Die  Ströme  Amerikas.  359

Die  La  Platastaaten  gelangten  nach  vielen  inneren  Erschütterungen  endlich
  zu  einer  unabhängigen  Verfassung.  In  den  Verträgen  von  1828,  1830
und  1831,  welche  dem  Mangel  einer  Oberleitung  ein  Ende  machten  und  die
Grundlage  des  Staatsrechtes  der  Argentinischen  Republik,  welche  bei  der  vorwürfigen
  Frage  am  meisten  interessirt  ist,  bilden,  wurde  Bestimmung  getroffen
über  das  spätere  Zusammentreten  eines  Congresses,  mit  der  Aufgabe  die  wichtigsten
  bei  der  Föderation  aufgetretenen  Fragen,  worunter  die  Freiheit  der
Stromschifffahrt  den  hervorragendsten  Platz  einnahm,  zu  regeln.

Argentinien  beanspruchte  unter  der  Regierung  des  Generals  Rosas,  gestützt
auf  einen  Vertrag  zwischen  der  Argentinischen  Republik  und  Großbritannien
vom  2.  Februar  1825  das  Recht,  die  vortreffliche  Wasserstraße  des  Rio  de  la
Plata  je  nach  seinem  Belieben  für  die  Schifffahrt  zu  öffnen  oder  zu  sperren,
sowie  deren  Benutzung  durch  Paraguay  zu  verbieten,  für  welches  dieser  Strom
die  einzige  Straße  zum  Meere  bildet  und  welches  Antheil  an  der  Schifffahrt
auf  dem  Parana  und  Rio  Paraguay  forderte.  11)

Während  langer  Jahre  brachte  die  Hartnäckigkeit  des  Argentinischen
Dictators  die  Bemühungen  der  Europäischen  Mächte  und  des  Kaiserthums
Brafilien  für  freien  Zugang  zu  dem  Strome  zum  Scheitern,  die  sich  in  der
Richtung  bewegten,  dem  Handel  die  Schifffahrt  auf  demselben  zu  sichern  und
der  ungerechtfertigten  Absperrung  dieses  mächtigen,  für  drei  mit  Argentinien
ganz  gleichberechtigte  Staaten  zur  Verfügung  stehenden  Verkehrsmittels  durch
den  General  Rosas  ein  Ende  zu  bereiten.

Im  Jahre  1851  brach  General  Urquiza,  Gouverneur  von  Entre-Rios,
einem  Mitgliedstaate  der  Argentinischen  Conföderation,  mit  der  Regierung
von  Buenos-Ayres  und  rief  im  Einverständniß  mit  der  Regierung  von  Montevideo
die  bewaffnete  Intervention  Brasiliens  an.  Nach  der  Niederlage  von  Monte  Caseros
  am  3.  Februar  1852,  mußte  Präsident  Rosas  seine  Machtstellung  dem  General
Urquiza  überlassen  und  dieser  verkündete  sofort  die  zur  Sicherung  seiner  Stellung
  nöthigen  liberalen  Regierungsmaximen.  Bereits  unter  den  am  12.  und
13.  October  zu  Rio  de  Janeiro  abgeschlossenen  fünf  Verträgen  zwischen  Brasilien
und  den  Abgesandten  des  Generals  Urquiza  befindet  sich  ein  auf  den  Handel
im  allgemeinen  sowie  auf  die  Stromschifffahrt  dieser  verschiedenen  Staaten
insbesondere  bezüglicher;  die  Schifffahrt  auf  dem  Uruguay  und  seinen  Nebenflüssen
  wurde  als  für  die  contrahirenden  Parteien  gemeinsam  erklärt  (Art.  14);
die  Übrigen  Uferstaaten  des  La  Plata  sollten  eine  Uebereinkunft  behuss  Freierklärung
  der  Schifffahrt  auf  dem  Parana  und  Paraguay  treffen  (Art.  15).

Am  10.  Juli  1853  schloß  General  Urquiza  zu  San  José  de  Flores  mit
den  Vertretern  von  Frankreich,  England  und  den  Vereinigten  Staaten  gleichlautende
  Verträge,  worin  er  die  freie  Schifffahrt  auf  der  ganzen
zur  Conföderation  gehörigen  Strecke  des  Parana  und  Uruguay
in  vollem  Maße  zugestan  d.  10)

Der  Vertrag  zwischen  Paraguay  und  Brasilien  vom  27.  April  1855  gewährte
  die  gleichen  Zugeständnisse  bezüglich  des  Rio  Paraguay.