Die  Stellung  der  Italienischen  Regierung  während  des  Conflictes.  167

September-Convention  aus  Rom  zurückgezogen  seien,  die  Italienische  Regierung
ihrerseits  kraft  desselben  Vertrages  das  päpftliche  Gebiet  respectiren  werde.  Die
Wiederbesetzung  Roms  war  durch  Garibaldis  Angriff  auf  dasselbe  begründet,
den  Ratazzi  nicht  verhindert  hatte  und  auf  die  Anzeige  Frankreichs  vom
2.  August  1870,  daß  die  Besatzung  abberufen  und  somit  die  September=Convention
  wieder  in  volle  Kraft  trete,  erwiderte  der  Italienische  Minister
des  Auswärtigen  in  der  Depesche  vom  4.  August  an  den  Gesandten  in
Paris,  die  Regierung  werde  sich,  was  sie  betreffe,  genau  an  die  Verpflichtungen
  der  Abmachungen  von  1864  halten7).  Noch  bestimmter  sprach  sich  der
König  in  einem  Schreiben  vom  30.  Juli  an  Napoleon  III.  aus:  „Monsieur
mon  frere.  V.  M.  J.  m'annonce  son  désir  d’exécuter  de  son  cbté  la
Convention  du  20  Sept  1864,  dont  mon  gouvernement  accomplit  exactement
  les  obligations.  LItalie  comptant  toujours  de  la  part  de  V.  M.  J.
sur  la  détermination  qdu’elle  vent  bien  prendre  aujourd’hui,  n'a  jamais
dénoncé  la  convention  du  20  Sept.  V.  M.  ne  peut  donc  pas  douter  qu'elle
n'en  Continue  pas  à  en  remplir  les  clauses,  confiante  dans  une  juste
reciprocite  de  la  France  à  observer  ses  propres  engagements.  Auch
im  Parlament  erklärte  die  Regierung  damals,  sie  werde  die  päpstlichen  Staaten
weder  angreifen,  noch  angreifen  lassens)  und  dies  war  damals  gewiß  ganz
ehrlich  gemeint,  man  wollte  nicht  die  Verlegenheiten  Frankreichs  ausbeuten,
um  die  Romische  Frage  zu  lösen.

Wenn  nichtsdestoweniger  dieselbe  Regierung  wenige  Wochen  darauf  ihre
Truppen  in  das  Römische  Gebiet  einrücken  und  Rom  selbst  gewaltsam  einnehmen
ließ,  so  wird  man  auf  der  anderen  Seite  zu  erwägen  haben,  daß  die  inneren
wie  äußeren  Verhältnisse  es  ihr  unmöglich  machten  unthätig  zu  bleiben,  sie
wurde  durch  die  Erregung  der  Parteien  vorwärts  gedrängt,  man  mußte  fürchten
  eine  Bewegung  ausbrechen  zu  sehen,  der  gegenüber  es  unmöglich  war
die  Grenzen  des  päpstlichen  Gebietes  zu  vertheidigen,  welche  General  Lamarmora
selbst  für  unüberwachbar  erklärte,  man  war  gezwungen  zu  handeln  um  nicht
überfluthet  zu  werden  und  in  diesem  Sinne  war  es  richtig,  wenn  am  6.  September
  der  Gesandte  Nigra  Jules  Favre  versicherte,  »qu'on  avait  été  force
droccuper  Rome  pour  empecher  les  solutions  démagogiquese.  Daneben
kam  aber  auch  in  Betracht,  daß  es  sich  gegenüber  den  großen  Ereignissen  der
letzten  Monate  nicht  mehr  um  eine  zeitweilige  Unmöglichkeit  für  Frankreich
handelte,  die  September-Convention  aufrecht  zu  halten,  sondern  um  einen
vollständigen  Umschwung  in  der  Stellung  der  festländischen  Großmächte,  ja
daß  die  neue  Republik,  wie  der  Italienische  Gesandte  bereits  am  12.  September
melden  konnte,  Italien  mit  Sympathie  gewähren  lassen  werde  und  am  22.
deren  Vertreter  in  Florenz  erklärte,  daß  an  dem  Tage,  wo  Gradheit  und
Offenheit  an  die  Stelle  einer  zweideutigen  Politik  getreten  sei  s=  qui  ne  savait
jamais  donner  sans  retenir,  la  Cconvention  du  15  Sept.  a  virtuellement
cessé  Tiexistere.  Oesterreich  lehnte  die  vom  Papst  nachgesuchte  Intervention
bestimmt  ab,  die  Regierung  mußte  die  Gunst  der  Umstände  benutzen,  um  dem