Halbsouveräne  Staaten  außerhalb  Europas.  111

als  Vertreter  der  Französischen  Republik  für  Andorra  fungirt.  Obgleich  demselben
die  Eigenschaft  eines  förmlich  beglaubigten  Gesandten  fehlt,  wird  seine  Exterritoriakität
  oder  Exemtion  in  Andorra  wohl  nicht  in  Frage  gestellt  werden  können.  —  Berüglich
  der  strafrechtlichen  Verhältnisse  s.  Bernard,  Traité  de  Pextradition  (1888)
II,  191.  Darnach  wird  Andorra  von  den  Französischen  Gerichten  nicht  als  Ausland
erachtet,  kann  aber  seinerseits  Franzosen,  die  in  Frankreich  delinquirten,  nicht  processtren.


4)  Die  Abtretung  geschah  durch  den  Pariser  Vertrag  vom  2.  Februar  1869.

5)  S.  Traité  I,  166  ff.  —  Betreffs  der  von  Monaco  mit  Frankreich  abgeschlossenen
  Verträge  s.  De  Clercq,  Rechueil  des  traités  II,  414ff.,  642,  645;
VIII,  162.  IX,  407.  XI,  447.  XIII,  61.  Auch  bei  Sandond  fehlt  Monaco  in  der
Aufzählung  der  halbsouveränen  Staaten  (Diritto  internas.  moderno  S.  56  ff.)  —
Schaeffer,  Les  institutions  et  lois  de  la  principauté  de  Monaco  1875  (citirt
bei  Dareste,  Constit.  modern.  II,  57).

6)  S.  Tviss,  Lawv  of  Nations  I,  29.

7)  Der  Turiner  Vertrag  vom  22.  März  1862  vereinbarte  zwischen  den  beiden
betheiligten  Staaten  die  Anerkennung  des  Schutzverhältnisses  und  der  Unabhängigkeit.
  Pradier-Fodéré  erklärt  San  Marino  für  ein  —  unabhängig  —  protegirtes
Land  und  (5  98)  nennt  San  Marino  einen  Etat  protegé  vassal  et  mi-  souverain.
  Dareste  (Const.  wodernes  II,  57)  schweigt  und  citirt  Cte  de  Bruc,  San
Marino,  ses  institutions,  son  histoire.  Paris  1876.  Der  Große  Rath,  bestehend
aus  60  Mitgliedern,  erklärte,  er  vertraue  der  Freundschaft  Italiens  die  Erhaltung
seiner  Unabhängigkeit  an  (27.  März  1872).

8)  Ueber  die  Bulgarischen  Verhältnisse  s.  auch  Bluntschli  in  der  R.  D.  1.
XIII,  571  f.  Die  Bulgarische  Verfassung,  im  Staatsarchiv  Bd.  36,  Nr.  70861.
Holland  (The  European  Concert  in  the  Eastern  Question,  S.  238)  bezeichnet
Bulgarien  als  eine  autonomous  tributary  province.  Pradier-Fodéré  urtheilt
(Traité  I,  64):  211  semble  ressortir,  que  la  Bulgarie  est  Assurément  un  Etat
souverain,  puisqufelle  se  gouverne  elle-meme  par  sa  propre  autorité  et  par  ses
lois,  mais  que  c’iest  un  Etat  souverain,  qui  dépend  sous  certains  rapports  träslimités
  —  il  est  vrai,  de  la  Turquie  et  qui  est  placé  sous  le  controle  et  la
protection  des  puissances,  qui  ont  signé  le  traite  de  Berlin.

")  Bgl.  F.  v.  Martens,  §  60,  S.  217,  der  Ostrumelien  als  „factisch  halbsouverän“
  erachtet.  Man  ersieht  daraus,  daß  vielfach  der  „Unabhängigkeitsbegriff“
  bei  solchen  Staaten  auf  ihre  innere  Verwaltung  bezogen  wird.  Darauf  kommt
aber  nichts  an.  Entscheidend  ist  vielmehr  die  Frage:  ob  ein  Staat,  der  in  einzelnen
völkerrechtlichen  Beziehungen  mit  dem  Auslande  verkehrt,  in  andern  und  zwar  den
wichtigsten  Beziehungen  der  Selbstbestimmung  nach  Außen  entbehrt.

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Halbsouveräne  Staaten  außerhalb  Europas.

Mit  Ausnahme  der  Balkanstaaten,  deren  staatlicher  Bildungsprozeß  als
völlig  abgeschlossen  nicht  erachtet  werden  kann,  wohnt  den  Europäischen  Unterstnaten
  nur  geringe  politische  Bedeutung  inne.  Sie  hinterlassen  in  dem  Be-