Die  geschichtliche  Entwickelung  dieser  Rechte.  211

bilem.  c.  34  X  de  elect.  I,  6.)  das  Recht  der  Kurfürsten  den  Katser  zu
wählen  wird  nur  anerkannt  „qunm  ad  eos  ius  et  potestas  huiusmodi  ab
"postolica  sede  pervenerite  und  hinzugefügt  sed  —  ius  et  auctoritas
examinandi  personam  electam  in  regem  et  promovendum  ad  imperium
ad  nos  spectate.  Durch  derartige  neue  Verleihungen  entstand  ein  förmliches
päpstliches  Staatensystem,  Ungarn  trat  im  Jahre  1000  durch  eine  vom
Papst  erlangte  Krone  in  die  Reihe  der  christlichen  Königreiche,  Anfang  des
11.  Jahrh.  folgte  Polen,  1076  Croatien,  1204  Bulgarien,  im  12.  Jahrh.
ward  Sicilien  päpstlicher  Vasallenstaat,  1204  Arragonien,  1213  unter  Johann
ohne  Land  England;  Portugal  und  Algarve,  Schottland,  Corsica  —  Sardinien
  erlangten  königliche  Kronen  vom  Papste,  so  daß  das  deutsch-kaiserliche
Staatensystem  vom  päpftlichen  fast  umschlossen  war  und  von  den  Königreichen
des  Abendlandes,  welche  damals  wirklich  politisch  zählten,  nur  Frankreich  und
Castilien  außerhalb  dieses  Verbandes  blieben.  Speciell  beanspruchte  der  heil.
Stuhl  das  Verfügungsrecht  über  alle  Inseln,  so  schreibt  Adrian  IV.  als  er
Heinrich  II.  von  England  Erlaubniß  giebt  Irland  zu  erobern:  „Sane  Hiberniam
  et  omnes  insulas,  quibus  Sol  justitiae  Jesu  Christi  illuxit  et  quse
documenta  fidei  Christianae  susceperunt,  ad  jus  beati  Petri  et  sacrosanctae
  Romanae  ecclesige  (quod  et  nobilitas  tua  recognoscit)  non  est
dubium  pertinere.  (Bullar.  Rom.  1739.  II  p.  351).  Wie  aber  der  Papfst
Kronen  verleihen,  so  konnte  er  sie  auch  nehmen,  so  entsetzte  1076  Gregor  VII.
Heinrich  IV.  des  Thrones,  Alexander  III.  1168  Friedrich  I.,  Gregor  IX.  1239
Friedrich  II,  Innocenz  III.  1212  Johann  von  England.  Den  letzteren  Fall  berichtet
Matth.  Paris.  (ed.  1874  II  p.  536)  folgendermaßen.  Papa  sententialiter
definivit  ut  Rex  Anglorum  Joannes  a  solio  regni  deponeretur,  et  alius,
Papa  procurante,  succederet,  qui  dignior  haberetur.  «  In  allen  diesen  wie
andern  Fällen  wird  zugleich  mit  der  Thronentsetzung  die  Lösung  der  Vasallen
und  Unterthanen  von  ihrem  Treueide  ausgesprochen;  so  z.  B.  bei  Friedrich  II.
„omnes,  qui  ei  juramento  fdelitatis  tenentur  adstricti,  a  juramento  huiusmodi
  perpetuo  absolventes;  auctoritate  Apostolica  firmiter  inhibendo,  ne
quisouam  de  caetero  sibi  tanquam  Imperatori  vel  Regi  pareat  vel  quo
modolibet  parere  intendat.“  (c.  2  de  sent.  in  VIo  2,  14  Ad  apostolicae),
folgten  diese  dem  päpstlichen  Gebot  nicht,  so  wurden  sie  für  rechtlos,  ihre
Gũter  der  Confiscation  verfallen  erklärt,  wie  dies  Clemens  V.  1309  gegen
Venedig,  Gregor  XI.  1376  gegen  Florenz  verfügte.

4)  Der  Papst  hat  das  Recht  nichtkatholische  Länder  und  Völker  katholischen
  Regenten  zu  schenken;  Nicolaus  V.  gab  Alphons  von  Portugal  1454
das  Recht  Westafrika  zu  erobern  und  dessen  Völker  in  ewige  Sklaverei  zu  bringen,
  Alexander  VI.  vertheilt  1498  durch  die  Bulle  Inter  caetera  die  neue  Welt
umter  Spanien  und  Portugal  „kraft  der  Autorität  des  Allmächtigen  Gottes
die  uns  vom  heil.  Petrus  verliehen  ist.“

5)  Der  Papst  hat  das  Recht  Staatsgesetze  und  Verträge  für  nichtig  zu
erklären,  sobald  sie  den  Rechten  der  Kirche  zuwiderlaufen.

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