Lehrziel. Verteilung des Unter- richtsstoffes. — 94 — erzählungen, Inhaltsangaben, eingehendere Berichte über Gehörtes oder Gelesenes, kleine Vor— träge nach ausführlichen, dann kürzeren Entwürfen, größere Vorträge. 6. Gangbare Fremdwörter sind bei gegebenem Anlaß zu erwähnen und zu erläutern. Für ihren eigenen Gebrauch ist den Schülern aber angelegentlich zu empfehlen, einer möglichst rein-deutschen Ausdrucksweise sich zu befleißigen. Zu wünschen ist, daß überhaupt der Sinn für das Volkstümliche, schlicht Natürliche bei ihnen genährt und im Stil neben der Sprach- richtigkeit vornehmlich die Wahrheit und Einfachheit angestrebt wird. 7. Da der deutsche Unterricht an der Oberrealschule gegen den der Gymnasien und Realgymnasien wesentlich vermehrt ist (4 1 Stunden gegen 25, bez. 29), so kann er in den Oberklassen wohl die Aufgabe mit übernehmen, die Schüler an der Hand von Literaturwerken bis zu einem gewissen Grade in den Geist des Altertums einzuführen. Diese Aufgabe kann schon darum im Rahmen der Oberrealschule nicht als fremdartig erscheinen, weil die zweite Blüteperiode unserer Literatur von antik-klassischem Geiste durchweht war und dieser auch in der Zeit nach Goethe, bis zu Geibel herab nicht erloschen ist. 8. Bei der Lektüre von Literaturwerken ist eine gedehnte, zu sehr beim Einzelnen ver- weilende Behandlung zu vermeiden, vielmehr darauf zu achten, daß sie auch als Ganze recht verstanden und genossen werden. 9. Es erscheint geboten, daß in den Oberklassen neben den größeren Aufsätzen von Zeit zu Zeit kurze Klassenarbeiten geschrieben werden, bei denen vor allen Dingen eine knappe, zu- treffende und wohlgeordnete Wiedergabe eines den Schülern aus dem Unterrichte bekannten Stoffes verlangt wird. Die näheren Bestimmungen hierüber bleiben den einzelnen Schulen überlassen. Franzöfisch. 8 12. Gute Aussprache, fließendes Lesen, Sicherheit in den Elementen der Grammatik und Stilistik. Beim Abschlusse des Lehrgangs muß der Schüler im schriftlichen und münd- lichen Gebrauche der Sprache, wie auch in der Auffassung von gesprochenem Französisch geübt, mit dem allgemeinen Entwickelungsgange der Literatur und Kultur des französischen Volkes bekannt und ohne wesentliche Hilfe imstande sein, Stellen aus Schriftwerken der letzten drei Jahrhunderte zu übersetzen. 8 13. Sexta, 5 Stunden. Einführung in die Aussprache und die Schreibweise durch Hör-, Sprech-, Lese= und Schreibübungen einfachster Art über Stoffe aus dem nächsten Anschauungskreise der Schüler. Im Anschlusse an diese Ubungen ist das Notwendigste aus der Formenlehre des Nomens, von avoir und Etre und dem regelmäßigen Verbum auf er kurz durchzunehmen und einzuüben. Niederschrift von Wörtern und Sätzen ins Tagebuch. Von Pfingsten bis Michaelis alle 14 Tage eine, alsdann alle 3 Wochen zwei Reinschristen.