Die  Bewährung  des  Garantie-Gesetzes.  185

Fußstapfen  der  Feinde  Gregor's  tretend,  nur  danach  trachten,  die  Kirche  zu
knechten  und  ihre  Macht  zu  unterdrücken.  Es  ist  eine  unanfechtbare  Wahrheit,
  daß  Italien,  vereint  mit  dem  Papste,  achtunggebietend  und  groß  ist,  während
  Italien  ohne  den  Papst  seines  größten  Ruhmes  und  Glanzes  beraubt
ist.  In  seiner  Antwort  auf  die  Glückwünsche  des  Cardinal-Collegiums  am
24.  December  1884  bemerkte  der  Papst:  „Die  neue,  bittergefühlte  Ordnung
der  Dinge  in  der  ewigen  Stadt  habe  den  Pontifex  in  die  unwürdige  Stellung
  eines  einfachen  Privatmannes  herabgedrückt.  Ueber  noch  Schlimmeres
habe  er  sich  zu  beklagen,  und  zwar  über  den  großen  Fortschritt  der  Gottlosigkeit,
  herbeigeführt  dadurch,  daß  die  Protestanten  ketzerische  Lehren  frei  und
ungestraft  verbreiten  dürften.  Man  greife  die  erhabensten  und  heiligsten  Dogmen
  der  allerheiligsten  Religion  an,  hier  in  Rom,  wo  das  Centrum  des  Glaubens
  und  der  Sitz  des  universalen  und  unfehlbaren  Magisters  der  Kirche  sich
befinde,  hier,  wo  die  Reinheit  des  Glaubens  wirksam  geschützt  und  die  Ehre
der  einigen,  wahren  Religion  einer  rettenden  Pflege  theilhaftig  werden  sollte.
Unter  dem  Schutze  der  öffentlichen  Gesetze,  sein  Herz  blute  darunter,  vermehrten
  sich  die  Tempel  der  Heterodoxen,  was  könne  man  in  Rom,  dem  Symbole
der  schönsten  und  kostbarsten  Einigkeit  der  Italiener,  der  religiösen  Einigkeit,
nicht  noch  Alles  erwarten  vermöge  der  Frechheiten  Derjenigen,  welche  sich  die
gottlose  Mission  anmaßten,  für  Italien  eine  neue  Kirche  zu  gründen,  außerhalb
  des  Felsens  Petri,  der  von  Christo  als  unerschütterliches  Fundament  seines
himmlischen  Gebäudes  errichtet  sei.“  Auch  in  der  letzten  Allocution  vom
3.  März  1885  weist  Leo  XIII.  jedweden  Ausgleich  auf  Grundlage  des
Status  quo  ab:  „Es  fehlt  in  Wahrheit  nicht  an  Leuten,  welche  versichern,
der  Römische  Pontifex  könne  und  solle  sich  darein  fügen,  und  sich  mit  derjenigen
  Freiheit  begnügen,  welche  ihm  geblieben  ist.  Das  heißt  aber  doch  dem
Schaden  auch  noch  Hohn  und  Spott  hinzufügen,  denn  es  ist  ein  Allen  in
die  Augen  fallendes  Factum,  daß  Wir  unter  den  jetzigen  Verhältnissen  nicht
in  Unserer  Gewalt,  sondern  in  derjenigen  Anderer  uns  befinden,  welche,  da
sie  uns  jederzeit  in  ihrer  Gewalt  haben,  alle  ihre  Feindseligkeiten  noch  verstärken,
  jede  unserer  Handlungen  unter  nichtigen  Vorwänden  verhindern  und
in  dem  immer  möglichen  Wechsel  der  Personen  und  Dinge  gegen  unsere  eigene
Person  die  Feindseligkeiten  erneuern  können,  deren  Opfer  zu  anderen  Zeiten
viele  unserer  Vorfahren  geworden  sind.“  „Endlich  steht  es  nicht  mehr  in
Unserer  Macht,  auch  nicht  einmal  mehr  in  Unserem  Rom  der  immer  mehr
um  sich  greifenden  Ketzerei  die  Thore  zu  verschließen!  Es  steht  nicht  mehr  in
Unserer  Macht,  die  Verbreitung  verderblicher  und  gottloser  Lehren  zu  hindern,
welche  der  Wahrheit  des  Glaubens  und  den  Lehren  der  Kirche  entgegenstehen.
Kann  diese  Lage  nach  dem  Urtheile  jedes  redlichen  Menschen  als  eine  für  den
bochsten  Hirten  der  katholischen  Welt,  der  höchsten  Gewalt,  die  er  von  Christo
empfangen,  der  Würde  des  apostolischen  Stuhles  entsprechende,  dauernde  und
reguläre  erachtet  werden?  Nein,  gewiß  nicht!  Wir  können  sie  ertragen,  so
lange  sie  aber  dauert,  können  weder  Wir  noch  einer  Unserer  Nachfolger,  was