396  Das  Stronigebietsrecht  und  die  internationale  Flußschifffahrt.

Vereinigten  Staaten  für  gewisse  ihnen  gewährte  Concessionen,  in  positiver
und  wirksamer  Weise,  die  Neutralität  des  Isthmus  von  Panama
sowie  jeder  interoceanischen  Verbindung,  welche  auf  oder
durch  den  Isthmus  hergestellt  werden  würde,  ferner  die  Freiheit
des  Verkehrs  von  Meer  zu  Meer.  Die  Souverainetäts-  und  Territorialbesitzrechte
  der  Vereinigten  Staaten  von  Columbia  wurden  innerhalb  der
Grenzen  des  Staates  Panama  ebenfalls  garantirt.

Andererseits  kam  im  Jahre  1850  zwischen  den  Vereinigten  Staaten
und  England  der  sogenannte  Clayton-Bulwer-Vertrag  zum  Abschluß,
welcher  eine  zukünftige,  durch  internationalen  Act  zu  gewährende
Garantie  der  Neutralität  eines  Canals  zum  Zweck  hat,  der
zur  Verbindung  des  Atlantischen  mit  dem  Pacifischen  Ocean
etwa  zur  Ausführung  käme.)

Mit  dem  Abschluß  dieser  Convention,  welche  im  Voraus  die  Neutralität
  jedes  interoceanischen  Canals  anerkannte,  schlug  die  große
Amerikanische  Republik  zum  ersten  Male  jene  Bahn  ein,  auf  der  sich
diese  Verhältnisse  internationaler  Art  ohne  Zweifel  weiter  entwickeln
werden.  Trotzdem  wollten  die  Vereinigten  Staaten,  beunruhigt  durch  das
Vorhaben  der  Europäischen  Mächte,  gemeinsam  mit  ersteren  die  Neutralität
  des  im  Bau  begriffenen  Canals  durch  den  Isthmus  von  Panamazu
  garantiren,  plötzlich  den  Clayton-Bulwer-Vertrag  kündigen  und  statt
dessen  die  Monroedoctrin  in  der  internationalen  Politik  der  civilisirten
Welt  zur  Anerkennung  und  Durchführung  bringen;  )  sie  bestritten  diese
Collectivgarantie  der  Neutralität  durch  sämmtliche  Mächte
auf  Grund  der  Territorialhoheit  der  Vereinigten  Staaten
von  Columbia  und  forderten  ausschließlich  zu  ihren  Gunsten
die  Ueberwachung  des  Canals,  damit  einen  Rückschritt  in  die  Kreise
particularistischer,  vom  Völkerrechte  fernzuhaltender  Politik  machend.))

Das  Cabinet  von  Washington  behauptete  hiernach,  daß  eine  Europäische
  Neutralitätsgarantie  in  directem  Widerspruch  mit  den  von  ihm
als  alleinigen  Garanten  der  Integrität  des  Columbischen  Gebietes  und
der  Neutralität  des  Canals  übernommenen  Verbindlichkeiten  stehe  und
daß  jede  auswärtige  Garantie  als  überflüssig  und  wenig  freundschaftlich
gegen  die  Vereinigten  Staaten  betrachtet  werden  könne.)

Anlangend  den  Clayton-Bulwer-Vertrag,  dessen  Bestimmungen  nicht
nur  England  Antheil  an  der  Neutralitätsgarantie  gaben,  sondern  den
vertragsmäßigen  Schutz  der  hohen  Contrahenten  „auf  alle  anderen  Verbindungen
  über  den  Isthmus,  sei  es  Canal,  sei  es  Eisenbahn  ausdehnte,
  die  auf  der  Route  von  Tehuantepek  oder  Panama  erstellt  werden
möchten“,  10)  so  wurden  als  hauptsächliche  Gründe  für  dessen  Beseitigung
geltend  gemacht:  Der  Vertrag  sei  vor  mehr  als  30  Jahren  unter  Ausnahmsverhältnissen,
  die  seit  langem  nicht  mehr  bestünden,  geschlossen
worden  und  habe  fortwährend  Differenzen  veranlaßt;  die  ungeheure
Entwicklung  der  Vereinigten  Staaten  an  den  Küsten  des  Stillen  Oceaus
bringe  für  dieselben  auch  neue  Pflichten  und  Verantwortlichkeiten  mit  sich