63 — blick auf die Sprachentwickelung und systematische ÜUberschau über die deutsche Sprach- lehre. Zusammenfassende Behandlung der Gattungen der Dichtkunst. Übungen usw. wie in Klasse II, dazu kurze Ansprachen. Jährlich 4 bis 5 Aufsätze wie in Klasse II. § 17. (1) An jedem Seminare muß für den deutschen Unterricht ein eingehender Plan vorhanden sein, der die Lehraufgaben sämtlicher Klassen und Teilfächer feststellt. (2) Die Aufgabe, die Schüler zur Selbsttätigkeit und zur Urteilsfähigkeit auf Grund eigener Geistesarbeit, zur Erfassung und Anwendung größerer Gesichtspunkte und der typischen Arbeitsweisen, die den einzelnen Fächern eigentümlich sind, anzuleiten, hat der deutsche Unterricht besonders fest im Auge zu behalten. Bloßer Vortrag und bloße Aneignung von Leitfadenwissen ist zu vermeiden; die Erkenntnisse sind tunlichst aus der Lektüre und den Erscheinungen der Sprache durch möglichste Eigentätigkeit der Schüler, auch durch arbeitsteiliges Verfahren zu gewinnen. (s) So sehr auch der Unterricht an die in der Volksschule oder anderweit erlangten Kenntnisse anzuknüpfen und sie zu verwerten hat, darf doch mit bloßer Wiederholung des früher erlernten Stoffes keine Zeit verloren werden. (4) Dem Unterrichte der unteren Klassen dient vor allem ein sprachlich muster- haftes, die Entwickelungsstufen des persönlichen Lebens beachtendes Lesebuch, dessen Stoffe geeignet sind, nächst der sprachlichen die sittlich-religiöse Bildung und die Liebe zu deutschem Schrifttume und Volkstume zu fördern und Beziehungen zwischen dem deutschen Unterrichte und den übrigen Unterrichtsgebieten herzustellen. Zu dem Lesebuche treten geeignete Ausgaben der eingehender zu behandelnden Literaturwerke, besonders gute Schulausgaben. (6) Bei der Prosalektüre sind die Schüler, soweit die Stücke sich zu einer gedank- lichen Durcharbeitung eignen, von unten herauf zum Auffinden und Erkennen der Hauptgedanken, der Gliederung und des Gedankenfortschrittes, charakteristischer Einzel- züge, sprachlicher Eigentümlichkeiten anzuleiten. Etwa nötige Einleitungen oder so- genannte Vorbereitungen sind kurz zu halten, Abschweifungen bei der Behandlung zu unterlassen. (e#) Bei Erklärung dichterischer Stoffe ist das „Zerpflücken“ des Kunstwerkes, alles, was seinen poetischen Duft zerstört, zu unterlassen; dagegen ist darauf zu halten, daß die Schüler die Dichtung als Ganzes verstehen, ihren Gehalt erfassen und das Dargestellte nachfühlen und miterleben. Bei kurzen Dichtungen von leicht verständ- lichem, gefühlsmäßigem Inhalte ist tunlichst von einer Erklärung abzusehen, der Stimmungsgehalt aber durch ausdrucksvollen Vortrag wirksam zu machen. Bei 1915. 13 Bemerkungen.