polizei  in
erster  Instan,  einschließlich  der  Brandpolizei,  ob.  Als  Organe  des  Landrathes
fungiren  sie  in  allen  dem  letzteren  übertragenen  Geschäftszweigen.  Auch  können
sie,  namentlich  auf  den  Inseln,  mit  der  fortlaufenden  selbstständigen  Erledigung
einzelner  Geschäftszweige  als  ständige  Kommissarien  der  Regierung  oder  des
Landrathes  betraut  werden.

In  dem  Herzogthume  Schleswig  führen  diese  Distriktsbeamten  den  Titel
„Hardesvogt“)  in  dem  Herzogthum  Holstein  den  Titel  „Kirchspielsvogt.““

Auf  den  Inseln  kann  die  Währnehmung  der  Funktionen  dieser  Beamten
mit  Zustimmung  des  Justinninisters  auch  den  dort  angestellten  richterlichen  Beamten
  übertragen  werden  (§.  1.  der  Verordnung  vom  26.  Juni  1867.,  Gesetz-Samml.
  S.  1073.).  "

§.5.

Jeder  landräthliche  Kreis  bildet  einen  kreisständischen  Verband.
Dieser  Verband  hat  die  Rechte  einer  Korporation,  deren  Organ  die  Kreisstände
  sind.
C.  6.

Die  Kreisstände  versammeln  sich  auf  Kreistagen.  Ihre  Verfassung  wird
durch  die  gegenwärtige  Verordnung  bestimmt.

S.  7.

Es  kann  für  jeden  Kreis  durch  Beschluß  der  Kreisstände  und  nach  Anhörung
  des  Provinziallandtages  unter  Unserer  Genehmigung  ein  Kreisstatut  errichtet
  werden.  Dasselbe  hat  den  Zweck,  diejenigen,  die  Lreisderfassung  betreffenden
  Gegenstände  näher  zu  ordnen,  in  Bezug  auf  deren  Regelung  in  dieser  Verordnung
  ausdrücklich  auf  das  Kreisstatut  verwiesen  ist.

Außerdem  können  darin  Anordnungen  über  besondere,  in  den  eigenthümlichen
  Verhältnissen  des  Kreises  begründete  Einrichtungen  getroffen  werden.  Derartige
  Anordnumgen  dürfen  jedoch  in  keinem  Falle  ausdrücklichen  Bestimmungen
der  Gesetze  zuwiderlaufen.

s.  8.

Die  Kreisstände  sind  berufen:

1)  die  Kreiskorporation  zu  vertreten  und  die  Kreis-Kommunalangelegenheiten
  unter  Leitung  des  Landrathes  zu  verwalten;

2)  die  Verwaltung  des  Landrathes  in  denjenigen  Fällen  zu  unterstützen,  in
welchen  die  Gee=  ihnen  eine  Theilnahme  oder  Mitwirkung  dabei
zuweisen;  -

3)  eine
        <pb n="1766" />
        —  1589  —

3)  eine  Mitaufsicht  über  die  Kommunalverwaltung  der  einzelnen  Gemeinde
  des  Kreises  in  dem  gesetzlich  näher  zu  besimmenden  Umfange  zu
üben;

4)  über  diejenigen  Gegenstände  zu  berathen  oder  Beschluß  zu  fassen,  welche
ihnen  sonst  noch  zu  diesem  Behufe  durch  Gesetze  oder  Verordnungen
ausdrücklich  überwiesen  werden.

K.  9.

In  Beziehung  auf  die  Verwaltung  der  Kreis-K  langelegenheit
steht  ihnen  —  unter  der  Mitwirkung  und  Aufsicht  der  Staatsbehörden  —
namentlich  zu:

1)  die  Verwaltung  der  dem  Kreise  zugehörigen  Fonds  mit  der  Befugniß,
Ausgaben  daraus  zu  beschließen;

2)  die  Verwaltung  der  dem  Kreise  zugehörigen  Anstalten;

3)  das  Recht,  zu  gemeinnützigen  Zwecken,  bei  welchen  ein  Interesse  des
Kreises  obwaltet,  oder  zur  Abwehr  eines  Nothstandes,  die  Kreiseingesessenen
  mit  Beiträgen  zu  belasten;

4)  die  Wahl  und  Bestellung  der  für  die  Verwaltung  der  Kreis-Kommunal-=angelegenheiten
  etwa  erforderlichen  besonderen  Beamten.

 

K.  10.

In  Beziehung  auf  die  Mitwirkung  an  der  Kreisverwaltung  haben  sie
insbesondere  Stantssrästalionen,  welche  kreisweise  aufzubringen  sind,  und  deren
Aufbringung  durch  Gesetze  nicht  bereits  näher  bestimmt  ist,  zu  repartiren  und  die
zur  Theilnahme  an  der  Verwaltung  gesetzlich  erforderlichen  Kommissionen  zu
wählen.

S.  11.

Die  Kreisversammlung  wird  gebildet:

1)  aus  den  Besitzern  größerer  Güter  (§§.  12.  und  13.),
2)  aus  Abgeordneten  der  Städte  und  Flecken,
3)  aus  Abgeordneten  der  Landgemeinden.

**5

Zu  den  größeren  Gütern  (F.  11.  Nr.  1.)  gehören  alle  diejenigen,  mit
welchen  nach  den  Bestimmungen  der  Verordnung,  betreffend  die  Verfassung  des
Herzogthums  Schleswig,  vom  15.  Februar  1854.  .  19.  Nr.  6.)  sowie  der  Verordnung,
  betreffend  die  Verfassung  des  Hersogihume  Holstein,  vom  11.  Juni
1854.  J.  9.  Nr.  4.  das  Wahlrecht  zum  Stande  der  größeren  Grundbesitzer
verbunden  war.  Z

Jahrgong  1867.  (Nr.  6848.)  210  Hier-
        <pb n="1767" />
        —  1590  —

Hierbei  werden  die  Klöster  zu  Itzehoe,  Preetz,  Uetersen  und  St.  Johannis
in  denjenigen  Kreisen,  in  denen  sie  belegen  sind,  den  adeligen  Gütern  gleichgestellt.

Durch  Kreisstatut  ist  nach  Durchführung  der  im  1  3.  der  Verordnung
vom  28.  April  1867.  (Gese.  Samml.  S.  543.)  in  Aussicht  gestellten  Grundsteuer-Regulirung
  an  Stelle  des  Landsteuer-Taxationswerthes  ein  entsprechender
Grundsteuer-Reinertrag  festzusetzen.

Der  Minimalsatz  für  den  Landsteuer-Taxationswerth,  sowie  später  für  den
Grundsteuer-Reinertrag  kann  durch  Kreisstatut  abgeändert  werden.

KC.  13.

Sofern  der  Domainenfiskus  in  einem  Kreise  Domainen  oder  Forsten
besitzt,  welche  den  Bedingungen  des  §F.  12.  entsprechen,  erhält  er  auf  dem  Kreistage
  eine  Virilstimme.

K.  14.

Die  nach  den  Bestimmungen  des  §.  11.  Nr.  I.,  bezüglich  S§.  12.  und  13.
ur  Stimmführung  auf  dem  Kreistage  berechtigten  Grundbesitzer  werden  durch
den  Landrath  in  eine  Nachweisung  zusammengestellt.  Diese  Nachweisung  muß
von  einem  öffentlich  bekannt  zu  machenden  Termine  ab  vierzehn  Tage  lang  auf
dem  Landrathsamte  zur  Einsicht  ausliegen.  Ueber  Einwendungen,  welche  nicht
ihre  sofortige  Erledigung  durch  den  Landrath  finden,  hat  der  Oberpräsident  zu
entscheiden.  Nach  Erledigung  dieser  Einwendungen  wird  die  Nachweisung  vom
Landrathe  festgestellt.

Spätere  Veränderungen,  namentlich  in  Folge  der  Durchführung  der  Grundsteuer-Regulirung,
  werden  vom  Landrathe  nach  Anhörung  des  Kreistages  bewirkt
und  vom  Oberpräsidenten  bestätigt.

KC.  15.

Das  Stimmrecht  der  größeren  Grundbesitzer  (G.  11.  Nr.  1.)  muß  in

Person  ausgeübt  werden.
r  ioech  können  sich  die  Klöster  durch  deren  Vorstände  oder  Organe  vertreten

  lassen.

Ebenso  erfolgt  die  Vertretung  der  virilstimmberechtigten  Domanialgüter
(§.  13.)  durch  einen  von  der  betreffenden  Behörde  aus  ihren  Beamten  oder  aus
der  Zahl  der  Pächter  größerer  Domanialgüter  zu  bestellenden  Bevollmächtigten.

Ob  und  in  welcher  Weise  eine  Vertretung  des  Gutsbesitzers  durch  einen
volljährigen  Sohn,  welchem  die  Verwaltung  des  Gutes  überlassen  ist,  der  Frauen
oder  der  Minderjährigen,  sowie  der  Korporationen  und  Stiftungen,  welche  sich
im  Besitze  stimmberechtigter  Güter  befinden,  zu  gestatten  sei,  bleibt  den  Bestimmungen
  des  Kreisstatuts  vorbehalten.

Bei  gemeinschaftlichem  Besitze,  welcher  Brüdern  oder  mehreren  Mitgliedern
einer  Familie  zusteht,  ist  einer  der  Mitbesitzer  zur  Ausübung  des  Stimmrechts
befugt.  Bei  sonstigem  gemeinschaftlichen  Besitze  ruht  das  Stimmrecht.

S.  16.
        <pb n="1768" />
        —  1591  —

g.  16.

Von  jedem  größeren  Grundbesitzer  (6.  11.  Nr.  1.)  kann  kraft  eigenen
Rechts  nur  Eine  Stimme  geführt  werden.

F.  17.

Die  Stimmenzahl  im  Stande  der  größeren  Grundbesitzer  G.  11.  Nr.  1.)
soll  in  der  Kreisversammlung  der  Regel  nach  den  dritten  Theil,  in  den  Krei-#en
  Eckernförde,  Oldenburg  und  Ploen  die  Hälfte  der  Gesammntzahl  der  Kreisagsmitglieder
  nicht  übersteigen,  Ist  die  Sahl  der  berechtigten  Grundbesitzer
großer,  so  sind  zwei  oder  mehreie  Güter  insoweit  zu  Gesammtstimmen  (Kollektiv-#n#nn)
  zu  verbinden,  als  dies  zur  Erreichung  des  vorbezeichneten  Stimmenverhältnisses
  erforderlich  ist.  Diese  Verbindung  bleibt  zunächst  der  Vereinbarung
unter  den  Betheiligten  überlassen.  In  deren  Ermangelung  wird  die  entsprechende
Verminderung  der  Stimmenzahl  vorläufig  in  der  Weise  festgestellt,  dat  die  betheiligten
  Grundbesitzer  soviel  Mitglieder  unter  sich  wählen,  als  sie  Stimmen  zu
führen  berechtigt  sind.  Demnächst  wird  die  Vertheilung  der  Stimmen  durch  das
Kreisstatut  geregelt.

Durch  Kreisstatut  kann  die  Stimmenzahl  der  größeren  Gummdbesitzer  in
der  Kreisversammlung  überall  bis  zur  Hälfte  der  Gesummzay!  der  Kreistagsmitglieder
  erhöht  werden.

S.  18.

Zur  Stimmführung  im  Stande  der  Städte  (F.  11.  Nr.  2.)  in  der  Kreisversammlung
  sind  die  in  dem  anliegenden  Verzeichnisse  aufgeführten  Städte  und
Flecken  mit  dem  dort  angegebenen  Stimmenverhältnisse  berufen.

Eine  Aufnahme  anderer  Gemeinden  in  den  Stand  der  Städte  und  die
Verleihung  des  Stimmrechtes  in  diesem  Stande,  sowie  das  Ausscheiden  einer
Gemeinde  aus  demselben,  kann  künftig  nach  Anhörung  der  Kreis=  und  Provinzialstinde
  mit  Unserer  Genehmigung  erfolgen.  «

DiesahldetStinxmm,wclche.dceimStaudederStädte,vertrctenen
Gemeinden  zu  führen  haben,  kann  durch  Kreisstatut  anderweit  festgesetzt  werden.

KC.  19.

Die  städtischen  Abgeordneten  sind  von  den  städtischen,  beziehungsweise
Fleckens-Kollegien  aus  der  Zahl  der  Mitglieder  dieser  Kollegien  zu  wählen.

Dem  Fleckenskollegium  zu  Elmshorn  treten  bei  dieser  Wahl  die  Fleckensgevollmächtigten
  von  Vonnstegen  und  Klostersande  hinzu.

g.  20.

Die  Zahl  der  Abgeordneten  der  Landgemeinden  (.  11.  Nr.  3.)  wird  für
jieden  Kreis  auf  mindestens  zehn,  für  den  Kreis  Stormarn  auf  zwölf,  für  den
„Kreis  Hadersleben  auf  dreizehn  und  für  den  Kreis  Tondern  li  vierzehn  hierdurch
  festgesetzt.  .  ..

Wr.  6848)  210“  Diese
        <pb n="1769" />
        —  1592  —

Diese  Zahl  der  jedem  Kreise  zugewiesenen  ländlichen  Abgeordneten  kann
durch  Kreisstatut  abgeändert  werden.

g.  21.

Behufs  der  Wahl  der  ländlichen  Abgeordneten  (F.  20.)  wird  der  Kreis
durch  den  Landrath  in  so  viele  Wahldistrikte  getheilt,  als  Abgeordnete  zu  wählen
  sind.

In  jedem  Wahldistrikte  wählt  jede  Gemeindeversammlung  aus  ihrer
Mitte  je  einen  Ortswähler.

Mit  den  Ortswählern  jedes  Wahlbezirks  treten  die  Besitzer  solcher  Güter,
welche  nicht  zum  Gemeindeverbande  gehören  und  nicht  im  Stande  der  größenen
Grundbesitzer  vertreten  sind,  zu  einem  Wahlkörper  zusammen,  welcher  den  Abgeordneten
  aus  seiner  Mitte  wählt.

C.  22.

So  lange  die  Abgrenzung  von  Landgemeindebezirken  in  einem  Kreise  noch
nicht  überall  stattgefunden  hat,  gelten  an  Stelle  des  F.  21.  Alinea  2.  und  3.
folgende  Bestimmungen.

Jeder  Wahldistrikt  (§.  21.  Alinea  1.)  wird  Behufs  der  Wahl  der  Ortswhle
  durch  den  Landrath  in  Unterabtheilungen  getheilt,  in  denen  je  ein  Ortswähler
  von  denjenigen  Grundbesitzern,  einschließlich  der  Erbpächter  und  Festebesitzer,
  welche  dispositionsfähig,  24  Jahr  alt  und  zu  mindestens  vier  Thaler
jährlicher  Klassensteuer  veranlagt  sind,  aus  ihrer  Mitte  gewählt  wird.

Wählbar  zum  Abgeordneten  sind  diejenigen  Wahlberechtigten,  welche  seit
zwei  Jahren  im  Wahldistrikte  mit  Grundbesitz  angesessen  sind.

C.  23.

Im  Stadtkreise  Altona  treten  zur  Berathung  der  kreisständischen  Angelegenheiten
  aus  den  Gemeinden  Ottensen  und  Neumühlen  zwei  Abgeordnete  dem
Deputirtenkollegium  zu.  Diese  Abgeordneten  werden  in  gleicher  Weise  gewählt,
wie  die  Ortswähler  für  die  Wahl  der  Abgeordneten  im  Stande  der  Landgemeinden.


S.  24.
Die  Wahlen  der  Abgeordneten  für  die  Städte  und  für  die  Landgemeinden

geschehen  auf  sechs  Jahre.  Das  Mandat  erlischt  jedoch,  im  Falle  die  Vorbedingung
  der  Wählbarkeit  früher  fortfällt.

K.  25.

Für  jeden  Abgeordneten  im  Stande  der  Städte  und  der  Landgemeinden
ist  ein  Stellvertreter  zu  wählen,  welcher  die  zur  Wählbarkeit  eines  Abgeordneten
vorgeschriebenen  Eigenschaften  besitzen  muß.  6

g.  26.
        <pb n="1770" />
        —  1593  —

C.  26.

Für  das  Verfahren  bei  allen  Wahlen  sind  die  Vorschriften  des  Reglements
vom  22.  Juni  1842.  (Gesetz  Samml.  von  1842.  S.  213.)  maaßgebend.

KC.  27.

Zur  persönlichen  Ausübung  des  Stimmrechtes  auf  den  Kreistagen  ist  bei
allen  Mitgliedern  desselben  und  deren  Vertretern  die  Vollendung  des  21Asten
Lebensjahres  erforderlich.

.  28.
Für  die  Kreise  Norder-Dithmarschen,  Süder-Dithmarschen  und  Eiderstedt
gelten  folgende  Bestimmungen:

1)  Die  Vertretungen  der  bestehenden  Landschaften  bilden  die  Kreisversammlung.


2)  Der  Kreisversammlung  für  Norder-Dithmarschen  treten  der  Abgeordnete
des  Kirchspiels  Feddringen  und  je  ein  Vertreter  der  zum  Kreise  gehörigen
Köge  hinzu.

3)  An  der  Kreisversammlung  für  Süder-Dithmarschen  nimmt  der  Abgeordnete
  des  Kirchspiels  Feddringen  nicht  Theil)  dagegen  treten  derselben
  zwei  Vertreter  des  Kronprinzen=  und  Sophien-Koogs,  zwei  Vertreter
  des  König  Friedrich  VII.-Koogs  und  ein  Vertreter  des  Christian-Koogs
  hinzu.

4)  Die  zum  Kreise  Eiderstedt  gehörigen  Köge  und  das  Gut  Hoyersworth
werden  Behufs  der  Vertretung  auf  dem  Kreistage  denjenigen  Kirchspielen
  zugetheilt,  in  welche  sie  eingepfarrt  sind.

5)  Die  Bestimmungen  über  die  Zusommensezung  der  Kreisversammlung,
über  das  Wahlverfahren  und  die  Wählbarkeit  der  Abgeordneten  u.  s.  w.
können  durch  Kreisstatut  abgeändert,  insbesondere  nac  den  Vorschriften
der  gegenwärtigen  Verordnung  neu  geregelt  werden.

C.  29.

Der  Landrath  beruft  den  Kreistag,  führt  auf  demselben  den  Vorsitz,  leitet
die  Verhandlungen  und  hat  die  Ordnung  in  den  Berathungen  zu  erhalten.  Er
ist  befugt,  mit  Zustimmung  des  Kreistages,  ordnungsstörende  Mitglieder  nach
fruchtlont  Erinnerung  für  die  Dauer  der  Sitzung  von  der  Versammlung  auszuschließen.


g.  30.

Die  Berufung  zum  Kreistage  geschieht  durch  ein  Einladungsschreiben,
welches  die  Verhandlungsgegenstände  angeben  muß.

(Kr.  6848.)  Sollen
        <pb n="1771" />
        —  1504  —

Sollen  Beschlüsse  zur  Verhandlung,  gestellt  werden,  welche  eine  neue  Belastung
  des  Kreises  mit  Ausgaben  oder  Leistungen  ohne  bereits  bestehende  Verpflichtung
  herbeiführen  (insbesondere  §.  9.  Nr.  3.))  so  muß  das  desfallsige  Einladungsschreiben
  mindestens  14  Tage  vor  dem  Kreistage  den  Mitgliedern  zugestellt
werden.

Demselben  muß  eine  ausführliche  Darlegung,  welche  über  den  Zweck  des
vorgeschlagenen  Beschlusses,  die  Art  der  Musfährucg  b  den  Kostenbetrag  und  die
Aufbringungsweise  das  Nöthige  enthält,  beigefügt  sein.

Das  Einladungsschreiben  ist  der  Regierungsbehörde  in  Abschrift  einzusenden.

C.  31.

Die  Beschlüsse  des  Kreistages  werden  nach  einfacher  Stimmenmehrheit
gefaßt.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  die  Stimme  des  Vorsitzenden,  auch
wenn  er  sonst  nicht  stimmberechtigt  ist.

Zu  einem  Beschlusse,  durch  welchen  eine  neue  Belastung  des  Kreises  mit
Ausgaben  oder  Leistungen  ohne  bereits  bestehende  Verpflichtung  bewirkt  werden
soll  (insbesondere  F.  9.  Nr.  3.),  ist  jedoch  eine  Stimmenmehrheit  von  mindestens
wei  Dritteln  der  Abstimmenden  erserderlich.  In  solchem  Falle  muß  außerdem,
hodan  zwei  Drittel  der  anwesenden  Mitglieder  eines  Standes  es  verlangen,  eine
Abstimmung  nach  Ständen  eintreten,  und  es  gilt  die  Bewilligung  als  abgelehnt,
wenn  zwei  Stände  sich  dagegen  erklären.

Die  Abstiuunung  in  jedem  einzelnen  Stande  erfolgt  in  diesem  Falle  nach
einfacher  Stimmenmehrheit.

6.  32.

Findet  ein  ganzer  Stand  sich  durch  einen  Kreistagsbeschluß  in  seinen  Interessen
  verletzt,  so  steht  ihm  frei,  mittelst  Einreichung  eines  Separatvotums  die
Regierungsbehörde,  und  in  den  Fällen  des  F.  35.  Nr.  1.  die  Minister  des  Innern
und  der  Finanzen  anzurufen.

Diese  Anrufung  muß  noch  vor  dem  Schlusse  des  Kreistages  beim  Landrathe
  angemeldet  und  das  Separatvotum  binnen  einer  von  diesem  zu  bestimmenden
  Frist  eingereicht  werden.

Bis  zur  ergangenen  Entscheidung  bleibt  die  Ausführung  des  Kreistagsbeschlusses
  ausgesetzt.  .  33

Der  Kreistag  ist  befugt,  zur  Vorbereitung  seiner  Beschlüsse,  sowie  für
bestimmte  Geschäfte  Kommissionen  und  Bevollmächtigte  aus  seiner  Mitte  zu
bestellen,  welche  unter  Leitung  des  Landrathes  stehen.

.  34.
Die  Genehmigung  der  Staatsregierung  ist  erforderlich  zu  solchen  Beschlüssen
des  Kreistages,  durch  welche
1)  Ausgaben  und  Leistungen  für  den  Kreis  ohne  bestehende  Verpflichtung
neu  übernommen  werden;
2)  der
        <pb n="1772" />
        —  1595  —

2)  der  Beitragsfuß  für  Aufbringung  der  Kreislasten  aufgestellt  oder  der
bestehende  abgeändert  wird;

3)  Veräußerungen  vom  Grund=  oder  vom  Kapitalbestande  des  Kreisvermögens,
  soweit  letzterer  nicht  etwa  nur  aus  ersparten  Einkünften  der
letzten  fün  Jahre  herrührt,  vorgenommen  werden.

222
Zur  Ertheilung  der  Genehmigung  sind  zuständig:
1)  die  Minister  des  Innern  und  der  Finanzen  in  den  Fällen  des  §.  34.
Nr.  1.,  wenn  der  Kreis  zu  Ausgaben  verpflichtet  werden  soll,  welche
a)  Über  die  nächsten  zwei  Jahre  hinaus  dauern,  oder
b)  Zwece  betreffen,  bei  denen  nur  ein  Theil  des  Kreises  interessirt  ist,
oder

c)  nur  von  einem  Theile  des  Kreises  aufzubringen  sind;

2)  in  den  übrigen  Fällen  die  Regierungsbehörde.

G.  36.

Ueber  den  Kreishaushalt  haben  die  Kreisstände  alljährlich  einen  Etat  aufzustellen.
  Derselbe  ist  der  Regierungsbehörde  in  Abschrift  einzureichen.

Die  Abnahme  der  Rechnung  steht  der  Kreisverwaltung  selbstständig  zu.

Die  Regierungsbehörde  kann,  wem  ihr  durch  Beschwerden  oder  sonst  eine
besondere  Veranlassung  dazu  gegeben  erscheint,  das  Kassen=  und  Rechnungswesen
des  Kreises  einer  außerordentlichen  Revision  durch  Absendung  eines  Kommissarius
oder  durch  Einforderung  der  Rechnungen  unterwerfen.

g.  37.

Urkunden  über  Rechtsgeschäfte,  welche  den  Kreis  gegen  Dritte  verbinden
sollen,  müssen  vom  Landrathe  und  drei  hierzu  von  der  Kreisversammlung  zu
wählenden  Mitgliedern  unterschrieben  und  mit  dem  Siegel  des  Landrathes  versehen
  sein.

F.  38.

Der  Landrath  führt  die  Beschlüsse  der  Kreisversammlung  aus,  sofern  nicht
eine  andere  Behörde  mit  der  Ausführung  beauftragt  oder  die  Sache  als  ständische
  Kommunalangelegenheit  besonderen  Beamten  übertragen  ist.

Beschlüsse  welche  die  Befugnisse  der  Kreisstände  überschreiten  oder  das
Staatswohl  verletzen,  hat  der  Landrath  zu  beanstanden  und  Behufs  Entscheidung
über  deren  Ausführung  der  Regierungsbehörde  einzureichen.

C.  39.

Ueber  die  Gewährung  von  Diäten  und  Reisekosten  an  die  Vertreter  der
(r.  6946.)  Ge-
        <pb n="1773" />
        —  1596  —
Gemeinden  auf  dem  Kreistage  zu  bestimmen,  bleibt  der  Kreisversammlung  mit
Genehmigung  der  Negierungsbejörde  überlassen.
S.  40.
Mit  Bildung  der  Kreisvertretung  im  Kreise  Hadersleben  tritt  der  Amtsrath
  des  Amtes  Hadersleben  außer  Wirksamkeit.
Im  Uebrigen  wird  an  den  bestehenden  Kommunalverbänden,  sowie  an
deren  Verfassungen  durch  gegenwärtige  Verordnung  nichts  geändert.
S.  41.
Unser  Minister  des  Innern  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
und  mit  Erlaß  der  erforderlichen  Instruktionen  beauftragt.
6.  42.

Gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das
dieselbe  enthaltende  Stück  der  Gesetz-Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

A.  Ver-
        <pb n="1774" />
        —  1697  —

Verzeichniß
der  Kreise  in  der  Provinz  Schleswig-Holstein.

1)  Kreis  Hadersleben,  besteht  aus  der  Stadt  Hadersleben;  dem  Flecken
Christiansfeld;  dem  Oster-  und  Westeramt  Hadersleben  mit
der  Insel  Aaröj  den  enklavirten  adeligen  Gütern  und  vormals
Jütischen  Enklaven,  sowie  den  bisher  zum  Amte  Lügumkloster
gehörigen  enklavirten  Landstellen;

2)  Kreis  Apenrade,  aus  der  Stadt  Apenrade;  dem  Amte  Apenrade  und  den
enklavirten  adeligen  Gütern;

3)  Kreis  Sonderburg,  aus  der  Stadt  Sonderburg;  dem  Flecken  Norburg
und  den  Aemtern  Sonderburg  und  Norburg  mit  den  im
ersteren  enklavirten  adeligen  Gütern  Ballegaard  und  Beuschau
  und  der  Grafschaft  Reventlow-Sandberg;

4)  Kreis  Flensburg,  aus  der  Stadt  Flensburg;  dem  Flecken  Glücksburg;
dem  Amte  Flensburg  mit  den  enklavirten  adeligen  Gütern
und  dem  neschlossenen  I.  Angler  adeligen  Güterdistrikt,  fowie
den  im  Amte  enklavirten  zum  St.  Johannis  klösterlichen
Distrikte  gehörenden  Landstellen;

5)  Kreis  Tondern,  aus  der  Stadt  Tondern;  den  Flecken  Hoyer  und  Lügumloster)
  dem  Amte  Tondern  mit  den  enklavirten  adeligen
Gütern  und  Köögen;  den  Inseln  Röm)  Sylt,  Föhr  mit  dem
Flecken  Wyck,  und  Amrum,  dem  Amte  Lägumkloster  mit  Ausnahme
  der  biesem  untergehörigen,  in  anderen  Amtsbezirken
enklavirten  Landstellen;  der  Loh-Harde  mit  den  Birken  Mögeltondern
  und  Ballum;

6)  Kreis  Husum,  aus  der  Stadt  Husum-  den  Aemtern  Husum  und  Bred-·
  stedt  mit  dem  Flecken  Bredstedt  und  den  enklavirten  adeligen
Gütern  und  Köögen,  sowie  aus  den  Inseln  Nordstrand  und
Pellworm  mit  sämmtlichen  Halligen;
7)  Kreis  Eiderstedt,  aus  der  Landschaft  Eiderstedt  mit  den  Städten  Tönning
unb  -Garding;  dem  adeligen  Gute  Hoyersworth  und  den
Grothusen-,  uten-  Augusten.,  Neuen=  Augusten.,  Süder-«
  Friederichs,  und  Norder-Friederichs-Köögen;
Jchtgang  1867.  (Nr.  6818)  211  8)  Kreis
        <pb n="1775" />
        —  1598  —

8)  Kreis  Schleswig,  aus  den  Städten  Schleswig  und  Friedrichsstadt;  den
Flecken  Cappeln  und  Arnis;  dem  Amte  Gottorf  mit  den
enklavirten,  zum  I.  Angler  Güterdistrikte  gehörenden  adeligen
Gütern,  dem  Börmer=  und  Megger-Kooge  und  den  zum
St.  Johannis  klösterlichen  Distrikte  gehörenden  Orten  und
Grundstücken,  mit  Ausnahme  der  im  Amte  Flensburg  enklavirten;
  der  Landschaft  Stapelholm;

9)  Kreis  Eckernförde,  aus  der  Stadt  Eckernförde;  den  Schwansener  und
Dänischwohlder  adeligen  Güterdistrikten  und  dem  Amte
Hütten;

10)  Stadtkreis  Altona,  besteht  aus  der  Stadt  Altona  mit  Ottensen  und  Neumühlen;


11)  Kreis  Pinneberg,  aus  der  Herrschaft  Pinneberg  mit  Ausnahme  von  Ottensen
  und  Neumühlen,  Poppenbüttel  und  Hummelsbüttel;  dem
Kloster  Uetersen  mit  Ausnahme  des  Patrimonialguts  Horst
und  der  Vogtei  Crempdorf;  der  Grafschaft  Ranzau;  den
Gütern  Seestermühl,  Haselau  und  Hasseldorf;  dem  Kanzleigut
  Flottbeck;

12)  Kreis  Steinburg,  aus  dem  Amte  Steinburg)  dem  zum  Amte  Bordesholm
gehorigen  Ländchen  Sachsenbande;  dem  #um  Amte  Rendsurg
  gehörigen.  Kirchspiel-Vogteidistrikt  Kellinghusen  mit  Ausnahme
  der  Därfer  Bageeld  Meetzen  und  Homfeld,  sowie
den  zum  Amte  Rends  urg  gehörigen  Theilen  der  Dörfer
Poschendorf  und  Kaisborstel;  den  Städten  Sttore  Wilster,
Crempe,  Glückstadt;  dem  Kloster  Itzehoe  mit  Ausnahme  der
zu  den  Kreisen  Kiel,  Segeberg  und  Rendsburg  gelegten  Pertinenzien;
  der  zum  Kloster  Uetersen  gehörigen  Vogtei  Crempdorf
  und  dem  zu  demselben  Kloster  gehörigen  Patrimonialgut
Horst,  der  Herrschaft  Herzhorn,  Sommerland  und  Grönland;
der  Herrschaft  Breitenburg  mit  Ausnahme  der  zu  dem  Segeberger
  Kreise  gelegten  Dörfer;  dem  adeligen  Gute  Drage  mit
Ausnahme  seines  Antheils  an  Hohenwestedt  und  der  Gehöfte
Alt.  und  Neu-Böternhofen;  den  adeligen  Gutern  Krummendieck
  mit  Ausnahme  von  Nütteln,  Heiligenstedten,  Mehlbeck,
Rade,  Beckhof,  Beckmünde,  Bahrenfleth,  Groß-Campen
(Krummendieck),  Klein-Campen  (Heiligenstedten),  Groß-Collmar,
  Klein-Collmar,  Neuendorf,  Sarlhusen;  dem  Kanzleigut
Beckdorf;  der  Blomeschen  und  der  Engelbrechtschen  Wildniß.

13)  Kreis  Süderdithmarschen,  aus  der  Landschaft  Süderdithmarschen  mit
Ausschluß  des  Dorfes  Feddringen,  den  vereinigten  Süderdithmarschen
  Köögen  und  dem  Christianskoog;

14)  Kreis  Norderdithmarschen,  aus  der  Landschaft  Norderdithmarschen  inkl.
des  Dorfes  Feddringen)  dem  Carolinenkoog,  dem  Hedewigenkoog,
  dem  Friederichsgabekoog;

15)  Kreis
        <pb n="1776" />
        —  1599  —

15)  Kreis  Rendsburg,  aus  dem  Amte  Rendsburg  mit  Ausnahme  der  nach

Itzehoe  gelegten  Pertinenzien;  der  Stadt  Rendsburg;  dem
Kanzleigut  Hanerauz;  dem  zum  Kloster  Itzehoe  gehörigen  Theil
des  Fleckens  Nortorf,  den  klösterlich  Itzehoer  Sielen  in  den
Dörfern  Bünzen,  Innien  und  Homfeld;)  den  klösterlich  Itzeoer
  Dörfern  Langwedel  mit  den  ausgebauten  Stellen,  Bocklees
  und  dem  klösterlich  Aezoer  Antheile  von  Nütteln;  dem
um  Gute  Drage  gehörigen  Antheil  von  Hohenwestedt  nebst
ben  Gehöften  Alt=  und  Neu-Böternhöfen)  den  adeligen  Gütern
  Emkendorf,  Bossee)  Osterrade,  Groß-Nordsee,  Cronsburg,
  Deutsch-Nienhof,  Cluvensieck,  Pohlsee,  Schierensee,
Annenhof,  Westensee,  Steinwehr,  Georgenthal  und  Klein-Königsförde;


16)  Kreis  Kiel,  aus  der  Stadt  Kiel;  dem  Amte  Bordesholm  exkl.  Sachsenbande;

  den  Aemtern  Cronshagen,  Kiel  und  Neumünster;  der
klösterlich  Itzehoer  Vogtei  Meimerstorf  den  Gütern  Bothkamp,
  Blockshagen,  Klein-Nordsee,  Neu-Nordsee,  Marutendorf,
Hohenschulen,  Quarnbeck,  Schwartenbeck,  Projenstorf,  Schrevenborn,
  Oppendorf,  Schönhorst  und  dem  Gehöft  Overndorf;

17)  Kreis  Segeberg  aus  dem  Amte  Segeberg;  den  zum  Amte  Trittau  gehörigen

örfern  Bredenbeckshorst,  Sievershütten,  Nahe  und  Stuvenborn;
  den  zum  Amte  Tremsbüttel  gehörigen  Dörfern  Itzstedt
und  Tönningstedt,  dem  Amte  Traventhal  mit  Ausnahme  von
Schlamersdorf;  den  zum  Amte  Reinfeld  gehörigen  nach  Segeberg
  und  Pronstorf  eingepfarrten  Dörfern;  den  zum  Amte
Ploen  gehörigen  Kirchspiels  Bornhöveder  Dörfern  und  dem
zu  brmsstrn  Amte  gehörigen  Dorfe  Travenhorst;  der  zum
Kloster  Itzehoe  gehörigen  Vogtei  Armstedt;  den  zur  Herrschaft
  Breitenburg  gühert  gen  Dörfern  Hitzhusen,  Weddelbrocksddamm
  und  Mönklohe;  den  Gütern  Caden,  Borstel,
Bramstedt,  Asfrade;  dem  Kanzleigut  Kuhlen;  den  Gütern
Pronstorf,  Margarethenhof,  Rohlstorf,  Wensien,  Müssen,
Muggesfelde,  Travenort,  Seedorf  und  Hornstorf,  Glasau
den  Hasselburger  Eingesessenen  von  Rönnau,  der  Stadt
Segeberg;

berger  Kreise  gelegten  Kirchspiels  Segeberger  und  Pronstorfer

18)  Kreis  Stormarn,  aus  dem  Amte  Reinfeld  mit  Ausnahme  der  zum  -

Nr.  6848.)

kgut  Mönkenbrook;,  den  Aemtern

Dorfer;  dem  zum  Amtte  Traventhal  gehörigen  nach  Oldesloe

eingepfarrten  Dorfe  Schlamersdorf,  den  Aemtern  Rethwisch,
Tremsbüttel  (mit  Ausnahme  der  zum  Segeberger  Kreise  gelegten
  Dörfer  Itzstedt  und  Tömmingstedh)  aus  dem  Domanialeinbeck,

  Trittau  mit  Ausnahme
  der  zum  Segeberger  Kreise  gelegten  Dörfern;  den  zur
Herrschaft  Pemnebeg  gehörigen  Dor  schaften  Poppenbüttel
        <pb n="1777" />
        —  1600  —

und  Hummelsbüttel;  der  Stadt  Oldesloe;  den  Gütern  Ahrensburg,
  Blumendorf,  Fresenburg,  Grabau,  Holtenklinken,  ghehen
holz,  Koisbüttel,  Jersbeck  und  Stegen,  Krumbeck,  Marienthal,
  Nütschau,  Schulenburg,  Tralau,  Wandsbeck,  Wulkslde;
  den  Kanzleigütern  Tangstedt,  Silck,  Wellingsbüttel,
em  Lübschen  Gute  Trenthorst  und  Wulmenau,  den  Stadtstistsdörfern
  Barghorst,  Pölitz,  Westerau  und  Frauenholz;

19)  Kreis  Ploen,  aus  dem  Amte  Ploen  mit  Ausnahme  der  nach  Bornhöved
eingepfarrten  Dörfer,  welche  zu  Segeberg  gelegt  sind;  den
Städten  Ploen  und  Lütjenburg;  dem  klösterlich  Preetzer
Distrikt  mit  Ausnahme  von  Gadeland  und  Taastorf;,  den
adeligen  Gütern  Futterkamp,  Klethkamp  mit  Grünhaus,
Helmstorf,  Panker,  Clamp,  Hohenfelde  und  Schmoel,  Neuhaus,
  Neudorf,  Waterneverstorf,  Ranzau,  Schönweide,  Lammershagen,
  Rixdorf,  Nehmten,  Ascheberg,  Wittmoldt,  Lehmkuhlen,
  Depenau,  Schönböcken,  Borkhorn,  Perdoel,  Bundhorst,
  Kühren,  Wahlstorf,  Bredeneck,  Freudenholm,  Rethwisch,
Sophienhof,  Rastorf,  Wittenberg,  Salzau,  Doberstorff,
Schädbeck,  Hagen;  dem  Stadtstiftsdorf  Kaköhl;

20)  Kreis  Oldenburg,  aus  der  Insel  Fehmarn;  dem  Amte  Cismar;  den  Städten
Neustadt,  Oldenburg,  Heiligenhafen;  den  Großherzoglich  Oldenburgischen
  Fideikommißgütern;)  den  adeligen  Gütern  Augustenhof,
  Brodauz  Burau,  Claustorf,  Ehlerstorf,  Farve,  Gaartz,
Goddendorf,  Goert  Großenbrode,  Güldenstein,  Hasselburg  mit
Ausnahme  der  in  Klein-Rönnau  Eingesessenen,  welche  zu  Segeberg
  gelegk  sind,  Johannisthal,  Kniphagen,  Löhrstorf,  Mannhagen,
  Meischenstorf,  Oevelgönne,  Peterstorf,  Putlos,  Rosenhoff,
  Satjewitz,  Schwelbeck,  Seegalendorf,  Sierhagen,  Sigen,

  Süßau,  Testorf,  Wahrendorf,  Weißenhaus,  Wintersagen

  j  den  Lübschen  Stadtstiftsdörfern  Bliesdorf,  Merkendorf,
Marrdorf,  Kkein-Schlamin,  Bentfeld,  Dazendorf,  Herringsdorf,
  Kembs,  Klotzin,  Rollin,  Sülstorf,  Goddendorf;  dem
Kirchdorf  Neukirchen.

Ver-
        <pb n="1778" />
        —  1601  —

Verzeichniß

der  im  Stande  der  Städte  auf  den  Kreistagen  in  Schleswig-Holstein
  vertretenen  Städte  und  Flecken.

a.  Namen  der  Gemeinden.

1)  im  Kreise  Hadersleben:  »
die  Stadt  Hadersleben  und  der  Flecken  Christiansfeld.
2)  im  Kreise  Apenrade:
die  Stadt  Apenrade.
3)  im  Kreise  Sonderburg:
die  Stadt  Sonderburg  und  die  Flecken  Norburg  und  Augustenburg.
4)  im  Kreise  Flensburg:  "
die  Stadt  Flensburg  und  der  Flecken  Glückäburg.
5)  im  Kreise  Tondern:
die  Stadt  Tondern  und  die  Flecken  Lügumkloster,  Hoyer  und  Wyck.
6)  im  Kreise  Husum:
die  Stadt  Husum  und  der  Flecken  Bredstedt.
7)  im  Kreise  Schkeswig:
die  Städte  Schleswig  und  Friedrichsstadt  und  die  Flecken  Cappeln
und  Arnis.
8)  im  Kreise  Eckernförde:
die  Stadt  Eckernförde.
9)  im  Kreise  Pinneberg:
die  Flecken  Elmshorn  mit  Wormstegen  und  Klostersande,  Pinneberg,
  Wedel,  Barmstedt,  Uetersen.
10)  im  Kreise  Steinburg:
die  Städte  Itzehoe,  Wilster,  Glückstadt,  Crempe  und  der  Flecken
Kellinghusen.  Z
(Fr.  6346)  11)  im
        <pb n="1779" />
        —  1602  —

11)  im  Kreise  Rendsburg:

die  Stadt  Rendsburg  und  der  Flecken  Nortorf.
12)  im  Kreise  Kiel:

die  Stadt  Kiel  und  der  Flecken  Neumünster.
13)  im  Kreise  Segeberg:

die  Stadt  Segeberg  und  der  Flecken  Bramstedt.
14)  im  Kreise  Stormarn:

die  Stadt  Oldesloe  und  die  Flecken  Wandsbeck  und  Reinfeld.
15)  im  Kreise  Ploen:

die  Städte  Ploen  und  Lütjenburg  und  der  Flecken  Preetz.
16)  im  Kreise  Oldenburg:

die  Städte  Oldenburg,  Burg,  Neustadt  und  Heiligenhafen.

b.  Stimmenvertheilung.
Es  entsenden:

die  Städte  Flensburg  und  Kiel  je  4,

-  Schleswig,  Rendsburg  und  Hadersleben  je  3,

-  Jtzehoe,  Apenrade,  Glückstadt,  Segeberg,  Husum,  Sonderburg
  und  Eckernförde,  und

die  Flecken  Neumünster,  Wandsbeck,  Elmshorn  mit  Wormstegen  und
Klostersande  und  Preetz  je  2,

die  übrigen  Städte  und  Flecken  je  1  Abgeordneten.

Bemerkung.  Die  Stadt  Altona  bildet  einen  eigenen  Kreis.  Die  Städte  Tönning
  und  Garding  im  Kreise  Eiderstedt,  sowie  die  Flecken  Heide
im  Kreise  Norderdithmarschen  und  Meldorf  im  Kreise  Süderdithmarschen
  finden  in  der  betreffenden  Landschaft  ihre  Vertretung.

 

Nr.  6849.)
        <pb n="1780" />
        —  1603  —

(Xr.  6849.)  end  die  Landgemeinde-erfassungen  im  Gebiete  der  Herzogwig
  und  Holstein.  Vom  22.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.6

verordnen,  zur  Fortbildung  der  Landgemeinde-Verfassungen  in  dem  Gebiete  der
Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein,  auf  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,
was  folgt:

F.  1.

Den  Bezirk  einer  ländlichen  Gemeinde  oder  eines  selbstständigen  Gutes
bilden  alle  diejenigen  Grundstücke,  welche  demselben  bisher  angehört  haben.

Jedes  Grundstück,  welches  bisher  noch  keinem  Gemeinde=  oder  selbstständigen
Gutsbezirke  angehört  hat,  ist  nach  Vernehmung  der  Betheiligten  und  nach  Anhörung
  des  Kreistages  durch  den  Oberpräsidenten  mit  einem  solchen  Bezirke  zu
vereinigen.  Eignet  sich  ein  solches  Grundstück,  nach  seinem  Umfange  und  seiner
Leistungsfähigkeit,  zu  einem  besonderen  Gemeinde=  oder  selbstständigen  Gutsbezirke,
so  kann  dasselbe  mit  Unserer  Genehmigung  dazu  erklärt  werden.

Die  Vereinigung  eines  ländlichen  Gemeindebezirks  oder  eines  selbstständigen
Gutsbezirks  mit  einem  anderen  Bezirke  kann  nur  unter  Zustimmung  der  betbel
ligten  Gemeinden  und  des  betheiligten  Gutsbesitzers  nach  Anhörung  des  Kreistages
  mit  Unserer  Genehmigung  erfolgen.

Die  Abtrennung  einzelner  Grundstücke  von  einem  Gemeinde:  oder  selbstständigen
  Gutsbezirke  und  deren  Vereinigung  mit  einem  anderen  solchen  Bezirke
kann,  wenn  die  betheiligten  Gemeinden  oder  Gutsbesitzer,  und  die  Besitzer  jener
Grundstücke  darin  einwilligen,  mit  Genehmigung  des  Oberpräsidenten  gescheben;
soll  aber  aus  dergleichen  Grundstücken  ein  besonderer  Gemeindebezirk  oder  ein
selbstständiger  Gutsbezirk  gebildet  werden,  so  ist  die  Anhörung  des  Kreistages
und  Unsere  Genehmigung  erforderlich.  In  diesem  letzteren  Wege  können  Bezirksveränderungen
  der  vorbezeichneten  Art,  welche  im  öffentlichen  Interesse  nothwendig
sind,  selbst  dann  vorgenommen  werden,  wenn  die  Betheiligten  nicht  darin  eingewilligt
  haben.

In  allen  vorstehend  bezeichneten  Fällen  ist  den  Betheiligten  der  Beschluß
des  Kreistages  vor  Einholung  der  höheren  Genehmigung  mitzutheilen.

Wird  in  Folge  einer  Bezirksveränderung  eine  Auscinandersetzung  zwischen
den  Betheiligten  nothwendig,  so  ist  dieselbe  im  Verwaltungswege  zu  bewirken;
1  ihrer  Feststellung  enügt,  wenn  die  Betheiligten  einig  sind,  die  Genehmigung
er  Regierung;  entsteren  Streitigkeiten  dabei)  so  entscheidet  solche  der  Oberpräsident.
Privatrechtliche  Verhältnisse  dürfen  durch  dergleichen  Veränderungen  niemals
gestört  werden.

Eine  jede  Bezirksveränderung  ist  durch  das  Amtsblatt  bekannt  zu  machen.

*sie
Wem  ein  bis  dahin  selbstständiger  Gutsbezirk,  oder  ein  in  keinem  Gemeindeverbande

  stehendes,  großes  geschlossenes  Waldgrundstück  mit  einem  Gemeinde=(Nr.
  6819.)  e-
        <pb n="1781" />
        —  1601  —

bezirke  vereinigt  wird  oder  bereits  vereinigt  worden  ist,  so  sind  durch  ein  zu
ertichtendes  Slatut  Festsetzungen  über  das  Verhältniß  zu  kresiane  in  welchem  der
Besitzer  und  die  übrigen  Bewohner  des  Gutsbezirks  oder  Waldgrundstücks  an
den  Rechten  und  Pflichten  der  Gemeinde  Theil  zu  nehmen  haben.

Insbesondere  ist  in  dem  Statute  zu  bestimmen:

a)  ob  und  inwieweit  dem  Guts-  oder  Waldbesitzerr  nach  Maaßgabe  des
größeren  Umfanss  oder  Werths  feines  Besitzthums,  besondere  Rechte  beigelegt
  werden  sollen,  namentlich  das  Recht,

in  der  Gemeindeversamnlung  den  Vorsitz  oder  mehrere  Sti
zu  führen,

bei  der  Wahl  von  Gemeindeverordneten  Einen  oder  Mehrere
derselben  allein  zu  wählen,  oder  an  deren  Versammlung  selbstständig
Theil  zu  nehmen,

in  der  Versammlung  der  Gemeinde  oder  deren  Verordneten  sich
durch  Pächter,  Wirthschafts=  oder  Forstbeamte  seiner  Grundstücke
vertreten  zu  lassen;

b)  ob  und  inwieweit  die  Wiederauflösung  der  Vereinigung  des  Gutsbezirks
oder  Waldgrundstücks  mit  dem  Gemeindebezirke  von  dem  einseitigen  Antrage
  des  Guts=  oder  Waldbesitzers,  oder  von  dem  der  übrigen  Gemeindeglieder
  abhängig  sein  soll.

Ein  solches  Statut  ist  nach  den  Erklärungen  der  Betheiligten  von  dem
Landrathe  zu  entwerfen,  dem  Kreistage  zur  Aeußerung  darüber  und  alsdann  mit
dem  Gutachten  der  Regierung  dem  Oberpräsidenten  zur  Bestätigung  vorzulegen.

K.  3.

In  Ergänzung  dieser  Verordnung  können  wegen  solcher  auf  das  Gemeinwesen
  bezüglichen  Angelegenheiten,  in  Hinsicht  deren  die  gegenwärtige  Verordnung
keine  Vesememgen  enthält,  nähere  Festsetzungen  aber  für  den  ganzen  Umfang
der  Heckogthimer  oder  einzelne  Landestheile  sich  als  nöthig  ergeben,  statutarische
Anordnungen  durch  Beschluß  des  Provinziallandtages  mit  Unserer  Genehmigung
getroffen  werden.  s

In  gleicher  Weise  können  abändernde  Bestimmungen  in  Anschung  der
Ausübung  des  Stimurrchts  (K.  8.  bis  11.  dieser  Verordnung))  der  Wahl  der
Gemeindevorsteher  (IS§.  19.  und  20.),  der  Regulirung  der  Dstentschedigur
für  letztere  +r  und  der  Aufbringung  der  Gemeindeabgaben  (§§.  24.  und  25
durch  Beschluß  des  Provinziallandtages  mit  Unserer  Fenehnishung  festgesetzt
werden.

F5.  4.

Jede  Gemeinde  ist  befugt,  statutarische  Anordnungen  zu  treffen:
1)  wegen  derjenigen  Gegenstände,  in  Hinsicht  deren  die  gegenwärtige  Verordnung
  auf  das  Gemeindestalut  veweis
2)  wegen  eigenthümlicher  Verhältnisse  umd  Einrichtungen  der  Gemeinde.
·  Die
        <pb n="1782" />
        —  1605  —

Die  statutarischen  Anordnungen  dürfen  den  Bestimmungen  der  gegenwärtigen
  Verordnung  und  des  Provinzialstatuts  nicht  widersprechen.

Das  Statut  ist  von  der  Gemeinde  unter  Leitung  des  Landrathes  und  unter
Mitwirkung  der  Ortsobrigkeit  aufzustellen  und  bedarf  nach  vorgängiger  Begutachtung
  des  Kreistages  der  Genehmigung  der  Regierung,  soweit  nicht  für  einzelne
Fälle  andere  Formen  der  Bestätigung  ausdrücklich  vorgeschrieben  sind.

g.  5.

An  der  Verfassung  der  auf  Grund  besonderer  gesetzlicher  Bestimmungen
oder  nach  Herkommen  zu  besonderen  Zwecken,  wie  für  das  Schul-,  Armen-,
Wege-,  Deichwesen  gebildeten  Kommune-Verbänden,  wird  durch  gegenwärtige  Verordnung
  nichts  geändert.

*)

Jede  Gemeinde  bildet  eine  Korporation  und  verwaltet  ihre  Angelegenheiten
  selbst.
.  7.
Fr  den  Bereich  eines  selbstständigen  Gutsbezirks  oder  eines  großen
geschlossenen  Wald=  oder  Moorgrundstücks  ist  der  Gutsbesitzer  zu  den  Pfichien

und  Leistungen  verbunden,  welche  den  Gemeinden  für  den  Bereich  des  Gemeindebezirks
  im  öffentlichen  Interesse  gesetzlich  obliegen.

KS.  S.

Die  Theilnahme  an  dem  Stimmrechte  und  die  Art  der  Ausübung  desselben
in  der  Gemeindeversammlung  wird  durch  die  bestehende  Ortsverfassung  bestimmt.

G.  9.

Ergiebt  sich  das  Bchurfün  einer  neuen  Feststellung  oder  Regelung  der
Stinmnrechte,  weil  die  Ortsverfassung  darüber  dunkel  oder  zweifelhaft  ist,  oder
weil  danach  wesentliche  Mängel  in  Ansehung  der  Theilnahme  an  dem  Stimmrechte,
  namentlich  erhebliche  Mißverhällnisse  gegen  die  Theilnahme  an  den
Gemeindelasten  bestehen,  so  ist  eine  solche  Feststellung  oder  Regelung  der  Stimmrechte
  unter  Beachtung  der  Vorschriften  der  I#.  10.  und  11.  durch  einen  von
der  Negierung  zu  bestätigenden  Gemeindebeschluß  herbeizuführen.

ommt  ein  solcher  Beschluß  nicht  zu  Stande,  so  ist  die  Regierung  befugt,
nach  Anhörung  des  Kreistages  und  mit  Genehmigung  des  Ministers  des  Innern
die  in  Ansehung  des  Stimmrechts  erforderliche  Feststellung  oder  Regelung  nach
Maaßgabe  der  IH.  10.  und  11.  zu  bewirken.

K.  10.

1)  Zur  Theilnahme  am  Stimmrechte  dürfen  nur  solche  Einwohner  des  Gemeindebezirks
  verstattet  werden,  welche  einen  eigenen  Hausstand  haben
und  zugleich  in  dem  Bezirke  mit  einem  Wohnhause  angesessen  sind.

Inhrzonz  1867.  (r.  6848.)  212  2)  Wenn
        <pb n="1783" />
        —  106056  —

2)  Wenmn  aber  Jemand  in  dem  Gemeindebezirke  ein  Grundstück  besitzt,  auf
welchem  ein  Gespann  von  zwei  Pferden  gehalten  werden  kann,  oder  welcct
  durch  eine  Fabrik,  eine  andere  gewerbliche  Anlage  oder  sonst  eine

utung  gewährt,  deren  Werth  dem  eines  solchen  spannfähigen  Grundstücks
  mindestens  gleichkommt)  so  ist  derselbe  zur  Theilnahme  am  Stimmrechte
  auch  dann  zuzulassen,  wenn  er  nicht  Einwohner  des  Gemeindebezirks
  ist  (Forense).  Dasselbe  gilt  auch  von  juristischen  Personen,  welche
Grundstücke  von  einem  solchen  Umfange  im  Gemeindebezirke  besitzen.

3)  Den  Besitzern  solcher  Grumdstücke,  welche  die  übrigen  an  Werth  oder
Größe  erheblich  übersteigen,  kann  mehr  als  Eine  Stimme  beigelegt  werden.

4)  Auch  können  die  Gemeindeglicdber  in  Ansehung  ihrer  Theilnahme  am
Stimmrechte  in  verschiedene  Klassen  getheilt  werden.

5)  Die  Stimmen  der  Besitzer  der  kleineren  nicht  spannfähigen  Grundstücke
können  zu  Gesammtstimmen  (Kollektivstimmen)  verbunden  werden.

Dergleichen  Besitzer  haben  alsdann  das  Stimmrecht  in  der  Gemeindeversammlung
  durch  Abgeordnete  auszuüben,  welche  sie  aus  ihrer
Mitte  auf  mindestens  3  und  höchstens  6  Jahre  wählen.

.  S.11.
.  JuderAusübungdcsStitnInrccl)tö,zuIvelchemsihrGtundbcsitzbefähigt,
können  vertreten  werden:  "«
1)  Minderjährige  durch  ihren  Vater,  Stiefvater  oder  Vormund;

2)  die  Ehefrau  durch  ihren  Ehemann,  Elent  1.  und  2.  der  Vater,  der
Stiefvater,  der  Vormund  und  der  Ehemann  im  Gemeindebezirke  wohnt,
der  Stiefvater  das  zum  Stimmrechte  befähigende  Gumdstück  bewirthschaftet
  und  der  Vormund  im  Gemeindebezirke  Grundbesitzer  ist;  fehlen
bei  einer  dieser  Personen  diese  Vorbedingungen)  so  kann  dieselbe  die  Vertretung
  einem  Stimmberechtigten  der  Gemeinde  übertragen;

3)  unwerheirathete  Besitzerinnen;

4)  auswärts  wohnende  und  juristische  Personen,

zu  3.  und  4.  durch  Stimmberechtigte  der  Gemeinde,  zu  4.  aber  auch  durch  Pächter
oder  Nießbraucher  der  zum  Stimmrechte  befähigenden  Grundstücke.

G.  12.

Die  stimmberechtigten  Mitglieder  der  Gemeinde  bilden  die  Gemeindeversammlung.
  Die  Beschlüsse  werden  nach  einfacher  Majorität  gefaßt,  jedoch  kann
durch  Gemeindestatut  eine  andere  Form  der  Abstimmung  festgesetzt  werden.

S.  13.  *

Die  Gemeindeversammlung  kann  nur  beschließen,  wenn  mehr  als  die  Hässte

er
        <pb n="1784" />
        —  1607  —

der  Stimmberechtigten  zugegen  sind.  Eine  Ausnahme  findet  statt,  wenn  die  Gemeindeversammlung
  zum  zweiten  Male  zur  Verhandlung  über  denselben  Gegenstand
  zusammenberufen,  denmoch  nicht  in  gehöriger  Anzahl  erschienen  ist.  Ueber
die  Art  der  Berufung  und  die  Ansetzung  regelmäßiger  Versammlungstage  find
nähere  Festsetzungen  der  statutarischen  Anordnung  überlassen.

K.  14.

Der  Gemeindevorsteher  führt  in  der  Versammlung  den  Vorsitz  mit  vollem
Stimmrechte  und  bei  Stimmengleichheit  mit  entscheidender  Stimme.

.  15.

Hat  die  Gemeindeversammlung  einen  Beschluß  gefaßt,  welcher  ihre  Befugnisse
  überschreitet,  das  Staatswohl  oder  das  Gemeinde-Interesse  verletzt,  so
t  der  Gemeindevorsteher  die  Ausführung  einstweilen  zu  beanstanden  und  über
den  Gegenstand  des  Beschlusses  die  Entscheidung  der  Aufsichtsbehörde  sofort  einzuholen.

S.  16.

Auf  Antrag  der  Gemeinde  kann  an  die  Stelle  der  Gemeindeversammlung
eine  Vertretung  derselben  durch  gewählte  Gemeindeverordnete  eingeführt  werden.
Wo  dies  geschehen  soll,  sind  zuvor  durch  Statut  die  dazu  erforderlichen  Festfehungen
  zu  treffen,  insbesondere  über  die  Gesammtzahl  der  Gemeindeverordneten,

ie  Wahlperiode,  die  etwaige  Klasseneintheilung  der  Wähler,  die  hierbei  aus  jeder
Klasse  zu  wählende  Zahl  von  Gemeindeverordneten  und  die  Wahlordnung.

Ueber  ein  solches,  von  der  Gemeinde  unter  Mitwirkung  der  Ortsobrigkeit
und  des  Landrathes  zu  entwerfendes  Statut  ist  der  Kreistag  z  hören  und  dafselbe
  dann  mit  dem  Gutachten  der  Regierung  und  des  Oberpräsidenten  dem
Minister  des  Innern  zur  Bestätigung  vorzulegen.

F.  17.
Der  Minister  des  Innern  ist  befugt,  eine  Gemeindeverordneten-Versammlung
  aufzulösen  und  eine  Neuwahl  anzuordnen.

KC.  18.

Die  Gemeindeversammlung  beschließt  über  alle  Gemeinde-Angelegenheiten,
soweit  dieselben  nicht  ausschließlich  dem  Gemeindevorsteher  überwiesen  sind.  Ueber
andere  als  Gemeindeangelegenheiten  kann  die  Versammlung  nur  dann  berathen,
wenn  solche  durch  besondere  Gesetze  oder  durch  besondere  Aufträge  der  Aufsichtsbehörden
  an  sie  gewiesen  sind.

S.  19.

Der  Gemeindevorsteher,  Uewie  ein  Stellvertreter,  welcher  ersteren  zu  unterstützen
  und  in  Behinderungsfällen  zu  vertreten  hat,  werden  von  der  Gemeindeversammlung
  gewahlt.  ç

(r.  6849.)  212“  Die
        <pb n="1785" />
        —  1608  —

Die.  Wahl  erfolgt  in  der  Regel  auf  sechs  Jahre,  kann  jedoch  auf  längere
Dauer,  sogar  auf  Lebenszeit  erfolgen.

In  allen  Fällen  ist  der  Gewählte  nach  sechsjähriger  Amtszeit  zur  Niederlegung
  des  Amtes  auf  gleiche  Dauer  berechtigt.

g.  20.

Die  Bestätigung  der  Wahl  erfolgt  durch  den  Landrath,  jedoch  in  denjenigen
  Gemeinden,  in  denen  die  Ausibung,  der  obrigkeitlichen  Gewalt  einem
Gute  zusteht,  in  Uebereinstimmung  mit  dem  Gutsbesitzer.

KC.  21.

Dem  Gemeindevorsteher  wird  für  baare  Auslagen  und  Dienstaufwand
Entschädigung  geleistet.  Im  Falle  unzureichender  Emolumente  und  in  Ermanelung
  einer  gütlichen  Einigung  wird  die  Entschädigung  nach  Vernehmung  der

etheiligten  und  der  Ortsobrigkeit  auf  das  Gutachten  des  Landrathes  nach  Anhörung
  des  Kreistages  von  der  Regierung  festgesetzt.

KC.  22.

Die  Uebernahme  des  Amtes  eines  Gemeindevorstehers  oder  Stellvertreters
kann  ein  Mitglied  der  Gemeinde  nur  aus  solchen  Gründen  ablehnen,  die  ihn
von  der  Uebernahme  einer  Vormundschaft  entschuldigen  würden.

C.  23.

Der  Gemeindevorsteher  verwaltet  die  Gemeinde-Angelegenheiten  und  führt
die  Beschlüsse  der  Gemeindeversammlung  aus.  Er  ist  Organ  der  Ortsobrigkeit
und  hat  alle  örtlichen  Geschäfte  der  allgemeinen  Verwaltung  zu  führen,  sem
nicht  andere  Behörden  oder  Organe  dazu  bestimmt  sind.

K.  24.

Wenn  in  Ansehung  des  Maaßstabes  der  Tirheilun  der  Gemeinde-Abgaben
  oder  Dienste  die  Ortsverfassung  dunkel,  zweifelhaft  oder  nicht  mehr  passend
ist,  insbesondere  hergebrachte  Gewohnheit  dabei  keinen  sichern  Anhalt  gewährt,
oder  zu  erheblichen  Mißverhältnissen  führt,  so  ist  eine  Ergänzung  oder  Abänderung
  der  Ortsverfassung  hierüber  unter  Beobachtung  der  Vorschrift  des  F.  25.
durch  einen  von  der  Regierung  zu  bestätigenden  Gemeindebeschluß  herbeizufuhren.

Kommt  ein  solcher  Beschluß  nicht  zu  Stande,  so  ist  die  Regierung  befugt,
nach  Anhörung  des  Kreistages,  mit  Genehmigung  des  Ministers  des  Innern,
die  in  Ansehung  der  Vertheilung  der  Abgaben  und  Dienste  erforderliche  Ergänzung
  oder  Abänderung  der  Ortsverfassung  vorzuschreiben.

K.  25.

Bei.  einer  solchen  neuen  Vertheilung  der  Gemeindelasten  (6.  24.)  ist  darauf
zu  achten,  daß  dieselbe  mit  Berücksichtigung  der  in  der  Gemeinde  stattfindenden
b-
        <pb n="1786" />
        —  1609  —

Abstufungen  des  Grundbesitzes  und  des  Klassenverhältnisses  gescheie)  und  die
den  einzelnen  Gemeindemitgliedern  oder  den  Klassen  derselben  aufzuerlegenden
Antheile  an  den  Lasten  in  ein  angemessenes  Verhältniß  zu  den  Rechten  und
Vortheilen  treten,  welche  dieselben  in  dem  Gemeindeverbunße  genießen.

KC.  26.

Zu  einer  schriftlichen,  einen  Gemeindebeschluß  betreffenden  Verhandlung
ist  erforderlich,  daß  darin  die  Ramen  der  bei  der  Beschlußfassung  gegenwärtig
gewescnen  Gemeindemitglieder  angegeben  sind,  und  die  Verhandlung  außer  von

eem  Gemeindevorsteher  oder  dessen  Stellvertreter  auch  nech  von  mindestens  drei
anderen  gegenwärtig  gewesenen  angesessenen  Gemeindemitgliedern  unterschrieben  ist.

Urkunden  über  Rechtsgeschäfte,  welche  die  Gemeinde  gegen  Dritte  verbinden
  sollen,  müssen  im  Namen  der  Gemeinde  von  dem  Gemeindevorsteher  oder
dessen  Stellvertreter  unterschrieben  und  mit  dem  Amtssiegel  bedruckt  sein;  der
dem  Wbschlass  des  Geschäfts  zum  Grunde  liegende  Gemeindebeschluß  und  die
dazu  etwa  erforderliche  Genehmigung  oder  Entscheidung  der  betreffenden  Aufsichtsbehorde
  müssen  der  Urkunde  in  beglaubigter  Form  beigefügt  sein.

Vollmachten  verbinden  die  Gemeinde,  wenn  sie  Namens  rer  unter  Beidrückung
  des  Amtssiegels  vom  Gemeindevorsteher  oder  dessen  Stellvertreter  unterschrieben
  sind,  und  dabei  von  diesem  bescheinigt  ist,  daß  die  Vollmacht  auf  den
Grund  eines  ordnungsmäßigen  Gemeindebeschluse,  zu  welchem  alle  Stimmberechtigten
  gehörig  eingeladen  worden,  ausgestellt  sei.  Eine  solche  Vollmacht
ist  auc  dann  hinreichend,  wenn  die  Gesetze  eine  gerichtliche  oder  Notariatsvollmacht
  verlangen.

Zu  dem  Nachweise,  daß  von  einer  Gemeinde  bei  der  Erwerbung  oder
Veräußerung  von  Grundstücken  oder  denselben  gleichstehenden  Gerechtsamen  die
den  Gemeinden  gesetzlich  vorgeschriebenen  Formen  beobachtet  sind,  genügt  eine
Bescheinigung  der  Regierung.

C.  27.

Die  Aufsicht  des  Staats  über  die  Gemeinden  und  die  öffentlichen  Anelegenheiten
  der  den  Gemeinden  gleichgestellten  Güter  wird  vom  Landrathe,  in
Höpter  Instanz  von  der  Regierung  und  dem  Oberpräsidenten  ausgeübt.

KC.  28.

Gegen  die  Entscheidung  der  Gemeindebehörden  findet  ein  Rekurs  an  den
Landrath,  gegen  die  Entscheidung  des  Candrathee  der  Rekurs  an  die  Regierung,
und  gegen  die  Entscheidung  der  Regierung  der  Rekurs  an  den  Oberpräsidenten  statt.
»  Der  Rekurs  muß  in  allen  Instanzen  binnen  einer  Präklusivfrist  von  vier
Wochen  nach  erfolgter  Zustellung  oder  Bekanntmachung  der  Entscheidung  einelegt

  werden,  insofern  nicht  für  einzelne  Fälle  durch  besondere  gesetzliche  Vorörl
  eine  andere  Frist  bestimmt  ist.

(Nr.  6848.)  K  .  29.
        <pb n="1787" />
        —  1610  —

g.  20.

In  den  Kreisen  Norder-  und  Süber  Dithmarschen  können  durch  Kreisstatut
  Normativbestimmungen  für  die  Fortbildung  der  Kirchspielverfassungen
unter  Beachtung  der  Vorschriften  der  gegenwärtigen  Verordnung  gegeben  werden.

C.  30.

Wir  behalten  Uns  vor,  Städten  und  Fieen,  in  denen  ein  Bedürfniß
dazu  obwaltet,  die  Annahme  der  Landgemeinde-Verfassung  mit  den  etwa  erforderchen
  Maaßnahmen  zu  gestatten.

Ueber  jeden  Antrag  dieser  Art  ist  zuvor  der  Kreistag  und  der  Provinziallandtag
  zu  hören.

K.  31.

Der  Minister  des  Innern  hat  die  zur  Ausführung  dieser  Verordnung

erforderlichen  Anordnungen  zu  treffen.

*e

Gegenwärtige  Verordnung  tritt  an  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das
dieselbe  enkhaltende  Stück  der  Gesetz-Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Baden--Baden,  den  22.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6850.)
        <pb n="1788" />
        —  1611  —

(Nr.  6850.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  17.  September  1867.,  betreffend  die  Fortsetzung  des
Spiels  der  Lotterie  zu  Frankfurt  a.  M.

M#  Bezug  auf  Meinen  Erlaß  vom  5.  Juli  d.  J.  bestimme  Ich  hierdurch,
daß  das  Spiel  der  Lotterie  zu  Frankfurt  a.  M.)  vorbehaltlich  einer  anderweitigen
Organisation  desselben,  einstweilen  und  bis  zu  einem  von  Mir  bei  der  Auseinandersetzung
  mit  der  Stadt  Frankfurt  a.  M.  näher  festzustellenden  Termine
gestattet  sein  soll.

Berlin,  den  17.  September  1867.
Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Fröh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

(Nr.  6850—6851.)  (Nr.  6851.)
        <pb n="1789" />
        —  1612  —

(Nr.  6851.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  20.  September  1867.)  betreffend  die  endgültige  Erledigung
  der  Beschwerden  über  polizeiliche  Beschränkungen  der  Vereinigung
oder  Zersplitterung  von  Bauerhöfen  in  der  Provinz  Hannover  durch  den
Oberpräsidenten.

A#  Ihren  Bericht  vom  12.  d.  M.  genehmige  Ich,  daß  Beschwerden,  welche
das  Verfahren  der  Verwaltungsbehörden  in  Beziehung  auf  die  in  der  Provinz
Hannover  bestehenden  polizeilichen  Beschränkungen  der  Vereinigung  oder  Zersplitterung
  von  Bauerhöfen  zum  Gegenstande  haben,  hinfort  in  letzter  Instanz
endgültig  von  dem  Oberpräsidenten  zu  entscheiden  sind.

Baden-Baden,  den  20.  September  1867.

Wilhelm.
v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulen  urg.

An  den  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten
und  den  Minister  des  Innern.  geles

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats--  Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Ksniglichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1790" />
        —  1613  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  1010.

 

(Nr.  6852.)  Verordnung,  betreffend  die  Ausdehnung  der  Preußischen  Disciplinargesetze
auf  die  Beamten  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.  Vom  23.  September
  1867.

Wir  Wilhelm,  oon  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.
verordnen  für  die  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  (Gesetz  Samml.
S.  555.)  und  die  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (GEslch,  Samml.  S.  875.  876.)
mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Landestheile,  mit  Ausnahme  des  vormaligen
Amtsbezirks  Meisenheim  und  der  Enklave  Kaulsdorf,  auf  den  Antrag  Unseres
Staatsministeriums,  was  folgt:

Artikel  I.

In  den  Eingangs  bezeichneten  Landestheilen  treten:

1)  das  Gesetz  vom  7.  Mai  1851.,  betreffend  die  Dienstvergehen  der  Richter
und  die  kenfreiwilige  Versetzung  derselben  auf  eine  andere  Stelle  oder  in
den  Ruhestand  (Gesetz-Samml.  S.  218.))  mit  den  im  Gesetz  vom
26.  März  1856.  (Gesetz-Samml.  S.  201.)  enthaltenen  Aenderungen,

2)  das  Gesetz  vom  21.  Juli  1852.,  betreffend  die  Dienstvergehen  der  nicht
richterlichen  Beamten,  die  Versetzung  derselben  auf  eine  andere  Stelle
oder  in  den  Ruhestand  (Gesetz-Samml.  S.  465.),

unter  nachfolgenden  besonderen  Bestimmungen  in  Wirksamkeit.

Artikel  II.

Das  Ober-Appellationsgericht  zu  Berlin  hat  in  den  Landestheilen,  für
welche  dasselbe  errichtet  ist,  sowie  in  Ansehung  seiner  eigenen  Mitglieder  alle
Funktionen  wahrzunehmen,  welche  durch  die  im  Artikel  I.  gedachten  Gesetze  dem
Obertribunal  beigelegt  sind.  »

HinsichtlickZ  der  im  sechsten  Abschnitte  des  Gesetzes  vom  7.  Mai  1851.
G.  65—77.)  bezeichneten  Beamten  tritt  die  Zuständigkeit  des  Ober-Appellationsgerichts
  nicht  ein.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6852.)  213  Ar.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  27.  September  1867.
        <pb n="1791" />
        —  1614  —

Artikel  III.

Als  Gerichte  erster  Instanz  im  Sinne  der  im  Artikel  J.  bezeichneten  Gesetze
  werden  betrachtet:  die  Kreisgerichte,  die  Obergerichte  im  Gebiete  des  vormaligen
  Königreichs  Hannover,  das  Stadtgericht  in  Frankfurt.

Als  Einzelrichter  im  Sinne  der  un  Artikel  l.  bezeichneten  Gesetze  werden
angesehen:  die  richterlichen  Beamten  der  Amtsgerichte,  in  Frankfurt  die  Richter
des  Stadtamts,  Landjustizamts  und  Rügegerichts,  die  rechtsgelehrten  Beamten
der  Transfskriptions=  und  Hypothekenbehörde  und  der  Fiskal.

Die  Aktuarien  und  Sekretaire  der  Gerichte  und  der  Adjunkt  des  Fiskals
in  Frankfurt  werden  im  Sinne  des  §.  64.  des  Gesetzes  vom  21.  Juli  1852.
den  Büreaubeamten,  und  diejenigen  Beamten,  welche  in  den  Vorbereitungsstadien
für  den  höheren  Justiz=  oder  Verwaltungsdienst  stehen  (wesisten,  Auditoren
u.  "  w.),  im  Sinne  des  §.  84.  desselben  Gesetzes  den  Referendarien  gleich
geachtet.

Artikel  IV.

Ju  den  Provinzialbehörden  gehören  im  Sinne  des  §.  24.  Nr.  2.  des
Gesetzes  vom  21.  Juli  1852.  im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs  Hannover
und  in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig,  auch  diejenigen  unmittelbar
unter  den  Mäschien,  beziehungsweise  unter  den  Oberpräsidenten  stehenden  Behörden,
  denen  die  in  den  älteren  Provinzen  den  Regierungen  übertragenen  Geschäfte
  ganz  oder  zum  Theil  obliegen.

ei  Anwendung  der  #.  25.  und  78.  desselben  Gesetzes  tritt  im  Gebiete
des  vormaligen  Königreichs  Hannover,  so  lange  dort  Landdrosteien  bestehen,  an
die  Stelle  der  Regierung  die  Landdrostei,  an  die  Stelle  des  Präsidenten  der
Regierung  der  Landdrost.
Artikel  V.

An  die  Stelle  der  S#.  60.  61.  65.  67.  68.  69.  72.  73.  74.  und  77.
des  Gesetzes  vom  21.  Juli  1852.  treten  die  nachstehenden  mit  gleichen  Nummern
bezeichneten  Paragraphen:

F.  60.

In  Ansehung  der  Gerichtsvoigte  im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs
  Hannover  finden  die  Bestimmungen  des  §.  59.  mit  der  Modifikation
Anwendung,  daß  die  Verhängung  von  Ordnungsstrafen  gegen  die  bei  den
Amtsgerichten  angestellten  Gerichtsvoigte  zusteht:

1)  dem  KronOberanwalt  in  Ansehung  der  Gerichtsvoigte  im  Sprengel
des  Appellationsgerichts.  Die  Geldbuße  darf  die  Summe  von
dreißig  Thalern  nicht  übersteigen;

2)  dem  Kronanwalt  in  Ansehung  der  Gerichtsvoigte  im  Bezirke  des
Obergerichts.  Die  Geldbuße  darf  die  Summe  von  zehn  Thalern
nicht  übersteigen;

3)  dem
        <pb n="1792" />
        (Nr.  6862

—  1515  —

3)  dem  betreffenden  Amtsrichter  mit  der  nämlichen  Beschränkung  in
Ansehung  der  Geldbuße.

K.  61.

Gegen  Büreau=  und  Unterbeamte,  welche  unter  der  alleinigen  Aufsicht
  der  Staatsanwaltschaft  stehen,  können  Ordnungsstrafen  festgesetzt  werden:
1)  von  dem  Beamten  der  Staatsanwaltschaft,  bei  welchem  sie  angestellt
oder  beschäftigt  sind,  mit  der  im  §.  60.  Nr.  2.  bezeichneten  Beschränkung;
  .
2)  von  dem  höheren  Beamten  der  Staatsanwaltschaft  mit  der  in  Nr.  1.
ebendaselbst  angegebenen  Beschränkung.

KC.  65.

Wenn  ein  Gerichtsvoigt  im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs
Kanmover)  oder  ein  Büreau=  oder  Unterbeamter  der  im  F.  61.  bezeihhneten
ategorie  ein  Dienstvergehen  begangen  hat,  welches  mit  höherer  als
bloßer  Ordnungsstrafe  (I§.  15.  19.  60.  6  zu  ahnden  ist,  so  richtet  sich
das  Verfahren  nach  den  Vorschriften  des  §.  64.
An  der  Befugniß  der  Gerichte,  jede  der  in  den  §#.  14.  bis  16.  bestimmten
  Strafen  zu  erkennen,  wird  hierdurch  nichts  geändert.

K.  67.

Hinsichtlich  der  Notarien  im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs
Hannover  kommen  der  zweite  Abschnitt  und  der  §.  47.  des  die  Richter
betreffenden  Gesetzes  vom  7.  Mai  1851.  zur  Anwendung.  Das  zuständige
Disziplinargericht  ist  das  Appellationsgericht.

K.  68.
insichtlich  der  Anwalte  und  Advokaten  im  Gebiete  des  vormaligen
Königreichs  Hannover  verbleibt  es  mit  den  durch  die  Strafprozeß.  Ordnung
vom  25.  Juni  1867.  bedingten  Aenderungen  im  Verfahren  bei  dem  Gesete,
die  Einrichtung  von  Anwaltskammern  betreffend,  vom  31.  März  185

In  Ansehung  der  Rechtsanwalte  (Advokaten)  und  Notare  in  den
übrigen  Landestheilen  tritt  die  Verordnung  über  die  Bildung  eines  Ehrenraths
  unter  den  Justiz-Kommissarien  und  Notarien  vom  30.  April  1847.
(Gesetz  Samml.  S.  196.)  in  Wirksamkeit.  Die  Anwendung  dieser  beiden
Gesetze  unterliegt  jedoch  den  nachstehenden  Modifkationen.

KG.  69.

Die  Befugnisse  des  bisherigen  Ober-Appellationsgerichts  zu  Celle
werden  von  dem  Ober-Appellationsgerichte  zu  Berlin,  die  Befugnisse  der
Landes-Justizkollegien  von  den  Appellationsgerichten,  die  Geschäfte  der
Staatsanwaltschaft  bei  dem  Diszilinarrath.  in  allen  Fällen  hurch  die

taats-
        <pb n="1793" />
        —  1616  —

Staatsanwaltschaft  des  betreffenden  Obergerichts,  bei  dem  Ehrenrathe  durch
die  Staatsamwaltschaft  des  betreffenden  Appellationsgerichts  wahrgenommen.

C.  72.

So  lange  für  die  bei  dem  Ober-Mpellkionsgerichte  zu  Berlin  angestellten
  Rechtsanwalte  ein  Ehrenrath  oder  Disziplinarrath  nicht  besteht,
werden  die  Disziplinarsachen  von  dem  Gerichtshofe  nach  den  Bestimmungen
des  zweiten  und  dritten  Abschnittes  des  die  Richter  betreffenden  Gesetzes
vom  7.  Mai  1851.  erledigt.
G.  73.

insichtlich  der  Diszilinarstrafen.  kommt  in  den  Fällen  der
.  und  75.  die  Verordnung  vom  30.  April  1847.  zur  Anwendung.

K.  71.

S.  74.

Gegen  jede  definitive  Entscheidung  eines  Ehremrakhes  oder  Disziplinarrathes

  steht  sowohl  der  Staatsanwaltschaft  als  dem  Beschuldigten

die  Berufung  an  den  o  ansen  Gerichtshof  frei.  Die  Anmeldung  erfolgt

bei  dem  Disziplinarrathe  oder  Ehrenrathe,  welcher  die  angefochtene  Entscheidung

  erlassen  hat.  Im  Uebrigen  richtet  sich  das  Verfahren  nach  den

Vorschriften  der  §I#.  37.  bis  43.  des  die  Richter  betreffenden  Gesetzes  vom
i

7.  Mai  1851.
Die  8  15.  16.  und  17.  der  Verordnung  vom  30.  April  1847.
bleiben  außer  Anwendung.

K.  77.

Wenn  ein  Rechtsanwalt  (Anwalt,  Advokat),  ein  Notar  oder  ein
Gerichtsvoigt  durch  Blindheit,  Taubheit  oder  ein  sonstiges  körperliches
Gebrechen,  oder  wegen  Schwäche  seiner  körperlichen  oder  geistigen  Kräfte
zu  der  Erfüllung  seiner  Amtspflichten  dauernd  unfähig  ist,  so  hat  der
Staatsanwalt  bei  dem  Appellationsgerichte  ihn  oder  seinen  nöchigenfal,—
7  bestellenden  Kurator  schriftlich  unter  Angabe  der  Gründe  zur  Niederegung
  des  Amtes  aufzufordern.

Tritt  innerhalb  sechs  Wochen  nach  dieser  Aufforderung  die  freiwillige
  Niederlegung  des  Amtes  nicht  ein,  so  beschließt  das  Appellations.
ericht  in  seiner  Plenarversammlung,  nachdem  das  im  F.  61.  des  die
Richter  betreffenden  Gesetzes  vom  7.  Mai  1851.  vorgeschriebene  und
eeigneten  Falls  das  im  &amp;amp;  62.  daselbst  zugelassene  Verfahren  stattgefunden
zas  nach  Anhörung  der  Staatsanwaltschaft  endgültig  darüber)  ob  der  Fall
der  Niederlegung  des  Amtes  vorliege.

Beschließt  das  Gericht,  daß  dieser  Fall  vorhanden  sei,  so  kann  der
Justizminister  die  Stelle  für  erledigt  erklären.

Ar-
        <pb n="1794" />
        —  1617  —

Artikel  VI.

Den  Beamten,  welche  nach  §.  87.  Nr.  2.  des  Gesetzes  vom  21.  Juli
1852.  durch  Königliche  Verordnung  jederzeit  mit  Gewährung  des  vorschriftsmäßigen
  Wartegeldes  einstweilig  in  den  Ruhestand  versetzt  werden  können,
treten  hinzu:

Provinzial-Steuerdirektoren,

Ober-Regierungsräthe  und  Abtheilungsdirigenten  bei  den  Regierungen,
und  wirkliche  Hbersor

Ober-Regierungsräthe  bei  den  Provinzial-Steuerdirektionen,

Vorsteher  der  oben  im  ersten  Absatz  des  Artikels  IV.  bezeichneten  Provinzialbehörden,


Abtheilungsdirigenten  bei  diesen  Behörden,

Vorsteher  der  Ober-Postdirektionen,  der  Ober-Telegrapheninspektionen,  der
Eisenbahndirektionen,  einschließlich  der  Direktionen  der  unter  Staatsverwaltung
  stehenden  Privatbahnen,

Direktoren  der  Oberbergämter  und  Vorsitzende  der  Bergwerksdirektionen,

Direktoren  der  höheren  Lehranstalten,

Dirigenten  der  Gestüte  und  Direktoren  der  landwirthschaftlichen  Lehranstalten,
  soweit  liter-  Staatsinstitute  sind,

Kreis=  und  Amtshauptleute,  Amtmänner,

Hardesvoigte  und  Kirchspielvoigte.

Artikel  VII.

Die  am  Schlusse  der  beiden  Gesetze  vom  7.  Mai  1851.  und  21.  Juli  1852.
enthaltenen  Uebergangsbestimmungen  finden  insoweit  Anwendung,  als  sie  nicht
besondere  Verhältnisse  betreffen,  welche  zur  Zeit  des  Erlasses  dieser  Gesetze  in
den  älteren  Provinzen  bestanden  haben.

Artikel  VIII.

An  Gerichtskosten  werden  in  Disziplinarsachen  nur  baare  Auslagen  (§§.  12.
und  13.  der  Verordnung  über  den  Ansat  der  Gerichtskosten  in  Stuasffachen  vom
30.  August  d.  J.,  Gesetz  Samml.  S.  1412.)  erhoben.

Für  die  Vertheidigung  können  Rechtsanwalte  (Advokaten)  liquidiren,  wenn
der  Antrag  gerichtet  ist:

a)  auf  Warnung,  Rüge,  Verweis  oder  Arrett  2  Rthlr.,

b)  auf  Geldbuße  oder  Entziehung  des  Diensteinkommens  für  einen
bestimmten  Zeitrnrneeeee  .  .  .  ..  5  Rthlr.,

J)  auf  Strafversetzung  oder  Suspension  .  8  Rthlr.,

)  auf  Dienstentlassung  (Ausstoßung  aus  dem  Anwaltsstande).  10  Rthlr.

In  der  Berufungsinstanz  sind  dieselben  Sätze  zu  liquidiren,  jedoch  wenn
(A  6852.)  der
        <pb n="1795" />
        —  1618  —

der  Angeschuldigte  das  Rechtsmittel  ergriffen  hat,  nur  nach  Maaßgabe  der  in
der  früheren  Instanz  wirklich  erkannten  Strafe.

Der  geringste  Satz  für  einen  bei  dem  obersten  Gerichtshofe  funzirenden
Rechtsanwalt  ist  in  allen  Fäleen  Rthlr.

Ist  blos  die  schriftliche  Rechtfertigung  der  Berufung  oder  die  Gegenshrit
angefertigt  worden,  so  können  nur  die  halben  Sätze,  für  die  Anfertigung  einer
Beschwerdeschrift  nur  15  Sgr.  liquidirt  werden.

Außer  den  vorstehenden  Gebührensätzen  sind  nur  etwaige  Reisekosten  und
Diäten  und  wirkliche  baare  Auslagen,  nicht  aber  irgend  welche  andere  Gebühren,
namentlich  auch  nicht  Schreibgebühren,  in  Ansatz  zu  bringen.

Artikel  IX.

Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das  dieselbe
enthaltende  Stück  der  Gesetz=  Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Vorschriften  find  aufgehoben.

Urkundlich  unter  unserer  Hoöchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Baden-Baden,  den  23.  September  1867.

(1.  S§.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6863)
        <pb n="1796" />
        —  1619  —

(Nr.  6853.)  Verordnung,  betreffend  die  allgemeine  Regelung  der  Staatsdienerverhältnisse
in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.  Vom  23.  September  1867.

Wa  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  .

verordnen  für  die  durch  das  Gesetz  vom  20.  September  1866.  (Gesetz=  Samml.
S.  555.)  und  durch  die  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  875.
und  876.)  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Landestheile,  mit  Ausnahme  des
vormaligen  Oberamtsbezirks  Meisenheim  und  der  Enklave  Kaulsdorf,  auf  den
Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.

Die  für  die  älteren  Provinzen  allgemein  gültigen  Vorschriften,  Verordnungen
  und  Gesetze,  durch  welche  die  Bedingungen  des  Eintritts  in  den  Staatsdienst,
  sowie  die  Rechte  und  Pflichten  der  Staatsdiener  in  Ansehung  ihres  Amtes
und  der  Hinterbliebenen  derselben  bestimmt  sind,  finden  fortan  auch  auf  die  Verhältnisse
  sowohl  der  unmittelbaren  als  der  mittelbaren  Staatsdiener  in  den  im
Eingange  bezeichneten  Landestheilen,  soweit  solche  nicht  durch  besondere  Verordmungen
  geregelt  werden,  Anwendung.

Insbesondere  treten  demgemäß  in  Kraft:
1)  die  Bestimmungen  des  Allgemeinen  Landrechts  Theil  II.  Titel  10.  J9.  68.  ff.;

2)  der  Erlaß  vom  10.  Juni  1848.  über  die  Tagegelder  und  Fuhrkosten  bei
Dienstreisen  (Gesetz=  Samml.  S.  151.),  nebst  der  Verordnung  vom
28.  Juni  1825.  wegen  Vergütung  der  Diäten  und  Reisekosten  für  kom-—i
  Geschäfte  in  Königlichen  Dienstangelegenheiten  (Gesetz-Samml.
S.  163.);

3)  der  Erlaß  vom  26.  März  1855.,  betreffend  die  Vergütung  der  den  Beamten
  bei  Versetzungen  erwachsenden  Umzugskosten  (Gesetz  Samml.  S.  190.)

4)  die  Erlasse  vom  14.  Juni  und  24.  Oktober  1848.,  betreffend  die  Bewillgung
  von  Wartegeld  an  disponible  Beamte  (Gesetz  Samml.  S.  153.
338.)  .

5)  die  Kabinetsorder  vom  13.  Juli  1839.),  betreffend  die  Uebernahme  von
Nebenämtern  durch  Staatsbeamte  (Gesetz  Samml.  S.  235.),  und  der  auf
den  Betrieb  eines  Gewerbes  durch  Beamte  bezügliche  §.  19.  der  Allgemeinen
  Gewerbe-Ordnung  vom  17.  Januar  1845.  (eseh-Oamml.  S.  44.);

6)  die  Kabinetsorders  vom  17.  Juli1816.  (Gesetz  Samml.  S.  214.),  vom

22.  August  1817.,  vom  3.  September  1817.  (Gesetz  Samml.  S.  10

vom  27.  Februar  1831.  (Gesetz=  Samml.  S.  3.)  und  vom  6.  Juli  1838.

Gesetz  Samml.  S.  378.)  über  die  Verpflichtung  und  Berechtigung  der

taatsbeamten  zum  Eintritt  in  die  allgemeine  Wittwenverpflegungs-Anstalt;


(Nr.  6853.  7)  die
        <pb n="1797" />
        —  1620  —

7)  die  Kabinetsorders  vom  27.  April  1816.  (Gesetz-Samml.  S.  134.)  und
15.  November  1819.  (Gesetz  Samml.  von  1820.  S.  45.)  wegen  der  den
Hinterbliebenen  Königlicher  Beamten  zu  bewilligenden  Gnadenbezüge;

8)  die  Verordnung  vom  24.  Januar  1844.  über  die  Festsetzung  und  den
Ersatz  der  bei  en.  und  anderen  Verwaltungen  vorkommenden  Defekte
(Gesetz  Samml.  S.  52.)

nebst  den  dazu  ergangenen  abändernden,  ergänzenden  und  erläuternden  Vorschriften.

§.  2.

Soweit  über  die  Prüfngen  zu  den  höheren  Staatsdienststellen  nicht  bereits
in  den  Verordnungen  über  die  Gerichtsverfassung  vom  26.  Juni  1867.  (Gesetz-Samml.
  S.  1073.  1085.  und  1094.)  Bestimmungen  getroffen  sind,  wird  darüber
besondere  Anordnung  ergehen.

g.  3.
Der  8.  104.  der  Verordnung  über  das  Verfahren  in  Civilprozessen  vom

24.  Juni  1867.  (Gesetz  Samml.  S.  885.)  findet  auf  sämmtliche,  im  Eingange
der  gegenwärtigen  Verordnung  bezeichnete  Landestheile  Anwendung.

n
Von  der  Verpflichtung,  der  allgemeinen  Witewenerbstegungs  uinstal  beizutreten
  (F.  1.  Nr.  6.)),  bleiben  solche  Beamte  frei,  welche  bei  ihrer  künftigen  Verheirathung
  noch  Mitglieder  einer  der  in  den  neuen  Landestheilen  vorß
Beamten-Wittwenkassen  find.

andenen

S.  5.

Alle  dieser  Verordnung  entgegenstehenden  Vorschriften  sind  aufgehoben.
Lertunduch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  23.  September  1867.
(L.  8.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

–

Rediglrt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Gofbuchdruckerei
"  (R.  v.  Decker).
        <pb n="1798" />
        —  1621  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  102.  —

 

(Nr.  6854.)  Verordnung  wegen  Regulirung  der  Holz=  und  Kohlennutzungen  der  Einwohner
des  Oberharzes.  Vom  14.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc
verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:
I.  Allgemeine  Bestimmungen.

S.  1.
Die  gegenwärtige  Verordnung  begreift  unter  dem  Ausdrucke  Oberhar)  den

Bezirk  der  Berghauptmannschaft  zu  Clausthal,  wie  derselbe  ge  Zeit  des  Erlasses
der  Königlich  ire  Verordnung  vom  7.  August  1852.  bestand,  mit
Ausschluß  jedoch  des  jetzigen  Amtes  Elbingerode.

G.  2.

Alle  ungemessenen,  im  F.  3.  nicht  ausgenommenen  Sorehgungen  der
Sieoh  des  Oberharzes  in  Unseren  Onfforsien  auf  den  Bedarf  an  Bauholz,
Brennholz,  Nutzholz  und  Holzkohlen  werden  aufgehoben,  und  es  treten  an  ihre
Stelle  lediglich  die  in  Gemäßheit  der  gegenwärtigen  Verordnung  fixirten  und
zur  Abfindung  zu  bringenden  Rechte.

.  3.
Die  gegenwärtige  Verordnung  findet  keine  Anwendung  auf  ungemessene
Berechtigungen,  welche
1)  auf  anderen  als  auf  den  in  den  sogenannten  Bergfreiheiten  enthaltenen
schriftlichen  Verleihungen  beruhen,  oder
2)  vertragsmäßig  aus  ungemessenen  in  gemessene  Berechtigungen  endgültig
bereits  umgewandelt  sind,
3)  auf  die  Holzabgabe  zu  bergbaulichen  Zwecken  und  die  Holzkohlenabgabe
an  Bergschmieden.
Jahrgang  18867.  (Nr.  6854.)  214  Den-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  28.  September  1867
        <pb n="1799" />
        —  1622  —

Denjenigen  Bergwerken,  welche  seit  dem  1.  Juli  d.  J.  durch  die  Bergbehörde
  verliehen  sind,  oder  später  verliehen  werden,  steht  eine  solche  Berechtigung
Licht  2  gleichviel,  ob  dieselben  auf  Eisenerz  oder  andere  Mineralien  verliehen
  sind.

g.  4.

Neue  ungemessene  Berechtigungen  der  Einwohner  des  Oberharzes,  wie
solche  im  H.  2.  erwähnt  sind,  können  in  Zukunft  nur  durch  schriftlichen  Vertrag
entstehen.

g.  5.

Die  Fiation,  beziehungsweise  die  Feststellung  der  Abfindungen  soll,  soweit
nicht  im  Folgenden  etwas  Anderes  bestimmt  ist,  bewirkt  werden  durch  Fixationskommissionen,
  welche  zu  diesem  Zwecke  für  jede  Gemeinde  des  Oberharzes  zu
bilden  sind.

Kleinere  Gemeinden  können  Behufs  Bildung  dieser  Kommisstonen,  wo  es
angemessen  erscheint,  einer  benachbarten  größeren  angeschlossen  werden.

S.  6.
Jede  Fixationskommission  soll  bestehen:

1)  aus  einem  von  der  Provinzial-Auseinandersetzungsbehörde  zu  bestimmenden
  Rechtsverständigen,

2)  aus  einem  von  der  Forstverwaltung  zu  bestimmenden  Mitgliede,

3)  aus  einem  von  dem  betreffenden  Gemeindevorstande,  beziehungsweise
den  mehreren  Gemeindevorständen  zu  bestimmenden  Mitgliede,  welches
im  Bezirke  des  Oberharzes  seinen  Wohnsitz  haben  muß.

Die  Kommissionen  entscheiden  nach  Stimmenmehrheit.
Dieselben  sind  befugt,  zu  ihren  Geschäften  einen  Bauverständigen  zuzuziehen,
dem  jedoch  ein  Stimmrecht  nicht  zusteht.

S.  7.
Die  Fixationskommissionen  haben  für  ihren  Wirkungskreis  die  Stellun
und  die  Besuchuisse  öffentlicher  —  hre  s  8

g.  8.
In  der  Befugniß  des  Fiskus,  im  Falle  der  Unzulänglichkeit  der  Forst  die
abzugebenden  Holzquanta  einzuschränken,  wird  durch  die  Fixation  der  Holzberechtigungen
  nichts  geändert.

II.  Be-
        <pb n="1800" />
        —  1623  —

II.  Berechtigung  auf  den  Bauholzbedarf.
A.  Bestimmungen  über  die  Fixation  der  Berechtigung.

g.  9.
Die  Berechtigung  auf  den  Bauholzbedarf  steht  den  Eigenthümern  begbungsweis
  erblichen  Besitzern  der  Baulichkeiten  als  ein  davon  untrennbares
echt  zu

zu.
Die  Bauholzberechtigung  erstreckt  sich  nur  auf  digenigen  Gebäude  und
sonstigen  nach  §.  11.  sub  2.  und  3.  denselben  gleich  zu  behandelnden  baulichen
Anlagen,  welche  zur  Zeit  des  Erlasses  der  gegenwärtigen  Verordnung  vorhanden
sind,  und  zu  deren  Bedarf  bisher  eine  solche  Nutzung  ausgeübt  worden  ist.

st  die  Nutzung  bei  solchen  Gebäuden  und  Anlagen  nachweisbar  nur  für
einen  Theil  derselben  ausgeübt  worden,  so  erstreckt  sich  dieselbe  auch  in  Zukunft
nur  auf  diesen  Theil.

5.  10.

Die  aopbercht  begreift  dasjenige  Fichtenbauholz,  welches  bei
eintretendem  Bedürfnisse  zum  Kepasakur.  und  Neubau  der  betreffenden  Baulichkeiten
  in  den  beim  Erlas  der  gegenwärtigen  Verordnung  vorhandenen  und  in
Gemähheit  der  nachfolgenden  Paragraphen  näher  festzustellenden  und  zu  beschreibenden
  Dimensionen  und  Konstruktionen  erforderlich  ist.

KC.  11.

Die  Feststellung  des  Besitzstandes  (s.  9.)  und  des  Umfanges  der  Bauholzberechtigungen
  (K.  10.),  sowie  der  etwaigen  den  Berechtigten  nach  dem  gegenwärtigen
  Besitzstande  obliegenden  Gegenleistungen  an  Accidenz  und  Forstzins  soll
erfolgen  vermittelst  Anlegung  von  Katastern,  in  welchen,  soweit  die  Voraussetzungen
  des  §.  9.  bei  ihnen  vorhanden  sind,

1)  sämmtliche  Gebäude  nach  ihrer  Belegenheit,  ihren  Dimensionen  und
Konstruktionen,

2)  die  zu  den  einzelnen  Gebäuden  gehörigen,  Bauholz  erfordernden  Nebenanlagen,
  als  Befriedigungen,  Wasserleitungen,  Brunnen,  Botiiche,
Brücken,  Uferbauten,

3)  die  etwa  vorhandenen,  zu  bestimmten  Gebäuden  nicht  gehörigen  Anlagen
der  unter  2.  bezeichneten  Art,

4)  die  vorgedachten  Gegenleistungen  in  dem  dem  gegenwärtigen  Besitzer
obliegenden  Umfange

zu  verzeichnen  sind.

Die  Kataster  sind  von  der  Vorstverwaltung  bKmeindeweise  zu  entwerfen
(Nr.  6854.)  14“  und
        <pb n="1801" />
        —  1624  —

und  der  betreffenden  Figationskommission  zu  übergeben.  Ueber  ihre  Einrichtung
hat  der  Finanzminister  das  Nähere  zu  bestimmen.

K.  12.

Die  Kommission  hat  den  Katasterentwurf  zu  prüfen,  festzustellen  und  wäh.
rend  einer  achtwöchigen  Frist  zur  Einsicht  der  Betheiligten  öffentlich  in  der
Gemeinde  auszulegen.  ,

Die  Frist  ist  unter  Hinweis  auf  die  Bestimmungen  dieses  Paragraphen  in
ortsüblicher  Weise  öffentlich  bekannt  zu  machen.

K.  13.

Bis  zum  Ablaufe  der  im  F.  12.  bezeichneten  Frist  steht  es  den  Betheiligten
frei,  gegen  die  Richtigkeit  der  in  den  Katasterentwurf  aufgenommenen  Eintragungen,
oder  wegen  unterlassener  vermeintlich  erforderlicher  Eintragungen  bei  der  Fixationskommission
  zu  reklamiren.  Nach  Ablauf  dieser  Frist  I  die  Kommission
die  von  den  Betheiligten  etwa  erhobenen  Reklamationen  der  Forstverwaltung  zur
Erklärung  mitzutheilen.

S.  14.

In  Ansehung  derjenigen  Holzberechtigungen,  wegen  deren  von  den  Betheiligten
  Reklamationen  gegen  den  -  nicht  erhoben  sind,  erlangt  der  letztere
  mit  dem  Ablaufe  der  Reklamationsfrist  dergestalt  verbindliche  Kraft,  daß
Abänderungen  desselben  von  keiner  Seite  weiter  verlangt  werden  können.

K.  15.
Ueber  die  erhobenen  Reklamationen  1ttx  b  nach  Eingang  der  Erklärungen

der  Forstverwaltung  und  nachdem  neibigen  alls  die  Reklamanten  nochmals  gehört
  worden  sind,  die  Fixationskommission  zu  entscheiden.

g.  16.

Die  mit  dieser  Huscheidung  unzufriedene  Partei  kann  Behufs  Verfolgung
ihrer  weiter  gehenden  Ansprüche  den  Rechteweg  betreten.

Bei  Strafe  des  Ausschlusses  müssen  die  Klageanträge  innerhalb  einer  von
dem  nicht  mit  zu  rechnenden  Tage  der  Eröffnung  oder  Zustellung  an  zu  berechnenden
  Frist  von  acht  Wochen  bei  dem  Gerichte  eingereicht  werden.

C.  17.

Insoweit  das  Kataster  dem  Vorstehenden  gemäß  durch  Fristablauf  oder
durch  rechtskräftige  Entscheidung  der  Fixationskommission  beziehungsweise  der
Gerichte  verbindliche  Kraft  erlangt  hat,  dient  dasselbe  fortan  für  die  Beurtheilung
  des  Vorhandenseins  und  der  Ausdehnung  der  Bauholzberechtigung  zur  ausschließlichen
  Grundlage.

Das  somit  für  immer  endgültig  festgestellte  Kataster  soll  für  jede  &amp;amp;

meinde
        <pb n="1802" />
        —  1625  —

meinde  doppelt  ausgeferügt  )  von  der  Fixatlonskommission  beglaubigt,  demnächst
aber  das  eine  Exemplar  bei  der  Forstverwaltung,  das  andere  bei  dem  betreffenden
  Gemeindevorstand  aufbewahrt  werden.

K.  18.

Die  Kosten  des  in  den  ".  11.  bis  17.  angeordneten  Katastrirungs.
verfahrens  sind  aus  der  Staatskasse  zu  bestreiten.  Die  Kosten  des  etwa  eintretenden
  gerichtlichen  Verfahrens  sind  denselben  nicht  beizuzählen.

B.  Bestimmungen  über  die  Abgabe  des  Bauholzbedarfs.

K.  19.

Der  Bedarf  an  Fichtenbauholz)  auf  dessen  Befriedigung  sich  die  Berechtigung

  nach  den  Bestimmungen  unter  A.  erstreckt,  wird  den  Verechtigten  gegen

ezahlung  der  im  Kataster  aufgeführten  Gegenleistungen  und  der  Bereitekosten,

einschließirt  etwaiger  Rückerlöhne,  nach  Selbstkostenpreis  in  rundem  Zustande
(Blöcke,  Stämme  und  Stangen)  im  Walde  verabfolgt.

Soweit  eine  Abgabe  von  Holz  zu  solchen  Zwecken  stattfindet,  zu  welchen
sogenanntes  Sägemühlenmaterial  zu  verwenden  ist,  ist  die  Forstverwaltung  befugt,
  dieses  Holz  anstatt  im  Walde  im  geschnittenen  Zustande  auf  der  Sägemühle
  gegen  Erstattung  der  Fuhrkosten  vom  Walde  nach  der  Sägemühle  und
der  Herstellungskosten  zu  verabfolgen  und  anzuweisen.

KC.  20.

Die  Forstverwaltung  hat  durch  öffntliche  Bekanntmachung  allgemein  die
Termine  vorzuschreiben,  bis  zu  welchen  die  Gesuche  um  Abgabe  von  Bauholz
in  jedem  Jahre  eingebracht  werden  müssen.

Gesuche,  welche  nach  diesem  Termine  eingebracht  werden,  können,  sofern
es  sich  nicht  um  unvorhergesehen  eingetretene  dringliche  Bedürfnisse  handelt  und
die  Holzabgabe  noch  möglich  ist,  worüber  allein  die  Forstverwaltung,  vorbehaltlich
  des  Rekurses  an  den  Finanzminister,  zu  entscheiden  hat,  auf  Berücksichtigung
bei  der  Holzabgabe  des  betreffenden  Jahres  keinen  Anspruch  machen.

Die  Gesuche  sind  bei  dem  zuständigen  Revierforstbeamten  schriftlich  oder
zu  Protokoll  einzubringen  und  mit  den  arserderlchen  von  einem  Zimmermeister
anzufertigenden  Holzanschlägen,  sowie,  wenn  ein  Neubau  in  Frage  steht,  den
nöthigen  Grundrissen,  Standrissen  und  Situationsplänen  zu  begleiten.

C.  21.

Die  Forstverwaltung  hat  über  das  Gesuch  zu  befinden.  Gegen  die  Entscheidung
  der  Forstverwaltung  steht  dem  Abgewiesenen  der  Rekurs  an  den  Finanzminister
  zu  und  gegen  dessen  Entscheidung  der  Rechtsweg  offen.

(Nr.  6864.)  .  .
        <pb n="1803" />
        —  1626  —

K.  22.

Soweit  die  Anforderungen  als  begründet  und  zulässig  anerkannt  sind,  ist
von  der  Forstverwaltung  wegen  der  Anweisung  des  abzugebenden  Holzes  die
nöthige  Verfügung  zu  treffen.  Die  Anweisun  ersolg,  an  die  Einzelnen  in
einem  den  Empfangsberechtigten  bekannt  zu  machenden  Termine,  und  zwar  für
die  nicht  erschienenen  Empfänger  ohne  deren  Mitwirkung  daburch  daß  ber
anweisende  Forstbeamte  das  Holz  mit  dem  Namen  des  Empfängers  bezeichnet.
Vom  Augenblicke  der  Anweisung  an  steht  das  Holz  auf  Gefahr  der  Empfänger.
Dasselbe  muß  bei  Vermeidung  der  durch  die  forstpolizeilichen  Vorschriften  angedrohten
  Strafe  innerhalb  der  von  der  Forstverwaltung  allgemein  zu  bestimmenden
Fristen  vom  Orte  der  Anweisung  abgefahren  werden.

C.  23.

Das  zu  bestimmten  baulichen  Zwecken  abgegebene  Holz  muß  innerhalb
eines  Zeitraums  von  zwei  Jahren,  vom  Tage  der  Anweisung  an,  dem  Zwecke  der
Abgabe  gemäß  verwandt  werden.  Die  Forstverwaltung  ist  befugt,  diese  Verwendung
  zu  kontroliren.  Erfolgt  die  anschlagsmäßige  Verwendung  innerhalb
deser  Frist  nicht,  so  hat  der  berechtigte  Empfänger  außer  den  nach  den  forst.
polizeilichen  Vorschriften  verwirkten  Strafen  den  einfachen  Werth  des  Holzes  an
die  Forstverwaltung  zu  zahlen.

K.  24.

Bei  den  Holzarschlägen  (§.  20.)  ist  das  aus  den  Gebäuden  und  Anlagen,
welche  reparirt  oder  umgebaut  werden  sollen,  zu  gewinnende  noch  brauchbare
Bauholz  mit  zu  berücksichtigen.  Das  zu  Bauzwecken  untaugliche  Holz  dieser  Art,
sowie  die  beim  Bau  nicht  brauchbaren  Abfälle  von  dem  abgegebenen  neuen  Bauholz
  verbleiben  dem  Berechtigten  zur  freien  Verfügung.

G.  25.

Soll  in  Zukunft  ein  Gebäude,  welchem  nach  den  Bestimmungen  dieses
Gesetzes  eine  Bauholzberechtigung  zusteht,  über  die  im  Kataster  verzeichneten
Dimensionen  hinaus  vergrößert  oder  dergestalt  umgebaut  werden,  da  der  Bau  -
holzbedarf  desselben  dadurch  vermehrt  werden  wuͤrde,  so  ist  die  desfallsige  Absicht
von  dem  Bauherrn  bei  Vermeidung  einer  Geldbuße  bis  zu  10  Rthlr.  vor  Beginn
des  Baues  unter  Vorlegung  der  Pine  bei  der  Forstverwaltung  zur  Anzeige  zu
zuingen  Ein  Anspruch  auf  Abgabe  von  Bauholz  für  die  Erweiterung  findet
nicht  statt.

III.  Berechtigung  auf  den  Brennholzbedarf.

g.  26.

Auf  die  im  Bezirk  jeder  Gemeinde  erfolgende  Brennholzabgabe  steht  das
Recht  der  politischen  Gemeinde  zu.  Ausgeschlossen  davon  ist  jedoch:  #en
a)  die
        <pb n="1804" />
        —  1627  —

a)  die  Brennholzabgabe  an  die  im  aktiven  unmittelbaren  Staatsdienste
stehenden  Beamten,  einschließlich  der  Unterbeamten  der  fiskalischen  Werke
und  der  Königlichen  Behörden,  auf  welche  die  gegenwärtige  Verordnung
keinen  Bezug  hat;

b)  die  Beennholzabgabe  für  Gebäude,  Beamte  und  Diener  der  Kirchen-  und
Schulgemeinden,  bezüglich  deren  das  Recht  der  betreffenden  Kirchenoder
  Echulgemellde  zusteht.

K.  27.

Die  der  politischen  Gemeinde  nach  F.  26.  gebührende  Bremholgabgabe
oll  für  die  Zukunft  in  einem  unveränderlichen,  und  auch  im  Falle  eines  durch
zuwachs  der  Bevölkerung  vermehrten  Bedarfs  nicht  zu  erhöhenden,  in  Maltern
von  80  Kubikfuß  Hannöverschen  Maaßes  festzustellenden  Aversum  bestehen,  welches
lech  ist  der  im  jährlichen  Durchschnitt  in  ben  fünf  Jahren  vom  1.  Juli  1862.
is  dahin  1867.  wirklich  abgegebenen  Malterzahl,  mit  dem  im  §.  28.  vorgeschriebenen
  Zuschlage.
.  28.

Für  den  Wegfall  der  den  Einwohnern  des  Oberharzes  bisher  gestatteten
Entuafme  von  Raff-  und  Leseholz,  trockenen  Stangen,  Abraum  und  Stucken
wird  die  im  §.27.  bezeichnete  Malterzahl  um  fünf  Prozent  desjenigen  Holzquantums,
welches  nach  desfallsiger  Festsetzung  der  Fixationskommission  auf  den  häuslichen
Bedarf  im  Gegensatze  zum  Bedarf  für  gewerbliche  Zwecke  zu  rechnen  ist,  erhöhet.

g.  29.

Die  Feststellung  der  Aversa  für  die  einzelnen  Gemeinden  soll  durch  die
Itationskommissunen  unter  amaloger  Anwendung  der  in  den  §.  11  —  18.  gegebenen
  Vorschriften,  jedoch  unter  Beobachtung  folgender  näherer  Bestimmungen
und  Modifikationen,  bewirkt  werden:

1)  von  der  Forssuerwaliung  sind  für  jede  Gemeinde  die  für  die  Fesstellung
des  Aversi  erorderlichen  Uebersichten  und  Berechnungen  aufzustellen  und
der  Fixationskommission  mitzutheilen;

2)  dieselben  werden  nur  dem  Gemeindevorstande  unter  der  Eröffnung  mitetheilt,

  daß  ihm  freistehe,  isern  einer  achtwöchigen,  vom  Tage  der
ittheilung  an  zu  berechnenden  Frist,  Einwendungen  gegen  die  Richtigkeit
  derselben  zu  erheben.

K.  30.

Das  festgestellte  Aversum  wird  alljährlich  der  betreffenden  Gemeinde  gegen
Bezahlung  nur  der  Bereitekosten  einschließlich  etwaiger  Rückerlöhne  nach  Suf.
kostenpreis  im  Walde  verabfolgt.  Soweit  Stuckenholz  abgegeben  wird,  soll  jedoch
nicht  die  wirkliche  Auslage  an  Bereitekosten,  sondern  nur  ein  Drittel  derselben
erstattet  werden.  Mindestens  ein  Drittel  des  Aversi  soll  in  Scheitholz  nach

(Nr.  6854.)  Maaß=
        <pb n="1805" />
        —  1628  —

Maaßgabe  der  im  Jahresschlage  vorkommenden  Holzarten  abgegeben  werden.
Unter  Scheitholz  wird  solches  verstanden,  welches  vor  dem  Spalten  am
dünneren  Ende  sechs  oder  mehr  Joll  Hannöverschen  Maaßes  im  Durchmesser  hat.

.  31.

Die  Abgabe  der  Aversa  beginnt  für  die  einzelnen  Gemeinden,  für  welche
die  endgültige  Fastnellung  derselben  erfolgt  ist,  mit  dem  auf  die  Feststellung  folgenden
  1.  Oktober.

.  32.

Das  dem  Vorstehenden  gemäß  an  jede  Gemeinde  gelangende  Brennholz
ist,  soweit  erforderlich,  zur  Befriedigung  des  häuslichen  Bedarfs  alljährlich  unter
die  im  Gemeindebezirke  wohnenden  Gemeindeangehörigen,  mit  Ausnahme  der  im
26.  sub  a.  und  b.  bezeichneten,  gegen  Erstatung  der  gehabten  Auslagen  und

osten  zu  vertheilen.  Ueber  den  Maaßstab  der  Vertheilung  unter  die  einzelnen
Gemeindeangehörigen  ist  für  jede  Gemeinde  von  der  Gemeindebehörde  unter  Leitung
  der  Obrigkeit  ein  Regulativ  ufzustellen,  welches  der  Genehmigung  der
Regierung  unterliegt.
g.  33.

Die  im  8.  26.  sub  b.  bezeichnete  Beennholgabzat-  soll  ebenfalls  nach  den
in  den  9§.  27.  und  29.  enthaltenen  Grundsätzen  und  Vorschriften,  jedoch  ohne
den  im  F.  28.  erwähnten  Zuschlag,  für  jede  Kirchen=  und  Schulgemeinde  auf
ein  jährlich  abzugebendes  Aversum  fixirt  werden.

KC.  34.

Wegen  der  Abgabe  und  Anweisung  des  Brennholzes  an  die  berechtigten
Gemeinden  kommen  die  Vorschriften  in  Alinea  2.  und  3.  des  9.  22.  zur  Anwendung.
  E

,35.

Wer  den  vorstehenden  Bestimmungen  nach  Brennholz  für  den  eigenen
Bedarf  überwiesen  erhält,  ist  befugt,  willkürlich  darüber  zu  disponiren.  Die
Regierung  kann  jedoch  im  Wege  der  Polizeiverordnung,  allgemein  oder  für  einzelne
  Gemeinden  besonders,  die  Befugn  zu  einer  anderen  Verwendung  des
Holzes,  als  zum  eigenen  Feuerungsbedarf,  beschränken  oder  aufheben.

IV.  Berechtigung  auf  den  Nutzholzbedarf.

g.  36.

Das  Recht  auf  die  an  gewerbtreibende  und  sonstige  Einwohner  des  Oberharzes
  geleistete  Nutzholzabgabe  steht  den  politischen  Gemeinden  zu  und  soll  durch
eine  an  die  letzteren  zu  leistende  Kapitalzahlung  nach  folgenden  näheren  Bestimmungen
  abgefunden  werden.  Unt

er
        <pb n="1806" />
        —  162)  —

Unter  Nutzholz  ist  dabei  verstanden,  alles  an  Gewerbtreibende  zur  Verarbeitung
  in  ihrem  Gewerbe,  insbesondere  zur  Herstellung  von  Geräthen,  Gerüsten
  u.  s.  w.,  ferner  alles  an  die  Einwohmer  zur  eigenen  Verarbeitung  und
Verwendung  abgegebene  Holzmateria-  ohne  Unterschied  der  Sortimente,  mit
AAusschluß  des  zu  Bauzwecken  oder  zum  Heizen  abgegebenen  Holzes.

KS.  37.
Behufs  der  Abfindung  ist  zu  trennen:
1)  die  Nutzholzabgabe  an  Tischler,  Büttner,  Rademacher  und  Fenstermacher,

2)  die  Nutzholzabgabe  an  sonstige  gewerbtreibende  und  nicht  gewerbtreibende
Einwohner.
KS.  38.

Bei  Verechnung  der  Kapitalabfindung  für  die  im  §.  37.  sub  2.  bezeichnete
  Nutzholzabgabe  soll  für  jede  Gemeinde  der  Naturalbetrag  zum  Grunde  gelegt
werden,  auf  welchen  sich  diese  Abgabe  in  der  betreffenden  Gemeinde  im  #
schnitt  der  fünf  Jahre  vom  1.  Juli  1862.  bis  dahin  1867.  belaufen  hat.  Der
ermittelte  Naturalbetrag  ist  nach  der  nachstehenden  Werthtaxe  auf  eine  Geldrente
zu  redusiren,  von  welcher  der  nach  demselben  Durchschnitt  zu  berechnende  Betrag
der  dafün  aufgekommenen  Zahlungen  an  Accidenz  und  Forstzins  in  Abzug  zu

ringen  ist.

Der  wamizache  Betrag  dieser  Rente  stkellt  die  der  betreffenden  Gemeinde
zu  gewährende  Kapitalabfindung  dar.

 

 

"  pro  ein  Kubikfuß
Nutzholz=  und  Kohlentaxe.  Er.
I.  Nad  elh  ol  v.  reiner  Holzwerth.
1)  Fichten-Nutzhotz  .  .  ..  4,6
2)  Sägemühlen-Material  (gut  und  startt)  .  ..  6

3)  Kleine  Nutzhölzer,  als:  doppelte  und  einfache  Lattenbäume,
  Lattenknüppel,  Baumstangen,  Hopfenstangen,
Bohnenstangen,  Erbsenstiefel,  Wegweiser,  vier-,  fünfund

  sechslachtrige  Fahrtenbäume,  Karrengestellbäume  2c.  2
II.  Laubholz.  «
1)  a)  sichen-  kuteh  zu  Hackeklötzen,  Schmiedeklötzen,  zu
Rademacherhölzen  ...  7
b)  Eichen-Knüppelholz  pro  Malter  1  Rthlr.  11  Gr.
e)  Astholz  —  13.

 

Jahrgang  1867.  (Nr.  6854.)  215  2)  Buchen-
        <pb n="1807" />
        —  1630  —

Pro  ein  Kubikfuß
Er.

reiner  Holzwerth.

2)  Buchenholz,  drei-  bis  achtspännig  Buchen-Nutzholz  zu

 

Rademacherhölzern,  zu  Hacke=  und  Schmiedeklötzen  2c.  3
3)  Sonstiges  Laubholz--Nutzholz  ..........  .  .  ..  ...  ......  3
4)  Große  und  kleine  Bandstöcke  ......  ....  ..  .....  ..  .  ...  2,6
III.  Kohlen.
1)  Eine  Karre  Fichtenbaum-Knüppelkohhen
  3  Rthlr.  6  Gr.
2)  Eine  Karre  Fichten-Stuckenkohlen  —.  18
3)  Eine  Karre  Buchenbaum-Knüppel-Stuckenkohhhen
  ...  2  25
4)  Eine  Karre  Fichten-  und  Buchen-Astund
  Stöckerkohhen  —.  24
g.  39.

Die  Kapitalabsindung  für  die  im  F.  37.  sub  1.  bezeichnete  Nutzholzabgabe
  ist  ebenfalls  nach  den  im  F.  38.  ausestellten  Grundsätzen,  zunächst  für
die  einzelnen  Gemeinden,  demnächst  durch  Addition  der  so  gefundenen  Summen
in  einer  Gesammtsumme  für  alle  Gemeinden  des  Oberharzes  zu  ermitteln.

Der  Antheil  einer  jeden  Gemeinde  an  dieser  Gesammtabfindung  bestimmt
sich  nach  dem  arhälkife,  in  welchem  nach  dem  Ergebnisse  der  Vertheilung
letztvorhergegangener  Volkszählung  die  Einwohnerzahl  derselben  zu  der  Einwohnerzahl
  des  ganzen  Oberharzes  gestanden  hat.

g.  40.

Die  Feststellung  des  Betrages  dieser  Kapitalabfindungen  (§9.  38.  und  39.)
soll  erfolgen  durch  die  Fixationskommissionen  nach  den  im  §.  29.  gegebenen  Vorschriften.
  Die  Berechnung  der  im  FH.  39.  bezeichneten  Gesammtabfindungssumme
  auf  Grund  der  im  Verfahren  vor  den  Fixationskommissionen  festgestellten
Spezialsumme  für  die  einzelnen  Gemeinden,  sowie  die  Vertheilung  der  ersteren
unter  die  einzelnen  Gemeinden  erfolgt  durch  die  Regierung  mittelst  eines  Beschlusses,
  gegen  welchen  unter  Ausschluß  des  Rechtsweges  nur  ein  Rekurs  an
den  Oberpräsidenten  zulässig  ist,  welcher  von  der  sich  beschwert  erachtenden  Gemeinde
  senerhal  einer  dreiwöchigen  Frist  nach  Zustellung  des  Beschlusses  zu  ereben

  ist.

S.  41.
        <pb n="1808" />
        —  1631  —

K.  41.
Wegen  der  Auszahlung  der  Kapitalabfindungen  wird  Folgendes  bestimmt:

1)  die  Kapitalabfindung  für  die  im  F.  37.  sub  2.  bezeichnete  Nutzholzabgabe
  soll  für  jede  Gemeinde,  für  welche  die  endgültige  Feststellung  erfolgt
  ist,  an  dem  auf  die  letztere  folgenden  2.  Januar  ausgezahlt  werden.
Von  *  Zeitpunkte  an  findet  eine  Nutzholzabgabe  vese  Art  nicht
weiter  statt.

die  Kapitalabfindung  für  die  im  F.  37.  Sub  l.  bezeichnete  Nutzholzabgabe
  soll  an  sämmtliche  Gemeinden  gleichzeitig  und  zwar  in  vier
gleichen  Raten  nebst  fünf  Prozent  Zinsen  des  jedesmaligen  Rückstandes
erfolgen,  von  welchen  die  erste  an  dem  auf  die  endgültige  Feststellung
der  Kapitalabfindung  folgenden  2.  Januar,  jede  folgende  Rate  ein  Jahr
später  füllig  it.  Die  Nutzholzabgabe  cessirt  mit  dem  Fälligkeitstermine
der  ersten  Rate.

2

C.  42.

Ueber  die  den  Gemeinden  geleisteten  Kapitalabfindungen  steht  denselben
die  freie  Disposition  in  gleicher  Weise  zu)  wie  über  das  sonstige  Gemeinde-Vermögen.


V.  Berechtigung  auf  den  Bedarf  an  Holzkohlen.

K.  43.

Auf  die  Holzkohlenabgabe  an  die  im  F.  26.  sub  a.  bezeichneten  Empfänger
findet  die  gegenwärtige  Verordnung  keine  Anwendung.  Die  Holzkohlenabgabe
an  die  im  1  26.  Sul  b.  Bezeichneten  wird  nach  denselben  Gruntdsipen  wie  die
Brennholzabgabe  an  dieselben  fixirt.

KS.  44.

Das  Recht  auf  die  an  gewerbtreibende  und  sonstige  Einwohner  des  Oberharzes,
  mit  Ausnahme  der  im  F.  43.  bezeichneten  und  der  Bergschmieden,  geleistete
  Holzkohlenabgabe  steht  den  politischen  Gemeinden  zu,  und  soll  durch  eine
den  letzteren  zu  leistende  Kapitalzahlung  abgefunden  werden.  Es  kommen  dabei
in  Betreff  der  Grundsätze  für  die  Ermittelung  des  Abfindungskapitals,  seine  Vertheilung
  und  Auszahlung  an  die  einzelnen  Gemeinden,  sowie  in  Betreff  des
dabei  zu  beobachtenden  Verfahrens  die  Vorschriften  zur  Anwendung,  welche  in
Beziehung  auf  die  Absindung  der  im  F.  37.  sub  1.  bezeichneten  Nutzholzabgabe
gegeben  sind.

(Nr.  6854—6855.)  215“  VI.  Schluß-
        <pb n="1809" />
        —  1632  —

Schlußbestimmungen.

".  45.
Der  4.  195.  der  Gewerbe  Ordnung  vom  1.  August  1847.  wird  aufgehoben.
Auf  den  Gewerbebetrieb  auf  dem  Oberharze  finden  fortan  die  allgemeinen
Vorschriften  der  Gewerbegesetzgebung  Anwendung.
S.  46.

Der  Finanzminister  und  der  Minister  des  Innern  werden  mit  Ausführung
der  gegenwärtigen  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  14.  September  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6855.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  Prcußischen  Kriegsleistungsgesetze
in  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  1866.  und  vom  24.  Dezember
  1866.  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Landestheilen.
Vom  22.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

S.  1.

In  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  1866.  (Gesetz=  Samml.
S.  555.)  und  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz  Samml.  S.  875.  und  876.)

mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Landestheilen  werden  nachstehende  Gesetze:
1)  das  Gesetz  wegen  der  Kriegsleisungen,  und  deren  Vergütung  vom

11.  Mai  1851.  (Gesetz=  Samml.  S.  362.),

2)  die  Verordnung  über  das  Verfahren  1  eintretender  Mobilmachung  der
rniee
        <pb n="1810" />
        —  1633  —

Armee  zur  Herbeischaffung  der  Pferde  durch  Landlieferung  von  24.  Februar
  1834.  (Gesetz=  Samml.  S.  56

3)  das  die  Verordnung  zu  2.  abändernde  Gesetz  vom  12.  September  1855.
(Gesetz  Samml.  S.  609.)

mit  folgenden  Maßgaben  eingeführt.

§.  2.  ·

Bei  Berechnung  der  Höhe  der  Vergütungen  für  die  Landlieferungen  (F.  6.
des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1851.)  werden  die  zehnjährigen  Durchschnittspreise
zum  Grunde  gelegt:

1)  in  den  Herzoschumern.  Schleswig  und  Holstein  für  die  vom  Oberpräsidenten
  zu  bildenden  Bezirke,  nach  den  von  demselben  für  jeden  Bezirk
zu  bestimmenden  Hauptmarktorten;

2)  in  der  Provinz  Hannover  nach  den  in  Folge  der  Ablösungsordnung
vom  23.  Juli  1833  festgesetzten  Marktorten  für  die  danach  gebildeten
Preisbezirke,  für  den  Harz  nach  dem  Marktorte  Goslar;

3)  in  den  Regierungsbezirken  Kassel  und  Wiesbaden  für  die  gemäß  der
Verordnung  vom  22.  Februar  d.  J.  gebildeten  Kreise  nach  dem  von
dem  Oberpräsidenten  in  jedem  Kreise  zu  bestimmenden  Hauptmarktorte.

'

Bis  zur  definitiven  Bildung  von  Provinzen  und  Kreisen,  beziehentlich
von  provinzial-,  kommunal  =  und  freisstindäschen.  Vertretungen,  und  in  Schleswig-Holstein
  bis  zur  gesetzlichen  Regelung  der  Landgemeinde-Verfassung,  hat  der  Minister
  des  Innern  die  zu  den  einzelnen  Kriegsleistungen  verpflichteten  Verbände,
die  mit  der  Ausführung  und  mit  der  Mitwirkung  bei  der  Ausführung  zu
beauftragenden  Organe,  anner  die  Grundsätze  zu  bestimmen,  nach  denen  die
Leistungen  innerhalb  der  verpflichteten  Verbände  zu  vertheilen  sind,  sowie  in
Gemeinschaft  mit  dem  Kriegsminister  alles  sonst  zur  wirksamen  Anwendung  der
vorangeführten  Gesetze  Nöhige  anzuordnen.

*1*“

Alle  dieser  Verordnung  oder  den  darin  angeführten  Gesetzen  widersprechenden
  Vorschriften  werden  außer  Kraft  gesetzt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6855—6356.)  (Nr.  6856.)
        <pb n="1811" />
        —  1634  —

(Nr.  6858.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  des  Gesetzes  über  die  privatrechtliche
Stellung  der  Erwerbs-  und  Wirthschaftsgenossenschaften  vom  27.  März
1867.  (Gesetz  Samml.  S.  501.)  in  die  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig.
  Vom  22.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.
verordnen,  auf  den  Antrag  des  Staatsministeriums,  was  folgt:

Das  Gesetz,  betreffend  die  privatrechtliche  Stellung  der  Erwerbs-  und
Wirthschaftsgenossenschaften  vom  27.  März  1867.  (Gesetz-Samml.  S.  501.),

wird  in  die  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig  mit  dem  30.  September  1867.
eingeführt  und  zwar  mit  folgenden  Abänderungen:

K.  1.
Die  im  §.  4.  des  Gesetzes  enthaltenen  Worte:

(Art.  73.  des  Einführungsgesetzes  zum  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesettuche
  vom  24.  Juni  acörh  9  H

fallen  fort.
K.  2.
Im  dritten  Absatze  des  F.  10.  treten  an  die  Stelle  der  Worte:
„dem  Einführungsgesetze  vom  24.  Juni  1861.  (Gesetz  Samml.  S.  449.)%
die  folgenden  Worte:  .
»derEinführungösVerordnungvom5.Juli1867.(Geseh-Sammc.
S.1133.)«.

s.3.
Das  im  zweiten  Satze  des  F.  47.  enthaltene  Wort:
kaufmännischen“
fällt  fort.
KC.  4.

An  die  Stelle  der  Vorschriften  im  ersten  und  zweiten  Absatze  des  §.  50.
tritt  folgende  Bestimmung:
„das  Konkursverfahren  über  das  Vermögen  der  Genossenschaft  richtet  sich
nach  den  für  die  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig  geltenden  allgemeinen
  Vorschriften.““

KG.  5.
        <pb n="1812" />
        —  1635  —

G.  5.
Im  zweiten  Absatze  des  F.  54.  treten  an  die  Stelle  der  Worte:

Oim  Artikel  5.  des  Einführungsgesetzes  zum  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetztuche
  vom  24.  Juni  1861."

die  folgenden  Worte:

„in  den  I#§.  11.  bis  18.  der  Einführungs-Verordnung  zum  Allgemeinen
Deutschen  Handelsgesetzbuche  vom  5.  Juli  1867.“

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bitzmarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Nr.  6857.)  Verordnung,  betreffend  die  Provinziallandschaften  im  Gebiete  des  vormeligen
Königreichs  Hannover.  Vom  22.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #c.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.

Die  Provinziallandschaften  im  Gebiete  des  vormaligen  Königreichs  Hannover
bleiben,  nach  Wegfall  der  ihnen  früher  zuständig  gewesenen  weitergehenden  Rechte,
insbesondere  der  Mitwirkung  bei  der  Ersehgebung  p,  ausschließlich  für  die  Wahrnehmung
  kommunaler  Angelegenheiten  der  Landschaftsbezirke  als  besondere  Korporationen
  unter  Aufsicht  der  Staatsregierung  bestehen.  Es  verbleibt  ihnen  hiernach
  das  hecht  zur  Verwaltung  beziehungsweise  Vertretung  des  landschaftlichen
Vermögens,  landschaftlicher  Stiftungen,  Inmmute  und  Anlagen,  sowie  die  bisherige
  Befugniß,  den  Landschaftsbezirk  unter  Genehmigung  der  Staatsregierung
mit  Beiträgen  und  Leistungen  für  Landschaftszwecke  zu  belasten.

K.  2.
Die  einzelnen  Provinziallandschaften  sollen  fortan  die  Benennung:  „Land-(Nr.
  6866  -6857.)  schaft“
        <pb n="1813" />
        —  1636  —
die  bei  denselben  bestellten  Landräthe  die  Benennung:  „Landschaftsrath“

ken.
ie
In  den  Einrichtungen  der  nachstehend  bezeichneten  Landschaften  und  Ritterschaften
  sollen  folgende  Aenderungen  eintreten:

1)  in  der  Hildesheimschen  Landschaft  ist  den  nicht  zur  Ritterschaft  gehörenden
Grundbesitzern  die  Vertretung  in  einer  eigenen  Kurie  zu  gewähren,

2)  in  der  Osnabrückschen  Landschaft  ist  das  Verhältniß  der  Vertretung  in
der  Städtekurie  neu  zu  ordnen,  der  Geschäftsgang  zu  vereinfachen  und
ein  Ausschuß  einzurichten;

3)  bei  der  Osnabrückschen,  Hildesheimschen  und  Ostfriesischen  Ritterschaft  ist
die  Aufnahme  neuer  geeigneter  Grundbesitzungen  unter  die  Zahl  der  ritterschaftlichen
  Güter  zu  erleichtern.

Wir  wollen  die  zu  diesem  Zwecke  erforderlichen  näheren  Festsetzungen  nach
Anhörung  der  betheiligten  Korporationen  durch  besondere  Erlasse  anordnen,  welche
durch  das  Amtsblatt  fiür  Hannover  veröffentlicht  werden  sollen.

K.  4.

Im  Uebrigen  können  die  inneren  Verhältnisse  der  landschaftlichen  Korporationen
  demnächst  durch  Landschaftsstatute  näher  geordnet  und  fortgebildet
werden.  Solche  Statute  sind  durch  verfassungsmäßigen  Beschluß  der  Korporation
und  nach  Anhörung  des  Provinziallandtages  unter  Unserer  Genehmigung  festzustellen.
  Sie  dürfen  keine  Bestimmungen  enthalten,  welche  allgemeinen  Gesetzen
widersprechen.

g.  5.
Der  Minister  des  Innern  wird  mit  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt.  A

Gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das
dieselbe  enthaltende  Stück  der  Gesetz=  Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck.  Schönhausen.  Flch.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

Redigirt  im  Bärrau  des  Stoats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Köaiglichen  Gehrimen  Ober-Hofbuchdruckerei
«  (R.o.DkC-k).
        <pb n="1814" />
        —  1637  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  103  —

 

(Nr.  6858.)  Verordnung  über  die  Einführung  des  die  Unterstützung  der  bedürftigen  Familien
  zum  Dienste  einberufener  Reserve  und  Landwehrmannschaften
betreffenden  Gesetzes  vom  27.  Februar  1850.  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen.  Vom  31.  August  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  x.
verordnen,  was  folgt:

SP.  1.

Das  die  Unterstützung  der  bedürftigen  Familien  zum  Dienste  einberufener
Reserve=  und  Landwehrmannschaften  betreffende  Gesetz  vom  27.  Februar  1850.
(Gesetz  Samml.  S.  70.)  wird  in  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  1866.
(Gesetz  Samml.  S.  5553.  und  vom  24.  Dezember  1866.  (Gesetz-Samml.  S.  875.
und  876.)  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Landestheilen  mit  folgenden  Maaßgaben
  eingeführt.

§.  2.
Das  vorerwähnte  Gesetz  findet  auch  auf  die  bedürftigen  Familien  der  zum
Dienste  einberufenen  Mannschaften  der  Ersatzreserve  Anwendung.

S.  3.

Bis  zur  Bildung  von  Kreisen  und  kreisständischen  Vertretungen  hat  der
Minister  des  Innern  die  zur  Unterstützung  verpflichteten  Verbände,  hir  mit  der
Ausführung  des  Gesetzes  zu  beauftragenden  Organe,  ferner  das  Verhältniß  zu
bestimmen,  nach  welchem  die  zur  Unterstützung  erforderlichen  Geldmittel  auf.

ebracht  werden  sollen,  sowie  überhaupt  alles  zur  wirksamen  Anwendung  des
esetzes  Röthige  mit  rechtsverbindlicher  Kraft  anzuordnen.

K.  4.

Die  Beiordnung  eines  Offiziers  zu  den  hechmlen  en  der  Unterstützungs-Kommissionen
  ist  bis  zu  dem  im  F.  3.  gedachten  Zeitpunkte  nicht  erforderlich.
Jahrgong  1867.  (Nr.  6858—6859.)  216  1

Ausgegeben  zu  Berlin  den  29.  September  1867.
        <pb n="1815" />
        —  1638  —

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  31.  August  1867.
U.  §.)  WMilhbelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6859.)  Verordnung,  betreffend  die  Verwaltung  des  vormals  Kurfürstlich  Hessischen
Hausschatzes.  Vom  22.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

verordnen,  unter  Abänderung  des  Gesetzes  vom  27.  Februar  1831.,  betreffend  den
vormals  Kurfürstlich  Hessischen  Hausschatz,  was  folgt:

S.  1.

Die  Mitglieder  der  Direktion  des  Hausschatzes  werden  auf  den  Vorschlag
des  Nutznießers  des  vormals  Kurfürstlich  Hessischen  Familien-Fideikommisses  von
Uns  ernannt.

5.  2.

Die  Betheiligung  eines  Stände-Ausschusses  bei  den  Angelegenheiten  des

Hausschatzes  findet  nicht  statt.

S.  3.
Zur  Anlegung  von  Kapitalien  des  Hausschatzes  und  zu  Veränderungen
bei  den  Obligationen  und  Staatspapieren,  welche  demselben  an  chören  hat  die
Direktion  lediglich  die  Genehmigung  des  Oberpräsidenten  zu  Aae  einzuholen.

S.  4.

Die  ordentlichen  und  außerordentlichen  Revisionen  der  Amtsführung  der
Direktion  und  der  Bestände  des  Hausschatzes  erfolgen  durch  das  Oberpräsidium.
Der  Nutznießer  des  Kurfürstlichen  Familien-Fideikommisses  hat  das  Recht,  zu  jeder
Zeit  eine  außerordentliche  Revision  zu  verlangen.  4##
        <pb n="1816" />
        —  1639  —

g.  5.
Die  Decharge  über  die  Amtsführung  der  Direktion  ist  von  dem  Oberpräsidium
  auszufertigen  und  unterliegt  der  Bestätigung  des  Finanzministers.
K.  6.
Alle  dieser  Verordnung  zuwiderlaufenden  Vorschriften  sind  aufgehoben.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.
(l.  8.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6860.)  Verordnung,  betreffend  die  Einführung  der  auf  die  Besteuerung  der  Eisenbahnen
  bezüglichen  Gesetze  vom  30.  Mai  1851.,  21.  Mai  1859.  und
16.  März  1867.  in  den  neuen  Landestheilen.  Vom  22.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛ.

verordnen,  mit  Bezug  auf  den  2.  der  Verordnung  vom  19.  August  d.  J.,
betreffend  die  Einführung  des  Gesetzes  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen,  vom
3.  November  1838.  in  den  neuen  Landestheilen  (Gesetz  Samml.  S.  1426.),  auf
den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

F.  1.
Die  auf  die  Besteuerung  der  Eisenbahnen  bezüglichen  Gesetze  und  zwar:

1)  das  Gese  vom  30.  Mai  1853.,  betreffend  die  von  den  Eisenbahnen  zu
entrichtende  Abgabe  (Gesetz  Samml.  für  1853.  S.  449.)

2)  das  Gesetz  vom  21.  Mai  1859.  wegen  Abänderung  des  unter  1.  -
dachten  Gesetzes  Gesch-Sammi  für  1859.  S.  243.),  insoweit  dasselbe
sich  auf  die  von  den  Eisenbahnen  zu  entrichtende  Abgabe  bezieht;

3)  das  Gesetz  vom  16.  März  1867.)  betreffend  die  Abgabe  von  allen  nicht

(Nr.  6859—6860.  216"  im
        <pb n="1817" />
        —  1640  —

im  Besitze  des  Staates  oder  inländischer  Eisenbahn-Aktiengesellschaften
befindlichen  Eisenbahnen  (Gesetz  Samml.  für  1867.  S.  465.),
werden,  unbeschadet  wohlerworbener  Rechte  bereits  bestehender  Eisenbahnen,  in
den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  mit  Unserer
Monarchie  vereinigten  neuen  Landestheilen  eingeführt.  Die  danach  zu  entrichtende
  Abgabe  ist  in  jedem  Jahre  von  dem  Reinertrage  des  voraufgegangenen
Betriebsjahres,  zuerst  im  Jahre  1868.)  in  diesem  Jahre  jedoch  nur  mit  der
Hälfte  des  von  dem  Reinertrage  des  Betriebsjahres  1867  berechneten  Betrages
zu  erheben.
.  2.

Sofern  eine  bestehende  Eisenbahn  Seitens  des  Staats  im  Wege  des
Vertrags  oder  mittelst  eines  Privilegiums,  unter  Freilassung  von  allen  sonstigen
Staatsabgaben,  zur  Entrichtung  einer  bestimmten  Abgabe  an  den  Staat  verpflichtet
  oder  von  Staatsabgaben  ganz  befreit  worden  *rR  behält  es  bei  den  diesfälligen
  Bestimmungen  sein  Bewenden.

g.  3.
Die  Minister  der  Finanzen  und  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche
Arbeiten  sind  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

K.  4.

Gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das
dieselbe  enthaltende  Stück  der  Gesetz=  Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Lerindich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden--Baden,  den  22.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Tr.  6861.)
        <pb n="1818" />
        —  1641  —

(Nr.  6861.)  Verordnung,  den  Betrieb  stehender  Gewerbe  in  den  Herzogthümern  Schleswig
und  Holstein  betreffend.  Vom  23.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc
verordnen  für  die  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein,  was  folgt:

S.  1.
Das  gewissen  Zünften  und  Immungen  zustehende  Recht,  andere  von  dem
Betriebe  eines  Gewerbes  auszuschließen  oder  in  diesem  Betriebe  zu  beschränken,
wird  aufgehoben.

KC.  2.

Die  in  einigen  Städten  durch  die  sogenannten  Gewerbe-Regulirungen  eingeführten
  Beschränkungen  des  Betriebes  gewisser  Gewerbe  werden  aufgehoben.

g.  3.

Von  dem  Besitz  des  Bürgerrechts  soll  die  Zulassung  zum  Gewerbebetriebe
  in  keiner  Stadt  und  bei  keinem  Gewerbe  abhängig  sein.  In  der  Verpflichtung
  der  Gewerbetreibenden  zur  Erwerbung  des  Bürgerrechts,  soweit  solche
in  der  bestehenden  städtischen  Versafing  begründet  ist,  wird  durch  gegenwärtige
Verordnung  nichts  geändert;  die  Exekution  auf  Erfüllung  dieser  Beppflichtug
darf  aber  nicht  bis  zur  Untersagung  des  Gewerbebetriebes  ausgedehnt  werden.

S.  4.

Die  gesetzlichen  Bestimmungen,)  durch  welche  der  Betrieb  bürgerlicher
Nahrung  ruf  dem  Lande  zu  Gunsten  der  Städte  innerhalb  eines  gewissen  Umkreises
  der  letzteren  untersagt  oder  beschränkt  ist,  sowie  überhaupt  ale.  den  Städten
  und  Flecken  zustehenden  gewerblichen  Vorrechte  werden  aufgehoben.

—

Jeder  Gewerbtreibende  darf  hinfort  Gesellen,  Gehülfen,  Lehrlinge  und
Arbeiter  jeder  Art  und  in  beliebiger  Zahl  halten.  Gesellen  sind  in  der  Wahl
ihrer  Meister  unbeschränkt.

S.  6.

Jeder  darf,  insoweit  nicht  ausschließliche  Gewerbe-Berechtigungen,  Jwangsoder
  Bannrechte  entgegenstehen,  die  Gegenstände  seines  Gewerbebetriebes  überall
her  beziehen.

K.  7.

Die  bestehenden  Beschränkungen  des  Besuchs  der  Jahrmärkte  treten  außer
Anwendung.
(Nr.  6861.)  .  8.
        <pb n="1819" />
        —  1642  —

g.  8

Eine  Verpflichtung  der  Handwerksgesellen  zum  Wandern  findet  hinfort
nicht  statt.  Auf  besondere  Unterstützung  von  Seiten  der  Gewerbegenossen  haben
wandernde  Gesellen  und  Gehülfen  keinen  Anspruch.

S.  9.

Ein  stehendes  Gewerbe  darf  für  eigene  Rechnung  und  unter  eigener  Verantwortlichkeit
  Hlelbnständie  mur  derijenige  betreiben,  welcher  volljährig  und  dispositionsfähig
  ist,  und  in  den  Herzogthümern  einen  festen  Wehs  hat.

K.  10.

Wer  den  selbstständigen  Betrieb  eines  stehenden  Gewerbes  anfangen  will,
muß  zuvor  der  Gemeindebehörde  des  Ortes,  in  welchem  das  Gewerbe  ausgeübt
werden  soll,  Anzeige  davon  machen.  Die  Gemeindebehörde  hat  diese  Anzeige,
wenn  sie  nicht  zugleich  Polizeibehörde  ist,  letzterer  mit  ihren  etwaigen  Bemerkungen
  zuzustellen.  Die  Polizeibehörde  hat  zu  prüfen,  ob  den  für  den  selbstständigen
  Gewerbebetrieb  im  Allgemeinen  oder  für  das  beabsichtigte  Gewerbe
insbesondere  vorgeschriebenen  Erfordernissen  genügt  ist.  Ist  einem  dicher  Erfordernisse
  nicht  genügt,  so  ist  der  Beginn  oder  die  Fortsehung  des  Gewerbes  mittelst
Bescheides  zu  untersagen,  sonst  aber  dem  Anmeldenden  eine  Bescheinigung  über
die  erfolgte  Anmeldung  zu  ertheilen.

fühlleber  die  Anmeldungen  sind  durch  die  Polizeibehörden  genaue  Register
zu  führen.

Beschwerden  wider  die  Bescheide  der  Polizeibehörden  sind  bei  der  Regierung
  anzubringen.  ·

§.11.

Vorbehaltlich  der  Bestimmung  im  8.  13.  ist  fortan  eine  besondere  polizeiliche
  Erlaubniß  nur  für  den  Beginn  folgender  Gewerbe  erforderlich:
1)  der  Schauspielunternehmer,
2)  der  Auktionatoren,
3)  Maurer,  Schiefer-  und  Ziegeldecker,  Haus-  und  Seeschiffs-Zimmereute,


4)  der  Gast-  und  Schankwirthe  oder  der  Kleinhändler  mit  geistigen
Getränken.

Die  Erlaubniß  zum  Betriebe  der  unter  1—3.  aufgeführten  Gewerbe  wird
von  der  Regierung,  der  unter  4.  aufgeführten  Gewerbe  von  der  Ortspolizeibehörde
  ertheilt.  ·

§..12.

DerEtlaubnißscheinzudenim§.11.unter4.bezeichnetenGewerben
«  wird
        <pb n="1820" />
        —  1643  —

wird  nur  für  ein  Kalenderjahr  ausgestellt,  von  der  ausstellenden  Behörde  aber
von  Jahr  zu  Jahr  durch  einen  darauf  zu  setzenden  Verlängerungsvermerk  erneuert,
sofern  zer  Gewerbetreibende  nicht  zu  begründeten  Beschwerden  Veranlassung  gegeben
  hat.

Die  Erlaubniß  zum  Beginne  eines  solchen  Betriebes  ist  zu  versagen:
1)  wenn  der  Nachsuchende  durch  seine  Persönlichkeit  nicht  die  genügende
Bürgschaft  eines  ordnungsmäßigen  Gewerbebetriebes  gewährt;

2)  wenn  das  zum  Betriebe  des  Gewerbes  bestimmte  Lokal  wegen  seiner
Beschaffenheit  oder  Lage  den  polizeilichen  Anforderungen  nicht  genügt;

3)  wenn  ein  Bedürfniß  zu  einer  solchen  Anlage  nicht  vorhanden  ist.

Von  dieser  letzteren  Bedingung  (sub  3.)  für  die  Ausstellung  eines  Erlaubnißscheines
  ist  jedoch  bei  den  Gastwirthschaften  in  den  Städten  und  Flecken  abzusehen.


C.  13.

Die  in  besonderen  Gesetzen  und  Verordnungen  begründeten  Beschränkungen

des  Betriebes  folgender  Gewerbe:

der  Medizinalpersonen,  der  Apotheker,  der  Hebammen,  der  Unternehmer
von  Privat-Kranken=  und  Irren-Anstalten,

der  Unternehmer  von  Privat-Erziehungs-  und  Unterrichts-Anstalten,

der  Preßgewerbe,

der  Landmesser,  Mäkler,  derjenigen  Personen,  welche  sich  mit  der  Beförderung
  von  Auswanderern  befassen,  der  Schiffer  und  Lootsen,

der  Verfertiger  von  Spielkarten,  der  Schornsteinfeger  und  der  Viehschneider,


ferner  der  Anlage  und  des  Betriebes  von  gewerblichen  Kornmühlen  und
von  Ziegeleien,

bleiben  in  Kraft.
S.  14.

Die  im  Interesse  der  Zollsicherheit  tmerhald  des  Grengyollldistrikts  bestehenden
  Beschränkungen  des  Gewerbebetriebes  bleiben  einstweilen  unverändert.
Sovweit  es  daselbst  zum  Gewerbebetriebe  einer  Konzession  bedurfte,  bedarf  es  derselben
  auch  ferner.  «

§.15.

Die  auf  privatrechtlichem  Titel  beruhenden  Zwangs-  und  Bannrechte  und
ausschließlichen  Gewerbe-Berechtigungen  werden  durch  id  nn  nicht  berührt.
Insbesondere  bleiben  die  aksschliehlihen  Gewerbe,Berechtigungen  der  Inhaber
derjenigen  Amtsstellen  geschlossener  Järfe  in  Kraft,  welche  nach  ausdrücklicher
Bestimmung  der  Zunftartikel  oder  anerkanntem  Herkommen  verkauft,  verpfändet
oder  vererbt  werden  können.
(Nr.  6861—6862.)  .  16.
        <pb n="1821" />
        —  1644  —
S.  16.

Zuwiderhandlungen  gegen  die  Vorschriften  dieser  mit  dem  heutigen  Tage
in  Kraft  tretenden  Verordnung  werden,  insoweit  nicht  besondere  Strafen  vorgeschrieben
  sind,  mit  einer  Geldbuße  bis  50  Thalern  oder  entsprechender  Gefängnißstrafe
  geahndet.

Lerhnih  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  23.  September  1867.

(I.  §.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6862.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  22.  September  1867.,  betreffend  die  Abstandnahme
von  einer  anderweiten  Veranlagung  der  Klassen-,  klassifizirten  Einkommen-
  und  Gewerbesteuer  in  den  mit  der  Monarchie  vereinigten  neuen
Landestheilen  für  das  Jahr  1868.

A#  Ihren  Bericht  vom  21.  d.  M.  will  Ich  genehmigen,  daß  von  einer  anderweiten
  Veranlagung  der  Klassen-,  klassiffirten  Einkommen=  und  Gewerbesteuer
in  den  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  v.  J.  mit  der
Monarchie  vereinigten  neuen  Landestheilen  für  das  Jahr  1868.  Abstand  genommen
  werde,)  und  daß  die  zunächst  für  das  zweite  Halbjahr  dieses  Jahres  veranlagten
  Steuersätze,  vorbehaltlich  der  durch  das  eingeleitete  Reklamations=  und
Rekursverfahren  und  die  gesetzlichen  Ab-  und  Zugänge  sich  ergebenden  Veränderungen,
  auch  für  das  Jahr  1868.  beibehalten  werden.

Ich  beauftrage  Sie,  die  hiernach  erforderlichen  Anordnungen  zu  treffen.
bri  Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu
ringen.

Baden-Baden,  den  22.  September  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.

An  den  Finanzminister.

 

Redigirt  im  Bürecau  des  Staats.  Ministeriums.
Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerel
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1822" />
        —  1645  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  104.  —

 

(Nr.  6863.)  Verordnung,  betreffend  die  Kommanditgesellschaften  auf  Aktien  in  den  durch
die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.  (Gesetz-Samml.
S.  555.  876.)  mit  der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Candestheilen,
mit  Ausnahme  der  vormals  Königlich  Bayerischen  Enklave  Kaulsdorf.
Vom  24.  August  1867.

r5
Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden,  König  von  Preußen  2c.
verordnen  für  die  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.
(Gesetz=  Samml.  S.  555.  876.)  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Landestheile,
mit  Ausnahme  der  vormals  Königlich  Bayerischen  Enklave  Kaulsdorf,  auf  den
Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.
In  den  vorbezeichneten  Landestheilen  kommen  die  Vorschriften  der  Artikel  10.
und  11.  des  Einführungsgesetzes  zum  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetzbuch
vom  24.  Juni  1861.  (Gesetz  Samml.  S.  449.)  zur  Geltung,  welche  also  lauten:

Artikel  10.

Zur  Errichtung  einer  Kommanditgesellschaft  auf  Aktien  ist  die
staatliche  Genehmigung  nicht  erforderlich.

Artikel  11.
Die  persönlich  haftenden  Mitglieder  einer  Kommanditgesellschaft
auf  Aktien  werden  mit  Gefängniß  bis  zu  drei  Monaten  bestraft:

1)  wenn  sie  vorsätzlich  Behufs  der  Eintragung  des  Gesellschaftsvertrages
  in  das  Handelsregister  falsche  Angaben  über  die  Zeichnung
  oder  Einzahlung  des  Kapitals  der  Kommanditisten  machen;

2)  wenn  durch  ihre  Schuld  die  Gesellschaft  länger  als  drei  Monate
ohne  Aufsichtsrath  geblieben  ist.

Johrgong  1867.  (Nr.  6863—6864.,  217  F.  2.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  30.  September  1867.,
        <pb n="1823" />
        —  1646  —

K.  2.
Alle  entgegenstehenden  Vorschriften  werden  aufgehoben.

Ferner  treten  außer  Kraft:

1)  die  Strafbestimmungen  unter  pos.  3.  des  Art.  14.  des  Großherzoglich
Hessischen  Einführungsgesetzes  zum  Allgemeinen  Deutschen  Handelsgesetz
buche  vom  1.  August  1862.  (Großherzoglich  Hessisches  Regierungsblatt
1862.  Nr.  34.),  und  unter  pos.  3.  des  Art.  12.  des  Landgräflich
Hessen-Homburgischen  Einführungsgesetzes  vom  25.  August  1863.  (Landgräflich
  Hessisches  Regierungsblatt  1863.  Nr.  7.);

2)  die  Bestimmungen  in  den  Artikeln  11.  derselben  Einführungsgesetze,
welche  eine  Veröffentlichung  des  Gesellchaftsvertrages  der  Kommanditgesellschaften
  auf  Aktien  und  der  Wbänderungen  desselben  neben  der  durch
das  Deutsche  Handelsgesetzbuch  angeordneten  Veröffentlichung  vorschreiben.

Lirbandch  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  24.  August  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.  «

 

(Nr.  6864.)  Verordnung,  betreffend  die  Schließung  mehrerer  in  den  neuen  Landestheilen
bestehenden  Staatsdiener-Wittwen--  und  Waisenkassen.  Vom  15.  September
  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  x.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K+.  1.
Die  nachbenannten  Beamten-Wittwen-  und  Waisenkassen,  nämlich:
1)  in  dem  vormaligen  Königreich  Hannover
die  durch  Gesetz  vom  8.  Mai  1838.  gegründete  Wittwenkasse  fü
die  Königliche  Hof.  und  Civildienerschaft,  fär
2)  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen
a)  die  durch  Statut  vom  20.  November  1823.  reorganisirte  Wittwenund
  Waisenanstalt  für  die  Civildiener  der  acht  Rangklassen  und
b)  die
        <pb n="1824" />
        —  1647  —

b)  die  durch  Verordnung  vom  29.  März  1827.  gegründete  Civil-Wittwen-
  und  Weaisengesellschaft,
3)  in  dem  vormaligen  Herzogthum  Nassau
a)  die  durch  Edikt  vom  23.  Dezember  1820.  gegründete  Central-Wittwenund
  Waisenversorgungs-Anstalt  für  die  zu  einer  Pension  nicht  berechtigten
  Civil-  und  Hsdiener  und
b)  die  durch  H.  10.  des  Sue  vom  2.  Juni  1860.  gegründete  Wittwenund
  Waisenkasse  der  höheren  Civil-Staatsdiener,
4)  in  der  vormaligen  Landgrafschaft  Hessen-  Homburg
die  durch  Verordnung  vom  31.  Oktober  1837.  errichtete  Allgemeine
Versorgungs-Anstalt  für  Wittwen  und  Waisen  Landgräflicher
iener)
werden  hierdurch  dergestalt  geschlossen,  daß  fortan  die  Aufnahme  neuer  Mitglieder
nicht  mehr  stattfindet.
Die  Verwaltung  der  geschlossenen  Kassen  und  die  Verwendung  ihres  Vermögens
  bleibt  besonderer  gesetzlicher  Regelung  vorbehalten.

§.  2.

Den  unverheirathet  gebliebenen  und  den  verwittweten  Mitgliedern  der  geschlossenen
  Kassen  wird  gestattet,  aus  denselben  mit  der  Wirkung  auszuscheiden,
aß  sie  zu  Betlizen  nicht  mehr  herangezogen  werden,  und  daß  dagegen  ihre
Ansprüche  an  die  betreffenden  Kassen  aus  der  bisherigem  Mitgliedschaft  erlöschen.
K.  3.

Der  Finanzminister  wird  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Koöniglichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  15.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6864—6865.)  217“  (Nr.  6865.)
        <pb n="1825" />
        —  1648  —

(Nr.  6865.)  Verordnung,  betreffend  die  Heranziehung  der  Staatsdiener  zu  den  Konmumal-Auflagen
  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen.  Vom  23.  September  1867.

Wir  Wilhelm),  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.

verordnen  für  die  durch  die  Gesetze  vom  20.  September  und  24.  Dezember  1866.
mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  Landestheile,  mit  Ausnahme  des  Gemeindegebietes
  der  Stadt  Frankfurt  a.  M.)  um  die  Staatsdiener  in  diesen  Landestheilen
  bezüglich  ihrer  Beitragspflicht  zu  den  Kommunalbedürfnissen  den  Staatsdienern
  in  der  übrigen  Monarchie  nach  Maaßgabe  der  Grundsätze  des  Gesetzes
vom  11.  Juli  1822.  gleichzustellen,  auf  den  Antrag  Unseres  Sgetemeleses
riums,  was  folgt:
e

Von  allen  direkten  Kommunalauflagen,  sowohl  der  einzelnen  bürgerlichen
  Stadt.  und  Landgemeinden,  als  der  weiteren  kommunalen  Körperschaften
(Amtsbezirke,  Distriktsgemeinden,  Armendistrikte,  Wegeverbände  u.  s.  w.)  und
ken  kreis-,  kommunal=  und  provinzialständischen  Verbände,  sind  vollständig
efreit:

1)  die  servisberechtigten  Militairpersonen  des  aktiven  Dienststandes,  sowohl
hinsichtlich  ihres  dienstlichen  als  sonstigen  Einkommens;  nur  zu  den  auf
den  Grundbesitz  oder  das.  stehende  Gewerbe,  oder  auf  das  aus  diesen
Quellen  fließende  Einkommen  gelegten  Kommunallasten  müssen  auch  sie
beitragen,  wenn  sie  in  dem  Kommunalbezirk  Grundbesitz  haben  oder  ein
stehendes  Gewerbe  betreiben.  .

Militairärzte  genießen  rücksichtlich  ihres  Einkommens  aus  einer
Civilpraxis  die  Befreiung  nicht

2)  die  auf  Inaktivitätsgehalt  gesetzten  oder  mit  Pension  zur  Disposition
Gstellen  Offiziere  hbnscchtic  ihrer  Gehalts=  und  sonstigen  dienstlichen

ezüge;

3)  die  Geistlichen  und  Elementarlehrer  binsichtlich  ihrer  Besoldungen  und
Emolumente)  einschließlich  der  Ruhegehälter,  ingleichen  die  unteren  Kirchendiener,
  wo  und  soweit  den  letzteren  eine  derartige  Befreiung  seither  rechtsgültig
  zugestanden  hat;

4)  die  verabschiedeten  Beamten  und  nicht  zu  der  Kategorie  unter  Nr.  2.
gehörigen  Militairpersonen  hinsichts  ihrer  aus  Staatsfonds  oder  sonstigen
öffentlichen  Kassen  zahlbaren  Pensionen  und  laufenden  Unterstützungsbezüge,
  ebenso  die  Beamten  hinsichts  ihrer  Wartegelder,  sofern  der  jährliche
  Betrag  solcher  Bezüge  für  Einen  Empfänger  die  Summe  von
250  Rthlr.  nicht  erreicht;

5)  die  hinterbliebenen  Wittwen  und  Waisen  der  unter  1  —  4.  genannten
Personen  hinsichts  ihrer  aus  Staatsfonds  oder  aus  einer  öffentlichen
Versorgungskasse  zahlbaren  Pensionen  und  laufenden  Unterstützungen;

0)

die
        <pb n="1826" />
        —  1649  —

6)  die  Sterbe-  und  Gnadenmonate;

7)  alle  diejenigen  Dienst-Emolumente,  welche  blos  als  Ersatz  baarer  Auslagen
zu  betrachten  sind.
S.  2.

Zu  den  Beamten  im  Sinne  dieser  Verordnung  gehören  alle,  in  unmittelbaren
  Diensten  des  Staats  oder  der  demselben  unkergeordneten  Obrigkeiten,
Kollegien,  kommunalen  und  ständischen  Korporationen  stehende,  mit  fester  Besoldung
  angestellte,  beziehentlich  in  Ruhestand  getretene  öffentliche  Beamte,  einschließlich
der  Militair-  und  Hofbeamten;  dagegen  nicht  diejenigen,  welche  nur  als  außerordentliche
  Gehülfen  vorübergehend  im  öffentlichen  Dienst  beschäftigt  werden.

.,  3.

Die  Beamten  (§.  2.)  können  von  ihrem  Diensteinkommen  einschließlich
der  Warte-  und  Muegehälte,  ebenso  die  Militairpersonen  von  ihren  Pensionen  —
wenn  nicht  ein  Fall  der  gänzlichen  Befreiung  nach  F.  1.  vorliegt  —  zu  direkten
Kommunal-Auflagen  (F.  I.)  nur  insoweit  herangesogen  werden,  als  diese  von
allen  Pflichtigen  nach  dem  Maaßstabe  des  persönlichen  Einkommens  erhoben  werden.

S.  4.

Das  Diensteinkommen  wird  in  solchen  Fällen  nur  halb  so  hoch,  als  anderes
  gleich  hohes  persönliches  Einkommen  der  Steuerpflichtigen  veranlagt.

Wenn  die  Veranlagung  nicht  unmittelbar  den  Einkommensbetrag  zur
Grundlage  hat,  so  ist,  unter  Genehmigung  der  Aufsichtsbehörde  des  besteuernden
kommunalen  Verbandes,  das  Einschätzungsverfahren  dergestalt  besonders  zu  regeln)
daß  der  vorstehende  Grundsatz  analog  zur  Anwendung  kommt.

Das  Diensteinkommen  von  #fillgen  Emolumenten  wird  gleich  dem  festen
Gehalte  besteuert;  zu  diesem  Behufe  wird  nöthigenfalls  der  Betrag  derselben  in
runder  Summe  durch  die  vorgesetzte  Dienstbehörde  festgestellt.

.  5.

An  kommunalen  Auflagen  aller  Art  (K.  I.)  dürfen  äußersten  Falls,  im
Hesammtbetrage,  bei  Besoldungen  (F.  3.)  unter  250  Thaler  nicht  mehr  als  Ein
Prozent,  bei  Besoldungen  von  250  bis  500  Thaler  ausschließlich  nicht  mehr
als  anderthalb  Prozent,  und  bei  höheren  Besoldungen  nicht  mehr  als  zwei
Prozent  des  gesammten  Diensteinkommens  jährlich  gefordert  werden.

Die  hiernach  etwa  nöthige  Ermäßigung  der  nach  F.  4.  berechneten  Steuerbeträge
  trifft,  im  Fall  der  Konkurrenz  mehrerer  kommunaler  Verbände,  die  zuletzt
  zur  Hebung  gestellte  Forderung,  mehrere  noch  nicht  entrichtete  Forderungen
aber  nach  Verhältniß  ihrer  Höhe.

g.  6.

Auf  Staatssteuern  und  Staatslasten,  welche  gemeindeweise  abgetragen
werden,  finden  die  Bestimmungen  dieser  Verordnung  keine  Anwendung.
(Nr.  6865.)
        <pb n="1827" />
        —  1650  —

F.  7.

Die  gemäß  §6.  3—5.  den  Staatsdienern  obliegende  Beitragspflicht  zu  den
Kommunalabgaben  erstreckt  sich  auf  alle  diejenigen  Beträge  der  letzteren,  welche
innerhalb  der  Zeit,  da  der  Pflichtige  dem  betreffenden  kommunalen  Verbande  angehört,
  auf  ihn  vertheilt  und  auch  fällig  werden,  nicht  aber  auf  später  fällige.

K  S.

Jeder  Beamte  ist  bezüglich  der  Kommunalbesteuerung  seines  Diensteinkommens
  als  Einwohner  desjenigen  Gemeindebezirks  zu  betrachten,  in  welchem  die
Behärde,  der  er  angehört,  ihren  Sitz  hat.

K.  9.

Von  ihrem  etwanigen  besonderen  Vermögen  haben  auch  die  nach  F.  3.
begünstigten  Staatsdiener,  ebenso  die  Offiziere  der  unter  &amp;amp;.  1.  Nr.  2.  bezeichneten
Kategorie,  die  Geistlichen  und  Elementarlehrer,  ihre  Beiträge  zu  den  Kommunal.
lasten  gleich  anderen  Angehörigen  der  betreffenden  Verbände  zu  entrichten.

K.  10.

Durch  die  nach  den  vorstehenden  Bestimmungen  zu  bemessenden  Geldbeiträge
  sind  die  Pflichtigen  zugleich  von  persönlichen  Kommunaldiensten  frei.
Sind  sie  jedoch  Besitzer  von  Grundstücken,  oder  betreiben  sie  ein  seehendes  Ge.
werbe,  so  müssen  sie  die  mit  diesem  Grundbesitz  oder  Gewerbe  verbundenen  persönlichen
  Dienste  entweder  selbst  oder  durch  Stellvertreter  leisten.

Geistliche  und  aldzu  bleiben  von  allen  persönlichen  Gemeindediensten,
  soweit  dieselben  nicht  auf  ihnen  gehörigen  Grundstücken  lasten,  befreit;
l*)  Kirchendiener  insoweit,  als  ihnen  diese  Befreiung  seither  rechtsgültig
zustand.

C.  11.

Zu  den  indirekten  Gemeinde-Abgaben  müssen  auch  die  nach  1—5.  be-Künsiigten
  Personen  gleich  anderen  Gemeinde-Einwohnern  beitragen.  Sie  sind  nicht
efugt,  was  sie  hierauf  entrichten,  bei  ihren  direkten  Kommunalbeiträgen  in  Anrechnung
  zu  bringen.
ie  Militair-Speise=  Einrichtungen  und  ähnliche  Anstalten  bleiben  indessen
von  Verbrauchssteuern  in  dem,  in  den  altpreußischen  Landestheilen  bestehenden
Umfange  befreit.

K.  12.

Alle  entgegenstehenden  gesetzlichen  Bestimmungen  werden  aufgehoben.

Wo  jedoch  weitergehende  Immunitäten  für  Beamte,  Militairs,  Geistliche
oder  Lehrer  nach  statutarischem  Recht  oder  besonderen  Privilegien  bestehen,  soll
in  denselben  hierdurch  nichts  geändert  werden.

K.  13.
        <pb n="1828" />
        —  1651  —

K.  13.

Gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  30.  September  d.  J.,  unter  Anwendung
  auf  alle  von  diesem  Tage  an  zur  Ausschreibung  gelangenden  direkten
Kommunal-Auflagen,  in  Kraft.

Der  Minister  des  Innern  wird  mit  Ausführung  derselben  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.  «

Gegeben  Baden-Baden,  den  23.  September  1867.

(I.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.
v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6866.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  17.  September  1867.,  betreffend  die  Stempelabgabe
von  Konzessionen  u.  s.  w.  in  den  Regierungsbezirken  Kassel  und  Wiesbaden.


A#½#  Ihren  gemeinschaftlichen  Bericht  vom  16.  September  d.  J.  bestimme  Ich
für  den  egierungebez  Kassel  und  für  den  Regierungsbezirk  Wiesbaden,  mit
.Ausnahme  der  ehemals  freien  Stadt  Frankfurt,  Folgen  es:

1)  Vom  1.  Oktober  d.  J.  ab  unterliegen  einer  Stempelabgabe  von  funfzehn
Silbergroschen  die  Ausfertigungen:

a)  von  Konzessionen  zum  Betriebe  eines  stehenden  Gewerbes,  zu  dessen
Beginn  eine  besondere  obrigkeitliche  Erlaubniß  erforderlich  ist;

b)  von  Konzessionen  zur  Errichtung  oder  Veränderung  derjenigen  gewerblichen
  Anlagen,)  welche  einer  besonderen  obrig  gillichen  Genehmigung
  unterworfen  sind;

e)  der  Verleihunge  Konsolidations-  und  Deklarations-Urkunden  der
Bergbehörden  und  sonstige  amtliche  Lusfertigungen  derselben,  insofern
  sie  in  dem  Stempeltarife  vom  19.  Juli  d.  J.  (Gesetz-Samml.
S.  1204.)  nicht  besonders  taxirt  sind.

In  Betreff  der  Erhebung  dieser  Abgaben  kommen  ausschließli
die  Vorschriften  der  Verordnung  vom  19.  Juli  d.  J.A  (Gesetz-Samml.
S.  1191.)  zur  Anwendung.

2)  Ausnahmsweise  ist  zu  den  im  F.  1.  bezeichneten  stempelpflichtigen  Aus-(Nr.
  6865—6866.)  fer-
        <pb n="1829" />
        —  1652  —

fertigungen  nach  dem  Ermessen  der  Behörden  nur  ein  Stempel  von  fuͤnf
Silbergroschen  zu  gebrauchen,  wo  die  Vrrhältnisse  des  Empfängers  oder
die  Geringfügigkeit  des  Gegenstandes  die  Ermäßigung  der  Abgabe  begründen.
  -
3)KonzessionenzumBetticbederGastsodchchankwirthschaftundzum
Kleinhandel  mit  Getränken  sind  stempelfrei  zu  ertheilen.
4)  Alle  diesem  Erlasse  entgegenstehenden  Vorschriften  treten  außer  Kraft;
insbesondere  werden  die  Bestimmungen
a)  in  den  §#.  69.  bis  73.  des  Kurhessischen  Gesetzes  über  die  Verwendung
  von  Stempelpapier  vom  22.  Dezember  1853.,  und
b)  in  dem  Tarife,  welcher  dem  Nassauischen  Gesetze  über  die  Stempelabgabe
  vom  13.  August  1859.  angehängt  ist,  unter  den  Positionen
  2.  gesenczselshent  5.  #geniur),  11.  (Assekuranzgesellschaft),
19.  (Belehnung),  34.  Konso  idirung),  37.  (Konzession),  53.  (Erfindungspchen
  „  55.  (Erlaubnißscheine),  58.  (Feldesregulirung),
59.  (Frislung  beim  Bergbau),  64.  (Hausirscheine),  80.  unter  Nr.  2.
(Muthscheine  zu  Bergwerken),  91.  (Regulirung  der  Grubenfelder),
98.  Ehstrinen  100.  (Schurfscheine))  132.  (Wirthschaftsbetrieb),
  sowie
I)  im  letzten  Satze  des  §.  5.  der  Verordnung  vom  9.  v.  M.,  betreffend
  den  Betrieb  stehender  Gewerbe  im  Amtsbezirke  Homburg
(Gesetz=  Samml.  S.  1441.)
vom  1.  Oktober  d.  J.  ab  aufgehoben.
Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Gegeben  Berlin,  den  17.  September  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Mlnisteriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  "Ober.  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1830" />
        —  1663  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  105.  —

 

(Nr.  6867.)  Verordnung,  betreffend  die  Kreisverfassung  im  Gebiete  des  Regierungsbezirks
Wiesbaden.  Vom  26.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  das  Gebiet  des  Regierungsbezirks
  Wiesbaden,  was  folgt:

S.  1.e
Tder  landräthliche  Kreis  bildet  einen  kreisständischen  Verband.
ieser  Verband  hat  die  Rechte  einer  Korporation,  deren  Organ  die  Kreisstände
  sind.
§S.  2.
Die  Kreisstände  versammeln  sich  auf  Kreistagen.  Ihre  Verfassung  wird

durch  die  gegenwärtige  Verordnung  bestimmt.

§.  3.

Es  kann  für  jeden  Kreis  durch  Beschluß  der  Kreisstände  und  nach  Anhörung
  des  Kommunallandtages  unter  Unserer  Genehmigung  ein  Kreisstatut  errichtet
  werden.

Dasselbe  hat  den  Zweck,  diejenigen  die  Kreisverfassung  betreffenden  Gegenstände
  näher  zu  ordnen,  in  Bezug  9  deren  Regelung  in  dieser  Verordnung
ausdrücklich  auf  das  Kreisstatut  verwiesen  ist.

Außerdem  können  darin  Anordnungen  über  besondere  in  den  eigenthümlichen
  Verhältnissen  des  Kreises  begründete  Einrichtungen  getroffen  werden.

Derartige  Anordnungen  dürfen  jedoch  in  keinem  Falle  ausdrücklichen  Bestimmungen
  der  Gesetze  zuwiderlaufen.

S.  4.
Die  Kreisstände  sind  berufen:
1)  die  Kreiskorporation  zu  vertreten  und  die  Kreis-K  langelegenheit
unter  Leitung  des  Landrathes  zu  verwalten;
Jeahrgang  1867.  (Nr.  6867.)  218  2)  die

Ausgegeben  zu  Berlin  den  30.  September  1867.
        <pb n="1831" />
        —  1654  —

2)  die  Verwaltung  des  Landrathes  in  denjenigen  Fällen  zu  unterstützen,  in
welchen  die  Gesetze  ihnen  eine  Theilnahme  oder  Mitwirkung  dabei  zuweisen;


3)  über  diejenigen  Gegenstände  zu  berathen  oder  Beschluß  zu  fassen,  welche
ihnen  sonst  noch  zu  diesem  Behufe  durch  Gesetze  oder  Verordnungen  ausdrücklich
  überwiesen  werden.

 

G.  5.
In  Beziehung  auf  die  Verwaltung  der  Kreis-K  langelegenheit
steht  ihnen  unter  der  Mitwirkung  und  Mfscht  der  Staatsbehörden  namentlich  zur

1)  die  Verwaltung  der  dem  Kreise  zugehörigen  Fonds  mit  der  Befugniß,
Ausgaben  daraus  zu  beschließen;

2)  die  Verwaltung  der  dem  Kreise  zugehörigen  Anstalten;

3)  das  Recht  zu  gemeinnützigen  Zwecken,  bei  welchen  ein  Interesse  des  Kreises
  obwaltet,  oder  zur  Abwehr  eines  Nothstandes  die  Kreistags-Eingesessenen
  mit  Beiträgen  zu  belasten;

4)  die  Wahl  und  Bestellung  der  für  die  Verwaltung  der  Kreis-Kommunal-=angelegenheiten
  etwa  erforderlichen  besonderen  Beamten.

KS.  6.

In  Beziehung  auf  die  Mitwirkung  an  der  Kreisverwaltung  haben  die
Kreisstände  insbesondere  Staatsprästationen,  welche  kreisweise  aufzubringen  sind
und  deren  Aufbringung  durch  Geses,  nicht  bereits  näher  bestimmt  ist,  zu  repartiren
  und  die  zur  Theilnahme  an  der  Verwaltung  gesetzlich  erforderlichen  Kommissionen
  zu  wählen.

K.  7.

Die  Kreisversammlung  wird  gebildet  durch  die  Bezirksräthe  der  zu  einem
Kreise  gehörigen  Aemter  (§9.  13.  und  16.),  welche  zu  einer  Versammlung  zusammentreten.


Außerdem  sind  Mitglieder  der  Kreisversammlung  die  Besitzer  der  im
Kreise  belegenen  Güter,  welche  jährlich  mindestens  fünfhundert  Gulden  Grundsteuer
  zahlen.

.  8.

Sofern  der  Domainenfiskus  in  einem  Kreise  Domainen  und  Forsten  besitzt,
für  welche  entweder  die  im  H.  bezeichnete  Grundsteuer  gezahlt  wird,  oder  welche
zu  einem  diesem  Grundsteuerbetrage  entsprechenden  Reinertrage  veranlagt  sind,
erhält  derselbe  auf  dem  Kreistage  eine  Virilstimme.  Ein  Gleiches  gilt  von  dem
Central-Studienfonds.

.  9.

Durch  Kreisstatut  kann  auch  dem  Besitzer  eines  umfangreichen  Fabrit
ta-
        <pb n="1832" />
        —  1655  —

Etablissements,  sowie  von  Berg=  und  Hüttenwerken  eine  Virilstimme  beigelegt
werden.

K.  10.

Durch  das  Kreisstatut  kann  der  die  Stimmberechtigung  der  Güter  auf
dem  Kreistage  bedingende  Grundsteuerbetrag  (§.  7.)  anderweit  festgesetzt  werden.

C.  11.

Das  Stimmrecht  der  Grundbesitzer  (§.  7.  Alinea  2.)  muß  in  Person  ausgeübt
  werden;  doch  erfolgt  die  Vertretung  der  im  Kreise  belegenen  Domanialzüter
  durch  einen  von  der  betreffenden  Behörde  aus  ihren  Beamten  oder  aus
er  Zahl  der  Pächter  größerer  Domanialgüter  zu  bestellenden  Bevollmächtigten.
Die  Befugniß  zur  Bevollmächtigung  steht  in  derselben  Weise  den  Standesherren
für  ihre  Besitzungen  zu.

Korporationen  und  Stiftungen,  welche  ach  im  Besitze  stimmberechtigter
Güter  befinden,  werden  durch  ihre  Vorstände  oder  Organe  vertreten.

Ob  und  in  welcher  Weise  eine  Vertretung  des  Gutsbesitzers  durch  einen
volljährigen  Sohn,  welchem  die  Verwaltung  des  Gutes  überlassen  ist,  oder  der
Frauen  und  der  Minderjährigen  zu  gestatten  sei,  bleibt  den  Bestimmungen  des
Kreisstatuts  vorbehalten.

Bei  gemeinschaftlichem  Besitze,  welcher  Brüdern  oder  mehreren  Mitgliedern
einer  Familie  zusteht,  ist  einer  der  Mitbesitzer  zur  Ausübung  des  Stimmrechts
befugt.  Bei  sonstigem  gemeinschaftlichen  Besitze  ruht  das  Stimmrecht.

K.  12.

Von  jedem  Grundbesitzer  (§S.  7.  Alinea  2.)  kann  kraft  eigenen  Rechtes
nur  Eine  Stimme  geführt  werden.

K..  13.

Der  §F.  6.  der  Verordnung  vom  24.  Juli  1854.,  betreffend  die  Organisation
  der  Verwaltungsstellen  (Verordnungsblatt  des  Herzogthums  Nassau  für
1854.  Nr.  17.  S.  160.)),  wird  aufgehoben  und  treten  an  dessen  Stelle  folgende
Bestimmungen:

Einem  jeden  Amte  wird  ein  gewählter  Bezirksrath  beigeordnet,
der  aus  sechs  Mitgliedern  besteht.

Zur  Wahl  der  Bezirksräthe  wird  jeder  Amtsbezirk  von  dem  Landrathe
  nach  der  Seelenzahl  in  sechs  Wahlbezirke  eingetheilt.

In  jedem  Wahlbezirke  wählen  die  stimmberechtigten  Gemeindebürger
  jeder  Gemeinde  je  einen  Ortswähler.  Die  Ortswähler  des  Wahlbezirks
  treten  zu  einem  Wahlkörper  zusammen,  welcher  ein  Mitglied  des
Bezirksrathes,  sowie  einen  Stellvertreter  desselben  aus  den  wahlberechtigten
Gemeindebürgern  des  Wahlbezirks  wählt.

Umfaßt  eine  Gemeinde  einen  Wahlbezirk  für  sich  oder  mehrere

Wahlbezirke,  so  wählen  die  stimmberechtigten  Gemeindebürger  direkt  so

(Vr.  6867.)  18“  viele
        <pb n="1833" />
        —  1656  —

viele  Mitglieder  des  Bezirksrathes  und  deren  Stellvertreter  aus  ihrer
Mitte,  als  die  Gemeinde  Wahlbezirke  enthält.

Nach  Verlauf  von  drei  Jahren  scheiden  drei  Mitglieder  des  Be-Fzirksrathes

  aus  und  werden  an  deren  Stelle  drei  andere  gewählt.  Ueber
ie  zuerst  Ausscheidenden  entscheidet  das  Loos.

K.  14.

Die  bisherigen  Bözirkeräte  bleiben  so  lenge  in  Wirksamkeit,  bis  nach  den
Bestimmungen  des  H.  13.  die  Neubildung  derselben  erfolgt  ist.

K.  15.

Im  Kreise  Biedenkopf  wird  bis  auf  Weiteres  die  Kreisversammlung
gebildet:

1)  aus  dem  nach  dem  Gesetz  vom  10.  Februar  1853.  (Großherzoglich
—  Regierungsblatt  für  1853.  Nr.  6.)  zusammengesetzten  Bezirksrathe;


2)  aus  den  im  #  bezeichneten  großen  Grundbesitzern,  sofern  dieselben  nicht
bereits  zum  Bezirksrathe  gehören.

Bei  der  Bildung  des  Bezirksrathes  nehmen  die  Gemeinden  des  früheren
nordwestlichen  Theiles  des  Kreises  Gießen  Theil,  so  lange  sie  zum  Kreise  Biedenkopf
  gehören.

C.  16.
-  Die  Bestimmungen  über  die  Bildung  des  Bezirksrathes  in  der  ehemaligen
Landgrafschaft  Hessen-  Homburg  bleiben  für  den  Amtsbezirk  Homburg  in  Kraft.
Der  Bezirksrath  wählt  aus  seiner  Mitte  zur  Kreisversammlung  sechs  Mitglieder.

.  17.

Für  das  Verfahren  bei  allen  Wahlen  sind  die  Vorschriften  des  Reglements
vom  22.  Juni  1842.  (Gesetz-Samml.  für  1842.  S.  213.)  maaßgebend.

K.  18.

Der  Landrath  beruft  den  Kreistag,  führt  auf  demselben  den  Vorsitz,  leitet
die  Verhandlung  und  hat  die  Ordnung  in  den  Berathungen  zu  erhalten,  er  ist
befugt,  mit  Zustimmung  des  Kreisztages  ordnungsstörende  Mitzlieder  nach  fruchts
  Erinnerung  für  die  Dauer  der  Sitzung  von  der  Versammlung  auszuließen.



S.  19.
Die  Berufung  zum  Kreistage  geschieht  durch  ein  Einladungsschreiben
welches  die  Verhandlinhzgegenstänke  angeben  muß.  ·  gch
Sollen  Beschlüsse  zur  Verhandlung  gestellt  werden,  welche  eine  neue  Belastung
        <pb n="1834" />
        —  1657  —

lastung  des  Kreises  mit  Ausgaben  oder  Leistungen  ohne  bereits  bestehende  Verpflichtung
  herbeiführen  (insbesondere  §.  5.  Nr.  3.),  so  muß  das  desfallsige  Einladungsschreiben
  mindestens  vierzehn  Tage  vor  dem  Kreistage  den  Mitgliedern
zugestellt  werden.  Demselben  muß  eine  ausführliche  Darlegung,  welche  über  die
Zwecke  des  vorgeschlagenen  Beschlusses,  die  Art  der  Ausführung,  den  Kostenbetrag
  und  die  Aufbringungsweise  das  Nöthige  enthält,  beigefügt  sein.  Das  Einladungsschreiben
  ist  der  Regierung  in  Abschrift  einzusenden.

g.  20.

Die  Beschlüsse  des  Kreistages  werden  nach  einfacher  Stimmenmehrheit
gefaßt.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  die  Stimme  des  Vorsitzenden,  auch
wenm  er  sonst  nicht  stimmberechtigt  ist.

Zu  einem  Beschlusse,  durch  welchen  eine  neue  Belastung  des  Kreises  mit
Ausgaben  oder  Leistungen  ohne  bereits  bestehende  Verpflichtung  bewirkt  werden
soll  #ingbepondere  #.  5.  Nr.  3.),  ist  jedoch  eine  Stimmenmehrheit  von  mindestens
zwei  Dritteln  der  Abstimmenden  erforderlich.

KE.  21.

Der  Kreistag  ist  befugt,  zur  Vorbereitung  seiner  Beschlüsse,  sowie  für  bestimmte
  Geschäfte  Kommissionen  und  Bevollmächtigte  aus  seiner  Mitte  zu  bestellen,
welche  unter  Leitung  des  Landrathes  stehen.

g.  22.
Die  Genehmigung  der  Staatsregierung  ist  erforderlich  zu  solchen  Beschlüssen
  des  Kreistages,  durch  welche
1)  Ausgaben  und  Leistungen  für  den  Kreis  ohne  bestehende  Verpflichtung
neu  übernommen  werden,

2)  der  Beitragsfuß  für  Aufbringung  der  Kreislasten  aufgestellt  oder  der
bestehende  abgeändert  wird,

3)  Veräußerungen  vom  Grund=  oder  vom  Kapitalbestande  des  Kreisvermögens,
  soweit  letzterer  etwa  nicht  nur  aus  ersparten  Einkünften  der
letzten  fünf  Jahre  herrührt,  vorgenommen  werden.

K.  23.
Zur  Ertheilung  der  Genehmigung  sind  zuständig:

1)  die  Minister  des  Innern  und  der  Finanzen  in  den  Fällen  des  §F.  22.
Nr.  1.,  wenn  der  Kreis  zu  Ausgaben  verpflichtet  werden  soll,  welche

a)  über  die  nächsten  zwei  Jahre  hinausdauern,  oder
(Nr.  6867.)  b)  Zwecke
        <pb n="1835" />
        —  1658  —

b)  Treie  betreffen,  bei  denen  nur  ein  Theil  des  Kreises  interessirt  ist
oder

J)  nur  von  einem  Theile  des  Kreises  aufzubringen  sind;
2)  in  den  übrigen  Fällen  die  Bezirksregierung.

C.  24.

Ueber  den  Kreishaushalt  haben  die  Kreisstände  alljährlich  einen  Etat  aufzustellen.
  Derselbe  ist  der  Regierung  in  Abschrift  einzureichen.

Die  Abnahme  der  Rechnungen  steht  der  Kreisversammlung  selbstständig
Die  Regierung  kann,  wenn  ihr  durch  Beschwerden  oder  sonst  eine  besondere
Veranlassung  dazu  gegeben  erscheint,  das  Kassen=  und  Rechnungswesen  des  Kreises
einer  außerordentlichen  Revision  durch  Absendung  eines  Kommissarius  oder  durch
Einforderung  der  Rechnungen  unterwerfen.

.  25.

Urkunden  über  Rechtsgeschäfte,  welche  den  Kreis  gegen  Dritte  verbinden
sollen,  müssen  von  dem  Landrathe  und  drei  hierzu  von  der  Kreisversammlung
zu  wählenden  Mitgliedern  unterschrieben  und  mit  dem  Siegel  des  Landrathes  versehen
  sein.

§.  26.

Der  Landrath  führt  die  Beschlüsse  der  Kreisversammlung  aus,  sofern  nicht
die  Regierung  eine  andere  Behörde  mit  der  Ausführung  beauftragt,  oder  die
Sache  als  ständische  Kommunal-Angelegenheit  besonderen  ständischen  Beamten
übertragen  ist.

eschlüsse,  welche  die  Befugniß  der  Kreisstände  überschreiten,  oder  das
Staatswohl  verletzen,  hat  der  Landrath  zu  beanstanden  und  Behufs  Entscheidung
über  deren  Ausführung  der  Bezirksregierung  einzureichen.

C.  27.

Ueber  die  Gewährung  von  Diäten  und  Reisekosten  an  die  Vertreter  der
Gemeinden  auf  dem  Kreistage  zu  bestimmen,  bleibt  der  Kreisversammlung  mit
Genehmigung  der  Bezirksregierung  überlassen.

K.  28.

Im  Stadtkreise  F#ankfurt  a.  M.  tritt  für  die  Berathung  der  den  ganzen
Kreis  betreffenden  Angelegenheiten  je  ein  Abgeordneter  der  zu  demselben  gehörigen
ländlichen  Ortschaften  zur  Stadtverordneten-Versammlung  hinzu.

Diese  Abgeordneten  werden  von  dem  Ortsvorstand  (Schultheiß,  Beigeordnete
  und  Gemeindeausschuß)  aus  seiner  Mitte  gewählt.

.  29.
Unser  Minister  des  Innern  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt.
5.  30.
        <pb n="1836" />
        —  1659  —

g.  30.

Gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das
dieselbe  enbbaltende  Stück  der  Gesetz-Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  26.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6868.)  Verordnung,  betreffend  die  Einrichtung  einer  kommunalständischen  Verfassung
im  Regierungsbezirk  Wiesbaden,  mit  Ausschluß  des  Stadtkreises  Frankfurt
  a.  M.  Vom  26.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  uc

verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  für  das  Gebiet  des
Regiemunssberir  Wiesbaden,  mit  Ausschluß  des  Stadtkreises  Frankfurt  a.  M.,
was  folg

e

Der  Tr  Regierungsbezur  Wiesbaden  mit  Uusschlüß  des  Stadtkreises  Frankfurt
  a.  bildet  einen  kommunalständischen  Verband.

i  Verband  hat  die  Rechte  einer  Korporation.

Derselbe  wird  durch  Kommunalstände  vertreten,  welche  sich  auf  dem
Kommnnallandtage  versammeln.

.  2.

Dem  Kommunallandtage  steht  unter  der  Mitwirkung  und  „Ausscht  der
Staatsregierung  die  Beschlußnahme  über  die  K  des  Verbandes,
  die  Verwaltung  und  Vertretung  der  dem  kommunalständischen  Verbande
gehörigen  Institute  und  Vermögensrechte  zu.

ist  befugt,  im  Interesse  des  Woerke  Ausgaben  und  Leistungen  zu
übernehmen  und  die  Art  und  Weise  der  Aufbringung  derselben  zu  beschließen.

Der  Kommunallandtag  hat  außerdem  die  Rechte  und  Fichten  der  in
den  älteren  Landestheilen  des  Preußischen  Staats  guschenu  Provinzialstände.

(Nr.  6867—6868)  5.  3.
        <pb n="1837" />
        —  1660  —

K.  3.
Ueber  die  Zusammensetzung  des  Kommimallandtages  bestimmen  Wir,
wie  folgt:
Es  erhalten  Sitz  und  Stimme  in  demselben
1)  die  Standesherren:
a)  der  Besitzer  der  Standesherrschaft  Schaumburg-Holzappel,
b)  der  Fürst  zu  Wied,
wegen  der  Standesherrschaft  Runkel,
c)  der  Graf  Leiningen-Westerburg,
wegen  der  Standesherrschaft  Westerburg,
d)  der  Graf  zu  Solms-Rödelheim,
wegen  Rödelheim;
2)  zwei  gewählte  Vertreter  der  großen  Grundbesitzer;
3)  je  zwei  Abgeordnete  der  im  Verbande  belegenen  Kreise;

zusammen  28  Mitglieder.

G.  4.

Die  §.  3.  ad  2.  bezeichneten  Vertreter  der  großen  Grundbesitzer  werden
von  denjenigen  Grundbesitzern  gewählt,  welche  zu  einer  selbstständigen  Vertretun
auf  den  Kreistagen  berechtigt  sind,  oder  welche  von  ihren  Besitzungen  unnerhal
des  ganzen  Kommunalverbandes  fünfhundert  Gulden  Grundsteuer  zahlen.

.  5.

Die  Abgeordneten  der  Kreise  (F.  3.  ad  3.)  werden  von  den  Mitgliedern
der  Kreisversammlung  aus  ihrer  Mitte  gewählt.  Die  auf  dem  Kommunallandtage
  besonders  vertretenen  großen  Grundbesitzer  (.  4.)  wählen  hierbei  nicht  mit.

Im  Stadtkreise  Wiesbaden  tritt  der  Gemeinderath  und  Bürgerausschuß  in
ein  Kollegium  zusammen,  welches  die  beiden  Abgeordneten  aus  seiner  Mitte  wählt.

S.  6.

Die  Wahlen  der  Abgeordneten  geschehen  auf  sechs  Jahre  dergestalt,  daß
alle  drei  Jahre  die  Hälfte  der  Abgeordneten  ausscheidet.  Die  für  das  erste  Mal
Ausscheidenden  werden  durch  das  Loos  bestimmt.

Für  jeden  Abgeordneten  wird  gleichzeitig  ein  Stellvertreter  gewählt.

Die  im  8.  3.  sub  1.  genannten  Standesherren  können  sich  durch  bevollmächtigte
  Agnaten  ihres  Hause  vertreten  lassen.

S.  7.
        <pb n="1838" />
        —  1661  —

g.  7.

Für  das  Verfahren  bei  den  Wahlen  zu  dem  Kommunallandtage,  wie  auch
bei  den  auf  dem  Kommunallandtage  selbst  vorsunehmenden  Wahlen  sind  die
Vorschriften  des  Reglements  vom  22.  Juni  1842.  über  das  Verfahren  bei  den
ständischen  Wahlen  (Pruzische  Gesetz  Samml.  von  1842.  S.  213.)  maaßgebend.

.  S.

Der  Vorsitzende  des  Kommunallandtages,  sowie  ein  Stellvertreter  veselben
wird  aus  den  Mitgliedern  des  Kommunallandtages  auf  die  Dauer  jedes  Landtages
  von  Uns  ernannt.

Der  Torssenee  hat  die  Verhandlungen  zu  leiten  und  die  Ordnung  in  der
Versammlung  aufrecht  zu  erhalten.

G.  9.

Zu  Unserem  Kommissarius  bei  dem  Kommunallandtage  bestimmen  Wir
hiermit  den  Oberpräsidenten.  Wir  behalten  Uns  vor,  demselben  in  Behinderungsfällen
  einen  Stellvertreter  zu  bestellen.

Der  Oberpräsident  ist  die  Mittelsperson  bei  allen  Verhandlungen  Unserer
Behörden  mit  den  Ständen.

K.  10.

Sämmltliche  Beschlüsse  des  Kommnmalllandtages  werden  dem  Oberpräsidenten
vorgelegt,  welcher  dieselben  zu  prüfen  und  deren  Ausführung  zu  vermitteln  hat.

Beschlüsse,  welche  die  Befugnisse  der  Kommunalstände  überschreiten  oder
das  Staatswohl  verletzen,  hat  der  Oberpräsident  zu  beanstanden  und  Behufs
Entscheidung  über  deren  Ausführung  dem  betreffenden  Ressortminister  einzureichen.


K.  11.

Der  Kommunallandtag  wird,  so  oft  es  das  Bedürfniß  erfordert,  durch
Uns  berufen.

Die  Ladung  der  Mitglieder,  die  Eröffnung,  sowie  der  Schluß  des  Landtages
  geschieht  durch  Unseren  Kommissarius  (F.  9.).

Der  Kommissarius,  sowie  die  zu  seiner  Vertretung  abgeordneten  Staatsbeamten
  haben  Zutritt  zur  Landtagsversammlung  und  müssen  auf  ihr  Verlangen
zu  jeder  Zeit  gehört  werden.

KG.  12.

Zur  Beschlußfassung  des  Kommunallandtages  ist  die  Anwesenheit  von  mehr
als  der  Hälfte  der  Miklieder  erforderlich.  Die  Beschlüsse  werden  durch  einfache
Stimmenmehrheit  der  Anwesenden  gefaßt.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  die
Stimme  des  Vorsitzenden.

Jahrgeng  1867.  (Tr.  6868.)  219  Zu
        <pb n="1839" />
        —  1662  —

Zu  einem  Beschlusse,  durch  welchen  Ausgaben  bewilligt  werden  sollen,  die
nicht  schon  in  der  Verpflichtung  des  Verbandes  beruhen,  eine  Mehrheit  von
mindestens  zwei  Dritteln  der  Anwesenden  erforderlich.

F.  13.
Die  Genehmigung  der  Staatsregierung  ist  erforderlich  zu  solchen  Beschlüssen
  des  Landtages,  durch  welche
1)  Ausgaben  und  Leistungen  für  den  Verband  ohne  bestehende  Verpflichtung
  neu  übernommen  werden,
2)  der  Beitragsfuß  für  Aufbringung  der  Lasten  des  Verbandes  aufgestellt
oder  der  bestehende  abgeändert  wird,

3)  Veräußerungen  vom  Grund-  oder  vom  Kapitalbestande  des  kommunalständischen
  Vermögens,  soweit  letzterer  nicht  etwa  nur  aus  ersparten  Einkünften
  der  letzten  fünf  Jahre  herrührt,  vorgenommen  werden.

5.  14.
Die  Genehmigung  wird  ertheilt:
1)  durch  Uns  in  den  Fällen  des  F.  13.  Nr.  1.,  wenn  der  Verband  zu  Ausgaben
  verpflichtet  werden  soll,  welche
a)  über  die  nächsten  zwei  Jahre  hinausdauern,
b)  Zwecke  betreffen,  bei  denen  nur  ein  Theil  des  Verbandes  interessirt  ist,
c)  nur  von  einem  Theile  des  Verbandes  aufzubringen  find;

2)  in  den  übrigen  Fällen  von  dem  betreffenden  Ressortminister.

C.  15.

Für  die  unter  Aufsicht  des  Oberpräsidenten  zu  führende  laufende  Verwaltung
  des  ständischen  Vermögens  und  der  ständischen  Anstalten  können  die  Kommunalstände,
  soweit  die  Geschäfte  solches  fordern,  die  geeigneten  Personen  wählen.

K.  16.

Der  Geschäftsgang  auf  dem  Kommunallandtage  wird  im  Näheren  durch
die  Geschäftsordnung  geregelt.

Die  letztere  ist  von  dem  Kommunallandtage  unter  Bestätigung  des  Oberpräsidenten
  aufzustellen.

g.  17.

Die  gewählten  Mitglieder  des  Kommunallandtages  erhalten  Diäten  und
Reisekosten.  Der  Betrag  derselben,  sowie  die  Art  der  Aufbringung,  ist  durch
Beschluß  des  Kommunallandtages  mit  Genehmigung  des  Oberpräsidenten  zu

bestimmen.
K.  18.
        <pb n="1840" />
        —  1663  —

.  18.
Ueber  den  Eintritt  des  Stadtkreises  Frankfurt  a.  M.  in  den  kommunalständischen
  Verband  bleibt  besondere  gesetzliche  Bestimmung  vorbehalten.
"  G.  19.

Unser  Minister  des  Innern  ist  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt.

g.  20.

Gegenwärtige  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das
dieselbe  enthaltende  Stück  der  Gesetz=  Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.  "

Gegeben  Baden-Baden,  den  26.  September  1867.
(#L.  S)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6869.)  Verordnung,  betreffend  das  Zeitungs-Kautionswesen  in  den  durch  das  Gesetz
vom  20.  September  1866.  und  die  beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember
1866.  mit  der  Monarchie  vereinigten  Landestheilen,  mit  Ausnahme  des
vormaligen  Oberamtsbezirks  Meisenheim  und  der  Enklave  Kaulsdorf.
Vom  26.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #c.

verordnen,  zur  Ergänzung  der  Verordnung  vom  25.  Juni  d.  J.,  betreffend  das
Strafrecht  und  das  Strafverfahren  in  den  durch  das  Gesetz  vom  20.  September
1866.  und  die  beiden  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  mit  der  Monarchie
vereinigten  Landestheilen,  mit  Ausnahme  des  vormaligen  Oberamtsbezirks  Meisenheim
  und  der  Enklave  Kaulsdorf  (Gesetz  Samml.  S.  921.),  in  Betreff  des  Zeitungs-Kautionswesens,
  auf  den  Antrag  des  Staatsministeriums,  was  folgt:

KS.  1.
Die  Anordnung  im  FH.  I.  des  Gesetzes  wegen  anderweitiger  Einrichtung
des  Amts-  und  Zeitungs-Kautionswesens  vom  21.  Mai  1860.  (Gesetz.  Sammi.
(#r.  668—éesed)  219°  S.
        <pb n="1841" />
        —  1664  —

S.  211.),  wonach  die  Kautionen  für  Zeitungen  und  Zeitschriften  in  inländischen
Staatspapieren  nach  dem  Nennwerthe  zu  erlegen  sind,  tritt  in  den  Eingangs
erwähnten  Landestheilen  am  1.  Oktober  d.  J.  in  Kraft.

.  2.

Den  Herausgebern  der  beim  Erlasse  dieser  Verordnung  in  jenen  Landestheilen
  bereits  bestehenden  Blätter  wird  zur  Bestellung,  Erhöhung  oder  Umwandelung
  der  Kaution  eine  Frist  bis  zum  1.  April  1868.  bewilligt.

Bis  dahin  bewendet  es  bei  der  für  dieselben  bestandenen  Kautionsfreiheit
oder  bei  der  bestellten  Kaution,  unbeschadet  der  Herabsetzung  der  letzteren  in  denjenigen
  Fällen,  in  denen  dieselbe  den  in  den  I§.  12.  und  13.  des  Gesetzes  über
die  Press  vom  12.  Mai  1851.  (Gesetz-Samml.  S.  273.)  bestimmten  Betrag
übersteigt.

g.  3.

Die  Fristbewilligung  im  8.  2.  erlischt,  wenn  gemäß  der  §§.  19.  bis  21.
des  Gesetzes  über  die  Presse  vom  12.  Mai  1851.  in  Folge  gerichtlicher  Verurtheilung
  eine  Kaution  bestellt  oder  ergänzt  werden  muß.

S.  4.

Die  gegenwärtige  Verordnung  tritt  an  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem
das  dieselbe  enthaltende  Stück  der  Gesetz=  Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  26.  September  1867.

.  S)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg,

 

(Nr.  6870.)
        <pb n="1842" />
        —  1665  —

(Nr.  6870.)  Verordnung,  betreffend  eine  Ergänzung  der  Verordnung  vom  29.  März  1867.
über  den  Betrieb  stehender  Gewerbe  im  vormaligen  Königreich  Hannover.
Vom  26.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  11
verordnen  für  das  vormalige  Königreich  Hannover,  was  folgt:
K  I.
Der  §.  226.  der  Gewerbe-Ordnung  für  das  vormalige  Königreich  Hannover

vom  1.  August  1847.  (Geset  Samml.  für  Hannover  von  1847.  S.  215.)  wird
aufgehoben.

K..  2.

Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  ihrer  Publikation  durch  die  Gesetz-Sammlung
  in  Kraft.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Infiegel.

Gegeben  Baden-  Baden,  den  26.  September  1867.

(u.  .)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck--Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6870—6871.)  (Nr.  6871.)
        <pb n="1843" />
        —  1666  —

(Nr.  6871.)  Verordnung,  betreffend  die  Aufhebung  der  auf  den  Großherzoglich  Hessischen
Verordnungen  vom  19.  März  1853.  beruhenden  Hundesteuer  und  Abgabe
von  Nachtigallen  als  Staatsabgaben  und  die  Forterhebung  derselben  als
Gemeindeabgaben  in  den  durch  das  Gesetz  vom  24.  Dezember  1866.  der
Prcußischen  Monarchie  einverleibten  vormals  Großherzoglich  Hessischen
Gebietstheilen,  mit  Ausschluß  der  Landgrafschaft  Hessen-  Homburg.  Vom
26.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.
verordnen  für  die  mit  Unserer  Monarchie  vereinigten  vormals  Großherzoglich
Hessischen  Gebietstheile,  mit  Ausschluß  der  Landgrafschaft  Hessen-Homburg,  auf
den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

KS.  1.
Die  auf  den  Großherzoglich  Hessischen  Verordnungen  vom  19.  März
1853.  (Großtersoglich  Hessisches  Regierungsblatt  S.  123.  und  S.  126.  ff.)
beruhende  Hundesteuer  und  Abgabe  von  Nachtigallen  sind  als  Staatsabgaben  vom
1.  Oktober  1867.  ab  aufgehoben.

§P.  2.
Den  Gemeinden  steht  frei,  die  Forterhebung.  der  Hundesteuer  nach  Maaßgabe
  der  Verordnung  vom  19.  März  1853.  als  Kommunalsteuer  zu  beschließen.
In  gleicher  Weise  sind  die  Kreisvertretungen  und  die  städtischen  Behörden
befugt,  die  Forterhebung  der  Abgabe  von  Nachtigallen  zu  den  Ortsarmenkassen
der  Gemeinden  zu  beschließen.
§.  3.

Die  gegenwärtige  Verordnung  erlangt  an  dem  Tage  der  Ausgabe  des
Stückes  der  Gesetz=  Sammlung,  in  welchem  dieselbe  enthalten  ist,  Gesetzeskraft.

Die  Minister  der  Finanzen  und  des  Innern  sind  mit  der  Ausführung  dieser
Verordnung  beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  26.  September  1867.
(1.  s)Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck.  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Tr.  6872.)
        <pb n="1844" />
        —  1667  —

(Nr.  6872.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  17.  September  1867.,  betreffend  die  Aufhebung  der
Schiffahrts-Abgabe  in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig.

-  Ihren  gemeinschaftlichen  Bericht  vom  16.  d.  M.  bestimme  Ich,  daß  die
in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig  in  Gemäßheit  der  provisorischen
Verordung  der  damaligen  obersten  Civilbehörde  vom  29.  März  1865.  zur  Zeit
Wibebenen  gabe  von  der  Schiffahrt  vom  1.  Oktober  d.  J.  ab  nicht  mehr  erhoben
werden  soll.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Berlin,  den  17.  September  1867.

Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6873.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  22.  September  1867.,  betreffend  die  Verpflichtung
der  Stadtgemeinden  in  den  neu  erworbenen  Landestheilen  zur  Besetzung
der  besoldeten  städtischen  Unterbedienkenstellen  mit  versorgungsberechtigten
Militair-Invaliden.

A#  den  Antrag  des  Staatsministeriums  in  dem  Berichte  vom  12.  d.  Mts.
bestimme  Ich  im  Anschlusse  an  die  über  die  Verpflichtung  der  Stadtgemeinden
ur  Anstellung  versorgungsberechtigter  Militair-Invaliden  in  den  alten  Proomzen
beptehenden  Vorschriften,  was  folgt:

Die  besoldeten  städtischen  Unterbedientenstellen  in  den  neu  erworbenen
Landestheilen  sind,  vorbehaltlich  bereits  erworbener  Ansprüche  auf  Berücksichtigung
  bei  Beschung  derselben,  künftig  ausschließlich  mit  versorgungsberechtigten
Militair-Invaliden  zu  besetzen.  Auf  diejenigen  Stellen  der  städtischen  Subalternen,
welche  eine  höhere  oder  eigenthümliche  Geschäftsbildung  erfordern,  bezieht  sich
diese  Verpflichtung  jedoch  nur  insoweit,  als  versorgungsberechtigte  Militair-Invaliden
  vorhanden  sind,  welche  diese  Geschäftsbildung  besitzen.  Hinsichtlich  der  Anstellung
  der  Kämmerei-Rendanten  und  Kommunal-Kassenbeamten  behält  es  bei
den  beheedenden  Bestimmungen  sein  Bewenden.

(r.  6872—6873)  Im
        <pb n="1845" />
        —  1668  —

Im  Gebiete  des  vormaligen  Herzogthums  Nassau  gelten  als  Städte  im
Sinne  dieses  Erlasses  alle  nicht  zur  vierten  Gewerbesteuer-Abtheilung  gehörigen
Ortschaften.

In  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein  bedarf  die  Anstellung
oder  Entlassung  städtischer  Unterbedienten  künftig  nicht  mehr  der  landesherrlichen
Bestätigung.

Gegenwärtiger  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Derselbe  tritt  mit  dem  Tage  in  Kraft,  an  welchem  das  betreffende  Stück  der
Gesetz  Sammlung  in  Berlin  ausgegeben  wird.

Baden-Baden,  den  22.  September  1867.
Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlln,  gedruckt  in  der  Königli  Gehemen  Ober-Gofbachdruckerei
J  26  6
        <pb n="1846" />
        —  1669  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  106.  —

 

(Fr.  6874.)  Verordnung,  betreffend  die  Errichtung  eines  evangelisch-lutherischen  onsistoriums
  in  Kiel.  Vom  24.  September  1867.

M.
Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen
verordnen,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

K.  1.

Für  die  Herzogthümer  Holstein  und  Schleswig  ist  ein  evangelisch  lutherisches
  Konsistorium  in  Kiel  unter  Leitung  eines  weltlichen  Vorsitzenden  einzurichten,
  welchem  die  beiden  für  Holstein  und  Schleswig  fungirenden  General-Superintendenten
  und  so  viele  geistliche  und  weltliche  Räthe  aus  beiden  Bezirken,
als  das  Bedürfniß  erheischt,  beizuordnen  sind.

§.  2.

Der  Wirkungskreis  dieses  Konsistoriums  begreift  im  Allgemeinen  die  Beaufsichtigung
  und  Leitung  der  gesammten  euangelisch  kutherishen.  Kirchenangelegenheiten
  in  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig,  soweit  nicht  nach  den,
den  Geschäftskreis  der  Regierungen  normirenden  Bestimmungen  einzelne  Gegenstände
  und  Angelegenheiten  dieser  Art  zu  dem  amtlichen  Wirkungskreise  dieser
letzteren  gehören.  Das  Konsistorium  hat  dememä  diejenigen  Geschäfte  zu
besorgen,  welche  durch  die  Instruktion  vom  23.  Oktober  1817.  (Gesetz.  Samml.
S.  237.),  die  Allerhöchste  Kabinetsorder  vom  31.  Dezember  1825.  (Gesetz-Samml.
  von  1826.  S.  5.),  die  Verordnung  vom  27.  Juni  1845.  (Gesetz.  Samml.
S.  440.)  und  die  dieselben  erläuternden,  ergänzenden  und  abändernden  Bestimmungen
  den  Konsistorien  der  älteren  Landestheile  überwiesen  sind.

g.  3.

Vorgesetzte  Behörde  des  Konsistoriums  ist  bis  auf  Weiteres  Unser  Minister
der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten,  an  welchen  in  Fällen,  welche  über  die  Kompetenz
  des  Konsistoriums  hinausgehen,  zu  berichten  ist.  4

Jahrgaug  1867.  (Nr.  6874—6875,)  220  Für

Ausgegeben  zu  Berlin  den  30.  September  1867.
        <pb n="1847" />
        —  1670  —

Für  die  Kompetenz  des  Konsistoriums  im  Verhältniß  zu  dem  vorgesetzten
Minister  sind  die  im  F.  2.  genannten  Verordnungen  maaßgebend.  Durch  dieselben
  wird  bagegen  in  den  amtlichen  Befugnissen  der  General-Superintendenten,
der  Kirchenpröbste,  der  Kirchenvisitatorien,  der  Kirchenpatrone,  Kirchenkollegien
und  Gemeinden  für  jetzt  nichts  geändert.

K.  4.

Unser  Minister  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten  wird  mit  der  Ausführung
  dieser  Verordnung  beauftragt  und  hat  den  Zeitpunkt  zu  bestimmen,  mit
welchem  das  Konsistorium  in  Thätigkeit  treten  soll.  «

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  24.  September  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitzt.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6875.)  Verordnung,  betreffend  die  Ablösung  der  Reallasten,  welche  dem  Domainenfiskus
  im  vormaligen  Königreich  Hannover  zustehen.  Vom  28.  September
  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rr

verordnen,  für  das  Gebiet  des  vormaligen  Königreichs  Hannover  nach  Anhörung
des  Provinziallandtages  der  Provinz  Hannover,  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,
  was  folgt:

S.  1.

Die  Hannoversche  Verordnung  über  die  bei  Ablösung  der  Grund-  und
gutsherrlichen  Lasten  und  Regulirung  der  bäuerlichen  Verhältnisse  zu  befolgenden
rundsätze  vom  10.  November  1831.  und  die  Hannoversche  Ablösungs-Ordnung
vom  23.  Juli  1833.  werden  rücksichtlich  der  dem  Domainenfiskus  zustehenden
ablösbaren  Rechte,  wie  nachstehend,  ergänzt  und  abgeändert.

S.  2.
Dem  Domainenfiskus  wird  die  Befugniß  beigelegt,  die  völlige  Ablösung
C.  9.  der  Verordnung  vom  10.  November  1831.)  der  ihm  zustehenden  Rechte
zu  verlangen.  n
.  3.
        <pb n="1848" />
        —  1671  —

g.  3.

Wenn  derselbe  davon  Gebrauch  macht,  so  darf  der  Verpflichtete  die  Ablösung
  durch  ein  Kapital  bewirken,  welches,  anstatt  des  fünfundzwanzigfachen,
nur  in  dem  achtzehnfachen  Betrage  des  Jahreswerths  der  abzustellenden  Rechte
besteht.  Die  Zahlung  muß,  im  Mangel  einer  anderweiten  Einigung,  spätestens
im  Ausführungstermine  in  unzertrennter  Summe  erfolgen.

K.  4.

Ist  ein  Grundstück  außerhalb  einer  gutsherrlich-bäuerlichen  Regulirung  oder
Ablösung,  oder  ohne  Begründung  eines  gutsherrlich-bäuerlichen  Verhältnisses
mittelst  eines  vor  Verkündung  der  gegenwärtigen  Verordnung  errichteten  schriftlichen
  Vertrages  gegen  Entrichtung  eines  Kanons  oder  Zinses  und  anderer  Leistunen
  zu  Erbpacht,  Erbzins  oder  Eigenthum  überlassen  worden,  so  tritt  an  die
telle  des  achtzehnfachen  Betrages  der  Jahresrente  der  zwanzigfache  Betrag  derselben.
  Die  Zahlung  dieses  Kapitals  ist  in  unzertrennter  Summe  oder  in  vier
auf  einander  folgenden  einjährigen  Terminen  zu  gleichen,  mindestens  Einhundert
Thaler  betragenden  Theilen  an  den  Fiskus  zu  leisten.  Die  in  Gemäßheit  der
Ablösungs-Ordnung  von  diesem  Kapitale  zu  entrichtenden  Zinsen  sind  zu  fünf
Prozent  zu  berechnen.

i
Erklärt  sich  der  Verpflichtete  nicht  vor  dem  Abschlusse  des  Rezesses  bereit,
das  Ablösungskapital  nach  F.  3.  oder  F.  4.  zu  bezahlen,  so  muß  die  Abfindung
der  fiskalischen  Rechte  dadurch  bewerkstelligt  werden,  daß  deren  Jahreswerth  in
einer  festen  Geldrente  während  eines  Zeitraums  von  41-##  Jahren  oder  493  Monaten
  ununterbrochen  an  den  Fiskus  Seitens  des  Verpflichteten  entrichtet  wird,
wonächst  die  Verbindlichkeit  zur  ferneren  Entrichtung  der  Rente  vollständig  aufhört.

S.  6.
Die  Feststellung  des  Jahreswerthes  der  abzulösenden  Lasten  und  Renten
erfolgt  nach  den  Bestimmungen  der  Hannoverschen  Ablösungs-Ordnung.

S.  7.

Die  41  —##  Jahre  dauernde  Amortisationsperiode  (I.  5.)  beginnt  nach  der
Wahl  des  Fiskus  am  nächsten  oder  zweitnächsten  auf  die  Rezeßbestätigung  folgenden
  1.  April  oder  1.  Oktober.  Tritt  die  Rente  schon  früher  an  die  Stelle  des
abzulösenden  Rechtes,  so  ist  ein  verhältnißmäßiger  Theil  der  Jahresrente  als
Entschädigung  für  die  Zwischenzeit  ohne  Anrechnung  auf  die  Kapitaltilgung  vom
Verpflichteten  an  den  Fiskus  zu  zahlen.  «

§.8.

Renten,  welche  den  Betrag  Eines  Silbergrosch

ens  im  Ganzen  nicht  erreichen,
(Nr.  6##5)  220“  un
        <pb n="1849" />
        —  1672  —

und  Rententheile,  welche  nicht  in  vollen  Silbergroschen  bestehen,  müssen  zum
zwanzigfachen  Betrage  auf  einmal  abgelöst  werden.

g.
Die  Amortisationsrenten  (F.  5.)  werden  in  monatlichen  Raten  postmmerando
  abgeführt.  In  Ansehung  ihrer  Erhebung  und  Beitreibung  bat  der

Fiskus  diejenigen  Befugnisse,  welche  den  Verwaltungsbehörden  bei  Erhebung
und  Beitreibung  der  direkten  Staatssteuern  zustehen.

K.  10.

Gebäude,  auf  welchen  Amortisationsrenten  haften,  müssen  auf  Verlangen
des  Fiskus  bei  einer  Feuerversicherungsgesellschaft  bis  zu  dem  nach  den  Grundsätzen
  dieser  Gesellschaft  zulässigen  Werthe  von  dem  Verpflichteten  versichert
werden,  wozu  der  letztere  vom  Fseus  durch  administrative  Exekution  angehalten
werden  kann.  u

Bei  der  Berltäckelung  von  Grundstücken,  auf  welchen  Amortisationsrenten
haften,  sind  diese  Renten  ebenso  zu  vertheilen,  wie  die  Staatssteuern.  Es  findet
aber  auf  dieselben  auch  die  für  Geld=  oder  Fruchtrente  im  F.  32.  der  Verordnung
  vom  10.  November  1831.  ertheilte  Vorschrift  Anwendung.

KC.  12.

Dem  Verpflichteten  steht  es  frei,  während  der  Amortisationsperiode  die
Rente  durch  Kapitalzahlung  ganz  oder  theilweise  zu  tilgen.  Welche  Summen
in  den  verschiedenen  Jahren  der  Amortisationsperiode  zur  Ablösung  der  Rentenbeträge
  erforderlich  sind,  ergiebt  sich  aus  der  beigefügten  Tabelle.  Kapitalzahlungen
  sind  jedoch  stets  arst  dann  zulässig,  wenn  der  Verpflichtete  zuvor  die
bereits  fälligen  Rentenzahlungen  geleistet  hat.  Eingehende  Kapitalzahlungen
müssen  daher  zunächst  auf  die  noch  rückständigen  Rentenzahlungen  verrechnet  werden.

Rentenbeträge,  die  nicht  in  Silbergroschen  sich  abrunden,  können  nicht
durch  Kapitalzahlung  abgelöst  werden)  Rentenbeträge  unter  fünf  Silbergroschen
nur  dann,  wenn  die  auf  einem  Grundstücke  lastende  Rente  fünf  Silbergroschen.
nicht  erreicht  und  mit  einem  Male  getilgt  wird.

KC.  13.

Dergleichen  Kapitalzahlungen  (F.  12.)  müssen  nach  vorhergegangener  sechsmonatlichert-Künd
  ung  am  31.  Mer  oder  am  30.  Schtenberohileife  werden.
Der  verminderte  Rentenbetrag  wird  zum  ersten  Male  an  demjenigen  Rentenzahlungstermine
  entrichtet,  welcher  auf  die  zur  gehörigen  Zeit  glleisteie  Kapitalzahlung
  zunächst  folgt.
C.  14.
Die  Kündigungen  und  Hapitallahlungen  müssen  bei  der  Domainenver-=waltungsbehörde
  oder  bei  den  von  derselben  dazu  bezeichneten  Beamten  erfolgen.
K.  15.
        <pb n="1850" />
        —  1673  —

K.  15.

Bei  Rezessen  oder  Verträgen,  welche  dem  Verpflichteten  die  Ablösung
unter  günstigeren  als  den  vorstehend  bestimmten  Bedingungen  gestatten,  behält
es  auf  dessen  Erfordern  sein  Bewenden.

K.  16.

Was  in  der  Ablösungsordnung  über  Abfindungskapitalien  bestimmt  ist,
gilt  insoweit,  als  die  gegenwärtige  Verordnung  nicht  etwas  Anderes  enthält,
auch  für  die  Amortisationsrenten.  Insbesondere  bedürfen  die  letzteren  ebenso  wie
die  Kapitalien  der  Eintragung  in  das  Hypothekenbuch.  Die  Löschung  der
Amortisationsrenten  erfolgt  auf  Grund  einer  von  der  Domainenverwaltungsbehörde
  ausgestellten  Quittung;  die  Beibringung  des  Rezesses,  auf  welchem  die
Amortisationsrente  beruht,  ist  dazu  nicht  erforderlich.

Behufs  der  Auseinandersetzung  dritter  Betheiligter  mit  dem  Fiskus  vertritt
die  Amortisationsrente  ein  Kapital,  welches  im  zwanzigfachen  Betrage  der  vollen
Rente  besteht  und  mit  vier  Prozent  verzinslich  ist.

.  17.

Die  nach  F.  48.  der  Verordnung  vom  10.  November  1831.  dem  Provokanten
  allein  zur  Last  fallenden  Kosten  sind  zur  Hälfte  vom  Fiskus  und  zur
Hälfte  vom  Verpflichteten  zu  tragen.  Mehrere  Verpflichtete  haben  die  von  ihnen
u  erlegende  Kostenhälfte  unter  einander  nach  Vorschrift  des  F.  335.  der  Ab.
ösungs-Ordnung  aufzubringen.

G.  18.

Nach  den  Bestimmungen  der  gegenwärtigen  Verordnung  darf  die  Provokation
  auf  Ablösung  Seitens  des  Fiskus  auch  gerichtet  werden  auf  die  ihm
zustehenden:

a)  bisher  unablösbaren  Abgaben,  welche  nach  Maßgabe  der  Gerordmung
vom  23.  Juli  1833.  bel  der  erblichen  Uebertragung  von  Gütern  un
Grundstücken  vorbehalten  worden  sind;

b)  Allodifikationsrenten  auf  Grund  des  Gesetzes  vom  13.  April  1836.;

)  Reallasten  von  den  im  Hannoverschen  Harze  belegenen  Grundstücken,

sofern  diese  Lasten  nach  der  Ablösungs-Ordnung  abstellbar  sein  würden,
wenn  sie  auf  außerhalb  des  Harzes  befindlichen  Grundstücken  hafteten.

F.  19.

Wenn  Ablösungen  der  dem  Domainenfiskus  zustehenden  Reallasten  auf
seinen  oder  der  Verpflichteten  Antrag  im  Wege  der  gütlichen  Vereinigung  ohne
Entscheidung  einer  Ablösungskommission  zu  Stande  kommen,  so  bedürfen  die
darüber  zu  errichtenden  Neyiss=  nicht  der  Bestätigung  der  zuständigen  Kommission

(Nr.  6875.3  viel-·
        <pb n="1851" />
        —  1674  —

vielmehr  liegt  die  Bestätigung  mit  gleicher  Wirkung  der  Domainenverwaltungsbehörde
  ob,  welche  bei  der  Prüfung  und  Ausführung  der  Rezesse  die  nämlichen
Rücksichten,  wie  die  Ablösungskommission  zu  beobachten  hat.

In  Fällen,  in  welchen  die  Verpflichteten  ihre  aus  dem  Ablösungsgeschäfte
entspringenden  Verbindlichkeiten  vor  der  Errichtung  des  Rezesses  vollständig  erfüllt
  haben,  kann  die  Aufnahme  eines  Rezesses  unterbleiben  und  statt  dessen  von
der  Domai  hörde  eine  einseitige  Urkunde  ausgefertigt  werden,
in  welcher  die  betheiligten  Personen  und  Grundstücke,  das  abgelöste  Recht  und
der  Betrag  des  Ablösungskapitals  ausgedrückt  und  über  die  vollständige  Zahlung
des  letzten  gquittirt  ist.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Mainau,  den  28.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

 

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

Ta-
        <pb n="1852" />
        1675  —

Tabelle

zum  §.  12.  der  Verordnung  über  die  Ablöôsung  der  Reallasten)  welche  dem
Domainenfiskus  im  vormaligen  Königreich  Hannover  zustehen.

 

Das  Ablösungskapital  beträgt  für  eine  Amortisationsrente:

 

 

 

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        1676

Das  ablösungskapital  beträgt  für  eine  Amortisationsrente:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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(Nr.  6876.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  22.  September  1867.,  betreffend  die  Entbindung  der
Betheiligten,  welche  aus  Veranlassung  der  durch  die  Vereinigung  des
Königreichs  Hannover  mit  der  Preußischen  Monarchie  erfolgten  Veränderung
  des  Lehnsherrn  die  Lehnserneuerung  nachzusuchen  haben,  von
Erfüllung  dieser  Verpflichtung  unter  Erlaß  der  damit  verbundenen  Förmlichkeiten
  und  Kosten.

A½  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  20.  d.  M.  will  Ich  als  Oberlehnsherr

  der  mit  der  Wligen  Krone  Hannover  verbundenen  Lehne  die

Betheiligten,  welche  aus  Veranlassung  der  durch  die  Vereinigung  des  Königreichs
Hannover  mit  der  Preußischen  Monarchie  erfolgten  Veränderung  des  Lehnsherrn
die  Lehnserneuerung  nachzusuchen  haben,  von  Erfüllung  dieser  Verpflichtung  unter
Erlaß  der  damit  verbundenen  Förmlichkeiten  und  Kosten  ür  diesen  Fall,  dem
Lehnsverhältnisse  unbeschadet,  in  Gnaden  entbinden.  Den  Vasallen  können  kostenfrei
  ohne  vorgängige  Belehnung  neue  Lehnsbriefe  ertheilt  werden.

Baden,  den  22.  September  1867.

Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

Gr.  zu  Eulenburg.
An  das  Staatsministerium.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin)  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(K  v.  Decker).
        <pb n="1854" />
        —  1677  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

 

—.  Nr.  107.  —1.

 

(Nr.  6877.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen  der  Stadt
Cöln  im  Betrage  von  800,000  Thalern.  Vom  14.  August  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  re.

ertheilen,  nachdem  der  Oberbürgermeister  und  die  Stadtverordneten-Versammlung
zu  Cöln  Behufs  der  Errichtung  von  Wasserwerken  zur  Aufnahme  einer  Anleihe
von  800,000  Thalern,  geschrieben  achthundert  Tausend  Thalern,  gegen  Ausstellung
  auf  den  Inhaber  lautender  und  mit  Zinskupons  und  Talons  versehener
Obligationen  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  nachgesucht  haben,  und  bei  diesem
Antrage  im  Interesse  der  Sttgemeinde  sowohl  als  der  Gläubiger  sich  nichts  zu
erinnern  gefunden  hat,  in  Gemäßheit  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  wegen
Ausstellung  von  Papieren,  welche  eine  Jahlungsverpflichtung  an  jeden  Inhaber
enthalten,  durch  ge  enwrtiges  Privilegium  Unser-  landesherrliche  Genehmigung
zur  Ausgabe  der  gedachten  Obligationen  unter  nachstehenden  Bedingungen.
§.  1.

Es  werden  ausgegeben  3200  Obligationen,  jede  zu  200  Thalern,  1600  Obliationen,
  jede  zu  100  Thalern,  in  Summa  achthundert  Tausend  Thaler.  Die
bligationen  werden  jährlich  mit  vier  und  einhalb  Prozent  verzinst  und  die  Zinsen
werden  in  halbjährlichen  Raten  am  1.  Juli  und  2.  Januar  von  der  Stadtkasse  in
Cöln  gegen  Rückgabe  der  betreffenden  Kupons  bezahlt.  Die  Stadtgemeinde  verzichtet
für  die  ersten  fünf  Jahre  auf  jede  Konvertirung  der  Anleihe,  behält  sich  aber
vor,  nach  Ablauf  dieser  Frist  eine  Konvertirung  vorzunehmen,  bei  deren  Eintritt
es  den  Inhabern  freisteht,  die  Rückzahlung  des  Kapitals  zu  verlangen.

Den  Obligations-Inhabern  steht  kein  Kündigungsrecht  gegen  die  Stadtgemeinde
  zu.

5.  2.

Zur  Tilgung  der  Schuld  wird  jährlich  Ein  und  ein  halbes  Prozent  von
dem  Kapitalbetrage  der  ausgegebenen  Obligationen  nebst  den  ½  der  eingelösten
  Obligationen  verwendet,  so  daß  längstens  die  ganze  Schuld  binnen  zwei

Jahrgang  1867.  (Nr.  6877)  221  und

Ausgegeben  zu  Berlin  den  30.  September  1867.
        <pb n="1855" />
        —  1678  —

und  dreißig  Jahren,  vom  Jahre  nach  der  Kapitalaufnahme  an,  getilgt  sein  wird.
Sobald  aber  der  Betrieb  der  Wasserwerke  einen  Reingewinn  nach  Abzug  der  zur
Verzinsung  und  Tilgung.  erforderlichen  Beträge  abwirft,  ist  derselbe  zur  Verstärkung
  des  Tilgungsfonds  zu  verwenden.  Auch  behält  sich  die  Stadt  das  Recht
vor,  eine  stärkere  Tilgung  eintreten  zu  lassen.

C.  3.

Zur  Leitung  der,  die  Ausstellung,  Verzinsung  und  Tilgung  der  auszugebenden
  Obligationen  betreffenden  Geschäfte  wird  eine  besondere  ummision  gebildet,
  bestehend  aus  dem  Oberbürgermeister  und  wenigstens  drei  Mitgliedern  der
Stadtverordneten-Versammlung,  welche  von  dieser  letzteren  zu  wählen  sind.

1
Die  Obligationen  zu  200  Thalern  werden  unter  dem  Buchstaben  K.  von
Nr.  1.  bis  3200.,  und  jene  zu  100  Thalern  unter  dem  Buchstaben  L.  von  3201.
bis  4800.  einschließlich  ausgestellt.
Diese  Obligationen  werden  mit  dem  Faksimile  der  Unterschriften  der  Kommissionsmitglieder
  versehen  und  von  dem  Stadt-Empfänger  ausgefertigt.  Denselben
  ist  ein  Abdruck  dieses  Privilegiums  beizufügen.

g.  5.

Den  Obligationen  werden  für  die  nächsten  fünf  Vhre  Zinskupons  und
„Talons  nach  dem  beigefügten  Schema  beigegeben.  Mit  Ablauf  dieser  und  jeder
folgenden  fünfjährigen  Periode  werden  nach  vorheriger  öffentlicher  Bekanntmachung
  (§.  14.)  neue  Zinskupons  und  Talons  durch  die  Stadtkasse  gegen  Abgabe
der  älteren  Talons,  oder,  wenn  letztere  abhanden  gekommen  sein  sollten,  dem  recht-Meitigen
  Vorzeiger  der  Obligation  ausgereicht,  sofern  nicht  schon  der  Austausch

er  betreffenden  neueren  gegen  die  älteren  Talons  vollzogen  sein  möchte.  Im
Falle  des  Abhandenseins  des  älteren  Talons  wird  hiervon  auf  der  Obligation
ermerk  gemacht.

Die  Kupons  und  Talons  werden  mit  dem  Faksimile  der  Unterschriften
der  Kommissionsmitglieder  C.  3.)  und  des  Stadt-Empfängers,  sowie  mit  dem
Stempel  der  Stadtgemeinde  Cöln  versehen.  «  -

§.6.

Von  dem  Verfalltage  ab  wird  gegen  Ablieferung  der  Zinskupons  der
Betrag  derselben  an  den  Vorzeiger  durch  die  Stadtkasse  gezahlt)  auch  nimmt  letztere
die  fälligen  Kupons  bei  allen  Zahlungen,  namentlich  bei  Entrichtung  der  Kommunalsteuern
  in  Zahlung  an.

K.  7.

Die  Iinskupont  werden  ungültig  und  werthlos,  wenn  sie  bunnen  fünf
Jahren  nach  der  Verfallzeit  zur  Lahlun  nicht  präsentirt  werden.  Die  dafür
ausgesetzten  Fonds  verfallen  zum  Vortheil  der  Stadtkasse.  5##
        <pb n="1856" />
        —  1679  —

S.  8.

Die  Nummern  der  zu  tilgenden  Obligationen  werden  jährlich  durch  das
Loos  bestimmt  und  wenigstens  drei  Monate  vor  dem  Zahlungstermine  öffentlich
bekannt  gemacht.  ·
§.9.

Die  Verloosung  geschieht  unter  dem  Vorsitz  des  Oberbürgermeisters  durch
die  Kommission  (F.  3.)  in  einem  14  Tage  vorher  durch  die  im  F.  14.  angeführten
Blätter  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringenden  Termine,  zu  welchem  das  Publikum
  Zutritt  hat.  Ueber  die  Verloosung  wird  ein  von  den  Kommissionsmitgliedern
zu  unterzeichnendes  Protokoll  aufgenommen.

KS.  10.

Die  Auchahlung  der  ausgeloosten  Obligationen  erfolgt  an  den  dazu  bestimmten
  Tagen  nach  dem  Nominalwerthe  durch  die  Soodese  an  den  Vorzeiger
der  Obligationen  gegen  Auslieferung  derselben  und  der  Talons.  Mit  dem  zur
Auszahlung  bestimmten  Tage  hört  die  Verzinsung  der  ausgeloosten  Obligationen
auf.  Mit  letzteren  sind  zugleich  die  ausgereichten,  nach  dem  Zahlungstermine  fälligen
  Zinskupons  einzulleßrn  geschieht  dies  nicht,  so  wird  der  Betrag  der  fehlenden
  Kupons  von  dem  Kapital  gekürzt  und  zur  Einlösung  dieser  Kupons
enutzt.

KC.  11.

Die  Nummern  der  ausgeloosten,  nicht  zur  Einlösung  vorgezeigten  Obligationen
  werden  in  der  nach  der  Bestimmung  unter  §.  8.  riich  u  erlassenden
Bekanntmachung  wieder  in  Erinnerung  gebracht.  erden  die  Obligationen  uneachtet
  der  öffentlichen  Bekanntmachung  nicht  binnen  dreißig  Jahren  nach  dem
Schlungskermine  —F  Einlösung  vorgezeigt,  auch  nicht  als  verloren  oder  vernichtet
um  Behuf  der  Ertheilung  neuer  Obligationen  binnen  dieser  Frist  angemeldet,
62.  sollen  nach  deren  Ablauf  die  Obligationen  als  getilgt  angesehen  werden.

K.  12.

Die  Nummern  der  etwa  aus  freier  Hond  von  der  Stadt  angekauften  und
nicht  verloosten  Obligationen  sollen  ebenfalls  durch  die  im  K.  14.  angeführten
Blätter  publizirt  werden.

K.  13.

Für  die  Verzinsung  und  Tilgun  fasftet  die  Stadtgemeinde  Cöln  mit
ihrem  Vermögen  und  ihren  gesammten  Einkünften,  insbesondere  mit  dem  Reinertrage
  der  Wasserwerke,  für  deren  Anlage  die  Anleihe  bestimmt  ist.  Wenn  die
Jinsen  oder  die  ausgeloosten  Obligationen  nicht  zur  rechten  Zeit  gezahlt  werden,
so  kann  die  Zahlung  von  den  Gläubigern  gerichtlich  verfolgt  werden.

r.  6877.)  221°  S.  14.
        <pb n="1857" />
        —  1680  —

*ie

Die  in  den  P.  5.  8.  9.  11.  und  12.  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen
erfolgen  durch  zwei  in  Cöln  erscheinende  Zeitungen  und  durch  das  Amtsblatt  oder
den  öffentlichen  Anzeiger  Unserer  Regierung  in  Cöln.

KC.  15.

In  Ansehung  der  verloren  gegangenen  oder  vernichteten  Obligationen  oder
Zinskupons  finden  die  auf  die  Staatsschuldscheine  und  deren  Zinskupons
Bezug  habenden  Vorschriften  der  Verordnung  vom  16.  Juni  1819.  wegen  des
Aussbons  und  der  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Staatspapiere  §9.  1.
bis  13.  mit  nachstehenden  näheren  Bestimmungen  Anwendung:

a)  die  im  F.  1.  fener  Verordnung  vorgeschriebene  Anzeige  muß  der  im  H.  3.
dieses  Privilegiums  genannten  Kommission  gemacht  werden.  Dieser
werden  alle  diejenigen  Geschäfte  und  Befugnisse  beigelegt,  welche  nach
der  angeführten  Verordnung  dem  Schatzministerium  zukommen;  gegen
die  Verfügungen  der  Kommission  findet  jedoch  der  Rekurs  an  Unsere
Regierung  in  Cöln  statt;

b)  das  im  §.  5.  der  Verordnung  gedachte  Aufgebot  erfolgt  bei  dem  Landgerichte
  in  Cöln;

c)  die  in  den  I#§.  6.  9.  und  12.  derselben  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen
sollen  durch  die  im  F.  14.  dieses  Privilegiums  angeführten  Blätter
geschehen,

an  die  Stelle  der  im  F.  7.  der  Verordnung  erwähnten  sechs  Zinszahlungs-Termine
  sollen  vier,  und  an  die  Stelle  des  im  F.  8.  erwähnten  achten
Zinszahlungstermins  soll  der  fünfte  treten.

Zur  Urkunde  dieses  und  zur  Sicherheit  der  Gläubiger  haben  Wir  das
wegemwäriige,  durch  die  Gesetz.  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringende
andesherrliche  Privilegium  Allerhöchsteigenhändig  vollzogen  und  unter  Unserem
Königlichen  Insiegel  ausfertigen  lassen,  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern  der
Obligationen  in  Ansehung  ihrer  Befriedigung  eine  Gewährleistung  von  Seiten
des  Staates  zu  bewilligen  oder  Rechten  Dritter  zu  präjudiziren.

Gegeben  Ems,  den  14.  August  1867.

(I.  SS.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

Rhein-
        <pb n="1858" />
        —  1681  —
Nheinprovinz,  Negierungebezirk  Cöln.

Talon.
Anleihe  für  die  Anlage  von  Wasserwerken.

Inhöber  dieses  Talons  npfangt  egen  dessen  Rückgabe  zu  der  Cölner  Stadt-Obligation
  Littr.  übzer  .  .  .  .  ...  Thaler  Kurant  die  .  te  Serie

Zins-Kupons  für  die  —*  vom.  4  -.....  btszum.tm..........  bei
der  Stadtkasse  in  Cöln.  "
Cöln,  den  teten  .  .  .  18.
.  .  Die  Kommittirten  der  Stadtverordneten-O

Der  Oberbuͤrgermeister.  Versammlung.

Der  Stadt-Empfänger.

GCaufende,  er  des  Anl  a  ge  von  W  asserwerken.  Caufend·  weenner  des
Zins-Kupon
zur
Cölner  Stadt-Obligation
Littrt.  ——
über  Thaler  Preußisch  Kurant.
Inhaber  dieses  empfängt  am.  "  die  Zinsen  der  obengenannten.
Obligetton  für  die  Zeit  vom  ..ten  .  ....  bis  zum  en

der  Stadtkasse  zu  Cöln  mit#-  Thll.  Sgr.  .  .  .  ..  Pf.,  buchstibli
..........  Dalekn  Silbergtoschen  .  ..  Plennigen.

Cöln,  den  ..  ten  .....  ...

Die  Kommittirten  der  Stadtverordneten-Versammlung.


Der  Stadt-Empfaänger.

Der  Oberbuͤrgermeister.

(Auf  der  Ruͤckseite:)

eser  Kupon  wird  ungültig  und  werthlos,  wenn  dessen  Betrag  fünf  Jahre  nach
Verfall  Da  erhoben  ist.

(Nr.  6877.),  Littr.
        <pb n="1859" />
        Eingetragen  Folio-„Hundert
  Thaler  Preussisch  Courant.

Cölner  Stadt-Obligation.

 

 

Littr..  „——
Nheinprovinz,  Negierungsbezirk  Cöln.
Anleihe  zur  Bestreitung
der  Anlagekosten  öffentlicher  Wafferwerke  in  Cöln.

Cölner  Stadt-Obligation

(Stadtstempel)
über  32/zk  #  e#
buchstäblich  ..  ....  ..  ..  ...  .  ..  .  .  ..  Thaler  Preußisch  Kurant.

Die  Endesunterzeichneten,  durch  das  Allerhöchste  Privilegium  vom
.  .  ..  hierzu  ausdrücklich  ermächtigt,  beurkunden  und  bekennen
  hiermit,  daß  der  Inhaber  dieser  Obligation  die  Summe  von
.....  Thalern  Kurant,  deren  Empfang  als  Darlehn  sie  bescheinigen,
an  die  Stadtgemeinde  Cöln  zu  fordern  hat.

Die  auf  vier  und  einhalb  Prozent  fähriich  kohgefeienn  eil
sind  in  halbjährlichen  Raten  am  2.  Uanum  und  am  1.
Jahres  fällig,  werden  aber  nur  gegen  Rückgabe  der  zanrser  *
Kupons  gezahlt.

Die  näheren  Bedingungen  si  s  nd  in  dem  umstehend  abgedruckten
Allerhöchsten  Privilegium  enthalten.

Cöln,  den  ..  teñ  ...  ...  18

Die  staͤdtische  Kommission.
Der  Oberbürgermeister.  Die  Kommittirten  der  Stadtverordneten-Versammlung.
Ausgefertigt.
Der  Stadt.  Empfänger.

(Auf  der  Rückseite:)

Privilegium  zur  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen
der  Stadt  Cöln  zum  Getrage  von  800,000  Thalern.

Vom  ten  ..  ..  .  .  .  .  ..  18..
(Abdruck  des  Privilegiums.)

 

 

 

EIEEIEIIEEIEIIIIIIEIEIIIIIIIIIIIIIEIIIIIIIIIE.

 

Jur  o  )  Nosissne1.1  Jolc#pun

Nr.  6878.)
        <pb n="1860" />
        –—  1688  —

(Nr.  6878.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  25.  September  1867,  betreffend  die  Grundsätze,  nach
welchen  bei  der  V  setzung  der  Stadtgemeinde  Frankfurt
  a.  M.  mit  dem  Staate  in  Betreff  der  Kriegsleistungen  und  Lasten
verfahren  werden  soll.

#  f  Ihren  Bericht  vom  24.  d.  M.  bestimme  Ich  hierdurch,  daß  bei  der  Vermöten
  ens-Auseinandersetzung  der  Stadtgemeinde  Frankfurt  a.  M.  mit  dem  Staate
etreff  der  Kriegsleistungen  und  Lasten  nach  denselben  Grundsätzen  verfahren
werden  soll,  welche  in  den  andern  neu  erworbenen  Ländern  zur  Anwendung  kommen,
  und  daß  die  zur  Deckung  von  Kriegslasten  gemachten  Anleihen  als  Schulden
des  früheren  Staats  Frankfurt  anzuerkennen  und  zu  behandeln  sind.

Baden--Baden,  den  25.  September  1867.
Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.

An  den  Präsidenten  des  Staatsministeriums
und  den  Finanzminister.

 

(Nr.  6878—6879.)  (Nr.  6879.)
        <pb n="1861" />
        —  1684  —

(Nr.  6879.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  25.  September  1867.,  betreffend  die  Revenüen  des
Kurhessischen  Hausschatzes.

N  durch  den  Vertrag  vom  17.  September  1866.  das  lebenslängliche
Recht  Seiner  Königlichen  Hoheit  des  Kurfürsten  Friedrich  Wilhelm  auf  die  N
nießung  des  Kurfürstlich  Hessischen  Familienfideikommisses  anerkannt  worden  ist,
will  Ich  über  den  Bezug  der  Einkünfte  dieses  Fideikommisses  nach  dem  Ableben
Seiner  Königlichen  Hoheit  die  Beschlußnahme  Mir  bis  auf  Weiteres  vorbehalten.
Ich  bestimme  jedoch,  daß  die  jährlichen  Revenüen  des  zur  Succession  in  das
Kurhessische  Familienfideikommiß  berufenen  Familiengliedes  bis  auf  Hüte  von
250,000  Rthlr.  aus  dem  Hausschatze  ergänzt  werden  sollen,  soweit  die  äge
des  letzteren  dazu  ausreichen.

Baden  -Baden,  den  25.  September  1867.
Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.

An  den  Präsidenten  des  Staatsministeriums
und  den  Finanzminister.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Gehelmen  Ober-  Hofbuchdruckerei
.  (R.  v.  Decker).
        <pb n="1862" />
        —  1685  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

JNr.  108.  —

 

(Nr.  6880.)  Verordnung  über  bürgerliche  Eheschließung  im  Gebiete  des  ehemaligen  Königreichs
  Hannover.  Voml  29.  September  1867.

N  s
Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

verordnen  für  das  Gebiet  des  ehemaligen  Königreichs  Hannover,  nach  Anhörung
des  Provinziallandtages,  was  folgt:

S.  1.

Ehen  zwischen  Personen,  welche  einer  Religionsgesellschaft,  deren  Geistliche
zur  Trauung  mit  bürgerlicher  Wirksamkeit  ermächtigt  sind,  nicht  angehören,
können  durch  Eintragung  in  ein  gerichtlich  zu  führendes  Register  gecchlossen
werden.  Dasselbe  findet  statt,  wenn  auch  nur  eines  der  Brautleute  einer  solchen
Religionsgesellschaft  angehört.

Daneben  bleibt  es  wie  bisher  zulässig,  solche  Ehen  in  kirchlicher  Form
unter  Mitwirkung  eines  zur  Trauung  mit  bürgerlicher  Wirksamkeit  ermächtigten

Geistlichen  zu  schließen.
.  2.

Die  Führung  der  im  F.  1.  genannten  Register  liegt  nach  näherer  Anweisung
  des  Justizministers  den  Amtsgerichten  ob.

K.  3.
Nur  der  Amtsrichter,  in  dessen  Bezirke  einer  der  Brautleute  den  Wohnsitz
hat,  darf  die  Eintragung  vornehmen.
och  ist  durch  Einhaltung  dieser  Vorschrift  die  Gültigkeit  der  Eheschließung
  nicht  bedingt.
-  §.·4.

Der  Eheschließung  muß  ein  Aufgebot  vorangehen.  Dasselbe  ist  bei  dem
Amtsrichter  des  Orts,  an  welchem  die  Brautleute  den  Wohnsitz  haben,  und
wenn  dieselben  in  verschiedenen  Amtsgerichtsbezirken  wohnen,  bei  jedem  der  beiden

Jahrgang  1867.  (Nr.  6880.)  222  Amts-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  30.  September  1867.
        <pb n="1863" />
        —  1686  —

ai  cht  in  Antrag  zu  bringen  und  erst  dann  zu  veranlassen,  wenn  der
Amtsrichter  sich  die  Ueberzeugung  verschafft  hat,  daß  die  zur  bürgerlichen  Gültigkeit
  der  Ehe  gesetzlich  nothwendigen  Erfordernisse  vorhanden  sind.

Das  Aufgebot  erfolgt  durch  eine  an  der  Gerichtsstelle  während  14  Tagen
auszuhängende  und  mindestens  14  Tage  vor  der  Eheschließung  in  einem  öffentlichen
  Blatte  nach  Auswahl  des  Gerichts  einzurückende  Bekanntmachung.

S.  5.
Zu  der  Eintragung  in  das  Register  ist  erforderlich:
1)  der  Nachweis  des  Aufgebots;
2)  die  persönliche  Enllärung  der  Brautleute  vor  dem  die  Eintragung  vornehmenden

  Amtsrichter,  daß  sie  fortan  als  ehelich  verbunden  sich  betrachten
  wollen.  "

s.

6.
Die  bürgerliche  Göltigket  der  so  geschlossenen  Ehen  beginnt  mit  dem  Zeit.-punkte
  der  Eintragung  der  Ehe  in  das  Register.

S.  7.

Ueber  die  Erklärung  1  5.  Nr.  2.  hut  der  Richter  unter  Zuziehung
eines  verpflichteten  Protokollführers  ein  Protokoll  aufzunehmen,  welchem  1ie  eingereichten
  Bescheinigungen  beizufügen  sind.  Auf  Grund  dieses  Protokolls  hat  er,
den  Nachweis  des  Aufgebote  (§.  5.  Nr.  I.)  vorausgesetzt,  den  Heirathsfall  sofort
in  das  Register  einzutragen  und  darüber  ein  Attest  auszufertigen.

g.  8.
Zur  Beseitigung  etwaiger  Zweifel  darüber,  ob  ein  Theil  einer  Religionsesellschaft,
  deren  Geistliche  zur  Trauung  mit  bürgerlicher  Wirksamkeit  ermächtigt
*5  nicht  angehört,  genügt,  daß  derselbe  dem  Richter  versönlich  seinen  Willen,
solcher  Religionsgesellschaft  nicht  (ferner)  angehören  zu  wollen,  erklärt.

G.  9.

Das  für  Evangelische  geltende  Eherecht  gilt  auch  als  Eherecht  für  die  im
§.  1.  genannten  Personen.

S.  10.

Insoweit  nicht  durch  die  gegenwärtige  Verordnung  abweichende  Bestimmungen
getroffen  sind,  haben  die  Gerichte  bei  dem  Aufgebote  und  der  Führung  des  Registers
  diejenigen  Vorschriften  sinngemäß  zu  befolgen,  welche  den  Geistlichen  der
anerkannten  Kirchen  für  das  Aufgebot  und  die  Führung  der  Kirchenbücher
ertheilt  sind.

G.  11.
        <pb n="1864" />
        —  1687  —

A  11.

Für  die  den  Gerichten  durch  die  gegenwärtige  Verordnung  überwiesenen
Geschäfte  sind  Gebühren  zu  entrichten,  über  deren  Betrag  der  Justizminister  nähere
Bestimmung  zu  treffen  hat.

8.  12.

Die  Gültigkeit  jüdischer  Ehen  ist  durch  Trauung  eines  Landrabbiners  oder
des  von  einem  solchen  dazu  ermächtigten  Unterrabiners  bedingt.

Im  Uebrigen  wird  in  Betreff  der  Ehen  der  Juden  durch  die  gegenwärtige
Verordnung  nichts  geändert.

K.  13.
Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  30.  d.  M.  in  Kraft.

sürburdc  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Infiegel.
Gegeben  Schloß  Mainau,  den  29.  September  1867.

(#.  .)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.  Flhh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6880—es8I.)  —  (Nr.  6881.)
        <pb n="1865" />
        —  1688  —

Nr.  6881.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen  der  Stadt
Stettin  im  Betrage  von  500,000  Thalern.  Vom  17.  August  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

Nachdem  der  Magistrat  zu  Stettin  im  Einverständnisse  mit  der  dortigen
Stadtverordneten-Versammlung  darauf  angetragen  hat,  zu  verschiedenen  im  Interesse
  der  Gemeinde  nöhhig.  gewordenen  Bauten  und  zur  Bestreitung  anderer  außerordentlicher
  städtischer  Ausgaben  ein  neues  uu  von  fünfhundert  Tausend
Thalern  aufnehmen  und  zu  diesem  Zwecke  auf  den  Inhaber  lautende,  mit
Zinskupons  versehene  Stadt-Obligationen  ausgeben  zu  dürfen,  ertheilen  Wir  in
Gemäßheit  des  F.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  wegen  Ausstellung  von
Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung  an  jeden  Inhaber  enthalten,  durch

Sgenwärrtiges  Privilegium  zur  Ausstellung  von  fünfhundert  Tausend  Thalern
Stettiner  Stadt-Obligationen,  welche  nach  dem  anliegenden  Schema,  und  zwar:

in  2500  Stück  à  20  Thaler  =  50,000  Thaler,
"  1000  à  50  =  5000
.3000  à  100  =  300000
.  200  à  500  =  1000000

Summa  =  500,000  Thaler,

auszufertigen,  in  fünf  Serien  von  je  100,000  Thalern  zu  verausgaben,  mit  vier
und  einem  halben  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  und  —  von  Seiten  der  Gläubiger
  unkündbar  —  nach  dem  bes  ellten  Tilgungsplane  durch  Verloosung  innerbalb
  neununddreißig  Jahren  von  Zeit  der  Emission  an  zu  amortisiren  sind,  mit

orbehalt  der  Rechte  Dritter,  Unsere  landesherrliche  Genehmigung,  ohne  jedoch
dadurch  den  Inhabern  der  Obligationen  in  Ansehung  ihrer  Beheerbiguan  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  zu  bewilligen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Kassel,  den  17.  August  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

.

(Stet-
        <pb n="1866" />
        —  1689  —

(Stettiner  Stadtwappen.)

Obligation

der  Stadt  Stettin
Littr.  H.  W  1.  (tesp.  2.  3.  4.  5.)  Serie

—
über
Thaler  Preußisch  Kurant.

(Ausgefertigt  in  Gemäßheit  des  landesherrlichen  Privilegiums  v..  ..
Gesetz  Samml.  von  1867.  Stück  )

Der  Magistrat  der  Stadt  Stettin  urkundet  und  bekennt  hiermit,  daß  der  Inaber

  dieser  Obligation  (in  Worten)  Thaler  Preußisch  Kurant,  deren  Empfang
ierdurch  bescheinigt  wird,  als  ein  Darlehn  von  der  hiesigen  Stadtgemeinde  zu
ordern  hat.  Diese  Schuldsumme  bildet  einen  Theil  der  auf  Grund  des  Allerhöchsten
  Privilegiums  vvvor  aufgenommenen  Anleihe  von
500,000  Thalern.

Die  Tilgung  des  Anleihekapitals  geschicht  mittelst  Verloosung  der  Obli-Laionen
  nach  einem  von  der  Staatsbehörde  genehmigten  Amortisationsplane  mit
inem  Prozent  lährlich  und  den  ersparten  Iunsen  der  eingelösten  Obligationen.
Den  Kommunalbehörden  bleibt  jedoch  das  Recht  vorbehalten,  den  Tilgungsfonds
ꝛ  verstärken  oder  auch  sämmtliche  Obligationen  auf  einmal  zu  kündigen,  wogegen
een  Inhabern  der  Obligationen  gegen  die  Stadt  ein  Kündigungsrecht  nicht  zusteht.
  Bis  zu  dem  an  welchem  solchergestalt  das  Kapital  nach  der  deshalb
durch  den  Preußischen  Staatsanzeiger,  durch  das  Amtsblatt  der  Königlichen  Re.
gierung  hierselbst  und  durch  eine  der  hier  erscheinenden  Zeitungen  zu  erlassenden
öffentlichen  Bekanntmachung  den  Inhabern  der  Obligationen  auszuzahlen  ist,  wird
dasselbe  in  halbjährigen  Terminen  mit  vier  und  einhalb  Prozent  jährlich  gegen
Einlieferung  der  zu  den  Obligationen  gehörigen  Zinskupons  verzinst.

Mit  diser  Schuldverschreibung  sind  halbjährige  Zinsscheine  ausgegeben;
  die  ferneren  Zinsscheine  werden  für  fünfjährige  Perioden  ausgegeben
werden.  Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinsschein-Serie  erfolgt  bei  der  Stettiner
Kämmereikasse  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinsschein-Serie  beigedruckten

(Nr.  (361.)  Ta-
        <pb n="1867" />
        —  1690  —

Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen  Zinsschein.
  Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung
rechtzeitig  geschehen  ist.  Für  die  Sicherheit  des  Kapitals  und  der  Zinsen  haftet
das  Gesammtvermögen  und  die  Gesammteinnahme  der  Stadt.

Stettin,  den  1H.  18.
(L.  S.)
Der  Magistrat.

(Unterschrift  des  Maistratsbirigenten.  und  wenigstens  hech  eines  Magistratsmitgliedes  unter

eifügung  der  Amttstitel.
        <pb n="1868" />
        —  1691  —

Serie  ..  ...  ....  Thaler  Preußisch  Kurant.
Kupon  .....  eSest  :i)
Kupon
zur
Obligation  der  Stadt  Stettin
Littr.  PM.  -
über
.......  ThaletKntaut.
ausdFETkänåmäkåkåekRaskx.«T’.:.·.«.·.«:.··T·k,«1kk·:Mkkkklkkcheszkszän
Stettin,den..M..........  18..

Der  Magistrat.

(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  noch  eines  anderen  Magistratsmitgliedes
  unter  Beifügung  der  Amistitel.)

NB.  Vier  Jahre  nach  Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  verliert  dieser
Kupon  seine  Gültigkeit.

(Nr.  6881.)  Ta-
        <pb n="1869" />
        —  1692  —

DTalon
zur  Obligation  (htwiei))  der  Stadt  Stettin

Littr.  M.  4

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  die  .###  Serie
Zinskupons  für  die  .  Jahre  von  ..  ..  bis  Wird  hiergegen  rechtzeitig
  bei  uns  Widerspruch  erhöben,  so  erfolgt  die  Ausreichung  der  neuen  Kupons
an  den  Besitzer  der  gedachten  Obligation  gegen  besondere  Quittung.

Stettin,  den  #en  18.

Der  Magistrat.

(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  noch  eines  anderen  Magistratsmitgliedes
  unter  Beifügung  der  Amtstitel.)

Redigirt  im  Bürean  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Gehelmen  Ober-Hofbachdruckerel
(N.  v.  Oecker).
        <pb n="1870" />
        Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  100.

 

(Nr.  6882.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen  der  Stadt
Bielefeld  im  Betrage  von  200,000  Thalern.  Vom  12.  August  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

ertheilen,  nachdem  der  Magistrat  und  die  Stadverordneten  =  Versammlung  zu
Bielefeld  darauf  angetragen  haben,  zum  Zweck  der  Bestreitung  der  Kosten  mehrerer
gemeinnütziger  Bauten  ihnen  zur  Aufnahme  eines  Darlehns  von  200,000  Thalern,
eschrieben  zweihundert  Tausend  Thalern,  gegen  Ausstellung  auf  den  Inhaber
autender  und  mit  Zinskupons  versehener  Obligationen  Unsere  landesherrliche
Genehmigung  zu  ertheilen,  und  bei  diesem  Antrage  im  Interesse  der  Stadtgemeinde
sowohl  als  der  Gläubiger  sich  nichts  zu  erinnern  gefunden  hat,  in  Gemäßheit
des  §.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  wegen  Ausstellung  von  Papieren,
welche  eine  Zahlungsverpflichtung  an  jeden  Inhaber  enhalten,  durch  gegenwärtiges
Privilegium  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  zur  Ausgabe  der  gedachten  Obligationen
  unter  nachstehenden  Bedingungen.

K.  1.

Es  werden  ausgegeben  Eintausend  Obligationen,  jede  zu  zweihundert  Thalern,
ausmachend  überhaupt  zweihunderttausend  Thaler,  welche  nach  Bedürfniß  in  Raten
nach  und  nach  ausgegeben  werden;  die  Verausgabung  der  einzelnen  Serien  erfolgt
in  Gemäßheit  eines  besonderen  Beschlusses  der  Stadtbehörden  mit  Genehmigung
Unserer  Regierung  zu  Minden.

Die  Obligationen  werden  mit  fünf  vom  Hundert  jährlich  verzinst  und  die
Zinsen  in  halbjährlichen  Terminen,  am  1.  April  und  am  1.  Oktober,  von  der
städtischen  Gemeindekasse  in  Bielefeld  gegen  Rückgabe  der  ausgefertigten  Zinskupons
bezahlt.  Zur  Tilgung  der  Schuld  wird  jährlich  Ein  und  ein  halbes  Prozent  von
dem  Kapitalbetrage  der  Obligationen  nebst  den  Zinsen  der  eingelösten  Obligationen
verwendet.  Der  Stadtgemeinde  bleibt  Abdoch  vorbehalten,  den  Tilgungsfonds  mit
Genehmigung  Unserer  Regierung  zu  Minden  zu  verstärken  und  dadurch  die  Ab.
tragung  der  Schuld  zu  beschleunigen.  Den  Inhabern  der  Obligationen  steht  kein
Kündigungsrecht  gegen  die  Stadtgemeinde  zu.  Z

Jahrgong  1867.  (Nr.  6882.)  223  F  2.

Ausgegeben  zu  Berlit  den  B.  Oktober  1867.
        <pb n="1871" />
        —  1694  —

.  2.

Zur  Leitung  der  Geschäfte,  welche  die  Ausstellung,  Verzinsung  und  Tilgung
der  auszugebenden  Obligationen  betreffen,  wird  eine  besondere  Schuldentilgungs-Kommission
  gewählt,  welche  für  die  treue  Befolgung  der  gegenwärtigen  Bestimmungen
  verantwortlich  ist  und  zu  dem  Ende  von  Unserer  2  Werung  zu  Minden
in  Eid  und  Pflicht  genommen  wird.  Dieselbe  soll  aus  drei  Mitgliedern  bestehen,
von  denen  Eins  aus  dem  Magistrate,  Eins  aus  der  Stadtverordneten-Versammlun
und  Eins  aus  der  Bürgerschaft  zu  wählen  ist.  Das  erstgedachte  Mitglied  wis
vom  Bürgermeister,  die  beiden  anderen  Mitglieder  werden  von  der  Stadtverordneten-Versammlung
  gewählt.

S.  3.

Die  Obligationen  werden  in  fortlaufenden  Nummern  und  zwar  jede  Obligation
  zu  zweihundert  Thalern,  von  Eintausend  und  Eins  bis  inkl.  zweitausend
nach  dem  angehängten  Schema  ausgestellt,  von  dem  Bürgermeister  und  den
Mitgliedern  der  Schuldentilgungs-Kommission  unterzeichnet  und  von  dem  Rendanten
  der  Gemeindekasse  kontrasignirt.  Denselben  ist  ein  Abdruck  dieses  Privilegiums
  beizufügen.

S.  4.

Den  Obligationen  werden  für  die  nächsten  fünf  Jahre  zehn  Zinskupons,
jeder  zu  fünf  Thalern,  in  den  darin  bestimmten  halbjährigen  Terminen  zahlbar,
nach  dem  angehängten  Schema  beigegeben.

Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons=  Serie  erfolgt  nach  vorheriger  öffentacher
  Bekanntmachung  (wie  im  K.  7.)  bei  der  Gemeindekasse  zu  Bielefeld,  gegen
Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten  Talons.  Beim  Veluste
  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen  Zinskupons-Serie  an  den
Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

Die  Kupons  und  Talons  werden  mit  den  Unterschriften  des  I#germessers,
der  Mitglieder  der  Schuldentilgungs-Kommission  und  des  Rendanten  der  Gemeeindelasse
  in  Faksimile  versehen.

G.  5.

Vom  Verfalltage  ab  wird  gegen  Auslieferung  der  Zinskupons  der  Betrag
derselben  an  den  Vorzeiger  durch  die  ädeische  Gemeindekasse  gezahlt.  Auch  werden
die  fälligen  Zinskupons  bei  allen  Zahlungen  an  diese  Kasse,  namentlich  bei  Entrichtung
  von  Kommunalsteuern,  in  Zahlung  angenommen.

S.  6.

Die  Zinskupons  werden  ungültig  und  werthlos,  wenn  sie  nicht  binnen
vier  Jahren  nach  Ablauf  des  Jahres  der  willigten  zur  Zahlung  präsentirt  werden;
die  dafür  ausgesetzten  Fonds  verfallen  zum  Vortheil  der  Kämmereikasse  zu
Bielefeld  zu  gemeinnützigen  Zwecken.

K.  7.
        <pb n="1872" />
        —  1695  —

S.  7.

Die  Nummern  der  nach  F.  1.  zu  tilgenden  Obligationen  werden  jährlich
durch  das  Loos  bestimmt  und  wenigstens  drei  Monate  vor  dem  Zahlungstermine
öffentlich  bekannt  gemacht,  und  zwar  durch  das  Bielefelder  Wochenblatt,  durch
das  Amtsblatt  Unserer  Regierung  zu  Minden  und  durch  die  Cölnische  Zeitung.

g.  8.

Die  Verloosung  geschieht  unter  dem  Vorsitze  des  Bürgermeisters  durch  die
Schuldentilgungs-Kommission  in  einem  14  Tage  vorher  durch  die  im  7.
bezeichneten  Blätter  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringenden  Termine,  zu  welchem
dem  Publikum  der  Zutritt  gestattet  ist.

Ueber  die  Verloosung  wird  ein  von  dem  Bürgermeister  und  den  Mitgliedern
der  Kommission  zu  unterzeichnendes  Protokoll  aufgenommen.

K.  9.

Die  Auszahlung  der  ausgeloosten  Obligationen  erfolgt  an  den  dazu  bestimmten
  Tagen  nach  dem  Nominalwerthe  durch  die  städtische  Gemeindetasse  an
den  Vorzeiger  der  Obligationen  gegen  Auslieferung  derselben.  Mit  diesem  Tage
hört  die  Verzinsung  der  ausgeloosten  Obligationen  auf.

Mit  letzteren  sind  zugleich  die  ausgereichten,  nach  deren  Zahlungsterminen
fälligen  Zinskupons  enltefern)  geschieht  dies  nicht,  so  wird  der  Betrag  der  fehlenden
  Iinskupons  von  dem  Kapital  gekürzt  und  zur  Einlösung  dieser  Kupons
verwendet.

K.  10.

Die  Kapitalbeträge  derjenigen  ausgeloosten  Obligationen,  welche  nicht
binnen  drei  Monaten  nach  dem  Zahlungstermine  zur  Einlösung  vorgezeigt,  sollen
der  Verwaltung  der  städtischen  Sparkasse  als  zinsfreies  Depositum  überwiesen
werden.

Die  solchergestalt  deponirten  Kapitalbeträge  dürfen  nur  auf  eine  von  der
Schuldentilgungs  -  Kommission  kontrasignirte  Anweisung  des  Bürgermeisters  zu
bestimmungsmäßiger  Verwendung  an  den  Rendanten  der  Gemeindekasse  verabreicht
werden.  Die  deponirten  Kapitalbeträge  sind  den  Inhabern  jener  Obligationen
lunen  in  acht  Tagen  nach  Vorzeigung  der  Obligationen  bei  der  Gemeindekasse
durch  diese  auszuzahlen.

KC.  11.

Die  Nummern  der  ausgeloosten,  nicht  zur  Einlösung  vorgezeigten  Obliationen
  sind  in  den  nach  der  Bestimmung  unter  §.  7.  jährlich  zu  erlassenden
Hkanmemachungen.  wieder  in  Erinnerung  zu  bringen.

Werden  die  Obligationen,  dieser  wiederholten  Bekanntmachung  ungeachtet,
nicht  binnen  dreißig  Jahren  nach  dem  Fälligkeitstermine  zur  Einlösung  vorgezeigt,
auch  nicht,  der  Bestimmung  unter  §.  13.  gemäß  als  verloren  oder  vernichtet  zum
Behufe  der  Ertheilung  neuer  Obligationen  binnen  dieser  Frist  angemeldet,  so  sollen

(Fr.  6882.)  223°  nach
        <pb n="1873" />
        —  1696  —

nach  deren  Ablauf  die  Obligationen  als  getilgt  auzesehen.  werden  und  die  dafür
deponirten  Kapitalbeträge  der  Kämmereikasse  zur  Verwendung  zu  gemeinnützigen
Zwecken  anheimfallen.

K.  12.

Für  die  Verzinsung  und  Tilgung  der  Schuld  haftet  die  Stadt  Bielefeld
mit  ihrem  gesammten  Vermögen  und  ihren  sämmtlichen  Einkünften,  und  kann  die
Stadt,  wenn  die  Zinsen  oder  die  ausgeloosten  dbligenionen  nicht  zur  rechten  Zeit
gezahlt  werden,  auf  Zahlung  derselben  durch  die  Gläubiger  gerichtlich  verklagt
werden.

S.  13.

In  Ansebs  der  verlorenen  oder  vernichteten  Obligationen  oder  Zinskupons
finden  die  auf  die  Staatsschuldscheine  und  deren  Zinskupons  Bezug  habenden
Vorschriften  der  Verordnung  vom  16.  Juni  1819.  wegen  Aufgebots  und  Amortisation
  verlorener  oder  vernichteter  Staatspapiere  I#.  I.  bis  13.  mit  nachstehenden
näheren  Bestimmungen  Anwendung:

a)  die  im  HF.  1.  jener  Verordnung  vorgeschriebene  Anzeige  muß  der  städtischen
Schuldentilgungs-Kommission  gemacht  werden.  Dieser  werden  alle  diejenigen
  Geschäfte  und  Befugnisse  beigelegt,  welche  nach  der  angeführten
Verordnung  dem  Schatzministerium  zukommen;  gegen  die  Verfügung  der
sumsfon  findet  jedoch  der  Rekurs  an  Unsere  Regierung  in  Minden

attz

b)  das  im  .  5.  der  Verordnung  gedachte  Aufgebot  erfolgt  bei  Unserem
Kreisgerichte  in  Bielefeld;  8  8

e)  die  in  den  I#§.  6.  9.  und  12.  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen  sollen
durch  die  unter  H.  7.  dieses  Privilegiums  angeführten  Blätter  geschehen.

Zur  Urkunde  dieses  und  zur  Sicherheit  der  Gläubiger  haben  Wir  das
egenwärtige,  durch  die  Geseh,  Sammung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringende
andesherrliche  Privilegium  Allerhöchsteigenhändig  vollzogen  und  unter  Unferem
Königlichen  Insiegel  ausfertigen  lassen,  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern  der
Obligationen  in  Ansehung  WMerl  Befriedigung  eine  Gewährleistung  von  Seiten
des  Staats  zu  bewilligen  oder  Rechten  Dritter  zu  präjudiziren.

Gegeben  Ems,  den  12.  August  1867.
(I.  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

Pro-
        <pb n="1874" />
        —  1697  —
Provinz  Westphalen.  RNegierungebezirk  Minden.

Obligation

der  Stadt  Bielefeld
%  (I.  S.)  Thaler  200

über

Zweihundert  Thaler.

Die  Endesunterzeichneten,  durch  das  Allerhöchste  Privilegium  vom.
hierzu  ausdrücklich  ermächtigt,  beurkunden  und  bekennen  hiermit,  daß  Inhaber
  dieser  Obligation  die  Summe  von
Zweihundert  Thalern  Kurant,

deren  Empfang  sie  bescheinigen,  an  die  Stadt  Bielefeld  zu  fordern  hat.

Die  auf  fünf  Prozent  jährlich.  feligesehten  Zinsen  sind  am  1.  April  und
1.  Oktober  jeden  Jahres  fällig,  werden  aber  nur  gegen  Rückgabe  der  ausgefertigten
  balbsährigen  Zinskupons  gezahlt.  Das  Kapital  wird  durch  Amortisation
getilgt  werden,  weshalb  eine  Kündigung  Seitens  des  Gläubigers  nicht  zulässig  ist.

Die  näheren  Bestimmungen  8  in  dem  umstehend  abgedruckten  Privilegium

enthalten.
Bielefeld,  derorv.....  18.
Der  Bürgermeister.  Die  städtische  Schuldentilgungs-N.
  Kommission.

N.  N.  X.
Der  Gemeinde-Empfänger.
N.

Beigefügt  sind  die  Kupons  Ser.  I.  Nr.  I.  bis  10.  nebst  Talon,  die  folgenden
  Serien  Zinskupons  werden  gegen  Einlieferung  der  Talons  bei  der  Gemeindekasse
  verabreicht.

(Räckseit.)
Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen
  der  Stadt  Biclefeld  im  Betrage  von  200,000  Thalern.
om.  .........  .  ..  .  ...
(Folgt  der  Abdruck  des  Privilegiums.)

(Nr.  G#s2.)  Pro-
        <pb n="1875" />
        —  1698  —

Provinz  Westphalen.  Regierungsbezirk  Minden.

Serie  .....  5  Thaler.
Zinskupon
zur
Obligation  der  Stadt  Bielefeld  uͤber  200  Thaler
A  ...
Gemenehtet  empfängt  a.  ..  .  .  ..  18..  an  fälligen  Zinsen  aus  der
Fünf  Thaler.

Bielefeld,  deretss....  18..

Der  Buͤrgermeister.  Die  städtische  Schuldentilgungs-(Faksimile.)
  Kommission.

Der  Gemeinde-Empfanger.

Dieser  Kupon  wird  ungültig  und  werth.
los,  wenn  dieser  Betrag  in  vier  Jahren  nach
Ablauf  des  Jahres  der  Flligkest  nicht  erhoben
  ist.

 

provinz  Westphalen.  Negierungebezirk  Minden.

DTalon.

Inhaber  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  bei  der  Gemeindekasse  zu  Bielefeld
  zu  der  Obligation  der  Stadt  Bielefeld  über  Zweihundert  Thaler.  6
ie  ..  Serie  Zinskupons  für  die  fünf  Jahre  vom  ..  .  .  ..  .  .  .  .  is  ,
sofern  dagegen  bei  der  unterzeichneten  städtischen  Schuldentilgungs  ·  Kommission
kein  Widerspruch  eingeht.

Bielefeld,  de...  18.
Der  Bürgermeister.  Die  städtische  Schuldentilgungs-(Faksimile.)
  Kommission.

Der  Gemeinde-Empfänger.

 

(Nr.  6883.)
        <pb n="1876" />
        —  1699  —

(Nr.  6883.)  Statut  des  Entwässerungsverbandes  des  Narpe-  und  Kattenauerbruches  in  den
Kreisen  Gumbinnen  und  Stallupönen.  Vom  24.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

verordnen,  auf  Grund  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1853.  (Gesetz=  Samml.  vom
Jahre  1853.  S.  182.),  nach  Anhörung  der  Betheiligten,  was  folgt:

F.  1.
Unter  der  Benennung:
„Entwässerungsverband  des  Narpe-  und  Kattenauer  Bruches“,
wird  eine  Genossenschaft  mit  Korporationsrechten  gebildet.

Genossen  des  Verbandes  sind  alle  Grundbesitzer,  welche  von  den  Anlagen
desselben  Vortheil  haben.

Der  Verband  hat  seinen  Gerichtsstand  bei  dem  Kreisgerichte  zu  Gumbinnen.

F.  2.
Der  Zweck  des  Verbandes  ist,

durch  Regulirung  der  Narpe  und  des  Regoliesbaches,  sowie  durch  Erweiterung
  der  nach  diesen  Bächen  hinführenden  Wassergänge  und  Ziehung
  neuer  Gräben,  das  Narpebruch,  die  Pusperer  und  Kattenauer
Wiesen,  sowie  die  angrenzenden  Grundstücke  trocken  zu  legen.

Zur  Erreichung  dieses  Zweckes  sind  die  in  dem  Meliorationsplane  und
Kostenanschlage  des  Wasserbaumeisters  Kuckuck  vom  3./5.  April  1866.  aufgeführten
  Anlagen  auf  gemeinschaftliche  Kosten  der  Genossenschaft  auszuführen  und
zu  unterhalten.

Abänderungen  des  Planes,  welche  etwa  im  Laufe  der  Ausführung  zweckmäßig
  erscheinen,  bedürfen  der  Genehmigung  des  Ministers  für  die  landwirthschaftlichen
  Angelegenheiten.  '

§.3.
Ueber  die  vom  Verbande  zu  unterhaltenden  Anlagen  und  über  die  Grundstücke

  des  Verbandes  ist  ein  Lagerbuch  vom  Direktor  des  Verbandes  zu  führen,
in  welches  alle  Veränderungen  einzutragen  sind.

.  4.

Jeder  Verbandsgenosse  hat  das  Recht,  sich  des  Wassers  von  seinen  Ländereien
  durch  Zuleitung  zu  den  Hauptentwässerungszügen  des  Verbandes  zu  entledigen.
  Die  Anlage  und  Unterhaltung  solcher  t  eitungsgräben  ist  zunächst
Sache  der  einzelnen  dabei  besonders  Becheilgeen.  Ist  die  Zuleitung  jedoch  nur

(Nr.  6883)  durch
        <pb n="1877" />
        —  1  —

durch  Zusammenwirken  mehrerer  Grundbesitzer  ausführbar,  so  hat  der  Vorstand
dieselbe  zu  vermitteln  und  nöthigenfalls  auf  Kosten  der  speziell  dabei  Betheiligten
durchzufuhren,  nachdem  der  Plan  dazu  und  das  Beitragsverhältniß  dem  Vortheile
  eines  Jeden  entsprechend  von  den  Staatsverwaltungsbehörden  nach  Anhörung
  der  Interessenten  nen  estellt  ist.

Die  Unterhaltung  dieser  Anlagen  hat  der  Vorstand  ebenfalls  zu  beaufsichtigen.


G.  5.

Innerhalb  des  Entwässerungsgebietes  darf  das  Wasser  der  Abzugsgräben
nur  unbeschadet  des  im  Meliorationsplane  vorgesehenen  Entwässerungszweckes  und
nur  mit  Genehmigung  des  Vorstandes  aufgestaut  werden.  Der  letztere  bestimmt
auch  über  die  dnn  und  Zeit  der  Stauung  und  ist  gegen  dessen  Bestimmungen
nur  die  Beschwerde  an  die  Verwaltungsbe

hörden  zulässig,  deren  Entscheidung
endgültig  ist.  zulans/

g.  6.

Der  Verband  ist  befaßt,  soweit  dies  zur  Ausführung  des  Meliorationsplanes
  erforderlich  ist,  die  Abtretung  fremden  Grund  und  Bodens,  die  Einräumung
  einer  Servitut  und  die  vorübergehende  Benutzung  von  Grundstücken
gegen  Entschädigung  nach  den  Bestimmungen  des  Gesetzes  vom  15.  November
1811.  (Gesetz  Samml.  S.  352.)  zu  verlangen.

Die  Genossen  des  Verbandes  haben  den  erforderlichen  Grund  und  Boden
zur  Regulirung  der  Entwässerungszüge  unentgeltlich  herzugeben,  wogegen  ihnen
die  Benutzung  der  Böschungen  erhlabt  und  das  etwa  verlassene  Flußbett  innerhalb
  ihrer  Grenzen  zufällt.

Sollte  aus  dieser  Bestimmung  in  einzelnen  Fällen  wegen  geringer  Betheiligung
  an  den  Vortheilen  der  Melioration  eine  offenbare  Härte  hervorgehen,
so  ist  eine  billige  Entschädigung  zu  gewähren,  worüber  im  Mangel  der  Einigung
gleichfalls  schiedsrichterliches  Verfahren  nach  dem  genannten  Gste  stattfindet.

S.  7.

Die  bestehenden  Brücken  auf  den  Entwässerungszügen  sind  nach  vorhergegangener
  Umbauung  auf  Kosten  des  Verbandes  von  denfenigen.  in  normalmäßigem
  Zustande  zu  unterhalten,  welchen  die  Unterhaltung  bisher  oblag.

Wenn  die  Brücken  bei  dem  Umbau  erheblich  größer  als  bisher  werden,
so  hat  der  Verband  den  Unterhaltungspflichtigen  für  die  Vergrößerung  seiner
Last  zu  entschädigen.

Die  durch  die  Entwässerungszüge  nothwendig  werdenden  neuen  Brücken
hat  der  Verband  allein  zu  unterhalten.

g.  8.

Die  Genossen  des  Verbandes  und  das  Verhaltniß  ihrer  Beitragspflicht
ur  Herstellung  und  Unterhaltung  der  Anlagen  sind  durch  ein  Kataster  zusellen
  welches  der  Regierungskommissarius  entwirft.  Das  Vechältniß  de  hen

-  eils
        <pb n="1878" />
        —  1701  —

theils  an  der  Melioration  bildet  den  Maaßstab  dabei.  Einrichtungs=  und  Unterhaltungskosten
  solcher  Anlagen,  welche  nur  einzelnen  Genossen  Vortheile  gewähren,
sind  nur  diesen  zur  Last  zu  legen,  und  nach  Verhältniß  dieser  Vortheile.

Der  Entwurf  des  Katasters  ist  bei  den  Landrathsämtern  in  Gumbinnen
und  Stallupönen  und  ertraktlich  bei  den  Gemeindevorständen  offen  zu  legen,
auch  den  Gütern,  welche  einen  besonderen  Gutsbezirk  bilden,  ertraktlich  mitzutheilen.
  Zugleich  ist  im  Amtsblatte  der  Regierung  zu  Gumbinnen  und  in  den
Kreisblättern  der  Kreise  Gumbinnen  und  Stallupönen  eine  vierwöchentliche  Frist
bekannt  zu  machen,  innerhalb  welcher  bei  dem  Kommissarius  Beschwerde  erhoben
werden  kann.

Der  Kommissarius  hat  die  erhobenen  Beschwerden  unter  Zuziehung  der
Beschwerdeführer,  eines  Deputirten  des  Vorstandes  und  der  erforderlichen  Sachverständigen
  zu  untersuchen.

Die  Sachverständigen  sind  hinsichtlich  der  Nivellirungen  und  Vermessungen
  ein  Geometer  resp.  Vermessungsrevisor,  hinsichtlich  der  durch  die  Melioration
entstehenden  Vortheile  und  der  darauf  gegründeten  Klassifikation  drei  ökonomische
Sachverständige

Die  Sachverständigen  sind  von  der  Regierung  zu  Gumbinnen  zu  ernennen.

Mit  dem  Resultate  der  Untersuchung  werden  die  Beschwerdeführer  und  der
Vorstandsdeputirte  bekannt  gemacht.  Sind  beide  Theile  mit  dem  Resultate  einverstanden,
  so  wird  das  Kataster  demgemäß  berichtigt,  andernfalls  werden  die
Akten  der  Regierung  zu  Gumbinnen  zur  Entscheidung  über  die  Beschwerden
eingereicht.  -

Binnen  vier  Wochen  nach  erfolgter  Bekanntmachung  der  Regierungsentscheidung
  ist  Rekurs  dagegen  an  den  Minister  für  die  landwirthschaftlichen
Angelegenheiten  zulässig.  Wird  die  Beschwerde  verworfen,  so  treffen  die  Kosten
derselben  den  Beschwerdeführer.

Nach  erfolgter  Feststelung  wird  das  Kataster  von  der  Regierung  zu  Gumbinnen
  ausgefertigt  und  dem  Vorstande  zugestellt.  Bis  zur  Feststellung  des
Katasters  verfügt  die  Regierung  zu  Gumbinnen  nach  Anhörung  de-  Vorstandes
über  das  interimistische  Beitragsverhältniß,  welches  vorbehaltlich  der  Vusgleichung
der  Einziehung  von  Beiträgen  zum  Grunde  zu  legen  ist.

5.  9.

Die  Verbindlichkeit  zur  Entrichtung  der  Beiträge  für  die  Anlage  und
„Unterhaltung  ruht  mit  der  Sozietätspflicht  gleich  den  sonstigen  gemeinen  Lasten
und  Abgaben  als  Reallast  unablöslich  auf  den  verpflichteten  Grundstücken.

Die  Beiträge  sind  auf  das  Ausschreiben  des  Direktors  in  den  darin  zu
bezeichnenden  Terminen  zur  Kasse  des  Verbandes  bei  Vermeidung  der  administrativen
  Exekution  einzuzahlen.  Innerhalb  der  Gemeinden  bewirken  deren  Vorstände
  die  Einziehung  und  Abführung  zur  Kasse  des  Verbandes.  .

Die  Exekution  findet  zuchähat  gegen  Pächter,  Nutznießer,  oder  andere
Besitzer  der  verpflichteten  Grundstücke,  vorbehaltlich  ihres  Regresses  an  die  eigentlich
  Verpflichteten.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6883.)  224  5  10.
        <pb n="1879" />
        —  1702  —

K.  10.

An  den  vom  Verbande  zu  unterhaltenden  Hauptentwässerungszügen  müssen
drei  Fuß,  vom  oberen  Rande  der  Böschung  ab  gerechnet,  unbeackert  und  mit  dem
Weidevieh  verschont  bleiben.  -

Auch  Bäume  und  Hecken  dürfen  auf  dieser  Fläche  nicht  geduldet  werden.

Bei  der  Räumung  müssen  die  Eigenthüner  der  angrenzenden  Grundstücke
den  Auswurf,  dessen  Eigenthum  ihnen  dagegen  zufällt,  aufnehmen  und  binnen
vier  Wochen  nach  der  Räumung  —  wenn  aber  die  Räumung  vor  der  Erndte
geschieht,  binnen  vier  Wochen  nach  der  Erndte  —  bis  auf  Eine  Ruthe  Entfernung
  von  dem  Rande  der  Böschung  wegschaffen.

Aus  besonderen  Gründen  kann  der  Direktor  diese  Frist  abändern.

Ausnahmen  von  der  Bestimmung  dieses  Paragraphen  können  in  einzelnen
Fillen  vom  Vorstande  des  Verbandes  mit  Genehmigung  der  Regierung  gestattet
werden.

G.  11.

Der  Verband  steht  unter  der  Aufsicht  der  Regierung  zu  Gumbinnen  als
Landespolizeibehörde  und  in  höherer  Instanz  des  Ministers  für  die  landwirth--schaftlichen
  Angelegenheiten.

Die  Regierung  hat  darauf  zu  halten,  daß  die  Bestimmungen  des  Statuts
beobachtet,  die  Anlagen  gut  ausgesühr  und  erhalten  und  die  etwaigen  Schulden
regelmäßig  verzinst  und  getilgt  werden.

Die  Regierung  entscheidet  über  die  Beschwerden  gegen  die  Beschlüsse  des
Vorstandes  und  des  Direktors,  sofern  der  Rechtsweg  nicht  zulässig  und  eingeschlagen
  ist,  und  setzt  ihre  Entscheidung  nöthigenfalls  exekutivisch  in  Vollzug.

Die  Regierung  ist  befugt,  von  der  Verwaltung  des  Verbandes  jederzeit
Kenntniß  zu  nehmen,  nach  Anhörung  des  Vorstandes  eine  Geschäftsanweisung
für  den  Verband  zu  ertheilen  und  auf.  Grund  des  Gesetzes  vom  11.  März  1850.
über  die  Priizeiverwaltung  die  nöthigen  Polizeiverordnungen  zu  erlassen  zum
Schutze  der  vom  Verbande  zu  unterhaltenden  oder  zu  beaufsichtigenden  Anlagen.

K.  12.

Wenn  der  Vorstand  es  unterläßt  oder  verweigert,  die  dem  Verbande  nach
diesem  Statute  oder  sonst  gesetzlich  obliegenden  Leistungen  auf  den  Haushaltsetat
u  bringen  oder  außerordentlich  zu  genehmigen,  so  läßt  die  Regierung  nach  Anhörun
  des  Vorstandes  die  Eintragung  in  den  Etat  von  Amtswegen  bewirken,
oder  stellt  die  außerordentlichen  Ausgaben  fest  und  verfügt  die  Einziehung  der
erforderlichen  Beiträge.  Gegen  diese  Entscheidung  steht  dem  Vorstande  innerhalb
8  Tagen  die  Berufung  an  den  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten
  zu.

K.  13.

Die  Regierung  hat  auch  darauf  zu  halten,  daß  den  Beamten  des  Verban-
        <pb n="1880" />
        —  1703  —

bandes  die  ihnen  zukommenden  Besoldungen  unverkürzt  zu  Theil  werden,  und
etwaige  Beschwerden  darüber  zu  entscheiden,  vorbehaltlich  des  Rechtsweges.

S.  14.

Die  Angelegenheiten  des  Verbandes  werden  durch  einen  Vorstand  geleitet,
welcher  aus  einem  Direktor  und  drei  Mitgliedern  besteht.  Der  Direktor  und
sein  Stellvertreter  werden  von  der  Regierung  zu  Gumbinnen  ernannt.

Die  drei  Mitglieder  werden  dagegen  ernannt  resp.  gewählt:
1)  von  dem  Königlichen  Domainen=  und  Forstfiskus  Ein  Mitglied,
2)  von  den  zum  Verbande  gehörigen  Besitzern  selbstständiger  Güter  Ei
Mitglied,
3)  von  den  Dorfgemeinden  und  allen  übrigen  Grundbesitzern  Ein  Mitglied.
Für  jedes  Mitglied  ist  auch  ein  Stellvertreter  zu  erwählen.

Das  Mitglied  ad  2.  und  dessen  Stellvertreter  werden  von  den  zum  Verbande
  gehörigen  selbstständigen  Gütern  resp.  von  ihren  Bevollmächtigten  und
gesetzlichen  Vertretern,  das  Mitglied  ad  3.  und  dessen  Stellvertreter  von  den

orstehern  sämmtlicher  Gemeinden,  zu  welchen  die  übrigen  bei  dem  Verbande
betheiligten  Grundbesitzer  gehören,  durch  absolute  Stimmenmehrheit  Fwähl.
Dabei  wird  die  Stimme  jedes  wählenden  Vorstehers  gezählt  nach  der  Morgenzahl,
  welche  er  vertritt.  Sobald  das  Kataster  festgestellt  ist,  erfolgt  die  Zählung
der  Stimmen  bei  den  Wahlen  nach  der  Normal-  Morgenzahl,  welche  der  Wähler
vertritt.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  das  Loos.  Die  Wahl  gilt  für  sechs
Jahre.  Der  Ausscheidende  kann  wieder  gewählt  werden.

Die  Reegierung  zu  Gumbinnen  ernennt  die  Wahlkommissarien.  Die  Prüfung
  der  Wahlen  steht  dem  Vorstande  selbst  zu.  Im  Uebrigen  finden  bei  dem
Wahlverfahren,  sowie  in  Betreff  der  Verpflichtung  zur  Annahme  der  Wahl  die
Vorschriften  über  Gemeindewahlen  Anwendung.

Die  Stellvertreter  nehmen  in  Krankheits=  und  Behinderungsfällen  des
Mitgliedes  seine  Stelle  ein  und  treten  für  das  Mitglied  ein,  wenn  dasselbe  während
  der  Wahlzeit  stirbt,  oder  seinen  Wohnsitz  in  der  Gegend  aufgiebt.

K.  15.

Der  Vorstand  hat  über  alle  Angelegenheiten  des  Verbandes  zu  beschließen,
soweit  dieselben  nicht  dem  Vorsitzenden  (Direktor)  überwiesen  sind,  insbesondere

a)  über  die  zur  Erfüllung  der  Sozietätszwecke  nothwendigen  und  nützlichen
Einrichtungen  und  über  die  Bauanschläge,

b)  über  den  Jahresetat  und  über  die  erforderlichen  gewöhnlichen  und  außergewöhnlichen
  Ausschreiben,  sowie  über  die  Decharge  der  Jahresrechnungen,


I)  über  etwaige  Anleihen,  4

(Nr.  688.)  224*  d)  über
        <pb n="1881" />
        —  1704  —
)  über  Verträge  (F.  23.),

e)  über  die  Bemutzung,  der  etwa  zu  erwerbenden  Grundstücke  oder  des  sonstigen
  Vermögens  des  Verbandes,

t)  über  die  Annahme  des  Rendanten  und  der  erforderlichen  Unterbeamten,
8)  über  die  Geschäftsanweisungen,
h)  über  die  Revision  der  Anlagen  durch  einen  qualifizirten  Baubeamten.

In  der  Regel  werden  die  Beschlüsse  vom  Plenum  des  Vorstandes  gefaßt.

Die  Ausführung  der  Beschlüsse  des  Vorstandes  erfolgt  durch  den  Vorsitzenden.
  Der  Vorstand  ist  aber  berechtigt,  von  der  Ausführung  der  Beschlüsse
sich  Ueberzeugung  zu  verschaffen.

Beschlüsse  des  Vorstandes,  welche  der  Vorsitzende  für  gesetzwidrig  oder
dem  Gemeinwohl  nachtheilig  erachtet,  hat  derselbe  zu  beanstanden  und  die  Entscheidung
  der  Regierung  einzuholen.

K.  16.
Die  Genehmigung  der  Regierung  ist  erforderlich:
a)  zu  den  Projekten  über  den  Bau  neuer  Anlagen,
b)  zu  Anleihen,
J)  zur  Veräußerung  von  Grundstücken  des  Verbandes.

KC.  17.

Der  Vorstand  versammelt  sich  auf  Berufung  des  Vorsitzenden  alle  Jahre
mindestens  Einmal  im  Monat  Mai.  Die  Art  und  Weise  der  Zusammenberufung
wird  vom  Vorstande  ein  für  allemal  festgesetzt.

Die  Zusammenberufung  erfolgt  unter  Angabe  der  Gegenstände  der  Verhandlung;
  mit  Ausnahme  dringender  Fälle  muß  dieselbe  wenigstens  sieben  freie
Tage  vorher  stattfinden.

K.  18.

Die  Beschlüsse  werden  nach  Stimmenmehrheit  gefaßt.

Jedes  Mitglied  hat  gleiches  Stimmrecht.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet
  die  Stimme  des  Vorsitzenden.

Der  Vorstand  kann  nur  beschließen,  wenn  außer  dem  Vorsitzenden  wenigstens
  zwei  Mitglieder  anwesend  sind.  Eine  Ausnahme  findet  statt,  wenn  der
Vorstand,  zum  dritten  Male  zur  Verhandlung  über  denselben  Gegenstand  zusammenberufen,
  dennoch  nicht  in  genügender  Anzahl  erschienen  ist.  Bei  der
zweiten  und  dritten  Berufung  muß  auf  diese  Bestimmung  ausdrücklich  hingewiesen
  werden.

S.  19.

An  Verhandlungen  über  Rechte  und  Pflichten  des  Verbandes  darf  der.
jenige
        <pb n="1882" />
        —  1705  —

jenige  nicht  Khel  nehmen,  dessen  Interesse  mit  dem  des  Verbandes  im  Widerspruch
  steht.  Kann  wegen  dieser  Ausschließung  selbst  mit  Hülfe  der  Stellvertreter
eine  beschlußfähige  Versammlung  nicht  gehalten  werden,  so  hat  der  Vorsitzende,
oder,  wenn  auch  dieser  aus  dem  vorgedachten  Grunde  betheiligt  ist,  die  Regierung
für  die  Wahrung  der  Interessen  des  Verbandes  zu  sorgen  und  nöthigenfalls  einen
besonderen  Vertreter  für  denselben  zu  bestellen.

G.  20.

bi  *  vom  Vorstande  gefaßten  Beschlüsse  sind  für  den  Verband  rechtsverbindlich.
  .

Sie  smd  nebst  den  Namen  der  anwesend  gewesenen  Mitglieder  in  ein  besonderes
  Buch  einzutragen  und  werden  von  dem  Vorsitzenden  und  wenigstens
zwei  Mitgliedern  unterschrieben.

g.  21.

Der  Direktor  des  Verbandes  führt  die  Gesammtverwaltung  und  handhabt
die  Polizei  zum  Schutze  der  vom  Verbande  zu  unterhaltenden  oder  zu  beaufsichtigenden
  Anlagen.

In  einzelnen  Fällen  kann  sich  der  Direktor  durch  ein  anderes  Mitglied  des
Vorstandes  vertreten  lassen.  Jedes  Mitglied  des  letzteren  ist  verbunden,  Aufträge
des  Vorsitzenden  zu  übernehmen.

Der  Vorsitzende  hat  insbesondere:

a)  den  Vorstand  nach  Außen  und  in  Prozessen  zu  vertreten.  Zu  Verträgen
  und  Schuldurkunden  ist  eine  nach  F.  20.  zu  vollziehende  Urkunde
oder  Vollmacht  des  Vorstandes  erforderlich  (s.  jedoch  F.  23.)

b)  die  Einnahmen  und  Ausgaben  anzuweisen  und  das  Kassen-  und  Rechnungswesen
  zu  überwachen;

JD)  die  Sozietätsbeiträge  nach  dem  Etat  und  den  Beschlüssen  des  Vorstandes
auszuschreiben  und  die  Beitreibung  zu  bewirken;

)  die  Unterbeamten  zu  beauffichtigen  und  die  Ausführung  der  Bauten  anzuordnen
  und  zu  leiten.

(.  22.

Alljährlich  im  Frühjahr  —  vor  der  ordentlichen  Jahresversammlung  des
Vorstandes  —  findet  eine  Hauptschau  der  Anlagen  des  Verbandes  statt.  Dieselbe
  erstreckt  sich  auch  auf  die  vom  Verbande  zu  beaufsichtigenden  Mulagen.  Der
Direktor  hält  die  Schau  mit  Zuziehung  von  zwei  Repräsentanten  als  Miturtheilern
  ab,  welche  in  der  ordentlichen  Iahrewersammiung  vom  Vorstande  für  die
verschiedenen  Distrikte  bestimmt  werden.

Ueber  den  Befund  und  die  Beschlüsse  der  Schaukommission  ist  ein  Protokoll
  aufzunehmen.  ç

(Nr.  ##  Die
        <pb n="1883" />
        —  1706  —

Die  Schau  wird  öffentlich  bekannt  gemacht,  damit  jeder  Betheiligte  derselben
  beiwohnen  kann.  So  oft  es  erforderlich  ist,  soll  in  gleicher  Weise  im
September  eine  Nachschau  abgehalten  werden.

g.  23.

Die  gewöhnliche  Unterhaltung  der  Sozietätsanlagen  ordnet  der  Direktor
nach  dem  Befund  der  Schauen,  in  dringenden  Fällen  auch  sonst  nach  eigenem
Ermessen,  und  holt  in  zweifelhaften  Fällen  —  oder  wenn  er  mit  den  Miturtheilern
  nicht  übereinstimmt  —  den  Beschluß  des  Vorstandes  ein.  Ob  die  Ausführung
  auf  Rechnung  durch  die  Unterbeamten,  ausnahmsweise  auch  durch  ein
Mitglied  des  Verbandes,  oder  einen  Gemeindevorstand,  oder  durch  Entreprise  zu
geschehen  hat,  darüber  setzt  der  Vorstand  gewisse  Grundsätze  fest,  unbeschadet  deren
in  dringenden  Fällen  der  Direktor  nach  eigenem  Ermessen  verfährt.

Zu  Entreprise-Kontrakten  zur  Unterhaltung  der  Anlagen  bedarf  der  Direktor
einer  Vollmacht  nicht.

Was  die  Schau  für  die  vom  Verbande  nur  zu  beaufscht  enden  Anlagen
betrifft,  so  ist  das  Ergebniß  der  Schau  in  gleicher  Weise  sesl,useellen,  den  Betheiligten
  darnach  vom  Direktor  Anweisung  zu  ertheilen  und  die  Befolgung
nöthigenfalls  im  Wege  der  administrativen  Exekution  von  ihnen  zu  erzwingen.

g.  24.

Zur  speziellen  Beaufsichtigung  der  Anlagen  und  zur  Ausführung  der  die
Unterhaltung  der  Sozietätsanlagen  betreffenden  Arbeiten  hat  der  Direktor  auf
Beschluß  des  Vorstandes  die  erforderlichen  Unterbeamten  anzustellen  und  eidlich
zu  verpflichten.

Der  Direktor  kann  gegen  diese  Unterbeamten  Disziplinarstrafen  bis  zur
Höhe  von  drei  Thalern  Geldbuße  verfügen,  nöthigenfalls  ihnen  auch  die  Ausübung
  der  Amtsverrichtungen  vorläufig  untersagen.

C.  25.

Der  Direktor  ist  befugt,  wegen  der  die  Anlagen  betreffenden  polizeilichen
Uebertretungen  die  Strafe  bis  zu  fünf  Thalern  Geldbuße  oder  drei  Tagen  Gefängniß
  vorläufig  festzusetzen  nach  dem  Gesetz  vom  14.  Mai  1852.  Die  vom
Direktor  allein,  nicht  vom  Polizeirichter,  festgestellten  Geldstrafen  fließen  zur  Sozietätskasse.


g.  26.

Auf  Beschluß  des  Vorstandes  sind  die  Anlagen  des  Verbandes  rücksichtlich
ihrer  normalmäßigen  Beschaffenheit  durch  einen  qualifizirten  Bausachverständigen,
so  oft  es  erforderlich,  zu  revidiren.  Bei  neuen  Anlagen  und  größeren  Unterhaltungsarbeiten
  hat  der  Direktor  durch  einen  solchen  Bausachverständigen  den

nschlag  vorher  fertigen  und  die  Ausführung  inspiziren  und  abnehmen  zu  lassen.

C.  27.
        <pb n="1884" />
        —  1707  —

K.  27.

Zur  Führung  der  Kassengeschäfte  engagirt  der  Vorstand  einen  Rendanten,
welcher  durch  Handschlag  an  Eidesstatt  vom  Vorsitzenden  in  einer  Versammlung
des  Vorstandes  verpflichtet  wird.

Der  Rendant  hat  nach  den  Anweisungen  des  Vorsitzenden  die  Einnahmen
und  Ausgaben  zu  bewirken  und  den  Etat  aufzustellen.  Die  Jahresrechnung  pro
Kalenderjahr  ist  bis  zum  1.  März  dem  Vorsitzenden  zu  übergeben,  welcher  dieselbe
  durch  einen  Rechnungsverständigen  und  außerdem  selbst  und  durch  ein  vom
sborlende  alljährlich  hierfür  zu  bezeichnendes  Mitglied  der  Vorprüfung  unterwirft.


Behufs  Vorlegung  in  der  ordentlichen  Jahresversammlung  des  Vorstandes
  und  vierzehn  Tage  vor  derselben  sind  Etat  und  Rechnung  im  Büreau  des
Vorsitzenden  zur  Einsicht  jedes  Mitgliedes  des  Verbandes  offen  zu  legen.

K.  28.

Der  Vorsitzende  und  die  Mitglieder  des  Vorstandes  bekleiden  Ehrenposten.

Für  die  Schauen  erhalten  dieselben  eine  Fuhrkostenentschädigung  von  zwei
Thalern  pro  Tag  und  Person.

Dem  Direktor  ist  außerdem  eine  Entschädigung  für  Büreauaufwand  zu
gewähren,  welche  die  Regierung  zu  Gumbinnen  auf  Anhören  des  Vorstandes
festsetzt.

G.  29.

Die  erste  Ausführung  der  Meliorationsanlagen  leitet  der  Regierungskommissarius
  —  welcher  während  des  Baues  als  Direktor  des  Verbandes  fungirt
  —  mit  Hülfe  des  ihm  zugeordneten  Baubeamten.  Der  Vorstand  und  bis
zu  dessen  Konstituirung  der  gewähste  interimistische  Gesellschaftsvorstand  unterstützen
  ihn  dabei  und  nehmen  die  Rechte  des  Verbandes  wahr.  Auch  der  interimistische
  Vorstand  ist  berechtigt,  Grundstücke  für  den  Verband  zu  erwerben,  Anleihen
  für  denselben  zu  kontrahiren,  sowie  alle  sonstigen  Rechtsgeschäfte  Namens
des  Verbandes  auszuführen  und  denselben  rechtsverbindlich  zu  verpflichten.

Für  die  laufenden  Geschäfte  bei  der  Bauzeit  ist  vom  Vorstande  ein  Ausschuß
  zu  wählen  und  mit  Vollmacht  zu  versehen.

Ein  Beamter  der  Bezirksregierung  revidirt  die  Ausführung  der  Bauten.

Nach  erfolgter  Ausführung  werden  die  Anlagen  von  dem  Regierungskommissarius
  dem  Vorstande  des  Verbandes  übergeben  mit  der  Baurechnung
und  einem  Nachweis  der  ausgeführten  Anlagen  und  der  Inventarienstücke.

Streitigkeiten,  welche  dabei  entstehen  möchten,  werden  von  der  Regierung
u  Gumbinnen,  in  höherer  Instanz  von  dem  Minister  für  die  landwirthschaftsigen
  Angelegenheiten  entschieden,  ohne  daß  der  Rechtsweg  zulässig  ist.

Die  Baurechnung  wird  nach  Anhören  des  Vorstandes  demnächst  von  der
Regierung  dechargirt.

Me.  s884)  Die
        <pb n="1885" />
        —  1708  —
Die  Remuneration  des  Regierungskommissrius  und  des  Baubeamten
während  der  Bauzeit  wird  aus  der  Staatzkasse  bestritten.
S.  30.
Abänderungen  des  vorstehenden  Statuts  können  nur  unter  landesherrlicher
Genehmigung  erfolgen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  24.  August  1867.
(I.  8.)  Wilhelm.

Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1886" />
        —  1709  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  110.  —

 

(Nr.  6884.)  Reglement  über  die  Einrichtung  des  Landarmen=  und  Korrigendenwesens  in
Westpreußen.  Vom  1I.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

verordnen  über  die  Einrichtung  und  Verwaltung  des  Westpreußischen  Landarmenund
  Korrigendenwesens,  nach  Anhörung  des  Provinziallandtages,  unter  Aufhebung
des  Landarmen-Reglements  vom  31.  Dezember  1804.,  auf  Grund  des  F.  37.  des
Gektes  über  die  Verpflichtung  zur  Armenpflege  vom  31.  Dezember  1842.,
was  folgt:

I.  Umfang  des  Verbandes.

*

Der  Westpreußische  Landarmenverband  umfaßt  die  Regierungsbezirke
Marienwerder  und  Danzig.

II.  Dessen  Zwecke  im  Allgemeinen.

ie
Er  hat  die  Verpflichtung:

1)  zur  Fürsorge  für  die  Landarmen  nach  I#.  9.  12.  13.  15.  23.  24.  und
30.  des  Ammenzesesen  vom  31  Dezember  1842.  und  Artikel  2.  des
Gesetzes  vom  21.  Mai  1855.,  sowie  zur  Gewährung  von  Beihülfen  für
unvermögende  Gemeinden  nach  F.  14.  des  ertedachten  Gesetzes;

2)  zur  Unterhaltung  der  mit  dem  Landarmenwesen  in  Verbindung  stehenden
Anstalten.  Dich-  sind  zur  Zeit:

a)  die  Irrenanstalt  zu  Schwetz,
Johrgang  1867.  (Nr.  6884.)  225  b)  die

Ausgegeben  zu  Berlin  den  10.  Oktober  1867.
        <pb n="1887" />
        —  1710  —

b)  die  Taubstummenanstalt  zu  Marienburg,
in  Betreff  deren  Verwaltung  besondere  Reglements  bestehen,

P)  die  Besserungsanstalt  zu  Graudenz  und

d)  das  Landkrankenhaus  zu  Schwetz,
welches  mit  der  dortigen  Irrenanstalt  in  Betreff  der  Direktion,  Administration
  und  Oekonomie  verbunden  ist,  und  nach  einem  besonderen
  Regulativ  verwaltet  wird;

3)  zur  Gewährung  der  Hebammen-Unterstützungen;

4)  zur  Zahlung  von  jährlich  2792  Rthlr.  13  Sgr.  6  Pf.  an  den  Provinzial-
  Invalidenfonds.

III.  Von  den  Iwecken  des  Landarmenverbandes  im  Besonderen.

G.  3.
1.  Die  Besserungsan  stalt  in  Graudenz.

In  die  Besserungsanstalt  zu  Graudenz,  deren  innere  Hausordnung  nach
dem  Reglement  dieser  Anstalt  gehandhabt  wird,  sind  aufzunehmen:

1)  Landstreicher,  Bettler  und  sonstige  Personen,  gegen  welche  nach  verbüßter
  Strafe  auf  Grund  des  F.  120.  des  Strafgesetzbuchs  von  der
Landespolizeibehörde  Einsperrung  in  ein  Arbeitshaus  festgesetzt  ist

2)  Weibspersonen,  welche  wegen  gewerbsmäßig  betriebener  Unzucht  gerichtlich
bestraft  sind  und  gegen  die  außerdem  Einsperrung  in  ein  Arbeitshaus
nach  Beendigung  der  Gefängnißstrafe  auf  Grund  des  F.  146.  des  Strafgesetzbuchs
  erkannt  ist;

3)  jugendliche  Verbrecher,  welche  nach  d.  42.  des  Strafgesetzbuchs  wegen
Mangels  an  Unterscheidungsvermögen  zwar  freigesprochen,  jedoch  nach
der  Bestimmung  des  Strafurtels  in  eine  Besenungsanstolt  unterzubringen
  sind;

4)  Personen,  gegen  welche  nach  Artikel  11.  bis  14.  des  Gesetzes  vom
21.  Mai  1855.  (Gesetz-Samml.  S.  311.)  die  Unterbringung  in  eine
Arbeitsanstalt  angeordnet  ist;

5)  ungerathene  oder  verwahrloste  Pflegebefohlene  resp.  Kinder  unter  väterlicher
  Gewalt,  nach  ertheilter  Genehmigung  des  Vormundschaftsgerichts,
auf  Antrag  der  Ortsbehörde.

S.  4.
2.  Das  Landkrankenhaus  zu  Schwetz.
Es  soll  dahin  gewirkt  werden,  daß  durch  Einrichtung  von  Kommumal.
        <pb n="1888" />
        —  1711  —

Lazarethen  die  Aufhebung  des  Landkrankenhauses  angebahrt  werde.  Bis  dahin
werden  in  die  Anstalt  vorzugsweise  solche  chronische  Kranke,  welche  an  Ekel
erregenden  oder  ansteckenden  Krankheiten  leiden,  aufgenommen,  andere  Kranke  nur
nach  Maaßgabe  des  dann  noch  verbleibenden  Raumes  und  auch  nur  dann,  wenn
sie  schwer  heilbar  sind  und  in  ihrem  heimathlichen  Kreise  nicht  in  geeigneter  Weise
verpflegt  werden  können.  Sofern  die  Kranken  Ortsarme  oder  von  ihren  Angehörigen
  zu  unterhalten  sind  (Privatkranke),  erfolgt  ihre  Aufnahme  gegen  den
von  der  Landarmen-Direktion  zu  bestimmenden  Kostensatz.

.  5.
3.  Die  Hebammen--  Unterstützun  gen.

Die  HebammenUnterstützungen  werden  bedürftigen  und  —  worauf  es
hauptsächlich  ankommt  —  durch  Eifer,  Geschicklichkeit  und  sittlichen  Lebenswandel
würdigen  Landhebammen,  auch,)  soweit  es  ohne  Beeinträchtigung  derselben  geschehen
  kann,  solchen  Hebammen  in  den  Städten  gewährt  (efr.  F.  19.).

K.  6.
4.  Der  Provinzial-Invalidenfonds.

Der  Provinzial-Invalidenfonds  wird  aus  dem  im  F.  2.  Nr.  4.  erwähnten
Beitrage  von  2792  Rthlr.  13  Sgr.  6  Pf.  als  den  Zinsen  der  früher  zum  Bau
und  zur  Einrichtung  der  Besserungsanstalt  zu  Graudenz  aus  der  Staatkasse  her
gegebenen  Kosten  und  den  Zinsen  ausgeliehener  Kapitalien  gebildet.

Die  jährliche  Einnahme  desselben  wird  auf  die  Regierungsbezirke  Danzig
und  Marienwerder  nach  der  von  sechs  zu  sechs  Jahren  zu  ermittelnden  Zahl  der
in  *  der  beiden  Bezirke  wohnenden  unterstützungsbedürftigen  Invaliden
vertheilt.

Die  betreffenden  Antheile  werden  zur  Verabreichung  von  Gnadengehältern
an  verdiente  und  erwerbsunfähige  entlassene  Militairpersonen,  welche  aus  Westpreußen
  gebürtig  sind  und  innerhalb  der  betreffenden  beiden  Regierungsbejzirke  sich
aufhalten,  nach  Maaßgabe  der  darüber  bestehenden  Bestimmungen  verwendet
efr.  8.  20.).

6#2  ein  Gnadengehaltsempfänger  der  Besserungsanstalt  überwiesen,  so
fällt  das  Gnadengehalt  während  der  Dauer  der  Detention  dieser  Anstalt  zu.

Rücksichtlich  des  Verlustes  des  Gnadengehalts  wegen  anderer  Vergehen
resp.  Verbrechen  verbleibt  es  bei  den  hinsichtlich  des  Verlustes  der  aus  Staatsfonds
  gewährten  Militair-Gnadengehälter  bestehenden  Bestimmungen.

IV.  Mittel  zur  Erreichung  obiger  Zwecke.

K.  7.

Zur  Erreichung.  der  im  Abschnitt  II.  und  III.  angegebenen  Zwecke  und
zur  Bestreitung  der  Kosten  der  Verwaltung  ist  ein  Landarmenfonds  gebildet,
dessen  Einnahmen  vorzugsweise  in  Provinzialbeiträgen  bestehen  (efr.  Abschnitt  V.).

(Tr.  6884.)  225“  d.  8.
        <pb n="1889" />
        —  1712  —

g.  8.

Aus  demselben  werden  auch  die  Unterhaltungskosten  der  Besserungsanstalt
in  Graudenz  bestritten,  soweit  sie  nicht  aus  deren  eigenthümlichen  Einnahmen
(ekr.  §.  9.)  gedeckt  werden.

Die  Ehälter  der  gemeinschaftlichen  Beamten  der  Graudenzer  Straf=  und
Besserungsanstalt,  ihre  Pensionen  und  Mithsentschädigunger  fallen  dem  Westpreußischen
  Landarmenverbande  in  dem  Verhältniß  zur  Last,  wie  solches  vertragsmäßig
  festgesetzt  ist.

g.  9.

Die  eigenthümlichen  Einnahmen  der  Besserungsanstalt  bestehen  in  folgenden

  Titeln:

1)  in  dem  Arbeitsverdienste  der  Detinirten;

2)  in  den  Einnahmen  aus  den  Nutzungen  ihrer  Grundstücke  und  anderer
Vermögensobjekte,  sowie  in  sonstigen  Zuwendungen;

3)  in  den  Beträgen,  welche  für  den  Unterhalt  der  Häuslinge  aus  deren
eigenem  Einkommen  und  Vermögen  eingezogen  werden  können,  oder
von  anderen  Verpflichteten  gezahlt  werden;

4)  in  den  Verpflegungsgeldern,  welche

a)  für  die  nach  Artikel  11.  bis  14.  des  Gesetzes  vom  21.  Mai  1855.
detinirten  Personen  (F.  3.  Nr.  42  und  für  die  verwahrlosten  Kinder
(.  3.  Nr.  5.)  von  den  Gemeinden,

b)  für  die  Weibspersonen  (G.  3.  Nr.  2.)  und  für  die  jugendlichen  Verbrecher
  (.  3.  Nr.  3.)  von  der  Staatskasse

zu  entrichten  sind.
8.  10.

In  Beziehung  auf  den  Nachlaß  der  in  der  Besserungsanstalt  verstorbenen
Detinirten  hat  dieselbe  kein  Erbrecht.  Der  Landarmenverband  ist  gbooch  berechtigt,
#ur  Deckung  der  Unterhaltungskosten  der  in  der  Anstalt  verstorbenen  Häuslinge

en  etwaigen  Ueberverdienst  derselben  und  die  mitgebrachten  baaren  Gelder  und

sonstigen,  von  den  Beamten  der  Anstalt  gewissenhaft  taxirenden  Effekten,  ohne
Lerc  zur  Einlassung  auf  die  gerichtliche  Nachlaßregulirung,  eigenthümlich
zurückzubehalten,  und  nur  den  nach  erfolgter  Deckung  dieser  Kosten  verbleibenden
Ueberrest  an  die  den  Nachlaß  regulirende  Behörde  oder  die  legitimirten  Erben
auswuliefern,  denen  auf  Verlangen  deshalb  der  erforderliche  Nachweis  gegeben
werden  soll.

C.  11.

Die  Kostensätze  für  Verpflegung,  Bekleidung  und  ärztliche  Bedürfnisse
der  in  die  Besserungsanstalt  aufgenommenen,  im  JF.  3.  ad  2.  bis  5.  ausgesähyt
Per-
        <pb n="1890" />
        —  1713  —

Personen  werden  durch  den  Provinziallandtag  unter  Zustimmung  des  Oberpräsidenten
  festgesetzt.  ...
Vorerst  und  so  lange  keine  andere  Festsetzung  erfolgt,  werden  diese  Kosten

auf  folgende  Beträge  normirt:
1I)  für  unzüchtige  Weibspersonen  und  für  jugendliche  Verbrecher  (G.  3.

Nr.  2.  und  3.)  die  Selbstkosten;
2)  für  Arbeitsscheue  und  dergleichen  Nr.  4.)  und  für  verwahrkoste
Kinder  (§.  3.  Nr.  5.)  2  Sgr.  pro  Tag.  «

§.12.

Die  Kosten  für  den  Transport  der  Detinirten,  sowie  für  die  Beerdigung
der  verstorbenen  Häuslinge  werden  von  denjenigen  entrichtet,  welchen  die  Zahlung
der  Verpflegungskosten  obliegt.

K.  13.

Für  die  im  F.  3.  Nr.  1.  bezeichneten  Landstreicher,  Bettler  u.  s.  w.  fallen
die  m*-ieo  Transport-  und  Begräbnißkosten  dem  Landarmenverbande
zur  Last.

An  Transportkosten  werden,  soweit  nicht  der  Transport  nach  Maaßgabe
der  Oberpräsidial-  Instruktion  vom  6.  Oktober  1863.  und  deren  etwaige  Ergänzungen
  resp.  Abänderungen  mittelst  Eisenbahn  stattfindet,  bis  auf  Weiteres
vergütigt:

1)  für  Verpflegung  der  Transportaten  pro  Tag  2  Sgr.  6  Pf.;

2)  für  jeden  erforderlichen  Transportbegleiter  pro  Mann  und  Meile  5  Sgr.;

3)  für  ein  einspänniges  Fuhrwerk  pro  Meile  11  Sgr.  3  Pf.,  und  in  Ermanzzelung
  eines  solchen  Fuhrwerks  für  ein  zweispänniges  Fuhrwerk  pro
Pferd  und  Meile  7  Sgr.  6  Sgr.

K.  14.

Ein  Jeder,  welcher  in  der  Anstalt  detinirt  wird,  ist  nach  seinen  Kräften
zur  Arbeit  verpflichtet,  und  muß  den  Verdienst  aus  derselben  Behufs  Deckung
der  Kosten  seiner  Verpflegung  und  Detention  der  Anstalt  überlassen.

V.  Landarmen=  Jrrenhaus=  und  Hebammen  Unterstützungsbeiträge.

K.  15.

Die  am  Schlusse  des  F.  7.  erwähnten  Provinzialbeiträge  werden  jährlich,
als  Landarmen-,  Irrenhaus-  und  Hebammen-Unterstützungsbeiträge  zusammen,
von  den  Bewohnern  der  Regierungsbezirke  Danzig  und  Marienwerder  znne

(Nr.  6894.)  16.
        <pb n="1891" />
        —  1714  —

C.  16.

Die  Vertheilung  und  Erhebung  der  im  8.  15.  erwähnten  Beiträge  erfolgt
auf  Grund  eines  vom  Oberpräsidenten  bestätigten  Beschlusses  des  Provinziallandtages,
  und  bleiben  bis  zu  einer  hiernach  erfolgten  Abänderung  die  bestehenden
Bestimmungen  in  Kraft,  wonach  die  Beiträge  nach  dem  Maaßstabe  der  Klassenund
  klassifizirten  Einkommensteuer  aufgebracht  werden.

Was  insbesondere  die  Hebammen=  Unterstützungsbeiträge  betrifft,  so  sind
dem  jedesmaligen  Provinziallandtage  die  von  den  Regierungen  zu  Danzig  und
Marienwerder  motivirt  aufgestellten  Gutachten  über  die  Kä#-  der  in  ihren  Bezirken
  zu  den  Unterstützungen  erforderlichen  Summen,  mit  der  Aeußerung  der
Westpreußischen  Landarmen-Direktion  (5  17.)  versehen,  durch  den  Oberpräsidenten
aer  Beschlußnahme  über  den  auf  den  Landarmenfonds  für  jeden  der  beiden
Regierungsbezirke  anzuweisenden  Hebammen-Unterstützungsfonds  vorzulegen.

VI.  Innere  Organisation  des  Landarmenverbandes.

K.  17.

Dem  Westpreußischen  Landarmenverbande  wird  fortan  die  selbstständige
Verwaltung  des  Landarmenwesens  unter  Kontrole  und  Oberaufsicht  der  Staatsbehörden
  zugestanden.

Diiese  Verwaltung  wird  von  der  bisherigen  Westpreußischen  Landarmen-Kommission
  unter  der  Bezeichnung:

fuh  „Landarmen-Direktion  für  Westpreußen“
geführt.
.  18.

So  linge  jedoch  die  Verwaltung  der  Besserungsanstalt  zu  Graudenz  mit
der  dortigen  Strafanstalt  verbunden  !5  gebührt  dieselbe  dem  Oberpräsidenten,
von  welchem  sie  zur  Zeit  der  Regierung  zu  Marienwerder  übertragen  ist.  Der
Landarmen-Direktion  steht  hierbei  dieselle  Mitwirkung  zu,  welche  die  West.
preußische  Landarmen-Kommission  nach  der  bisherigen  Verfassung  und  insbesondere
  nach  dem  angeschlossenen  Regulative  vom  17.  Oktober  1826.  gehabt  hat.

S.  19.

Auch  die  Verwendung  des  Hebammen-Unterstützungsfonds  (efr.  Haléverbleibt
  den  Regierungen  zu  Danzig  und  Marienwerder,  jedoch  mit  der  Maaßgabe,
  daß  sie  bei  allen  fortlaufenden  Unterstützungen  der  Hebammen  nicht  nur
die  Gutachten  der  Kreislandräthe  und  Physiker,  sondern  auch  der  Kreis-Armenkommission
  (efr.  §.  33.)  einzuholen  haben.

Die  Rechnungen  dieser  Fonds  sind,  mit  den  Revisionsbemerkungen  der
Landarmen-Direktion  versehen,  dem  jedesmaligen  Provinziallandtage  zur  Revision

und
        <pb n="1892" />
        —  1715  —

und  Ertheilung  der  Decharge  unter  Vorbehalt  der  Genehmigung  des  Oberpräsidenten
  einzureichen.

KC.  20.

Nicht  minder  verbleibt  der  Regierung  zu  Marienwerder  die  Verwaltung
des  Provinzial-Invalidenfonds  und  ihr,  sowie  der  Regierung  zu  Danzig  die
selbstständige  Verwendung  ihrer  Antheile  (cfr.  J.  6.).

C.  21.

Nicht  berührt  wird  ferner  durch  die  Uebertragung  der  im  K.  17.  erwähnten
Funktionen  an  die  Landarmen-Oirektion:

1)  die  Befugniß  der  Verwaltungsbehörden  zum  Erlaß  der  im  Artikel  6.
zad  Artikel  11.  bis  15.  des  Gesetzes  vom  21.  Mai  1855.  gedachten
esolute;

2)  die  Befugniß  der  Regierungen  zur  Entscheidung  darüber,  ob  in  den
Fällen  der  I#.  117.  bis  119.  des  Strafgesetzbuchs  der  Verurtheilte  nach
ausgestandener  Strafe  in  ein  Arbeitshaus  gebracht  werden  (§.  120.  L.  c.)
und  wie  lange  die  in  einem  solchen  Falle  oder  eine  auf  Grund  der
S.  42.  und  146.  des  Strafgesetzbuchs  verhängte  Besserungshaft  dauern,
imgleichen  ob  gegen  einen  verurtheilten  Ausländer  auf  Grund  des  F.  120.

a.  a.  O.  mit  Salldesverweisung  verfahren  werden  soll)

3)  die  Kompetenz  der  Regierungen  zur  Entscheidung  von  Streitigkeiten  im
Sinne  der  §F.  33.  und  34.  des  Armengesetzes  vom  31.  Dezember  1842.
(einschließlich  der  Streitigkeiten  zwischen  dem  Landarmenverbande  einerseits
  und  einzelnen  in  dessen  Bereich  gelegenen  Ortsarmenverbänden
andererseits),

4)  die  Zuständigkeit  der  Regierungen  zur  Ausübung  der  Dienstdisziplin  über
die  Unterbehörden  auch  innerhalb  des  durch  dieses  Reglement  berührten
Verwaltungsgebiets  und  zum  Erlaß  hierauf  beruhender  allgemeiner  Anordnungen.


§.  22.
Provinziallandtag.

Bei  der  Verwaltung  des  Landarmenfonds  und  der  aus  demselben  zu
unterhaltenden  Provungalanstalten  ist  die  Landarmen-Direktion  zunächst  dem  Provinziallandtage
  untergeordnet.  Derselbe  hat  demgemäß  insbesondere  die  von  der
Landarmen-Direktion  entworfenen  Einnahme=  und  AusgabeEtate  festzustellen,  die
von  derselben  mit  einer  Generalnachweisung  über  die  Resultate  der  Verwaltung
in  dem  abgelaufenen  Jahre  vorzulegenden  Jahresrechnungen  zu  dechargiren,  die
jährlichen  Beiträge  und  deren  Aufbringungsart  (§##.  15.  und  16.)  festzusetzen,
die  Verpflegungs=  und  Transportkosten  (§§.  11.  und  13.)  zu  normiren,  die  Mitglieder
  der  Landarmen-Direktion  (G.  26.)  zu  wählen  und  über  die  Verwendung
der  Fonds  im  Allgemeinen  oder  über  die  Veränderung  der  aus  denselben  zu  un-(Tr.

  6884,)  ter-
        <pb n="1893" />
        —  1716  —

terhaltenden  Anstalten  (&amp;amp;.  2.)  zu  beschließen.  Die  hierüber  gefaßten  Beschlüsse
des  Provinziallandtages  sind  jedoch  auf  dem  verfassungsmäßigen  Wege  zur  staatlichen
  Bestätigung  einzureichen.

-
Oberaufsicht  des  Staates.

In  allen  im  F.  22.  nicht  erwähnten  Beziehungen  ist  die  Landarmen-Direktion
  der  Oberaufsicht  und  Kontrole  des  Oberpräsidenten  der  Provinz  unterworfen)
  welcher  auch  vorkommende  Beschwerden  entscheidet.  In  weiterer  Instanz
geht  die  Entscheidung  an  den  Minister  des  Innern.

g.  24.
Kommissarius  des  Staates.

Zur  unmittelbaren  Ausübung  der  Oberaufsicht  und  Kontrole  des  Staates
ernennt  der  Oberpräsident  der  Provinz  einen  Königlichen  Kommissarius,  der  an
den  Berathungen  der  Landarmen-Direktion  Theil  nehmen  kann,  indessen  keine
Mitverwaltung,  sondern  ohne  positive  Einwirkung  nur  die  Kontrole  über  die
Gesetzmäßigkeit  des  Verfahrens,  insbesondere  zur  Wahrnehmung  des  landespolizeilichen
  Interesses,  ausübt.  ODieser  Kmggliche  Kommissarius  hat  zwar  bei  den
Berathungen  der  Landarmen-Direktion  keine  Stimme,  findet  derselbe  indessen  Bedenken
  bei  den  Beschlüssen  derselben  und  ist  eine  Einigung  nicht  zu  erreichen,
so  muß  deshalb  an  den  Oberpräsidenten  zur  Entscheidung  berichtet  werden;  einstweilen
  darf  aber  die  Landarmen=  Direktion  nichts  gegen  den  Widerspruch  des
Ersteren  verfügen,  vielmehr  hat  sie  in  eiligen  Fällen  ihre  Maaßregeln  so  zu  nehmen,
  daß  demselben  und  der  deshalb  zu  erwartenden  höheren  Entscheidung  nicht
vorgegriffen  werde.  Alle  Berichte  der  Landarmen-Direktion  an  den  Oberpräsidenten
  der  Provinz  gehen  durch  die  Hände  dieses  Kommissarius  zur  Kenntnißnahme
  und  etwaigen  Hinzufügung  seines  Gutachtens;  desgleichen  gehen  alle  Verfügungen
  des  Oberpräsidenten  an  die  Landarmen-Direktion  bei  demselben  zur
Kenntnißnahme  durch.

g.  25.
Landarmen=  Direktion.

Die  Landarmen-Direktion  hat  ihren  Sitz  in  Graudenz  und  ist  aus  fünf
Mitgliedern  zusammengesetzt,  von  denen  drei  dem  Marienwerder  und  zwei  dem
Danziger  Regierungsbezirke  angehören,  für  welche  außerdem  drei  Stellvertreter,
und  zwar  zwei  aus  dem  Marienwerder  und  einer  aus  dem  Danziger  Regierungsbezirke,
  für  etwaige  Behinderungsfälle  erwählt  werden.  Dieselbe  wählt  aus  ihrer
Mitte  ihren  Vorsitzenden  und  dessen  Stellvertreter  und  repräsentirt  den  Landarmenverband
  in  allen  äußeren  Verhältnissen,  insbesondere  bei  etwaigen  Prozessen,
  Käufen,  Verkäufen  und  sonstigen  Verträgen.  Zu  den  Geschäften  der  Landarmen-Direktion
  gehört  außerdem:

a)  die  Beaufsichtigung  und  Leitung  der  Verwaltung  der  Irrenanstalt  und
des
        <pb n="1894" />
        —  1717  —

des  Landkrankenhauses  zu  Schwetz,  sowie  der  Taubstummenanstalt  zu
Marienburg  nach  Maaßgabe  der  besonderen  Bestimmungen  über  diese
Provinzial-Institute;

b)  die  Aufsicht  über  die  Administration  der  Fonds  dieser  Institute,  sowie
über  das  Kassen=  und  Rechnungswesen  des  gesammten  Landarmenfonds,
welchen  sie  in  allen  seinen  Theilen  selbstständig  verwaltet  (efr.  J.  17.)

e)  die  in  den  9—  16.  18.  und  19.  erwähnten  Funktionen  in  Betreff  des
Hebammen-Unterstützungsfonds  und  der  Besserungsanstalt  zu  Graudenz;

die  Aufsicht  über  die  gewissenhafte  Dienstführung  und  den  sittlichen
Wandel  der  Beamten  und  des  Dienstpersonals  aller  aus  dem  Landarmenfonds
  unterhaltenen  Anstalten,  nach  Inhalt  der  denselben  ertheilten
Dienstanweisungen  und  nach  Maaßgabe  der  besonderen  Bestimmungen
über  die  Verwaltung  jener  Anstalten

e)  die  Schsezung  und  Anweisung  aller  aus  diesem  Fonds  zu  bewilligenden
fortlaufenden  und  extraordinairen  Unterstützungen,  zu  erstattenden  Kur=  und
Verpflegungskosten,  zu  gewährenden  elfe  an  arme  Kommunen  und
der  zur  Unterhaltung  der  verschiedenen  Provinzialanstalten  zu  zahlenden
Zuschüsse

1)  die  Kontrole  aller  dem  Landarmenfonds  und  den  ad  a.  gedachten  Anstalten
zustehenden  Einnahmen.

In  ihren  Versammlungen  erfolgen  die  Beschlüsse  nach  kollegialischer
Berathung  durch  Stimmenmehrheit.  Bei  Stimmengleichheit  giebt  der  Vorsitzende
den  Ausschlag.  Um  einen  gültigen  Beschluß  zu  fassen,  an  mindestens  drei
Mitglieder  der  Direktion  oder  deren  Stellvertreter  anwesend  sein.

E.  26.

Die  Wahl  der  Mitglieder  der  Landarmen-Direktion  und  ihrer  Stellvertreter
wird  durch  den  Provinziallandtag  vollzogen,  und  unterliegt  der  landesherrlichen
Bestätigung.  Sie  erfolgt  auf  sechs  Jahre.  Die  Ausscheidenden  können  wieder
gewählt  werden.  (2

Innerhalb  der  Grenzen  der  Totalsumme  des  vom  Provinziallandtage  festgestellten
  Verwaltungs-Etats  ist  die  Landarmen-Direktion  und  innerhalb  jedes  Etatstitels
  des  Spezial-Etats  der  verschiedenen  Provinzialanstalten  der  betreffende
Anstaltsdirigent,  jedoch  mit  Beachtung  der  dabei  gioßten  Beschlüsse  der  Landarmen-Direktion,
  zu  verfügen  berechtigt.  Zur  Ueberschreitung  einzelner  Etatstitel
hat  der  Anstaltsdirigent  die  Genehmigung  der  Landarmen-Direktion  einzuholen.

Ueberschreitungen  der  Totalsumme  sind  beim  Provinziallandtage  zur  Genehmigung
  vorzulegen.

Die  Inhreshechnungen  werden  von  der  Direktion  revidirt  und  zur  Vermittelung
  der  Decharge  Seitens  des  Provinziallandtages  dem  Oberpräsidenten
eingereicht.

Jahrgong  1867.  (Nr.  6884.)  226  g.  28.
        <pb n="1895" />
        —  1718  —

C.  28.

Die  Landarmen-Direktion  versammelt  sich  in  jedem  Jahre  mindestens  zwei
Mal  an  dem  von  ihrem  Vorsitzenden  zu  bestimmenden  Orte.

Vorher  hat  sie  dem  Oberpräsidenten  und  dem  Königlichen  Kommissarius
unter  Angabe  der  Berathungsgegenstände  Anzeige  zu  machen,  dem  Ersteren  auch
von  den  Konferenzprotokollen  Abschrift  rinzurkichen!

§.  29.
Bei  Reisen  erhalten  die  Mitglieder  der  Landarmen-Direktion  die  den  Abgeordneten
  des  Provinziallandtages  zustehenden  Tagegelder  und  Reisekosten.
Die  Auslagen  für  die  Besorgung  der  Korrespondenzen  und  sonstige  Unkosten
sind  aus  dem  Landarmenfonds  zu  erstatten.

F.  30.
Ständiger  Kommissarius.

Sämmtliche  der  Landarmen-Direktion  obliegenden  Geschäfte,  namentlich  auch
die  Aufsicht  über  die  im  §.  2.  erwähnten  Anstalten  —  mit  Ausnahme  der
Besserungsanstalt  in  Graudenz  —  besorgt,  wenn  die  Landarmen-Direktion  nicht
beisammen  ist,  ein  von  ihr  in  der  Regel  aus  ihrer  Mitte  auf  sechs  Jahre  erwählter
  ständiger  Kommissarius  als  ihr  Organ.  Sie  ist  berechtigt,  auch  einen
anderen  angesehenen  und  geschäftskundigen  Bewohner  des  Landarmenverbandes
zu  erwählen,  doch  bedarf  diese  Wahl  der  landesherrlichen  Bestätigung.

Für  den  Fall,  daß  der  ständige  Kommissarius  nicht  Mitglied  der  Direktion
ist,  hat  er  zwar  das  Recht,  an  den  Sitzungen  derselben  Theil  zu  nehmen,  ein
Stimmrecht  steht  diesem  jedoch  nicht  zu.

Als  Organ  der  Landarmen-Direktion  ist  der  ständige  Kommissarius  ver-Hlüchte,,
  neben  der  allgemeinen  Beausfsichtigung  derjenigen  von  den  oben  erwähnten

nstalten,  für  welche  kein  besonderer  ständiger  Kommißarins  ernannt  ist,  auch  die
ihm  in  Beug  auf  dieselben  von  der  Landarmen-Direktion  zu  ertheilenden  speziellen
Aufträge  aus  zurichten,  sowie  alle  Anträge,  welche  auf  fortlaufende  oder  extraordinaire
  Unterstützungen  aus  dem  Westpreußischen  Landarmenfonds  oder  auf
attung  von  anderen  Armenverbänden  vorgeschossener  Unterstützungen,  Kurund
  Verpflegungskosten  abzielen,  zu  prüfen  und  eventuell  auf  die  Kasse  anzuweisen.


G.  31.

Fortlaufende  Unterstützungen,  Kindererziehungsgelder,  sowie  Beihülfen  an
arme  Kommunen  nach  §.  14.  des  Armengesetzes  vom  31.  Dezember  1842.  kanm
derselbe  nur,  nachdem  die  Landarmen-Direktion  sich  hiermit  einverstanden  erklärt
hat,  bewilligen,  und  hat  er  zu  diesem  Behufe  die  desfallsigen  Anträge  vollständig
vorzubereiten,  zu  sammeln  und  der  Direktion  rechtzeitig  zuzustellen.

K.  32.
        <pb n="1896" />
        —  1719  —

g.  32.

Um  die  Landarmen-Direktion  in  den  Stand  zu  setzen,  ihre  Erklärungen
sicherer  abzugeben,  soll  jeder  Antrag  auf  fortlaufende  Unterstützung  Kindererziehungsgelder
  oder  auf  eine  den  armen  Kommunen  zu  gewährende  Beihülfe  aus
dem  Landarmenfonds  mit  den  darauf  bezüglichen  Verhandlungen  der  betreffenden
Kreis-Armenkommission  (ctr.  §.  33.)  zum  Gutachten  vorgelegt  werden.  In  den
Städten  Danzig,  Elbing  und  Thorn  wird  das  desfallsige  Gutachten  von  den
Magistraten  abgegeben.

.  33.

Für  die  Bildung  und  Geschäftsführung  dieser  Kreis-Armenkommissionen
(§.  32.)  ist  die  anliegende  Anweisung  maaßgebend.  Abänderungen  derselben  sind
auf  den  Antrag  der  Landarmen-Direktion  von  dem  Provinziallandtage  unter  Genehmigung
  des  Oberpräsidenten  festzustellen.

S.  34.
Außerordentliche  Unterstützungen  aus  dem  Landarmenfonds  zir  bewilligen
und  die  von  anderen  Armenverbänden  vorgeschossenen  Kur=  und  elssiegun  *
kosten  für  Landarme  denselben  erstatten  zu  lassen,  ist  zwar  der  ständige  unmifarius

  befugt,  ist  aber  verpflichtet,  der  Landarmen-Direktion  bei  ihrem  jedesmaligen
Zusammentritt  eine  spezielle  Nachweisung  derselben  mit  den  Akten  vorzulegen.

K.  35.

Auch  hat  er  der  Landarmen-Direktion  über  alle  außerordentlichen  Vorfälle,
über  etwaige  Verbesserungsvorschläge  und  über  das  Ergebniß  der  aus  eigener
Veranlassung  oder  auf  Anordnung  der  Landarmen-Direktion  von  ihm  vorzunehmenden
  Revisionen  der  verschiedenen  Anstalten  resp.  deren  Kassen  zu  berichten,
und  deren  Bestimmungen  einzuholen.

g.  36.

Die  Kasse  des  Landarmenverbandes,  welche  sich  in  Graudenz  befindet,
muß,  so  lange  sie  von  dem  Rendanten  der  dortigen  Strafanstalt  verwaltet,  und
vom  Direktor  derselben  alle  Monat  revidirt  wird,  von  dem  ständigen  Kommissarius
wenigstens  ein  Mal  in  jedem  Jahre  außerordentlich  revidirt  werden.

Zu  dem  Depositorium,  welches  mit  drei  verschiedenen  Schlössern  versehen
sein  muß,  wird  der  eine  Schlüssel  von  dem  ständigen  Kommissarius,  der  zweite
von  dem  Anstaltsdirektor  und  der  dritte  von  dem  Rendonten  geführt.

S.  37.

Der  ständige  Kommissarius  erhält  für  seine  Mühewaltung,  Beschaffung
des  Büreaus  und  sämmtlicher  Schreibmaterialien,  jur  Annahme  und  Besoldung
der  Subalternbeamten  eine  von  dem  Provinziallandtage  von  sechs  zu  sechs

(Nr.  6884.  226“  Jahren
        <pb n="1897" />
        —  1720  —
Jahren  festzusetzende,  in  monatlichen  Raten  praenumerando  zu  zahlende  Entschädigung
  aus  dem  Landarmenfonds.
Die  Kosten  der  etwa  nothwendig  werdenden  Rechtsbeihülfe  wie  der  Kalkulaturarbeiten

  und  die  Reisen  des  ständigen  Kommissarius  werden,  und  zwar
die  letzteren  nach  F.  29.),  besonders  vergütigt.  ·

VII.  Schlußbestimmungen.

g.  38.

Die  Landarmen-Direktion  hat  alljährlich  nach  dem  Rechnungsabschlusse
die  Resultate  der  Verwaltung  in  Beziehung  auf  die  Landarmenpflege  und  das
orrigendenwesen  in  einer  summarischen  Nachweisung  durch  die  Amtsblätter  der
Regierungen  zu  Marienwerder  und  Danzig  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen.

g.  39.
Die  Königlichen  und  Ortsbehörden  haben  den  Requisitionen  der  Landarmen-Direktion
  und  deren  Organe  gebührende  Folge  zu  geben.
.  40.

Der  Landarmen-Direktion  gebührt  die  Portofreiheit  in  dem  durch  das
Portofreiheits-Regulativ  vom  3.  Februar  1862.  unter  Nr.  25.  des  Verzeichnisses
zu  Abschnitt  III.  bestimmten  Umfange.

Eine  weitere  Portofreiheit  seift  der  Landarmen-Direktion  nicht  zu.

S.  41.
Das  gegenwärtige  Reglement  tritt  mit  dem  1.  Januar  1868.  in  Kraft.

Transitorische  Bestimmungen.

5.  42.

Die  in  dem  vorstehenden  Reglement  bezeichneten  Funktionen  der  Landarmen=Direktion
  sind  von  der  nach  dem  Regulativ  vom  17.  Oktober  1826.  bisher  bestandenen
  Landarmen-Kommission  in  Gemeinschaft  mit  der  Danziger  Hülfskommission
  so  lange  auszuüben,  bis  in  der  nach  erfolgter  Bestätigung  des  Reglements
stattfindenden  Versammlung  des  Provinziallandtages  die  Wahl  der  Direktionsmitglieder
  vollzogen  ist.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  11.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  zu  Eulenburg.

An-
        <pb n="1898" />
        —  1721  —

Anweisung
zur

Bildung  und  Geschaͤftsfuͤhrung  der  Kreis-Armenkommissionen
in  Westpreußen.

S.  1.

Zur  Mitwirkung  bei  der  Landarmenverwaltung  wird  in  jedem  landräthlichen
  Kreise  des  Westpreußischen  Landarmenverbandes  eine  Kreis-Armenkommission
  gebildet.

Funktionen  der  Kreis-Armenkommission.

snq½
Die  Funktionen  der  Kreis-Armenkommission  sind  folgende:

a)  die  ihnen  von  den  Königlichen  Landrathsämtern  vorzulegenden  Anträge
auf  Bewilligung  von  fortlaufenden  Unterstützungen  und  Kindererziehungsgeldern
  aus  dem  Landarmenfonds  zu  prüfen  und  zu  begutachten;

b)  die  Entscheidung  der  Landarmen-Direktion  über  die  nach  F.  14.  des
Armengesetzes  vom  31.  Dezember  1842.  unvermögenden  Gemeinden  zur
Verpflegung  ihrer  Armen  aus  dem  Landarmenfonds  ihres  Kreises  zu
gewährende  Beihülfe  gutachtlich  vorzubereiten;

e)  die  gutachtliche  Aeußerung  über  die  Gewährung  von  fortlaufenden  Hebammen-Unterstützungen
  nach  H.  19.  des  Landarmen-Reglements.

Zusammensetzung  der  Kreis-Armenkommission,  Distriktskommissarien.


S.  3.  «
·DieKreiö-ArmenkommissionenbestehenunterdemBorsitzedeszeislands
rathes  aus  vier  vom  Kreistage  gewählten  Mitgliedern.

Außer  diesen  Mitgliedern  wählt  der  Kreistag  eine  dem  Umfange  des  Kreises
  angemessene  Zahl  von  Distriktskommissarien,  deren  jedem  ein  in  der  Nähe
seines  Wohnorts  belegener  Bezirk  zugetheilt  wird.  ç

(Tr.  6884.)  Bei
        <pb n="1899" />
        —  1722  —

Bei  Abgrenzung  der  eben  gedachten  Bezirke  und  der  danach  ecsolgenden
Eintheilung  der  Kreise  ist  darauf  Rücksicht  zu  nehmen,  daß  jeder  der  Distrikts
kommissarien  die  ihm  obliegenden  örtlichen  Prüfungen  der  Verhältnisse  der  in
seinem  Bezirke  befindlichen  Landarmen  ohne  erheblichen  Zeitaufwand  und  zu  große
Belästigung  auszuführen  im  Stande  ist.  Die  Genehmigung  der  von  den  Kreislanträtten
  zu  entwerfenden  Bezirkseintheilung  steht  dem  Kreistage  zu.

Die  Distriktskommissarien  werden  zu  den  Sitzungen  der  Kreis-Armenkommission
  eingeladen,  wenn  bei  der  letzteren  eine  ihren  Bezirk  betreffende  Landarmensache
  zum  Vortrage  kommt.  Sie  haben  dann  in  der  Kreis-Armenkommission  für
alle  während  ihrer  Anwesenheit  berathenen  Landarmensachen  Sitz  und  Stimme.
Kann  der  Distriktskommissarius  der  Einladung  zur  Kommissionssitzung  nicht  Folge
leisten,  so  muß  er  sein  schriftliches  Votum  über  die  ihm  zu  krisenen  Landarmensachen,
  *  solches  nicht  schon  früher  geschehen  ist,  dem  Kreislandrathe  vor  der
Kommissionssitzung  einreichen.

Für  Behinderungsfälle  der  vier  Mitglieder  der  Kreis-Armenkommission,
geoi,  der  Distriktskommissarien  werden  vom  Kreistage  eben  so  viele  Stellvertreter
gewählt.

Wählbarkeit  und  Amtsdauer  der  Mitglieder  der  Kreis-Armenkommissionen,
  sowie  der  Distriktsko  mmissarien,  resp.  der
Stellvertreter.

S.  4.

Das  Amt  der  Mitglieder  der  Kreis-Armenkommission  resp.  ihrer  Stellvertreter,
  sowie  der  Distriktskommissarien  und  deren  Stellvertreter  ist  ein  Ehrenamt,
  welches  auch  Anderen  als  Mitgliedern  des  Kreistages  übertragen  werden  kann,
und  wird  mentgeltlich  geführt.

Dasselbe  kann  nur  aus  denselben  Gründen  wie  eine  Vormundschaft  abgelehnt
  und  muß  drei  Jahre  hindurch  verwaltet  werden.

Nach  Ablauf  der  dreijährigen  Wahlperiode  ist  die  Wiederwahl  nur  mit
Justimmung  des  Gewählten  zulässig.

Geschäftsordnung.

g.  5.

Die  innere  Geschäftsordnung  der  Kreis-Armenkommission  bleibt  ihrer
Beschlußnahme  vorbehalten,  wobei  jedoch  die  nachstehenden  allgemeinen  Grundsätze
zu  beachten  sind.

Mit  Inbegriff  des  Kreislandrathes  müssen  wenigstens  drei  Mitglieder  der
Kreis-Armenkommission  anwesend  sein.  .

Der  Vorsitzende  beruft  die  Versammlung,  wenn  dazu  nicht  ein  für  alle
Mal  bestimmte  Tage  festgesetzt  find,  so  oft  das  Bedürfniß  es  erheischt.

Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  das  Votum  des  Vorsttzenden.

Be.
        <pb n="1900" />
        —  1723  —

Behandlung  der  Unterstützungsanträge  durch  den  Kreislandrath  im
Allgemeinen.

g.  6.

Jeder  auf  die  Bewilligung  einer  fortlaufenden  Unterstützung  oder  von
Kindererziehungsgeldern  aus  dem  Landarmenfonds  erhobene  Antrag  ist  zunächst
von  dem  Kreislandrathe  zu  untersuchen  und  es  sind  die  zur  Prüfung  und  Begründung
  desselben  erforderlichen  Ermittelungen  anzustellen.

Wenn  die  Verhandlungen  solchergestalt  vollständig  vorbereitet  worden,  sind
dieselben  zunächst  dem  betreffenden  Distriktskommissarius  zur  örtlichen  Untersuchung,
dann  aber  auch  durch  den  Kreislandrath  der  Kreis-Armenkommission  zur  Begutachtung
  vorzulegen.

Behandlung  der  Unterstützungsanträge  durch  die  Kreis-Armenkommission
  im  Allgemeinen.

S.  7.  .
Die  Kreis-Armenkommission  hat  die  Prüfung  im  Wesentlichen  darauf
zu  richten:

a)  ob  die  Landarmenqualität  anzuerkennen  ist;

b)  ob  nach  He  Ermessen  mit  Rücksicht  auf  die  vorwaltenden  thatsächlichen
Verhältnisse  und  nach  persönlicher  Kenntnißnahme  des  betreffenden
Distriktskommissarius  von  der  Lage  des  zu  Unterstützenden  die  Gewährung
  einer  Unterstützung  aus  dem  Landarmenfonds  unumgänglich  nothwendig
  und  in  welcher  Art,  sowie  in  welchem  Maaße  dieselbe  erforderlich

  ist.
Nähere  Normen  zur  Untersuchung  und  Prüfung  der  Unterstützungs.
anträge.
.  8.

Zum  Anhalt  für  diese  Untersuchung  und  Prüfung  (§8.  6.  und  7.)  soll  die
nachstehende  nähere  Anleitung  dienen.

I.  Was  die  dem  Kreislandrath  obliegende  Untersuchung  betrifft,  so

müssen  die  Verhandlungen  ergeben:
1)  Vor-  und  Geschlechtsname,  Gewerbe,  Stand  und  Religion  der  die
Armenpflege  nachsuchenden  Personen.
2)  Geburtsort  und  Alter  nach  Jahr  und  Tag  der  Geburtj  im  zweifelhaften
(Nr.  6881.)  Falle
        <pb n="1901" />
        —  1724  —

Falle  ist  der  Taufschein  zu  erfordern,  event.  ist  anzugeben,  woselbst  die
Taufe  erfolgt  ist,  namentlich  bei  Personen  bis  zum  27.  Lebensjahre.

3)  Ob  der  zu  Unterstützende  verheirathet  ist  oder  nicht,  event.  wie  viele
Kinder  er  hat  und  wie  alt  dieselben  sind.

4)  Name,  Stand,  Vermögens-,  Erwerbsverhältnisse  und  Wohnort  (Kreis,
Provin)  der  alimentationspflichtigen  Verwandten  (Eltern,  Großeltern,
inder,  Enkel,  Geschwister),  sowie  die  Feststellung  der  sonst  etwa  zur
Unterstützung  näher  Verpflichteten  (Dienstherrschaft,  Stiftung  u.  s.  w.).

5)  Wenn  der  Arme  minderjährig  ist,  oder  im  Falle  der  Großjährigkeit  noch
dem  elterlichen  Hülfsdomizile  #  ob  sein  Vater  oder  resp.  seine  Mutter
(efr.  .  20.  21.  und  22.  des  Armengesetzes)  irgendwo  Ortsangehörigkeitsrechte
  erlangten  oder  zu  den  Landarmen  gehören)  im  Falle  der  noch
bestehenden  Vormundschaft  ist  der  Name,  Stand  und  Wohnort  des  Vormundes,
  sowie  das  vormundschaftliche  Gericht  anzugeben.

Wenn  der  Arme  großfährg  und  sein  Unterstützungswohnsitz  nach  seinen
eigenen  persönlichen  Verhältnissen  zu  ermitteln  ist,  wo)  wie  lange  und
in  welchen  Verhältnissen  er  nach  erlangter  Großjährigkeit  während  der
letzten  sechs  Jahre  seinen  Wohnsitz  oder  Aufenthalt  gehabt,  namentli

auch,  ob  er  einen  eigenen  ausstand  gehabt,  und  wann,  bei  wem  un
in  welcher  Weise  er  seine  Niederlassung  nach  §.  8.  des  Gesetzes  über  die
Aufnahme  neuanziehender  Personen  vom  31.  Dezember  1842.  gemeldet,
und  ob  er  schon  eine  Unterstützung  erhalten  hat.

7)  Bei  Wittwen  und  geschiedenen  Ehefrauen  ist  derjenige  Armenverband
feshustellen  welchem  die  Fürsorge  für  den  Ehemann  resp.  bei  dessen
Ableben  oder  zu  der  Zeit,  wo  das  Ehescheidungserkenntniß  rechtskräftig
eworden,  obgelegen  haben  würde,  wenn  nicht  die  bisherige  Verpflichtung
harch  dreijährige  Abwesenheit  erloschen  oder  für  einen  anderen  Armenverband
  neu  entstanden  sein  sollte  (efr.  Fh.  18.  und  19.  des  Armengesetzes
  vom  31.  Dezember  1842.).

Hinsichts  der  in  der  Ehe  lebenden  Frauen  ist  derjenige  Armenverband
festzustellen,  welcher  zur  Fürsorge  für  den  Ehemann  verpflichtet  ist.  Wenn
eine  Ehefrau,  um  c  selbstständig  zu  ernähren,  vor  ihrer  Verarmung
befugter  Weise,  getrennt  von  ihrem  Manne,  an  einem  anderen  Orte
gelebt  hat,  so  ist  der  etwa  nach  F.  1.  des  Armengesetzes  vom  31.  Dezember
  1842.  verpflichtete  Unterstützungswohnsitz  derselben  zu  ermitteln
(efr.  §.  17.  ibid.).

9)  In  den  Fällen  der  §#§.  13.  und  23.  des  Armengesetzes  vom  31.  Dezember
1842.  ist  zaebesonderh  zu  ermitteln,  wann  die  Entlassung  der  Militairpersonen
  aus  dem  Millitairdienste  resp.  der  Tod  derselben  im  Dienste
stattgefunden  hat.

10)  In  Krankheitsfällen  ist  durch  ärztliche  Untersuchung  sofort  festzustellen,

an  welcher  Krankheit  der  Hülfesuchende  leidet,  ob  er  durchaus  *b

—

6

8

4
        <pb n="1902" />
        —  1726  —

beduͤrftig,  oder  ob  die  Kur  außerhalb  des  Lazareths  eben  so  gut  und
vielleicht  billiger  bewirkt  werden  kann.

11)  Bei  Gesellen  und  Dienstboten,  ob  und  bei  welchem  Meister  oder  bei
welcher  Dienstherrschaft  sie  zuletzt  in  Arbeit  gestanden  resp.  gedient  haben;
ob  die  Erkrankung  bereits  während  des  Arbeits--  oder  Dienstverhältnisses
stattgefunden,  die  Entlassung  aus  solchem  nur  der  Krankheit  wegen
erfolgt,  und  wie  viel  Zeit  seitdem  verflossen  ist.

12)  Ueberall,  wo  nach  Vorstehendem  die  Zeitverhältnisse  von  entscheidendem
Einflusse  sind,  ist  darauf  zu  halten,  daß  nicht  die  bloße  Dauer  der  Zeiträume,
  sondern  jederzeit  ihr  Anfang  und  Endpunkt  so  bestimmt  als
möglich  angegeben  wird.

13)  Hinsichts  der  Nothwendigkeit  der  Unterstützung  ist  zu  ermitteln,  ob  der
Unterstützungsuchende  etwa  selbst  Vermögensobjekte  besitzt  oder  zu  erwarten
but  ferner,  ob  der  Arme  nach  dem  über  seine  Erwerbsfähigkeit  zu  extrairenden

  Atteste  eines  kompetenten  Arztes  zu  allen  Arbeiten  ofähig  ist,
oder  welche  Art  derselben  er  noch  zu  leisten  vermag.  Zugleich  ist  im
letzteren  Falle  die  bisherige  Ernährungsweise  des  Armen  und  der  erweisliche
  Grund  der  Vermögenslosigkeit  und  Erwerbsunfähigkeit  zu  erforschen.

14)  Hinsichts  der  Höhe  und  Art  der  Unterstützung  hat  der  Hreislandrath
den  ihm  erforderlich  erscheinenden  Betrag  bestimmt  vorzuschlagen  und
8  begründen,  auch  zu  erörtern,  ob  Gründe  vorhanden  sind,  von  dem
een  Landarmenverbänden  nach  §F.  15.  des  Armengesetzes  vom  31.  Dezember
1842.  zustehenden  Rechte  Gebrauch  zu  machen,  d.  h.  den  Armen  demjenigen
  örtlichen  Armenverbande,  in  dessen  Bezirk  sich  derselbe  befindet,
zur  Verpflegung  zu  überweisen;  auch  ist  dann  Wgleich  der  Betrag  der
zu  gewährenden  Gntchädigung  in  Vorschlag  zu  bringen.

II.  Die  von  Seiten  der  Kreis-Armenkommission  und  zunächst  von  dem
Dseissstammiserius  anzustellende  Prüfung  ist  dagegen  hauwptsächlich  darauf
zu  richten:

1)  ob  die  aufgenommenen  Verhandlungen  die  nach  der  Eigenthümlichkeit
jedes  Falles  und  den  oben  angedeuteten  Beziehungen  erforderlichen  Ermittelungen
  vollständig  enthalten  und  die  nöthigen  Bescheinigungen  und
Beweismittel  keigesagt  sind.  6

Finden  sich  dabei  Mängel,  oder  ergiebt  die  persönliche  Kenntnißnahme
von  der  Person  und  den  Gethalmmissen  des  zu  Unterstützenden,  welcher
sich  die  Distriktskommissarien  in  jedem  Falle  zu  unterziehen  haben  und
ohne  welche  keine  Unterstützung  gerechtfertigt  ist,  Zweifel  gegen  die  Richtigkeit
  derjenigen  in  den  Verhandlungen  enthaltenen  Angaben,  die  auf  die
Entscheidung  von  Einfluß  sein  würden,  so  ist  die  Ergänzung  und  Aufklärung
  bei  dem  Kreislandrathe  zu  beantragen.  Ist  hierzu  aber  keine  Veranlassung,
  so  ist  sorgfältig  zu  erwägen:  ·

2)  ob  die  aus  den  vorliegenden  Ermittelungen  Pgeleitcten  Folgerungen  .

«  ie

Johrgang  1867.  (Nr.  6834.)  2
        <pb n="1903" />
        —  1726  —

die  Anträge  des  Kreislandrathes  rrcchtfertigt,  oder  einer  Modifikation
bedürftig  sind.  Hierbei  ist  hauptsächlch  das  Augenmerk  darauf  zu  richten,
ob  die  Verpflichtung  des  Landarmenverbandes  feststeht,  oder  auf  einen
örtlichen  Armenverband  zurückzugehen  ist;  ferner  ob  und  in  welchem
Maaße  die  Nothwendigkeit  einer  Unterstüczung  anzuerkennen,  in  welcher
Art,  in  welchem  Betrage  und  von  welchem  Zeitpunkte  dieselbe  zu
gewähren  ist.

Es  sind  hierbei  insbesondere  auch  die  Fälle  ins  Auge  zu  fassen,  in
denen  dem  F.  35.  des  Gesetzes  vom  31.  Dezember  1842.  gemäß  der
Landarmenverband  wegen  der  Weigerung  desjenigen,  welcher  aus  einem
privatrechtlichen  Verhältnisse  zur  Verpflegung  des  Armen  verpflichtet  ist,
die  Fürsorge  für  denselben  übernehmen  muß,  und  demnächst  in  Erwägung
zu  ziehen,  ob  die  dem  Landarmenverbande  vorbehaltene  Verfolgung  eines
derartigen  Anspruches  im  prozessualischen  Wege  oder  nach  Artikel  6.,
13—15.  des  Armen-Ergänzungsgesetzes  vom  21.  Mai  1855.  (Gesetz-Samml.
  S.  313.  ff.)  Aussicht  auf  Erfolg  verspricht.

Beschlüsse  der  Kreis-Armenkommission.

K.  9.

Nach  den  Resultaten  dieser  Erörterungen,  worüber  der  betreffende  Distriktskommissarius,
  falls  er  in  der  Sitzung  anwesend  ist,  event.  der  Kreislandrath  den
Vortrag  hält,  giebt  die  Kreis-Armenkommission  ihre  bestimmte  Erklärung  über  die
im  §.  8.  Nr.  II.  bezeichneten  Fragen  nach  der  Stimmenmehrheit  ab.

Der  Beschlun  wird  niedergeschrieben  und  mit  den  Verhandlungen  der
Landarmen-Direktion  zu  Händen  des  ständigen  Kommissarius  durch  den  Kreislandrath
  zur  weiteren  Veranlassung  eingereicht.

Kontrole  über  die  Verwendung  der  bewilligten
Unterstützungen.

K.  10.

Außer  diesen  auf  die  Bewilligung  von  Unterstützungen  bezüglichen  Obliegenheiten
  haben  die  Kreis-Armenkommissionen  auch  die  Verwendung  der  gewährten
Unterstützungen  zu  überwachen,  und  die  Oistriktskommissarien  zu  diesem  Zwecke
die  in  ihrem  Bezirke  befindlichen  Landarmen  fortdauernd  im  Auge  zu  behalten  und

elegentlich  von  ihren  Verhältnissen  und  ihrer  Lebensweise  Kermtniß  zu  nehmen,
sonft  der  Kreis-Armenkommission  zur  Mittheilung  an  die  Landarmen-Direktion
am  Schu  e  jedes  Jahres  hierüber  Bericht  zu  erssten.
ollten  hierbei  Mißbräuche  wahrgenommen  werden,  und  sich  namentlich
die  Fortdauer  der  Unterstützung  ganz  oder  theilweise  nicht  mehr  als  nothwendig
erweisen,  so  ist  dem  Kreislandrathe  zur  weiteren  Veranlassung  durch  den  ständigen
Kommissarius  davon  sofort  Mittheilung  zu  machen.  Insbesondere  beben.  n  gi
istrikts-
        <pb n="1904" />
        —  1727  —

Distriktskommissarien  auch  angelegen  sein  zu  lassen,  für  die  dem  Landarmenfonds
anheimgefallenen  Kinder  geeignete  Pfleger  zu  ermitteln  und  darüber  zu  wachen,
daß  die  letzteren  den  übernommenen  Pflichten  in  geistiger  und  leiblicher  Hmi  gewissenhaft
  genügen,  ihnen  den  Schul=  und  Religionsunterricht  angedeihen  lassen,
und  sie  überhaupt  auf  eine  Weise  erziehen,  damit  sie  im  vorgerückten  Alter  im
Stande  sind,  sich  auf  eine  ehrliche  Art  selbst  zu  ernähren  und  nicht  auf  die  Dauer
dem  Landarmenverbande  zur  Last  fallen.

Nachweis  der  vorhandenen  Landarmen.

KC.  11.

Um  die  Distriktskommissarien  in  den  Stand  zu  setzen,  dieser  wichtigen
Aufgabe  (§.  10.)  zu  genügen,  sollen  ihnen  namentliche  Nachweisungen  der  in  jedem
Bezirke  vorhandenen  Landarmen,  der  ihnen  gewährten  Unterstützungen  und  der

flegeeltern  der  untergebrachten  Kinder  Seitens  der  Landarmen-Direktion  durch  die
eislandräthe  mülgeshein  werden.

(Nr.  6884.)  227°  Re-
        <pb n="1905" />
        Regulativ
über
die  Theilnahme  der  Westpreußischen  Staͤnde  an  der  Verwaltung
des  Landarmenhauses  zu  Graudenz.

Auf  den  Antrag  der  getreuen  Stände  Unseres  Königreichs  Preußen  haben  Wir
in  dem  Landtags-Abschiede  die  weiteren  Einleitungen  mit  den  vom  Landtage
wegen  des  Landarmenwesens  gewählten  Bevollmächtigten  über  die  Theilnahme
der  Stände  an  der  Verwaltung  des  Landarmenhauses  und  der  Besserungsanstalt
zu  Graudenz  anzuordnen  geruht,  und  befehlen  nunmehr,  nach  den  Uns  deshalb
von  den  Ständischen  Bevollmächtigten  gemachten  Vorschlägen  und  deshalb  erstatteten
  Gutachten,  Folgendes:

G.  1.
Bei  der  Unserem  Oberpräsidenten  in  der  Instruktion  vom  31.  Dezember
v.  J.  F.  1.  Nr.  1.,  I.  2.  Nr.  2.  aufgetragenen  Verwaltung  des  Landarmen-  und

Besserungshauses  zu  Graudenz,  als  einer  Anstalt,  welche  sich  *.  den  Bereich
weier  Regierungen  erstreckt,  behält  es  das  Bewenden,  doch  bleibt  ihm  überlassen,
de  spezielle  Verwaltung  der  Regierung  zu  Marienwerder,  als  in  deren  Bezirk
die  Anstalt  befindlich  ist,  zu  übertragen.

K.  2.

Den  Ständen  soll  es  gestattet  sein,  auf  dem  Landtage  zwei  Abgeordnete
des  ersten,  Einen  des  zweiten  und  Einen  des  dritten  Standes  für  die  Angelegenheiten
  der  Anstalten  zu  bevollmächtigen,  welche  zusammen  eine  Landarmen-Kommission
  bilden,  die  unter  dem  Präsidium  des  Oberpräsidenten  steht.

K.  3.

Diese  Bevollmächtigten  sollen  im  Januar  und  September  jeden  Jahres
entweder  insgesammt  oder  einzeln  zur  Stelle  von  der  inneren  und  außeren  Beschaffenheit
  der  Anstalt  die  genaueste  Kenntniß  nehmen  und  solche  außer  den
gewöhnlichen  Verwaltungsformen  mit  dem  Auge  des  Eigners  und  sorgfältigen
Hausvaters  betrachten.  Ihr  Aufenthalt  zu  Graudenz  soll  sich  über  den  Zeitraum
von  acht  Tagen  hinaus  nicht  erstrecken.  Insonderheit  sollen  sie  erwägen,  wiefern
dem  bestehenden  Reglement,  den  Vorschriften  und  Anordnungen  der  verwaltenden
Behörden  gemäß,  verfahren  ist,  wozu  ihnen  die  Benutzung  der  Registratur  gestattet
        <pb n="1906" />
        —  1729  —

stattet  wird.  Ferner  sollen  sie  auf  Ordnung,  Reinlichkeit,  Geschäftsgang,  Disziplin,
  Verwaltung  der  Kasse,  Versorgung  der  Anstalt  mit  ihren  Bedürfnissen,
Prüfung  der  Vorräthe,  der  fertigen  Arbeiten  und  Materialien,  Kleidung,  Beschäftigung,
  Speisung  der  Häuslinge,  Disziplin  über  sie  und  auf  alles  bis  ins
Einzelne  1  was  den  guten  Fortgang  der  Anstalt  in  Erreichung  ihres  Zweckes
und  deren  Verbesserung  zum  Ge  unseng-  hat.  Sollte  künstig  mit  der  Anstalt
eine  Ackerbesitzung  verbunden  werden,  so  bleibt  ihnen  auch  die  Revision  der  Wirthschaft
  vorbehalten.

K.  4.

Zur  Erreichung  dieser  Bestimmmumg,  sind  die  Bevollmächtigten  befugt,  sich
die  Rechnungen  und  Kassenabschlüsse  vorlegen  zu  lassen,  auch  bei  Unserem  Oberpräsidenten
  darauf  anzutragen,  daß  diejenigen  Uebersichten  angefertigt  werden,  die
sie  zu  bedürfen  glauben.

G.  5.

Ueber  den  Befund  nehmen  sie  ein  Protokoll  auf,  machen  Vorschläge  zur
Abhülfe  gefundener  Mängel  und  zu  Verbesserungen,  und  reichen  alles  dieses  dem
Oberpräsidenten  zur  weiteren  Veranlassung  ein.

.  6.

Bei  Besetzung  eröffneter  Stellen  gestatten  Wir  ihnen,  sich  über  den  Betrag
  des  dem  neuen  Beamten  zu  gewährenden  Gehalts  zu  äußern,  doch  mit
Vorbehalt  der  Ersschedung  des  berpräsidenten,  dem  als  Aufseher  der  verwaltenden
  Behörde  Wir  die  Entscheidung  überlassen.

S.  7.

Ebenso  sollen  sie  über  den  Kostenaufwand  bei  neuen  Einrichtungen,  welche
die  Verwaltungsbehörden  nöthig  finden,  gehört  und  ihnen  der  jährliche  Etat  zur
Prüfung  und  gutachtlichen  Aeußerung  vorgelegt  werden.

S.

Die  Mittheilungen  der  Regierungen  an  die  ständische  Landarmen-Kommission
  und  umgekehrt  geschehen  durch  den  Oberpräsidenten,  an  den  sich  beide
Behörden  zu  verwenden  haben.

KG.  9.
Die  Deputirten  sind  verpflichtet,  den  Auftrag  sechs  Jahre  hindurch  unentgeltlich
  zu  fuhren.
·  §.10.
Bei  Reisen  erhalten  sie  zwei  Thaler  Tage=  und  Einen  Thaler  Meilengelder
  aus  dem  Landarmenfonds.
Dem  vorsitzenden  Mitgliede  des  ersten  Standes  sollen  die  Auslagen  für
(Xr.  6ss4.)  Be-
        <pb n="1907" />
        —  1730  —
Besorgung  der  Korrespondenz  auf  dessen  Liquidation  aus  dem  Landarmenfonds
erstattet  werden.
S.  11.

Die  den  Landarmensachen  bewilligte  Portofreiheit  soll  auch  der  Landarmen=Kmmisson

  zustehen,  wozu  Wir  ihr  die  Führung  eines  öffentlichen  Siegels  geatten.

.  12.

Die  Landarmen-Kommission  soll  jedem  Landtage  über  den  Betrieb  ihres
Auftrages  Bericht  erstatten.  Findet  alsdann  der  Landtag  Veranlassung,  sie  mit
besonderen  Aufträgen  zu  versehen,  so  hat  sie  solche  mit  Zustimmung  Unseres
Oberpräsidenten  ausgurichten.

Gegeben  Potsdam,  den  17.  Oktober  1826.
(L.  S.)  Friedrich  Wilhelm.

v.  Schuckmann.

(Xr.  6885.)
        <pb n="1908" />
        —  1731  —

(Nr.  6885.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  21.  August  1867.)  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee
von  Herford  im  Regierungsbezirk  Minden  über  Exter  nuch  Vlotho.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Kreis-Chaussee
  von  Herford,  im  Kreise  gleichen  Namens,  Regierungsbezirk  Minden,
über  Exter  nach  Vlotho  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise  Herford
das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,
imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,
  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  gelesenden  Vorschriften,  in
Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  dem  Kreise  Herford  gegen  Uebernahme
der  kunftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung
des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal
geltenden  Chausseegeld  Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen
  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden
zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von
Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife
  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen
  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  21.  August  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6885—6886.)  (Nr.  6886.)
        <pb n="1909" />
        —  1732  —

(Nr.  6886.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  7.  September  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  die  Stadt  Brandenburg  für  den  Bau  und  die
Unterhaltung  einer  Chaussee  von  Brandenburg  in  der  Richtung  auf  Grüningen=
  Ziesar  bis  zur  Grenze  des  Stadtbezirkes.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Chaussee
von  Brandenburg  in  der  Richtung  auf  Grüningen-Ziesar  bis  zur  Grenze  des
Stadtbezirkes  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  der  Stadt  Brandenburg  das
Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen
das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,  nach
Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese
Straße.  AJugleih  will  Ich  der  Stadt  Brandenburg  gegen  Uebernahme  der  künftigen
  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des
C  aufsecgedes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden
  Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen
  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Shebng  betreffenden
zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von
Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife
  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  ChausseepolizeiVergehen
  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Schloß  Babelsberg,  den  7.  September  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-  Ministeriums.
Berlin,)  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1910" />
        —  1733  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

NM.  111.—

 

(Nr.  6887.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber  lautender  Obligationen  der
Stadt  Halberstadt,  Regierungsbezirks  Magdeburg,  zum  Betrage  von
45,000  Thalern.  Vom  28.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.
Nachdem  der  Magistrat  der  Stadt  Halberstadt  im  Einverständnisse  mit  der
Stadtverordneten-Versammlung  darauf  angetragen  hat,  zur  Bestreitung  der  Kosten
mehrerer  gemeinnütziger  Anlagen  eine  Anleihe  von  fünf  und  vierzig  Tausend
Thalern  aufzunehmen  und  zu  diesem  Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit
Zinsscheinen  versehene  Stadt-Obligationen  ausgeben  zu  dürfen,  ertheilen  Wir  in
Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  wegen  Ausstellung  von
Papieren,  welche  eine  Zahlungsverpflichtung  an  jeden  Inhäeer  enthalten,  durch
gegenwärtiges  Privilegium  zur  Ausstellung  von  45,000  Thalern  Kalberstädter
Stadt  Ob  igationen,  welche  nach  dem  anliegenden  Schema  in  775  Apoints,
und  zwar:
75  Apoints  à  200  Thaler,
100  "  à  100  -
200  à  50  "n
400  -  à  25
auszufertigen,  mit  fünf  vom  Hundert  jährlih  am  1.  April  und  1.  Oktober  jeden
Jahres,  zu  verzinsen  und,  von  Seiten  der  Glltözer  unkündbar,  nach  dem  festgestellten,
  auf  der  Rückseite  jeder  Obligation  abgedruckten  Tilgungsplane  in  den
Iahrer  1870.  bis  1893.  einschließlich  mittelst  Verloosung  oder  Ankaufs  der  Obliationen
  sährich  am  1.  Oktober  4  amortisiren  sind,  mit  dem  Vorbehalte  der
Rechte  Dritter,  Unsere  landesherrliche  Genehmigung,  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern
  der  Obligationen  in  Ansehung  ihrer  Befriedigung  eine  Gewährleistung
Seitens  des  Staates  zu  bewilligen.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  28.  August  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.
Jehrgang  1867.  (Nr.  (n#.  228  Pro-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  12.  Oktober  1867.
        <pb n="1911" />
        —  1734  —

Provinz  Sachsen,  Regierungebezirk  Ragdeburg.

 

Serie  .....  *!  1n
Littr.  (Stadtwappen.)  —  **s6
Obligation  der  Stadt  Halberstadt
über
.«.·............  Thaler  Preußisch  Kurant.
(Ausgefertigt  in  Gemäßheit  des  landesherrlichen  Privilegiums  vom.  ten..  18..,

Gesetz-Samml.  für  1867.  S.  .  .  .).

Der  Magistrat  der  Stadt  Halberstadt  urkundet  und  bekennt  hiermit  auf
Grund  des  zustimmenden  Beschlusses  der  Stadtverordneten-Versammlung,  daß
der  Inhaber  dieser  Obligation  ein  Darlehnskapital  von

Thalern  Preußisch  Kurant,
dessen  Empfang  hiermit  bescheinigt  wird,  von  der  hiesigen  Stadt  zu  fordern  hat.

Die  Zinsen  dieses  Kapitals  werden  mit  fünf  Prozent  jährlich,  am  1.  April
und  1.  Oktober  jeden  Jahres,  gegen  Rückgabe  der  ausgeserligten  halbjährigen
Zinskupons  durch  die  Stadt=  Hauptkasse  gezahlt.

Die  Tilgung  des  ganzen  Anleihekapitals  erfolgt  mittelst  Verloosung  oder
Ankaufs  der  Obligationen  nach  dem  von  der  Staatsbehörde  genehmi  ten,  auf  der
Rückseite  abgedruckten  Amortisationsplane  in  den  Jahren  1870.  bis  spätestens
1893.  einschließlich.  -

Den  Kommunalbehörden  bleibt  jedoch  das  Recht  vorbehalten,  den  Tilgungsfonds
  zu  verstärken,  oder  auch  sämmtliche  Obligationen  auf  einmal  zu  kündigen,
wogegen  den  Inhabern  der  Obligationen  ein  Kündigungsrecht  nicht  zusteht.

Die  Bekanntmachung  der  durch  das  Loos  gezogenen  Obligationen  und  die
Kündigung  derseiben  geschieht  durch  das  Halberstädter  Ineelligenlau  und  das
Amtsblatt  der  Königlichen  Regierung  in  Magdeburg.  Mit  dem  Ablaufe  der  sechsmonatlichen
  Kündigungsfrist  hört  die  Verzinsung  des  gekündigten  Kapitals  auf.

Die  Jurückjahlung  des  Kapitals  erfolgt  an  dem  auf  die  Kündigung  folgenden
1.  Oktober  gegen  4sbieferung  der  Obligation  und  der  nicht  verfallenen  Zinskupons.
In  Ermangelung  letzterer  wird  deren  Werth  von  dem  Kapitalbetrage  einbehalten.
Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem  *s*s

.  z«
        <pb n="1912" />
        —  1735  —

ahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren  nach  Ablauf
es  Kalenderjahres,  in  welchem  sie  fällig  geworden,  nicht  erhobenen  Zinsen
verjähren  zu  Gunsten  der  Stadt.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  ..  halbjährige  Zinsscheine  ausgegeben;
  die  ferneren  Zinsscheine  werden  für  fünfjährige  Perioden  ausgegeben
werden.  Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinsschein-Serie  erfolgt  bei  der  Halberstädter
Stadt-Hauptkasse  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinsschein-Serie  beigedruckten
Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen  Zinsschein-Serie
  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  soem  deren  Vorzeigung
rechtzeitig  geschehen  ist.

Für  die  Sicherheit  des  Kapitals  und  der  Zinsen  haftet  das  Gesammtvermögen
  und  die  Gesammteinnahme  der  Stadt.

Halberstadt,  den.  n.  18.
(Siegel)
Der  Magistrat.

(Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  noch  wenigstens  eines  anderen  Magistratsmitgliedes
  unter  Beifügung  der  Amttstitel.)

(Nr.  6887,)  228“
        <pb n="1913" />
        —  1736  —

 

 

Scrie  Rthlt.  ..  Sgr.  ..  Pf.  Aurant.
Kupon  .....  Stempel.  )
Stadtwappen.

 

Kupon

zur
Obligation  der  Stadt  Halberstadt
—.—-.pt-lübber
  Thaler  Kurant.
ber  empfängt  am  .  e.  18.  an  halbjährlichen  Zinsen
aus  E  t  tadt-  Hauptkasse  Rthlr.  hal  hrlichen  Pf.
Halberstadt,  den  tten  18.

 

 

 

Der  Magistrat.
Dieser  Kupon  verjährt

  nach  dem  Gesetz(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistrats-  «  »
Volum-MERMandirigentenunpeinesandetchagisttatsiGUAMCAMWKW

vier  Jahren  nach  Ab.  mitgliedes  unter  Beifügung  der

lauf  des  Kalenderjahres  ponbuche  der  Stadtder

  Fälligkeit,  verliert  Amtstitel.)

also  mit  dem  letzten  Hauptkasse  Fol.
Dezember  18.  seine

Gultigleit.  Ser.  .  .  .  ..  Kup.  ..  ...

 

 

 

 

Talon
        <pb n="1914" />
        —  1737  —

DTDalon

zur  Obligation  (Stewil,)  der  Stadt  Halberstadt
——–-m  übber  Thaler.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  die  e#  Serie
Zinskupons  für  die.  Jahre  ooo  ..  .  .  .  ..  bi.  !n“—nm“
Wird  hiergegen  rechtzeitig  bei  uns  Widerspruch  erhoben,  so  erfolgt  die  Ausreichung
  der  neuen  Kupons  an  den  Besitr  der  gedachten  Obligation  gegen  besondere
  Quittung.

Halberstadt,  den  #en  18.
Der  Magistrat.

(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  eines  anderen  Magistratsmitgliedes
  unter  Beifügung  der  Amtstitel.)

Eingetragen:

 

(Nr.  6888.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen  der  Stadt
Bonn  II.  Serie  im  Betrage  von  120,000  Thalern.  Vom  31.  August  1867.

D
Wo  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rG

Nachdem  der  Oberbürgermeister  und  die  Stadtverordneten-Versammlung
der  Stadt  Bonn  darauf  angetragen  haben  der  Stadt  Bonn  zur  Bestreitung
der  Kosten  mehrerer  gemeinnütziger  Bauten  die  Aufnahme  eines  Darlehns
von  120,000  Thalern,  geschrieben  Einhundert  zwanzigtausend  Thalern,  gegen
Ausstellung  auf  den  Theer  lautender  und  mit  Zinskupons  und  Talons  versehener
  Obligationen  II.  Serie  zu  gestatten,  und  bei  diesem  Antrage  im  Interesse
der  Stadtgemeinde  sowohl  als  der  Gläubiger  sich  nichts  zu  erinnern  gefunden,
so  ertheilen  Wir  in  Gemäßheit  des  F.  2.  des  Ersezes  vom  17.  Juni  1833.  durch
gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  zur  Emission  der
gedachten  Obligationen  unter  nachstehenden  Bedingungen.

K.  1.
Die  Obligationen  werden  mit  fünf  Prozent  jährlich  verzinset  und  die  Zinsen
in  halbjährigen  Terminen,  am  2.  Januar  und  1.  Juli,  gezahlt.  Zur  allmäligen
(Nr.  6887—6888.)  Til-
        <pb n="1915" />
        —  1738  —

Tilgung  der  Schuld  wird  seährlich  Ein  Prozent  von  dem  Kapitalbetrage  der  ausgegebenen
  Obligationen  nebst  den  Zinsen  der  eingelösten  Obligationen  verwendet.
Der  Stadtgemeinde  bleibt  jedoch  vorbehalten,  den  Tilgungsfonds  mit  Ge-—
  der  Regierung  zu  Cöln  zu  verstärken  und  dadurch  die  Abtragung  der
Schul  m  beschleunigen.  .
en  Inhabern  der  Obligationen  steht  kein  Kündigungsrecht  gegen  die  Stadtgemeinde
  zu.
g.  2.

Zur  Leitung  der  die  Ausstellung,  Verzinsung  und  Tilgung  der  auszugebenden
Obligationen  betreffenden  Geschäfte  wird  eine  besenderr  Kommission  gebildet,  bestehend
  aus  dem  Oberbürgermeister  und  drei  Mitgliedern  der  Stadtverordneten-Versammlung,
  welche  von  dieser  letzteren  zu  wählen  sind.

.  3.

Es  werden  ausgegeben  vierhundert  Obligationen,  jede  zu  zweihundert  Thalern,
  und  vierhundert,  jede  zu  Einhundert  Thalern.  Die  Obligationen  werden  in
fortlaufenden  Nummern,  und  zwar  die  Obligationen  von  zweihundert  Thalern
unter  Littr.  A.  von  1.  bis  einschließlich  400.  und  jene  von  Einhundert  Thalern
unter  Littr.  B.  von  401.  bis  einschließlich  800.),  nach  beiliegendem  Schema  aus.
gestellt,  von  dem  Oberbürgermeister  und  der  Kommission  (§.  2.)  unterzeichnet  und
von  dem  Rendanten  der  Kommunalkasse  kontrasignirt.  Denselben  ist  ein  Abdruck
dieses  Privilegiums  beizufügen.

F.  4.

Den  Obligationen  werden  für  die  nächsten  fünf  Jahre  Zinskupons  nebst
Talons  nach  dem  anliegenden  Schema  beigegeben.  Mit  dem  Ablauf  dieser  und
jeder  folgenden  fünffährigen  Periode  werden  nach  vorheriger  öffentlicher  Bekanntmachung
  neue  Zinskupons  und  Talons  durch  die  städtische  Kommunalkasse  an
die  Vorzeiger  der  Talons,  oder,  wenn  diese  abhanden  gekommen  sein  sollten,  dem
rechtzeitigen  Vorzeiger  der  Obligationen  ausgereicht,  und  daß  dies  geschehen,  auf
den  Obligationen  vermerkt.

Die  Kupons  und  Talons  werden  von  der  Kommission  (§F.  2.)  und  dem
Rendanten  der  Kommunalkasse  unterschrieben.

S.  5.

Vom  Verfalltage  ab  wird  gegen  Auslieferung  der  Zinskupons  der  Betrag
derselben  an  den  Vorzeiger  durch  die  Kommunalkasse  gezahlt.  uch  werden  die
fälligen  Zinskupons  bei  allen  Zahlungen  an  die  Kommunalkasse,  namentlich  bei
Entrichtung  der  Kommunalsteuern,  in  Zahlung  angenommen.

K.  6.
Die  Zinskupons  werden  ungültig  und  werthlos,  wenn  sie  binnen  fünf
Jahren  nach  der  Verfallzeit  zur  Zahlung  nicht  bräsemtt  werden.  Die  dafür
ausgesetzten  Fonds  verfallen  zum  Vortheil  der  städtischen  Kommunalkasse.

S.  7.
        <pb n="1916" />
        —  1739  —

S.  7.

Von  den  nach  §.  3.  mit  Littr.  A.  und  Littr.  B.  bezeichneten  Obligationen
kommt  soviel  wie  möglich  eine  gleiche  Anzahl  von  Nummern  zur  Ausloosung.
Die  Nummern  der  zu  tilgenden  Obligationen  werden  jährlich  durch  das  Loos
bestimmt  und  wenigstens  drei  Monate  vor  dem  Zahlungstermine  öffentlich  bekannt
gemacht.

.  8.

Die  Verloosung  geschieht  unter  dem  Vorsitze  des  Oberbürgermeisters  durch
die  Kommission  (F.  2.)  in  einem  vierzehn  Tage  vorher  durch  die  im  §.  12,  aufgeführten
  Blätter  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringenden  Termine,  zu  welchem
das  Publikum  Zutritt  hat.  Ueber  die  Verloosung  wird  ein  von  dem  Oberbürgermeister
  und  den  übrigen  Mitgliedern  der  Kommission  zu  unterzeichnendes
Protokoll  aufgenommen.

S.  9.

Die  Auszahlung  der  ausgeloosten  Obligationen  erfolgt  an  den  hierzu  bestimmten
  Tagen  nach  dem  Nominalwerthe  durch  die  städtische  Kommunalkasse  an
den  Vorzeiger  der  Obligationen  gegen  Auslieferung  derselben.  Mit  dem  zur  Auszuhlung
  bestimmten  Tage  hört  die  Verzinsung  der  ausgeloosten  Obligationen  auf.
Mit  letzteren  sind  zugleich  die  ausgereichten,  nach  dem  Zahlungstermine  fälligen
Zinskupons  einguliesern  geschieht  dies  nicht,  so  wird  der  Betrag  der  fehlenden
Kupons  von  dem  Kapitale  gekürzt  und  zur  Einlösung  dieser  Kupons  benutzt.

*i-Die

  Nummein  der  ausgeloosten,  nicht  zur  Einlösung  vorgezeigten  Obligationen
  werden  in  der  nach  der  Bestimmung  unter  F.  7.  jährlich  zu  erlassenden
Bekanntmachung  wieder  in  Erinnerung  gebracht.  Werden  die  Obligationen,  dieser
  wiederholten  Bekanntmachung  ungeachtet,  nicht  binnen  dreißig  Jahren  nach
den  Zahlungsterminen  zur  Einlösung  vorgezeigt,  auch  nicht  als  verloren  oder
vernichtet  zum  Behufe  der  Ertheilung  neuer  Obligationen  binnen  dieser  Frist  angemeldet,
  so  sollen  nach  deren  Ablauf  die  Obligationen  als  getilgt  angesehen
werden  und  die  dafür  deponirten  Kapitalbeträge  der  städtischen  Armenkasse
anheimfallen.

K.  11.
Für  die  Verzinsung  und  Lilgung  der  Schuld  haftet  die  Stadtgemeinde
mit  ihrem  gesammten  Vermögen  und  ihren  sämmtlichen  Einkünften,  und  kann,

wenn  die  Zinsen  oder  die  ausgeloosten  Obligationen  nicht  zur  rechten  Zeit  geaahlt
werden,  die  Zahlung  derselben  von  den  Gläubigern  gerichtlich  verfolgt  werden.

K.  12.

Die  unter  4.  7.  8.  und  10.  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen  erfolgen
r.  6888.)  durch
        <pb n="1917" />
        —  1740  —

durch  die  Bonner  und  Cölner  Jeitung.  sowie  durch  das  Amtsblatt  oder  öffentlichen
  Anzeiger  der  Regierung  zu  Cöln.

KG.  13.

In  Ansehung  der  verlorenen  oder  vernichteten  Obligationen  oder  Zinskupons
  finden  die  auf  die  Staatsschuldscheine  und  deren  Zinskupons  Bezu
habenden  Vorschriften  der  Verordnung  vom  16.  Juni  1819.  wegen  des
gebots  und  der  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Staatspapiere  §#.  1.
bis  13.  mit  nachstehenden  näheren  Bestimmungen  Anwendung:

a)  die  im  F.  1.  jener  Verordnung  vorgeschriebene  Anzeige  muß  der  im  §.  2.
dieses  Privilegiums  genannten  Kommission  gemackt  werden.  Dieser  werden
alle  diejenigen  Geschäfte  und  Befugnisse  beigelegt,  welche  nach  der  aneführten

  Verordimg  dem  Schatzministerium  zukommen;  -  die  Ver-35
  der  Kommission  findet  jedoch  der  Rekurs  an  die  Regierung  zu
öln  statt;

b)  das  im  §F.  5.  der  Verordnung  gedachte  Aufgebot  erfolgt  bei  dem  Landgerichte
  zu  Bonn;

)  die  in  den  I#F.  6.  9.  und  12,  derselben  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen
sollen  durch  die  im  F.  12.  dieses  Privilegiums  angeführten  Blätter  geschehen;

4)  an  Stelle  der  im  F.  7.  der  Verordnung  erwähnten  sechs  Zinszahlungstermine

  sollen  vier,  und  an  die  Stelle  des  im  §.  8.  erwähnten  achten
Zahlungstermins  soll  der  fünfte  treten.

Zur  Urkunde  dieses  und  zur  Sicherheit  der  Gläubiger  haben  Wir  das
egenwärtige,  durch  die  Gesetz.  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringende
andesherrliche  Privilegium  Allerhöchsteigenhändig  vollzogen  und  unter  Unserem
Königlichen  Wsiege  ausfertigen  lassen,  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern  der
Obligationen  in  Ansehung  ihrer  Befriedigung  eine  Gewährleistung  von  Seiten
des  Staates  zu  bewilligen  oder  Rechten  Dritter  zu  präjudiziren.

Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  31.  August  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

Rhein-
        <pb n="1918" />
        —  1741  —
Nheinprovinz,  Negierungsbezirk  Cöln.
Obligation  der  Stadt  Bonn

II.  Smission

Littr.  A.  9  de.  ·r%  „  "
Littr.  B.  (Trockener  Stempel  der  Stadt  Bonn)

über

Zweihundert  Thaler  Kurant.
Einhundert  Thaler  Kurant.

Die  Endesunterzeichneten,  durch  Allerhöchstes  Privilegium  or.
hierzu  ausbrückln  ermächtigt,  beurkunden  und  bekennen  hiermit,  daß  der  Inhaber
dieser  Obligation  die  Summe  von  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  Thalern  Kurant,  deren  Empfang
sie  bescheinigen,  an  die  Stadtgemeinde  Bonn  zu  fordern  hat.

Die  auf  fünf  Prozent  jährlich  festgesetzten  Zinsen,  am  2.  Januar  und
1.  Juli  jeden  Jahres  fällig,  werden  aber  nur  gegen  Rückgabe  der  ausgefertigten
halbjährigen  Zinskupons  gezahlt.

Die  näheren  Bedingungen  sind  in  dem  umstehend  abgedruckten  Privilegium
  enthalten.

Bonn,  den  ..  ten  .....  18..
Die  staͤdtische  Kommission.
Der  Oberbuͤrgermeister.  Die  kommittirten  Stadtverordneten.
N.  N.  N.  N.

Hierhn  sind  die  Kupons  Serie  I.  I.
bis  10.  nebst  Talon  ausgereicht.

Der  Gemeinde--Empfänger.
N.

Auf  der  Rückseite:

Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen  der  Stadt
HLonn  im  Betrage  von  120,000  Thalern.
Vornr
(Folgt  der  Abdruck  des  Privilegiums.)

Jahrgang  1867.  (Nr.  6888.)  229  Rhein-
        <pb n="1919" />
        Nheinprovinz,  Negierungebezirk  Cöln.

5  Rthlr.  Kupon  Littr.  A.
(24  Rcthlr.)  (Kupon  Littr.  B.)
(Erster)  Kupon
zur
Obligation  der  Stadt  Bonn
II.  Serie
über
..........  Thaler  Kurant
Littr.  .....  —

Inhaber  dieses  empfängt.  an  halbjährigen  Zinsen  der
obengenannten  Bonner  Stadt-Obligation  aus  der  Bonner  Lmmsmalfaffe

.........................  Kurant.
Bonn,  den  .  .  ten..  ..  18.

Der  Oberbürgermeister.  Die  Anleihekommission.
N.  N.  N.  N.

Der  Gemeinde-Empfänger.
N.

Kheinprovinz,  Negierungebezirk  Cöln.

Dalon.

Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  Bonner
Stadt.  Obligation  Littr.  ...  über.  Thaler  Kurant  die
.  UB  Serie  Zinskupons  für  die  Jahre  18..  bis  18..  bei  der  Gemeindekasse
zu  Bonn.

Der  Oberbuͤrgermeister.  Die  Anleihekommission.
N.  N.  N.  N.

Der  Gemeint-  Empfänger.

(Die  Aushändigung  der  Kupons  bleibt  bis  zum  ’i-*m“  der  Empfangsberechtigung
  ausgesetzt,  wenn  der  Inhaber  der  Obligation  den  Talon  als  verloren
gegangen  anzeigt  und  rechtzeitig  n  die  Aushändigung  der  Kupons  an  den
Präsentanten  der  Talons  bei  der  "  tischen  Bhörde  protestirt.)

—  ———

(Nr.  6889.)
        <pb n="1920" />
        —  1743  —

(Nr.  6889.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  17.  September  1867.,  betreffend  die  Aufhebung  der
den  Studirenden  aus  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig  obliegenden
  Verpflichtung  zu  einem  zweijährigen  Studium  auf  der  Universität
in  Kiel.

N%  Ihrem  Antrag  in  dem  Berichte  vom  16.  d.  M.  will  Ich  die  den  Studirenden
  aus  den  Herzogthümern  Holstein  und  Schleswig  nach  den  Königlich
Dänischen  Verordnungen  vom  1.  Februar  1768.  und  271.  September  1774.
obliegende  Verpflichtung,  zwei  Jahre  hindurch  auf  der  Universität  in  Kiel  zu
studiren,  hierdurch  aufheben.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz.  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  17.  September  1867.
Wilhelm.
v.  Mühler.

An  den  Minister  der  geistlichen  2c.  Angelegenheiten.

Wr.  6889—6890)  229°.  (Nr.  6890.)
        <pb n="1921" />
        —  1744  —

(Xr.  6890.)  Allerhoͤchster  Erlaß  vom  20.  Septeniber  1867.,  betreffend  die  Aufhebung  der
Lippeschiffahrts-Abgaben.

A#  Ihren  Bericht  vom  13.  September  d.  J.  genehmige  Ich,  daß  die  Erhebung
der  Lippeschiffahrts-Abgaben  vom  15.  Oktober  d.  J.  ab  eingestellt  werde.
Baden-Baden,  den  20.  September  1867.
Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  oöffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6891.)
        <pb n="1922" />
        —  1745  —

(Nr.  6891.)  Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  den  Bau  und  Betrieb  einer
Zweig.  Eisenbahn  von  Mülheim  am  Rhein  nach  Bergisch-Gladbach  und
Bensberg,  sowie  einer  Verbindungs-Eisenbahn  von  Düsseldorf  nach  Neuß
nebst  fester  Rheinbrücke  bei  Hamm  oberhalb  Düsseldorf  durch  die  Bergisch-Märkische
  Eisenbahngesellschaft,  und  einen  Nachtrag  zum  Statut  der  letzteren.
Vom  22.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rG

Nachdem  die  Bergisch-Märkische  Eisenbahngesellschaft  in  den  Generalversammlungen
  ihrer  Aktionaire  vom  29.  November  1862.  und  27.  Juni  1867.
den  Bau  und  Betrieb  einer  Zweig-Eisenbahn  von  Mülheim  am  Rhein  nach
Bergisch-Gladbach  und  Bensberg,  sowie  einer  Verbindungs-Eisenbahn  von  Düsseldorf
  nach  Neuß  nebst  fester  Rheinbrücke  bei  Hamm  oberhald  Düsseldorf  beschlossen
hat,  wollen  Wir  der  gedachten  Gesellschaft  zu  dieser  eiterung  ihres  Unternehmens
  unter  den  in  dem  beigefügten,  von  Uns  hierdurch  bestätigten  Statutnachtrage
  enthaltenen  Bedingungen  die  landesherrliche  Genehmigung  hiermit
ertheilen.

h  Zugleich  bestimmen  Wir,  daß  die  in  dem  Gsete  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen
  vom  3.  November  1838.  ergangenen  Vorschriften,  betreffend
das  Expropriationsrecht  und  das  Recht  zur  vorübergehenden  Benutuung  fremder
Grundstücke,  auf  die  in  Rede  stehenden  Unternehmungen  Anwendung  finden  sollen,
und  daß  zu  den  im  Interesse  der  Landesvertheidigung  hinsichtlich  des  festen  Rheinüberganges
  bei  Düsseldorf  zu  stellenden  Anforderungen  (I.  2.  des  Statutnachtrages)
  namentlich  gerechnet  werden  sollen:  der  Bau  von  drei  selbstständigen
Forts,  welche  in  sich  sturmfrei  und  mit  sicheren  Unterkunftsräumen  ausgerüstet
sind,  um  den  äußersten  Moment  einer  Zerstörung  der  Brücke  durch  Absprengen
der  Pfeiler  so  lange  als  möglich  hinausschieben  zu  können;  die  Einrichtung  zweckentsprechender
  Demolitionsminen  in  allen  Pfeilern  der  eigentlichen  Strombrücke;
unter  Wegfall  aller  thurmartigen  Pfeileraufsätze  zu  Befestigungszwecken  die  Herellung

  tambourartiger  Waffenplätze  nebst  Blockhäusern  auf  beiden  Ufern  des
heins)  endlich  die  Anlage  einer  Schiebe=  oder  Drehvorrichtung  in  der  nördlich
der  Stadt  Neuß  über  den  Erftkanal  führenden  Brücke  in  dem  Bahntraktus
nebst  Blockhaus  dahinter.

Die  gegenwärtige  Urkunde  ist  nebst  dem  Statutnachtrage  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zu  veröffentlichen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Baden-Baden,  den  22.  September  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

(Nr.  6891.)  Nach-
        <pb n="1923" />
        —  1746  —

Nachtrag
zum

Statut  der  Bergisch-Märkischen  Eisenbahngesellschaft.

S.  1.  »
Die  Bergisch-Märkische  Eisenbahngesellschaft  übernimmt  in  Erweiterung
ihres  Unternehmens  den  Bau  und  Betrieb  folgender  Eisenbahnlinien:

1)  einer  Oweigbahn  von  Mülheim  am  Rhein  nach  Bergisch-Gladbach  und
Bensberg  nebst  den  als  zweckmäßig  sich  erweisenden  Verbindungen  mit
den  bergbaulichen  und  industriellen  Anlagen  der  benachbarten  Thäler,
nach  beielle  Festshung  des  Königlichen  Ministeriums  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten,

2)  einer  narenungeka  zwischen  den  rechts-  und  linksrheinischen  Strecken
der  Bergisch-Maärkischen  Eisenbahn  von  Düsseldorf  nach  Neuß  nebst  fester
Rheinbrucke  bei  Hamm  oberhalb  Düsseldorf.

.  2.

Die  Bergisch-Märkische  Eisenbahngesellschaft  verpflichtet  sich)  diejenigen
Anforderungen  zu  erfüllen,  welche  die  Königliche  Staatsregierung  im  Interesse
der  Landesvertheidigung  hinsichtlich  des  festen  Rheinüberganges  bei  Dusseldorf
bei  Ertheilung  der  landesherrlichen  Konzession  stellen  wird,  und  die  zu  jenem  Zweck
festgesetzten  Einrichtungen  und  Anlagen  auf  ihre  Kosten  auszuführen,  resp.  die
Kosten  dafür  zu  übernehmen.

KG.  3.

Die  Bergisch-Märkische  Eisenbahngesellschaft  verpflichtet  sich,  nach  den
jeweiligen  Festsetzungen  des  Königlichen  Handelsministeriums  den  Verkehr  zwischen
der  im  5.  1.  gedachten  Zweigbahn  von  Mülheim  am  Rhein  nach  Bergisch-Gladbach
  und  Bensberg  mit  der  Cöln-Mindener  Eisenbahn  durch  die  Einrichtung
  direkter  Expeditionen  und  durch  billige  Bemessung  sowohl  der  Frachtantheile
als  auch  der  Bedingungen  für  das  Durchgehen  der  Transportmittel  dem  Verkehr
auf  der  eigenen  Baßsbtel  Haan-Cöln  Munichse  gleichzustellen.

KC.  4.

Das  Unternehmen  der  Bergisch=  Märkischen  Eisenbahngesellchaf  wird
ferner  ausgedehnt  auf  den  Bau  und  Betrieb  solcher  Zweig=  un  Betenbehne
welche
        <pb n="1924" />
        —  1747  —

welche  von  der  Gesellschaftsdeputation  und  der  Königlichen  Eisenbahndirektion
als  nützlich  oder  nothwendig  zur  Belebung  des  Verkehrs  auf  den  Hauptlinien
anerkannt  werden  und  deren  Ausführung  vom  Koöniglichen  Handelsministerium
genehmigt  wird.  '

s.5.

Aufdieinss.1.und4.aufeführtenEisenbahnliniensindendieStatuten
undStatutnachträgederBekgisch-ärkischenEisenbahngesellschaft,sowieder
Betriebs-Ueberlassungsvertrag  vom  23.  August  1850.  und  seine  Ergänzungen,
ferner  der  F.  9.  des  durch  Gesetz  vom  30.  April  1856.  genehmigten  Vertrages
über  die  Ruhr-  Sieg  Eisenbahn,  desgleichen  die  zwischen  der  Königlichen  Staatsregierung
  und  der  Bergisch-Märkischen  Eisinbahngesellschaft  bestehenden  Vereinbarungen
  über  die  Militairtransporte,  Post-  und  Telegraphenverwaltung  und
über  die  Beschaffung  der  Betriebsmittel  für  die  iiisch-Mh  und  Ruhr-Sig
  Eisenbahn  in  gleicher  Weise  Anwendung,  wie  auf  die  bereits  ausgeführten

inien.
g.  6.

Die  Bergisch-Märkische  Eisenbahngesellschaft  vermehrt  ihr  Stamm-Aktienkapital
  um  den  weiteren  Betrag  von  fünf  Millionen  Thaler  durch  Ausgabe
von  fünfsigtausend  Bergisch-Märkischen  Stammaktien  à  100  Thaler,  auf  welche
die  §#.  4.  5.  6.  des  durch  Allerhöchsten  Erlaß  vom  9.  Januar  1865.  genehmigten
Statutnachtrages  Anwendung  finden.

(Tr.  6891—6892.)  (Nr.  6892.)
        <pb n="1925" />
        —  1748  —

(Nr.  6892.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  28.  September  1867.,  betreffend  die  Ausführung  und
künftige  Verwaltung  der  Saarbrücken-Saargemünder  Eisenbahn,  als  einer
Zweigbahn  der  Saarbrücker  Staats-Eisenbahn.

A##  Ihren  Bericht  vom  21.  September  d.  J.  ermächtige  Ich  Sie,  den  Bau
und  die  künsiige  Verwaltung  der  durch  das  Gesetz  vom  9.  März  1867.  (Gesetz-Samml.
  S.  393.)  zur  Ausführung  für  Rechnung  des  Staats  genehmigten
Eisenbahn  von  Saarbrücken  nach  Saargemünd,  als  einer  Zweigbahn  der  Saarbrücker
  Staats-Eisenbahn,  der  Königlichen  Eisenbahndirektion  in  Saarbrücken
zu  übertragen,  welche  auch  hinsichtlich  dieser  Bauausführung  und  Verwaltung
alle  Rechte  und  Pflichten  einer  öffentlichen  Behörde  haben  sol.

Zugleich  bestimme  Ich,  daß  auf  den  in  das  diesseitige  Staatsgebiet  fallenden.
Theil  der  in  Rede  stehenden  Eisenbahn  das  Recht  zur  Expropriation  derjenigen
Grundstücke,  welche  zur  Bauausführung  nach  dem  von  Ihnen  festzustellenden
Bauplan  erforderlich  sind,  sowie  das  Recht  zur  vorübergehenden  Benutzung  fremder
Grundstücke  nach  den  Vorschriften  des  Gesetzes  über  die  Eisenbahn-Unterneh
vom  3.  November  1838.  zur  Anwendung  kommen  soll.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  bekannt  zu  machen.
Schloß  Mainau,  den  28.  September  1867.

Wilhelm.

Gr.  v.  Itzenplitz.

 

 

O

An  den  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Sofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1926" />
        —  1749  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  112.

 

(Nr.  6893.)  Privilegium  zur  Ausgabe  auf  den  Inhaber  lautender  Obligationen  zum  Betrage
von  Einer  Million  Thaler  Seitens  der  Mansfeld'schen  Kupferschiefer
bauenden  Gewerkschaft.  Vom  16.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #c

Nachdem  von  der  Deputation  der  Mansfeld'schen  Kupferschiefer  bauenden
Gewerkschaft  auf  Grund  des  in  der  Generalversammlung  vom  27.  Mai  1867.
efaßten  Gewerkenbeschlusses  darauf  angetragen  worden  ist,  der  genannten  Gewerk.
sa  Behufs  Bestreitung  außerordentlicher  Ausgaben  für  Erweiterung  der  bestehenden
  Werke  und  für  neue  Anlagen  zur  Vermehrung  der  Produktion,  sowie  für
Erwerbung  von  Bergwerkseigenthum  und  Grundstücken  die  Aufnahme  eines
Darlehns  von  Einer  Million  Thaler  gegen  Ausstellung  auf  den  Inhaber
lautender  und  mit  Zinsscheinen  versehener  Schuldscheine  zu  gefurn  so  wollen  Wir
in  Berücksichtigung  des  nachgewiesenen  Bedürfnisses  und  da  sich  gegen  diesen
Antrag  weder  im  meresse  der  Gläubiger  noch  der  Schuldner  etwas  zu  erinnern
gefunden  hat,  in  Gemäßheit  des  S.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  durch
gegenwärtiges  Privilegium  zur  Aufnahme  dieser  Anleihe  gegen  Ausgabe  der  gedachten
  Schuldscheine  unter  nachstehenden  Bedingungen  Unsere  landesherrliche
Genehmigung  ertheilen.

S.  1.

Die  Schuldscheine  im  Gesammtbetrage  von  Einer  Million  Thaler  werden
unter  der  Bezeichnung  „Schuldschein  der  Mansseldschen  Kupferschiefer  bauenden
Gewerkschaft  zu  Eisleben,  zweite  Emission,  Anleihe  des  Jahres  1867./)  nach  dem
anliegenden  Schema  I.  in  Apoints  von  200  Thalern  unter  fortlaufender  Nummer
von  2501.  bis  mit  7500.  ausgefertigt.  Die  gesammte  Stückzahl  dieser  Schuldscheine
beträgt  5000,  und  je  20  Stück  bilden  eine  Serie,  also  im  Ganzen  250  Serien
ur  bequemen  leberschr  bei  der  Verloosung.  Jeder  Schuldschein  trägt  daher  eine
43  und  eine  Serien-Nummer.

Die  Schuldscheine,  auf  deren  Rückseite  dieses  Privilegium  abgedruckt  wird,
werden  von  einem  Mitgliede  der  gewerkschaftlichen  Deputation  und  von  den  beiden
gewerkschaftlichen  Hauptkassen-Beamten  unterzeichnet.

Jahrzang  1867.  (Nr.  6893.)  230  Jedem

Ausgegeben  zu  Berlin  den  16.  Oktober  1867,
        <pb n="1927" />
        —  1750  —

Jedem  Schuldscheine  werden  Zinskupons  auf  je  fünf  Jahre  und  ein  Talon
zr  Erhebung  fernerer  Kupons  nach  den  anliegenden  Schemas  II.  und  III.
eigegeben.

Diese  Kupons,  sowie  der  Talon  werden  nach  Ablauf  des  letzten  Jahres,
für  welche  sie  ausgegeben  worden,  zufolge  besonderer  Bekanntmachung  in  den
&amp;amp;  5.  bezeichneten  Zeitungen  erneuert.  Die  Talons  und  Kupons  werden  mit  dem
desteie  eines  gewerkschaftlichen  Deputirten  und  des  Hauptkassen  Rendanten
versehen.

g.  2.

Sämmtliche  nach  8.  1.  zu  emittirende  Schuldscheine  werden  alljährlich  mit
43  Prozent  verzinst.  Die  Zinsen  werden  in  halbjährigen,  am  2.  Januar  und
1.  Juli  jeden  Jahres  fälligen  Raten  gegen  Aushändigung  der  fällig  gewordenen
Zinõkupons  postnumerando  entweder  dei  der  gewerkschaftuichen  Hauptkasse  zu  Eisleben
  oder  bei  einem  in  den  K.  5.  genannten  Zeitungen  zu  benennenden  Bankhause
nach  der  Wahl  der  Inhaber  ausbezahlt.

8.  3.

Die  Ansprüche  auf  Zinsvergütung  erlöschen  und  die  Zinskupons  werden
ungültig  und  werthlos,  wenn  diese  nicht  binnen  vier  Jahren  nach  der  Verfallzeit
zur  Zahlung  präsentirt  werden.

KC.  4.

Die  Verzinsung  der  Schuldscheine  hört  mit  dem  Tage  auf,  an  welchem
dieselben  zur  Rückzahlung  fällig  sind;  wird  diese  in  Empfang  genommen,  so
müssen  siegleich  die  ausgereichten  Talons,  sowie  diejenigen  Zinskupons,  welche
später  als  an  jenem  Tage  verfallen,  mit  den  fälligen  Schuldscheinen  eingeliefert
werden,  geschieht  dies  nicht,  so  wird  der  Betrag  der  fehlenden  Zinskupons  von
dem  Kapitale  gekürzt.

G.  5.

Die  Schuldscheine  unterliegen  der  Amortisation,  auf  welche  jährlich  mindestens
  zwei  Prozent  der  F.  1.  bezeichneten  Anleihesumme  oder  20,000  Thaler  oder
5  Serien  verwendet  werden.  Die  Bestimmung  der  alljährlich  zur  Tilgung  kommenden
  Schuldscheine  geschieht  durch  serienweise  Ausloosung.  Die  Ausloosung
erfolgt  ducch  die  gewerkschaftliche  Deputation  oder  ihre  Vertreter  in  Gegenwart
eines  Komnnssarius  der  Königlichen  Bergbehörde  und  unter  Zuziehung  eines,  das
oll  führenden  Königlich  Preußischen  Notars  zu  Eisleben  im  Mai  jeden

ahres,  und  zwar  zuerst  im  Mai  1870.

Die  ausgeloosten  Serien  werden  in  der  Leipziger,  Magdeburger  und
Berliner  Börsenzeitung  durch  dreimalige  Bekunntmach  aufgerufen;  die  erste
Einrückung  derselben  muß  spätestens  sechs  Monate  vor  dem  bestimmten  Zahlungstermine
  Fulzen.  Wenn  ein  solches  Blatt  eingeht,  bestimmt  die  gewerkschaftliche
Deputation  ein  anderes  an  dessen  Stelle.

K  6.
        <pb n="1928" />
        —  1751  —

S.  6.
Die  Auszahlung  des  Nennwerthes  der  zu  den  ausgeloosten  Serien  gehörigen
Schuldscheine  geschege  an  dem  auf  die  Ausloosung  folgenden  2.  Januar  gegen
ihre  Aushändigung  bei  den  F.  2.  bezeichneten  Kassen.

ß.  7.

Der  Gewerkschaft  bleibt  vorbehalten,  anstatt  der  1  5.  fest  Tste  Ausloosung
  der  Schuldscheine  Behufs  deren  Tilgung  entweder  dieselben  Pee  ändig  anzukaufen,
  oder  die  nach  F.  5.  alljährlich  in  der  Regel  auszuloosende  Serienzahl  zu
erhöhen,  oder  auch  Behufs  der  Amortisation  den  ganzen  noch  nicht  ausgeloosten
Bestand  der  Anleihe,  nach  vorangegangener  einhalbjähriger,  auf  den  nächsten  2.  Januar,
  als  den  F.  6.  festgesetzten  AIhlusgeran,  gerichteten  Kündigung  zurückzuzahlen.
Diese  Kündigung  ist  durch  dreimalige  öffentliche  Bekanntmachung,  von  denen  die
erste  spätestens  sechs  Monate  vor  dem  Zahlungstermine  erfolgen  muß,  in  den  oben
.  5.  bezeichneten  Blättern  zu  bewirken.

S.  8.

Die  ausgeloosten  oder  gekündigten,  doch  ungeachtet  der  öffentlichen  Bekanntmachung
  zur  Verfallzeit  nicht  zur  Einlösung  eingereichten  Schuldscheine  und  die
Ansprüche  auf  die  darin  verschriebenen  Kapitalsbeträge  erlöschen  nach  Ablauf
von  30  Jahren.

S.  9.

Die  Auszahlung  der  fälligen  Kapitalsbeträge  und  Zinsen  bei  den  §.  2.
erwähnten  Kassen  wird  baar  und  ohne  allen  Abzug  bewirkt,  und  zwar  an  den
jedesmaligen  Präsentanten  der  Schuldscheine  bezüglich  Zinskupons,  ohne  Prüfung
seiner  Legitimation.

G.  10.

Die  Inhaber  der  Schuldscheine  sind  nicht  befugt  b  die  Zahlung  der  darin
verschriebenen  Kapitalsbeträge  nebst  Zinsen  anders  als  nach  Maaßgabe  des  in
§.  5.  und  7.  gedachten  Amortisationsplans  zu  fordern.

KS.  11.

Die  Inhaber  der  Schuldscheine  sind  auf  Höhe  der  darin  verschriebenen
Kapitalsbeträge  nebst  Zinsen  Gläubiger  der  Mansfeld'schen  Kupferschiefer  bauenden
Gewertichat  und  ist  ihnen  dafür  das  gesammte  gewerkschaftliche  Vermögen
verhaftet.

Den  Inhabern  der  auf  Grund  des  Allerhöchsten  Privilegiums  vom
14.  Juni  1859.  ausgegebenen  Schuldscheine  verbleibt  das  Vorzugsrecht  auf  Befriedigung
  ihrer  Ansprüche  gegen  die  ewerlcha  vor  den  Inhabern  der  Schuldscheine,
  welche  auf  Grund  des  gegenwärtigen  Privilegiums  werden  ausgegeben
werden.

Grr.  &amp;amp;#03.)  230“  .
        <pb n="1929" />
        —  1752  —

K.  12.

Angeblich  vernichtete  oder  verlorene  Schuldscheine  unterliegen  dem  gewöhnlichen
  gesetzlichen  Mortifikationsverfahren  und  findet  deren  Ersatz  nur  gegen  Aushändigung
  der  betreffenden  Mortifikationsurtel  statt.

Angeblich  vernichtete  oder  verlorene  Zinskupons  und  Talons  können  weder
aufgeboten,  noch  amortisirt  werden;  jedoch  soll  demjenigen,  welcher  den  Verlust
von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  Perährungefrin  (§.  3.)  bei  der  gewerkschaftlichen
Berg=  und  Hüttendirektion  anmeldet  und  den  satigehabten  Besitz  in  glaubhafter
Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
und  bis  dahin  nicht  zum  Vorschein  gekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung
ausgezahlt  werden.

S.  13.

Darüber,  daß  die  Mansfeld'sche  Kupferschiefer  bauende  Gewerkschaft  ihre
in  vorstehenden  Bestimmungen  übernommenen  Verpflichtungen  gehörig  erfüllt,
wird  die  Königliche  Bergbehörde  Aufsicht  führen.

Zu  Urkunde  dessen  haben  Wir  das  gegenwärtige  Privilegium  Höchsteigenhändig
  vollzogen  und  unter  dem  Köngliches  Insiegel  ausfertigen  lassen,  ohne
jedoch  den  Abem  der  Schuldscheine  in  Ansehung  der  Lefeicdigung  eine  Gewährleistung
  von  Seiten  des  Staates  zu  geben  oder  den  Rechten  Dritter  zu  präjudiziren.


Gegeben  Berlin,  den  16.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

Sche-
        <pb n="1930" />
        —  1763  —

Schema  I.

Schuldschein

der

Mansfeld'schen  Kupferschiefer  bauenden  Gewerkschaft  zu  Eisleben,
zweite  Emission,
Anleihe  des  Jahres  1867.)
über

200  Thaler.

Inhaber  dieses  Schuldscheins  hat  einen  Antheil  im  Betrage  von  Zweihundert
Thalern  an  der  mit  Allerhöchster  Genehmigung  und  nach  den  Bestimmungen
des  umstehenden  Privilegiums  aufgenommenen  Anleihe  der  Mansfeld'schen  Kuifer,
schiefer  bauenden  Erwecsschaft

Die  Zinsen  mit  vier  und  einhalb  vom  Hundert  für  as  Jahr  find  gegen
die  am  2.  Januar  und  1.  Juli  jeden  Jahres  zahlbaren  halbjährigen  und  dem
Schuldschein  beigegebenen  Zinskupons  zu  erheben.

Eisleben,  den  e..  18.
Für  die  gewerkschaftliche  Die  gewerkschaftliche
Deputation.  Hauptkassen-Verwaltung.

Kontroleur.  Rendant.
Dieser  Schuldschein  wird  ungültig  und
werthlos,  wenn  er  nicht  binnen  dreissig  Jahren,
  von  dem  Verfalltage  ab  gerechnet,  zur
Zahlung  präsentirt  wird.

Mr.  6893.)  Sche-
        <pb n="1931" />
        —  1754  —

Schemea  II.
M  .  ...  Serie  .....

Mansfeld'sche  Kupferschiefer  bauende  Gewerkschaft.
Zinskupon

zu  dem
Schuldschein  zweite  Emission  ##  Serie
über
200  Thaler.

Inhaber  dieses  Kupens  empfängt  gegen  dessen  Aushändigung  am
..  .  .  ..  18  s  Betrag  der  an  diesem  e  fälligen  halbjährigen.
Zusen  des  obenzeichneten  me  z  über  200  Thaler

vier  Thaler  funfzehn  Silbergroschen
aus  der  gewerkschaftlichen  Hauptkasse.
Eisleben,  den  1  .  ..  18..

Für  die  gewerkschaftliche  Deputation.  Die  gewerkschaftliche  Hauptkasse.
(Fakfimile.)  Rendant.
(Faksimile.)
Dieser  Zinskupon  wird  ungültig  und  werthlos,
wenn  er  nicht  binnen  vier  Jahren,  von  dem
Verfalltage  ab  gerechnet,  zur  Zahlung  präsentirt
  ist.

Sche
        <pb n="1932" />
        —  1765  —
Schema  III.

Dalon

zu  dem
Schuldschein  der  Mansfeld'schen  Kupferschiefer  bauenden
Gewerkschaft  zu  Eisleben,
tweite  Emission,
Anleihe  des  Jahres  1867.)

über

200  Thaler.

Vorzeiger  dieses  Talons  erhält  ohne  weitere  Prüfung  seiner  Legitimation
die  für  vonsichenden  Schuldschein  auszufertigende  Lerie  der  Zinskupons.

Eisleben,  den  n.  ..  18.
Für  die  gewerkschaftliche  Deputation.  Die  gewerkschaftliche  Hauptkasse.

(Faksimile.)  Rendant.
(Faksimile.)

(Nr.  6893—6e884.)  (Nr.  6894.)
        <pb n="1933" />
        —  1756  —

(Nr.  6894.)  Statut  für  die  Genossenschaft  zur  Entwässerung  der  Grundstücke  oberhalb  der
Kontnomühle,  im  Kreise  Mogilno  des  Regierungsbezirks  Bromberg.
Vom  23.  September  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r.

verordnen,  nach  Anhörung  der  Betheiligten,  auf  Grund  des  Artikels  2.  des  Gesetzes
vom  11.  Mai  1853.  und  der  §F.  56.  und  57.  des  Gesetzes  vom  28.  Februar
1843.,  was  folgt:

K.  1.

Die  Besitzer  der  im  Kreise  Mogilno  oberhalb  der  Kontnomühle  belegenen
Grundstücke,  welche  an  zu  großer  Nässe  leiden,  werden  zu  einer  Genossenschaft
vereinigt,  um  die  Wasserkraft  der  gedachten  Mühle  anzukaufen  und  demnächst  den
Ertrag  ihrer  Grundstücke  durch  Entwässerung  zu  verbessern.  Der  Meliorationsbezirk
  umfaßt  für  jetzt  alle  diejenigen  Grundstücke,  welche  in  dem  speziellen  Vermessungsregister
  des  Regierungs-Feldmessers  Hübner  vom  19.  und  20.  November
1865.),  berichtigt  den  28.  März  1866.)  nachgewiesen  sind,  mit  Ausnahme  des
Lososnicker-Sees  und  der  an  denselben  grenzenden  Flächen,  sowie  mit  Ausnahme
der  12  Morgen  29  Quadratruthen,  welche  nach  dem  Gutachten  des  Oekonomie-Kommissionsrathes
  Herrmann  vom  16.  Juli  1867.  keinen  Vortheil  von  der  projektirten
  Entwässerung  haben  werden  (cfr.  Fol.  18.7  des  Schulemannschen
Projektes).

Beschwerden  gegen  dasselbe  können  binnen  drei  Monaten  nach  der  ersten  Ausschreibung
  von  Beiträgen  bei  dem  Landrathe  des  Mogilnoer  Kreises  erhoben  werden.
Die  Entscheidung  über  dieselben  erfolgt  durch  die  Regierung  in  Bromberg  nach
Untersuchung  durch  zwei  von  derselben  zu  ernennende  Sachverständige.  Gegen  die
Entscheidung  der  Regierung  ist  binnen  ses  Wochen  nach  deren  Bekanntmachung
Rekurs  an  den  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  mlsig,  Die
Kosten  des  Verfahrens  treffen  den  Beschwerdeführer,  wenn  die  Beschwerde  zurück.
gewiesen  wird.

Der  Meliorationsbezirk  kann  auf  Antrag  des  Vorstandes  mit  Genehmigung
der  Aufsichtsbehörde  erweitert  und  beschränkt  werden.

Die  Gewossenschaft  hat  Korporationsrechte  und  ihren  Gerichtsstand  bei  dem
Kreisgerichte  zu  Trzemeszno.

KC.  2.

Die  Ausführung  der  Melioration  erfolgt  nach  Maaßzabe  des  von  dem
Bauinspektor  Schulemann  unterm  21.  März  1867.  aufgestellten  Plans,  vorbehaltlich
  der  näheren  Feststellung  desselben  bei  der  Superrevision  in  höherer  Instanz.
Soweit  die  Entwässerungsanlagen  auf  gemeinschaftliche  Kosten  hergestellt
werden,  sollen  sie  ebenso  unterhalten  werden.
Bewässerungsanlagen,  welche  später  zur  besseren  Kultur  der  Wiesen  als
nützlich  erkannt  werden,  hat  der  Vorstand  zu  vermitteln,  und  im  Mangel  der
        <pb n="1934" />
        —  1757  —

Einigung  nöthigenfalls  auf  Kosten  der  dabei  speziell  Betheiligten  durchzuführen,
nachdem  der  Plan  dazu  von  der  Regierung  nach  Anhörung  der  betheiligten
Besitzer  und  des  Vorstandes  festgestellt  ist.

ß.  3.

Die  Interessenten  geben  das  für  die  Meliorationsanlagen,  insbesondere  die
Gräben,  nothwendige  Terrain  znentgeltich  her.  Sollte  der  Nachtheil  nicht  durch
die  Grasnutzung  an  den  Grabenrändern  oder  sonstige  besondere  Vortheile  genügen
aufgewogen  werden,  so  ist  billige  Entschädigung  zu  gewähren,  und  diese  in  Streitfällen
  schiedsrichterlich  (§.  7.)  festzustellen.

g.  4.

Die  Kosten  zur  Ausführung  und  Unterhaltung  der  Meliorationsanlagen
werden  von  den  Genossen  nach  Verhällniß  der  Flichn  aufgebracht,  welche  sie
im  Meliorationsgebiet  besitzen  (F.  1.).  «

BeschwerdengegendiesenVeitrasmaaßstäbsindind"er§.1.gedachtcn
Frist  anzubringen  und  in  der  daselbst  Pimmen  Weise  zu  entscheiden.

g.  5.

An  der  Spitze  der  Genossenschaft  steht  als  Direktor  derselben  der  Landrath
  des  Kreises  Mogilno  oder  sein  gesetzlicher  Stellvertreter.  Derselbe  führt  die
Verwaltung  nach  den  Bestimmungen  dieses  Statuts  und  den  Beschlüssen  des
Vorstandes)  und  vertritt  die  Genossenschaft  in  allen  Angelegenheiten,  dritten  Personen
  gegenüber,  in  und  außer  Gericht.

Er  hat  insbesondere:
a)  die  Ausführung  der  beabsichtigten  Verbesserung  zu  veranlassen;

b)  die  Beiträge  auszuschreiben  und  von  den  Säumigen  nöthigenfalls  durch
administrative  Exekution  zur  Genossenschaftskasse  einzuziehen,  die  Zahlungen
auf  die  Kasse  anzuweisen  und  die  Kassenverwaltung  zu  revidiren;

e)  den  Schriftwechsel  für  die  Genossenschaft  zu  führen  und  die  Urkunden.
derselben  zu  unterzeichnen.

Dem  Genossenschaftsdirektor  wird  ein  Vorstand  von  vier  Mitgliedern  beigeordnet,
  welcher  unter  dem  Vorsitze  des  Direktors  na  Sümmenmehrhei  bindende
Beschlüsse  für  die  Geno  Enschast  zu  fassen,  den  Direktor  in  der  Geschäftsführung
zu  unterstützen  und  das  Beste  der  Genossenschaft  überall  wahrzunehmen  hat.

Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  die  Stimme  des  Genossenschaftsdirektors.

Die  Vorstandsmitglieder  werden  von  den  Interessenten  gewählt.

Jedes  Mitglied,  welches  Ein  bis  zehn  Morgen  im  Meliorationsterrai
besitzt,  hat  dabei  Eine  Stimme,  wer  über  zehn  bis  zwanzig  Morgen  besitzt,  zwei
Stimmen,  über  zwanzig  bis  dreißig  Morgen,  drei  Stimmen  u.  s.  w.

Wer  mit  seinen  Beiträgen  im  Rückstande  oder  nicht  im  Besitze  der  bürgerlichen
  Ehrenrechte  ist,  hat  keine  Stimme.  ·

Jahrgang  1867.  (Nr.  6894.)  231  Für
        <pb n="1935" />
        —  1758  —

Für  jedes  Vorstandsmitglied  wird  ein  Stellvertreter  gewählt.
Die  Wahlen  werden  von  dem  Landrathe  geleitet.

g.  6.

Der  Direktor  und  die  Vorstandsmitglieder  verwalten  ihr  Amt  unentgeltlich.
Der  erstere  hat  Entschädigung  für  baare  Auslagen  zu  fordern.

Jedes  Genossen  rhiis  muß  die  auf  ihn  fallende  Wahl  annehmen,
widrigenfalls  ihn  die  Nachtheile  treffen,  welche  für  analoge  Fälle  in  der  Städte-Ordnung
  vom  30.  Mai  1853.  festgesetzt  sind.

ß.  7.

Die  Streitigkeiten,  welche  zwischen  Mitgliedern  der  Genossenschaft  über  das
Eigenthum  von  Grundstucken,  über  die  Zuständigkeit  oder  den  Umfang  von  Grundrrcchtigkeien
  oder  anderen  Nutzungsrechten,  und  über  besondere,  auf  speziellen
Lechtstteln  beruhende  Rechte  und  Verbindlichkeiten  entstehen,  gehören  zur  Entscheidung
  der  ordentlichen  Gerichte.  Dagegen  werden  alle  anderen,  die  Femeinsamen
  angelegenheiten  der  Genossenschaft  oder  die  vorgebliche  Beeinträchtigung
eines  oder  des  anderen  Genossen  beirefenden  Beschwerden  von  dem  Genossenschaftsdirektor
  in  Gemeinschaft  mit  dem  Vorstande  untersucht  und  nach  M  Vahl  der
Stimmen  entschieden.  Gegen  die  Entscheidung  steht  jedem  Theile  der  Rekurs
an  ein  Schiedsgericht  frei,  welcher  binnen  zehn  Tagen,  von  Bekanntmachung  des
Bescheides  an  gerechnet,  bei  dem  Landrathe  angemeldet  werden  muß.  Ein  weiteres
Rechtsmittel  findet  nicht  statt.  Der  unterliegende  Theil  trägt  die  Kosten.  Das
Schiedsgericht  besteht  aus  zwei  vom  Vorstande  auf  drei  Jahre  gewählten,  bei
der  Melioration  unbetheiligten  Schiedsrichtern  und  einem  von  der  Regierung  in
Bromberg  bestellten  Obmann.

C.  8.

Die  Genossenschast  ist  der  Oberaufsicht  des  Staats  unterworfen.  Das
Aufsichtsrecht  wird  von  der  Regierung  zu  Bromberg  und  von  dem  Minister  für
die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  ausgeübt  nach  Maaßgabe  dieses  Statutes,
übrigene  in  dem  Umfange  und  mit  den  Befugnissen,  welche  den  Aufsichtsbehörden
der  Gemeinden  zustehen.

lirlundih  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden  b  den  23.  September  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

 

(Nr.  6895.)
        <pb n="1936" />
        —  1759  —

(Nr.  6895.)  Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  den  Bau  und  Betrieb  einer
Eisenbahn  von  Nordhausen  in  der  Richtung  nach  Nottheim  durch  die
Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft  und  den  sechsten
Nachtrag  zum  Statut  der  letzteren.  Vom  24.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛ.

Nachdem  von  Seiten  der  Mageburg-Köthen  Halle  veipsiger  Eisenbahngesellcchaft
  auf  Grund  der  in  der  Generalversammlung  ihrer  Aktionaire  vom
9.  März  1867.  gefaßten  Beschlüsse  darauf  angetragen  worden  ist,  ihr  die  Ausdehnung
  ihres  Unternehmens  zub  den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von
Nordhausen  in  der  Richtung  auf  Northeim  bis  zu  einem  mit  der  Staatsregierung
zu  vereinbarenden  Endpunkte  zu  gestatten  und  den  anliegenden  sechsten  Nachtrag
u  ihrem  Statut  zu  bestätigen,  wollen  Wir  der  gedachten  Gesellschaft  sowohl  zum
Bau  und  Betrieb  der  gedachten  Eisenbahn  Unsere  Genehmigung,  als  auch  dem
Statutnachtrage  Unsere  Bestätigung  hiermit  landesherrlich  ertheilen.  Zugleich
bestimmen  Wir,  daß  die  in  dem  Gesetze  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen
vom  3.  November  1838.  ergangenen  Vorschriften,  insbesondere  diejenigen  über
die  Expropriation  und  das  Recht  zur  vorübergehenden  Benutzung  fremder  Grundstücke,
  auf  das  in  Rede  stehende  Eisenbahn-Unternehmen  Anwendung  finden  sollen.

Die  gegenwärtige  Urkunde  ist  nebst  dem  Statutnachtrage  durch  die  Gesetz-Sammlung
  bekannt  zu  machen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  24.  September  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

*  231“  Sechs.
        <pb n="1937" />
        —  1760  —

Sechster  Nachtrag
zum

Statute  der  Magdeburg  -  Köthen-  Halle-  Leipziger
Eisenbahngesellschaft.

KG.  1.

Die  Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft  übernimmt
den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn  von  Nordhausen  in  der  Richtung  nach
Tortheim  bis  zu  einem  mit  der  Königlichen  Staatsregierung  zu  vereinbarenden

mndpunkte.

.  2.

Die  spezielle  Richtung  dieser  Bahn  wird  durch  die  vom  Königlichen
Handelsministerium  fessgestellen  „resp.  festzustellenden  Baupläne  bestimmt,  von
denen  nur  unter  besonderer  Genehmigung  des  gedachten  Ministeriums  abgewichen
werden  darf.

d.  3.

Das  zur  Ausführung  des  Baues  erforderliche  Baukapital  wird  auf
1,750,000  Rihlr.,  schreibe:  Eine  Million  siebenhundert  funfzigtausend  Thaler,
angenommen  und  durch  Ausgabe  von  17,500  Stück  neuer  Stammaktien,  das
Stück  zu  100  Rthlr.,  schreibe:  Einhundert  Thaler,  beschafft.  Die  Inhaber  der
vorhandenen  35,000  Stück  alter  Stammaktien  sollen  berechtigt  sein,  die  neuen,
und  zwar  Eine  auf  .  zwei  alte  gegen  Einzahlung  des  vollen  Nominalbetrages
von  Einhundert  Thalern  pro  Aktie  zu  erhalten.  Die  Einzahlungen  auf  die  neuen
Stammaktien  werden  bis  zum  Schlusse  des  Jahres  1868.  einfefordert  und  sind
von  dem  Tage  der  Zahlungsleistung  bis  zum  31.  Dezember  1868.  mit  jährlich
vier  einld  rozent  zu  verzinsen.

icht  abgehobene  neue  Aktien  werden  für  Rechnung  und  zum  Vortheile

der  Gesellschaft  verwerthet.  Die  Verzinsung  dieses  für  den  Bau  der  Bahn  durch
Stammaktien  aufgebrachten  Anlagekapitals  von  1,750,000  Rthlr.  fällt  dem  Baufonds
  bis  zu  dem  auf  die  Betriebseröffnung  dieser  Bahn  folgenden  1.  Januar
mit  vier  einhalb  Prozent  jährlich  zur  Last.  Die  neuen  Aktien  nehmen  jedoch
bereits  vom  1.  Januar  1869.  ab  an  allen  Rechten  der  alten  Aktien  und  auch
an  dem  Reingewinn  des  alten  Unternehmens  der  Magdeburg-Köthen-Halle-Leipiger
  Eisenbahmngesellchaft  derart  Theil,  daß  sie  zußunmeg  und  gleichzeitig  an
insen  des  Baufonds  und  Dividenden  ebensoviel  erhalten,  wie  die  alten  Aktien

an  Dividenden.  Bei  der  Einforderung  der  einzelnen  Theilzahlungen,  der  Verf.
        <pb n="1938" />
        —  1761  —

haftung  der  Zeichner,  der  Ertheilung  der  Quittungsbogen  und  deren  Uebertragung
an  Andere,  welche  letztere  stempelfrei  ist,  sind  die  Bestimmungen  der  I#.  2.  bis  13.
des  Statuts  der  Magdeburg-ölhen-Hall-Leipsiger  Eisenbahngesellschaft  (Gesetz-Samml.
  für  1857.  S.  727.)  mit  der  Modifikation  maaßgebend,  daß  die  im
§.  6.  am  allegirten  Orte  festgestellte  Konventionalstrafe  nur  Einen  Thaler  betragen
soll.  Die  Bedingungen  der  Zeichnung,  sowie  die  Festsetzung  des  Präklusivtermins,
bis  zu  welchem  das  Recht  zur  Zeichnung  Seitens  der  Bester  der  alten  Stammaktien
  in  Anspruch  genommen  sein  muß,  bestimmt  das  Direktorium  der  Gesellschaft
  und  erläßt  die  desfallsigen  Bekanntmachungen  nach  Maaßgabe  der  Vorschriften
  im  F.  71.  des  Statuts.  .

§.4.

Die  Stammaktien  werden  auf  farbigem  Papier  nach  dem  anliegenden
Schema  A.  unter  faksimilirter  Unterschrift  des  Vorsitzenden  und  dessen  Stellvertreters
  im  Direktorium  der  Magdeburg.Köthen-Halle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft
ausgefertigt,  erhalten  fortlaufende  Nummern  von  35,151.  ab  und  Dividendenscheine
  nach  dem  unter  B.  beigefügten  Muster  von  fünf  zu  fünf  Jahren,  sowie
Talons  nach  dem  Muster  C.  ssnden  auf  sie  die  Vorschriften  S#.  18.  bis  21.
des  ursprünglichen  Gesellschaftsstatuts,  resp.  des  dritten  Nachtrages  dazu  vom
23.  April  1860.,  Anwendung.

g.  5.

Der  Bau  der  Bahn  von  Nordhausen  in  der  Richtung  nach  Northeim  soll
alsbald  nach  Ertheilung  der  landesherrlichen  Konzession  und  der  Vollendung  der
pcjiellen  Vorarbeiten  in  Angriff  genommen  und  binnen  längstens  zwei  Jahren
vollendet  werden.

S.  6.

Die  Bestimmung  der  landesherrlichen  Konzessions--  und  Bestätigungs-Urkunden
  vom  13.  November  1837.  und  5.  November  1851.)  sowie  die  damit
Allerhöchst  bestätigten  Statuten  der  Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft,
  namentlich  alle  hiernach  und  nach  dem  Gesetze  vom  3.  November
1838.  dem  Staate  zustehenden  Rechte  und  Befugnisse  finden  auf  das  Unternehmen
des  Baues  und  Betriebes  dieser  Bahn  mit  folgenden  Aenderungen  Anwendung.

S.  7.

Es  ist  für  dieselbe  ein  zum  Erneuerungsfonds  alljährlich  zu  zahlender  Betrag
  nach  einem  von  den  Gesellschaftsvorständen  aufzustellenden,  der  Genehmigung
des  Königlichen  Ministeriums  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten
unterliegenden  Regulative  zu  fixiren  und  dadurch  der  gleiche  Fonds  der  Stammbahn,
  in  den  dieser  Betrag  zu  fließen  hat,  zu  verstärken.  Ferner  wird  Ein  Proent
  des  veranschlagten  Baukapitals  im  Betrage  von  17,500  Thalern  aus  den

augeldern  als  Reservefonds  entnommen  und  in  den  bereits  bestehenden  Reservefonds,
  dessen  Bestimmungen  auch  in  Betreff  dieser  Summe  überall  Anwendung
finden,  abgeführt.

(Nr.  6895.)  .  8.
        <pb n="1939" />
        —  1762  —

S.  S.

Die  im  §.  6.  des  Gesetzes  vom  3.  November  1838.  bezeichnete  Verpflichtung
  zur  unentgeltlichen  Beförderung  von  Postsachen  und  Postwagen  begreift  zugleich
  die  unentgeltliche  Mitbeförderung  der  begleitenden  Postkondukteure  und  des

pedirenden  Personals  in  jenen  Wagen  in  sich.  Die  für  die  Strecke  Magdeburgeipzig
  zwischen  der  Postverwaltung  und  der  Eisenbahngesellschaft  rücksichtlich  der
Postbeförderung  abgeschlossenen  Verträge  finden  somit  auf  die  neue  Bahnstrecke
keine  Anwendung,  wenn  nicht  ein  Anderes  ausdrücklich  verabredet  werden  sollte.

Die  Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft  ist  ferner  verpflichtet,
  die  Anlage  eines  elektro-  magnetischen  Telegraphen  Seitens  der  Staatsregierung
  längs  der  neuen  Bahnstrecke  unentgeltlich  zu  gestatten,  und  übernimmt
zugleich  die  Beförderung  von  Privat=  und  Staatsdepeschen  mit  ihrem  Privät=Telegraphen
  nach  Maaßgabe  der  jeweilig  dieserhalb  bestehenden  allgemeinen  Bestimmungen
  resp.  Reglements  und  den  Aenderungen  derselben.

Die  Stüateregierung  gestattet  der  Magdeburg-  Köthen.  Halle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft,
  die  vom  Staate  aufgestellten  Telegraphenstangen  zur  Befestigung
ihrer  Privatleitung  zu  benutzen.

KS.  9.

Zur  Ausführung  der  Bestimmung  über  die  Benutzung  der  Eisenbahn  zu
militairischen  Zwecken  (Geseg  amml.  für  1843.  S.  373.)  ist  die  Gesellschaft
verpflichtet,  sowohl  sich  den  Bestimmungen  des  Reglements  vom  1.  Mai  1861.,
betreffend  die  Organisation  des  Transports  größerer  Truppenmassen  auf  den
Eisenbahnen,  desgleichen  für  die  Beförderung  von  Truppen,  Militair-Effekten  und
sonstigen  Armeebedürfnissen  auf  den  Staatsbahnen,  endlich  der  Instruktion  vom
1.  Mai  1861.  für  den  Transport  der  Truppen  und  des  Armeematerials  auf  den
Eisenbahnen  und  den  künftigen  Aenderungen  und  Ergänzungen  dieser  Reglements
und  Instruktion  zu  unterwerfen,  als  auch  Militair-Personen  und  Effekten  feglicher
Art  zu  ermäßigtem  Preise  zu  transportiren.  Bei  Normirung  der  Fahrpreise  sollen
die  niedrigsten  Preise  maaßgebend  sein,  welche  die  Militairverwaltung  mit  anderen
Eisenbahnen  vereinbart  hat  oder  noch  vereinbaren  wird.

S.  10.

Die  Gesellschaft  ist  verpflichtet,  die  von  ihr  auf  der  neuen  Bahnstrecke  anzustellenden
  Bahnwärter,  Schaffner  und  sonstigen  Unterbeamten,  mit  Ausnahme
der  einer  technischen  Vorbildung  bedürfenden,  vorzugsweise  aus  den  mit  Civil=Anstellungsberechtigung
  entlassenen  qualifizirten  Militairs,  soweit  dieselben  das
35ste  Lebensjahr  noch  nicht  zurückgelegt  haben,  zu  wählen.

g.  11.

Die  Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft  unterwirft  sich
den  Anordnungen,  welche  wegen  polizeilicher  Beaufsichtigung  der  beim  Eisenbahnbau
  beschäftigten  Arbeiter  getroffen  werden  und  übernimmt  die  aus  diesen  an

ord-
        <pb n="1940" />
        —  1763  —

ordnungen  erwachsenden  Ausgaben,  insbesondere  auch  die  durch  die  etwaige  Anstellung
  eines  besonderen  Polizei-Aufsichtspersonals  entstehenden  Kosten.  Sie  ist
verpflichtet,  die  nöthigen  Zuschusse  zu  den  in  Gemäßheit  des  Gesetzes  vom  21.  Dezember
  1846.  (Gesetz=  Samml.  für  1847.  S.  21.)  für  die  Bauarbeiter  einzurichtenden
  Krankenkassen  zu  leisten.
Nicht  minder  wird  die  Gesellschaft  den  Anordnungen  der  zuständigen  BegHärde
  wegen  Genügung  des  kirchlichen  Bedürfnisses  der  beim  Bau  beschäftigten
eamten  und  Arbeiter  bereitwillig  Folge  leisten  und  erforderlichen  Falles  auch
die  Tragung  der  dadurch  etwa  bedingten  Kosten  übernehmen.

100  Thaler  in  Preußisch  Kurant.

Aktie

der

Magdeburg-Kothen  Halle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft.

Inhaber  dieser  Aktie  hat  an  die  Kasse  der  Magdeburg-Köthen-  Halle-Leipziger
Eisenbahngesellschaft  Einhundert  Thaler  Preußisch  Kurant  baar  eingezahlt  und
nimmt  nach  Höhe  dieses  Betrages  und  in  Gemäßheit  des  von  Seiner  Majestät
dem  Könige  von  Preußen  am  13.  November  1837.  bestätigten  Statuts  und
unten  bestätigten  Nachtrages  verhältnißmäßigen  Theil  an
dem  gesammten  Eigenthum,  Gewinn  und  Verlust  der  Gesellschaft.

Magdeburg,  den  e.  18.

Magdeburg-Köthen-Hclle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft.
(.  8S.)  N.  JN.
Contrasignirt.  Direktoren.

(Nr.  6895.)  B.
        <pb n="1941" />
        —  1764  —
8

Aktie.  W#.Dividendenschein.  #.Verwaltungsjahr.

Inhaber  dieses  Scheines  erhält  gegen  dessen  Rückgebe  aus  der  Kasse  der
Magdeburg-Köthen-Halle=  Leipziger  Eisenbahngesellschaft  diejenige  Dividende  ausgezahlt,
  die  von  dem  Reinertrage  des  Verwaltungsjahres  auf  die  Aktie  ..  ..  .
fallen  und  deren  Betrag  nebst  der  Verfallzeit  vom  Direktorium  statutenmäßig
bekannt  gemacht  werden  wird.

Magdeburg,  den  #rten  18.
Magdeburg-Köthen  Halle-Leipziger  Eisenbabngesellschaft.
(I.  8)  N.  N.
Direktoren.
Bemerkung.

Gegemwärtiger  Dividendenschein  wird  nach  §.  19.  des  Statuts  ungültig,  wenn
die  darauf  zu  erhebende  Dividende  innerhalb  vier  Jahren  nach  der  öffentlich
bekannt  gemachten  Verfallzeit  nicht  erhoben  worden.

Talon  zur  Stammaktie  4%  .

der
Magdeburg-Kothen-Halle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft.

Der  Präsentant  dieses  Talons  erhält  gegen  Ablieferung  desselben
ohne  weitere  Prüfung  seiner  Legitimation  die  für  die  vorstehend  bezeichnete
Stammaktie  neu  auszufertigenden  Dividendenscheine  für  die  fünf  Jahre
........  biö...............,sofemdagegenSeitensdeöalssolchenleitimirten
Inhabers  der  Aktie  bei  dem  Gesellschafts-Direktorium  vorher  kein  schriftlicher
Widerspruch  eingegangen  ist.

Magdeburg,  den  tn.  18..
Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger  Eisenbahngesellschaft.
(L.  S.)  N.  N.

Direktoren.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckere#
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1942" />
        —  1765  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  113.  —

 

(Nr.  6896.)  Staatsvertrag  zwischen  Preußen  und  Oesterreich,  betreffend  die  Erweiterung
der  Eisenbahnverbindungen  zwischen  den  beiderseitigen  Staatsgebieten.
Vom  5.  August  1867.

Sen  Majestät  der  König  von  Preußen  und  Seine  Majestät  der  Kaiser  von
Oesterreich,  von  dem  Wunße  geleitet,  die  Eisenbahnverbindungen  zwischen  den
beiderseitigen  Staatsgebieten  zu  erweitern,  haben  zur  Vereinbarung  des  bei  dem
Prager  Friedensschlusse  in  der  Erklärung  d.  d.  Prag,  den  23.  August  1866.
vorbehaltenen  Staatsvertrages  zu  Bevollmächtigten  ernannt:

Seine  Majestät  der  König  von  Preußen:
Allerhöchstihren  Geheimen  Ober-Regierungsrath  Ludwig  August
Wilhelm  Heise,

Allerhöchstihren  Wirklichen  Legationsrath  Paul  Ludwig  Wilhelm
Jordan;

Seine  Majestät  der  Kaiser  von  Oesterreich:

Allerhöchstihren  Ministerialrath  und  General-Inspektor  der  Eisenbahnen
Johann  Ferdinand  Wagner,  Ritter  von  Wagensburg,

welche,  nach  geschehener  Mittheilung  und  gegenseiliger  Anerkennung  ihrer  Vollmachten,

  unter  dem  Vorbehalte  der  Ratifikation  über  folgende  Punkte  übereingekominen

  sind:
Artikel  I.
Nach  der  bei  1Unterzeichnung  des  Friedensvertrages  zwischen  Preußen  und
Oesterreich  vollzogenen  Erklärung  d.  d.  Prag,  den  23.  August  1866.  hat
1)  die  Königlich  Preußische  Regierung  Sich  verpflichtet,  die  Herstellung  einer
Eisenbahn  von  einem  geeigneten  Punkte  der  Schlesischen  Gebirgsbahn
bei  Landshut  nach  der  Peserrecchischen  Grenze  bei  Liebau  in  der  Richtung
  auf  Schwadowitz  zuzulassen  und  zu  fördern;  wogegen
2)  die  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichische  Regierung  Ihrerseits  die  Herstellung
  einer  Eisenbahn  von  einem  geeigneten  Punkte  der  Prag=  Brünner
Jebrgang  18867.  (Nr.  6696.)  232  Eisen-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  21.  Oktober  1867,
        <pb n="1943" />
        —  1766  —

Eistnbahn  bei  Wildenschwert  bis  zur  Preußischen  Grenze  bei  Mittelwalde
in  der  Richtung  auf  Glatz  in  gleicher  Weise  gestatten  und  fördern  wird.

Artikel  II.

Für  die  im  Artikel  I.  sub  1.  genannte  Bahn  ist  Seitens  der  Kaiserlich
Höniglich  Oesterreichischen  Regierung  rücksichtlich  der  in  Ihrem  Gebiete  belegenen
Strecke  bereits  die  Konzession  an  eine  Gesellschaft  ertheilt,  und  ist  der  Bau  dieser
  Strecke  in  Ausführung  begriffen.

Die  Königlich  Prs  zic  Pegierung  wird  die  in  Ihrem  Gebiete  belegene
Strecke  entweder  als  einen  Theil  der  Schlesischen  Gebirgsbahn  auf  Staatskosten
ausführen,  oder  einem  geeigneten  Unternehmer  die  Baukonzession  dafür  ertheilen.

Falls  die  Königlich  Preußische  Regierung  die  vor  epachte  Bahnstrecke  auf
Staatskosten  ausführt,  wird  Sie  dieselbe  binnen  thunlichst  kurzer  Zeit,  und  zwar
spätestens  bis  zum  31.  Dezember  1869.,  vollenden  und  dem  Betriebe  übergeben.
Falls  die  Königlich  Preußische  Regierung  die  Baukonzession  dafür  einem  Unternehmer
  ertheilt,  wird  Sie  letzterem  die  Verpflichtung  auferlegen  und  ihn  mit  allen
Ihr  zu  Gebote  stehenden  Mitteln  dazu  anhalten,  die  vorbezeichnete  Frist  für  die
Vollendung  des  Bahnbaues  und  die  Betriebseröffnung  einzuhalten.  Fur  den
Fall,  daß  wider  Erwarten  die  Königlich  Preußische  Regierung  bis  zum  1.  Juli
1868.  weder  in  der  Lage  sein  sollte,  Sich  zur  Herstellung  der  hier  in  Rede  stehenden
  Bahnstrecke  auf  Staatskosten  zu  verpflichten,  noch  einem  Preußischen  Unternehmer
  die  Konzession  zur  Ausführung  derselben  zu  ertheilen,  wird  die  Königlich
Preußische  Regierung  mit  einem  Ihr  Seitens  der  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichischen
  Regierung  zu  bezeichnenden  Konzessionsbewerber  wegen  Ertheilung  der
Konzession  für  den  Bau  und  Betrieb,  unter  den  in  Preußen  üblichen  Bedingun-“
  und,  soweit  dies  in  Ihrer  Einwirkung  liegt,  unter  Festhaltung  des  obenczeichneten

  Vollendungstermins,  unverweilt  in  Verhendlung  treten.

Artikel  III.

ür  die  in  Artikel  I.  sub  2.  genannte  Eisenbahn  wird  die  Königlich
Preußische  Regierung  rücksichtlich  des  auf  Ihrem  Gebiete  belegenen  Theiles  der
Bahn  einem  in  Preußen  domizilirenden  Unternehmer  die  Konzession  ertheilen  und,
nachdem  dies  geschehen,  davon  der  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichischen  Regierung
unter  Bezeichnung  der  in  der  Konzession  für  die  Vollendung  der  Preußischen
Bahnstrecke  festgesetten  Frist  Mittheilung  machen.  ·
Sollte  die  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichische  Regierung  den  in  Oesterreich
  belegenen  Theil  dieser  Bahn  auf  Staatskosten  ausführen,  oder  einer  Oesterreichischen
  Unternehmung  die  Konzession  dafür  ertheilen  wollen,  so  wird  Sie  hiervon
  die  Königlich  Preußische  Regierung  vor  Ablauf  einer  von  dem  Empfange
der  vorgedachten  Mittheilung  ab  laufenden  Frist  von  sechs  Monaten  benachrich
tigen  und,  im  Falle  der  Ausführung  auf  Staatskosten,  die  Vollendung  des  Baues
und  die  Eröffnung  des  Betriebes  bis  zu  demselben  Zeitpunkte  herbeiführen,  zu
welchem  die  Preußische  Strecke  ausgebaut  und  dem  Betriebe  übergeben  sein  wird;
zur  Einhaltung  derselben  Frist  für  die  Vollendung  der  Oesterreichischen  Bahnstrecke
  und  für  die  Eröffnung  des  Betriebes  auf  derselben  wird  die  Kaiserlich
König-
        <pb n="1944" />
        —  1767  —

Königlich  Oesterreichische  Regierung  auch  die  von  Ihr  konzessionirte  Oesterreichische
Privatunternehmung  verpflichten  und  anhalten,  der  im  Uebrigen  keine  Bedingungen
auferlegt  werden  sollen,  welche  ungünstiger  wären,  als  die  aus  der  Anlage  A.
ersichtlichen  Konzessionsbedingungen.  -

Sollte  die  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichische  Regierung  bis  zum  Ablaufe
der  vorgedachten  sechsmonatlichen  Frist  der  Königlich  Preußischen  Regierung  weder
Ihre  Entschließung  zum  Ausbau  der  Oesterreichischen  Bahnstrecke  auf  Staatskosten,
  noch  die  erfolgte  Konzessionirung  einer  Oesterreichischen  Privatunternehmung
notifizirt  haben,  oder  sollte  sie  bereits  früher  auf  die  Ausführung  auf  Staatskosten
und  auf  die  Konzessionirung  einer  Oesterreichischen  Privatunternehmung  durch  eine
gegen  die  Königlich  Peußische  Regierung  abgegebene  Erklärung  verzichten,  so
wird  Sie  alsdann  unverweilt  demselben  Unternehmer)  welcher  für  den  Preußischen
Theil  der  Bahn  die  Konzession  erhalten  hat,  nach  Maaßgabe  dieses  Vertrages
„  und  unter  Zugrundelegung  der  aus  der  Anlage  A.  ersichtlichen  Bestimmungen,
mit  Festsetzung  des  den  obigen  Abreden  entsprechenden  Vollendungstermins,  die
Konzession  auch  für  den  in  Oesterreich  belegenen  Theil  dieser  Eisenbahn  ertheilen
und  davon  der  Königlich  Preußischen  Regierung  Kenntniß  geben.

Unter  denselben  Voraussetzungen  wird  die  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichische
Regierung  auch  der  Königlich  Preußischen  egierung,  falls  dieselbe  Sich  etwa  entschlossen
  haben  sollte,  die  hier  in  Rede  stehende  Bahn  in  Ihrem  Gebiete  als
Staatsbahn  berstellen  und  zu  betreiben,  auf  einen  entsprechenden  Antrag  die
Konzession  zum  Bau  und  Betriebe  der  in  das  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichische
Gebiet  fallenden  Bahnstrecke  unter  gleich  günstigen  Bedingungen  ertheilen.

Artikel  IV.

Die  Königlich  Preußische,  sowie  die  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichische
Regierung  werden  den  nach  Artikeln  lI.  und  III.  von  Ihnen  etwa  zu  konzessionirenden
  Oesterreichischen,  beziehungsweise  Preußischen  Unternehmern  dieselben  Erleichterungen
  zu  Theil  werden  lassen,  welche  die  in  den  betreffenden  Staaten  bestehenden
  oder  etwa  künftig  zu  erlassenden  Verordnungen  für  andere,  ohne  Zinsgarantie
  des  Staats  unternommene  Eisenbahnen  im  Allgemeinen  und  grundsätzlich
einräumen  oder  künftig  einräumen  werden.  Ees  sollen  auch  alle  gesetzlichen  Be-#immungen,
  welche,  vom  Tage  des  Abschlusses  dieses  Vertrages  an  gerechnet,  in

eziehung  auf  Eisenbahn=  Unternehmungen  von  der  Königlich  Preußischen  beziehungsweise
  von  der  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichischen  Regierung  erlassen
werden,  auf  die  in  Rede  stehenden  Eisenbahnen  für  die  Dauer  der  Konzessionsfrist
  nur  Anwendung  finden,  soweit  jene  Bestimmungen  mit  diesem  Vertrage  und
der  Konzession  nicht  in  Widerspruch  stehen.

Artikel  V.

Die  Punkte,  wo  die  im  Artikel  l.  genannten  Eisenbahnen  die  Landesgrenzen.
überschreiten  werden,  sollen  auf  Grund  der  von  den  betreffenden  Eisenbahnbau-Verwaltungen
  auszuarbeitenden  Projekte  nöthigenfalls  durch  deshalb  abzuordnende
technische  Kommissarien  näher  bestimmt  werden.

(Nr.  Gre.)  232“  2
        <pb n="1945" />
        —  1768  —

Artikel  VI.

Die  Spurweite  der  zu  erbauenden  Ei  enbahnen  soll  in  Uebereinstimmung
mit  den  anschließenden  Bahnen  vier  Fuß  acht  und  einen  halben  Zoll  Englischen
Maaßes  im  Lichten  der  Schienen  betragen.

Auch  im  Uebrigen  sollen  die  nach  diesem  Vertrage  zu  bauenden  Eisenbahnen
  und  deren  Betriebsmittel  dergestalt  nach  gleichmäßigen  Grundsätzen  hergestellt
  werden,  daß  letztere  von  und  nach  den  anschließenden  Bahnen  ungehindert
übergehen  oder  auch  gemeinschaftlich  benutzt  werden  können.

Die  von  einer  der  kontrahirenden  Hohen  Regierungen  geprüften  Betriebsmittel
  werden  ohne  nochmalige  Prüfung  auch  auf  den  in  dem  Gedieie  der  anderen
liegenden  Bahnstrecken  zugelassen  werden.

Artikel  VII.

Die  beiden  kontrahirenden  Hohen  Regierungen  verpflichten  Sich,  zuzulassen
und  anzuordnen,  daß

1)  die  Schwadowitz-Landshuter  Bahn  mit  der  Schlesischen  Gebirgsbahn,
2)  die  Glatz-Wildenschwerter  Bahn  mit  der  Prag=  Brünner  Eisenbahn

in  unmittelbare,  den  Uebergang  der  Betriebsmittel  gestattende  Schienenverbindung
Frlett  wird,  und  wird  eine  jede  der  kontrahirenden  Hohen  Regierungen  in  Ihrem

ebiete  dafür  Sorge  tragen,  daß  für  die  Herstellung  des  betressenden  Anschlusses
keine  Bedingungen  gestellt  werden,  welche  das  Zustandekommen  des  Unternehmens
selbst  erschweren  würden.

Sollten  die  rept  Unternehmer  die  vorerwähnten  Bahnen  in  die  bestehenden
  Bahnhöfe  zu  Ruhbank  beziehungsweise  Wildenschwert  einzuführen  beabsichtigen,
so  werden  die  beiderseitigen  Regierungen  thunlichst  darauf  hinwirken,  daß  über
die  erforderliche  gemeinschaftliche  Benutzung  der  genannten  beiden  Bahnhöfe  und
deren  Betriebsanlagen  ein  angemessenes  Uebereinkommen  zu  Stande  gebracht
werde.

Artikel  VIII.

Die  volle  Landeshoheit  (also  auch  die  Ausübung  der  Justiz=  und  Polizeiewalt)
  bleibt  in  Ansehung  der  das  Königlich  Preußische  und  beziehungsweise  das
Naailerlich  Königlich  Oesterreichische  Gebiet  durchschneidenden  Bahnstrecken  auf  dem
Preußischen  Gebiete  Seiner  Majestät  dem  Könige  von  Preußen  und  auf  dem
Oesterreichischen  Gebiete  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  von  Oesterreich  ausschließlich
  vorbehalten.
Artikel  IX.

Die  Hohen  Regierungen  werden  zur  Handhabung  des  Ihnen  über  die
Bahnsteecken  in  Ihrem  Gebiete  sustehenden  Hoheits-  und  Ausfsichtsrechts  beständige
  Kommissarien  bestellen,  welche  die  Beziehungen  ihrer  Regierungen  zu  den
Eisenbahnverwaltungen  in  allen  denjenigen  Fällen  zu  vertreten  haben,  welche  nicht

zum
        <pb n="1946" />
        —  1769  —

sum  direkten  gerichtlichen  oder  polizeilichen  Einschreiten  der  kompetenten  Landesehörden
  geeignet  find.
Artikel  X.

Unbeschadet  des  Hoheits=  und  Aufsichtsrechts  der  kontrahirenden  Hohen
Regierungen  über  die  in  Ihren  Gebieten  belegenen  Bahnstrecken  und  den  darauf
stattfindenden  Betrieb  verbleibt  die  Ausübung  —  Oberaufsichtsrechts  über  die  den
Betrieb  führenden  Eisenbahngesellschaften  oder  Eisenbahnverwaltungen  im  Allgemeinen
  derjenigen  Regierung,  in  deren  Gebiete  dieselben  ihren  Sitz  haben.

Artikel  Xl.

Sollte  eine  Oesterreichische  Unternehmung  innerhalb  des  Königlich  Preußischen
  Landesgebietes,  oder  ein  Preußischer  Unternehmer  innerhalb  des  Kaiserlich
Königlich  esterreichsschen  Landesgebietes  den  Bau  oder  den  Betrieb  einer  der  im
Artikel  I.  gedachten  Eisenbahnen  ganz  oder  theilweise  übernehmen,  so  hat  sich
derselbe  rüsschrlih  aller  aus  der  Anlage  und  beziehungsweise  dem  Bahnbetriebe
herzuleitenden  Entschädigungsansprüche  der  Gerichtsbarkeit  und  den  Gesetzen  des
Staates  zu  unterwerfen,  in  welchem  die  Schadenszufügung  stattgefunden  hat.

Artikel  XlII.

Unterthanen  des  einen  der  kontrahirenden  Staaten,  welche  von  den  Eisenbahnverwaltungen
  beim  Betriebe  der  Bahnstrecke  im  Gebiete  des  anderen  Staates
angestellt  werden,  scheiden  dadurch  nicht  aus  dem  Unterthanenverbande  ihres
Heimathslandes  aus.  Die  Stellen  der  Lokalbeamten,  mit  Ausnahme  der  Bahnbaseorstände,
  der  Telegraphen,  und  derjenigen  Beamten,  welche  mit  der  Erebung

  von  Geldern  betraut  sind,  sollen  jedoch  thunlichst  mit  einheimischen
Staatsangehörigen  besetzt  werden.  Die  Betriebsbeamten  sind  ohne  Unterschied
des  Orts  der  Anstellung  rücksichtlich  der  Disziplinarbehandlung  nur  der  Anstellungsbehörde,
  im  Uebrigen  aber  den  Gesetzen  und  Behörden  des  Staates,  in
welchem  sie  ihren  Wohnsitz  haben,  unterworfen.

Artikel  XlIII.

Die  Feststellung  und  Genehmigung  der  Fahrpläne  und  Tarife  bleibt  derjenigen
  Regierung  vorbehalten,  in  deren  Gebiet  die  betreffende  Eisenbahnverwaltung
  ihren  Sitz  hat.

Die  Tarifsite  für  die  in  den  beiderseitigen  Gebieten  zu  bauenden,  von
ein  und  derselben  Betriebsverwaltung  geleiteten  Bahnstrecken  sollen  nach  gleichen
Grundsätzen  festgestellt  werden.

Es  wird  ferner  darauf  Bedacht  genommen  werden,  daß  auf  jeder  der
beiden  in  Frage  stehenden  Eisenbahnen  in  jeder  Richung  mindestene  zwei  durchehende,

  Personen  befördernde,  eine  möglichst  bequeme  Reiseverbindung  mit  den
Anschwbahnen  gewährende  Züge  eingerichtet,  sowie  daß  die  sonstigen  Betriebsanordnungen
  den  Verkehrsinteressen  entsprechend  regulirt  werden,  zu  welchem
Zwecke  Sich  die  kontrahirenden  Hohen  Regierungen  bei  Ertheilung  der  Konzessionen
die  erforderliche  Einwirkung  auf  die  Betriebsverwaltungen  sichern  werden.  A
(Nr.  6896.)  r-
        <pb n="1947" />
        Artikel  XIV.

Es  soll  sowohl  hinsichtlich  der  Beförderungspreise  als  der  Zeit  der  Abfertigung
  kein  Unterschied  zwischen  den  Bewohnern  beider  Staaten  gemacht  werden;)
  namentlich  sollen  die  aus  dem  Gebiete  des  einen  Staates  in  das  Gebiet
des  anderen  Staates  übergehenden  Transporte  weder  in  Beziehung  auf  die  Abfertigung,
  noch  rücksichtlich  der  Beförderungspreise  ungünstiger  behandelt  werden,
als  die  aus  dem  betreffenden  Staate  abgehenden  oder  darin  verbleibenden
Transporte.

Artikel  XV.

Die  Bahnpolizei  wird  unter  Aufficht  der  dazu  in  jedem  Staatsgebiete
kompetenten  Behörden  in  Gemäßheit  der  für  jedes  Gebiet  geltenden  Vorschriften
ten  Grundsätze  zunächst  durch  die  Beamten  der  Eisenbahnverwaltung  gehandabt
  werden.

Artikel  XVI.

Dafern  die  eine  oder  die  andere  der  im  Artikel  I.  genannten  Eisenbahnen
nicht  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  von  ein  und  demselben  Unternehmer  ausgeführt
wird,  soll  der  Betriebswechsel

1)  auf  der  Landshut  =  Schwadowitzer  Bahn  in  der  Station  Liebau,
2)  auf  der  Wildenschwert.  Glatzer  Bahn  in  der  Station  Mittelwalde

stattfinden.

Die  Königlich  Preußische  Regierung  wird  in  diesem  Falle  dem  von  Ihr
zu  konzessionirenden  Unternehmer  die  Verpflichtung  auferlegen,  den  Betrieb  auf
der  Strecke  von  der  Oesterreichisch-Preußischen  Grenze  bis  zu  der  Wechselstation
Liebau  beziehungsweise  Mittelwalde  an  diejenige  Unternehmung  zu  überlassen,
welcher  die  Ausführung  des  Baues  und  Betriebes  innerhalb  des  Oesterreichischen
Staatsgebietes  übertragen  worden  ist.

ie  Einrichtungen  des  Baues  und  Betriebes,  die  Konstruktion  des  Oberbaues
  der  Bahn  und  die  Signal--Einrichtungen  von  der  Oesterreichischen  Grenze
bis  zu  den  Bahnhöfen  zu  Liebau  und  Mittelwalde  sollen  alsdann  mit  denjenigen
Einrichtungen,  welche  in  diesen  Beziehungen  für  die  auf  Oesterreichischem  Gebiete
belegene  Strecke  dieser  Bahnen  genehmigt  werden,  übereinstimmen.

Die  Anlage  und  Ausrüstung  der  Bahnhöfe  in  Liebau  und  Mittelwalde
selbst  erfolgt  nach  den  in  Preußen  geltenden  Grundsätzen.  ·

Artikel  XVII.

Ueber  die  näheren  Bedingungen  der  im  zweiten  Absatze  des  Artikels  XVI.
gedachten  Betriebsüberlassung  bleibt  eine  Verständigung  zwischen  den  Eigenthümern
  der  betreffenden  Baßstrec  und  der  den  Betrieb  auf  derselben  übernehmenden
  Verwaltung  vorbehalten;  doch  soll  die  den  Betrieb  übernehmende  Verwaltung
  durch  die  Konzessionsbedingungen  oder  in  einer  anderen  geeignet  erscheinen-
        <pb n="1948" />
        —  1771  —

nenden  Weise  Seitens  der  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichischen  Regierung  jedenfalls
  bindend  verpflichtet  werden,  die  ordnungsmäßige  Instandhaltung  der  ihr  in
Betrieb  gegebenen  Strecke  nebst  allen  Zubehörungen,  einschließlich  der  nach  allgemeinen
  Preußischen  Verwaltungsgrundsätzen  erforderlich  werdenden  Erneuerungen,
auf  eigene  Kosten  zu  übernehmen  und  den  Eizenthümern  das  auf  die  betreffende.
Strecke  verwendete  und  nachzuweisende  Anlagekapital  mit  jährlich  fünf  Prozent  zu
verzinsen.  Erweiterungen  der  ursprünglichen  Bahnanlagen,  welche  die  Königlich
Preußische  Regierung  im  Interesse  des  Verkehrs  für  geboten  erachten  moöchte,
werden  auf  Kosten  der  Eigenthümer  der  betreffenden  Vahnstrerke  ausgeführt  werden;
doch  sollen  die  nachzuweisenden  Kosten  solcher  Erweiterungen  dem  von  der  betriebsführenden
  Verwaltung  zu  verzinsenden  Anlagekapital  hinzutreten.

Wegen  Mitbenutzung  der  Bahnhöfe  und  Bahnhofs-  Anlagen  in  Liebau
beziehungsweise  Mittelwalde  und  wegen  der  den  Eigenthümern  dafür  zu  leistenden
besonderen  Entschädigung  haben  die  beiderseitigen  Bahnverwaltungen,  unter  Vorbehalt
  der  Genehmigung  ihrer  resp.  Regierungen,  gleichfalls  ein  Abkommen  mit
einander  zu  treffen.

Beim  Mangel  eines  Einverständnisses  haben  sich  die  Bahnverwaltungen
den  nach  vorgängiger  Verständigung  gemeinschaftlich  zu  treffenden  Anordnungen
der  kontrahirenden  Hohen  Regierungen  zu  fügen.

Artikel  XVIII.

Auf  den  im  Artikel  X  VI.  bezeichneten  beiden  Stationen  wird  zur  Erreichung
des  im  Artikel  8.  des  Handels=  und  Zollvertrages  zwischen  den  Staaten  des  Deutschen
  Zoll-  und  Handelsvereins  und  Oesterreich  vom  11.  April  1865.  bezeichneten
Zweckes  von  beiden  Seiten  je  ein  Grenzzollamt  gelegt  und  beziehungsweise
zusammengelegt  werden.

Diesen  Grenzzollämtern  zu  Liebau  und  Mittelwalde  sind  mindestens  die
Befugnisse  eines  Nebenzollamts  erster  Klasse  mit  Begleitschein.  Aus-  und
Abfertigungsbefugniß  einzuräumen,  und  erklären  Sich  die  kontrahirenden  Hohen
Regierungen  bereit,  diese  Befugnisse  seiner  Zeit  auch  zu  erweitern,  wenn  die
Ausdehnung  des  Verkehrs  dies  erfordern  sollte.

Artifel  XIX.

In  Betreff  der  durch  beiderseitige  Kommissare  seiner  Zeit  noch  näher  zu
verabredenden  Förmlichkeiten  der  zollamtlichen  Revision  und  Abfertigung  des
Passagiergepäcks  und  der  ein=  und  ausgehenden  Güter,  sowie  der  Paßrevision
ertheilen  beide  Regierungen  sich  die  Zusicherung,  daß  die  Artikel  I.  erwähnten
Eisenbahnen  nicht  minder  günstig,  als  irgend  eine  andere  in  das  Ausland  überehende
  Eisenbahroute.  behandelt  werden  sollen,  und  daß  im  Interesse  der
%  des  Verkehrs  dabei  jede,  nach  den  in  beiden  Staaten  bestehenden
esetzen  zulässige  Erleichterung  und  Vereinfachung  eintreten  soll.

Artikel  XKX.

Die  wegen  der  Handhabung  der  Paß-  und  Fremdenpolizei  bei  Reisen
(Nr.  6990.)  mittelst
        <pb n="1949" />
        —  1772  —

mittelst  der  Eisenbahn  unter  beiden  Regierungen  schon  bestehenden  oder  noch  zu
verabredenden  Bestimmungen  sollen  auch  auf  die  in  Rede  stehenden  Eisenbahnverbindungen
  Anwendung  finden.

Ueber  die  den  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichischen  Polizeibeamten,  welche
auf  den  Bahnhöfen  in  Liebau  und  Mittelwalde  stationirt  werden  möchten,  beizulegenden
  Amtsbefugnisse  bleibt  eine  besondere  Verständigung  unter  den  kontrahirenden
  Hohen  Regierungen  vorbehalten.  Die  diesfällige  Verhandlung  soll
mindestens  drei  Monate  vor  Inbetriebsetzung  der  betreffenden  Eisenbahn  eröffnet
und  vor  der  Eröffnung  des  Betriebes  thunlichst  vollständig  zum  Abschlusse  gebracht
  werden.

Artikel  XXlI.

Die  Regulirung  des  Post-  und  Telegraphenbetriebes  auf  den  im  Artikel  I.
enannten  Eisenbahnen  bleibt  der  besonderen  Verständigung  zwischen  den  beider-Fsligen
  Post-  und  Telegraphenverwaltungen  vorbehalten.

Bei  der  Regulirung  des  Postbetriebes  wird  davon  ausgegangen  werden,
daß  der  Betriebswechsel  an  denselben  Punkten  stattfinden  soll,  welche  nach  Artikel
  XVI.  für  den  Eisenbahnbetriebswechsel,  beziehungsweise  nach  Artikel  X  VIII.
für  die  Zollabfertigung  in  Aussicht  genommen  sind,  und  daß  die  Kosten  des
Posttransports  jederseits  bis  zu  diesen  Punkten  und  beziehungsweise  von  diesen
Punkten  ab  bestritten  werden.

Artikel  XXII.

Es  werden  die  bfüch  Preußische  Regierung  den  von  einer  Oesterreichischen
  Unternehmung  auf  Preußischem  Gebiete  geleiteten  Betrieb,  und  die
Kaiserlich  Königlich  Oesterreichische  Regierung  den  von  einem  Preußischen  Unternehmer
  auf  Oesterreichischem  Gebiete  geleiteten  Betrieb  der  den  Gegenstand  dieses
Vertrages  bildenden  Eisenbahnen  mit  keinen  anderen  oder  höheren  Abgaben
belegen,  als  solchen,  welche  den  Bahnbetrieb  der  Eisenbahnaktiengesellschaften  in
dem  betreffenden  Staate  im  Allgemeinen  treffen.  Derselbe  Grundsatz  soll  Anwendung
  finden  für  den  Fall,  daß  der  Betrieb  auf  der  Preußischen  Strecke  der
Landshut-Schwadowitzer  Bahn  von  der  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichischen.
Regierung,  sowie  für  den  Fall,  daß  der  Betrieb  auf  der  Oesterreichischen  Strecke
der  Wildenschwert-Glatzer  Bahn  von  der  Königlich  Preußischen  Regierung  geleitet
werden  moöchte.

Artikel  XXIII.

Für  den  Fall,  daß  die  Preußische  Strecke  der  Landshut-Schwadowitzer
Bahn  von  einer  Oesterreichischen  Unternehmung  gebaut  werden  sollte,  und  die
Kaiserlich  Königlich  Oesterreichische  Negierung  in  der  Folge  diese  Bahn  anzukaufen
  beabsichtigen  möchte,  wird  die  Königlich  Preußische  Regierung  7  Zu.
stimmung  hierzu  nicht  versagen.

In  gleicher  Weise  wird  für  den  Fall,  daß  die  Königlich  Preußische  Regierung
  5  entschließen  sollte,  die  von  einem  Preußischen  Privatunternehmer
gebaute  Wildenschwert  -Glatzer  Eisenbahn  anzukaufen,  die  Kaiserlich  Königlich

er-
        <pb n="1950" />
        —  1773  —

Okerreichische  Regierung  zu  der  Einlösung  der  Konzessionsrechte  der  auf  Ihrem
Gebiete  belegenen  Strecke  Ihre  Zustimmung  nicht  versagen.

Für  den  Eintritt  des  einen  oder  andern  der  vorerwähnten  beiden  Fälle
behalten  Sich  jedoch  beide  kontrahirende  Hohe  Regierungen  gegenseitig  das  Recht
vor)  nach  Ablauf  von  dreißig  Jahren,  vom  Tage  der  Betriebseröffnung  an
erechnet,  oder  auch  später  in  Folge  einer  mindestens  Ein  Jahr  vorher  zu  macheneen
  Ankündigung,  eine  Jede  die  in  Ihrem  Gebiete  belegenc  Bahnstrecke  gegen
Erstattung  der  Anlagekosten  in  Eigenthum  zu  übernehmen.

Es  soll  alsdann,  und  auch  eben  so  nach  dem  Ablauf  der  für  die  auf
Oesterreichischem  Gebiete  belegenen  Strecken  der  im  Artikel  I.  bezeichneten  Bahnen
bestimmten  Konzessionsfristen,  zwischen  den  kontrahirenden  Hohen  Regierungen
über  die  Fortführung  des  Betriebes  auf  den  den  Gegenstand  dieses  Vertrages
bildenden  Bahnstrecken  ein  dem  Verkehre  und  den  beiderseitigen  Interessen  entsprechendes
  besonderes  Uebereinkommen  getroffen  werden.

Artikel  XXIV.

Gegenwärtiger  Vertrag  soll  zur  landesherrlichen  Genehmigung  vorgelegt
und  die  luswrchselune  der  darüber  auszufertigenden  Ratifikations-Urkunden
spätestens  binnen  vier  Wochen  in  Berlin  bewirkt  werden.

Zur  Beglaubigung  dessen  haben  die  Bevollmächtigten  denselben  unterzeichnet
und  besiegelt.

So  geschehen  Berlin,  den  5.  August  1867.

(L.  8.)  Ludwig  August  Wilhelm  Heise.
(I.  S.)  Paul  Ludwig  Wilhelm  Jordan.

(L.  S.)  Johann  Ferdin  and  Wagner,
itter  von  Wagensburg.

Der  vorstehende  Vertrag  ist  ratifizirt  und  die  Auswechselung  der  Ratifikations-Urkunden
  zu  Berlin  bewirkt  worden.

Jabrgong  1807.  (Nr.  6396.)  233  Anlage  A.
        <pb n="1951" />
        —  1774  —

Anlage  A.
Bestimmungen

der

Konzessionirung  der  Eisenbahnstrecke  von  einem  geeigneten  Punkte
der  noͤrdlichen  Staatsbahn  bei  Wildenschwert  bis  zur  Preußischen
Grenze  bei  Mittelwalde.

a)  Die  Fristen,  innerhalb  deren,  vom  Tage  der  Konzessionsertheilung  ab  ge.
rechnet,  der  Bau  dieser  Bahnstrecke  begonnen,  gefördert  und  vollendet,
und  bis  zu  welcher  die  Bahn  dem  öffentlichen  Verkehr  übergeben  werden
muß,  werden  von  der  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichischen  Regierung  mit
Rücksicht  auf  die  in  dem  Artikel  III.  des  Staatsvertrages  mit  der  Königlich
  Preußischen  Regierung  vom  5.  August  1867.  gentasienen  Vereinbarung
festgesetzt  werden.

b)  Das  diesfällige  Bauprojekt  und  die  Detailpläne  sind  den  kompetenten
Oesterreichischen  Behörden  zur  Genehmigung  vorzulegen,  und  ist  sich  beim
bo  der  Strecke  genau  nach  diesen  behördlich  genehmigten  Plänen  zu

enehmen.

Es  soll  insbesondere  bei  der  Festlegung  der  Trace  und  der  Ausführung
  des  Bahnbaues  den  militairischen  Anserderunden  volle  Rechnung
getragen  und  jene  Theile  der  Kunstbauten,  bei  denen  es  verlangt  wird,
mit  Sprengvorrichtungen  versehen  werden.

Ueberdies  aber  haben  die  betreffenden  Konzessionaire  sich  den  für  den
Eisenbahnbau  in  Oesterreich  allgemein  geltenden  gesetzlichen  Bestimmungen,
und  zwar  insbesondere  den  Normen  zu  unterwerfen,  welche  der  F.  10.
des  Eisenbahn-Konzessionsgesetzes  vom  14.  September  1854.  (Reichsgesetzblatt
  vom  Jahre  1854.  Nr.  238.)  hinsichtlich  der  bei  den  Begehungsommissionen
  festzustellenden  Vorkehrungen  gegen  Feuersgefahr  und  sonstige
  Beschädigungen,  dann  in  Betreff  der  Herstellung  von  durch  den
Eisenbahnbau  unbenutzbar  gewordenen  Wegen,  Brücken  und  sonstigen
Kommunikationsmitteln,  ferner  der  Herstellung  besonderer  früher  nicht
vorhandener,  durch  die  in  Folge  des  Eisenbahnbentes  aber  eintretender
Kommunikationsstörung  etwa  nothwendig  werdenden  Bauten  an  Straßen,
Brücken  und  Dämmen,  dann  Einfriedungen  oder  Absperrungen  anordnet.

c)  Den  Konzessionairen  wird  zum  Zwecke  des  Baues  der  gedachten  Eisenbahnstrecke
  auf  Oesterreichischem  Gebiete  das  Recht  der  Expropriation
nach
        <pb n="1952" />
        —  1775  —

nach  den  Bestimmungen  der  diesfälligen  gesetzlichen  Vorschriften  in  Ansehung
  jener  Räume  zugestanden,  welche  nach  der  Entscheidung  der  ##n  u
berufenen  Oesterreichischen  Behörden  zur  Ausführung  der  fraglichen  asn
für  unumgänglich  nothwendig  erkannt  werden.

4)  Die  Konzessionaire  haben  die  Errichtung  von  Staats-Telegraphenleitungen
  längs  der  Eisenbahnstrecke  und  an  ihrem  Grund  und  Boden  unentgeltlich
  zu  gestatten.

Im  Falle  solche  Leitungen  erbaut  werden  sollten,  gestattet  die
Staatsverwaltung  andererseits  die  Anbringung  der  Bahnbetriebs-Telegraphenleitung
  an  ien  Säulen.

Was  die  näheren  Modalitäten  der  Errichtung,  Erhaltung  und
Benutzung  des  Bahntelegraphen  anbelangt,  so  sind  die  Konzessionaire
gehalten,  diesfalls  mit  der  Kaiserlich  Königlichen  Staatstelegraphen-Anstalt
  seiner  Zeit  ein  eigenes  Uebereinkommen  zu  treffen/  um  der
Staatsverwaltung  den  Einfluß  auf  die  Handhabung  des  Betriebs-““hi
  und  die  Ueberwachung  desselben  zu  ermöglichen  und
zu  sichern.

ee)  Rücksichtlich  der  Einmündung  der  in  Rede  stehenden  Bahn  in  die  Linie
der  nördlichen  Staatsbahn  bei  Wildenschwert,  dann  in  Betreff  der  aus
diesem  Anlasse  erforderlichen  Herstellungen  und  Bauten  auf  dem  Stationsplatze
  Wildenschwert  oder  in  der,  Nähe  desselben  und  in  Betreff  der
Einrichtung  des  Betriebsdienstes  daselbst  haben  die  Konzessionaire  das
Einverständniß  mit  der  Kaiserlich  Königlich  prioilegirten  esterreichischen
Staats--Eisenbahngesellschaft  zu  pflegen,  wie  dies  bezüglich  des  Dienstes
in  der  Wechselstation  Mittelwalde  in  analoger  Weise  im  Artikel  XVII
des  Staatsvertrages  vorgesehen  ist.  Das  diesfällige  Uebereinkommen  ist
der  Oesterreichischen  Reglerung  zur  Genehmigung  vorzulegen,  welcher  es
auch  vorbehalten  bleibt,  im  PFäe,  daß  in  einer  oder  der  anderen  Beiehung
  kein  Einverständniß  der  beiden  Bahn-Unternehmungen  erzielt  werden
  sollte,  nach  Maaßgabe  der  bestehenden  Gesetze  und  unter  Berücksichtigung
  der  Bestimmungen  des  Staatsvertrages  die  Entscheidung  zu  treffen.
Was  insbesondere  die  Besorgung  des  Grenzdienstes  in  der  Wechsel-  und
Uebergangsstation  Mittelwalde  betrifft,  so  wird  durch  Spezialverhandlungen
  der  betreffenden  Verwaltungszweige  beider  Staaten  seiner  Zeit  noch
näher  festgestellt  werden,  in  welchel  Zahl  und  Ausdehnung  in  der  genannten
  Station  nach  Maaßgabe  der  jeweiligen  Verkehrsverhältnisse,
Amts-  und  Manipulationslokalitäten  für  den  Oesterreichischen  Zoll-,  Polizei,
  Post=  und  Staats-Telegraphendienst  und  eventuell  auch  Wohnungsraume
  für  die  anständige  Unterkunft  der  Oesterreichischen  Zoll-  und
Polizeibeamten  und  Diener  und  der  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichischer
Seits  dort  etwa  stationirten  Finanzwach-Angestellten,  deren  Zahl  in
keinem  Falle  die  bei  anderen  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichischen  Grenzzollämtern
  mit  gleichen  Abfertigungsbefugnissen  übliche  Anzahl  überschreiten
  wird,  zu  beschaffen  und  zu  erhalten  seien.
(Tr.  6896.)  233°  Die
        <pb n="1953" />
        —  1776  —

Die  Ausführung  der  so  ermittelten  Herstellungen  wird  im  direkten
Einvernehmen  der  beiderseitigen  Regierunger  erfolgen,  es  haben  jedoch
die  Konzessionaire  der  Eisenbahnstrecke  von  einem  geeigneten  Punkte  der
nördlichen  Staatsbahn  bei  Wildenschwert  bis  zur  Leserreichisch-Preußi
schen  Grenze  bei  Mittelwalde  die  Verpflichtung  auf  sich  zu  nehmen,  den
jährlichen  Miethszins,  mit  welchem  die  Kaiserlich  Königlich  Oesterreichischen
  Aemter  für  die  gedachten  Amts=  und  Wohnungsräume  in  Anspruch
genommen  werden  sollten,  regelmäßig  an  den  Oesterreichischen  Staatsschatz
  zurückzuvergüten.

)  Bei  der  Ausführung  des  Betriebes  auf  der  in  Rede  stehenden  Eisenbahnstrecke
  haben  sich  die  Konzessionaire  den  diesfalls  bestehenden  oder  noch  zu
erlassenden  Oesterreichischen  Gesetzen  (insofern  sich  dieselben  mit  dem  abgeschlossenen
  Staatsvertrage  nicht  in  Widerspruch  befinden)  zu  unterwerfen.
  Insbesondere  haben  sich  dieselben  nach  den  Vorschriften  der
Eisenbahnbetriebs-Ordnung  vom  16.  November  1851.  (Reichsgesetzblatt
vom  Jahre  1852.  Nr.  1.)  zu  benehmen  und  daher  auch  zu  nachfolgenden
Leistungen  zu  verpflichten:  «

1)  Dem  hohen  Oesterreichischen  Aerar  ist  der  den  Verkehrsverhältnissen
entsprechende  Mehraufwand  zu  ersetzen,  welcher  demselben  aus  Anlaß
der  bezuͤglichen  Bahn  für  die  gefällsamtliche  Ueberwachung  und  die
eigentliche  Polizeiaufficht  zur  Last  fällt;  auch  ist  nach  Macßade  des

88.  des  vorbezeichneten  Gesetzes  den  Beamten  der  betroffenen
Verwaltungszweige  bei  den  in  Angelegenheit  der  Eisenbahn  vorkommenden
  Dienstreisen  die  freie  Fahrt  zu  gewähren.

Die  Konzessionaire  haben  allen  Anforderungen  7#  entsprechen,  welche
zur  Befriedigung  der  nachstehend  bezeichneten  Befugnisse  der  Kaiserlich
  Königlichen  Postverwaltung  Seitens  der  Kaiserlich  Königlichen
Eisenbahn-Aufsichtsbehörde  an  dieselben  gestellt  werden.

Die  Kaiserlich  Königliche  Post  ist  unentgeltlich  t  befördern,
und  die  Postverwaltung  hat  für  je  einen  Zug  in  jeder  Richtung  die
Abfahrtsstunden  und  die  Fahrgeschwindigkeit  zu  bestimmen,  kann
weiter  aber  selbst  jene  Züge,  deren  Abfahres.  und  Ankunftsstunden
lediglich  von  der  Bahnverwaltung  bestimmt  werden,  event.  unentgeltlich
  zur  Postbeförderung  benutzen.

Die  Kaiserlich  Königliche  Postverwaltung  ist  ferner  berechtigt,
entweder  die  Beistellung  zu  Postzwecken  vollkommen  eingerichteter

üttelwagen  von  Seiten  der  Bahnverwaltung  zu  verlangen,  oder
ich  eigener  Postwaggons  zu  bedienen  und  die  unentgeltliche  Beförderung
  der  einen  oder  anderen  dieser  Postwaggons,  sowie  der
die  Postsendungen  begleitenden  Beamten  und  Diener,  die  gute  Instandhaltung
  und  die  gehörige  Bewahrung  und  Beaufsichtigung  dieser
  Waggons  in  den  Räumen  und  auf  Kosten  der  Bahnangaal,
endlich  die  unentgeltliche  Beleuchtung  derselben  von  der  letzteren  z

fordern.
Wenn

2
        <pb n="1954" />
        —  1777  —

Wenn  die  Kaiserlich  Königliche  Postverwaltung  auf  der  in
Oesterreich  konzessionirten  Bahnstrecke  eine  ambulante  Host  einzuführen
  findet,  so  sind  anstatt  der  achträderigen  oder  vierräderigen  gewöhnlichen
  Wagen  die  hierzu  erforderlichen  acht=  oder  vierräderigen,
nach  den  Anforderungen  der  Postanstalt  eingerichteten  Post-Ambulancewagen
  von  den  Konzessionairen  ohne  Entgelt  herzustellen  und
zu  erhalten.

Sollte  bei  irgend  einem  für  die  Beförderung  von  Briefpacketen
  oder  Postsendungen  bestimmten  Zuge  kein  Postwaggon
beigestellt  werden  und  keine  Begleitung  durch  Postbedienstete  Seon.
finden,  so  sind  die  Bahnbediensteten  zu  verpflichten,  auch  die  Uebernahme
  und  Uebergabe  der  mit  dem  betreffenden  Zuge  zu  befördernden
  Posteffekten  zu  pflegen  und  dieselben  während  des  Transportes
gehörig  zu  verwahren.  Wenn  bei  Fällen  dieser  Art  Postsendungen
durch  Verschulden  der  Bahnbediensteten  in  Verlust  gerathen  oder
beschädigt  werden  sollten,  so  haben  die  Konzessionaire  zur  Erlangung
des  Ersatzes  von  den  Schuldtragenden  behülflich  zu  sein.  In  jenen
Bahnhöfen,  welche  in  der  Nähe  von  Postorten  erbaut  und  zu
welchen  von  den  nächstgelegenen  Postämtern  Postverbindungen  voraussichtlich
  eingerichtet  werden,  sollen  Kammern  zur  einstweiligen
sicheren  Aufbewahrung  der  Postsendungen  eingeräumt  werden.

In  jenen  Fällen,  wo  der  Postdienst  auf  der  in  Oesterreich
gelegenen  Strecke  mehr  als  Einen  achträderigen  (oder  zwei  vierräderige)
  Wagen  erfordern  würde,  hat  übrigens  die  Bahnverwaltung
für  jeden  weiter  beizustellenden  Wagen  auf  eine  billige  Entschädigung
pro  Bahnmeile  Anspruch.

3)  Wenn  die  Strecke  von  einem  Punkte  der  nördlichen  Staatsbahn
bei  Wildenschwert  bis  zur  Oesterreichisch=  Preußischen  Grenze  bei
Mittelwalde  für  Oesterreichische  Militairtransporte  benutzt  werden
sollte,  sind  dieselben  nach  herabgesetzten  Preisen  zu  befärdern,
und  haben  die  Konzessionaire  dem  am  10.  Dezember  1860.  zwischen
dem  Kaiserlich  Königlichen  Kriegsministerium  und  den  größeren
Eisenbahnanstalten  Ockemeighs  abgeschlossenen  Uebereinkommen  über
die  Tarifsätze  aller  Gattungen  von  solchen  Transporten  beizutreten.

8)  In  Ansehung  des  für  die  fragliche  Bahnstrecke  überhaupt  eintretenden
Tarifs  dürfen  keine  höheren  Tarifgebühren  und  keine  ungünstigeren
Transportbedingungen  festgesetzt  werden,  als  auf  den  Linien  der  nördlichen
  Staatsbahn.

h)  Die  Konzessionaire  haben  die  Verpflichtung,  für  den  innerhalb  des  Oesterreichischen
  Staatsgebiets  stattfindenden  Dienst  solche  Beamte,  Diener  oder
Arbeiter,  welche  wegen  Verbrechen  oder  Vergehen,  wegen  Schleichhandel
oder  schwerer  Gefällsübertretungen  rechtskraftig  verurtheilt,  oder  blos
wegen  Mangel  rechtlicher  Beweise  von  der  Untersuchung  enthoben  worden

(Nr.  6876.)  sind,
        <pb n="1955" />
        —  1778  —

sind,  zum  Dienste  und  beziehungsweise  zur  Arbeit  wissentlich  nicht  zu
verwenden.

i)  Die  Konzessionaire  verzichten  von  vornherein  auf  jede  Ersatzleistung  oder
Vergütung  für  solche  Bahnzerstörungen)  welche  in  Kriegsfällen  aus
militairischen  Gründen  etwa  vorgenommen  werden  müßten.

k)  Die  Konzession  wird  auf  neunzig  Jahre  vom  Tage  der  Ausfertigung  der
Konzessions-Urkunde  verliehen  werden.

Nach  Ablauf  dieser  Konzessionsdauer  hat  die  fragliche  Bahnstrecke
  von  einem  Punkte  der  nördlichen  Staatsbahn  bei  Wildenschwert
bis  zur  Oesterreichisch.  Preußischen  Grenze  bei  Mittelwalde  mit  allem
beweglichen  Zubehör  in  das  freie  unbelastete  Eigenthum  der  Oesterreichischen
  Staatsverwaltung  überzugehen.

(Nr.  6897.)
        <pb n="1956" />
        —  1779  —

(Nr.  6897.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  1.  Mai  1867.,  betreffend  die  Uebertragung  der  Verwaltung
  der  Hannoverschen  Westbahn-Strecke  Rheine-Emden  auf  die
Königliche  Direktion  der  Westphälischen  Eisenbahn.

Au  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  27.  April  d.  J.  will  Ich  Auch.
migen,  daß  die  Verwaltung  der  Strecke  der  Lum#ovoerschen  Peltum  von  Rheine
bis  Emden  vom  1.  Januar  1868.  ab  auf  die  Direktion  der  Westphälischen  Staats-Eisenbahn
  übertragen  wird.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Berlin,  den  1.  Mai  1867.

Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.

Gr.  v.  Itzenplitzt.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

(Nr.  6897—6898.)  (Nr.  6898.)
        <pb n="1957" />
        (Nr.  6898.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  28.  September  1867.,  betreffend  den  Uebergang  der
Post=  und  Telegraphenverwaltung  an  den  Präsidenten  des  Staatsministeriums.


Auf  den  Bericht  des  Staatsministeriums  vom  24.  d.  M.  bestimme  Ich,  daß
die  Verwaltung  des  Post-  und  Telegraphenwesens  vom  15.  Oktober  d.  J.  ab
von  dem  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  mit  den  von
demselben  als  Chef  des  Post=  und  Telegraphenwesens  bisher  geübten  Befugnissen
auf  den  Präsidenten  des  Staatsministeriums  übergehe  und  unter  dessen  Verantwortlichkeit
  im  Zusammenhange  mit  der  vom  1.  Januar  k.  J.  ab  dem  Bundeskanzler
  zustehenden  Verwaltung  des  Post-  und  Telegraphenwesens  des  Norddeutschen
  Bundes  bearbeitet  werde.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die,  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Schloß  Mainau,  den  28.  September  1867.
Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.

An  das  Staatsministerium.

Redigirt  im  Bürean  des  Staats-Mluisteriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckeret
(N.  v.  Decker).
        <pb n="1958" />
        —  1781  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  114.

(Nr.  68399.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  31.  August  1867.,  betreffend  die  Verleihung  des  Expropriationsrechts
  und  der  fiskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Stallupönen,
im  Regierungsbezirk  Gumbinnen,  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  der
Kreis-Chaussee:  1)  von  Werxnen  an  der  Kreis-Chaussee  von  Stallupönen
über  Milluhnen  zur  Goldapper  Kreisgrenze  bis  nach  Mehlkehmen,  2)  von
derselben  Kreis-Chaussee  nach  dem  Hauptgestüt  Trakehnen  und  3)  von
Stallupönen  über  Patilczen  und  Willkinnen  nach  Kattenau.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  vom  Kreise  Stalluböonen
  im  Rezierungsbe  irk  Gumbinnen,  keabsschtigie  chausseemäßigen  Ausbau
er  Straßen:  I)  von  eruen  an  der  Kreis-Chaussee  von  Stallupönen  über
Milluhnen  zur  Goldapper  Kreisgrenze  bis  nach  Mehlkehmen,  2)  von  derselben
Kreis-Chaussee  nach  dem  Hauptgestar  Trakehnen  und  3)  von  Stallupönen  über
Patilczen  und  Willkinnen  nach  Kattenau  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch
dem  Kreise  Stallupönen  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  diesen  Chausseen  erforderlichen
  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und
Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden
  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straßen.  Zugleich  will  Ich  dem  genannten
Kreise  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chu  eemäßigen  Unterhaltung  der  Straßen
das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die
Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben
  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die
Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den
Sl  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen
die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen
wegen  der  EChnusserpolthei,  Vergehen  auf  die  gedachten  Straßen  zur  Anwendung
kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  u  bringen.

q  Babelsberg,  den  31.  August  1867.  Z
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.
An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

Johrzans  1867.  (Nr.  6899—6900)  234  (Nr.  6900.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  25.  Oktober  1867.
        <pb n="1959" />
        —  1782  —

(Nr.  6900.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis=  Obligationen
  des  Kreises  Stallupönen  im  Betrage  von  108,000  Thalern,  II.  Emission.
  Vom  31.  August  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

Nachdem  von  den  Kreisständen  des  Kreises  Stallupönen  auf  dem  Kreistage
vom  27.  März  1866.  beschlossen  worden,  die  zur  Vollendung  der  vom  Kreise
unternommenen  Chausseebauten  erforderlichen  Geldmittel  im  Wege  einer  Anleihe  zu
beschaffen,  wollen  Wir  auf  den  Antrag  der  gedachten  Kreisstände:  zu  diesem
Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Jinskupons  versehene,  Seitens  der  Gläubiger
  unkündbare  Obligationen  zu  dem  angenommenen  Betrage  von  108,000  Thalern
  ausstellen  zu  dürfen,  da  sich  hiergegen  weder  im  Interesse  der  Gläubiger,
noch  der  Schuldner  etwas  zu  erinnern  gefunden  hat,  in  Gemäßheit  des  §.  2.  des
Gretes  vom  17.  Juni  1833.  zur  Ausstellung  von  Obligationen  zum  Betrage  von
108,000  Thalern,  in  Buchstaben:  Einhundert  und  acht  Tausend  Thalern,  welche
in  folgenden  Apoints:

20,000  Thaler  à  1000  Thaler,
25,000  a  500
30,000  é.  à  200
33,000  ".  à  100

—  108),000  Thaler,

„nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer  mit  fünf

Prozent  jährlich  zu  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu  bestimmenden  Folgeordnung
  jährlich  vom  Jahre  1868.  ab  mit  wenigstens  jährlich  Einem  Prozent
des  Kapitals  unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den  getilgten  Schuldraten  zu  tilgen
sind,  durch  gegenwärtiges  rioilegium  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  mit
der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder  Inhaber  dieser  Obligationen  die
daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung  des  Eigenthums  nachweisen
zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befugt  ist.

Das  vorstehende  Privilegium)  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird,  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Schloß  Babelsberg,  den  31.  August  1867.
(I.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

Pro-
        <pb n="1960" />
        —  1788  —
Provinz  Preußen,  Negierungebezirk  Gumbmnen.

Obligation
des  Kreises  Stallupönen

II.  Serie
Littr  %
über
..........  Thaler  Preußisch  Kurant.
Auf  Grund  der  untern  .  ..  bestätigten  Kreistagsbeschlüsse  vom

27.  März  1866.  wegen  Aufnahme  einer  Anleihe  von  108,000  Thalern  bekennt  sich
die  ständische  Kommission  für  den  Chausseebau  des  Stallupöner  Kreises  Namens
des  Kreises  durch  diese,  für  jeden  Inhaber  gültige,  Seitens  des  Gläubigers  unkündbare
  Verschreibung  zu  einer  Harlthneschuld  von  Thalern  Preußisch
Kurant,  welcher  Betrag  an  den  Kreis  baar  gezahlt  worden  und  mit  fünf  Prozent
  jährlich  zu  verzinsen  ist.

Die  Rückzahlung  der  ganzen  Schuld  von  108,000  Thalern  geschieht  vom
Jahre  1868.  ab  aus  einem  zu  diesem  Behufe  gebildeten  Tilgungsfonds  von
wenigstens  Einem  Prozent  des  gesammten  Kapitals  jährlich,  unter  Pewachs  der
Zinsen  von  den  getilgten  Schuldraten.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  ie  Ausloosung  erfolgt  vom  Jahre  1868.  ab  in  dem
Monate  Januar  jeden  Jahres.  Der  Kreis  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,
den  Tilgungsfonds  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  seowee  sämmtliche
noch  üllanhsende  Schuldverschreibungen  zu  kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie  die
gekundigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Bezeichnung  ihrer  Buchstaben,

ummern  und  Deträge  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung  erfolgen
  soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.

Diese  Bekanntmachung  erfolgt  sechs,  drei,  zwei  und  Einen  Monat  vor  dem
Zahlungstermine  in  dem  Amtsblatte  der  Königlichen  Regierung  zu  Gumbinnen,
sowie  in  dem  Stallupöner  Kreisblatte.

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird  es
in  halbjährlichen  Terminen,  am  2.  Januar  und  am  1.  hund  vom  .  .  .....  .  .  ...
an  gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  gleicher  Münzsorte  mit  jenem  verzinset.

(Tr.  6900.  234“  Die
        <pb n="1961" />
        —  1784  —

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rüd

Habe  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,  bei
er  Kreis-Kommunalkasse  in  Stallupönen,  und  zwar  auch  in  der  nach  dem
Eintritt  des  Fälligkeitstermins  folgenden  Zeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
find  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.

Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren,  vom
Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  ab  gerechnet,  nicht  erhobenen  Zinsen
verjähren  zu  Gunsten  des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Allgemeinen  Gerichts-Ordnung  Theil  1
Titel  51.  .  120.  sequ.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Stallupönen.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  viesähatgzen  Verjährungsfrist
  bei  der  Kreisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz  der
Zinskupons  durch  Vohhel  ung  der  Schuldverschreibung  oder  sonst  in  glaubhafter
Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt  werden.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  zehn  halbjährige  Zinskupons  bis  zum
Schlusse  des  Jahres  1873.  ausgegeben.  Für  die  weitere  Heie  werden  Zinskupons
auf  fünffährige  Perioden  ausgegeben.

Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons=  Serie  erfolgt  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  zu  Stallupönen  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons=  Serie
beigedruckten  Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Auchändigung  der
neuen  Zinskupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren
Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

Jur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der  Kreis
Stallupönen  mit  seinem  Vermögen.

6  u  Dessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
ertheilt.  -

Stallupönen,den..«ss«..»  -.........  18..

Die  kreisständische  Kommission  für  den  Chausseebau
im  Kreise  Stallupönen.

 

Pro-
        <pb n="1962" />
        —  1785  —
Provinz  Preußen,  Regierungebezirk  Gumbinnen.

Zins-Kupon
zu  der

Kreis-Obligation  des  Stallupöner  Kreises
II.  Serie
Littr  .-r  über  ..  ..  .  Thaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen
über
..........  Thaler·.....Silbergrofcheuz

Der  Inhaber  dieses  Iinskupons  empfängt  **-  ressen  Rückgabe  in  der
Zeit  vom.  bi  resp.  vom  ..  ten  ...  ..
.....  bsund  spaterhm  die  Zinsen  der  vorbenannten  Kreis
Obligation  flur  das  Halbjahr  vom  .  ..  ........  ....  bbbs.
sin  #chstaben)  Thalern  Silbergroschen  bei  der  Kreis-  Kommunalasse
  in  Stallupönen.

Stallupönen,  den.  .  ..  .  .  ..  .  ..  18..

Die  kreisständische  Kommission  für  den  Chausseebau
im  Kreise  Stallupönen.

Geldbetrag  nicht  innerhalb  vier  Jahren,  vom
Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  ab,

Dieser  Zinskupon  ist  rieheh  wenn  dessen
erhoben  wird.

(Nr.  6900.)  Pro-
        <pb n="1963" />
        —  1786  —

Provinz  Preußen,  Regierungsbezirk  Gumbinnen.

Dalon

zur
Kreis-Obligation  des  Kreises  Stallupbnen.
II.  Serie.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  Obligation
  des  Stallupöner  Kreises,  II.  Serie,

Littr.  über.....  Thaler  à  fünf  Prozent  Zinsen,

die  t  Sere  Ziekupons  für  die  fünf  Jahre  18.  bis  18.  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  in  Stallupönen.

Stallupönen,  den  en  18.

Die  kreisständische  Kommission  für  den  Chausseebau
im  Kreise  Stallupönen.

 

(Nr.  6901.)
        <pb n="1964" />
        —  1787  —

(Nr.  6901.)  Statut  des  Verbandes  zur  Entwässerung  der  Niederungen  am  Masehnen"
Faulen  und  Plötzen-See,  im  Kreise  Angerburg  des  Regierungsbezirks
Gumbinnen.  Vom  26.  September  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

verordnen,  nach  Anhörung  der  Betheiligten  auf  Grund  des  Artikels  2.  des  Gesetzes
  vom  11.  Mai  1853.  und  der  öH#.  56.  57.  des  Gesetzes  vom  28.  Februar
1843.,  was  folgt:  "

é.  1.

Unter  der  Benennung:

„Verband  zur  Entwässerung  der  Niederungen  am  Masehnen--,
  Faulen  und  Plötzen-See'“

wird  eine  Genossenschaft  gebildet.
Der  Verband  hat  seinen  Gerichtsstand  bei  dem  Kreisgerichte  zu  Angerburg.

g.  2.
Zweck  des  Verbandes  ist:

den  Masehnen-,  Faulen  und  Plötzen-See  zu  senken;  dadurch  Seegrund
zur  Acker-  und  Wiesenkultur  zu  gewinnen,  insbesondere  aber  die  um  die
Seen  belegenen  Bruch=  und  Wiesenflächen  durch  die  Entwässerung  kulturfähiger
  zu  machen.

Zur  Erreichung  dieses  Zweckes  sind  die  in  den  Kostenanschlägen  des  Wasserbaumeisters
  Kuckuck  vom  20.  April  1866.  verzeichneten  Hauptgräben  und  Brücken
von  dem  Verbande  auszuführen  und  zu  unterhalten.  Abänderungen  des  Projekts
und  des  Anschlages  dürfen  nur  mit  Genehmigung  des  Ministers  für  die  landwirthschaftlichen
  Angelegenheiten  vorgenommen  werden.

Binnenentwässerungen  und  Bewässerungs-Anlagen  hat  der  Vorstand  des
Verbandes  auf  Kosten  der  Freziell  dabei  Betheiligten  zu  vermitteln  und  nöhhigen,
falls  durchzuführen,  nachdem  der  Plan  dazu,  sowie  das  Beitragsverhältniß,  dem
Veriheil  eines  Jeden  entsprechend,  von  den  Staats-Verwaltungsbehörden  festgestellt
  ist.

Die  Unterhaltung  solcher  Anlagen  hat  der  Vorstand  ebenfalls  zu  beaufsichtigen.

K.  3.
Ueber  die  vom  Verbande  zu  unterhaltenden  Anlagen  und  über  die  Grundstücke

  des  Verbandes  ist  ein  Lagerbuch  vom  Direktor  des  Verbandes  zu  führen
und  vom  Vorstande  festzustellen.

(Nr.  6901.)  K.  4.
        <pb n="1965" />
        —  17688  —

K.  4.

Der  Verband  ist  befagt  t,  soweit  dies  zur  Ausführung  des  Meliorationsplanes
  nothwendig  ist,  die  Abtretung  fremden  Grund  und  Vodens)  die  Einräumung
  einer  Servitut  und  die  vorübergehende  Nutzung  von  Giundstücken  gegen
Entschädigung  nach  den  Bestimmungen  des  Gesetzes  vom  15.  November  1811.
(Ges.  Sameu.  für  1811.  S.  352.)  zu  verlangen.

Die  Genossen  des  Verbandes  haben  den  zu  den  Gräben  und  Kanälen  erforderlichen
  Grund  und  Boden  in  der  Regel  ohne  Entschädigung  herzugeben.
Dagegen  gebührt  ihnen  die  Grasnutzung  auf  den  Böschungen,  und  es  fält  ihnen
auch  das  verlassene  Flußbett  unentgeltlich  zu.

Sofern  der  Werth  der  Grasnutzung  und  des  Flußbettes  den  Werth  des
Grund  und  Bodens  jedoch  nicht  erreicht,  Kau  ihnen  der  Mehrwerth  des  letzteren
nach  den  Vorschriften  des  Gesetzes  vom  15.  November  1811.  im  Wege  des
schiedsrichterlichen  Verfahrens  entschädigt  werden.

.  5.

8
Der  Verband  ist  zur  Vertretung  der  Entschädigungsansprüche  der  Fischereiberechtigten,
  welche  in  Folge  der  Seesinkungen  erhoben  werden,  verpflichtet.

S.  6.

Die  bestehenden  Brücken  auf  den  Entwässerungszügen  sind,  nachdem  sie
auf  Kosten  des  Verbandes  umgebaut  sind,  von  denjenigen  im  normalmäßigen
Zustande  zu  unterhalten  f  welchen  die  Unterhaltung  bisher  oblag.  Wenn  die
Brücken  bei  dem  Umbau  erheblich  größer,  als  bisher,  werden,  so  hat  der  Verband
  den  Unterhaltungspflichtigen  für  die  Vergrößerung  seiner  Last  zu  entädigen.


sch  8Wie  durch  die  Entwässerungszüge  nothwendig  werdenden  neuen  Brücken
hat  der  Verband  allein  zu  unterhalten.

KS.  7.

Die  Genossen  des  Verbandes  und  das  Verhältniß  ihrer  Beitragspflicht
ur  besstellung  und  Unterhaltung  ihrer  gemeinsamen  Anlagen  sind  durch  ein
aner  festzustellen,  welches  der  e#serungskommisgarius  entwirft.

Das  Verhältniß  des  Vortheils  an  der  Melioration  bildet  dabei  den
Maaßstab.

Die  Kosten  für  die  Seesenkung  des  Masehnen-  und  Faulen  Sees  und  die
Entwässerung  der  mit  diesen  Seen  in  Verbindung  stehenden  Niederungen  find
dabei  getrennt  zu  halten  von  den  Kosten  für  die  Senkung  des  Plötzen.  Sees  und
die  Entwässerung  der  mit  diesem  See  im  Zusammenhange  befindlichen  Niederungen.


8  Der  Entwurf  dieses  Katasters  ist  bei  dem  Landrathsamte  zu  Angerburg
und  extraktlich  bei  den  Gemeindevorständen  offen  zu  legen,  auch  den  Güem
welche  einen  besonderen  Gutsbezirk  bilden,  extraktlich  mitzutheilen.  Zugleich  ist

im
        <pb n="1966" />
        —  1789  —

im  Amtsblatte  der  Regierung  zu  Gumbinnen  und  in  dem  Kreisblatte  eine  vierwöchentliche
  Frist  bekannt  zu  machen,  innerhalb  welcher  bei  dem  Kommissarius
Beschwerde  erhoben  werden  kann.

Der  Kommissarius  hat  die  erhobenen  Beschwerden  unter  Zuziehung  der
Beschwerdeführer,  eines  Deputirten  des  Vorstandes  und  der  erforderlichen  Sachverständigen
  zu  untersuchen.

Die  Sachpverständigen  sind  hinsichtlich  der  Grenzen  des  Inundationsgebietes
und  der  sonstigen  Vermessungen  ein  vereideter  Feldmesser  oder  nöthigenfalls  ein
Vermessungsrevisor,  hinsichtlich  der  Bonität  zwei  ökonomische  Sachpverständige,
denen  bei  Streitigkeiten  wegen  der  Ueberschwemmungsverhältnisse  ein  Wasserbauverständiger
  beigeordnet  werden  kann.

Die  Sachverständigen  werden  von  der  Regierung  ernannt.

Mit  dem  Resultate  der  Untersuchung  werden  die  Betheiligten,  nämlich
die  Gasschwerdeflhre  einerseits  und  der  Vorstandsdeputirte  andererseits,  bekannt
gemacht.  ·
Sind  beide  Theile  mit  dem  Resultate  einverstanden,  so  hat  es  dabei  sein
Bewenden  und  wird  das  Kataster  demgemäß  berichtigt.  Andernfalls  werden  die
Akten  zur  Entscheidung  der  Beschwerden  der  Regierung  eingereicht.

Wird  die  Beschwerde  verworfen,  so  treffen  die  Kosten  derselben  den  Beschwerdeführer.


Binnen  vier  Wochen  nach  erfolgter  Bekanntma  ung  der  Entscheidung  ist
7  dagegen  an  den  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten
zulässig.

Nach  erfolgter  Feststellung  wird  das  Kataster  von  der  Regierung  zu
Gumbinnen  aus  Pfrrüigt  und  dem  Vorstande  zugestellt.

Bis  zur  Festie  ung  des  Katasters  orrsaht  die  Regierung  zu  Gumbinnen
nach  Anhörung  des  Vorstandes  über  das  mnterimistische  Beitragsverhältniß,
welches  vorbehaltlich  der  Ausgleichung  der  Einziehung  von  Beiträgen  zum
Grunde  zu  legen  ist.

 

S  S.

Die  Verbindlichkeit  zur  Entrichtung  der  Beiträge  für  die  Anlage  und
Unterhaltung  ruht  mit  der  Spzietätpflicht  gleich  den  sonstigen  gemeinen  Lasten
und  Abgaben  als  Reallast  unablöslich  auf  den  verpflichteten  Grundstücken.

ie  Beiträge  sind  auf  das  Ausschreiben  des  Direktors  in  den  darin  zu
bezeichnenden  Terminen  zur  Kasse  des  Verbandes  bei  Vermeidung  der  administraliven
  Exekution  einzuzahlen.  Innerhalb  der  Gemeinden  bewirken  deren
Vorsteher  die  Einziehung  und  Abführung  zur  Kasse  des  Verbandes.

Die  Exekution  findet  auch  statt  gegen  Pächter,  Nutznießer  oder  andere
Besider  der  verpflichteten  Grundstücke,  vorbehaltlich  des  Regresses  an  die  eigentlich

  Verpflichteten.
g.  9.

An  den  vom  Verbande  zu  unterhaltenden  Haupt-Entwässerungszügen  müssen
drei  Fuß,  vom  oberen  Rande  der  Böschung  ab  gerechnet,  unbeackert  bleiben.
Jahrgang  1867.  (Nr.  6901.)  23

Bei
        <pb n="1967" />
        —  1790  —

Bei  der  Räumung  der  Kanäle  und  Gräben  müssen  die  Eigenthümer  der
angrenzenden  Grundstücke  den  Auswurf,  dessen  Eigenthum  ihnen  dagegen  zufällt,
aufnehmen  und  binnen  vier  Wochen  nach  der  Räumung,  wenn  aber  die  Räumung
  vor  der  Erndte  geschieht,  binnen  vier  Wochen  nach  der  Erndte,  bis  auf
Eine  Ruthe  Entfernung  von  dem  Rande  fortschaffen.  Aus  besonderen  Gründen
kann  der  Direktor  diese  Frist  abändern.

Ausnahmen  von  der  Bestimmung  dieses  Paragraphen  können  in  einzelnen
Fällen  vom  Vorstande  des  Verbandes  mit  Genehmigung  der  Regierung  gestattet
werden.  Wo  die  Eigenthümer  der  angrenzenden  Ländereien  durch  die  Gräben
keinen  Vortheil  haben,  soll  ihnen  die  Fortschaffung  des  Auswurfs  gegen  ihren
Willen  nicht  aufgelegt  werden.  10

F.  10.

Der  Verband  steht  unter  der  Aufsicht  der  Regierung  zu  Gumbinnen  als
Landespolizeibehörde  und  in  höherer  Instanz  des  Ministers  für  die  landwirthschaftlichen
  Angelegenheiten.  Die  Regierung  hat  darauf  zu  halten,  daß  die  Be.
stimmungen  des  Statuts  beobachtet,  die  Anlagen  gut  ausgeführt  und  erhalten
und  die  etwaigen  Schulden  regelmäßig  verzinst  und  getilgt  werden.

Die  Regierung  entscheidet  über  die  Beschwerden  gegen  die  Beschlüsse  des
Vorstandes  und  des  Direktors,  sofern  der  Rechtsweg  nicht  zulässig  und  eingeschlagen
  ist  und  setzt  ihre  Entscheidung  nöthigenfalls  exekutivisch  in  Bollze  .

Die  Regierung  ist  befugt,  von  der  Verwaltung  des  Verbandes  erzeit
Kenntniß  zu  nehmen,  nach  Anhörung  des  Vorstandes  eine  Geschäftsanweisun
für  den  Verband  zu  ertheilen  und  au  Grund  des  Gesetzes  vom  11.  März  1858
über  die  Polizeiverwaltung  die  nöthigen  Polizeiverordnungen  zu  erlassen  zum
Schutze  der  vom  Verbande  zu  unterhaltenden  oder  zu  beaufsichtigenden  Anlagen.

KC.  11.

Wenn  der  Vorstand  es  unterläßt  oder  verweigert,  die  dem  Verbande  nach
diesem  Statute  oder  sonst  geseblich  obliegenden  Leisungen  auf  den  Haushalts-Etat
  zu  bringen  oder  außerordentlich  zu  genehmigen,  so  läßt  die  Regierung  nach
Anhörung  des  Vorstandes  die  Eintragung  in  den  Etat  von  Amtswegen  bewirken
oder  stellt  die  außerordentlichen  Ausgaben  fest  und  verfügt  die  Einziehung  der
erforderlichen  Jeiträge,

Gegen  diese  Entscheidung  steht  dem  Vorstande  innerhalb  zehn  Tagen  die
Berufung  an  den  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  zu.

K.  12.

Die  Regierung  hat  darauf  zu  halten,  daß  den  Beamten  des  Verbandes
die  ihnen  zukommenden  Besoldungen  unverkürzt  zu  Theil  werden  und  etwaige
Beschwerden  darüber  zu  entscheiden,  vorbehaltlich  des  Rechtsweges.

K.  13.

Die  Angelegenheiten  des  Verbandes  werden  durch  einen  Vorstand  geleitet,
welcher  aus  einem  Direktor  und  vier  Mitgliedern  besteht.
Der
        <pb n="1968" />
        —  1791  —

·  Der  Direktor  und  sein  Stellvertreter  werden  von  der  Regierung  zu  Gumbinnen
  ernannt.  Die  vier  Mitglieder  werden  dagegen  gewählt:

1)  von  den  zum  Verbande  gehörigen  Besitzern  selbstständiger  Güter  zwei
Mitglieder

2)  von  den  Dorfgemeinden  und  allen  übrigen  Grundbesitzern  zwei  Mitglieder.

Die  Mitglieder  ad:  1.  und  deren  Stellvertreter  werden  von  den  zum  Verbande
  gehörigen  Besitzern  selbstständiger  Güter  resp.  von  ihrem  Bevollmächtigten
und  Leselichen.  Vertretern,  die  Mitglieder  ad  2.  und  deren  Stellvertreter  von
den  Vorstehern  sämmtlicher  Gemeinden,  zu  welchen  die  übrigen  bei  dem  Verbande
  betheiligten  Grundbesitzer  gehören,  durch  absolute  Stimmenmehrheit  gewählt.
  Dabei  wird  die  Stimme  jedes  wählenden  Vorstehers  gezählt  nach  der
Morgenzahl,  welche  er  vertritt.  Sobald  das  Kataster  festhenelltr  ist,  erfolgt  die
Zählung  der  Stimmen  bei  den  Wahlen  nach  der  Normal-Morgenzahl,  welche
der  Wähler  vertritt.  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  das  Loosß.  ie  Wahl
gilt  für  sechs  Jahre.  Der  Ausscheidende  kann  wieder  gewählt  werden.

Die  Regierung  zu  Gumbinnen  ernennt  die  Wahlkommissarien.  Die  Prüfung
  der  Wahlen  steht  dem  Vorstande  selbst  zu.

Im  Ubrigen  finden  bei  dem  Wahlverfahren,  sowie  in  Betreff  der  Verwllchtung
  zur  Annahme  der  Wahl  die  Vorschriften  über  Gemeindewahlen

nwendung.  »

Die  Stellvertreter  nehmen  in  Krankheits-  und  Behinderungsfällen  des
Mitgliedes  seine  Stelle  ein  und  treten  für  das  Mitglied  ein,  wenn  dasselbe  während
der  Wahlzeit  stirbt  oder  seinen  Wohnsitz  in  der  Gegend  aufgiebt.

K.  14.
Der  Vorstand  des  Verbandes  hat  über  alle  Angelegenheiten  zu  beschließen,
soweit  dieselben  nicht  dem  Vorsitzenden  (Direktor)  überwiesen  sind,  insbesondere
a)y  über  die  zur  Erfüllung  der  Sozietätszwecke  nothwendigen  und  nützlichen
Einrichtungen  und  über  die  Bauanschläge;
b)  über  den  Jahres-Etat  und  die  erforderlichen  gewöhnlichen  und  außergewöhnlichen
  Ausschreiben,  sowie  über  die  Decharge  der  Jahresrechnung;
J)  über  etwaige  Anleihen;
d)  über  Verträge  (s.  jedoch  S.  22.))
e)  über  die  Benutzung  der  etwa  zu  erwerbenden  Grundstücke  oder  des  sonstigen
Vermögens  des  Verbandes;
ß  über  die  Annahme  des  Rendanten  und  der  erforderlichen  Unterbeamten;
8)  über  die  Geschäftsanweisungen;
h)  über  die  Revision  der  Anlagen  durch  einen  qualifiirten  Baubeamten.

Die  Ausführung  der  Beschlüsse  des  Vorstandes  erfolgt  durch  den  Vor-(Tr.
  6901.  235“  sitzen-
        <pb n="1969" />
        —  1792  —

sitzenden.  Der  Vorstand  ist  aber  berechtigt,  von  der  Ausführung  der  Beschlüsse
sich  Ueberzeugung  zu  verschaen.  Beschlüsse  des  Vorstandes,  welche  der  Vorsitzende
für  gesetzwidrig  oder  dem  Gemeinwohl  nachtheilig  erachtet,  hat  derselbe  zu  beanstanden
  und  die  Entscheidung  der  Regierung  einzuholen.

.  15.
Die  Genehmigung  der  Regierung  ist  erforderlich:
a)  zu  den  Projekten  über  den  Bau  neuer  Anlagen;
b)  zu  Anleihen;
J)  zur  Veräußerung  von  Grundstücken  des  Verbandes.

K.  16.

Der  Vorstand  versammelt  sich  auf  Berufung  des  Vorsitzenden  alle  Jahre
mindestens  ein  Mal  im  Monat  Mai.  Die  Art  und  Weise  der  Zusammenberufung
erfolgt  unter  Angabe  der  Gegenstände  der  Verhandlung;  mit  Ausnahme  dringender
  Häule  muß  dieselbe  wenigstens  sieben  freie  Tage  vorher  stattfinden.

K.  17.

Die  Mitglieder  des  Vorstandes  sind  an  Instruktionen  der  Genossen  des
Verbandes  nicht  gebunden.  Die  Beschlüsse  werden  nach  Stimmenmehrheit  gefaßt.
  Bei  Stimmengleichheit  entscheidet  die  Stimme  des  Vorsitzenden.

Der  Vorstand  kann  nur  beschließen,  wenn  außer  dem  Direktor  zwei  Mitglieder
  erschienen  sind.

Eine  Ausnahme  findet  statt,  wenn  der  Vorstand  zum  dritten  Mal  zur
Verhandlung  über  denselben  Gegenstand  zusammenberufen,  dennoch  nicht  in  genügender
  Zahl  erschienen  ist.

Bei  der  zweiten  und  dritten  Zusammenberufung  muß  auf  diese  Bestimmung
  ausdrücklich  hingewiesen  werden.

K.  18.

An  Verhandlungen  über  Rechte  und  Pflichten  des  Verbandes  darf  derjenige
  nicht  Theil  nehmen,  dessen  Interesse  mit  dem  des  Verbandes  im  Widerspruch
  steht.  Kann  wegen  dieser  Ausschließung,  selbst  mit  Hülle  der  Stellvertreter,
  eine  beschlußfähige  Versammlung  nicht  gehalten  werden,  so  hat  der
Vorsitzende,  oder  wenn  auch  dieser  aus  dem  vorgedachten  Grunde  betheiligt  ist,
die  Regierung  für  die  Wahrung  der  Interessen  des  Verbandes  zu  sorgen  und
nöthigenfalls  einen  besonderen  Vertreter  für  denselben  zu  bestellen.  ·

§.19.

Die  Beschlüsse  des  Vorstandes  und  die  Namen  der  dabei  anwesend  gewesenen
  Mitglieder  sind  in  ein  besonderes  Buch  einzutragen.
Sie  werden  von  dem  Vorsitzenden  und  wenigstens  zwei  Mitgliedern
unterzeichnet.
6.  20.
        <pb n="1970" />
        Der  Direktor  des  Verbandes  führt  die  Gesammtverwaltung  und  handdie
  Polizei  zum  Schutze  der  vom  Verbande  zu  unterhaltenden  oder  zu  beaufichtigenden
  Anlagen.  In  einzelnen  Fällen  kann  sich  der  Direktor  durch  ein
anderes  Mitglied  des  Vorstandes  vertreten  lassen;  jedes  Mitglied  des  letzteren
ist  verbunden,  Aufträge  des  Vorsitzenden  zu  überbehmen.  Der  Vorsitzende  hat
insbesondere

a)  den  Verband  nach  Außen  und  in  Prozessen  zu  vertreten.  Zu  Verträgen
  und  Schuldurkunden  ist  eine  nach  §F.  19.  zu  vollziehende  Urkunde
oder  Vollmacht  des  Vorstandes  erforderlich  (siehe  jedoch  d.  22.),

b)  die  Einnahmen  und  Ausgaben  anzuweisen  und  das  Kassen-  und  Rechnungswesen
  zu  überwachen;

e)  die  Sozietätsbeiträge  nach  dem  Etat  und  den  Beschlüssen  des  Vorstandes
  auszuschreiben  und  die  Beitreibung  zu  bewirken

d)  die  Unterbeamten  zu  beaufsichtigen  und  die  Ausführung  der  Bauten  anzuordnen
  und  zu  leiten.

KG.  21.

Alljährlich  im  Frühjahr,  vor  der  ordentlichen  Jahresversammlung  des  Vorstandes,
  findet  eine  Hauptschau  der  Anlagen  des  Verbandes  statt.  Dieselbe  erstreckt
  sich  auch  auf  die  vom  Verbande  zu  beaufsichtigenden  Anlagen.  Der  Direktor
  hält  die  Schau  mit  Zuziehung  von  zwei  Vorstandsmitgliedern  als  Miturtheilern
  ab,  welche  in  der  ordentlichen  Jahresversammlang  vom  Vorstande  bestimmt
  werden.  «

Ueber  den  Befund  und  die  Beschlüsse  der  Schaukommission  ist  ein  Protokoll
aufzunehmen.  Die  Schau  wird  öffentlich  bekannt  gemacht,  damit  jeder  Betheiligte
  derselben  beiwohnen  kann.

So  oft  es  erforderlich  ist,  soll  in  gleicher  Weise  im  September  eine  Nachschau
  abgehalten  werden.

(.  2.

Die  gewöhnliche  Unterhaltung  der  Sozietäts-Anlagen  ordnet  der  Direktor
nach  dem  Befund  der  Schau  an,  in  dringenden  Fällen  auch  sonst  nach  eigenem
Ermessen  und  holt  nur  in  zweifelhaften  Fällen,  oder  wenn  er  mit  den  Miturtheilern
nicht  übereinstimmt,  den  Beschluß  des  Vorstandes  ein.  Ob  die  Ausführung  auf
Rechnung  durch  die  Unterbeamten,  ausnahmsweise  auch  durch  ein  Mitglied  des
Verbandes,  oder  einen  Gemeindevorstand,  oder  durch  Entreprise  zu  geschehen  hat,
darüber  setzt  der  Vorstand  gewisse  Grundsätze  fest,  unbeschadet  deren  in  dringenden
Fällen  die  Direktion  nach  eigenem  Ermessen  verfährt.  Zu  Entreprisekontrakten
zur  Unterhaltung  der  Anlagen  bedarf  der  Direktor  einer  Vollmacht  nicht.

Was  die  Schau  für  die  vom  Verbande  nur  zu  beaufsichtigenden  Anlagen
betrifft,  so  ist  das  Ergebniß  der  Schau  in  gleicher  Weise  festzustellen,  den  Bätzei.

r—im  ligten
        <pb n="1971" />
        —  1794  —

ligten  vom  Direktor  danach  Anweisung  zu  ertheilen  und  die  Befolgung  nöthigenfalls
  im  Wege  der  administrativen  Exekution  von  ihm  zu  erzwingen.

g.  23.

Zur  speziellen  Beaufsichtigung  der  Anlagen  und  zur  Ausfuͤhrung  der  die
Unterhaltung  der  Sozietätsanlagen  betreffenden  Arbeiten  hat  der  Direktor  auf
Beschluß  des  Vorstandes  die  sbderlichen  Unterbeamten  anzustellen  und  eidlich
zu  verpflichten.  Der  Direktor  kann  gegen  diese  Unterbeamten  Disziplinarstrafen
bis  zur  Höhe  von  drei  Thalern  Geldbuße  verfügen,  nöthigenfalls  ihnen  auch
die  Ausübung  der  Amtsverrichtungen  vorläufig  untersagen.

C.  24.

Der  Direktor  ist  befugt,  wegen  der  die  Anlagen  betreffenden  polizeilichen
Uebertretungen  die  Strafe  bis  zu  fünf  Thalern  VGeldbgze  oder  drei  Tagen  Gefängniß
  vorläufig  festzusetzen,  nach  dem  Gesetze  vom  14.  Mai  1852.  Die  vom
ern  allein,  nicht  vom  Polizeirichter  festgesetzten  Geldstrafen  fließen  zur  Sozieätskasse.


iiei

Auf  Beschluß  des  Vorstandes  sind  die  Anlagen  des  Verbandes  rücksichtlich
ihrer  normalmäßigen  Beschaffenheit  durch  einen  qualifizirten  Bausachverständigen,
so  oft  es  erforderlich  ist,  zu  revidiren.

Bei  neuen  Anlagen  und  größeren  Unterhaltungsarbeiten  hat  der  Direktor
durch  einen  solchen  Sachverständigen  den  Anschlag  vorher  fertigen  und  die  Ausführung
  inspiziren  und  abnehmen  zu  lassen.

G.  26.

Zur  Führung  der  Kassengeschäfte  engagirt  der  Vorstand  einen  Rendanten,
welcher  durch  Handschlag  an  Eidesstatt  vom  Vorsitzenden  in  einer  Versammlung
des  Vorstandes  verpflichtet  wird.

Der  Rendant  hat  nach  den  Anweisungen  des  Vorsitzenden  die  Einnahmen
und  Ausgaben  zu  bewirken  und  den  Etat  aufzuselln.  Die  Jahresrechnung  pro
Kalenderjahr  ist  bis  zum  1.  März  dem  Vorsizenden  zu  übergeben,  welcher  dieselbe
durch  einen  Rechnungsverständigen  und  außerdem  selbst  und  ducch  ein  vom  Vorstande
  alljährlich  hierfür  zu  bezeichnendes  Mitglied  der  Vorprüfung  unterwirft.
Vierzehn  Tage  vor  der  ordentlichen  Jahresversammlung  des  Vorstandes  sind
Etat  und  Snhresrechmmng  im  Büreau  des  Direktors  zur  Einsicht  jedes  Mitgliedes
des  Verbandes  offen  zu  legen.

6.  27.

Der  Vorsitzende  und  die  Mitglieder  des  Vorstandes  bekleiden  Ehrenposten.
Dem  Direktor  ist  eine  Entschädigung  für  Büreauaufwand  zu  gewähren,  welche
die  Regierung  auf  Anhören  des  Vorstandes  festsetzt.

Här-  die  Schauen  erhält  der  Direktor  und  jedes  theilnehmende  Vorstandsmitglied
  eine  Fuhrkostenentschädigung  von  zwei  Thalern  pro  Tag  und  Peson,
        <pb n="1972" />
        —  1795  —

§  28.

Die  erste  Ausführung  der  Meliorationsanlagen  leitet  der  Regierungskommissarius,
  welcher  während  des  Baues  als  Direktor  des  Verbandes  fungirt,
mit  Hulfe  des  ihm  zugeordneten  Baubeamten.

Ein  Baubeamter  der  Regierung  revidirt  die  Arbeiten.

Nach  erfolgter  Ausführung  werden  die  Anlagen  von  dem  Regierungskommissarius
  dem  Vorstande  des  Verbandes  übergeben,  mit  der  Baurechnung  und
einem  Nachweis  der  ausgeführten  Anlagen  und  der  Inventarienstücke.  Streitigkeiten,
welche  dabei  entstehen  möchten,  werden  von  der  Regierung  zu  Gumbinnen,  in  höherer
Instanz  von  dem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  entschieden,
ohne  daß  der  Rechtsweg  zulässig  ist.

Die  Baurechnung  wird  nach  Anhören  des  Vorstandes  demnächst  von  der
Regierung  dechargirt.

Die  Remuneration  des  Regierungskommissarius  während  der  Bauzeit  wird
aus  der  Staatskasse  bestritten.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-  Baden,  den  26.  September  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Für  den  Justizminister:
v.  Mühler.  v.  Selchow.

 

(Nr.  6902.)  Bekanntmachung  der  Ministerial-Erklärung  vom  28.  September  1867.,  betreffend
  die  Ausdehnung  des  unter  dem  11.  Juni  1858.  mit  der  Herzoglich
Sachsen-Koburg.  Gothaischen  Regierung  über  die  gegenseitigen  Gerichtsbarkeitsverhältnisse
  abgeschlossenen  Vertrages  auf  die  neuen  Landestheile.
Vom  18.  Oktober  1867.

D.  Königlich  Preußische  Regierung  und  die  Herzoglich  Sachsen  Koburg-Gothaische
  Regierung  sind  übereingekommen,  daß  der  von  ihnen  unter  dem
11.  Juni  1858.  abgeschlossene  Vertrag  wegen  Regelung  der  gegenseitigen  Gerichtsbarkeitsverhältnisse
  für  die  Dauer  seiner  Gültigkeit  (Artikel  50.)  auch  für
die  durch  das  Preußische  Gesetz  vom  20.  September  1866.  und  durch  die  beiden
Preußischen  Gesetze  vom  24.  Dezember  1866.  mit  der  Preußischen  Monarchie
vereinigten  Landestheile  Wirksamkeit  haben  soll,  und  zwar  für  die  ehemals  Kurhessischen
  Landestheile  in  seinem  ganzen  Umfange,  hinsichtlich  der  übrigen  obengedachten
  Landestheile  dagegen  nur  in  denjenigen  Bestimmungen,  welche  im

(Nr.  6901—6902.)  Ar-
        <pb n="1973" />
        —  17u6  —

Artikel  1.)  in  den  Artikeln  34.  bis  43.  inkl.,  in  dem  Artikel  49.  und  in  den
Artikeln  44.  bis  47.  inkl.  —  in  den  vier  letzteren  insoweit,  als  die  Bestimmungen
  nicht  auf  die  Abschnitte  sub  II.  1.  und  2.  des  Vertrages  Bezug  haben  —
getroffen  sind.

Es  wird  dabei  ausdrücklich  erklärt,  daß  alle  älteren  Verträge,  welche  über
den  nämlichen  Gegenstand  mit  den  ehemaligen  Regierungen  der  bezeichneten,  mit
der  Preußischen  Monarchie  vereinigten  Landestheile  abgeschlossen  worden  sind,
insbesondere  die  unter  dem  20.  Dezember  1793.  abgeschlossene  Konvention  wegen
Auslieferung  der  Delinquenten,  für  erloschen  angesehen  werden.

Zu  Urkund  dessen  ist  vorstehende  Ministerial-Erklärung  ausgefertigt  worden,
  um  gegen  eine  entsprechende  Erklärung  der  Herzoglich  Sachsen-Koburg-Gothaischen
  Regierung  ausgetauscht  zu  werden.

Berlin,  den  28.  September  1867.

Der  Königlich  Preußische  Präsident  des  Staatsministeriums  und
Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten.

Gr.  v.  Bismarck-Schönhausen.

V.  ssiehende  Erklärung  wird,  nachdem  sie  Leaen  eine  entsprechende  Erklärung
der  Herzoglich  Sachsen-Koburg-Gothaischen  Regierung  ausgetauscht  worden  ist,
hiermit  zur  öffentlichen  Kenntniß  gebracht.

Berlin)  den  18.  Oktober  1867.

Der  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten.
Im  Auftrage:
v.  Thile.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

erlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1974" />
        —  1797  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

Nr.  115.

 

(Nr.  6903.)  Verordnung  wegen  Einberufung  der  beiden  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie.
Vom  7.  November  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  rc.

verordnen,  in  Gemäßheit  des  Artikels  51.  der  Verfassungs-Urkunde  vom  31.  Januar
  1850.)  auf  den  Antrag  Unseres  Staatsministeriums,  was  folgt:

Die  beiden  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,  das  Herrenhaus  und
das  Haus  der  Abgeordneten,  werden  auf  den  15.  d.  M.  in  Unsere  Haupt-  und
Residenzstadt  Berlin  zusammenberufen.

Das  Staatsministerium  wird  mit  der  Ausführung  dieser  Verordnung
beauftragt.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  7.  November  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck-  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.
Gr.  zu  Eulenburg.

Jeieant  1867.  (Nr.  6903—6904.)  236  (Tr.  6904.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  9.  Rovember  1867.
        <pb n="1975" />
        —  1798  —

(Nr.  6904.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  14.  Oktober  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  an  die  Unternehmer  des  Baues  der  im  Kreise  Oschersleben
  belegenen  Strecke  der  Chaussee  von  Hötensleben  über  Ohrsleben  und
Wackersleben,  im  Kreise  Neuhaldensleben  des  Regierungsbezirks  Magdeburg,
  nach  Hamersleben  im  Kreise  Oschersleben.

Ne  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  6.  Juni  1862.  den  Bau  einer  Chaussee
von  Hötensleben  über  Ohrsleben  und  Wackersleben,  im  Kreise  Neuhaldensleben
des  Regierungsbezirks  Magdeburg,  nach  Hamersleben  im  Kreise  Oschersleben,
uebt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  den  Unternehmern  des  Baues  der  im
eise  Oschersleben  belegenen  Strecke,  ganz  in  derselben  Weise,  wie  dies  bezüglich
der  Unternehmer  der  im  Kreise  Neuhaldensleben  belegenen  Strecke  durch  Meinen
Erlaß  vom  6.  Juni  1862.  (Gesetz-  Samml.  von  1862.  S.  204.)  angeordnet  ist,
das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chausseestrecke  erforderlichen  Genndstaue,
imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,
  nach  Mabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in
Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  den  Unternehmern  gegen  Uebernahme
der  kunftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung
des  Chauffergeltes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal
  geltenden  Chausseegeld=  Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen
Bestimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden
usätzlichen  Vorschriften,  wie  dese  Bestimmungen  auß  den  Sie  bbusen  von
hnen  angewandt  werden,  bierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife
  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen
  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Baden-Baden,  den  14.  Oktober  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel
Gewerbe  und  öffentliche  .-  I

 

(XNr.  6905.)
        <pb n="1976" />
        —  1799  —

(Nr.  6905.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  14.  Oktober  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  an  die  Gemeinden  Daaden,  Biersdorf,  Niederdreisbach
und  Schutzbach  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Gemeinde-Chaussee
  von  Daaden  über  Biersdorf  und  Niederdreisbacher  Hütte  bis
zur  Betdorf.Neunkirchener  sogenannten  Heller-Bezirksstraße  bei  Alsdorf,
im  Kreise  Altenkirchen,  Regierungsbezirk  Coblenz.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  age  den  Bau  einer  Gemeinde
  Chaussee  von  Daaden  über  Biersdorf  und  Niederdreisbacher  Hütte  bis
zur  Betzdorf-Neunkirchener  sogenannten  Heller-Bezirksstraße  bei  Alsdorf  im  Kreise
Altenkirchen,  Regierungsbezirk  Coblenz,  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  den
Gemeinden  Daaden,  Biersdorf,  Niederdreisbach  und  Schutzbach  das  Expropriationsrecht
  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das
Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,  nach
Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf
diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  den  genannten  Gemeinden  gegen  Uebernahme  der
künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des
Chaufsergeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal
geltenden  Chauseeged.  Tarifs-  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen
  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen
  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  air  den  Staats-Chausseen  von
Säeh  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife
  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-
  Vergehen  auf  die  gedachte  Size  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Geset  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenmtniß  zu  bringen.

Baden-Baden,  den  14.  Oktober  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6905—6906,  (Nr.  6906.)
        <pb n="1977" />
        —  1800  —

(Nr.  6906.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  14.  Oktober  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Chaussee  von
Recklinghausen  über  Herten  und  Westerholt  nach  Buer,  im  Kreise  Recklinghausen,
  Regierungsbezirk  Münster.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  24.  Dezember  v.  J.  den  Bau  einer
Chaussee  von  Recklinghausen  über  Herten  und  Westerholt  nach  Buer  genehmigt
habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise  Ncckiinghausen  as  Expropriationer  t  für
die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  ingleichen  as  Recht  zur  Entnahme
  der  Chausseebau-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats=  Chausteen
bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Baden-Baden,  den  14.  Oktober  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckere#l
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1978" />
        —  1801  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  116  —

 

(Nr.  6907.)  Staatsvertrag  zwischen  Preußen  für  Sich,  sowie  im  Namen  und  in  Vertretung
von  Bayern,  Sachsen,  Württemberg,  Baden,  Hessen,  Sachsen-Weimar-Eisenach,
  Oldenburg,  Sachsen-Meiningen,  Sachsen-  Koburg  Gotha,
Sachsen-Altenburg,  Braunschweig)  Anhalt,  Schwarzburg-  Sondershausen,
Schwarzburg.  Rudolstadt,  Waldeck  und  Pyrmont,  Reuß  älterer  Linie,
Reuß  jüngerer  Linie,  Schaumburg-Lippe  und  Lippe,  einerseits,  und
Oesterreich  für  Sich,  sowie  im  Namen  und  in  Vertretung  pon  Liechtenstein,
andererseits,  betreffend  das  Ausscheiden  des  Kaiserthums  Oesterreich  und
des  Fürstenthums  Liechtenstein  aus  dem  Deutschen  Münzverein.  Vom
13.  Juni  1867.

Ne  die  Königlich  Mausische  und  die  Kaiserlich  Oesterreichische  Regierung
übereingekommen  sind,  die  im  Artikel  XlII.  des  Prager  Friedensvertrages  vom
23.  August  1866.  vorbehaltenen  Verhandlungen  wegen  Aufhebung  des  Münzvertrages
  vom  24.  Jannar  1857.,  und  zwar:
die  Königlich  Preußische  Regierung  für  Sich,  sowie  im  Namen
und  in  Vertretung  der  Königlich  Bayerischen,  der  Königlich  Sächsischen,
der  Königlich  Württembergischen,  der  Großherzoglich  Badischen,  der
Großherzoglich  Hessischen,  der  Großherzoglich  Sächsischen,  der  Großherzoglich
  Oldenburgischen,  der  Herzoglich  Sachsen-Meiningenschen,  der  Herzoglich
  Sachsen-Koburg=  und  Gothaischen,  der  Herzoglich  Sachsen-Altenburgischen,
  der  Herzoglich  Braunschweigschen,  der  Herzoglich  Anhaltischen,
der  Fürstlich  Schwarzburg-Sondershausenschen,  der  Fürstlich  Schwarzburg-Rudolstädtschen,
  der  Fürstlich  Waldeck=  und  Pyrmontschen,  der
Fürstlich  Reußischen  ä.  L.,  der  Fürstlich  Reußischen  j.  L.,  der  Fürstlich
Schaumburg-Lippeschen  und  der  Fürstlich  Lippeschen  Regierung,
die  Kaiserlich  Oesterreichische  Regierung  für  Sich,  sowie  im  Namen
und  in  Vertretung  der  Fürstlich  Liechtensteinschen  Regierung,
unmehr  zu  eröffnen,  so  sind  zu  diesem  Zwecke  zu  Bevollmächtigten  ernannt  worden:
von  Seiner  Majestät  dem  Könige  von  Preußen:
1)  Allerhöchstihr  Wirklicher  Geheimer  Ober-Finanzrath  und  Ministerialdirektor
  William  Guenther,
Jahrgang  1867.  (Nr.  69007.)  237  2)  Aller=Ausgegeben

  zu  Berlin  den  15.  November  1867.
        <pb n="1979" />
        –  1802  —

2)  Allerhöchstihr  Geheimer  Ober-Finanzrath  Johann  Gustav  Rudolph
  Meinecke;

von  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  von  Oesterreich:

Aberhochfir  Wirklicher  Geheimer  Rath  und  Staatsrath,  Mitglied
des  Herrenhauses,  Dr.  Karl  Freiherr  von  Hock,

welche,  nach  geschehener  Auswechselung  und  gegenseitiger  Anerkennung  ihrer
Vollmachten,  unter  dem  Vorbehalte  der  Ratifikation,  folgenden  Vertrag  abgeschlossen
  haben.

Artikel  1.

Der  zwischen  dem  Königreich  Preußen  und  den  übrigen  durch  die  Münzkonvention
  vom  30.  Juli  1838.  verbundenen  Staaten  einerseits  und  dem  Kaiserthum
  Oesterreich  und  dem  Fürstenthum  Liechtenstein  andererseits  unter  dem
24.  Januar  1857.  abgeschlossene  Münzvertrag  tritt  in  Bezug  auf  das  Kaiserthum
Oesterreich  und  das  Fürstenthum  Liechtenstein  mit  dem  Ablaufe  des  Jahres  1867.
dergestalt  außer  Wirksamkeit,  daß  mit  diesem  Zeitpunkte  alle  nach  jenem  Vertrage,
den  dazu  gehörigen  Separat-Artikeln  und  dem  Schlußprotokolle  vom  24.  Januar
1857.  dem  Ralfertum  Oesterreich  und  dem  Fürstenthum  Liechtenstein  gegen  die
übrigen  Vereinsstaaten,  und  umgekehrt  den  übrigen  Vereinsstaaten  gegen  das
Kaiserthum  Oesterreich  und  das  Fürstenthum  Liechtenstein  zustehenden  Nch-  und
obliegenden  Pflichten  erlöschen,  soweit  nicht  der  gegenwärtige  Vertrag  Ausnahmen
bestimmt.  «

Artikel  2.

Die  vertragenden  Regierungen  werden  den  bis  zum  Schlusse  des  Jahres
1867.  nach  den  Bestimmungen  des  Münzvertrages  vom  24.  Januar  1857.  geprägten
  Vereinsthalern  und  Doppelthalern  die  ihnen  im  Artikel  8.  des  ebengenannten
  Vertrages  beigelegte  Eigenschaft  eines  gesetzlichen  Zahlungsmittels  vor
dem  Ablauf  des  Jahres  1870.  nicht  entziehen,  sonm  sie  nicht  in  der  Zwischenzeit
zu  einem  anderen,  als  dem  jetzt  bestehenden  Münzsysteme  übergehen.

Artikel  3.

Im  Falle  der  Einführung  eines  anderen  Münzsystems  werden  die  betreffenden
  Regierungen  den  übrigen  Theilnehmern  an  dem  gegenwärtigen  Vertrage
von  dem  Seipuzke  der  beatscchtigten  Aenderung  drei  Monate  zuvor  Kenntniß

eben.  Mit  diesem  Zeitpunkte  erlischt  die  im  Artikel  2.  übernommene  Verbindichkeit
  in  Bezug  auf  die  ihr  Münzsystem  ändernden  Regierungen.  Dagegen
werden  die  ebengedachten  Regierungen  alsdann  die  Einlösung  der  Vereinsthaler
und  Doppelthaler  ihres  Gepräges  wenigstens  noch  bis  zum  1.  April  1871.  bewirken.
  In  Bezug  auf  die  Einlösung  sollen  für  die  Angehörigen  der  übrigen
jetzt  zum  Münzverein  gehörigen  Staaten  nicht  ungünstigere  Bedinzungen  gestellt
werden,  als  für  die  Angehörigen  desjenigen  Staates,  in  welchem  die  Aenderung
des  Münzsystems  erfolgt.  Auch  sollen,  um  den  Angehörigen  jener  Staaten  die
Einlösung  zu  erleichtern,  in  den  bezüglichen  Grenzeistriben  an  geeigneten  Orten
Einlösungsstellen  errichtet  werden.

Ar.
        <pb n="1980" />
        —  1803  —

Artikel  4.

Das  im  Artikel  25.  des  Vertrages  vom  24.  Januar  1857.  erwähnte,  dem
Handels=  und  Zollvertrage  vom  19.  Februar  1853.  als  Beilage  IV.  angereihte
  Münzkartel  bleibt  bis  zum  Ablauf  des  Jahres  1878.  für  alle  Theilnehmer
an  dem  Vertrage  vom  24.  Januar  1857.  unverändert  in  Kraft.

Artikel  5.

Die  Ratifikation  des  Fe-enwärtigen  Vertrages  soll  sobald  als  möglich  erfolgen,
  und  es  sollen  die  Ratifikations-Urkunden  demnächst  in  Berlin  ausgewechselt
  werden.  «

ZuUrkunddessenistdieserVertragvondenbeiderseitigenBevollmächs
tigten  unterschrieben  und  besiegelt  worden.

Berlin,  den  13.  Juni  1867.

(L.  S.)  William  Guenther.  (L.  S.)  Dr.  Karl  Freiherr  von  Hock.
(I.  S.)  Johann  Gustav  Rudolph  Meinecke.

Der  vorstehende  Vertrag  ist  ratifizirt  worden,  und  die  Auswechselung  der
Ratifikations-Urkunden  hat  stattgefunden.

 

(Nr.  6908.)  Statut  der  Wiesengenossenschaft  des  unteren  Wambachthales  im  Kreise  Neuwied.
Vom  5.  Oktober  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

verordnen,  Behufs  Verbesserung  der  in  den  Gemeindebännen  von  Nieder-Wambach,)
  Ascheid  und  Lichtenthal,  Kreis  Neuwied,  im  unteren  Wambachthale  geleenen
  Wiesen,  nach  Anhörung  der  Betheiligten,  dem  Antrage  der  Mehrzahl  der-Aicben
  entsprechend  auf  Grund  des  Gesetzes  vom  28.  Februar  1843.  ¾  56.  57.
(Gesetz  Samml.  für  1843.  S.  51.)  und  des  Gesetzes  vom  11.  Mai  1853.
Artikel  2.  (Gesetz  Samml.  für  1853.  S.  182.),  was  Hehgn

#.  1.
Die  Besitzer  der  in  den  Gemeindebännen  Nieder-Wambach,  Ascheid  und
Lichtenthal,  Kreis  Neuwied,  gelegenen  Wiesen)  welche  in  dem  Situationsplane,  des
(Kr.  6907—6908.)  237°  Kreis.
        <pb n="1981" />
        —  1804  —

Kreis-Wiesenbaumeisters  Petry  zu  Heddesdorf  vom  29.  Dezember  1863.  nebst
den  dazu  gehörigen  Katasterauszügen  mit  einer  Fläche  von  59  Morgen  67  □Ruthen
81  □Fuß  verzeichnet  sind,  werden  zu  einem  Verbande  unter  dem  Namen:  „Wiesengenossenschaft
  des  unteren  Wambachthales“  vereinigt,  um  den  Ertrag  ihrer  Grund-Kül=
  durch  Ent.  und  Bewässerung  zu  verbessern.  Ver  Verband  hat  Korporationsrechte
  und  Domizil  bei  seinem  jedesmaligen  Vorsteher.

C.  2.

Die  zurvortheilhaften  Ent-,und  Bewässerung  der  Verbandsgrundstückeerforderlichen

  Bachregulirungen,  Ent-  und  Bewässerungsgräben,  Siele,  Schützen  und  sonstien

  Anlagen  werden  auf  gemeinschaftliche  Kosten  des  Verbandes  ausgeführt  und  untergalten

  nach  einem  Plane,  welcher  durch  den  genannten  Kreis-Wiesenbaumeister
angefertigt  und  in  Streitfällen  von  der  Regierung  festzustellen  ist.

Weitere  Kunstbauten  bleiben  den  Betheiligten  innerhalb  ihrer  Grundstücke
und  auf  ihre  alleinige  Kosten  unbenommen,  jedoch  darf  die  allgemeine  Ent=  und
Bewässerung  hierdurch  nicht  beeinträchtigt  werden.

Ingleichen  ist  die  Besaamung,  der  Umbau  und  die  sonstige  Unterhaltung
der  Wiesenparzellen  durch  Planirung  und  Düngung  den  Eigenthümern  gestattet,
dieselben  haben  jedoch  hierbei  den  Anordnungen  des  Wiesenvorstandes  im  Interesse
der  ganzen  Anlage  Folge  zu  leisten.

 

5.  3.

Die  Anlagen  werden  in  der  Regel  im  Tagelohn  ausgeführt  unter  Leitung
des  bestellten  Wiesenbaumeisters;  wo  es  indeß  zweckmäßig  ist,  sollen  die  Arbeiten
nach  Bestimmung  des  Vorstandes  an  den  Mindestfordernden  verdungen  werden.

Ausnahmsweise  kann  der  Vorstand  auch  die  Anlagen  durch  Naturalleistung
der  Eigenthümer  ausführen  lassen.  Geschieht  die  Ausführung  in  solchen  Fällen
nicht  rechtzeitig  oder  nicht  vorschriftsmäßig,  so  ist  der  Vorstand  befugt,  nach  einmaliger
  vergeblicher  Erinnerung  des  Saumigen  die  Arbeiten  auf  dessen  Kosten
herstellen  und  letztere  von  demselben  exekutivisch  einziehen  zu  lassen.

Die  Beiträge  zur  Anlegung  und  Unterhaltung  der  gemeinschaftlichen  Anlagen
  werden  von  den  Grundbesitzern  nach  Verhältniß  ihrer  betheiligten  Fläche
aufgebracht.  Sämmtliche  Kosten  sollen  gemeindeweise  aufgestellt  und  zur  Vertheilung
  und  Erhebung  gebracht  werden.

ie
Die  Ausführung  der  nöthigen  Gräben,  Wehre,  sowie  der  zur  Regulirung
des  Bachbettes  nöthigen  Arbeiten  muß  jeder  Grundbesitzer  ohne  Weiteres  gestatten
und  den  dazu  erforderlichen  Grund  und  Boden  der  Regel  nach  unentgeltlich  hereben,
  wogegen  ihm  das  an  den  Dammdossirungen  und  Uferrändern  wachsende
Pras  verbleibt  und  das  wegfallende  alte  Bachbett  als  Eigenthum  belassen  werden
soll.  Sollte  einem  Grundbesitzer  durch  Verlegung  des  Bachbettes  ein  unverhält.-nißmäßiger
  Schaden  erwachsen,  so  ist  ihm  Entschädigung  zu  gewähren.  Solche
Entschädigung  ist  dann  auf  die  Gesammtheit  der  Verbandsgenossen  nach  Verhält.
        <pb n="1982" />
        —  1805  —

hältniß  ihrer  betheiligten  Fläche  zu  vertheilen.  Dergleichen  Entschädigungsfragen
sind  von  dem  Schiedsgerichte  (§.  11.)  zu  entscheiden.

S.  5.

Der  Verband  soll  von  einem  Vorstande,  bestehend  aus  einem  Vorsteher
und  drei  Mitgliedern,  geleitet  werden.  Ihr  Amt  ist  Ehrenamt)  wofür  sie  keine
Vergütung  beanspruchen  können.  Das  nöthige  Rechnungswesen  ist  einem  vom
Vorstande  zu  wählenden  Rechner  zu  übertragen.  Der  Vorsteher  und  die  drei
Mitglieder,  sowie  eine  gleiche  Anzahl  Stellvertreter  für  die  letzteren  werden  von
den  Verbandsgenossen  aus  ihrer  Mitte  auf  drei  Jahre  gewählt.  Die  Wahl  erfolgt
  nach  Stimmenmehrheit  und  zwar  hat  jeder  Verbandsgenosse  Eine  Stimme.
Zugleich  wird  von  den  Verhandsgenossen.  der  Lohn  für  den  Wiesenwärter  durch
Mehrheitsbeschluß  ein  für  allemal  bestimmt.

Der  Bürgermeister  beruft  die  Wahlversammlung  und  führt  den  Vorsitz  in
derselben.  Nach  der  Bestätigung  verpflichtet  derselbe  die  Gewählten  durch  Handschlag.
  Minderjährige  und  moralische  Personen  können  durch  ihre  gesetzlichen  Vertreter,
  Ehefrauen  durch  ihre  Ehemänner  mitstimmen.  Jeder  von  den  betheiligten
Grundbesitzern  ist  wählbar,  nur  nicht,  wer  durch  richterliches  Erkenntniß  seine
Ehrenrechte  verloren  hat.  Im  Uebrigen  sind  bei  der  Wahl  die  Vorschriften  für
Gemeindewahlen  zu  beobachten.

KS.  6.

Der  Borsteher  ist  die  ausführende  Verwaltungsbehörde  des  Verbandes
und  vertritt  denselben  anderen  Personen  und  Behörden  gegenüber.  Er  hat  die
Ausführung  der  gemeinschaftlichen  Anlagen  nach  dem  fenestellee  Plane  zu  veranlassen
  und  dieselbe  zu  beaufsichtigen.  Er  hat  die  Kosten  nach  Verhältniß  des
Grundbesitzes  zu  repartiren,  die  Zahlungen  an  die  zu  errichtende  Kasse  anzuweisen
und  die  Kassenverwaltung  zu  revidiren.  Er  hat  die  Voranschläge  und  Jahresrechnungen
  dem  Vorstande  zur  Feststellung  und  Abnahme  vorzulegen.  Er  hat
den  Wiesenwärter  und  die  Unterhaltung  der  Anlagen  zu  beaufsichtigen,  sowie  die
Grabenschau  im  Frühjahr  und  Herbst  mit  Zuziehung  der  Vorstandsmitglieder  zu
halten.  Er  hat  den  Schriftwechsel  für  den  Verband  zu  führen  und  die  Urkunden
desselben  zu  unterzeichnen.  Zu  Verträgen  ist  die  Zustimmung  der  Vorstandsmitglieder
  erforderlich.  Der  Vorsteher  ist  befugt,  Ordnungsstrafen  gegen
Verbandsgenossen  wegen  Verletzung  dieses  Statuts  und  der  dazu  erlassenen  Reglements
  bis  zur  Häde  von  Einem  Thaler  festzusetzen  und  zur  Beitreibun  anguweisen.

.  In  Behinderungsfällen  läßt  sich  der  Vorsteher  durch  ein  Mitglied  des
Vorstandes  vertreten.

S.  7.

Der  Vorstand  versammelt  sich  regelmäßig  alle  Jahre  zweimal  zur  Frühjahrs-
  und  Herbst.  Grabenschau,  um  die  Jahresrechnung  abzunehmen,  Streitigkeiten
  unter  Mitgliedern,  wo  möglich  an  Ort  und  Stelle  zu  entscheiden,  und  die
sonst  nöthigen  Beschlüsse  zu  fassen.  Nach  Bedürfniß  kann  der  Vorsteher  außerordentliche
  Versammlungen  ausschreiben.  Der  Vorsteher  ist  stimm  erchthzter

(Nr.  6908.)  or-
        <pb n="1983" />
        —  16806  —

Vorsitzender  des  Vorstandes  mit  entscheidendem  Votum  bei  Stimmengleichheit;
er  beruft  die  Vorstandsversammlungen,  leitet  die  Verhandlungen  und  handhabt
die  Ordnung  in  den  Sitzungen.  Die  Zusammenberufung  erfolgt  unter  Angabe
der  Gegenstände  der  Iope  lung;  mit  Ausnahme  dringender  Fälle  muß  dieselbe
wenigstens  zwei  Tage  vorher  erfolgen.  Wer  am  Erscheinen  verhindert  ist,  muß
die  orladung  seinem  Stellvertreter  mittheilen.  Der  Vorstand  kann  nur  beschliebin
  wenn  mindestens  zwei  Mitglieder  auer  dem  Vorsitzenden  zugegen  sind.  Eine
Ausnahme  hiervon  findet  statt,  wenn  der  Vorstand,  zum  dritten  Male  zur  Verhandlung
  über  denselben  Gegenstand  zusammenberufen,  dennoch  uicht  in  genügender
Zahl  erschienen  ist.  Bei  der  zweiten  und  dritten  Zusammenberufung  mus  u  diese
Bestimmung  hingewiesen  werden.  "

Nach  Abnahme  der  Jahresrechnung  hat  der  Vorsteher  die  Betheiligten
Behufs  Einsicht  derselben  zu  einer  Generalversammlung  zu  berufen.

g.  8.

Der  Kreis-Wiesenbaumeister  ist  mit  der  speziellen  Aufsicht  der  Wasserleitungen
  und  Bauwerke  durch  den  Vorstand  zu  beauftragen;  er  hat  für  deren
ordentliche  Ausführung  und  Behandlung  zu  sorgen  und  die  etwaigen  Unterhaltungsbauten
  zu  veranschlagen.

.  9.

Zur  Bewachung  und  Bedienung  der  Wiesen  stellt  der  Vorstand  einen
Wiesenwärter  auf  dreimonatliche  Kündigung  an,  dessen  Lohn  nach  5.  durch
die  Generalversammlung  bestimmt  wird.  Seine  Wahl  unterliegt  der  Bestätigung
des  Landrathes.

Der  Wiesenwärter  ist  allein  befugt  zu  wässern  und  muß  so  wässern,
daß  alle  Parzellen  den  verhältnißmäßigen  Antheil  an  Wasser  erhalten.

Kein  Eigenthümer  darf  die  Schleusen  öffnen  oder  zusetzen  oder  überhaupt
die  Bewässerungsanlagen  eigenmächtig  verändern,  bei  Vermeidung  einer  Strafe
bis  zu  zwei  Thalern  in  jedem  Falle.

D#.  Wiesenwärter  wird  als  Feldhüter  vereidigt.  Es  ist  seine  Pflicht,  den
Anordnungen  des  Vorstandes  pünktlich  Folge  zu  leisten  und  kann  er  von  demselben
mit  Verweis  und  Geldbuße  bis  zu  Einem  Thaler  bestraft  werden.

C.  10.

Wegen  der  gehörigen  Unterhaltung  der  Regulirungsarbeiten,  der  Wässerungs-Ordnung)
  der  Grabenräumung,  der  Heuwerbung  und  der  Hütung  auf
den  Wiesen  hat  der  Vorstand  die  nöthigen  Bestimmungen  zu  treffen  und  kann
deren  Uebertretung  mit  Ordnungsstrafe  bis  zu  zwei  Thalern  belegen.

&amp;amp;.  11.

Die  Streitigkeiten,  welche  zwischen  Mitgliedern  des  Verbandes  über  das
Eigenthum  von  Grundstücken,  über  die  Zuständigkeit  oder  den  Umfang  von  Grundgerechtigkeiten
  oder  anderen  Nutzungsrechten,  und  über  besondere,  auf  Firienen

echts-
        <pb n="1984" />
        —  1807  —

Rechtstiteln  beruhende  Rechte  und  Verbindlichkeiten  der  Parteien  entstehen,  gehören
zur  Entscheidung  der  ordentlichen  Gerichte.

Dagegen  werden  alle  anderen,  die  gemeinsamen  Angelegenheiten  des  Verbandes
  oder  die  vorgebliche  Beeinträchtigung  eines  oder  des  anderen  Genossen
betreffenden  Beschwerden  zunächst  von  dem  Vorstande  untersucht  und  möglichst
gat  bbeigelegt  (6.  7.),  erforderlichenfalls  aber  durch  ein  Schiedsgericht  endgültig
entschieden.

Das  Schiedsgericht  besteht  aus  dem  Bürgermeister,  welcher  gleichzeitig  Vorsitzender
  ist,  und  zwei  Beisitzern.  Im  Selbstbetheiligungsfalle  eines  Beisitzers  tritt
dessen  Stellvertreter  ein.

Die  Schiedsrichter  nebst  den  Stellvertretern  sind  von  vorn  herein  ein-  für
allemal  Seitens  der  Genossen  durch  Stimmenmehrheit  zu  wählen;  späterhin  so
oft  eine  Erneuerung  durch  Tod  oder  Austritt  erforderlich  wird.  Wählbar  ist
Jeder,  der  in  der  Gemeinde  seines  Wohnorts  zu  den  öffentlichen  Gemeindeämtern
wählbar  und  nicht  Mitglied  des  Verbandes  ist.

Wenn  der  Bürgermeister  selbst  Mitglied  des  Verbandes  ist,  so  muß  der
Landrath  auf  Antrag  jedes  Betheiligten  einen  anderen  unpartelschen  Vorsitzenden
des  Schiedsgerichts  ernennen.  E

Ist  der  Wasserstand  so  gering,  daß  nur  Ein  Gang  der  am  Westende
des  Meliorationsgebiets  gelegenen  Mühle  zu  Ascheid  gehen  kann,  so  hat  der  Verband
  die  Bewässerung  einstweilen  und  bis  zu  höherem  Steigen  des  Wassers
auszusetzen.  K

Der  Verband  ist  der  Oberaufsicht  des  Staats  unterworfen.

Das  Aufsichtsrecht  wird  von  dem  Kreislandrathe,  von  der  Regierung  in
Coblenz  und  von  dem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  gehandhabt
  in  dem  Umfange  und  mit  den  Befugnissen,  welche  den  9  ichtsbehörden
der  Gemeinden  zustehen.  .14

Aenderungen  dieses  Statuts  können  nur  unter  landesherrlicher  Genehmigung
  erfolgen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Sigmaringen,  den  5.  Oktober  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.

lür  den  Justizminister:

v.  Mühler.  v.  Selchow.

—J□□q

(Nr.  6906—6909.)  (Nr.  6909.)
        <pb n="1985" />
        —  1808  —

(Nr.  6909.)  Privilegium  wegen  Emission  auf  den  Inhaber  lautender  Prioritäts  -Obligationen
  dritter  Serie  der  Aachen-Mastrichter  Eisenbahngesellschaft  im  Betrage
  von  neunhundert  Tausend  Thalern.  Vom  8.  Oktober  1867.

Wir  Wilhelm,)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

Nachdem  die  Aachen-Mastrichter  Eisenbahngesellschaft  in  der  Generalversammlung
  vom  17.  Juni  1867.  beschlossen  hat,  zur  Deckung  rückständiger
Zinsen  und  zur  Erbauung  einer  Kohlenzweigbahn  von  Simpelveld  nach  Kirchrath
  eine  dritte  Prioritätsanleihe  im  Betrage  von  neunhundert  Tausend  Thalern
aufunchmen,  wollen  Wir,  entsprechend  den  von  der  genannten  Gesellschaft  in
Folge  der  Bestimmung  des  Artikel  15.  des  unterm  30.  Januar  1846.  (Gesetz-Samml.
  für  1846.  S.  29.)  landeöherrlich  bestätigten  Gesellschafts-Statuts  an
Uns  gestellten  Anträgen  zur  Aufnahme  einer  Anleihe  von  neunhundert  Tausend
Thalern  gegen  Ausstellung  auf  den  Inhaber  lautendec  und  mit  Zinsscheinen  versehener
  Prioritäts-Obligationen  in  Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom
17.  Juni  1833.  Unsere  landesherrliche  Genehmigung  unter  folgenden  Bedingungen
hierdurch  ertheilen.

F.  1.

Das  Kapital  der  Anleihe  beträgt  neunhundert  Tausend  Thaler  und  wird
durch  Emission  von  Prioritäts-Obligationen  dritter  Serie  aufgebracht.

Die  Obligationen  werden  in  .

2556  Stück  à  225  Rthlr.  =  575,100  Rthlr.  Nr.  11501—14056.

3249  à  100  =  324900  14057—17305.

000000  Rührr.

„nach  dem  anliegenden  Schema  l.  unter  autographischer  Unterschrift  zweier  Mitglieder
  der  Direktion  der  Aachen-Mastrichter  Eisenbahngesellschaft  stempelfrei  ausgefertigt
  und  von  dem  Spezialdirektor  eigenhändig  unterzeichnet.  Jeder  Obliation

  werden  Zinskoupons  auf  fünf  J9abie  nebst  einem  Talon  nach  den  antbegenden
  Schemas  II.  und  III.  beigegeben.  Die  Nummern  beginnen  im  An-(chlufse
  an  die  letzte  Nummer  der  Wieibe  vom  18.  August  1856.  mit  11501.
Auf  der  Rückseite  der  Obligationen  werden  die  Privilegien  der  betheiligten  Regierungen
  abgedruckt.  Die  Kupons,  sowie  der  Talon  werden  alle  fünf  Jahre
auf  besonders  zu  erlassende  Bekanntmachung  erneuert.

g.  2.

Die  Hbligationen  werden  jährlich  mit  fünf  Prozent  verzinset  und  die
Zinsen  in  halbjährigen  Terminen  am  2.  Januar  und  1.  Juli  eines  jeden  Jahres
in  Aachen,  Mastricht  und  Berlin,  sowie  in  denjenigen  Städten  gezahlt,  welche
etwa  sonst  noch  von  der  Direktion  hierzu  bestimmt  werden.  Zinsen  von  Obliationen,
  deren  Erhebung  innerhalb  fünf  Jahre  von  dem  in  den  betreffenden
Kupons  bezeichneten  JZahlungstage  ab  nicht  geschehen  ist,  verfallen  zum  Vortheil
  der  Gesellschaft.  6%
        <pb n="1986" />
        —  1809  —

K..  3.

Die  Obligationen  unterliegen  der  Amortisation,  die  mit  dem  Jahre  1868.
beginnt  und  durch  bahfriche  erwendung  von  2250  Thalern  und  der  auf  die
eingelösten  Obligationen  fallenden  Zinsen  ausgeführt  wird.  Die  Nummern  der
in  einem  jeden  Semester  zu  amortisirenden  Obligationen  werden  alljährlich  im
Januar  und  resp.  Juli  durch  das  Loos  bestimmt  und  die  Auszahlung  des  Nominalbetrages
  der  hiernach  zur  Amortisation  gelangenden  Obligationen  Thelgt  im
Juli  resp.  Januar  des  nä  solgenden  Jahres,  zuerst  also  im  Juli  1868.

Der  Aachen-Mastrichter  Eisenbahngesellschaft  bleibt  jedoch  das  Recht  vorbehalten,
  sowohl  den  Amortisationsfonds  zu  verstärken  und  dadurch  die  Tilgung
der  Obligationen  zu  beschleunigen,  wie  auch  sämmtliche  Obligationen  durch  die
öffentlichen  Blätter  mit  sechsmonatlicher  Frist  zu  kündigen  und  durch  Zahlung
des  Nennwerths  einzulösen.  Die  Kündigung  darf  jedoch  nicht  vor  dem  1.  Januar
1870.  geschehen.  Ueber  die  erfolgte  Amortisation  wird  Unserem  Minister  für
Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  alljährlich  ein  Nachweis  eingereicht.

K.  4.

Die  Ausloosung  der  halbjährlich  zu  amortifirenden  Obligationen  geschieht
.  Aachen  in  Gegenwart  zweier  Mitglieder  der  Direktion  und  eines  protokollireneen
  Notars  in  einem  14  Tage  vorher  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringenden
Termine,  zu  welchem  den  Inhabern  der  Obligationen  der  Zutritt  gestattet  ist.

)

Die  Nummern  der  ausgeloosten  Obligationen  werden  binnen  14  Tagen
nach  Abhaltung  des  im  F.  4.  gedachten  Termins  bekannt  gemacht.  Die  Auszahlung
  dersekben  erfolgt  in  Aachen,  Mastricht  und  Berlin,  sowie  in  den  Städten,
welche  von  der  Direktion  dazu  bestimmt  werden,  an  die  Vorzeiger  der  betreffenden
  Obligationen  gegen  Auslieferung  derselben  und  der  dazu  gehörigen  nicht
fälligen  Zinskupons.  Werden  die  Kupons  nicht  abgeliefert,  so  wird  der  Betrag
  der  fehlenden  von  dem  Kapitalbetrage  der  Obligationen  gekürzt  und  zur
Einlösung  der  Kupons  verwendet,  sobald  dieselben  zur  Zahlung  präsentirt  werden.

Im  Uebrigen  erlischt  die  Verbindlichkeit  der  Gesellschaft  zur  Verzinsung
einer  jeden  Obligation  mit  dem  31.  Dezember  desjenigen  Jahres,  in  welchem  dieselbe
  ausgeloost  und,  daß  dies  geschehen,  öffentlich  bekannt  gemacht  ist.

Die  im  Wege  der  Amortisation  eingelösten  Obligationen  werden  in  Geenwart
  zweier  Mitglieder  der  Direktion  und  eines  protokollirenden  Notars  verza
  b,  und  es  wird,  daß  dies  geschehen,  durch  die  öffentlichen  Blätter  bekannt
emacht.

s  Die  in  Folge  einer  Kündigung  (§.  3.)  außerhalb  der  planmäßigen  Amortisation
  eingelösten  Obligationen  ist  die  Gesellschaft  wieder  auszugeben#befugt.

F.  6.
Diejenigen  Obligationen,  welche  ausgeloost  und  gekündigt  find,  und,  der
Jahrgang  1867.  (Nr.  6909.)  238  Be-
        <pb n="1987" />
        .  —  1010  —

Bekanntmachung  durch  die  öffentlichen  Blätter  ungeachtet,  nicht  rechtzeitig  zur
Realisation  eingehen,  werden  während  der  nächsten  zehn  Jahre  von  der  Direktion
der  Aachen  Mastrichte  Eisenbahngesellschaft  alljährlich  einmal  öffentlich  aufgerufen.

ehen  sie  aber  dessenungeachter  nicht  spätestens  binnen  Jahresfrist  nach
dem  letzten  öffentlichen  Aufruf  zur  Realisation  ein,  so  erlischt  ein  jeder  Anspruch
aus  denselben  an  das  Gesellschaftsvermögen,  was  unter  Angabe  der  Nummern
der  werthlos  gewordenen  Obligationen  von  der  Direktion  Pentich  bekannt  zu

machen  ist.

Die  Gesellschaft  5  aus  dergleichen  Obligationen  keinerlei  Verpflichtung
mehr,  doch  steht  der  Generalversammlung  frei,  die  gänzliche  oder  theilweise
Realisirung  derselben  aus  Billigkeitßrücksichten  zu  beschließen.

KC.  7.
Zur  Sicherung  der  Verzinsung  und  Tilgung  der  Schuld  wird  festgesetzt:

a)  die  vorgeschriebene  Verzinsung  und  Tilgung  der  Obligationen  geht  der
Zahlung  von  Dividenden  an  die  Aktionaire  der  Gesellschaft  aus  dem
Reinertrage  vor;

b)  bis  zur  Tilgung  der  Obligationen  dürfen  Seitens  der  Gesellschaft  keine
zur  Eisenbahn  und  zu  den  Bahnhöfen  erforderlichen  Grundstücke  verkauft
werden;)  dies  bezieht  sich  jedoch  nicht  auf  die  außerhalb  der  Bahn  und
der  Bahnhöfe  befindlichen  Grundstücke,  auch  nicht  auf  solche,  welche  inmerhalb
  der  Bahnhöfe  etwa  an  den  Staat  oder  an  die  Gemeinden  zur  Errichtung
  von  Post-,  Telegraphen-,  Polizei=  oder  steuerlichen  Einrichtungen,
oder  welche  zu  Packhöfen  oder  Waarenniederlagen  abgetreten  werden
möchten;

Tc)  zur  Sicherheit  für  Kapital  und  Zinsen  wird  den  Inhabern  der  Obligaionen
  mit  Vorbehalt  der  den  früher  Inhalts  der  Privilegien  vom
28.  Dezember  1853.  und  18.  August  1856.  kontrahirten  Priorikne
Obligationen  I.  und  II.  Serie  eingeräumten  und  daher  vorgehenden
ypothek  das  gesammte  bewegliche  und  unbewegliche  Vermögen  der

esellschaft  verpföndet.  Auch  darf  diese  weder  Aktien  kreiren,  noch  neue
Darlehne  aufnehmen,  es  sei  denn,  daß  den  auf  Grund  dieses  Privilegiums
  zu  emittirenden  Obligationen  das  Vorzugsrecht  ausdrücklich  vorbehalten
  würde.

K.  8.

Angeblich  vernichtete  oder  verlorene  Obligationen  werden  nach  dem  im
Artikel  13.  der  Statuten  der  Aachen.  Mastrichter  Eisenbahngesellschaft  und  in  der
Allerhöchsten  Bestätigungs  =  Urkunde  vom  30.  Januar  1846.  (Gesetz=  Samml.
für  1846.  S.  29.  ff.)  vorgeschriebenen  Verfahren  für  nichtig  erklärt  und  dem.
nächst  ersetzt.

§.  9.

Die  in  diesem  Privilegium  vorgeschriebenen  öffentlichen  Bekanntmachungen
er-
        <pb n="1988" />
        —  1811  —
erfolgen  durch  eine  Aachener  und  Mastrichter  Zeitung,  den  Preußischen  Staatsanzeiger
  und  den  Niederländischen  Staats.  Courant.

Zur  Urkunde  dieses  haben  Wir  das  gegenwärtige  landesherrliche  Privilegium
  Allerhöchsteigenhändig  vollzogen  und  unter  Unserem  Königlichen  Insiegel
ausfertigen  lassen,  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern  der  Obligationen  in  W.
schung  ihrer  Befriedigung  eine  Gewährleistung  von  Seiten  des  Staats  zu  geben
oder  Rechten  Dritter  zu  präjudiziren.  -

«  Das  gegenwärtige  Privilegium  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  bekannt
zu  machen.  ·
Gegeben  Weimar,  den  8.  Oltober  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

Schema  l.
Prioritäts-Obligation  III.  Emission

der

Aachen-Mastrichter  Eisenbahngesellschaft

über

Inhaber  dieser  Obligation  hat  einen  Antheil  von  .....  .  .  ...  Thalern  an  dem
mit  Allerhöchster  Genehmigung  und  nach  den  Bestimmungen  umstehender  Privilegien
  emittirten  Kapital  von  900,000  Thalern  Preußisch  Kurant  Prioritäts-Obligationen
  der  Aachen=  Mastrichter  Eisenbahngesellschaft.

Aachen,  den  n  .  18..
(Trockener  Stempel.)
Die  Direktion.  Der  Spezial-Direktor.
(Faksimile  der  Unterschrift  zweier  (Unterschrift.)

Direktionsmitglieder.)

(Nr.  6909.)  238“  Sche-
        <pb n="1989" />
        —  1812  —

Schema  II.
.....  Nthck...Sgk...Pf.  Jus-O
Serie  I.
(Erster)  Zins-Kupon
zur  .
Prioritäts-Obligation  III.  Emission
der
Aachen--Mastrichter  Eisenbahngesellschaft
.

Inhaber  empfängt  vom  1.  Juli  18.  ab  gegen  diesen  Kupon  an  den
planmäßig  bezeichneten  Vahileellen

..........  ThalerSgr.Pf.Preuß.-Kutaut
als  Zinsen  vom  1.  Januar  bis  30.  Juni  18..

Dieser  Kupon  wird  ungültig  und  werthlos,  wenn  er  nicht  binnen  fünf
Jahren  nach  der  Verfallzeit  zur  Zahlung  präsentirt  wird.

Aachen,  den  .  18..
(Trockener  Stempel.)
Die  Direktion.  Ausgefertigt.

(Faksimile  der  Unterschrift  zweier  (Faksimile  des  Rendanten.)
Direktionsmitglieder.)

Sche-
        <pb n="1990" />
        —  1818  —

Schema  III.
TDalon

zu  der
Prioritäts-Obligation  III.  Emission
der  «

AacheniMastrichterEisenbahngesellschaft

Inhaber  dieses  Talons  empfängt  4  dessen  Rückgabe  an  den  durch
öffentliche  Bekanntmachung  bezeichneten  Stellen  die  .“  Serie  der  Zinskupons
für  die  fünf  Jahre  ododvr.  bis.  sofern  nicht  von
dem  Inhaber  der  Obligation  bei  der  iiei  hnelen  Direktion  rechtzeitig  Widerspruch
  dagegen  erhoben  wird.

Aachen,  den  e  18.
(Trockener  Stempel.)

Die  Direktion.  Ausgefertigt.
(Faksimile.)  (Unterschrift.)

(Nr.  6909—6910.)  (Nr.  6910.)
        <pb n="1991" />
        —  1814  —

(Nr.  6910.)  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  eine  Aenderung  des  Statuts  der  Berlin-Hamburger
  Eisenbahngesellschaft.  Vom  14.  Oktober  1867.

Wir  Wilhelm,)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  u.

Nachdem  die  Berlin-Hamburger  Eisenbahngesellschaft  in  der  Generalversammlung
  ihrer  Aktionaire  vom  23.  Mai  1867.  beschlossen  hat,  an  Stelle  des
§.  27.  ihres  Statuts,  wie  solcher  durch  die  landesherrliche  Urkunde  vom  3.  Juli
1851.  (Gesetz  Samml.  S.  463.)  genehmigt  worden,  folgende  Bestimmung  als
neuen  H.  27.  treten  zu  lassen:

„Der  aus  dem  Reinertrage  des  Unternehmens  nach  dem  F.  23.
zurückzulegende  Reservefonds  ist  zur  Deckung  der  nicht  aus  dem  regel.
mäßigen  Etat  zu  bestreitenden  auferordenllichen.  und  der  periodisch  wiederkehrenden
  größeren  Ausgaben  bestimmt.  Zu  diesen  Ausgaben  gehören
namentlich  die  Ergänzung  und  Erneuerung  des  Oberbaues,  größere  Reparaturen
  und  Neubauten  von  Brücken  und  Gebäuden,  sowie  alle  Verwendungen
  für  die  Bahn  oder  den  Betrieb,  welche  durch  außerordentliche
Zufälle  oder  Ereignisse  veranlaßt  worden,  nicht  aber  die  Ergänzung  und
Erneuerung  der  Betriebsmittel  und  die  laufende  Unterhaltung  der  Bahn
nebst  allem  Zubehör,  welche  vielmehr  vorweg  aus  der  Betriebseinnahme
zu  bestreiten  sind.

Die  zum  Reservefonds  nach  den  Bestimmungen  des  F.  23.  zurück.
zulegende  Quote  darf  alljährlich  in  der  Regel  nicht  weniger  als  Prozent,
  und  in  der  Regel  nicht  mehr  als  zwei  Prozent  des  zu  vierzehn
Millionen  Thaler  zngenommenen  Gesammt-Anlagekapitals,  also  nicht
weniger  als  90,000  Thaler  und  nicht  mehr  als  280,000  Thaler  betragen.


Es  treten  jedoch  hierbei  folgende  Modiffkationen  ein:

1)  Sobald  der  Reservefonds  die  Höhe  von  500,000  Thalern  erreicht  hat,
unterliegt  die  Bestimmung,  daß  mindestens  jährlich  90,000  Thaler  zum
Reseroesonds  zu  legen  seien,  alljährlich  einer  Prüfung  der  Verwaltungsvorstände,
  unter  spezieller  Genehmigung  der  bei  den  Aktien  Litt.  B.  be.
theiligten  Regierungen  dahin,  ob  die  obige  Summe,  oder  welche  andere,
zum  Reservefonds  zurückzulegen  sei,  wobei  jedoch  die  Summe  von
50,000  Thalern  als  Minimum  festzuhalten  ist.

2)  Mehr  als  1,400,000  Thaler  darf  niemals  als  Reservefonds  zurückgelegt
werden.  Was  von  der  Ansammlung  des  Reservefonds  gesagt  ist,  gilt
auch  von  der  Ergänzung  desselben,  sobald  er  seiner  Bestimmung  gemäß
ganz  oder  theilweise  verwendet  worden  ist.

3)  Derselbe  wird  zinsbar  angelegt,  jedoch  in  einer  solchen  Weise,  daß  das
Kapital  jederzeit  ohne  Wufenibalt  flüstig  gemacht  werden  kann.  Die  davon
  auflommienden  Zinsen  wachsen  dem  Reservefonds  wiederum  zu.“

wollen  Wir  diesem  Beschlusse  die  landesherrliche  Genehmigung  hiermit  ertheilen
ie
        <pb n="1992" />
        —  1815  —
6  Die  gegenwärtige  Urkunde  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  bekannt  zu
machen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  14.  Oktober  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

 

(Nr.  6911.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  des  von  der  Bergbaugesellschaft
  Holland  zu  Wattenscheid  im  Regierungsbezirk  Arnsberg
beschlossenen  dritten  Statutnachtrages  wegen  Abänderung  und  Ergänzung
des  Artikels  20.  des  Statuts.  Vom  30.  Oktober  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  21.  Oktober
d.  J.  den  von  der  ordentlichen  Generalversammlung  der  Bergbaugesellschaft  Holland
  zu  Wattenscheid  am  17.  Juni  d.  J.  beschlossenen  und  in  der  notariellen
Verhandlung  vom  15.  August  d.  J.  Seitens  des  Gesellschaftsvorstandes  verlautbarten
  dritten  Statutnachtrag  wegen  Abänderung  und  Ergänzung  des  Artikels  20.
des  Statuts  zu  genehmigen  geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statutnachtrage  wird  durch  das  Amtsblatt
  der  Königlichen  Regierung  zu  Arnsberg  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  30.  Oktober  1867.

Der  Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  dffentliche  Arbeiten.
Im  Auftrage:
Moser.

 

(r.  6910  -6011.)  Be-
        <pb n="1993" />
        —  1816  —

Berichtigung.

In  dem  im  69sten  Stück  der  Gesetz  -Sammlung  für  1867.  abgedruckten
Stempeltarif  vom  19.  Juli  1867.  ist  S.  1210.  Z.  8.  statt  „Gebrauch  von
einer  2c.“  zu  setzen:  Gebrauch  vor  einer  2c.,

und  in  dem  im  75fsten  Stück  derselben  Gesetz=  Sammlung  abgedruckten
Stempeltarif  vom  7.  August  1867.  S.  1291.  Z.  4.  statt  „Depositionsscheine"
zu  setzen:  Dis  positionsscheine.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministrriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="1994" />
        —  1817  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

 

Nr.  117.  ——

 

(Nr.  6912.)  Vertrag  zwischen  Preußen  und
Frankreich  wegen  Anlage  einer
Eisenbahn  von  Saarbrücken  nach
Saargemünd.  Vom  18.Juli  1867.

—

St  Majestät  der  König  von  Preußen
  und  Seine  Majestät  der  Kaiser  der
Faen,  von  dem  Wunsche  geleitet,
Ihren  beiderseitigen  Unterthanen  neue
Erleichterungen  in  den  Verkehrsmitteln
zu  verschaffen,  haben  beschlossen,  einen
Vertrag  zu  schließen  wegen  der  Anlage
einer  isenbadn  welche  zwischen  Saarbrücken
  und  Saargemünd  die  Eisenbahnnetze
  beider  Länder  mit  einander  verbinden
soll,  und  haben  zu  diesem  Zwecke  zu  Bevollmächtigten
  ernannt:

Seine  Majestät  der  König  von
Preußen:
den  Herrn  Heinrich  Ludwig  Robert
  Grafen  von  der  Goltz,  Ritter
  des  Königlich  Preußischen  Kronen-Ordens
  erster  Klasse,  des  Rothen
Adler-Ordens  erster  Klasse  mit  Eichenlaub
  und  des  St.  Johanniter-Ordens,
Großkreuz  des  Kaiserlichen  Ordens
der  Ehrenlegion  2c.  w.  2c.,  Allerhöchstihren
  außerordentlichen  und  bevollmächtigten
  Botschafter  bei  Sr.
Majestät  dem  Kaiser  der  Franzosen;
und
Jahrgang  1887.  (Nr.  69012.)

(No.  6912.)  Convention  conclue  entre  la
DPrusse  et  la  France  pour  l'ẽtablissement
  d#’un  Chemin  de  fer
entre  Sarrebruck  et  Sarreguemines.
  Du  18  luillet  1867.

S.  Majeste  le  Roi  de  Prusse  et  Sa
Majestée  IEmpereur  des  Francais,
animés  du  désir  de  procurer  à  Leurs
sujets  respectifs  de  nouvelles  faceilites
  de  commmnication,  ont  résoln
de  conclure  une  Convention  pour
I’établissement  d’un  Chemin  de  fer
entre  Sarrebruck  et  Sarreguemines,
destine  à  relier  entre  eux  les  réseaux
des  Chemins  de  fer  des  deux  Pays,
et  ont  nommé,  à  cet  effet,  pour  Leurs
Plénipotentiaires,  savoir:

Sa  Majesté  le  Roi  de  Prusse:

M.  Henri  Loulis  Robert  Comte
de  Goltz,  Chevalier  des  Ordres
Royauxz  de  Prusse  de  la  Cou--ronne
  et  de  IAigle  Rouge  de
Premieère  classe,  avec  feuilles  de
cCchéne,  et  de  St.  Jean  de  Jérusalem,
  Grand’  Croix  de  UOrdre
Impérial  de  la  Légion  Thonneur
etc.  etc.  etc.,  Son  Ambassadeur
extraordinaire  et  plénipotentiaire

rès  Sa  Majeste  Empereur  des
rancais;  et

Ausgegeben  zu  Berlin  den  21.  November  1867.
        <pb n="1995" />
        Seine  Majestät  der  Kaiser  der
Franzosen:

den  Herrn  Lionel  Marquis  de  Moustier,
  Großkreuz  des  Kaiserlichen
Ordens  der  Ehrenlegion,  Ritter  des
Königlich  Preußischen  Schwarzen
Adler-Ordens  und  des  Rothen  Adler-Ordens
  erster  Klasse  2c.  2c.  2c.)  Aller-Fochlü
  Minister  und  Staatsekretair
  für  die  auswärtigen  Angelegenheiten;


welche,  nach  gegenseitiger  Mittheilung
ihrer  in  guter  und  gehöriger  Form  befundenen
  Volimachtes,  |  über  nachstehende
  Artikel  geeinigt  haben:

Artikel  1.

Die  Kaiserlich  Französische  Regierung
verpflichtet  sich,  der  Ostbahngeselschaft
die  Konzession  zu  einer  Eisenbahn  von
Saargemünd  bis  zur  Preußischen  Grenze
in  der  Richtung  auf  Saarbrücken  zu  ereilen.


ch  Die  Königlich  Preußische  Regierung
verpflichtet  sich  Ihrerseits,  die  Ausschrung
  einer  Eisenbahn  von  Saarbrücken
is  zur  Französischen  Grenze  gegenüber
von  Saargemünd  sicher  zu  stellen.

Der  Vertrag,  welcher  am  14.  Juni
1865.  zwischen  dem  Königlich  Preußischen
Minister  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche
  Arbeiten,  vertreten  durch  seinen
Kommissarius,  Herrn  von  Wolf,  und
der  Französischen  Ostbahngesellschaft,  vertreten
  durch  ihren  Direktor,  Herrn  Sauvage,
  über  den  Bau  und  den  Betrieb
des  auf  Französischem  Gebiete  belegenen
Theils  der  Linie  abgeschlossen  worden  ist,
wird  hierdurch  genehmigt.

Artikel  2.

Der  Punkt,  wo  die  Französische  und
die  Preußische  Bahnstrecke  zu  vereinigen

1818

Sa  Majesté  I'’Empereur  des
Français:

M.  Léonel  Marquis  de  Moustier,
Grand'  Croix  de  Son  Ordre  Im-Perial
  de  la  Légion  d’honmeur,
srand  Croix  des  Ordres  Royauz

de  I  Aigle  noir  et  de  IAigle  Rouge

de  Prusse  etc.  etc.  ctc.,  Son  ministre
  et  Secrétaire  d’Etat  au

Département  des  affaires  étrangeres;



lesquels,  après  s'’éetre  communiqué
réciproquement  leurs  pleins-pouvoirs,
trouves  en  bonne  et  due  forme,  sont
convenus  des  articles  suivants:

Article  1.

Le  Gouvernement  francais  F'en-—
  à  concéder  à  In  Compagnie  des
hemins  de  fer  de  PEst  un  Chemin
de  fer  de  Sarreguemines  à  la  frontière
  prussienne,  dans  la  direction  de
Sarrebruck.

De  Son  cCoté  le  Gouvernement
Prussien  s'engage  à  assurer  Texécution
  dun  Chemin  de  fer  de  Sarrebruck
  à  la  frontière  française,  en
face  de  Sarreguemines.

Est  approuvé  le  contrat  particulier
  passé,  le  14  Juin  1865,  entre
le  Ministre  du  Commerce,  de  llIn--dustrie
  et  des  Travaux  publics  de
Prusse,  représente  par  Son  délégué,
M.  de  Wolf,  et  la  Compagnie  francaise
  des  Chemins  de  kr  de  L’Est,
représentée  par  M.  Sauvage,  Son
Directeur,  au  sujet  de  la  construction
et  de  Texploitation  de  la  partie  de
ligne  à  tablir  sur  le  territoire  fran-Cais.


Article  2.

Le  point  de  jonction  des  deux
Chemins  de  fer  français  et  Prussien
        <pb n="1996" />
        —  1819  —

sind,  und  die  näheren  Bestimmungen  für
lere  Berbindung=  mittelst  der  auf  der

renze  beider  Staaten  zu  erbauenden
Brücke  über  die  Saar,  werden  zwischen
beiden  Regierungen  innerhalb  der  Frist
von  längstens  Einem  Jahre,  vom  Tage
der  Auswechselung  der  Ratifikationen  des
gegenwärtigen  Vertrages  an  gerechnet,
vereinbart  werden.

Die  beiden  Regierungen  behalten  sich
vor,  zu  prüfen,  ob  es  thunlich  sein  wird,
für  Fußgänger  die  Mitbenutzung  der  vorerwähnten
  Brücke  zum  Uebergange  von
einem  Ufer  der  Saar  auf  das  andere,
an  Stelle  der  dort  vorhandenen  Zollfähre,
zu  sichern.

Artikel  3.

Sowohl  der  beiderseitige  Schienenweg
selbst  mit  allem  Zubehör)  als  auch  die
Transportmittel  sollen  in  der  Weise  eingerchtt
  werden,  daß  solche  für  einen

etrieb  mittelst  Lokomotiven  geeignet
sind  und  die  Ueberschreitung  der  Grenze
in  beiden  Richtungen  ohne  Hinderniß
gestatten.

Die  mit  der  Anlage  und  der  Ueberwachung
  der  in  Rede  stehenden  Eisenbahn
beauftragten  Ingenieure  beider  Länder
werden  646  die  betreffenden  Spezialprojekte
mittheilen  und  während  der  Ausführung
der  Arbeiten  mit  einander  in  Verbindung
bleiben.

Artikel  4.

Die  Spurweite  der  Geleise  im  Lichten
der  Schienen  soll  mindestens  Einen  Meter
vierundvierzig  Centimeter  und  höchstens
Einen  Meter  fünfundvierzig  Centimeter
betragen.

Die  Puffer  der  Lokomotiven  und  der
Waggons  werden  in  jedem  der  beiden
Staaten  derartig  eingerichtet  werden,  daß

(Tr.  6912)

et  les  conditions  de  leur  raccordement
  sur  le  pont  à  construire  sur
la  Sarre,  à  la  limite  des  deux  Etats,
seront  determinés,  d'un  commun
accord,  entre  les  deux  Gouvernements
  dans  le  délai  d’'un  an,  au  plus
tard,  à  partir  de  la  date  de  I’échange
des  ratifications  de  la  présente  Convention.
  ,

Les  deux  Gouvernements  se  réservent
  Gexaminer  §il  Serait  possible
d’assurer  sur  le  pont,  mentionné  au
paragraphe  qui  Précède,  la  circulation
  des  piétons  pour  le  Passage
d'une  rive  à  Iautre  de  la  Sarre,  em
remplacement  de  la  nacelle  à  péage
ublie  en  ce  point.

Article  3.

Les  voies  de  fer  et  leurs  dependances,
  ainsi  due  les  moyens  de
transport,  seront  organisés,  de  keit
et  d’autre,  de  manière  à  assurer  P’exloitation

  avec  des  locomotives  et

permettre  de  franchir  sans  obstacle
la  frontière  dans  un  sens  comme
Tautre.

Les  Ingénieurs  des  deux  Pays,
chargés  de  la  construction  et  de  la
surveillance  des  Chemins  de  fer  dont
il  F’agit,  se  communiqueront  les  deétails
  ge§  Pprojets  respectifs  et  se  maintiendront
  en  rapport  pendant  Pexécution
  des  travaux.

Artiele  4.

Là  largeur  de  la  voie  entre  les
bords  intérieurs  des  rails  sera,  dans
les  deux  Pays,  de  un  metre  quaranteduatre
  centimeètres  au  moins  et  de  un
metre  qduarante-Tind  centimeètres  au
Plus.

Les  tampons  des  locomotives  et
des  wagons  serpnt  établis,  dans
chacun  Pe  leun  Etats,  de  telle  sorte
        <pb n="1997" />
        —  1820  —

Uebereinstimmung  mit  den  für  den  Eisenbahnbetrieb
  in  beiden  Staaten  angenommenen
  Maaßbestimmungen  vorhanden  ist.

Artikel  5.

In  jedem  der  beiden  Staaten  sollen
von  vornherein  für  eine  zweigeleisige  Bahn
die  Grundstücke  erworben  und  die  Kunst.
bauten  ausgeführt  werden,  der  Bahnkörper,
  der  Ueberbau  der  etwa  vorkommenden
  eisernen  Brücken  und  der  Oberbau
sind  jedoch  zunächst  nur  für  Ein  Geleis
herzustellen.

Das  zweite  Geleis  wird  in  der  ganzen
Ausdehnung  oder  streckenweise  gelegt  werden,
  sobald  in  Folge  der  Entwickelung
des  Verkehrs  die  Unzulänglichkeit  Eines
Geleises  von  beiden  Regierungen  anerkannt
  sein  wird.

Artikel  6.

Die  Ausführung  der  Bauten  soll
derartig  gefördert  werden,  daß  die  Bahn-Harccten
  auf  beiden  Gebieten  zu  gleicher

eit  zur  Vollendung  gelangen.

Jedenfalls  soll  die  Betriebseröffnung
auf  beiden  Gebieten  binnen  drei  Jahren,
vom  Tage  der  Auswechselung  der  Ratifikationen
  des  gegenwärtigen  Vertrages
an  gerechnet,  stattfinden.

Artikel  7.

Die  auf  Französischem  Gebiete  belegene
  Bahnstrecke  wird  durch  die  Königlich
  Preußische  Eisenbahnverwaltung  betrieben
  werden.  Demgemäß  werden  die
Preußischen  Züge  die  Französische  Grenze
überschreiten  und  bis  in  den  Bahnhof
Saargemünd  hineingehen.

ährend  der  ganzen  Zeit  des  Aufenthalts
  auf  Französischem  Gebiete  soll
das  Preußische  Lokomotiv=  und  Zugpersonal
  den  Gesetzen  und  Reglements,
welche  den  Betrieb  auf  den  Französischen

qu’il  y  ait  concordancc  avec  les  dimensions
  adoptées  sur  les  Chemins
de  fer  en  exploitation  dans  les  deux
Etats.

Article  5.

Dans  chacun  des  deux  Etats  les
terrains  seront  acquis  et  les  ouvrages
Tart  seront  exécutés  immediatement
Pour  deux  voies.  Les  terrassements

durront  étre  exécutés,  les  tabliers
bes  bonts  métalliques,  s’'il  y  a  lieu,
et  les  rails  pourront  étre  posés  pour
une  seule  voie.

La  deuxièeme  voie  devra  étre
établie,  soit  sur  la  totalité,  soit  sur
Partie  des  chemins,  lorsque  TPinsuff-Sance
  Tune  seule  voie,  par  suite  du
developpement  de  la  eirculation,
aura  éte  reconnue  par  les  deux  Gouvernements.


Article  6.

Les  travaux  deconstructionseront
poussés  de  manière  à  arriver  en  memeF
temps  à  T’achèvement  des  Chemins  de
fer  sur  les  deux  territeires.

Dans  tous  les  cas,  Texploitation
devra  s’ouvrir,  sur  chacun  d’eux,  dans
le  délai  de  trois  ans,  à  partir  de  la
date  de  Téchange  des  ratilications  de
la  présente  Convention.

Article  7.

La  partie  llu  Chemin  de  fer  situce
sur  le  territoire  français  sern  exploitée
Mar  ’administration  des  Chemins  de
er  de  Prusse.  En  conséquence,  les
trains  prussiens  franchiront  la  frontière
  de  France  et  aboutiront  dans
la  gare  de  Sarreguemines.

Pendant  tout  le  temps  de  leur
„  jour  Sur  le  territoire  français,  les
Mmcaniciens  et  le  personnel  des  trains
Drussiens  seront  Soumis  aux  loix  et
reglements  concernant  Texploitation
        <pb n="1998" />
        —  1921  —

Eisenbahnen  betreffen,  in  derselben  Weise
unterworfen  sein,  wie  die  Beamten  der
Ostbahngesellschaft.

Die  Königlich  Preußische  Eisenbahnverwaltung
  wird  auf  der  Bahnstrecke  von
der  Landesgrenze  bis  zur  Achse  des  Bahnhofs
  Saargemünd  ihre  eigenen  Tarife
zur  Anwendung  bringen  und  alle  Einnahmen
  für  sich  beziehen.  Die  auf  der

anzösischen  Bahnstrecke  zur  Anwendung
ommenden  Tarifsätze  sollen  jedoch  die
Maximalsätze  des  der  Ostbahngesellschaft
in  brer  Konzessions-Urkunde  auferlegten
gesetzlichen  Tarifs  nicht  überschreiten,
und  für  keine  längere  Strecke  als  für
die  Anzahl  der  ganz  oder  theilweise  wirklich
durchlaufenen  Kilometer  erhoben  werden.

Artikel  8.

Zwischen  den  Bewohnern  beider  Länder
soll  weder  in  Betreff  der  Beförderungspreise,
  noch  der  Zeit  der  Beförderung
ein  Unterschied  statlfinden.

Auch  sollen  die  aus  dem  einen  Gebiete
  in  das  andere  übergehenden  Transporte
  weder  in  Bezug  auf  die  Abfertigung,
noch  rücksichtlich  der  Besörderungsgreft
eine  minder  günstize  Behandlung  erfahren,
als  die  in  den  beiderseitigen  Gebieten  verbleibenden
  Transporte.

Artikel  9.

Alle  polizeilichen  und  zollamtlichen
Maaßnahmen,  zu  welchen  die  Eröffnung,
der  den  Gegenstand  gegenwärtigen  Vertrages
  bildenden  Eisenbahn  Veranlassung

eben  könnte,  sollen  durch  ein  besonderes

bkommen  zwischen  beiden  Regierungen
auf  der  Grundlage  thunlichster  Erleichterung
  der  Verkehrsbeziehungen  beider
Länder  zu  einander  und  der  Begünstigung
des  internationalen  Verkehrs  geregelt
werden.

Beide  Regierungen  gestehen  sich  gegenseitig
  das  Recht  zu,  durch  ihre  Jollbeam-(r.

  6912.)

des  Chemins  de  fer  français,  au  méme
titre  que  les  agents  de  la  Compagnie
de  I#  »
L'administration  prussienne  appliuera
  ses  propres  tarifs  sur  la  section
r  Chemin  de  fer  comprise  entre  la
frontière  et  Taxe  de  la  gare  de  Sarreguemines,
  et  percevra  toutes  les  recettes
  à  son  proftt.
Toutefois,  les  tarifs  appliqués  sur
14  section  française  ne  pourront  pas
dépasser  le  maximum  du  tarif  legal
imposé  à  la  Compagnie  des  Chemins
de  fer  de  TEst  par  son  acte  de  concession,
  ni  étre  établis  sur  un  parcours
  supérieur  au  nombre  de  Kilometres
  parcourus  ou  entamés.

Article  8.

II  ne  sera  fait  aucune  distinction
entre  les  habitants  des  deux  Pays,  scit
pour  le  prix  des  transports,  soit  pour
le  temps  d’expédition;  et  les  transorts

  à  efflectuer  Tun  territoire  vers
autre  ne  seront  pas  moins  favorablement
  traités,  quant  au  temps  et
aux  prik  d'’expédition,  due  ceux  qui
Feflectuent  dans  les  limites  respectives
de  chaque  territoire.

Article  9.

Toutes  les  mesures  de  police  de
la  douane,  auxquelles  pourra  donner
licu  Touverture  de  la  voie  qui  J#ait
„Tobjet  de  la  présente  Convention,
seront  réglées  par  un  accord  ultérieur
entre  les  deuxk  Gouvernements,  de
maniere  à  faciliter  les  rapports  des
deux  Pays  et  à  favoriser  le  transit.

Les  deux  Gouvernements  se  conferent
  respectivement  le  droit  de  faire
        <pb n="1999" />
        ten  die  zwischen  den  Grenzstationen  kurfirenden

  Züge  begleiten  zu  lasen  wobei

jedoch  die  Anwendung  der  Gesetze  und

Reglements  jedes  der  beiden  Staaten  auf

de  gein  Gebiet  berührenden  Züge  gewahrt
eibt.

Artikel  10.

Zu  dem  Zeitpunkte  der  Eröffnung  der
Bahn  werden  sich  die  Hohen  kontrahirenden
  Regierungen  über  die  Veränderungen
verständigen,  welche  die  neue  Verbindung
im  Gebiete  des  Post=  und  Telegraphenwesens
  erforderlich  machen  könnte.

Artikel  11.

In  allen  Fällen,  wo  die  Bahnverwaltungen
  beider  Staaten  zu  keinem  Einverständnisse
  gelangen  werden,  sei  es  über
Punkte,  worüber  in  dem  gegenwärtigen
Vertrage  Bestimmungen  getroffen  worden
find,  sei  es  über  die  Mittel,  das  Ineinandergreifen
  des  Betriebs  und  das  Gedeihen
  des  Uebergangsverkehrs  zu  sichern,
werden  die  Hohen  kontrahirenden  Regierungen
  einschreiten  und  die  nöthigen  Maaßregeln
  vorschreiben.

Artikel  12.

Zur  Zeit  des  Ablaufs  der  Konzession
der  Ostbahngesellschaft,  oder  wenn  diese
Konzession  zu  irgend  einem  Zeitpunkte
vermöge  Rückkaufs  oder  in  sonstiger  Weise
in  Wegfall  kommen  sollte,  werden  die
Hohen  vertragschließenden  Theile  sich  über
die  geeigneten  Maaßnahmen  verständigen,
um  ie  Hortdauer  des  Betriebes  auf  der
den  Gegenstand  des  gegenwärtigen  Vertrages
  bildenden  Eisenbahn  zu  sichern.

1822  —

escorter  par  leurs  Employés  de  douane
les  convois  circulant  entre  les  stationsfrontieres
  des  deux  Pays,  le  tout  sans
préjudice  de  Tapplication  des  lois  et
rèeglements  de  chaque  Etat  pour  le
Parcours  sur  Son  territoire.

Article  10.

Lors  de  Touverture  des  deux
Chemins  de  fer,  les  Hautes  Parties
contractantes  s'’entendront  sur  les
changements  que  le  nouveau  mode
de  Ccommunication  pourrait  necessiter
dans  le  service  et  le  transport  des
correspondances  postales,  ainsi  due
dans-le  service  des  communications
téléegraphiques.

Article  11.

Toutes  les  fois  que  les  administrations
  des  Chemins  de  fer  de  Tun
et  de  Tautre  Etat  ne  parviendront
point  à  sentendre,  soit  sur  les  différents
  points,  prévus  dans  la  présente
Convention,  soit  sur  les  moyens
d’assurer  la  continuité  du  service  et
la  prospériteé  du  commerce  de  transit.
les  deux  Hautes  Parties  contractantes
interviendront  pour  prescrire  les
mesures  néecessaires.

Article  12.

A  Texpiration  de  la  concession
de  la  Compagnie  des  Chemins  de  fer
de  I’Est,  ou  si,  à  une  6poque  quelconque,
  cette  concession  vient  à
cesser  par  voie  de  rachat  ou  autrement,
  les  deux  Hautes  Parties  contractantes
  détermineront,  dun  commun
  accord,  les  mesures  à  prendere
Pour  assurer  la  continuation  de  lexloitation

  sur  le  chemin  de  fer  qui
Hit  Tobjet  de  la  présente  Convention.
        <pb n="2000" />
        Artikel  13.

Dieser  Vertrag  soll  ratifizirt  werden
und  die  Ratifikations-Urkunden  sollen
binnen  sechs  Wochen,  oder  wenn  thunlich
früher,  in  Paris  ausgewechselt  werden.

Dessen  zu  Urkunde  haben  die  beiderseitigen
  Bevollmächtigten  den  gegenwärtigen
  Vertrag  unterschrieben  und  mit  ihren

Insiegeln  versehen.
So  geschehen  in  doppelter  Ausfertigung

  zu  Paris,  den  18.  Juli  des  Jahres
  1867.
(L.  8S.)
(L.  8.)

1623

Article  13.

La  présente  Cowention  sera  ratifiée
  et  les  ratifications  en  seront
éEchangées  à  Paris  dans  le  deélai  de
sik  semaines,  ou  plus  töt,  si  faire
se  peut.

En  foi  de  quci,  les  Plénipotentiaires
  respectifs  Tont  signée  et  y
ont  apposé  le  cachet  de  leurs  armes.

Fait  à  Paris,  en  double  expédition,
le  18  Juillet  de  Tan  de  grace  1867.

Coltz.
Moustier.

Vorstehender  Vertrag  ist  ratifizirt  worden  und  die  Auswechselung  der

Ratifikations-Urkunden  hat  stattgefunden.

(.  6912—G911.)

 

(Nr.  6913.
        <pb n="2001" />
        —  1624  —

(Nr.  6913.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  14.  November  1867.,  betreffend  die  Vertheilung  des
eigenthümlichen  Fonds  des  landschaftlichen  Kreditvereins  der  Provinz  Posen.

A#  Ihren  Bericht  vom  29.  Oktober  d.  J.  will  Ich  den  von  der  Generalversammlung
  der  Posener  Landschaft  im  Jahre  1864.  in  Bezug  auf  die  Vertheilung
  des  eigenthümlichen  Fonds  gefaßten  Beschluß,  jedoch  mit  Vorbehalt  des
den  ausgeschiedenen  Mitgliedern  des  landschaftichen  Verbandes  gegen  die  Mitglieder
und  resp.  gegen  die  früheren  Mitglieder  dieses  Verbandes  etwa  zustehenden  Rechtsweges)
  wie  folgt,  bestätigen:

Nach  erfolgter  Vertheilung  des  eigenthümlichen  Fonds  zwischen  beiden
Serien  erlangen  die  Vereinsmitglieder  Theilnahmerechte  an  demjenigen  Betrage
des  eigenthümlichen  Fonds,  welcher  auf  die  Serie  fällt,  zu  welcher  sie  gehören
oder  gehört  haben,  und  zwar,  bei  der  der  Kreditverordnung  vom  15.  Dezember  1821.
und  der  Verordnung  vom  15.  April  1842.  gemäß  vorgeschriebenen  Amortisation,
nach  Berhältn,  der  getilgten  landschaftlichen  Darlehne,  bei  der  durch  Zahlung
eines  höheren  Tilgungsbeitrages  oder  durch  Kapitalzahlung  beschleunigten  Amortisation,
  nach  Terbälthit  desjenigen  Theiles  des  Darlehns,  welcher  durch  Zahlung
der  regelmäßigen  Tilgungsquote  bis  sur  erfolgten  Tilgung  planmäßig  getilgt
worden  wäre.  Der  nach  beendeter  Tilgung  zuerst  der  vierprozentigen  und  demnächst
  der  drieinhalöprozentigen  Pfandbriefe  durch  die  Generallandschafts-Direktion
zu  bestimmende  Betrag  des  Antheils  jedes  Gutes,  welches  zur  Landschaft  gehört
hat,  wird  dem  zeitigen  Gutsbesitzer,  falls  er  selbst  das  landschaftliche  Darlehn
aufgenommen  hat,  und  —  falls  Besitzveränderungen  vorgekommen  sind  —  dem
zeitigen  Besitzer  und  sämmtlichen  Vorbesitzern  des  Gutes,  resp.  ihren  Rechtsnachfolgern
  verabfolgt.

Ergeben  sich  Zweifel  über  die  Legitimation  der  Empfänger,  oder  entstehen
unter  den  Interessenten  Streitigkeiten,  so  ist  der  auf  das  betreffende  Gut  fallende
Antheil  zum  Depositorium  des  Realrichters  abzuführen  und  diesem  das  weitere
Je  zu  überlassen.

Dieser  Mein  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Berlin,  den  14.  November  1867.

Wilhelm.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  den  Minister  des  Innern.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats=  Ministeriums.

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="2002" />
        —  19825  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

-Nr.  118.  —

 

 

(Fr.  6914.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  21.  Oktober  1867.,  betreffend  die  Vereinigung  des
landräthlichen  Kreises  Wetzlar  in  Beziehung  auf  die  Verwaltung  der  Zölle
und  der  indirekten  inneren  Steuern  mit  dem  Verwaltungsbezirke  des
Provinzial-  Steuerdirektors  in  Cassel.

A#  Ihren  Bericht  vom  18.  d.  M.  genehmige  Ich,  daß  der  landräthliche  Kreis
Wetzlar,  welcher  jetzt  in  Beziehung  auf  die  Verwaltung  der  Zölle  und  indirekten
inneren  Steuern  zum  Verwaltungsbezirke  des  Provinzial-Steuerdirektors  zu  Cöln
gehört,  von  diesem  Bezirke  getrennt  und  mit  dem  durch  Meinen  Erlaß  vom
8.  Februar  1867.  festgestellten  Verwaltungsbezirke  des  Provinzial-Steuerdirektors
in  Cassel  verbunden  werde.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz.  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß
zu  bringen.
Baden-Baden,  den  21.  Oktober  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  zu  Eulenburg.

An  die  Minister  der  Finanzen  und  des  Innern.

Jahreong  1867.  (Nr.  6914—6915,)  240  (Nr.  6915.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  25.  November  1867.
        <pb n="2003" />
        Umfang  und

—  1826  —

(Nr.  6915.)  Statut  des  Königlich  und  Fürstlich  Aufhalter  Deichverbandes.  Vom  30.  Oktober
1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

Nachdem  es  für  erforderlich  erachtet  worden,  die  Grundbesitzer  der  rechtsseitigen
  Oderniederung  von  der  wasserfreien  Höhe  oberhalb  des  Dorfes  Königlich
Aufhalt  bis  zum  Anfoluß  an  den  Musalt.  Gia  ower  Deich  bei  der  zum  Dorfe
Fürstlich  Aufhalt  gehörigen  Erbscholtisei  Behufs  der  gemeinsamen  Anlegung  und
Unterhaltung  eines  Deiches  gegen  die  Ueberschwemmung  der  Oder  zu  einem  Deichverbande
  zu  vereinigen,  und  nachdem  die  gesetzlich  vorgeschriebene  Anhörung  der
Betheiligten  erfolgt  ist,  genehmigen  Wir  hierdurch  auf  Grund  der  §#.  11.  und  15.
des  Gesetzes  über  das  Leichwese  vom  28.  Januar  1848.  (Gesetz  Samml.  von
1848.  S.  54.)  die  Bildung  eines  Deichverbandes  unter  der  Benennung:

„Königlich  und  Fürstlich  Aufhalter  Deichverband“)
und  ertheilen  demselben  das  nachstehende  Statut.

S.  1.
In  der  auf  dem  rechten  Ufer  der  Oder  belegenen  Niederung,  welche  von

Zueckdes  Deich  der  natürlichen  Höhe  oberhalb  des  Dorfes  Königlich  Aufhalt  bis  zum  Anschluß

verbandes.

an  den  Au  halt-Glauchower  Deich  bei  der  Erbscholtisei  in  Fürstlich  Aufhalt  sich
erstreckt,  werden  die  Eigenthümer  aller  eingedeichten  und  noch  einzudeichende
Grundstücke,  soweit  sie  ohne  Verwallung  bei  den  bekannten  höchsten  Wasser.
ständen  der  Ueberschwemmung  durch  die  Oder  unterliegen  würden,  zu  einem
Deichverbande  vereinigt.

Der  Verband  bildet  eine  Korporation  und  hat  seinen  Gerichtsstand  bei
dem  Kreisgerichte  zu  Freistadt,  Regierungsbezirk  Liegnitz.

§.  2.

Dem  Deichverbande  liegt  ob:  den  ist  aus  drei,  durch  natürliche  Anhöhen
unterbrochenen  Abtheilungen  bestehenden  Deich  zu  normalisiren  und  zu  unterhalten,
  und  denselben  oberhalb  seines  jetzigen  Anfanges  bis  an  die  wasserfreie
Höhe  beim  Dorfe  Königlich  Aufhalt  und  am  unteren  Ende  bis  zum  Anschluß
an  den  Aushalt-Glauchower  Deich  bei  der  Erbscholtisei  Fürstlch  Aufhalt  zu
ühren.
füb  Die  Ausführung  der  Neu=  und  Normalisirungsbauten  erfolgt  nach  Maaß.
gabe  des  vom  Regierungsbaurath  Bergmann  in  Liegnitz  unterm  11.  September
1864.  aufgestellten  Meliorationsplanes,  so  wie  derselbe  bei  der  Prüfung  durch
die  Staats-Verwaltungsbehörden  festgestellt  ist.

Sollten  sich  im  Laufe  der  Bauausführung  Abweichungen  von  der  ursprünglich
  genehmigten  Deichlinie  als  wünschenswerth  oder  nothwendig  herausstellen,  so“
bleibt  an  den  betreffenden  Punkten  die  nähere  Feststellung  der  Baulinie  auf  den
Antrag  des  Deichamtes  den  Staats-Verwaltungsbehörden  vorbehalten.

Wenn
        <pb n="2004" />
        1827  —

Wenn  zur  Erhaltung  des  Deiches  eine  Uferdeckung  nothwendig  wird,  so
hat  der  Deichverband  dieselbe  auszuführen,  vorbehaltlich  seiner  Ansprüche  an
andere  Verpflichtete.  «

§.3.

Der  Verband  ist  gehalten,  diejenigen  Hauptgräben  anzulegen  und  zu  unterbalten
  b,  welche  erforderlich  sind,  um  das  den  Grundstücken  der  Niederung  schädiche
  Binnenwasser  aufzunehmen  und  abzuleiten.  Das  Wasser  der  Hauptgräben
darf  ohne  widerrufliche  Genehmigung  des  Deichhauptmanns  von  Privatpersonen
weder  aufgestaut,  noch  abgeleitet  werden.  Dagegen  hat  jeder  Grundbesitzer  der
Niederung  das  Recht,  die  Aufnahme  des  Wassers,  dessen  er  sich  entledigen  will,
in  die  Hauptgräben  zu  verlangen.  Die  Zuleitung  muß  aber  an  den  vom  Deichhauptmann
  vorzuschreibenden  Funteen  geschehen.

Die  Anlage  und  Unterhaltung  der  Zuleitungsgräben  bleibt  Sache  der  nach
den  allgemeinen  Vorfluthsgesetzen  hierbei  Betheiligten.

K.  4.

Der  Verband  hat  in  den  Deichen  die  erforderlichen  Auslaßschleusen
(Deichsiele)  für  die  Hauptgräben  anzulegen  und  zu  unterhalten.

S.  5.

Die  Arbeiten  des  Deichverbandes  werden  nicht  durch  Naturalleistung  der  v#rflihtun=Deichgenossen,
  sondern  durch  die  Deichbeamten  für  Geld  aus  der  Deichkasse  aus-  zen  der  Deggeführt.
  Die  erforderlichen  Mittel  zu  den  Arbeiten,  zur  Besoldung  der  Deich-  sae,  ——
beamten  und  zur  Vepzinsung  und  Tilgung  der  zum  Besten  des  Verbandes  kon=  stimmung  der
trahirten  Schulden  haben  die  Deichgknofien  nach  dem  von  der  Regierung  zu  550  ter

Liegnitz  auszufertigenden  Deichkataster  aufzubringen.  i  2  btem

Gl  6.
In  dem  Kataster  sind  die  Eigenthümer  aller  von  der  Verwallung  geschützten
  ertragsfähigen  Grundstücke  nach  folgenden  Klassen  veranlagt:
I.  Klasse  zum  vollen  Beitrage:  Hof  und  Baustellen  nebst  Gärten;

II.  Klasse  zu  3/  eines  vollen  Beitrages:  der  vorzugsweise  zum  Roggenanbau
geeignete  bessere  Sandboden;
III.  Klasse  zu  /  eines  vollen  Beitrages:  das  aus  leichtem  Sandboden  bestehende
  Ackerland  und  die  Wiesen;
IV.  Klasse  zu  ½0  eines  vollen  Beitrages:  Hutungen,  Forsten,  Werder  und
diesen  im  Ertrage  gleichzustellende  Grundstücke.
Wege,  Gräben,  Kirchhöfe  und  das  absolut  ertragslose  Unland  bleiben

unveranlagt.
(Nr.  6915.)  240“  F.  7.
        <pb n="2005" />
        —  1828  —

S.  7.

Das  Kataster  wird  von  dem  Deichregulirungs-Kommissarius  aufgestellt.

Behufs  der  Feststellung  ist  dasselbe  dem  Deichamte  vollständig,  —*  Gemeindevorständen
  von  Königlich  und  Fürstlich  Aufhalt  und  für  den  Königlichen
Forstfiskus  der  Regierung  in  Liegnitz  extraktweise  mitzutheilen  und  zugleich  im
Amtsblatte  eine  vierwöchentliche  Frist  bekannt  zu  machen,  innerhalb  welcher  das
Kataster  bei  dem  Deichamte  und  den  Gemeindevorständen  von  Königlich  und
Fürstlich  Aufhalt  eingesehen  und  Beschwerde  dagegen  bei  dem  Kommissarius  angebracht
  werden  kann.  "

DieseBeschwekden,welcheauchgeendicim§.6.enthaltenenGkundsätze
der  Katastrirung  gerichtet  und  auch  vom  Teichamte  erhoben  werden  können,  sind,
sofern  sie  nicht  durch  ein  angemessenes  Abkommen  beseitigt  werden,  von  dem
Deichregulirungs-Kommissarius  unter  Zuziehung  der  Beschwerdeführer,  eines
Deputirten  des  Deichamtes  und  der  erforderlichen  Sachverständigen  zu  untersuchen.
  Diese  sind  hinsichtlich  der  Grenzen  des  Inundationsgebiets  und  der  sonstigen
  Vermessungen  ein  vereideter  Feldmesser  oder  nöthigenfalls  ein  Vermessungsrevisor,
  hinsichtlich  der  Katasterklassen  und  der  Einschätzung  in  dieselben  zwei
ökonomische  Sachverständige,  denen  erforderlichen  Falls  auch  noch  ein  Wasserzan.
Sachverständiger  beigeordnet  werden  kann.  Dieselben  werden  von  der  Regierung
ernannt.  "

Mit  dem  Resultate  der  Untersuchung  werden  der  Beschwerdeführer  und
der  betreffende  Deichamts-Deputirte  bekannt  gemacht.  Sind  beide  Theile  mit
dem  Resultate  einverstanden,  oder  kommt  sonst  eine  Einigung  zu  Stande,  so  wird
das  Kataster  danach  berichtigt.  Andernfalls  werden  die  Akten  der  Regierung  zur
Entscheidung  über  die  Beschwerde  eingereicht.  Wird  dieselbe  verworfen,  so  trefan
die  Kosten  den  Beschwerdeführer.

.  Binnen  vier  Wochen  nach  erfolgter  Bekanntmachung  der  Entscheidung  ist
dagegen  an  den  Minister  für  die  lundwirttschafsichen  Angelegenheiten
ulässig.

v  Ich  erfolgter  Feststellung  des  Katasters  ist  dasselbe  von  der  Regierung  in
Liegnitz  auszufertigen  und  dem  Deichamte  zugustellen.

Die  genannte  Regierung  kann  das  Deichamt  ermächtigen,  auf  Grund  des
Katasters  schon  Beiträge  vorbehaltlich  der  späteren  Ausgleichung  auszuschreiben
und  einzuziehen,  sobald  das  Kataster  von  dem  Kommissarius  aufgestellt  und  den
Betheiligten  zugefertigt  ist.

F.  8.

Der  gewöhnliche  Deichkassenbeitrag  wird  für  jetzt  auf  jährlich  drei  Silbergroschen
  für  den  Normalmorgen  und  die  Höhe  des  anzusammelnden  Reservefonds
auf  dreihundert  Thaler  festgesetzt.

.  9.

Den  Besitzern  derjenigen  Grundstücke,  welche  durch  den  Rückstau  in  den
Hauptgräben,  aufgestautes  Binnen=  oder  Druckwasser  überschwemmt  werden,  sind
für  das  betreffende  Jahr  die  gewöhnlichen  Deichkassenbeiträge  der  beschadi

aͤchen
        <pb n="2006" />
        —  1829  —

lächen  zu  erlassen,  wenn  dieselben  in  Folge  der  Ueberschwemmung  nach  dem
rmessen  des  Deichamtes  weniger  als  den  halben  Ertrag  einer  gewöhnlichen
Jahresnutzung  geliefert  haben.

KC.  10.

Die  schon  bestehenden  Deiche,  deren  Unterhaltung  der  Deichverband  über--  ##sschilnknnimmt,
  gehen  gleich  den  neuen  Anlagen  in  dessen  Eigenthum  und  Autng  über,  mu—ö5
ausschliehlich  jedoch  der  darauf  stehenden  Bäume,  Sträucher  und  Gebäude,  die  den  Grund.
den  Eigenthümern  verbleiben.  4

b,  wann  und  unter  welchen  Modalitäten  diese  von  den  bisherigen  Eigenthümern
  weggeschafft  werden  müssen,  hat  die  Regierung  nach  Anhörung  des  Deichamtes
  und  der  Betheiligten  endgültig  zu  bestimmen.

Die  Nuhung  der  Gräserei  auf  den  Deichen  kann  dagegen  den  bisherigen
Eigenthümern  des  Grund  und  Bodens  überlassen  werden,  wenn  sie  dafür  die
Fläche  zur  neuen  Deichsohle  unentgeltlich  hergeben  und  sich  zur  unentgeltlichen
Hergabe  der  Erde  zu  den  gewöhnlichen  Reparaturen  verpflichten.

Der  Nutzungsberechtigte  muß  sich  allen  Beschränkungen  unterwerfen,  welche
von  den  Behörden  zum  Schutze  des  Deiches  für  nöthig  erachtet  werden.

Wo  die  Grundbesitzer  diese  Leistungen  für  die  Gräsereinutzung  nicht  übernehmen
  wollen,  oder  das  Deichamt  nicht  darauf  eingehen  will,  da  fällt  die  letztere
dem  Deichverbande  zu.

K.  11.
Die  Deiche  und  Gräben  bilden  Einen  Aussichtsbezirk.

K.  12.

Das  Deichamt  besteht  aus  dem  Deichhauptmann  resp.  dessen  Stellvertreter,  Wahl  der  Verdem

  Deichinspektor  und  für  jetzt  aus  drei  Repräsentanten  der  Deichgenossen.  dutet  Qua

Im  Deichamte  führen:  sschaute.
der  Deichhauptmann  Eine  Stimme,
der  Deichinspektor  Eine  Stimme,
der  Königliche  Forstfiskus  zwei  Stimmen,
die  Gemeinde  Königlich  Aufhalt  zwei  Stimmen,  und
die  Gemeinde  Fürstlich  Aufhalt  Eine  Stimme.

Von  den  Repräsentanten  wird  einer  als  Vertreter  des  Fiskus  und  zugleich
ein  Stellvertreter  von  der  Regierung  zu  Liegnitz  ernannt.  Die  übrigen  zwei  und
für  jeden  derselben  ein  Stellvertreter  werden  von  den  großjährigen  “*  der
nicht  fiskalischen  deichpflichtigen  Grundstücke  durch  absolute  Stimmenmehrheit  auf
sechs  Jahre  gewählt.

Es  hat  dabei  jeder  Besitzer  eines  Hauses  und  bis  zu  drei  Morgen  Eine
Stimme,  wer  darüber  besitzt,  für  jede  vollen  fünf  Morgen  mehr  Eine  Stimme.

Weählbar  ist  jeder  großjährige  Deichgenosse,  welcher  den  Vollbesitz  der  bürgerlichen
  Rechte  nicht  durch  rechtskräftiges  Urtheil  verloren  hat  und  nicht  Unter-(Nr.
  6915)  beamter
        <pb n="2007" />
        —  1830  —

beamter  des  Verbandes  ist.  Mit  dem  Aufhören  der  Wählbarkeit  verliert  die
Wahl  ihre  Wirkung.  Vater  und  Sohn,  sowie  Brüder,  dürfen  nicht  zugleich
Mitglieder  des  Deichamtes  sein.

»  Sind  dergleichen  Verwandte  zugleich  durch  Wahl  bestellt,  so  wird  der
ältere  allein  zugelassen.

Die  Stimmenzahl  der  Wähler  wird  vom  Deichhauptmann  zusammengestellt
  und  die  Wählerliste  öffentlich  resp.  in  ortsüblicher  Weise  vierzehn  Tage
vor  der  Wahl  zur  Anbringung  der  etwaigen  Einwendungen  gegen  die  Richtigkeit
der  Stimmenzahl  bei  dem  Wahlkommissarius  bekannt  gemacht.  Letzteren  ernennt
die  Regierung  zu  Liegnitz.

Die  Pelsung  er  Wahlen  steht  dem  Deichamte  zu.

Im  Uebrigen  sind  bei  dem  Wahlverfahren  und  in  Betreff  der  Verpflichtung
  zur  Annahme  unbesoldeter  Stellen  die  Vorschriften  über  Gemeindewahlen
analogisch  anzuwenden.

Die  Wahlberechtigten  können  einen  anderen  Deichgenossen  zur  Ausübung
ihres  Stimmrechts  bevollmächtigen.

Gehört  ein  Grundstück  mehreren  Besitzern  gemeinschaftlich,  so  kann  nur
Einer  derselben  im  Auftrage  der  übrigen  das  Stimmrecht  ausüben.

Juristische  Personen,  Frauen  und  Minderjährige,  dürfen  dasselbe  durch  ihre
gesetzlichen  Vertreter  oder  durch  Bevollmächtigte  ausüben.

Wenn  ein  stimmberechtigter  Grundbestzer  den  Vollbesitz  der  bürgerlichen
Rechte  durch  rechtskräftiges  Urtheil  verloren  hat,  so  ruht  während  seiner  Besitzzeit
  das  Stimmrecht  des  Grundstücks.

Nach  erfolgier  Feststellung  des  Katasters  bleibt  es  dem  Deichamte  vorbehalten,
  sowohl  die  Zahl  der  Repräsentanten  und  Stellvertreter,  als  auch  das
Stimmenverhältniß  nach  Maaßgabe  der  zu  zahlenden  Beiträge,  vorbehaltlich  der
Genehmigung  der  Regierung,  anderweit  festzustellen.

K..  13.

Der  Vertreter  nimmt  in  Krankheits=  und  Behinderungsfällen  des  Repräsentanten
  dessen  Stelle  ein  und  tritt  für  ihn  ein,  wenn  derselbe  während  seiner
Wahlzeit  stirbt,  den  Grundbesitz  in  der  Niederung  aufgiebt,  oder  seinen  Wohnsitz
an  einem  entfernten  Orte  wählt.

K.  14.

augemeine  Die  allgemeinen  Bestimmungen  für  künftig  zu  erlassende  Deichstatute  vom
Bestimmungen.  14.  November  1853.  (Gesetz  Samml.  vom  Jahre  1853.  S.  935.  ff.)  sollen  auch
hier  Gültigkeit  haben,  insoweit  sie  nicht  in  dem  vorstehenden  Statut  abgeändert

  sind.

K.  15.

Abänderungen  dieses  Deichstatuts  können  nur  unter  landesherrlicher  Genehmigung
  erfolgen.  u
1
        <pb n="2008" />
        —  1831  —

Lekee  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  30.  Oktober  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Itzen  plitz.  Gr.  zur  Lippe.  v.  Selchow.

 

(Nr.  6916.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  16.  November  1867.)  betreffend  die  Genehmigung
mehrerer  Zusätze  zu  dem  Revidirten  Reglement  der  Pommerschen  Landschaft
  vom  26.  Oktober  1857.

A½#  Ihren  Bericht  vom  11.  November  d.  J.  will  Ich  die  in  der  anliegenden
Zusammenstellung  formulirten,  von  dem  im  laufenden  Jahre  versammelt  gewesenen
Generallandtage  beschlossenen

Zusätze  zu  dem  Revidirten  Reglement  der  Pommerschen  Landschaft  vom
26.  Oktober  1857.  (Gesetz  Samml.  S.  945.  ff.)

hierdurch  genehmigen.

Dieser  Erlaß  ist  nebst  den  Zusätzen  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.


Berlin,  den  16.  November  1867.

Wilhelm.
Gr.  zu  Eulenburg.
An  den  Minister  des  Innern.

Zusätze
zu  dem  Revidirten  Reglement  der  Pommerschen  Landschaft  vom
26.  Oktober  1857.

Zu  8g.  66.

Kann  in  dringenden  Angelegenheiten  der  Zusammentritt  des  Departementskollegiums
  ohne  Nachtheil  nicht  abgewartet  werden,  so  ist  ausnahmsweise  eine
schriftliche  nebstimmung  zulässig,  welche  durch  Cirkular  einzuholen  bleibt.  In
solchem  Falle  ist  das  Gutachten  des  Departements-Syndikus  beizufügen.

(Xr.  6915—6916.)  #  S.  147.
        <pb n="2009" />
        —  1832  —

Zu  8.  147.

Es  ist  den  Departementskollegien  gestattet,  bei  sich  herausstellendem  Bedürfniß
  die  Vermehrung  der  Zahl  der  Boniteure  zu  beschließen.  Hinsichtlich  der
Wahl  derselben  und  der  Verzslichtung  zur  Annahme  des  Amtes  gelten  die  Bestimmungen
  des  §#.  147.  des  Reglements.

Zu  F.  158.

Der  Beschluß  über  die  Zulässigkeit  von  Abschreibungs-,  Liberations-  und
Permutations-Konsensen  gebührt  dem  Departementskollegium.

Ueber  Konsense  auf  Freilassung  von  Abfindungskapitalien  für  abgelöste
oder  im  Wege  der  Geschgebung  aufgehobene  Rechte  beschließt  das  Departement
selbstständig,  wenn  die  abgelösten  oder  aufgehobenen  Rechte  bei  der  Taxe  nicht
in  Betracht  gezogen  sind,  oder  wenn  das  Abfindungskapital  nicht  mehr  als  ein
halbes  Prozent  des  Gutswerths  beträgt.

Zu  S§.  161.  Alinea  3.

Bei  der  Umschreibung  vierprozentiger  Privat-Hypothekenkapitalien  in  eine
viereinhalbprozentige  Pfandbriefsanleihe  ist  es  ausnahmsweise  gestattet,  außer
dem  überschießenden  ein  halb  Prozent  Jiusen  auch  den  event.  wieder  zu  erhebenden
  Quittungsgroschen  außerhalb  der  reglementsmäßigen  Zweidrittel  des  Gutswerths
  einzutragen,  und  finden  dieserhalb  die  Bestimmungen  der  Alinea  4.  5.  6.
des  H.  161.  Anwendung.

Zu  F§.  167.  vorletztes  Alinea.
Zu  den  Intabulationen  im  Kreise  Randow  kann  der  Generallandschafts-Syndikus
  zur  Vertretung  der  Landschaft  auch  allein  kommittirt  werden.
Zu  F.  204.
Die  Berichtigung  der  laufenden  Jinsen  erfolgt  gemäß  F.  57.  und  §.  59.
der  Konkursordnung  nur  vom  letzten  Fälligkeitstermine  jeder  Zinspost.
Zu  F.  265.

Im  Falle  der  Kündigung  auf  Umtausch  werden  die  neu  auszufertigenden
zum  Umtausch  bestimmten  Pifnbrteee  nach  der  Vorschrift  des  F.  162.  des
Reglements  auf  Grund  besonders  auszustellender  und  ins  Hypothekenbuch  einzutragender
  Urkunden  ausgefertigt.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="2010" />
        —  1833  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

 

—  Nr.  119.4

 

(Fr.  6917.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  14.  Oktober  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  für  den  au  und  die  Unterhaltung  einer  Gemeinde-Chaussee
  von  Reinsport  über  Geverslen  nach  Wintrich  im  Kreise  Bernkastel,
  Regierungsbezirk  Trier.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Gemeinde-Chaussee
  von  Reinsport  über  Geyersley  nach  Wintrich  im  Kreise  Bernkastel,
Regierungsbezirk  Trier,  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  den  Gemeinden
Niederemmel  und  Wintrich  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee
erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebauund
  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen
bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  den  genannten
  Gemeinden  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung
der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen
des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  einschlieftch
der  in  demselben  enthaltenen  Besiimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der
sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen
  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.
  Auch  sollen  die  dem  Chausse  geid  Tarie  vom  29.  Februar  1840.  angehängten
  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachte
Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Baden-Baden,  den  14.  Oktober  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minsster  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Johrgang  1867.  (Nr.  6917—6918.  241  (Nr.  6918.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  29.  November  1867.
        <pb n="2011" />
        —  1834  —

(Nr.  6918.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  21.  Oktober  1867.)  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  an  den  Kreis  Herford,  im  Regierungsbezirk  Minden,  in
Bezug  auf  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee  von  Löhne
über  Beeck  und  Mennighüffen  bis  zur  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf
Tengern  und  einer  Zweig-Chaussec  von  Mennighüffen  bis  zur  Herford-Cübbecker
  Kreis-Chaussee  bei  Kirchlengern,  sowie  in  Bezug  auf  den  Bau
einer  massiven  Brücke  über  die  Werre  bei  dem  Bahnhofe  zu  Löhne.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  vom  Kreise  Herford,
im  Regierungsbezirk  Minden,  beschlossenen  Bau  einer  massiven  Brücke  über  die
Werre  bei  dem  Bahnhof  zu  Löhne  und  den  im  Anschluß  hieran  auszuführenden
Bau  einer  Kreis-Chaussee  von  Löhne  über  Beeck  und  Mennighüffen  bis  zur
Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Tengern,  sowie  einer  JIweig.  Chaussee  von  Mennigbhüffen
  bis  zur  Herford-Lübbecker  Kreis-Chaussee  bei  Kirchlengern  genehmigt  habe,
verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise  Herford  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  diesen
Bauten  erforderlichen  Grundstücke,  ungleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der
ék  und  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staatsbestehenden
  Vorschriften,  in  Bezug  auf  die  genannten  Straßen.  Zugleich
dem  Kreise  Herford  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen
der  Straßen  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den
Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,
  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Be,
freiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften
wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,
hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar
1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die
gedachten  Straßen  zur  Anwendung  kommen.
Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Baden-Baden,  den  21.  Oktober  1867.

   
   

will

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplit.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

(Nr.  6919.)
        <pb n="2012" />
        —  1835  —

(Nr.  6919.)  Bekanntmachung  der  Ministerial-  Erklärung  vom  25.  Oktober  1867.,  betreffend
das  Außerkrafttreten  der  zwischen  den  Niederlanden  und  dem  vormaligen
Königreich  Hannover  abgeschlossenen  Uebereinkunft  wegen  gegenseitiger  Auslieferung
  von  Verbrechern  und  deren  Ersetzung  durch  den  zwischen  Preußen
und  den  Niederlanden  abgeschlossenen  bezüglichen  Vertrag  vom  17.  November
  1850.  (Gesetz.  Samml.  für  1850.  S.  509.  ff.)  und  den  Zusatzvertrag  vom
20.  Juni  1867.  (Gesetz.  Samml.  für  1867.  S.  1219.  f.).  Vom  18.  November

  1867.

L.  Gouvernement  de  Sa  Majesté
le  Roi  de  Prusse  et  celui  de  Sa  Majeste
  le  Roi  des  Pays  -  Bas  ayant
Jugé  utile  de  constater  due  la  convention
  d’extradition  de  malfaiteurs
concluc  entre  les  Pays-Bas  et  le  eidevant
  Royaume  de  Ilannovyre  a,  par
tsuite  de  Tannexion  de  ce  Rogaume
à  la  Prussc,  cessé  d'’étre  en  vigueur,
et  se  trouve  remplace  par  la  convention
  d'’extradition  conclue  entre
la  Prusse  et  les  Pays-Bas,  le  17  Novembre
  1850  et  par  la  conrention
additionelle  du  20  Juin  1867  entre
ches  mmes  Etats.  In  presente  declaration
  à  c#  cxpedicc  à  cet  elfet  pour
Gtre  Cchanger  contre  unc  déeclaration
de  la  meme  tencur  in  gouvernement
Néerlandais.

Fait  à  Berlin  le  25  Octobre  1867.

Le  Président  du  Conseil  et
Ministre  des  affaires
6Gtrangeres.

(.  S.)

de  Bismarck  -  Schoenhausen.

(Tr.  6919—6920.

D.  Königlich  Preußische  und  die  Königlich
  Niederländische  Regierung  haben  es
für  nützlich  erachtet,  außer  Zweifel  zu
stellen,  daß  die  zwischen  den  Niederlanden
und  dem  vormaligen  Königreich  Hannover
abgeschlossene  Uebereinkunft  wegen  gegenseitiger
  Auslieferung  von  Verbrechern  in
Folge  der  Vereinigung  dieses  Königreichs
mit  Preußen  aufgehört  hat,  in  Geltung
zu  sein,  und  an  deren  Stelle  der  zwischen
Preußen  und  den  Niederlanden  abgeschlossene
  Auslieferungsvertrag  vom
17.  November  1850.  und  der  zwischen
denselben  Staaten  vereinbarte  Zusatzvertrag
  vom  20.  Juni  1867.  getreten  sind.

Zu  diesem  Behufe  ist  die  gegenwärtige
Ministerial-Erklärung  ausgefertigt  worden,
  um  gegen  eine  gleichlautende  Erklärung
  der  Koniglich  Niederländischen
Regierung  ausgewechselt  zu  werden.

Geschehen  zu  Berlin,  den  25.  Oktober
  1867.

Der  Präsident  des  Staatsministeriums
  und  Minister  der  auswärtigen
  Angelegenheiten.

(L.  S.)
v.  Bismarck-Schönhausen.

241“  Vor-
        <pb n="2013" />
        —  1836  —

Vae  Erklärung  wird,  nachdem  solche  gegen  eine  übereinstimmende  Erklärung
  des  Königlich  Niederländischen  Ministeriums  der  auswärtigen  Angelegenbeiten
  vom  17.  Oktober  1867.  ausgewechselt  worden  ist,  hiermit  zur  öffentichen
  Kenntniß  gebracht.

Berlin,  den  18.  November  1867.

Der  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten.

Im  Auftrage:
v.  Thile.

(Nr.  6920.)  Statut  für  den  Verband  zur  Melioration  der  Wiesen  und  Weiden  in  den
Ochsenkämpen  zu  Asseln,  im  Kreise  Dortmund.  Vom  6.  November  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

verordnen,  zur  Verbesserung  der  in  den  sogenannten  Ochsenkämpen  zu  Asseln,
Kreises  Dortmund,  gelegenen  Grundstücke,  nach  Anhörung  der  Betheiligten,  gemäß
dem  Antrage  der  Mehrzahl  derselben,  auf  Grund  des  Artikel  2.  des  Gesetzes  vom
11.  Mai  1853.  und  der  §#.  56.  und  57.  des  Gesetzes  vom  28.  Februar  1843.,
was  folgt:

K.  1.

Die  Eigenthümer  der  in  der  Steuergemeinde  Asseln  gelegenen  Wiesen  und
Weiden  in  den  sogenanten  Ochsenkämpen  werden  zu  einer  Genossenschaft  vereinigt,
um  diese  Grundfläche,  welche  an  übermäßiger  Nässe  leidet,  zu  entwässern  und
dem  dieselbe  durchfließenden  Bache  eine  entsprechende  Lage  zu  geben,  sowie
auch,)  um  eine  geregelte  Bewässerung  der  Wiesen  bewirken  zu  können.

Wenn  nach  der  Ausführung  der  Entwässerung  die  Bewässerung  des  ganzen
Wiesenthales  oder  einzelner  Theile  desselben  sich  als  nützlich  ergiebt,  so  hat  der
Vorstand  der  Genossenschaft  nach  Anhörung  der  betheiligten  Grundbesitzer  zu
beschließen,  wo  und  in  welchem  Umfange  Bewässerungsanlagen  einzurichten  sind
und  wie  die  Kosten  zu  vertheilen  sind.

Der  Beschluß  bedarf  der  Genehmigung  der  Regierung  in  Arnsberg.
r“
        <pb n="2014" />
        —  1637  —

K.  2.
Die  Genossenschaft  führt  den  Namen:

„Verband  zur  Melioration  der  Wiesen  und  Weiden  in  den
Ochsenkämpen  zu  Asseln“.

Sie  hat  Korporationsrechte  und  ihr  Domizil  in  der  Gemeinde  Asseln.

.  3.
Die  Genossenschaft  umfaßt  sämmtliche  Grundstücke,  welche  in  dem  von
dem  Amtmann  Löbbecke  aufestellte  Auszuge  aus  dem  Grundsteuer-Kataster  vom
22.  Juli  1863.  unter  den  laufenden  Nummern  2.  bis  27.  aufgeführt  sind.

K.  4.

Zu  dem  im  §.  1.  angegebenen  Hauptzwecke  der  Entwässerung  hat  die
Genossenschaft  unter  Zugrundelegung  des  von  dem  Wiesenbaumeister  Wirtz  angefertigten
  Planes  der  Vertiefung,  Erbreiterung  und  Regulirung  des  im  §.  1.
bezeichneten  Baches  sämmtliche  zu  dem  gedachten  Zwecke  erforderlichen  Anlagen
auszuführen.

Erhebliche  Abänderungen  des  Entwässerungsplanes,  welche  im  Laufe  der
Ausführung  nothwendig  erscheinen,  dürfen  nur  mit  Genehmigung  des  Ministers
für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten  vorgenommen  werden.

Die  Genossenschaft  hat  die  ausgeführten  Anlagen  auch  künftig  zu  unterhalten.

Es  bleibt  der  Beschlußnahme  des  Genossenschaftsvorstandes  überlassen,  ob
die  Arbeiten  an  den  Mindestfordernden  verdungen,  oder  im  Tagelohn  oder  auch
durch  Naturalleistung  der  Eigenthümer  ausgeführt  werden  sollen.

Im  letzteren  Falle  ist  der  Vorstand  befugt,  die  nicht  rechtzeitig  oder  nicht
gehörig  ausgeführten  Arbeiten  auf  Kosten  des  Säumigen  machen  und  die  Kosten
von  demselben  durch  Exekution  beitreiben  zu  lassen.

KC.  5.

Die  Bearbeitung  der  einzelnen  Parzellen  durch  Umbauf  Planirung,  Besaamung
  u.  s.  w.  bleibt  den  Eigenthümern  unbeschränkt  überlassen.

Sollten  dieselben  jedoch  solche  Anlagen  machen,  welche  die  Zwecke  der
Genossenschaft,  die  Entwässerung  und  Bewässerung  beeinträchtigen,  so  sind  die
Eigenthümer  gehalten,  den  Anordnungen  des  Vorstandes  Folge  zu  leisten.

d.  6.

Die  Kosten  der  Entwässerungsanlage  und  deren  Unterhaltung  werden  von
sämmtlichen  Betheiligten  nach  Verhältniß  des  aus  dem  Kataster  (F.  3.)  4  ergebenden
Flächeninhalts  ihrer  Grundstücke  aufgebracht.

Wenn  in  Zukunft  eine  Bewässerung  des  ganzen  Thales  oder  einzelner
Theile  beschlossen  werden  möchte  (F.  1.  Alinea  2.))  so  sind  die  Kosten  von  den  bei

(Fr.  6920.)  dem
        <pb n="2015" />
        —  1838  —

dem  einzelnen  Unternehmen  Betheiligten  nach  Verhältniß  des  Vortheils  zu  tragen.
Die  Genossenschaft  als  solche  hat  nur  da  einen  Antheil  an  den  Bewässerungskosten
  zu  übernehmen,  wo  sich  nach  der  Ausführung  der  Entwässerung  herausstellen
  sollte,  daß  die  Ländereien  durch  die  Entwässerung  Nachtheil  erlitten  haben.
«  Die  Entscheidung  der  Beschwerden  gegen  das  Beitragskataster  erfolgt  durch
die  Verwaltungsbehörden,  welche  zur  Anbringung  der  Beschwerden  eine  präklusivische
  Frist  bestimmen  können.

Der  Amtmann  setzt  die  Hebelisten  auf  den  Antrag  des  Vorstandes  fest
und  läßt  die  Beiträge  von  den  Säumigen  durch  administrative  Exekution  zur
Kasse  einziehen.

 

.  7.

Die  betheiligten  Eigenthümer  sind  verpflichtet,  den  zur  Verlegung  und
Erbreiterung  des  Baches  in  den  „Ochsenkämpen“  erforderlichen  Grund  und  Boden
herzugeben.  Sie  erhalten  dafür  das  alte  Bachbett,  soweit  es  die  betreffenden
Grundstücke  berührt.  Soweit  ihnen  der  Werth  nicht  durch  das  an  den  Dossirungen
  und  Uferrändern  wachsende  Gras  oder  sonstige  Vortheile  ersetzt  werden
sollte,  ist  Entschädigung  zu  gewähren.  Streitigkeiten  hierüber  werden,  mit  Ausschluß
  des  Rechtsweges,  schiedsrichterlich  entschieden  (§.  13.).

d.  8.

Die  Geschäfte  der  Genossenschaft  werden  durch  einen  Vorstand  von  vier
Personen  geleitet,  welcher  aus  dem  Vorsteher  und  drei  anderen  Mitgliedern  besteht.
  Dieselben  bekleiden  ein  Ehrenamt.  Nur  baare  Auslagen  werden  dem
Vorsteher  ersetzt.  Der  Vorstand  faßt  seine  Beschlüsse  nach  Stimmenmehrheit.
Bei  Stimmengleichheit  giebt  die  Stimme  des  Vorstehers  den  Ausschlag.

5.  9.

Bei  der  Wahl  übt  jeder  Eigenthümer  für  je  Einen  Morgen  Eine  Stimme
aus.  Die  Eigenthümer,  welche  weniger  als  Einen  Morgen  besitzen,  werden  vereinigt,
  und  üben  für  je  Einen  Morgen  der  von  ihnen  besessenen  Grundfläche
Eine  -s°ssYi  aus,  und  zwar  durch  einen  von  ihnen,  der  mit  Vollmacht  zu  versehen
  ist.

Für  die  Einen  Morgen  nicht  erreichende  Ruthenzahl  kann  eine  Stimme
nicht  ausgeübt  werden.

Der  Vorsteher  und  die  drei  anderen  Vorstandsmitglieder  nebst  drei  Stellvertretern
  werden  von  den  Genossenschafts-Mitgliedern  aus  ihrer  Mitte  auf  drei
Jahre  gewählt.

Der  Amtmann  beruft  die  Wahlversammlung  und  führt  in  derselben  den
Vorsitz.  Er  verpflichtet  die  Gewählten  durch  Handschlag  an  Eidesstatt.  Minderjährige
  und  moralische  Personen  können  durch  ihre  gesetzlichen  Vertreter,  Ehefrauen
  durch  ihre  Ehemänner  mitstimmen.

Wählbar  ist  Derjenige,  welcher  den  Vollbesitz  der  bürgerlichen  Rechte  nicht
durch  rechtskräftiges  Erkenntniß  verloren  hat  und  mindestens  Einen  Morgen  im

er-
        <pb n="2016" />
        —  1839  —

Verbande  besitzt.  Doch  kann  der  Vorsteher  auch  aus  nicht  betheiligten  Einsassen
der  Gemeinde  Asseln  gewählt  werden.

Im  Uebrigen  sind  bei  der  Wahl  die  Vorschriften  für  Gemeindewahlen  zu
beachten.

C.  10.

Der  Vorsteher  ist  die  ausführende  Verwaltungsbehörde  der  Genossenschaft
und  vertritt  dieselbe  anderen  Personen  und  Behörden  gegenüber.

Er  hat  insbesondere

a)  die  Ausführung  der  gemeinschaftlichen  Anlagen  zu  veranlassen  und  dieselben
  zu  benußschügenh

b)  die  Beiträge  auszuschreiben,  die  JZahlungen  auf  die  Kasse  anzuweisen  und
die  Kassenverwaltung  zu  revidiren;

Je)  die  Voranschläge  und  Rechnungen  dem  Vorstande  zur  Feststellung  und
Abnahme  vorzulegen;

4.)  die  Arbeiter  und  die  Unterhaltung  der  Anlagen  zu  beaufsichtigen  und
mindestens  zweimal  im  Jahre,  und  zwar  im  April  und  November,  in
Gemeinschaft  mit  den  Vorstandsmitgliedern  Bachschau  abzuhalten;

)  den  etwa  anzustellenden  Aufseher  oder  Grabenwärter  nach  Berathung
mit  dem  Vorstande  zu  ernennen;

1)  den  Schriftwechsel  für  die  Genossenschaft  zu  führen  und  die  Urkunden
für  dieselbe  zu  unterzeichnen.  Zur  Abschließung  von  Verträgen  ist  die
Zustimmung  des  Vorstandes  erforderlich.

In  Behinderungsfällen  läßt  sich  der  Vorsteher  durch  ein  Vorstandsmitglied
  vertreten.  n

Die  Anstellung  des  Genossenschafts-Rendanten  erfolgt  im  Wege  eines  kündbaren
  Vertrages  durch  den  Vorstand,  von  welchem  auch  über  die  demselben  zu
bewilligende  Remuneration  und  die  zu  leistende  Sicherheit  die  nöthigen  Festsetzungen
  getroffen  werden.  E

Wenn  künftig  in  Gemäßheit  der  S#.  1.  und  6.  eine  Bewässerung  eingeführt
  werden  sollte,  so  kann  der  Vorstand  nach  Anhörung  der  hierbei  betheiligten
  Genossenschafts-Mitglieder  einen  Wiesenwärter  auf  dreimonatliche  Kündigung
anstellen,  dessen  Lohn  in  einer  Versammlung  dieser  Mitglieder  bestimmt  wird.
.  Die  Feststellung  der  Befugnisse  des  Wiesenwärters  wird  einem  besonderen  Reglement
  vorbehalten.  E

Streitigkeiten,  welche  zwischen  Mitgliedern  der  Genossenschaft  über  das
Eigenthum  von  Grundstücken,  über  die  Kuständigten  oder  den  Umfang  von
Grundgerechtigkeiten  oder  anderen  Nutzungsrechten,  und  über  besondere,  auf  spe-(Nr.

  6920.)  ziellen
        <pb n="2017" />
        —  1840  —

ziellen  Rechtstiteln  beruhende  Rechte  und  Verbindlichkeiten  der  Parteien  entstehen,
gehören  zur  Entscheidung  der  ordentlichen  Gerichte.

Dagegen  werden  alle  anderen,  die  gemeinsamen  Angelegenheiten  der  Genossenschaft
  oder  die  Beeinträchtigung  eines  oder  des  anderen  Genossen  betreffenden
  Beschwerden  von  dem  Vorstande  untersucht  und  entschieden.

Gegen  die  Entscheidung  des  Vorstandes  steht  jedem  Theile  der  Rekurs
an  ein  Schiedsgericht  frei,  welcher  binnen  zehn  Tagen,  von  der  Bekanntmachung
des  Bescheides  an  gerechnet,  bei  dem  Vorsteher  angemeldet  werden  muß.  Ein
weiteres  Rechtsmittel  findet  nicht  statt.  Der  unterliegende  Theil  trägt  die  Kosten.

Das  Schiedsgericht  besteht  aus  dem  Amtmann  und  zwei  Beisitzern.  Die
Beisitzer  nebst  einem  Stellvertreter  für  jeden  werden  von  der  Generalversammlung
  der  Genossenschaft  auf  drei  Jahre  gewählt.

Wählbar  ist  jeder  Grundbesitzer  des  Kreises  Dortmund,  der  in  der  Gemeinde
seines  Wohnortes  zu  den  öffentlichen  Gemeindeämtern  wählbar,  nicht  Mitglied
der  Genossenschaft  ist  und  den  Aufsichtsbehörden  nicht  angehört.

Wenn  der  Amtmann  selbst  Mitglied  der  Genossenschaft  sein  sollte,  so  muß
der  Landrath  des  Kreises  Dortmund  auf  Antrag  jedes  Betheiligten  einen  anderen
Vorsitzenden  des  Schiedsgerichts  ernennen.

Dasselbe  kann  der  Landrath  thun,  wenn  sonstige  Einwendungen  gegen  die
Person  des  Amtmanns  von  den  Betheiligten  erhoben  werden,  volche  dessen
Unparteilichkeit  beeinträchtigen.

K.  14.

Die  Genossenschaft  ist  der  Oberaufsicht  des  Staates  unterworfen.  Das
Aufsichtsrecht  wird  von  dem  Landrathe  des  Kreises  Dortmund,  von  der  Regierung
zu  Arnsberg  und  von  dem  Minister  für  die  landwirthschaftlichen  Angelegenheiten
gehandhatt  in  dem  Umfange  und  mit  den  Befugnissen,  welche  den  Aufsichtsehörden
  der  Gemeinden  zustehen.

S.  15.

sol  Abänderungen  des  Statuts  können  nur  mit  landesherrlicher  Genehmigung
erfolgen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  6.  November  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.  von  Selchow.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchbruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="2018" />
        —  1841  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  120.  —

 

(Nr.  6921.)  Allerböchster  Erlaß  vom  22.  November  1867.,  betreffend  den  Tarif,  nach  welchem
das  städtische  Hafen-,  Bohlwerks=  und  Brücken-=  Aufzugsgeld  in  Stettin
ferner  zu  erheben  ist.

A#  Ihren  Bericht  vom  9.  November  d.  J.  habe  Ich  den  anliegenden  Tarif
zur  Erhebung  des  städtischen  Hafen-,  Bohlwerks=  und  Brücken-Aufzugsgeldes  zu
Stettin,  welcher  vom  1.  Dezember  d.  J.  ab  an  die  Stelle  des  derch  Meine
Erlasse  vom  4.  Mai  1857.  (Gesetz=  Samml.  S.  554.)  und  vom  7.  März  1864.
Gesetz-  Samml.  S.  123.)  genehmigten  Tarifs  tritt,  unter  dem  Vorbehalt  einer

evision  von  fünf  zu  fünf  Jahren,  genehemigt  und  vollzogen,  und  beauftrage
Sie,  denselben  mit  diesem  Erlasse  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenmtniß  zu  bringen.

Berlin,  den  22.  November  1867.

-

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplit.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  fuͤr  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

Jahrgang  1867.  (Nr.  6921.)  242  Ta-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  30.  November  1867.
        <pb n="2019" />
        —  1842  —

Tarif
zur

Erhebung  des  Hafen-,  Bohlwerks=  und  Brückenaufzugsgeldes
in  Stettin.

Vom  22.  November  1867.

I.  An  Hafengeld  von  Schiffen  und  anderen  Fahrzeugen,  sowie  von  geflößtem
  Bau=  und  Nutzholz,  ohne  Rücksicht  darauf,  ob  die  Sabe
zeuge  u.  s.  w.  beladen  oder  unbeladen  sind,  wird  bei  dem  Eingange  in
das  Hafengebiet  der  Stadt  (zusätzliche  Bestimmung  3.)  entrichtet:

1)  von  Dampfschiffen,  Seeschiffen,  Leichterfahrzeugen  und  Seebooten:
a)  von  3  bis  einschließlich  40  Schiffslasten  Tu'  für  jede

fahigkeit::  ..  .  .  .  .  ..  3  S  Sisela
b)  v  I#s  40  Schiffsl  Trag-  8
—

2)  von  Oderkähnen  und  anderen  Stromfahrzeugen:
a)  von  6  bis  einschließlich  15  Schiffslasten  Trag
ähigkeit  Sgr.  6  *5r5

fähigkeit
b)  von  16  bis  einschließlich  25  für
Schiffslasten  5.  —  jedes
c)  von  26  bis  einschließlich  34  Fahr-Schiffslasten
  10.  —  zeug.
d)  von  mehr  als  34  Schiffslasten
  ..  15  —

3)  Regelmäßig  fahrende  Dampfschiffe  können  nach  Wahl  anstatt  der
Abgabe  für  jede  einzelne  Fahrt  eine  jährliche  Abfindung  von
14  Thaler  für  jede  Schiffslast  Tragfähigkeit  entrichten;

4)  von  geflößtem  Bau=  und  Nutzholz  für  jede  Last  von
72  Kubikfuß  ..«.....................................  lkPL

II.  An  Bohlwerksgeld  von  Waaren,  welche  in  Fahrzeugen  resp.
auf  Flößen  zu  Wasser  in  das  Hafengebiet  der  Stadt  (zusätzliche

  Bestimmung  3.)  eingehen  und  über  die  von  der  Regierung
        <pb n="2020" />
        —  1843  —

rung  zu  bezeichnenden  öffentlichen  Bohlwerke  zu  Lande  gebracht
werden,  ist  von  jedem  Zentner  der  Betrag  von.  .....  ..  ....  3  Pf.
zu  entrichten.

Ausnahmsweise  wird  gezahlt  für:
1)  Zink,  Stangen=  und  Schnitteisen  (Eisenbahnschienen),  —

:

und  Cedernholl  .  ..  .  für  den  Zentner  2
2)  Farbehölzer,  Roggenmehl  .......  .  .  .  .  ..  ..  desgl.  1

3)  Roheisen,  Schmiedebrucheisen,  Galmey,
Graphit,  Talksteine,  rohen  Schwefel,  Knochenschwärze)
  Braunstein,  Oelkuchen,  gebrannten
  Gyps,  Harz,  Cichorien,  ordinaire
Erdfarben,  Wasserblei,  Schwerspath,  Schwefelsäure,
  Guano,  Lohe,  Kleie,  Dachschiefer  desgl.  l-4)

  Gypssteine,  Düngergyps,  Thon,  Feldspath,
Asphalt  (lose),  Chamottspeise,  Feuersteine,
Formsand,  Kalkmergel,  Mopp=  und  Scheuersteine,
  Schwefelkies,  Zuckererde,  Seegras,

geschlemmte  Kredeee  .  .  ..  desgl.  4.
5)  Leinsaahem  .  .  .  ..  für  die  Tonne  —  Sgr.  43  Pf.
6)  Hering,  gemahlenen  Cement  desgl.  —  U3
7)  Theer,  Heringslake  ............  desgl.  —  13
8)  Steinkohlentheerpech.  ...  .  .  .  .  .  .  .  .  für  den  Zentner  —  1
9)  Kakk.  für  die  Tonne.  5b  1

10)  Bier  (mit  Ausnahme  von  Porterbier
  und  Englischem  Ale,  von
welchen  das  tarifmäßige  Bohlwerksgeld
  von  6  f.  für  den
Zentner  zu  entrichten  istt)  ..  desgfl.  —  3

11)  Branntwein  und  Essa.  für  das  Oxhoft  von
180  Quart  oder  nach  der  Wahl  der  Zahlungspflichtigen
  für  je  5  Cennernr  —  9

12)  Alle  Getreidearten,  ferner  Erbsen,  Wicken,  Schlagleinsaamen,
  Raps  und  Rübsen,  zi  Bohnen,
Buchweizen,  Spelt),  für  je  72  Sche  el  ........  2-—-13)Gkaupen,Grütze,Hirse»-».

  fürdenScheffel——-1;.
14)GebackenesObst.»..........  desgl.  —.  1I
15)  Schleifsteine,  Steinblöcke  und  Steinplatten,  rohe
(Nr.  6921.)  242*
        <pb n="2021" />
        —  1644  —
Cementsteine,  für  je  36  Zentner  oder  nach  Wahl
der  Zahlungspflichtigen  für  je  30  Kubikfuß.
16)  Steinkohlen,  Koaks,  Braunkohlen,  fürje  72  Scheffel
oder  nach  der  Wahl  der  Zahlungspflichtigen  für
je  60  Zennner  .  .
17)  Kreide,  für  je  36  Zentnnen
18)  Kalksteine,  für  den  Prahm  oder  3  Klafter.

19)  Mineralwasser,  für  100  Kruken
20)  Krystallisirte  Seoda
21)  es  .  ..  .  ...
22)  Knochen  ..  ...............
23)Glasbrocken.................
2»4)Glaubersalz.................
25)Holzinehl................·...
26)Schmuck....................

28)  Mühlensteine:

a)  für  einen  ganzen  Stten  .  .  ..

für  den  Zentner
desgl.
desgl.
desgl.
desgl.
desgl.
desgl.
27)  Mauer=  und  Dachsteine,  für  das  Tausend

b)  für  einen  Dreiling  oder  Bodenstein

29)  Brennholz,  für  die  Klaftr

30)  Bau-  und  Nutzholz,  mag  dasselbe  in  gSen  verbunden,
  oder  auf  Flößen  oder  in  Fahrzeugen

eingehen,  für  je  72  Kubikfuß,  und  zwar:

a)  von  Kiefern=  und  anderem  Weichholz.

b)  von  Eichen-  und  anderem  Hartholz

31)  Fichtenes  Stabholz,  für  50  Rumpf
32)  Bretter,  für  das  Schock  24  füßiger:
a)  von  14  zölligen.  ...................
b)vonIkzölligerk.......................
c)von7«zölligen.·.......................

33)  Tonnenbänder:

a)  Oxhoftbänden  für

b)  Tonnenbändern  .  ..
c)  Eimerbänden
4)  Ankerbänden
e)  :  Ankerbänder
f)  4  Ankerbänder  k

7.
8
12
15
20

3  Sgr.  9  P.

J  d  de  d  —  d  S  d  Z  S„  Se

#
2

34)  Baͤn-
        <pb n="2022" />
        —  1845  —

34)  Bänder  zu  Zuckerfässern:
a)  von  12  bis  10  füßige  für  5  Schock

b)  von  9  bis  8  füßige  7  —  Sgr.  2  Jff.

)  kleinere  12
35)  Kiehnäpfel,  für  72  Scheffel..................  1  —
36)  JZwiebeln  desgse.  2  —
37)  Damnsteine,  für  je  112  Kubikfßf  1  —
38)  Torf,  für  das  Tausnnehd  .  ...  —  2„
39)  Salz,  für  die  Schiffslat  ..  2  —
40)  Kartoffeln,  für  je  72  Schefffe..  ..  1  —

bauten  Baumbrücke  entrichtet
a)  wenn  Eine  Klappe  gezogen  wird  22  Sgr.
b)  wenn  beide  Klappen  gezogen  werden  5  Sgr.

IV.  Zusätzliche  Bestimmungen.

1)  Soweit  in  diesem  Tarif  die  Schiffslast  den  Erhebungsmaaßstab
bildet,  ist  darunter  die  Preußische  Schiffslast  von  4000  Pfund  zu
verstehen.

2)  Wenn  bei  der  Feststellung  des  Hafengeldes  und  Bohlwerk#peldes
für  Flöße  resp.  Waaren  derselben  Kategorie  (I.  4.  und  II.  des
Tarifs)  ein  Bruchtheil  vom  Zentner,  Scheffel  u.  s.  w.  sich  ergiebt,
so  wird  dieser  Bruchtheil,  sobald  derselbe  die  Hälfte  der  als  Maaßstab
  angegebenen  Größen-Einheit  erreicht  oder  übersteigt,  für  voll,
sonst  aber  gar  nicht  gerechnet.

3)  Das  Hafengebiet  (I.  und  II.  des  Tarifs)  umfaßt

a)  die  Oder  von  der  Grenze  zwischen  Güstow  und  Pommerensdorf
  bis  zu  der  zwischen  dem  Zieskeschen  und  dem  Schuhmacherschen
  Grundstücke  befindlichen  Grenze  zwischen  der
Unterwyk  und  Grabow,

b)  den  Dunzig  und

JC)  die  Parnitz.

4)  Ausländische  Schiffe  und  Fahrzeuge  derjenigen  Nationen:

a)  mit  welchen  wegen  Behandlung  ihrer  Schiffe  und  deren
Ladung  gleich  den  inländischen  ein  besonderer  Vertrag  zur
Zeit  des  Emgangs  in  den  Hafen  nicht  besteht,  oder

b)  welche  ihrerseits  aus  anderer  Veranlassung  die  Preußischen
Schiffe  und  deren  Ladung  nicht  gleich  den  inländischen  behandeln,


haben

III.  An  Brückenaufzugsgeld  wird  für  das  Aufziehen  der  über  die  Oder  erür

  jedes  d  d
w

 

(Nr.  6921.)
        <pb n="2023" />
        —  1846  —

haben  die  in  dem  Tarif  zu  I.  angegebenen  Hafenabgaben  doppelt
zu  entrichten.

5)  Außer  den  in  diesem  Tarif  festgesetzten  Abgaben,  den  nach  dem
Tarif  vom  24.  Oktober  1840.  zu  erhebenden  Lootsengebühren  und
den  besonderen  Vergütigungen,  welche  den  nach  freier  Wahl  angenommenen
  Hafendienern  für  das  Verholen  der  Schiffe  im  Hafengebiete
  zukommen)  wird  für  die  Benutzung  des  Hafens,  der  dazu
gehörigen  Bohlwerke,  Pfähle,  Krähne,  Waagen  und  der  sonstigen,
der  allgemeinen  Benutzung  gewidmeten  Anstalten  an  die  Stadt  keine
Gebühr  entrichtet.

Es  brauchen  daher  nicht  nur  die  Schiffer  und  Floßführer
oder  deren  Stellvertreter  den  Schiffahrts,  Zoll--,  Hüen,  und
Polizeibeamten  unter  irgend  einem  Vorwande  eine  Vergütigung
nicht  zu  entrichten,  sondern  es  ist  jenen  ausdrücklich  untersagt,  einem
dieser  Beamten  auch  nur  das  geringste  Geschenk  für  die  Ausübung
seines  Amtes  anzubieten,  zu  verabreichen,  oder  durch  einen  Dritten
verabreichen  zu  lassen,  indem  ein  solches  Anerbieten  nach  den  bestehenden
  Landesgesetzen  bestraft  und  das  Geschenk  außerdem  zur
städtischen  Armenkasse  eingezogen  werden  soll.

6)  Ein  Unterschied  zwischen  den,  den  Einwohnern  von  Stettin  gehörigen
und  den  fremden  Fahrzeugen  oder  Gütern  findet  hinsichtlich  der
Erhebung  der  in  diesem  Tarif  festgesetzten  Abgaben  nicht  statt.

V.  Befreiungen.

Befreit  sind:
A.  Von  der  Entrichtung  des  Hafengeldes:

1)  Königliche  Schife  und  Staatsschiffe  solcher  Nationen,  denen
durch  bestehende  Staatsverträge  zur  Zeit  des  Einganges  in
den  Hafen  die  Befreiung  von  allen  städtischen  Hafenabgaben
bereits  ausdrücklich  zugesichert  ist;

2)  Dampfschiffe  und  Seefahrzeuge  von  weniger  als  3  Schiffslasten,
  sowie  Oderkähne  und  andere  Fahrzeuge  von  weniger
als  6  Lasten  Tragfähigkeit.

B.  Von  der  Entrichtung  des  Bohlwerksgeldes:

1)  das  für  Rechnung  des  Staates  eingehende  Salz;

2)  Königliche  und  Armee-Effekten,  überhaupt  Alles,  was  zum
eigenen  Gebrauche  des  Staates  oder  des  Landesherrn  oder
seiner  Hofhaltung  transportirt  wird;

3)  Waaren  und  Güter,  die  vom  Wasser  aus  an  Privatbohlwerken
        <pb n="2024" />
        —  1817  —
werken  oder  an  Privatgrundstücken  zu  Lande  gebracht,  ferner
solche  Waaren,  die  von  Bord  zu  Bord  umgeladen  werden

4)  Ballast,  frisches  Obst,  frische  Fische.

C.  Von  der  Entrichtung  des  Hafen=  und  Bohlwerksgeldes:

1)  solche  Fahrzeuge  und  Waaren,  welche  unmittelbar,  also  beim
Eingange  in  das  Hafengebiet,  schon  die  Bestimmung  nach
einem  andern  Orte  haben  und  ohne  Aufenthalt  und  Umladung
durch  den  Hafen  transitiren

2)  das  geflößte  Bau=  und  Nutzholz,  welches  ohne  Aufenthalt
durch  den  Hafen  geht;

3)  Fahrzeuge,  welche  den  städtischen  Wochen-  und  Jahrmarkts-Brrtehr
  vermitteln,  sowie  deren  zum  Wochen=  und  Jahrmarkt
bestimmte  Ladung.

D.  An  den  auf  speziellem  Rechtstitel  beruhenden  Befreiungen  wird  durch
den  gegenwärtigen  Tarif  nichts  geändert.

Berlin,  der  22.  November  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

(Nr.  6922.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  22.  November  1867.,  betreffend  die  Ermäßigung  der
in  den  Pommerschen  Häfen  zu  entrichtenden  Hafen=  und  Schiffahrtsabgaben.


A#-  Ihren  Bericht  vom  9.  November  d.  J.  bestimme  Ich,  was  folgt:

1)  Die  in  den  Häfen  von  Swinemünde,  Colbergermünde,  Stolpmünde  und
Rügenwalde  nach  den  Tarifen  vom  24.  Oktober  1840.  (Gesetz-Samml.
S.  324.  350.  355.  und  360.)  und  nach  der  Bestimmung  unter  1.
Meines  Erlasses  vom  25.  Juni  1863.  (Gesetz-Samml.  S.  442.)  zu
entrichtenden  Hafengelder  werden  vom  1.  Dezember  d.  J.  ab  von  allen
seewärts  ein-  und  ausgehenden  Schiffen  und  Fahrzeugen,

beim  Eingange  mit  4  Sgr.
wenn  sie  beladen  sind  .  ..  (erin  Mussange  mt  4  Serwenn

  sie  Ballast  führen  oder  leer  sind  (  l—  it  38

für  die  Last  Tragfähigkeit  erhoben.  In  denjenigen  Fällen,  in  welchen
(Nr.  6921—6922,  nach
        <pb n="2025" />
        —  1848  —

nach  Meinem  Erlaß  vom  13.  April  1863.  (Gesetz  Samml.  S.  168.)
unter  1.  a.  und  b.  die  Ermäßigung  des  Hafengeldes  in  den  vorgenannten
Häfen  auf  ein  Drittheil  des  bisherigen  tarifmäßigen  Betrages  eintreten
soll,  ist  fortan  nur  eine  Ermäßigung  auf  die  Hälfte  des  nunmehrigen
Hafengeldes  zu  gewähren.

2)  Die  für  die  Befahrung  der  Peene,  Swine  und  Divenow,  sowie  des
großen  und  kleinen  Haffes  nach  dem  Tarise  vom  24.  Oktober  1840.
Gesetz=  Samml.  S.  324.)  und  nach  der  Bestimmung  unter  2.  Meines

lasse  vom  25.  Juni  1863.  (Gesetz  Samml.  S.  442.)  zu  entrichtenden
  Schiffahrtsabgaben,  und

3)  die  in  Stralsund,  Greifswald  und  Wolgast  nach  dem  Tarif  vom
24.  Oktober  1840.  (Gesetz  Samml.  S.  345.)  zu  entrichtenden  Tiefgelder
werden  vom  1.  Dezember  d.  J.  ab  nicht  ferner  erhoben.

Im  Uebrigen  bleiben  die  bestehenden  Vorschriften  unverändert.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß
zu  bringen.  -

Berlin,  den  22.  November  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="2026" />
        —  1849  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Nr.  121.  —

 

(Nr.  6923.)  Verordnung,  betreffend  die  evangelischen  militair  -kirchlichen  Angelegenheiten
im  XI.  Armeekorps.  Vom  12.  Oktober  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  2c.
verordnen  für  den  Bereich  des  XI.  Armeekorps,  was  folgt:

K.  1.

Die  evangelische  Militairseelsorge  im  Bereich  des  XI.  Armeekorps  wird
nach  den  Vorschriften  der  Militair-Kirchenordnung  vom  12.  Februar  1832.
(Gesetz  Samml.  für  1832.  S.  69.  ff.)  und  nach  Maaßgabe  der  hierauf  bezüglichen
  späteren  Bestimmungen  geordnet.  Der  evangelische  Militairgeistliche  im
Cassel  verfieht  zugleich  die  Punlzienen  eines  Militair-Oberpredigers.

§  2.

Die  nach  §.  9.  der  Militair-Kirchenordnung  den  Konsistorien  zustehenden
Befugnisse  und  obliegenden  Pflichten  gehören  bis  auf  Weiteres  zu  dem  Geschäftskreise
  des  evangelischen  Feldpropstes  der  Armee,  welcher  insbesondere  die  Anstellung,
  Versetzung  und  Entlassung  der  Divisions=  und  Garnisonprediger  mit  Genehmigung
  des  Ministers  der  geistlichen  Fegenhte  zu  bewirken  hat,  vorsehen
  ich  jedoch  der  in  dem  vorgedachten  Paragraphen  den  Militairbefehlshabern
zugewiesenen  Mitwirkung.

g.  3.

In  Beziehung  auf  Beichte,  Abendmahl,  Einsegnung  der  Kinder  und  ihre
Vorbereitung  dazu  bedarf  es  zur  Verrichtung  durch  einen  anderen  Geistlichen  nach
den  Vorschriften  der  Militair-Kirchenordnung  einer  besonderen  Erlaubniß  von
Seiten  des  Militairgeistlichen  nicht,  eben  so  wenig  zum  Besuch  des  Gottesdienstes
in  anderen  Kirchen;  für  Taufen  und  Trauungen  ist  ein  Erlaubnißschein  des  zuständigen
  Militairgeistlichen  erforderlich,  welcher  jedoch  auf  Verlangen  unentgeltlich
ertheilt  werden  muß.

Johrgong  1867.  (Nr.  6923.  243  &amp;amp;  4.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  2.  Dezember  1867.
        <pb n="2027" />
        —  1850  —

K.  4.

Die  bisherigen  Garnisongemeinden  sind  aufgehoben.

E.  5.

In  denjenigen  Garnisonorten,  in  denen  kein  Divisions=  oder  Garnisonprediger
  stationirt  ist,  wird  die  evangelische  Militairseelsorge  einem  der  Orts.
geistlichen  durch  dessen  kirchliche  Bestallungsbehörde  im  Einverständniß  mit  dem
etreffenden  Militairbefehlshaber  und  unter  Genehmigung  des  Ministers  der  geistlichen
  Angelegenheiten  übertragen,  und  werden  seine  Amtsverrichtungen  als  Militairseelsorger
  im  Einklang  mit  den  für  sein  geistliches  Hauptamt  bestehenden
kirchlichen  Ordnungen  geregelt.

Derselbe  bleibt  in  Ansehung  seiner  geistlichen  Amtsverrichtungen  in  der
Militairseelsorge  seiner  ordentlichen  kirchlichen  Aufsichtsbehörde  untergeben.  Im
Uebrigen  finden  die  Bestimmungen  der  Militair-Kirchenordnung  über  das  Unterordnungsverhältniß
  auf  ihn  Anwendung.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Baden-Baden,  den  12.  Oktober  1867.

(I.  S.)  Wilhelm.

v.  Roon.  v.  Mühler.

(Nr.  6924.)
        <pb n="2028" />
        —  1851  —

(Nr.  6924.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber  lautender  Obligationen  der
Stadt  Weißenfels,  Regierungsbezirk  Merseburg,  zum  Betrage  von
40,000  Thalern.  Vom  21.  Oktober  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #.

Nachdem  der  Magistrat  der  Stadt  Weißenfels  im  Einverständniß  mit  der
dortigen  Stadtverordnneten-Versammtung  darauf  angetragen  hat,  zur  Einrichtung
der  Gasbeleuchtung  eine  Anleihe  von  40,000  Thalern  aufnehmen  und  zu  diesem
Zweck  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  versehene  und  Seitens  der
Gläubiger  unkündbare  Stadt-Obligationen  ausgeben  zu  dürfen,  ertheilen  Wir  in
Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  (Gesetz-Samml.  für  1833.
S.  75.)  durch  gegenwärtiges  Privilegium  zur  Ausstellung  und  Verausgabung  von
40,000  Thalern  Weißenfelser  Stadt-Obligationen,  welche  nach  dem  anliegenden
Schema  in  folgenden  Apoints:

10,000  Thaler  à  200  Thaler,
15,0000  à  100.
8,000.  à  40
7,000  à  20

auszufertigen,  mit  fünf  vom  Hundert  jährlich  zu  verzinsen  und,  anhebend  mit
dem  Jahre  1870.)  nach  dem  festgestellten  Tilgungsplane  durch  Ausloosung  oder
auch  durch  Ankauf  mit  mindestens  zwei  Prozent  der  Kapitalschuld,  unter  Zuwachs
der  durch  die  successive  Tilgung  der  letzteren  herbeigeführten  Zinsenersparnisse,  sowie
  unter  Hinzutritt  der  etwaigen,  zur  planmäßigen  Verzinsung  und  Tilgung  der
Anleihe  nicht  erforderlichen  Reinertrags-Ueberschüsse  der  Gasanstalt,  spätestens
bis  zum  Jahre  1895.  zu  amortisiren  sind,  mit  Vorbehalt  der  Rechte  Dritter,
Unsere  landesherrliche  Genehmigung,  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern  der  Obligationen
  in  Ansehung  ihrer  Besiedhzung  eine  Gewährleistung  Seitens  des  Staates
zu  bewilligen.  «

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Baden-Baden,  den  21.  Oktober  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  6034.)  243°“  Pro-
        <pb n="2029" />
        —  1852  —

Drovinz  Sachsen,  Negierungsbezirk  Merseburg.
(Weißenfelser  Stadtwappen)

Obligation  der  Stadt  Weißenfels
Littr.  —e--2
über
..........  Thaler  Preußisch  Kurant.

Ausgefertigt  in  Gemäßheit  des  landesherrlichen  Privilegiums  vom  .  ten  ..........  18.
(Gesetz-Samml.  für  18.  S.  ).

Der  Magistrat  der  Stadt  Weißenfels  beurkundet  und  bekennt  hiermit,  daß  der
Inhaber  dieser  Obligatio  Thaler  Preußisch  Kurant,  deren  Empfang
Rlechucch  bescheinigt  wird,  von  der  hiesigen  Stadtgemeinde  als  ein  Darlehn  zu
ordern  hat.

Diesee  Thaler  bilden  einen  Theil  der  zur  Einrichtung  der  Gasbeleuchtung
  auf  Grund  des  Allerhöchsten  Privilegiums  vom  #en  18.
aufgenommenen  Darlehns  von  40,000  Thalern.

Die  Rückzahlung  dieses  Gesammtdarlehns  von  40,000  Thalern  geschieht
allmälig  aus  einem  zu  diesem  Behufe  zu  bildenden  Tilgungsfonds,  nach  Maaßgabe
  des  genehmigten  Tilgungsplanes.

Diesem  Tilgungsfonds  werden  dem  Tilgungsplane  gemäß  jährlich  zwei
Prozent  des  gesammten  Kapitals  als  feste  Tilgungsrente,  ingleichen  sämmtliche
zur  Ersparung  kommende  Zinsen  von  den  getilgten  Schuldbeträgen,  und  außerdem
  der  etwaige,  zur  planmäßigen  Verzinsung  und  Tilgung  der  Anleihe  nicht
erforderliche  Reinertrags-Ueberschuß  der  Gasanstalt,  zugeführt  werden.

Die  planmäßige  Tilgung  beginnt  mit  dem  Jahre  1870.  und  wird  mit
dem  Jahre  1895.  beendigt  sein.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  Die  Ausloosung  erfolgt  in  öffentlicher  Sihung  des  Magistrats,
  und  zwar  im  Januar  jeden  Jahres,  zuerst  im  Jahre  1870.

Der  Stadtgemeinde  Weißenfels  bleibt  jedoch  das  Recht  vorbehalten,  nicht
nur  den  Tilgungsfonds  Behufs  schnellerer  Abtragung  der  Schuld  jederzeit  zu
verstärken,  sowie  sämmtliche  umlaufende  Obligationen  auf  einmal  zu  kündigen,
sondern  auch  an  Stelle  des  Ausloosungsverfahrens,  jedoch  unbeschadet  der  p  a

mäßi-
        <pb n="2030" />
        —  1853  —

mäßigen  Tilgung,  den  freihändigen  Ankauf  der  Obligationen  treten  zu  lassen.
Den  Inhabern  der  Schuldverschreibungen  steht  ein  Kündigungsrecht  nicht  zu.

Die  ausgeloosten,  beziehungsweise  die  gekündigten  Obligationen  werden
unter  Bezeichnung  ihrer  Nummer)  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung
  der  Darlehnsvaluta  erfolgen  soll,  öffentlich  bekannt  gemacht  Diese  Bekanntmachung
  erfolgt  fünf  und  drei  Monate  vor  dem  Zahlungstermine  je  einmal
  in  dem  Staatsanzeiger,  in  dem  Amtäblatte  der  Königlichen  Regierung  zu
Merseburg  und  in  dem  hiesigen  Kreisblatte.  Sollte  eines  oder  das  andere  der
hierzu  bestimmten  Blätter  eingehen,  so  bestimmt  der  Magistrat  mit  Genehmigung
der  Königlichen  Regierung  zu  Merseburg,  in  welchem  anderen  Blatte  die  Beamemah
  erfolgen  "ol,  und  publizirt  dies  durch  die  übrigen  oben  genannten

ätter.

Als  Zahlungstermin  wird  rücksichtlich  der  ausgeloosten  Obligationen  jederzeit
  der  1.  Juli  des  Jahres,  in  welchem  dieselben  zur  Ausloosung  gekommen
sind,  festgehalten  werden)  hinsichtlich  der  etwa  außerdem  gekündigten  Obligationen
aber  wird  je  nach  der  Zeit  der  Kündigung  der  auf  diese  letztere  unmittelbar  folgende
  2.  Januar  oder  1.  Juli  der  Rückzahlungstag  sein.  Bis  zu  dem  Tage,
wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wirs  es  in  halbjährlichen  Terminen,
  am  2.  Januar  und  1.  Juli  jeden  Jahres,  vom  e  .  .  .  ..  an  mit
fünf  Prozent  jährlich  verzinst.

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückzabe
  der  ausgegebenen  Zinskupons,  besiehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,

ei  der  Stadt-Hauptkasse  zu  Weißenfels  nach  Eintritt  des  Fälligkeitstermins.
Auch  werden  die  fälligen  Kupons  jederzeit  von  der  Stadt=  Hauptkasse  an  Zahlungsstatt
  angenommen  werden.  Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten
  Schuldverschreibung  sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren
Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betra

vom  Kapitale  abgezogen.  Die  ausgeloosten,  beziehungsweise  gekündigten  Kapitalbeträge,
  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem  Rüchzahlungstermine  nicht  erhoben
  worden,  sowie  die  innerhalb  der  nächsten  vier  Kalenderjahre  nach  Ablauf
des  Fälligkeitsjahres  nicht  erhobenen  rückständigen  Zinsen,  verjähren  zu  Gunsten  der
Stadt  Weißenfels.

Die  im  Wege  der  Ausloosung  getilgten,  sowie  die  etwa  Behufs  planmäßiger
  Tilgung  freihändig  angekauften  Obligationen  werden  in  Gegenwart  des
Magistrats  in  einer  zu  diesem  Lwecke  alljährlich  abzuhaltenden  Sitzung  vernichtet,
und  wird  darüber,  daß  und  wie  solches  geschehen,  jedesmal  eine  besondere  Verhandlung
  aufgenommen  und  zu  den  Akten  gebracht  werden.  In  Ansehung  der
verlorenen  oder  vor  ihrer  Einlösung  vernichteten  Obligationen  finden  die  au  das
Aufgebot  und  die  Amortisation  von  Staatsschuldscheinen  Bezug  habenden  Vorschriften
  der  Verordnung  vom  16.  Juni  1819.  IF.  1.  bis  12.  mit  nachstehenden
näheren  Bestimmungen  Anwendung:

a)  die  im  F.  1.  jener  Verordnung  vorgeschriebene  Anzeige  muß  dem  Maistrate
  in  Weißenfels  gemacht  werden.  Diesem  Ö  en  alle  diejenigen
eschäfte  und  Befugnlse  zu)  welche  nach  der  angeführten  Verordnung

(Tr.  6924.)  dem
        <pb n="2031" />
        —  1854  —

dem  Schatzministerium  zukommen)  gegen  die  Verfügung  des  Magistrats
gien  jedoch  der  Rekurs  an  die  vorgesetzten  Kommunal=  Aufsichtsbehören
  statt;

b)  das  im  J.  5.  gedachte  Aufgebot  erfolgt  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte
in  Naumburg;

)  die  in  den  I§P.  6.  9.  und  12.  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen  sollen
durch  die  in  dieser  Obligation  oben  bezeichneten  Blätter  geschehen.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  dem  unterzeichneten  Magistrate  anmeldet  und  den  stattgehabten
on  der  Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  sonst  in
glaubhafter  Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der
gemeldeten  und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  2
gezahlt  werden.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  halbjährige,  bis  u.
.......  reichendeZinskuonsausgegebenFürdieweitereZeitwerdenZinös
kupons  auf  fünfjährige  Perioden  ausgereicht.  Die  jedesmalige  Ausgabe  einer
neuen  Zinskupons=  Serie  erfolgt  bei  der  Stadt-  Hauptkasse  u  Geigen  els  gegen
Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons  Serie  beigedruckten  Talons.  Beim  Verluste
  des  letzteren  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen  Zinskupons.  Serie  an  den
Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  die
Stadt  Weißenfels  mit  ihrem  gesammten  Vermögen.

Oessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrist
ertheilt.

Weißenfels,  den  ..  ten  ..  ..  ..  18..

Der  Magistrat.

(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  eines  anderen  Magistratsmitgliedes.)


etrag  der  aninskupons
  gegen  Quittung  aus-Eingetragen

  Fol.  A  .....

Der  Kassenkontroleur.  Der  Stadtkämmerer.
        <pb n="2032" />
        —  1855  —

 

 

Provinz  Sachsen,  Regierungsbezirk  Merseburg.

Zins-Kupon
zur
Obligation  der  Stadt  Weißenfels
Littr.  W—.
lautend  über
.  .  .  ....  .  .  .  ..  Thaler
zu  fünf  Prozent  verzinslich.

Inhaber  dieses  Kupons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  am  „ien
18..  und  späterhin  an  fälligen  halbjährlichen  Zinsen  der

vorbenannten  Stadt-Obligation
...............  ThalerSilbergrpfcheu

aus  der  Stadt-Hauptkasse  zu  Weißenfels.
Weißenfels,  den  n  18.

(Trockener  Stempel.)
Der  Magistrat.

(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  eines  anderen  Magistratsmitgliedes.)


Dieser  Zinskupon  wird  ungültig,  wenn  dessen  Geldbetrag  nicht  innerhalb
  vier  Jahren  nach  Ablauf  des  Kalenderjahres,  in  welchem  er  fällig  geworden,
  erhoben  wird.

 

 

(Nr.  6924.)  Pro-
        <pb n="2033" />
        —  1856  —

 

 

provinz  Sachsen,  Negierungsbezirk  Merseburg.

Talon

zu  der
Obligation  der  Stadt  Weißenfels
Littr.  ..  ...  M.  ....

lautend  über
zu  fünf  Prozent  verzinslich.

Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  vorbenannten
Obligation  die  #  Serie  Zinskupons  für  die  Jahre  18.  bis  18.
bei  der  Stadt-  Hauptkaffe  in  Weißenfels,  sofern  nicht  von  dem  Inhaber  der
Obligation  gegen  diese  Ausreichung  protestirt  worden  ist.

Weißenfels,  den  ren  18.
(Trockener  Stempel.)
Der  Magistrat.

(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  eines  anderen  Magistratsmitgliedes.)


 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats=  Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="2034" />
        —  1857  —

Gesetz-Sammlung

für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

JJNr.  122.—

 

(Nr.  6925.)  Privilegium  wegen  Ausgabe  auf  jeden  Inhaber  lautender  Obligationen  der
Stadt  Wittenberg,  Regierungsbezirka  Merseburg,  zum  Betrage  von
50,000  Thalern.  Vom  28.  Oktober  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  r#c.

Nachdem  der  Magistrat  der  Stadt  Wittenberg  im  Einverständnisse  mit  der
Stadtverordneten-Versammlung  darauf  angetragen  hat,  zur  theilweisen  Bestreitung
außerordentlicher,  zur  Einrichtung  der  städtischen  Gasbeleuchtung  erforderlicher
Ausgaben  ein  Anlehen  von  50,000  Thalern  aufnehmen  und  zu  diesem  Zwecke
auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinsscheinen  versehene  Stadt-Obligationen  ausgeben
  zu  dürfen,  ertheilen  wir  in  Gemäßheit  des  F.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni

833.  wegen  Ausstellung  von  Papieren)  welche  eine  Zahlungsverpflichtung  auf
jeden  Inhaber  enthalten,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  zur  Ausstellung  von
funfzig  Tausend  Thalern  Wittenberger  Stadt.  Obligationen,  welche  nach  dem
„anliegenden  Schema  in  500  Apoints  zu  Einhundert  Thalern  auszufertigen,  mit
vier  und  einhalb  vom  huet  jährlich  zu  verzinsen  und,  von  Seiten  der  Gläubiger
  unkündbar,  vom  Jahre  1868.  ab,  mit  Einschluß  desselben,  nach  dem  festeulen

  Tilgungsplane  durch  Ausloosung  oder  Ankauf  mit  mindestens  zwei
Prezent  der  Kapitalschuld  unter  Hinzurechnung  der  durch  die  Tilgung  ersparten
Zinsen  und  des  künftigen  Reinertrages  der  Gasanstalt,  soweit  sescher  die  planmäßigen
  Zins-  und  Tilgungsbeträge  etwa  übersteigt,  innerhalb  längstens  27  Jahren
zu  amortisiren  sind,  mit  Vorbehalt  der  Rechte  Dritter,  Unsere  landesherrliche
Genehmigung,  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern  der  Obligationen  in  Ansehung
ihrer  Befrieclgun)  eine  Gewährleistung  Seitens  des  Staats  zu  bewilligen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insagel

Gegeben  Berlin,  den  28.  Oktober  1867.

U.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

Johrgang  1867.  (Nr.  6925.)  244  Pro-Ausgegeben
  zu  Berlin  den  5.  Dezember  1867.
        <pb n="2035" />
        —  1858  —

Provinz  Sachsen,  Kegierungebezirk  Merseburg.
(Wittenberger  Stadtwappen.)

Obligation  der  Stadt  Wittenberg
uͤber

Einhundert  Thaler

Ausgefertigt  in  Gemäßheit  des  landesherrlichen  Privilegiums  vom  ..  ten  ..........  18.
(Gesetz  Samml.  18  S.  )

 

Wir  Magistrat  der  Stadt  und  Festung  Wittenberg  urkunden  und  bekennen
hiermit,  daß  der  Inhaber  dieses  Schubsscheines  der  Fen  Stadt  ein  Darlehn
  von  100  Thalern,  schreibe:  Einhundert  Thalern  Preußisch  Kurant  gegeben
hat,  dessen  Empfang  wir  hiermit  bescheinigen.  Diese  Schuldsumme  bildet  einen
Theil  des  zur  Einrichtung  einer  städtischen  Gasbeleuchtung  in  Gemäßheit  des
Allerhöchsten  Privilegiums  vom  .  .  ..  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  aufgenommenen  Darlehns
von  50,000  Thalern.  Die  Rückzahlung  dieses  Darlehns  geschieht  vom  Jahre
1868.  mit  Einschluß  desselben  binnen  längstens  27  Jahren  nach  Maaßgabe  des
festgestellten  Tilgungsplanes  dergestalt,  daß  die  darin  für  jedes  Jahr  ausge,
worfene  Amortisationsrate  in  den  Stadthaushalts-Etat  aufgenommen  und  aus
diesem  Tilgungsfonds  alljährlich  die  entsprechende  Anzahl  Stadt-Obligationen
mittelst  Ausloosung  oder  freien  Ankaufs  eingelöst  wird.  Auch  ist  die  Stadt.
gemeinde  Wintenberg  verpflichtet,  jährlich  zur  Tilgung  noch  diejenigen  Ueberschüsse
zu  verwenden,  welche  die  Erträge  der  Gasanstalt  über  die  Betriebsausgaben
und  die  planmäßigen  Verzinsungs=  und  Tilgungsbeiträge  etwa  gewähren  werden.
Sie  behält  sich  außerdem  das  Recht  vor,  über  diese  Verpflichtungen  hinaus  die
noch  umlaufenden  Schuldverschreibungen  theilweise  oder  sämmtlich  zu  kündigen.
Den  Gläubigern  steht  kein  Kündigungsrecht  zu.  Die  ausgeloosten,  sowie  die
gekündigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Bezeichnung  ihrer  Nummer,  sowie
des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung  erfolgen  soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.
Diese  Bekanntmachung  erfolgt  drei  Monate  vor  dem  Zahlungstermine  in  dem
Amtsblatte  der  Königlichen  Regierung  zu  Merseburg,  im  Staatsanzeiger  und
Kreisblatte.  Jedesmal,  sobald  eins  der  hierzu  bestimmten  Blätter  eingehen
sollte,  wird  an  Stelle  desselben  mit  Genehmigung  der  Königlichen  Regierung
ein  anderes  Blatt  substituirt.  Bis  zu  dem  Tage,  an  welchem  solchergestalt  das
Kapital  zurückzuzahlen  ist,  wird  dasselle  in  halblährbühen  Terminen,  am  2.  Januar
und  am  1.  Juli)  von  heute  an  gerechnet,  mit  vier  und  einhalb  Prozent  jährlich
verzinst.  Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückabe
  der  auszugebenden  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,
ha  der  Sinditsfe  zu  Wittenberg  nach  dem  Eintritt  des  Fälligkeitstermins.  M

it
        <pb n="2036" />
        —  1859  —

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.
  Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem

uckzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren  nach

Ablauf  des  Kalenderjahres,  in  welchem  sie  zahlbar  geworden  sind,  nicht  erhobenen

Zinsen,  verjähren  zu  Gunsten  der  Stadtgemeinde  Wittenberg.  Wenn  die  zu

tilgenden  Obligationen  statt  der  Ausloosung  aus  freier  Hand  erworben  werden,

so  sollen  die  auf  diesem  Wege  getilgten  Nummern  jedesmal  durch  die  oben
bemerkten  Blätter  bekannt  gemacht  werden.  In  Ansehung  der  verlorenen  oder
vernichteten  Obligationen  oder  Zinskupons  finden  die  auf  die  Staatsschuldscheine
und  deren  Kupons  Beug  habenden  Vorschriften  der  Verordnung  vom  16.  Juni

1819.  wegen  des  Aufgebots  und  der  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter

Staatspapiere,  S#  1.  bis  13.,  mit  nachstehenden  Maaßgaben  Anwendung:

a)  die  im  F.  1.  jener  Verordnung  vorgeschriebene  Anzeige  muß  dem  Magistrat
gemacht  werden,  welchem  alle  diejenigen  Geschäfte  und  Befugnisse  zustehen,
welche  nach  der  angeführten  Verordnung  dem  Schatzministerium  zukommen)
  gegen  die  Verfügungen  des  Magistrats  findet  Rekurs  an  die
Kommunal-=  Aufsichtsbehörde  statt;

b)  das  im  §.  5.  gedachter  Verordnung  bezeichnete  Aufgebot  erfolgt  bei  dem
hiesigen  Königlichen  Kreiegerichte)

e)  die  in  den  §9.  6.  9.  und  12.  jener  Verordnung  vorgeschriebenen  Bekanntmachungen
  sollen  durch  diejenigen  Blätter  geschehen,  durch  welche  die

.  ausgeloosten  Obligationen  veröffentlicht  werden;

d)  an  bie  Stelle  der  im  §.  7.  jener  Verordnung  erwähnten  sechs  Zinszah-=lungstermine
  sollen  vier,  und  an  die  Stelle  des  im  F.  8.  erwähnten
achten  Zahlungstermins  soll  der  fünfte  treten.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind#  halbjährliche  Zinskupons  ausgegeben
  ji  die  ferneren  Zinskupons  werden  für  fünfjährige  Perioden  ausgegeben
werden.

Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt  bei  der  Stadtkasse  in
Wittenberg  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten
Talons.  s  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen  Zinskupons=
  Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung
rechtzeitig  geschehen  ist.  —

Zur  Sichecheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  die
Stadtgemeinde  Wittenberg  mit  ihrem  Vermögen.

Dessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
  ertheilt.

Wittenberg,  den  .....  .  ...  18.

Der  Magistrat.
(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  eines  Magistratsmitgliedes.)
Eingetragen  Fol  As  .....

(Nr.  6925.)  244*  Pro-
        <pb n="2037" />
        —  1860  —

Provinz  Sachsen,  Negierungebezirk  Merseburg.
Serie

Zinskupon

über
zwei  Thaler  sieben  Silbergroschen  sechs  Pfennige  Zinsen
der  Stadt-Obligation  ##..4  über  100  Thaler.

Inhaber  dieses  Kupons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  am  ......  ..
........  18diehalbjahrtgenZinsenderStadtObltgatwnMfur  das
Halbjahtvom......................  bs.·....................
wet  Thalern  sieben  Silbergroschen  sechs  Pfennigen  aus  der  Stadtkasse  nu

ittenberg

Wittenberg,  den  ..  ten  ..  ....  18..
Der  Magistrat.
(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  eines  Magistratsmitgliedes.)

Dieser  Zinskupon  verfährt  ingerba  deb
im  Gesetze  vom  31.  März  1838.  (I.  5.  Nr.  3.)
bezeichucten  viersährigen  Zeitraums,  vrrliert
%  mit  dem  31.  Dezember  18  seine  Gül.
tigkeit.

Provinz  Sachsen,  Negierungebezirk  Merseburg.

Dalon

zu  der

Obligation  der  Stadt  Wittenberg

%  -S-4
über
100  Thaler  zu  vier  einhalb  Prozent  verzinslich.

Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  vorbenannten
Obliganon  die  6  Serie  Zinskupons  die  fünf  Jahre  18.  bis  18.  bei
der  Stadtkasse  zu  Wittenberg,  sofern  nicht  von  dem  Inhaber  der  Obligation
gegen  diese  Ausreichung  protestirt  worden  ist.

Wittenberg,  den  nn  18.

Der  Magistrat.
(Faksimile  der  Unterschrift  des  Magistratsdirigenten  und  eines  Magistratsmitgliedes.)

 

(Tr.  6920)
        <pb n="2038" />
        —  1861  —

(Nr.  6926.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  28.  Oktober  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiska.
lischen  Vorrechte  an  die  Gemeinden  Groß-Rottmersleben,  Ackendorf  und
Klein  Santersleben  im  Kreise  Neuhaldensleben,  Regierungsbezirk  Magdeburg,
  in  Bezug  auf  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Gemeinde-Chaussee
  von  Groß-Rottmersleben  über  Ackendorf  bis  zur  Neuhaldenslebener
  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Gutenswegen.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Gemeinde-Chaussee
  von  Groß-Rottmersleben  über  Ackendorf  bis  zur  Neuhaldenslebener
Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Gutenswegen,  im  Kreise  Neuhaldensleben,  Regierungsbezirk
  Magdeburg,  genehmigt  habe)  verleihe  Ich  hierdurch  den  Gemeinden
Groß-Rottmersleben,  Ackendorf  und  Klein-  Santersleben  das  Expropriationsrecht
für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur
Entnahme  der  Chausseebau-  und  Unterhaltungs=  Materialien,  nach  Maaßgabe  der
für  die  Staats-  Chausseen  bestehenden  Verschristen,  in  Bezug  auf  diese  Straße.
Zugleich  will  Ich  den  genannten  Gemeinden  egen  Uebernahme  der  künftigen
chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chauffer
eldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden
hausseegeld-Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über
die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,
  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt
  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife
vom  29.  Februar  1840.  anghängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausfseepolizei-Vergehen
  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.
Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  28.  Oktober  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

C  r.  6926—f60.7)  (Nr.  6927.
        <pb n="2039" />
        1862  —

(Nr.  6927.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  28.  Oktober  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  fiskalischen
  Vorrechte  an  die  Gemeinde  Walbeck,  im  Kreise  Gardelegen,  in
Bezug  auf  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Gemeinde-Chaussee  von
der  Weferlingen-Walbeck-  Schwanefelder  Chaussee  im  Orte  Walbeck  ab
nach  Helmstädt  zu  bis  zur  Walbecker  Feldmarkgrenze.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Gemeinde-Chaussee
  im  Kreise  Gardelegen,  des  Regierungsbezirks  Magdeburg,  von  der
Weferlingen-Walbeck-Schwanefelder  Chaussee  im  Orte  Walbeck  ab  nach  Helmstädt
zu  bis  zur  Walbecker  Feldmarkgrenze  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  der
Gemeinde  Walbeck  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen
Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-
  Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden
Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will  Ich  der  genannten
Gemeinde  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der
Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen
des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Hhausser  eld-Tarifs,  einschließlich
der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der
sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen
  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch
verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.
angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachte
Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz.  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  28.  Oktober  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.
An  den  Finanzminister,  den  Minister  für  Handel,

Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  und  den
Minister  des  Innern.

 

(Nr.  6928.)
        <pb n="2040" />
        —  1863  —

(Nr.  6928.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  30.  Oktober  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  die  Kreise  Minden  und  Herford  in  Bezug  auf
den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee  von  Oeynhausen,  im
Kreise  Minden,  über  Erter,  im  Kreise  Herford,  bis  zur  Landesgrenze
in  der  Richtung  auf  Salzuffeln  im  Fürstenthum  Lippe-Detmold.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  von  den  Kreisen
Minden  und  Herford,  im  Regierungsbezirk  Minden,  beabsichtigten  Bau  einer
Chaussee  von  Oeynhausen,  im  Kreise  Minden,  über  Exter,  im  Kreise  Herford,
bis  zur  Landesgrenze  in  der  Richtung  auf  Salzuffeln  im  Fürstenthum  Lippe-Detmold
  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  den  Kreisen  Minden  und  Herford,
  einem  jeden  für  die  von  ihm  zu  bauende  Strecke,  das  Expropriationsrecht
für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur
Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs=  Materialien,  nach  Maaßgebe
der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese
Straße.  Zugleich  will  Ich  den  genannten  Kreisen  gegen  Uebernahme  der
künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebun
des  Chaussogel  es  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesma
geltenden  Chausseegeld-Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen
  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden
zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von
Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife
  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen
  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  30.  Oktober  1867.
Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6928—6929.)  (Nr.  6929.)
        <pb n="2041" />
        —  1864  —

(Nr.  6929.)  Bestätigungs=  Urkunde,  betreffend  den  Vierten  Nachtrag  zum  Statut  der  Neisse-Brieger
  Eisenbahngesellschaft.  Vom  9.  November  1867.

Wir  Wilbelm)  von  Gottes  Gnaden  Kdnig  von  Preußen  2c.

Nachdem  die  Neisse-Brieger  Eisenbahngesellschaft  in  der  Generalversammlung
ihrer  Aktionaire  vom  24.  Juni  1867.  die  in  dem  anliegenden  Nachtrage  zu  ihrem
unterm  13.  März  1846.  (Gesetz=  Samml.  S.  129.)  landesherrlich  bestätigten
Statut  enthaltenen  Aenderungen,  beziehungsweise  Ergänzungen  desselben  beschlossen
hat,  wollen  Wir  diesen  Beschlüssen  Unsere  Genehmigung  hierdurch  ertheilen.

Die  gegenwärtige  Urkunde  ist  nebst  dem  Starutnachtrage  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zu  veröffentlichen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  9.  November  1867.

(#.  S.)  Witlhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

Vierter  Nachtrag
zum

Statut  der  Neisse-Brieger  Eisenbahngesellschaft.

K.  1.

Der  Gesellschaftsfonds  wird  um  die  Summe  von  zweimalhundertfunfzig  Tausend
Thalern  vermehrt,  die  zur  Verbesserung  und  Vervollständigung  der  Bahnanlagen,

sowie  zur  Vermehrung  der  Betriebsmittel  verwendet  werden  sollen.
Die  Aufbringung  der  vorstehend  gedachten  Summe  erfolgt  durch  Kreirung

von  broentigen  Pröriüäts  Obligationen.

ie  Bedingungen,  unter  denen  die  Kreirung  und  Emission,  sowie  die  Versinsung
  und  Amortisation  dieser  Obligationen  slendet,  werden  durch  ein  besoneres
  Allerhöchstes  Privilegium  festgesetzt.  2
        <pb n="2042" />
        —  1865  —

K.  2.
An  Stelle  des  §.  5.  des  Gesellschafts-Statuts  treten  die  folgenden  Bestimmungen:


Der  gegenwärtig  bestehende  Reservefonds  wird  aufgelöst.  Statt  desselben
werden:
1)  ein  Reservefonds,

2)  ein  Erneuerungsfonds
gebildet.

Der  Reservefonds  ist  bestimmt  zur  Deckung  der  in  außerordentlichen  Fällen
eintretenden,  ungewöhnlichen,  größeren  Betriebsausgaben,  insbesondere  solcher,  die
durch  außerordentliche  Elementar-Ereignisse  oder  durch  Unglücksfälle  beim  Betriebe
verursacht  werden.

Der  Reservefonds  erhält  jährlich  einen  Zuschuß  aus  den  Betriebseinnahmen,
der  ein  Drittel  Prozent  des  Anlagekapitals  nicht  überschreiten  darf.

Es  erfolgen  indeß  Zuschüsse  aus  den  Betriebseinnahmen  nur  so  lange,  bis
der  Reservefonds  die  Summe  von  25),000  Thalern  erreicht  hat,  und  demnächst
bis  zu  dem  oben  angegebenen  Prozentsatze  nur  insoweit,  als  zur  Kompletirung
des  Mazimaldbestandes  erforderlich  ist.

ie  beim  Reservefonds  aufkommenden  Zinsen  werden,  wenn  derselbe  die
Höhe  von  25/000  Thalern  erlangt  hat,  den  Betriebseinnahmen  zugeschlagen.

Aus  dem  Erneuerungsfonds  sind  die  Kosten  der  Erneuerung  des  Oberbaues,

  der  Brücken  und  der  Fahrbetriebsmittel  zu  bestreiten.

In  den  Erneuerungsfonds  fließen:

a)  die  Einnahmen  aus  dem  Verkaufe  der  bei  der  Erneuerung  gewonnenen
alten  Materialien;

b)  ein  jährlicher  Zuschuß  aus  den  Betriebseinnahmen,  dessen  Höhe  entweder
nach  Prozentsätzen  von  dem  Werthe  der  zu  erneuernden  Gegenstände,
oder  der  wirklichen  Abnutzung  entsprechend  nach  den  Wagenachs=  oder
den  Lokomotivmeilen  des  Jahresbetriebes  berechnet  wird.

Für  die  Formirung,  Dotirung  und  Verwendung  des  Reserve=  und  des
Erneuerungsfonds  werden  von  dem  Direktorium  besondere  Reglements  aufgestellt,
die  der  Genehmigung  der  Staatsbehörde  unterliegen.

K.  3.
An  Stelle  des  F.  16.  des  GesellschaftsStatuts  tritt  folgende  Bestimmung:

Als  Dividende  sind  diejenigen  Einnahme=  Ueberschüsse  zu  vertheilen,  welche
nach  Abzug  der  Verwaltungs-,  Unterhaltungs-,  Betriebs=  und  sonstigen  Ausgaben,
  der  auf  dem  Unternehmen  haftenden  Lasten,  sowie  der  an  den  Reserve.
und  den  Erneuerungsfonds  abzuführenden  Beträge  verbleiben.

Jehrgang  1867.  (Nr.  6929.)  245  .  4.
        <pb n="2043" />
        —  1866  —

K.  4.

In  Ergänzung  des  §J.  18.  des  Gesellschafts-Statuts  wird  bestimmt:

Dividendenscheine  von  Aktien  können  weder  aufgeboten,  noch  mortifizirt
werden.  Jedoch  soll  demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Dividendenscheinen
vor  Ablauf  der  Verjährungsfrist  bei  dem  Direktorium  anmeldet  und  den  stattgehabten
  Besitz  in  glaubhafter  Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrit
der  Betrag  der  angemeldeten  und  bis  dahin  nicht  zum  Vorschein  gekommenen
Dividendenscheine  gegen  Quittung  ausgczahlt  werden.

G.  5.
An  Stelle  des  ersten  Satzes  des  §.  20.  des  Gesellschafts  =  Statuts  tritt
folgende  Bestimmung:
Die  ordentlichen  Generalversammlungen  finden  jährlich  in  der  ersten  Hälfte
des  Jahres  statt.

*)m-Zum

  F.  28.  des  Gesellschafts-Statuts  tritt  die  folgende  ergänzende  Be.
stimmung:

Wird  die  Annahme  der  Wahl  Seitens  gewählter  Mitglieder  des  Oirektoriums
  oder  des  Ausschusses  oder  von  Stellvertretern  unmitttelbar  in  der  Generalversammlung
  abgelehnt,  dann  hat  die  letztere  sofort  Neuwahlen  für  die  ab.
gelehnten  Wahlen  vorzunehmen.

S.  7.

An  Stelle  des  zweiten  Alinea  des  F.  40.  des  Gesellschafts-Statuts  tritt
folgende  Bestimmung:

Gerichtliche  und  außergerichtliche  Erklärungen  jeder  Art  werden  von  zwei
Personen,  nämlich  von  dem  Vorsitzenden  des  Direktoriums  oder  seinem  Stell.
vertreter,  oder  von  einem  dazu  ernannten  Mitgliede  des  Direktoriums,  und  einem
in  Breslau  wohnenden  Beamten  der  Gesellschaft  mit  rechtsverbindlicher  Kraft
vollzogen.  Der  Lettere  und  ein  Substitut  für  denselben  für  Verhinderungsfälle
werden  von  dem  Direktorium  gewählt  und  in  einer  von  sämmtlichen  Mitgliedem
des  Direktoriums  oder  deren  Stellvertretern  auszustellenden  gerichtlichen  oder
notariellen  Vollmacht  ermächtigt,  alle  Erklärungen  der  Gesellschaft  in  der  oben
angegebenen  Weise  zu  zeichnen.

(Nr.  6930.)
        <pb n="2044" />
        —  1867  —

(Nr.  6930.)  Privilegium  wegen  Emission  von  Prioritäts-Obligationen  der  Reisse-Brieger
Eisenbahngesellschaft  zum  Betrage  von  zweimalhundertfunfzig  Tausend
Thalern.  Vom  9.  November  1867.

Wir  Wilhelm,)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #c.

Nachdem  von  Seiten  der  Neisse-Brieger  Eisenbahngesellschaft  auf  Grund
des  in  der  Generalversammlung  vom  21.  Juni  1867.  gefaßten  Beschlusses  darauf
anpetragen  worden  ist,  ihr  zur  Verbesserung  und  Vervollständigung  der  Bahnanlagen
  und  zur  Vermehrung  der  Betriebsmittel  die  Aufnahme  einer  Anleihe
von  zweimalhundertfunfzig  Tausend  Thalern  gegen  Ausstellung  auf  den  Inhaber
lautender  und  mit  Zinskupons  und  Talons  versehener  Prioritäts-Obligationen
zu  gestatten,  wollen  Wir  in  Berücksichtigung  der  uns  dargelegten  Nothwendigkeit
und  Zweckmäßigkeit  der  beabsichtigten  Geldbeschaffung,  sowie  in  Gemäßheit  des
9.  2.  des  Gasetes  vom  17.  Juni  1833.  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere
andesherrliche  Genehmigung  zur  Ausgabe  der  gedachten  Obligationen  unter  nachstehenden
  Bedingungen  ertheilen.

S.  1.

Die  zu  emittirenden  Obligationen  werden  unter  der  Bezeichnung,  „Prioritäts
  .  Obligationen  der  Neisse=  Brieger  Eisenbahngesellschaft  Littera  B./“  unter
fortlaufenden  Nummern  und  der  Unterschrift  zweier  Mitglieder  des  Direktoriums
oder  zweier  Stellvertreter  und  der  des  Rendanten  nach  dem  beigefügten  Schema  I.
stempelfrei  ausgefertigt.

Dieselben  zerfallen  in:

300  Stück  zu  500  Thaler  von  Nr.  I.  bis  300.,  zusammen.  150,000  Thaler,
1000  100  Nr.  301.  bis  1300.,  zusammen  100,000

Summa  .  ..  -  250,000  Thaler.

Auf  der  Rückseite  der  Obligationen  wird  das  gegenwärtige  Privilegium
abgedruckt.

Jeder  Obligation  werden  Zinskupons  für  fünf  Jahre  und  ein  Talon  zur
Erhebung  fernerer  Kupons  nach  Ablauf  von  fünf  Jahren  nach  den  weiter  ber.
gefügten  Schemas  II.  und  IIl.  beigegeben.

"n  Die  Kupons,  sowie  der  Talon  werden  mit  der  faksimilirten  Unterschrift
zweier  Mitglieder  des  Direktoriums  und  des  Rendanten  versehen  und  alle  fünf
Jahre  auf  besonders  zu  erlassende  Bekanntmachung  erneuert.

Die  Ausreichung  der  neuen  Zinskupons  erfolgt  an  den  Präsentanten  des
Talons  —  mit  dessen  Rückgabe  zugleich  über  den  Empfang  der  neuen  Serie
Zinskupons  nebst  Talon  quittirt  wird  —  sofern  nicht  vor  dessen  Fälligkeitstermin
dagegen  von  dem  Inhaber  der  Obligation  bei  dem  Direktorium  schriftlich  Widerspruch
  erhoben  ist.  Im  Falle  solchen  Widerspruchs  werden  die  Kupons  zum
Depositorium  des  Stadtgerichts  zu  Breslau  gebracht  und  die  streitenden  Interessenten
  zur  Entscheidung  über  den  unter  ihnen  streitigen  Anspruch  auf  den
Rechtsweg  verwiesen.

Nr.  6930.  245“  5.  2.
        <pb n="2045" />
        —  1868  —
K  2.

Die  Prioritäts-Obligationen  werden  mit  vier  und  einem  halben  Prozent
jährlich  verzinst  und  die  Zinsen  in  halbjährlichen  Terminen  am  1.  Januar  und
1.  Juli  jeden  Jahres  in  Breslau  und  Berlin  gezahlt.  Zinsen  von  Prioritäts-Obligationen,
  die  innerhalb  vier  Jahren  von  dem  in  dem  betreffenden  Kupon
bezeichneten  Zahlungstage  an  nicht  erhoben  sind,  verfallen  zum  Vortheil  der  Gesellschaft.
  +

Die  Inhaber  der  Prioritäts  -Obligationen  sind  auf  Höhe  der  darin
verschriebenen  Kapitalsbeträge  und  der  dafür  nach  H.  2.  zu  zahlenden  insen
Gläubiger  der  Reisse-Brieger  Eisenbahngesellschaft  und  haben  in  dieser  Eigenschaft
  an  dem  gesammten  Vermögen  der  Gesellschaft  und  dessen  Erträgen  ein
unbedingtes  Vorzugsrecht  vor  den  Stammaktien  nebst  deren  Dividenden.

Dagegen  bleibt  den  auf  Grund  des  Allerhöchsten  Privilegiums  vom  27.  Dezember
  1858.  emittirten  Prioritäts-Obligationen  im  Betrage  von  100,000  Thalern
nebst  Zinsen  das  denselben  in  Ansehung  des  gesammten  Gesellschaftsvenmögens
vorbehaltene  Vorzugsrecht  vor  den  auf  Grund  des  gegenwärtigen  Grivilegiume
zu  emittirenden  Obligationen  ausdrücklich  reservirt  und  gesichert.  ine  weitere
Bemehrung  des  Gesellschaftskapitals  durch  Emission  von  Aktien  oder  Prioritäts-Obligationen
  darf  nur  dann  erfolgen,  wenn  den  auf  Grund  des  gegenwärtigen
Privilegiums  einittirten  Prioritäts-Obligationen  nebst  Zinsen  das  Verzagorch
eingeräumt  wird.

Eine  Veräußerung  der  zum  Bahnkörper  und  zu  den  Bahnhöfen  erforderlichen,
  der  Gesellschaft  gehörigen  Grundstücke  ist  unstatthaft,  so  lange  die  Prioritäts-Obligationen
  der  gegenwärtigen  Emission  nicht  eingelöst  sind  oder  deren
Einlösungsbetrag  nicht  gerichtlich  deponirt  ist.  Diese  Veräußerungsbeschränkung
bezieht  sich  jedoch  nicht  auf  die  außerhalb  der  Bahn  und  der  Bahnhöfe  befindlichen
Grundstücke,  auch  nicht  auf  solche,  welche  innerhalb  der  Bahnhöfe  etwa  an  den
Staat  oder  an  Gemeinden  zu  öffentlichen  Zwecken  abgetreten  werden  möchten.

S.  4.

Die  Prioritäts-Obligationen  unterliegen  der  Amortisation,  welche  mit  dem
Jahre  1869.  beginnt  und  durch  alljährliche  Verwendung  von  1250  Thaler  und
den  auf  die  eingelösten  Prioritäts-Obligationen  fallenden  Zinsen  ausgeführt  wird.
Die  Nummern  der  für  ein  Jahr  zu  amortisirenden  Prioritäts-Obligationen
werden  alljährlich  im  Monat  April  durch  das  Loos  bestimmt  und  binnen  vierzehn
Tagen  nach  erfolgter  Verloosung  öffentlich  bekannt  gemacht.  Die  Auszahlung
des  Nominalbetrages  der  hiernach  zur  Amortisation  gelangenden  Prioritäts-Obligationen
  erfolgt  jedesmal  am  nächsten  1.  Juli.  Der  Neisse-Brieger  Eisenbahngesellschaft
  bleibt  jedoch  das  Recht  vorbehalten,  mit  Genehmigng  des  Staates
sowohl  den  Amortisationsfonds  zu  verstärken  und  dadurch  die  Tilgung  der  Prioritäts-Obligationen
  zu  beschleunigen,  wie  auch  sämmtliche  Prioritäts-Obligationen
Littr.  B.  durch  die  öffentlichen  Blätter  mit  sechsmonatlicher  Frist  zu  kündigen  und
durch  Zahlung  des  Nennwerthes  einzulösen.

/  5.
        <pb n="2046" />
        —  1869  —

G.  5.

Die  Ausloosung  der  zu  amortisirenden  Prioritäts-Obligationen  geschieht
durch  das  Direktorium  in  Gegenwart  eines  öffentlichen  Rotars  in  einem  vierzehn
Tage  vorher  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringenden  Termine,  zu  welchem  den
Inzabem  der  Prioritäts-Obligationen  der  Zutritt  gestattet  wird.

Ueber  die  erfolgte  Amortisation  ist  dem  vorgesetzten  Königlichen  Eisenbahnkommissariate
  alljährlich  ein  Nachweis  einzureichen.

S.  6.

Die  Auszahlung  der  ausgeloosten  Prioritäts-Obligationen  erfolgt  in  Breslau
  und  Berlin  an  die  Vorzeiger  der  betreffenden  Prioritäts-Obligationen  gegen
Aushändigung  derselben  und  der  dazu  gehörigen,  nicht  fälligen  Zinskupons.  Werden
die  Kupons  nicht  mit  abgeliefert,  so  wird  der  Betrag  der  fehlenden  von  dem
Kapital  gekürzt  und  zur  Finlsung  der  Kupons  verwendet.

Im  Uebrigen  erlischt  die  Verbindlichkeit  der  Gesellschaft  zur  Verzinsung
einer  jeden  Prioritäts-Obligation  mit  dem  1.  Juli  desjenigen  Jahres,  in  welchem
dieselbe  ausgeloost  und,  daß  dies  geschehen,  bekannt  gemacht  worden  ist.

Die  un  Wege  der  Amortisation  eingelösten  Prioritäts-Obligationen  werden
in  Gegenwart  eines  Notars  verbrannt  und  es  wird,  daß  dies  geschehen,  durch
die  öffentlichen  Blätter  bekannt  gemacht.  Die  in  Folge  der  Kapitalsrückforderun
von  Seiten  des  Inhabers  (F.  7.)  oder  in  Folge  einer  Kündigung  (§.  4.)  Mßerhals
der  Amortisation  eingelösten  Prioritäts-Obligationen  hingegen  ist  die  Gesellschaft
wieder  auszugeben  befugt.

S.  7.

Die  Inhaber  der  Prioritäts-Obligationen  sind  nicht  befugt,  die  Jahlung
der  darin  verschriebenen  Kapitalsbeträge  anders,  als  nach  Maaßgabe  der  im  F.  4.
getroffenen  Bestimmungen  zu  fordern,  ausgenommen:

a)  wenn  ein  Zinszahlungstermin  länger  als  drei  Monate  unberichtigt  bleibt,

p)  wenn  der  Transportbetrieb  auf  der  Eisenbahn  durch  die  Schuld  der
Gesellschaft  länger  als  sechs  Monate  ganz  aufhört,

)  wenn  die  im  F.  4.  festgesetzte  Amortisation  nicht  inne  gehalten  wird.

In  den  Fällen  bei  n.  und  b.  bedarf  es  einer  Kürdigungefeit  nicht,  sondern
das  Kapital  kann  von  dem  Tage  ab,  an  welchem  einer  dieser  Fälle  eintritt,
zurückgefordert  werden,  und  zwar:

bei  n.  bis  zur  Zahlung  des  betreffenden  Zinskupons,
bei  h.  bis  zur  Wiederherstellung  des  unterbrochenen  Transportbetriebes.

In  dem  sub  c.  gedachten  Falle  ist  eine  dreimonatliche  Kündigungsfrist
zu  beobachten)  auch  kann  der  Inhaber  einer  Prioritäts-Obligation  von  diesem
Kündigungsrechte  nur  innerhalb  dreier  Monate  von  dem  Tage  ab  Gebrauch
machen,  wo  die  Jahlung  des  Amortisationsguantums  hätte  stattfinden  sollen.  Die

(Nr.  6930)  Kün.
        <pb n="2047" />
        —  1870  —

Kündigung  verliert  indessen  ihre  rechtliche  Wirkung,  wenn  das  Direktorium  die
nicht  e#uchahtene  Amortisation  nachholt  und  zu  dem  Ende  binnen  längstens  dreier
Monate  nach  erfolgter  Kändigung  die  Ausloosung  der  zu  amortisirenden  Prioritäts-Obligationen
  nachträglich  bewirkt.

d.  8.

Diejenigen  Prioritäts-Obligationen,  welche  ausgeloost  oder  gekündigt  sind,
und,  der  Bekanntmachung  durch  die  öffentlichen  Blätter  ungeachtet,  nicht  rechtzeitig
zur  Realisirung  eingehen,  werden  während  der  nächsten  zehn  Jahre  alljährlich  von

em  Direktorium  öffentlich  aufgerufen;  gehen  sie  aber  desemngenchte  nicht  spätestens

  binnen  Jahresfrist  nach  dem  letzten  öffentlichen  Aufrufe  zur  Realisation  ein,
so  erlischt  ein  jeder  Anspruch  aus  denselben  an  das  Gesellschaftsvermögen,  was
unter  Angabe  der  Nummern  der  werthlos  gewordenen  Prioritäts-Obligationen
von  dem  Direktorium  öffentlich  bekannt  zu  machen  ist.

S.  9.

Die  Mortifikation  angeblich  vernichteter  oder  verlorener  Obligationen  erfolgt
im  Wege  des  gerichtlichen  Aufgebots  nach  den  für  das  Aufgebot  von  Privat-Urkunden
  geltenden  gesetzlichen  Bestimmungen.

Zinskupons  und  Talons  können  weder  aufgeboten,  noch  mortifizirt  werden;
jedoch  soll  demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der
Verjährungsfrist  (§.  2.)  bei  dem  Direktorium  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz
in  glaubhafter  Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der
angemeldeten  und  bis  dahin  nicht  zum  Vorschein  gekommenen  Zinskupons  gegen
Quittung  ausgezahlt  werden.

K.  10.

Die  in  diesem  Privilegium  vorgeschriebenen  öffentlichen  Bekanntmachungen
erfolgen  durch  zwei  Breslauer  Zeitungen  und  den  Preußischen  Staatsanzeiger,
oder  die  Zeitung,  die  etwa  an  seine  Stelle  tritt.

Zu  Urkund  dieses  haben  Wir  das  gegenwärtige  landesherrliche  Privilegium
Allerhöchsteigenhändig  vollzogen  und  unter  Unserem  Kälichen  Insiegel  ausfertigen
  lassen,  ohne  jedoch  dadurch  den  Inhabern  der  Obligationen  in  Ansehung
lhrer  Befriedigung  eine  Gewährleistung  von  Seiten  des  Staates  zu  geben  oder

echten  Dritter  zu  präjudiziren.

Das  gegenwirtige  Privilegium  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  bekannt
zu  machen.

Gegeben  Berlin,  den  9.  November  1867.
(l.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

Sche.
        <pb n="2048" />
        —  1871  —

Schema  I.
Prioritäts  -  Obligation  Littera  B.
der
Neisse-Brieger  Eisenbahngesellschaft
über
...............  Thaler  Preußisch  Kurant.

Inhaber  dieser  Obligation  hat  auf  Höhe  des  Betrages  von  ......  ..  ..  Thalern
Preußisch  Kurant  Antheil  an  dem  in  Gemäßheit  des  Allerhöchsten  Privilegiums
vom  .  .ien  .  ..  .  .  .  .  .  .  ..  18..  emittirten  Kapitale  von  250,000  Thalem

Preußisch  Kurant  Prioritäts  -Obligationen  der  Reisse=  Brieger  Eisenbahngesellschaft.

Breslau,  den  .  .ten  ....  ..  .  .  .  .  ..  18..
Direktorium  der  Neisse-Brieger  Eisenbahngesellschaft.
(Unterschrift  zweier  Mitglieder  des  Direktoriums  oder  zweier  Stellvertreter.)

(Stempel.)  Der  Rendant.
Eingetragen  im  Lagerbuche  (Unterschrift.)
Schema  II.
Talon  s
zu  der
Prioritäts-Obligation  Littera  B.
der

Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  vom
ab  die  .###  Serie  der  Zinskupons  für  die  Zeit  vom  ..  .  .  .  .  .  ..  .  bis  ,
sofern  nicht  von  dem  Inhaber  der  Obligation  bei  dem  unterzeichneten  Direktorium
rechtzeitig  schriftlicher  Widerspruch  dagegen  erhoben  ist.  Im  Falle  solchen  Widerspruches
  werden  die  Kupons  zum  Depositorium  des  Königlichen  Stadtgerichts
hierselbst  gebracht  und  die  streitenden  Interessenten  zur  Entscheidung  über  den
unter  ihnen  streitigen  Anspruch  auf  den  Rechtsweg  verwiesen.

Breslau,  den  .  .  .  ..  .  .  .  ..  18..
Direktorium  der  Neisse-Brieger  Eisenbabngesellschaft.
(Faksimile  der  Unterschrift  zweier  Mitglieder  des  Direktoriums.)
(Stempel.)  Der  Rendant.
(Faksimile.)

(Nr.  6930.  Sche-
        <pb n="2049" />
        —  1872  —

Schema  III.
.....  Rthlr...Sgt...Pf.
serie.....  Jst-.«..
Zinskupon
fuͤr  die
Prioritäts-Obligation  Littera  B.
—ie
...........  ThalerSilbergroschenPfennige.hatJnhaberdieses
Kuponsvom................  ab  von  der  Neisse-Brieger  Eisenbahngesellschaft

an  den  durch  öffentliche  Bekanntmachung  bezeichneten  Stellen  zu  erheben.  Dieser
Kupon  wird  ungültig  und  werthlos,  wenn  er  nicht  binnen  vier  Jahren  nach  dem
Fälligkeitstermine  zur  Zahlung  präsentirt  ist.

Breslau,  den.  #enn  .  ..  18.

Direktorium  der  Neisse-Brieger  Eisenbahngesellschaft.
(Faksimile  der  Unterschrift  zweier  Mitglieder  des  Direktoriums.)

(Stempel.)  Der  Rendant.
(Faksimile.)

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="2050" />
        —  1873  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

NNr.  123.

 

(Nr.  6931.)  Verordnung,  betreffend  die  Organisation  der  oberen  Harzverwaltung  in  der
Provinz  Hannover.  Vom  9.  November  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

verordnen,  Behufs  anderweitiger  Organisation  der  oberen  Harzverwaltung  im
Gebiete  des  vormaligen  Königreiches  Hannover,  was  folgt:

Artikel  I.
Das  mit  dem  Bergamte  bisher  vereinigte  Forstamt  zu  Clausthal  wird
aufgehoben.
Artikel  II.

Das  Bergamt  zu  Clausthal  führt  fortan  die  Bezeichnung:  Oberbergamt
zu  Clausthal.

Die  Direktion  der  Forstverwaltung  im  Bezirke  des  bisherigen  Berg-  und
Forstamtes  zu  Clausthal  ist  bis  zur  anderweiten  Organisation  der  Forstbehörden
in  gleicher  Weise  wie  für  die  übrigen  Staatsforsten  im  ehemaligen  Königreiche
Hannover  einstweilen  von  der  Civiladministration  zu  Hannover  wahrzunehmen.

Die  Wahrnehmung  der  Regiminalgeschäfte  des  Berghauptmanns  wird  von
dem  Vorsitze  in  dem  Bergamt  zu  Clausthal  getrennt  und  bis  zur  anderweiten
Organisation  der  Verwaltungsbehörden  im  ehemaligen  Königreiche  Hannover  einem
besonderen  Beamten  übertragen.

Artikel  III.

Dem  Vorsitzenden  des  Oberbergamtes  zu  Clausthal  werden  die  bisherigen
Geschäfte  der  Kommunion-Unterharzischen  Verwaltung  übertragen,)  die  einzelnen
Ressortminister  sind  jedoch  ermächtigt,  mit  denjenigen  Geschäften,  welche  nicht  zur
Berg-  und  Hüttenverwaltung  gehören,  andere  Beamten  oder  Behörden  zu  betrauen.

Artikel  IV.
Die  Verfassung  des  Oberbergamtes  zu  Clausthal  ist  nach  den  in  den  älteren
Jodrgang  187.  (Nr.  6931—6932,)  246  Pro-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  17.  Dezember  1867.
        <pb n="2051" />
        —  1874  —
Provinzen  des  Staates  bestehenden  Vorschriften  und  Einrichtungen  durch  den
Minister  für  Handel)  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  festzustellen.

Artikel  V.

Alle  den  vorstehenden  Bestimmungen  widersprechenden  bisherigen  Vorschriften,
  insbesondere  der  Hannoverschen  Verordnung  vom  9.  August  1850.,  die
Organisation  der  oberen  Harzverwaltung  betreffend,  sind  aufgehoben.

kürbindu  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  9.  November  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

 

(Nr.  6932.)  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  einen  Nachtrag  zum  Statut  der  Stargard-Posener
  Eisenbahngesellschaft.  Vom  16.  November  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  #uL

Nachdem  die  Stargard-Posener  Eisenbahngesellschaft  in  der  Generalversammlung
  ihrer  Aktionaire  vom  7.  Mai  1867.  den  anliegenden  Nachtrag  zu
ihrem  Statut  beschlossen  und  die  Generalversammlung  der  Aktionaire  der  Oberschlesischen
  Eisenbahngesellschaft  vom  27.  September  1867.  mit  diesem,  eine  Aenderung
  des  Vertrages  zwischen  beiden  Gesellschaften  vom  23.  März  1866.  (Geset=Samml.
  S.  292.)  begründenden  Beschlusse  sich  einverstanden  erklärt  hat,  wollen
Wir  dem  gedachten  Nachtrage  die  landesherrliche  Bestätigung  hierdurch  ertheilen.

Die  gegenwärtige  Urkunde  ist  nebst  dem  Nachtrage  durch  die  Gesetz
Sammlung  zu  veröffentlichen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  16.  November  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.

Nach-
        <pb n="2052" />
        —  1875  —

Nachtrag
zu  dem

Statut  der  Stargard-Posener  Eisenbahngesellschaft.

K.  1.

Die  Amtsthätigkeit  der  jetzigen  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  der
Stargard-Posener  Eisenbahngesellschaft  arlicct  mit  dem  1.  (ersten)  Juli  1867.
(achtzehnhundert  sieben  und  sechszig).  Von  diesem  Tage  ab  wird  der  Verwaltungsrath
  aus  fünf  Mitgliedern  und  drei  Stellvertretern  gebildet,  welche  für  eine  fünfjährige
  Amtsdauer  aus  der  Zahl  der  Aktionaire  gewählt  werden.

Mindestens  drei  der  erwählten  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  und  zwei
der  Stellvertreter  müssen  in  Stettin  ihren  Wohnsitz  haben.

Zum  Zweck  der  Neuwahlen  für  die  nach  abgelaufener  Amtsdauer  gleicheitig
  ausscheidenden,  sowie  die  inmittelst  wegen  anderer  Ursachen  etwa  ausgetrelenen
  Mitglieder,  beziehungsweise  Stellvertreter,  se  die  ordentliche  Generalversammlung
  der  Gesellschaft  künftig  nur  alle  fünf  Jahre  statt.

Die  ausscheidenden  Mitglieder  sind  wieder  wählbar.  Die  erste  den  vorstehenden
  Bestimmungen  entsprechende  Wahl  wird  von  der  ordentlichen  Generalversammlung
  des  Jahres  1867.  (achtzehnhundert  sieben  und  sechszig)  vollzogen.

S.  2.
Die  Mitglieder  des  Verwaltungsrathes  wählen  aus  ihrer  Mitte  einen  Vorsitzenden
  und  einen  Stellvertreter  desselben  für  die  ganze  fünfjährige  Amtsperiode.
Treten  im  Laufe  einer  Wahlperiode  Vakanzen  ein,  so  werden  die  Stellvertreter
  nach  der  Reihenfolge  der  erhaltenen  Stimmenzahl  einberufen.  Bei  gleicher
Stimmenzahl  entscheidet  das  Loos.

g.  3.
Die  in  den  88.  46.  (sechs  und  vierzig),  47.  (sieben  und  vierzig)  und
54.  (vier  und  funfzig)  des  Gesellschaftsstatuts,  sowie  in  F.  2.  (zwei)  des  Vertrages
  vom  26.  (sechs  und  zwanzigsten)  Juni  1851.  (achtzehnhundert  ein  und
.  ig)  und  H.  11.  (eilf)  des  Vertrages  vom  23.  (drei  und  zwanzigsten)  März
1866.  (cchtzehnhundert  sechs  und  sechszig)  enthaltenen  abweichenden  Bestimmungen
werden  aufgehoben.

(Nr.  6932—6933.)  246“  (Nr.  6933.)
        <pb n="2053" />
        —  1876  —

(Nr.  6933.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  22.  November  1867.)  betreffend  die  Genehmigung  des
revidirten  Regulativs  Uber  die  Beleihung  des  nicht  inkorporirten  ländlichen
Grundeigenthums  im  Bereiche  der  Schlesischen  Landschaft.

A##  Ihren  Bericht  vom  7.  November  d.  J.  will  Ich  das  beiliegende,  in  Folge
des  Beschuusses  des  eilften  Generallandtages  der  Schlesischen  Landschaft  aufgestellte
„Revidirte  Regulativ  über  die  Beleihung  des  nicht  inkorporirten  ländlichen  Frn

eigenthums  im  Bereiche  der  Schlesischen  Landschaft“  hierdurch  landesherrlich
been.

Dieser  Erlaß  und  das  revidirte  Regulativ  sind  durch  die  Gesetz  Sammlung
zu  veröffentlichen.

Berlin,  den  22.  November  1867.
Wilhelm.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

An  den  Justizminister  und  an  den  Minister  des  Innern.

Revidirtes  Regulativ

über  die

Beleihung  des  nicht  inkorporirten  ländlichen  Grundeigenthums.

D.  Schlesische  Landschaft  gewährt  auch  ferner  hypothekarische  Darlehne  auf
solche,  in  ihrem  Bereiche  belegene  ländliche  Grundstücke,  welche  der  landschaftlichen
  Kreditverbindung  nach  dem  Reglement  vom  9.  Juli  1770.  nicht  angehören.
Zur  Beschaffung  der  hiezu  erforderlichen  Darlehnsvaluta  stellt  die  Landschaft
  auf  jeden  Inhaber  lautende  Schuldverschreibungen  unter  der  Bezeichnung
„Neue  landschaftliche  Pfandbriefe"“  aus  und  setzt  dieselben  in  Umlauf.
Für  beiderlei  Operationen  gelten  folgende  nähere  Bestimmungen.

A.  Von
        <pb n="2054" />
        —  1877  —

A.  Von  den  Darlehnen.

§.  1.
Beleihungsfähigkeit  der  Grundstücke.

Beleihungsfähig  ist  jedes  der  Landschaft  nicht  inkorporirte,  zur  landwirthschaftlichen
  Benutzung  gewidmete,  im  vollen  und  uneingeschränkten  Eigenthume
und  Besitze  des  Darlehnnehmers  befindliche  Grundstück,  welches  nach  der  Veranlagung
  zur  Grundsteuer  von  den  Liegenschaften  einen  Reinertrag  von  mindestens
  zehn  Thalern  gewährt  und  nach  den  weiterhin  folgenden  Vorschriften  einen
Kredit  von  mindestens  funfzig  Thalern  rechtfertigt.

Das  Gunmdstück  darf  mit  Leistungen  aus  dem  gutsherrlichen  Verbande,
mit  Diensten,  Renten,  Zinsen  oder  anderen  Abgaben  an  die  Gutsherrschaft  nicht
mehr  behaftet,  auch  nicht  mit  Servituten  belastet  sein,  welche  seinen  Ertrag,
schmälern.  Nur  in  dem  Falle,  wenn  der  Grundbesitzer  den  landschaftlichen
Kredit  grade  zu  dem  Zwecke  sucht,  um  mittelst  desselben  jene  Reallasten  abzulösen,
wird  der  Kredit  auch  auf  solche  belastete  Besitzungen  bewilligt,  und  die  Verwendung
  des  Darlehns  zum  Zweck  der  Ablösung  vermittelt.

Servituten,  welche  in  dem  Rechte  zur  Förderung  unterirdischer  Produkte
bestehen,  schließen  an  sich  und  in  so  weit,  als  nicht  durch  Ausübung  derselben
der  Grund  und  Boden  einer  landwirthschaftlichen  Benutzung  bereits  entzogen  ist,
die  Beleihungsfähigket  des  belasteten  Grundstücks  nicht  aus.  Wenn  aber  hinsichtlich
  der  Entschädigung  des  Grundbesitzers  für  die  durch  Ausübung  der  Servitut
  antgeene  Nutzung  im  Voraus  eine  vertragsweise  Festsetzung  getroffen  ist,
so  darf  das  betreffende  Grundstück  niemals  höher  als  zum  Betrage  der  zu  erwartenden
  Entschädigung  geschätzt,  resp.  nur  dem  entsprechend  beltetzen  werden.

Wenn  demnächst  durch  Ausübung  der  Servitut,  oder  wenn  durch  Ausübung
  eines  auf  Grund  des  Allgemeinen  Berggesetzes  vom  24.  Juni  1865.
verliehenen  Bergbaurechtes  die  veranschlagte  Bodenfläche  der  landwirthschaftlichen
Benutzung  entzogen  wird,  muß  der  Besitzer,  zur  Vermeidung  der  Zurückjiehung
eines  entsprechenden  Darlehnsbetrages  (§.  25.)),  letzteren  bis  zur  Wiederherstellung
des  nutzbaren  Zustandes  der  aufgedeckten  Bodenfläche  durch  eine  baar  oder  in
landschaftlichen  Neuen  Pfandbriefen  zu  erlegende  Kaution  sicher  stellen.

Einzelne  Bestandtheile  eines  zu  beleihenden  Grundstücks,  welche  dem  Nießbrauchsrechte
  eines  Dritten  unterworfen  sind,  bleiben  außer  Veranschlagung  und
ist  die  Landschaft  befugt,  wegen  der  aus  einer  Kollision  mit  solchen  Realgläubigern,
  denen  das  ganze  Grundstück  ohne  Rücksicht  auf  das  Nießbrauchsrecht
verhaftet  ist,  entstehenden  Weiterungen  Sicherheitsbestellung  zu  verlangen.

S.  2.
Antrag.
Wer  den  landschaftlichen  Kredit  in  Anspruch  nehmen  will,  hat  seinen
Antrag  entweder  bei  der  Fürstenthumslandschaft,  in  deren  Bereiche  sein  Grund-(Nr.
  6933.)  stück
        <pb n="2055" />
        —  1878  —

stück  belegen  ist,  oder  bei  einem  der  Landesältesten  des  Kreises  anzubringen,
welcher  denselben  an  die  Fürstenthumslandschaft  einberichten  wird;  dem  Antrage
ist  eine  ungefähre  Angabe  über  die  Größe  des  Grundstücks  und  der  Hypothekenschein
  über  das  Besitzthum  beizufügen.

Insofern  der  Andrang  von  Kreditgesuchen  es  nöthig  macht,  bestimmte
Fristen  für  deren  Einbringung  vorzuzeichnen,  bleibt  der  Landschaft  vorbehalten,
dergleichen  allhalbjährig  anzuberaumen.  Es  müssen  jedoch  solche  Fristen  öffentlich
  bekannt  gemacht  werden.  Auf  Kreditgesuche,  welche  zum  Zweck  der  Ablösung
  gutsherrlicher  Lasten  gestellt  werden,  finden  diese  Fassien  keine  Anwendung.

.  3.
Beleihungsguote.

Das  Darlehn  wird  nach  dem  Werthe  des  Grundstücks  bemessen  und  darf
die  Hälfte  dieses  Werthes  nicht  übersteigen.

KC.  4.
Werthermittelung.

Der  maaßgebende  Werth  des  Grundstücks  wird  entweder
A.  nach  der  Grundsteuer  bemessen,  oder
B.  durch  besondere  örtliche  Abschätzung  gesucht.

G.  5.
Nach  der  Grundsteuer.

Zu  A.  Wenn  der  Darlehnsucher  die  Beleihung  nach  der  Grundsteuer
beantragt  und  nicht  besondere,  einkreienden  Falle  durch  Lokalrecherche  zu  prüfende
Bedenken  dagegen  obwalten,  kann  der  Werth  des  Grundstucks  ohne  spezielle
Abschätzung  aus  der  Veranlagung  desselben  zu  der  durch  Gesetz  vom  21.  *
1861.  eingeführten  Grundsteuer  von  den  Liegenschaften  hergeleitet  werden.

Ju  dem  Zweck  wird  der  dem  Grundstücke  bei  der  Veranlagung  zu  jener
Steuer  beigelegte  sährliche  Reinertrag  ermittelt  und  mit  der  Zahl  zwanzig  zu
Kapital  erhoben.  Von  dem  gefundenen  Kapitale  wird

a)  der  zwanzigfache  Betrag  der  jährlichen  Grundsteuer,

b)  der  zwölf  und  einhalbfache  Betrag  der  an  den  Altentheilsberechtigten  zu
entrichtenden  Abgaben,  ¾.  h  chtigten  z

J)  der  noch  nicht  amortisirte  Kapitalbetrag  der  an  die  Rentenbank  zu  entrichtenden
  Rente,

2)  der  fünfundzwanzigfache  Betrag  aller  übrigen,  aus  speziellem  Rechtstitel
auf  dem  Grundstücke  haftenden  Renten,  Zinsen  und  Abgaben
ab.
        <pb n="2056" />
        —  1879  —

abgesetzt.  Naturalabgaben  werden  hierbei  nach  den  publizirten  24jährigen  Markt-Durchschnittspreisen
  zu  Gelde  berechnet.

e.)  Endlich  werden  noch  zwanzig  Prozent  des  oben  gesetzten  Reinertrags-Kapitals
  zurückgeschlagen.

Der  nach  diesen  Abzügen  verbleibende  Rest  ist  als  Beleihungswerth  des
Grundstücks  anzunehmen.

Im  Falle  der  Landschaft  für  ihr  Darlehn  und  dessen  Nebenforderungen
das  Vorzugsrecht  vor  den  auf  dem  Giundstücke  aus  speziellem  Rechtstitel  haftenden
  Lasten  und  Abgaben,  resp.  Auszugsrechten,  und  auf  die  Befugniß  ver-"S
  ift  wird,  das  Grundstück  ohne  Rücksicht  auf  selbige  zu  sequestriren  und  ohne
ie  betreffende  Belastung  zur  Subhastation  zu  slen  bedarf  es  zur  Findung  des
Beleihungswerthes  des  Grundstücks  nicht  der  oben  unter  b.  und  d.  angeordneten
Abrechnung  des  Kapitalwerthes  dieser  Prästationen.

F.  6.
Abschätzung.

Zu  B.  Wenn  der  Darlehnsucher  die  landschaftliche  Abschätzung  beantragt,
  so  wird  der  Werth  des  Grundstücks  durch  örtliche  Würdigung  nach  denselben
  landwirthschaftlich=  technischen  Grundsätzen  und  Vorschriften  gesucht,  welche
zur  Zeit  für  die  Abschätzung  des  der  Landschaft  inkorporirten  Grundeigenthums
vorgeschrieben  sind.  Die  aus  der  Natur  der  Sache  sich  egebenden  Abweichungen
horschtich  des  Verfahrens  sind  durch  von  dem  Engeren  Ausschusse  zu  genehmigende
  Instruktionen  vorzuzeichnen.

Die  Ausführung  der  Schätzung  wird  nach  dem  Ermessen  der  Landschaftsdirektion
  einem  oder  zweien  Kreistaxatoren,  oder  bei  größeren  Grundstücken  einer
aus  einem  Landesältesten,  einem  Kreistaxator  und  dem  Landschaftssyndikus  zu
bildenden  Kommission  übertragen.  Die  Zuordnung.  des  Syndikus,  sowie  eines
Subalternbeamten,  steht  bei  jeder  Taxe  in  der  Befugniß  der  Landschaftsdirektion

S.  7.
Kreistagatoren.

Für  jeden  landschaftlichen  Kreis  werden  91  dem  Zweck  drei  landschaftliche
Kreistaxatoren  erwählt  und  verpflichtet.  Wih  bar  zu  diesem  Amte  sind  sowohl
die  Besitzer  landschaftlich  nicht  inkorporirter  ui  als  auch  die  Besitzer
inkorporirter  Güter.  as  aktive  Wahlrecht  aber  steht  den  Besitzern  der  inkorporirten
  Güter  des  Kreises  zu  und  wird  von  ihnen  auf  den  landschaftlichen  Kreistagen
  ausgeübt.

Die  Wahl  und  Berufung  der  Kreistaxatoren  erfolgt  auf  je  sechs  Jahre.

(Nr.  6933.)  .  S.
        <pb n="2057" />
        —  1880  —

g.  8.
Festsetzung  der  Taxen.

Die  aufgenommene  Taxe  wird  von  einem  der  Landesältesten  des  Kreises  —
nöthigenfalls  nach  vorgängiger  Lokalrecherche  —  revidirt;  nach  Beantwortung
etwaiger  Erinnerungen  durch  den  Taxkommissar,  wenn  solche  erforderlich  erscheint,
wird  der  Beleihungswerth  des  Grundstücks  von  dem  Kollegium  der  betreffenden
Fürstenthumslandschaft  oder  von  der  Zwischendeputation  h  festgesetzt.

Bei  dieser  Festsetzung  wird  wiederum  einer  der  Kreistaxatoren  zu  den
Verhandlungen  des  Kollegiums  oder  der  Deputation  zugezogen,  und  steht  ihm
hierbei  die  Ausübung  des  vollen  Stimmrechts  zu.

Die  Wahl  und  Berufung  dieses  Beisitzers,  jenes  Taxkommissars  und  des
Taxrevisors  gebührt  in  jedem  einzelnen  Falle  dem  Landschaftsdirektor.

S.  9.
Rechtsmittel-Kontrole.

Gegen  den  die  Taxe  festsetzenden  Beschluß  steht  dem  Besitzer  des  Grundstücks
  die  Beschwerde  an  die  Generallandschafts-Direktion,  gegen  die  Verfügung
dieser  der  Rekurs  an  den  Engeren  Ausschuß  der  Landschaft  zu.

Der  Generallandschafts-Direktion  aber  steht  die  Befugniß  zu,  die  von  den
Fürstenthumslandschaften  festgesetzten  Taxen  zur  Superrevision  einzufordern  und
selbige  nöthigenfalls  herabzusetzen,  auch  die  Zurückzahlung  des  danach  ungerechtfertigten
  Kredites  zu  verlangen.

Gegen  die  Verfügung  der  Generallandschafts-Direktion  steht  dem  Besitzer
des  Grundstücks  und  der  betreffenden  Fürstenthumslandschaft  der  Rekurs  an  den
zunächst  zusammentretenden  Engeren  Ausschuß  zu;  doch  kann  inzwischen  die
angefochtene  Verfügung  in  Vollzug  gesetzt  werden.

S.  10.
Dagrecherche.

Auf  Grund  einer  Taxe,  seit  deren  Festsetzung  ein  mehr  als  dreijähriger
Zeitraum  verflossen  ist,  darf  ein  neuer  Kredit  nur  bewilligt  werden,  wenn  vorhr
durch  eine,  einem  Kreistaxator  oder  einem  Landesältesten  event.  unter  Beiordnung
des  Syndikus  aufzutragende  Lokalrecherche  festgestellt  und  von  dem  betreffenden
Fürstenthumskollegium  resp.  von  der  Zwischendeputation  anerkannt  ist,  daß  oder
in  wie  weit  die  damals  abgeschätzten  nutzbaren  Realitäten  noch  vorhanden  sind,
und  ob  oder  in  wie  weit  ihnen  die  damals  beigelegten  Werthe  auch  dermalen
noch  beigelegt  werden  können.

S.  11.
Beleihung  ohne  Feststellung  des  Beleihungswerthes.
Wenn  der  Besitzer  eines  an  sich  beleihungsfähigen  Grundstücks  (§.  .)  den
land  -
        <pb n="2058" />
        —  1881  —

landschaftlichen  Kredit  zu  dem  Zwecke  beansprucht,  um  mittelst  desselben  die  auf
seinem  Grundstücke  haftenden,  der  Gutzherrschaft  zu  leistenden  Dienste,  Zinsen,
Renten,  Naturalabgaben,  Laudemien  oder  gutsherrliche  Servituten  abzulösen,
46  wird  das  Darlehn  bis  zur  Höhe  des  im  gesetzlichen  Wege  festzustellenden
blösungskapitals  ihm  ohne  vorgängige  Abschätzung  gewährt.  Nur  hinsichtlich
der  Mühlenzinse  und  solcher  Abgaben,  welche  mit  dem  Betriebe  eines  Gewerbes
in  Verbindung  stehen,  sowie  nicht  minder  in  dem  Falle,  daß  aus  dem  Hypothekenscheine
  über  das  Grundstück  ein  Bedenken  gegen  die  Sicherstellung  des  zum  Zwecke
der  Ablösung  zu  gewährenden  Darlehns  innerhalb  der  ersten  Werthhälfte  des
Grundstücks  entstehen  sollte,  findet  die  Bewilligung  ohne  Taxe  nicht  statt.

*
Verbriefung.
Der  Darlehnnehmer  muß  die  Verbindlichkeit  übernehmen:

a)  für  das  Darlehn  eine  fortlaufende  Jahreszahlung  (Interessen)  von  43
(vier  und  zwei  Drittheil)  Prozent  oder  nach  seiner  Wahl  (G.  15.)  von
44  (vier  und  ein  Sechstheil)  Prozent  in  gleichen  halbjährigen  Raten  an
Johannis  und  Weihnachten  zu  entrichten;

b)  das  Darlehnskapital  selbst  oder  Theilbeträge  desselben  nach  sechsmonatlicher
Aufkündigung  —  welche  ihm  selbst  jederzeit,  der  Landschaft  nur  in  den  F.  25.
dieses  Regulativs  bezeichneten  Fällen  zustehen  soll  —  durch  Baarzahlung
des  Neunwerthes  zurückzuzahlen;

J)  im  Falle  der  Zahlungssäumniß  den  Rückstand  mit  4  Prozent  zu  verzinsen;

4)  die  zum  Betriebe  der  Wirthschaft  erforderlichen  Gebäulichkeiten  für  einen
angemessenen  Werth  bei  einer  staatlich  konzessionirten  Versicherungsgesellschaft
  gegen  Feuersgefahr  zu  versichern  und  die  diesfälligen  Polizen
vor  Ausreichung  der  Darlehnsvaluta  an  die  Landschaft  einzureichen;

e)  der  exekutivischen  Beitreibung  des  Rückstandes  ohne  ein  vorgängiges  prozessualisches
  Verfahren,  nach  den  weiterhin  folgenden  Vorschaifee#  sowie

f)  überhaupt  den  Bestimmungen  dieses  Regulativs  sich  zu  unterwerfen;
9)  er  muß  endlich  auf  jede  gerichtliche  Zahlungsstundung  verzichten.

Der  Schuldner  hat  hierüber),  unter  Bekenntniß  des  Valutenempfanges
und  Verpfändung  des  zu  beleihenden  Grundstücks,  eine  gerichtliche  oder  notarielle
Urkunde,  oder  eine  solche  vor  einem  Landschaftssyndikus  auszustellen.  Den
Syndicis  der  Landschaft  ist  zu  dem  Zweck  die  Befugniß:  Urkunden  dieser  Art,
ingleichen  Cessionen,  Prioritäts-Einräumungen  und  andere  bei  der  Verbriefung
solcher  landschaftlichen  Darlehne  vorkommende  Rechtsgeschäfte,  welche  nicht  ausschließlich
  den  Gerichten  vorbehalten  sind,  aufzunehmen  und  die  Urkunden  darüber
  auszufertigen;  den  also  aufgenommenen  Urkunden  aber  wird  die  Glaubwürdigkeit
  von  Notariatsakten  und  insbesondere  die  Eigenschaft  beigelegt,  Eintragungen
  in  den  Hypothekenbüchern  zu  begründen.

Jahrgaung  1867.  (Nr.  6933,)  247  S.  13.
        <pb n="2059" />
        —  1882  —

F.  13.
Eintragung.

Der  Darlehnnehmer  bat  ferner  die  prioritätische  Eintragung  des  Darlehns
vor  allen  anderen  Kapitalforderungen  im  Hypothekenbuche  des  &amp;amp;  beleihenden
  Grundstücks  zu  bewirken.  Wenn  diese  Emtragung  mittelst  Ueberschreibun
eines  schon  ingrossirten,  der  Landschaft  cedirten  Kapitals  auf  diese  erfolgen  soll,
so  bedarf  es  hierzu  —  außer  dem  Falle  einer  beabsichtigten  Erhöhung  des  Kapitals
  boer  des  Zinsfußes  —  einer  Einwilligung  etwa  nachstehender  Gläubiger
  nicht.

Voorrechtlich  eingetragene,  an  sich  kündbare  Posten,  welche  nicht  sofort  zur
Löschung  gebracht  werden  können,  verhindern  die  Eintragung  nicht,  wenn  die
Einleitung  des  entsprechenden  Aufgebots  resp.  Depofitionzversahrens  nachgewiesen
  ist  und  der  Darlehnnehmer  sich  urkundlich  verpflichtet,  zur  Sicherftellung
gegen  alle  Nachtheile  aus  einer  Geltendmachung  der  ungelöschten  Post  bei  Extraition

  der  Darlehnsvaluta  eine  angemessene  Kaution  baar  oder  in  neuen  Pfandbriefen
  zu  bestellen,  auch  innerhalb  vorzubestimmender  Frist  die  Löschung  zu  be-3
  und  zur  Vermeidung  der  Aufkündigung  des  Darlehns  (§.  25.)  nachzuweisen.


Die  Eintragung  des  Darlehns  im  Hypothekenbuche  erfolgt  durch  Einschreiben
  des  Vermerks  Thaler  landschaftliches  Darlehn  nach  dem  Regulativ
  vom  (Datum  der  Allerhöchsten  Bestätigung),  welches  zufolge  Verfügumg
vom  teten  eingetragen,  resp.  in  welches  die  hier  intabulirt
gewesene  Forderung  zufolge  Verfügung  vom  .  .  .  .  teen  umgeschrieben
worden.

S.  14.
Verbindlichkeit  des  Darlehnnehmers.

Durch  die  Eintragung  eines  regulativmäßigen  Darlehns,  als  solchen,  im
Hypothekenbuche  überkommt  der  Besitzer  des  Grundstücks  von  Rechtswegen  alle
in  diesem  Regulativ  dem  Darlehnsschuldner  auferlegten  Verbindlichkeiten  und  bei-Lelegten
  Rechte,  die  Schlesische  Landschaft  aber  alle  ebendaselbst  ihr,  als  dem

arlehnsgläubiger,  zugeschriebenen  Rechte  und  Verbindlichkeiten.

Jeder  Nachfolger  im  Besitze  des  beliehenen  Grundstücks  ist  verpflichtet,  die
persönliche  Verbindlichkeit  aus  dem  Darlehnsvertrage  in  urkundlicher  Form
zu  übernehmen  und  die  betreffende  Urkunde  binnen  acht  Wochen  seit  der  Gutsübernahme
  zur  Vermeidung  der  Darlehnskündigung  (K.  25.)  bei  der  Landschaft
kanchen.  Von  dieser  wird  hierauf  der  frühere  Besitzer  seiner  Verbindlichkeit
entlassen.

KC.  15.
Valuta.

Die  Darlehnsvaluta  wird  dem  Darlehnnehmer  in  neuen  landschaftlichen
Pfandbriefen  unter  Anrechnung  derselben  zum  Nennwerthe  ausgezahlt.  Wenn  er
eine
        <pb n="2060" />
        —  1883  —

eine  fortlaufende  Jahreszahlung  von  43  Prozent  übernommen  hat  (.  12.),  so
empfängt  er  die  Valuta  in  vierprozentigen,  um  anderen  Falle  (ebendaselbst)  in
drei  und  einhalb  Prozent  Zinsen  tragenden  Pfandbriefen.

Bei  größeren  Darlehnen  wird  die  Valuta  bis  zu  ein  Fünftheil  derselben  in
Abschnitten  von  Einhundert  Thalern  und  darunter  gewährt.

S.  16.
Jahreszahlung.

Von  der  Jahreszahlung  des  Schuldners  im  Betrage  von  43  (bezüglich  45
Prozent  der  Schuld  sind  vier  (bezüglich  drei  und  einhalb)  Prozent  zur  Verzinsung
der  auszugebenden  neuen  Pfandbriefe  für  deren  Inhaber,  ein  Sechstel  Prozent  ist
als  ein  Veitra  zu  den  Verwaltungskosten  für  die  Fürstenthumslandschaft  bestimmt),
  das  überschießende  einhalb  Prozent  wird  in  den  ersten,  auf  die  Ausreichung
  der  neuen  Pfandbriefe  zunächst  folgenden  zehn  Jahren  (also  in  den  ersten
wanzig  Hebungsterminen)  zur  Ausammiung  und  Verstärkung  des  Sicherheitssonde
  in  diesen  geschüttet,  weiterhin  aber  zur  Amortisation  der  Darlehnsschuld  verwendet,
  zu  dem  Zwecke  in  den  Amortisationsfonds  geschüttet  und  hier  dem  betreffenden
  Schuldner  auf  seinem  Konto  gutgeschrieben.

S.  17.
Zahlungstermine.

Die  Zahlung  der  an  Johannis  fälligen  Interessen  hat  der  Schuldner  in
der  Zeit  vom  10.  bis  24.  Juni,  der  an  Weihnachten  fälligen  in  der  Zeit  vom
10.  bis  24.  Dezember  an  die  Kasse  der  betreffenden  Fürstenthumslandschaft  oder
aber  an  die  durch  öffentliche  Bekanntmachung  zu  bezeichnenden  Aemter,  Renteien
oder  Landschaftsagenten,  und  zwar  in  Preußischem  Silber-Kurant,  zu  leisten.

Dieselben  Bestimmungen  gelten  für  fällige  Kapitalzahlungen.

.  18.
Stundung.

Wenn  der  Schuldner  durch  Brandschaden,  Hagelschlag,  Ueberschwemmung
oder  Mißwachs,  der  den  größten  Theil  seiner  Feldfrü  te  betroffen  hat,  oder  durch
andere  elementarische  Unglücksfälle  sich  außer  Stand  gesetzt  sieht,  seiner  Zahlungsverbindlichkeit
  —  sie  betreffe  Kapital  oder  Zinsen  —  rechtzeitig  nachzukommen,  so
darf  ihm  eine  Zahlungsnachsicht  auf  längstens  sechs  Monate,  vom  Verfall  e  ab,
bewilligt  werden.  Der  Schuldner  ist  aber  in  solchem  Falle  gehalten)  die  Stundung
  spätestens  vierzehn  Tage  vor  dem  Vazfalltermine  nahsuchen  den  behaupteten
Stundungsgrund  durch  ein  von  der  Ortsbehörde  ausgestelltes  Zeugniß  zu  bescheinigen"
  und  den  Rückstand  vom  Verfall-  bis  zum  Zahlungstage  mit  zwei  Prozent
halbjährig  zu  verzinsen.

(Nr.  6933.)  247“  i'
        <pb n="2061" />
        —  1884  —

**d2-°
Beitreibung.

Wenn  der  Schuldner  eine  Jinsen-  oder  Kapitalzahlung  im  Fälligkeitstermine
unberichtigt  läßt,  ohne  Stundung  dafür  erlangt  zu  haben,  so  steht  der  Landschaft
die  Befugniß  zu,  den  Rückstand  sofort  und  ohne  ein  vorgängiges  kontradiktorisches
Verfahren  vor  dem  Richter  zwangsweise  beizutreiben  oder  Wetreiben  zu  lassen.

Zu  dem  Zweck  ist  sie  nicht  nur  berechtigt:

a)  die  gerichtliche  Exekution  in  das  bewegliche  Vermögen  des  Schuldners  —
oder  die  gerichtliche  Sequestration  des  Grundstücks  —  oder  die  Subhastation
  bese  ben  nachzusuchen,

sondern  es  ist  ihr  auch

)  die  Befugniß  beigelegt,  die  Sequestration  des  Grundstücks  selbst  einzuleiten
  und  bis  zu  ihrer  Befriedigung  fortzuführen,  das  Grundstück
oder  Theilstücke  desselben  zu  verpachten  oder  in  eigene  Bewirthschaftung
zu  nehmen,  oder  aber  endlich,  mit  Ausschluß  der  einen  oder  anderen  Benutzungsart,
  lediglich  unter  Sequester  zu  halten.

Welche  dieser  Erekutionsmaaßregeln  im  einzelnen  Falle  zu  ergreifen  sei,
bleibt  der  pflichtmäßigen  Beurtheilung  des  Fürstenthumskollegiums  oder  der
Zwischendeputation  desselben  überlassen.  In  Zeiten,  da  weder  das  Fürstenthumskollegium,
  noch  die  Qwischendeputation  versammelt  ist,  steht  dem  Landschaftsdirektor
  die  selbstständige  Beurtheilung  hierüber  zu;  von  seinem  Verfahren  hat
er  auch  hier  dem  Fürstenthumskollegium  demnächst  Mittheilung  zu  machen.

Für  die  Beurtheilung  selbst  ist  einerseits  der  höhere  oder  geringere  Betrag
des  beizutreibenden  Rückstandes,  die  Beschaffenheit  des  Ereburionhobschte  und  die
Aussicht  auf  einen  zweckentsprechenden  Erfolg  der  Maaßregel,  andererseits  die
Rücksicht  maaßgebend,  daß  der  Zweck  ohne  großen  Kostenaußsand  und  mit  möglichst
  geringer  Benachtheiligung  des  Schuldners  erreicht  werden  möge.

KC.  20.

Segquestrationen.

Wenn  eine  landschaftliche  Sequestration  des  Grundstücks  eingeleitet  worden
ist,  so  dürfen  Vorschüsse  aus  landschaftlichem  Vermögen  nur  zur  Berichtigung
der  laufenden  öffentlichen  Abgaben  und  zur  Deckung  der  laufenden  Zinsen  des
landschaftlichen  Darlehns  gewährt,  zur  Fortsetzung  des  landwirthschaftlichen  Betriebes
  dürfen  solche  nur  im  Falle  des  unabweislichen  und  dringenden  Bedürf,
nisses  bewilligt,  zu  Verbesserungen  aber  gar  nicht  gegeben  werden.  Die  Bewilligung
  von  Vorschussen  gebührt  dem  Fürstenthumskollegium,  resp.  der  Zwischendeputation,
  in  dringlichen  Fällen  auch  dem  Landschaftsdirektor,  welcher  hierzu  die
nachträgliche  Genehmigung  des  Kollegiums  bei  dessen  nächster  Zusammenkurft
einzuholen  hat.

Die
        <pb n="2062" />
        –  1885  —

Die  Revision  und  Abnahme  der  von  dem  Sequester  und  dem  Pächter  zu
legenden  Wirthschafts=  oder  Pachtrechnungen  erfolgt  durch  das  Fürstenthumsollegium.


Zu  den  Verhandlungen  über  die  Rechnungsabnahme,  ingleichen  über  eine
etwanige  Verpachtung,  wird  der  Schuldner  Behufs  der  Wahrnehmung  seiner  Rechte
unter  der  Warnung  vorgeladen,  daß  bei  seinem  Ausbleiben  werde  angenommen
werden:  er  erkenne  die  gelegte  Rechnung  für  bekannt  und  richtig  an,  —  bezüglich:
  er  verzichte  auß  seine  #ziehung.

Gegen  alle  chlüste  und  Verfügungen  der  sequestrirenden  Fürstenthumslandschaft
  steht  ihm  das  Rechtsmittel  der  Beschwerde  an  die  Generallandschafts-Direktion
  offen.

.  21.
Uebernahme  gerichtlicher  Sequestrationen.

Der  Landschaft  ist  die  Befugniß  beigelegt,  wenn  sie  es  angemessen  findet,
die  Sequestration  der  auf  Grund  dieses  Regulativs  von  ihr  beliehenen  Grundstücke
  auch  in  dem  Falle  zu  übernehmen,  wenn  ein  anderer  Gläubiger  bei  den
Gerichten  auf  Sequestration  angetragen  bat.  In  diesem  Falle  kommen  die  Bestimmungen
  der  Allgemeinen  Gerichtsordnung  Thl.  I.  Tit.  24.  I#.  129.  ff.  und
die  des  vorstehenden  Paragraphen  in  Anwendung.

G  22.
Subhastation.

Wenn  ein  von  der  Landschaft  beliehenes  Grundstück  zur  Subhastation  gestellt,
  in  dem  Bietungstermine  aber  ein  Gebot  nicht  erreicht  wird,  durch  welches
die  landschaftlichen  Forderungen  gedeckt  würden,  so  steht  der  bandschaft  das  Recht
zu,  dem  Zuschlage  ohne  Kautionsbestellung  zu  widersprechen  und  die  Anberaumung
  eines  anderweiten  Bietungstermins  zu  verlangen.  In  diesem  neuen  Termine
  darf  sie  jenes  Recht  nicht  weiter  ausüben.

Die  Landschaft  ist  ferner  berechtigt,  zur  Vermeidung  eines  bei  der  Subhastation
  ihr  drohenden  Verlustes,  das  Grundstück  für  Rechnung  des  Sicherheitsonds
  selbst  zu  erstehen,  ohne  daß  sie  hierzu  einer  besonderen  Staatsgenehmigung

ür  den  einzelnen  Fall  bedürfte.  Sie  ist  jedoch  in  solchem  Falle  gehalten,  längstens
  innerhalb  dreier  Jahre,  vom  Tage  der  Adjudikation  gerechnet,  das  Grundstück
  wieder  zu  verkaufen.

Wenn  das  subhastirte  Grundstück  von  einem  dritten  Bieter  erstanden  wird,
so  hat  die  Landschaft  an  die  zasgedermas  den  baaren  Neunwerth  des  landschaftlichen
  Darlehns  nebst  Nebenforderungen  zu  liquidiren.

g.  23.
Ueberwachung.

Die  landschaftlich  beliehenen  Grundstücke  unterliegen  einer  allgemeinen
(Nr.  6933.  Be-
        <pb n="2063" />
        —  1886  —

Beaufsichtigung  nicht  nur  durch  die  Landesältesten,  sondern  auch  durch  die
Kreistaxatoren  des  betreffenden  Kreises,  insofern  als  diese  verpflichtet  sind,  Handlungen
  des  Schuldners  oder  Ereignisse,  durch  welche  die  Sicherheit  des  landschaftlichen
  Darlehnskapitals  oder  der  Zinszahlung  gefährdet  erscheint,  der  betreffenden
  Fürstenthumslandschaft  ungesäumt  anzuzeigen.

Verpachtngen  beliehener  Grundstücke  müssen  der  Landschaft  von  den
verpachtenden  Besitzern  angezeigt,  von  ihnen  auch  die  Pachtverträge  eingereicht
werden,  wenn  die  Landschaft  solche  erfordert.  Sobald  die  Landschaft  glaubhaft
in  Erfahrung  bringt,  daß  der  Eigenthümer,  der  Pächter  oder  ein  anderer  Besitzer
  eines  beliehenen  Grundstücks  eine  erhebliche  Verringerung  der  Substanz  des
Grundstücks  oder  des  gesetzlichen  Zubehörs  (I§.  444.  ff.  Tit.  20.,  W.  42.  ff.
Tit.  2.  Th.  I.  Allg.  Landrechts)  unternimmt,  und  wenn  sie  dadurch  die  Sicherheit
des  auf  dem  Grundstücke  haftenden  Darlehns  für  gefährdet  hält,  so  hat  die
Landschaft  an  den  Schuldner  die  schriftliche  Aufforderung  zu  richten,  dies  Verfahren
  einzustellen,  das  Verbrachte  zurückzuschaffen  oder  zu  ersetzen,  den  vorigen
Zustand  wieder  herzustellen  und,  daß  es  geschehen  sei,  innerhalb  einer  ihm  vorubestimmenden
  Frist  nachzuweisen,  widrigenfalls  das  landschaftliche  Darlehn  als
jällg  erachtet  und  sofort  werde  zurückgezogen  resp.  beigetrieben  werden.  Wird
in  der  vorbestimmten  Frist  der  erforderte  Beweis  nicht  geführt,  so  ist  die  Landschaft
  befugt,  zur  Beitreibung  des  Darlehns,  ohne  eine  Kündigungsfrist  abzuwarten,
  mit  Exekutionsanträgen  oder  mit  Einführung  der  Segquestration  vorugehen.


-i’  K.  24.

Rückzahlung  des  Darlehns,  freiwillige.

Dem  Schuldner  steht  jederzeit  frei,  das  ganze  Darlehn  oder  Theilbeträge
desselben  an  die  Landschaft  zurückzuzahlen.

a)  Wenn  er  die  beabsichtigte  Zahlung  im  Monat  Juni  oder  Dezember
voraus  ankündigt  und  in  dem  darauf  folgenden  Monat  Dezember,  beziehungsweise
  Juni  leistet,  so  wird  in  dem  Zahlungstermine  der  gezablte
Betrag  sofort  von  der  Darlehnsschuld  abgeschrieben,  und  der  Schütner
hat  Interessen  davon  nicht  weiter  zu  entrichten.

Da  auch  im  Falle  einer  Zahlungssäumniß  des  Schuldners  die
zur  Einlösung  eines  entsprechenden  Pfandbriefbetrages  erforderliche  Baarschaft
  auf  Kosten  des  Sumigen  negoziirt  werden  muß,  so  hat  zur
Deckung  solcher  Kosten  der  Schuldner  gleich  bei  der  Kündigung  eine
Kaution  im  Betrage  von  drei  Prozent  des  gekündigten  Betrages  in
baarem  Gelde  oder  in  marktgängigen  Effekten  bei  der  Landschaft  einzuliefern.
  Bei  rechtzeitiger  Zahlung  des  Kapitals  wird  demnächst  diese
Kaution  vollständig,  bei  verspäteter  Zahlung  aber  der  davon  nicht  verbrauchte
  Betrag  wieder  zurückgewährt.

b)  Wenn  der  Schuldner  das  Kapital  zurückzahlt,  ohne  die  Zahlung  vorber
  rechtzeitig  (a.)  angekündigt  zu  haben,  so  tritt  die  Abschreibung  der
Schuld  und  die  Icsteiung  von  der  Interessenzahlung  erst  mit  dem

zweiten,  auf  die  Zahlung  folgenden  Zinstermine  ein.
Alles
        <pb n="2064" />
        —  1887  —

Alles  dies  gilt  von  solchen  Rückzahlungen,  welche  den  Betrag
von  mindestens  zwanzig  Thalern  erreichen.  Geringere  werden  asservirt
bis  sie  durch  Zuschüsse  auf  diese  Höhe  gebracht  sind,  alsdann  aber  na
den  obigen  Bestimmungen  behandelt.

Vorstehende  Bestimmungen  (a.  b.)  beziehen  sich  auf  die  Ablösung  der
Darlehnsschuld  durch  Baarzahlung  des  Nennwerthes.  Es  ist  aber  dem
Darlehnsschuldner,  welcher  aus  freier  Entschließung  seine  ganze  Schuld
oder  einen  Antheilbetrag  derselben  abzustoßen  bezweckt,  auch  nachgelassen,
die  Ablösungsvaluta  in  neuen  Pfandbriefen  zu  berichtigen,  sofern  nicht
die  Ablösung  durch  Baarzahlung  bereits  angeordnet  ist.

Macht  der  Schuldner  hiervon  Gebrauch,  und  liefert  er  den  abzulösenden
  Betrag  in  neuen  Pfandbriefen  desselben  Zinsfußes  mit  allen,
nach  dem  nächsten  Zinstermine  fällig  werdenden  Zinskupons  ein,  so  wird
der  abgezahlte  Betrag,  wenn  die  Einlieferung  vor  dem  1.  Mai  erfolgt,
schon  in  dem  zunächst  folgenden  Johannistermine,  und  wenn  sie  vor  dem
1.  November  erfolgt,  in  dem  zunächst  folgenden  Weihnachtstermine  —
bei  späterer  Einlieferung  aber  erst  in  dem  zweitfolgenden  Zinstermine  von
der  i-  abgeschrieben,  ohne  daß  es  einer  vorgängigen  Anmeldung

edarf.

·0

g.  25.
Rückzahlung,  von  der  Landschaft  angeordnete.

Die  Kündigungsbefugniß  der  Landschaft  tritt  ein:

a)  in  dem,  §.  34.  dieses  Regulativs  gesetzten  Falle  der  nothwendigen  Befriedigung
  eines  Pfandbriefgläubigers;

b)  ferner,  wenn  der  Schuldner  es  unterläßt,  die  zum  Betriebe  der  Wirthschaft
  erforderlichen  Gebäulichkeiten  in  der  vorgeschriebenen  Art  (F.  12.)
gegen  Feuersgefahr  zu  versichern

JPC)  endlich  überhaupt  in  allen  Fällen,  wenn  das  Darlehn  nicht  mehr  die
nach  dem  Regulative  erforderliche  Sicherheit  genießt  (§5.  1.  9.  13.  14.  23.).

Außerdem  ist  der  Landschaft  das  Recht  vorbehalten,  die  Rückzahlung  des
Darlehns  oder  eines  Antheilbetrages  desselben,  ohne  Innehaltung  der  sechsmonatlichen
  Kündigungsfrist,  sofort  zu  verlangen  und  dasselbe  zwangsweise  beizutreiben,
wenn  der  Darlehnsschuldner  die  Substanz  des  Grundstücks  oder  dessen  Zubehör
erheblich  verringert,  und  nach  erfolgter  landschaftlicher  Aufforderung  zum  Retablissement
  dasselbe  nicht  bewirkt  und  nachweiset  (I.  23.).  Zu  n.  b.  c.  hinsichtlich
der  Zahlungstermine  gelten  die  Bestimmungen  des  F.  17.,  vergl.  8.  24.

Insoweit  als  der  Schuldner  das  von  der  Landschaft  gekündigte  Kapital
nebst  Zinsen  im  Fälligkeitstermine  erlegt,  wird  die  Schuld  im  Fälligkeitstermine
abgeschrieben,  und  sind  Interessen  davon  nicht  weiter  zu  entrichten.

r.  6933.)  g.  26.
        <pb n="2065" />
        —  1888  —

6G.  26.
Vorbehalt.  Löschung.

Durch  Abzahlung  des  landschaftlichen  Darlehns  erwirbt  der  Schuldner  nicht
die  mit  der  abgefahlten  Forderung  verbunden  gewesenen  Privilegien,  durch  Abzahlung
  von  Theilbeträgen  auch  nicht  die  Theilnahme  an  der  Prioritet  des  verbleibenden
  landschaftlichen  Restdarlehns.

Abgezahlte  und  von  der  Schuld  abgeschriebene  Beträge  des  Darlehns
werden  von  der  Landschaft  zur  bapothekarchen  Löschung  gestellt,  sobald  der
Schuldner  darauf  anträgt.  E

Amortisation.

Der  in  der  Jahreszahlung  des  Schuldners  #  16.)  enthaltene  Betrag  von
einem  balben  Prozent  der  Schuld,  welcher  nicht  zur  Verzinsung  der  auszugebenden
Pfandbriefe  und  nicht  zur  Deckung  der  Verwaltungskosten  bestimmt  ist,  wird
nach  Ablauf  der  ersten  zehn  Jahre  des  Schuldverzältmisses,  während  welcher
dasselbe  zum  Sicherheitsfonds  fließt,  zur  allmäligen  Tilgung  des  Darlehns  im
Wege  der  Amortisation  verwendet  und  daher  #um  mortisationssonds  vereinnahmt.

Dieser  Fonds  hat  den  ZJweck,  die  Tilgungsbeiträge  zu  sammeln  und  nutzbringend
  zu  verwalten  und  die  Tilgung  des  Darlehns  zu  vermitteln.  Dem  Fonds
fließen  auch  die  freiwilligen  Beiträge  zu,  welche  einzuschütten  den  Darlehnsschuldnern
  jederzeit  freisteht,  und  welche  eintretenden  Falls  wie  die  nothwendigen  Beiträge
behandelt  werden.

Endlich  fließen  dem  Amortisationsfonds  auch  die  Zinsen  seiner  Bestandskapitalien
  zu.  28

Verwaltung  des  Amortisationsfonds.

Die  Verwaltung  des  Amortisationsfonds  wird  von  den  Fürstenthumslandschaften,
  von  einer  jeden  für  die  in  dem  Bereiche  derselben  belegenen  Grundstücke,
  geführt.

##  Baarbestände  des  Fonds  werden  in  neuen  Pfandbriefen  angelegt  und
diese  durch  Kündigung  nach  dem  Loose  und  Baareinlösung  nach  dem  Nennwerthe
beschafft.  Zu  dem  Gur  wird  von  jeder  Fürstenthumslandschaft  für  jeden  Zinstermin,
  und  zwar  sieben  Monate  vor  Eintritt  desselben,  ein  Etat  der  zu  erwartenden
  und  anzulegenden  Baareinnahmen  projektirt,  und  der  Betrag  zur  Ausloosung
  und  Aufkündigung  eines  gleichnamigen  Pfandbriefbetrages  gestellt  (§.  36.).

Die  also  in  den  Amortisationsfonds  gelangten  Pfandbriefe  bleiben  weiterhin
  von  der  Ausloosung  ausgeschlossen.

Für  jeden  Harlchnsschällenen  wird  ein  Konto  angelegt  und  auf  selbigem
allhalbjährlich:  „

a)  der  von  dem  Schuldner  eingezahlte  nothwendige  und  event.  der  freiwillige
Beitrag,

b)  der  Antheil  am  Zinsgewinn
        <pb n="2066" />
        —  1889  —

utgeschrieben.  Zu  letzterem  Behuf  wird  der  Gesammtbetrag  der  von  der  betrefenden
  Fürstenthumslandschaft  erhobenen  Zinsen  der  Bestandspfandbriefe  des  Fonds
auf  die  Darlehnsschuldner,  welche  am  Schlusse  des  vorhergegangenen  Zinstermins
mit  einem  Antheile  am  Amortisationsfonds  angeschrieben  waren,  und  zwar  nach
Verhältniß  dieses  Antheils  rechrungemäßig  vertheilt.  Bruchtheile  von  Pfennigen
werden  bis  zur  nächsten  Vertheilung  zurückgestellt.

DODiie  Rechnung  über  den  Fonds  wird  ganzjährig  abgelegt  und  von  dem
Fürstenthumskollegium  revidirt,  demnächst  aber  dem  durch  drei  Meistbetheiligte
aus  der  Jahl  der  Darlehnsschuldner  verstärkten  Engeren  Ausschusse  (F.  45.)  zur
Superrevision  und  Abnahme  vorgelegt.

K.  29.
Disposition  des  Darlehnsschuldners  über  den  Amortisationsfonds.

Wenn  der  kontirte  Antheil  eines  beliehenen  Grundstücks  an  dem  Amortisationsfonds


a)  den  ganzen  Betrag  des  darauf  haftenden  Darlehns  vollständig  erreicht
hat,  so  wird  der  Bestand  zum  Zweck  der  Abbürdung  des  Darlehns  und
nur  zu  diesem  Zweck  verwendet.

Bis  dahin,  während  der  Amortisationsperiode,  findet  eine  Disposition  von
Seiten  des  Schuldners  über  den  Fonds,  und  insbesondere  eine  Abschreibung
  des  aufgesammelten  Bestandes  von  der  Darlehnsschuld,  nur  insoweit
  statt,  daß  der  Schuldner,  wenn  der  vierte  Theil  seiner  Darlehnsschuld
aufgesummelt  ist,  das  Recht  hat,  die  Tilgung  und  Abschreibung  des  gleichen
  Antheilbetrages  seiner  Schuld  und  zwar  mit  der  Wirkung  zu  verlangen,
  daß  weiterhin  Zinsen  und  Amortisationsbeiträge  nur  von  dem
noch  ungetilgten  Betrage  der  Schuld  zu  berechnen  und  zu  entrichten  bleiben.

Auf  derartige  Darlehnsabzahlungen  (a.  b.)  finden  die  Bestimmungen
des  §.  26.  ebenfalls  Anwendung.

J)  Der  Antheil  des  Schuldners  an  dem  Amortisationsfonds  geht  mit  dem
Grundstücke  auf  jeden  neuen  Erwerber  des  letzteren  von  Rechtswegen.
über;  doch  kann  von  keinem  Grundstücksbesitzer  über  den  Fonds  anders
als  in  der  oben  bestimmten  Weise  disponirt,  namentlich  kann  derselbe
ohne  das  Grundstuck  nicht  abgetreten,  derselbe  auch  aus  anderen  Titeln
von  keinem  Dritten,  insbesondere  nicht  von  den  Hypothekengläubigern,
noch  auch  sonst  im  Wege  der  Exekution  in  Anspruch  genommen  oder
mit  Beschlag  belegt  werden.

4)  Wenn  der  Schuldner  seine  Darlehnsschuld  aus  anderen  Mitteln  vollständig
  ablöst,  so  wird  ihm  sein  kontirter  Antheil  am  Amortisationsfonds
zu  seiner  Disposition  extradirt.

b

Jahrgang  1867.  (Nr.  6934)  248  .  30.
        <pb n="2067" />
        —  1890  —

g.  30.
Kosten.

An  Kosten  des  Darlehnsgeschäftes  hat  der  Darlehnnehmer  zu  übertragen
und  zur  Kasse  der  betreffenden  Fürstenthumslandschaft  zu  entrichten:

a)  im  Falle  eine  landschaftliche  Abschätzung  des  Grundstücks  oder  eine  Taxrecherche
  stattgefunden  hat,  die  Kosten  derselben,  also  die  Kosten  der  Vermessung
  und  Kartirung,  resp.  der  Revision  des  Vermessungswerkes,  die
Kommissionsgebühren  und  die  Gebühren  etwa  zugezogener  Sachverständiger.
  Bei  Fesisetung  dieser  Gebühren  wird  das  Selmesser-Reglemment
vom  1.  Dezember  1857.  resp.  die  landschaftliche  Gebührenordnung  vom
Jahre  1858.  Littr.  A.  und  die  Königliche  Verordnung  vom  29.  März
1844.  zum  Grunde  Pelegt  Den  dort  nicht  erwähnten  Kreistaxatoren
9d  7.)  werden  an  Diäten  zwei  Thaler  für  jeden  Arbeitstag  und  an
Reisekosten  einschließlich  der  Reisediäten  funfzehn  Silbergroschen  für  jede
Meile  des  Hinweges  und  ebensoviel  für  jede  Meile  des  Rückweges
gewährt;

b)  in  allen  Fällen:

1)  ein  Pauschquantum  jur  Deckung  der  Korrespondenz=  und  allgemeinen
  Kosten  nach  folgender  Skala:  bei  einem  Werthe  des  Grundstücks
  bis  1000  Thaler  Einen  Thaler,  bis  5000  Thaler  zwei
Thaler,  bis  10,000  Thaler  drei  bis  vier  Thaler,  bis  50,000  Thaler
  drei  bis  fünf  Thaler,

2)  die  Kosten  der  Verbriefung  und  der  hypothekarischen  Eintragung
des  Darlehns,  vl

3)  an  Kosten  für  Ausfertigung  der  Neuen  Pfandbriefe  zwölf  Silbergroschen
  für  jedes  Pfandbriefstück.

Zur  Deckung  der  Kosten  ist  der  Darlehnsucher  verbunden,  bei  Einleitung
des  Darlehnsgeschäfts  einen  angemessenen  Kostenvorschuß  zur  Kasse  der  Fürstenthumölmnoschaft
  einzuzahlen.

B.  Von  den  Pfandbriefen.

g.  31.
Umfang  der  Pfandbrief-Emission.

Für  jedes  Darlehn,  welches  nach  vorstehenden  Bestimmungen  bewilligt
und  auf  den  Namen  der  Landschaft  hypothekarisch  ingrossirt  worden  ist,  wird
ein  gleicher  Betrag  Neuer  Pfandbriefe  emitlirt.  Weiterhin,  bei  eintretender  Riz

  I
        <pb n="2068" />
        —  1891  —

zahlung  eines  Darlehns,  wird  ein  gleicher  Betrag  kurfirender  Pfandbriefe  eingelöst
und  aus  dem  Umlaufe  zurückgezogen.

’lr
Ausfertigung.

Die  Neuen  Pfandbriefe  werden  von  der  Generallandschafts-Direktion  zu
Breslau  nach  anliegendem  Muster  in  Apoints  von  20,  25,  30,  50,  100,  200,
500,  1000  Thalern  und  danach  zu  bildenden  Serien  ausgefertigt  und,  nebst  dem
Hypotheken-Instrumente  über  das  Darlehn,  der  Kontrolkommission  in  Breslau
zur  Mitvollziehung  vorgelegt.

Die  Kontrolkommission  bildet  sich  aus  dem  Präsidenten  des  höchsten  Gerichtshofes
  in  Breslau,  als  Vorsitzendem,  und  aus  zwei  richterlichen  Beamten.  Sie
ist  berufen,  zu  prüfen,  ob  für  die  Landschaft  wirklich  eine  dem  Betrage  der  zu
emittirenden  Pfandbriefe  gleichkommende  Darlehnforderung  auf  ein  Grundstück
hypothekarisch  versichert  und  eingetragen  worden  ist.  Nach  hiervon  genommener
Ueberzeugung  und  nur  in  diesem  Falle  vollziehen  die  Mitglieder  der  Kontrolkommission
  die  ihnen  vorgelegten  Pfandbriefe;  letztere  werden  allererst  durch
diese  Vollziehung  perfekt,  und  erst  nachdem  sie  erfolgt  ist,  in  die  von  der  Landschaft
  über  die  ausgefertigten  Pfandbriefe  zu  führenden  Register  eingetragen.  Auf
dem  Hypotheken-Instrumente  wird  sodann  von  derselben  Kommission  ein  Vermerk
  dahin  registrirt:

daß  über  den  Betrag  des  innen  verschriebenen  Darlehns  Neue  Pfandbriefe
  ausgefertigt  worden  seien,  und  daß  dem  zufolge  der  Landschaft
eine  Disposition  über  das  Darlehnkapital  zwar  zum  Zweck  der  Befriedigung
  von  Pfandbriefinhabern  und  der  Einlösung  von  Pfandbriefen
nach  F.  34.  des  Regulativs,  außerdem  aber  nur  insoweit  zustehe,  als
vorher  ein  entsprechender  Betrag  von  Pfandbriefen  aus  dem  Umlaufe
zurückgezogen  und  kassirt,  oder  aber  durch  richterliches  Erkenntniß  amortisirt,
  oder  endlich  nach  Kündigung  und  Aufgebot  hinsichtlich  des
Pfandbriefrechts  präkludirt  worden  sei.

Der  Hypothekenrichter  darf  nur  in  dieser  Voraussetzung  löschen  oder  Ces.-sionen
  eintragen.  Nur  in  dem  Falle,  wenn  das  beliehene  Grundstück  zur  Subbastation
  estellt  und  aus  den  Kaufgeldern  desselben  das  Darlehn  oder  ein  Theiletrag

  dessclben  abgezahlt  wird,  findet  die  Löschung  des  abgezahlten  Betrages  im
Hypothekenbuche  auf  Grund  der  Kaufgelderbelegungs-Verhandlung  und  ohne
Produktion  dafür  eingelöster  Neuer  Pfandbriefe  statt;  die  Landschaft  aber  ist
nichtsdestoweniger  verpflichtet,  den  empfangenen  Betrag  zur  Einlösung  aufzukündigender
  Neuer  Pfandbriefe  zu  verwenden  und  diese  aus  dem  Umlaufe  genommenen
Briefe  zu  kassiren.

g.  33.
Zinskupons.

Den  Neuen  Pfandbriefen  werden  von  der  Generallandschafts-Direktion
(Nr.  6933)  248“  selbst-
        <pb n="2069" />
        —  1892  —

sselbstständ  ee  Zinsanweisungen  (Zinskupons)  nach  anliegendem  Muster  und  auf
ängstens  Ka  Jahre  beigegeben;  die  Ausreichung  wird  auf  den  Kapitalbriefen
abgestempelt.
*iop
Rechte  des  Pfandbriefinhabers.

Der  Inhaber  eines  Neuen  landschaftlichen  Pfandbriefes  hat  das  Recht,  von
der  Landschaft

a)  die  terminliche  Zahlung  der  verschriebenen  Zinsen,  und  zu  dem  Zweck  die
Ausreichung  und  Einlösung  der  Zinskupons,

b)  die  Zahlung  des  verschriebenen  Kapitals  in  dem  Falle  zu  verlangen,  wenn
sein  Pfandbrief  als  ein  durch  das  Loos  zur  Baareinlösung  bezeichneter
öffentlich  aufgerufen  worden  ist.

Sollte  er  seine  Befriedigung  von  der  Landschaft  im  Verwaltungswege
nicht  erlangen,  so  steht  ihm  die  Befugniß  zu,  im  ordentlichen  Rechtswege  gegen
die  Landschaft  seine  Befriedigung

a)  zunächst  aus  dem  Sicherheitsfonds,  und

b)  demnächst  aus  denjenigen  Hypothekenforderungen,)  welche  die  Landschaft
für  bewilligte  Darlehne  erworben  hat,

mittelst  richterlicher  Ueberweisung  zu  suchen.

Eine  Befugniß  zur  Kündigung  des  Kapitals  steht  dem  Inhaber  eines  Neuen
Pfandbriefes  nicht  zu.

K.  35.
Zinszahlung.  Verjährung.

Die  Hahnd.  der  Zinsen  durch  Einlösung  der  Kupons  erfolgt  vom
25.  Juni  und  28.  Dezember  ab  an  öffentlich  bekannt  zu  machenden  Tagen  bei
den  Kassen  der  Fürstenthumslandschaften  und  bei  der  Generallandschafts-Direktion.

Ein  Aufgebot  und  eine  Mortifikation  der  Zinskupons  findet  nicht  statt.

Bei  Ablauf  der  Periode,  für  welche  die  Zinskupons  ausgereicht  gewesen,
werden  die  neuen  auf  Vorzeigen  der  Pfandbriefe  an  deren  Inhaber  verausfolgt.

Das  Forderungsrecht  aus  den  Kupons  und  also  das  Recht  der  Zinsenforderung
  für  die  darin  bezeichneten  Termine  erlischt,  wenn  die  Kupons  innerhalb
vier  Jahren,  vom  VersH  termine  ab  gerechnet,  also  spätestens  in  dem  achten
Zinstermine,  nicht  zur  Einlösung  vorgelegt  worden  sind.

g.  36.
Kapitalzahlung.
Hinfichtlich  der  Einlösung  der  Kapitalbriefe  gelten  folgende  Bestimmungen:

a)  Die  einzulösenden  Pfandbriefstücke  werden  durch  Ausloosung  gesucht  und,
nach
        <pb n="2070" />
        —  1893  —

nach  vorgäneiger  öffentlicher  Aufkündigung,  in  den  balbiährigen  Zinsterminen
  mittelst  Baarzahlung  des  Nennwerthes  eingelöset.

b)  Jede  von  der  Landschaft  ausgehende  Kündigung  von  Pfandbriefen  muß,
wenn  der  Einlösungstermin  in  Johannis  eintreten  soll,  schon  im  vorgängigen
  Monat  Januar,  und  wenn  derselbe  in  Weihnachten  eintreten
2l  schon  im  vorgängigen  Monat  Juli  durch  dasjenige  öffentliche  Blatt,
welches  zur  Publikation  amtlicher  Erlasse  in  der  Provim  bestimmt  ist
Gur  Zeit  durch  die  Regierungs-Amtsblätter),  auf  Kosten  der  Landschaft
veröffentlicht,  der  Kündigungserlaß  auch  bei  den  Schlesischen  Landschaftskassen
  und  an  den  n  von  Breslau  und  Berlin  ausgehängt  werden.
Ob  und  in  welchen  anderen  Blättern  die  Bekanntmachung  zu  inseriren,
bleibt  dem  Ermessen  der  Generallandschafts-Direktion,  von  welcher
dieselbe  ausgeht,  überlassen.

In  dem  Erlasse  muß  der  gekündigte  Pfandbrief  nach  dem  Zinssatze,
  der  Serie,  der  Nummer  und  dem  Betrage  bezeichnet,  der  Fülligkeitstermin
  des  Kapitals  angegeben,  die  Mussorderung  zu  sofortiger
Einlieferung  des  Pfandbriefes  enthalten,  die  Rechtsfolge  der  Unterlassung
  dahin  ausgedrückt  sein:  daß  der  säumige  Inhaber  mit  dem
Pfandbriefrechte  präkludirt  und  mit  seinen  Ansprüchen  auf  die  bei  der
Landschaft  zu  deponirende  Baarvaluta  werde  verwiesen  werden.

Weiterhin  muß  im  Laufe  der  Monate  Mätz  und  bezüglich  September
  die  Aufforderung  zur  Einlieferung  durch  dasselbe  Blatt  in  Betreff
aller  bis  dahin  nicht  eingelieferten  Pfandbriefe  und  zwar  auf  Kosten
der  Inhaber  derselben  wiederholt  werden.

c)  Die  Inhaber  der  gekündigten  Pfandbriefe  sind  verpflichtet,  dieselben  vor
dem  Verfalltermine  in  der  Landschaftskasse  abuulien  oder  postfrei  einzusenden.
  Ueber  die  Einlieferung  wird  von  der  Landschaft  Rekognition
ertheilt,  und  gegen  Rückgabe  dieser  im  Verfalltermine  die  Kapitalzahlung
  geleistet.

1)  Mit  den  Kapitalbriefen  müssen  auch  entsprechende  Zinskupons  —  soweit
diese  vorausgereicht  und  am  Verfalltermine  des  Kapitals  noch  nicht
fällig  sind  —  murüchgeliefert  werden;)  für  nicht  zurückgelieferte  wird  der
lice  Betrag  am  Kapitale  gekürzt,  um  weiterhin  zur  Einlösung  dieser
sehlenden  Kupons  verwendet  zu  werden.

e)  Wenn  ein  gekündigter  Pfandbrief  nicht  spätestens  sechs  Wochen  vor
dem  Fälligkeitstermine,  d.  i.  bis  zum  15.  Mai,  bezüglich  15.  November,
eingeliefert  und  hiedurch  ein  Verzug  in  der  rechtzeitigen  Jahlung  herbeigeführt
  worden  ist,  so  hat  der  Gläubiger  den  hieraus  entstehenden  Zinsenverlust
  sich  selbst  beizumessen.

f)  Wenn  aber  der  gekündigte  Pfandbrief  auch  im  Fälligkeitstermine  und
längstens  bis  zum  1.  August  (für  den  Johannistermin))  bezüglich  1.  Februar
  (für  den  Weihnachtstermin)  nicht  eingeliefert  worden  ist,  so  hat
die  Generallandschafts  -Direktion  die  Baarvaluta,  nach  Entnahme  des

Mer.  693.)  dem
        <pb n="2071" />
        —  1894  —

dem  Gläubiger  zur  Last  fallenden  verhältnißmäßigen  Beitrages  zu  den
Kosten  der  wiederholten  Kündigungsbekanntmachung,  zu  ihrem  Depositorium
  zu  veranschaffen  und  die  in  dem  Kündigungserlasse  angedrohte
Präklusion  und  Verweisung  durch  eine  Resolution  festzusetzen.

8)  Nach  Ablauf  eines  Vierteljahres,  vom  Fälligkeitstermine  ab  gerechnet,
also  mit  dem  1.  October,  bezüglich  1.  April  tritt  die  Verbindlichkeit  der
Landschaft,  als  Depositalbehörde,  ein,  dem  Inhaber  des  Pfandbriefes
von  der  für  ihn  deponirten  und  zinsbar  zu  benutzenden  Baarvaluta
33  Prozent  Depositalzinsen  zu  berechnen,  oder  aber  die  Valuta  für
Rechnung  des  Gläubigers  in  Neue  Pfandbriefe  umzusetzen.

h)  Hat  der  Inhaber  den  gekündigten  Pfandbrief  zwar  vor  dem  Verfalltermine
  eingeliefert,  die  Baarvaluta  aber  unabgehoben  gelassen,  so  findet
wegen  deren  Deposition  und  Verzinsung  dasselbe  statt,  was  vorstehend
für  den  Fall  der  unterlassenen  Einlieferung  vorgeschrieben  ist.

i)  Wenn  ein  Pfandbrief  nicht.  durch  Baarzahlung  eingelöst,  sondern  nur
weil  die  Landschaft  gerade  dieses  individuellen  Pianbbrefes  zu  einer  bestimmten
  Operation  bedarf,  mittelst  eines  anderen  gleichhaltigen  Pfandbriefes
  eingetauscht  werden  soll,  so  muß  derselbe  ebenfalls  öffentlich  aufgekündigt
  werden.  Auch  für  diesen  Fall  gelten  die  vorstehenden  Bestimmungen,
  mit  den  aus  der  Natur  der  Balut  sich  von  selbst  erge.
benden  Abweichungen.  Der  Betrag  nicht  eingelieferter  Kupons  wird
hier  durch  Zurückhalten  der  entsprechenden  Kupons  des  Ersatzbriefes  gedeckt,
  der  verhältnißmäßige  Beitrag  zu  den  Kosten  der  wiederholten
Kündigungsbekanntmachung  aus  den  Viesen  des  Ersatzbriefes  entnommen,

und  an  die  Stelle  der  von  der  Valuta  eines  nicht  eingelieferten  Pfandbriefes

  zu  entrichtenden  Depositalzinsen  treten  hier  die  dem  Inhaber  unverlürzt
  zu  Gute  gehenden  Zinsen  des  Ersatzbriefes.

 

 

§.  37.
Umlauf  der  Pfandbriefe.

Da  die  Pfandbriefe  nicht  auf  die  Namen  bestimmter  Gläubiger  lautend)
sondern  auf  jeden  Inhaber  ausgefertigt  werden,  so  finden  wegen  der  Eigenthumsübertragung,
  der  Vindikation,  des  Aus=  und  Wiederinkurssetzens  derselben  die
gemeingesetzlichen  Bestinmmungen  über  die  auf  jeden  Inhaber  lautenden  Papiere
auch  auf  diese  Neuen  Pfandbriefe  Anwendung.

g.  38.
Deposition.

Pfandbriefinhaber,  welche  ihre  Pfandbriefe  unter  Zurückhaltung  der  Zins  ·
kupons  bei  der  Landschaft  niederlegen,  empfangen  über  das  Depositum  eine  auf
ihren  Namen  lautende  Depositalrekognition,  und  haben  an  Depositalgebühren  gleich
bei  der  Niederlegung  von  einem  Depositum  unter  1000  Thaler  zwanzig  Silbergroschen,
        <pb n="2072" />
        —  1895  —

groschen,  und  von  einem  größeren  Depositum  denselben  Betrag  für  je  1000  Thaler
ein-  für  allemal  zu  entrichten.

§.  39.
Umfertigung.

Wenn  ein  neuer  Pfandbrief  durch  Vermerke,  oder  Befleckung,  oder  Beschädigung
  zum  ferneren  Umlaufe  unbrauchbar  geworden  ist,  gleichwohl  aber  die
wesentlichen  Kriterien  der  Aechtheit  und  Identität,  nämlich  die  Bezeichnung  des
Zinsfußes,  der  Serie,  der  Nummer,  des  Kapitalbetrages,  der  ausfertigenden
Generallandschaft,  und  den  Vermerk  der  Kontrolkommission  annoch  erkennen  läßt,
so  kann  der  Inhaber  die  Umschreibung  desselben  nach  Maaßgabe  des  Gesetzes  vom
4.  Mai  1843.  (Gesetz.  Samml.  S.  177.)  beantragen,  und  die  Verausfolgung
eines  neuen  gleichhaltigen,  kursfähigen  Pfandbriefes  anstatt  jenes,  gegen  Berichtigung
  der  Ausfertigungskosten  einschließlich  der  Schreibegebühren,  verlangen.

Ebenso  rweben  für  völlig  vernichtete  Pfandbriefe,  wenn  die  Thatsache  der
Vernichtung  in  einer  jeden  Zweifel  und  jede  Ungewißheit  ausschließenden  Art  und
Weise  nachgewiesen  worden,  andere  Exemplare  unter  denselben  Nummern  und
über  dieselben  Beträge  gegen  Erstattung  der  Auslagen  ausgefertigt.  Ob  der  vorerforderte
  Beweis  geführt  sei,  bleibt  lediglich  der  Baurtheilung  der  Landschaft
vorbehalten.

Wemn  dieser  Beweis  nicht  geführt  worden  —  oder  wenn  in  dem  vorhin
gedachten  Falle  der  Beschädigung  die  wesentlichen  Kriterien  des  Pfandbriefes  nicht
mehr  erkenntlich  sind,  sowie  in  allen  Fällen,  wenn  der  Pfandbrief  dem  Inhaber
entwendet  oder  sonst  abhanden  gekommen  ist  —  findet  eine  Ausfertigung  nur
nach  vorgängigem  Aufgebot  und  gerichtlicher  Amortisation  desselben  (H.  40.)  und
in  diesem  Falle  immer  unter  neuer  Nummer  statt.

S.  40.
Aufgebot,  Amortisation  der  Pfandbriefe.

Wenn  ein  neuer  Pfandbrief  seinem  Inhaber  entwendet  worden  oder  sonst
abhanden  gekommen  ist,

a)  so  hat  die  Generallandschafts-Direktion  die  ihr  von  dem  Inhaber  hierüber
  erstattete  Anzeige,  in  welcher  die  behauptete  Thatsache  bescheinigt
sein  muß,  unter  genauer  Bezeichnung  des  Pfandbriefes  und  des  Antragstellers,
  sofort  durch  das  für  die  Publikation  amtlicher  Erlasse  bestimmte
öffentliche  Blatt,  und  durch  zwei  in  Breslau  erscheinende  Zeitungen  bekannt
zu  machen.  Sodann  muß  die  nächste  periodische  Erneuerung  der  Zinskupons
  abgewartet  werden.  Wenn  auf  die  zu  diesem  Zwecke  erlassene
allgemeine  Aufforderung  an  alle  Pfandbriefinhaber  der  in  Rede  stehende
Pfandbrief  nicht  eingereicht  wird,

b)  so  erläßt  die  Generallandschafts-Direktion  die  förmliche  Ediktalladung  und
fordert  den  ewanigen  Inhaber  auf,  sich  spätestens  in  einem,  auf  den  zweiten
Zinstermin  nach  der  Ediktalladung  anzuberaumenden  Präjudizialtermine

Tr.  6933.)  L
        <pb n="2073" />
        —  1896  —

zu  melden,  widrigenfalls  er  mit  allen  Ansprüchen  an  die  Landschaft,
welche  er  aus  dem  Pfandbriefe  herleiten  könnte,  werde  präkludirt  und
der  Pfandbrief  selbst  werde  amortisirt  werden.  Die  Ladung  wird  in  den
vorhin  bezeichneten  Blättern  und  in  einer  Berliner  Zeitung  dreimal  und
dergestalt  inserirt,  daß  von  der  letzten  Insertion  bis  zu  dem  Termine  eine
dreimonatliche  Frist  offen  bleibt.  Außerdem  wird  dieselbe  bei  allen  Schlesischen
  Landschaftskassen  und  an  den  Börsen  zu  Breslau  und  Berlin
ausgehängt.

Meldet  sich  vor  oder  in  dem  anberaumten  Termine  Niemand,  so
werden  die  Akten  mit  einer  von  der  Generallandschafts-Direktion  auszustellenden
  Bescheinigung  des  Inhalts:  daß  seit  der  ersten  öffentlichen
Bekanntmachung  (a.)  der  Pfandbrief  nicht  eingeliefert  und  ein  Anspruch
darauf  nicht  angemeldt  worden  sei,  dem  Gerichte  der  Stadt  Breslau
vorgelegt,  und  dieses  setzt,  bei  befundener  Beobachtung  der  obigen  Vorschriften,
  die  angedrohte  Präklusion  und  Amortisation  durch  ein  Erkenntniß
  fest,  welches  durch  Aushang  an  der  Gerichtsstätte  publizirt  wird.
Sobald  die  Entscheidung  rechlskräfiig  eworden,  wird  die  erfolgte  Amortisation
  von  der  Genen#llindschaffsg  'erekeon  öffentlich  bekannt  gemacht
und  der  amortisirte  Pfandbrief  in  dem  Pfandbriefregister  gelöscht,  dem
Extrahenten  aber  ein  neuer  ausgefertigt  (F.  39.).

.  41.
Kapitalverjährung.

Ist  ein  Neuer  Pfandbrief  während  dreißig  Jahren  zur  Erneuerung  der
Zinskupons  nicht  eingereicht  worden,  so  wird  das  öffentliche  Aufgebot  desselden
von  der  Generallandschafts-Direktion  eingeleitet  und  auf  deren  Requisition  von
dem  Richter  die  Präklusion  des  Inhabers  und  die  Amortisation  des  Pfandbriefes
erkannt.  Es  kommen  dabei  überall  die  in  dem  vorhergehenden  Paragraphen  unter
Buchstabe  b.  enthaltenen  Bestimmungen  mit  der  Abweichung  zur  Anwendung,  daß
die  Bescheinigung  auf  den  ganzen  dreißigjährigen  Jeitraum  gerichtet  werden  muß.

Ist  die  Valuta  für  einen  gekundigten  fandbrief  während  dreißig  Jahren,
welche  vom  Fälligkeitstermine  ab  zu  berechnen  sind,  nicht  erhoben  worden,  so
findet.  egsselbe  statt,  was  vorstehend  hinsichtlich  der  präskribirten  Pfandbriefe  verordnet
  ist.

C.  Von  dem  Sicherheitsfonds.

§S.  42.
Bestimmung.

Der  Sicherheitsfonds  ist  dazu  bestimmt)  die  ForderungSrechte  der  Inhaber
Neuer  Pfandbriefe  zu  garantiren  und  die  Erfüllung  der  entsprechenden  Zahlungsverbindlichkeiten
  sicher  zu  stellen.  Insoweit  daher  bei  der  Subhastation  eines  beliehenen
  Grundstücks  das  darauf  gewährte  Darlehn  nicht  vollständig  mit  seinen

Neben-.
        <pb n="2074" />
        —  1697  —

Nebenforderungen  zur  Perzeption  gelangt,  und  aus  dem  für  dies  Grundstück
aufgesammelten  Amortisationsfonds  nicht  gedech  werden  kann,  muß  der  Ausfall
von  dem  Sicherheitsfonds  übertragen,  und  daher  auch  der  durch  Hypothek  nicht
mehr  gedeckte  und  deswegen  aus  dem  Umlauf  zurückzuziehende  Betrag  Neuer
Pfandbriefe  durch  Zahlung  der  Valuta  aus  dem  Sicherheitsfonds  eingelöset
werden.

e
Quellen.
In  den  Sicherheitsfonds  fließet:

a)  das  in  der  Jahreszahlung  des  Schuldners  (§.  16.)  enthaltene  einhalb
Prozent  der  Darlehnsschuld  (welches  außer  dem  zur  Verzinsung  der
Pfandbriefe  und  zur  Deckung  der  Verwaltungskosten  bestimmten  Betrage
entrichtet  wird)  während  der  ersten  zehn  Jahre  des  Schuldverhältnisses;

b)  es  fließen  dazu  ferner  die  innerhalb  der  vierjährigen  Verjährungsfrist
nicht  erhobenen  Pfandbriefzinsen  (F.  35.);

c)  die  nach  dreißigjähriger  Präskriptionsfrist  aufgebotenen  und  gerichtlich
amortisirten  Pfandbriefe  und  Pfandbrief-Einlösungsvaluten  nebst  Zinsen

41.);

d)  der  Zinsgewinn,  welchen  die  Landschaft  aus  der  zinsbaren  Belegung
unabgehobener  Zinsen  und  Kapitalien  etwa  bezieht;

e)  endlich  wachsen  dem  Fonds  die  Zinsen  seiner  Bestandspfandbriefe  zu.

K.  44.
Verwaltung.

Der  Fonds  wird  von  der  Generallandschafts-Direktion  verwaltet.  Die
Bestände  desselben  werden  in  Neuen  Pfandbriefen  angelegt  und  diese  durch  Kün.
digung  nach  dem  Loose  und  Baareinlösung  nach  dem  Nennwerthe  beschafft.  Zu
dem  K###  wird  für  jeden  Zinstermin,  und  zwar  sieben  Monate  vor  Eintritt
deselben,  ein  Etat  der  *  erwartenden  und  anzulegenden  Baareinnahmen  projektirt,
und  der  Betrag  zur  Ausloosung  und  Aufkündigung  eines  gleichnamigen  Pfandbriefbetrages
  gestellt  (K.  36.).

Die  also  in  den  Sicherheitsfonds  gelangten  Pfandbriefe  bleiben  weiterhin
von  der  Ausloosung  ausgeschlossen.

G.  5.
Rechnungslegung.

Die  Rechnung  über  den  Sicherheitsfonds  wird  ganzjährig  aufgestellt  und
von  dem  durch  drei  Meistbetheiligte  aus  der  Zahl  der  Onlezußgaldsen  zu  verstärkenden
  Engeren  Ausschusse  der  Landschaft  revidirt  und  abgenommen.  Die
Meistbetheiligten  werden  von  der  Generallandschafts-Direktion,  und  zwar  je

Johigang  1807.  (Nr.  6937.)  249  einer
        <pb n="2075" />
        —  1898  —

einer  aus  dem  Oberschlesischen,  aus  dem  Mittelschlesischen  und  aus  dem  Niederchlesischen
  Landschaftsdepartement  einberufen.  Sie  beziehen  an  Diäten  für  den

eise.  und  resp.  den  Arbeitstag  drei  Thaler,  an  Reisekosten  die  mittleren  der  in
dem  Königlichen  Erlasse  vom  10.  Juni  1848.  normirten  Reisekostensätze.

Die  Meistbetheiligten  treten  mit  dem  Engeren  Ausschusse  zusammen,  und
nehmen  an  allen,  die  Revision  und  Abnahme  der  Rechnungen  über  den  Sicherbeitssonds
  —  ingleichen  der  Rechnungen  über  den  Amortisationsfonds  (6.  28.)  —

gtreffenden  Verhandlungen  desselben  Theil,  wobei  ihnen  das  volle  Stimmrecht
gebührt.

Nach  beendeter  Rechnungsabnahme  wird  der  Lautbetrag  der  Einnahme
und  der  Ausgabe,  der  verbliebene  Bestand  des  Sicherheitsfonds,  und  der  Betrag
der  kontribuirenden,  d.  i.  der  schwebenden  Pfandbriefschuld,  veröffentlicht.

D.  Allgemeine  Bestimmungen.

1)  Das  vorstehende  revidirte  Regulativ  tritt  mit  dem  1.  Mai  1868.  in  Kraft.
Von  diesem  Tage  ab  findet  eine  Bewilligung  von  Darlehnen  und  eine
Ausfertigung  von  Neuen  Pfandbriefen  auf  der  Grundlage  des  alten
Regulativs  vom  11.  Mai  1849.  nicht  weiter  statt.  Alle  nach  diesem
Tage  auf  nicht  inkorporirte  Grundstücke  gewährte  Darlehne  und  alle  nach
diesem  Tage  ausgefertigten  Neuen  Pfandbriefe  unterliegen  den  Bestimmungen
  des  revidirten  Regulativs.

2)  Die  durch  die  Ausführung  des  alten  Regulativs  vom  11.  Mai  1849.
bis  zum  1.  Mai  1868.  begründeten  Rechtsverhältnisse  bleiben  unverändert
fortbestehen.  Insbesondere  bleiben

a)  den  Inhabern  derjenigen  Neuen  Pfandbriefe,  welche  auf  Grund  des
alten  Regulativs  vom  11.  Mai  1849.  emittirt  worden  sind,  die  in
demselben  Regulativ  ihnen  beigelegten  Rechte  und  darunter  namentlich
das  Recht,  te  Befiedigng  eintretenden  Falls  aus  dem  für  diese
Pfandbriefe  nach  *  9.  22.  a.  a.  O.  gewidmeten  Sicherheitsfonds
und  aus  den  von  der  Landschaft  vor  dem  1.  Mai  1868.  erworbenen
Hypotheken  zu  verlangen,  ihnen  ausschließlich  vorbehalten.

Es  verbleibt  auch  dieser  Sicherheitsfonds  im  Genusse  der  ihm
überwiesenen  Hebungen,  und  es  wird  die  Verwaltung  desselben  auch
fernerhin  selbstständig  und  abgesondert  von  anderen  landschaftlichem
Fonds,  insbesondere  abgesondert  von  dem  für  die  ferner  zu  emittirenden
  Neuen  Pfandbtef.  nach  9  16.  42.  des  revidirten  Regulativs
gewidmeten  neuen  Sicherheitsfonds,  fortgeführt.

Gleichergestalt  bleiben  auch  die  Rechte  und  Verbindlichkeiten  der
Darlehnschuldner,  resp.  der  Besitzer  von  Grundstücken,  welche  auf
Grund  des  alten  Regulativs  vom  11.  Mai  1849.  beliehen  worden
sind,  fortbestehen,  die  Schuldner  daher  insbesondere  verpflichtet,  die

ihnen

b

–
        <pb n="2076" />
        —  1899  —

ihnen  im  §.  6.  desselben  Regulativs  auferlegten  Zahlungen  auch
fernerhin  zu  entrichten.

3)  Wenn  weiterhin  durch  die  nach  F.  31.  des  alten  Regulativs  vom  11.  Mai
1849.  fortgesetzte  Aufkündigung  und  Einlösung  von  Neuen  Pfandbriefen,
welche  auf  Grund  desselben  Regulativs  emittirt  sind,  alle  diese  Pfandbriefe
  aus  dem  Umlaufe  zurückgezogen  und  in  dem  für  sie  gewidmeten
Sicherheitsfonds  werden  angesammelt  worden  sein,  so  soll  dieser  Sicherheitsfonds
  als  solcher  geschlossen  und  ausgeschüttet,  der  zwanzigste  Theil
deselben  (fünf  Prozent)  soll  als  ein  zu  dem  dauernden  Zweck  der  Sicherstellung
  von  Dankhnen  )welche  auf  nichtinkorporirte  Grundstücke  gewährt
werden  und  von  Pfandbriefen,  welche  zu  diesem  Behuf  emittirt  werden,
gewidmetes  landschaftliches  Korporationsvermögen  mrütgehalten,  die
ubrigen  neunzehn  Zwanzigstel  urf  und  neunsig  Brozent)  es  Bestandes
sollen  zur  Abbürdung  der  auf  Grund  des  alten  Regulativs  vom  11.  Mai
1849.  ausgegebenen  Darlehne,  soweit  solche  alsdann  noch  verzinslich  ausstehen,
  verwendet  werden.  Für  die  Bestimmung  der  Theilnehmungsrechte
der  einzelnen  Schuldner  soll  alsdann  der  Gesammtbetrag  der  von  einem
Jeden  zu  diesem  Fonds  geleisteten  Beiträge  maaßgebend  seir

nsofern  hiernach  ein  Bestand  des  Fonds  übrig  bleibt,  wird  derselbe
  dem  vorgedachten,  durch  die  Rücklage  von  fünf  Prozent  gebildeten
Korporationsvermögen  überwiesen.

4)  Nach  Ablauf  von  zehn  Jahren  seit  der  landesherrlichen  Bestätigung  des
revidirten  Regulativs  wird  dies  Regulativ  wiederum  zur  Revision  gestellt,
und  werden  bei  dieser  wiederum  auch  Besitzer  nichtinkorporirter,  landschaftlich
  beliehener  und  nicht  beliehener  Grundstücke  gehört.

(Nr.  6933.)  249°  An-
        <pb n="2077" />
        —  10900

Anlage  A.  zu  §.  32.

 

Serie  .....  AM  .....  aa  .  ..  Thlr.

Der  Schlesischen  Landschalt

Neuer  Pfandbrief  übdr  .  Thaler  Courant,

à  30  Thlr.  per  Pfünd  fein  gerechnet,  und  .  .  .  Prozent.
jährliche  Zinsen.

Ausgefertig.  auf  Grund  des  Revidirten  Regulativs  v0ooo  .
Fundirt  auf  einen  Sicherheitslonds  und  auf  eine  gleichnamige  Hypothekenforderung.

  —  Kündbar  und  einlöslich  von  Seiten  der  Landschaft  —  unkündbar
  von  Seiten  des  Inhabers.
Breslau,  am  een  .  ..  ..  ....  18..

Schlesische  CGenerallandschafts-Direktion.
(L.  S.)  (Unterschriften.)

Auf  Grund  der  Vorschrift  in  §.  32.  des  Regulativs  vom
bestätigt.

Breslau,  am  iten

Control-Commission.
(Unterschriften.)

 

Zinskuponssind  ausgereicht
  bis  mit
        <pb n="2078" />
        —  1901  —

Anlage  B.  zu  §.  33.

(Vorderseite.)
(Adler)

Zinskupon  ..  Littr...  Rthlr.  .

Nach  Eintritt  des  Fälligkeitstermins  25.  Junz.-  (28.  Dezember)  zahlen
an  öffentlich  bekannt  zu  machenden  Tagen  die  Schlesischen  Landschaftskassen  dem
Einlieferer  dieses  Kupons  den  Betrag  vvo#  Thalern  als  halbjährige
Zinsen  eines  Schlesischen  Pfandbriefes  übrern...  Thaler.

Breslau,  am  #n  .  .  ..  18.

Schlesische  Generallandschafts-Direktion.

Eingetragen  im  Kuponregister  Fol

(Kehrseite.)

Das  Forderungsrecht  des  Inhabers  erlischt,  wenn  innerhalb  vier  Jahren  nach  Eintritt
  des  Fälligkeitstermins  dieser  Kupon  nicht  zur  Einlösung  vorgelegt  worden  ist.

 

(Nr.  6933—6934.)  (Nr.  6934.)
        <pb n="2079" />
        —  1902  —

(Nr.  6934.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  22.  November  1867.,  betreffend  die  Regelung  der
Disziplinarstrafgewalt  der  Universitäten  Kiel  und  Marburg.

A#½#  Ihren  gemeinschaftlichen  Bericht  vom  16.  November  d.  J.  bestimme  Ich
hierdurch,  daß  die  nach  den  #.  8.  beziehungsweise  23.  der  beiden  Verordnungen
über  die  Gerichtsverfassung  in  den  Herzogthümern  Schleswig  und  Holstein,  beziehungsweise
  in  dem  vormaligen  Kurfürstenthum  Hessen  vom  26.  Juni  d.  J.
(Gesth-Samml.  S.  1073.  und  1085.)  in  Wirksamkeit  verbliebene  Disziplinarstrafgewalt
  der  Universitätsbehörden  zu  Kiel  und  Marburg  Anwendung  finden
soll:  1)  bei  den  eigentlichen  akademi  den  Vergehen,  die  sich  auf  den  Stand  und
Beruf  der  Studirenden  und  deren  Verhältniß  gegen  die  Oberen  und  Lehrer  der
Universität  beziehen;  5  bei  allen  unter  Studirenden  vorfallenden  Ehrenkränkungen
  und  leichten  Mißhandlungen)  3)  bei  Duellen  unter  Studirenden  mit  Hiebwaffen,
  sofern  kein  Theil  eine  schwere  oder  erhebliche  Körperverletzung  erlitten  hat;
4)  bei  allen  Handlungen  der  Studirenden,  welche  im  Sinne  der  gemeinen  Strafgesetze
  als  Uebertretungen  anzusehen  sind,  jedoch  mit  Ausschluß  der  einfachen
Beleidigung  außer  den  Fällen  der  Nr.  2.  und  der  Zuwiderhandlungen  gegen  die
Vorschriften  über  die  Erhebung  öffentlicher  Abgaben  und  Gefälle.  #  ei  anderen
  als  den  vorstehend  bezeichneten  strafbaren  Handlungen  der  Studirenden
sollen  die  Universitätsbehörden  noch  ferner  und  ohne  Rücksicht  darauf,  ob  ein
gerichtliches  Stufpersahre  eingeleitet  worden  ist  oder  nicht,  und  in  welcher  Weise
das  eingeleitete  gerichtliche  Strafverfahren  geendigt  hat,  befugt  sein,  gegen  den
Angeschuldigten  auf  Ausschließung  von  der  Universität  (664#|
abeundi,  Relegation)  zu  erkennen.

Sie  haben  diesen  Meinen  Erlaß  durch  die  Gesetz  Sammlung  zur  öffentliche
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  22.  November  1867.

 

usion,)  Consilium

Wilhelm.
v.  Mühler.  Gr.  zur  Lippe.

An  die  Minister  der  geistlichen,  Unterrichts-  und
Medizinal-Angelegenheiten  und  der  Justiz.

(Nr.  6935.)
        <pb n="2080" />
        —  1903  —

(Nr.  6935.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  landesherrliche  Genehmigung  eines  Zusatzes  zu
Artikel  39.  der  Verfassung  der  Berlinischen  Lebensversicherungs.  Gesellschaft,
sowie  eine  Abänderung  des  Allerhöchsten  Erlasses  vom  31.  Mai  1862.
(Gesetz=  Samml.  1862.  S.  213.).  Vom  29.  November  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Hse  vom  16.  d.  V
den  in  der  Generalversammlung  vom  29.  April  d.  beschlossenen  Zus,
Artikel  39.  der  Verfassung  der  Berlinischen  keno  i  rhea  Gesell  schest.
ghie  und  zugleich,  in  Abänderung  der  Allerhöchsten  Order  vom  31.  Mi
1062  as  Erforderniß  einer  staatlichen  Genehmigung  des  Geschäftsplanes  der
genannten  Gesellschaft  für  die  Folge  aufzuheben  geruht.
Dies  wird  such  Vorschritt  der  §#p.  3.  und  4.  des  Gesetzes  über  die  Aktiengesellschaften

  vom  9.  November  1843.  mit  dem  Bemerken  zur  öffentlichen  Kennt.
95  ebracht,  daß  der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Zusatze  durch  das  Amtsblatt
der!  önig  ichen  Regierung  zu  Potsdam  und  der  Stadt  Berlin  bekannt  gemacht
werden  wir

Berlin,  den  29.  November  1867.

 

Der  Justizminister.  Der  Minister  des  Innern.
Gr.  zur  Lippe.  Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  6935  —69#6,))  (Nr.  6936.)
        <pb n="2081" />
        —  1904  —

(Nr.  6936.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  eines  Nachtrages  zu
dem  Statute  der  Pommerschen  Hypotheken-Aktienbank  zu  Cöslin.  Vom
4.  Dezember  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  9.  November
1867.  den  von  der  außerordentlichen  Generalversammlung  der  Pommerschen
Hypotheken-Aktienbank  in  Cöslin  laut  notarieller  Verhandlung  vom  10.  August
1867.  gefaßten  Beschluß  ween  Abänderung  des  unter  dem  1.  Oktober  1866.
genehmigten  Gesellschafts-Statuts  (Gesetz-Samml.  von  1866.  S.  703.  f..)  in  der  dem
zweiten  Antrage  der  Gesellschaft  entsprechenden  Fassung  zu  genehmigen  geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statutnachtrage  wird  durch  das  Amtsblatt
  der  Königlichen  Regierung  zu  Cöslin  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  4.  Dezember  1867.

Der  Der  Minister  für  Handel)
Finanzminister.  Gewerbe  und  offentliche  Arbeiten.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

 

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
R  o.  Decker,
        <pb n="2082" />
        —  1905  —
Gesetz-Sammlung
für  die
Königlichen  Preußischen  Staaten.

—  ——  —  —  —

—  Nr.  124.  —

 

(Nr.  6937.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  18.  November  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Insterburg,  Regierungsbezirk  Gumbinnen,
  in  Bezug  auf  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee
von  Insterburg  über  Neu.  Stobingen,  Trakinnen  und  Kummetschen  nach
Karalene.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  von  dem  Kreise
Insterburg,  im  Regierungsbezirk  Gumbinnen,  beabsichtigten  Bau  einer  Chaussee
von  Insterburg  über  Neu-Stobingen,  Trakinnen  und  Kummetschen  nach  Karalene
genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise  Insterburg  das  Ereo  riations.
recht  für  die  zu  dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur
Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  ver
für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.
Zugleich  will  Ich  dem  genannten  Kreise  gegen  Uebernahme  der  künftigen
chausseemäßigen  Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseeeldes
  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden
Ehauffregeld.  Tarift,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über
die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,
  wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt
  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife
vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen
  auf  die  gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz.  Sammlung  zur  öffintlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  18.  November  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplit.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Jobrgong  11667.  (Nr.  6937—6938.)  250  (Nr.  6938.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  18.  Dezember  1867.
        <pb n="2083" />
        —  1906  —

(Nr.  6938.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis-Obliga.
tionen  des  Insterburger  Kreises  im  Betrage  von  38,600  Thalern
II.  Emission.  Vom  18.  November  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

Nachdem  von  den  Kreisständen  des  Insterburger  Kreises  auf  dem  Kreistage
  vom  17.  März  1866.  beschlossen  worden,  die  zur  Ausführung  der  vom
Kreise  unternommenen  Chausseebauten  erforderlichen  Geldmittel  im  Wege  einer
weiteren  Anleihe  zu  beschaffen,  wollen  Wir  auf  den  Antrag  der  gedachten  Kreisstände:
  zu  diesem  Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  versehene,
  Seitens  der  Gläubiger  unkündbare  Obligationen  zu  dem  angenommenen
Betrage  von  38,600  Thalern  ausstellen  zu  dürfen,  da  sich  hiergegen  weder  im
Interesse  der  Gläubiger  noch  der  Schuldner  etwas  za  erinnern  gefunden  hat,
in  Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  zur  Ausstellung  von
Obligationen  zum  Betrage  von  38,600  Thalern,  in  Buchstaben:  achtunddreißig
Taußnd  sechshundert  Thalern,  welche  in  folgenden  Apoints:

10,000  Thaler  à  1000  Thaler,
9000.  à  500
19,600  ;„  100

„nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer  mit
fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu  bestimmenden
Folgeordnung  jährlich  vom  Jahre  1868.  ab  mit  wenigstens  jährlich  Einem  Prozent
des  Kapitals  unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den  getilgten  Schuldverschreibungen  zu
tilgen  sind,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landesherrliche  Genehmigung
mit  der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder  Inhaber  dieser  Obligationen
die  daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung  des  Eigenthums  nachweisen
  zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befugt  ist.

Das  vorstehende  Privilegium,  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird,  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

irundih  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  18.  November  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulen  burg.

Pro-
        <pb n="2084" />
        —  1907  —

Provinz  Preußen,  Regierungsbezirk  Gumbinnen.
Obligation  des  Insterburger  Kreises

II.  Emission

uͤber

Auf  Grund  des  unten  .  bestätigten  Kreistagsbeschlusses  vom
17.  März  1866.  wegen  Mufnahme  einer  Schuld  von  38,600  Thalern  bekennt  sich
die  ständische  Kommission  für  den  Chausseebau  des  Insterburger  Kreises  Namens
des  Kreises  durch  diese,  für  jeden  Inhaber  gültige  ,  Seitens  des  Gläubigers  unkündbare
  Berschreibun  zu  einer  Darlehnsschuld  dvo  ....  Thalern
Preußisch  Kurant,  welcher  Betrag  an  den  Kreis  baar  gezahlt  worden  und  mit
fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  ist.

Die  glen  der  ganzen  Schuld  von  38,600  Thalern  geschicht  vom
Jahre  1868.  ab  allmälig  aus  einem  zu  diesem  Behufe  gebildeten  Tilgungsfonds
  von  wenigstens  Einem  Prozent  des  gesummten  Kapitals  jährlich,  unter  Luwachs
  der  Zinsen  von  den  getilgten  Schuldraten.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schulbverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  die  Musloofung.  erfolgt  vom  Jahre  1868.  ab  in  dem
Monate  Juni  jeden  Jahres.  Der  Kreis  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,
den  Tilgungsfonds  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche
noch  umlaufende  Schuldverschreibungen  zu  kündigen.  Die  aus  gloolen  sowie
die  gekündigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Bezeichnung  hrer  uchstaben,
Nummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Mhahlun  erfolgen
soll,  öffentlich  bekannt  gemacht.  Diese  Belanntmachung  erfolgt  sechs,  drei,  zwei
und  Einen  Monat  vor  dem  Zahlungstermine  in  dem  Amtsblatte  der  Königlichen
Regierung  zu  Gumbinnen,  sowie  in  einer  zu  Gumbinnen  und  in  einer  zu
Königsberg  erscheinenden  Zitung  «

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird  es
in  halbjährlichen  Terminen,  am  2.  Jannar  und  am  1.  Juli  jeden  Jahres,  von
heute  an  gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  gleicher  Münzsorte  mit  jenem
verzinset.

*7)½  5  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückabe
  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,
5  ö  der  Kreis-Kommunalkasse  in  Insterburg,  und  zwar  auch  in  der  nach  dem
Eintritt  des  Fälligkeitstermins  folgenden  Zeit.

(Xr.  6938.)  250“  Mit
        <pb n="2085" />
        —  1908  —

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibun
sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  surn  "
zuliefern.  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abezogen.


N8  Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren  nach
bblauf  des  Jahres  der  Fälligkeit  nicht  erhobenen  Zinsen,  verjähren  zu  Gunsten
des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Allgemeinen  Gerichtsordnung  Thl.  J.
Titel  51.  S#  120.  sequ.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Insterburg.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll.
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  der  Kreisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz
der  Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  sonst  in  glaubhafter
  Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
  und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezahlt
  werden.

Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind.  halbjährige  Zinskupons  bis  zum
Schlusse  des  Jahres  ..  ...  ausgege  en.  Für  die  weitere  Heit  werden  Zinskupons
auf  fünhährige  Perioden  ausgegeben.

ielAusgabe  einer  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  zu  Insterburg  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie
beigedruckten  Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der
neuen  Zinskupons-Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren
Vorzeigung  rechtzeitig  geschehen  ist.

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der
Kreis  mit  seinem  Vermögen.

Dessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
  ertheilt.

(Stempel.)

Insterburg,  den  nHHnHH  .  ...  18.

Die  ständische  Kreiskommission  für  den  Chausseebau  im  Insterburger
Kreise.

Anmerkung.  Die  Unterschriften  sind  eigenhändig  zu  vollziehen.

Pro-
        <pb n="2086" />
        —  1909  —
Provinz  Preußen,  Regierungsbezirk  Gumbinnen.

Zinskupon
Kreis-Obligation  bes  Iuserdinger  Kreises  II.  Emission
über  .  .  .  ..  let  u  ..  Prozent  Zinsen
über  ...  ..  Thaler  .  ...  .  Silbergroschen.

Der  Inhaber  dieses  Zinstupons  ppfangt  gegen  dessen  Rückgebe  in  der  Zeit
vom.  .  ..  bis  resp.  vom  n  bi.
und  späterhin  die  Zinsen  der  vorbenannten  Kreis.  Obligaion  für  das  Labshr
vom  .  .  ..  ..  ..  .  ..  bis.  mit  (in  Buchstabennng  Thalern
...  Silbergroschen  bei  der  Kreis-Kommunalkasse  zu  Insterburg.

(Stenel)
Insterburg,  den#rnn  .  .  ...
Die  ständische  Kreiskommission  für  den  ebanfa  eebau  im  Insterburger  Kreise.
Dieser  Zinskupon  ist  ungültig,  wenn  dessen  Geldbetrag
nicht  innerhalb  vier  Jahre,  vom  Ablauf  des  Kalenderjahres
  der  Fälligkeit  an  gerechnet,  erhoben  wird.
Anmerkung.  Die  Namens-  Unterschriften  der  Mitglieder  der  Kommission  können  mit
Lettern  oder  Falfe  imilestempeln  gedruckt  werden,  doch  muß  jeder  Zinskupon
mit  der  eigenhändigen  Unterschrift  eines  Kontrolbeamten  versehen  werden.

Provinz  Preußen,  NRegierungsbcezirk  Gumbinnen.

Dalon
zur  Kreis-Obligation  des  Insterburger  Kreises.
Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der  Obligation
  des  Insterburger  Kreises  II.  Emission
Littr.  über.  Thaler  à  fünf  Prozent  Zinsen
die  ..  .1  Serie  Zinskupons  für  die  fünf  Jahre  18.  bis  18  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  zu  Insterburg,  sofern  nicht  von  dem  als  solchen  legitimirten  Inhaber
  der  Obligation  rechtzeitig  dagegen  Widerspruch  erhoben  ist.
*2
Insterburg,  den  ....

Die  ständische  Kreiskommission  für  den  chnussethan  im  Insterburger  Kreise.
Anmerkung.  Die  Namens-=  Unterschriften  der  Mitglieder  der  Kommission  können  mit
Lettern  oder  Ftsimisestenwen  gedruckt  werden,  doch  muß  jeder  Talon  mit
der  Tarnhn  igen  Unterschrift  eines  Kontrolbeamten  versehen  werden.
zce  Talon  ist  zum  Unterschiede  auf  der  ganzen  Blattbreite  unter  den
beiden  legien  Zinskupons  mit  davon  abweichenden  Lettern  in  nachstehender
  Art  abzudrucken:

ter  Zins  -Aupon.  %  ter  Zins  -  Kupon.
Talon.

—

dr.  6p38—e938.)  f  (Tr.  6939.)
        <pb n="2087" />
        —  1910  —

(Nr.  6938.)  Konzessions-  und  Bestätigungs-Urkunde,  betreffend  den  Bau  und  Betrieb  einer
Zweigbahn  vom  Bahnhofe  Stolberg  der  Rheinischen  Eisenbahn  in  das
Stolberger  Thal,  an  dem  neuen  Etablissement  der  Spiegelmanufaktur  am
Schnorrenfeld  entlang,  bis  zum  Binsfelder  Hammer,  durch  die  Rheinische
Eisenbahngesellschaft,  sowie  einen  Nachtrag  zum  Statute  der  letzteren.
Vom  2.  Dezember  1867.

Wir  Wilhelm)  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  ꝛc.

Nachdem  von  Seiten  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft  auf  Grund  des
in  der  Generalversammlung  ihrer  Aktionaire  vom  27.  Mai  1865.  gefaßten  Beschlusses
  darauf  angetragen  worden  ist,  ihr  den  Bau  und  Betrieb  einer  Eisenbahn,
von  ihrem  Bahnhofe  Stolberg  der  Cöln-Aachener  Eisenbahnstrecke  ausgehend,  in
das  Stolberger  Thal,  dem  neuen  Etablissement  der  Spiegelmanufaktur  am  Schnorrenfeld
  entlang,  bis  zum  Binsfelder  Hammer  zu  gestatten,  wollen  Wir  in  Anerkennung
  der  Vortheile,  welche  diese  Eisenbahn  den  bergbaulichen,  gewerblichen
und  Verkehrs-Interessen  jenes  Thales  bietet,  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft
u  dieser  Erweiterung  ihres  Unternehmens,  sowie  zum  Baue  und  Betriebe  der  zur
Verbindung  dieser  Bahn  mit  den  industriellen  Etablissements  des  Stolberger

„Thales  erforderlichen  Abzweigungen  und  Anlagen  unter  den  in  dem  beigefügten,
von  Uns  hierdurch  bestätigten  Statutennachtrage  enthaltenen  Bedingungen  die
landesherrliche  Genehmigung  hiermit  ertheilen.

Zugleich  bestimmen  Wir,  daß  die  in  dem  Gesetze  über  die  Eisenbahn-Unternehmungen
  vom  3.  November  1838.  ergangenen  Vorschriften,  betreffend  das

propriationsrecht  und  das  Recht  Uar  vorübergehenden  Benutzung  fremder  Grundstücke,
  auf  das  in  Rede  stehende  Unternehmen  Anwendung  finden  sollen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  2.  Dezember  1867.

(L.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zur  Lippe.
        <pb n="2088" />
        —  1911  —

Nachtrag
zu  den

Statuten  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft.

K.  1.
Doas  durch  die  Allerhöchst  bestätigten  Statuten  vom  21.  August  1837.
gegründete  und  durch  die  Allerhöchste  Konzessions=  und  Bestätigungs-Urkunde
aeammt  Nachtrag  zu  den  Statuten  vom  5.  März  1856.  erweiterte  Unternehmen
er  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft  wird  ausgedehnt  auf  den  Bau  und  Betrieb
einer  Eisenbahn  vom  Bahnhofe  Stolberg  der  Cöln-Aachener  Linie  ausgehend  in
das  Stolberger  Thal,  dem  neuen  Etablissement  der  Spiegelmanufaktur  am  Schnorrenfeld
  entlang,  bis  zum  Binsfelder  Hammer,  sowie  auf  den  Bau  und  Betrieb
der  zur  Verbindung  dieser  Bahn  mit  den  gewerblichen  Etablissements  des  Stolberger
  Thales  erforderlichen  Abzweigungen  und  Anlagen.  ç
Diese  Erweiterung  bildet  fortan  einen  integrirenden  Bestandtheil  des  Rheinischen
  Eisenbahn-Unternehmens  und  es  finden  auf  dieselbe  das  Gesetz  vom  3.  November
  1838.  und  die  Bestimmungen  der  Allerhöchst  bestätigten  und  durch  Lach
trag  vom  5.  März  1856.  ergänzten  Statuten  der  Rheinischen  Eisenbahngesellschaft

  Anwendung.
K.  2.

Die  Rheinische  Eisenbahngesellschaft  ist  verpflichtet,  in  der  von  dem  Königlichen
  Ministerium  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten  festgestellten
Linie  das  Terrain  für  einen  zweigeleisigen  Bahnkörper  zu  erwerben,  und  auf  Anfordern
  des  nämlichen  Ministerisns  auf  dem  zwischen  dem  neuen  Etablissement
der  Spiegelmanufaktur  am  Schnorrenfeld  und  dem  Binsfelder  Hammer  gelegenen
Theile  desselben  der  Bergisch-Märkischen  Eisenbahngesellschaft  die  Anlage  eines
eigenen  Bahngeleises  auf  der  zu  diesem  Zwecke  an  dieselbe  —  gegen  Rückgewähr
der  darauf  verwendeten  verzinslichen  Kosten  —  abzutretenden  Hälfte  des  Bahnplanums
  zu  gestatten.  Für  den  Fall,  daß  künftig  die  Rheinische  Eisenbahngesellschaft
  sich  nicht  entschließen  möchte,  den  zweigeleisigen  Ausbau  einer  durch  das
Stolberger  Thal  weiter  führenden  Bahn  zu  übernehmen,  die  Bergisch-Märkische
Eisenbahngesellschaft  dahingegen  die  Welterfübrung  einer  zwei  geiigen  Bahn  über
den  Binsfelder  Hammer  hinaus  zur  Ausführung  bringt,  ist  die  Rheinische  Eisenbahngesellschaft
  verpflichtet,  die  ganze  Zweggbahn  von  der  Stolberger  Spiegelmanufaktur
  thalaufwärts,  soweit  dieselbe  zunächst  zur  gemeinsamen  Benutzung
bestimmt  ist,  gegen  Erstattung  der  von  ihr  aufgewendeten  Anlagekosten  an  die
Bergisch-Märäher  Eisenbahngesellschaft  abureten  )  während  diese  die  Verpflichtun
zu  übernehmen  hat,  von  dem  Abtreiungspunkte  (der  neuen  Srenann

(Xr.  6939—6940.  a
        <pb n="2089" />
        —  1912  —

ab  die  Transporte  der  Rheinischen  Eisenbahn  auf  der  Stolberger  Thalbahn  gleich
den  ihrer  eigenen  Bahn  zuständigen  zu  behandeln  und  zu  befoͤrdern.

K.  3.

Das  zum  Zwecke  der  Ausführung  der  im  8.  1.  bezeichneten  Erweiterung
des  Rheinischen  Eisenbahn-Unternehmens,  sowie  zur  verhältnißmäßigen  Vermehrung
des  Betriebsmaterials  erforderliche  Kapital  wird  vorläufig  auf  300,000  Thaler
angenommen  und  soll  dasseibe  je  nach  dem  Ermessen  der  Direktion  durch  Ausgabe
von  Stammaktien  oder  Obligationen  beschafft  werden.

Der  Zeitpunkt,  von  welchem  ab  die  eventuell  zu  emittirenden  Stammaktien
an  der  Dividende  Theil  nehmen,  sowie  die  sonstigen  Bedingungen  der  Emission
werden  von  der  Direktion  bestimmt  und  bekannt  gemacht.

ie

Die  finanziellen  Resultate  der  zu  erbauenden  Bahn  sollen  auf  die  im  §.  6.
des  Statutennachtrages  vom  5.  März  1856.  vorgesehene  Berechnung  eines  Rein.
ertrages  von  54  Prozent  keinen  Einfluß  üben,  sondern  es  soll  mit  Rücksicht  hierauf
so  lange,  als  die  mittelst  der  Allerhöchsten  Order  vom  2.  Juni  1860.  bewilligte
Zinsgarantie  des  Staates  für  das  zum  Bau  der  Brücke  zwischen  Coblenz  und
Ehrenbreissten  erforderliche  Anlagekapital  fortdauert,  getrennte  Rechnung  geführt
werden.  ·

 

(Nr.  6940.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  9.  Dezember  1867.,  betreffend  eine  Abänderung  des
Reglements  für  die  Feuersozietät  des  platten  Landes  von  Altpommern.

A#  den  Bericht  vom  6.  d.  M.  will  Ich  nach  dem  Antrage  des  38.  Kommunallandtages
  von  Altpommern  den  F.  34.  des  Feuersozietäts-Reglements  für
das  platte  Land  von  Altpommern  vom  20.  August  1841.  (Geseh  Samml.  S.
253.  ff.)  in  Verfolg  der  Verordnung  vom  23.  Oktober  1854.  (Gesetz=  Samml.
S.  575.)  hierdurch  anderweit  dahin  abändern:
„Der  ordentliche  jährliche  Beitrag  wird  vom  1.  Januar  1868.  ab  für
die  erste  Klasse  der  versicherten  Gebäude  auf  zwei,  für  die  zweite  Klasse
auf  acht,  für  die  dritte  Klasse  auf  sechszehn  und  für  die  vierte  Kafse
auf  zwei  und  dreißig  Silbergroschen  von  je  Einhundert  Thalern  der
Verscherungssumme  festgesetzt.“
Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.
Berlin,  den  9.  Dezember  1867.  ·
Wilhelm.

Gr.  zu  Eulenburg.
An  den  Minister  des  Innern.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckerei
(R.  v.  Decker).
        <pb n="2090" />
        —  1913  —

Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

Nr.  125.  —

 

(Nr.  6941.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  6.  November  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der  siskalischen
  Vorrechte  in  Bezug  auf  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Kreis-Chaussee
  von  Wiehe  nach  Reinsdorf  an  den  Kreis  Eckartsberga,  im
Regierungsbezirk  Merseburg.

N86  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Chaussee
von  Wiehe  nach  Reinsdorf  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise
Eckartsberga  im  Regierungsbezirk  Merseburg  das  Expropriationsrecht  für  die  zu
dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme
der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die
Staats-Chausseen  bestehenden  Vorfbreite  b  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich
will  Ich  dem  gedachten  Kreise  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chanssermäßigen.
Unterhaltung  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den
Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,
  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,
  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie
diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,
hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar
1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die
gedachte  Straße  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  6.  November  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Jabehenz  1867.  (Nr.  6941—6942)  251  (Nr.  6942.)

Ausgegeben  zu  Berlin  den  20.  Dezember  1867.
        <pb n="2091" />
        —  1914  —

(Nr.  6942.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis-Obligationen
des  Meseritzer  Kreises,  im  Regierungsbezirke  Posen,  im  Betrage  von
30,000  Thalern.  Vom  25.  November  1867.

Wir  Wilhbelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

Nachdem  von  den  Ständen  des  Meseritzer  Kreises  auf  dem  Kreistage  vom
29.  Juni  1867.  beschlossen  worden,  die  zur  Zeichnung  von  15,000  Talern
Stammaktien  und  15,000  Thalern  Stamm.  Prioritcktaftien  der  Märkisch-Posener
Eisenbahngesellschaft  erforderlichen  Geldmittel  im  Wege  einer  Anleihe  zu  beschaffen,
  wollen  Wir  auf  den  Antrag  der  gedachten  Kreisstände:  zu  diesem  Zwecke
auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  versehene,  Seitens  der  Gläubiger
unkündbare  Obligationen  zu  dem  angenommenen  Betrage  von  30,000  Thalern
ausstellen  zu  dürfen,  in  Gemäßheit  des  §.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.
zur  Ausstellung  von  Obligationen  zum  Betrage  von  30,000  Thalern,  in  Buchstaben:
  dreißig  Tausend  Khatem,  welche  in  folgenden  Apoints:

A.  10  Stück  à  500  Thaler  5,000  Thaler,

B.  450.  à  200  10,000

C.  100  à3  100  10,000

D.  125  à  40  5,0000
nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer  mit  fünf
Prozent  fährich  zu  verzinsen  und  nach  der.durch  das  Loos  zu  bestimmenden  Folgeordnung
  vom  Jahre  1872.  ab  mit  wenigstens  jährlich  Einem  Prozent  des  Kapitals
  und  dem  Betrage  der  durch  die  fortschreitende  Amortisation  ersparten  Zinsen
  zu  tilgen  sind,  wobei  dem  Kreise  das  Recht  vorbehalten  bleibt,  den  Tilgungsfonds
  zu  größeren  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche  noch  umlaufende
Obligationen  zu  kündigen,  durch  gcchemwitriges  Privilegium  Unsere  landesherrliche
Genehmigung  mit  der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder  Inhaber  dieser
Obligationen  die  daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung  des  Eigenthums
  nachweisen  zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befugt  ist.

Das  vorstehende  Privilegium)  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befriedigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird,  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  25.  November  1867.
(I.  S.)  Wilhelm.

Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

K

Pre-
        <pb n="2092" />
        —  1915  —
Provinz  Posen,  NegicrungebcCzirk  Dosen.

Obligation

des
Meseritzer  Kreises
Littr..  W.
über
Thaler  Preußisch  Kurant.
Auf  Grund  des  unten  .  ..  bestätigten  Kreistagsbeschlusses  vom

29.  Juni  1867.  wegen  Aufnahme  einer  Schuld  von  30,000  Thalern  bekennt
sich  die  kreisständische  Eisenbahnkommission  des  Meseritzer  Kreises  Namens  des
Kreises  durch  diese,  für  jeden  Inhaber  gültige,  Seitens  des  Gläubigers  unkündbare
  Verschreibung  zu  einer  Schuld  von  ..  .  ...  .  .  ..  Thalern  Preußisch  Kurant,
welchen  Betrag  der  Kreis  als  Darlehn  empfangen  hat,  und  welcher  mit  fünf
Prozent  jährlich  zu  verzinsen  ist.

Die  Rückzahlung  der  ganzen  Schuld  von  30,000  Thalern  geschieht  vom
ahre  1872.  ab  aus  einem  zu  diesem  Behufe  gebildeten  Tilgungsfonds  von
inem  Prozent  des  Kapitals  jährlich,  unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den  getilgten

Schuldverschreibungen.  Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldvershrei  ungen
  wird  durch  das  Loos  beftimmt.  Die  Ausloosung  erfolgt  vom  Jahre  1872.
ab  in  dem  Monate  September  jeden  Jahres.

Der  Kreis  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,  den  Tilgungsfonds  zu  größeren
Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche  noch  umlaufende  Schuldverschreibungen
  zu  kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie  die  gekündigten  Schuldverschreibungen
  werden  unter  Bezeichnung  ihrer  Buchstaben,  Nummern  und  Beträge,
sowie  des  Termins,  an  welchem  die  ückahlung  erfolgen  soll,  öffentlich  bekannt
gemacht.  Diese  Bekanntmachung  erfolgt  drei  Monate  vor  dem  Zahlungstermin
im  dem  Amtoöblatte  der  Königlichen  Regierung  zu  Posen,  in  der  Deutschen  und
Polnischen  Posener  Zeitung,  im  Staatsanzeiger  und  im  Meseritzer  Kreisblatte.

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird  es
in  halbjährlichen  Terminen,  am  2.  Januar  und  am  1.  Juli,  von  heute  an  gerechnet,
  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  gleicher  Münzsorte  mit  jenem  verzinset.  Die
Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rückgabe  der  fällig

ewordenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung,  bei  der  Kreis-Ho#munalrcsse
  in  Meseritz,  und  zwar  auch  in  der  nach  dem  Eintritte  des  Fällig-(Nr.
  6942)  251*  keits.
        <pb n="2093" />
        —  1916  —

keitstermins  folgenden  Zeit,  sowie  bei  der  Provinzial-Hülfskasse  in  Posen,  bei
letzterer  jedoch  nur  während  eines  halben  Jahres  nach  der  Fälligkeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sit,auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.


Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.

Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren  nach
Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  nicht  erhobenen  Zinsen,  verjähren  zu
Gunsten  des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Allgemeinen  Gerichtsordnung  Thl.  I.
Titel  51.  §#.  120.  seqdu.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Meseritz.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  der  Kreisverwaltung  ammeldet  und  den  stattgehabten  Besiz
der  Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  sonst  in  glaubhafter
  Weise  darthut,  nach  A  Lanh  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
  und  bis  dahin  nicht  vorgekommenen  Zinskupons  gegen  Quittung  ausgezabl#
werden.  Mit  dieser  Schuldverschreibung  sind  zehn  halbjährige  Zinskupons  bis
zum  Schlusse  des  Jahres  .  .  .  .  .  ausgegeben.

Für  die  weitere  Zeit  werden  Zinskupons  auf  fünfjährige  Perioden  ausgegeben.
  Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons.  Serie  erfolgt  bei  der  Kreisommunalkasse

  zu  Meseritz,  sowie  bei  der  Provinzial-Hülfskasse  zu  Posen  gegen
Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten  Talons.  Beim  Ver.
luste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen  Zinskupons=  Serie  an  de
Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung  rechtzeitig  gescheben  ist.

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der  Kreis
mit  seinem  Vermögen.

h  g  Oessen  zu  Urkund  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrif
ertheilt.

Meseritz,  den  H  18.

Die  kreisständische  Eisenbahnkommission  für  den  Meseritzer  Kreis.

Pro-
        <pb n="2094" />
        —  1917  —
Provinz  Posen,  Regierungsbezirk  Posen.
Zinskupon  I.  Serie

zu  der
Kreis-Obligation  des  Meseritzer  Kreises
Littr.  MW  .  .  ..
über  Thaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen
über
........  Thaler.·......Silberqrpfcheu.

Der  Inhaber  deses  Zinskupons  zaän  gegen  dessen  Rükgabe  in  der
Zeit  vom  ..  .  .  .  .  .  .  .  .  .  bis  .......  .  .  ..  resp.  vom  ..  ...  .  biii66

und  späterhin  die  Zisen  hdier  vorbenannten  Keis.  Obligation  set  2  bb
vom  .  .  .  ....  ....  bis.  mit  (in  Buchstabenynyn  alern
..........  Silbergroschen  bei  der  Kreis-Kommunalkasse  zu  Meseritz  und  o  der
Provinzial-Hülfskasse  zu  Posen.
Meseritz,  den  HHH  18.

Die  kreisständische  Eisenbahnkommission  für  den  Meseritzer  Kreis.

Dieser  Zinskupon  ist  ungültig,  wenn  dessen
Geldbetrag  nicht  innerhalb  vier  Jahren,  nach

Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit,  erboben
  wird.

Drovinz  PDosen,  Regicrungebezirk  Hosen.

Talon

zur
Kreis-Obligation  des  Meseritzer  Kreises.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  14  hegen  esen  Rückgabe  der
Obligation  des  Meseritzer  Kreises  Littr.  8übrer  aler
à  fünf  Prozent  Zinsen  die  .“  Serie  Iinebpee  für  die  fünf  Jahre  von  18.
bis  18.  bei  der  Kreis-Kommunalkasse  zu  Meseritz,  sowie  bei  der  Provinzialhuhen
  se  zu  Posen,  sofern  nicht  rechtzeitig  von  dem  als  solchen  legitimirten

mnhaber  der  Obligation  dagegen  Widerspruch  erhoben  worden  ist.

Meseritz,  den  n  ...  18.

Die  kreisständische  Eisenbahnkommission  für  den  Meseritzer  Kreis.

(Nr.  6942—6943.)  (Nr.  6943.)
        <pb n="2095" />
        —  1918  —

(Nr.  6943.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  7.  Dezember  1867.,  betreffend  die  Genehmigung  der
von  dem  Generallandtage  der  Westpreußischen  Landschaft  beschlossenen
Zusätze  zu  dem  Revidirten  Landschafts-Reglement  vom  25.  Juni  1851.

A##  Ihren  Bericht  vom  2.  Dezember  d.  J.  will  Ich  die  nach  den  Beschlüssen
des  diesjährigen  Generallandtages  der  Westpreußischen  Landschaft  in  der  Anlage
zusammengestellten  Zusätze  zu  dem  Revidirten  Landschafts-Reglement  vom  25.  Juni
1851.  hierdurch  genehmigen.
Dieser  Erlaß  ist  nebst  den  Zusätzen  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.

Berlin,  den  7.  Dezember  1867.

Wilhelm.
Gr.  zu  Eulenburg.

An  den  Minister  des  Innern.

Jusätze
zu  dem

Revidirten  Reglement  der  Westpreußischen  Landschaft  vom
25.  Juni  1851.

(Gesetz  Sammlung  für  1851.  Seite  523.  ff.)

Zu  85.  6.  24.  26.  Thl.  I.

uchohne  Taxe  kann  auf  ein  Gut  ein  Pfandbrief-Anlehn  bis  zur  Höhe  des
15  fachen  Betrages  des  Behufs  der  Regulirung  der  Grundsteuer  ermittelten
Reinertrages  deßioen  von  welchem  die  darauf  hafgerden  öffentlichen  und  gemeinen
Lasten  mit  Ausnahme  der  Grund-Gebäudesteuer  in  Abzug  zu  bringen,  bewilligt
werden,  wenn  zwei  Landschaftsbeamte  nach  angestellter  zihrrbe.  den  guten
Zustand  und  die  Zulänglichkeit  der  vorhandenen  Gebäude  und  des  Inventariums

bescheinigen.
Zum
        <pb n="2096" />
        —  1919  —

Zum  F.  43.  Thl.  I.

lLusätze  vom  15.  Februar  1858.  (Gesetz  Samml.  S.  38.),  2.  Augst  1858.  (Gesetz=
  Samml.  S.  452.),  26.  August  1861.  (Gesetz  Samml.  S.  769.)l.

Auf  die  Talons  ist  der  folgende  Vermerk  zu  setzen:

„Das  Porto  für  die  Einsendung  der  Talons  und  für  die  Ausreichung
  der  neuen  Kuponsserien  trägt  die  Landschaft,  jedoch  nur  bei
Werthsdeklarationen  bis  50  Thaler  für  sämmtliche  in  Einer  Hand  sich
befindenden  Kupons“.

Zum  8.  72.  Thl.  II.
Die  Mittheilungen  Seitens  der  Provinzialdirektionen  geschehen  fortan  nicht
mehr  an  die  Kreisdeputirten,  sondern  an  die  Landschaftsräthe.
Zum  F.  127.  Thl.  II.

Die  Einladung  zum  Kreistage  hat  die  Provinzialdirektion  im  Einvernehmen
mit  dem  Landschaftsrathe  zu  erlassen.

 

(Nr.  6944.)  Bekanntmachung,  betreffend  die  Allerhöchste  Genehmigung  des  zweiten  Statutnachtrages
  der  „Steinkohlenbergbau-Aktiengesellschaft  Vollmond“.  Vom
7.  Dezember  1867.

D.  Königs  Majestät  haben  mittelst  Allerhöchsten  Erlasses  vom  30.  November
1867.  den  von  der  Generalversammlung  der  „Steinkohlenbergßau-Aktiengesellschaft
Vollmond“  zu  Bochum  laut  notarieller  Verhandlung  vom  28.  September  v.  J.
beschlossenen  zweiten  Statutnachtrag  zu  dem  unterm  9.  Mai  1859.  bestätigten  Gesellschaftsstatute
  zu  genehmigen  geruht.

Der  Allerhöchste  Erlaß  nebst  dem  Statutnachtrage  wird  durch  das  Amtsblatt
  der  Königlichen  Regierung  zu  Arnsberg  bekannt  gemacht  werden.

Berlin,  den  7.  Dezember  1887.

Der  Minister  für  Handel)  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

Im  Auftrage:
Moser.

 

(Nr.  6943—6945.)  (Nr.  6945.)
        <pb n="2097" />
        —  1920  —

(Nr.  6945.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  14.  Dezember  1867.;  betreffend  die  Aufhebung  der
Ruhrschiffahrts-Abgabe  vom  1.  Januar  1868.  ab.

A##  Ihren  Bericht  vom  14.  d.  M.  bestimme  Ich,  daß  die  nach  dem  Tarife

vom  23.  März  1839.  (Gesetz-Samml.  S.  96.)  in  Verbindung  mit  den  Erlassen

vom  9.  Oktober  1848.  (Gesetz  Samml.  S.  345.),  vom  24.  März  1852.  (Gesetz-Samml.

  S.  86.)  und  vom  30.  März  1863.  (Gesch=  Semur.  S.  164.)  zu  entrichtende

  Ruhrschiffahrts-Abgabe  vom  1.  Januar  1868.  ab  nicht  ferner  zu  erheben  ist.
Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu

bringen.

Berlin,  den  14.  Dezember  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-  Ministeriums.
Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hosbuchdruckerel
(RN.  v.  Decker).
        <pb n="2098" />
        —  1921  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  .  126.

 

(Nr.  6946.)  Gesetz,  betreffend  die  Stempelsteuer  von  Spielkarten.  Vom  23.  Dezember  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  Koͤnig  von  Preußen  #c.

verordnen,  mit  Zustimmung  beider  Häuser  des  Landtages,  für  den  Umfang  der-Monarchie,
  was  folgt:
8.  I.

Die  von  Spielkarten  zu  entrichtende  Stempelsteuer  beträgt

-a)  8  Sgr.  (28  Kreuzer)  für  das  Spiel  Tarokkarten  und  Französische  Karten
von  mehr  als  32  Blättern,
b)  3  Sgr  (10;  Kreuzer)  für  das  Spier  Franzäfsche  Karten  von  32  oder
weniger  Blättern  (Piquetkarten),  Deutsche  Karten  und  Traplierkarten,
und  wird  zur  Staatskasse  erhoben.

.

Gegen  Entrichtung  der  im  H.  1.  bestimmten  S'tuer  erfolgt  die  Stempelung
  der  Hranzzsischen  und  Deutschen  Karten  auf  dem  Coeur-Aß,  der  übrigen
Karten  auf  dem  von  dem  Finanzminister  zu  bezeichnenden  Blatte.  Der  Kartenstempel
  enthält  unter  dem  Adler  die  Angabe  des  Steuerbetrages,  sowie  das
Zeichen  der  Steuerbehörde,  bei  welcher  die  Stempelung  verrichtet  ist.

3.
Die  Einfuhr  von  Spielkarten  in  Unsere  Staaten  ist  erlaubt.

KC.  4.

Alle  in  Unsere  Staaten  zum  Verbleibe  daselbst  eingehende  Spielkarten
unterliegen  derselben  Stempelsteuer,  wie  die  im  Inlande  verfertigten,  die  vom
Zollvereins-Auslande  eingeführten  Spielkarten  außerdem  der  tarifmäßigen  Eingangsabgabe.


Zvenrcone  Insz.  (N.  6946.)  "„  252  5.

Ausgegeben  zu  Berlin  den  24.  Dezember  1867.
        <pb n="2099" />
        —  1822  —

g.  5.

Wer  Spielkarten  in  Unsere  Staaten  einbringt,  oder  ungestempelte  Spielkarten
  daselbst  empfängt,  ist  verpflichtet,  dieselben  nach  Gattung  und  Menge
mit  der  Angabe,  ob  sie  zum  Verbleibe  im  Inlande  oder  zur  Durchfuhr  bestimmt
sind,  beim  Eingange  beziehungsweise  Swbsenge  der  Steuerbehörde  anzumelden
und  nach  deren  Anweisung  die  zum  Verbleibe  im  Inlande  bestimmten  Spielkarten
  zur  Stempelung  gegen  Entrichtung  der  gesetzlichen  Stempelsteuer  vorzulegen.

Die  näheren  Anordnungen  in  Letresf  der  Anmeldung  und  Vorlegung
der  Karten  zur  Stempelung  werden  von  dem  Finanzminister  erlassen.

g.  6.

Die  Fabrikation  von  Spielkarten  darf  nur  mit  besonderer  Erlaubniß  des
Finanzministers  und  in  den  von  demselben  Lrrchmigten  äumen  betrieben  werden.
  Die  Genehmigung  zu  einer  neuen  Spielkartenfabrik  wird  nur  in  dem
Falle  ertheilt,  wenn

1)  dieselbe  in  einem  Orte,  woselbst  sich  eine  zur  Wahrnehmung  der  steuerlichen
  Aufsicht  geeignete  Steuerbehörde  befindet,  angelegt  werden,  und
die  zu  einem  fabrikmäßigen  Betriebe,  sowie  zu  einer  angemessenen  Aufsicht
  und  Kontrole  erforderliche  Einrichtung  erhalten  soll;

2)  eine  auf  3000  bis  5000  Rthlr.  zu  bestimmende  und  nach  ertheilter
Konzession  sofort  zu  bestellende  Kaution  angeboten  wird.

Die  Fabrikanlage  muß  spätestens  binnen  3  Jahren,  von  dem  Zeitpunkte
der  Genehmigung  an  gerechnet,  vollendet  werden,  widrigenfalls  die  letztere  ihre
Gültigkeit  verliert.

G
Die  Vorschriften  im  F.  6.  finden  auf  den  Fortbetrieb  der  bereits  bestehenden
  Kartenfabriken  in  den  bisher  benutzten  Räumen  keine  Anwendung.  Auch
sind  erst  die  Besitznachfolger  der  gegenwärtigen  Inhaber  der  Fabriken  bei  Verlust
des  Fabrikationsrechtes  zu  einer  Kautionsstellung  von  3000  bis  5000  Thalern
(K.  6.  zu  2.)  verpflichtet.

g.  8.

Sämmtliche  Kartenfabrikanten  stehen  unter  steuerlicher  Kontrole  und  unterliegen
  den  steuerlichen  Revisionen.

.  9.

Was  hinsichtlich  der  Fabrikeinrichtung,  der  Fabrikation,  Stempelung,  Aufbewahrung
  und  Versendung  von  Spielkarten,  sowie  hinsichtlich  der  Buchführung,
der  bei  der  Steuerbehörde  zu  machenden  Meldungen  und  des  Einzelverkaufs  der
Spielkarten  von  den  Inhabern  der  Spielkartenfabriken  zu  beobachten  ist,  wird

durch  ein  von  dem  Finanzminister  zu  erlassendes  Regulativ  vorgeschrieben.
10.
        <pb n="2100" />
        —  1923  —

K.  10.

Für  die  Abführung  der  Steuern  können  angemessene  Fristen  gegen  Sicherheitsstellung
  bewilligt  werden.

Steuer-Erlaß  oder  Ersatz  kann  nur  von  dem  Finanzminister  und  zwar  für
inländische  Karten  nur  in  dem  Falle  gewährt  werden,  wenn  gestempelte  Kartenspiele
  bei  der  Verpackung  oder  Aufbewahrung  in  den  dazu  bestimmten  Fabrikräumen
  durch  einen  unverschuldeten  Zufall  zum  Gebrauche  untauglich  geworden
sind,  und  das  Ereigniß  binnen  24  Stunden  unter  Einlieferung  der  verdorbenen
uneröffneten  Kartenspiele,  sofern  dieselben  durch  den  Zufall  nicht  ganz  verloren
gegangen,  der  Steuerbehörde  angezeigt  wird.  ·

§.11.

Der  Detailhandel  mit  Spielkarten,  welche  nach  den  Bestimmungen  in

.  1.  und  2  gestempelt  sind,  unterliegt,  unbeschadet  der  ·  in  F.  9.  bezüglich  der

pielkartenfabrikanten  getroffenen  Bestimmung,  nur  den  allgemeinen  gewerbebolizeilchen

  und  gewerbesteuerlichen  Vorschriften;  eine  besondere  Genehmigung  ist
azu  nicht  erforderlich.

KC.  12.

Karten,)  welche  nicht  mit  dem  nach  diesem  Gesetze  erforderlichen  Stempel
versehen  sind,  werden,  wo  sie  sich  vorfinden,  konfiszirt.

Wer  ungestempelte  Karten  feilhält,  veräußert,  vertheilt,  in  Gewahrsam  hat,
oder  damit  spielt,  verfällt  für  jedes  Spiel  in  eine  Strafe  von  10  Thalern.  —  Gastwirthe,
  Kaffeeschänker  und  andere  Personen,  weiche  Gäste  halten,  haben  dieselbe
Strafe  verwirkt,  wenn  in  ihren  Wohnungen  oder  Lokalen  mit  ungestempelten
Karten  gespielt  worden  ist,  und  sie  nicht  nachweisen  können,  daß  dies  ohne  ihr
Wissen  geschehen  sei.

*-Die

  Nichterfüllung  einer  der  nach  F.  5.  dem  Einbringer  beziehungsweise
Empfänger  vom  Auslande  eingehender  Spielkarten  obliegenden  Verpflichtungen
wird  mit  der  im  §.  12.  bestimmten  Strafe  geahndet.  Kann  jedoch  der  Angeschuldigte
  vollständig  nachweisen,  daß  er  die  Stempelsteuer  nicht  habe  hinterziehen
  können  oder  wollen,  so  findet  nur  eine  Ordnungsstrafe  von  1  bis
10  Thalern  statt.

.  14.

Wenn  eine  Person,  welche  den  Handel  mit  Spielkarten  betreibt,  ungestempelte
  Karten  feilhält,  veräußert,  oder  in  Gewahrsam  hat,  oder  die
dem  Einbringer  beziehungsweise  Empfänger  vom  Auslande  eingehender  Karten
nach  §.  5.  obliegenden  Verpflichtungen  nicht  erfüllt,  so  soll  gegen  dieselbe  die
nach  §.  12.  oder  13.  verwirkte  Strafe  in  keinem  Falle  auf  einen  geringeren
Betrag  als  200  Thaler  Geldbuße  festgesetzt  werden,  soweit  nicht  nach  F.  13.  eine
bloße  Ordnungsstrafe  einzutreten  hat.

(Nr.  6946.  252“  .  15.
        <pb n="2101" />
        1424  —

K.  15.

Wer  ohne  vorgängige  Genehmigung  des  Finanzministers  Spielkarten  zu
verfertigen  unternimmt  (§.  6.),  oder  nach  erhaltener  Erlaubniß  vor  erfolgter
Anzeige  bei  der  Steuerbehörde  mit  der  Fabrikation  beginnt,  verfällt  neben  Konfiskation
  der  Geräthe,  Materialien  und  bereits  verfertigten  oder  in  der  Anfertiung
  begriffenen  Spielkarten  in  eine  Geldstrafe  von  500  Thalem.  Für  jedes
piel,  das  über  50  bereis  verfertigt  ist,  wird  die  Geldstrafe  um  10  Rthlr.
verschärft.

.  16.

Wird  die  Fabrikation  von  Karten  in  anderen,  als  den  dazu  angesagten
Räumen  vorgenommen,  so  tritt  dieselbe  Geldstrafe  (§.  15.)  nebst  Konfiskation
der  in  den  unangesagten  Räumen  befindlichen  Geräthe,  Materialien  und  gefertigten
oder  in  der  Anfertigung  begriffenen  Karten  ein.

C.  17.

Werden  gegen  die  Vorschriften  in  dem  von  dem  Finanzminister  nach  F.  9.
zu  erlassenden  Regulative  die  in  einer  Fabrik  gefertigten  Karten  den  revidirenden
Steuerbeamten  nicht  vollständig  angegeben  und  vorgelegt,  oder  ungestempelte
Karten  ohne  Mitwirkung  der  Steuerbehörde  versendet,  oder  aus  dem  Mitverschluß
der  Steuerbehörde  unbefugt  entfernt,  so  zieht  dies  Verfahren  die  Konfiskation  der
nicht  angegebenen  oder  versendeten  oder  aus  dem  Steuerverschluß  entfernten
Karten  und  die  im  F.  15.  verordnete  Geldstrafe  nach  sich.

S.  18.

Wer  wegen  eines  #ieser  Vergehen  (§§.  15—17.  inkl.)  schon  einmal  bestraft
worden  ist,  und  sich  desselben  oder  eines  anderen  in  den  99.  15—17.  gedachten
Vergehens  abermals  schuldig  macht,  ist  nicht  nur  mit  den  vorbestimmten  Strafen
u  belegen,  sondern  auch  des  Rechtes,  die  Rartenfabrikation  ferner  zu  betreiben,
n  verlustig  zu  erklären,  ohne  daß  es  einer  vorgängigen  Belehrung  über  diese

olge  der  Wirderholung.  des  Vergehens  bedarf.

§S.  19.

Die  Entfernung  überzähliger  Karten  aus  der  Fabrik,  oder  der  Ausschußblätter,
  bevor  letztere  nach  Vorschrift  des  Regulativs  (F.  9.)  unbrauchbar  gemacht
worden  sind,  ist,  sofern  nicht  nach  dem  Vorstehenden  eine  böhere  Strafe  eintriti,
mit  einer  Geldbuße  von  10  bis  50  Thalern  zu  belegen.

S.  20.
Zuwiderhandlungen  gegen  die  nach  5.  und  §.  von  dem  Finanzminister
  zu  erlassenden  Vorschriften,  worauf  keine  besondere  Strafe  in  diesem

Gesetze  angeordnet  ist,  ziehen  eine  Ordnungsstrafe  von  1  bis  10  Thalern
nach  sich.  "
.  21.
        <pb n="2102" />
        —  1925  —

K.  21.

·  Den  Geldstrafen  ist  für  den  Fall,  daß  der  Verpflichtete  dieselben  zu  entrichten
  unvermögend  sein  sollte,  eine  verhältnißmäßige  Freiheitsstrafe  zu  substituiren.

6.  22.
Denunzianten  erhalten  keinen  Antheil  an  den  Geldstrafen.

C.  23.

Hinsichtlich  des  administrativen  und  gerichtlichen  Strafverfahrens  wegen
der  Zuwiderhandlungen  gegen  dieses  Gesetz  und  hinsichtlich  der  sabidiarischen
Vertretungsverbindlichkeit  dritter  Personen  kommen  dieselben  Vorschriften  zur
Anwendung,  nach  welchen  sich  das  Verfahren  und  die  Haftung  dritter  Personen
wegen  Zollvergehen  bestimmt.

g.  24.

In  Betreff  der  Haussuchungen  und  der  Verpflichtung  zur  Hülfsleistung,
sowie  in  Betreff  der  Bestechung  von  Steuerbeamten  und  der  Widersetzlichkeit
gegen  dieselben  sind  die  hierüber  in  den  Gesetzen  wegen  Besteuerung  des  Braumalzes
  enthaltenen  Bestimmungen  —  8§9.  54.  55.  88.  89.  der  Steuerordnung
vom  8.  Februar  1819.  (Gesetz-Samml.  S.  102.),  S.  18.  19.  36.  37.  der  Verordnung
  vom  11.  Mai  1867.  (Gesetz  Samml.  S.  652.))  .  17.  18.  33.  34.
des  Gesetzes  vom  17.  Mai  1856.  (Gesetz=  Samml.  S.  445.)  —  innerhalb  des
Geltungsbereiches  derselben  anzuwenden.

F.  25.

Die  in  den  §#.  11—13.  der  Verordnung  vom  4.  Juli  d.  J.  (Gesetz-Samml.
  S.  1057.)  enthaltenen  Uebergangs-Bestimmungen  wegen  der  Anmeldung,
  der  Nachversteuerung  und  des  Gebrauches  vorräthiger  ungestempelter  oder
nach  den  bisherigen  Gesetzen  gestempelter  Spielkarten  bleiben  in  Kraft  und
erlangen  mit  diesem  Gesetze  auch  in  den  Hohengollernschen  Landen  und  im
Jadegebiet  mit  der  Maaßgabe  Gesetzeskraft,  daß  an  die  Stelle  des  in  §#.  11.
und  12.  a.  a.  O.  auf  den  1.  August  d.  J.  bestimmten  Zeitpunktes  der  1.  Januar
1868.  tritt.

Was  in  den  §9.  12.  und  11.  dieses  Gesetzes  von  ungestempelten  Karten
verordnet  ist,  findet  in  allen  Landestheilen,  wo  die  vorbeseichneden  Uebergangs-Bestimmungen
  gelten,  auch  hinsichtlich  der  nach  früher  daselbst  gültigen  Gesetzen
gestempelten  Karten  Anwendung,  wenn  die  erforderliche  anderweite  Stempelung
derselben  nicht  stattgefunden  hat.

S.  26.
Dieses  Gesetz  tritt  mit  dem  1.  Januar  1868.  in  Kraft.  Von  demselben

Zeitpunkte  ab  werden  die  gesetzlichen  Vorschriften,  welche  über  die  Stempelsteuer
(Nr.  6946—6947.)  ·  von
        <pb n="2103" />
        —  1926  —
von  Spielkarten  in  der  Monarchie  bestehen  —  mit  der  im  8.  25.  bestimmten
Ausnahme  —  aufgehoben.
Unser  Finanzminister  ist  mit  der  Ausführung  dieses  Gesetzes  beauftragt.
Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  23.  Dezember  1867.

(I.  S.)  Wilhelm.

Gr.  v.  Bismarck=  Schönhausen.  Flrh.  v.  d.  Heydt.  v.  Roon.
Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulenburg.
Leonhardt.

 

(Nr.  6947.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  25.  November  1867.)  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Höxter,  Regierungsbezirk  Minden,
bezüglich  des  Baues  der  Chausseen:  1)  von  Höxter  über  Albaxen  und
Stahle  bis  zur  Grenze  der  Provinz  Hannover  in  der  Richtung  auf  Heinsen
nebst  einer  Zweigstraße  von  Stahle  zur  Holzmindener  Fähre,  2)  von  Bra.
kel  über  Erkeln  und  Titelsen  zur  Roggenthalsmühle  auf  Beverungen,  und
3)  von  Brakel  über  Bellersen,  Appenburg,  Bredenborn,  Sommersell  und
Born  bis  zur  Grenze  des  Fürstenthums  Lippe--Detmold  in  der  Richtung
auf  Schwalenburg.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  drutigen  Tage  den  Bau  folgender
Chausseen  im  Kreise  Höxter,  Regierungsbezirk  Minden:  1)  von  HKRer  über
Albaxen  und  Stahle  bis  zur  Grenze  der  Provinz  Hannover  in  der  Richtung  auf
Lenti  nebst  einer  Sweigstraße  von  Stahle  zur  Holzmindener  Fähre,  2)  von
rakel  über  Erkeln  und  Titelsen  zur  Noggentzlsman  ee  auf  Beverungen,  und
3)  von  Brakel  über  Bellersen,  Appenburg)  Bredenborn,  Sommersell  und  Born
bis  zur  Grenze  des  Fürstenthums  Lippe-Detmold  in  der  Richtung  auf  Schwalenberg
  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise  Höxter  das  Expropriations.
recht  für  die  zu  diesen  Chausseen  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht
zur  Entnahme  der  Chausseebau=  und  Unterhaltungs-Materialien,  nach  Maaßgabe  der
für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straßen.
Zugleich  will  Ich  dem  genannten  Kreise  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemiß
  en  Unterhaltung  der  Straßen  das  Necht  zur  Erhebung  des  Chauffergelten
nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats.  Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld
  auss  ü  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die
efreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,
wie
        <pb n="2104" />
        —  1927  —

wie  diese  Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,
hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld--Tarife  vom  29.  Februar
1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die
gedachten  Straßen  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  25.  November  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6948.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  7.  Dezember  1867.,  betreffend  die  Genehmigung  von
Zusätzen  zu  dem  Reglement  der  landschaftlichen  Feuer-Versicherungsgesellschaft
  für  Westpreußen.

A½#  Ihren  Bericht  vom  4.  d.  M.  will  Ich  die  nach  dem  Beschlusse  des  diessührigen
  Generallandtages  der  Westpreußischen  Landschaft  in  der  Anlage  zusanmnenestellten
  Zusätze  zu  dem  Reglement  der  landschaftlichen  Feuer-Verscherungsgesell.
sbaft  de  conf.  16.  Februar  1863.  (Gesetz  Samml.  S.  85.  ff.)  hierdurch
genehmigen.
Dieser  Erlaß  und  die  Zusätze  sind  durch  die  Gesetz.  Sammlung  zu  veröffentlichen.

Berlin,  den  7.  Dezember  1867.

Wilhelm.
Gr.  zu  Eulenburg.
An  den  Minister  des  Innern.

(Nr.  6947—6948.)  Zu-
        <pb n="2105" />
        —  1928  —

JZusätze
zu  dem

mittelst  Allerbchsten  Erlasses  vom  16.  Februar  1863.  genebmigten
  Reglement  der  landschaftlichen  Feuer-Versicherungsgesellschaft
  für  Westpreußen.
(Gesetz-  Sammlung  Seite  85.  ff.)

1.  Zum  F.  26.

Diese  Vorschrift  findet  ihre  volle  Anwendung  nur  auf  solche  Mitglieder,
deren  Güter  bepfandbrieft  sind.  Mitglieder,  deren  Güter  nicht  bepfandbrieft  sind,
können  auf  den  motivirten  Antrag  der  Provinzialdirektion  —  ohne  vorherige
Vernehmung  des  Beschuldigten  oder  Feststellung  eines  der  in  dem  F.  26.  erwähnten
Ausschließungsgründe  —  durch  die  Generaldirektion  unter  Zuziehung  zweier  bei
der  Sozietät  versicherten  Landschaftsbeamten,  welchen  dabei  ein  volles  Votum
zusteht,  in  dem  Falle  aber,  daß  die  Beiträge  in  zwei  auf  einander  folgenden  Jahren
nur  im  Wege  der  Exekution  bezahlt  worden  sind,  durch  die  Provinzialdirektion
ausgeschlossen  werden.

2.  Zum  F.  30.

Der  F.  30.  wird  dahin  abgeändert:

Ermäßigungen  und  Kündigungen  laufender  Versicherungen  stehen  den
Versicherten  vierteljährlich  zu.  Wenn  sie  aber  nicht  spätestens  am  30.  März,
29.  Juni,  29.  September  und  30.  Dezember  angezeigt  worden  sind,  so
bleibt  die  Versicherung  noch  für  ein  Vierteljahr  bestehen.

3.  Zum  F.  60.

Die  Spritzen,  Wasserwagen  und  Küfen  des  Orts,  an  welchem  das  Feuer
stattgefunden,  werden  hierbei  in  der  Regel  nicht  berücksichtigt.

Es  können  ferner  Prämien,  die  jedoch  in  der  Regel  die  Summe  von
15  Thaler  nicht  übersteigen  dürfen,  an  solche  Personen  gezahlt  werden,  welche
erweislich  sich  um  die  Löschung  des  Feuers  verdient  gemacht  haben.

—  —

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriumd.

 

Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchdruckerei
(R.  Oecker).
"
        <pb n="2106" />
        —  1929  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  JJNr.  127.—

 

(Nr.  6949.)  Gesetz,  betreffend  die  Abhülfe  des  in  den  Regierungsbezirken  Königsberg  und
Gumbinnen  herrschenden  Nothstandes.  Vom  23.  Dezember  1867.

W.  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

verordnen,  mit  Zustimmung  der  beiden  Häuser  des  Landtages  der  Monarchie,
was  folgt:
S.  1.

Der  Finanzminister  wird  ermächtigt,  ium  Behuf  der  Linderung  des  in
den  Regierungsbezirken  Königsberg  und  Gun  innen  herrschenden  Nothstandes  die
auf  Grund  der  Verordnung  vom  18.  Mai  1866.  (Gesetz=  Samml.  S.  227.)
ausgegebenen  und  noch  nicht  vernichteten  Darlehnskassenscheine,  welche  demselben
von  der  Hauptverwaltung  der  Darlehnskassen  im  Betrage  von  Einer  Million
weihundert  acht  und  zwanzig  Tausend  Thalern  zu  überweisen  find,  wieder  in
mlauf  zu  schen  und  neue  Darlehnskassenscheine  im  Betrage  von  Einer  Million
Thaler  ausgeben  zu  lassen.

Die  letzteren  werden  von  der  Hauptverwaltung  der  Staatsschulden  in  Abschnitten
  zu  fünf  Thalern  ausgefertigt  und  dem  Finanzminiser  überwiesen.

Vor  der  Ausgabe  dieser  Scheine  ist  eine  genaue  Beschreibung  derselben
öffentlich  bekannt  zu  machen.

d.  2.

Die  Darlehnskassenscheine  werden  bei  allen  öffentlichen  Kassen  nach  ihrem
vollen  Nennwerth  angenommen.  Dieselben  vertreten  in  Zahlungen  die  Stelle  des
baaren  Geldes;  im  Privatverkehr  tritt  jedoch  ein  Zwang  zu  deren  Annahme  nicht  ein.

K.  3.

Die  Regierungen  7  Königsberg  und  Gumbinnen  werden  ermächtigt,  innerhalb
  ihrer  Verwaltungsbezirke  Kreisverbänden,  Unternehmern  landwirthschaftlicher
Meliorationen  und  kleineren  ländlichen  Grundbesitzern  gegen  Verpfändung  inländischer
  Staats=  oder  unter  Genehmigung  des  Staats  von  Korporationen  oder

Johrgang  1867.  (Nr.  6949.  253  Ge-Ausgegeben

  zu  Berlin  den  29.  Dezember  1867.
        <pb n="2107" />
        —  1930  —

Gesellschaften  ausgegebener  Papiere  oder  gegen  Hypothek  Darlehne  zu  geben.
Das  Unterpfand  gane  für  Kapital,  Zinsen  und  Kosten.

In  Hülen  eines  besonders  dringenden  Bedürfnisses  können  die  Regierungen
  mit  Genehmigung  des  Finanzministers  Kreisverbänden  Darlehne  ohne  Besehngu
  Unterpfandes  gegen  eine  nach  Maaßgabe  der  gesetzlichen  Vorschriften
vom  Kreistage  ausgestellte  und  mit  der  erforderlichen  Bestätigung  versehene
Schuldurkunde  bewilligen.  Die  Eintragung  der  Schuld=  und  Pfandverschreibungen
  kleiner  ländlicher  Grundbesitzer  in  das  Hypothekenbuch  erfolgt  kostenfrei.

ei
Die  Mittel  zur  Gewährung  der  Darlehne  werden  den  Regierungs-Hauptkassen
  zu  Königsberg  und  Gumbinnen  durch  den  Finanzminister  überwiesen.
Der  Gesammtbetrag  der  ausstehenden  Darlehne  soll  die  Summe  von  zwei
Millionen  zweihundert  acht  und  zwanzig  Tausend  Thalern  nicht  überschreiten.

.  5.

Der  Finanzminister  hat  hinsichtlich  der  Beleihungsgrenzen,  innerhalb  welcher
  die  durch  Verpfändung  von  Papieren  oder  durch  Hypothek  zu  leistende
Sicherheit  als  genügend  anzunehmen  ist,  hinsichtlich  der  Zeit,  auf  welche  die
Darlehne  zu  bewilligen  sind,  sowie  hinsichtlich  der  Verzinsung  der  letzteren  die
erforderlichen  Bestimmungen  zu  treffen.

Darlehne  unter  funfzehn  Thaler  sind  nicht  auszugeben.

K.  6.
Wird  zur  Verfallzeit  eines  gegebenen  Darlehns  nicht  Zahlung  geleistet,  so
kann  die  Regierungs-Hauptkasse  die  dafür  verpfändeten  Papiere,  auch  wenn  der
Schuldner  in  Konkurs  geräth,  verkaufen  und  sich  aus  dem  Erlöse  bezahlt  machen.

S.  7.
Der  Zinsertrag  der  Darlehne  soll  nach  Abzug  der  Verwaltungskosten  zur
Deckung  etwaiger  Ausfälle  und  zur  Wiedereinlösung  der  Darlehnskassenscheim
verwendet  werden.

*-.
Der  Finanzminister  hat  den  Betrag  der  umlaufenden  Darlehnskassenscheine
monatlich  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

d.  9.

Die  Darlehnskassenscheine  sind  nach  dem  31.  Dezember  1870.  aus  dem

Umlauf  Behufs  der  Vernichtung  zurückzuziehen.  Nach  diesem  Tage  werden  dieselben

nur  noch  zur  Einlösung  bei  denjenigen  Kassen  angenommen,  welche  der  Finan,
minister  bestimmen  wird.

Die  Bekanntmachung  dieser  Kassen  mit  der  Aufforderung  zur  Einleeferon

er
        <pb n="2108" />
        —  1931  —

der  im  Umlauf  verbliebenen  Darlehnskassenscheine,  jedoch  vorläusig  ohne  Bestim.
mung  eines  Präklufivtermins,  ist  durch  den  Staatsanzeiger,  sowie  durch  die
Amtsblätter  in  sämmtlichen  Provinzen  zu  erlassen  und  in  angemessenen  Zeitfristen
zu  wiederholen.

K.  10.

Wer  einen  Darlehnskassenschein  nachmacht  oder  verfälscht,  oder  dergleichen
nachgemachte  oder  verfälschte  wissentlich  verbreiten  hilft,  unterliegt  den  Bestimmungen
  der  §#§  121.  und  122.  des  Strafgesetbuchs.

G.  11.

Dem  Landtage  ist  bei  der  nächsten  regelmäßigen  Zusammenkunft  desselben
Art.  76.  der  Verfassung)  über  die  Ausführung  dieses  Gesetzes,  mit  welcher  der
Hurt,  minder  beauftragt  ist,  Rechenschaft  zu  geben.

K.  12.
Alle  diesem  Gesetze  zuwiderlaufenden  Vorschriften  sind  aufgehoben.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.
Gegeben  Berlin,  den  23.  Dezember  1867.

(I.  S.)  Wilhelm.
Gr.  v.  Bismarck.  Schönhausen.  Frh.  v.  d.  Heydt.  v.  Noon.

Gr.  v.  Itzenplitz.  v.  Mühler.  v.  Selchow.  Gr.  zu  Eulen  burg.
Leonhardt.

(Nr.  6949—6950.)  (Nr.  6950.)
        <pb n="2109" />
        —  1932  —

(Nr.  6950.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  25.  November  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Steinfurt,  Regierungsbezirk  Münster,
in  Bezug  auf  den  Bau  und  die  Unterhaltung  einer  Chaussee  von  Metelen
bis  zur  Grenze  des  Kreises  Ahaus  in  der  Richtung  auf  Doodts  Kotten.

N  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  heutigen  Tage  den  Bau  einer  Kreis-Chaussee
  von  Metelen,  im  Kreise  Steinfurt,  Regierungsbezirk  Münster,  bis  zur
Grenze  des  Kreises  Ahaus  in  der  Richtung  auf  Doodts  Kotten  genehmigt  habe,
verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise  Steinfurt  das  Expropriationsrecht  für  die  zu
dieser  Chaussee  erforderlichen  Grundstücke,  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der
Chausseebau-  und  Unterhaltungs=  Materialien,  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen
  bestehenden  Vorschriften,  in  Bezug  auf  diese  Straße.  Zugleich  will
Ich  dem  genannten  Kreise  gegen  Uebernahme  der  künftigen  chausseemäßigen  Unterhaltung
  der  Straße  das  Recht  zur  Erhebung  des  Chauffegetdes  nach  den  Bestimmungen
  des  für  die  Staats-Chausseen  jedesmal  geltenden  Chausseegeld-Tarifs,
einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen  Bestimmungen  über  die  Befreiungen,
sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden  zusätzlichen  Vorschriften,  wie  diese
Bestimmungen  auf  den  Staats-Chausseen  von  Ihnen  angewandt  werden,  hierdurch
verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife  vom  29.  Februar  1840.  angehängten
  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei-Vergehen  auf  die  gedachte
Prralt  zur  Anwendung  kommen.

Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zur  öffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.

Berlin,  den  25.  November  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-  Ministeriums.

Berlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-Hofbuchdruckeren
(R.  v.  Decker).
        <pb n="2110" />
        —  1933  —
Gesetz-Sammlung
für  die

Königlichen  Preußischen  Staaten.

 

—  Vr.  128.  —

 

(Xr.  6951.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  27.  November  1867.,  betreffend  den  Wegfall  von
Schiffahrtn-Abgaben  bei  den  Hebestellen  zu  Rothebude  und  Platenhof.

A##  Ihren  Bericht  vom  24.  d.  M.  genehmige  Ich,  daß  diejenigen  Schiffsgefäße,
  welche  bei  den  Fahrten  von  Elbing  und  dem  Frischen  ao  nach  der
oberen  Weichsel  oder  auf  demselben  Wege  in  entgegengesetzter  Richtung  den
Weichselhaffkanal  benutzen,  von  Entrichtung  der  nach  dem  Tarife  vom  14.  Februar
  1853.  (Gesetz-Samml.  von  1853.  S.  82.)  bei  den  Hebestellen  zu  Rothebude
und  Platenhof  zu  zahlenden  Schiffahrts-Abgaben  bis  auf  Weiteres  befreit  bleiben.

Dieser  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlung  zu  veröffentlichen.

Berlin  den  27  November  1867.
Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

Johrgang  1887.  (Nr.  6951—695  254  (Nr.  6952.)
Ausgegeben  zu  Berlin  den  31.  Dezember  1867.
        <pb n="2111" />
        —  1934  —

r.  6952.)  Allerhöchster  Erlaß  vom  27.  November  1867.,  betreffend  die  Verleihung  der
fiskalischen  Vorrechte  an  den  Kreis  Labiau  im  Regierungsbezirk  Königsberg
  für  den  Bau  und  die  Unterhaltung  der  Kreis-Chausseen:  1)  von
Theut  an  der  Königsberg-  Labiauer  Staats-Chaussee  bis  zur  Wehlauer
Kreisgrenze  bei  Kl.  Scharlack  in  der  Richtung  auf  Tapiau;  2)  von  Naut
ken  an  derselben  Staats-Chaussee  über  Caymen  und  Sielkeim  bis  zur
Wehlauer  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Tapiauf  3)  von  dem  Endpunkte
  des  Schellecker  Dammes  über  Laukischken  nach  Mehlauken;  4)  von
Piplin,  am  Timbor-Kanal,  über  Mehlauken  bis  zur  Insterburger  Kreisgrenze
  bei  Eszerninken  in  der  Richtung  auf  Insterburg;  5)  von  Agilla,
am  großen  Friedrichsgraben,  über  Laukischken  und  Gertlauken  bis  zur
Wehlauer  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Wehlau.

N  achdem  Ich  durch  Meinen  Erlaß  vom  beutigen  Tage  den  Bau  folgender  Kreis-Chausseen
  im  Kreise  Labiau  des  Regierungsbezirks  Königsberg:  1)  von  Theut  an  der
Königsberg-Labiauer  Stants-Chauße  bis  zur  Wehlauer  Krreihrenze  bei  Kl.  Scharlack
in  der  Richtung  auf  Tapiau,  2)  von  Nautzken  an  derselben  Staats-Chaussee  über
Caymen  und  Sielkeim  bis  zur  Wehlauer  Kreisgrenze  in  der  Richtung  auf  Tapiau,
3)  von  dem  Endpunkte  des  Schellecker  Dammes  über  Laukischken  nach  Mehlauken,
4)  von  Piplin,  am  Timbor-Kanal,  über  Mehlauken  bis  zur  Insterburger  Kreisrenze
  bei  Berminken  in  der  Richtung  auf  Insterburg,  5)  von  Agilla,  am  großen
Friesrichega-  en,  über  Laukischken  und  Gertlauken  bis  zur  Wehlauer  Kreisgrenze
in  der  Richtung  auf  Wehlau,  genehmigt  habe,  verleihe  Ich  hierdurch  dem  Kreise
Labiau  das  Expropriationsrecht  für  die  zu  diesen  Chausseen  erforderlichen  Grundstücke,
  imgleichen  das  Recht  zur  Entnahme  der  Chausseebau,  und  Unterhaltungs-Materialien,
  nach  Maaßgabe  der  für  die  Staats-Chausseen  bestehenden  Vorschriften,
in  Bezug  auf  diese  Straen.  Zugleich  will  Ich  dem  genannten  Kreise  gegen  Uebernahme
  der  künftigen  chausser-hühigen  Unterhaltung  der  Straßen  das  Recht  zur
Erhebung  des  Chausseegeldes  nach  den  Bestimmungen  des  für  die  Staats-Chausseen
jedesmal  geltenden  *57½  eld  -Tarifs,  einschließlich  der  in  demselben  enthaltenen
Bestimmungen  über  die  Befreiungen,  sowie  der  sonstigen  die  Erhebung  betreffenden
usätzlichen  orscheiften,  wie  diese  Bestimmungen  auß  den  Staats-Chausseen  von
hnen  angewandt  werden,  hierdurch  verleihen.  Auch  sollen  die  dem  Chausseegeld-Tarife
  vom  29.  Februar  1840.  angehängten  Bestimmungen  wegen  der  Chausseepolizei.
  Vergehen  auf  die  gedachten  Slraben  zur  Anwendung  kommen.
Der  gegenwärtige  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz=  Sammlumg  zur  äffentlichen
Kenntniß  zu  bringen.
Berlin,  den  27.  November  1867.

Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.

An  den  Finanzminister  und  den  Minister  für  Handel,
Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten.

 

(Nr.  6963.)
        <pb n="2112" />
        —  1935  —

(Nr.  6953.)  Privilegium  wegen  Ausfertigung  auf  den  Inhaber  lautender  Kreis.Obligationen
des  Labiauer  Kreises  im  Betrage  von  152,000  Thalern.  Vom  27.  November
  1867.

Wir  Wilhelm,  von  Gottes  Gnaden  König  von  Preußen  2c.

Nachdem  von  den  Kreisständen  des  Labiauer  Kreises  auf  dem  Kreistage
rom  16.  Januar  1867.  beschlossen  worden,  die  zur  Ausführung  der  vom
Kreise  unternommenen  Chausseebauten  erforderlichen  Geldmittel  im  Wege  einer  Anleihe
  zu  beschaffen,  wollen  Wir  auf  den  Antrag  der  gedachten  Kreisstände:  zu
diesem  Zwecke  auf  jeden  Inhaber  lautende,  mit  Zinskupons  versehene  Seitens
der  Gläubiger  unkündbare  Obligationen  zu  dem  angenommenen  Betrage  von
152,000  Thalern  ausstellen  zu  dürfen,  da  sich  hiergegen  weder  im  Interesse  der
Gläubiger  noch  der  Schuldner  etwas  zu  erinnern  gefunden  hat,  in  Gemäßheit
des  9.  2.  des  Gesetzes  vom  17.  Juni  1833.  zur  Ausstellung  von  Obligationen
zum  Betrage  von  152,000  Thalern,  in  Buchstaken.  Einhundert  zwei  und  funfzig
Tausend  Thalern,  welche  in  folgenden  Apoints:

38,000  Thaler  à  1000  Thaler,
38,000  à  5050
50,000  à  100
13,000  é  à  50  "
13,000  à  25  -
-152,000Thalet,
„nach  dem  anliegenden  Schema  auszufertigen,  mit  Hülfe  einer  Kreissteuer  mit
fünf  Prozent  jährlich  zu  verzinsen  und  nach  der  durch  das  Loos  zu-bestimmenden
Folgeordnung  jährlich  spätestens  vom  Jahre  1873.  ab  mit  wenigstens  jährlich  Einem
Prohemt  des  gesammten  Kapitals  unter  Zuwachs  der  Zinsen  von  den  amortisirten
chuldraten  zu  tilgen  sind,  durch  gegenwärtiges  Privilegium  Unsere  landesherrliche
Genehmigung  mit  der  rechtlichen  Wirkung  ertheilen,  daß  ein  jeder  Inhaber  dieser
Obligationen  die  daraus  hervorgehenden  Rechte,  ohne  die  Uebertragung  des  Eigenthums
  nachweisen  zu  dürfen,  geltend  zu  machen  befugt  ist.

Das  vorstehende  Privilegium,  welches  Wir  vorbehaltlich  der  Rechte  Dritter
ertheilen  und  wodurch  für  die  Befricdigung  der  Inhaber  der  Obligationen  eine
Gewährleistung  Seitens  des  Staats  nicht  übernommen  wird,  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung
  zur  allgemeinen  Kenntniß  zu  bringen.

Urkundlich  unter  Unserer  Höchsteigenhändigen  Unterschrift  und  beigedrucktem
Königlichen  Insiegel.

Gegeben  Berlin,  den  27.  November  1867.
(L.  S.)  Wilhelm.
Frh.  v.  d.  Heydt.  Gr.  v.  Itzenplitz.  Gr.  zu  Eulenburg.

(Nr.  6953.)  264*  Pro-
        <pb n="2113" />
        —  1936  —
Provinz  Preußen,  Negierungsbezirk  Königeberg.
Obligation
des

Labiauer  Kreises

Littr.
über
..........  Thaler  Preußisch  Kuraunt.
Aw½  Grund  des  unteeer  4#  .  .  18.  genehmigten  Kreistagsbeschlusses

vom  16.  Januar  1867.  wegen  Aufnahme  einer  Schuld  von  152,000  Thalern
bekennt  sich  die  ständische  Kommission  für  den  Chausseebau  des  Labiauer  Kreises
Namens  des  Kreises  durch  diese,  für  jeden  Inhaber  gültige,  Seitens  des  Gläubigers
  unkündbare  Verschreibung  zu  einer  Darlehnsschuld  von  ..  .  .  .  .  .  .  Thalern
Preußisch  Kurant,  welche  an  den  Kreis  baar  gezahlt  worden  und  mit  fünf  Prozent
  jährlich  zu  verzinsen  ist.

Die  Rückzahlung  der  ganzen  Schuld  von  152,000  Thalern  geschieht
spätestens  vom  Jahre  1873.  ab  allmälig  aus  einem  zu  diesem  Behufe  gebildeten
Tilgungsfonds  von  wenigstens  Einem  K  des  gesammten  Kapitals  jährlich,
unter  Juwachs  der  Zinsen  von  den  getilgten  Schuldraten.

Die  Folgeordnung  der  Einlösung  der  Schuldverschreibungen  wird  durch
das  Loos  bestimmt.  Die  Ausloosung  erfolgt  vom  Jahre  1873.  ab  in  dem
Monate  Dezember  jeden  Jahres.  Der  Kreis  behält  sich  jedoch  das  Recht  vor,
den  Tilgungsfonds  durch  größere  Ausloosungen  zu  verstärken,  sowie  sämmtliche
noch  Wä  Schuldverschreibungen  zu  kündigen.  Die  ausgeloosten,  sowie  die
gerürdigten  Schuldverschreibungen  werden  unter  Bezeichnung  ihrer  Buchstaben,
Nummern  und  Beträge,  sowie  des  Termins,  an  welchem  die  Rückzahlung  erfolgen
soll,  öffentlich  bekamnt  gemacht.  Diese  Bekanntmachung  erfolgt  sechs,  drei,  zwei
und  Einen  Monat  vor  dem  Zahlungstermine  in  dem  Labiauer  Kreisblatte,  in
dem  Amtsblatte  der  Königlichen  Regierung  zu  Königsberg,  sowie  in  einer  zu
Königsberg  und  in  einer  zu  Berlin  erscheinenden  Zeitung.

Bis  zu  dem  Tage,  wo  solchergestalt  das  Kapital  zu  entrichten  ist,  wird
es  in  halbjährlichen  Terminen,  am  2.  Januar  und  am  1.  Juli  jeden  Jahres,  von
heute  g  gerechnet,  mit  fünf  Prozent  jährlich  in  gleicher  Münzsorte  mit  jenem
verzinset.

Die  Auszahlung  der  Zinsen  und  des  Kapitals  erfolgt  gegen  bloße  Rück.

gabe
        <pb n="2114" />
        —  1937  —

gabe  der  ausgegebenen  Zinskupons,  beziehungsweise  dieser  Schuldverschreibung
ei  der  Kreis-Kommunalkasse  in  Labiau,  und  zwar  auch  in  der  nach  dem  Eintritt
  des  Fälligkeitstermins  folgenden  Zeit.

Mit  der  zur  Empfangnahme  des  Kapitals  präsentirten  Schuldverschreibung
sind  auch  die  dazu  gehörigen  Zinskupons  der  späteren  Fälligkeitstermine  zurückzuliefern.
  Für  die  fehlenden  Zinskupons  wird  der  Betrag  vom  Kapitale  abgezogen.


Die  gekündigten  Kapitalbeträge,  welche  innerhalb  dreißig  Jahren  nach  dem
Rückzahlungstermine  nicht  erhoben  werden,  sowie  die  innerhalb  vier  Jahren,  vom
Ablauf  des  Kalenderjahres  der  Fälligkeit  an  gerechnet,  nicht  erhobenen  Zinsen,
verjähren  zu  Gunsten  des  Kreises.

Das  Aufgebot  und  die  Amortisation  verlorener  oder  vernichteter  Schuldverschreibungen
  erfolgt  nach  Vorschrift  der  Allgemeinen  Gerichtsordnung  Theil  I.
Titel  51.  99.  120.  sequ.  bei  dem  Königlichen  Kreisgerichte  zu  Labiau.

Zinskupons  können  weder  aufgeboten,  noch  amortisirt  werden.  Doch  soll
demjenigen,  welcher  den  Verlust  von  Zinskupons  vor  Ablauf  der  vierjährigen
Verjährungsfrist  bei  der  Kreisverwaltung  anmeldet  und  den  stattgehabten  Besitz
der  Zinskupons  durch  Vorzeigung  der  Schuldverschreibung  oder  uent  in  glaubhafter
  Weise  darthut,  nach  Ablauf  der  Verjährungsfrist  der  Betrag  der  angemeldeten
  und  bis  dahin  nicht  vorgekonnmenen  Dinskußors  gegen  Quittung  ausgezahlt
werden.  ’

MitdieserSchuldvekschreibungfmd.»..  halbjährige  Zinskupons  bis  zum
Schlusse  des  Jahres  .  .  ..  ausgegeben.  Für  die  weitere  Het  werden  Zinskupons
auf  fünfjährige  Perioden  ausgegeben.

Die  Ausgabe  einer  neuen  Zinskupons-Serie  erfolgt  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  zu  Labiau  gegen  Ablieferung  des  der  älteren  Zinskupons-Serie  beigedruckten
Talons.  Beim  Verluste  des  Talons  erfolgt  die  Aushändigung  der  neuen  Zinskupons.
  Serie  an  den  Inhaber  der  Schuldverschreibung,  sofern  deren  Vorzeigung
rechtzeitig  geschehen  ist.

Zur  Sicherheit  der  hierdurch  eingegangenen  Verpflichtungen  haftet  der  Kreis
mit  seinem  Vermögen.

Dessen  zu  Urkunde  haben  wir  diese  Ausfertigung  unter  unserer  Unterschrift
ertheilt.  .
Labiau,den..«"............  18..

(Stempel.)
Die  kreisständische  Chausseebau-Kommission  des  Kreises  Labiau.

Bemerkung.
Die  Unterschriften  sind  eigenhändig  zu  vollziehen.

Gr.  6933.  Pro-
        <pb n="2115" />
        —  1938  —
Provinz  Preußen,  Negierungebezirk  Königeberg.

Erster  (bis  Jehnter)  Jinskupon  I.  Serie

zu  der
Kreis-Obligation  des  Labiauer  Kreises
Littr.
über  .  .  Thaler  zu  fünf  Prozent  Zinsen
über
..........  ThalerSilbergrofchenPfeuuige.
Der  Inhaber  dieses  Zinskupons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  am
ll.s  .  ..  18..  und  späterhin  die  Zinsen  der  vorbenannten  Kreis-Obligation
  für  das  Hatbiahr  von  ..  iis  ...  mit  (in  Buchaben)
  ..  .  .  ..  .  .  .  .  Thalern  ...  .  .  .  .  ..  Silbergroschen  Pfennigen
bei  der  Kreis-Kommunalkasse  zu  Labiau.
Labiau,  den  .ten  ....  ..  .  .  .  .  .  ..  18..
(Stempel.)

Oie  kreisständische  Chausseebau-Kommission  des  Kreises  Labiau.

Dieser  Zinskupon  ist  ungültig,  wenn  dessen
Geldbetrag  nicht  innerhalb  vier  Jahre  nach
der  Fälligkeit,  vom  Ablauf  des  Kalenderjahres
der  Fälligkeit  an  gerechnet,  erhoben  wird.

Bemerkung.

Die  Namens-  Unterschriften  der  Mitglieder  der  Kommission  können  mit  Lettern
oder  Faksimilestempeln  gedruckt  werden,  doch  muß  jeder  Zinskupon  mit  der  eigenhändigen
  Namens-  Unterschrift  eines  Kontrolbeamten  versehen  werden.

Pro-
        <pb n="2116" />
        —  1939  —
Provinz  Preußen,  Negierungebezirk  Königeberg.
Dalon

zur
Kreis-Obligation  des  Labiauer  Kreises.

Der  Inhaber  dieses  Talons  empfängt  gegen  dessen  Rückgabe  zu  der
Obligation  des  Labiauer  Kreises

Littr.  —  über  ..  Thaler  à  fünf  Prozent  Zinsen

die  .  Serie  Zinskupons  für  die  fünf  Jahre  18.  bis  18  bei  der  Kreis-Kommunalkasse
  zu  Labiau,  sofern  dagegen  Seitens  des  Inhabers  der  Obligation
nicht  rechtzeitig  Widerspruch  erhoben  worden  ist.

Labiau,  den  1HnNnNn  .  .  ..  18.
(Stempel.)

Die  kreisständische  Chausseebau-Kommission  des  Kreises  Labiau.

Bemerkung.

1)  Die  Namens  Unterschriften  der  Mitglieder  der  Kommission  können  mit  Lettern
  oder  Faksimilestempeln  gedruckt  werden,  doch  muß  jeder  Talon  mit  der
eigenhändigen  Namens-  Unterschrist  eines  Kontrolbeamten  versehen  sein.

2)  Der  Talon  ist  zum  Unterschiede  auf  der  ganzen  Blattbreite  unter  den  beiden
letzten.  Zinskupons  mit  davon  abweichenden  Lettern  in  nachstehender  Art
abzudrucken:  -

 

Its-Ziuskappn.  I  sonstiUIUPpm  1
Talon.

I7

(Nr.  6953—6954.)  (Nr.  6964.)
        <pb n="2117" />
        —  1940  —

(Nr.  6954.)  Allerhächster  Erlaß  vom  21.  Dezember  1867.,  betreffend  die  Aufhebung  der
Königlichen  Polizeidirektionen  zu  Osnabrück  und  Hildesheim.

A#l  den  Bericht  vom  13.  Dezember  d.  Is.  bestimme  Ich,  daß  die  Polizei-Ordnungen
  für  die  Stadt  Osnabrück  vom  14.  Juli  1859.  (Gesetz=  Samml.  eer
das  vormalige  Könipreich  Hannover  S.  729.  ff.)  und  für  die  Stadt  Hildesheim
vom  21.  Juni  1859.  (ebendaselbst  S.  679.  ff.)  mit  dem  1.  Januar  k.  J.  außer
Kraft  treten  und  ermächtige  Sie,  die  Ortspolizei  in  den  genannten  Städten  den
dortigen  Stadtgemeinden  zur  eigenen  Verwaltung  nach  Maaßgabe  der  bestehenden
allgemeinen  Vorschriften  und  insbesondere  unter  Vorbehalt  der)  der  Staatsregierung
  nach  F.  78.  der  Revidirten  Städte-Ordnung  für  Hannover  vom  24.  Juni
1858.  und  nach  F.  2.  der  Verordnung  über  die  Polzzeidberwaltun  in  den  neu
ziweachsnen  Landestheilen  vom  20.  September  d.  J.  zustehenden  Befugnisse  zu
überlassen.

Gegenwärtiger  Erlaß  ist  durch  die  Gesetz-Sammlung  bekannt  zu  machen.
Berlin,  den  21.  Dezember  1867.

Wilhelm.

Gr.  zu  Eulenburg.

An  den  Minister  des  Innern.

 

Redigirt  im  Büreau  des  Staats-Ministeriums.

Verlin,  gedruckt  in  der  Königlichen  Geheimen  Ober-  Hofbuchbruckerei
(N.  v.  Decker).
        <pb n="2118" />
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
